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Logo der Veranstaltungsreihen anlässlich Karl Marx 200. Geburtstages der Universität Trier

Tagungsbericht

What is Left of Marxism? Historiography and the Possibilities of Thinking with Marxian Themes and Concepts

vom 22.05.2018 | bis zum 23.05.2018

Die DFG-Leibniz-Forschergruppe „Vergleichende Zeitgeschichte der modernen Geschichtswissenschaften“ am Forschungszentrum Europa der Universität Trier lud anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx am 22. und 23. Mai zu einem Workshop in die Geburtsstadt des Philosophen ein. Die Organisatoren fragten nach der heutigen Bedeutung von Karl Marx' Begriffen, Theorien und Konzepten in der Geschichtswissenschaft. Somit wollte die Veranstaltung Möglichkeiten und Grenzen marxistischer Analysekategorien in der modernen Geschichtswissenschaft neu ausloten und ihre Sinnhaftigkeit diskutieren. Die drei Sektionen widmeten sich den Modi der Produktion vor dem industriellen Kapitalismus, Klassenkonflikten und subalternen Gruppen sowie marxistischen Ansätzen für eine Globalgeschichte. Diesen hohen Ansprüchen wurde der Workshop vor allem durch die thematisch breit aufgestellten und internationalen Referierenden gerecht. Die Eingeladenen kamen aus unterschiedlichsten Fachgebieten wie der Labor History, den Cultural Studies, der Global History oder sind Area Studies Experten. Der Workshop war Teil eines vielfältigen Veranstaltungsprogramms an der Universität Trier anlässlich des 200. Marx Geburtstages. Gewissermaßen als Auftakt und Vorspann zum internationalen Marx-Kongress der Universität Trier (23.-25. Mai) veranstaltete die DFG-Leibniz-Forschergruppe „The contemporary history of Historiography“ einen Workshop zur Relevanz Marx'scher Konzepte und Ansätze in der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft. Ausgangspunkt war, wie BEN ZACHARIAH (Universität Trier), einer der Organisatoren eingangs formulierte, die Beobachtung, dass Marx' Erbe nach den verschiedenen turns der internationalen Geschichtswissenschaft zu einer vergessenen oder verschütteten Tradition geworden sei und es heute vielfach darum gehe, sich wieder an Ideen und Begriffe zu erinnern, die man gekannt, aber zwischenzeitlich verdrängt habe. Sympathie und Neugierde für Marx'sche und marxistische Ansätze war denn auch ein roter Faden dieses Workshops. Den Tagungsbericht von Lutz Raphael für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: A: Modes of Production Before Industrial CapitalismChair: Josef Ehmer (Universität Wien) Kaveh Yazdani (Universität Bielefeld): Reading Marx in the Divergence DebateDiscussant: Benjamin Zachariah (Universität Trier) Jorge Grespan (University of São Paulo): Marxism and the Debates on Slavery in BrazilDiscussant: Amar Baadj (Universität Bonn / Universität Trier) Amar Baadj (Universität Bonn / Universität Trier): Mahmud Isma’il and his Historical-Materialist Approach to the History of the Medieval Islamic WorldDiscussant: Benjamin Zachariah (Universität Trier) Mohammed Maraqten (Universität Heidelberg): Marxist Historiography and the Ancient Near East: The Impact of Marxist Writings on the Historical Interpretation of the Ancient Near East in RetrospectDiscussant: Amar Baadj (Univeristät Bonn / Universität Trier) B. Class Conflict and Subaltern GroupsChair: Benjamin Zachariah (Universität Trier) Mischa Suter (Universität Basel): The Critique of Political Economy and the Politics of Moral EconomyDiscussant: Josef Ehmer (Universität Wien) Benjamin Zachariah (Universität Trier): Historiographical Turning Points: Marx versus Marxism in India Discussant: Lutz Raphael (Universität Trier) C. Marxist Approaches to Global HistoryChair: Lutz Raphael (Universität Trier) Matthias Middell (Universität Leipzig): Marx and Today's Global HistoryDiscussant: Benjamin Zachariah (Universität Trier) Preben Kaarsholm (re:work HU Berlin): Marx, Globalisation, and the Reserve Army of Labour David Mayer (Universität Wien / IISG Amsterdam): Modes of Production - Past Debates and Future Potential of a Key Marxist NotionDiscussant: Benjamin Zachariah (Universität Trier) Kavita Philip (UC Irvine): Marxist Techné? Tactical Lessons from the History of Science and TechnologyDiscussant: Lutz Raphael (Universität Trier)

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Tagungsbericht

Internationale Beziehungen und „emotional regimes“. Neue Fragen an die Geschichte des Kalten Krieges

vom 14.03.2018 | bis zum 17.03.2018

Vom 14.03. bis zum 16. 03. 2018 fand am Historischen Kolleg München die Tagung “Internationale Beziehungen und „emotional regimes“: Neue Fragen an die Geschichte des Kalten Krieges” statt. Im Fokus der Tagung stand der Gedanke, die Geschichte der Internationalen Beziehungen um die Perspektive der subjektiven Erfahrungen und Wahrnehmungen zu bereichern. Die Begriffsfelder Angst, Hass und Besorgnis; Vertrauen und Misstrauen; Begeisterung und Empörung sowie Enttäuschung und Ernüchterung standen im Zentrum dieser Reflexion. Theoretische Anknüpfungspunkte hierfür waren unter anderem die Grundlagen von Reinhart Koselleck, Ute Frevert, Alexander Wendt und Thomas Diez. Es wurde auf dieser Konferenz der Versuch unternommen, Methodik und Theorie der Emotionsgeschichte auf den Untersuchungsgegenstand Internationale Beziehungen anzuwenden, um ein neues Licht auf die Handlungsspielräume und -Motivationen der handelnden Akteure zu werfen. Historiographisch kann die Tagung in den größeren Kontext des “emotional turn” der letzten Jahre eingeordnet werden; dieser bezeichnet die zunehmende Bedeutung von “weichen” Faktoren wie Gefühle und Erwartungen in einer zuvor eher traditionell analysierenden Disziplin wie den Internationalen Beziehungen. Nach einer kurzen Begrüßung durch MARTIN SCHULZE WESSEL (München) legte HÉLÈNE MIARD-DELACROIX (Paris) in ihrer Einleitung den Anspruch der Tagung dar: Ziel sei es, die Geschichte der internationalen Beziehungen im Kalten Krieg anhand eines bisher vernachlässigten emotionsgeschichtlichen Ansatzes neu zu betrachten. Dabei definierte sie die im Titel der Tagung erwähnten „emotional regimes“ (William Reddy) zunächst als kommunikative Codes, die zur Blockbildung und -kohäsion genutzt wurden, und betonte die zeitliche Dimension und Wandelbarkeit von Emotionen. ANDREAS WIRSCHING (München) ging daraufhin ebenfalls auf die Zeitlichkeiten von Emotionen ein und fragte nach deren Übereinstimmung mit der Periodisierung des Kalten Kriegs. Den ganzen Tagungsbericht von Valérie Dubslaff für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Keynote: Ute Frevert (Berlin): Die Gefühle der Staaten. Völkerrecht und politische Praxis in der Moderne Sektion 1: Angst, Hass und Besorgnis Birgit Aschmann (Berlin): Antikommunismus als emotionales Regime und Gründungsnarrativ im Franquismus Corine Defrance (Paris): Reaktionen und Emotionen in Frankreich während der Berlin-Krisen Thomas Freiberger (Bonn): Emotionen als Faktor in der Suezkrise 1956 Jost Dülffer (Köln): Multiple Ängste vor dem Nuklearwaffensperrvertrag in den 1960er Jahren Sektion 2: Vertrauen und Misstrauen Jessica Gienow-Hecht (Berlin): Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Ein Blick in die US-außenpolitische Geschichte Bernd Greiner (Hamburg): Vertrauen und Misstrauen als Ressource internationaler Politik – dargestellt am Beispiel der amerikanisch- sowjetischen Detente Kristina Spohr (London): Vertrauen auf dem Gipfel. Das Ende des Kalten Krieges Sektion 3: Begeisterung und Empörung Joachim Scholtyseck (Bonn): „Unter der Fahne der heiligen Sache der Erlösung der Menschheit“: Dekolonisierung, Revolutionsbegeisterung und romantische Verklärungen der Neuen Linken Magnus Brechtken (München): „Mad men“ und Napalm – Nutzen, Versuchungen und Grenzen des Blicks auf Emotional Regimes in der Wirkungsgeschichte des Vietnam-Krieges Laurence Badel (Paris): Das Tian'anmen-Massaker (1989): „Chaos, Grauen und Erstarrung“ (Médecins sans Frontières) — Die Globalisierung einer internationalen Emotion und ihre Grenzen Sektion 4: Enttäuschung und Ernüchterung Bernhard Gotto (München): Enttäuschung als Beziehungsmarker und Bewertungskategorie in den Internationalen Beziehungen nach 1945 Martin Schulze Wessel (München): „Mit der Sowjetunion auf ewige Zeiten – aber keinen Tag länger!“ Emotionalisierung und Ernüchterung in den tschechoslowakisch-sowjetischen Beziehungen im Prager Frühling Frank Bösch (Potsdam): Euphorie, Angst und Enttäuschung: Das sandinistische Nicaragua und das Ende des Kalten Krieges Sektion 5: „Emotional regimes“, Deutschland und die internationale Politik Frederike Schotters (Tübingen): Außenpolitik als Geschäft mit Emotionen. Ein Einblick in Prozesse und Mechanismen deutsch- französischer Vertrauensbildung Anfang der 1980er Jahre Philipp Gassert (Mannheim): „Vertrauen schaffen“: Emotionale Vergemeinschaftung als Ressource westdeutscher Außenpolitik im Kalten Krieg Sektion 6: NGOs/humanitäre Hilfe Agnes von Bressensdorf (München): Westdeutschland und das humanitäre Regime im Afghanistan-Konflikt Johannes Paulmann (Mainz): Zwischen Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe: Westdeutsche Beziehungen zur „Dritten Welt“ Claudia Kemper (Hamburg): „Wir können und dürfen diesen Wahnsinn nicht mehr dulden, wenn unsere Erde überleben soll.“ NGOs als Emotionsagenturen internationaler Konflikte

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Tagungsbericht

Zusammenbruch, Aufbruch, Abbruch? Die Novemberrevolution als Ereignis und Erinnerungsort

vom 25.11.2017 | bis zum 27.11.2017

In der Endphase des Ersten Weltkrieges führte die Novemberrevolution von 1918/19 zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und zu dessen Umwandlung in eine parlamentarische Demokratie, die Weimarer Republik. Die im November 2017 in Weimar stattgefundene Konferenz „Zusammenbruch, Aufbruch, Abbruch? Die Novemberrevolution als Ereignis und Erinnerungsort“ nutzte die Gelegenheit, die Novemberrevolution in ihren sehr verschiedenen Kontexten und aus verschiedenen Perspektiven neu zu betrachten und ihr in einem umfassenden Sinne neue Konturen zu verleihen: Als herausragendes und immer wieder umstrittenes und neu zu verhandelndes Ereignis der deutschen und europäischen Geschichte. Denn die Novemberrevolution hört zusehends auf, eine „vergessene Revolution“ zu sein: In Wissenschaft und Öffentlichkeit wächst die Einsicht, dass der Aufbruch in die erste parlamentarische Demokratie Deutschlands mehr war als eine halbe, stecken gebliebene oder gar verratene Revolution. Die Referenten der Konferenz diskutierten die Bedeutung der Novemberrevolution für die deutsche Demokratiegeschichte sowie neue Ansätze der Geschichtswissenschaft, die die Revolutions- und Weimarforschung derzeit verändern. Neben Vorträgen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wurden auch hervorragende Bachelor- und Masterarbeiten zur Weimarer Republik ausgezeichnet. Versteht man Jubiläen mit Aleida Assmann als „Denkmäler in der Zeit“, so müsste die derzeitige „Jubiläumitis“ als Exzess der Denkmalpflege in die Geschichte unserer Gegenwart eingehen. Um einer derart vergangenheitsversessenen Zeitkrankheit vorzubeugen, fühlen sich viele Geistes- und Kulturwissenschaftler neuerdings dazu verpflichtet, jedem Gedenktag eine nützliche Denktagung entgegenzusetzen. Nichtsdestotrotz werden wissenschaftliche Veranstaltungen mit Jubiläumsappeal oft erst durch diesen ermöglicht: sei es finanziell durch die Unterstützung vom Bund oder von Forschungsgemeinschaften oder medien- und marktökonomisch durch die Generierung der öffentlichen wie wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Lesen Sie den ausführlichen Tagungsbericht von Verena Wirtz bei H-Soz-Kult. Konferenzübersicht: Michael Dreyer / Andreas Braune (Jena): Begrüßung und Einführung 1. Sitzung: War das Kaiserreich noch zu retten? Lothar Machtan (Bremen): Geburtshelfer der Demokratie? Prinz Max von Baden – der letzte Kanzler des KaisersKarl Heinrich Pohl (Kiel): Die unnötige Revolution? Überlegungen zu einer Neuinterpretation der Ereignisse von 1918/19 2. Sitzung: Umwälzungen des Sagbaren oder Business as usual? Nadine Rossol (Essex): „Die Abdankung unseres Kaisers hat mich nicht besonders getroffen..." - Emotionen, Erwartungen und Teilhabe an der deutschen Revolution 1918/19Wolfram Pyta (Stuttgart): Demokratischer Urknall im Traumland – Kulturhistorische Reflexionen über den Gestaltwandel des Politischen von November 1918 bis Mai 1919 Abendveranstaltung Verleihung der Preise zu Forschungsarbeiten zur Weimarer Republik Festvortrag von Martin Sabrow (Potsdam / Berlin): Verhasst – Verehrt – Vergessen: Die Novemberevolution in der deutschen Gedächtnisgeschichte 3. Sitzung: Die Russische Revolution und die deutsche Linke Gleb J. Albert (Zürich): 1917-19 – Eine russisch-deutsche Doppelrevolution?Walter Mühlhausen (Heidelberg): Programm vs. Realpolitik – Sozialdemokratie und radikale Linke in der Revolution 4. Sitzung: Auf- oder Zusammenbruch? Liberale und Konservative in der Revolution Jens Hacke (Halle): Das Wagnis der Demokratie. Der Liberalismus zwischen Erneuerung und Existenzkrise Kirsten Heinsohn (Hamburg): Zusammenbruch und Kontinuitäten. Konservative Reaktionen auf die Revolution 5. Sitzung: Frauen(-bewegung) und Revolution Ingrid Sharp (Leeds): Die Frauenbewegung und die RevolutionHedwig Richter (Hamburg): Eine revolutionäre Selbstverständlichkeit? Das Frauenwahlrecht als nichtkontroverse Errungenschaft der Revolution 6. Sitzung: Revolution und Gewalt; Orte der Revolution Mark Jones (Dublin): Am Anfang war Gewalt. Violence and the German Revolution of 1918-19Detlef Lehnert (Berlin): Eine Revolution der Städtevielfalt? 7. Sitzung: Die Revolution und das Recht Manfred Baldus (Erfurt): Die Novemberrevolution und ihre Fragen an das RechtDaniel Siemens (Newcastle): Revolutionäre Justiz? Volkssouveränität und Recht bei Erich Kuttner und Walther Lamp'l in der frühen Weimarer Republik 8. Sitzung: Vorstellung der B.A.- und M.A.-Arbeiten der PreisträgerInnen Matthias-Erzberger-Preis:Ludwig Decke, B.A. (Leipzig): Feindschaft statt Vermittlung. Carl Schmitts Antiliberalismus in der Weimarer RepublikSimon Sax, B.A. (Bremen): Wahlempfehlungen in der deutsch-jüdischen Presse vor den Reichstagswahlen im September 1930 und Juli 1932. Eine VersicherheitlichungsanalyseHugo-Preuß-Preis:Angela Schuberth, M.A. (Berlin): Der Begriff der „Volksgemeinschaft“ vor dem Nationalsozialismus. Eine empirische Analyse des Begriffsgebrauchs in der Vossischen Zeitung zwischen 1918 und 1933Grischa Sutterer, M.A. (Tübingen): Alternative Ordnungsentwürfe im deutschen Offizierskorps zwischen Nation und Weltpolitik, 1915-1923. Friedrich von Boetticher, Oskar von Niedermayer, Hans von Seeckt 9. Sitzung: Die Novemberrevolution: Ein verlorener Erinnerungsort? Wolfgang Niess (Stuttgart): Die ungeliebte Revolution. Die verdrängte und politisierte Erinnerung an 1918/19 im geteilten DeutschlandMartin Sabrow (Potsdam / Berlin): Kommentar: Die Novemberrevolution als Erinnerungsort der Republik?Andreas Braune / Michael Dreyer (Jena): Schlussworte

Screenshot der Website der Rosa Luxemburg Stiftung

Tagungsbericht

Perspektiven auf den Roten Oktober

vom 03.11.2017 | bis zum 05.11.2017

Vom 3. bis 5. November 2017 veranstaltete die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) einen dreitägigen wissenschaftlichen Kongress, zu dem mehr als 200 Gäste in das Berliner Hauptgebäude der Stiftung gekommen waren. Ausgangspunkt der Veranstaltung war, dass die Russische Revolution nicht nur das 20. Jahrhundert im Allgemeinen, sondern auch die politische Theorie und Praxis der Linken in besonderer Weise nachhaltig geprägt hat. Daher beleuchtete die Tagung neben den weltgeschichtlichen Dimensionen und Folgen der Russischen Revolution vor allem auch die Frage, welche Bedeutung sie für heutige politische Diskussionen besitzt. Daher wurden die globalen Folgen der Oktoberrevolution beschrieben, aber auch verschiedene Lesarten des Roten Oktober analysiert. Im Reigen der Jubiläen sind 100 Jahre immer wieder Anlass, sich wissenschaftlich neu mit historischen Großereignissen zu befassen. Das war mit 100 Jahren Erster Weltkrieg ab 2014 nicht anders als jetzt mit 100 Jahren Oktoberrevolution in 2017. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) organisierte vom 3. bis 5. November 2017 unter der Federführung von Uwe Sonnenberg und Christoph Jünke eine dreitägige wissenschaftliche Großveranstaltung im Berliner Hauptgebäude der RLS, die mehr als 200 Gäste anzog. Das Besondere an dieser Tagung war der Zugang über Theorie und Praxis der Linken in den vergangenen 100 Jahren, denn kontinuierlich war diese weltweit von den Ereignissen des Jahres 1917 geprägt. Als Auftakt debattierten am Freitagabend MICHAEL BRIE (Berlin) und die hessische Fraktionsvorsitzende der Linkspartei des hessischen Landtages JANINE WISSLER (Frankfurt am Main) über den Umgang mit dem Erbe des wohl bedeutendsten Linken des 20. Jahrhunderts: Wladimir I. Lenin.Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Riccardo Altieri bei H-Soz-Kult hier.Konferenzübersicht:Podiumsdiskussion:Janine Wissler (Frankfurt am Main) und Michael Brie (Berlin): Das Erbe Lenins: Unausschlagbar, unannehmbarEröffnung:Florian Weis (Berlin)Keynotes:Jodi Dean (New York): The Red October and the idea of communism yesterday and todayBoris Kagarlitzki (Moskau): Past and Presence of Revolution in RussiaSektion 1: Globale Folgen der Oktoberrevolution:Moderation: Julia Killet (RLS)David Mayer (Wien): Mächtig marginal. Die Kommunistische Internationale und LateinamerikaReiner Tosstorff (Mainz): Westeuropa im Schatten der Russischen RevolutionFelix Wemheuer (Köln): Eine Alternative zur Nation? Der Einfluss der sowjetischen Nationalitätenpolitik auf den chinesischen KommunismusGeorgi Mamedow (Bischkek): October Revolution in Central Asia: Legacy and Contemporary PoliticsSektion 2: Lesarten des Roten Oktober (I):Moderation: Sabine Nuss (RLS)Wladislaw Hedeler (Berlin): Zwischen Demokratie und Revolution: Menschewiki vs. BolschewikiUli Schoeler (Berlin): Die österreichischen Sozialdemokraten und die russische RevolutionPhilippe Kellermann (Berlin): Die internationale anarchistische Bewegung und der BolschewismusGisela Notz (Berlin): Die Frauen der russischen Revolution und ihre Impulse für die Feminismen des 20. JahrhundertsSektion 3: Auf dem Weg zum „Neuen Menschen“?Moderation: Marcus Hawel (RLS)Marcel Bois (Hamburg): Die Kunst der Revolution. Russische Avantgarde im jungen SowjetstaatOksana Bulgakowa (Berlin): Filmische Modelle des sowjetischen Menschen in der AvantgardeLudmila Bulawka (Moskau): The Soviet People: Hero? Übermensch? Party Conformist?Sektion 4: Staat und Ökonomie im Übergang:Moderation: Antonella Muzzapappa (RLS)Alex Demirovic (Frankfurt am Main): Demokratie und RäteDario Azzellini (Ithaca, NY): Bilanz und Perspektiven der Rätediskussion im 20. JahrhundertJudith Dellheim (Berlin): Über Neue Ökonomische Politik und CommonsKeynotes:Bini Adamczak (Berlin): Postrevolutionäre Depression und bolschewistische UtopieMarcel van der Linden (Amsterdam): Rückblick auf den realen Sozialismus im 20. JahrhundertSektion 5: Lesarten des Roten Oktober (II):Moderation: Ralf Hoffrogge (Bochum)Renate Hürtgen (Berlin): Die Russische Revolution aus den nach-revolutionären Gesellschaften heraus verstehenChristoph Jünke (Bochum): Die Geburt des sozialistischen Humanismus aus dem Geist des AntistalinismusBeat Ringger (Zürich): Kann der Mensch überhaupt sozialistisch?

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Tagungsbericht

"Und wenn wir einfach aufhörten?" Kulturen des Krieges und des Friedens im Jahr 1917 – Vorläufer, Folgen und Echos

vom 27.09.2017 | bis zum 29.09.2017

Vom 27. bis 29. September 2017 fand in Frankfurt am Main die Tagung "Und wenn wir einfach aufhörten?" Kulturen des Krieges und des Friedens im Jahr 1917 – Vorläufer, Folgen und Echos“ statt. Anlass war das sich im November 1918 zum 100. Mal jährende Ende des Zweiten Weltkriegs. In drei thematischen Sektionen wurde das Kriegsende aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Einfach aufhören – wann und für wen endete der Erste Weltkrieg?; 1917 – Der Anfang vom Ende des Krieges?; Aufhören – Das Ende des Ersten Weltkriegs in den literarischen und visuellen Kulturen (1917-2017); Trauma und Verstümmelung – Der endlose Krieg. Eine derart vielfältige Blickweise auf das formale Kriegsende 1918 macht deutlich, dass ein Ende der Kriegshandlungen noch keinen Beginn eines Friedens implizierte, sondern dass der Krieg noch lange nach 1918 in den Menschen nachwirkte. Am 11. November 1918, Schlag 11 Uhr, beendeten die Armeen auf den Schlachtfeldern der Westfront ihre Kriegshandlungen. Qua Unterzeichnung des Waffenstillstands waren die zuvor noch verfeindeten Soldaten nun zu friedlichen Soldaten zweier Nationen geworden. Sie begegneten sich auf den Landstreifen zwischen den Gräben und tauschten Zigaretten. Es sind solche Szenen, die den Ersten Weltkrieg besonders töricht erscheinen lassen. Das Frankfurter Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften stellte sich aus diesem Grund auf seiner alljährlichen Tagung die retrospektive Frage „Und wenn wir einfach aufhörten?“. Im sich ebenfalls langsam zu seinem Ende neigenden Jubiläumsmarathon 2014 bis 2018 warfen die OrganisatorInnen der Tagung einen umfassenden Blick auf das Ende des Kriegs, oder besser gesagt die Enden des Krieges: In drei Sektionen ging es um kulturelle Vorstellungen vom Kriegsende, Friedensinitiativen und um Schauplätze, auf denen der Krieg nie zu einem Ende kam. Den ganzen Tagungsbericht von Paul Alke und Carla Reitter für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: I. Einfach aufhören – wann und für wen endete der Erste Weltkrieg? Christoph Cornelißen (Frankfurt am Main): „Die Friedensnote Benedikts XV. vom 1. August 1917 – Probleme des Friedensschließens im Weltkrieg“ Corine Defrance (Paris) / Ullrich Pfeil (Metz) : „Quand s’arrête la Première Guerre mondiale en France et en Allemagne?“ Axel Dröber (Paris): „Wann endete der Krieg? Phänomene transnationaler Mobilität in Deutschland und Frankreich während der Zwischenkriegszeit“ Vincent Laniol (Paris): „L’armistice de Rethondes et le traité de Versailles : une entrée en paix?“ Anne Duménil (Amiens): „Les initiatives de paix des institutions et organisations supranationales“ Guillaume Lancereau (Paris): „Les usages politiques de l’histoire en lendemain de guerre: la démobilisation intellectuelle des historiens de la Révolution française“ II. 1917 – Der Anfang vom Ende des Krieges? Sophie Cœré (Paris): „1917, les révolutions russes et la paix. Les paradoxes de la géopolitique et de l’idéologie“ Matthias Waechter (Nizza / Freiburg): „Die Rolle der USA und Präsident Wilsons 1917“ Nina Régis (Toulouse / Berlin): „‘Der Schrei nach besserem Brot‘: Eine unmögliche Zensur? Eine Analyse zum Kriegsbrot in der deutschen Presse des Jahres 1917. Hintergründe und Auswirkungen“ III. Aufhören – Das Ende des Ersten Weltkriegs in den literarischen und visuellen Kulturen (1917-2017) Steffen Bruendel (Frankfurt am Main): „Vorstellungen vom Kriegsende. Kunst und Literatur 1917/18“ Milan Horňáček (Olmütz): „‘Abschied von Habsburg‘. Inszenierungen des Kriegsendes in deutschsprachigen Kriegsromanen aus Böhmen und Mähren“ Brigitte Braun (Trier): „Krieg? Frieden? Grenzen? – Film und kulturelle Mobilmachung“ Nicholas Bianchi (Montpellier): „L’empire des absentes. Présences féminines et retours à la vie civile dans le roman de 14, France-Allemagne“ Maria Erben (Bonn): „Menschengemachte Apokalypse: Romain Rollands und Karl Kraus‘ Visionen des endlosen Kriegs“ Olag Müller (Marburg): „Frieden am Horizont: 1917 in Autobiographie und Fiktion nichtmobilisierter Autoren“ IV. Trauma und Verstümmelung – Der endlose Krieg Stéphane Tison (Le Mans): „Les soldats blessé psychiques. Une sortie de guerre interminable?“ Ugo Pavan Dalla Torre (Padua): „Living Memory of the War: Mutilated Soldiers in Italy” Nils Löffelbein (Frankfurt am Main): „Der staatliche Umgang mit den Kriegsbeschädigten des Ersten Weltkrieges in der Weimarer Republik und im Dritten Reich“ Bérénice Zunino (Besançon): „‘Hier aber ist das nüchtern-wahre, das gemein-naturgetreue Bild des Krieges photographisch festgehalten‘ – Körperversehrte als visuelle Erinnerungsorte des Krieges in Ernst Friedrichs Friedenspädagogik“

Tagungsbericht: Historische Museumsanalyse. Die Museen der ehemaligen Sowjetunion, Screenshot von der Website der Veranstaltung

Tagungsbericht | Workshop

Historische Museumsanalyse. Die Museen der ehemaligen Sowjetunion

vom 03.07.2017 | bis zum 04.07.2017

An der historischen Fakultät der Universität Basel fand ein Workshop für Nachwuchswissenschaftler zum sowjetischen Museum statt. Demnach hatten sowjetische Museen nicht nur die Funktion über einen glorifizierenden Blick in die Vergangenheit Identität zu stiften, sondern auch den Menschen zu erziehen. Museen in der Sowjetunion waren demnach mehr als bloße Indoktrinations- und Propaganda-Einrichtungen. Der Workshop versuchte das Museum in der Sowjetunion als Lernort zu verstehen, an dem Wissen vermittelt, der Geschmack geschult und politische Narrative gelehrt wurden. Die ehemaligen Sowjetmuseen waren nicht nur ein zeitlich spezifisches Phänomen, sondern zeichneten sich auch durch eigene Narrative und Ausstellungstraditionen aus. Der von Anne E. Hasselmann (Basel) organisierte zweitägige internationale Workshop zur Historischen Museumsanalyse hatte zum Ziel, nicht nur die Besonderheiten der sowjetischen Museumskultur herauszuarbeiten, sondern auch die Bandbreite dieser Museen aufzuzeigen und die sozialistische museale Praxis in einen transnationalen Kontext zu stellen. Es wurde der Anspruch verfolgt, über das Verständnis des sowjetischen Museums als Indoktrinations- und Propagandaeinrichtung hinauszugehen und nach der lebensweltlichen Bedeutung der Museen für Mitarbeiter/innen und Besucher/innen zu fragen. Die zehn Vorträge und die Keynote deckten dabei eine grosse thematische, räumliche und zeitliche Spannbreite ab: von Museumsgästebüchern zu Kriegsdenkmälern, von der Wolgadeutschen Republik zu den Solowezki-Inseln, von den Narrativen über die Revolution bis hin zum „Grossen Vaterländischen Krieg“ im heutigen Deutsch-Russischen Museum in Berlin. Lesen die vollständigen Tagungsbericht von Sonia Calvi hier auf H-Soz-Kult. Konferenzübersicht:Panel IModeration: Nadine Freiermuth Samardžić (Universität Basel)Kommentar: Martina Baleva (Universität Basel)Anne Wanner (Universität Tübingen): "Wichtige Anregungen" und "zu viele Leninmützen". Ostdeutsche Museumsmitarbeiter auf Dienstreise in sowjetischen MuseenNatalja Salnikova (Universität Freiburg): Die Repräsentation des Vielvölkerstaates in sowjetischen Heimatkundemuseen am Beispiel des Zentralmuseums der Wolgadeutschen Republik in EngelsJörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst): Entsowjetisierung eines Museums. Vom "Kapitulationsmuseum" zum "Deutsch-Russischen Museum" in Berlin-KarlshorstKeynoteModeration: Alexis HofmeisterRoland Cvetkovski (Universität zu Köln): Dinge einer Ausstellung oder eine Gesellschaft in der Totale. Überlegungen zu einer sowjetischen MuseumskulturPanel IIModeration: Anne Krier (Universität Zürich)Kommentar: Gertrud Pickhan (Freie Universität Berlin)Mirjam Voerkelius (University of Berkeley, CA): Darwinism for the Masses: Art and Science at the Moscow Darwin MuseumAnne E. Hasselmann (Universität Basel): Ausstellungsanalyse: „Die Rolle Tscheljabinsks im Grossen Vaterländischen Krieg 1941-1945“Mischa Gabowitsch (Einstein Forum Potsdam): Die Künstler des Marschalls: Kliment Vorošilovs Patronagenetzwerk und die sowjetischen KriegsdenkmälerPanel IIIModeration: Felix Frey (ETH Zürich)Kommentar: Benjamin Schenk (Universität Basel)Ekaterina Makhotina (Universität Bonn): Revolutionierung der Museen, Musealisierung der Revolution: Inszenierung der Geschichte im Revolutionsmuseum der Litauischen SowjetrepublikMarina Shcherbakova (Universität Heidelberg): Zwischen Leningrad und Berdyčiv: Die Rezeptionsgeschichte der sowjetischen Judaica-Ausstellungen der 1930er Jahre am Beispiel der Museums-GästebücherKatharina Schwinde (Stiftung Ettersberg, Weimar): Kirche, Lager oder Museum? Die Interpretation einer ‚doppelt’ belasteten Vergangenheit im Solovecker Museum der 1960er Jahre

5. Deutsch-Schweizerischer Studientag für osteuropäische Geschichte, Logo vom Veranstaltungsort: Studienhaus Wiesneck

Tagungsbericht

5. Deutsch-Schweizerischer Studientag für Osteuropäische Geschichte

vom 11.05.2017 | bis zum 12.05.2017

Am 11. und 12. Mai 2017 fand der von der Universität Basel organisierte fünfte deutsch-schweizerischen Studientag für Osteuropäische Geschichte statt, auf dem sich Studierende und WissenschaftlerInnen der Universitäten Basel, Bern, Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Tübingen und Zürich trafen, um gemeinsam im Studienhaus Wiesneck (bei Freiburg) aktuelle Qualifikationsarbeiten und Forschungsprojekte vorzustellen und zu diskutieren.Der Studientag gab einen interessanten Einblick in aktuelle Forschungsprojekte und -ergebnisse zur Geschichte Osteuropas und trug zur weiteren Vernetzung der Forschenden bei. Das Programm der Tagung konnte dabei vor allem mit geographischer Vielfalt beeindrucken: Die Vorträge verbanden ostmitteleuropäische Perspektiven mit Betrachtungen zur zentralasiatischen Geschichte. Sie umspannten einen zeitlichen Rahmen vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Referenten zeigten eine große Zahl von Projekten mit vielversprechenden Analyse- und Forschungsansätzen auf, deren weitere Entwicklung mit Spannung zu erwarten ist.Den Auftakt im ersten Panel bestritt MANUEL GEIST (Freiburg) mit der Vorstellung seines Dissertationsprojekts zu britischen und französischen Russlandexperten Anfang des 20. Jahrhunderts. Während die Russlandexperten in Deutschland für die Zeit vor 1945 gut erforscht seien, stellen die britischen Experten bislang eine Forschungslücke dar. In einem gruppenbiografischen Ansatz vergleicht Geists Forschungsprojekt Karrieren französischer und britischer Russlandexperten. In seinem Vortrag zeichnete Geist am Beispiel von Donald Mackenzie Wallace exemplarisch die zunehmende Bedeutung von Russlandexperten zwischen 1890 und 1924 für die internationalen Beziehungen nach. Diesen Prozess setzte Geist in Beziehung mit drei übergreifenden Entwicklungen der Zeit: Der Aufstieg der Russlandexperten müsse im Zusammenhang mit der zunehmenden Medialisierung, Verwissenschaftlichung und Demokratisierung gesehen werden. Geist möchte mit seinem Projekt einen Beitrag zur neueren Diplomatiegeschichte leisten, indem er die klassischen diplomatiehistorischen Ansätze um kulturwissenschaftliche Methoden ergänzt: Einerseits sollen anhand der Expertendiskurse die russisch-britischen und russisch-französischen Beziehungen aus dem Schatten der deutsch-russischen Beziehungen gerückt werden. Den ausführlichen Tagungsbericht von Ilja Gottwald für H-Soz-Kult finden Sie hier. Konferenzübersicht:Panel 1Chair: Nada BoskovskaManuel Geist (Freiburg): Französische und britische Russlandexperten und die Beziehungen zu Russland, 1890-1924Henning Lautenschläger (Basel): Projektionen eines Imperiums- Die Farbfotografien S.M. Prokudin-Gorskijs vom Zarenreich bis in die Pariser Emigration (ca. 1900-1948)Panel 2Chair: Tanja PenterThorsten Zachary (Tübingen): "Meine guten alten Freunde"- Werner Markert und die Anfänge der Osteuropaforschung in TübingenNils Pfändler (Zürich): Erinnern ans Ende. Tschechische Erinnerungskultur an Racheakte gegenüber Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel des südböhmischen SoběslavAbendvortragDmytro Tytarenko (Donezk / Heidelberg): Die aktuelle Situation in DonezkPanel 3Chair: Dietmar NeutatzViktoria Abakumovskikh (Konstanz): City-Branding russländischer Großstädte der Peripherie: Imagebildung durch Großveranstaltungen in Ekaterinburg und KazanTimo Hagen (Heidelberg): Die Unbeständigkeit gebauter Gemeinschaft. Konzeption, Verlust und Neuaneignung siebenbürgisch-sächsischer Architektur im 20.-21. JahrhundertPanel 4Chair: Klaus GestwaKatja Emeliantseva Koller (Zürich): Das spätsowjetische Dorf: Menschen, Institutionen und Dinge zwischen sozialistischem Urbanitätskult und Ruralisierung städtischer LebensweisenStefan Guth (Bern): Rückkehr zum Gulag? Zwangsarbeit in der poststalinistischen Sowjetunion am Beispiel der Atomstadt Shevchenko/Aktau

Flyer zum Workshop "Imagining the Future in Russia's February Revolution"

Tagungsbericht

Imagining the Future in Russia's February Revolution

vom 06.04.2017 | bis zum 08.04.2017

In diesem Workshop wurde die Februarrevolution aus einem einzigen Winkel betrachtet, und zwar aus der Sicht der zeitgenössischen Boulevardpresse. Zu diesem Zweck wurden Tages- und Wochenzeitungen sowie Zeitschriften analysiert. So sollten die Erwartungen an die Zukunft in dieser turbulenten Zeit erfasst werden, die geprägt war von Aufruhr, Umbruch und dem Ende des russischen Zarenreiches. Als Ausgangspunkt für Diskussionen und Vergleiche präsentierten die Teilnehmer des Workshops je ihre Analyse von Kennzeichen und Grundideen einer einzelnen Zeitung. Indem der Fokus auf einer sehr kurzen Zeitspanne lag, nämlich Februar und März 1917, sollten in diesen Momentaufnahmen die Vielfalt der Reaktionen auf die Februarrevolution eingefangen werden. The aim of the workshop was to explore the February Revolution exclusively through the analysis of one type of source, the popular press (daily and weekly newspapers, partly journals as well), in order to grasp expectations for the future at this critical juncture, the end of Tsarism. The participants presented an analysis of the character and major ideas of a single newspaper to the workshop as a point for discussion and comparison. The idea was to look at just a short time span, in order to grasp, in the form of ´snap shots´, the variety of instant reactions to the Revolution and so to reconstruct "futures past". GABRIELE FREITAG (Berlin) opened the workshop, emphasising the relevance of investigating immediate expectations and options of different organisations, actors and parties in a setting of crisis, war and revolution. Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Steven Müller für H-Soz-Kult hier. Conference Overview: Gabriele Freitag (Berlin): Welcome address Introductory PanelFranziska Schedewie / Dennis Dierks (Jena): Introduction Anton Reshetov (St. Petersburg): Historical discourse on the pages of Russian newspapers in March 1917 - Note: not held due to illness Political party pressChair: Gabriele Freitag (Berlin) Heinz-Dietrich Löwe (Heidelberg): The liberal newspaper Rech.Lutz Häfner (Bielefeld): The Socialist Revolutionaries’ Central Organ “Delo Naroda” and the conception of a social revolution of the whole people in 1917. Reactions in the press across the Empire Centre and Western SiberiaChair: Raphael Utz (Jena) Anastasia Surkov (Berlin): “Russia free through the will of the people! The country’s genius will lead the people to happiness!” – Reactions and expectations in Vladimir, March 1917, as from the daily newspaper “Staryi Vladimirets”.Margarete Zimmermann (Jena): “Let’s act like socialists!” Reactions towards the February Revolution 1917 and visions of the future in the diocese Tobol’sk. SouthChair: Dennis Dierks (Jena) Jérémy Caro (Bremen): A Time of Political Innovation? Jewish Press in Ukraine.Franziska Schedewie (Jena): Donskie Oblastnye Vedomosti. Muslim PressChair: Franziska Schedewie (Jena) Ingeborg Baldauf (Berlin): The Tashkent journal Al-Izoh after the February Revolution.Dennis Dierks (Jena): “Historical and serious days and our duties.” Tercüman’s reporting on the February Revolution. Student panelChair: Franziska Schedewie (Jena) Philipp Scholz (Jena): Gazeta Kopeika North and EastChair: Joachim von Puttkamer (Jena) Pasi Ihalainen (Jyväskylä): The international and national future in the Finnish party press from the abdication of Nicholas II to the opening of the Finnish parliament in April 1917.Alistair Dickins (Manchester): Between Pogroms and Class Struggle: The Conflicting Scripts of a Local Revolution in Siberia. Roundtable: Future Expectations in the Press

Flyer der Konferenz

Tagungsbericht

Communist Homosexuality 1945–1989

vom 02.02.2017 | bis zum 03.02.2017

Die internationale Tagung in Paris beschäftigte sich mit dem Topos Homosexualität in den sowjetkommunistischen Staaten. Anliegen der Konferenz war es besonders auf die verschiedenen Ausprägungen in den einzelnen Staaten des Ostblocks hinzuweisen, um so das Bild vom homophoben Osten und dem liberalen Westen zu dekonstruieren. Methodische Fragen nach Quellenkritik, die Erinnerung an Homosexualität in den ehemals kommunistischen Staaten, wie auch die Rezeption von HIV fanden Eingang in die Diksussionen. Die wissenschaftliche Konferenz bot ein buntes künstlerisches Rahmenprogramm, welches sich kritisch mit kommunistischer Homosexualität auseinandersetzte. Kommunistische Homosexualität. Kommunistische Homosexualität? Schon das Konferenzthema lässt beim Lesen im Kopf zwangsläufig ein großes Fragezeichen entstehen. Galten doch Homosexuelle in den sozialistischen Staaten Ost- und Mitteleuropas als Außenseiter in klassischen Wortsinn: im besten Fall als schrullige Reste der bürgerlichen Dekadenz schief angeschaut, im schlimmsten aber häufigsten Fall staatlichen, polizeilichen und geheimdienstlichen Repressalien ausgesetzt. Kaum eine Bevölkerungsgruppe scheint in größerem Widerspruch zum Ideal der propagierten neuen sozialistischen Gesellschaft gestanden zu haben, wie die Schwulen und Lesben. Der gewählte Konferenztitel war somit auch eine Provokation, die mit dem Widerspruch zwischen dem repressiven Staatssozialismus und der nach kleinen Freiheiten strebenden „queeren“ Szene spielt. Die Veranstalter Jerome Bazin, Mathieu Lericq und Arthur Clech haben Historiker, Soziologen und nicht zuletzt Künstler eingeladen und so ein breites Spektrum an Themen aus fast allen alten und neuen ost- und mittelosteuropäischen Ländern beleuchtet. Den Tagungsbericht von Klaus Storkmann für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:Arthur Clech (EHESS Paris) / Mathieu Lericq (Aix-en-Provence / Marseille): Introductory remarksPanel I: Ex-Centering Sexualities: Changing Fields of ResearchPanel chair: Florence Tamagne (Université Lille 3)Discussant: Arthur Clech (EHESS Paris)Łukasz Szulc (University of Antwerp): Homosexuality in Eastern Bloc Countries in the 1980s in a Comparative PerspectiveAnita Kurimay (Bryn Mawr College): Practicing and Imagining Homosexuality in Late Socialist HungaryVojin Saša Vukadinović (University of Zürich): A different kind of communist love. A case study on same-sex desire in the Red Army Faction and the G.D.R.Galina Zelenina (Russian State University for the Humanities, Moscou): Late Soviet Jews and homosexuals: “older” minority and “younger” minority in internal discourse
Thibault Boulvain (Université Paris 1 – Panthéon Sorbonne): The AIDS epidemic didn’t stop at the borders of the Iron CurtainKeynote (1):Dan Healey (University of Oxford): How to Write the History of Communist Homosexuality: Historical Time, Geopolitics, and Queer Memory in the Former Soviet UnionPanel II — Homosexualities under control : legal and medical shapesPanel chair: Éric Fassin (Université Paris 8)Discussant: Roman Krakovsky (Labex TEPSIS, EHESS)Franko Dota (University of Zagreb): A «Queer» Communist Idea: The Failed Post-Revolutionary Attempt to Decriminalize Homosexuality in Socialist YugoslaviaJan Seidl (Society for Queer Memory, Prague): Did the decriminalization of homosexuality in Czechoslovakia in 1961 actually take place?Uladzimir Valodzin (Maksim Bahdanovič Literary Museum, Minsk): Criminal persecution of male homosexuals in late Soviet Union (1950s-1991): discourses and figuresAgnès Chetaille (EHESS): Between repression and incitement: state control and emergence of homosexual groups in Poland in the 1980s
Irina Costache (Central European University): Je est un autre: Homosexuality, Confession and the Politics of Abnormality in Ceausescu’s RomaniaKeynote (2):Judit Takács (Hungarian Academy of Sciences): Disciplining Gender and Homosexuality in State Socialist HungaryPanel III: Between non-normative and normative everyday livesPanel chair: Hadley Zaun Renkin (Central European University, Budapest)Discussant: Jérôme Bazin (Université Paris-Est Créteil)Francesca Stella (University of Glasgow): Rethinking communist homosexualities through everyday experiences: insights from a study on ‘lesbian’ lives in Soviet RussiaMaria Bühner (University of Leipzig):Insights in the changing (self-)understandings of lesbians in East Germany during the 1980s
Alisa Zhabenko (University of Helsinki): Motherhood culture of the “last Soviet generation” women with same-sex sexual desireWojciech Śmieja (University of Upper Silesia, Katowice): The captive (homosexual) minds. On being a writer and a homosexual in communist PolandPanel IV: Exposed intimacies: in search of a public and poetical presencePanel chair: Dina Iordanova (University of St Andrews)Discussant: Mathieu Lericq (Aix-Marseille Université)Sanja Lazarević Radak (University of Belgrade): Non-Aligned Yugoslavia and ‘In-between’ Subjects’. Filming Homosexuality In The Yugoslav Black Wave (1967-1971)Kevin Moss (Middlebury College): Traitors, Secrets, Spies, and Dissidents. Gay and Lesbian Characters in Two Classic Hungarian Films of the 80sTim Veith (University of Siegen): Pictures of homosexual life during communism in Poland in non-heterosexual magazines across EuropeMateusz Chmurski (Université Paris-Sorbonne): Encircling the void? Body (and discourse) distortions in the Central-European gay proseArticulated discussion between the artist Jaanus Samma and the reseacher Uku Lember (Université de Tallinn, Université d’Uppsala)Closing remarks by Jérôme Bazin and general discussion

Logo der Stiftung Ettersberg, http://www.stiftung-ettersberg.de/

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15. Internationales Symposium der Stiftung Ettersberg: Europas vergessene Diktaturen? Diktatur und Diktaturüberwindung in Spanien, Portugal und Griechenland

vom 04.11.2016 | bis zum 05.11.2016

Die Stiftung Ettersberg nahm auf ihrem 15. Internationalen Symposium die Diktaturen und Diktaturerfahrungen des franquistischen Spaniens, des Portugals unter Salazar und der Militärdiktatur in Griechenland vergleichend in den Blick. Die drei Sektionen fragten nach Ideologie und Herrschaftspraxen der Diktaturen, der Transitionen und schließlich nach der Erinnerung und Aufarbeitung. Die Konferenz versuchte diese südeuropäischen Diktaturen in eine gesamteuropäische Geschichte zu integrieren. Die Tagung zeigte, dass das heutige Erstarken populistischer Parteien nicht auf die Diktaturerfahrungen zurückgeführt werden kann. Es wurde allerdings deutlich, dass trotz der massiven Unterschiede in den demokratischen Transformationen, die politische Phrase vom demokratischen Übergang von verschiedensten Gruppierungen im Diskurs genutzt wird und somit auf die Vergangenheit der Diktaturüberwindung rekurriert. „Gibt es einen Zusammenhang zwischen Diktaturerfahrung sowie Diktaturaufarbeitung und dem Aufkommen populistischer Bewegungen [...] im Europa der Gegenwart? Sind diese gar Ausdruck einer starken Europaskepsis sowie enttäuschter Hoffnungen, die am Ende der jeweiligen Diktaturen überall sehr groß waren?“ Dies waren die zentralen Leitfragen, mit denen JÖRG GANZENMÜLLER (Weimar/Jena) das 15. Symposium der Stiftung Ettersberg unter dem Titel ‚Europas vergessene Diktaturen? Diktatur und Diktaturüberwindung in Spanien, Portugal und Griechenland` eröffnete. Erstmals widmete sich die Tagung ausführlich den – wie Ganzenmüller betonte – „Vergessenen Diktaturen“ und nahm diese vergleichend in den Blick. Die erste Sektion fragte dabei zunächst nach dem Charakter der südeuropäischen Diktaturen, ihrer Entstehung sowie den Formen von Herrschaft, Ideologie und Gewalt, die diese entwickelten. Den ausführlichen Tagungsbericht auf H-Soz-Kult von Konstantin Heinisch-Fritzsche finden sie hier. Konferenzübersicht:Jörg Ganzenmüller (Weimar/Jena): EröffnungAdam Krzemiński (Warschau): Das Ende der Hoffnung Europa? Populismus und Nationalismus in postdiktatorischen GesellschaftenSektion I: Die südeuropäischen Diktaturen nach 1945: Ideologie, Herrschaft und GewaltModeration: Christiane Kuller (Erfurt)Carlos Collado Seidel (Marburg): SpanienChristiane Abele (Paris/Freiburg): PortugalJanis Nalbadidacis (Berlin): GriechenlandSektion II: Europa als Perspektive: Das Ende der Diktaturen und die SystemtransformationModeration: Claudia Kraft (Siegen)Ulrike Capdepón (Hamburg): Transition und Spaniens Weg nach EuropaAntonio Muñoz Sánchez (Lissabon): Die Nelkenrevolution und das Ende des Estado NovoAdamantios Theodor Skordos (Leipzig): Die Diktaturüberwindung in GriechenlandSektion III: Nationales Erinnern und europäisches Vergessen?Moderation: Axel Doßmann (Jena)Xosé M. Núñez Seixas (München): Schweigen oder Erinnern? Die unterbliebene Auseinandersetzung mit der Franco-DiktaturTeresa Pinheiro (Chemnitz): Die Erinnerung an die Salazar-DiktaturDespoina Skourti (München): Vom Ereignis zur Prosa: Die literarische Erinnerung an das ObristenregimePodiumsdiskussion: Europa – eine verlorene Hoffnung? Süd- und ostmitteleuropäische Perspektiven im VergleichModeration: Jörg Ganzenmüller (Weimar/Jena)Teilnehmer/innen: Włodzimierz Borodziej (Jena/Warschau), Éva Kovács (Wien/Budapest), Xosé M. Núñez Seixas (München), Teresa Pinheiro (Chemnitz), Adamantios Theodor Skordos (Leipzig)

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The International Echoes of the Commemorations of the October Revolution (1918-1990)

vom 14.09.2016 | bis zum 16.09.2016

Die internationale Tagung in Lausanne beschäftigte sich mit der Erinnerungskultur, die in und außerhalb der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution aufkam. Die Beiträge vermittelten vor allem Erkenntnisse über ihre Wirkungsgeschichte in den einzelnen Ländern und die Selbstverortung der Erinnernden in nationalen und globalen Zusammenhängen. Gezeigt wurde z. B., dass in der Ukraine in den 1920er-Jahren oder in der DDR nicht die eigenen revolutionären Traditionen gefeiert, sondern die russische Gedenkkultur übernommen wurde. Weitere Referate thematisierten das Oktoberrevolutionsgedenken in westeuropäischen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg und wie sozialistische Parteien und die internationale Presse mit dem Erbe der Revolution umgingen. Insgesamt machten die Referate bewusst, welche Rolle bei den verschiedensten Feiern die Selbstwahrnehmung der Akteure in europäischen politischen und sozialen Bewegungen spielte. Der 2017 anstehende hundertste Jahrestag der russischen Revolutionen wirft seine Schatten voraus: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass auf einschlägigen Portalen und Mailinglisten Veröffentlichungen und Veranstaltungen zur Februar- und Oktoberrevolution und ihren Folgen annonciert werden. Konjunktur haben dabei Perspektiven, die die transnationalen Verflechtungen und globalen Konsequenzen der russischen Ereignisse in den Blick nehmen. Der Workshop jedoch, der an der Universität Lausanne in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift „Twentieth Century Communism“ abgehalten wurde, stach aus der Masse der Jubiläumsveranstaltungen heraus. Hier ging es nicht um die Oktoberrevolution selbst, sondern um die in ihrem Gefolge entstehende globale Erinnerungs- und Festkultur. Die Zelebrierung des revolutionären Jahrestags am 7. November war keine rein innersowjetische Angelegenheit. Zum einen wurden die Feierlichkeiten und Paraden in Moskau weltweit wahrgenommen, zum anderen wurde auch der Festanlass selbst von der Linken außerhalb der Sowjetunion immer wieder aufgegriffen und in wechselnden Kontexten zeleberiert. Den ausführlichen Tagungsbericht von Gleb J. Albert für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: INTRODUCTIONStefanie Prezioso, University of LausanneJean-François Fayet, Universities of Lausanne and Fribourg SESSION 1: Commemorations in a civil war contextChair: Norman LaPorte, University of South Wales Ottokar Luban, Berlin: The echoes of the Russian October Revolution 1917 under the state of siege in Germany, October/November 1918 Daniel Kowalsky, Queen's University, Belfast: Exporting Soviet Commemorations: The Spanish Civil War and the October Revolution Anastasia Koukouna, University of Lausanne: Commemorating the October Revolution in Athens, 1918-1945. SESSION 2: October is our history tooChair: Kevin Morgan, University of Manchester Eric Aunoble, University of Geneva: To commemorate an event that didn’t occur: October in Ukraine in the 1920s Kasper Braskén, Åbo Akademi University, Finland: The International Workers’ Relief and the commemorations of the October Revolution in Germany, 1921–1932 Nicolas Offenstadt, Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne: Russian Revolution, German Revolution: The Red Sailors of 1917 and 1918 in the commemorations of the GDR SESSION 3: Commemorations in Western democraciesChair: Gleb J. Albert, University of Zurich Jesper Jørgensen, The Workers’ Museum and The Labour Movement Library and Archives, Copenhagen: The Commemorations of the October Revolution in Denmark during the Cold War – a marker of radicalism? Matteo Bertelé, University of Venice: Venice 1977: (counter)celebrations of the October Revolution SESSION 4: Commemorations in socialist partiesChair: Stefanie Prezioso, University of Lausanne André Liebich, Universities of Geneva and Vienna: The Mensheviks commemorate October Virgile Cirefice, Universities of Paris 8 and Bologna: Celebrating the Russian Revolution? A socialist dilemma. France – Italy, 1945-1956 SESSION 5: Under the gaze of foreign expertsChair: Brigitte Studer, University of Bern Carola Tischler, University of Konstanz: Between exaggeration and underestimation – German military reports about the November parades before World War II Valérie Gorin, University of Lausanne: The journalist as a foreign expert – American TV correspondents reporting on the November parades (1960s-1980s) SESSION 6: Echoes in the printed pressChair: Valérie Gorin, University of Lausanne Stephan Rindlisbacher, University of Bern: Echoes of the echoes: Constructing Soviet self-image in the mirror of the international commemorations of the October Revolution, 1918-1991 Korine Amacher, University of Geneva: Commemorations of the October Revolution in the Swiss-French press, 1918-1990 [cancelled] Alexander Höbel, University of Naples: Anniversaries of the October Revolution in the political-cultural magazine of the Italian Communist Party: Rinascita, 1957-1987 CONCLUSIONKevin Morgan, University of Manchester: ConclusionNorman LaPorte, University of South Wales: Information on publications

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Erinnerungskulturen in transnationaler Perspektive. Deutsch-polnische Grenzgeschichten in Zeiten des Kommunismus - Zgorzelec und Görlitz (1945-1989)

vom 16.06.2016 | bis zum 17.06.2016

Im Dom Kultury in Zgorzelec, der Nachbarstadt von Görlitz an der Neiße, fand am 16. und 17. Juni 2016 eine Konferenz statt, die sich in Fachvorträgen und Erinnerungsberichten der Geschichte der Oder-Neiße-Grenze von 1945 bis 1989 widmete. Die 1950 zwischen den beiden kommunistischen „Bruderländern“ DDR und Polen gezogene „Friedensgrenze“ ist ein fest im kollektiven Gedächtnis verankerter symbolischer Ort in der Doppelstadt Görlitz/Zgorzelec. Die Konferenz beschäftigte sich zum einen mit verschiedenen Formen einer nationalen sowie transnationalen und europäischen Erinnerungskultur, zum anderen mit der subjektiven Perspektive der in diesem Grenzraum lebenden Einwohner. Darüber hinaus ging es um Methoden, Themen und Herausforderungen deutsch-polnischer Ausstellungen am Beispiel der beiden Städte. Im Rahmen der von der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung (DPWS) sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Wanderausstellung „Grenzgeschichten transnational – Zgorzelec und Görlitz 1945–1989“, die Anfang Dezember dieses Jahres im Dom Kultury in Zgorzelec eröffnet wird, fand in der Doppelstadt an der Neiße am 16. und 17. Juni 2016 eine themenverwandte Konferenz statt. Neben Fachvorträgen über die Erinnerungskultur in Görlitz und Zgorzelec berichteten polnische und deutsche Zeitzeugen aus beiden Stadthälften von ihren eigenen mit der Oder-Neiße-Grenze während des Kommunismus gemachten Alltagserfahrungen; ein breiteres Rahmenprogramm, vor allem der von MARTINA PIETSCH (Görlitz) geleitete Besuch der Konferenzteilnehmer am Freitagmorgen (17. Juni 2016) durch die Ausstellung im Schlesischen Museum „Die große Not. Erinnerungen an Kriegsende und Nachkriegszeit in Görlitz und Zgorzelec“, rundete die Veranstaltung gewinnbringend ab. Den ausführlichen Tagungsbericht von Stefan Thierfelder für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Begrüßung und Einführung in das ThemaDominik Trutkowski (Berlin / Poznań) AbendvortragKazimierz Wóycicki (Warschau / Kreisau): Zuhause an der Neiße. Görlitz und Zgorzelec 1945–1989 Panel 1: Gemeinsames oder geteiltes Gedächtnis? Muster einer nationalen, transnationalen oder europäischen Erinnerungskultur Elżbieta Opiłowska (Wrocław): Kontinuitäten und Brüche deutsch-polnischer Erinnerungskulturen. Görlitz und Zgorzelec 1945–2006 Robert Lorenz (Berlin): Schlesische Metamorphosen. Ethnographie Görlitzer und Zgorzelecer Identitätserzählungen nach 1989 Christian Hörbelt (Frankfurt an der Oder): Die Kollektive Erinnerung an die Oder-Neiße-Grenze in Transnationalisierungsprozessen: Polen und Deutschland im Vergleich Panel 2: Die Grenze aus der subjektiven Perspektive der Bürger. Transnationale Kontakte, Verbindungslinien and Kooperationen Klaus Kauer (ehem. Leiter VEB Elektroschaltgeräte Görlitz): Zgorzelecer Arbeiterinnen in volkseigenen Betrieben in Görlitz 1967–1989 Ernst Kretzschmar (ehem. Städtische Kunstsammlungen Görlitz): Wahrnehmung von Stereotypisierungen – Görlitz und Zgorzelec in den 1970er Jahren Peter C. Birkner (Generalvikar und Dompropst emerit., Görlitz): Die Zusammenarbeit der Kirchen zwischen den Städten Görlitz und Zgorzelec Anneliese Karst (Görlitzer Turbinenwerk): Familiäre Bindungen zwischen der DDR und Polen – persönliche Einblicke Panel 3: Repräsentationsmodi transnationaler Ausstellungen – Probleme and Perspektiven, Methoden und Themen Dominik Trutkowski (Berlin / Poznań): Die „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ in den Erinnerungskulturen der Stadt Görlitz-Zgorzelec Kinga Hartmann-Wóycicka (Görlitz-Zgorzelec): Sie bewiesen Zivilcourage - Bürger aus Görlitz und Zgorzelec 1945 - 1989

Screenshot der Webite des Historischen Kollegs

Tagungsbericht

Gute Erinnerungen an böse Zeiten – Nostalgie in „posttotalitären“ Erinnerungsdiskursen nach 1945 und 1989

vom 18.04.2018 | bis zum 20.04.2018

Vom 18. bis 20. April fand am Historischen Kolleg in München das wissenschaftliche Kolloquium „Gute Erinnerungen an böse Zeiten – Nostalgie in „posttotalitären“ Erinnerungsdiskursen nach 1945 und 1989“ statt. Im Zentrum der Konferenz stand die Beziehung zwischen kollektiver und individueller Erinnerung an die Zeiten totalitärer Regime. Zu Grunde lag die Annahme, dass das, was als "kollektive Erinnerung“ einer Gesellschaft, und damit als „richtig“ wahrgenommen wird, von normativen Erinnerungsdiskursen geprägt ist. Der Erforschung anderer Formen der Erinnerung widmen sich seit den 1980er-Jahren Ansätze wie z.B. Oral History und Alltagsgeschichte. Diese lassen individuelle Erinnerungen zu Wort kommen, welche nicht deckungsgleich mit den „richtigen“ Erinnerungen sind, die dem normativen Diskurs entsprechen. Im Zuge einer umfassenden Analyse der Erinnerungskultur kann eine Berücksichtung persönlicher Erinnerungen, die dem dominanten Erinnerungsdiskurs nicht entsprechen, nicht ignoriert werden. Im Zuge der Veranstaltung wurde vor allem die Frage des positiven Erinnerns an die Zeit des  Nationalsozialismus und Staatssozialismus thematisiert, wie zum Beispiel die positiven Erfahrungen von Gemeinschaft unter Jugendlichen während des Dritten Reiches. Darüber hinaus wurde die Schwierigkeiten verschiedener Ansätze im wissenschaftlichen Umgang mit Erinnerungen diskutiert. Die Frage nach dem Umgang mit der Vergangenheit im politischen Diskurs erlebt jüngst national wie international eine Renaissance. Stabil geglaubte Leitlinien der Vergangenheitspolitik werden neu herausgefordert. In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und einer damit einhergehenden Verunsicherung trägt das Greifen nach der Geschichte in sich ein Heilsversprechen: Eine stabilisierende Selbstverortung in unübersichtlichen Zeiten. In individuellen Biographien wie im politischen Diskurs beruft man sich immer dann auf die Erinnerung an die Geschichte, wenn es in der Gegenwart etwas zu konsolidieren oder neu auszuloten gilt. Zeit, sich auch innerhalb der Historikerzunft, die – gegen ihren Willen – mitunter zu Wächtern der Erinnerung stilisiert wird, mit erinnerungstheoretischen Paradigmen auseinanderzusetzen. Lesen Sie den kompletten Tagungsbericht von Stella Maria Frei für H-Soz-Kult hier nach.  Konferenzübersicht: Andreas Wirsching (München): Begrüßung Monica Rüthers (Hamburg / München): Schön war’s! Nostalgie nach Diktaturen 1. Sektion: Gesellschaftliche Diskurse über positives Erinnern nach 1945/1989 Tanja Zimmermann (Leipzig): Appropriation totalitärer Ästhetik nach 1945 und 1989 Ekaterina Makhotina (Bonn): Stalin als Nostalgie: Gesellschaftliches Erinnern und Geschichtspolitik im post-sowjetischen Russland Jonathan Bach (New York): Ostalgie – eine Rezeptionsgeschichte Diskussion Moderation: Jürgen Zarusky (München) Abendvortrag Dorothee Wierling (Hamburg): Das Gute erzählen, um das Schlimme nicht zu erinnern (DDR) Impulse und Podiumsdiskussion Moderation: Monica Rüthers (Hamburg / München) Jonathan Bach (New York) Gudrun Brockhaus (München): „immer ganz unpolitisch ...“ – Camouflage-Techniken in positiven Erinnerungen an die NS-Zeit Alexander von Plato (Hagen): Ambivalente Erinnerungen an den Nationalsozialismus aus der Arbeiterklasse 2. Sektion: Themen guten Erinnerns: Geborgenheit und glückliche Kindheit Ekaterina Emeliantseva Koller (Zürich): „Wir leben heute besser als unsere Eltern, aber so fröhlich feiern, das können wir nicht!“ Spätsowjetische Festkultur und Gemeinschaft in den post-sowjetischen Erinnerungen Anja Tippner (Hamburg): „Der Sozialismus ist zu Ende, aber wir sind geblieben.“ Positive Erinnerungen an die Sowjetunion in Svetlana Aleksievičs Vremja sekond chėnd Martina Winkler (Kiel): Kindheitserinnerungen: Tschechische Populärkultur nach 1989 _Diskussion_Moderation: Monica Rüthers (Hamburg / München) 3. Sektion: Wendebiografien: Leben in Systemwechseln Nina Leonhard (Potsdam): NVA-Offiziere im vereinigten Deutschland: Herausforderungen der (berufs-)biografischen Vergangenheitsverarbeitung im Kontext eines Systemwechsels Julia Richers (Bern): Das Böse kam von außen. Jüdische Kindheit in der Karpato-Ukraine Claudia Fröhlich (Berlin): (K)eine neue Meistererzählung! Kritische Überlegungen zur positiven Erinnerung an personelle Kontinuitäten vom NS-Staat in die Bundesrepublik Diskussion Moderation: Johannes Hürter (München) 4. Sektion: Arenen positiven Erinnerns. Familien und soziale Netzwerke Oksana Sarkisova (Budapest): Mining Family Albums: Domestic Photography and Nostalgia Revisited Sabine Moller (Berlin): Nostalgie als Systemkritik. Familienerinnerungen an die NS-Zeit in Ostdeutschland Marketa Spiritova (München): „Es war nicht alles schlecht“: Erinnerungen an den sozialistischen Alltag in der ČSSR Diskussion Moderation: Carmen Scheide (Bern) Schlussrunde Wie lassen sich die Forschungsdebatten um postsozialistische Nostalgie und positive Erinnerungen an den Nationalsozialismus sinnvoll aufeinander beziehen?

Screenshot des Veranstaltungsflyers: 1968 – eine weltpolitische Zäsur

Konferenzdokumentation | Veranstaltungsmitschnitt

1968 – eine weltpolitische Zäsur

vom 07.03.2018 | bis zum 08.03.2018

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von 1968 veranstaltete die Deutsche Gesellschaft e. V. gemeinsam mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 7. und 8. März 2018 eine Konferenz in die Landesvertretung Sachsen-Anhalt beim Bund in Berlin. Journalisten, Politiker und Wissenschaftler warfen einen europäischen und globalgeschichtlichen Blick auf die Ereignisse des Jahres 1968. Die gesellschaftliche Bedeutung, das Vermächtnis, die Rolle im heutigen politischen Diskurs und die Bedeutung als europäischer Erinnerungsort wurden diskutiert. Folgende drei Panels setzten die inhaltlichen Schwerpunkte der Veranstaltung: Die 1960er-Jahre im internationalen Kontext, 1968 – Gesellschaften im Aufbruch, Nachwirkungen und Perspektiven von 1968. Gerade durch den globalgeschichtlichen Blick gelang es den Veranstaltern die Aufstandsversuche und Revolten in den kommunistischen Diktaturen der 1960er-Jahre nicht aus dem Blick zu verlieren und in Bezug zu den Ereignissen in Westeuropa und den USA zu setzen. Die Konferenz war auch Auftakt zu einer siebenteilige Veranstaltungsreihe in der Bundesstiftung über das Jahr 2018 hinweg, die weitere Aspekte von 1968 in den kritischen Blick nehmen wird. Das Jahr 1968 gilt als Mythos, verklärt, verdammt, von einer jüngeren Generation neugierig beäugt. Vor allem aber ist es die Chiffre für eine Zäsur in der deutschen und europäischen Nachkriegs-Geschichte. Was sagen uns diese Ereignisse, Prozesse und Diskurse ein halbes Jahrhundert später? Was ist abgetan, welche Fragen stellen sich erneut? Die Vorträge von Detlef Siegfried und Jürgen Danyel im des Panels 1968 – Gesellschaften im Aufbruch können sie hier auf der Seite von RBB-Inforadio nachhören. Die anschließende Podiumsdiskussion des Panels wurde ebenfalls im RBB-Inforadio in der Reihe Das Forum übertragen und kann hier nachgehört werden.

Logo der Akademie Herrnhut für politische und kulturelle Bildung

Tagungsbericht

Weltwende 1917 – Europa, Russland und die bolschewistische Revolution

vom 16.11.2017 | bis zum 18.11.2017

Vom 17. bis 19. November 2017 fand inder Akademie Herrnhut sie Tagung "Weltwende 1917 – Europa, Russland und die bolschewistische Revolution" statt. Die dreitägige, von der Akademie Herrnhut ausgerichtete und mit der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des politischen Denkens (DGEPD) und der TU Chemnitz durchgeführte Tagung beschäftigte sich mit den Nachwirkungen und der Bedeutung der russischen Revolution für die europäische Geschichte. Gefördert wurde die Veranstaltung von der Bundesstiftung Aufarbeitung, der Konrad Adenauer-Stiftung und dem Landkreis Görlitz. In den Fokus rückten die Veranstalter der Tagung die Ideologie der Doppelrevolution von 1917. Das Tagungsprogramm bestand aus den folgenden vier Panels: „Ideologische Grundlegungen und Vorläufer“; „Ideologie - Terror - „Welterlösung“; „Der rote Terror und die Kirchen“ sowie „Aktuelle Perspektiven“. Im Rahmenprogramm der Tagung wurden die Ausstellungen „Archipel Solovki“, die sich mit der Topographie des Terrors im Solovki-Kloster (Weißes Meer) beschäftigt und die Ausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung "Der Kommunismus in seinem Zeitalter" gezeigt. Eine weitere Ausstellung von Studierenden der TU Chemnitz war ebenfalls während der Tagung zu sehen. Die Veranstaltung war vor allem Multiplikatoren der historisch-politischen Bildungsarbeit gerichtet. „Jeder Staat wird auf Gewalt gegründet.“ Dieses von Leo Trotzki stammende Zitat artikuliert bereits einen normativen Wesenszug kommunistischer Herrschaft, ihrer Sicherung ebenso wie ihrer Expansion. Mit der Machteroberung der Bolschewisten im Oktober 1917 vollzog sich eine Weltwende, die nicht nur das Russische Zarenreich in eine kommunistische Ein-Parteien-Diktatur verwandelte, sondern auch ganz Europa fundamental veränderte. Anlässlich des 100. Jahrestages der bolschewistischen Revolution organisierte die Technische Universität Chemnitz (Professur für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Frank-Lothar Kroll) eine Konferenz in Kooperation mit der Akademie Herrnhut, der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des politischen Denkens, der Bundesstiftung Aufarbeitung, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Umweltbibliothek Großhennersdorf „Weltwende 1917 – Russland, Europa und die bolschewistische Revolution“ im Tagungshaus der Akademie Herrnhut (16. bis 18. November 2017). Den Tagungsbericht von Antonia Sôphia Podhraski für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Grußworte Frank-Lothar Kroll (Technische Universität Chemnitz)Landrat Bernd Lange (Landkreis Görlitz)Sabine Kuder (Bundesstiftung Aufarbeitung, Berlin)Michael Borchard (Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin)Albert Löhr (Akademie Herrnhut für politische und kulturelle Bildung e.V.)Clemens Kauffmann (Deutsche Gesellschaft zur Erforschung des politischen Denkens) Eröffnungsvortrag Jörg Baberowski (Humboldt-Universität Berlin): Die bolschewistische Herausforderung – Russische Revolution und europäische Antworten I. Ideologische Grundlegungen und Vorläufer (Teil I)Moderation: Peter Nitschke, Universität Vechta Frank-Lothar Kroll (Technische Universität Chemnitz): Russland, Europa – und der Westen. Historische Entwicklungslinien und PerspektivenClaus Scharf (Institut für Europäische Geschichte Mainz): Ambivalenzen der politischen Aufklärung in der Vorgeschichte von Revolutionen I. Ideologische Grundlegungen und Vorläufer (Teil II)Moderation: Eva Odzuck (Friedrich-Alexander Universität Erlangen) Jutta Scherrer (Centre Marc Bloch/Berlin): Russische Revolution und Russische Idee heute – Wandlungen eines Mythos im postsowjetischen RusslandRaj Kollmorgen (Hochschule Zittau/Görlitz): Das proletarische Revolutionskonzept von Karl Marx – und seine Umkehrung durch Lenin? II. Ideologie – Terror – „Welterlösung“Moderation: Clemens Kauffmann (Friedrich-Alexander Universität Erlangen) Hendrik Hansen (Andrassy Universität Budapest): Lenins Ideologie der Gewalt und die Grundlegung des SowjetsystemsBarbara Zehnpfennig (Universität Passau): Innenansichten eines Revolutionärs. Arthur Koestlers Auseinandersetzung mit dem BolschewismusSusanne Frank (Humboldt-Universität Berlin): Eurasianismus – Revolution und Rekonstruktion Abendvortrag Alfons Söllner (Technische Universität Chemnitz): Totalitarismus und Totalitarismustheorien im 20. Jahrhundert III. Aktuelle PerspektivenModeration: Hendrik Hansen (Andrássy Universität Budapest) Matthias Stadelmann (Friedrich-Alexander Universität Erlangen): Utopische Verheißung und kulturelle Herrschaftssicherung – 1917 und die MusikIgor Narskij (Universität Tscheljabinsk): Gewalt und Terror heute – zum Umgang mit dem bolschewistischen Massenmord in Russland und EuropaStefan Garsztecki (Technische Universität Chemnitz): Polen und die bolschewistische Herausforderung – Ein Sonderfall?

Logo der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen

Tagungsbericht

Erste Nachwuchstagung der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen

vom 29.10.2017 | bis zum 02.11.2017

Die Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen wollte mit ihrer ersten Nachwuchstagung in Heidelberg ein Forum für die Diskussion aktueller Forschungsprojekte zu Themen der deutsch-russischen Beziehungsgeschichte kreieren. Der zeitliche Fokus lag auf dem 19. und 20. Jahrhundert, die Vortragenden wurden aber animiert, Themen in einen globalen Kontext einzuordnen. In neun Panels stellten 20 deutsche und russische Doktoranden und Postdocs in Vorträgen ihre Arbeiten zu ambivalenten Themen vor. Die Panels beschäftigten sich dabei unter anderem mit „Verflechtungsgeschichten im Kalten Krieg“, „Diktatur im Kino“ und „Konfrontationen, Loyalitäten und Identitäten im 1. Weltkrieg“, um nur einige zu nennen. Die fünftägige Veranstaltung an der Universität Heidelberg gab nicht nur Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Gelegenheit, ihre Forschungen vorzustellen und zu diskutieren, sondern ermöglichte auch den Wissenstransfer der deutschen und russischen Geschichtswissenschaft. Vom 29. Oktober bis 2. November 2017 richtete die Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen ihre erste Nachwuchstagung an der Universität Heidelberg aus. Eine Gruppe von 20 russischen und deutschen Doktoranden und Postdocs diskutierte gemeinsam mit weiteren eingeladenen Wissenschaftlern und Kommissionsmitgliedern ihre aktuellen Forschungsprojekte zu Themen der „deutsch-russischen Beziehungs- und Verflechtungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts im globalen Kontext“. Neben den jeweiligen Fragestellungen einer deutsch-russischen Beziehungsgeschichte standen dabei neuere methodische Ansätze im Fokus. Die Tagung wurde von Tanja Penter (Universität Heidelberg) und Alexander Vatlin (MGU Moskau) organisiert. Neben ihnen waren mit Jörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Karlshorst) und Nikolaus Katzer (DHI Moskau) zwei weitere Mitglieder der deutsch-russischen Historikerkommission vertreten. Lesen Sie den ausführlichen Tagungsbericht von Wolfgang Schneider bei H-Soz-Kult. Konferenzübersicht: Einführungsvortrag Andreas Hilger (DHI-Moskau, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg): Deutsch-russische Geschichte und Globalgeschichte 1. Panel: Wissenschaftsgeschichte Margarita Kolesnikova (Universität Jena): Wissenschaftstransfer und Politik. Jenaer Wissenschaftler und die Russische Akademie der Wissenschaften Nadezda Fichtner (Universität Kassel): Der Althistoriker Michail Rostovtzeff: Wissenschaft und Politik im vorrevolutionären und bolschewistischen Russland (1890-1918) 2. Panel: Stereotype Bilder im langen 19. Jahrhundert Oleksiy Salivon (Universität Stuttgart): The anti-Semite stereotypes in cartoons, pamphlets and literature in Germany and in Russia in XIX and early XX century 3. Panel: Konfontrationen, Loyalitäten und Identitäten im 1. Weltkrieg Igor Barinov (IMEMO Moskau): Kaiserliche russische Offiziere deutschbaltischer Herkunft 1914-18: zwischen zwei Identitäten Leontij Lannik (Universität Saratov): Deutschland in der Konfrontation an der Ostfront nach Abschluss des Brester Friedens 4. Panel: Kulturelle Rezeptionen und Transfers in der Zwischenkriegszeit Oksana Maistat (HU Berlin): Jenseits der Montage: die Begrifflichkeit des sowjetischen Filmdiskurses in den 1920er Jahren Nataliya Kopcha (Universität Freiburg/RGGU Moskau): Politische Dostoevskij-Rezeption in Deutschland: Arthur Moeller van den Bruck und Hans Schwarz -5. Panel: Terror, Alltag und Kultur unter Deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg_ Marija Kirpičnikova (Staatliches Museum Gatčina): Die Besonderheiten des Kulturlebens in einer okkupierten Sadt in den Jahren 1941-1944 und die Interaktion der lokalen Bevölkerung mit den „neuen Machthabern“ (am Beispiel der Stadt Gatčina/Oblast Leningrad) Stanislav Aristov (Moskauer Energetisches Institut): Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager in den besetzten sowjetischen Gebieten Yuliya von Saal (IfZ München), Sowjetische Kriegskindheiten: Kriegskinder unter deutscher Besatzung und im Spätstalinismus in Belarus 1941-1944-1953 6. Panel: Die Verfolgung von NS- und Kriegsverbrechern in der Sowjetunion Wolfgang Schneider (Universität Heidelberg): Sowjetische Kollaborationsprozesse gegen Judenräte und Ghettopolizisten 1943-1989 Dmitrij Astaškin (Universität Velikij Novgorod): Sowjetische Gerichtsprozesse gegen Kriegsverbrecher (1949-1991): Ziele, Funktionen und Effekte der Auswahlmediatisierung 7. Panel: Diktatur im Kino Kristina Filenko (Universität Nowokusnezk): Das Kino des Dritten Reiches als Mittel der nationalsozialistischen Propaganda (1933-1945) Kristina Tanis (EUSPB St. Petersburg): Beutekino in der UdSSR (1940er-1950er Jahre): Geschichte, Ideologie, Rezeption 8. Panel: Erfahrungstransfers und visuelle Regime: Sowjetische Besatzungspolitik in Deutschland Alexey Tikhomirov (Universität Frankfurt am Main): Making the Occupation's Visual Regime and the Defeated Nation's Emotional Responses – The Case of East Germany after the Second World War Roman Boldyrev (Universität Archangelsk): Die sowjetische Besatzungspolitik in Deutschland, 1945-1949: Der Transfer der sowjetischen Erfahrung und ihre Grenzen 9. Panel: Verflechtungsgeschichten im Kalten Krieg Alexander Friedman (Universität Saarbrücken): Das Großherzogtum Luxemburg, die Sowjetunion und die DDR im Kalten Krieg Irina Parkhomenko (Universität Bochum): NTS: Die Opposition gegen das Sowjetregime 1956 – 1991 Alexey Sorokin (Universität Omsk): Sowjetunionbilder Konrad Adenauers und Willy Brandts

Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Tagungsbericht

Transatlantic Summer School: A Century of Communism

vom 17.07.2017 | bis zum 21.07.2017

Der 100. Jahrestag der Russischen Revolution bot den Anlass für die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte und vom Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF), der University of North Carolina at Chapel Hill (USA) und der Freien Universität Berlin veranstaltete Summerschool „A Century of Communism“. Vom 17. bis zum 21. Juli 2017 hatten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Gelegenheit, mit renommierten Historikern wie Paul Nolte (FU Berlin), Martin Sabrow (ZZF Potsdam)  und Konrad H. Jarausch (Chapel Hill) ins Gespräch zu kommen und sich untereinander auszutauschen. Damit wurde eine vergleichende Perspektive auf das 20. Jahrhundert eingenommen und sowohl dessen Alltagsgeschichte als auch die Gewalt- und Herrschaftsgeschichte untersucht. Auch Erinnerungskultur und Biografiearbeit standen auf dem Programm. Die erstmals in Potsdam durchgeführte Veranstaltung soll den transatlantischen Austausch zur Kommunismusgeschichte befördern und anhand von Expeditionen zu Erinnerungs- und Gedenkorten des Kommunismus in Berlin und Potsdam einen Praxisbezug herstellen. The centenary of the 1917 Revolutions proved to be an excellent occasion for the first transatlantic summer school co-organized by the Berlin Program for Advanced German and European Studies at the FU Berlin, the Center for Contemporary History (ZZF) in Potsdam, and the University of North Carolina at Chapel Hill. The week-long event paired established scholars of communism with graduate students and junior scholars from European and North American institutions to enter into a transatlantic dialogue over central problems in the histories of communism. Most days began with morning sessions consisting of short presentations by senior faculty and public historians, followed by afternoon sessions for project presentations by graduate students and junior scholars. Monday's introductory discussion on "Communism as Alternative Modernity" raised questions about the relationships between communism and democracy, as well as communism and violence. These questions were revisited throughout the week. How much of the "democratic deficit" within twentieth-century state socialisms can be explained with reference to the nineteenth-century classics of Marxism? Lesen die vollständigen Tagungsbericht von David Spreen auf HSozKult hier. Programm:Montag, 17. Juli 2017 • Der Kommunismus im 20. Jahrhundert Ort: ZZF Potsdam, Am Neuen Markt 9d, Potsdam13 – 15 Uhr: Panel IBegrüßung: Prof. Dr. Konrad Jarausch und Hanno HochmuthModeration: Hanno HochmuthHilfskraft: Johanna Heinecke/Viktor zu SachsenChairs: Prof. Dr. Konrad H. Jarausch (UNC Chapel Hill) und Prof. Dr. Paul Nolte (FU Berlin)Vorstellungsrunde, Impulsreferate und Diskussion programmatischer Texte zum Thema15:30 – 17 Uhr Projektpräsentationen durch die Teilnehmer/innen17-19 Uhr Exkursion: „Auf den Spuren des Kalten Krieges in Potsdam"(Margit Hattendorf, Start am ZZF) Dienstag, 18. Juli 2017 • Herrschaft und Gewalt im KommunismusOrt: ZZF Potsdam, Am Neuen Markt 9d, Potsdam10 – 13 Uhr: Panel II – Textdiskussion und ImpulsreferateModeration: Scott KrauseHilfskraft: Johanna HeineckeChairs: Uta-Ulrike Gerlant (Leiterin der Stiftung Lindenstraße, Potsdam), Dr. Jens Gieseke (ZZF Potsdam), Prof. Dr. Claudia Weber (Frankfurt/Oder)14 – 16 Uhr: Projektpräsentationen durch die Teilnehmer/innen16.30 Uhr: Exkursion Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam Mittwoch, 19. Juli 2017 • Kommunismus in BiographienOrt: Bundesstiftung Aufarbeitung, Kronenstraße 5, Berlin10 – 13 Uhr: Panel III – Textdiskussion und ImpulsreferateModeration: Stefanie EisenhuthChairs: Prof. Dr. Mario Keßler (ZZF Potsdam), Prof. Dr. Susan Pennybacker (UNC Chapel Hill); Prof. Dr. Martin Sabrow (ZZF Potsdam/HU Berlin)14.00 Uhr: Besuch der Poster-Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“Einführung in das „Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung“ (JHK), das biographische Handbuch „Deutsche Kommunisten 1918-1945“ und in die Websiten www.kommunismusgeschichte.de und www.dissidenten.de Donnerstag, 20. Juli 2017 • Alltag im Staatssozialismus Ort: ZZF Potsdam, Am Neuen Markt 9d, Potsdam10 – 13 Uhr: Panel IV – Textdiskussion und ImpulsreferateModeration: René Schlott/Stefanie EisenhuthHilfskraft: Viktor zu SachsenChairs: Prof. Dr. Thomas Lindenberger (ZZF Potsdam), Dr. Andreas Ludwig (ZZF Potsdam), Prof. Dr. Arnd Bauerkämper (FU Berlin)14 – 17:30 Uhr: Projektpräsentationen durch die Teilnehmer/innen18 Uhr: Öffentlicher Abendvortrag „Das Mandat der Gewissheit: Kommunismus als Avantgardeherrschaft“, Prof. Dr. Martin Sabrow Freitag, 21. Juli 2017 • Das Erbe des Kommunismus Ort: FU Berlin, Ehrenbergstraße 26/28, Berlin10 – 13 Uhr: Panel V – Textdiskussion und ImpulsreferateModeration: Hanno HochmuthChairs: Prof. Dr. Stefan Troebst (Leipzig), Dr. Jan C. Behrends (ZZF Potsdam), Dr. Irmgard Zündorf (ZZF Potsdam)14 – 17 Uhr: Projektpräsentationen durch die Teilnehmer/innen Öffentlicher AbendvortragProf. Dr. Martin Sabrow (Direktor des ZZF Potsdam)Das Mandat der Gewissheit. Kommunismus als AvantgardeherrschaftModeration: Priv.-Doz. Dr. Rüdiger BergienDatum: Do., 20. Juli 2017, 18 UhrOrt: ZZF Potsdam, Am Neuen Markt 9d, Großer Seminarraum

Flyer zum Symposium

Tagungsbericht

"Nur wer arbeitet, soll auch essen." Zur Kultur- und Sozialgeschichte der Arbeitslosigkeit

vom 23.06.2017 | bis zum 24.06.2017

In der Geschichtsschreibung bedarf es besonderer Anstrengung, um bestimmte historische Dimensionen, etwa der Alltagsgeschichte, zu erschließen, die aufgrund der Quellenlage nicht leicht zugänglich sind. Der bisher ungeschriebenen Kultur- und Sozialgeschichte der Arbeitslosigkeit widmete sich am 23. und 24.06.2017 ein Symposium an der Universität Bamberg. Unter dem bis in die Gegenwart oft aufgegriffenem paulinischen Motto „Nur wer arbeitet, soll auch essen“ stellte sich die Veranstaltung die Historisierung des politischen Umgangs sowie der milieuspezifischen Deutung Arbeitsloser und der Arbeitslosigkeit zum Ziel. Darüber hinaus sollte die Kultur der Arbeitslosigkeit eng mit der Geschichte politischer Ökonomie verbunden werden, um einen Beitrag zu heutigen Debatten zu liefern und der Geschichtswissenschaft ein neues Feld zu erschließen. Der Tagungsbericht von Simon Dudek bezeichnet dies als Desiderat und hebt besonders die gelungene Integration von akademischen und politischen Aspekten bei der Veranstaltung hervor, die mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg- und der Petra-Kelly-Stiftung vom AK Kritische Geschichte des AStA Bamberg e.V. organisiert wurde. „Es liegt in der Natur des Kapitals, einen Teil der Arbeiterbevölkerung zu überarbeiten und einen anderen zu verarmen.“ – Die Evidenz der Marxschen Analyse kapitalistischer Akkumulation zeigte sich auf der Tagung zur Kultur- und Sozialgeschichte der Arbeitslosigkeit schon beim ersten Blick auf das epochenübergreifende Vortragsprogramm. Der historischen Ubiquität des sozialen Verhältnisses Arbeitslosigkeit zum Trotz stellt es als Forschungsfeld in den Geschichtswissenschaften ein Desiderat dar, dem anzunehmen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung zur Aufgabe gemacht haben. In seiner Einführung griff MARC MALISCHKE (Bamberg) den provokativen Titel der Tagung „Nur wer Arbeitet, soll auch essen“ auf. Dieser geht auf einen Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher zurück, in dem dieser die Neuchristen zur Arbeitsamkeit ermahnt. Zugleich stellt die Aussage in ihrer Wiederkehr bei Bebel, Hitler und Stalin auch die Persistenz eines Denkens dar, das in verschiedenen ideologischen Gewändern die Arbeit zum Zweck an sich erhebt. Malischke stellte in diesem Zusammenhang die Parallelen zur gegenwärtigen Schuldenkrise in der Eurozone und deren Folgen, grassierender Jugendarbeitslosigkeit und steigender Altersarmut her. Den ausführlichen Tagungsbericht von Simon Dudek finden Sie hier auf H-Soz-Kult. Konferenzübersicht:Marc Malischke (Bamberg): EinführungMarcel Korge (Leipzig): Unterstützung, Reglementierung und Sanktionierung. Die Ausgestaltung des Systems sozialer Sicherung bei „Arbeitslosigkeit“ durch die vormodernen HandwerksorganisationenJan Markert (Bamberg): „mußte erst der Souverain verwundet werden ehe solche Maßregeln erreicht werden konnten!“ Kaiser Wilhelm I. und die Soziale Frage im Deutschland des späten 19. JahrhundertsHarald Rein (Frankfurt): „…denn das Stempeln is uns lieber, als das Schuften auf der Welt!“ Organisation und Selbstorganisation Erwerbsloser in der Weimarer Republik.Jule Ehms (Bochum): „Erwerbslose! Auf zur Solidarität!“ Thesen zur gewerkschaftlichen Organisierung von Erwerbslosen in der Freien Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten).Nikolas Lelle (Berlin): „Ich könnte nicht ohne Arbeit sein“ Der Nationalsozialismus und sein Hass auf Arbeitslosigkeit und Nicht-ArbeitYves Müller (Hamburg): „Menschen ohne Glück, ohne Arbeit und Brot“? zur Inszenierung von Arbeit und Erwerbslosigkeit in der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) 1930-1941 unter männlichkeitenhistorischer PerspektiveMarc Malischke (Bamberg): Arbeitslose in der Wirtschaftswunderökonomie? Erwerbslosigkeit zwischen Ausblendung und Steuerungshybris in der westdeutschen Nachkriegsökonomik und Wirtschaftspolitik 1948-1973Benjamin Bauer (Bamberg): Arbeitszwang als Instrument der Vergangenheitspolitik? Das ehemalige KZ Dachau im PostfaschismusKyra Palberg (Duisburg-Essen): Praktiken des Nichtstuns. Konstruktionen von Arbeitslosen in der Meinungsforschung

Screenshot der Website zur Konferenz "Blick ins Ungewisse. Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum 1917 und danach"

Tagungsbericht

Blick ins Ungewisse. Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum 1917 und danach

vom 10.05.2017 | bis zum 12.05.2017

Die Tagung "Blick ins Ungewisse. Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum 1917 und danach" stellte die zum Ende des Ersten Weltkriegs und unmittelbar danach entwickelten politischen und gesellschaftlichen Ideen, Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum vergleichend vor. Es wurde nach Konzepten gefragt, wie sie sich im politischen und gesellschaftlichen Diskurs, in der Publizistik und in der Literatur sowie in der Geschichtsschreibung abzeichnen. Anhand von thematischen Schwerpunkten wurde die heute in den Meistererzählungen mitteleuropäischer Staaten postulierte Unumgänglichkeit der nationalen Neuordnung Europas nach dem Ende der Donaumonarchie hinterfragt und neu beurteilt.An der vom IKGS, der Abteilung für Germanistik und der Abteilung für Übersetzen der Philosophischen Fakultät in Ljubljana organisierten internationalen Konferenz "Blick ins Ungewisse. Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum 1917 und danach" diskutierten Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Disziplinen (Literaturwissenschaft, Geschichte, Kirchengeschichte) und Ländern (Deutschland, Kroatien, Republik Moldau, Nordirland, Österreich, Rumänien, Slowenien, Ukraine, Ungarn) über politische, religiöse, geschichtliche, kulturelle und literarische Gemengelagen, Ereignisse und Visionen der Zeit, die sich vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs ausgebildet hatten. Leitmotiv und Themenfokus der zweitägigen Tagung war das weitgreifende Gefühl des Ungewissen, das alle besprochenen Bereiche während und insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg geprägt hatte. Den ausführlichen Tagungsbericht von Mateja Gaber für H-Soz-Kult finden Sie hier. Konferenzübersicht: Begrüßung und Einführung Branka Kalenić Ramšak (Dekanin der Philosophischen Fakultät, Universität Ljubljana)Špela Virant (Institutsleiterin der Abteilung für Germanistik mit Nederlandistik und Skandinavistik, Universität Ljubljana)Mira Miladinović Zalaznik / Irena Samide / Tanja Žigon (Philosophische Fakultät, Universität Ljubljana)Florian Kührer-Wielach (Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München) Keynote (I)Moderation: Florian Kührer-Wielach (München) Clemens Ruthner (Dublin): »Versuchsstationen des Weltuntergangs«. Apokalyptische Szenarios in der deutschsprachigen Fantastik vor und nach dem Ersten Weltkrieg (dt.) Visionen des KriegesModeration: Irena Samide (Ljubljana) Milka Car (Zagreb): Die Utopien und Freiheitsprojektionen in der Novellensammlung Der kroatische Gott Mars von Miroslav Krleža (dt.)Éamonn Ó Ciardha (Derry): Arthur Griffith, Sinn Féin und The Resurrection of Hungary: Irland und Ungarn: vergleichender, imperialer Kontext (eng.) Zwischen Wirklichkeit und UtopieModeration: Peter Becher (München) Anja Urekar Osvald (Maribor): Vom »Michel«, der »Tante Germania« und dem »Nibelungenland« – Visionen und Utopien in der historischen deutschen Presse aus der Untersteiermark und ihr Wandel (1900–1917) (dt.)Johann Georg Lughofer (Ljubljana): Eine »Reise durchs Heanzenland« mit Joseph Roth (dt.) Politische Visionen und Utopien (I)Moderation: Elvis Orbanić (Pazin) Gorazd Bajc (Maribor / Triest): Britische Sachkundige in ihren Analysen des Pulverfasses an der Oberen Adria, 1916–1919 (slo.)Ljubinka Toševa Karpowicz (Rijeka): Der Staat Fiume – der italienische Nationalrat (23. November 1918 – 16. September 1920) (eng.)Csaba Zahorán (Budapest): Utopien im Schatten der Katastrophe. Die Idee der Selbstbestimmung der Szekler nach dem Fall von Österreich-Ungarn (eng.) Politische Visionen und Utopien (II)Moderation: Rok Stergar (Ljubljana) Andrei Cuşco (Chișinău): Gescheiterter Versuch? Bessarabische Eliten zwischen Autonomie, Föderalismus und Nationalismus (1917–1918) (eng.)Nataliya Nechayeva-Yuriychuk (Černivci): Die Rolle der nationalen Identität bei der Staatenbildung am Beispiel der Huzulischen Republik (eng.)Rudolf Gräf (Cluj-Napoca): Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Versuche, das Banat politisch neuzugestalten (dt.) Keynote (II)Moderation: Mira Miladinović Zalaznik (Ljubljana) France Martin Dolinar (Ljubljana): Zwischen den Erwartungen und politischer Realität. Die Bischöfe der Kirchenprovinz Görz während des Ersten Weltkrieges und danach (slo.) Kirchliche Visionen innerhalb und außerhalb neuer StaatsgrenzenModeration: Angela Ilić, München Pál Lackner (Budapest): »Vom Bruder zu Nachbarn – geht’s auch umgekehrt?« Das Verhältnis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn zu ihren ehemaligen Teilen (dt.)Oleh Turiy (Lviv): Zwischen ekklesialer Identität, nationalem Engagement und politischer Loyalität. Kirchliche Strukturen unierter Ruthenen nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie (dt.)Heiner Grunert (München): »Zeichen unserer Befreiung, Vereinigung und Auferstehung.« Visionen und Geschichtskonzepte der serbischen Orthodoxie am Ende des Großen Krieges (dt.) Das Reformationsjubiläumsjahr 1917Moderation: Angela Ilić (München) Botond Kertész (Budapest): Krieg und Feier – Das 400. Reformationsjubiläum in Ungarn (dt.)Lajos Szász (Budapest / Leipzig): Das Reformationsjubiläum in Ungarn und Siebenbürgen im Jahr 1917: Konzepte und Pläne für die Zukunft (dt.)Tanja Žigon (Ljubljana): Das Jahr 1917 in den »slowenischen« Gebieten in Österreich-Ungarn im Hinblick auf den 400. Jahrestag der Reformation (dt.) AbschlussdiskussionAngela Ilić, IKGS München, Stellvertreterin des Direktors

Euromaidan in Kiew am 1. Dezember 2013, Urheber: Nwssa Gnatoush, Lizenz: CC-BY 2.0

Tagungsbericht

Über Revolutionen: Ursachen, Versprechen, Folgen

vom 16.03.2017 | bis zum 17.03.2017

Zum Cenntenial der Russischen Revolution widmete sich die von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V. und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung veranstaltete Konferenz den Ursachen, Versprechen und Folgen von Revolutionen. So war eine der zentralen Fragen, inwiefern sich die gesellschaftlichen Umstürze des 20. Jahrhunderts sich – imitierend oder abwehrend  – auf den „Roten Oktober“ bezogen.  Die vier Panels der Konferenz behandelten folgende Aspekte der Oktoberrevolution: Memorialisierung, Auswirkungen an der Peripherie (Finnland, Zentralasien, Mongolei), Ästhetik und künstlerische Ausdrucksformen sowie Eigentumsvorstellungen, die Revolutionen unverändert überdauern. Im abschließenden Plenum wurden die gegenwärtigen Beziehungen Russlands zum Westen und populistische Tendenzen in Ostmitteleuropa diskutiert. Über die Ursachen, Versprechen und Folgen von Revolutionen im Allgemeinen wie im Besonderen diskutierten auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde in Kooperation mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam Historiker, Soziologen, Literatur-, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler aus dem In- und Ausland. Anlass war das 100-jährige Jubiläum der russischen Revolutionen des Jahres 1917. Zum Auftakt der Konferenz kennzeichnete der DDR-Bürgerrechtler und Bundestagspräsident a. D. WOLFGANG THIERSE (Berlin) die friedliche Revolution von 1989 als „vielfachen Ausbruch aus dem Gefängnis der Angst“. Als Lehre von 1989 begreift er die Überwindung geschlossener, eingesperrter Gesellschaften: In ihnen herrsche Stillstand und sie seien nicht überlebensfähig. Mit Blick auf die derzeit allgegenwärtige populistische Versuchung warnte er vor einer „Art Konterrevolution“, in der sich autoritärer Nationalismus und Wohlstandschauvinismus durchsetzten. Die Aussage des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der angesichts des Flüchtlingsstroms aus Syrien gesagt habe: „Niemand kann verlangen, dass Ungarn sich ändert“, nannte Thierse fatal. Zugleich sei sie ein Zeugnis der wohl in Europa weit verbreiteten Angst vor Veränderungen. Er sieht die Zeit gekommen, eine kritische Bilanz der Transformationszeit zu ziehen und appellierte – eingedenk der europäischen Revolution von 1989/91 –, die „liberale, rechts- und sozialstaatliche Demokratie als politische Lebensform unserer Freiheit zu verteidigen“. Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Sophie Schmäing bei H-Soz-Kult. Konferenzübersicht: Ruprecht Polenz (Berlin / Münster) / Frank Bösch (Potsdam): Eröffnung Wolfgang Thierse (Berlin): Prolog: Gesellschaften im Umbruch VortragJack A. Goldstone (Arlington/Virginia): Revolutionen in der Moderne Kommentar und DiskussionModeration: Jan Kusber (Mainz) Liudmila Novikova (Moskau): Die Einordnung der russischen Revolutionen von 1917 VortragHelmut König (Aachen): Hannah Arendt und die Theorie der Revolution Kommentare und DiskussionModeration: Manfred Sapper (Berlin) Asef Bayat (Illinois / Berlin), Kateryna Mishchenko (Kiew): Der arabische Frühling und der Euromajdan Panel 1: Dekaden des Roten OktoberModeration: Thomas Lindenberger (Potsdam) Jean-François Fayet (Freiburg / Fribourg)Juliane Fürst (Bristol)Maciej Górny (Warschau) Panel 2: Die Oktoberrevolution an den früheren Peripherien des Zarenreichs. Interpretation und GeschichtspolitikModeration: Jan C. Behrends (Potsdam) Zaal Andronikashvili (Berlin)Irina Morozova (Regensburg)Oula Silvennoinen (Helsinki) Panel 3: Radical Chic. Ästhetik der RevolutionenModeration: Birgit Menzel (Mainz) Roland Cvetkovski (Köln)Ekaterina Degot (Köln) Panel 4: Eigentumsvorstellungen und Eigentumsrechte. Der lange Schatten der RevolutionModeration: Volker Weichsel (Berlin) Kerstin Brückweh (Potsdam)Carsten Herrmann-Pillath (Erfurt)Alexander Libman (München) Podiumsdiskussion: Revolution und internationale OrdnungModeration: Gabriele Freitag (Berlin) Iryna Busygina (Moskau)Jost Dülffer (Köln)Harald Müller (Frankfurt am Main) Podiumsdiskussion: Revolutionen und Gegenrevolutionen. 1989 und danachModeration: Michael Thumann (Berlin) Mischa Gabowitsch (Potsdam)Ruprecht Polenz (Berlin / Münster)Wolfgang Templin (Berlin)

Logo des Historischen Kollegs

Tagungsbericht

Große Erwartungen – 1919 und die Neuordnung der Welt

vom 25.01.2017 | bis zum 27.01.2017

Die am Historischen Kolleg stattfindende Tagung widmete sich dem Jahr 1919 und den damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen und Ängsten. In vier Sektionen beschäftigten sich die Referentinnen und Referenten mit den Ereignissen in Osteuropa und Russland, den Kolonialgesellschaften und ihren Entwicklungen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, globalen Sicherheitsordnungen und der Entwicklung demokratischer Systeme in Europa. Dabei richteten sie den Blick nicht ausschließlich auf die Entwicklungen in Europa und die daraus folgenden globalen Auswirkungen, sondern entwickelten eine transnationale Perspektive auf ein ereignisreiches Jahr. Knapp 100 Jahre ist das Ende des Ersten Weltkrieges her und somit auch die Zeit der Erwartungen und Ängste, die mit dem Waffenstillstand begann. Die verschiedenen Nationen, Regionen und Empires waren unterschiedlich stark vom Krieg betroffen, der Neuordnung der Welt konnte sich jedoch kaum eine Region entziehen. Die von JÖRN LEONHARD (Freiburg) im Rahmen seines Forschungsstipendiums des Instituts für Zeitgeschichte am Historischen Kolleg veranstaltete Tagung bot eine Plattform, die Interessen und Erwartungen einzelner Weltregionen und spezifischer Akteure miteinander zu verknüpfen und nach Erfüllung und Enttäuschung eben jener Erwartungen zu fragen. Schon im einleitenden Vortrag Leonhards wurde die Komplexität der Prozesse und Erwartungen um 1919 deutlich. Leonhard sprach von einem Moment der Verdichtung, Beschleunigung und Offenheit, wobei vor allem letztere in vielen folgenden Beiträgen wieder aufgegriffen und diskutiert wurde. Den vollständigen Tagungsbericht für H-Soz-Kult von Christina Ewald können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Begrüßung: Andreas Wirsching (München) Jörn Leonhard (Freiburg), Die Konkurrenz der Versprechen – Globale Ordnungsvisionen am Ende des Ersten Weltkrieges Sektion I: Grenzen und Räume – Territorialität und Nationsbildung im Zeichen des Gewaltkontinuums Gerd Koenen (Frankfurt am Main), Lenin und Wilson – ein welthistorischer Vergleich Jochen Böhler (Jena), Vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg. Die Kontinuität der Gewalt in Ostmitteleuropa über 1918 hinaus Kommentar: Joachim von Puttkamer (Jena) Sektion II: Kolonialkritik und Anti-Imperialismus – Globale Modelle und lokale Kontexte Benedikt Stuchtey (Marburg), Demokratie nach dem Krieg? Große Erwartungen an die Kolonialismuskritik Stefan Rinke (Berlin), Große Skepsis: Lateinamerikanische Zukunftserwartungen bei Kriegsende 1918/19 Jan Schmidt (Löwen), „Den Pazifismus Anglo-Amerikanischer Provenienz beseitigen!“ – Das Japanische Empire und das Scheitern des „Wilsonian Moment“ in Ostasien Florian Wagner (Hamburg), Ermächtigungsfrieden oder Ernüchterungserlebnis? 1919 aus afrikanischer und panafrikanischer Perspektive Kommentar: Jürgen Osterhammel (Konstanz)/Jörn Leonhard (Freiburg) Sektion III: Neue Internationalismen – Ordnungsmuster kollektiver Sicherheit und internationaler Kooperation Eckart Conze (Marburg), Sicherheit statt Frieden. Die Pariser Konferenz und die internationalen Beziehungen der Zwischenkriegszeit Patrick Cohrs (New Haven), Die Suche nach einer atlantischen Sicherheitsordnung. Ein Schlüsselproblem der Neuordnungsprozesse von 1919 Kathrin Kollmeier (Potsdam), Erwartungen und Enttäuschungen: Staatenlosigkeit als transnationale Semantik der Zugehörigkeit nach 1918 Marcus Payk (Berlin), Vertrag und Diktat. Die Pariser Ordnung von 1919/20 und das Völkerrecht Kommentar: Isabella Löhr (Leipzig) Sektion IV: Partizipation und Versorgung – Massendemokratie und Wohlfahrtsstaatlichkeit als neue Ordnungsversprechen Manfred Berg (Heidelberg), „Wir sind keine Internationalisten, wir sind amerikanische Nationalisten!“ Das Scheitern des Wilsonianism in den USA Tim B. Müller (Hamburg), „The universal acceptance of democracy as the normal and natural form of government“. Demokratische Erwartungen nach 1918 – eine europäische Skizze Boris Barth (Konstanz), Die Krise der europäischen Demokratie nach 1918 Kommentar: Andreas Wirsching Abschlussdiskussion

Logo des Imre Kertész Kolleg Jena, http://www.imre-kertesz-kolleg.uni-jena.de/index.php?id=7

Tagungsbericht | Workshop

Die Anziehungskraft von Totalitarismus. Die Ursprünge, Bedeutungen und politischen Zyklen eines Konzeptes in Zentral- und Osteuropa

vom 06.10.2016 | bis zum 08.10.2016

Das Imre Kertész Kolleg der Friedrich-Schiller-Universität Jena veranstaltete im Oktober 2016 einen Workshop zur Begriffsgeschichte des Totalitarismus. In den vier Panels wurden verschiedene Rezeptionen des Begriffs diskutiert. Das erste Panel beschäftigte sich mit frühen Konzepten des Totalitarismus in den 1920er-Jahren. In der zweiten Sektion beleuchteten Experten verschiedene Sinnwandlungen in der Entstalinisierung, bevor der dritte Themenblock die Rolle des Begriffes für die ost- und zentraleuropäischen Oppositionsgruppen untersuchte. Einen Ausblick in semantische Wandlungen des Totalitarismusbegriffs im Postsozialismus unternahm das abschließende vierte Panel. Der Totalitarismusbegriff durchlief seit seinem Aufkommen in den 1920er-Jahren in Italien zahlreiche Bedeutungswandel und ist bis heute nicht eindeutig definiert. Die Geschichte dieses Wandels und die Erscheinungsformen des Begriffs standen im Mittelpunkt des in Jena durchgeführten Workshops: „Die Anziehungskraft von Totalitarismus. Die Ursprünge, Bedeutungen und politischen Zyklen eines Konzeptes in Zentral- und Osteuropa“. Zur Einführung verwiesen JOACHIM VON PUTTKAMER (Jena) und MICHAL KOPEČEK (Jena / Prag) auf die unterschiedlichen Vorstellungen, die mit diesem Begriff in Ost- und Westeuropa verbunden werden. Zugleich tauche das Konzept des Totalitarismus immer wieder in der Öffentlichkeit auf. Im Workshop ginge es entsprechend nicht darum, die Richtigkeit des Konzepts zu prüfen, sondern sein Erscheinen zu analysieren. Den ausführlichen Tagungsbericht für die Webseite H-Soz-Kult von Cornelia Bruhn und Klara Muhle können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:WELCOME ADDRESSJoachim von Puttkamer (Jena), Michal Kopeček (Jena)PUBLIC LECTUREClara Royer (Prag): On Imre Kertész’s Notion of „Totalitarianism“PANEL I: ON NOVELTIES AND SIMILARITIES: EARLY CONCEPTS OF TOTALITARIANISM IN CENTRAL AND EASTERN EUROPEChair: Paul Hanebrink (New Brunswick, New Jersey)Mihai-Dan Cirjan (Budapest): The Central Bank Origins of the Total State: Totalitarianism and Capitalist Development in Interwar RomaniaÁron Szele (Budapest): Chasing the Total State: Interwar Hungarian Fascism and the Idea of TotalitarianismHolly Case (Providence, Rhode Island): The Age of Questions Meets the Totalitarian AgeComment: Dietrich BeyrauPANEL II: STALINIZATION, DE-STALINIZATION, AND THE PROBLEMS OF TOTALITARIANISM: CENTRAL AND EASTERN EUROPE IN THE EARLY POSTWAR PERIODChair: Aaron LawIvan Boldyrev (Moskau): Totalitarianism and MathematicsAdrian Grama (Budapest): „Not only the liberty of the individual but also the rights of the workers“: Exiled Trade-Unionists and the Language of Totalitarianism during the Early Cold WarMarco Bresciani (Zagreb): An Italian Source for the East Central European Reflection on Totalitarianism: Nicola Chiaromonte and the Polish Exiles and DissidentsComment: Dariusz Stola (Warschau)PANEL III: CONSOLIDATED COMMUNIST REGIMES, OPPOSITIONAL THOUGHT, AND THE USES OF TOTALITARIANISM BEFORE 1989Chair: Petr RoubalMichal Kopeček (Jena): Dissident Anti-Totalitarianism: Sources, Origins, Motives. Poland and Czechoslovakia 1969–1989Kim Christiaens (Löwen): „In countries where there isn’t a right and a left“: Eastern European Dissident Struggles and Resistance Against Dictatorships in Chile and Nicaragua, 1970s–1980sIveta Leitane (Riga): Conceptual and Historical Difficulties with New Definitions of Totalitarianism: The Case of LatviaComment: Robert BrierPANEL IV: A NEW ANTI-TOTALITARIAN CONSENSUS? AGENDAS, NEW SEMANTICS, AND PO-LITICIZATION AFTER 1989Chair: Holly Case (Providence, Rhode Island)Georgiy Kasianov (Kiew): On the Usage of the Concept „Totalitarianism“ in post ‘91 UkrainePiotr Wciślik (Budapest): Dissident Social Critique in Transition: The Case of „Homo Sovieticus“Ana Luleva (Sofia): The Concept of Totalitarianism in the Bulgarian Public Debates since the 1980sPaul Hanebrink (New Brunswick, New Jersey): Totalitarianism, the Politics of Holocaust Memory and the Figure of the „Jewish Communist“ in Eastern Europe after 1989Comment: Vítězslav SommerKEY-NOTE LECTUREAviezer Tucker (Cambridge, Massachusetts): Totalitarianism as a Working HypothesisROUNDTABLE: TOTALITARIANISM AFTER TOTALITARIANISM: THE USES OF THE CONCEPT IN TWENTY-FIRST-CENTURY EUROPEChair: Joachim von Puttkamer (Jena)Ágnes Gagyi (Budapest), Lutz Niethammer (Jena / Berlin), Paul Vickers (Gießen), Annette Weinke (Jena)

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Krieg und Frieden im Spiegel des Sozialismus, 1914–1918

vom 16.07.2016 | bis zum 17.07.2016

Auf der Tagung wurden die deutsche und internationale linke Opposition und ihre Positionierungen in der öffentlichen Diskussion zum Ersten Weltkrieg beleuchtet. Vorträge über Gustav Landauer, Carlo Mierendorff, Felix Fechenbach u.a. gaben Aufschluss über pazifistische Haltungen. Weitere Teilnehmer setzten sich mit Anpassung und Widerstand ausgewählter Sozialistinnen wie Lore Agnes, Martha Arendsee und Minna Specht auseinander. Darüber hinaus wurde die politische und künstlerische Rezeption des Krieges und die Erinnerungskultur des deutschen Kommunismus während der Weimarer Republik untersucht. Eigene Sektionen waren der Linken in Österreich und in der Schweiz sowie den internationalen Netzwerken gewidmet. Insgesamt konnte die Tagung ihrem Anspruch gerecht werden, neben den bekannten Stimmen der Antikriegsbewegung bisher kaum beachtete Kritikerinnen und Kritiker des Krieges vorzustellen. Das Interesse am Ersten Weltkrieg ist ungebrochen und die Zahl der Studien zu den Jahren 1914-1918, die in den vergangenen drei Jahren erschienen sind, ist kaum noch zu überblicken. Ungewöhnlich ist jedoch, dass recht wenig zur linken Opposition und ihrer Positionen gegen den Krieg gesagt wurde, wenn es um die öffentliche Diskussion des „Großen Krieges“ ging. Die zweitägige Tagung in Würzburg, die von Frank Jacob (New York) und Riccardo Altieri (Würzburg) in Zusammenarbeit mit dem Kurt-Eisner-Verein (München) organisiert wurde, sollte dazu beitragen, diesen Zustand zu ändern. Es ging darum, die deutsche und internationale Linke zur Zeit des Ersten Weltkrieges zu betrachten und zu ergründen, wie sich innerhalb dieses Lagers die Diskussion über denselben gestaltete. Die meist biographischen Zugänge lieferten dabei ein insgesamt doch sehr vielschichtiges Bild, das dazu beitragen kann, auch die bisher weniger in den Fokus gerückten Diskussionen des politisch linken Spektrums zu verstehen. Den ausführlichen Tagungsbericht von Frank Jacob für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: BegrüßungFrank Jacob (New York) Biographische FallstudienModeration: Swen Steinberg (Dresden) Sebastian Kunze (Potsdam): Mit Gustav Landauer durch den Ersten Weltkrieg.Johannes Ebert (Frankfurt): "Der Krieg hatte uns dorthin geführt". Carlo Mierendorffs Wandel vom Kriegsfreiwilligen zum Sozialisten.Bärbel Sunderbrink (Detmold): Eisners Vermächtnis? Felix Fechenbachs ambivalente Position zwischen Rätesystem und demokratischem Parlamentarismus.Marcel Bois (Hamburg): "Das andere Deutschland verkörperte Pfemfert" Die Zeitschrift "Die Aktion" und der Erste Weltkrieg. Gender-PerspektivenModeration: Riccardo Altieri (Würzburg) Gisela Notz (Berlin): Anpassung und Widerstand sozialistischer Frauen im Ersten Weltkrieg.Cornelia Baddack (Köln): Sozialistische Kriegsgegnerinnen in Düsseldorf und Berlin: Das pazifistische Engagement von Lore Agnes (1876-1953) und Martha Arendsee (1885-1953) im Ersten Weltkrieg.Sebastian Engelmann (Erfurt): Minna Specht - Eine vergessene sozialistische Pädagogin. Antimilitaristische Friedenserziehung und Pädagogische Ethik. RezeptionenModeration: Cornelia Baddack (Köln) Sophia Ebert (Oldenburg): Expressionistische Kriegskritik. Kurt Eisners Dramenzyklus Mors immortalis.Wolfgang Kruse (Hagen): Burgfrieden und Revisionismus. Zum Problem der politischen Verortung sozialdemokratischer Antikriegspolitik.Swen Steinberg (Dresden): Der solidarische Blick. Die Kurzgeschichtenbände (1916-1918) des sozialdemokratischen Schriftsteller-Journalisten Edgar Hahnewald als Spiegel der Ostfront.Bernard Degen (Basel): Robert Grimm und die Berner Tagwacht.Tobias Hirschmüller (Eichstätt): Für den "Frontsoldaten" und gegen den "imperialistischen Krieg". Der Erste Weltkrieg in der Erinnerungskultur des deutschen Kommunismus während der Weimarer Republik. Österreich und SchweizModeration: Sophia Ebert (Oldenburg) Stephan Rindlisbacher (Bern): Internationale Perspektiven Gemeinsam gegen den Krieg? Die Zimmerwalder Bewegung zwischen 1915 und 1917.Marga Voigt (Berlin): 100 Jahre Berner internationale sozialistische Frauenkonferenz für den Frieden, 26. bis 28. März 1915.John Zimmermann (Potsdam): "Aber das Nichtstun gegen den Krieg ist auch eine Verantwortung für vergossenes Blut" - Friedrich Adler und sein Attentat auf den österreichischen Ministerpräsidenten Stürgkh 1916. Internationale PerspektivenModeration: Frank Jacob (New York) Reiner Tosstorff (Mainz): "Le noyau" - Die revolutionären Syndikalisten um La vie ouvrière im Schnittpunkt von französischer und internationaler Anti-Kriegsopposition.Riccardo Altieri (Würzburg): "Britische Sozialisten vor und während des Ersten Weltkrieges -Berührungspunkte von Karl Marx bis Lenin und die Angst der Aristokratie."Lutz Häfner (Bielefeld): Zwischen "Vaterlandsverteidigung" und "Defätismus": die russische Partei der Sozialrevolutionäre und die "Dritte Kraft" als Weg aus dem Krieg.Mario Kessler (Potsdam): Zionistischer Sozialismus im Ersten Weltkrieg: Die Poale Zon 1914-1918. Abschlussdiskussion

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Zwangsvereinigung – Einigung – Stalinisierung?

vom 08.04.2016

Anlässlich des 70. Jahrestages des Vereinigungsparteitags von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) am 22. April 1946 fand an der Universität Erfurt eine Tagung statt. Untersucht wurden die Auseinandersetzungen zwischen SPD und KPD vor 1933 und die Verfolgung beider Parteien unter dem Nationalsozialismus. Regionale Fallstudien behandelten die SED-Gründung in der Sowjetischen Besatzungszone, weitere Themen waren die Stalinisierung der SED bis 1952 sowie die Rezeptionsgeschichte der Zwangs-/Vereinigung. Diskutiert wurde auch über den Begriff „Zwang“, wobei es zu keiner endgültigen Entscheidung kam, diesen weiter zu nutzen oder aufzugeben. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde er zwar als Kampfbegriff geprägt, da die Vereinigung jedoch nicht vollkommen freiwillig vollzogen wurde, entbehrt dieser nicht gänzlich seiner Berechtigung. Am 22. April jährte sich der Vereinigungsparteitag von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der Sowjetischen Besatzungszone zum 70. Mal. Anlässlich dieses Jahrestags veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Willy Brandt School of Public Policy am 8. April 2016 die Tagung „Zwangsvereinigung – Einigung – Stalinisierung?“ an der Universität Erfurt. Bereits die Titelwahl deutet auf die andauernde, nicht ausschließlich wissenschaftliche Debatte um die begriffliche Festschreibung der Zwangs-/Vereinigung hin. Diese geschichtspolitischen Kontroversen wurden in den drei Sektionen dann auch wiederholt thematisiert. Inwiefern die massiven Konfrontationen zwischen SPD und KPD vor 1933, aber auch die gemeinsamen Repressionserfahrungen während des Nationalsozialismus erkennbare Auswirkungen auf die Frage der Vereinigung nach 1945 hatten, wurde in der ersten Sektion unter Moderation von Peter Brandt (Hagen) erörtert. Den ausführlichen Tagungsbericht von Hanna Feesche für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: BegrüßungenDietmar Herz, Erfurt/Anja Kruke, Bonn/Florian Weis, Berlin Panel 1: Zum Verhältnis zwischen Kommunismus und Sozialdemokratie seit den 1920er Jahren vor und während der NS-Herrschaft Mario Keßler (Potsdam), SAP, KPO, Neu Beginnen, Leninbund. Gedanken zu Einheitsbestrebungen neben der KPD und SPD in der Arbeiterbewegung am Ende der Weimarer Republik Mike Schmeitzner (Dresden), Von der ‚Arbeiterregierung‘ zur Einheitspartei? Regionale Kontinuitäten und Erfahrungen in Sachsen und Thüringen 1923/1946. Biografische Prägungen Reiner Tosstorff (Mainz), Einheitsparteierfahrungen in der Volksfrontära. Historische Voraussetzungen für die Jahre ab 1945 Moderation: Peter Brandt, Hagen Panel 2: Fallstudien zur Zwangs-/Vereinigung Tobias Kühne (Bonn), Zum Verhältnis zwischen KPD und Sozialdemokratie nach 1945. Das Beispiel von Neu Beginnen in Berlin Siegfried Heimann (Berlin), Die erzwungene Vereinigung in Berlin Steffen Kachel (Erfurt), Sozialdemokraten und Kommunisten in Thüringen. Regionale Fallstudie zur SED-Gründung Meik Woyke (Bonn), Von der Blockpolitik zur inszenierten Massenbewegung. Die Zwangsvereinigung von KPD und SPD in Mecklenburg-Vorpommern Moderation: Bernd Hüttner, Bremen Panel 3: Die Stalinisierung der SED seit 1947/48 Andreas Malycha (Berlin), „Partei von Stalins Gnaden“. Zur Verfolgung von Sozialdemokrat_innen und zur Stalinisierung der SED nach dem Vereinigungsparteitag bis 1952 Podiumsdiskussion: Zur Rezeptionsgeschichte und wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zwangs-/Vereinigung in West und Ost Jürgen Hofmann, BerlinSteffen Kachel, ErfurtMike Schmeitzner, DresdenMeik Woyke, BonnModeration: Detlef Nakath, Potsdam

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Die Bewegung ist tot – Viva la Revolución? Lebenswege nach 1968

vom 12.04.2018 | bis zum 13.04.2018

Vom 12. bis 13. April 2018 fand an der Evangelischen Akademie Frankfurt die Tagung „Die Bewegung ist tot – Viva la Revolución? Lebenswege nach 1968“ statt. Die 68er-Bewegung wurde in der bisherigen geschichtswissenschaftlichen Forschung vor allem als ganze Bewegung untersucht, sowie auf ihre Entwicklung, ihre Brüche und ihr Scheitern. Dem entgegen setzte die Tagung einen Ansatz, der die 68-er Bewegung nicht als Einheit betrachtet, sondern als Einzelpersonen, die für einen beschränkten Zeitraum gemeinsam agierten. Auf die divergierenden Lebensentwürfe dieser Einzelpersonen nach dem Auseinanderbrechen der 68er-Bewegng konzentrierte sich die Veranstaltung. Entsprechend wurden vier mögliche Leitfragen formuliert: Welche nationalen/transnationalen Netzwerke entstanden innerhalb der 68er-Bewegung und wie wurden diese nach Auflösung der Studentenbewegung weiter genutzt?; Wie veränderte sich der Blick der beteiligten Akteur/innen auf die Politik, die Justiz und die Medien?; Welche bisher wenig beachteten Alternativ-Lebenswege gab es neben dem „Marsch durch die Institutionen“ oder der Radikalisierung der Akteur/innen?; Inwiefern spielen biografische Zugänge und Zeitzeug/innen eine wesentliche Rolle bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Studentenbewegung und ihrer Folgen? Nicht so sehr die Erörterung dessen, was ‚1968‘ war und ist bzw. was die damals erhobenen kulturrevolutionären Pläne nach fünfzig Jahren noch für die Bundesrepublik bedeuten, stand im Mittelpunkt der Tagung zu den Akteuren der Bewegung und ihren Lebenswegen. Stattdessen sollten die nachträglichen Sinnstiftungen ganz unterschiedlicher Personengruppen der Revolte und ihr Einfluss auf die Wahrnehmung der Proteste und ihre Verstetigung beleuchtet werden. Die einzelnen Beiträge brachten biographische Bruchstücke, Bewegungsmuster und Netzwerke in neuen, oft überraschenden Konfigurationen zum Vorschein, weil den individuellen Spuren gefolgt wurde, anstatt ein weiteres Mal vor allem „die großen Gesänge“ anklingen zu lassen oder die allfälligen Generalabrechnungen mit der Studentenbewegung weiterzuschreiben. Den Tagungsbericht von Martin G. Maier für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Barbara Wolbring (Frankfurt am Main): Einleitung Panel I: Zeitgenössisch und retrospektiv entwickelte „68er-Narrative“ als Problemstellungen der Zeitgeschichte Benjamin Möckel (Köln): Fair Trade: Ein Generationenprojekt der „68er“ in Westeuropa? Robert Wolff (Frankfurt am Main): Selbsthistorisierung der AkteurInnen der „68er-Bewegung“ als Problemstellung der Zeitgeschichte Panel II: Gewalt als Erbe der „68er-Bewegung“? Max Gedig (München): Lebenswege nach 1968 – Michael Baumann und die Gewalt Kevin Lenk (Berlin): Kritik jenseits von Kaderpartei und Spontaneismus: Das Sozialistische Büro und das Problem linker Gewalt, 1972-1977. Panel III: Chancen und Möglichkeiten der Frauenbewegung(en) nach 1968 Clara Woopen (Berlin): Neuorientierung in der Frauenbewegung. Zur NS-Erinnerung in der Berliner Frauenzeitung Courage Vojin Saša Vukadinović (Zürich): Weiterdenken nach '68. Silvia Bovenschen und die Frauenemanzipation Panel IV: Das kulturelle Erbe der „68er-Bewegung“ Lisa-Frederike Seidler (Berlin): ‚Lektoren-Revolte‘ – Netzwerke dramatischer Distribution nach 1968 Simon Maier (Konstanz): Werte, Wissen, Wirkungen – Biographische Intellektuellensoziologie als Wirkungsgeschichte der 68er Bewegung Panel V: Der Blick nach Osten – Auswirkungen der „68er-Bewegung“ auf die Lebenswege in Mittel- und Osteuropa Adrian Matus (Florenz): Die Spektren von 1968 in Ost- und Mitteleuropa Ewgeniy Kasakov (Bremen u. Perm): 68er, Šestidesjatniki, Dissidenten – gab es „globales 68“ in der Sowjetunion? Abschlussdiskussion

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Die Gewerkschaft Solidarność – Brücke zwischen Ost und West. Historische Kontexte – Biographien – Nachwirkungen

vom 23.02.2018 | bis zum 25.02.2018

Vom 23. Bis 25. Februar 2018 fand in Chemnitz die Konferenz "Die Gewerkschaft Solidarność – Brücke zwischen Ost und West. Historische Kontexte – Biographien – Nachwirkungen" statt. Thema der Veranstaltung waren die langfristigen Auswirkungen des 13. Dezembers 1981. An diesem Datum wurde in Polen das Kriegsrecht verhängt. Auslöser war das zunehmende Erstarken der polnischen Oppositionsbewegung Solidarność, welche im Zuge der Verhängung des Kriegsrechts verboten wurde. Eine große Zahl Oppositioneller wurde inhaftiert, ein weiterer Teil verließ Polen – teils nach Westdeutschland. Den langfristigen Auswirkungen dieser Kontakte zwischen polnischen Oppositionellen und westdeutscher Zivilgesellschaft widmen sich die Kernfragen der Veranstaltung – der Kontakt resultierte in einem intensiven Diskurs über Fragen der sozialistischen Ideologie, die Rollen Deutschlands und Polens zueinander sowie in Europa. Diese Diskurse wirken bis heute sowohl auf die Debatten zwischen Deutschland und Polen als auch in den Diskursen übereinander nach. Die Konferenz zur Solidarność stand am Ende eines am Lehrstuhl für Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas an der Technischen Universität Chemnitz angesiedelten und von der Hans-Böckler-Stiftung unterstützten Forschungsprojekts zum Thema Solidarność und westdeutsche Gewerkschaften. Das Thema war die Situation nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen am 13. Dezember 1981, als nach dem Verbot der Gewerkschaft Solidarność viele ihrer Mitglieder ins Ausland emigrierten, unter anderem nach Westdeutschland. Dort begann ein intensiver Diskurs mit westdeutschen Gewerkschaften und Intellektuellen über die grundsätzliche (Un)-Reformierbarkeit des Sozialismus, die gewerkschaftliche Arbeit, die nationale Frage in Polen und in Deutschland, über Deutschland und Polen in der europäischen Außenpolitik sowie über die Vision eines Europas nach dem Ende von Staatssozialismus und Kaltem Krieg. Den Tagungsbericht von Rüdiger Ritter für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Keynote Michal Nowosielski (Poznań): Poles in action. Social activity of Polish migrants in Germany 1. Die Solidarność im Westen Magdalena Heruday-Kielczewska (Poznań): „Außenministerium“ der Solidarność? Auslandsorganisationen im Westen Rüdiger Ritter (Chemnitz / Bremerhaven): Lokale Netzwerke in Westdeutschland (Bremen, Rheinland, West-Berlin, Rhein-Main, München) Tytus Jaskułowski (Berlin): Das volkspolnische Innenministerium und die Solidarność-Außenstellen im Westen 2. Konfliktpunkte bei der Begegnung Małgorzata Świder (Opole): Der DGB und die Außenpolitik der Bundesregierung zum östlichen Europa Jacek Kołtan (Gdańsk): Solidarität, Arbeit, Hoffnung. Józef Tischners Philosophie und ihre gegenwärtige Rezeption Christie Miedema (Utrecht): Die westdeutsche Grünen, Solidarność und Wolność i Pokój Bernd Rother (Berlin): Friede oder Freiheit - Willy Brandt, die europäische Sozialdemokratie und Solidarność und die Überwindung des Kalten Kriegs Friedhelm Boll (Bonn): Deutsch-polnische Beziehungen von Katholiken in den 1970er und 1980er Jahren 3. Konzepte und Zweiter Umlauf Stefan Garsztecki (Chemnitz): Auf dem Weg zur Bürgergesellschaft? Demokratiekonzepte ostmitteleuropäischen Dissidenten Karina Garsztecka (Bremen): Schriften der polnischen Emigration in der BRD und Westberlin in den 1980er Jahren ZeitzeugengesprächWojciech Drozdek (damals Arbeitsgruppe Solidarność West-Berlin), Marek Wolski (damals Arbeitsgruppe Solidarność Köln), Christof Hyla (damals Köln / Bonn), Zbigniew Wilkiewicz (damals Hilfskomitee Solidarność Mainz), Hartwig Zillmer (damals GEW Hamburg) 4. Nachwirkungen Mateusz Fałkowski (Warszawa): Wie ausländische Verbündete die Institutionalisierung der polnischen Opposition beeinflussten Piotr Kocyba (Chemnitz): Reflexionen über die polnische Zivilgesellschaft knapp 40 Jahre nach der Gründung der Solidarność Wolfgang Templin (Berlin): Was bleibt vom Bürgerprotest in Ostdeutschland? Konrad Sziedat (München): Wandel top-down oder bottom-up? Transformationserwartungen westdeutscher Linker an Solidarność und an Gorbatschow

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Regional Revolution(s) – 1917 and its Consequences in the Province

vom 09.11.2017 | bis zum 10.11.2017

Die Russischen Revolutionen des Jahres 1917 bewirkten tiefgreifende politische und soziale Umwälzungen in Russland, aber auch in Europa und der restlichen Welt. Ereignisgeschichtliche Zentren der Februar- und Oktoberrevolution waren St. Petersburg und Moskau, weshalb sich die Forschung bis in die 1990er-Jahre auf diese Städte konzentrierte. Erst nach dem Fall der kommunistischen Systeme in Osteuropa und Asien begannen einige Historiker, die Russische Revolution jenseits der großen Städte zu analysieren und konzentrierten sich auf ländliche Gegenden. Das Gießener Zentrum Östliches Europa veranstaltete mit Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung eine Tagung mit dem Titel „Regional Revolution(s) – 1917 and its Consequences in the Province“, die einen weiteren Beitrag zur Erforschung der Revolution in der „Provinz“ leistete. Die Referentinnen und Referenten eröffneten dabei internationale Perspektiven auf das Jahr 1917, wobei neben der Russischen Revolution auch die „Ukrainische Revolution 1917-1921“ auf die Tagesordnung rückte. Das Jahr 2017 steht weltweit im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums der Russischen Revolutionen von 1917. Auch die Justus-Liebig-Universität Gießen würdigte in Kooperation mit dem Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) dieses Jubiläum, indem eine Konferenz mit dem Fokus auf den „Regionale(n) Revolution(en)“ mit internationalen Forschern aus Russland respektive Tatarstan, Belarus und Ukraine veranstaltet wurde. Gefördert wurde die Konferenz von der Fritz Thyssen Stiftung und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Ein solches Format wurde nicht von ungefähr gewählt, denn während die revolutionären Geschehnisse in St. Petersburg und Moskau zur Genüge erforscht sind, blieben die Ereignisse an der Peripherie des Russischen Reiches eher unbekannt. Die Konferenz sollte ihren Beitrag leisten, diese Lücke in der öffentlichen Wahrnehmung zu schließen. Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Artem Kouida bei H-Soz-Kult. Konferenzübersicht: Welcome and IntroductionThomas Bohn (Gießen) / Svetlana Malysheva (Kazan’): Revolution at the Imperial Centers – questions from a German/Russian perspective Panel 1: Preconditions and PresumptionsChair: Alla Salnikova (Kazan’) Natalia Shlikhta (Kyiv), The 1917 Break and its Aftermath: A Ukrainian Perspective (2007-2017) Pavel Tereshkovich (Minsk), Was Belarus’ ready for the revolution in 1917? The Economic Dimension in the Context of Eastern Europe Vitaly Skalskyy (Kyiv), What is this „Ukrainian Revolution of 1917-1921?“ Commentator: Viacheslav Men’kovskii (Minsk) Panel 2: Regional Alltag- and Mass Culture after 1917Chair: Thomas Bohn (Gießen) Svetlana Malysheva (Kazan’), The Formation of Soviet holiday culture between center and periphery Andrej Czernakiewicz (Hrodna), The Temptation of Liberty: Two Models for the Sovietization of Grodno Mark Berman (Gießen), Everyday Life in Soviet Minsk 1921-1928 Commentator: Bianka Pietrow-Ennker (Konstanz) Panel 3: Revolution in the Polyethnic Empire: Ethnic and National DimensionsChair: Birte Kohtz (Moscow/Gießen) Dimitri Tolkatsch (Freiburg), Revolution without Ideology and War without Frontlines – the Ukrainian Village, 1917-1921 Alla Ehrlich (Hannover), Diverging Timelines in respect to the Russian Revolution 1917-1921 and the Crimean Tatars Iskander Gilyazov (Kazan’), Volga Tatars and the Russian Revolutions of 1917, Expectations and Realities Commentator: Immo Rebitschek (Gießen) Panel 4: Science and Scientific Culture in the Province after 1917Chair: Svetlana Malysheva (Kazan’) Alla Salnikova (Kazan’), New Goals, New Symbols, New Myths: Revolutionary changes at Provincial Universities Birte Kohtz (Moscow/Gießen), To Discipline and Build up. Provincial Psychiatry and Central Power after 1917 Tobias Haberkorn (Gießen), Emancipation instead of Revolution. Local museums in the 1920s Commentator: Roland Cvetkovski (Köln) Concluding DiscussionAlla Salnikova (Kazan’) / Birte Kohtz (Moscow/Gießen): Revolutions on the Periphery – Insights from Belarus, Tatarstan and the Ukraine

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Verheißung und Bedrohung: Die Oktoberrevolution als globales Ereignis

vom 27.10.2017 | bis zum 28.10.2017

Vom 27.-28. Oktober 2017 fand das 16. Symposium der Stiftung Ettersberg in Erfurt statt.  Die Tagung unter dem Titel “Verheißung und Bedrohung : Die Oktoberrevolution als globales Ereignis” versammelte renommierte WissenschaftlerInnen die die Ereignisse im Russland des Jahres 1917 kritisch und aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten. Analysen, die das große Ganze in den Blick nahmen fanden sich unter den Vorträgen ebenso, wie Fallstudien, die mit ihrem Fokus auf regional-spezifische Ausprägungen des Jahres 1917 Schlaglichter auf eher unbekannte Aspekte der Russischen Revolution lieferten. Die Vorträge, deren geographischer Fokus sich von Panel zu Panel von Deutschland hin zu Europa und schließlich China und den USA erweitert, verdeutlichen die globale Dimension der Oktoberrevolution und damit die Notwendigkeit, Forschung zu ihr aus einer ebenso globalen Perspektive zu denken.  Das 16. Symposium der Stiftung Ettersberg leistete beides: großangelegte Gedankenskizzen zu den politischen wie ideellen Linien, welche sich von der Oktoberrevolution ausgehend bis in die heutige Zeit erstrecken ebenso wie historische Situationen erhellende Fallstudien. Den Teilnehmenden erschloss sich eine vielschichtige, durch Persönlichkeiten wie Phänomene geprägte Landschaft des Kommunismus – Sozialismus –Bolschewismus. Die einzige Großregion, welche auf der mentalen Landkarte des Symposiums weiß blieb, war Lateinamerika. Insbesondere im Vergleich zur US-amerikanischen Red Scare wäre ein Blick auf die südlichen Nachbarn wünschenswert gewesen. Mir scheint jedoch, dass diese Leerstelle symptomatisch für eine generell schwach ausgeprägte überseeische Verbindungslinie der deutschen Kommunismusforschung steht. So sei an dieser Stelle zu neuen wissenschaftlichen Wegen eines transatlantischen Brückenschlags ermutigt, um die globalen Dimensionen des Kommunismus – Sozialismus – Bolschewismus großflächiger auszuleuchten.Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Cornelia Bruhn hier auf HSozKult.de Konferenzübersicht: Eröffnung Jörg Ganzenmüller (Weimar / Jena) Gerd Koenen (Frankfurt am Main): Die Oktoberrevolution und das 20. Jahrhundert SEKTION I: DIE OKTOBERREVOLUTION UND DIE DEUTSCHE LINKE Moderation: Jörg Ganzenmüller (Weimar / Jena) Bernhard Bayerlein (Bochum): Revolutionsvorstellungen und Revolutionsvorbereitungen der KPD Eva Oberloskamp (München): Nachrichten aus einem gelobten Land: Die Reisen Linksintellektueller in die frühe Sowjetunion SEKTION II: ANTIBOLSCHEWISMUS ALS ABWEHRREAKTION AUF DIE OKTOBERREVOLUTION Moderation: Christiane Kuller (Erfurt) Karsten Brüggemann (Tallinn): Katalysatoren des Antibolschewismus: Deutschbaltische Emigranten und die Oktoberrevolution Agnieszka Pufelska (Lüneburg): Die Erfindung des „Judäo-Bolschewismus“ und dessen Resonanz in der Weimarer Republik SEKTION III: DIE RESONANZ DER OKTOBERREVOLUTION IN EUROPA Moderation: Malte Rolf (Bamberg) Thomas Kroll (Jena): Großbritannien/Frankreich: 1920er Jahre Hans Woller (München): Italien Julia Richers (Bern): Ungarn: Räterepublik und Gegenrevolution SEKTION IV: DER GLOBALE RESONANZRAUM DER OKTOBERREVOLUTION Moderation: Franz-Josef Schlichting (Erfurt) Michael Dreyer (Jena): „Red Scare“ in den USA Gotelind Müller-Saini (Heidelberg): Vorbild Russland? Die Oktoberrevolution in China Gero Fedtke (Weimar): Oktoberrevolution und Islam: Muslimkommunisten in Turkestan SCHLUSSWORT Franz-Josef Schlichting (Erfurt)

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Die Russische Revolution und ihre Wahrnehmung in Bayern, Deutschland & der Welt

vom 10.07.2017 | bis zum 11.07.2017

Thema der Tagung war die internationale und im Besonderen deutsche und bayerische Rezeption der Russischen Revolution. Das eröffnende Panel untersuchte den Umgang der deutschen Linken mit den revolutionären Umwälzungen in Russland. Im Zentrum stand dabei die Analyse der sozialdemokratischen und sozialistischen Reaktionen in ihrer Entwicklung von Euphorie zu Instrumentalisierung im Kampf der Parteien zwischen 1918 und 1923. Das zweite Panel thematisierte die Überschneidungen von Antibolschewismus und Antisemitismus und die Konstruktion des Stereotyps des „jüdischen Bolschewisten“ im  Zusammenhang mit antisemitischen Weltverschwörungstheorien. Im Fokus des zweiten Konferenztages standen regionale Perspektiven auf die Ereignisse von 1917. Thematisiert wurden die Initiatoren des Januarstreiks 1918 in München, das „Rote Königreich“ in Sachsen sowie der deutsche Syndikalismus und Unionismus. Anschließend wurde die Wahrnehmung der revolutionären Umwälzungen in Russland innerhalb Europas untersucht. Allgemein zeichnete sich in den Reaktionen der europäischen wie auch der amerikanischen linken Intellektuellen auf die Russische Revolution eine Entwicklung von Euphorie hin zu Enttäuschung ab. Das abschließende Panel befasste sich mit historiographischen, didaktischen und musealen Perspektiven auf die Ereignisse von 1917. Während 2014 von Veranstaltungen rund um den Ersten Weltkrieg geprägt war, jähren sich derzeit die Ereignisse der Russischen Revolutionen des Jahres 1917 zum hundertsten Mal. Dabei werden oft die beiden Revolutionen selbst sowie deren Auswirkungen auf das kurze 20. Jahrhundert untersucht, um in teils oft nur repetitiven und wenig originellen Vorträgen die Bedeutung des sogenannten Epochenjahres herauszustellen. Die Würzburger Tagung, die von Frank Jacob (New York) in Zusammenarbeit mit dem Kurt-Eisner-Verein für politische Bildung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert worden war, widmete sich deshalb explizit anderen Fragestellungen, nämlich denen, die sich mit der Wahrnehmung der revolutionären Umwälzungen in Russland auseinandersetzten. Den Anfang der Tagung bildete ein Panel, das sich mit der Rezeption der Russischen Revolutionen innerhalb der deutschen Linken beschäftigte. RICCARDO ALTIERI (Potsdam / Würzburg) analysierte die Positionen der beiden KPD-Gründungsmitglieder Rosi Wolfstein (1888-1987) und Paul Frölich (1884-1953), die zunächst denen glichen, die der russischen Oktoberrevolution kritisch gegenüberstanden, jedoch gleichfalls der Auffassung waren, dass nur die Weltrevolution die drohende Diktatur des Bolschewismus hätte abwenden können. Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Frank Jacob hier bei H-Soz-Kult. Konferenzübersicht: BegrüßungFrank Jacob (New York) Panel 1: Die Russische Revolution und die Wahrnehmung der deutschen Linken Riccardo Altieri (Würzburg / Potsdam): Luxemburg oder Lenin: Die unterschiedlichen Positionen Rosi Wolfsteins und Paul Frölichs zur Revolution in Russland Andreas Morgenstern (Schiltach): Die Bolschewiki als Bremsklotz – die eurasischen Großraumwünsche der Sozialistischen Monatshefte (AT) Tobias Hirschmüller (Eichstätt): Von der Abrechnung zur Annäherung. Die Auswirkungen der Revolutionen von 1917 auf das Russlandbild der deutschen Sozialdemokratie Lutz Häfner (Bielefeld / Göttingen): Demokratie, Diktatur oder «Dekretinismus»? Russische revolutionäre Erfahrungsräume und ihre Erwartungshorizonte in sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien Deutschlands, 1918 bis 1923 Panel 2: «Die Revolution und die Juden» Carsten Schapkow (Norman, Oklahoma): Die Russische Revolution 1917: Ein Wendepunkt aus jüdischer Perspektive Christoph Valentin (Münster): «Hauptsächlich das Werk von Juden»: Die Wahrnehmung der Russischen Revolution und der Sowjetunion durch die Apostolischen Nuntiaturen in Deutschland Panel 3: Darstellung der Revolution in den Künsten Anke Napp (Universität Hamburg): Massenmensch und Maschinenmensch: Die Angst vor der Sowjetkultur in deutschen Bildbändern von 1931-1934 Panel 4: Regionale und Soziale Perspektiven Cornelia Naumann (München): «Eine russische Steppenfurie» Sarah Sonja Lerchs Agitation während der Januarstreiks 1918 Sven Brajer (Dresden): Reflektionen der «Oktoberrevolution» 1917 im ‚Roten Königreich‘ Sachsen Jule Ehms (Bochum) / Richard Stoenescu (Pirna): Die Russische Revolution in der Rezeption des deutschen Syndikalismus und Unionismus Panel 5: TransNationale Perspektiven Alexander Friedman (Saarbrücken): Die Rezeption der russischen Oktoberrevolution im Großherzogtum Luxemburg Ibolya Murber (Budapest): Österreich und Ungarn in revolutionärer Sogwirkung Russlands 1918-1919 Reiner Tosstorff (Mainz): Spaniens Anarchisten und Syndikalisten angesichts der russischen Revolution. Zwischen begeisterter Unterstützung und libertärer Ablehnung Frank Jacob (New York): Emma Goldman und die Russische Revolution Panel 6: Historiographische und museale Wahrnehmung Vincent Streichhahn (Halle): Lenin und Luxemburg im Streit – Was bleibt? Andrea Brait (Innsbruck): Umbrüche im Russischen Reich 1917: Narrative in österreichischen und deutschen Geschichtslehrwerken Kristiane Janeke (Berlin): 1917. Revolution … Zwei Sonderausstellungen im Schweizerischen Nationalmuseum und im Deutschen Historischen Museum, Berlin

Konferenz: Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Deportierte im Zweiten Weltkrieg, Screenshot von der Website Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Tagungsbericht

Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Deportierte im Zweiten Weltkrieg. Perspektiven für historische Forschung und Erinnerungskultur

vom 14.06.2017 | bis zum 15.06.2017

Die Konferenz widmete sich der Vernetzung- und Kooperation im Datenbank- bzw. Archivbereich zum Thema sowjetische und deutsche Kriegsgefangene. Bis heute sind nicht alle Schicksale ausreichend geklärt. Die interdisziplinäre und internationale Konferenz diskutierte Chancen und Herausforderungen von internationalisierten Datenbanken und transnationalen Gedenkprojekten. Die Veranstaltung offenbarte ein erhebliches Defizit an Vernetzung, Kooperation und Zusammenarbeit über Nationalstaatsgrenzen hinweg. Die Konferenz bot somit einen ersten Ansatzpunkt diese Situation konstruktiv zu verbessern. Wichtige Akteure aus Forschung, Beauskundung und Erinnerungsarbeit aus verschiedenen Ländern diskutierten Lösungsansätze für die mangelnde Kooperation in der Vergangenheit. Im Juni 2016 wurde das vom Auswärtigen Amt geförderte Recherche- und Datenbankprojekt „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte“ infolge einer gemeinsamen Erklärung des russischen und des deutschen Außenministers in die Wege geleitet. Das Projekt ruft russische und deutsche Fachbehörden, Archive sowie Forscherinnen und Forscher zu einer engeren Kooperation bei der Suche und Digitalisierung von Archivunterlagen auf, um das Schicksal sowjetischer und deutscher Kriegsgefangener des Zweiten Weltkrieges zukünftig umfassender aufzuklären und den Zugang und Austausch von Archivalien grenzüberschreitend zu erleichtern und neue Impulse in der Gedenkarbeit zu setzen.Im Rahmen dieses Kooperationsprojekts luden der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., das Deutsche Historische Institut (DHI) Moskau, das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst und das österreichische Ludwig-Boltzmann-Institut (LBI) für Kriegsfolgen-Forschung Vertreter/innen von Forschungs- und Beauskunftungseinrichtungen aus Russland, Deutschland, der Ukraine, Polen, Belarus und Österreich zur Konferenz „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Deportierte im Zweiten Weltkrieg“ ein. Den ausführlichen Tagungsbericht von Laura Eckl für H-Soz-Kult finden Sie hier. Konferenzübersicht:Kriegsgefangenschaft und Internierung: Wege der ForschungMichael Reiffenstuehl (Auswärtiges Amt), Järg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst), Wolfgang Schneiderhan (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.), Nikolaus Katzer (Deutsches Historisches Institut Moskau), Stefan Karner (Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz): BegrüßungPanel 1: Das bilaterale Recherche- und Datenbankprojekt „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangenschaft und Internierte“Moderation: Heike Winkel (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)Wasilij Tolotschko (Vereinigung Soldatengedenken Moskau): Datenbanken zu ausländischen Kriegsgefangenen in der Russischen FöderationHans-Hermann Söchtig (Deutsche Dienststelle WAst, Berlin)Andreas Hilger (Deutsches Historisches Institut Moskau)Sergej Balandjuk (Aktiengesellschaft „Elektronisches Archiv“/ELAR AG, Moskau): Die Arbeit der ELAR AG zu KriegsgefangenenViktor Tumarkin (OBD Memorial, Moskau)Panel 2: Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem GewahrsamModeration: Jörg Skriebeleit (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg)Rolf Keller (Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Celle): Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam 1941-1945. Anmerkungen zum ForschungsstandRenata Kobylarz-Buła; Violetta Rezler-Wasielewska (Zentrales Museum der Kriegsgefangenen, Łambinowice): Sowjetische Kriegsgefangene im Stalag 318 VIII f (344) LamsdorfDaniel Bißmann (Humboldt Universität, Berlin): Das Unternehmen „Zeppelin“Seth Bernstein (National Research University, Higher School of Economics, Moskau): Vektoren der Heimkehr. Schicksale von Repatriierten in der stalinistischen UdSSR nach dem Zweiten WeltkriegPanel 3: Deutsche Kriegsgefangene in sowjetischem GewahrsamModeration: Viktor Muchin (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Moskau)Stefan Karner (Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz): Die Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte (GUPVI). Zur wissenschaftlichen und humanitären Bearbeitung des Projekts in ÖsterreichBoris Chawkin (Russische Staatliche Geisteswissenschaftliche Universität, Moskau): Deutsche Kriegsgefangene in sowjetischem Gewahrsam. ForschungsstandAlexander Epifanow (Universität Wolgograd): Deutsche Kriegsgefangene und sowjetische Verfolgung von Kriegs- und NS-VerbrechenNatalja Markdorf (Staatliche Pädagogische Universität Nowosibirsk): Ausländische Kriegsgefangene in SibirienPanel 4: Deportation und ZwangsarbeitModeration: Heike Winkel (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)Tetiana Pastuschenko (Ukrainische Akademie der Wissenschaften, Kiew): Politik und Praxis von Zwangsarbeit von Arbeitern aus den Ostgebieten des deutschen Reichs. Vom Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen bis zur Deportation der OstarbeiterDieter Bacher (Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz): Der österreichische Umgang mit Displaced Persons in der sowjetischen BesatzungszoneUte Schmidt (Freie Universität, Berlin): Deportierte deutsche Zivilisten in der Sowjetunion: deutsche Staatsbürger und Angehörige deutscher Minderheiten in Ost- und SüdosteuropaNikita Petrow (Memorial, Moskau): Deutsche Zivilinternierte in Russland – Archivlage und Forschungsperspektiven, 1945-1948Kriegsgefangenschaft und Internierung: Erinnerung und GedenkenPanel 5: Lebenswege und SchicksalsklärungModeration: Johannes Ibel (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg)Akim Jah (International Tracing Service Arolsen): Der International Tracing Service ArolsenStephan Kühmayer (Deutsche Dienststelle WASt): Schicksalsklärung durch die Deutsche Dienststelle (WASt)Annika Estner (Deutsches Rotes Kreuz Suchdienst): Schicksalsklärung als SuchdienstarbeitRobert Zaka (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.): Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und seine Arbeit in OsteuropaPanel 6: Erinnerung und Gedenken IModeration: Andreas Ehresmann (Gedenkstätte Lager Sandbostel)Semjon Mudrow, Darja Mudrow (Jaroslawl): Grablagen deutscher Kriegsgefangener auf dem Territorium des heutigen Gebiets JaroslawlAnatolij Scharkow (Minsk): Grablagen deutscher Kriegsgefangener auf dem Territorium des Gebietes MinskSwjatoslaw Scheremeta (Zwischenbehördliche Staatskommission zur Wahrung des Andenkens der Opfer des Krieges und politischer Repression, Kiew): Grablagen deutscher Kriegsgefangener auf dem Territorium des Gebietes PoltawaPanel 7: Erinnerung und Gedenken IIModeration: Jörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst)Juriij Alexejew (Stiftung „Verbürgte Geschichte“, Pksow): Das Stalag 372. Gedenkpraxis und ErinnerungskulturJan Effinger (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.): Gedenkpraktische Perspektiven: NamensziegelprojekteDimitri Stratievski (Osteuropazentrum Berlin e.V.): Der Umgang mit Briefen aus der Sammlung des Vereins Kontakte / Kontakty e.V. als SelbstzeugnissePanel 8: Die Macht der Bilder – Kommentiertes Filmscreening und PodiumsdiskussionJurij Kuzawkow: Kommentiertes Filmscreening I von „Odin iz pjati millionow“ / „Einer von fünf Millionen“Sonja Czekaj (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.): Kommentiertes Filmscreening II von „Soweit die Füße tragen“Jurij Kuzawkow, Sonja Czekaj (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.), Jens Nagel (Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain), Jörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst): Podiumsdiskussion.

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Tagungsbericht

Russlanddeutsche: Zeugnisse ihrer Lebens- und Wirkungsgeschichte in postsowjetischen Archiven II

vom 04.05.2017 | bis zum 06.05.2017

Der zweite Teil der der Tagungsreihe "Russlanddeutsche – Zeugnisse ihrer Lebens- und Wirkungsgeschichte in postsowjetischen Archiven II" beschäftigte sich vom 04.05. bis zum 06.05.2017 mit postsowjetischen Archiven, in denen Nachlässe von deutschsprachigen Migranten und Migrantinnen lagern. Die Tagung möchte vor allem Dingen die verzweigte Archivlandschaft in der Region mit Forschungsinteressierten vernetzen, um eine Geschichte der Russlanddeutschen schreiben zu können. Die Nachlässe können Aufschluss über Geschichte, Kultur und Migrationswege der deutschsprachigen Siedler und Siedlerinnen im heutigen postsowjetischen Raum geben. „Die Archivierung bringt das Ereignis in gleichem Maße hervor, wie sie es aufzeichnet.“, schreibt Jacques Derrida und benennt damit die konstruktive Rolle der Archive für die Geschichtsschreibung. Aus welchen bedeutungsträchtigen Quellen die heutigen ForscherInnen die Geschichte(n) Russlanddeutscher rekonstruieren (können) und welches rechtlich-administrative Gedächtnis eines Landes, einer Kommune oder einer Region dafür in Frage kommt, wurde in Passau beim zweiten Teil der Tagungsreihe ‚Russlanddeutsche – Zeugnisse ihrer Lebens- und Wirkungsgeschichte in postsowjetischen Archiven II‘ diskutiert. Thomas Wünsch (Passau) und Natalia Donig (Passau) beabsichtigten mit der Fortsetzung des Forschungsprojekts, wie sie in ihren Grußworten nochmals betonten, ArchivarInnen und WissenschaftlerInnen aus Russland, der Ukraine, Kasachstan, Usbekistan und Aserbaidschan miteinander zu vernetzen, um gemeinsam an der Erstellung eines quellenkundlichen Repertoriums zur Geschichte der Russlanddeutschen zu arbeiten. Den Tagungsbericht von Natalja Salnikova für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:Eröffnung der Konferenz, BegrüßungThomas Wünsch (Universität Passau)Einführung in die ThematikNatalia Donig (Universität Passau)KeynoteIrina Čerkaz’janova (Deutsch-Russisches Begegnungszentrum, St. Petersburg): „Pitomničeskij promysel“ i peterburgskie kolonisty: ot častnogo sjužeta k oščej istorii rossijskich nemcevModeration: Alfred Eisfeld (Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa, Göttingen)EinführungsvortragDmytro Meškov (IKGN e. V. - Nordost-Institut, Lüneburg): O perspektivach issledovanij kul’tury i istorii nemcev Rossijskoj imperii na primere Severnogo Pričernomor’ja i jugo-zapadnych gubernij v poreformennyj periodSektion I: Föderale / Zentrale Archive RusslandsGalina Solov’jeva (RGIA, St.Petersburg): Obzor fondov Rossijskogo gosudarstvennogo istoričeskogo archiva, soderžaščich dokumenty o rossijskich nemcach Oleg Čistjakov (RGVIA, Moskau): Dokumenty o nemeckich kolonistach v Rossii v fondach Rossijskogo gosudarstvennogo voenno-istoričeskogo archivaElena Knjazeva (Zentrales Historisches Staatsarchiv, St. Petersburg): Dokumenty o rossijskich nemcach v fondach Central’nogo gosudarstvennogo istoričeskogo archiva Sankt-Peterburga. Tematičeskij obzorOksana Morozan (CGAKFFD, St.Petersburg): Obzor dokumental’nych materialov po istorii i kul’ture rossijskich nemcev v Central’nom gosudarstvennom archive kinofotofonodokumentov Sankt-PeterburgaSektion II: Regionale Archive RusslandsModeration: Erik Radisch (Universität Passau)Tatjana Plochotnjuk (Universität Stawropol): „Prostranstvennaja“ istorija rossijskich nemcev: analiz kartografičeskich fondov regional’nych archivov Severnogo KavkazaEkaterina Koscova (GA OO, Orenburg): Nemeckie kolonisty v Orenburgskoj gubernii XIX vv.: problemy adaptacii, integracii, vzaimootnošenij s mestnym naseleniemSektion III: Regionale Archive Russlands – Ural, SibirienModeration: Viktor Bruhl (Göttingen)Viktor Kirillov (Staatliches Pädagogisches Institut, Nischni Tagil): Dokumenty o trudmobilizovannych rossijskich nemcach ITL Bakalstroj- čeljabmetallurgstroj NKVD v fondach Ob“edinjennogo gosudarstvennogo archiva Čeljabinskoj oblastiVladimir Motrevič (Universität Jekaterinburg): Istočniki po istorii sovetskich nemcev v gosudarstvennych i vedomstvennych archivach Sverdlovskoj oblastiJulija Beloglazova, (Staatliches Geschichts- und Heimatkundemuseum, Omsk): Izučenie istorii i kul’tury rossijskich nemcev v Omskom gosudarstvennom istoriko-kraevedčeskom muzeeSektion IV: Archive der UkraineModeration: Dmytro Meškov (IKGN e. V. - Nordost-Institut, Lüneburg)Natalija Venger (Universität Dnipro): Nemeckij ėtnos Ukrainy v materialach Central’nogo Gosudarstvennogo Archiva Vysšych Organov Vlasti i Upravlenija UkrainyAndrij Kogut (OGA SBU, Kiew): Istorija nemcev v archivach kommunističeskich specslužb: materialy Otraslevogo Gosudarstvennogo Archiva Služby Bezopasnosti UkrainyMihajlo Kostjuk (Universität Luzk): Istorija volynskich nemcev v dokumentach i materialach Gosudarstvennogo Archiva Žitomirskoj oblastiOlga Eisfeld (Göttingen): Dokumenty o nemcach Pričernomor’ja: Peremeščenija iz archivov v voennye i poslevoennye gody i ich posledstvija Sektion V: Archive der GUS-Länder: Kasachstan, Usbekistan, AserbaidschanModeration: Nataliia Ivanusa (Universität Passau)Alija Mustafina (Zentrales Staatsarchiv der Republik Kasachstan, Almaty): Dokumenty Central’nogo gosudarstvennogo archiva Respubliki Kazachstan po istorii nemcev na territorii KazachstanaErlan Nel’dybaev (Staatlichen Archive der Karaganda-Region, Karaganda): Archivnye dokumenty po istorii nemcev v gosudarstvennych archivach Karagandinskoj oblastiAbulkasym Machammatov (CGA RUz, Taschkent): Obzor archivnych materialov Central’nogo gosudarstvennogo archiva Respubliki Uzbekistan po istorii nemeckoj diasporyChadžar Verdieva (Universität Baku): Kolonisty Elizavetinki v pervye gody sovetskoj vlasti – po svidetel’stvam dokumentov Archiva političeskich dokumentov Upravlenija delami prezidenta Aserbaidschanskoj RespublikiKommentarViktor Krieger (Universität Heidelberg)

Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert

Konferenzdokumentation

Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert

vom 23.02.2017 | bis zum 25.02.2017

2017 jähren sich die Februar- und Oktoberrevolution zum einhundertsten Mal. Bereits am 23. Februar 1917 kam es nach vorangegangenen Streiks und Plünderungen zur Gründung der Arbeiter- und Soldatenräte, die gemeinsam mit dem russischen Parlament die Regierungsgewalt übernahmen und den Zaren entmachteten. Damit nahm die Russische Revolution ihren Anfang, an deren Ende die Bolschewiki eine kommunistische Herrschaft errichteten, die das gesamte 20. Jahrhundert nachhaltig prägen sollte. Aus diesem Anlass veranstalteten die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Friedrich-Ebert-Stiftung vom 23. bis 25. Februar 2017 in Berlin die internationale Konferenz »Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert«. Die Konferenz war der Auftakt des Themenjahres »Der Kommunismus: Utopie und Wirklichkeit« der Bundesstiftung Aufarbeitung. Ausgehend von einem Überblick zur Geschichte des Kommunismus und seinem historischen Kontext wurden die unterschiedlichen Ausformungen der verschiedenen »Kommunismen« weltweit sowie deren Gemeinsamkeiten in den Blick genommen. Welche Konjunkturen des Kommunismus gab es und welche Bilanz können wir heute ziehen? Wie präsent ist der Kommunismus in der Forschung, in der Öffentlichkeit, in der Populärkultur und als politisches Erbe im vereinten Deutschland? Und wie sind die Verbrechen und die Opfer kommunistischer Regime in die Gewaltgeschichte des »Zeitalters der Extreme« einzuordnen? Die internationale Konferenz lud in vier Panels renommierte Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Kultur und historisch-politischer Bildung dazu ein, den Ort des Kommunismus in der deutschen und europäischen Erinnerungskultur zu vermessen und damit verbundene Herausforderungen für die Forschung und Bildung zu diskutieren. Der 100. Jahrestag der Russischen Revolution bot die Chance, die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kommunismus im 20. Jahrhundert in einem neuen Licht zu betrachten und in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Einen ausführlichen Tagungsbericht für H-Soz-Kult von Cornelius de Fallois und Stefan Finkele finden sie hier. Tagungsprogramm: Donnerstag | 23. Februar 2017 BegrüssungEröffnungsvortrag Gerd Koenen | »Kommunismen im 20. Jahrhundert«Ulrich Mählert und Gerd Koenen | Präsentation der Plakatausstellung »Der Kommunismus in seinem Zeitalter« Eine Ausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung und des Deutschen Historischen Museum Freitag | 24. Februar 2017 9.00-11.30 Panel 1 Bestandsaufnahmen. Der Kommunismus in Forschung, Öffentlichkeit, Populärkultur und als politisches Erbe im vereinten Deutschland Detlef Siegfried | »Der Kommunismus in der Populärkultur und als politische Nische«Stephen Anthony Smith | »Der Kommunismus als Forschungsgegenstand seit 1990«Hans-Joachim Veen | »Das politische Erbe des Kommunismus im vereinten Deutschland«Moderation: Jacqueline Boysen 11.30–16.30 Panel 2 Der Kommunismus in der Erinnerungskultur und der poltischen Bildung Impulsvortrag Anna Kaminsky | »Der Kommunismus als Stiefkind der Erinnerungskultur«Podiumsdiskussion »Kommunismuserinnerung - (k)ein Thema für die politische Bildung?«Sabine Bamberger-Stemmann | Andreas Kleine-Kraneburg | Thomas Krüger | Anja Kruke | Florian WeisModeration: Michael ParakVideoübertragung Charles S. Maier | »Konjunkturen der Kommunismusdebatte und Kommunismuskritik« 16.30–18.00 Panel 3 Die europäische Dimension der Erinnerung Podiumsdiskussion »Der Kommunismus in der europäischen Erinnerungskultur«Markus Meckel | Etienne François | Adam Krzemiński | Neela Winkelmann-Heyrovská              Moderation: Sabine Adler Samstag | 25. Februar 2017 9.00–12.30 Panel 4 Politische Gewalt im Zeitalter der Extreme Vortrag Jörg Baberowski | »Politik und Massenmord im Zeitalter der Extreme - eine vergleichende Bilanz«Podiumsdiskussion »Wie über politische Gewalt im Zeitalter der Extreme sprechen?«Benjamin Ziemann | Zsuzsa Breier | Juri Durkot | Jörg Baberowski                                           Moderation: Harald AselSchlusswort Katharina Hochmuth

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Tagungsbericht

Female Identities in the Post-Utopian. Perspektiven auf den Postsozialismus aus Kunst und Wissenschaft

vom 19.01.2017 | bis zum 20.01.2017

Das Public Seminar an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg erforschte Perspektiven auf die postsozialistische Transformation sowie damit in Verbindung stehende künstlerische und theoretische Diskurse aus Kunstgeschichte, Kunsttheorie und Geschichtswissenschaft. Künstlerinnen aus der ehemaligen Sowjetunion schauen heute vermehrt mit Fragen zu Identität, Gender und Erinnerung an die sozialistische Vergangenheit retrospektiv in die Zukunft, das heißt sie unternehmen retro-utopische Exkursionen. In einer post-utopischen Zeit lässt sich beobachten, dass Künstler sich auf die sozialistische Zeit und die Transformationsphase danach konzentrieren. Vor diesem Hintergrund behandelte das Seminar zeitgenössische Filme und Videoarbeiten, die Aufschluss über genderspezifische Erfahrungen und Herausforderungen von Frauen in einer postsozialistischen Gegenwart geben. "Was denken Künstlerinnen bzw. Frauen aus heutiger Sicht über die sozialistische Vergangenheit und die Transformation Osteuropas? Welche retroutopischen Potentiale lassen sich in Bezug auf weibliche Identität und Gender ausmachen?" Fragen wie diese bildeten den Ausgangspunkt der Veranstaltung, für die gezielt das Format eines öffentlichen Seminars mit deutsch- und englischsprachigen Panels und Screeningsessions gewählt wurde. Unter den Vortragenden und Moderator/innen waren Künstler/innen, Filmemacher/innen, Kunstwissenschaftler/innen, Kultur- und Geschichtswissenschaftler/innen, die sich mit der aus feministischer Perspektive interessanten "Rückkehr vergangener Stile, Moden und Codes beschäftigen, die an die Oberfläche der gegenwärtigen visuellen Kultur drängen", wie die Gastgeberinnen LENE MARKUSEN (Hamburg) und ULRIKE GERHARDT (Lüneburg/Hamburg) in ihrer Begrüßung feststellten. Den Tagungsbericht von Katharina Schwab für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Ulrike Gerhardt & Lene Markusen: Begrüßung Panel 1: Mythen des (post)sozialistischen AlltagsModeratorin: Elena Korowin, Albert-Ludwigs -Universität Freiburg Monica Rüthers, Universität Hamburg: Von der Matrjoschka zur Barbie. Postsowjetische Arbeit am weiblichen Körper Lene Markusen, Hochschule für bildende Künste Hamburg: Die Geschichte einer Freundschaft. Gedanken und Hintergründe zum Film „Sankt – Female Identities in the Post-Utopian“ (Deutschland 2017, 50:00 min.) Ulrike Gerhardt, Lüneburg/Hamburg: Ewiges Warten. Poetiken des Zeitkonsums in Chantal Akermans „D’Est“ (From The East, 1993), Sasha Pirogovas „Queue“ (2014) und Lene Markusens „Sankt–Female Identities in the Post-Utopian“ (2017) Panel 2: Feminist Art Beyond the MarginsModeratorin: Suza Husse, Berlin Ana Bogdanović, Universität Belgrad: Performing the Marginal – Enacting a Myth: Marina Abramović and the Balkans Katja Kobolt, München: (A)Politicality of Retro-Utopia through Private: Public ReConfigurations: The Films of Jasmina Cibic Anna Bitkina, St. Petersburg / Utrecht: Socially and Politically Engaged Feminist Art Initiatives in Russia Today: In Search of a Platform for a Possible Dialog Between the Government and Citizenry Panel 3: Gender Performance im dokumentarischen Film und VideoModeratorin: Jana Seehusen, Hochschule für bildende Künste Hamburg Sophie Krambrich, Hochschule für bildende Künste Hamburg: „Ich bin eine Frau, wie kann ich glücklich sein?“ –„Luderschulen“ in Moskau Petra Lange-Berndt, Universität Hamburg, Politiken der Marginalität Anetta Mona Chişa, Prag: Uncomfortable Heritage Anabela Angelovska, Hamburg: Kanun, Kommunismus und geschworene Jungfrauen. Notizen zum Film „HAKIE – HAKI. Ein Leben als Mann“ (Deutschland 2015, 29:00 min.) Screenings Lene Markusen: „Sankt – Female Identities in the Post- Utopian“, Deutschland 2017, 50:00 min. (Preview) Jasmina Cibic: „Tear Down and Rebuild“, 2015, 15:28 min. Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová: „Manifesto of Futurist Woman (Let’s conclude)”, Slowakei / Deutschland 2008, 11:23 min. Anabela Angelovska: „HAKIE – HAKI. Ein Leben als Mann“, Deutschland 2015, 29:00 min. PodiumsdiskussionMit Anabela Angelovska, Anetta Mona Chişa und Lene MarkusenModeratorin: Bettina Steinbrügge, Kunstverein Hamburg

Hannah Arendt Institut für Totalitarismusforschung, Screenshot von der Website

Tagungsbericht

Staatssozialismen im Vergleich

vom 29.09.2016 | bis zum 01.10.2016

Ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch der real-sozialistischen Herrschafts-, Wirtschafts-und Gesellschaftssysteme scheint es an der Zeit, einen Vergleich ihrer Strukturen und Funktionsmechanismen vorzunehmen. Seit 1989 der "Eiserne Vorhang" fiel, sind in Verbindung mit der "Archivrevolution" zahlreiche Länderanalysen zu den staatssozialistischen Systemen entstanden, die eine Grundlage für vergleichende Untersuchungen bilden können. Aus Mangel an ebendiesen, wollte das Hannah-Arendt-Institut mit dieser internationalen Konferenz Impulse für die komparative Forschung setzen.Seit dem „Fall des Eisernen Vorhanges“ im Jahr 1989 und der damit verbundenen „Archivrevolution“ sind zahlreiche Länderanalysen zu den realsozialistischen Systemen entstanden, die eine Grundlage für vergleichende Untersuchungen bilden können. Doch daran mangelt es noch, und so wollte das Hannah-Arendt-Institut mit einer internationalen Konferenz Impulse für die komparative Forschung setzen. Angesichts der Fülle möglicher Themen standen drei Forschungsfelder im Zentrum, die für das Funktionieren der autokratischen Systeme von hoher Bedeutung waren: die Staatsparteien als bedeutendste Herrschaftsträger, die Sozialpolitik als wichtigstes Medium der Herrschaftslegitimation und die Rolle von Opposition und Widerstand infolge des Scheiterns der autokratischen Regimelegitimierung. Die Konferenz baute im Wesentlichen auf Länderstudien auf (Sowjetunion, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Deutsche Demokratische Republik, Albanien und Jugoslawien). Den vollständigen Tagungsbericht von Alexander Akel für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:Grußwort von Peter Wiegand (Hauptstaatsarchiv Dresden)
Begrüßung und Einführung von Günther Heydemann (Hannah-Arendt-Institut)Panel I: SowjetunionHelmut Altrichter (Universität Nürnberg-Erlangen): Staatspartei
Stefan Plaggenborg (Ruhr-Universität Bochum): Sozialpolitik
Alexey Makarov (Moskau): Opposition und WiderstandPanel II: PolenTytus Jaskulowski (Hannah-Arendt-Institut Dresden): Staatspartei
Dariusz Grala (Posen): SozialpolitikKlaus Ziemer (Universität Trier): Opposition und WiderstandPanel III: TschechoslowakeiStanislav Balik (Masaryk-Universität Brno): Staatspartei
Jan Holzer (Masaryk-Universität Brno): Opposition und WiderstandPanel IV: UngarnAndreas-Schmidt-Schweizer (Herder-Institut Marburg): Staatspartei
Tibor Valuch (Universität Debrecen): Sozialpolitik
Krisztian Ungvary (Budapest): Opposition und WiderstandPanel V: RumänienThomas Kunze (Konrad-Adenauer-Stiftung): Staatspartei
Alexandru-Murad Mironov (Universität Bukarest): Sozialpolitik
Anneli Ute Gabanyi (Berlin): Opposition und WiderstandPanel VI: BulgarienMihail Gruev (Universität Sofia): Staatspartei
Dimitrina Petrova (Universität Essex): Opposition und WiderstandPanel VII: Deutsche Demokratische RepublikAndreas Malycha (Institut für Zeitgeschichte Berlin-München): Staatspartei
Manfred G. Schmidt (Universität Heidelberg): Sozialpolitik
Ehrhart Neubert (Erfurt): Opposition und WiderstandPanel VIII: AlbanienMichael Schmidt-Neke (SPD Landtagsfraktion Kiel)Panel IX: JugoslawienWolfgang Höpken (Universität Leipzig)

Tagungsbericht | Workshop

Generationen linker Politik in der Bundesrepublik 1947–1984

vom 23.06.2016

Der Workshop fragte nach der Anwendbarkeit des geschichtswissenschaftlichen Konzepts der Generationen für die Untersuchung der Geschichte der Linken in Deutschland. Im Mittelpunkt stand dabei die so genannte Generation der „68er“ in der Bundesrepublik, die differenziert betrachtet und deren Mythos historisiert wurde. Vorgestellt wurden laufende Dissertationsprojekte des Graduiertenkollegs „Geschichte linker Politik in Deutschland“, das am Institut für soziale Bewegungen an der Ruhr-Universität Bochum und am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam angesiedelt ist. Die Referate und Kommentare kamen zu dem Schluss, dass der Begriff der Generation(en) nur begrenzte Aussagekraft besitzt, weil damit weder kleinteilige Dynamiken erklärt noch diejenigen Akteure bezeichnet werden können, die nicht an den Erfahrungen teilhatten, nach denen eine historische Generation benannt wurde. Den Höhepunkt des Workshops bildete der Vortrag von Theodor Bergmann, der 1916 geboren wurde und in der Weimarer Republik Mitglied im Jugendverband der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) war. Er ist unermüdlich: THEODOR BERGMANN (Stuttgart) feierte in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag – und tourt noch immer durch die Republik, um aus seinem bewegten Leben zu berichten. Der langjährige Professor für Agrarökonomie an der Universität Hohenheim ist vermutlich der letzte lebende Zeitzeuge des Kommunismus der Weimarer Republik. Im Jahr 1927 trat er dem Jungspartakusbund bei, kurz darauf wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands-Opposition (KPO) und musste schließlich aufgrund seiner jüdischen Herkunft ins Exil gehen. Noch heute bezeichnet er sich als kritischen Kommunisten. Bergmann war gewissermaßen der Stargast eines Workshops, der am 23. Juni 2016 in den Räumlichkeiten des Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam stattfand. Organisiert wurde dieser von Mitgliedern des Promotionskollegs „Geschichte linker Politik in Deutschland jenseits von Sozialdemokratie und Parteikommunismus“, das die Rosa-Luxemburg-Stiftung im Jahr 2015 ins Leben gerufen hat. Angesiedelt ist das Kolleg am ZZF und am Institut für Soziale Bewegungen (ISB) in Bochum. Den ausführlichen Tagungsbericht von Marcel Bois für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Katrin Schäfgen (Berlin), Mario Keßler (Potsdam), Stefan Berger (Bochum): Begrüßung und Tagungseröffnung David Bebnowski (Potsdam): Theoretische Sackgasse oder generationeller Bruch? Die „Krise des Marxismus“ am Ende der 1970er-Jahre in Argument und Prokla Moderation: Richard Stoenescu (Potsdam) Sarah Langwald (Bochum): Generationelle Brüche und Kontinuitäten in der „Verteidigungsbewegung“ der 1950er- und 1960er-Jahre. Kommentar: Dominik Rigoll (Potsdam) Moderation: Jule Ehms (Bochum) Theodor Bergmann (Stuttgart): Die 1950er-Jahre als Ausgangspunkt der Neuen Linken in der BRD Einleitung: Mario Keßler (Potsdam) Moderation: Ralf Hoffrogge (Bochum)

Tagungsbericht | Konferenz

Picturing Power. Photography in Socialist Societies

vom 09.12.2015 | bis zum 12.12.2015

Die wissenschaftliche Tagung zum Verhältnis von Fotografie und Macht in sozialistischen Gesellschaften beschäftigte sich sowohl mit bildlichen Motiven und Symbolen als auch mit ästhetischen Aspekten und Publikationsmöglichkeiten. Ausgangspunkt war die These, dass Fotografie ein zentrales und wirkmächtiges Medium war, das die Machtverhältnisse des 20. Jahrhunderts abbildete, aber auch mitkreierte. Erörtert wurde, welche Möglichkeiten es gab, nicht regimekonforme Bilder zu veröffentlichen, wie staatliche Zeitungen Fotos zu propagandistischen Zwecken bearbeiteten oder wie sich Staatschefs in verschiedenen Medien fotografisch inszenierten. Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bildete das Forschungsfeld fotografischer Praxis. Zensur und Selbstzensur wurden dabei ebenso thematisiert wie die Ambivalenz fotografisch-künstlerischer sowie publizistischer Freiheiten und Protesthandlungen. Ob Kunst oder dokumentarisches Produkt, ob Darstellung des vermeintlich Realen oder Inszenierung, ob Abbildung des Besonderen oder des Alltäglichen – der Umgang mit Fotografien als historische Quelle legt Fallstricke, bietet aber immense Chancen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Eine systematische Annäherung an eine Beschäftigung mit Fotografiegeschichte fand vom 9. bis 12. Dezember 2015 in Bremen im Rahmen der Tagung Picturing Power. Photography in Socialist Societies statt. Die Konferenz bot ein Forum, um bisher punktuelle, aber durchaus konkrete Forschungsprojekte und -ansätze zusammenzuführen. Martina Winkler und Sarah Lemmen vom Lehrstuhl für Kulturgeschichte der ČSSR am Institut für Geschichtswissenschaft an der Universität Bremen hatten internationale Wissenschaftler/innen dazu eingeladen, eine gemeinsame Grundlage für die Erforschung von Fotografien und ihren historischen Kontexten zu legen. Den ausführlichen Tagungsbericht von Johanne Bischoff, Kevin-Niklas Breu und Lisa Städtler für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Everyday Photography Maria-Alina Asavei (Prague): Forbidden Images? Witnessing and Remembering Socialist ‘Reality’ through Photographs in Romania Cristina Cuevas-Wolf (Los Angeles): The Contested Image of Everyday Socialism in Hungary Gilles De Rapper, Anouck Durand (Aix-Marseille): Intimacy and locality. Photographing small-scale power relations in Socialist Albania (Un-)published Pictures of Power Katalin Bognár (Budapest): Photographs left out of the newspapers (Hungary, 1947–1991) Stefan Guth (Bern): Picturing Atomic-Powered Communism Daria Zaitseva (St. Petersburg): “Reporting without publishing”. Mainstream and marginal Soviet documentary photography strategies in the 1960-70s: the case of Valery Shchekoldin Personalized Power: Leaders Susanne Schattenberg (Bremen): Picturing the General Secretary: L.I. Brezhnev and his photographer Jakub Szumski (Warsaw): More like us. Poland’s 1970s new political style in photography Tanja Zimmermann (Leipzig): An early Home Story of Power: The Yugoslav Leader Josip Broz Tito in Press Photography from the 1940s to the 1980s Nadine Siegert (Bayreuth): Mighty Images – On the political iconography in socialist Angola & Mozambique Moving images: contacts Eszter Kiss (Budapest/Potsdam): Images of Hungary/Hungary’s Image – National and international socialist PR as teamwork Yvonne Robel (Hamburg): Picturing spatial power? The visual construction of globality in the GDR during the 1950s Eva Pluhařová-Grigienė (Berlin): On the circulation of photography across the Iron Curtain. The Czech photography critics, curators and editors Anna Fárová and Daniela Mrázková Annette Vowinckel (Potsdam): Photographic Nuisance. The Work of Stern-Photographers Thomas Höpker and Harald Schmitt in the GDR Disputed power: protest Martina Winkler (Bremen): Picturing Power: Images of the Invasion in Prague 1968 Isotta Poggi (Los Angeles): Budapest 1956: Photographs of Revolution between Politics and Art Ulrike Huhn (Bremen): Social Reportage Photography under Stalin? Possibilities and Limits of Ethnographic Fieldwork in late Stalinist Russia

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Tagungsbericht

Settlement and Unsettlement. The Ends of World War I and their Legacies

vom 22.03.2018 | bis zum 24.03.2018

Vom 22. bis 24. März 2018 fand in Washington, D.C. die Jahrestagung der Max-Weber-Stiftung unter dem Thema „Settlement and Unsettlement. The Ends of World War I and their Legacies“ statt. Themenstíftend war der 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs. Betont wurde hierbei, dass weder das Jahr 1918 noch das Kriegsende als isolierte Landmarken betrachtet werden sollen, sondern als Teil eines größeren Prozesses mit weitreichenden Konsequenzen. In der bisherigen Forschung zu den Auswirkungen des Kriegsendes findet sich häufig ein Fokus auf die Pariser Konferenz von 1919 und deren Bedeutung für die europäischen Staaten. Ein solcher Fokus vernachlässigt jedoch die Bedeutung, die das Kriegsende nicht nur für die europäischen Staaten, sondern weit darüber hinaus hatte und die die globale Ordnung nachhaltig beeinflusste. The centenary of the 1918 Armistice provided a perfect occasion to reassess the historical consequences of the First World War. To this end, the 2018 Annual Conference of the Max Weber Foundation, which took place at the German Historical Institute in Washington on March 22-24 in cooperation with the American Historical Association (AHA), the National History Center (NHC), and the German Historical Association (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, VHD), set out to reassess the postwar settlement's global repercussions. The conference was opened on the evening of March 22 by SIMONE LÄSSIG (GHI Washington DC), HANS VAN ESS (Max Weber Foundation) and DANE KENNEDY (National History Center), who highlighted the legacies of the Great War, including the principle of national self-determination, the redrawing of borders, decolonization and forced migration, and noted new research trends and the need to reassess the war’s legacies. Den Tagungsbericht von Paul Schweitzer-Martin für H-Soz-Kult können Sie hier weiter lesen. Conference Overview: Simone Lässig (GHI Washington DC) / Hans van Ess (Max Weber Foundation) / Dane Kennedy (National History Center): Welcome remarks Jörn Leonhard (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg): Keynote “Overburdened Peace: Competing Visions of World Order in 1918 / 19” Panel 1 Treaties and the Making of the Postwar Order Regine Mathias (Ruhr-Universität Bochum), chairJesse Kauffman (Eastern Michigan University): Brest-Litovsk at 100: Re-evaluating a Misunderstood PeaceLeonard Smith (Oberlin College): The Politics of Recognition at the Paris Peace ConferenceTosh Minohara (Kobe University): Elusive Equality: Japan’s Leadership and the Postwar Issue of Race Panel 2 Wilsonianism and its Discontents Jan C. Jansen (GHI Washington DC), chairRoberta Pergher (Indiana University): Fascist Italy and the Rights of OthersMiklós Zeidler (Eötvös Loránd University): Revisionism as a Means of Nation Building: The Characteristics of Hungarian Revisionism between the World Wars Panel 3 Empires after the War (part 1) Birgit Schäbler (Universität Erfurt / Orient-Institut Beirut), chairNoriko Kawamura (Washington State University): Post-World War I Search for an Order in the Pacific: Reexamination of the Versailles-Washington Treaty SystemDonal Hassett (University of Bristol): Contesting the Colonial Culture of Victory in the French Empire Panel 4 Empires after the War (part 2) Mustafa Aksakal (Georgetown University), chairSean Andrew Wempe (Washington State University): A Question of Respectability: Colonial German Responses to the Treaty of Versailles and “Colonial Guilt”Leila Fawaz (Tufts University): WWI and the Reshaping of Daily Life in the Eastern MediterraneanPanel discussion at Residence of the German Ambassador Peter WittigAdam Tooze (Columbia University): Brief keynote “1918: The Botched Entry into the American Century”Heidrun Tempel (German State Department), chairAviel Roshwald (Georgetown University)Jeremi Suri (University of Texas at Austin) Panel 5 Internationalisms Axel Jansen (GHI Washington DC), chairMadeleine Herren-Oesch (Universität Basel): The Coincidence of Densification and Disentanglement: An Alternative History of the Twentieth CenturyMichele Louro (Salem State University): Nehru, India and Global Anti-Imperialism between the World WarsClaudia Siebrecht (University of Sussex): “Universal Conscience” and Lasting Peace: League of Nation Youth Education in the 1920s and 1930s Panel 6 Post-war Economies / Labor and Economy after the War Jamie Martin (Georgetown University), chairAnna Karla (Universität zu Köln): Reparation Policies Reconsidered: Material Reconstruction after World War I in Europe and BeyondMadeleine Dungy (European University Institute): Economic Freedom of Movement in the League of Nations and the International Labor Organization, 1919 –1923Nicholas Mulder (Columbia University): The Birth of Economic Sanctions from the Spirit of Blockade, 1918 –1920 Panel 7 Minorities Carole Fink (Ohio State University), chairVolker Prott (University of Melbourne / Aston University): Taming Wilsonianism: The League of Nations and Territorial Conflict after VersaillesLaura Robson (Portland State University): Capitulations Redux: The Imperial Genealogy of the post-WWI “Minority” RegimesConcluding discussionAdele Lindenmeyr (Villanova University), chairLeonard Smith (Oberlin College)Barbara Potthast (Universität zu Köln)Elizabeth Thompson (American University)

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Berichte

Die Ideen von 1917. Debatten auf Burg Lauenstein über die Neuordnung Deutschlands nach dem Krieg

vom 07.12.2017 | bis zum 08.12.2017

Vom 7. bis 8. Dezember 2017 fand am Deutschen Literaturarchiv in Marbach die Konferenz „Die Ideen von 1917. Debatten auf Burg Lauenstein über die Neuordnung Deutschlands nach dem Krieg“ statt. In vielfältigen Beiträgen widmeten sich deutsche und amerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den beiden Konferenzen, die 1917 auf der Burg Lauenstein stattfanden. 1917, im dritten Jahr des Ersten Weltkrieges sahen sich Bürgerinnen und Bürger aller europäischer Staaten mit der Frage konfrontiert, welche Zukunft für die eigene Nation sowie für Europa denkbar schien. Im Jahr der Russischen Revolution fanden sich auf der Burg Lauenstein deutsche Intellektuelle mit dem Ziel zusammen, die Gemeinsamkeiten, auf denen eine zukünftige deutsche Nation aufbauen würden, zu debattieren – nur, um mehr Konflikte und Unterschiede als die ersehnten Gemeinsamkeiten aufzudecken. Zu den Gästen der Konferenzen von 1917 gehörten prominente Intellektuelle wie Max Weber und Ferdinand Tönnies. Die Konferenz von 2017 analysiert das intellektuelle und ideologische Spektrum der Debatten von 1917 in seinem historischen und nationalen Kontext. On 7-8 December 2017 a conference, entitled “The Ideas of 1917: Debates at Burg Lauenstein on the New Order of Post-War Germany”, took place at the Deutsches Literaturarchiv in Marbach am Necker, Germany. Scholars from Germany and the United States were invited to discuss the history of two conferences that took place at Burg Lauenstein in Upper Franconia in 1917. In that year Germany experienced its third year of the First World War and, with the social, economical and political reorganisation of the country subject to great debate, Eugen Diederichs and his co-organising Dürerbund, Comeniusgesellschaft and Vaterländische Gesellschaft 1914 in Thüringen hoped to formulate a vision of Germany’s future that was rooted in “German Spirituality” (Geistigkeit). The first of the two conferences took place from May 29 to 31, the second from September 29 to October 3, 1917. Den Tagungsbericht von Steven Schouten für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Conference Overview: Ulrich Raulff, Marbach; Marcel Lepper, Marbach und Meike G. Werner, NashvilleBegrüßung und thematische Einführung Roger Chickering, Georgetown, USAEröffnungsvortrag: Deutschland im Jahr 1917 Sektion 1: ‚Geist‘ in den Zeiten des Krieges Moderation: Jan Bürger Meike G. Werner, Vanderbilt UniversityDer Verleger als Choreograph: Eugen Diederichs lädt ein auf die Burg Lauenstein zur Debatte über Deutschlands Zukunft Teresa Löwe-Bahners, MünchenDie Unsichtbaren: Die Frauen auf den Lauensteiner Tagungen Steffen Bruendel, Frankfurt am MainFür Freiheit, Volk und Vaterland. Künstler und Schriftsteller auf Burg Lauenstein Carolin Vogel, HamburgZwei Menschen. Richard und Ida Dehmel 1917 Justus Ulbricht, DresdenReformation des 20. Jahrhunderts? Religiöse Orientierungen auf Lauenstein im Jahr des Lutherjubiläums 1917 Öffentliche Abendveranstaltung / Podikumsdiskussion Moderation Meike G. Werner, Vanderbilt UniversityDie Ideen von 1917 Jürgen Reulecke, Gießen; Carola Dietze, Jena; Ulrich Sieg, Marburg; Barbara Stambolis, Paderborn Sektion 2: Im Schatten Max Webers Moderation: Sonja Asal, Berlin Gangolf Hübinger, Frankfurt an der OderMax Weber, die Nationalökonomen und der Streit um Max Maurenbrecher Jan Eike Dunkhase, MarbachJudentum und Kapitalismus. Die Weber-Sombart-Kontroverse nach 100 Jahren Michael Pilz, InnsbruckErnst Toller 1917: Auf dem Weg ins literarische Feld Sektion 3: Generation Jugend Moderation: Jürgen Reulecke, Gießen Barbara Stambolis, PaderbornLauenstein als jugendbewegter Experimentier- und Erfahrungsraum Thomas Hertfelder, StuttgartSpaziergang in wirrer Gesellschaft. Theodor Heuss auf Burg Lauenstein Karin Priem, LuxemburgLauenstein im Bild Frank Trommler, PhiladelphiaZur Politik der kulturellen Erneuerung Deutschlands Abschlussrunde

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Tagungsbericht

Kriegsgewalt und Kriegsverbrechen in historischer Dimension

vom 06.11.2017 | bis zum 07.11.2017

Vom 6. bis zum 7. November 2017 fand die Tagung „Kriegsgewalt und Kriegsverbrechen in historischer Dimension“ an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg statt. Die im Zuge der Veranstaltung präsentierten Blickwinkel auf die Thematik sind in ihren Fragestellungen überaus vielfältig und analysieren mit diesen unterschiedliche gewaltsame Konflikte der vergangenen Jahrhunderte. Dabei decken sie sowohl eine regionale als auch eine internationale Perspektive ab, die sich aus dem Veranstaltungsort Würzburg sowie der Kooperation mit der Universität Smolensk (Russland) ergab. Die Konferenz gliederte sich in drei Sektionen: "Würzburg als Fallbeispiel von Kriegsgewalt"; "Kriegsgewalt als kulturelle Praktik"; "Kriegsopfer". Die Vortragenden ziehen eine große Bandbreite historischer Beispiele zur Veranschaulichung ihrer Thesen heran, die vom Dreißigjährigen Krieg und dem Massaker an polnischen Kriegsgefangenen im sowjetischen Katyn bis hin zu Auseinandersetzung mit Kriegsgewalt in russischen Literaturdiskursen reicht und gewähren somit einen vielseitigen Einblick in ihren Forschungsgegenstand.  Vom 6. bis zum 7. November 2017 fand an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg im Rahmen einer vom Auswärtigen Amt geförderten Projektwoche mit der Staatlichen Universität Smolensk (Russland) ein Workshop zu „Kriegsgewalt und Kriegsverbrechen in historischer Dimension“ mit elf Beiträgen aus verschiedenen Disziplinen und zu unterschiedlichen Epochen der Neuzeit statt. Die erste Sektion richtete einen allgemeinen Blick auf das Thema und begann mit einem Beitrag von OLGA IWANOWA (Smolensk), die Beispiele aus den französischen Religionskriegen, dem Dreißigjährigen Krieg und der Herrschaft Zar Iwans des Schrecklichen beleuchtete. Sie zeigte, dass der Einsatz physischer Gewalt in der Frühen Neuzeit mit Initiativen zur Normierung einherging. Theorie und die Praxis des Völkerrechts beeinflussten sich wechselseitig, was insbesondere an Hugo Grotius deutlich wird, der Einfluss auf die Kriegführung Gustavs II. Adolf von Schweden hatte. Grundsätzlich wurde Gewalt in der Frühen Neuzeit nicht delegitimiert, sondern ihr Gebrauch Normen unterworfen. Den Tagungsbericht von Anuschka Tischer für HSozKult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Olga Iwanowa (Smolensk): Kriegsgewalt und Kriegsverbrechen aus historischer Perspektive (am Beispiel der Religionskriege und des Dreißigjährigen Kriegs) (Vortrag in russischer Sprache mit Simultanübersetzung) Peter Hoeres (Würzburg): Was ist in der Moderne ein Kriegsverbrechen? Christian Mühling (Würzburg): Religionskrieg und konfessionelle Repressalien an der Schwelle vom 17. zum 18. Jahrhundert Sektion „Würzburg als Fallbeispiel von Kriegsgewalt“ Anuschka Tischer (Würzburg): Die schwedische Eroberung Würzburgs im Dreißigjährigen Krieg und ihre Folgen Peter A. Süß (Würzburg): Die Zerstörung Würzburgs im Zweiten Weltkrieg AbendvortragOksana Kornilova (Smolensk): Katyn: a long life of the Nazi term Sektion „Kriegsgewalt als kulturelle Praktik“ Marcel Mallon (Bonn): Kunstraub im Dreißigjährigen Krieg Demjan Walujew (Smolensk): Deutungsmuster „Feind” und „Kriegsgewalt” in der Propaganda der europäischen Staaten und Russlands vom Dreißigjährigen Krieg bis Napoleon (1618–1815) (Vortrag in russischer Sprache mit Simultanübersetzung) Irina Romanowa (Smolensk): Kriegsgewalt und Kriegsverbrechen im modernen russischen Literatur-Diskurs (Vortrag in russischer Sprache mit Simultanübersetzung) Sektion „Kriegsopfer“ Roman Beljutin (Smolensk): Der letzte Pass: Opfer des Nazi-Regimes im Sport Dmitrij Komarow (Smolensk): Politische Repressalien gegenüber den Handlangern der Eroberer auf den besetzten sowjetischen Territorien (1941–1943) anhand von Materialien aus der Region Smolensk (Vortrag in russischer Sprache mit Simultanübersetzung )

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Tagungsbericht

Linke Zwischengruppen – vor, mit und jenseits der Neuen Linken in beiden deutschen Staaten

vom 12.10.2017 | bis zum 13.10.2017

Vom 12. bis 13. Oktober 2017 fand die Konferenz "Linke Zwischengruppen – vor, mit und jenseits der Neuen Linken in beiden deutschen Staaten" statt. Die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam thematisierten bei dieser Konferenz die sogenannten linken „Zwischengruppen“. Diese entstanden in der Weimarer Republik als Abspaltungen von SPD und KPD, meist nachdem mehrere Mitglieder aus den Parteien ausgeschlossen wurden. Darauf folgte dann die Gründung von neuen Parteien wie der Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) und des Leninbunds oder von Splittergruppen wie der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO). Die zweitägige Konferenz beschäftigte sich mit diesen „Zwischengruppen“ und fragte nach den Überresten und Reaktivierungen der Gruppierungen nach der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und der Jahre im Exil. Die Vorträge und Podiumsdiskussionen beschäftigten sich mit den intellektuellen und politischen Einflüssen ebenso wie mit biografischen Zugängen. Auf diese Weise sollen die Nachwirkungen und Einflüsse der „Zwischengruppen“ in der Bundesrepublik, der DDR und Osteuropa erkundet werden. Was blieb 1945 nach den Jahren der Verfolgung und des Exils von den häufig intellektuell kraftvollen, aber politisch meist einflusslosen linken Zwischengruppen der Weimarer Republik? Das Wirken von AkteurInnen und Netzwerken der Zwischengruppen nach 1945 sollte untersucht werden, wie auch Resonanzen in der Neuen Linken seit den 1960er-Jahren. Dass neue Perspektiven auf die linken Zwischengruppen notwendig sind und Forschungen zur Linken Diversitäten in den Blick nehmen sollten, stellte bereits die stellvertretende Direktorin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte (FZH) KIRSTEN HEINSOHN (Hamburg) in ihrer Begrüßung heraus. Als weitere Fragestellung hob sie die geschlechterhistorische Analyse der linken Zwischengruppen hervor: Wie funktionierte die männliche Vergemeinschaftung, wie der männliche Zugriff auf linke Gruppen und Überzeugungen? Den Tagungsbericht von Vera Bianchi für H-Soz-Kult können Sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Kirsten Heinsohn (Hamburg): Begrüßung Knud Andresen (Hamburg): Einführung Sektion 1: Kontinuitäten und RezeptionenModeration: Axel Schildt (Hamburg) Marcel Bois (Hamburg): Vergessen, verdrängt und wiederentdeckt. Zur Rezeption des Linkskommunismus der Zwischenkriegszeit in der Bundesrepublik Willy Buschak (Bochum): Kontinuitäten und Brüche im europäischen Linkssozialismus nach 1945 Sektion 2: Der Blick in den globalen SüdenModeration: Knud Andresen (Hamburg) Natalija Dimić (Belgrad): Forging an Ideological Alliance: Yugoslavia and German Left Socialists in the Late 1940s and Early 1950s Michael Frey (Dortmund): Ideologische Brücken zwischen den dreißiger und sechziger Jahren? Trotzkistische Intellektuelle, die entstehende Neue Linke und der (geteilte) Weg in die Dritte Welt Öffentliche AbendveranstaltungModeration: Ralf Hoffrogge (Bochum) Jens Becker (Düsseldorf): Heinrich Brandler – Anmerkungen zum 50. Todestag Mario Keßler (Potsdam / New York): Theodor Bergmann - Kommunistischer Kritiker des Sowjet-Kommunismus (1916-2017) Sektion 3: Osteuropäische AuseinandersetzungenModeration: Uwe Sonnenberg (Berlin) Martina Metzger (Planegg): Die Kontakte der DDR-Dissidenten Robert Havemann und Wolf Biermann zu westeuropäischen linken Zwischengruppen und gleichgesinnten Exilkommunisten in den 1970er bis 1980er Jahren Dirk Mathias Dalberg (Bratislava): Die tschechische „Bewegung der revolutionären Jugend“ und ihre ideologischen Verbindungen zu deutschen linken Zwischengruppen Sektion 4: Biografische Dimensionen in etablierten OrganisationenModeration: Yvonne Robel (Hamburg) Jens Becker (Düsseldorf): "Die Arbeiterbewegung (...) hat sich die große Aufgabe gestellt, unsere Gesellschaftsordnung zu verbessern und umzugestalten." Otto Brenners Politik- und Gewerkschaftsansatz in der frühen Bundesrepublik Philipp Kufferath (Bonn / Köln): Netzwerke, Lernprozesse und Traditionsstiftung. Peter von Oertzen und die Erfahrungswelten der Weimarer Zwischengruppen nach 1945 Sektion 5: Biografische Dimensionen außerhalb etablierter OrganisationenModeration: Mario Keßler (Potsdam / New York) Michael Buckmiller (Hannover): Wolfgang Abendroth - Von der "Freien Sozialistischen Jugend" zur linkssozialistischen Erneuerung in der Bundesrepublik Hartmut Rübner (Berlin): Antiautoritäre Jugend, Freidenkerwiderstand und Heimatlose Linke. Der Grenzgänger Fritz Parlow (1905-1983)

Screenshot der Website des Forschungsprojektes "1989 after 1989"

Tagungsbericht

The Other Globalisers: How the Socialist and the Non-Aligned World Shaped the Rise of Post-War Economic Globalisation

vom 06.07.2017 | bis zum 07.07.2017

Die Konferenz “The Other Globalisers: How the Socialist and the Non-Aligned World Shaped the Rise of Post-War Economic Globalisation” fand vom 6.-7. Juli 2017 in Exeter statt. Ziel der Konferenz war nicht weniger, als das vorherrschende Narrativ der Globalisierung herauszufordern. Dieses tendiert dazu, kapitalistische Staaten als die treibende Kraft der wirtschaftlichen Globalisierungsprozesse zu beurteilen. Dem gegenüber werden socialistische Staaten als die gescheiterten, passiven Elemente gestellt, Diese Darstellung ignoriert jedoch vielseitige Formen transnationaler Vernetzung zwischen sozialistischen und blockfreien Staaten. Die Konferenz “The Other Globalisers” stellte diesem Narrativ die Frage entgegen, inwieweit sozialistische und blockfreie Staaten als Akteure der Globalisierung betrachtet werden sollten und welche Alternativen sie dem globalen Kapitalismus entgegenzusetzen versuchten. In ihrer Konsequenz führen diese Aspekte schließlich zu der Frage, inwieweit eine Anerkennung sozialistischer und blockfreier Staaten nach einer alternativen Geschichtsschreibung verlange – und zu welchem Zeitpunkt diese beginnen müsse.  The story of post-World War II global economic integration is often told as a one of capitalist success and socialist failure, in which non-Western actors appear as the objects rather than the subjects of globalisation. Yet this narrative ignores countless forms of transnational connection and entanglement that emerged out of socialist and non-aligned contexts in the second half of the twentieth century, including circulations of people, goods, expertise, and ideas, as well as the creation of new markets and institutions, many of which survived long past the collapse of the Cold War order. “The Other Globalisers,” invited scholars from three continents and a wide array of disciplinary backgrounds to address this imbalance. Lesen Sie den ausführlichen Tagungsbericht von Johanna Folland bei HSozKult. Conference Overview: Panel 1: Chronologies of Socialist Globalisations Marc-William Palen (University of Exeter) – Marx and Manchester: The Socialist Foundations of Post-1945 Globalisation James Mark (University of Exeter) – Alternative? Socialist? Writing Eastern Europe and the Soviet Union into Postwar Globalisation  Christina Schwenkel (University of California – Riverside) – The Afterlife of Global Socialism: Technology and Mobility in the Postcolony  Discussant: Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) Panel 2: Global Integration Angela Romano (University of Glasgow) – Competing Plans of Pan-European Cooperation: European Community’s Policy and Soviet Proposals During the 1970s Globalization Besnik Pula (Virginia Tech) – From Reform Socialism to Transnational Capitalism: The Political Economy of Foreign Direct Investment in Central and Eastern Europe Discussant: Federico Romero (European University Institute) Panel 3: Global Institutions Without Imperialism Johanna Bockman (George Mason University) – Financial Globalisation Through Socialist and Non-Aligned Banks Max Trecker (Institute for Contemporary History, Berlin) – Globalisation by Import Substitution? The Council for Mutual Economic Assistance (CMEA) and the Global South Vlad Pașca (New Europe College) – Global Advocacy or Self-Interested Relativism? Socialist Romania, International Organizations, and the Quest for Economic Development (1960s-1980s) Ljubica Spaskovska (University of Exeter) – The Non-Aligned, the UN and the Defeat of the ‘New International Economic Order’ Discussant: Richard Toye (University of Exeter) Round Table Discussion Johanna Bockman (George Mason University) Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) Federico Romero (European University Institute) Panel 4: Neoliberalism and the Socialist and Nonaligned Worlds Patrick Neveling (School of Oriental and African Studies) – The New International Division of Labour before the New International Economic Order: Special Economic Zones and Neoliberal Globalisation since 1947 Tobias Rupprecht (University of Exeter) – “Neoliberal” Ideas in the Communist Periphery Discussant: James Mark (Exeter) Panel 5: Africa and Alternative Globalisations Darius A’Zami (Renmin University of China) – Extra-Liberal Interdependence: The Land Commission, Heterodox Globalisation and its Roots in Sino-Tanzanian Relations in the Cold War Theodora Dragostinova (The Ohio State University) – The Second World in the Third: Bulgarian Notions of Economic and Cultural Development in Nigeria, 1976-1982 Pavel Szobi (European University Institute) – Was Angola the “Czechoslovak Africa?” The Obstacles of the ČSSR Support for the MPLA Government Between 1975 and 1992 Discussant: Patrick Neveling (School of Oriental and African Studies) Panel 6: Resources and Experts Ned Richardson-Little (University of Exeter) – East Germany and the Failed Dream of Global Socialist Oil Solidarity Jan Zofka (University of Leipzig) – Coal as the Other Oil: East German Technical Experts and Industrial Expansion in the Socialist World of the 1950s Andrew Kloiber (McMaster University) – Brewing Global Socialism: Coffee, East Germans and the World, 1949-1989 Discussant: Piers Ludlow (LSE) Concluding Discussion

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Tagungsbericht

Faszinosum Revolution. Verheißung oder Bedrohung? Osteuropäische und globale Perspektiven

vom 25.05.2017 | bis zum 27.05.2017

Der 100. Jahrestag der Russischen Revolutionen von 1917 bot der von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Tagung den Anlass, um vom 25. bis zum 27. Mai 2017 in Tübingen über die historische Rolle des Kommunismus, aber auch über die Revolution als einen Modus des beschleunigten und radikalen sozialen Wandels nachzudenken. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Ambivalenz von Befreiung und Unterdrückung. Historikerinnen und Historiker aus zahlreichen Ländern gingen auf der Konferenz zentralen Fragen zum Roten Oktober nach und zeigten neue Forschungsperspektiven auf. Darüber hinaus erörterten sie, wie sich der Umbruch der Jahre 1989/1991 auf das allgemeine Verständnis von Revolution ausgewirkt hat und wie im heutigen Russland Geschichte gedeutet wird. Die Konferenz konnte zeigen, dass die Russischen Revolutionen seit 1917 eine prägende Rolle in der russischen Politik und Gesellschaft spielte. Die Aktualität des politischen Umgangs mit der Erinnerungskultur in Russland stellt die Geschichtswissenschaften erneut vor die Aufgabe, sich mit der Faszinosum Revolution auseinanderzusetzen. Aus Anlass des einhundertsten Jahrestages der Russischen Februar- und Oktoberrevolution von 1917 sowie des 75. Geburtstages von Dietrich Beyrau, der sich in seinen Forschungen seit mehreren Jahrzehnten mit Krieg und Revolution in Russland auseinandersetzt, erörterten HistorikerInnen im Rahmen geschichtswissenschaftliche und erinnerungspolitische Fragen rund um die Aktualität des Faszinosums Revolution. In seiner Einführung verwies KLAUS GESTWA (Tübingen) vor dem Hintergrund des arabischen Frühlings und des ukrainischen Euromajdans auf die Aktualität der Thematik Revolution. Mit dem von Francis Fukuyama prognostizierten „Ende der Geschichte“ sei es keineswegs zum Abschied von der Revolution gekommen. Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Lina Loh bei H-Soz-Kult hier.Konferenzübersicht: EröffnungKlaus Gestwa (Tübingen) Keynote IGerd Koenen (Frankfurt am Main): Der Rote Oktober im Zyklus des europäischen und globalgeschichtlichen „Zeitalters der Revolutionen“ Keynote IIJan Plamper (London): Wie klang Februar, wie roch der Rote Oktober? Zur Sinnesgeschichte der Russischen Revolution Sektion I: Jenseits der MetropolenPavel Shcherbini (Tambov): Die Russische Revolution in der Provinz Igor Narskij (Čeljabinsk): Der Schrecken der Revolution. Reaktionen der Bevölkerung 1917-1921 im Ural. Sektion II: Nach der RevolutionSvetlana Malysheva (Kazan): „Die Macht installiert sich auf dieser Barriere zum Tode“. Die Russische Revolution und die politische Instrumentalisierung des TotenkultsNikolaus Katzer (Moskau): Gesichter und Masken. Russische Schriftsteller in Krieg und Revolution, 1914-1921 Sektion III: Kompliziertes Erinnern: Revolutionsjubiläen in Zeiten politischen WandelsElena Zubkova (Moskau): Das Imaginäre der Revolution: Oktober 1917 in den sowjetischen Spielfilmen – von Eisenstein bis PerestrojkaBoris Kolonickij (St. Petersburg): The Unpredictable Past in an Unpredictable Time. The 100th Anniversary of the Russian Revolution Keynote IIISheila Fitzpatrick (Sydney): Celebrating (or not) the Centenary of the Russian Revolution_ Sektion IV: Umbrüche seit 1989Malte Rolf (Bamberg): Der Umbruch im Baltikum 1989-91Benno Ennker (Radolfzell/ St. Gallen): „Konservative Revolution“ unter Putin -auf dem Weg zu einem neuen Führer-Regime? Podiumsdiskussion: Die Ambivalenzen der Revolution: Gemeinschaftserlebnis, Gewaltraum, ErinnerungsortBenno Ennker (Radolfzell / St. Gallen) / Klaus Gestwa (Tübingen) / Dietrich Beyrau (Tübingen) / Madhavan Palat (Neu Delhi)

Tagungsbericht | Symposium

100 Jahre Gründung der USPD

vom 06.04.2017

Das wissenschaftliche Kolloquium in Gotha beschäftigte sich in zwei Themenblöcken mit der Entstehungsgeschichte der USPD und der Stellung der Partei zwischen "Parlamentarismus und Bolschewismus". Die Beiträge widmeten sich den Beweggründen für eine Abspaltung von der Sozialdemokratie während des Ersten Weltkriegs, der steigenden Radikalisierung der Partei und der Novemberrevolution. Die Referenten setzten besonders bei der Betrachtung der Rätebewegung einen Fokus auf die Städte Berlin und Gotha. Die Betrachtung der USPD und der Spaltung der Arbeiterbewegung ist bisher weder abgeschlossen, noch erscheint sie obsolet. Insbesondere die Fragen nach der Zusammensetzung der Mitglieder der Basis, die Bedeutung der ideologischen und strategischen Differenzen bei der Parteispaltung, die Gründe des Wechsel von der USPD zur KPD, das Zusammenspiel von USPD, Räte, Revolutionären Obleuten und Gewerkschaften, aber auch die Auslotung möglicher Handlungsalternativen der SPD im Zeitraum von 1914 bis 1922, die durch die USPD herausgefordert wurde, vermögen als bisherige Desiderate der Forschung Anstoß zu neuen Betrachtungen auf die Geschichte der Spaltung der Arbeiterbewegung geben. Erste neue Perspektiven auf das Jahr 1917 sollte die Veranstaltung in Gotha liefern. Den vollständigen Tagungsbericht für H-Soz-Kult von Ronny Noak können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:Die Entstehung der USPD im Spannungsfeld von Krieg und FriedenBurgfrieden oder Burgkrieg? Die deutsche Sozialdemokratie im Ersten WeltkriegWolfgang Kruse (Hagen): Zwischen Opposition und Integration. Die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie im Ersten WeltkriegMax Bloch (Köln): Die Burgfriedenspolitik der SPD: Wegmarke der parlamentarischen Demokratie?Stefan Bollinger (Berlin): Staatstragend, revolutionär oder ein dritter Weg? Deutsche Linke im Ersten Weltkrieg zwischen Anpassung und konsequenter KriegsgegnerschaftWege zum Frieden: parlamentarischer Verständigungsfrieden oder revolutionärer Massenstreik?Thilo Scholle (Berlin): Das Gebot der Stunde. Die USPD und die FriedensfrageMarcel Bois (Hamburg): „Krieg dem Kriege“. Spartakusgruppe und Friedensbewegung 1916-1918Walter Mühlhausen (Heidelberg):Die Erosion des Burgfriedens: Die Spaltung der Sozialdemokratie und der Versuch eines parlamentarischen VerständigungsfriedensRevolution oder Reform? Die USPD zwischen Parlamentarismus und BolschewismusWege in die Revolution, Wege in der Revolution: Rätemodell vs. Parlamentarische DemokratieMike Schmeitzner (Dresden): Diktatur als Demokratie? Karl Kautsky und die Perspektiven der MachtBernd Braun (Heidelberg): „Der Geburtstag der deutschen Demokratie“ – Die Regierung Max von Baden als Ausgangs- oder Endpunkt sozialdemokratischer Systemziele?Metropole und Provinz: Revolution und USPD in Berlin und GothaAxel Weipert (Berlin): Eine zweite Revolution durch die Räte? Die USPD-Linke 1919/20Stefan Gerber (Jena): Das „rote“ Gotha in Revolution und Kapp-Putsch: Ereignis und GeschichtspolitikDie USPD zwischen KPD und SPD & AbschlussdiskussionReiner Tosstorff (Mainz): Das Ende der USPD als Massenpartei: zwischen der sich etablierenden parlamentarischen Demokratie und der bolschewistischen RevolutionÖffentliche Abendveranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und des Weimarer Republik e.V.„Vor hundert Jahren: Die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung und die Gründung der USPD in Gotha“Vortrag von Hartfrid Krause (Darmstadt)Anschließend: Diskussion mit Steffen Kachel (Erfurt) und Walter Mühlhausen (Heidelberg)Moderation: Peter Reif-Spirek (Erfurt)

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Tagungsbericht

German Past Futures in the Twentieth Century

vom 23.02.2017 | bis zum 25.02.2017

Die Konferenz am German Historical Institute Washington befasste sich mit dem Verhältnis von Vergangenheitserfahrung und Zukunftserwartung im Deutschland des 20. Jahrhunderts und brachte dabei Historiker und Literaturkritiker zusammen. Zum Einstieg wurden Theorie und Methodik von Zukunftskonzepten in der deutschsprachigen Literatur vor 1914 und in der zeitgenössischen Geschichtsforschung erörtert. Reinhart Kosellecks historische Kategorien des „Erfahrungsraumes“ und des „Erwartungshorizontes“ bildeten hier den gemeinsamen Bezugspunkt. In den folgenden Diskussionen wurden die Begriffe weiterentwickelt. Das zweite Panel der Tagung widmete sich der Weimarer Republik und dem Dritten Reich und der „Literatur der Gefahr“, die sich hier herausbildete (Kafka, Döblin). Die Schwerpunkte der beiden darauffolgenden Panels lagen auf Utopien und Dystopien in der Literatur der DDR und auf Zukunftsangst in der Bundesrepublik im Zeitalter des Kalten Krieges. Anschließend wurden die Zukunftserwartungen des „akademischen Proletariats“, der Linken und innerhalb der Punk-Szene im Westdeutschland der 70-er und 80-er-Jahre untersucht. Die Konklusion der Abschlussdiskussion lag in der Notwendigkeit, Vergangenheitsreflektion und Zukunftserwartungen zusammenzudenken. The conference, which was generously supported by the Fritz Thyssen Stiftung (Cologne), dealt with the relationship between experiences of the past and anticipations of the future in Germany in the twentieth century. It aimed to adopt an interdisciplinary approach that sought to bring together historians and literary critics. On this basis, the first panel discussed broader conceptual and theoretical issues of writing the history of past futures. Literary scholar ALEXANDER HONOLD (Basel) gave the first presentation on “Yesterday’s Tomorrow: Modern Literature as Time Machine.” In his wide-ranging talk, Honold drew on Robert Musil, Thomas Mann and Franz Kafka to demonstrate how futures proliferated in the literary imagination before 1914. Relying on, but also transcending Reinhart Koselleck’s seminal contributions (especially his twin notions of the “space of experiences” and “horizon of expectations”), Honold depicted futures as highly contingent entities in the work of these novelists. They also tended to either accelerate or slow down temporal perceptions. In his suggestively entitled paper “Ignorance is Bliss. The Pluralization of Modes to Generate the Future as a Challenge to Contemporary History,” historian RÜDIGER GRAF (Potsdam) analyzed how historical syntheses of contemporary history approached the problem of an open and uncertain future. Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Arnd Bauerkämper, Frank Biess und Kai Evers bei H-Soz-Kult. Konferenzübersicht: Welcome and Introduction Simone Lässig (German Historical Institute) / Anne Schenderlein (German Historical Institute) / Arnd Bauerkämper (Freie Universität Berlin) / Frank Biess (University of California, San Diego) / Kai Evers (University of California, Irvine) Panel 1: Theory and MethodologyChair: Kai Evers (UC, Irvine) Alexander Honold (Universität Basel): Yesterday's tomorrows. Modern Literature as a Time MachineRüdiger Graf (ZZF Potsdam/Universität Bochum): Ignorance Is Bliss. The Pluralization of Modes to Generate the Future as a Challenge to Contemporary HistoryArnd Bauerkämper (FU Berlin): Contingency and Cultures of Security: Concepts for Investigations of Twentieth-Century German History Panel 2: Futures of the Weimar Republic and Nazi GermanyChair: Anne Schenderlein (GHI) Kai Evers (UC, Irvine): Strategies of anticipating multiple futures in modernist literature: Next war scenarios in the works of Döblin and KafkaAdelheid Voskuhl (University of Pennsylvania): Philosophy of technology and visions of the future (and the past) in engineers’ class struggle in the Second Industrial Revolution (1900 to 1930)David Jünger (Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg/FU Berlin): The shattered consistency of time. Future prospects of German Jews and their emigration from Germany between 1929 and 1939 Panel 3: Socialist Futures in East Germany (1949-1990)Chair: Richard Wetzell (GHI) Colleen Anderson (Harvard University): The Future in East and West German Political Posters, 1949-1954Wolfgang Bialas (IES Berlin): Science fiction struggling with East German past futuresPhilipp Ebert (University of Cambridge): Imagining transitional justice in a future reunited Germany. Conceptions of how to deal with socialist injustice in West Germany, 1961-1989 Panel 4: West German FuturesChair: Elisabeth Engel (GHI) Pierre-Frédéric Weber (University of Szczecin): ‘Self-limitation’. The FRG's past escape from frightful futures (1949-1990)Frank Biess (UC, San Diego): The Past as a Source of Anxiety: The 1960s as Crisis DecadeJennifer Allen (Yale University): Reclaiming Utopia in Late-Twentieth-Century Germany Panel 5: Social Conflicts and Cultural MilieusChair: Frank Biess (UC, San Diego) Sindy Duong (FU Berlin): ‘Timeless Bugaboo of the Chicken-Hearted’ or ‘Fuel for Future Social Conflict’? Envisioning, Measuring, and Debating the ‘Academic Proletariat’ in West Germany in the 1970s and 1980sJoachim C. Häberlen (University of Warwick): The Future of the Self: Dystopias and Utopias about the Self in the Alternative Left around 1980Jeff Hayton (Wichita State University): Paranoid Futures, Reoccurring Pasts: 1984 and 1933 in the West German Punk Imaginary Panel 6: Utopias and the Past in 20th Century GermanyChair: Arnd Bauerkämper (FU Berlin) Anna Pollmann (Berlin): Remainders of apocalyptic experience. Günther Anders and the fragments of the 20th centuryTerence Renaud (Yale University): Crisis Theory and Futurology in the 1940sElke Seefried (IfZ Munich / Universität Augsburg): Shaping the Future. A Short History of Futures Studies since 1945 Concluding Discussion

Tagungsbericht

Der Hass auf den Westen – Kommunismus, Nationalsozialismus, Islamismus

vom 22.11.2016

Die Konrad-Adenauer Stiftung und die Gedenkstätte Hohenschönhausen luden zum 9. Hohenschönhausen-Forum Experten ein, um in vergleichender Perspektive antiwestliche Ressentiments im Islamismus, Nationalsozialismus und Kommunismus zu diskutieren. Die Tagung folgte einem klar totalitarismustheoretischem Ansatz und versuchte den Islamismus in dieses Konzept zu integrieren. In mehreren Panels wurde auf die Gemeinsamkeiten von "linker" und "rechter" Ideologie hingewiesen. Sie hätten antikapitalistische und antiwestliche Tendenzen. Somit ergründeten die Referierenden in den Panels die Herkunft und Wirkmächtigkeit antiwestlicher Ressentiments in diesen drei extremen Ideologien. BASSAM TIBI (Göttingen) legte in seinem Einführungsvortrag den Schwerpunkt auf den Islamismus und dessen Unvereinbarkeit mit den westlichen Werten. Wie Horkheimer sehe er den Westen als „eine Insel der Freiheit in einem Ozean der Gewaltherrschaft". Tibi unterstützte Hannah Arendt, die 1951 den Nationalsozialismus und Stalinismus miteinander verglich und als ähnlich gefährlich einstufte. Laut Tibi sei der Islamismus mit all seinen Facetten heute die dritte große Gefahr für die Freiheit. Abschließend warnte er vor einer Verknüpfung von Religion und Politik. Verhalten, das die Freiheit der Menschen in Gefahr bringt, dürfe nicht unter dem Schutzmantel der Religionsfreiheit toleriert werden. Den ausführlichen Tagungsbericht für H-Soz-Kult von André Kockisch können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:BegrüßungHubertus Knabe (Berlin) / Andreas Kleine-Kraneburg (Berlin)Bassam Tibi (Göttingen): Feindbild Westen oder Die Angst vor der FreiheitPanel I: KommunismusKlaus Schroeder (Berlin): „Der kapitalistische Klassenfeind“ – Der Westen als Feindbild der SEDWolfgang Kraushaar (Hamburg): Anti-Amerikanismus in der 68er-Bewegung – Das Beispiel Horst MahlerEckhard Jesse (Chemnitz): Antiwestliche Ressentiments bei Linken und AfD – Aktuelle Strategien der gesellschaftlichen AbgrenzungBoris Reitschuster (Berlin): Zwischen Verachtung und Bewunderung – Der Umgang mit dem Westen in Putins RusslandModeration: Norbert Seitz (Berlin)Panel II: NationalsozialismusAndreas Nachama (Berlin): Antiamerikanismus, Antikapitalismus – Staatliche Propaganda im NationalsozialismusJoachim Scholtyseck (Bonn): Juden, Neger, Kapitalisten – Hass als Mittel der PropagandaRichard Herzinger (Berlin): Antiwestliche Reflexe – Rechtspopulismus heuteManfred Görtemaker (Potsdam): Front gegen den Westen – Die nationalsozialistische AußenpolitikModeration: Helmuth Frauendorfer (Berlin)Panel III: IslamismusBarbara Zehnpfennig (Passau): Der Kampf gegen die Ungläubigen – Der Westen im Visier des DjihadKristina Schröder (Berlin): Und es hat doch mit dem Islam zu tun – Die Integration von Muslimen in DeutschlandRudolf van Hüllen (Krefeld): Ausprägungen antiwestlicher Aversionen bei Muslimen – Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Rechts- und LinksextremismusModeration: Ingo Kahle (Berlin)ResümeeRita Schorpp (Berlin)

Tagungsbericht | Podiumsgespräch

„Woran glauben wir und gegen wen kämpfen wir?“ Gewalt im Osteuropäischen Bürgerkrieg, 1918–1921

vom 20.09.2016 | bis zum 23.09.2016

Die von Joachim von Puttkamer geleitete Sektion auf dem Historikertag 2016 an der Universität Hamburg untersuchte Strukturen, Akteure und konkrete Situationen von Gewalt im osteuropäischen Bürgerkrieg nach dem Ersten Weltkrieg. Thematisiert wurden die Bürgerkriegsparteien, die Gewalträume, politische Rahmenbedingungen und ethnische Spannungen, individuelle Lebensläufe und kollektive Milieus sowie das Verhältnis zwischen Militär und Zivilbevölkerung. Räumliche, zeitliche und ideologische Grenzziehungen wurden dabei hinterfragt und zum Teil zugunsten einer Darstellung von Kontinuitäten, Gleichzeitigkeiten und Durchlässigkeiten aufgegeben. Die Vortragenden und Kommentatoren kamen zu dem Schluss, dass nur interdisziplinäre sowie vergleichende und transnationale Ansätze diesem komplexen Geschehen gerecht werden können. Zur Erklärung von Gewalt bieten Disziplinen von der Soziologie über die Psychologie bis hin zur Anthropologie und Historiografie diverse Modelle an. In ihnen kommen Strukturen, konkreten situativen Konstellationen und Akteuren verschiedenes Gewicht zu. Mit Blick auf die Handelnden selbst werden individuelle bzw. kollektive Antriebskräfte etwa von ideologischen Motiven bis zu gruppendynamischen Prozessen in unterschiedlichem Maß gewichtet. Dass nur interdisziplinäre Bemühungen zu einem möglichst genauen Verständnis der Gewalt im osteuropäischen Bürgerkrieg nach dem Ersten Weltkrieg führen, dies war ein Ergebnis der Vorträge, Diskussionen und Kommentare der Sektion. Die Gesamtveranstaltung unterstrich dabei auch, dass in der historischen Forschung selbst komparative und transnationale Zugriffe vonnöten sind, um zu tieferen Einsichten in das komplexe, dramatische Gewaltgeschehen im Osteuropa der vermeintlichen Nachkriegszeit zu gelangen. Den ausführlichen Tagungsbericht von Andreas Hilger für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Sektionsübersicht: Sektionsleitung: Joachim von Puttkamer (Jena) Włodzimierz Borodziej (Warschau / Jena) / Maciej Górny (Warschau): Einleitung: Der Krieg nach dem Kriege – Politische Visionen und Gewalt im Osteuropäischen Bürgerkrieg Robert Gerwarth (Dublin): Zwischen Restauration und Faschismus. Rechte paramilitärische Gewalt nach dem Ersten Weltkrieg Jochen Böhler (Jena): Jenseits von Nationalstaat und Revolution. Gesinnung und Gewalt regulärer Streitkräfte gegen Zivilisten in Ostmitteleuropa, 1918–1921 Christopher Gilley (Hamburg): Glaube an den allukrainischen/allrussischen Aufstand. Narrative der Verzweiflung im Russischen Bürgerkrieg Patrick Houlihan (Chicago): Katholizismus und der Große Krieg. Religion und Alltag in Ostmitteleuropa nach dem Ersten Weltkrieg Wolfgang Knöbl (Hamburg) / Jörn Leonhard (Freiburg): Kommentar: Gesinnung und Gewalt im Osteuropäischen Bürgerkrieg Joachim von Puttkammer (Jena): Moderation

Tagungsbericht | Workshop

Ost-West-Konflikt im europäischen Kommunismus. Internationaler Workshop anlässlich des 40. Jahrestags der letzten europäischen Kommunistenkonferenz in Ost-Berlin 1976

vom 23.06.2016 | bis zum 24.06.2016

Anlässlich des 40. Jahrestags der „Konferenz kommunistischer und Arbeiterparteien Europas“ in Ost-Berlin 1976 fand im Centre Marc Bloch in Berlin ein internationaler Workshop statt, auf dem über den Stand und neue Perspektiven der Forschung diskutiert wurde. Die Geschichte der kommunistischen Großkonferenzen, die Zusammenkunft von 1976 selbst sowie ihre Verortung in der Globalgeschichte der 1970er-Jahre standen im Mittelpunkt der Vorträge. Welche Rollen die west- und osteuropäischen kommunistischen Parteien jeweils einnahmen und welche Identitätskonflikte auftraten, war ebenfalls Thema. Darüber hinaus debattierten die elf aus ganz Europa stammenden Historiker über die Wahrnehmung der Konferenz von 1976 durch die Regierungen in Ost und West sowie über die Reaktionen von Dissidenten wie Robert Havemann und Rudolf Bahro. In derselben Stadt, in der sich vor 40 Jahren die kommunistischen Parteien Europas zu ihrer letzten gemeinsamen Konferenz trafen, kamen am 23. und 24. Juni 2016 elf europäische Historikerinnen und Historiker zu einem internationalen Workshop zusammen, um eben jene Konferenz zu beleuchten. Unter dem Titel „Ost-West-Konflikt im europäischen Kommunismus“ befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der gemeinsam vom Centre Marc Bloch, dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, dem INZ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgerichteten Veranstaltung insbesondere mit den unterschiedlichen Perspektiven auf die „Konferenz kommunistischer und Arbeiterparteien Europas“, die am 29./30. Juni 1976 in Ost-Berlin stattfand. Ihr Analyseansatz war dabei, wie THOMAS LINDENBERGER (ZZF Potsdam) in seiner Begrüßung betonte, ein ganzheitlicher, der die Kommunismusgeschichte gesamteuropäisch erfassen sollte. Den ausführlichen Tagungsbericht von Helena Imenkämper für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Begrüßung Thomas Lindenberger (ZZF Potsdam)Nikolas Dörr (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)Emmanuel Droit (Centre Marc Bloch Berlin) Panel 1: Die Ostberliner Konferenz im Zeitalter des Kalten KriegesChair: Thomas Lindenberger (ZZF Potsdam) Maximilian Graf (Universität Wien): Die Geschichte kommunistischer GroßkonferenzenNikolas Dörr (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur): „A damage limiting operation“ – Die 1976er-Konferenz in der Analyse von westlichen Nachrichtendiensten und Parteien Panel 2: Die westeuropäischen KPs und die Herausforderung der AutonomieChair: Emmanuel Droit (Centre Marc Bloch) Francesco Di Palma (FU Berlin): Mittler zwischen den Blöcken? Der italienische und der französische Kommunismus in den 1970er JahrenCarla Reitter (Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität, Frankfurt/Main): Der. 22. Parteitag des PCF 1976 – ein Kongress im Zeichen des Eurokommunismus? Panel 3: Der Ostblock: Zwischen Einheit und DiversitätChair: Nikolas Dörr (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) Karlo Ruzicic-Kessler (Wien): Teilnehmen oder nicht? Der Bund der Kommunisten Jugoslawiens und die Berliner Konferenz 1976Gábor Szilágyi (Amt des Nationalen Gedächtnis-Komitees, Budapest): „Herrgott noch mal, dann soll es blau-weiß-rot sein, […] wenn’s nur ein Sozialismus ist!” – Die USAP und die Berliner Konferenz 1976Tom Junes (Human and Social Studies Foundation Sofia): From Kite-flying to Attack Dog: The Bulgarian Communist Party and the 1976 Conference of Communist and Workers Parties in EuropeMiroslav Šepták (Nationalarchiv Prag): Die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei und die Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien Europas im Jahr 1976 Panel 4: Die Reaktion von Dissidenten auf die KonferenzChair: Emmanuel Droit (Centre Marc Bloch) Martina Metzger (Martinsried): Die letzte europäische Kommunistenkonferenz 1976 und ihre Auswirkungen auf die Dissidenten in der DDR: Reaktionen von Robert Havemann und Rudolf BahroMaximilian Graf (Universität Wien): Westeuropäische Dissidenz: Das Beispiel Franz Marek Abschlussbemerkungen Thomas Lindenberger (ZZF Potsdam)

Tagungsbericht | Workshop

Suppressed Historiography – Erased Memory? The Perception of the Shoah in East Central Europe during Socialist Rule

vom 30.11.2015 | bis zum 01.12.2015

Der Workshop versammelte 20 Geschichts-, Kultur- Sprach-, und Sozialwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen, die die Wahrnehmungen der Shoah in verschiedenen sozialistischen Ländern untersucht haben. Dabei wurden bisher vernachlässigte historische Akteure sowie die sich wandelnden politischen und sozialen Grenzen berücksichtigt, die die Perzeptionen prägten und zu spezifischen dynamischen Prozessen machten. Auch der transnationale Vergleich war damit möglich. Thematisiert wurden u. a. die sozialistische Historiographie zur Shoah, die jüdische und nicht-jüdische Erinnerung, die Rolle von Zeitzeugen im sozialistischen Gedenken sowie Repräsentationen der Shoah in Film und Literatur. Ein Fazit der Teilnehmenden war, dass sich der Workshop weniger mit der Wahrnehmung, sondern vielmehr mit der Repräsentation der Shoah auseinandersetzte, weil diese wissenschaftlich besser zu erschließen und zu dekonstruieren sei. Der Workshop „Suppressed Historiography – Erased Memory? The Perception of the Shoah in East Central Europe during Socialist Rule“ trat an, um Fragen historischer Forschung an die Wahrnehmung der Shoah in den sozialistischen Staaten multiperspektivisch aufzufächern und in Feldern wie Historiographie, politische Instrumentalisierung, öffentliche Debatten oder Kunst- und Literaturbetrieb nach Antworten und Verflechtungen zu suchen. In Halle trafen sich Ende November über 20 Forscherinnen und Forscher der Geschichts-, Kultur- Sprach-, und Sozialwissenschaften, um den Blick auf vernachlässigte historische Akteure und Prozesse zu lenken, die an der Gestaltung dieser Wahrnehmung mitwirkten. Die Beiträge setzten sich zum Ziel, die Perzeption der Shoah als dynamischen Prozess innerhalb sich wandelnder politischer und sozialer Grenzen zu begreifen, und dabei transnationale Vergleiche anzuregen. Den ausführlichen Tagungsbericht von Julia Röttjer für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Yvonne Kleinmann (Aleksander Brückner Center, Halle); Magdalena Sedlická (Jewish Museum in Prague) – Welcome Stephan Stach – Introducing Remarks Panel 1: Socialist Shoah HistoriographyChair: Katrin Steffen (Lüneburg) Gabriel N. Finder (Charlottesville): Ber Marks' Odyssey from Regime Historian to Bona Fide HistorianEstera Flieger (Łódź): Arthur Eisenbach as the Polish Shoah HistorianPeter Hallama (Strasbourg): True to the Socialist Ideology? Miroslav Kárný and Czech Shoah Research in the 1970s and 1980s Panel 2: Shoah Remembrance in the Jewish & non-Jewish SphereChair: Audrey Kichelewski (Strasbourg) Miriam Schulz (New York): Shoah Commemoration within the Yiddish Community. The Case of „Sovyetish Heymland"Katarzyna Person (Warsaw): Postwar Remembrance and the Ringelblum Archive (1946–1952)Joanna Nalewajko-Kulikov (Warsaw): Editing the Shoah for Polish Masses. A Case Study in the History of Polish (and Jewish) Censorship Panel 3: Eye Witnesses & their Role in Socialist CommemorationChair: András Lénárt (Budapest) Kata Bohus (Göttingen): Anne and Éva. The Janus-Faced Memory of the Holocaust in Communist HungaryHannah Maischein (Munich): Forgetting and Forgotten Eye-Witnesses? Polish Pictures of the Polish-Jewish Relation during the WarJakub Mlynář (Prague): Between Remembrance and Indifference. Reflection of the Shoah during the Post-War Period as Narrated by the Czech Survivors Panel 4: Discourses around the ShoahChair: Stephan Stach (Halle) Alexander Walther (Jena): Beyond Anti-Fascism: The Shoah, the GDR, and the (non-HistoriansTomasz Żukowski (Warsaw): A Model of Culture Transcending Political Divisions: Discourse on the Righteous in the Communist Poland of the 1960sRichard S. Esbenshade (Urbana-Champaign): Hungarian Holocaust Memory, 1945–1975. The Gap that Wasn’t Panel 5: Socialist Shoah Memorials & Jewish Sites of MemoryChair: Magdalena Sedlická (Prague) Imke Hansen (Uppsala): When Auschwitz was not Holocaust yet. The Jewish Community in Poland, the Memorial of Auschwitz-Birkenau and the Emergence of a SymbolYechiel Weizman (Haifa): Remembering through the Ruins. Jewish Sites in Communist Poland and the Memory of the ShoahGintarė Malinauskaitė (Berlin): Shoah Narratives in Soviet Lithuania. The Case of the 9th Forth Museum in Kaunas Panel 6: Representations of the Shoah in Literature and FilmsChair: Michael Zok (Warsaw) Michala Lônčíková (Bratislava): Facing the Trauma. Artistic Reflection of the Cohabitation of the Jewish Minority and Slovak Majority during the Shoah[Beitrag verlesen:] Aránzazu Calderón Puerta (Warsaw): Attempted Critique of Dominant Models of Shoah Narratives. Polish Cinema of the 1950s and the 1960sAnja Tippner (Hamburg): Conflicting Memories, Conflicting Stories. Fictionalizing the Shoah in Rybakov’s Novel „Tyazhelyi Pesok“ (Heavy Sand) Concluding PanelChair: Stephan Stach (Halle)Discutants: Audrey Kichelewski (Strasbourg), András Lénárt (Budapest)