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Screenshot der Website zur Konferenz "Blick ins Ungewisse. Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum 1917 und danach"

Tagungsbericht

Blick ins Ungewisse. Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum 1917 und danach

vom 10.05.2017 | bis zum 12.05.2017

Die Tagung "Blick ins Ungewisse. Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum 1917 und danach" stellte die zum Ende des Ersten Weltkriegs und unmittelbar danach entwickelten politischen und gesellschaftlichen Ideen, Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum vergleichend vor. Es wurde nach Konzepten gefragt, wie sie sich im politischen und gesellschaftlichen Diskurs, in der Publizistik und in der Literatur sowie in der Geschichtsschreibung abzeichnen. Anhand von thematischen Schwerpunkten wurde die heute in den Meistererzählungen mitteleuropäischer Staaten postulierte Unumgänglichkeit der nationalen Neuordnung Europas nach dem Ende der Donaumonarchie hinterfragt und neu beurteilt.An der vom IKGS, der Abteilung für Germanistik und der Abteilung für Übersetzen der Philosophischen Fakultät in Ljubljana organisierten internationalen Konferenz "Blick ins Ungewisse. Visionen und Utopien im Donau-Karpaten-Raum 1917 und danach" diskutierten Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Disziplinen (Literaturwissenschaft, Geschichte, Kirchengeschichte) und Ländern (Deutschland, Kroatien, Republik Moldau, Nordirland, Österreich, Rumänien, Slowenien, Ukraine, Ungarn) über politische, religiöse, geschichtliche, kulturelle und literarische Gemengelagen, Ereignisse und Visionen der Zeit, die sich vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs ausgebildet hatten. Leitmotiv und Themenfokus der zweitägigen Tagung war das weitgreifende Gefühl des Ungewissen, das alle besprochenen Bereiche während und insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg geprägt hatte. Den ausführlichen Tagungsbericht von Mateja Gaber für H-Soz-Kult finden Sie hier. Konferenzübersicht: Begrüßung und Einführung Branka Kalenić Ramšak (Dekanin der Philosophischen Fakultät, Universität Ljubljana)Špela Virant (Institutsleiterin der Abteilung für Germanistik mit Nederlandistik und Skandinavistik, Universität Ljubljana)Mira Miladinović Zalaznik / Irena Samide / Tanja Žigon (Philosophische Fakultät, Universität Ljubljana)Florian Kührer-Wielach (Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München) Keynote (I)Moderation: Florian Kührer-Wielach (München) Clemens Ruthner (Dublin): »Versuchsstationen des Weltuntergangs«. Apokalyptische Szenarios in der deutschsprachigen Fantastik vor und nach dem Ersten Weltkrieg (dt.) Visionen des KriegesModeration: Irena Samide (Ljubljana) Milka Car (Zagreb): Die Utopien und Freiheitsprojektionen in der Novellensammlung Der kroatische Gott Mars von Miroslav Krleža (dt.)Éamonn Ó Ciardha (Derry): Arthur Griffith, Sinn Féin und The Resurrection of Hungary: Irland und Ungarn: vergleichender, imperialer Kontext (eng.) Zwischen Wirklichkeit und UtopieModeration: Peter Becher (München) Anja Urekar Osvald (Maribor): Vom »Michel«, der »Tante Germania« und dem »Nibelungenland« – Visionen und Utopien in der historischen deutschen Presse aus der Untersteiermark und ihr Wandel (1900–1917) (dt.)Johann Georg Lughofer (Ljubljana): Eine »Reise durchs Heanzenland« mit Joseph Roth (dt.) Politische Visionen und Utopien (I)Moderation: Elvis Orbanić (Pazin) Gorazd Bajc (Maribor / Triest): Britische Sachkundige in ihren Analysen des Pulverfasses an der Oberen Adria, 1916–1919 (slo.)Ljubinka Toševa Karpowicz (Rijeka): Der Staat Fiume – der italienische Nationalrat (23. November 1918 – 16. September 1920) (eng.)Csaba Zahorán (Budapest): Utopien im Schatten der Katastrophe. Die Idee der Selbstbestimmung der Szekler nach dem Fall von Österreich-Ungarn (eng.) Politische Visionen und Utopien (II)Moderation: Rok Stergar (Ljubljana) Andrei Cuşco (Chișinău): Gescheiterter Versuch? Bessarabische Eliten zwischen Autonomie, Föderalismus und Nationalismus (1917–1918) (eng.)Nataliya Nechayeva-Yuriychuk (Černivci): Die Rolle der nationalen Identität bei der Staatenbildung am Beispiel der Huzulischen Republik (eng.)Rudolf Gräf (Cluj-Napoca): Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Versuche, das Banat politisch neuzugestalten (dt.) Keynote (II)Moderation: Mira Miladinović Zalaznik (Ljubljana) France Martin Dolinar (Ljubljana): Zwischen den Erwartungen und politischer Realität. Die Bischöfe der Kirchenprovinz Görz während des Ersten Weltkrieges und danach (slo.) Kirchliche Visionen innerhalb und außerhalb neuer StaatsgrenzenModeration: Angela Ilić, München Pál Lackner (Budapest): »Vom Bruder zu Nachbarn – geht’s auch umgekehrt?« Das Verhältnis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn zu ihren ehemaligen Teilen (dt.)Oleh Turiy (Lviv): Zwischen ekklesialer Identität, nationalem Engagement und politischer Loyalität. Kirchliche Strukturen unierter Ruthenen nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie (dt.)Heiner Grunert (München): »Zeichen unserer Befreiung, Vereinigung und Auferstehung.« Visionen und Geschichtskonzepte der serbischen Orthodoxie am Ende des Großen Krieges (dt.) Das Reformationsjubiläumsjahr 1917Moderation: Angela Ilić (München) Botond Kertész (Budapest): Krieg und Feier – Das 400. Reformationsjubiläum in Ungarn (dt.)Lajos Szász (Budapest / Leipzig): Das Reformationsjubiläum in Ungarn und Siebenbürgen im Jahr 1917: Konzepte und Pläne für die Zukunft (dt.)Tanja Žigon (Ljubljana): Das Jahr 1917 in den »slowenischen« Gebieten in Österreich-Ungarn im Hinblick auf den 400. Jahrestag der Reformation (dt.) AbschlussdiskussionAngela Ilić, IKGS München, Stellvertreterin des Direktors

Flyer der Konferenz

Tagungsbericht

Communist Homosexuality 1945–1989

vom 02.02.2017 | bis zum 03.02.2017

Die internationale Tagung in Paris beschäftigte sich mit dem Topos Homosexualität in den sowjetkommunistischen Staaten. Anliegen der Konferenz war es besonders auf die verschiedenen Ausprägungen in den einzelnen Staaten des Ostblocks hinzuweisen, um so das Bild vom homophoben Osten und dem liberalen Westen zu dekonstruieren. Methodische Fragen nach Quellenkritik, die Erinnerung an Homosexualität in den ehemals kommunistischen Staaten, wie auch die Rezeption von HIV fanden ebenso Eingang in die Diksussionen. Die wissenschaftliche Konferenz bot ein buntes künstlerisches Rahmenprogramm, welches sich kritisch mit kommunistischer Homosexualität auseinandersetzte. Kommunistische Homosexualität. Kommunistische Homosexualität? Schon das Konferenzthema lässt beim Lesen im Kopf zwangsläufig ein großes Fragezeichen entstehen. Galten doch Homosexuelle in den sozialistischen Staaten Ost- und Mitteleuropas als Außenseiter in klassischen Wortsinn: im besten Fall als schrullige Reste der bürgerlichen Dekadenz schief angeschaut, im schlimmsten aber häufigsten Fall staatlichen, polizeilichen und geheimdienstlichen Repressalien ausgesetzt. Kaum eine Bevölkerungsgruppe scheint in größerem Widerspruch zum Ideal der propagierten neuen sozialistischen Gesellschaft gestanden zu haben, wie die Schwulen und Lesben. Der gewählte Konferenztitel war somit auch eine Provokation, die mit dem Widerspruch zwischen dem repressiven Staatssozialismus und der nach kleinen Freiheiten strebenden „queeren“ Szene spielt. Die Veranstalter Jerome Bazin, Mathieu Lericq und Arthur Clech haben Historiker, Soziologen und nicht zuletzt Künstler eingeladen und so ein breites Spektrum an Themen aus fast allen alten und neuen ost- und mittelosteuropäischen Ländern beleuchtet. Den Tagungsbericht von Klaus Storkmann für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:Arthur Clech (EHESS Paris) / Mathieu Lericq (Aix-en-Provence / Marseille): Introductory remarksPanel I: Ex-Centering Sexualities: Changing Fields of ResearchPanel chair: Florence Tamagne (Université Lille 3)Discussant: Arthur Clech (EHESS Paris)Łukasz Szulc (University of Antwerp): Homosexuality in Eastern Bloc Countries in the 1980s in a Comparative PerspectiveAnita Kurimay (Bryn Mawr College): Practicing and Imagining Homosexuality in Late Socialist HungaryVojin Saša Vukadinović (University of Zürich): A different kind of communist love. A case study on same-sex desire in the Red Army Faction and the G.D.R.Galina Zelenina (Russian State University for the Humanities, Moscou): Late Soviet Jews and homosexuals: “older” minority and “younger” minority in internal discourse
Thibault Boulvain (Université Paris 1 – Panthéon Sorbonne): The AIDS epidemic didn’t stop at the borders of the Iron CurtainKeynote (1):Dan Healey (University of Oxford): How to Write the History of Communist Homosexuality: Historical Time, Geopolitics, and Queer Memory in the Former Soviet UnionPanel II — Homosexualities under control : legal and medical shapesPanel chair: Éric Fassin (Université Paris 8)Discussant: Roman Krakovsky (Labex TEPSIS, EHESS)Franko Dota (University of Zagreb): A «Queer» Communist Idea: The Failed Post-Revolutionary Attempt to Decriminalize Homosexuality in Socialist YugoslaviaJan Seidl (Society for Queer Memory, Prague): Did the decriminalization of homosexuality in Czechoslovakia in 1961 actually take place?Uladzimir Valodzin (Maksim Bahdanovič Literary Museum, Minsk): Criminal persecution of male homosexuals in late Soviet Union (1950s-1991): discourses and figuresAgnès Chetaille (EHESS): Between repression and incitement: state control and emergence of homosexual groups in Poland in the 1980s
Irina Costache (Central European University): Je est un autre: Homosexuality, Confession and the Politics of Abnormality in Ceausescu’s RomaniaKeynote (2):Judit Takács (Hungarian Academy of Sciences): Disciplining Gender and Homosexuality in State Socialist HungaryPanel III: Between non-normative and normative everyday livesPanel chair: Hadley Zaun Renkin (Central European University, Budapest)Discussant: Jérôme Bazin (Université Paris-Est Créteil)Francesca Stella (University of Glasgow): Rethinking communist homosexualities through everyday experiences: insights from a study on ‘lesbian’ lives in Soviet RussiaMaria Bühner (University of Leipzig):Insights in the changing (self-)understandings of lesbians in East Germany during the 1980s
Alisa Zhabenko (University of Helsinki): Motherhood culture of the “last Soviet generation” women with same-sex sexual desireWojciech Śmieja (University of Upper Silesia, Katowice): The captive (homosexual) minds. On being a writer and a homosexual in communist PolandPanel IV: Exposed intimacies: in search of a public and poetical presencePanel chair: Dina Iordanova (University of St Andrews)Discussant: Mathieu Lericq (Aix-Marseille Université)Sanja Lazarević Radak (University of Belgrade): Non-Aligned Yugoslavia and ‘In-between’ Subjects’. Filming Homosexuality In The Yugoslav Black Wave (1967-1971)Kevin Moss (Middlebury College): Traitors, Secrets, Spies, and Dissidents. Gay and Lesbian Characters in Two Classic Hungarian Films of the 80sTim Veith (University of Siegen): Pictures of homosexual life during communism in Poland in non-heterosexual magazines across EuropeMateusz Chmurski (Université Paris-Sorbonne): Encircling the void? Body (and discourse) distortions in the Central-European gay proseArticulated discussion between the artist Jaanus Samma and the reseacher Uku Lember (Université de Tallinn, Université d’Uppsala)Closing remarks by Jérôme Bazin and general discussion

Logo des Imre Kertész Kolleg Jena, http://www.imre-kertesz-kolleg.uni-jena.de/index.php?id=7

Tagungsbericht | Workshop

Die Anziehungskraft von Totalitarismus. Die Ursprünge, Bedeutungen und politischen Zyklen eines Konzeptes in Zentral- und Osteuropa

vom 06.10.2016 | bis zum 08.10.2016

Das Imre Kertész Kolleg der Friedrich-Schiller-Universität Jena veranstaltete im Oktober 2016 einen Workshop zur Begriffsgeschichte des Totalitarismus. In den vier Panels wurden verschiedene Rezeptionen des Begriffs diskutiert. Das erste Panel beschäftigte sich mit frühen Konzepten des Totalitarismus in den 1920er-Jahren. In der zweiten Sektion beleuchteten Experten verschiedene Sinnwandlungen in der Entstalinisierung, bevor der dritte Themenblock die Rolle des Begriffes für die ost- und zentraleuropäischen Oppositionsgruppen untersuchte. Einen Ausblick in semantische Wandlungen des Totalitarismusbegriffs im Postsozialismus unternahm das abschließende vierte Panel. Der Totalitarismusbegriff durchlief seit seinem Aufkommen in den 1920er-Jahren in Italien zahlreiche Bedeutungswandel und ist bis heute nicht eindeutig definiert. Die Geschichte dieses Wandels und die Erscheinungsformen des Begriffs standen im Mittelpunkt des in Jena durchgeführten Workshops: „Die Anziehungskraft von Totalitarismus. Die Ursprünge, Bedeutungen und politischen Zyklen eines Konzeptes in Zentral- und Osteuropa“. Zur Einführung verwiesen JOACHIM VON PUTTKAMER (Jena) und MICHAL KOPEČEK (Jena / Prag) auf die unterschiedlichen Vorstellungen, die mit diesem Begriff in Ost- und Westeuropa verbunden werden. Zugleich tauche das Konzept des Totalitarismus immer wieder in der Öffentlichkeit auf. Im Workshop ginge es entsprechend nicht darum, die Richtigkeit des Konzepts zu prüfen, sondern sein Erscheinen zu analysieren. Den ausführlichen Tagungsbericht für die Webseite H-Soz-Kult von Cornelia Bruhn und Klara Muhle können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:WELCOME ADDRESSJoachim von Puttkamer (Jena), Michal Kopeček (Jena)PUBLIC LECTUREClara Royer (Prag): On Imre Kertész’s Notion of „Totalitarianism“PANEL I: ON NOVELTIES AND SIMILARITIES: EARLY CONCEPTS OF TOTALITARIANISM IN CENTRAL AND EASTERN EUROPEChair: Paul Hanebrink (New Brunswick, New Jersey)Mihai-Dan Cirjan (Budapest): The Central Bank Origins of the Total State: Totalitarianism and Capitalist Development in Interwar RomaniaÁron Szele (Budapest): Chasing the Total State: Interwar Hungarian Fascism and the Idea of TotalitarianismHolly Case (Providence, Rhode Island): The Age of Questions Meets the Totalitarian AgeComment: Dietrich BeyrauPANEL II: STALINIZATION, DE-STALINIZATION, AND THE PROBLEMS OF TOTALITARIANISM: CENTRAL AND EASTERN EUROPE IN THE EARLY POSTWAR PERIODChair: Aaron LawIvan Boldyrev (Moskau): Totalitarianism and MathematicsAdrian Grama (Budapest): „Not only the liberty of the individual but also the rights of the workers“: Exiled Trade-Unionists and the Language of Totalitarianism during the Early Cold WarMarco Bresciani (Zagreb): An Italian Source for the East Central European Reflection on Totalitarianism: Nicola Chiaromonte and the Polish Exiles and DissidentsComment: Dariusz Stola (Warschau)PANEL III: CONSOLIDATED COMMUNIST REGIMES, OPPOSITIONAL THOUGHT, AND THE USES OF TOTALITARIANISM BEFORE 1989Chair: Petr RoubalMichal Kopeček (Jena): Dissident Anti-Totalitarianism: Sources, Origins, Motives. Poland and Czechoslovakia 1969–1989Kim Christiaens (Löwen): „In countries where there isn’t a right and a left“: Eastern European Dissident Struggles and Resistance Against Dictatorships in Chile and Nicaragua, 1970s–1980sIveta Leitane (Riga): Conceptual and Historical Difficulties with New Definitions of Totalitarianism: The Case of LatviaComment: Robert BrierPANEL IV: A NEW ANTI-TOTALITARIAN CONSENSUS? AGENDAS, NEW SEMANTICS, AND PO-LITICIZATION AFTER 1989Chair: Holly Case (Providence, Rhode Island)Georgiy Kasianov (Kiew): On the Usage of the Concept „Totalitarianism“ in post ‘91 UkrainePiotr Wciślik (Budapest): Dissident Social Critique in Transition: The Case of „Homo Sovieticus“Ana Luleva (Sofia): The Concept of Totalitarianism in the Bulgarian Public Debates since the 1980sPaul Hanebrink (New Brunswick, New Jersey): Totalitarianism, the Politics of Holocaust Memory and the Figure of the „Jewish Communist“ in Eastern Europe after 1989Comment: Vítězslav SommerKEY-NOTE LECTUREAviezer Tucker (Cambridge, Massachusetts): Totalitarianism as a Working HypothesisROUNDTABLE: TOTALITARIANISM AFTER TOTALITARIANISM: THE USES OF THE CONCEPT IN TWENTY-FIRST-CENTURY EUROPEChair: Joachim von Puttkamer (Jena)Ágnes Gagyi (Budapest), Lutz Niethammer (Jena / Berlin), Paul Vickers (Gießen), Annette Weinke (Jena)

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Krieg und Frieden im Spiegel des Sozialismus, 1914–1918

vom 16.07.2016 | bis zum 17.07.2016

Auf der Tagung wurden die deutsche und internationale linke Opposition und ihre Positionierungen in der öffentlichen Diskussion zum Ersten Weltkrieg beleuchtet. Vorträge über Gustav Landauer, Carlo Mierendorff, Felix Fechenbach u.a. gaben Aufschluss über pazifistische Haltungen. Weitere Teilnehmer setzten sich mit Anpassung und Widerstand ausgewählter Sozialistinnen wie Lore Agnes, Martha Arendsee und Minna Specht auseinander. Darüber hinaus wurde die politische und künstlerische Rezeption des Krieges und die Erinnerungskultur des deutschen Kommunismus während der Weimarer Republik untersucht. Eigene Sektionen waren der Linken in Österreich und in der Schweiz sowie den internationalen Netzwerken gewidmet. Insgesamt konnte die Tagung ihrem Anspruch gerecht werden, neben den bekannten Stimmen der Antikriegsbewegung bisher kaum beachtete Kritikerinnen und Kritiker des Krieges vorzustellen. Das Interesse am Ersten Weltkrieg ist ungebrochen und die Zahl der Studien zu den Jahren 1914-1918, die in den vergangenen drei Jahren erschienen sind, ist kaum noch zu überblicken. Ungewöhnlich ist jedoch, dass recht wenig zur linken Opposition und ihrer Positionen gegen den Krieg gesagt wurde, wenn es um die öffentliche Diskussion des „Großen Krieges“ ging. Die zweitägige Tagung in Würzburg, die von Frank Jacob (New York) und Riccardo Altieri (Würzburg) in Zusammenarbeit mit dem Kurt-Eisner-Verein (München) organisiert wurde, sollte dazu beitragen, diesen Zustand zu ändern. Es ging darum, die deutsche und internationale Linke zur Zeit des Ersten Weltkrieges zu betrachten und zu ergründen, wie sich innerhalb dieses Lagers die Diskussion über denselben gestaltete. Die meist biographischen Zugänge lieferten dabei ein insgesamt doch sehr vielschichtiges Bild, das dazu beitragen kann, auch die bisher weniger in den Fokus gerückten Diskussionen des politisch linken Spektrums zu verstehen. Den ausführlichen Tagungsbericht von Frank Jacob für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: BegrüßungFrank Jacob (New York) Biographische FallstudienModeration: Swen Steinberg (Dresden) Sebastian Kunze (Potsdam): Mit Gustav Landauer durch den Ersten Weltkrieg.Johannes Ebert (Frankfurt): "Der Krieg hatte uns dorthin geführt". Carlo Mierendorffs Wandel vom Kriegsfreiwilligen zum Sozialisten.Bärbel Sunderbrink (Detmold): Eisners Vermächtnis? Felix Fechenbachs ambivalente Position zwischen Rätesystem und demokratischem Parlamentarismus.Marcel Bois (Hamburg): "Das andere Deutschland verkörperte Pfemfert" Die Zeitschrift "Die Aktion" und der Erste Weltkrieg. Gender-PerspektivenModeration: Riccardo Altieri (Würzburg) Gisela Notz (Berlin): Anpassung und Widerstand sozialistischer Frauen im Ersten Weltkrieg.Cornelia Baddack (Köln): Sozialistische Kriegsgegnerinnen in Düsseldorf und Berlin: Das pazifistische Engagement von Lore Agnes (1876-1953) und Martha Arendsee (1885-1953) im Ersten Weltkrieg.Sebastian Engelmann (Erfurt): Minna Specht - Eine vergessene sozialistische Pädagogin. Antimilitaristische Friedenserziehung und Pädagogische Ethik. RezeptionenModeration: Cornelia Baddack (Köln) Sophia Ebert (Oldenburg): Expressionistische Kriegskritik. Kurt Eisners Dramenzyklus Mors immortalis.Wolfgang Kruse (Hagen): Burgfrieden und Revisionismus. Zum Problem der politischen Verortung sozialdemokratischer Antikriegspolitik.Swen Steinberg (Dresden): Der solidarische Blick. Die Kurzgeschichtenbände (1916-1918) des sozialdemokratischen Schriftsteller-Journalisten Edgar Hahnewald als Spiegel der Ostfront.Bernard Degen (Basel): Robert Grimm und die Berner Tagwacht.Tobias Hirschmüller (Eichstätt): Für den "Frontsoldaten" und gegen den "imperialistischen Krieg". Der Erste Weltkrieg in der Erinnerungskultur des deutschen Kommunismus während der Weimarer Republik. Österreich und SchweizModeration: Sophia Ebert (Oldenburg) Stephan Rindlisbacher (Bern): Internationale Perspektiven Gemeinsam gegen den Krieg? Die Zimmerwalder Bewegung zwischen 1915 und 1917.Marga Voigt (Berlin): 100 Jahre Berner internationale sozialistische Frauenkonferenz für den Frieden, 26. bis 28. März 1915.John Zimmermann (Potsdam): "Aber das Nichtstun gegen den Krieg ist auch eine Verantwortung für vergossenes Blut" - Friedrich Adler und sein Attentat auf den österreichischen Ministerpräsidenten Stürgkh 1916. Internationale PerspektivenModeration: Frank Jacob (New York) Reiner Tosstorff (Mainz): "Le noyau" - Die revolutionären Syndikalisten um La vie ouvrière im Schnittpunkt von französischer und internationaler Anti-Kriegsopposition.Riccardo Altieri (Würzburg): "Britische Sozialisten vor und während des Ersten Weltkrieges -Berührungspunkte von Karl Marx bis Lenin und die Angst der Aristokratie."Lutz Häfner (Bielefeld): Zwischen "Vaterlandsverteidigung" und "Defätismus": die russische Partei der Sozialrevolutionäre und die "Dritte Kraft" als Weg aus dem Krieg.Mario Kessler (Potsdam): Zionistischer Sozialismus im Ersten Weltkrieg: Die Poale Zon 1914-1918. Abschlussdiskussion

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Zwangsvereinigung – Einigung – Stalinisierung?

vom 08.04.2016

Anlässlich des 70. Jahrestages des Vereinigungsparteitags von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) am 22. April 1946 fand an der Universität Erfurt eine Tagung statt. Untersucht wurden die Auseinandersetzungen zwischen SPD und KPD vor 1933 und die Verfolgung beider Parteien unter dem Nationalsozialismus. Regionale Fallstudien behandelten die SED-Gründung in der Sowjetischen Besatzungszone, weitere Themen waren die Stalinisierung der SED bis 1952 sowie die Rezeptionsgeschichte der Zwangs-/Vereinigung. Diskutiert wurde auch über den Begriff „Zwang“, wobei es zu keiner endgültigen Entscheidung kam, diesen weiter zu nutzen oder aufzugeben. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde er zwar als Kampfbegriff geprägt, da die Vereinigung jedoch nicht vollkommen freiwillig vollzogen wurde, entbehrt dieser nicht gänzlich seiner Berechtigung. Am 22. April jährte sich der Vereinigungsparteitag von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der Sowjetischen Besatzungszone zum 70. Mal. Anlässlich dieses Jahrestags veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Willy Brandt School of Public Policy am 8. April 2016 die Tagung „Zwangsvereinigung – Einigung – Stalinisierung?“ an der Universität Erfurt. Bereits die Titelwahl deutet auf die andauernde, nicht ausschließlich wissenschaftliche Debatte um die begriffliche Festschreibung der Zwangs-/Vereinigung hin. Diese geschichtspolitischen Kontroversen wurden in den drei Sektionen dann auch wiederholt thematisiert. Den ausführlichen Tagungsbericht von Hanna Feesche für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: BegrüßungenDietmar Herz, Erfurt/Anja Kruke, Bonn/Florian Weis, Berlin Panel 1: Zum Verhältnis zwischen Kommunismus und Sozialdemokratie seit den 1920er Jahren vor und während der NS-Herrschaft Mario Keßler (Potsdam), SAP, KPO, Neu Beginnen, Leninbund. Gedanken zu Einheitsbestrebungen neben der KPD und SPD in der Arbeiterbewegung am Ende der Weimarer Republik Mike Schmeitzner (Dresden), Von der ‚Arbeiterregierung‘ zur Einheitspartei? Regionale Kontinuitäten und Erfahrungen in Sachsen und Thüringen 1923/1946. Biografische Prägungen Reiner Tosstorff (Mainz), Einheitsparteierfahrungen in der Volksfrontära. Historische Voraussetzungen für die Jahre ab 1945 Moderation: Peter Brandt, Hagen Panel 2: Fallstudien zur Zwangs-/Vereinigung Tobias Kühne (Bonn), Zum Verhältnis zwischen KPD und Sozialdemokratie nach 1945. Das Beispiel von Neu Beginnen in Berlin Siegfried Heimann (Berlin), Die erzwungene Vereinigung in Berlin Steffen Kachel (Erfurt), Sozialdemokraten und Kommunisten in Thüringen. Regionale Fallstudie zur SED-Gründung Meik Woyke (Bonn), Von der Blockpolitik zur inszenierten Massenbewegung. Die Zwangsvereinigung von KPD und SPD in Mecklenburg-Vorpommern Moderation: Bernd Hüttner, Bremen Panel 3: Die Stalinisierung der SED seit 1947/48 Andreas Malycha (Berlin), „Partei von Stalins Gnaden“. Zur Verfolgung von Sozialdemokrat_innen und zur Stalinisierung der SED nach dem Vereinigungsparteitag bis 1952 Podiumsdiskussion: Zur Rezeptionsgeschichte und wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zwangs-/Vereinigung in West und Ost Jürgen Hofmann, BerlinSteffen Kachel, ErfurtMike Schmeitzner, DresdenMeik Woyke, BonnModeration: Detlef Nakath, Potsdam

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Neue Forschungen zur Geschichte der Perestrojka

vom 15.10.2015 | bis zum 16.10.2015

Auf der Tagung wurden aktuelle Forschungsprojekte zur Geschichte der Perestrojka vorgestellt. Im Mittelpunkt standen die innenpolitischen Entwicklungen in der Sowjetunion und in ihren Teilrepubliken. Dabei wurde Anspruch und Umsetzung des Reformprogramms diskutiert sowie die Sichtweise auf die Perestrojka als Epoche des „Untergangs“ problematisiert. Die Vorträge thematisierten den gesellschaftlichen Aufbruch in der Sowjetunion der 1980er-Jahre, den Wandel in den Industriebetrieben, die linke Opposition, die Kulturpolitik während der Perestrojka aus Sicht unangepasster Jugendszenen, die Visualisierung des sowjetisch-afghanischen Krieges. Andere Arbeiten galten den zentralasiatischen Gesellschaften, dem Erdbeben in Armenien 1988 sowie der KPdSU im Verständnis ihrer Parteimitglieder. Eine Erkenntnis war, dass der teleologische Blick auf den Zusammenbruch der Sowjetunion nicht hilfreich ist, sondern von wichtigen historischen Erkenntnissen ablenkt. Vom 15. bis zum 16. Oktober 2015 luden der Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena und das Imre Kertész Kolleg zu einem Workshop ein, in dem Forscher/innen die jüngsten Ergebnisse ihrer Feldstudien zur Geschichte der Perestrojka zur Diskussion stellten. Der Fokus der Veranstalter lag explizit auf den innenpolitischen Entwicklungen der UdSSR, unter besonderer Berücksichtigung ihrer Teilrepubliken. Die Herausforderung an die Referent/innen bestand darin, die häufig teleologische Sichtweise von der Perestrojka als Untergangsepoche zu problematisieren. Ein ergebnisoffener Blick auf die wechselhaften und eng verflochtenen Entwicklungen in Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Zentrum und in der sowjetischen Peripherie sollte dazu beitragen, Brüche in der Umsetzung und die Vorstellungswelten offenzulegen, die Gorbačevs Reformprogramm nach sich zog. Den ausführlichen Tagungsbericht von Immo Rebitschek für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Eröffnung und Begrüßung Joachim von Puttkamer (Jena) / Franziska Schedewie (Jena) Peter Ruggenthaler (Graz): Im Machtzirkel des Kreml Chair: Joachim von Puttkamer (Jena) Yuliya von Saal (München): Perestroika von „unten“: gesellschaftlicher Aufbruch und Implosion der UdSSR Jan Zofka (Leipzig): Politische Gefolgschaft und gesellschaftlicher Wandel in (spät-) sowjetischen Industriebetrieben. Das Beispiel der „Moldauischen Dnjestr-Republik“ („Transnistrien“) Chair: Katharina Schwinde (Jena) Ewgeniy Kasakow (Bremen): Die linke Opposition während der Perestrojka – Gorbačevs Gesinnungsgenossen, El'cins Helfer? Christian Werkmeister (Jena): "Die Rockmusik hatte besonders stark unter der Glasnost' zu leiden..." Kulturpolitik der Perestrojkazeit aus Sicht unangepasster Jugendszenen Chair: Dennis Dierks (Jena) Markus Mirschel (Zürich): Traditionen in der Fotografie – traditionelle (Kriegs-)Fotografie? Die offizielle Visualisierung des sowjetisch-afghanischen Krieges. Irina Morozova (Regensburg/München): Zentralasiatische Gesellschaften in der Zeit der Perestrojka: die Bedeutung von Chronologien Chair (inkl. integrierter Abschlussrunde): Raphael Utz (Jena) Katja Doose (Tübingen): Erschütterung und Wandel. Das Erdbeben in Armenien 1988 als Prüfstein für die Perestroika? Franziska Schedewie (Jena): Perestrojka und KPdSU im Verständnis der Parteimitglieder. Briefwechsel aus der Redaktion der Zeitschrift „Kommunist“

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Revolution und Krieg. Die Ukraine in den großen Transformationen des neuzeitlichen Europa. Konferenz der Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission

vom 28.05.2015 | bis zum 29.05.2015

Die erste Konferenz der im Februar 2015 gegründeten Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission fand im Tagungswerk Jerusalemkirche in Berlin statt. Eröffnet wurde die Tagung von dem Historiker Timothy Snyder, der dafür plädierte, die Ukraine als Teil Europas zu betrachten. Im Weiteren wurde diskutiert über Krieg und Krisen der Ukraine im Europa des 17. Jahrhunderts, über die Zentralität des Krieges für die Staatswerdung der Ukraine zwischen 1914 und 1945 und über konkurrierende Erinnerungskulturen. Ein wichtiger Programmpunkt war das Panel zur europäischen Transformation der Ukraine seit 1989. In einer Round Table Diskussion ging es auch um die historischen und journalistischen Konstruktionen und Rekonstruktionen der Ereignisse vom Maidan. Andeas Kappeler wies in seinem Abschlussvortrag daraufhin, dass die deutsche Wahrnehmung der Ukraine noch immer von Stereotypen und Unwissen geprägt sei, dem durch verstärkte Bemühungen um wissenschaftlich fundierte Beiträge begegnet werden müsse. Unter großem Interesse auch der breiteren Öffentlichkeit fand vom 28. bis zum 29. Mai 2015 die erste Tagung der in diesem Jahr vom Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) gegründeten Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission in Berlin statt. Die Tagung wollte einen geschichtswissenschaftlichen Bogen vom 17. Jahrhundert bis heute schlagen und dabei wichtige Zäsuren der ukrainischen Geschichte in den Blick nehmen. Die Konferenz war eine gemeinsame Veranstaltung des Historikerverbandes, sowie des Imre-Kertész-Kollegs in Jena und der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in München und Regensburg. In seiner Begrüßung machte VHD-Vorsitzender Martin Schulze Wessel (Ludwig-Maximilians-Universität München) deutlich, dass die Kommission und damit auch diese Konferenz selbstverständlich einer wissenschaftlichen Logik folge und frei von politischer Einflussnahme sei – was freilich nicht ausschließe, eine Aggression eine Aggression und einen Krieg einen Krieg zu nennen. Den ausführlichen Tagungsbericht von Franziska Davies für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Eröffnungsvortrag / Opening LectureTimothy Snyder, Yale University RespondentsYaroslav Hrytsak, Ukrainian Catholic University, Lviv Martin Schulze Wessel, Ludwig Maximilians University Munich Begrüßung / Welcoming AddressYaroslav Hrytsak, Ukrainian Catholic University, Lviv Joachim von Puttkamer, Imre Kertész Kolleg Jena Krieg und Krise: Die Ukraine in Europa im 17. Jahrhundert / War and Crises: The Ukraine in Europe in the 17th century Frank Sysyn, University of Alberta Ricarda Vulpius, Ludwig Maximilians University München Guido Hausmann, Ludwig Maximilians University München (chair) Weltkriege und Weltrevolution: Europa und die Ukraine 1914–1945 / World Wars and World Revolution: Europe and Ukraine 1914–1945 Yuri Shapoval, National Academy of Sciences of Ukraine, Kyiv Tanja Penter, Heidelberg University Wlodzimierz Borodziej, Imre Kertész Kolleg Jena (chair) Zwischen Revolution und Krieg: Die große europäische Transformation und die Ukraine seit 1989 / Between Revolution and War: The Great European Transformation and Ukraine since 1989 Marci Shore, Yale University Philipp Ther, University of Vienna Yaroslav Hrytsak, Ukrainian Catholic University, Lviv (chair) Round Table: Maidan – Konstruktion und Rekonstruktion / Roundtable: Maidan – Construction and Reconstruction Andriy V. Portnov, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam/ historians.in.ua, Kyiv -Dnipropetrovsk Ilya Gerasimov, Ab Imperio Quarterly, Chicago & Kazan Vitaly Portnikov, Kyiv (chair) Abschlussvortrag / Closing LectureAndreas Kappeler, University of Vienna

Tagungsbericht | Symposium

100 Jahre Gründung der USPD

vom 06.04.2017

Das wissenschaftliche Kolloquium in Gotha beschäftigte sich in zwei Themenblöcken mit der Entstehungsgeschichte der USPD und der Stellung der Partei zwischen "Parlamentarismus und Bolschewismus". Die Beiträge widmeten sich den Beweggründen für eine Abspaltung von der Sozialdemokratie während des Ersten Weltkriegs, der steigenden Radikalisierung der Partei und der Novemberrevolution. Die Referenten setzten besonders bei der Betrachtung der Rätebewegung einen Fokus auf die Städte Berlin und Gotha. Die Betrachtung der USPD und der Spaltung der Arbeiterbewegung ist bisher weder abgeschlossen, noch erscheint sie obsolet. Insbesondere die Fragen nach der Zusammensetzung der Mitglieder der Basis, die Bedeutung der ideologischen und strategischen Differenzen bei der Parteispaltung, die Gründe des Wechsel von der USPD zur KPD, das Zusammenspiel von USPD, Räte, Revolutionären Obleuten und Gewerkschaften, aber auch die Auslotung möglicher Handlungsalternativen der SPD im Zeitraum von 1914 bis 1922, die durch die USPD herausgefordert wurde, vermögen als bisherige Desiderate der Forschung Anstoß zu neuen Betrachtungen auf die Geschichte der Spaltung der Arbeiterbewegung geben. Erste neue Perspektiven auf das Jahr 1917 sollte die Veranstaltung in Gotha liefern. Den vollständigen Tagungsbericht für H-Soz-Kult von Ronny Noak können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:Die Entstehung der USPD im Spannungsfeld von Krieg und FriedenBurgfrieden oder Burgkrieg? Die deutsche Sozialdemokratie im Ersten WeltkriegWolfgang Kruse (Hagen): Zwischen Opposition und Integration. Die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie im Ersten WeltkriegMax Bloch (Köln): Die Burgfriedenspolitik der SPD: Wegmarke der parlamentarischen Demokratie?Stefan Bollinger (Berlin): Staatstragend, revolutionär oder ein dritter Weg? Deutsche Linke im Ersten Weltkrieg zwischen Anpassung und konsequenter KriegsgegnerschaftWege zum Frieden: parlamentarischer Verständigungsfrieden oder revolutionärer Massenstreik?Thilo Scholle (Berlin): Das Gebot der Stunde. Die USPD und die FriedensfrageMarcel Bois (Hamburg): „Krieg dem Kriege“. Spartakusgruppe und Friedensbewegung 1916-1918Walter Mühlhausen (Heidelberg):Die Erosion des Burgfriedens: Die Spaltung der Sozialdemokratie und der Versuch eines parlamentarischen VerständigungsfriedensRevolution oder Reform? Die USPD zwischen Parlamentarismus und BolschewismusWege in die Revolution, Wege in der Revolution: Rätemodell vs. Parlamentarische DemokratieMike Schmeitzner (Dresden): Diktatur als Demokratie? Karl Kautsky und die Perspektiven der MachtBernd Braun (Heidelberg): „Der Geburtstag der deutschen Demokratie“ – Die Regierung Max von Baden als Ausgangs- oder Endpunkt sozialdemokratischer Systemziele?Metropole und Provinz: Revolution und USPD in Berlin und GothaAxel Weipert (Berlin): Eine zweite Revolution durch die Räte? Die USPD-Linke 1919/20Stefan Gerber (Jena): Das „rote“ Gotha in Revolution und Kapp-Putsch: Ereignis und GeschichtspolitikDie USPD zwischen KPD und SPD & AbschlussdiskussionReiner Tosstorff (Mainz): Das Ende der USPD als Massenpartei: zwischen der sich etablierenden parlamentarischen Demokratie und der bolschewistischen RevolutionÖffentliche Abendveranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und des Weimarer Republik e.V.„Vor hundert Jahren: Die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung und die Gründung der USPD in Gotha“Vortrag von Hartfrid Krause (Darmstadt)Anschließend: Diskussion mit Steffen Kachel (Erfurt) und Walter Mühlhausen (Heidelberg)Moderation: Peter Reif-Spirek (Erfurt)

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Tagungsbericht

Große Erwartungen – 1919 und die Neuordnung der Welt

vom 25.01.2017 | bis zum 27.01.2017

Die am Historischen Kolleg stattfindende Tagung widmete sich dem Jahr 1919 und den damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen und Ängsten. In vier Sektionen beschäftigten sich die Referentinnen und Referenten mit den Ereignissen in Osteuropa und Russland, den Kolonialgesellschaften und ihren Entwicklungen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, globalen Sicherheitsordnungen und der Entwicklung demokratischer Systeme in Europa. Dabei richteten sie den Blick nicht ausschließlich auf die Entwicklungen in Europa und die daraus folgenden globalen Auswirkungen, sondern entwickelten eine transnationale Perspektive auf ein ereignisreiches Jahr. Knapp 100 Jahre ist das Ende des Ersten Weltkrieges her und somit auch die Zeit der Erwartungen und Ängste, die mit dem Waffenstillstand begann. Die verschiedenen Nationen, Regionen und Empires waren unterschiedlich stark vom Krieg betroffen, der Neuordnung der Welt konnte sich jedoch kaum eine Region entziehen. Die von JÖRN LEONHARD (Freiburg) im Rahmen seines Forschungsstipendiums des Instituts für Zeitgeschichte am Historischen Kolleg veranstaltete Tagung bot eine Plattform, die Interessen und Erwartungen einzelner Weltregionen und spezifischer Akteure miteinander zu verknüpfen und nach Erfüllung und Enttäuschung eben jener Erwartungen zu fragen. Den vollständigen Tagungsbericht für H-Soz-Kult von Christina Ewald können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Begrüßung: Andreas Wirsching (München) Jörn Leonhard (Freiburg), Die Konkurrenz der Versprechen – Globale Ordnungsvisionen am Ende des Ersten Weltkrieges Sektion I: Grenzen und Räume – Territorialität und Nationsbildung im Zeichen des Gewaltkontinuums Gerd Koenen (Frankfurt am Main), Lenin und Wilson – ein welthistorischer Vergleich Jochen Böhler (Jena), Vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg. Die Kontinuität der Gewalt in Ostmitteleuropa über 1918 hinaus Kommentar: Joachim von Puttkamer (Jena) Sektion II: Kolonialkritik und Anti-Imperialismus – Globale Modelle und lokale Kontexte Benedikt Stuchtey (Marburg), Demokratie nach dem Krieg? Große Erwartungen an die Kolonialismuskritik Stefan Rinke (Berlin), Große Skepsis: Lateinamerikanische Zukunftserwartungen bei Kriegsende 1918/19 Jan Schmidt (Löwen), „Den Pazifismus Anglo-Amerikanischer Provenienz beseitigen!“ – Das Japanische Empire und das Scheitern des „Wilsonian Moment“ in Ostasien Florian Wagner (Hamburg), Ermächtigungsfrieden oder Ernüchterungserlebnis? 1919 aus afrikanischer und panafrikanischer Perspektive Kommentar: Jürgen Osterhammel (Konstanz)/Jörn Leonhard (Freiburg) Sektion III: Neue Internationalismen – Ordnungsmuster kollektiver Sicherheit und internationaler Kooperation Eckart Conze (Marburg), Sicherheit statt Frieden. Die Pariser Konferenz und die internationalen Beziehungen der Zwischenkriegszeit Patrick Cohrs (New Haven), Die Suche nach einer atlantischen Sicherheitsordnung. Ein Schlüsselproblem der Neuordnungsprozesse von 1919 Kathrin Kollmeier (Potsdam), Erwartungen und Enttäuschungen: Staatenlosigkeit als transnationale Semantik der Zugehörigkeit nach 1918 Marcus Payk (Berlin), Vertrag und Diktat. Die Pariser Ordnung von 1919/20 und das Völkerrecht Kommentar: Isabella Löhr (Leipzig) Sektion IV: Partizipation und Versorgung – Massendemokratie und Wohlfahrtsstaatlichkeit als neue Ordnungsversprechen Manfred Berg (Heidelberg), „Wir sind keine Internationalisten, wir sind amerikanische Nationalisten!“ Das Scheitern des Wilsonianism in den USA Tim B. Müller (Hamburg), „The universal acceptance of democracy as the normal and natural form of government“. Demokratische Erwartungen nach 1918 – eine europäische Skizze Boris Barth (Konstanz), Die Krise der europäischen Demokratie nach 1918 Kommentar: Andreas Wirsching Abschlussdiskussion

Hannah Arendt Institut für Totalitarismusforschung, Screenshot von der Website

Tagungsbericht

Staatssozialismen im Vergleich

vom 29.09.2016 | bis zum 01.10.2016

Ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch der real-sozialistischen Herrschafts-, Wirtschafts-und Gesellschaftssysteme scheint es an der Zeit, einen Vergleich ihrer Strukturen und Funktionsmechanismen vorzunehmen. Seit 1989 der "Eiserne Vorhang" fiel, sind in Verbindung mit der "Archivrevolution" zahlreiche Länderanalysen zu den staatssozialistischen Systemen entstanden, die eine Grundlage für vergleichende Untersuchungen bilden können. Aus Mangel an ebendiesen, wollte das Hannah-Arendt-Institut mit dieser internationalen Konferenz Impulse für die komparative Forschung setzen.Seit dem „Fall des Eisernen Vorhanges“ im Jahr 1989 und der damit verbundenen „Archivrevolution“ sind zahlreiche Länderanalysen zu den realsozialistischen Systemen entstanden, die eine Grundlage für vergleichende Untersuchungen bilden können. Doch daran mangelt es noch, und so wollte das Hannah-Arendt-Institut mit einer internationalen Konferenz Impulse für die komparative Forschung setzen. Angesichts der Fülle möglicher Themen standen drei Forschungsfelder im Zentrum, die für das Funktionieren der autokratischen Systeme von hoher Bedeutung waren: die Staatsparteien als bedeutendste Herrschaftsträger, die Sozialpolitik als wichtigstes Medium der Herrschaftslegitimation und die Rolle von Opposition und Widerstand infolge des Scheiterns der autokratischen Regimelegitimierung. Die Konferenz baute im Wesentlichen auf Länderstudien auf (Sowjetunion, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Deutsche Demokratische Republik, Albanien und Jugoslawien). Sie folgten jedoch einem komparativen Leitfaden, nahmen jeweils vergleichende Betrachtungen vor und lieferten so Bausteine für eine umfassende Herausarbeitung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Den vollständigen Tagungsbericht von Alexander Akel für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen.Konferenzübersicht:Grußwort von Peter Wiegand (Hauptstaatsarchiv Dresden)
Begrüßung und Einführung von Günther Heydemann (Hannah-Arendt-Institut)Panel I: SowjetunionHelmut Altrichter (Universität Nürnberg-Erlangen): Staatspartei
Stefan Plaggenborg (Ruhr-Universität Bochum): Sozialpolitik
Alexey Makarov (Moskau): Opposition und WiderstandPanel II: PolenTytus Jaskulowski (Hannah-Arendt-Institut Dresden): Staatspartei
Dariusz Grala (Posen): SozialpolitikKlaus Ziemer (Universität Trier): Opposition und WiderstandPanel III: TschechoslowakeiStanislav Balik (Masaryk-Universität Brno): Staatspartei
Jan Holzer (Masaryk-Universität Brno): Opposition und WiderstandPanel IV: UngarnAndreas-Schmidt-Schweizer (Herder-Institut Marburg): Staatspartei
Tibor Valuch (Universität Debrecen): Sozialpolitik
Krisztian Ungvary (Budapest): Opposition und WiderstandPanel V: RumänienThomas Kunze (Konrad-Adenauer-Stiftung): Staatspartei
Alexandru-Murad Mironov (Universität Bukarest): Sozialpolitik
Anneli Ute Gabanyi (Berlin): Opposition und WiderstandPanel VI: BulgarienMihail Gruev (Universität Sofia): Staatspartei
Dimitrina Petrova (Universität Essex): Opposition und WiderstandPanel VII: Deutsche Demokratische RepublikAndreas Malycha (Institut für Zeitgeschichte Berlin-München): Staatspartei
Manfred G. Schmidt (Universität Heidelberg): Sozialpolitik
Ehrhart Neubert (Erfurt): Opposition und WiderstandPanel VIII: AlbanienMichael Schmidt-Neke (SPD Landtagsfraktion Kiel)Panel IX: JugoslawienWolfgang Höpken (Universität Leipzig)

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Generationen linker Politik in der Bundesrepublik 1947–1984

vom 23.06.2016

Der Workshop fragte nach der Anwendbarkeit des geschichtswissenschaftlichen Konzepts der Generationen für die Untersuchung der Geschichte der Linken in Deutschland. Im Mittelpunkt stand dabei die so genannte Generation der „68er“ in der Bundesrepublik, die differenziert betrachtet und deren Mythos historisiert wurde. Vorgestellt wurden laufende Dissertationsprojekte des Graduiertenkollegs „Geschichte linker Politik in Deutschland“, das am Institut für soziale Bewegungen an der Ruhr-Universität Bochum und am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam angesiedelt ist. Die Referate und Kommentare kamen zu dem Schluss, dass der Begriff der Generation(en) nur begrenzte Aussagekraft besitzt, weil damit weder kleinteilige Dynamiken erklärt noch diejenigen Akteure bezeichnet werden können, die nicht an den Erfahrungen teilhatten, nach denen eine historische Generation benannt wurde. Den Höhepunkt des Workshops bildete der Vortrag von Theodor Bergmann, der 1916 geboren wurde und in der Weimarer Republik Mitglied im Jugendverband der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) war. Er ist unermüdlich: THEODOR BERGMANN (Stuttgart) feierte in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag – und tourt noch immer durch die Republik, um aus seinem bewegten Leben zu berichten. Der langjährige Professor für Agrarökonomie an der Universität Hohenheim ist vermutlich der letzte lebende Zeitzeuge des Kommunismus der Weimarer Republik. Im Jahr 1927 trat er dem Jungspartakusbund bei, kurz darauf wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands-Opposition (KPO) und musste schließlich aufgrund seiner jüdischen Herkunft ins Exil gehen. Noch heute bezeichnet er sich als kritischen Kommunisten. Den ausführlichen Tagungsbericht von Marcel Bois für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Katrin Schäfgen (Berlin), Mario Keßler (Potsdam), Stefan Berger (Bochum): Begrüßung und Tagungseröffnung David Bebnowski (Potsdam): Theoretische Sackgasse oder generationeller Bruch? Die „Krise des Marxismus“ am Ende der 1970er-Jahre in Argument und Prokla Moderation: Richard Stoenescu (Potsdam) Sarah Langwald (Bochum): Generationelle Brüche und Kontinuitäten in der „Verteidigungsbewegung“ der 1950er- und 1960er-Jahre. Kommentar: Dominik Rigoll (Potsdam) Moderation: Jule Ehms (Bochum) Theodor Bergmann (Stuttgart): Die 1950er-Jahre als Ausgangspunkt der Neuen Linken in der BRD Einleitung: Mario Keßler (Potsdam) Moderation: Ralf Hoffrogge (Bochum)

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Picturing Power. Photography in Socialist Societies

vom 09.12.2015 | bis zum 12.12.2015

Die wissenschaftliche Tagung zum Verhältnis von Fotografie und Macht in sozialistischen Gesellschaften beschäftigte sich sowohl mit bildlichen Motiven und Symbolen als auch mit ästhetischen Aspekten und Publikationsmöglichkeiten. Ausgangspunkt war die These, dass Fotografie ein zentrales und wirkmächtiges Medium war, das die Machtverhältnisse des 20. Jahrhunderts abbildete, aber auch mitkreierte. Erörtert wurde, welche Möglichkeiten es gab, nicht regimekonforme Bilder zu veröffentlichen, wie staatliche Zeitungen Fotos zu propagandistischen Zwecken bearbeiteten oder wie sich Staatschefs in verschiedenen Medien fotografisch inszenierten. Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bildete das Forschungsfeld fotografischer Praxis. Zensur und Selbstzensur wurden dabei ebenso thematisiert wie die Ambivalenz fotografisch-künstlerischer sowie publizistischer Freiheiten und Protesthandlungen. Ob Kunst oder dokumentarisches Produkt, ob Darstellung des vermeintlich Realen oder Inszenierung, ob Abbildung des Besonderen oder des Alltäglichen – der Umgang mit Fotografien als historische Quelle legt Fallstricke, bietet aber immense Chancen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Eine systematische Annäherung an eine Beschäftigung mit Fotografiegeschichte fand vom 9. bis 12. Dezember 2015 in Bremen im Rahmen der Tagung Picturing Power. Photography in Socialist Societies statt. Die Konferenz bot ein Forum, um bisher punktuelle, aber durchaus konkrete Forschungsprojekte und -ansätze zusammenzuführen. Martina Winkler und Sarah Lemmen vom Lehrstuhl für Kulturgeschichte der ČSSR am Institut für Geschichtswissenschaft an der Universität Bremen hatten internationale Wissenschaftler/innen dazu eingeladen, eine gemeinsame Grundlage für die Erforschung von Fotografien und ihren historischen Kontexten zu legen. Den ausführlichen Tagungsbericht von Johanne Bischoff, Kevin-Niklas Breu und Lisa Städtler für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Everyday Photography Maria-Alina Asavei (Prague): Forbidden Images? Witnessing and Remembering Socialist ‘Reality’ through Photographs in Romania Cristina Cuevas-Wolf (Los Angeles): The Contested Image of Everyday Socialism in Hungary Gilles De Rapper, Anouck Durand (Aix-Marseille): Intimacy and locality. Photographing small-scale power relations in Socialist Albania (Un-)published Pictures of Power Katalin Bognár (Budapest): Photographs left out of the newspapers (Hungary, 1947–1991) Stefan Guth (Bern): Picturing Atomic-Powered Communism Daria Zaitseva (St. Petersburg): “Reporting without publishing”. Mainstream and marginal Soviet documentary photography strategies in the 1960-70s: the case of Valery Shchekoldin Personalized Power: Leaders Susanne Schattenberg (Bremen): Picturing the General Secretary: L.I. Brezhnev and his photographer Jakub Szumski (Warsaw): More like us. Poland’s 1970s new political style in photography Tanja Zimmermann (Leipzig): An early Home Story of Power: The Yugoslav Leader Josip Broz Tito in Press Photography from the 1940s to the 1980s Nadine Siegert (Bayreuth): Mighty Images – On the political iconography in socialist Angola & Mozambique Moving images: contacts Eszter Kiss (Budapest/Potsdam): Images of Hungary/Hungary’s Image – National and international socialist PR as teamwork Yvonne Robel (Hamburg): Picturing spatial power? The visual construction of globality in the GDR during the 1950s Eva Pluhařová-Grigienė (Berlin): On the circulation of photography across the Iron Curtain. The Czech photography critics, curators and editors Anna Fárová and Daniela Mrázková Annette Vowinckel (Potsdam): Photographic Nuisance. The Work of Stern-Photographers Thomas Höpker and Harald Schmitt in the GDR Disputed power: protest Martina Winkler (Bremen): Picturing Power: Images of the Invasion in Prague 1968 Isotta Poggi (Los Angeles): Budapest 1956: Photographs of Revolution between Politics and Art Ulrike Huhn (Bremen): Social Reportage Photography under Stalin? Possibilities and Limits of Ethnographic Fieldwork in late Stalinist Russia

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Die Lehren des 20. Jahrhunderts

vom 07.09.2015 | bis zum 12.09.2015

Zum dritten Mal fand in Russland ein Forum von Nachwuchswissenschaftlern, Künstlern und Aktivisten statt, die sich mit der Geschichte der Sowjetunion und der Erinnerung an Diktaturen in Deutschland und der Russischen Föderation beschäftigen. Die Teilnehmer besuchten das Staatliche Museum zur Geschichte des Gulag in Moskau, informierten sich über neue Projekte des Gedenkens und Vermittelns der Geschichte stalinistischer Repressionen und diskutierten über Bildungsarbeit in Gedenkstätten sowohl in Deutschland als auch in Russland. Zum Programm in Moskau gehörten zudem ein Besuch der Menschenrechtsorganisation Memorial in Moskau sowie die Besichtigung der Hinrichtungsstätte Butovo. Im zweiten Teil der Reise besuchten die Teilnehmer die Gedenkstätte Perm 36, die 2014 verstaatlicht und umgestaltet wurde. Mehrere Vorträge und Diskussionen gingen darauf sowie auf Erinnerungs- und Deutungskonflikte ein. Referiert wurde außerdem zu den historischen Quellen über das „Sowjetische“, über Randgruppen in totalitären Gesellschaften sowie über Kunst und Totalitarismus. Seit drei Jahren organisieren die Friedrich-Ebert-Stiftung Moskau, der Petersburger Dialog, das Russische Staatsarchiv für sozio-politische Geschichte (RGASPI), die Gesellschaft Memorial – und neuerdings das Staatliche Museum zur Geschichte des Gulag in Moskau – ein Forum für Nachwuchswissenschaftler. Es führte in diesem Jahr in Moskau und Perm über 20 Menschen zusammen, die sich als Promovierende, Studierende oder auch Aktivisten oder Künstler mit historischen Themen beschäftigen. Das Konzept beinhaltet auch den Besuch von Gedenkstätten, Museen und NGOs. Den ausführlichen Tagungsbericht von Enrico Heitzer und Julia Landau für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Gulag-Museum, Moskau, Begrüßung Vertreter des Vorsitzenden des Rats des Präsidenten der Russischen Föderation für die Entwicklung der Zivilgesellschaft und der Menschenrechte / Vera Dubina, Referentin für Zivilgesellschaft und Geschichte der Friedrich-Ebert-Stiftung in Moskau / Andrej Sorokin, Leiter des Russischen Staatsarchives für sozio-politische Geschichte / Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Panel „Museen und Ausstellungen. Materielle Erinnerung an den Totalitarismus“. Roman Romanov (Direktor des Staatlichen Gulag-Museums): Einführung in das Museumskonzept Panel „Bildungspolitische und pädagogische Arbeit an Gedenkstätten“ Moderation und Impuls: Gesa Trojan (Technische Universität Berlin) Julia Landau (Gedenkstätte Buchenwald): Der Umgang mit dem Nationalsozialismus durch den sowjetischen Geheimdienst am lokalen Beispiel: das sowjetische Speziallager Buchenwald 1945-50 und die Herausforderungen an die Vermittlung Leszek Szuster (Internationale Jugendbegegnungsstätte): Auschwitz als Lernort Gespräch mit dem Vorstand von „Memorial International“ Besuch der Hinrichtungsstätte Butovo Besuch Gedenkstätte „Perm-36“ Diskussion „Die Veränderungen in Museum Perm 36“ mit Michail Fedotov, Oleg Lejbovič, Tatjana Kursina, Aleksandr Kalič Runder Tisch: Die Gedenkstätte „Perm 36“: Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart. Impulsvortrag: Anke Giesen (Universität Magdeburg) Panel III Erinnerungskonflikte Moderation und Impulsvortrag Enrico Heitzer (Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen): Deutungskämpfe. Zu aktuellen Auseinandersetzungen im Spannungsfeld von Wissenschaft, Gedenkstättenarbeit und Gedächtnispolitik Isabel Panek (Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin): Das Tempelhofer Feld: ein Ort demokratische Gedächtniskultur? Darja Butejko (Humboldt-Universität Berlin): Ein heiliger Ort, ein Museum oder eine Wiese? Spatialisation der Kommunismus-Erinnerungen in der Gedenkstätte Berliner Mauer und der Solowki-Inseln Nils Weigt (Universität Potsdam) Prozesse einer Entortung der Holocausterinnerung Alexander Kuzmin (Institut für Recht und Wirtschaft des Bundesstrafvollzugdienstes, Wologda) Die Beerdigung ausländischer Kriegsgefangener des Zweiten Weltkriegs in den Regionen Archangelsk und Wologda Präsentation einer thematischen Ausgabe „Politik der Erinnerung“ des Journal of Social Policy №3 / 2015 Panel Historische Quellen über das „Sowjetische“ Moderator: Oleg Lejbovič Alexander Konovalov (Staatliche Universität Kemerovo): Interviews mit sowjetischen Bürokraten: Methoden und Perspektiven der Musealisierung Natalia Razdina (Staatliche Lomonossov-Universität Moskau) Die Zeitung „Industrialisierung“ als Quelle für die Erforschung der Industriepolitik des Sowjetstaates in seinen ersten fünf Jahren Panel V Erniedrigte und Beleidigte: Randgruppen innerhalb einer totalitären Gesellschaft Moderatorin: Vera Dubina Jelizaveta Savolajnen (Russische Technische Mendeleev-Universität) Gedenkpraktiken der ingermanländischen Finnen in der Sowjetunion Jekaterina Mišina (Staatliche Lomonossov-Universität Moskau) Archivuntersuchungen als Basis für ein soziales Porträt der Repressierten Darstellung von Projekten Memorial Perm Panel VI Kunst und Totalitarismus (Vera Dubina) Julija Kantor (Eremitage, St. Petersburg) Das Thema Gulag in Ausstellungen der Museen des postsowjetischen Russlands: Trends und Traditionen Galina Sušek (Staatliche Akademie für Kunst und Kultur, Perm) Die Ikonographie Stalins in der modernen Kunst der UdSSR Vera Faber (Universität Wien): Kanonisierung des Terrors – Sowjetische Schriftstellerreisen und die Ästhetisierung des ,Lageralltags’ im Dienste der Propaganda Lotte Thaa (Humboldt Universität Berlin): Jenseits von Unrechtsstaat und Trabitour. Pluralistische und partikulare Erinnerungspraktiken in der DDR Erinnerungslandschaft Berlins am Beispiel des Märkischen Museums und des Bertolt-Brecht-Hauses Erinnerung an den Stalinismus und die stalinistische Politik (Oleg Leibovič) Maria Turovec (Ab Imperio) Die Verdrängung der Erinnerung an den Totalitarismus als praktisches Problem Egor Isaev (High School of Economics, Moskau): Public History und der Totalitarismus: das Bild der Epoche Stalins in der Zeitschrift „Diletant“ Dmitrij Astaškin (Universität Novgorod): Privatisierung des Sieges – zum Zusammenhang zwischen dem Personenkult um Stalin und der Erinnerung an den Krieg Runder Tisch Das Trauma von 1991 gegen das Trauma von 1937? „Der Stalinismus“ im modernen Diskurs Einführung: Alexander Reznik (Zentrum für vergleichende Geschichts- und Politikwissenschaft Perm) Alexey Gilev (Direktor des ZSIPI), Galina Jankovskaja (Universität und Museum für moderne Kunst Perm), Aleksandr Kalič (Memorial), Andrej Suslov (PGGPU)

Flyer zum Workshop "Imagining the Future in Russia's February Revolution"

Tagungsbericht

Imagining the Future in Russia's February Revolution

vom 06.04.2017 | bis zum 08.04.2017

In diesem Workshop wurde die Februarrevolution aus einem einzigen Winkel betrachtet, und zwar aus der Sicht der zeitgenössischen Boulevardpresse. Zu diesem Zweck wurden Tages- und Wochenzeitungen sowie Zeitschriften analysiert. So sollten die Erwartungen an die Zukunft in dieser turbulenten Zeit erfasst werden, die geprägt war von Aufruhr, Umbruch und dem Ende des russischen Zarenreiches. Als Ausgangspunkt für Diskussionen und Vergleiche präsentierten die Teilnehmer des Workshops je ihre Analyse von Kennzeichen und Grundideen einer einzelnen Zeitung. Indem der Fokus auf einer sehr kurzen Zeitspanne lag, nämlich Februar und März 1917, sollten in diesen Momentaufnahmen die Vielfalt der Reaktionen auf die Februarrevolution eingefangen werden. The aim of the workshop was to explore the February Revolution exclusively through the analysis of one type of source, the popular press (daily and weekly newspapers, partly journals as well), in order to grasp expectations for the future at this critical juncture, the end of Tsarism. The participants presented an analysis of the character and major ideas of a single newspaper to the workshop as a point for discussion and comparison. The idea was to look at just a short time span, in order to grasp, in the form of ´snap shots´, the variety of instant reactions to the Revolution and so to reconstruct "futures past". GABRIELE FREITAG (Berlin) opened the workshop, emphasising the relevance of investigating immediate expectations and options of different organisations, actors and parties in a setting of crisis, war and revolution.Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Steven Müller für H-Soz-Kult hier. Conference Overview: Gabriele Freitag (Berlin): Welcome address Introductory PanelFranziska Schedewie / Dennis Dierks (Jena): Introduction Anton Reshetov (St. Petersburg): Historical discourse on the pages of Russian newspapers in March 1917 - Note: not held due to illness Political party pressChair: Gabriele Freitag (Berlin) Heinz-Dietrich Löwe (Heidelberg): The liberal newspaper Rech.Lutz Häfner (Bielefeld): The Socialist Revolutionaries’ Central Organ “Delo Naroda” and the conception of a social revolution of the whole people in 1917. Reactions in the press across the Empire Centre and Western SiberiaChair: Raphael Utz (Jena) Anastasia Surkov (Berlin): “Russia free through the will of the people! The country’s genius will lead the people to happiness!” – Reactions and expectations in Vladimir, March 1917, as from the daily newspaper “Staryi Vladimirets”.Margarete Zimmermann (Jena): “Let’s act like socialists!” Reactions towards the February Revolution 1917 and visions of the future in the diocese Tobol’sk. SouthChair: Dennis Dierks (Jena) Jérémy Caro (Bremen): A Time of Political Innovation? Jewish Press in Ukraine.Franziska Schedewie (Jena): Donskie Oblastnye Vedomosti. Muslim PressChair: Franziska Schedewie (Jena) Ingeborg Baldauf (Berlin): The Tashkent journal Al-Izoh after the February Revolution.Dennis Dierks (Jena): “Historical and serious days and our duties.” Tercüman’s reporting on the February Revolution. Student panelChair: Franziska Schedewie (Jena) Philipp Scholz (Jena): Gazeta Kopeika North and EastChair: Joachim von Puttkamer (Jena) Pasi Ihalainen (Jyväskylä): The international and national future in the Finnish party press from the abdication of Nicholas II to the opening of the Finnish parliament in April 1917.Alistair Dickins (Manchester): Between Pogroms and Class Struggle: The Conflicting Scripts of a Local Revolution in Siberia. Roundtable: Future Expectations in the Press

Tagungsbericht

Der Hass auf den Westen – Kommunismus, Nationalsozialismus, Islamismus

vom 22.11.2016

Die Konrad-Adenauer Stiftung und die Gedenkstätte Hohenschönhausen luden zum 9. Hohenschönhausen-Forum Experten ein, um in vergleichender Perspektive antiwestliche Ressentiments im Islamismus, Nationalsozialismus und Kommunismus zu diskutieren. Die Tagung folgte einem klar totalitarismustheoretischem Ansatz und versuchte den Islamismus in dieses Konzept zu integrieren. In mehreren Panels wurde auf die Gemeinsamkeiten von "linker" und "rechter" Ideologie hingewiesen. Sie hätten antikapitalistische und antiwestliche Tendenzen. Somit ergründeten die Referierenden in den Panels die Herkunft und Wirkmächtigkeit antiwestlicher Ressentiments in diesen drei extremen Ideologien. BASSAM TIBI (Göttingen) legte in seinem Einführungsvortrag den Schwerpunkt auf den Islamismus und dessen Unvereinbarkeit mit den westlichen Werten. Wie Horkheimer sehe er den Westen als „eine Insel der Freiheit in einem Ozean der Gewaltherrschaft". Tibi unterstützte Hannah Arendt, die 1951 den Nationalsozialismus und Stalinismus miteinander verglich und als ähnlich gefährlich einstufte. Laut Tibi sei der Islamismus mit all seinen Facetten heute die dritte große Gefahr für die Freiheit. Abschließend warnte er vor einer Verknüpfung von Religion und Politik. Verhalten, das die Freiheit der Menschen in Gefahr bringt, dürfe nicht unter dem Schutzmantel der Religionsfreiheit toleriert werden. Den ausführlichen Tagungsbericht für H-Soz-Kult von André Kockisch können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht:BegrüßungHubertus Knabe (Berlin) / Andreas Kleine-Kraneburg (Berlin)Bassam Tibi (Göttingen): Feindbild Westen oder Die Angst vor der FreiheitPanel I: KommunismusKlaus Schroeder (Berlin): „Der kapitalistische Klassenfeind“ – Der Westen als Feindbild der SEDWolfgang Kraushaar (Hamburg): Anti-Amerikanismus in der 68er-Bewegung – Das Beispiel Horst MahlerEckhard Jesse (Chemnitz): Antiwestliche Ressentiments bei Linken und AfD – Aktuelle Strategien der gesellschaftlichen AbgrenzungBoris Reitschuster (Berlin): Zwischen Verachtung und Bewunderung – Der Umgang mit dem Westen in Putins RusslandModeration: Norbert Seitz (Berlin)Panel II: NationalsozialismusAndreas Nachama (Berlin): Antiamerikanismus, Antikapitalismus – Staatliche Propaganda im NationalsozialismusJoachim Scholtyseck (Bonn): Juden, Neger, Kapitalisten – Hass als Mittel der PropagandaRichard Herzinger (Berlin): Antiwestliche Reflexe – Rechtspopulismus heuteManfred Görtemaker (Potsdam): Front gegen den Westen – Die nationalsozialistische AußenpolitikModeration: Helmuth Frauendorfer (Berlin)Panel III: IslamismusBarbara Zehnpfennig (Passau): Der Kampf gegen die Ungläubigen – Der Westen im Visier des DjihadKristina Schröder (Berlin): Und es hat doch mit dem Islam zu tun – Die Integration von Muslimen in DeutschlandRudolf van Hüllen (Krefeld): Ausprägungen antiwestlicher Aversionen bei Muslimen – Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Rechts- und LinksextremismusModeration: Ingo Kahle (Berlin)ResümeeRita Schorpp (Berlin)

Tagungsbericht | Podiumsgespräch

„Woran glauben wir und gegen wen kämpfen wir?“ Gewalt im Osteuropäischen Bürgerkrieg, 1918–1921

vom 20.09.2016 | bis zum 23.09.2016

Die von Joachim von Puttkamer geleitete Sektion auf dem Historikertag 2016 an der Universität Hamburg untersuchte Strukturen, Akteure und konkrete Situationen von Gewalt im osteuropäischen Bürgerkrieg nach dem Ersten Weltkrieg. Thematisiert wurden die Bürgerkriegsparteien, die Gewalträume, politische Rahmenbedingungen und ethnische Spannungen, individuelle Lebensläufe und kollektive Milieus sowie das Verhältnis zwischen Militär und Zivilbevölkerung. Räumliche, zeitliche und ideologische Grenzziehungen wurden dabei hinterfragt und zum Teil zugunsten einer Darstellung von Kontinuitäten, Gleichzeitigkeiten und Durchlässigkeiten aufgegeben. Die Vortragenden und Kommentatoren kamen zu dem Schluss, dass nur interdisziplinäre sowie vergleichende und transnationale Ansätze diesem komplexen Geschehen gerecht werden können. Zur Erklärung von Gewalt bieten Disziplinen von der Soziologie über die Psychologie bis hin zur Anthropologie und Historiografie diverse Modelle an. In ihnen kommen Strukturen, konkreten situativen Konstellationen und Akteuren verschiedenes Gewicht zu. Mit Blick auf die Handelnden selbst werden individuelle bzw. kollektive Antriebskräfte etwa von ideologischen Motiven bis zu gruppendynamischen Prozessen in unterschiedlichem Maß gewichtet. Dass nur interdisziplinäre Bemühungen zu einem möglichst genauen Verständnis der Gewalt im osteuropäischen Bürgerkrieg nach dem Ersten Weltkrieg führen, dies war ein Ergebnis der Vorträge, Diskussionen und Kommentare der Sektion. Die Gesamtveranstaltung unterstrich dabei auch, dass in der historischen Forschung selbst komparative und transnationale Zugriffe vonnöten sind, um zu tieferen Einsichten in das komplexe, dramatische Gewaltgeschehen im Osteuropa der vermeintlichen Nachkriegszeit zu gelangen. Damit diente die Sektion als ein weiteres Beispiel dafür, wie ergiebig die intensive Beschäftigung mit der osteuropäischen Geschichte für viele Fragestellungen einer allgemeinen, gesamteuropäischen wie globalen Geschichtswissenschaft ist. Das deutliche Interesse an der Veranstaltung mag widerspiegeln, dass sich dieses Bewusstsein in der Zunft zunehmend herausbildet oder gar verfestigt. Es kann aber auch darauf hindeuten, dass über Entwicklungen in Osteuropa außerhalb der engeren Grenzen der Teildisziplin vielfach immer noch recht wenig bekannt ist. Den ausführlichen Tagungsbericht von Andreas Hilger für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Sektionsübersicht: Sektionsleitung: Joachim von Puttkamer (Jena) Włodzimierz Borodziej (Warschau / Jena) / Maciej Górny (Warschau): Einleitung: Der Krieg nach dem Kriege – Politische Visionen und Gewalt im Osteuropäischen Bürgerkrieg Robert Gerwarth (Dublin): Zwischen Restauration und Faschismus. Rechte paramilitärische Gewalt nach dem Ersten Weltkrieg Jochen Böhler (Jena): Jenseits von Nationalstaat und Revolution. Gesinnung und Gewalt regulärer Streitkräfte gegen Zivilisten in Ostmitteleuropa, 1918–1921 Christopher Gilley (Hamburg): Glaube an den allukrainischen/allrussischen Aufstand. Narrative der Verzweiflung im Russischen Bürgerkrieg Patrick Houlihan (Chicago): Katholizismus und der Große Krieg. Religion und Alltag in Ostmitteleuropa nach dem Ersten Weltkrieg Wolfgang Knöbl (Hamburg) / Jörn Leonhard (Freiburg): Kommentar: Gesinnung und Gewalt im Osteuropäischen Bürgerkrieg Joachim von Puttkammer (Jena): Moderation

Tagungsbericht | Workshop

Ost-West-Konflikt im europäischen Kommunismus

vom 23.06.2016 | bis zum 24.06.2016

Anlässlich des 40. Jahrestags der „Konferenz kommunistischer und Arbeiterparteien Europas“ in Ost-Berlin 1976 fand im Centre Marc Bloch in Berlin ein internationaler Workshop statt, auf dem über den Stand und neue Perspektiven der Forschung diskutiert wurde. Die Geschichte der kommunistischen Großkonferenzen, die Zusammenkunft von 1976 selbst sowie ihre Verortung in der Globalgeschichte der 1970er-Jahre standen im Mittelpunkt der Vorträge. Welche Rollen die west- und osteuropäischen kommunistischen Parteien jeweils einnahmen und welche Identitätskonflikte auftraten, war ebenfalls Thema. Darüber hinaus debattierten die elf aus ganz Europa stammenden Historiker über die Wahrnehmung der Konferenz von 1976 durch die Regierungen in Ost und West sowie über die Reaktionen von Dissidenten wie Robert Havemann und Rudolf Bahro. In derselben Stadt, in der sich vor 40 Jahren die kommunistischen Parteien Europas zu ihrer letzten gemeinsamen Konferenz trafen, kamen am 23. und 24. Juni 2016 elf europäische Historikerinnen und Historiker zu einem internationalen Workshop zusammen, um eben jene Konferenz zu beleuchten. Unter dem Titel „Ost-West-Konflikt im europäischen Kommunismus“ befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der gemeinsam vom Centre Marc Bloch, dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, dem INZ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgerichteten Veranstaltung insbesondere mit den unterschiedlichen Perspektiven auf die „Konferenz kommunistischer und Arbeiterparteien Europas“, die am 29./30. Juni 1976 in Ost-Berlin stattfand. Den ausführlichen Tagungsbericht von Helena Imenkämper für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Begrüßung Thomas Lindenberger (ZZF Potsdam)Nikolas Dörr (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)Emmanuel Droit (Centre Marc Bloch Berlin) Panel 1: Die Ostberliner Konferenz im Zeitalter des Kalten KriegesChair: Thomas Lindenberger (ZZF Potsdam) Maximilian Graf (Universität Wien): Die Geschichte kommunistischer GroßkonferenzenNikolas Dörr (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur): „A damage limiting operation“ – Die 1976er-Konferenz in der Analyse von westlichen Nachrichtendiensten und Parteien Panel 2: Die westeuropäischen KPs und die Herausforderung der AutonomieChair: Emmanuel Droit (Centre Marc Bloch) Francesco Di Palma (FU Berlin): Mittler zwischen den Blöcken? Der italienische und der französische Kommunismus in den 1970er JahrenCarla Reitter (Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität, Frankfurt/Main): Der. 22. Parteitag des PCF 1976 – ein Kongress im Zeichen des Eurokommunismus? Panel 3: Der Ostblock: Zwischen Einheit und DiversitätChair: Nikolas Dörr (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) Karlo Ruzicic-Kessler (Wien): Teilnehmen oder nicht? Der Bund der Kommunisten Jugoslawiens und die Berliner Konferenz 1976Gábor Szilágyi (Amt des Nationalen Gedächtnis-Komitees, Budapest): „Herrgott noch mal, dann soll es blau-weiß-rot sein, […] wenn’s nur ein Sozialismus ist!” – Die USAP und die Berliner Konferenz 1976Tom Junes (Human and Social Studies Foundation Sofia): From Kite-flying to Attack Dog: The Bulgarian Communist Party and the 1976 Conference of Communist and Workers Parties in EuropeMiroslav Šepták (Nationalarchiv Prag): Die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei und die Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien Europas im Jahr 1976 Panel 4: Die Reaktion von Dissidenten auf die KonferenzChair: Emmanuel Droit (Centre Marc Bloch) Martina Metzger (Martinsried): Die letzte europäische Kommunistenkonferenz 1976 und ihre Auswirkungen auf die Dissidenten in der DDR: Reaktionen von Robert Havemann und Rudolf BahroMaximilian Graf (Universität Wien): Westeuropäische Dissidenz: Das Beispiel Franz Marek Abschlussbemerkungen Thomas Lindenberger (ZZF Potsdam)

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Suppressed Historiography – Erased Memory? The Perception of the Shoah in East Central Europe during Socialist Rule

vom 30.11.2015 | bis zum 01.12.2015

Der Workshop versammelte 20 Geschichts-, Kultur- Sprach-, und Sozialwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen, die die Wahrnehmungen der Shoah in verschiedenen sozialistischen Ländern untersucht haben. Dabei wurden bisher vernachlässigte historische Akteure sowie die sich wandelnden politischen und sozialen Grenzen berücksichtigt, die die Perzeptionen prägten und zu spezifischen dynamischen Prozessen machten. Auch der transnationale Vergleich war damit möglich. Thematisiert wurden u. a. die sozialistische Historiographie zur Shoah, die jüdische und nicht-jüdische Erinnerung, die Rolle von Zeitzeugen im sozialistischen Gedenken sowie Repräsentationen der Shoah in Film und Literatur. Ein Fazit der Teilnehmenden war, dass sich der Workshop weniger mit der Wahrnehmung, sondern vielmehr mit der Repräsentation der Shoah auseinandersetzte, weil diese wissenschaftlich besser zu erschließen und zu dekonstruieren sei. Der Workshop „Suppressed Historiography – Erased Memory? The Perception of the Shoah in East Central Europe during Socialist Rule“ trat an, um Fragen historischer Forschung an die Wahrnehmung der Shoah in den sozialistischen Staaten multiperspektivisch aufzufächern und in Feldern wie Historiographie, politische Instrumentalisierung, öffentliche Debatten oder Kunst- und Literaturbetrieb nach Antworten und Verflechtungen zu suchen. In Halle trafen sich Ende November über 20 Forscherinnen und Forscher der Geschichts-, Kultur- Sprach-, und Sozialwissenschaften, um den Blick auf vernachlässigte historische Akteure und Prozesse zu lenken, die an der Gestaltung dieser Wahrnehmung mitwirkten. Die Beiträge setzten sich zum Ziel, die Perzeption der Shoah als dynamischen Prozess innerhalb sich wandelnder politischer und sozialer Grenzen zu begreifen, und dabei transnationale Vergleiche anzuregen. Den ausführlichen Tagungsbericht von Julia Röttjer für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Yvonne Kleinmann (Aleksander Brückner Center, Halle); Magdalena Sedlická (Jewish Museum in Prague) – Welcome Stephan Stach – Introducing Remarks Panel 1: Socialist Shoah HistoriographyChair: Katrin Steffen (Lüneburg) Gabriel N. Finder (Charlottesville): Ber Marks' Odyssey from Regime Historian to Bona Fide HistorianEstera Flieger (Łódź): Arthur Eisenbach as the Polish Shoah HistorianPeter Hallama (Strasbourg): True to the Socialist Ideology? Miroslav Kárný and Czech Shoah Research in the 1970s and 1980s Panel 2: Shoah Remembrance in the Jewish & non-Jewish SphereChair: Audrey Kichelewski (Strasbourg) Miriam Schulz (New York): Shoah Commemoration within the Yiddish Community. The Case of „Sovyetish Heymland"Katarzyna Person (Warsaw): Postwar Remembrance and the Ringelblum Archive (1946–1952)Joanna Nalewajko-Kulikov (Warsaw): Editing the Shoah for Polish Masses. A Case Study in the History of Polish (and Jewish) Censorship Panel 3: Eye Witnesses & their Role in Socialist CommemorationChair: András Lénárt (Budapest) Kata Bohus (Göttingen): Anne and Éva. The Janus-Faced Memory of the Holocaust in Communist HungaryHannah Maischein (Munich): Forgetting and Forgotten Eye-Witnesses? Polish Pictures of the Polish-Jewish Relation during the WarJakub Mlynář (Prague): Between Remembrance and Indifference. Reflection of the Shoah during the Post-War Period as Narrated by the Czech Survivors Panel 4: Discourses around the ShoahChair: Stephan Stach (Halle) Alexander Walther (Jena): Beyond Anti-Fascism: The Shoah, the GDR, and the (non-HistoriansTomasz Żukowski (Warsaw): A Model of Culture Transcending Political Divisions: Discourse on the Righteous in the Communist Poland of the 1960sRichard S. Esbenshade (Urbana-Champaign): Hungarian Holocaust Memory, 1945–1975. The Gap that Wasn’t Panel 5: Socialist Shoah Memorials & Jewish Sites of MemoryChair: Magdalena Sedlická (Prague) Imke Hansen (Uppsala): When Auschwitz was not Holocaust yet. The Jewish Community in Poland, the Memorial of Auschwitz-Birkenau and the Emergence of a SymbolYechiel Weizman (Haifa): Remembering through the Ruins. Jewish Sites in Communist Poland and the Memory of the ShoahGintarė Malinauskaitė (Berlin): Shoah Narratives in Soviet Lithuania. The Case of the 9th Forth Museum in Kaunas Panel 6: Representations of the Shoah in Literature and FilmsChair: Michael Zok (Warsaw) Michala Lônčíková (Bratislava): Facing the Trauma. Artistic Reflection of the Cohabitation of the Jewish Minority and Slovak Majority during the Shoah[Beitrag verlesen:] Aránzazu Calderón Puerta (Warsaw): Attempted Critique of Dominant Models of Shoah Narratives. Polish Cinema of the 1950s and the 1960sAnja Tippner (Hamburg): Conflicting Memories, Conflicting Stories. Fictionalizing the Shoah in Rybakov’s Novel „Tyazhelyi Pesok“ (Heavy Sand) Concluding PanelChair: Stephan Stach (Halle)Discutants: Audrey Kichelewski (Strasbourg), András Lénárt (Budapest)

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Sites of Memory of Socialism and Communism in Europe

vom 03.09.2015 | bis zum 06.09.2015

Die Organisatoren luden dazu ein, Erinnerungsorte des Kommunismus und Sozialismus, die damit verbundenen divergierenden Geschichtsnarrative, das Spannungsverhältnis von Erinnern und Vergessen sowie die Akteure der Erinnerung in den Blick zu nehmen Thematisiert wurden u. a. der Zusammenhang von Erinnerungsnarrativen und historischen Ereignissen oder Objekten, die Erinnerung an den „Großen Patriotischen Krieg“ in Russland bzw. an Lenin und Stalin in Ost- und Westeuropa. Weitere Fallstudien beleuchteten die geschichtspolitische Instrumentalisierung von Bauten, Denkmälern, Plätzen und Museen. Die Vorträge verdeutlichten nicht nur signifikante Unterschiede im Umgang mit dem materiellen und ideellen Erbe des Sozialismus sondern auch bei der Verwendung von Begriffen wie „Bolschewismus“, „Stalinismus“ und „Totalitarismus“ in den wissenschaftlichen Diskursen. In den Staaten West- und Osteuropas wird heute auf die unterschiedlichste Weise mit der eigenen sozialistischen, respektive kommunistischen Vergangenheit umgegangen. An der Konferenz mit dem Titel „Sites of Memory of Socialism and Communism in Europe“, welche vom 3. –6. September 2015 im Schloss Münchenwiler in der Nähe von Bern stattgefunden hat, wurden verschiedene Formen des Umgangs mit dem sozialistischen und kommunistischen Erbe Europas diskutiert und Beispiele von Erinnerungsorten im Sinne des von Pierre Nora geprägten Begriffs der lieux de mémoire vorgestellt. In ihrer konzeptionellen Einführung plädierten JULIA RICHERS (Bern) und F. BENJAMIN SCHENK (Basel) dafür, Erinnerungsorte des Kommunismus und Sozialismus in Europa mit Blick auf divergierende Geschichtsnarrative, auf das Spannungsverhältnis von Erinnern und Vergessen sowie auf unterschiedliche Medien und Akteure der Erinnerung zu untersuchen. Gleichzeitig setzten sie sich für einen differenzierten Umgang mit den Begriffen sozialistisch, kommunistisch und stalinistisch ein und benannten den 100. Jahrestag der Zimmerwalder Konferenz von 1915 als Anlass für die Ausrichtung der internationalen Tagung. Den ausführlichen Tagungsbericht von Ayse Turcan für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: IntroductionJulia Richers, Frithjof Benjamin Schenk 1) Events as commemorated „turning points“ in history Rayk Einax (Gießen): Forgotten Glory – Minsk and the First Congress of the RSDLP Lauri Viljanen (Helsinki): Finnish Communist Expatriates, Memory and Interpretations of History of the Finnish Civil War in Interwar Soviet Union Andrea Talabér (Florenz): Communist Memories in Communist States: The Appropriation of Czechoslovak and Hungarian Commemorative Events for Communist Legitimacy Ron Blom (Amsterdam): Commentary 2) Commemorating the Great Patriotic War in Russia Anne Hasselmann (Basel): The Central Museum of the Red Army as a Site of Memory Tatiana Voronina (Basel): Past as a Socialist Realism Project: The Narrative Structure of the Soviet Historical Discourse about WWII Julia Richers (Bern): Commentary Keynote lectureMaria Todorova (Urbana Champaign): Shared or Contested Heritage? Commemorating Socialism and Communism in Europe 3) Commemorating Lenin and Stalin in Eastern and Western Europe Maria Silina (Montreal): Memorial Industry: V.I. Lenin Commemoration in Soviet Russia from 1924 till Nowadays Barbara Martin (Genf) / Gennadii Kuzovkin (Moscow): The Discussion on Stalin as an Object of Research in Historical Perspective: Towards a New Approach Elisa Kriza (Coburg): The Stalin Plaque in Vienna F. Benjamin Schenk (Basel): Commentary 4) Concrete memories / Constructed heritage Dimitrina Popova (Sofia): The Prefabricated Concrete Housings as Architectural Heritage of Socialism in Sofia, Bulgaria Dominika Czarnecka (Warschau): Feeling at Home in the Post-Soviet Base in Poland: Cultural Practices and Politics of Memory Raino Isto (College Park, Maryland): „An itinerary of the Creative Imagination:“ Bunk’Art, Avant-Garde Practices of Memory Production, and the Touristic Experience of the Socialist Past in Contemporary Albania Nikolas Dörr (Berlin): Commentary 5) Dealing with the Socialist heritage today Oleksandra Gaidai (Kiew): Lenin Statues in Post-Soviet Ukraine: Legislations, Practices and Attitudes Stanislav Holubec (Jena): Marx, Lenin and Commemoration of Socialism in Three Countries: Former GDR, Czech Republic and Slovakia Rasa Baločkaite (Kaunas): The Trouble with Soviet Heritage: Rethinking Indirect Violence of Totalitarianism Cristina Diac (Bukarest): Commentary 6) Spaces and practices of memory Melinda Harlov (Budapest): A Square that Has Seen it All: The ’56e-ers Square in Budapest Codruta Pohrib (Maastricht): Archiving Romanian Communist Childhood: Online (mi)lieux de mémoire? Nutsa Batashvili (Tiflis): What are Sites of Memories for? Brigitte Studer (Bern): Commentary Evening Talks Gennadii Kuzovkin (St. Petersburg): Commemorating Communism in Russia Today: The NGO Memorial Nikolas Dörr (Berlin): Sites of Memory of Communist Dictatorships. A Documentation 7) Historical sites as lieux de mémoire Anna Kršinić Lozica (Zagreb/Paris): Performing Memory in Kumrovec: From Mini-Yugoslavia to Contested Heritage Kathleen Beger (Regensburg): Where Future Meets Past – The Soviet Pioneer Camp Artek as a Site between Socialist Utopia and Memory Sandrine Mayoraz (Basel): Commentary 8) The conference of Zimmerwald (1915) – historical event and lieu de mémoire Jürg Ulrich (Basel): The Conference of Zimmerwald (1915). Its Historical Significance for the Development of the Communist International Julia Richers (Bern): „Zimmerwald“ between Memory and Oblivion in Russia and Switzerland

Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert

Konferenzdokumentation

Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert

vom 23.02.2017 | bis zum 25.02.2017

2017 jähren sich die Februar- und Oktoberrevolution zum einhundertsten Mal. Bereits am 23. Februar 1917 kam es nach vorangegangenen Streiks und Plünderungen zur Gründung der Arbeiter- und Soldatenräte, die gemeinsam mit dem russischen Parlament die Regierungsgewalt übernahmen und den Zaren entmachteten. Damit nahm die Russische Revolution ihren Anfang, an deren Ende die Bolschewiki eine kommunistische Herrschaft errichteten, die das gesamte 20. Jahrhundert nachhaltig prägen sollte. Aus diesem Anlass veranstalteten die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Friedrich-Ebert-Stiftung vom 23. bis 25. Februar 2017 in Berlin die internationale Konferenz »Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert«. Die Konferenz war der Auftakt des Themenjahres »Der Kommunismus: Utopie und Wirklichkeit« der Bundesstiftung Aufarbeitung. Ausgehend von einem Überblick zur Geschichte des Kommunismus und seinem historischen Kontext wurden die unterschiedlichen Ausformungen der verschiedenen »Kommunismen« weltweit sowie deren Gemeinsamkeiten in den Blick genommen. Welche Konjunkturen des Kommunismus gab es und welche Bilanz können wir heute ziehen? Wie präsent ist der Kommunismus in der Forschung, in der Öffentlichkeit, in der Populärkultur und als politisches Erbe im vereinten Deutschland? Und wie sind die Verbrechen und die Opfer kommunistischer Regime in die Gewaltgeschichte des »Zeitalters der Extreme« einzuordnen? Die internationale Konferenz lud in vier Panels renommierte Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Kultur und historisch-politischer Bildung dazu ein, den Ort des Kommunismus in der deutschen und europäischen Erinnerungskultur zu vermessen und damit verbundene Herausforderungen für die Forschung und Bildung zu diskutieren. Der 100. Jahrestag der Russischen Revolution bot die Chance, die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kommunismus im 20. Jahrhundert in einem neuen Licht zu betrachten und in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Einen ausführlichen Tagungsbericht für H-Soz-Kult von Cornelius de Fallois und Stefan Finkele finden sie hier. Tagungsprogramm: Donnerstag | 23. Februar 2017 BegrüssungEröffnungsvortrag Gerd Koenen | »Kommunismen im 20. Jahrhundert«Ulrich Mählert und Gerd Koenen | Präsentation der Plakatausstellung »Der Kommunismus in seinem Zeitalter« Eine Ausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung und des Deutschen Historischen Museum Freitag | 24. Februar 2017 9.00-11.30 Panel 1 Bestandsaufnahmen. Der Kommunismus in Forschung, Öffentlichkeit, Populärkultur und als politisches Erbe im vereinten Deutschland Detlef Siegfried | »Der Kommunismus in der Populärkultur und als politische Nische«Stephen Anthony Smith | »Der Kommunismus als Forschungsgegenstand seit 1990«Hans-Joachim Veen | »Das politische Erbe des Kommunismus im vereinten Deutschland«Moderation: Jacqueline Boysen 11.30–16.30 Panel 2 Der Kommunismus in der Erinnerungskultur und der poltischen Bildung Impulsvortrag Anna Kaminsky | »Der Kommunismus als Stiefkind der Erinnerungskultur«Podiumsdiskussion »Kommunismuserinnerung - (k)ein Thema für die politische Bildung?«Sabine Bamberger-Stemmann | Andreas Kleine-Kraneburg | Thomas Krüger | Anja Kruke | Florian WeisModeration: Michael ParakVideoübertragung Charles S. Maier | »Konjunkturen der Kommunismusdebatte und Kommunismuskritik« 16.30–18.00 Panel 3 Die europäische Dimension der Erinnerung Podiumsdiskussion »Der Kommunismus in der europäischen Erinnerungskultur«Markus Meckel | Etienne François | Adam Krzemiński | Neela Winkelmann-Heyrovská              Moderation: Sabine Adler Samstag | 25. Februar 2017 9.00–12.30 Panel 4 Politische Gewalt im Zeitalter der Extreme Vortrag Jörg Baberowski | »Politik und Massenmord im Zeitalter der Extreme - eine vergleichende Bilanz«Podiumsdiskussion »Wie über politische Gewalt im Zeitalter der Extreme sprechen?«Benjamin Ziemann | Zsuzsa Breier | Juri Durkot | Jörg Baberowski                                           Moderation: Harald AselSchlusswort Katharina Hochmuth

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Tagungsbericht | Symposium

15. Internationales Symposium der Stiftung Ettersberg

vom 04.11.2016 | bis zum 05.11.2016

Die Stiftung Ettersberg nahm auf ihrem 15. Internationalen Symposium die Diktaturen und Diktaturerfahrungen des franquistischen Spaniens, des Portugals unter Salazar und der Militärdiktatur in Griechenland vergleichend in den Blick. Die drei Sektionen fragten nach Ideologie und Herrschaftspraxen der Diktaturen, der Transitionen und schließlich nach der Erinnerung und Aufarbeitung. Die Konferenz versuchte diese südeuropäischen Diktaturen in eine gesamteuropäische Geschichte zu integrieren. Die Tagung zeigte, dass das heutige Erstarken populistischer Parteien nicht auf die Diktaturerfahrungen zurückgeführt werden kann. Es wurde allerdings deutlich, dass trotz der massiven Unterschiede in den demokratischen Transformationen, die politische Phrase vom demokratischen Übergang von verschiedensten Gruppierungen im Diskurs genutzt wird und somit auf die Vergangenheit der Diktaturüberwindung rekurriert. „Gibt es einen Zusammenhang zwischen Diktaturerfahrung sowie Diktaturaufarbeitung und dem Aufkommen populistischer Bewegungen [...] im Europa der Gegenwart? Sind diese gar Ausdruck einer starken Europaskepsis sowie enttäuschter Hoffnungen, die am Ende der jeweiligen Diktaturen überall sehr groß waren?“Dies waren die zentralen Leitfragen, mit denen JÖRG GANZENMÜLLER (Weimar/Jena) das 15. Symposium der Stiftung Ettersberg unter dem Titel ‚Europas vergessene Diktaturen? Diktatur und Diktaturüberwindung in Spanien, Portugal und Griechenland` eröffnete. Erstmals widmete sich die Tagung ausführlich den – wie Ganzenmüller betonte – „Vergessenen Diktaturen“ und nahm diese vergleichend in den Blick. Die erste Sektion fragte dabei zunächst nach dem Charakter der südeuropäischen Diktaturen, ihrer Entstehung sowie den Formen von Herrschaft, Ideologie und Gewalt, die diese entwickelten. In einem weiteren Schritt wurde die Überwindung und Systemtransformation der Diktaturen hin zur Demokratie thematisiert, ehe abschließend die erinnerungskulturellen Perspektiven und damit spezifischen Verarbeitungsprozesse der postdiktatorischen Gesellschaften in den drei Ländern dargestellt wurden. Den ausführlichen Tagungsbericht auf H-Soz-Kult von Konstantin Heinisch-Fritzsche finden sie hier. Konferenzübersicht:Jörg Ganzenmüller (Weimar/Jena): EröffnungAdam Krzemiński (Warschau): Das Ende der Hoffnung Europa? Populismus und Nationalismus in postdiktatorischen GesellschaftenSektion I: Die südeuropäischen Diktaturen nach 1945: Ideologie, Herrschaft und GewaltModeration: Christiane Kuller (Erfurt)Carlos Collado Seidel (Marburg): SpanienChristiane Abele (Paris/Freiburg): PortugalJanis Nalbadidacis (Berlin): GriechenlandSektion II: Europa als Perspektive: Das Ende der Diktaturen und die SystemtransformationModeration: Claudia Kraft (Siegen)Ulrike Capdepón (Hamburg): Transition und Spaniens Weg nach EuropaAntonio Muñoz Sánchez (Lissabon): Die Nelkenrevolution und das Ende des Estado NovoAdamantios Theodor Skordos (Leipzig): Die Diktaturüberwindung in GriechenlandSektion III: Nationales Erinnern und europäisches Vergessen?Moderation: Axel Doßmann (Jena)Xosé M. Núñez Seixas (München): Schweigen oder Erinnern? Die unterbliebene Auseinandersetzung mit der Franco-DiktaturTeresa Pinheiro (Chemnitz): Die Erinnerung an die Salazar-DiktaturDespoina Skourti (München): Vom Ereignis zur Prosa: Die literarische Erinnerung an das ObristenregimePodiumsdiskussion: Europa – eine verlorene Hoffnung? Süd- und ostmitteleuropäische Perspektiven im VergleichModeration: Jörg Ganzenmüller (Weimar/Jena)Teilnehmer/innen: Włodzimierz Borodziej (Jena/Warschau), Éva Kovács (Wien/Budapest), Xosé M. Núñez Seixas (München), Teresa Pinheiro (Chemnitz), Adamantios Theodor Skordos (Leipzig)

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The International Echoes of the Commemorations of the October Revolution (1918-1990)

vom 14.09.2016 | bis zum 16.09.2016

Die internationale Tagung in Lausanne beschäftigte sich mit der Erinnerungskultur, die in und außerhalb der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution aufkam. Die Beiträge vermittelten vor allem Erkenntnisse über ihre Wirkungsgeschichte in den einzelnen Ländern und die Selbstverortung der Erinnernden in nationalen und globalen Zusammenhängen. Gezeigt wurde z. B., dass in der Ukraine in den 1920er-Jahren oder in der DDR nicht die eigenen revolutionären Traditionen gefeiert, sondern die russische Gedenkkultur übernommen wurde. Weitere Referate thematisierten das Oktoberrevolutionsgedenken in westeuropäischen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg und wie sozialistische Parteien und die internationale Presse mit dem Erbe der Revolution umgingen. Insgesamt machten die Referate bewusst, welche Rolle bei den verschiedensten Feiern die Selbstwahrnehmung der Akteure in europäischen politischen und sozialen Bewegungen spielte. Der 2017 anstehende hundertste Jahrestag der russischen Revolutionen wirft seine Schatten voraus: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass auf einschlägigen Portalen und Mailinglisten Veröffentlichungen und Veranstaltungen zur Februar- und Oktoberrevolution und ihren Folgen annonciert werden. Konjunktur haben dabei Perspektiven, die die transnationalen Verflechtungen und globalen Konsequenzen der russischen Ereignisse in den Blick nehmen. Der Workshop jedoch, der an der Universität Lausanne in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift „Twentieth Century Communism“ abgehalten wurde, stach aus der Masse der Jubiläumsveranstaltungen heraus. Hier ging es nicht um die Oktoberrevolution selbst, sondern um die in ihrem Gefolge entstehende globale Erinnerungs- und Festkultur. Die Zelebrierung des revolutionären Jahrestags am 7. November war keine rein innersowjetische Angelegenheit. Zum einen wurden die Feierlichkeiten und Paraden in Moskau weltweit wahrgenommen, zum anderen wurde auch der Festanlass selbst von der Linken außerhalb der Sowjetunion immer wieder aufgegriffen und in wechselnden Kontexten zeleberiert. Den ausführlichen Tagungsbericht von Gleb J. Albert für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: INTRODUCTIONStefanie Prezioso, University of LausanneJean-François Fayet, Universities of Lausanne and Fribourg SESSION 1: Commemorations in a civil war contextChair: Norman LaPorte, University of South Wales Ottokar Luban, Berlin: The echoes of the Russian October Revolution 1917 under the state of siege in Germany, October/November 1918 Daniel Kowalsky, Queen's University, Belfast: Exporting Soviet Commemorations: The Spanish Civil War and the October Revolution Anastasia Koukouna, University of Lausanne: Commemorating the October Revolution in Athens, 1918-1945. SESSION 2: October is our history tooChair: Kevin Morgan, University of Manchester Eric Aunoble, University of Geneva: To commemorate an event that didn’t occur: October in Ukraine in the 1920s Kasper Braskén, Åbo Akademi University, Finland: The International Workers’ Relief and the commemorations of the October Revolution in Germany, 1921–1932 Nicolas Offenstadt, Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne: Russian Revolution, German Revolution: The Red Sailors of 1917 and 1918 in the commemorations of the GDR SESSION 3: Commemorations in Western democraciesChair: Gleb J. Albert, University of Zurich Jesper Jørgensen, The Workers’ Museum and The Labour Movement Library and Archives, Copenhagen: The Commemorations of the October Revolution in Denmark during the Cold War – a marker of radicalism? Matteo Bertelé, University of Venice: Venice 1977: (counter)celebrations of the October Revolution SESSION 4: Commemorations in socialist partiesChair: Stefanie Prezioso, University of Lausanne André Liebich, Universities of Geneva and Vienna: The Mensheviks commemorate October Virgile Cirefice, Universities of Paris 8 and Bologna: Celebrating the Russian Revolution? A socialist dilemma. France – Italy, 1945-1956 SESSION 5: Under the gaze of foreign expertsChair: Brigitte Studer, University of Bern Carola Tischler, University of Konstanz: Between exaggeration and underestimation – German military reports about the November parades before World War II Valérie Gorin, University of Lausanne: The journalist as a foreign expert – American TV correspondents reporting on the November parades (1960s-1980s) SESSION 6: Echoes in the printed pressChair: Valérie Gorin, University of Lausanne Stephan Rindlisbacher, University of Bern: Echoes of the echoes: Constructing Soviet self-image in the mirror of the international commemorations of the October Revolution, 1918-1991 Korine Amacher, University of Geneva: Commemorations of the October Revolution in the Swiss-French press, 1918-1990 [cancelled] Alexander Höbel, University of Naples: Anniversaries of the October Revolution in the political-cultural magazine of the Italian Communist Party: Rinascita, 1957-1987 CONCLUSIONKevin Morgan, University of Manchester: ConclusionNorman LaPorte, University of South Wales: Information on publications

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Erinnerungskulturen in transnationaler Perspektive

vom 16.06.2016 | bis zum 17.06.2016

Im Dom Kultury in Zgorzelec, der Nachbarstadt von Görlitz an der Neiße, fand am 16. und 17. Juni 2016 eine Konferenz statt, die sich in Fachvorträgen und Erinnerungsberichten der Geschichte der Oder-Neiße-Grenze von 1945 bis 1989 widmete. Die 1950 zwischen den beiden kommunistischen „Bruderländern“ DDR und Polen gezogene „Friedensgrenze“ ist ein fest im kollektiven Gedächtnis verankerter symbolischer Ort in der Doppelstadt Görlitz/Zgorzelec. Die Konferenz beschäftigte sich zum einen mit verschiedenen Formen einer nationalen sowie transnationalen und europäischen Erinnerungskultur, zum anderen mit der subjektiven Perspektive der in diesem Grenzraum lebenden Einwohner. Darüber hinaus ging es um Methoden, Themen und Herausforderungen deutsch-polnischer Ausstellungen am Beispiel der beiden Städte. Im Rahmen der von der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung (DPWS) sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Wanderausstellung „Grenzgeschichten transnational – Zgorzelec und Görlitz 1945–1989“, die Anfang Dezember dieses Jahres im Dom Kultury in Zgorzelec eröffnet wird, fand in der Doppelstadt an der Neiße am 16. und 17. Juni 2016 eine themenverwandte Konferenz statt. Neben Fachvorträgen über die Erinnerungskultur in Görlitz und Zgorzelec berichteten polnische und deutsche Zeitzeugen aus beiden Stadthälften von ihren eigenen mit der Oder-Neiße-Grenze während des Kommunismus gemachten Alltagserfahrungen; ein breiteres Rahmenprogramm, vor allem der von MARTINA PIETSCH (Görlitz) geleitete Besuch der Konferenzteilnehmer am Freitagmorgen (17. Juni 2016) durch die Ausstellung im Schlesischen Museum „Die große Not. Erinnerungen an Kriegsende und Nachkriegszeit in Görlitz und Zgorzelec“, rundete die Veranstaltung gewinnbringend ab. Den ausführlichen Tagungsbericht von Stefan Thierfelder für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Begrüßung und Einführung in das ThemaDominik Trutkowski (Berlin / Poznań) AbendvortragKazimierz Wóycicki (Warschau / Kreisau): Zuhause an der Neiße. Görlitz und Zgorzelec 1945–1989 Panel 1: Gemeinsames oder geteiltes Gedächtnis? Muster einer nationalen, transnationalen oder europäischen Erinnerungskultur Elżbieta Opiłowska (Wrocław): Kontinuitäten und Brüche deutsch-polnischer Erinnerungskulturen. Görlitz und Zgorzelec 1945–2006 Robert Lorenz (Berlin): Schlesische Metamorphosen. Ethnographie Görlitzer und Zgorzelecer Identitätserzählungen nach 1989 Christian Hörbelt (Frankfurt an der Oder): Die Kollektive Erinnerung an die Oder-Neiße-Grenze in Transnationalisierungsprozessen: Polen und Deutschland im Vergleich Panel 2: Die Grenze aus der subjektiven Perspektive der Bürger. Transnationale Kontakte, Verbindungslinien and Kooperationen Klaus Kauer (ehem. Leiter VEB Elektroschaltgeräte Görlitz): Zgorzelecer Arbeiterinnen in volkseigenen Betrieben in Görlitz 1967–1989 Ernst Kretzschmar (ehem. Städtische Kunstsammlungen Görlitz): Wahrnehmung von Stereotypisierungen – Görlitz und Zgorzelec in den 1970er Jahren Peter C. Birkner (Generalvikar und Dompropst emerit., Görlitz): Die Zusammenarbeit der Kirchen zwischen den Städten Görlitz und Zgorzelec Anneliese Karst (Görlitzer Turbinenwerk): Familiäre Bindungen zwischen der DDR und Polen – persönliche Einblicke Panel 3: Repräsentationsmodi transnationaler Ausstellungen – Probleme and Perspektiven, Methoden und Themen Dominik Trutkowski (Berlin / Poznań): Die „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ in den Erinnerungskulturen der Stadt Görlitz-Zgorzelec Kinga Hartmann-Wóycicka (Görlitz-Zgorzelec): Sie bewiesen Zivilcourage - Bürger aus Görlitz und Zgorzelec 1945 - 1989

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Tagungsbericht | Symposium

14. Internationales Symposium der Stiftung Ettersberg

vom 06.11.2015 | bis zum 07.11.2015

Das 14. Internationale Symposium der Stiftung Ettersberg widmete sich 70 Jahre nach Beginn der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse den gesellschaftlichen Erwartungen an den Rechtsstaat sowie den juristischen Möglichkeiten bei der Aufarbeitung von Diktaturen. Die Vorträge thematisierten die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechen in der DDR und in der Bundesrepublik sowie die Aufarbeitung von DDR-Unrecht nach der Wiedervereinigung etwa am Beispiel der Mauerschützenprozesse. Mehrere Beiträge beschäftigten sich mit der strafrechtlichen Aufarbeitung von Diktaturverbrechen in Ostmittel-, Südost- und Südeuropa. Ein Fazit aus den Diskussionen war, dass nicht allein das Strafrecht die Aufarbeitung von Diktaturen leisten könne, sondern andere Akteure, darunter die historische Forschung, sich beteiligen müssen. Nulla poena sine lege – Eine Tat kann nur dann bestraft werden, wenn sowohl Strafbarkeit als auch Strafe schon vor Tatzeitpunkt gesetzlich bestimmt waren. Mit diesem Strafrechtsgrundsatz eröffnete JÖRG GANZENMÜLLER (Weimar / Jena) das 14. Internationale Symposium der Stiftung Ettersberg unter dem Titel ‚Recht und Gerechtigkeit – Die strafrechtliche Aufarbeitung von Diktaturen in Europa‘. Damit legte er sogleich den Fokus auf eine der zentralen Fragen des Symposiums – dem Verhältnis von Rechtssicherheit und dem Wunsch nach Gerechtigkeit und Aufarbeitung der diktatorischen Vergangenheit. Die interdisziplinär angelegte Tagung zielte nicht darauf, nachträglich Schuldsprüche zu formulieren, sondern Wege und Instrumentarien des Rechtsstaates bei der Aufarbeitung von Diktaturen in Europa zu analysieren und darüber hinaus den Einfluss gesellschaftlicher Erwartungen einzubeziehen. Somit verortete die Tagung nicht nur das Strafrecht innerhalb der gesamtgesellschaftlichen Aufarbeitung, sondern bestimmte auch das Verhältnis zwischen Geschichtswissenschaft und Jurisprudenz näher. Den ausführlichen Tagungsbericht von Philipp Weigel für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Jörg Ganzenmüller (Weimar/Jena): Eröffnung Jutta Limbach (Berlin): Möglichkeiten und Grenzen des Rechtsstaates bei der Aufarbeitung diktatorischer Vergangenheit Sektion I: Die strafrechtliche Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen in DeutschlandModeration: Christiane Kuller (Erfurt) Clemens Vollnhals (Dresden): Die Verfolgung von NS-Tätern in der Bundesrepublik und in der DDR Tobias Freimüller (Jena): Ärzte ohne Menschlichkeit: Vom Nürnberger Ärzteprozess zur strafrechtlichen Verfolgung in der Bundesrepublik Martin Kiechle (Jena): Der Umgang der SED-Diktatur mit den NS-„Euthanasie“-Verbrechen in Stadtroda Sektion II: Die strafrechtliche Verfolgung von Verbrechen der SED-DiktaturModeration: Franz-Josef Schlichting (Erfurt) Moritz Vormbaum (Berlin): Die strafrechtliche Aufarbeitung von DDR-Unrecht Gerhard Sälter (Berlin): Der Rechtsstaat und die Grenzen der Gerechtigkeit – am Beispiel der Mauerschützenprozesse Katharina Lenski (Jena): Der Fall Matthias Domaschk –Strafrechtliche Aufarbeitung und offene Fragen Sektion III: Die strafrechtliche Verfolgung von Verbrechen kommunistischer Regime in Ostmittel-und SüdosteuropaModeration: Claudia Kraft (Siegen) Joachim von Puttkamer (Jena): Polen Stefan Troebst (Leipzig): Bulgarien Julie Trappe (Bonn): Rumänien Sektion IV: Strafrechtliche Aufarbeitung von Diktaturverbrechen in SüdeuropaModeration: Volkhard Knigge (Weimar/Jena) Ulrike Capdepón (Konstanz): Spanien Adamantios Theodor Skordos (Leipzig): Griechenland Podiumsdiskussion: Die Praxis der strafrechtlichen Aufarbeitung von DiktaturenModeration: Jörg Ganzenmüller (Weimar/Jena) Teilnehmer: Thomas Bardenhagen (Schwerin); Jutta Limbach (Berlin); Joachim Riedel Franz-Josef Schlichting (Erfurt): Schlusswort

Tagungsbericht | Konferenz

Auf dem Weg nach Westen? Umbrüche, Wandel und Transformationsprozesse im östlichen Europa

vom 16.07.2015 | bis zum 19.07.2015

Mit dem Ziel, den Austausch zwischen verschiedenen osteuropabezogenen Forschungsprojekten sowie zwischen Studierenden, Promovierenden und etablierten Wissenschaftlern zu fördern, fand an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz der XIII. Ostblick-Jahreskongress statt. Auf der interdisziplinären Tagung wurden laufende oder abgeschlossene Qualifikationsarbeiten vorgestellt, die sich historischen und gegenwärtigen Wandlungsprozessen in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa sowie deren Verhältnis zum „Westen“ widmen. Das Themenspektrum reichte vom Europa-Diskurs der Russisch-Orthodoxen Kirche zwischen 1996 und 2011 über jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland seit 1990 bis hin zur Wahrnehmung der 1730 etablierten aristokratischen Regierungsform in Russland durch den Kaiserhof in Wien. Einen zentralen Bezugspunkt der gesamten Tagung stellte die aktuelle Krise in der Ukraine da, die auch Thema einer Podiumsdiskussion war. Vom 16. bis 19. Juli fand an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz der XIII. Ostblick-Jahreskongress „Auf dem Weg nach Westen? Umbrüche, Wandel und Transformationsprozesse im östlichen Europa“ statt. Die interdisziplinäre Veranstaltung richtete sich an NachwuchswissenschaftlerInnen, die in Workshop-Panels ihre laufenden oder abgeschlossenen Qualifikationsarbeiten zur Diskussion stellten. Die Vorträge griffen verschiedene Aspekte politischer und gesellschaftlicher Wandlungsprozesse in Geschichte und Gegenwart Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas auf und befragten sie auf ihre eventuellen Vorbilder und Orientierungspunkte im „Westen“ hin. Den ausführlichen Tagungsbericht von Martin-Paul Buchholz, David Leuenberger, Sven Mörsdorf und Martin Munke für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen. Konferenzübersicht: Begrüßung durch den Vorstand von Ostblick – Initiative OsteuropaStudierender Deutschland e.V. Jan Kusber (Mainz): In der Transformation: Umbrüche, Wandel und Konflikt im östlichen Europa Alfred Gall (Mainz): Literatur und Transformation. Aspekte des Epochenumbruchs nach 1989/90 am Beispiel der polnischen Literatur Andrea Brait (Wien): Offene Grenzen, neue Barrieren und gewandelte Identitäten. Österreich, seine Nachbarn und die Transformationsprozesse seit 1989 Nazarii Gutsul (Gießen): Projektvorstellung: Thematisches DAAD-Netzwerk „Kulturelle Kontakt und Konfliktzonen im östlichen Europa“ Alena Alshanskaya (Mainz): Der Europa-Diskurs der Russisch-Orthodoxen Kirche (1996-2011) Alexander Bauer (Mainz): Die gebaute Utopie einer Herrschaft: Sankt Petersburg im Zeitalter Katharinas II. Tanja Penter (Heidelberg): Das Ende der Sowjetunion und die Entdeckung der Opfer – ein Vergleich zwischen Russland und der Ukraine Podiumsdiskussion: Regionale Identitäten in der UkraineTanja Penter (Heidelberg), Natalia Shchyhlevska (Mainz), Ljudmila Belkin (Berlin) Moderation: Rainer Goldt (Mainz) Hans-Christian Maner (Mainz): Armenhäuser zwischen wildem Balkan und Dracula? Aspekte der Transformation in Südosteuropa. Das Beispiel Rumänien und Bulgarien Steven Müller (Jena): Welche Staatsform für Russland? – Die Etablierung einer aristokratischen Regierungsform 1730 aus der Wahrnehmung des Kaiserhofs in Wien Tim Veith (Siegen): Zwischen „Ost“ und „West“ – Überlegungen zur Schwulenbewegung in Polen Anfang der 1990er-Jahre Inna Feigina (Leipzig): Wandel in Glauben und Gemeinschaftszugehörigkeit: Jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland Christian Gepp (Wien): When western design meets east production – Die k.k. Majolika Fabrique in Holíč. Ein Werkstättenbericht Ayan Huseynova (Budapest): Demokratiedefizit in Russland im Lichte der EGMR-Rechtssprechung. Presse und Meinungsfreiheit in Russland in der Amtszeit von W. W. Putin Luise Müller (Passau): Östliche Migrationspolitik: Die Unterstützung temporärer ukrainischer Arbeitsmigration durch Polen und die Europäische Union Marian Luschnat (Hamburg): Die ukrainische Nationalbewegung und die Deutschen 1917-1920 Benjamin Naujoks (Köln): Endstation Euro? Der Beitritt Litauens zur EU unter wirtschaftshistorischen Gesichtspunkten Nadja Matusche (Köln): Machoheld und Märtyrerin. Zur (Selbst-)Inszenierung bei Vladimir Putin und Julija Tymošenko Elnura Jivazada (Mainz): Erinnerung und nationale Identität in Aserbaidschan (1990-2013) Katharina Sebold (Cottbus): Altstadtsurrogate – Beispielplanungen der Altstadtkerne von Greifswald, Gotha und Bernau bei Berlin Sabina Wencel (Wrocław): The development of the consumer protection rights in Poland in terms of the aggressive sale Tatiana Samorodova (Hamburg): Russisch-ukrainische Beziehungen am Beispiel postsowjetischer Geschichtsschulbücher Patrick Wittstock (Berlin): Auf Posten für das „bessere Deutschland“? Autobiographische Erinnerungen von Botschaftern der DDR nach 1990 Pauline Hunstig (Mainz): Die Roma in Rumänien nach 1989 – ethnische und soziale Dimensionen in historischer Perspektive