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Nach dem Terror. Formen der Herrschaft und Repression im Spätsozialismus

3. Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung

Termine | Call for Papers | vom 06.05.2021 | bis zum 08.05.2021 | Humboldt-Universität zu Berlin: Lehrstuhl Geschichte Osteuropas | Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK) | Forschungsverbund "Landschaften der Verfolgung"

[English version below]

Alle kommunistischen Diktaturen unterdrückten ihre vermeintlichen und tatsächlichen Gegner: Kommunistische Herrschaft ohne Repression gab es nicht. Die Mechanismen und Praktiken, derer sich die einzelnen Regime dabei bedienten, unterschieden sich erheblich voneinander und sie veränderten sich im Laufe der Zeit. Setzten die meisten Diktaturen anfangs auf brutalen Terror, physische Gewalt und Willkür, wurden Repressionen zunehmend verrechtlicht und institutionalisiert. Sie wurden gezielter eingesetzt und damit für die Bevölkerung zu einem – wenigstens teilweise – kalkulierbaren Phänomen. Immer öfter trat die Androhung von Sanktionen an die Stelle konkreter Repressionen. Wer tat, wasvon ihm erwartet wurde, konnte in der Regel davon ausgehen, von direkter parteistaatlicher Gewalt verschont zu bleiben.

Was waren die Gründe für diesen bemerkenswerten Wandel, den alle kommunistischen Staaten – wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise – durchliefen? Waren sich die Herrscher ihrer Macht so sicher, dass sie auf den Terror verzichten konnten oder hatten sie verstanden, dass es effizientere Repressionsmechanismen gab als physische Gewalt? Lässt sich dieses Phänomen mit dem Begriff der „Verrechtlichung“ beschreiben und zeigte es sich tatsächlich überall in der sozialistischen Staatenwelt? Inwiefern beeinflussten transnationale Verflechtungen im „Kalten Krieg“ derartige Tendenzen?

Damit verbunden ist eine zweite Ebene: Wie rationalisierten Menschen in unterschiedlichen Staaten und kulturellen Kontexten diese Prozesse? Was bedeutete es, wenn Repressionen berechenbarer – und damit letztlich auch vermeidbar – wurden?

Drittens schließlich geht es um die Dauerhaftigkeit solcher Prozesse: Handelte es sich bei der Abkehr von der Gewalt um einen irreversiblen Vorgang? Oder wurde Gewalt in Krisensituationen wieder zu einer Option? Kam es hier auf die konkrete Situation an, wie es etwa ein Blick auf die unterschiedlichen Situationen in der DDR, Rumänien, der Sowjetunion oder China in den Jahren 1989/91 nahelegt?

Diese Fragen stehen im Zentrum der 3. „Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung“, die vom 6. – 8. Mai 2021 vom Lehrstuhl Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin in Verbindung mit dem Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“ und dem „Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung“ ausgerichtet wird. Die Tagung wird von der „Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ gefördert.

Im Rahmen der Konferenz sollen sowohl konzeptionelle Beiträge als auch konkrete empirische Untersuchungen diskutiert werden. Besonders willkommen sind Beiträge, die eine vergleichende oder transnationale Perspektive einnehmen. Ziel ist es, ausgewählte Konferenzbeiträge im „Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung“ 2023 zu veröffentlichen. Mit der Bewerbung wird die Bereitschaft vorausgesetzt, einen Beitrag zur Begutachtung für diese Publikation einzureichen.

Bitte senden Sie Ihre Themenvorschläge (max. 300 Wörter) sowie einen kurzen CV bis zum 1. September 2020 an folgende Adresse: robert.kindler[at]hu-berlin.de. Die ausgewählten Beiträger werden bis Ende September benachrichtigt. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Reise- und Unterkunftskosten werden von den Veranstaltern übernommen.

 

All communist dictatorships oppressed their opponents, whether they were imagined or real. There was no communist rule that was free from practices of repression. The mechanisms and practices employed by the individual regimes, however, differed considerably and changed over time. While most dictatorships initially relied on brutal terror, physical violence and arbitrary despotism, the mechanisms of repression became increasingly legalized and institutionalized as the systems grew to be more consolidated over time. With the instruments of repression being used in a much more targeted manner, oppression became – at least partially – a predictable phenomenon for the citizens affected. The threat of imposing sanctions increasingly replaced actual repression. Everyone who did not openly oppose the regime could generally assume that they would be spared direct party-state violence.

What were the reasons for this remarkable transformation, which all communist systems went through – albeit in very different ways? Were the leaders confident enough of their power that they could renounce terror, or had they realized that there were more efficient mechanisms of oppression than physical violence? Can this phenomenon accurately be described as “juridification” and was it actually evident throughout the socialist world? To what extent did transnational 'Cold War' entanglements
shape these tendencies?

There is a second aspect involved in this problem: How did people in different countries and cultural contexts rationalize these processes? What did it mean when repression became more predictable – and thus ultimately avoidable?

Thirdly, and finally, we are concerned with the lasting effects of these processes: Was the renunciation of violence and state terror an irreversible process? Or did they again become a feasible option in critical situations? Does this question depend on specific circumstances, as the different conditions in the GDR, Romania, the Soviet Union or China in 1989/91 suggest?

These questions are the focus of the 3rd “Hermann Weber Conference for the Historical Research of Communism” organized by the Department of Eastern European History at Humboldt University of Berlin, in cooperation with the research cluster “Landschaften der Verfolgung” (Mapping Persecution) and the “Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung” (Yearbook for Historical Research of Communism). The conference, which will be held from May 6-8, 2021, is funded by the “Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur”.

Both conceptual contributions and specific empirical studies will be discussed. Papers that take a comparative or transnational perspective are particularly welcome. Selected contributions will be published in German in the “Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung” (Yearbook for Historical Research of Communism) 2023. Translations from English will be arranged if required. We encourage applicants to send abstracts of maximum 300 words, together with a brief CV to robert.kindler[at]hu-berlin.de by 1 September 2020. Notifications of acceptance will be sent out by the end of September. The conference will be held in both English and German. Costs for travel expenses and accommodation will be covered by the organizers.

 

 

Deadline

1.09.2020

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