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Aktuelles

In der Kategorie Aktuelles finden Sie ständig neue Termine, Artikel, Veranstaltungen und Mitteilungen zum Thema Aufarbeitung des Kommunismus.

 

In der Unterkategorie News sind Meldungen zum Zeitgeschehen sowie Ausschreibungen und Mitteilungen befreundeter Aufarbeitungsinstitutionen eingestellt. Bundesstiftung informiert über Neuigkeiten, Fördermöglichkeiten und verschiedene Veranstaltungsformate aus unserem Haus.

Vielleicht findet ja eine interessante Veranstaltung in ihrer Nähe statt? Die Unterkategorie Termine bietet erstmals einen weltweiten Überblick zu Veranstaltungen zum Thema Kommunismus. Aktuelle wissenschaftliche Konferenzen, Tagungen und Call for Papers, aber auch Theaterstücke, Seminare und Sonderausstellungen, die sich mit der Historisierung und Verarbeitung kommunistischer Vergangenheiten beschäftigen werden in Kurztexten vorgestellt. Über unsere interaktive Karte lassen sich die Termine auch nach Veranstaltungsorten durchsuchen. Für Recherchezwecke sind im Archiv alle vergangenen Veranstaltungen aufrufbar.

OnlinePresse versammelt eine Auswahl an tagesaktuellen Zeitungsartikeln, die historische Ereignisse der Kommunismusgeschichte kommentieren, ihre Folgen bis in die Gegenwart aufzeigen und auf die unterschiedliche Rezeption in Kultur, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft hinweisen.

In Kooperation mit dem deutschsprachigen geschichtswissenschaftlichen Fachinformationsportal HSozKult präsentieren wir Ihnen eine Reihe ausführlicher Veranstaltungsnachlesen und Ausstellungsrezensionen in der Unterkategorie Berichte.

 

Was war die Normalisierung? Die Tschechoslowakei 1969-1989. Jahrestagung des Collegium Carolinum

Berichte | Tagungsbericht | vom 08.11.2018 | bis zum 11.11.2018 | Collegium Carolinum
Collegium Carolinum Logo
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Für die Epoche zwischen dem „Prager Frühling“ und der „samtenen Revolution“ wurde in der Tschechoslowakei der Begriff der Normalisierung gebraucht. Noch bis heute wird diese Epoche als eine „bleierne Zeit“ wahrgenommen, die geprägt war von Kontrolle und Repressionen, aber auch als die einer grundsätzlichen Ereignislosigkeit, in der oppositionelle Kräfte selten die Chance hatten zu der apathischen Mehrheitsgesellschaft durchzudringen. Eine differenziertere Wahrnehmung dieser Epoche lässt sich in den vergangenen Jahren erkennen. Die Tagung des Collegium Carolinum, die vom 08.11.2018 bis zum 11.11.2018 stattfand, verfolgte deshalb das Ziel, die Epoche der „Normalisierung“ in ihren unterschiedlichen Facetten zu beleuchten und zu diskutieren. Im Fokus standen dabei die kulturellen, sozialen und politischen Wandlungsprozesse von 1969 bis 1989, sowie die innere Pluralität dieser „Normalisierungsgesellschaft“ und deren Lebenswirklichkeit. Vorträge widmeten sich folgenden Fragen: Welche Lebensmodelle entwickelten sich seit den 70er Jahren in der Tschechoslowakei? Welche Phänomene bildeten sich auf dem Feld zwischen Subversion und offizieller Kultur und welche davon sind „normalisierungstypisch“ und lassen sich auch in benachbarten sozialistischen Gesellschaften ausmachen? Welche Entwicklungsschritte können als systemübergreifende Epochenmerkmale klassifiziert werden?

Die letzte Jahrestagung des Collegium Carolinum hatte mit dem Jahrestag zum Prager Frühling eines der großen Jubiläen des zu Ende gehenden Gedenkjahres thematisiert. Daran knüpfte die diesjährige Konferenz, die vom 8. bis 11. November 2018 in Pelham stattfand, direkt an: Sie widmete sich der Frage, was die Normalisierung war, die der Niederschlagung des reformsozialistischen Experiments folgte. Handelte es sich um eine rein restaurative Epoche, oder lassen sich Kontinuitäten zu den 1960er-Jahren, vielleicht sogar Bemühungen um Modernisierung ausmachen? Zur informellen Eröffnung stand der Film „A bude hůř“ („Und es wird noch schlimmer“) auf dem Programm, in den Zuzana Jürgens (München) einführte. 

Den ganzen Tagungsbericht von Judith Brehmer für H-Soz-Kult können Sie hier nachlesen. 

Konferenzübersicht:

Einführung

Thomas Lindenberger (Dresden): „Was war die Normalisierung?“

Legitimation und Herrschaftspraxis

Martin Schulze Wessel (München): Der „Prager Frühling“ in der Normalisierung

Zuzana Polačková (Bratislava): Gustáv Husák, Slovak Federalism, and the Making of ‘Normalisation’, 1968–1970

Stefan Lehr (Münster): Kollektive Entscheidungsfindung im Präsidium des Zentralkomitees der KSČ?

(Gegen-)Kulturen I

Marek Nekula (Regensburg): Jan Palach und der Wandel der Öffentlichkeit

Peter Jašek (Bratislava): Unofficial Culture as a Part of the Slovak Dissent

(Gegen-)Kulturen II

Libuše Heczková / Kateřina Svatoňová (Prag): Czech Experimental Stage Laterna Magica During the Time of Normalisation – the Case of Cultural Dislocation and Defense

Geschlechterverhältnisse

Celia Donert (Liverpool / Berlin): Gender in Socialism, Late and Post-Socialism

Peter Hallama (Bern): Normalisierte Geschlechterverhältnisse? Tschechische Väter in den 1970er und 1980er Jahren

Franz Schindler (Gießen): „Žena za pultem“ revisited

Lebensstil

Martin Franc (Prag): Weißer Mercedes vor moderner Villa: Luxuriöse Lebensstile während der Normalisierung

Jakub Machek (Prag): Between Bubblegum and Disco – Searching for a New Form of Official Popular Music

Retrospektive Konzeptualisierungen

Anna Artwińska (Jena): Wiederspiegelungseffekte: Zur Verschränkung von „Makro“- und „Mikrogeschichte“ in Michael Vieweghs Familienroman „Bájecná léta pod psa“ (1992)

Marketa Spiritova (München): „Hand aufs Herz: Nicht alles im Sozialismus war schlecht“. Die Normalisierung in der populären Erinnerungskultur

Jan Mervart (Prag): Differing Approaches to the Normalization Era in Czech Historiography and Social Sciences

Übergänge, Post-Normalisierung

Ondřej Daniel (Prag): “Wine Comedies” of Czechoslovak Normalization Period: Conservative Skeleton in the Closet?

Michal Kopeček (Prag/Jena): From Socialist Legality to Rule of Law? Law and Jurisprudence between Communist Authoritarianism and Liberal Constitutionalism