... ... ...

 

HERZLICH WILLKOMMEN

Zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution 2017 finden Sie auf der neuen Website der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zahlreiche Informationen und Hinweise rund um das Thema Kommunismusgeschichte.

 

Die Besonderheit der Website:

kommunismusgeschichte.de verfügt über ein zentrales Suchfeld im oberen Bereich der Seite, das dem Nutzer auf der Startseite eine freie Suche ermöglicht, deren wichtigste Ergebnisse nach Relevanz sortiert, jeweils übersichtlich für alle Rubriken dargestellt werden. Darüber hinaus kann der Nutzer auch gezielt in den einzelnen 8 Kategorien und weiteren Unterkategorien suchen.

Die Website kommunismusgeschichte.de stellt verschiedenste Inhalte vor:

News, Bücher, Websites, Ausstellungen, Gedenkorte, Opferinitiativen, Filme, Lexika, Rezensionen, Podcasts, Veranstaltungen und Quellen zu einem Weltereignis und dessen Folgen, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Alle Inhalte werden in einem kurzen Text erläutert und vorgestellt. Zu den einzelnen Inhalten gibt es Fotos, Filme, Podcasts, weiterführende Links und teils eine kartografische Verortung. Der User bekommt einen ersten Eindruck vom Inhalt und kann sich dann gezielt weiter informieren.

Die Website kommunismusgeschichte.de ist Lotse in der Forschungslandschaft, sie leitet und lenkt mit ihrer Suchfunktion zu über 500 Einzeleinträgen, die Licht in die Geschichte des Kommunismus bringen und kontinuierlich erweitert werden. Die Kategorie „Aktuelles“ bündelt News, Veranstaltungen und Onlinepresse, unter „Lesen“ finden sie viele Bücher und Rezensionen zum Thema, „Sehen“ bietet Filmmaterial, Spielfilme und Dokus, unter „Hören“ verbirgt sich unser Podcast Kanal, in der Kategorie „Lernen“ finden sich Ausstellungen, Museen und Bildungsmaterialien, „Forschen“ bündelt viele Forschungseinrichtungen und Portale. In der Kategorie BioLex werden über 5500 Biografien aus drei Lexika zugänglich gemacht. Unter JHK sind die retrodigitalisierten Beiträge des Jahrbuchs für Historische Kommunismusforschung von 2002 bis 2017 zu finden. Im JHK werden jährlich unter einem thematischen Schwerpunkt Aufsätze von Experten und Expertinnen der Kommunismusforschung publiziert. Wer an der Ereignisgeschichte interessiert ist, findet unter „Chronik“ in einer illustrierten Zeitleiste Schlaglichter auf die Geschichte des Internationalen Kommunismus im 20. Jahrhundert. Die interaktive Karte bietet dem Nutzer über eine Filterfunktion die Möglichkeit, bestimmte Inhalte der Website geografisch zu verorten.

Eine Suche, acht Kategorien, zahlreiche Ergebnisse. Die Website bietet viele Anregungen für Wissenschaftler, Mittler der historisch-politischen Bildung, Studierende, Lehrer und Journalisten.

Wenn wir auf dieser Seite nicht durchgängig geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen verwenden, so tun wir dies aus Gründen der Verständlichkeit und Barrierefreiheit. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es uns fernliegt, damit einzelne Personengruppen auszuschließen.

 

Die Oktoberrevolution als Projektionsfläche von Verschwörungstheorien

JHK 2017 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 169-184 | Metropol Verlag

Autor/in: Wolfgang Benz

Welterklärung mit Verschwörungsfantasie

Es war schon immer schwer, den Lauf der Welt zu verstehen, und noch schwieriger war und ist es, für katastrophale Ereignisse in der Natur, für Kriege, für wirtschaftlichen Zusammenbruch, für Terror und Gewalt Erklärungen zu finden. Das Feld ist seit jeher von Sehern und Weisen, von Heiligen und Scharlatanen besetzt. Besonders wirkungsvoll und unangreifbar sind Verschwörungsfantasien, weil sie keiner rational nachvollziehbaren Beweise bedürfen, weil sie an Aha-Erlebnisse und esoterische Einsichten appellieren, weil sie Emotionen bewegen. Verschwörungstheorien suggerieren, es gebe für alles einen Plan, von dem aber jeweils nur Eingeweihte Kenntnis haben, die ihr Geheimnis hüten. Verborgene Mächte – Individuen wie Kollektive – steuern nach Maßgabe der Verschwörungstheoretiker die Bewegungen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und aller Dinge des privaten Lebens. Die Rolle der Drahtzieher wird den Juden ebenso zugeschrieben wie dem Islam, geheimen Gesellschaften wie den Illuminaten oder den Freimaurern, den Jesuiten, der Dynastie Rothschild und beliebigen anderen »Verschwörern«. Dankbare Gemeinden bilden sich, wenn einer, der Kenntnis hat, von den Verschwörungen in Wort und Schrift berichtet. Die Künder von Verschwörungsfantasien werden als Aufklärer verehrt, die Augen öffnen, den Blick hinter die Kulissen freigeben und die wahren Zusammenhänge erschließen.

Eine dieser schillernden Figuren war Nesta H. Webster, die als Spross einer wohlhabenden britischen Familie zuerst historische Romane schrieb, ehe sie 1924 mit einem Buch über Geheimgesellschaften und subversive Bewegungen zur Grande Dame der Verschwörungstheoretiker aufstieg. Sie war von der Echtheit der »Protokolle der Weisen von Zion« überzeugt, jenem Traktat vom Ende des 19. Jahrhunderts, das nicht nur als Inkunabel des modernen Antisemitismus gilt, sondern – mit ungeheurem Erfolg auch noch in unseren Tagen – den Prototyp der Verschwörungstheorie darstellt. Nesta Webster, die sich den britischen Faschisten anschloss, war vom jüdischen Streben nach Weltherrschaft ebenso überzeugt wie vom »jüdischen Bolschewismus«, jenem Konstrukt, das die Juden als Urheber der Oktoberrevolution und der darauf gegründeten kommunistischen Herrschaft denunziert und damit zugleich die Idee des Sozialismus diskreditiert. Wie Nesta Webster, deren Einfluss in den USA nach ihrem Tod anhielt und die auch heute noch im Internet präsent ist, sind Verschwörungstheoretiker häufig in christlichem Fundamentalismus verwurzelt, neigen zu Okkultismus, Xenophobie und Chauvinismus und pflegen ein deutlich antisemitisches Weltbild. Verschwörungstheorien ranken sich immer um radikale politische Umbrüche wie die Französische Revolution oder die Oktoberrevolution 1917, auch Epidemien und Naturkatastrophen werden durch Verschwörungsfantasien scheinbar erklärt. Die Ereignisse des 11. September 2001, der Flugzeugabsturz des polnischen Präsidenten im April 2010 bei Smolensk oder der Tsunami 2004 seien durch geheime Machenschaften (vor allem von Juden) zustande gekommen, wird in Pamphleten und neuerdings vor allem im Internet geraunt. Den Tsunami etwa habe die israelische Regierung durch Testexplosionen von Atombomben oder mit biologischen Waffen im Indischen Ozean ausgelöst.[1] Zum Wesen von Verschwörungsfantasien gehören dem Eigenen feindlich gesinnte Kollektive, die zum Schaden der Autochthonen die Macht in einer Gesellschaft, Region, Nation oder der Welt erobern wollen. Die feindlichen Kollektive sind leicht zu definieren auf der Basis eigener Traditionen und Gepflogenheiten als Stigmatisierung anderer als fremd und deshalb feindlich aufgrund von Religion, Kultur, Herkunft. Zu Feinden werden dann je nach Anlass und Bedarf Revolutionäre oder Konservative, Juden oder Muslime, Adelige, Kulaken, Intellektuelle, katholische Christen und andere Gruppen.

 

Instrumentalisierte Feindbilder

Am 3. Oktober 2003 hielt der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann in Neuhof bei Fulda im Bürgerhaus eine Rede zum Nationalfeiertag. Er hatte seiner Ansprache das Motto »Gerechtigkeit für Deutschland« gegeben und außerdem angekündigt, er wolle sich »über unser Volk und seine schwierige Beziehung zu sich selbst« einige Gedanken machen. Hohmann gehört ins Lager der christlich fundamentierten Konservativen mit hohem nationalen Empfinden und ausgeprägter Abneigung gegen Homosexuelle und Gottlose, gegen übertriebene Entschädigungen für Zwangsarbeiter und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Er wurde, nach 14 Jahren erfolgreichen und allseits anerkannten Wirkens in der Kommunalpolitik, 1998 in den Bundestag gewählt.

Als Parlamentarier fiel er wenig auf, eher als eifriger Propagandist christlicher und nationaler Werte in seiner Region. Seine Rede am 3. Oktober 2003 artikulierte und stimulierte Emotionen von gekränktem Nationalstolz. Durch das Aufbäumen gegen einen angeblichen Kollektivschuldvorwurf sollte Identitätsbeschwerden Linderung verschafft werden, und trotzig wurde etwas eingeklagt, was als notwendiger Schlussstrich unter die Vergangenheit, als Ende vermeintlich verordneter deutscher Bußfertigkeit, als »Gerechtigkeit für Deutschland« am rechten Rand des konservativen Spektrums gerne beschworen wird. Zum Skandal war die Ansprache deshalb geworden, weil der Redner judenfeindliche Klischees bedient, weil er antisemitische Ressentiments, Vorurteile und Feindbilder in seiner Beweisführung benutzt hatte; in der Folge wurde der Abgeordnete erst aus der Fraktion, dann aus der CDU ausgeschlossen. Eine neue Heimat fand er dann in der radikalisierten »Alternative für Deutschland«, AfD.

Der Text der Hohmann-Rede beginnt mit Überlegungen zur Ausländerkriminalität, über die Sozialhilfe für unwürdige Empfänger und über Entschädigungszahlungen für Zwangsarbeiter. Tenor der Ausführungen, die den Auftakt zum Hauptteil bilden, ist die Klage, dass Deutsche in Deutschland gegenüber Fremden und anderen Unwürdigen zurückgesetzt seien. Zur Erklärung zieht Hohmann die deutsche Geschichte heran. Der unterschwellige Appell an angeblich oktroyierte kollektive Schuldgefühle, wie sie an Stammtischen verhandelt werden, um sie mit Entrüstung abweisen zu können, korrespondiert in der Rede mit der Larmoyanz über deutsche Leiden – Vertreibungen oder der Bombenkrieg –, derer angeblich nicht gedacht werden darf. Das Klima aus Sozialneid, Paranoia, Überdruss an der Beschäftigung mit der Vergangenheit sowie Empörung über anhaltende Ungerechtigkeiten gegen Deutsche ist mit dieser Exposition geschaffen.

In der zentralen Passage seiner Ansprache sucht Hohmann nach jüdischen Schuldigen. Nach der detaillierten Schilderung »jüdischer« Menschheitsverbrechen durch die Erfindung und Durchsetzung des Bolschewismus, mit der »die Juden« zum Tätervolk definiert werden könnten, erklärt Hohmann schließlich in einer rhetorischen Volte, wenn die Juden nicht als Täter wahrgenommen würden, dann seien die Deutschen aber auch nicht schuldig. Man müsse genauer hinschauen: »Die Juden, die sich dem Bolschewismus und der Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt. Sie waren nach Herkunft und Erziehung Juden, von ihrer Weltanschauung her aber meist glühende Hasser jeglicher Religion.« Ohne das Problem, ob sie denn dann noch Juden waren, zu erörtern, werden sie den Nationalsozialisten gleichgesetzt, die ebenfalls ihre (christlich) religiösen Bindungen abgelegt hätten. Die Schlussfolgerung lautet, dass »Gottlosigkeit« das eigentliche Übel darstelle, dass weder »die Deutschen« noch »die Juden« ein Tätervolk seien, sondern die Gottlosen als »Vollstrecker des Bösen«.

 

Die Konstruktion des Feindbilds: Revolutionäre als »jüdische Täter«

Seine Strategie leitete Hohmann mit einer rhetorischen Frage ein: »Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden?« Nach solcher Absicherung schilderte Hohmann Gräueltaten, die Juden als Revolutionäre und Bolschewisten begangen haben sollen. Die Quellen, aus denen Hohmann schöpfte, sind trübe, ihrer haben sich schon Goebbels und Hitler bedient: Es sind uralte antisemitische Stereotype und Klischees, mit denen Verängstigte und Ratlose auf kommunistische Revolution, Räteherrschaft und anderes Ungemach reagiert haben. »Viele der für den Bolschewismus engagierten Juden fühlten sich sozusagen als gläubige Soldaten der Weltrevolution«, sagte der Abgeordnete Hohmann. Dann »bewies« er mit Zahlen und Zitaten, dass Juden in den revolutionären Gremien Sowjetrusslands überproportional vertreten waren und legte den Schluss nahe, niedere Beweggründe hätten sie zum Bolschewismus getrieben. Den Zusammenhang zwischen Judentum und Russischer Revolution bzw. die Wesenseinheit von jüdisch und kommunistisch stellte Hohmann – auch das war typisch und nicht im mindesten originell – numerisch und rassistisch her: »Konkret stellt sich die Frage: Wieviel Juden waren denn nun in den revolutionären Gremien vertreten? Zum siebenköpfigen Politbüro der Bolschewiki gehörten 1917 vier Juden: Leo Trotzki, Leo Kamenjew, Grigori Sinowjew und Grigori Sokolnikow. Die Nichtjuden waren Lenin, Stalin, Bubnow. Unter den 21 Mitgliedern des revolutionären Zentralkomitees in Rußland [gehörten] 1917 6 der jüdischen Nationalität an, also 28,6 %. Der überaus hohe Anteil von Juden bei den kommunistischen Gründervätern und den revolutionären Gremien beschränkte sich keineswegs auf die Sowjetunion. Auch Ferdinand Lassalle war Jude ebenso wie Eduard Bernstein und Rosa Luxemburg. 1924 waren von sechs KP-Führern in Deutschland vier und damit zwei Drittel jüdisch. In Wien waren von 137 führenden Austro-Marxisten 81 und somit 60 % jüdisch. Von 48 Volkskommissaren in Ungarn waren 30 jüdisch gewesen. Aber auch bei der revolutionären sowjetischen Geheimpolizei, der Tscheka, waren die jüdischen Anteile außergewöhnlich hoch. Während der jüdische Bevölkerungsanteil 1934 in der Sowjetunion bei etwa 2 % lag, machten die jüdischen Tscheka-Führer immerhin 39 % aus. Jüdisch galt, das sei erläuternd gesagt, in der Sowjetunion als eigene Nationalität. Damit war er höher als der russische Anteil bei der Tscheka mit 36 %. In der Ukraine waren sogar 75 % der Tschekisten Juden.

Diese Feststellung[2] leitet zu einem Kapitel über, das zur damaligen Zeit für ungeheure Empörung gesorgt hat. Der Mord am russischen Zaren und seiner Familie wurde von dem Juden Jakob Swerdlow angeordnet und von dem Juden Chaimowitz Jurowski am Zaren Nikolaus II. eigenhändig vollzogen. Weiter stellt sich die Frage, ob Juden in der kommunistischen Bewegung eher Mitläufer[-] oder Leitungsfunktion hatten. Letzteres trifft zu. Leo Trotzki in der UdSSR, Bela Kun in Ungarn.«[3]

Es geht bei der Betrachtung der Hohmann-Rede nicht um die Ansichten und Mutmaßungen des damaligen Bundestagsabgeordneten. Der Fall dient lediglich als Exempel für Absicht und Wirkung eines verschwörungstheoretischen Konzepts, das aus fundamentalistischer Sicht bekannte Stereotype über die Russische Revolution und deren Akteure inszeniert. Die Legende der jüdischen Urheber- und Täterschaft der Oktoberrevolution war in deren unmittelbarer Folge entstanden, weil sie das Beängstigende des weltgeschichtlichen Ereignisses verschwörungstheoretisch zu erklären schien. Die Attraktivität des Erklärungsmodells ist ungebrochen. In der Argumentationsreihe steht der amerikanische Automobilfabrikant Henry Ford mit seiner antisemitischen Propagandakampagne[4] ebenso wie das Mitglied der rechtspopulistischen »Alternative für Deutschland«, das 2016 in den Stuttgarter Landtag gewählt wurde und sich und seine Partei ins Gerede brachte mit einschlägigen antisemitischen Sottisen, etwa über die von ihm vermutete »Echtheit« der verschwörungstheoretischen Inkunabel »Protokolle der Weisen von Zion«.

 

Quellen der Verschwörungstheorie

Die Mordfantasien der »kommunistischen jüdischen Revolutionäre« seien keine leeren Drohungen gewesen, behauptete Hohmann: »Das war Ernst. Das war tödlicher Ernst. Nach einer von Churchill 1930 vorgetragenen statistischen Untersuchung eines Professors sollen den Sowjets bis 1924 folgende Menschen zum Opfer gefallen sein: 28 orthodoxe Bischöfe, 1219 orthodoxe Geistliche, 6000 Professoren und Lehrer, 9000 Doktoren, 12 950 Grundbesitzer, 54 000 Offiziere, 70 000 Polizisten, 193 000 Arbeiter, 260 000 Soldaten, 355 000 Intellektuelle und Gewerbetreibende sowie 815 000 Bauern.« Sowjets und Juden sind damit stillschweigend synonym erklärt und die Magie der Statistik beweist sich scheinbar selbst. Das sind traditionelle Argumentationsmuster judenfeindlicher Demagogie.

Zum »jüdischen Bolschewismus« werden historische Fakten bemüht wie die Russische Revolution und die Münchner Räterepublik, dann werden Akteure, deren Namen bekannt sind (Leo Trotzki, Bela Kun usw.), unter Verzicht auf alle Protagonisten benannt, die nicht ins Bild passen. Die »Fakten« selbst sind aber auch nur Behauptungen und Mutmaßungen, die mit Autorität und unter Anführung von »Belegen« vorgebracht werden. An Ort und Stelle kann das nicht bewiesen werden, das würde auch niemand dem Festredner entgegenhalten, selbst wenn er es besser wüsste. Dass Kurt Eisner, den Hohmann zu den jüdischen Rädelsführern der Münchner Räterepublik von 1919 zählt, weder Kommunist war noch die Räteherrschaft erlebte, zeigt nur, mit welcher Ahnungslosigkeit der Politiker als Experte aufgetreten ist. Zu seinen Mitteln gehört, wie bei jedem Ressentiment, die Verallgemeinerung. So wird Kurt Eisner auch als Vertreter des Judentums in Anspruch genommen, obwohl er nie als Jude in Erscheinung trat, und er wird dem Kommunismus zugeordnet, mit dem er nie etwas zu tun hatte. Da die Kategorisierung als Jude und Kommunist aber mit geläufigen Diffamierungen korrespondiert, die schon zu Lebzeiten Eisners gängig waren,[5] werden sie von denen als bare Münze genommen, in deren Vorverständnis Generalisierungen wie die vom »jüdischen Bolschewismus« passen. Hinzu kommen weitere Behauptungen, die, wie die Statistik der Menschenverluste, nicht nachprüfbar, aber durch die »Quellen« Churchill und »einen Professor« bei Unbedarften glaubwürdig erscheinen sollen.

Eine solche »Quelle« dem gutgläubigen Publikum zu offerieren ist an sich eine Frechheit, weil damit die Zuhörer als einfältig vorgeführt werden sollen. Es ist auch töricht, solchen Unsinn zu präsentieren, weil man sich selbst als ahnungslos aber gesinnungsstark entblößt. Denn die in Hohmanns Rede Churchill zugeschriebene Statistik, angeblich erzeugt von einem unbekannten »Professor«, wurde bereits im Frühjahr 1943 im Begleitprogramm der NS-Propaganda zur Entdeckung der Massengräber in Katyn im Völkischen Beobachter publiziert und von der gleichgeschalteten NS-Presse im ganzen Deutschen Reich nachgedruckt. Die Gräber in Katyn mit den Leichen polnischer Offiziere, die von der Roten Armee liquidiert worden waren, bildeten der deutschen Propaganda ein willkommenes Motiv, um die Schändlichkeit des angeblich jüdisch dominierten Sowjetsystems zu brandmarken.[6]

Hohmann folgte – vermutlich ahnungslos – den nationalsozialistischen Mustern und machte die Weltrevolution zur jüdischen Affäre. Dem wird tradiertes Volkswissen beigemengt, das weder verifizierbar noch falsifizierbar ist. Die Technik des verschwörungstheoretischen Diskurses liegt in der Instrumentalisierung des Vorurteils, in der Beschwörung des Ressentiments, in der raffinierten Erzeugung von Assoziationen und Konnotationen. Der Redner suggeriert seinem Publikum, man habe durch gemeinsame Forschungsarbeit die Erkenntnis gewonnen, »daß der Vorwurf an die Deutschen, schlechthin ›Tätervolk‹ zu sein«, unberechtigt sei. Dazu hat Hohmann den klassischen antisemitischen Diskurs vorgeführt, wie man ihn seit den Reden kennt, in denen im 19. Jahrhundert die »Judenfrage« erfunden, deren Lösung dann propagiert und deren »Endlösung« schließlich im 20. Jahrhundert betrieben wurde. Zum Wesen dieses Diskurses gehört, dass die jüdische Minderheit in Anspruch genommen wird, um Probleme nationaler Identität der Mehrheit zu artikulieren. Das wurde in den Reaktionen des Publikums deutlich.

Dass die Rede Hohmanns problematisch war, wurde auch von denen, die »kritische Solidarität« übten und forderten, nicht bestritten, aber sie wollten auch nicht erkennen, dass sie antisemitisch war. Verwiesen wurde unter Vernachlässigung des Kontextes und ohne Gespür für die rhetorischen Finessen, mit denen Hohmann seine Unterstellungen zum »jüdischen Bolschewismus« lancierte, auf die Mutmaßungen, ob die Juden ein »Tätervolk« seien in der Hoffnung, damit die Rolle der Deutschen zu relativieren. Es sei halt die falsche Rede zu diesem Zeitpunkt gewesen, lautete das Argument, das Hohmann exkulpieren sollte. Jenseits der Person des Redners und seines politischen Sturzes ist das Elaborat typisch für den Einsatz verschwörungstheoretischer Klischees und deshalb so ausführlich behandelt worden.

 

Verschwörungsfantasien zwischen Fundamentalismus und Revisionismus

Hohmann hat nie begriffen, was ihm wegen seiner Zitate aus trüben Quellen passierte, warum sein patriotischer Versuch so desaströs misslang. Im Gespräch mit der Journalistin Eva Herman, die sich ebenfalls von der Öffentlichkeit missverstanden fühlte, nachdem sie ihre Fernsehkarriere durch merkwürdige Äußerungen über das »Dritte Reich« beschädigt hatte, sagte Hohmann, weniger seine Rede als der durch eine »ARD-Falschmeldung über die Rede künstlich erzeugte Skandal« sei der Grund seines Sturzes gewesen.[7] Er vermutete: »Offensichtlich möchten einflußreiche Juden dunkle Kapitel jüdischer Geschichte lieber im Dunklen belassen.« Hohmann berief sich auf Mutmaßungen Solschenizyns, dass seit Ende der 1940er-Jahre, als »die kommunistische Macht sich mit dem Weltjudentum überwarf«, der Anteil der Juden an der Russischen Revolution zum Tabu geworden sei, nannte nationalkonservative Sympathisanten wie Alexander Gauland und Olaf Henkel und verkündete, hinsichtlich der in der Rede angeführten historischen Fakten habe ihm niemand (»im Kernbereich«) eine falsche Aussage vorwerfen können. Das kann man als Dilettantismus abtun, als Mythenbildung auf der Metaebene werten oder als Bekenntnis von Einfalt sehen. Die Prüfung der Quellen seiner Geschichtsbetrachtung ergibt jedenfalls eindeutige Befunde. Als Referenz hatte Hohmann das umstrittene Werk Jüdischer Bolschewismus: Mythos und Realität eines umstrittenen Autors angegeben. Johannes Rogalla von Bieberstein, Historiker und Universitätsbibliothekar in Bielefeld, war seinem Dissertationsthema über Weltverschwörungstheorien treu geblieben. 2002 veröffentlichte er das Buch, das dem Abgeordneten Hohmann als Leitfaden für seine Rede zum Nationalfeiertag diente. Es erschien im Verlag der Neuen Rechten Antaios und wurde folgerichtig in der Zeitung Junge Freiheit gepriesen. Das Urteil der seriösen Wissenschaft war dagegen eher herb.[8] Dem Autor, der sich in den Zirkeln der Neuen Rechten feiern ließ, wurde zu Recht vorgeworfen, dass sein Judenbegriff rassistisch ist, dass er durch Reduktion auf die Abstammung pauschalisiert, dass er die Argumentation der nationalsozialistischen Propaganda in Sachen »jüdischer Bolschewismus« außer Acht lässt. Die Logik der Untersuchung besteht weithin aus Zitaten, die der Beweiskraft halber aus dem Zusammenhang gerissen sind. Der heftige Gebrauch von Ausrufezeichen hat denunziatorischen Charakter.[9] Geadelt ist das Werk durch ein Vorwort Ernst Noltes. Das ist ein weiterer Hinweis, wo das Buch politisch zu verorten ist, nämlich im Lager des Geschichtsrevisionismus.

Der Historiker Ernst Nolte, an ideengeschichtlichen Reduktionen und Zuspitzungen stets mehr interessiert als an Realien, hatte zu Beginn der 1990er-Jahre einen aufsehenerregenden Versuch unternommen, deutsche Geschichte durch die Relativierung nationalsozialistischer Ideologie und Herrschaft von Schuld zu entlasten. Ein Artikel aus seiner Feder in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gipfelt in der These: »Auschwitz resultiert nicht in erster Linie aus dem überlieferten Antisemitismus und war im Kern nicht ein bloßer ›Völkermord‹, sondern es handelte sich vor allem um die aus Angst geborene Reaktion auf die Vernichtungsvorgänge der Russischen Revolution.«[10] Nolte konstruierte einen »Kausalnexus« zwischen der Russischen Revolution und den Verbrechen der Nationalsozialisten und fragte, ob der Archipel Gulag nicht ursprünglicher gewesen sei als Auschwitz. Er reduzierte den Genozid an den Juden als Reflex auf den Bolschewismus und mühte sich, den Anteil »der Juden« an der Russischen Revolution und an der Etablierung des Kommunismus als Herrschaftssystem herauszuarbeiten, um sie aus der Opferrolle zu lösen: »Und dennoch wird man den Juden schwerlich gerecht, wenn man in ihnen bloß eine schwache Minderheit sieht und nicht vielmehr ein Weltvolk.«[11]

Das ist elaboriertes Gelehrtentum in politisch-revisionistischer Absicht, vorsichtig formuliert und den verräterischen Begriff »Weltjudentum« – den Terminus antisemitischer Verschwörungsphantasien – meidend, aber deutlich meinend. Der Politiker Hohmann war lediglich plumper und formulierte weniger feinsinnig-hinterhältig, als er zwanzig Jahre nach Nolte ebenfalls versuchte, die Juden zum Tätervolk zu stilisieren, um deutsche Verbrechen zu minimieren. Im »Historikerstreit« wurden 1984 die Thesen Noltes öffentlich diskutiert und verworfen. Der greise Geschichtsphilosoph avancierte endgültig zum Vordenker der Neuen Rechten, ließ sich in die Dienste der Revisionisten nehmen und zeigte sich unbelehrbar.

Das Ressentiment vom jüdischen Charakter der Russischen Revolution wurde auch nach dem Historikerstreit und lange vor Hohmann gepflegt. Der Deutschlandfunk strahlte im September 1992 einen Kommentar in der Sendung »Schalom – Jüdisches Leben heute« aus, in dem anhand des vermeintlich jüdischen Anteils am Kommunismus eine selbstkritische Betrachtung ihrer Rolle durch »die Juden« eingefordert wurde: »Wo bleibt die jüdische Auseinandersetzung mit dem Marxismus und mit den verheerenden Folgen der marxistisch-leninistischen Diktaturen? Spätestens jetzt, nach ihrem Zusammenbruch, wäre es an der Zeit, sich mit ihrer Brutalität und Menschenverachtung kritisch zu beschäftigen, auch selbstkritisch: Eine große Zahl von Juden waren Mittäter.«[12]

 

Soziale und politische Wirklichkeit: Das Judentum in Russland und die Oktoberrevolution

Am Ende des 19. Jahrhunderts lebten im Russischen Reich etwa fünf Millionen Juden, d.h. der größte Teil der europäischen Judenheit war dem Zaren untertan. Die Emanzipation, die rechtliche Gleichstellung, blieb der jüdischen Minderheit verweigert, ihr war außerdem seit 1772 der Aufenthalt im russischen Kernland verboten. Zar Nikolaus I. verfügte 1835 den »Ansiedlungsrayon« am westlichen Rand des Zarenreichs, der vom Baltikum bis zur Ukraine reichte. Eine große jüdische Bevölkerung gab es auch auf dem polnischen Territorium, das unter russischer Herrschaft stand. Gleichzeitig verschärfte der Zar die bestehenden antijüdischen Gesetze und verfügte die Wehrpflicht für die jüdischen Untertanen, denen er die Bürgerrechte verweigerte. Juden waren vom Grundbesitz und von vielen Berufen ausgeschlossen. Sie waren überwiegend arm, lebten auf dem Land von Kleinhandel, von Schnapsausschank und Geldverleih, was sie wegen »Zinswucher« und Verleitung zum Alkoholismus in Verruf brachte. In den Städten wurden Juden zur Intelligenz gerechnet, die im bildungsfeindlichen Russland eher auf Argwohn stieß als auf Achtung.

Judenfeindschaft war in Russland gesellschaftlicher und politischer Konsens über den Untergang des Zarenreichs hinaus. Die russische Judeophobie war nicht deckungsgleich mit dem westlichen religiösen Antijudaismus und mit dem rassistischen modernen Antisemitismus. Zwar stigmatisierte die Orthodoxe Kirche die Juden als Gottesmörder, praktizierte aber nicht die Blutlegenden und Ritualmordfantasien der lateinischen Christenheit. Im säkularen und ökonomischen Bereich waren Juden sozial diskriminiert und spielten traditionell die Rolle von Sündenböcken und Blitzableitern bei politischer Unzufriedenheit der Bevölkerung. Einer Reformperiode ab den 1850er-Jahren, in der den Juden Russlands sogar Andeutungen einer Emanzipation zuteil wurden, folgten Restriktionen und zwei große Pogromwellen zwischen 1881 und 1883 sowie zwischen 1903 und 1906, die von der weltlichen und geistlichen Obrigkeit, Bürokratie und Justiz als Ventil des Zornes geängstigter oder über reaktionären Stillstand empörter Bürger mindestens geduldet und willkommen geheißen, wenn nicht inszeniert und gefördert wurden. Die herrschende Judenfeindschaft ohne bemühte ideologische Begründungen, wie sie im westlichen Europa gepflegt wurden, war Ausdruck genereller konservativer Abwehr der Moderne. Weil Juden – jedoch keineswegs in ihrer Gesamtheit – von den Modernisierungen in der Reformperiode profitierten, waren sie in besonderer Weise Ziel der Abneigung reaktionärer Kreise. Adel und Bürokratie diskreditierten Juden als Bauernverderber, weil sie verdächtigt wurden, Land aufzukaufen oder weil sie als Kapitalisten an der beginnenden Industrialisierung des Landes beteiligt waren.[13]

An der Protestbewegung, die in der ersten russischen Revolution 1905 gipfelte, waren Juden beteiligt, aber nicht im Namen ihrer Religionsgemeinschaft oder ihrer kulturellen Zugehörigkeit bzw. Herkunft aus dem Judentum, sondern als Sozialdemokraten, die keine Bindungen an die jüdische Gemeinschaft hatten. Viel wesentlicher als Wurzeln im Judentum war die Tatsache, dass die städtische jüdische Bevölkerung einen höheren Alphabetisierungsgrad auswies als das russische Bürgertum oder die Bauern. Die Verweigerung der Bürgerrechte, die wirtschaftlichen Restriktionen, die allgemeine Rückständigkeit des Regimes waren Grund genug zum Engagement gegen den autoritären und reaktionären Staat. Als spezielle jüdische Reaktion auf das Elend, die Unterdrückung und Verfolgung im Zarenreich zielte der Zionismus auf Auswanderung in eine zu gründende »jüdische Heimstatt« außerhalb Russlands, nicht auf Umsturz in Russland.

Ungeachtet dieser Realität waren die herrschenden Kräfte früh davon überzeugt, dass »die Juden« maßgeblich an den revolutionären Umtrieben mindestens beteiligt waren oder sogar maßgeblichen Einfluss auf die Bewegung hatten. Der Boden für das Feindbild vom »jüdischen Bolschewiken« war durch die traditionelle Judenfeindschaft in Russland, die in den 1870er-Jahren durch den modernen Antisemitismus des Westens verstärkt wurde, lange vor der Oktoberrevolution bereitet. Judenfeindschaft bildete eine Übereinkunft der herrschenden Schichten Russlands und bekam schließlich den Charakter einer Staatsdoktrin. Im Ersten Weltkrieg nahm die russische Judeophobie weiter zu. In der Krise des zaristischen Systems gipfelte sie in den Fantasien einer Verschwörung der »jüdischen Bolschewiki« mit den Deutschen im Jahr 1917. Die Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung fand wirkungsmächtigen Ausdruck im Konstrukt der »Protokolle der Weisen von Zion«, die kurz vor der Jahrhundertwende von der zaristischen Geheimpolizei fabriziert wurden.

 

Interessenkonstellationen nach dem Ende der Sowjetunion

Nicht erst seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems gibt es ein Interesse an der Rolle »der Juden« bei der Etablierung der kommunistischen Herrschaft.[14] Im öffentlichen Diskurs der postkommunistischen Staaten spielt die Frage allerdings eine besondere Rolle, welchen Anteil Juden an der Formulierung der kommunistischen Ideologie und an ihrer revolutionären Durchsetzung gehabt haben. Es geht dabei um
Erklärungsversuche und Schuldzuweisungen für die desolate ökonomische Situation in den Ländern des einstigen sowjetischen Machtbereichs. Im Zeichen eines neuen Nationalismus stehen in Osteuropa Schuldzuweisungen an »die Juden« im Dienste der Selbstvergewisserung und Selbstbestätigung auf der Suche nach historischem Standort und nationaler Identität.[15] Die Beschreibung der angeblich führenden Mitwirkung von Juden an der kommunistischen Herrschaft – Juden als Theoretiker des Sozialismus, als Revolutionäre, als Exekutoren im Machtapparat – stützt das alte Klischee, der Bolschewismus sei eine jüdische Erfindung, eine Vermutung, die Deutschnationalen und Konservativen in Deutschland seit 1918 zur Argumentation diente und die auch von Hitler und Goebbels exzessiv propagandistisch benutzt wurde. Das Vorurteil ist nach 1945 nicht verschwunden und nach der Wende wieder aktuell geworden.[16]

In einfältiger Reproduktion von Pauschalurteilen wie dem, die geschichtliche Sünde der Juden bestünde in ihrer exponierten Mitwirkung am kommunistischen Regime, oder der Vermutung einer eindrucksvollen jüdischen Präsenz in den Macht- und Repressionsorganen des Bolschewismus wurde Anfang der 1990er-Jahre in einem Buch der Publizistin Sonja Margolina das Klischee vom Juden als Plutokraten und Bolschewisten revitalisiert.[17] Der Inbegriff des Kapitalisten und der Prototyp des Kommunisten erscheinen gleichermaßen in dem dort eindringlich beschriebenen Bild von den Juden, »die ihren Weg als Kapitalisten voller Reue und Scham gingen«, die versuchten, »sich von der Gesellschaft loszukaufen wie Gläubige, die ihren Reichtum der Kirche spenden, um nicht in die Hölle zu kommen. Das war die Folge jener grandiosen Kulturrevolution, die die Einwohner der polnischen chassidischen Schtetl binnen einer oder zweier Generationen in die Chefetage einer Petersburger Bank oder zum erfolgreichen Rechtsanwalt in der Hauptstadt katapultiert hatte.«[18] Dass solche Vermutungen Spekulation sind, dass die jüdische Herkunft einzelner Protagonisten des Sozialismus von Karl Marx über Ferdinand Lassalle bis zu Berufsrevolutionären in der Umgebung Lenins und den im Terrorsystem des Sowjetimperiums vermuteten jüdischen Kommissaren nicht als Beweis für die behaupteten Unterstellungen taugt, ändert nichts an ihrer Wirkung, zumal sie auf ältere Ressentiments treffen, die sie wiederbeleben und verstärken und durch die sie selbst verstärkt werden.[19]

 

Der Antisemitismus der Zarenzeit als Wurzelgrund von Verschwörungsfantasien

Die verschwörungstheoretischen Komponenten des »jüdischen Bolschewismus« lassen sich bis in ihre Entstehungszeit zurückverfolgen.[20] Das Konstrukt des »Judäobolschewismus« basierte auf dem vorrevolutionären russischen Antisemitismus. Die nationalistischen Gegenkräfte der Revolution agierten im Bürgerkrieg auf traditionelle Weise gegenüber den Juden, nämlich durch Pogrome. Die Leiden der jüdischen Bevölkerung dauerten an, obwohl (oder weil) sich die Meinung verbreitete, »die Juden bildeten die Phalanx der Revolution«. Dass die jüdische Bevölkerung sich allenfalls vom Sieg der Bolschewiki eine Verbesserung ihrer Situation erhoffen konnte und entsprechende Sympathien ausbildete, steht auf einem anderen Blatt. Antisemitische Verschwörungsfantasien, die in den »Protokollen der Weisen von Zion« ihren wirkungsstärksten Ausdruck kurz vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts in Russland gefunden hatten, spielten eine erhebliche Rolle bei der Herausbildung des Feindbildes Judäobolschewismus. Die Protokolle, eine Kompilation der zaristischen Geheimpolizei aus verfälschten Quelltexten, wurden um 1900 von dem Schwarmgeist und Wanderprediger Sergej Nilus erstmals veröffentlicht. Sie sind die Inkunabel antisemitischer Verschwörungsfantasie und ihr Siegeszug als Welterklärung ist längst nicht beendet.[21] Robert Nilostonski bemüht als rechter russischer Kronzeuge gegen die Revolution in seinem 1920 im deutschen Exil verfassten Pamphlet Der Blutrausch des Bolschewismus[22] die »Protokolle« als Zeugnis für eine Verschwörung gegen Russland: »Nie erschien einem die Behauptung so verständlich, dass hinter dem ganzen ›Kommunismus‹-Schwindel von Moskau nichts anderes als die Verwirklichung des jüdischen Weltimperialismus (vgl. Prof. Nilus: Zionistische Protokolle) durch rücksichtsloseste Ausrottung der christlichen Bevölkerung, verbunden mit ekelhaftestem Sadismus durchgeführt wird.«[23] Weniger bekannt als die Topoi des »jüdischen Bolschewismus« ist die Auseinandersetzung konservativer Juden mit der Oktoberrevolution 1917 und ihren Folgen, zu denen ihre schlichten Lebensumstände in der Sowjetunion gehörten. Im Berliner Exil der 1920er-Jahre setzten sich die »Weißen Juden« mit der Russischen Revolution kritisch auseinander. Sympathie für das Sowjetsystem ließen sie nicht erkennen.[24]

Da Antisemitismus in der Sowjetunion kein Thema war, wurde die Problematik des Verhältnisses von Juden zur Oktoberrevolution weder wissenschaftlich noch publizistisch aufgearbeitet. Das Feld beherrschten die Konterrevolutionäre, die im Exil ein dankbares Publikum für ihre antisemitischen verschwörungstheoretischen Schuldzuweisungen fanden. Nach dem Ersten Weltkrieg publiziert, bekamen die Schriften der nationalistischen russischen Emigration im Laufe der Zeit Quellenwert und wurden nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems von Autoren eifrig als »authentisch« benutzt. Die Vorstellung vom revolutionären Juden entwickelte sich aus dem Bild des jüdischen Intellektuellen, der in Gestalt des Studenten und dann des »jüdischen Kommissars« den imaginären Prototyp des Revolutionärs bildete. Das zentrale antibolschewistische Feindbild war dann ab Sommer 1918 der »jüdische Tschekist«. Aus der Vorstellung, die Geheimpolizei Tscheka habe überwiegend aus Juden bestanden, entwickelte sich die Gleichsetzung von Geheimpolizei und Judentum. Übel konnotiert waren bald auch jüdische Frauen in Diensten der Revolution. Legendär war die in Nilostonskis Bericht Der Blutrausch des Bolschewismus als jüdische Bestie gezeichnete Roza Švarc in Kiew, die für zahllose andere »rote Flintenweiber« als extrem sadistische Jüdin stehen soll. Dass Leo Bronstein alias Trotzki an der Spitze der Oktoberrevolution als jüdischer Berufsrevolutionär gesehen wurde, schien für die gegenrevolutionäre Szene so selbstverständlich wie die Vorstellung des Bolschewismus als Fremdherrschaft, ausgeübt von Juden, Letten und Chinesen über das russische Volk und den »Verrat« der Revolutionäre gegenüber Russland durch den Friedensschluss mit Deutschland 1918. Die Mehrheit der russischen, polnischen, ukrainischen, weißrussischen und baltischen Juden, die nach der Revolution in der Sowjetunion lebte und die Mehrheit aller anderen Juden sympathisierte nicht mit dem Kommunismus. Diese Tatsache entkräftet aber nicht die Überzeugung der Verschwörungstheoretiker, die an eine Kongruenz von Judentum und Bolschewismus glauben und glauben machen wollen.

Eigener Tradition und Semantik folgend, existiert in Polen das Feindbild Żydokomuna. Das Schlagwort Judäo-Kommune bezeichnet das Konstrukt einer engen Verbindung von Judentum und Kommunismus, das im polnischen Nationsbildungsprozess nach dem Ersten Weltkrieg mit spezifischer Bedeutung aufgeladen war. Die Renationalisierung Polens nach hundertjähriger Fremdherrschaft ab 1918 strebte nach einem ethnisch geschlossenen nationalen polnischen Staat, in dem insbesondere die jüdische Bevölkerung störte. Die Vorstellung der drei Fronten, gegen die Polen zu kämpfen habe, beherrschte seit der Teilungszeit das politische Denken: Feinde waren die Deutschen im Westen, die Russen im Osten und die Juden im Inneren. Während des polnisch-russischen Krieges 1920 wurde der Begriff Judäo-Kommune geprägt. Damit wurde die verschwörungstheoretisch motivierte Vorstellung umschrieben, die Juden seien nicht nur Handlanger der Russen in deren Gegnerschaft zu Polen, sondern die Drahtzieher der Oktoberrevolution und des dadurch installierten Sowjetregimes. Das Konstrukt Judäo-Kommune blieb auch im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Herrschaft virulent, weil sich dadurch scheinbar die Rolle der Juden in den polnischen Ostgebieten erklären ließ. Polnische Juden hatten tatsächlich von der sowjetischen Herrschaft im östlichen Polen Schutz und Sicherheit erwartet. Mühelos ließ sich die den Juden zugeschriebene Rolle auch nach dem Zweiten Weltkrieg aufrechterhalten, als die Sowjetunion Polen zum Satelliten machte und die kommunistische Ideologie oktroyierte. Polnischer Antisemitismus zehrt bis zur Gegenwart von der Ideologie, »die Juden« seien nicht nur Urheber des Bolschewismus durch Anstiftung der Revolution 1917, sondern auch im Sowjetsystem im Gegensatz zu den Polen dessen Nutznießer gewesen.[25]

 

Oktoberrevolution und Bolschewismus in der NS-Ideologie

»Im russischen Bolschewismus haben wir den im zwanzigsten Jahrhundert unternommenen Versuch des Judentums zu erblicken, sich die Weltherrschaft anzueignen.«[26] Mit dieser Feststellung prägte Adolf Hitler die Parole, nach der Bolschewismus und Weltjudentum als behauptete Einheit doppelt denunziert waren. Bolschewismus meinte im nationalsozialistischen Verständnis nicht der Wortbedeutung entsprechend die radikale Fraktion der russischen Sozialdemokratie, die sich in der Oktoberrevolution 1917 durchsetzte, sondern diente als pejoratives Synonym für das vermeintliche jüdische Streben nach Weltherrschaft auf der Grundlage marxistischer Ideologie. Die aktive Rolle vieler Politiker jüdischer Herkunft, die als Kommunisten, keineswegs als Juden agierten, scheint für Anspruchslose die Gleichsetzung bis zum heutigen Tag zu beweisen. Der abstrakte Begriff Bolschewismus erfuhr durch den Hinweis auf die vermeintlichen jüdischen Akteure die notwendige Konkretisierung. Der eklatante Widerspruch, der darin liegt, dass Juden gleichzeitig als Inkarnation des Kapitalismus apostrophiert sind, wurde dadurch beschwichtigt, dass sowohl Kommunismus als auch Kapitalismus als unterschiedliche, aber dem gleichen Ziel der Weltherrschaft dienende Methoden des Judentums dargestellt wurden und werden. Von Anfang an, also schon im Ersten Weltkrieg, heftete rechte Propaganda dem Bolschewismus das antisemitische Etikett an und hatte damit weltweiten Erfolg. Hitler gab das Argumentationsmuster vor: »Sowie es in Rußland gelang, den ungebildeten, nicht lesen- und nicht schreibenkönnenden Haufen in der breiten Masse gegen die mit ihm in keinerlei Beziehung und Verbindung stehende dünne intellektuelle Oberschicht zu hetzen, war das Schicksal dieses Landes entschieden, die Revolution gelungen; der russische Analphabet war damit zum wehrlosen Sklaven seiner jüdischen Diktatoren gemacht, die ihrerseits allerdings klug genug waren, diese Diktatur von der Phrase der ›Volksdiktatur‹ tragen zu lassen.«[27]

Hitlers Mentor, der völkische Schriftsteller Dietrich Eckart vertiefte in einem 1924 posthum publizierten Traktat das Ideologem vom jüdischen Bolschewismus, indem er – Hitler als Pseudo-Interviewpartner inszenierend – den Bolschewismus bis in biblische Zeiten zurückverlängerte.[28] Auch aus den Reihen des christlichen Fundamentalismus sind Verschwörungstheorien zu vernehmen, die Schuldige an der Oktoberrevolution benennen. In der Regel haben sie zugleich auch die vermuteten Urheber der Französischen Revolution im Visier und es sind wieder die Juden, manchmal verbündet mit Freimaurern, die den Bolschewismus erfanden. In einem nationalsozialistischen Pamphlet werden die Juden sogar bezichtigt, mit dem »Weltchristentum« vereint, den Bolschewismus zur Macht gebracht zu haben: »Man lasse sich nicht dadurch täuschen« heißt es dort, »daß der russische Bolschewismus als Träger der Weltrevolutionsidee zu Judengunsten sich gleichzeitig der Gottlosigkeit verschworen hat. Seine Verfolgungen der Religion erstrecken sich nicht auf die jüdische, kein Jehovatempel wurde zerstört, kein einziger Rabbiner verhaftet […]«[29] Die rechtslastige Zeitung Junge Freiheit weiß es besser. In einem Artikel, der u.a. den Zweck hat, den Nationalsozialismus von der Urheberschaft des Mythos vom »jüdischen Bolschewismus« zu entlasten, heißt es, gestützt auf Rogalla von Bieberstein, dass der Ursprung des jüdischen Bolschewismus im zaristischen Russland am Ende des 19. Jahrhunderts zu suchen sei. Das religiöse Judentum sei in der Revolution ebenso rigoros bekämpft worden wie andere Religiöse. »Hunderttausende von Gläubigen aller Religionen waren harter Verfolgung ausgesetzt.« Dass Juden aber schuldhaften Anteil an der Oktoberrevolution hatten, wird trotzdem behauptet – in der Denkfigur eines säkularen Judentums – und in der bekannten Manier durch den Verweis auf die Herkunft vieler Revolutionäre belegt.[30]

Der Propagandachef der NSDAP Joseph Goebbels stanzte in seiner Broschüre Das kleine abc des Nationalsozialisten die griffige Parole, mit der auch die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) in den negativen Kontext gestellt wurde. Die KPD sei die revolutionär-klassenkämpferische Partei der Arbeiterschaft, die mit Gewalt und Terror die Diktatur des Proletariats erstrebe, »ihre Methoden sind russisch-jüdisch, ihre geistigen Führer sind vornehmlich Juden und stehen nachweislich mit der goldenen Internationalen in engster Verbindung«.[31]

Ein Pamphlet des einflussreichen antisemitischen Propagandisten Johann von Leers diente 1942 dem Zweck, den deutschen Überfall auf die Sowjetunion zu rechtfertigen. Die angebliche jüdische Verschwörung gegen die Welt wurde gleichgesetzt mit der vermeintlich durch die von der Sowjetunion verkörperte bolschewistische Gefahr. Leersʼ Schrift Juden hinter Stalin wurde über Kanäle des Auswärtigen Amtes vertrieben.[32] Auf knapp 16 Druckseiten wird nach der eingehenden Schilderung von Gräueltaten, Folter und Mord an Unschuldigen, begangen von »Sowjetjuden«, d.h. von jüdischen Funktionären des Sowjetsystems (darunter auch mordlüsternen Frauen), die angebliche Durchsetzung der Ideologie des Bolschewismus durch Juden beschrieben. Der Autor behauptet, jüdische Bankiers hätten die Entstehung des Bolschewismus finanziert, maßgebende Rabbiner ihn gelobt und gefördert, Bolschewismus und Judentum stimmten in ihren Zielen überein: »Uralter Rassenhass der Juden gegen die anderen Völker tobt sich in den grauenvollen Bluttaten des Bolschewismus aus.« Der Kommunismus sei das Instrument, mit dem das Judentum die Weltherrschaft zu erlangen trachte. Unter dem gleichen Titel, aber mit sehr viel größerem Umfang und entsprechend breiter Argumentation, war 1938 ein Buch von Rudolf Kommoss erschienen, das ebenso eindeutig die gleiche Absicht verfolgte, nämlich die Verknüpfung von Antisemitismus und Antikommunismus zu einem kohärenten Bedrohungsszenario. Das Buch erlebte bis 1943 mehrere Neuauflagen. Der Autor war Leiter der Pressestelle der Antikomintern und eines Instituts zum Studium von Bolschewismus und Judentum. Der Text besteht aus der Reihung geläufiger antisemitischer Stereotypen, nach denen die Sowjetherrschaft von Juden installiert worden sei, Staatsapparat, Partei, Armee, Wirtschaft, Presse und Kultur der Sowjetunion von Juden in verschwörerischer Absicht durchsetzt seien und Judenherrschaft in der Sowjetunion als Etappe auf dem Weg zur jüdischen Weltherrschaft verstanden werden müsse. Die Schrift erfüllte durch Denunziation des Stalinregimes als Judenherrschaft die doppelte Absicht antikommunistischer und antisemitischer offizieller Propaganda.[33]

 

Das zähe Leben verschwörungstheoretischer Konstrukte

Die Verschwörungsfantasien über die Oktoberrevolution 1917, die die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts funktionierende Herrschaftsordnung der Sowjetunion und ihrer Satrapenstaaten begründete, haben das Ende des Sowjetsystems überdauert. Nicht nur in Polen und Ungarn, in Lettland oder Litauen ist das Zerrbild vom jüdischen Bolschewismus im politischen Alltagsdiskurs präsent. Die Oktoberrevolution wird als Machwerk finsterer Mächte, als Synonym entfesselter Gottlosigkeit wahrgenommen, damit »erklärt« und von Ideologen beliebig instrumentalisiert. Da einfache Bilder, die das Gute vom Bösen deutlich unterscheiden und die vermeintlichen Ursachen des Bösen klar benennen, eingängiger und beliebter sind als historische und sozialwissenschaftliche Analysen der Ursachen eines historischen Umbruchs, ist ein Ende der Konjunktur verschwörungstheoretischer Projektionen auf die Oktoberrevolution 1917 nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Ebenso wie die »Protokolle der Weisen von Zion« immer wieder von christlichen Fundamentalisten und ultrakonservativen Sektierern einem gläubigen Publikum als ernstzunehmende »Beweise« jüdischen Weltmachtstrebens präsentiert werden – jüngst in den Reihen der rechtspopulistischen »Alternative für Deutschland« – so sind Verschwörungsfantasien als »Erklärung« der Oktoberrevolution 1917 zeitlos willkommen.

 

 

Der Vortrag wurde am 11. Mai 2016 im Rahmen der Reihe »Talking about a revolution! Die Oktoberrevolution: Geschichte – Instrumentalisierung – Rezeption« gehalten und ist nachzuhören unter:

http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/oktoberrevolution-benz

 


[1] Zu Methode und Evidenz verschwörungstheoretischen Denkens siehe Ute Caumanns/Mathias Niendorf (Hg.): Verschwörungstheorien. Anthropologische Konstanten – historische Varianten, Osnabrück 2001.

[2] In der Hohmann erstaunlicherweise auch Ferdinand Lassalle und Eduard Bernstein zu den Gründervätern des Kommunismus rechnet.

[3] Alle Zitate aus der Rede Martin Hohmanns nach dem vollständigen Text aus dem Internet, der als Ausdruck (10 Seiten) unter dem Datum 29.10.2003 vom Hessischen Rundfunk zur Verfügung gestellt wurde. Der Text ist weiterhin online zu finden unter: www.heise.de/-3431873, ges. am 21. November 2016.

[4] Henry Ford: Der Internationale Jude, Leipzig 1921.

[5] In den Reihen des bayerischen Bürgertums war damals geraunt worden, er habe ursprünglich Kosmanowski geheißen und sei aus Galizien zugewandert, das Gerücht hielt sich über Jahrzehnte.

[6] Der Massenmord von Katyn das Werk jüdischer Schlächter. Judas Blutschuld wächst ins Unermeßliche, in: Völkischer Beobachter vom 15. April 1943; Wie lange schweigt England zum Massenmord von Katyn?, in: Völkischer Beobachter vom 16. April 1943. Siehe »Juden waren die Henkersknechte Stalins. Sensationelle Zeugenaussagen zum Massenmord von Katyn«, in: Bremer Zeitung vom 15. April 1943.

[7] Eva Herman: Das Medienkartell, Rottenburg 2012, S. 207–224, zit. nach: derhonigmannsagt.wordpress.com/2012/04/28/der-fall-martin-hohmann/, ges. am 21. November 2016.

[8] Johannes Rogalla von Bieberstein: Jüdischer Bolschewismus: Mythos und Realität, Dresden 2002.

[9] Siehe die Rezension von Klaus-Peter Friedrich, Herder-Institut Marburg, in: www.sehepunkte.de/2003/06/3289.html, ges. am 21. November 2016.

[10] Zit. nach Rudolf Augstein u.a. (Mitverfasser): »Historikerstreit«. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung, München 1987, S. 32.

[11] Ernst Nolte: Abschließende Reflexionen über den sogenannten Historikerstreit, in: Uwe Backes/Eckhard Jesse/Rainer Zitelmann: Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus, Berlin 1990, S. 92.

[12] Deutschlandfunk: Sendung »Schalom – Jüdisches Leben heute«. Jüdische Vergangenheitsbewältigung aus der Sicht eines Christen, von Joseph Biolek, 6. September 1992, 8.25 Uhr. Nach erheblichen öffentlichen Protesten wurde der Autor des Pamphlets als Redakteur der Sendereihe abgelöst. Siehe Allgemeine Jüdische Wochenzeitung vom 24. September 1992, dort auch der Wortlaut der Sendung.

[13] Siehe Heinz-Dietrich Löwe: The Tsars and the Jews. Reform, Reaction and Anti-Semitism in Imperial Russia, 1772–1917, Chur 1993.

[14] Siehe die Auseinandersetzung aus jüdischer Perspektive mit dem Problem der kollektiven Inanspruchnahme der jüdischen Minderheit in Russland bzw. der Sowjetunion als Avantgarde der Moderne und bei der Errichtung kommunistischer Herrschaft: Yuri Slezkine: Das jüdische Jahrhundert, Göttingen 2006.

[15] Siehe Wolfgang Benz: Tradition und Trauma. Wiederbelebter Antisemitismus in Osteuropa, in: Mariana Hausleitner/Monika Katz (Hg.): Juden und Antisemitismus im östlichen Europa, Berlin 1995, S. 27–38.

[16] Siehe Daniel Gerson: Der Jude als Bolschewist. Die Wiederbelebung eines Stereotyps, in: Wolfgang Benz (Hg.): Antisemitismus in Deutschland, München 1995, S. 157–180.

[17] Sonja Margolina: Das Ende der Lügen. Rußland und die Juden im 20. Jahrhundert, Berlin 1992.

[18] Ebd., S. 55.

[19] Siehe Juliane Wetzel: Ein Ende der Lügen?, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung (1993), H. 2, S. 359–377.

[20] Siehe dazu insbesondere Ulrich Herbeck: Das Feindbild vom »jüdischen Bolschewiken«. Zur Geschichte des russischen Antisemitismus vor und während der Russischen Revolution, Berlin 2009.

[21] Siehe Wolfgang Benz: Die Protokolle der Weisen von Zion, München 2007.

[22] Robert Nilostonski: Der Blutrausch des Bolschewismus. Bericht eines Augenzeugen über die Schreckensherrschaft der Bolschewisten in Russland, Berlin 1920.

[23] Zit. nach Herbeck: Das Feindbild vom »jüdischen Bolschewiken« (Anm. 20), S. 165.

[24] Dokumentiert ist die Debatte in einem Sammelband des »Vaterländischen Verbands russischer Juden im Auslande« 1925 und in der Monographie D.S. Pasmanik: Die Russische Revolution und die Judenheit (Bolschewismus und Judentum) 1923. Die Texte liegen in einer wissenschaftlichen Edition vor: Karl Schlögel/Karl-Konrad Tschäpe (Hg.): Die Russische Revolution und das Schicksal der russischen Juden. Eine Debatte in Berlin 1922/23, Berlin 2014.

[25] David Blatman: Polish Antisemitism and »Judeo-Communism«: Historiography and Memory, in: East European Jewish Affairs 27 (1997), H. 1, S. 23–43; Agnieszka Pufelska: Die »Judäo-Kommune« – ein Feindbild in Polen. Das polnische Selbstverständnis im Schatten des Antisemitismus 1939–1948, Paderborn 2007; Karol Sauerland: Polen und Juden zwischen 1939 und 1968. Jedwabne und die Folgen, Berlin 2004.

[26] Adolf Hitler: Mein Kampf, 261./262. Aufl., München 1937, S. 751.

[27] Ebd., S. 586.

[28] Dietrich Eckart: Der Bolschewismus von Moses bis Lenin. Ein Zwiegespräch zwischen Adolf Hitler und mir, München 1924 (Reprint Liverpool, W.Va. 1978); siehe auch Claus-Ekkehard Bärsch: Die politische Religion des Nationalsozialismus. Die religiösen Dimensionen der NS-Ideologie in den Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler, München 2002.

[29] Hans Hauptmann: Bolschewismus in der Bibel. Der Ursprung des Bolschewismus aus dem Mosaismus und dem Christentum, Leipzig 1937, Reprint Viöl/Nordfriesland 2002, S. 124. Die Argumentation ist grobschlächtig, sie orientiert sich an Zitaten aus dem Alten und Neuen Testament und kommt zu solchen Schlussfolgerungen: »Man sieht: die jüdisch-kommunistische Tscheka, die gleich in den ersten Jahren ihrer Herrschaft über das unglückliche Rußland 6 Millionen der Besten der arischen Bevölkerung hingeschlachtet hat, ist mit dieser fluchwürdigen Massenschlächterei nur dem Beispiele ihres ›höchsten Gottes‹ Jahve gefolgt.« (S. 27)

[30] Der gefährliche Mythos, in: Junge Freiheit vom 21. Februar 2003; siehe auch Die Pawlowsche Klingel berührt, ebd., vom 7. November 2003.

[31] Joseph Goebbels: Das kleine abc des Nationalsozialisten, München 1925 (zahlreiche weitere Auflagen).

[32] Johann von Leers: Juden hinter Stalin, Berlin 1942.

[33] Rudolf Kommoss: Juden hinter Stalin. Die jüdische Vormachtstellung in der Sowjetunion aufgrund amtlicher Sowjetquellen dargestellt, Lage und Aussichten, Berlin und Leipzig 1938.

Kurzbiografie

Abstract

Copyright:

Eventuell enthaltenes Bildmaterial kann aus urheberrechtlichen Gründen in der Online-Ausgabe des JHK nicht angezeigt werden. Ob dieser Beitrag Bilder enthält, entnehmen Sie bitte dem PDF-Dokument.