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Die Russische Revolution und ihre Wahrnehmung in Bayern, Deutschland & der Welt

Berichte | Tagungsbericht | vom 10.07.2017 | bis zum 11.07.2017 | Rosa-Luxemburg-Stiftung
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Thema der Tagung war die internationale und im Besonderen deutsche und bayerische Rezeption der Russischen Revolution. Das eröffnende Panel untersuchte den Umgang der deutschen Linken mit den revolutionären Umwälzungen in Russland. Im Zentrum stand dabei die Analyse der sozialdemokratischen und sozialistischen Reaktionen in ihrer Entwicklung von Euphorie zu Instrumentalisierung im Kampf der Parteien zwischen 1918 und 1923. Das zweite Panel thematisierte die Überschneidungen von Antibolschewismus und Antisemitismus und die Konstruktion des Stereotyps des „jüdischen Bolschewisten“ im  Zusammenhang mit antisemitischen Weltverschwörungstheorien. Im Fokus des zweiten Konferenztages standen regionale Perspektiven auf die Ereignisse von 1917. Thematisiert wurden die Initiatoren des Januarstreiks 1918 in München, das „Rote Königreich“ in Sachsen sowie der deutsche Syndikalismus und Unionismus. Anschließend wurde die Wahrnehmung der revolutionären Umwälzungen in Russland innerhalb Europas untersucht. Allgemein zeichnete sich in den Reaktionen der europäischen wie auch der amerikanischen linken Intellektuellen auf die Russische Revolution eine Entwicklung von Euphorie hin zu Enttäuschung ab. Das abschließende Panel befasste sich mit historiographischen, didaktischen und musealen Perspektiven auf die Ereignisse von 1917.

Während 2014 von Veranstaltungen rund um den Ersten Weltkrieg geprägt war, jähren sich derzeit die Ereignisse der Russischen Revolutionen des Jahres 1917 zum hundertsten Mal. Dabei werden oft die beiden Revolutionen selbst sowie deren Auswirkungen auf das kurze 20. Jahrhundert untersucht, um in teils oft nur repetitiven und wenig originellen Vorträgen die Bedeutung des sogenannten Epochenjahres herauszustellen. Die Würzburger Tagung, die von Frank Jacob (New York) in Zusammenarbeit mit dem Kurt-Eisner-Verein für politische Bildung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert worden war, widmete sich deshalb explizit anderen Fragestellungen, nämlich denen, die sich mit der Wahrnehmung der revolutionären Umwälzungen in Russland auseinandersetzten. Den Anfang der Tagung bildete ein Panel, das sich mit der Rezeption der Russischen Revolutionen innerhalb der deutschen Linken beschäftigte. RICCARDO ALTIERI (Potsdam / Würzburg) analysierte die Positionen der beiden KPD-Gründungsmitglieder Rosi Wolfstein (1888-1987) und Paul Frölich (1884-1953), die zunächst denen glichen, die der russischen Oktoberrevolution kritisch gegenüberstanden, jedoch gleichfalls der Auffassung waren, dass nur die Weltrevolution die drohende Diktatur des Bolschewismus hätte abwenden können. Lesen Sie den vollständigen Tagungsbericht von Frank Jacob hier bei H-Soz-Kult.

Konferenzübersicht:

Begrüßung
Frank Jacob (New York)

Panel 1: Die Russische Revolution und die Wahrnehmung der deutschen Linken

Riccardo Altieri (Würzburg / Potsdam): Luxemburg oder Lenin: Die unterschiedlichen Positionen Rosi Wolfsteins und Paul Frölichs zur Revolution in Russland

Andreas Morgenstern (Schiltach): Die Bolschewiki als Bremsklotz – die eurasischen Großraumwünsche der Sozialistischen Monatshefte (AT)

Tobias Hirschmüller (Eichstätt): Von der Abrechnung zur Annäherung. Die Auswirkungen der Revolutionen von 1917 auf das Russlandbild der deutschen Sozialdemokratie

Lutz Häfner (Bielefeld / Göttingen): Demokratie, Diktatur oder «Dekretinismus»? Russische revolutionäre Erfahrungsräume und ihre Erwartungshorizonte in sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien Deutschlands, 1918 bis 1923

Panel 2: «Die Revolution und die Juden»

Carsten Schapkow (Norman, Oklahoma): Die Russische Revolution 1917: Ein Wendepunkt aus jüdischer Perspektive

Christoph Valentin (Münster): «Hauptsächlich das Werk von Juden»: Die Wahrnehmung der Russischen Revolution und der Sowjetunion durch die Apostolischen Nuntiaturen in Deutschland

Panel 3: Darstellung der Revolution in den Künsten

Anke Napp (Universität Hamburg): Massenmensch und Maschinenmensch: Die Angst vor der Sowjetkultur in deutschen Bildbändern von 1931-1934

Panel 4: Regionale und Soziale Perspektiven

Cornelia Naumann (München): «Eine russische Steppenfurie» Sarah Sonja Lerchs Agitation während der Januarstreiks 1918

Sven Brajer (Dresden): Reflektionen der «Oktoberrevolution» 1917 im ‚Roten Königreich‘ Sachsen

Jule Ehms (Bochum) / Richard Stoenescu (Pirna): Die Russische Revolution in der Rezeption des deutschen Syndikalismus und Unionismus

Panel 5: TransNationale Perspektiven

Alexander Friedman (Saarbrücken): Die Rezeption der russischen Oktoberrevolution im Großherzogtum Luxemburg

Ibolya Murber (Budapest): Österreich und Ungarn in revolutionärer Sogwirkung Russlands 1918-1919

Reiner Tosstorff (Mainz): Spaniens Anarchisten und Syndikalisten angesichts der russischen Revolution. Zwischen begeisterter Unterstützung und libertärer Ablehnung

Frank Jacob (New York): Emma Goldman und die Russische Revolution

Panel 6: Historiographische und museale Wahrnehmung

Vincent Streichhahn (Halle): Lenin und Luxemburg im Streit – Was bleibt?

Andrea Brait (Innsbruck): Umbrüche im Russischen Reich 1917: Narrative in österreichischen und deutschen Geschichtslehrwerken

Kristiane Janeke (Berlin): 1917. Revolution … Zwei Sonderausstellungen im Schweizerischen Nationalmuseum und im Deutschen Historischen Museum, Berlin