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Zusammenbruch, Aufbruch, Abbruch? Die Novemberrevolution als Ereignis und Erinnerungsort

Berichte | Tagungsbericht | vom 25.11.2017 | bis zum 27.11.2017 | Weimarer Republik e.V. | Forschungsstelle Weimarer Republik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Logo des Veranstalters Weimarer Republik e.V.
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In der Endphase des Ersten Weltkrieges führte die Novemberrevolution von 1918/19 zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und zu dessen Umwandlung in eine parlamentarische Demokratie, die Weimarer Republik. Die im November 2017 in Weimar stattgefundene Konferenz „Zusammenbruch, Aufbruch, Abbruch? Die Novemberrevolution als Ereignis und Erinnerungsort“ nutzte die Gelegenheit, die Novemberrevolution in ihren sehr verschiedenen Kontexten und aus verschiedenen Perspektiven neu zu betrachten und ihr in einem umfassenden Sinne neue Konturen zu verleihen: Als herausragendes und immer wieder umstrittenes und neu zu verhandelndes Ereignis der deutschen und europäischen Geschichte. Denn die Novemberrevolution hört zusehends auf, eine „vergessene Revolution“ zu sein: In Wissenschaft und Öffentlichkeit wächst die Einsicht, dass der Aufbruch in die erste parlamentarische Demokratie Deutschlands mehr war als eine halbe, stecken gebliebene oder gar verratene Revolution. Die Referenten der Konferenz diskutierten die Bedeutung der Novemberrevolution für die deutsche Demokratiegeschichte sowie neue Ansätze der Geschichtswissenschaft, die die Revolutions- und Weimarforschung derzeit verändern. Neben Vorträgen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wurden auch hervorragende Bachelor- und Masterarbeiten zur Weimarer Republik ausgezeichnet.

Versteht man Jubiläen mit Aleida Assmann als „Denkmäler in der Zeit“, so müsste die derzeitige „Jubiläumitis“ als Exzess der Denkmalpflege in die Geschichte unserer Gegenwart eingehen. Um einer derart vergangenheitsversessenen Zeitkrankheit vorzubeugen, fühlen sich viele Geistes- und Kulturwissenschaftler neuerdings dazu verpflichtet, jedem Gedenktag eine nützliche Denktagung entgegenzusetzen. Nichtsdestotrotz werden wissenschaftliche Veranstaltungen mit Jubiläumsappeal oft erst durch diesen ermöglicht: sei es finanziell durch die Unterstützung vom Bund oder von Forschungsgemeinschaften oder medien- und marktökonomisch durch die Generierung der öffentlichen wie wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Lesen Sie den ausführlichen Tagungsbericht von Verena Wirtz bei H-Soz-Kult.

Konferenzübersicht:

Michael Dreyer / Andreas Braune (Jena): Begrüßung und Einführung

1. Sitzung: War das Kaiserreich noch zu retten?

Lothar Machtan (Bremen): Geburtshelfer der Demokratie? Prinz Max von Baden – der letzte Kanzler des Kaisers
Karl Heinrich Pohl (Kiel): Die unnötige Revolution? Überlegungen zu einer Neuinterpretation der Ereignisse von 1918/19

2. Sitzung: Umwälzungen des Sagbaren oder Business as usual?

Nadine Rossol (Essex): „Die Abdankung unseres Kaisers hat mich nicht besonders getroffen..." - Emotionen, Erwartungen und Teilhabe an der deutschen Revolution 1918/19
Wolfram Pyta (Stuttgart): Demokratischer Urknall im Traumland – Kulturhistorische Reflexionen über den Gestaltwandel des Politischen von November 1918 bis Mai 1919

Abendveranstaltung

Verleihung der Preise zu Forschungsarbeiten zur Weimarer Republik
Festvortrag von Martin Sabrow (Potsdam / Berlin): Verhasst – Verehrt – Vergessen: Die Novemberevolution in der deutschen Gedächtnisgeschichte

3. Sitzung: Die Russische Revolution und die deutsche Linke

Gleb J. Albert (Zürich): 1917-19 – Eine russisch-deutsche Doppelrevolution?
Walter Mühlhausen (Heidelberg): Programm vs. Realpolitik – Sozialdemokratie und radikale Linke in der Revolution

4. Sitzung: Auf- oder Zusammenbruch? Liberale und Konservative in der Revolution

Jens Hacke (Halle): Das Wagnis der Demokratie. Der Liberalismus zwischen Erneuerung und Existenzkrise
Kirsten Heinsohn (Hamburg): Zusammenbruch und Kontinuitäten. Konservative Reaktionen auf die Revolution

5. Sitzung: Frauen(-bewegung) und Revolution

Ingrid Sharp (Leeds): Die Frauenbewegung und die Revolution
Hedwig Richter (Hamburg): Eine revolutionäre Selbstverständlichkeit? Das Frauenwahlrecht als nichtkontroverse Errungenschaft der Revolution

6. Sitzung: Revolution und Gewalt; Orte der Revolution

Mark Jones (Dublin): Am Anfang war Gewalt. Violence and the German Revolution of 1918-19
Detlef Lehnert (Berlin): Eine Revolution der Städtevielfalt?

7. Sitzung: Die Revolution und das Recht

Manfred Baldus (Erfurt): Die Novemberrevolution und ihre Fragen an das Recht
Daniel Siemens (Newcastle): Revolutionäre Justiz? Volkssouveränität und Recht bei Erich Kuttner und Walther Lamp'l in der frühen Weimarer Republik

8. Sitzung: Vorstellung der B.A.- und M.A.-Arbeiten der PreisträgerInnen

Matthias-Erzberger-Preis:
Ludwig Decke, B.A. (Leipzig): Feindschaft statt Vermittlung. Carl Schmitts Antiliberalismus in der Weimarer Republik
Simon Sax, B.A. (Bremen): Wahlempfehlungen in der deutsch-jüdischen Presse vor den Reichstagswahlen im September 1930 und Juli 1932. Eine Versicherheitlichungsanalyse
Hugo-Preuß-Preis:
Angela Schuberth, M.A. (Berlin): Der Begriff der „Volksgemeinschaft“ vor dem Nationalsozialismus. Eine empirische Analyse des Begriffsgebrauchs in der Vossischen Zeitung zwischen 1918 und 1933
Grischa Sutterer, M.A. (Tübingen): Alternative Ordnungsentwürfe im deutschen Offizierskorps zwischen Nation und Weltpolitik, 1915-1923. Friedrich von Boetticher, Oskar von Niedermayer, Hans von Seeckt

9. Sitzung: Die Novemberrevolution: Ein verlorener Erinnerungsort?

Wolfgang Niess (Stuttgart): Die ungeliebte Revolution. Die verdrängte und politisierte Erinnerung an 1918/19 im geteilten Deutschland
Martin Sabrow (Potsdam / Berlin): Kommentar: Die Novemberrevolution als Erinnerungsort der Republik?
Andreas Braune / Michael Dreyer (Jena): Schlussworte

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