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80. Jahrestag: Bundesstiftung Aufarbeitung erinnert an das Massaker von Katyń

News | Pressemitteilung | vom 03.04.2020
Denkmal in Radom, gemeinfrei, Wikimedia Commons
Denkmal in Radom, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Berlin, 3. April 2020. Vor genau 80 Jahren begann der sowjetische NKWD auf Befehl Stalins mit der systematischen Ermordung polnischer Gefangener. In einem Waldstück bei dem Dorf Katyń in der Nähe von Smolensk wurden bis zum 11. Mai etwa 4.400 Menschen erschossen. Das Massaker war der Beginn eines Massenmordes an insgesamt 22.000 bis 25.000 Militärangehörigen und Intellektuellen.

Die Urheberschaft wurde von der Sowjetunion vertuscht und geleugnet, nachdem die deutsche Wehrmacht das Gebiet erobert, die Massengräber gefunden und die Toten für die eigene Propaganda ausgenutzt hatte. Bis 1990 hielten die sowjetischen Machthaber daran fest, dass die polnischen Gefangenen von deutschen Einheiten ermordet worden seien. Dass das Massaker auf Befehl der obersten sowjetischen Führung unter Stalin erfolgte, wurde zu einem der am strengsten gehüteten Tabus in der Geschichte der kommunistischen Diktaturen. Erst 1990 räumte Michail Gorbatschow auf Druck der polnischen Regierung die Verantwortung der Sowjetunion öffentlich ein.

Der Massenmord von Katyń ist bis heute das weltweit am meisten erinnerte kommunistische Verbrechen und spielt nicht nur in Polen eine prägende Rolle. „Nachdem der Massenmord über Jahrzehnte verleugnet wurde, ist die Erinnerung daran bis heute weltweit so präsent wie die an kaum ein anderes kommunistisches Verbrechen“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky. In dem von ihr herausgegebenen Band „Erinnerungsorte für die Opfer von Katyń“ hat die Bundesstiftung Aufarbeitung eine Auswahl von 178 Erinnerungsorten in 18 Ländern zusammengestellt, die an das Verbrechen von Katyń erinnern. Denkmäler stehen an den historischen Tatorten selbst sowie in fast jeder polnischen Stadt. Hinzu kommen Erinnerungszeichen in aller Welt, wo ins Exil getriebene Polen an die Ermordeten erinnerten.

„Erinnerungsorte für die Opfer von Katyń“, herausgegeben von Anna Kaminsky im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, ist erschienen im Leipziger Universitätsverlag 2013.