...

 

Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Diktaturen nach 1949 und 1989. Wahrnehmungen und Diskurse im interdisziplinären Blick

Berichte | Tagungsbericht | vom 07.02.2019 | bis zum 08.02.2019 | Gedenkstätte Berliner Mauer
Screenshot der Website der "Gedenkstätte Berliner Mauer"
Screenshot der Website der "Gedenkstätte Berliner Mauer"

Vom 7. bis zum 8. Februar 2019 fand im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer eine Tagung unter dem Titel "Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Diktaturen nach 1949 und 1989. Wahrnehmungen und Diskurse im interdisziplinären Blick" statt. Anlass der Veranstaltung war das Jubiläum des Falls der Berliner Mauer, der sich 2019 zum 30. Mal jährte. Die Tagung spürte Fragen nach Transformationsdynamiken nach Ende des SED-Regimes nach und rückte vor allem die Auseinandersetzung mit Täter- und Opferrollen in den Fokus. Besondere Berücksichtigung erhielt außerdem die Frage, wie mit den Täter- und Opfergruppen des Dritten Reiches in der DDR sowie der BRD umgegangen wurde. Die Tagung folgte einem interdisziplinären Ansatz und näherte sich den aufgeworfenen Fragen aus einer Vielzahl von Perspektiven: juristisch und sozialwissenschaftlich ebenso wie psychoanalytisch, geschichtswissenschaftlich und biografietheoretisch.

Dreißig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und 74 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes lassen sich zahlreiche Fragen an die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit beiden deutschen Diktaturen in den zwei deutschen Staaten und im vereinigten Deutschland stellen. Sie eröffnen durchaus auch eine vergleichende Perspektive: Wie gestalteten sich die gesellschaftlichen Transformationen? In welchem Umfang wurden Beteiligte an den Verbrechen zur Verantwortung gezogen? Wer galt als Täter und wer als Opfer? Dass es hierbei nicht um einen plumpen Vergleich oder eine Relativierung der beiden Systeme, sondern um eine vergleichende Analyse ihrer jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung gehen sollte, betonte AXEL KLAUSMEIER (Berlin), als er die Tagungsgäste in der Gedenkstätte Berliner Mauer begrüßte. Ein gewisses Unbehagen über die vergleichenden Perspektive begleitete dennoch viele der Diskussionen im Verlauf der Tagung.
Den Tagungsbericht von Svea Hammerle und Hans-Christian Jasch auf HSozKult können sie hier weiterlesen.

Konferenzübersicht:

Axel Klausmeier (Gedenkstätte Berliner Mauer): Begrüßung

Vortrag Hans-Christian Jasch (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz): Praktiken im Umgang mit staatlichen Gewaltverbrechen im 20. Jahrhundert

Vortrag Rainer Huhle (UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen): Transformative Justice

Workshop 1. Der gesellschaftliche Umgang mit der diktatorischen Vergangenheit. Diskurse und Tradierungen

Gülay Gün (Friedrichshain-Kreuzberg Museum Berlin), Stefanie Knorr (Beratungsstelle Gegenwind für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur), Patrice Poutrus (Universität Erfurt), Eike Stegen (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz)

Workshop 2. Tätergruppen, Elitenkontinuitäten, Sanktionen

Frank Bajohr (Institut für Zeitgeschichte München/Zentrum für Holocaustforschung), Gerhard Sälter (Gedenkstätte Berliner Mauer), Hans-Christian Jasch (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferen), Clemens Vollnhals (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung), Franziska Kuschel (Zentrum für Zeithistorische Forschung), Stefan Bollinger (Freie Universität Berlin)

Workshop 3. Unerträgliche Verbindungen: Von den Schwierigkeiten der Verarbeitung, wenn ein Mensch Täter und Opfer politischer Gewalt war

Vera Kattermann (Psychoanalytikerin, Berlin), Gudrun Brockhaus (Psychoanalytikerin, München)

Workshop 4. Umgang mit NS-Tätern in der DDR – Das Beispiel Henry Schmidt

Róza Berger-Fiedler (Dokumentarfilmerin), Elke Gryglewski (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz) Henry Leide (BStU Außenstelle Rostock)

Vortrag Heike Radvan (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg): Der Umgang mit Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, der DDR und nach 1989 – Überlegungen für die Gegenwart

Workshop 5. Herausforderungen bei der Vermittlung der Geschichte des National-sozialismus/Holocaust und der SED-Diktatur

Bettina Effner (Stiftung Berliner Mauer), Katrin Passens (Stiftung Berliner Mauer), Elke Gryglewski (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz), Aya Zarfati (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz), Dervis Hizarci (Carl-von-Ossietzky Oberschule Berlin)

Workshop 6. Intergenerationale Tradierung: Gefühlserbschaften und Geschichtsbewusstsein aus multiperspektivischer Sicht

Juliette Brungs (Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin „Walter May“), Katinka Meyer (Georg-August-Universität Göttingen), Iris Wachsmuth (Neue AG für Zeitgeschichte + SozioAnalysen e.V. Berlin), Lale Yildirim (Freie Universität Berlin)

Workshop 7. Zwischen Anpassung und Widerstand: Biografische Ansätze

Akim Jah (Arolsen Archives), Roland Jahn (Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der eh. DDR), Gerhard Sälter (Stiftung Berliner Mauer), Stefanie Knorr (Beratungsstelle Gegenwind für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur)

Workshop 8. Kreativität und Konflikt: Künstlerische Zugänge zur Erinnerungsarbeit

Uwe Neumärker (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas), Ulrike Ruf (Musikerin, Autorin und Regisseurin, Berlin), Ole Saß (Sinai Landschaftsarchitekten), Andres Veiel (Autor und Regisseur, Berlin)

Vortrag Boniface Mabanza (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika): Von der Intensivstation ins reale Leben. Suspendierte Aufarbeitung der Geschichte und ihre Konsequenzen