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Für den »Roten Oktober«, gegen die Bolschewiki. Isaac Steinbergs Kampf für einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz

JHK 2018 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 1-22 | Metropol Verlag

Autor/in: Tobias Grill

»Der Sozialismus ist sittlicher Aktivismus. Nur als eine moralische Bewegung wird der Sozialismus den Menschen befreien oder gar nicht.«[1] Dieses Credo des aus dem Russischen Reich stammenden Linken Sozialrevolutionärs (LSR) Isaac Steinberg (1888‑1957) aus dem Jahr 1923 war Ausdruck seiner eigenen politischen Erfahrungen. Nach der Oktoberrevolution zunächst drei Monate lang als Volkskommissar für Justiz an einer Koalitionsregierung mit den Bolschewiki beteiligt, war Steinberg schließlich zu deren erbittertem Gegner geworden. Denn als Vertreter eines ethischen Sozialismus widersprach der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft mittels willkürlicher Gewalt seinem politischen Selbstverständnis fundamental. Mit seiner schonungslosen Kritik am bolschewistischen Terror in den 1920er- und 1930er-Jahren hob sich Steinberg bewusst von westlichen Intellektuellen ab, deren Solidarität mit der Sowjetunion seiner Meinung nach die Verbrechen der Bolschewiki bagatellisierte und somit nicht nur das grundsätzliche Bekenntnis des Sozialismus zur Menschlichkeit infrage stellte, sondern letztlich die sozialistische Bewegung in ihrer Existenz bedrohte. Während nicht wenige dieser Intellektuellen Stalin und den Stalinismus regelrecht feierten, vertrat der ehemalige Volkskommissar in der deutschen wie englischen Öffentlichkeit die provokante Haltung, dass Faschismus und Nationalsozialismus sowie Bolschewismus und Stalinismus totalitäre Systeme seien, die demnach gleichermaßen bekämpft werden müssten. Trotz seiner Gegnerschaft zum Bolschewismus blieb er jedoch ein leidenschaftlicher Anhänger der Oktoberrevolution, des Rätemodells und des revolutionären Sozialismus. Angesichts dieser Haltung ist es nachvollziehbar, dass Steinberg die reformorientierte Sozialdemokratie ebenfalls ablehnte.

Der vorliegende Beitrag möchte anhand von Steinbergs politischem und publizistischem Wirken insbesondere in den 1920er- und 1930er-Jahren den minoritären dritten Weg jenseits von staatskommunistischem Bolschewismus und reformistischer Sozialdemokratie in den Mittelpunkt stellen. Dass die Oktoberrevolution durchaus auch einen anderen Verlauf hätte nehmen können, soll paradigmatisch anhand der Auseinandersetzung mit Steinbergs alternativem Weg eines ethischen, anti-etatistischen und revolutionären Sozialismus deutlich werden.

Neben den Arbeiten von Mikhail Krutikov,[2] Willy Birkenmaier[3] und Hendrik Wallat[4] werden nicht nur die zahlreichen Publikationen Steinbergs zur Oktoberrevolution und zur Politik der Bolschewiki herangezogen, sondern auch sein umfangreicher Nachlass im New Yorker YIVO Institute for Jewish Research.

 

Steinberg und der »Rote Oktober«

Schon kurz nachdem Steinberg 1906 in Moskau sein Jurastudium aufgenommen hatte, trat er der Partei der Sozialrevolutionäre (Partija socialistov-revoljucionerov, PSR) bei. Dieses politische Engagement führte Anfang März 1907 zu seiner ersten Verhaftung. Nachdem eine Verurteilung zu zweijähriger Verbannung nach Sibirien in die Auflage umgewandelt worden war, für zwei Jahre das Land zu verlassen,[5] entschied sich Steinberg dafür, sein Jura- und Talmudstudium in Heidelberg fortzusetzen. 1909 schloss er dieses mit einer Dissertation über talmudisches Strafrecht ab und kehrte anschließend ins Russische Reich zurück, wo er zunächst als Anwalt arbeitete.

Während des Weltkriegs nahm Steinberg sein Engagement in der PSR wieder auf. Nach der Februarrevolution wurde er in Ufa, wo er zu dieser Zeit lebte, nicht nur in den dortigen Stadt-Sowjet, sondern auch zum Delegierten der Verfassungsgebenden Versammlung gewählt. Darüber hinaus war Steinberg Delegierter des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees (Vserossijskij Centralʼnyj Ispolnitelʼnyj Komitet, VCIK) der Sowjets der Arbeiter, Soldaten und Bauern in Petrograd.

Als die Bolschewiki in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober (7. und 8. November nach gregorianischem Kalender) 1917 im Zuge eines Staatsstreiches die Macht an sich rissen, stellten sich die Linken Sozialrevolutionäre[6] im II. Allrussischen Kongress der Sowjets hinter Lenins Partei. Auch wenn Steinberg noch Anfang Dezember im VCIK die Bolschewiki gewarnt hatte, dass es im »Klassenkampf keinen Platz für willkürliche Unterdrückungsmaßnahmen«[7] gebe, trat die inzwischen gegründete Partei der Linken Sozialrevolutionäre (Partija levych socialistov-revoljucionerov, PLSR) nur wenige Tage später in den Rat der Volkskommissare ein, wobei Steinberg Volkskommissar für Justiz wurde.[8] Steinbergs Absicht, eine gewisse Form der Rechtsstaatlichkeit im revolutionären Russland zu etablieren, wurde von den Bolschewiki um Vladimir Lenin, Lev Trockij und Feliks Dzierżyński, dem Führer der Tschekisten, massiv torpediert. [[Foto im gedruckten Exemplar: Isaac Steinberg während seiner Zeit als Volkskommissar für Justiz Ende 1917 / Anfang 1918]]

Während sich Steinberg vom Prinzip eines ethischen Sozialismus leiten ließ, das auch die Wahrung der Rechte politischer Gegner einschloss, bedienten sich die Bolschewiki in zunehmendem Maße des Terrors als Herrschaftsinstrument. Dies führte immer wieder zu schweren Konflikten im Rat der Volkskommissare, da der Koalitionspartner der PLSR dem Volkskommissar für Justiz eigenmächtiges Handeln vorwarf.

Dies hielt jedoch Steinberg und seine Partei nicht davon ab, mit den Bolschewiki weiterhin den eingeschlagenen Weg in eine Diktatur des Proletariats zu verfolgen. So erklärte er noch 1932 in einem Brief an den Austromarxisten Max Adler, dass er und die PLSR die »Analyse der Begriffe Demokratie und Diktatur […] im konkreten sozialen Kampf noch im Jahre 1917 vorgenommen« und sich dabei »für die Diktatur der proletarischen Klassen ein für allemal entschieden« hätten.[9] Als im Januar 1918 die Verfassungsgebende Versammlung zu ihrer ersten Sitzung zusammentrat, war vor allem auch Steinberg mit seinen Redebeiträgen daran beteiligt, eine vermeintlich reaktionäre Gesinnung der Mehrheit der Delegierten aufzudecken und damit einen Vorwand für die Auflösung der Konstituante zu schaffen.[10] Vor dem Hintergrund seiner radikal sozialrevolutionären und anarchistischen Prinzipien nahm er, so Krutikov, die Verfassungsgebende Versammlung mit ihrer Vision von einem liberal-demokratischen Staat gemäß dem legalistischen europäischen Modell nur als Hindernis auf dem Weg zum Sozialismus wahr.[11]

Mitte März 1918 sollte schließlich ein politisch-ideologischer Konflikt unter Federführung Steinbergs zum Austritt der PLSR aus dem Rat der Volkskommissare führen. Während Lenin und die Mehrheit der Bolschewiki aufgrund realpolitischer Erwägungen des Machterhalts darauf drangen, die vom deutschen Kaiserreich diktierten Friedensbedingungen von Brest-Litowsk anzunehmen, lehnte Steinberg im Namen der Mehrheit seiner Fraktion dies ab.[12] Für ihn und seine Partei kam ein Friedensschluss mit dem Klassenfeind einem Verrat an den »werktätigen Massen« im In- und Ausland gleich. Im Namen der PLSR verkündete Steinberg schließlich das Ende der Koalition mit den Bolschewiki.

Spätestens seit dem sogenannten Juli-Aufstand der Linken Sozialrevolutionäre knapp vier Monate später wurde auch diese Partei von der Tscheka verfolgt. Nach zwei Verhaftungen und zahlreichen Hausdurchsuchungen entschied sich Steinberg 1923, nach Deutschland zu emigrieren. [[Foto im gedruckten Exemplar: Isaac Steinbergs sowjetischer Pass, »ungültig« gestempelt]]

 

Eine »freiheitlich-sozialistische Schule der Toleranz«: Steinbergs politische Netzwerke in der Emigration

Unmittelbar nach seiner Emigration aus Russland nahm Steinberg als Vertreter der Auslandsdelegation der PLSR zunächst an der Exekutivsitzung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien (IASP; pejorativ auch: Zweieinhalbte Internationale) in Bregenz[13] und schließlich an der zweiten und letzten Konferenz der IASP in Hamburg teil. Im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit der Delegierten lehnte er im Namen seiner Partei eine Verschmelzung der IASP mit der II. Internationale zur Sozialistischen Arbeiterinternationale entschieden ab.[14] Denn als Linker Sozialrevolutionär missbilligte Steinberg nicht nur die terroristische Politik der Bolschewiki, sondern auch die reformorientierte Haltung der Sozialdemokratie, die für die neue Internationale maßgeblich prägend sein sollte.[15] So sprach er dieser in einer äußerst hitzig geführten Diskussion nicht nur jegliche Berechtigung zur Kritik an der Russischen Revolution ab, sondern bezichtigte sie überdies auch des Sozialpatriotismus und der Spießbürgerei.[16]

Darüber hinaus betrachtete Steinberg die Verschmelzung von IASP und II. Internationale als weiteren Schritt, die Spaltung der internationalen Arbeiterbewegung zu vertiefen. In seinen Augen hatten nicht nur die II. und die von den Bolschewiki dominierte III. Internationale, sondern auch die IASP selbst, deren ursprüngliches Ziel es war, »alle Strömungen des internationalen Sozialismus zu einer Aktionsgemeinschaft zusammenzuführen«,[17] jegliche Einigungsversuche zur Schaffung einer allumfassenden Internationale sabotiert. Mit seiner Haltung blieb Steinberg jedoch weitgehend isoliert. Neben seiner Partei verweigerten sich nur die Gruppe um Georg Ledebour und die litauischen Sozialrevolutionäre dem Zusammenschluss.[18]

Wenige Monate zuvor – im Januar 1923 – hatte der Vereinigungskongress der PLSR und der Sozialrevolutionären Maximalisten[19] beschlossen, »alle Maßnahmen zur Organisation einer internationalen Vereinigung der Arbeiter zu ergreifen, die sowohl die revolutionär-syndikalistischen Kreise des Westens, wie auch alle links-sozialistischen und links-kommunistischen Gruppen in ihre Reihen aufnehmen würde«, um eine »solide Grundlage für die Befreiung der Arbeiter der ganzen Welt« zu schaffen.[20] Als Reaktion auf die unmittelbar bevorstehende Auflösung der IASP hatte die Auslandsdelegation der PLSR und Maximalisten unter Führung Steinbergs und seines ehemaligen Stellvertreters als Volkskommissar für Justiz Aleksandr Šrejder vorgeschlagen, in Berlin eine »Revolutionär-Sozialistische Internationale« zu gründen, »die einerseits den Staatspatriotismus, den Militarismus, den vulgären Parlamentarismus, den reformistischen Legalismus […], andererseits aber auch die Methoden einer terroristischen, diktatorischen, parteilichen […] Kampfesweise« ablehnte.[21]

Tatsächlich gelang es den beiden Gegnern einer Verschmelzung von IASP und II. Internationale Steinberg und Ledebour noch im selben Jahr, ein »Internationales Informationsbüro revolutionär sozialistischer Parteien« mit Sitz in Berlin zu gründen. Wie beide schon bei der Konferenz der IASP in Hamburg deutlich gemacht hatten, verfolgten sie mit dem »Informationsbüro« das Ziel, Propaganda für eine allumfassende Internationale zu machen.[22] Zwar vertraten einige bedeutende Persönlichkeiten der revolutionären sozialistischen Bewegung Europas ihre Parteien im »Pariser Büro«, wie es gemäß seinem Sitz seit Ende 1925 auch genannt wurde, dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das »Informationsbüro« als dritte Kraft zwischen reformorientierter II. Internationale und moskautreuer III. Internationale kaum Wirkung entfaltete und seit 1930 durch Austritte von Parteien langsam in sich zusammenbrach.[23] Dieses Schicksal galt nicht minder für die PLSR. Im Sommer 1933 musste Steinberg eingestehen, dass seine Partei gerade einmal noch acht Mitglieder außerhalb Russlands hatte.[24]

Parallel zu seinen transnationalen parteipolitisch-institutionellen Aktivitäten im »Pariser Büro« knüpfte Steinberg seit seiner Emigration nach Berlin enge Kontakte zu Personen, die anarchistische, anarcho-syndikalistische, freisozialistische oder rätekommunistische Überzeugungen vertraten und somit jenseits von reformorientierter Sozialdemokratie und Staatskommunismus bolschewistischer Prägung standen. Rasch wurde er ein zentraler Akteur von sich teils überschneidenden Netzwerken, deren Knotenpunkte neben Steinberg Karl Korsch, Erich Mühsam, Rudolf Rocker, Alfred Döblin, Theodor Liebknecht, Bertolt Brecht und Augustin Souchy waren.[25] Gegen Ende der Weimarer Republik entstand aus den verschiedenen linksoppositionellen Zirkeln von »Nonkonformisten und Dissidenten« (Souchy) schließlich im Berliner Café Adler am Dönhoffplatz ein wöchentlich stattfindendes politisches Diskussionsforum. Dieses Forum war laut dem Anarchosyndikalisten Augustin Souchy, selbst Mitglied des Zirkels, »eine freiheitlich-sozialistische Schule der Toleranz, in der jede Meinung respektiert wurde« und »eine einheitliche ideologische Linie nicht anerkannt« werden musste.[26]

Grundsätzlich suchte Steinberg engen Kontakt zu den führenden Vertretern des organisierten Anarcho-Syndikalismus in Deutschland, dessen Spiritus Rector Rudolf Rocker Steinberg attestierte, »die Gebote wahrer Menschlichkeit als grundlegendes Prinzip des Sozialismus zu empfinden und anderen zu vermitteln«.[27]

Wie nahe Steinberg der anarcho-syndikalistischen Bewegung Rockers stand, zeigte sich nicht zuletzt, als auf dem 2. Kongress der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) in Amsterdam im März 1925 ein von Steinberg verfasstes und unterzeichnetes Grußwort der »Auslandsdelegation der Partei der linken SR und des SR-Maximalistenverbandes« verlesen wurde. Darin wurde die gemeinsame Gegnerschaft gegenüber »der Bourgeoisie« und »den beiden inneren Feinden der Menschheitsbefreiung: dem sozialdemokratischen Reformismus und dem bolschewistischen Kommunismus« hervorgehoben. Vielmehr kämpfe man, so Steinberg im Namen seiner Partei, »mit allen revolutionären Mitteln für die gewaltsame Vernichtung der bürgerlichen Gesellschaft«, wobei jedoch »nur die Aufrichtung einer Klassendiktatur der Arbeiterklasse über die Bourgeoisie (in Form der Räte) [angestrebt werde], keineswegs die Aufrichtung einer Parteidiktatur, die notwendigerweise durch Terror und Betrug herrschen müssen«.[28]

Angesichts des Terrors der Bolschewiki nutzte Steinberg seine politischen Netzwerke auch, um über die Verfolgungen von Revolutionären in Sowjetrussland zu informieren und sich für eine Amnestie dieser Häftlinge wirkungsvoller engagieren zu können. Als Vertreter seiner Partei war Steinberg Mitglied des international agierenden »Vereinigten Comités zum Schutze der in Russland gefangenen Revolutionäre«, das eine deutlich anarchistische und anarcho-syndikalistische Prägung aufwies.[29] Gemeinsam war den Repräsentanten dieses Netzwerks nicht nur das Engagement für in Sowjetrussland inhaftierte Revolutionäre, sondern auch ihr grundsätzliches Bekenntnis zur Oktoberrevolution.

Darüber hinaus nutzte Steinberg auch andere Möglichkeiten, um die Öffentlichkeit auf das Schicksal sozialistischer Häftlinge in der Sowjetunion aufmerksam zu machen. So wurde im Herbst 1927 anlässlich des 10. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution in einem in verschiedenen Zeitungen erschienenen Aufruf »An die Sowjetregierung! An das russische werktätige Volk! An das Weltproletariat!« eine Amnestie für alle in Rußland inhaftierten Revolutionäre ([Linke] Sozialrevolutionäre, Anarchisten, Linkskommunisten) gefordert.[30] Dieser Appell ging auf die Initiative von Isaac Steinberg (der im Aufruf als Erster genannt wurde), Theodor Liebknecht, Erich Mühsam, Rudolf Rocker, Franz Pfemfert, Henriette Roland Holst und Karl Korsch zurück.[31]

Im April 1929 fand schließlich in Berlin eine große Kundgebung des von Anarchisten, Syndikalisten, Linken Sozialrevolutionären und anderen gemeinsam begründeten »Komitees Oktoberrevolution« für verfolgte Revolutionäre in der Sowjetunion statt, auf der neben Rocker, Liebknecht, Mühsam und Korsch auch Steinberg auftrat.[32]

Steinbergs Engagement für sozialistische Häftlinge in der Sowjetunion blieb nicht allein auf sozialistische Kreise beschränkt. Er bemühte sich auch, Kontakte zu Personen zu knüpfen, die in der breiten Öffentlichkeit über großes Ansehen verfügten, das er hoffte, auch für seine Zwecke nutzen zu können. So hatte Steinberg wenige Tage vor der Kundgebung im April 1929 Albert Einstein in einem persönlichen Gespräch das »Schicksal der in Russland gefangengehaltenen Sowjetrevolutionäre« geschildert und ihm Briefe der Inhaftierten zukommen lassen. In seinem Schreiben an Einstein, der sich schon spätestens seit 1925 für politische Häftlinge in der Sowjetunion eingesetzt und sich gegen den dortigen Terror ausgesprochen hatte,[33] machte Steinberg deutlich, dass es letztlich um nichts weniger als die Bewahrung einer »Menschheitsidee« und einer »sozialistischen Moral« gehe, die höher zu bewerten sei als irgendwelche Staatsinteressen.[34]

 

Kampf für einen ethischen Sozialismus

Was Steinberg gegenüber Einstein in Bezug auf die sozialistischen Häftlinge äußerte, war allgemeine Grundlage und Richtschnur seines Sozialismusverständnisses. In seinen Augen hatten die Bolschewiki, mit denen er und die PLSR einst koaliert hatten, die Ideale der Oktoberrevolution und die Prinzipien eines internationalistischen, ethisch konnotierten Sozialismus durch die systematische Anwendung von Gewalt und Terror verraten. Besonders deutlich werden Steinbergs ethischer Sozialismus und seine Abgrenzung zum Bolschewismus in einem Brief an den bedeutenden belgischen Politiker und Theoretiker des Sozialismus Hendrik de Man vom Juli 1927:[35] Der sozialrevolutionäre Sozialismus »steht in Russland selbst im unversöhnlichen ideelen [sic!] und praktischen Gegensatz zum Bolschewismus. Gerade weil wir ‑ die Linken S.-R. ‑ die Oktoberrevolution 1917 aktiv mitmachten, weil wir die Nachkriegsepoche als die Epoche der Weltrevolution betrachten, weil wir uns von Nationalismus, Staatsanbetung, mechanistischer Geschichtsdialektik frei halten, weil wir als oberstes Gebot und Richtschnur des Sozialismus die Ethik betrachten ‑ gerade darum trennten wir uns vom Bolschewismus und bekämpfen ihn seit 1918. […] Und hier ‑ in der Aufdeckung der Grundübel des Marxismus und der Rehabilitierung der ›utopistisch‹-ethischen Quellen ‑ gehen wir einen gemeinsamen Weg. […] Die Oktoberrevolution ist aus dem Geiste des ethischen Sozialismus, der immer maximalistisch ist, geboren; der Bolschewismus aber ist seine Verkrüppelung durch den doktrinären Marxismus gewesen.«[36]

Immer wieder verwies Steinberg in seinen Publikationen auf die für ihn grundlegende Ansicht, dass die Bolschewiki die Oktoberrevolution, die im Sinne ihres emanzipatorischen Charakters so hoffnungsvoll begonnen hatte, pervertiert und damit den wahren Sozialismus verraten hatten.[37] Bereits 1923 erschien in Berlin sein 1920 begonnenes Werk Das sittliche Antlitz der Revolution auf Russisch, mit dem er eine schonungslose Analyse und Kritik des bolschewistischen Terrors vorlegte. Laut Steinberg konnte der Sozialismus nur dann eine Zukunft haben, wenn er sich von den verwerflichen Methoden der Bolschewiki klar abgrenzte.

Als Anhänger der Oktoberrevolution und Verfechter des Rätemodells, der allein von einem ethischen Sozialismus die Befreiung der Menschheit von jeglicher Unterdrückung erwartete, vertrat Steinberg nicht nur einen dritten Weg, sondern auch eine klare Minderheitenposition innerhalb der sozialistischen Bewegung. Dies wird nicht zuletzt daran deutlich, dass Steinberg für die deutsche Übersetzung seines russischsprachigen Werkes Das sittliche Antlitz der Revolution jahrelang keinen Verlag finden konnte. Seiner Meinung nach mussten »sowohl sozial-demokratische als auch kommunistische [Verlage] seine Problemstellung ablehnen«.[38] Erst 1931 erschien es schließlich unter dem Titel Gewalt und Terror in der Revolution (Oktoberrevolution oder Bolschewismus) bezeichnenderweise in der Gilde freiheitlicher Bücherfreunde, einer Initiative der anarcho-syndikalistischen Freien Arbeiter-Union Deutschlands.[39] Bis heute wird dieses Werk, laut dem Historiker Stefan Plaggenborg »eines der wichtigsten Bücher über die Gewalt in Sowjetrussland«,[40] in nahezu jeder Darstellung zur Russischen Revolution zitiert.

In den acht Jahren seit dem erstmaligen Erscheinen des Buches auf Russisch hatten sich sowohl die Verhältnisse in der Sowjetunion als auch im westlichen Europa weiter radikalisiert. Auf diesen Umstand ging Steinberg in einem zusätzlichen Nachwort für die deutschsprachige Ausgabe von 1931 besonders ein. So konstatierte er zum einen, dass der Terror in der Sowjetunion keineswegs abgenommen, sondern sich ganz im Gegenteil »noch gründlicher, systematischer und mannigfaltiger festgesetzt« habe. Zum anderen habe der Terror jedoch auch »längst auf die kommunistischen und bürgerlich-radikalen Schichten in Westeuropa übergegriffen«. Wie Steinberg weiter ausführte, seien unter »dem Deckmantel der ›Sympathien‹ für Sowjetrußland oder der ›Verteidigung‹ Sowjetrußlands vor den imperialistischen Gefahren zuliebe […] heute gewisse radikal-bürgerliche Schichten in Europa bereit, die schlimmsten Taten des bolschewistischen Terrors zu billigen, zu entschuldigen oder gar abzuleugnen«.[41]

Worauf Steinberg hier vor allem anspielte, war das Ende 1930 vom KPD-Spitzenfunktionär Willi Münzenberg gegründete »Internationale Verteidigungskomitee für die Sowjetunion ‑ gegen die imperialistischen Kriegstreiber«, dessen Aufruf zahlreiche deutsche Intellektuelle unterzeichnet hatten.[42] Für Steinberg besonders empörend war der Umstand, dass diese Intellektuellen durch ihre Unterschrift einen Schauprozess gegen vermeintlich »weißgardistische Schädlinge und Saboteure« rechtfertigten und somit dem Terror in der Sowjetunion Legitimation verliehen. In einem offenen Brief an den »Genossen« Ernst Toller fragte Steinberg diesen, ob ihm denn nicht klar sei, dass er »durch Unterzeichnung dieses Aufrufes […] eigentlich einen [sic!] innerpolitischen Bedürfnis der bolschewistischen Regierung entgegenkomme, nämlich der Rechtfertigung der blutigen Henkerarbeit, die zur Zeit in Sowjetrussland wütet«. Im Weiteren erinnerte Steinberg Toller daran, dass dieser nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik die Möglichkeit gehabt hätte, »vor ein Gericht gestellt zu werden, wo ein Hugo Haase […] [ihn] verteidigt hat, wo der Prozess vor der Öffentlichkeit vor sich ging, wo […] [er] sich beliebige nicht eingeschüchterte Zeugen zur Verteidigung holen« konnte. Nahezu prophetisch fügte Steinberg schließlich hinzu: »Dieses aber gab es nicht in den [sic!] Moskauer Prozess von gestern und wird es nicht geben in den Tribunal- und Tschekaprozessen von Morgen. Keine freie Öffentlichkeit, keine freie [sic!] Zeugen und keine freie Verteidigung. Nur Geständnisse und Selbstbezüchtigungen [sic!] von Angeklagten und zum Tode Geweihten.« Schließlich stellte Steinberg Toller die rhetorische Frage, ob er dabei helfen wolle, »das historische Erbgut des Sozialismus ‑ die Humanität ‑ zu vernichten«, oder ob er helfen wolle, dieses zu retten.[43]

Im Nachwort zu seiner 1931 erschienenen deutschen Übersetzung von Das sittliche Antlitz der Revolution prangert Steinberg aber nicht nur linke Intellektuelle in Westeuropa an, Verständnis für das Gewaltsystem der Bolschewiki aufzubringen. Vielmehr verweist er auch auf den Umstand, dass in den letzten Jahren neben dem bolschewistischen ebenso der faschistische Terror stark zugenommen habe. Dieser werde immer mehr zu einem »festen Bestandteil des politischen Lebens auch anderer Staaten, zunächst Deutschlands«. Dabei sei zu beobachten, dass sich der faschistische Terror in den werktätigen Massen und ihrer Psychologie fest verankere. Insofern stehe der Arbeiter in Europa heute zwischen zwei Fronten: dem bolschewistischen und dem faschistischen Terror. Beide rechtfertigen ihren Terror mit dem Verweis auf den jeweils anderen: »So nähren sie sich beide voneinander, so verschieden sie auch sind, und untergraben beide die revolutionäre Aktivität des europäischen Arbeitsmenschen.«[44]

Dass Steinberg als bekennender Sozialist das Merkmal des Terrors bei Faschismus und Bolschewismus/Stalinismus als wesentliche Gemeinsamkeit betonte, nahm letztlich nicht nur Hannah Arendts 20 Jahre später entwickeltes Totalitarismusmodell vorweg,[45] sondern dürfte zu diesem Zeitpunkt für viele Linksintellektuelle eine enorme Provokation dargestellt haben.

 

Steinbergs publizistischer Kampf gegen den Terror der Bolschewiki im englischen Exil

Auch wenn Steinbergs Emigration aus Deutschland im Jahre 1933 in direktem Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Machtübernahme stand, blieb er im Gegensatz zu zahlreichen anderen Linken weiterhin einer der schärfsten Kritiker der Bolschewiki und ihrer terroristischen Methoden. Einige Monate nachdem er sich mit seiner Familie in London niedergelassen hatte, schrieb er einen Leserbrief an die renommierte liberale Tageszeitung Manchester Guardian,[46] in dem er konstatierte, dass es gerade die Methoden des Bolschewismus ‑ totalitäre Herrschaft, die Vormachtstellung des Staates über das Individuum sowie der Doktrin über die Freiheit – waren, die den Weg für solche menschheitsfeindlichen Bewegungen wie den Nationalsozialismus und den Faschismus bereitet haben.[47] Aufgrund der im Totalitarismus begründeten Wesensähnlichkeit von Bolschewismus und Nationalsozialismus kam Steinberg zu dem Schluss, dass im Sinne moralischer Glaubwürdigkeit beide Systeme des Terrors gleichermaßen bekämpft werden müssten. Diese Auffassung verband Steinberg mit konkreter Kritik an der englischen Linken, die sich zwar konsequent dem »Hitlerismus« widersetze, jedoch ihre eigene Position untergraben würde, indem sie angesichts des Terrors in der UdSSR schweige. Durch dieses Schweigen erzeuge die englische Linke, so Steinberg in seinem Leserbrief, unfreiwillig Argumente zugunsten der Untaten des Faschismus. Ihre aufrichtigen Proteste würden in einem Europa verblassen, in dem das Menschenleben und die Freiheit mit zwei unterschiedlichen Maßen gemessen werden. Denn offenbar habe die »zivilisierte Welt« das seit vielen Jahren andauernde Martyrium der sozialistischen Häftlinge in der Sowjetunion vergessen. Aber wäre, wie Steinberg eindringlich appellierte, die moralische Stärke des Kampfes gegen den Nazi-Geist nicht tausendmal größer, wenn es ein umfassender Kampf wäre, ein Kampf im Namen aller, die für ihre Ideen überall auf der Welt ein Martyrium auf sich nehmen?[48]

Steinbergs Ausführungen im Manchester Guardian blieben nicht ohne Reaktion. Der Labour-Politiker Rennie Smith stimmte in einem Leserbrief Steinbergs Ansicht eines kausalen Zusammenhangs zwischen dem russischen Kommunismus und dem Nationalsozialismus in Deutschland beziehungsweise dem Faschismus in Italien zu. Ebenso pflichtete er Steinberg bei, dass niemand die Nazi-Gefahr effektiv bekämpfen könne, wenn er nicht gleichzeitig auch gegen die Philosophie und Methoden des russischen Bolschewismus vorgehe. Als Mitglied der Labour-Partei, der sieben Jahre lang Abgeordneter im Unterhaus war und nun wieder kandidiere, versicherte Smith Steinberg jedoch, dass die Labour-Bewegung angesichts der grausamen Untaten des Bolschewismus und seiner »zynischen Brutalität« nicht schweigen werde. In England ginge die grundlegende Gefahr allerdings nicht vom Kommunismus aus, sondern von Parteien und Aktivitäten, die auf einer faschistischen Doktrin und Praxis beruhen. Damit ließe sich die Aufmerksamkeit, die die britische Labour-Bewegung dem Faschismus in diesem Land zolle, erklären.[49]

Auch in den folgenden Jahren nutzte Steinberg den Manchester Guardian immer wieder dazu, in Leserbriefen und Beiträgen auf das Schicksal der in der Sowjetunion inhaftierten Sozialisten hinzuweisen. Dabei hob er explizit hervor, dass all diese oftmals ohne ordentliches Gerichtsverfahren eingekerkerten Linken und Rechten Sozialrevolutionäre, Menschewiki, Zionisten-Sozialisten, Anarchisten sowie oppositionellen Kommunisten jahrelang aktiv den Zarismus bekämpft und zu dessen Sturz beigetragen hätten sowie teilweise sogar an der Oktoberrevolution und dem Aufbau des Sowjetstaates beteiligt gewesen seien. Im Regelfall war der einzige Grund ihrer Inhaftierung eine von den Bolschewiki abweichende politische Meinung. Um seinen Forderungen nach einer Haftentlassung dieser Personen und seiner Kritik an den terroristischen Methoden der Bolschewiki besonderes Gewicht zu verleihen, ergänzte Steinberg bereits in seinem zweiten Leserbrief an den Manchester Guardian vom Oktober 1934 neben seinem Namen auch den Hinweis »ehemaliger Volkskommissar für Justiz in der ersten Sowjetregierung«.[50] Auf diesen Zusatz sollte er in den nächsten Jahren bei seinen zahlreichen Leserbriefen und Beiträgen zur Sowjetunion fast nie mehr verzichten.

Steinbergs Bemühungen, die englische Öffentlichkeit auf die totalitären und terroristischen Methoden der Bolschewiki aufmerksam zu machen, lösten heftigen Widerspruch vonseiten bekennender Sympathisanten der Sowjetunion und der Bolschewiki aus. Auf zwei seiner Leserbriefe vom November 1937[51] entgegnete ein gewisser Gore Graham,[52] dass kein Land jemals so geduldig mit seinen destruktiven oppositionellen Elementen umgegangen sei wie der Sowjetstaat. Hätten die Linkskommunisten und die (Linken) Sozialrevolutionäre[53] 1918 den Sieg davongetragen, hätte es niemals eine UdSSR gegeben. Der Sowjetstaat habe, so Grahams Meinung, nur konsequent gehandelt und sich selbst verteidigt.[54]

Steinberg, der unter anderem aus der regelmäßigen Lektüre der Pravda seine Informationen über die Sowjetunion und ihre offizielle Regierungspolitik bezog, setzte sich in zwei Leserbriefen an den Manchester Guardian darüber hinaus intensiv mit den von Stalin initiierten und inszenierten Moskauer Schauprozessen auseinander. Im Februar 1937 machte er die englische Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass diese Tribunale Stalin, den Steinberg persönlich aus gemeinsamen Tagen im Rat der Volkskommissare kannte, dazu dienten, seine Konkurrenten aus der alten Garde der Bolschewiki auszuschalten. Im Gegensatz zu »fellow-travellers« und »arch-Stalinists«, die zuvor im Manchester Guardian ihre Überzeugung von der Schuld der Angeklagten geäußert hatten,[55] erklärte Steinberg, dass die Anklagepunkte konstruiert und die Geständnisse wohl erzwungen seien. Allerdings wolle er, wie er betonte, die Angeklagten keineswegs in Schutz nehmen, denn sie alle seien am Aufbau der Diktatur und des Terrors der Bolschewiki beteiligt gewesen: In den jahrelangen Kämpfen gegen die nun angeklagten Personen und gegen Trockij habe »jeder von uns«, so Steinberg, sie vor dem Terror-Regime gewarnt, das sie zusammen mit Stalin errichteten. Es sei eine alte Methode der Bolschewiki, politische Gegner als Landesverräter zu denunzieren. Nunmehr würde diese Methode jedoch von Kommunisten gegen Kommunisten angewandt werden. Könne man, so Steinbergs rhetorische Frage, seine Augen vor der Tatsache verschließen, dass mithilfe der Todesstrafe eine neue Art des Cäsarismus, ein »proletarischer Cäsarismus« in der UdSSR geschaffen werde?

Wie schon in den Jahren zuvor machte er schließlich auch auf die äußerst weitreichenden Folgen dieser Vorgänge in der Sowjetunion aufmerksam, die nicht nur das Land selbst betrafen, sondern die Zukunft der Menschheit in direkter Weise beeinflussen würden. Sofern die progressiven Elemente in Europa versuchten, diese Taten in der UdSSR zu rechtfertigen, würden sie die Kräfte des Faschismus, die nur auf einen günstigen Moment warteten, stärken. Auch in Deutschland hätten viele Intellektuelle in ihrer politischen Blindheit alles, was in Russland geschah, verherrlicht. Dabei sei ihnen aber nicht bewusst gewesen, dass sie damit die diktatorische Propaganda der Nazis in den Köpfen der Massen unterstützten. Es wäre ein Unglück, wenn solch eine Haltung von der aufrichtigen Intelligenzija Englands eingenommen werden würde, so Steinberg.[56] Etwas mehr als eine Woche zuvor hatte er in einem anderen Leserbrief darüber hinaus Folgendes geäußert: »It is absolutely impossible to fight Fascism in Europe when behind the fighters stands Russia setting an example of State terrorism, although it be in the name of Communism. This demand concerns not only the victims of the trials but all socialists and progressive men and women who in their thousands suffer imprisonment or banishment in Russia. It is better that Russia should change under the moral pressure of progressive elements than under the military or political pressures of the outspoken enemies of Socialism and liberty.«[57]

Laut Peter Deli, der die Reaktionen der britischen Qualitätspresse auf die Stalinʼschen Säuberungen untersucht hat, spiegelte diese Forderung Steinbergs die moralische Position der anti-stalinistischen Linken Europas in ihrer reinsten Form wider.[58]

Nur wenige Tage später antwortete ihm Pat Sloan ebenfalls in Form eines Leserbriefes. Sloan, der noch im selben Jahr ein panegyrisches Buch über die sowjetischen Verhältnisse veröffentlichen sollte,[59] hatte schon eine Woche zuvor die Ausführungen des »ehemaligen Volkskommissars für Justiz«[60] (die Anführungszeichen stammten von Sloan) sowie von Y. Z.,[61] Mitglied des Allrussischen Zentralen Exekutiv-Komitees der Sowjets im Jahre 1917, zurückgewiesen. Deren Behauptung, wonach der Prozess gegen Pjatakov, Radek und andere auf die Existenz einer großen Opposition in der Sowjetunion verweise, bezeichnete Sloan aufgrund »persönlicher Erfahrung« als »Unsinn«.[62] In seiner Erwiderung auf Steinberg eine Woche später wurde er noch deutlicher: Laut Sloan können es sich nur diejenigen, die im Ausland leben und von einer »mystischen Sowjet-Gewaltherrschaft« fantasieren, nicht vorstellen, wie es ist, in einem Land zu leben, in dem das Volk fest hinter seiner Regierung stehe. Sie seien unter solchen Bedingungen auch unfähig zu verstehen, dass der hartnäckige Regierungsgegner zu einem terroristischen Verschwörer werden müsse.[63] Damit wollte Sloan jegliche anti-sowjetische Kritik von Personen wie dem ehemaligen Volkskommissar für Justiz Steinberg oder dem ehemaligen Mitglied des Zentralen Exekutiv-Komitees der Sowjets, die das sowjetische Leben nicht (mehr) aus eigener Erfahrung kannten, diskreditieren. Sein Hinweis, wonach er selbst den Großteil der letzten fünf Jahre in der Sowjetunion verbracht habe, sollte ihn gleichzeitig als Experten der dortigen Verhältnisse und damit auch seine Ausführungen legitimieren.

In die Auseinandersetzung über die sowjetische Lebenswirklichkeit führte Steinberg schließlich noch einen weiteren in der Folge kontrovers diskutierten Aspekt ein. In zwei Artikeln für den Manchester Guardian Mitte September und Anfang November 1937 äußerte er die letztlich zutreffende Ansicht, dass eine Abwendung von der kommunistischen Revolution und eine Hinwendung zu einem russisch gefärbten Staatspatriotismus zu beobachten seien.[64]

Steinbergs zahlreiche äußerst kritische Beiträge über die Sowjetunion provozierten nicht nur heftige Gegendarstellungen in Form von Leserbriefen, sondern riefen auch englische Sympathisanten des Stalin-Regimes auf den Plan, die sich nun zum Handeln gezwungen sahen. Nur drei Tage nach Steinbergs letztem Leserbrief vom 5. November 1937 fand in Manchester ein öffentlicher Abend der »Freunde Sowjetrusslands« statt: Wie der Geistliche Etienne Watts, einer der Vikare der anglikanischen Kirche, die daran glaubten, dass Kommunisten die einzig wahren Christen seien,[65] erklärte, seien im Manchester Guardian, einer Zeitung, die vielleicht den führenden Platz im Journalismus einnehme und bislang als äußerst ausgewogen galt, eine Reihe von Artikeln zur Sowjetunion erschienen, die unter den Freunden der Sowjets enorme Beunruhigung ausgelöst hätten. Sloan, bereits als scharfer Kritiker Steinbergs bekannt, äußerte die Ansicht, dass im Laufe des letzten Jahres seitens des Manchester Guardian eine merkliche Tendenz zu beobachten sei, nicht mehr wahrheitsgemäß und fair über die Sowjetunion berichten zu wollen. Zudem bevorzuge man seit dem letzten Jahr eine bestimmte Art von Leuten, die behaupteten, Experten zu sein, was Sloan jedoch infrage stellte. Wen Sloan damit vor allem meinte, wurde deutlich, als er im Anschluss ausführlich aus Steinbergs Artikel zitierte, wonach sich die Sowjetunion zügig in einen großrussischen Nationalstaat verwandle und die Unterdrückung durch den Kommunismus ständig fortschreite. Diese Behauptungen Steinbergs bezeichnete Sloan als »absolute nonsense«. Um Steinberg gänzlich zu diskreditieren, beschrieb ihn Sloan schließlich als ehemaligen Volkskommissar für Justiz, der jedoch seit 1918 ein erbitterter Feind der Sowjetunion sei. Mit Blick auf die Moskauer Prozesse und Säuberungen verkündete er, dass Trockij, Zinovʼev, Radek, Bucharin wie auch andere ebenfalls Feinde der Sowjetunion seien. Seiner Meinung nach sei eine Zusammenarbeit zwischen Trockij und Hitler durchaus glaubwürdig. Der Manchester Guardian (und wohl auch Steinberg) solle dafür dankbar sein, dass in der Sowjetunion Nazi-Agenten unschädlich gemacht wurden, bevor sie Unheil wie in Spanien anrichten konnten.[66]

Die vehemente Verteidigung des Stalinismus und der Säuberungen durch britische Stalinisten sowie »fellow-travellers« schienen Steinberg indes wenig zu beeindrucken. Vier Monate später meldete er sich erneut zu Wort, um den nächsten Schauprozess zu kommentieren. Dabei ging es ihm nicht nur darum, moralische Abscheu insbesondere über das »System des offenen Terrors«, das den Opfern »Geständnisse« abpresse, auszudrücken. Vielmehr war er auch persönlich betroffen, hatten doch zwei seiner ehemals engsten politischen Weggefährten aus der PLSR, Boris Kamkov und Vladimir Karelin, laut eines Pravda-Berichts sich selbst und Bucharin schwer belastet. Da die vermeintlichen Verbrechen alle 1918 begangen worden seien, konnte Steinberg, der damals aktives Mitglied des ZK der PLSR war, die sogenannten Geständnisse als falsch und grotesk zurückweisen. Trotz all der unbestreitbaren Fakten habe aber nun die Tscheka Kamkov und Karelin gezwungen, gegen Bucharin und sich selbst falsch auszusagen. Wie Steinberg am Ende betonte, müsse die öffentliche Meinung davon in Kenntnis gesetzt werden, welch neues Verbrechen in Russland vorbereitet werde.[67] Dieser Leserbrief, der eine Woche später auch als Artikel in der Zeitung der Independent Labour Party The New Leader erschien,[68] war insofern von Bedeutung, als Steinberg aufgrund seiner unmittelbaren persönlichen Erfahrungen die Vorwürfe der Anklage wie auch die angeblichen Geständnisse der Beschuldigten und Zeugen als Lügen entlarven konnte.

Abschließend ist zu betonen, dass sich nahezu alle der in der Öffentlichkeit geäußerten Vorwürfe Steinbergs gegen das stalinistische System als zutreffend erwiesen, während seine Widersacher die Verbrechen des Stalinismus wissentlich oder unwissentlich leugneten.[69] Inwiefern Steinberg seinem Anspruch, die öffentliche Meinung bezüglich der tatsächlichen Zustände in der Sowjetunion zu beeinflussen, gerecht wurde, lässt sich nur schwer sagen. Dass er zumindest einen gewissen Einfluss ausgeübt hat, wird allein daran deutlich, dass die selbst erklärten Freunde der Sowjetunion seine Ausführungen immer wieder als Unsinn abkanzelten und eine vermeintliche Kehrtwende des Manchester Guardian in der journalistischen Behandlung der UdSSR nicht zuletzt auf seine Interventionen zurückführten.

Tatsächlich nahm, wie Delis Studien zeigen, der Manchester Guardian bei der Berichterstattung über die Großen Säuberungen in der Sowjetunion eine Ausnahmestellung im britischen Qualitätsjournalismus ein.[70] Während die Behandlung der Schauprozesse und des Stalinʼschen Terrors im pro-sowjetischen New Statesman und der konservativen The Times äußerst ideologisch, dogmatisch und damit einseitig war, vermittelte der liberale Manchester Guardian ein »multi-dimensionales Bild« von den Säuberungen und war somit von allen drei Zeitungen am »wenigsten doktrinär«. Dies lag vor allem daran, dass der Guardian nicht nur Leitartikel und Korrespondentenberichte zu den Entwicklungen in der Sowjetunion in den Jahren 1936 bis 1938 publizierte, sondern bewusst seine Spalten in der Rubrik »Briefe an den Herausgeber« auch Personen wie Steinberg zur Verfügung stellte, die über unmittelbare Erfahrungen mit der Sowjetunion und dem Stalinʼschen Terror verfügten. Laut Deli sei es eine Ironie der Geschichte, dass gerade das in den »Briefen an den Herausgeber« und nicht so sehr in den Leitartikeln selbst geäußerte Gedankengut späteren Generationen von Historikern als »Quelle der Inspiration« bei der Erforschung der Großen Säuberungen gedient habe. Sowohl in dieser Hinsicht als auch in Bezug auf die sehr vielfältige Berichterstattung des Manchester Guardian hat Steinberg mit seinen zahlreichen und kontroversen Leserbriefen zweifellos einen wichtigen Beitrag geleistet.[71]

 

»In the Workshop of the Revolution«

Nachdem Steinbergs Auseinandersetzung mit dem Terror in der Sowjetunion aufgrund seines Engagements für verfolgte europäische Juden seit dem Ende der 1930er-Jahre nahezu keine Rolle mehr spielte,[72] sollte sich dies wenige Jahre vor seinem Tod nochmals ändern. Als Stalin im März 1953 starb, war Steinberg, der sich inzwischen in den USA niedergelassen hatte, der letzte Überlebende aus der Anfangszeit des Rats der Volkskommissare. Dies verlieh ihm insbesondere vor dem Hintergrund des Kalten Krieges zusätzliche Bedeutung als Experte für die sowjetischen Verhältnisse, was dazu führte, dass er häufiger interviewt wurde. In einem dieser Gespräche für eine Radiosendung warnte er davor, dass viele Länder, vor allem in Asien, Gefahr liefen, zur Beute des Bolschewismus zu werden.[73] Gleichzeitig ließ Steinberg, der sich im Radio als »avid anti-Communist« bezeichnete, aber nie einen Zweifel daran, dass er sich weiterhin zum »Roten Oktober« und zur sozialen Revolution bekannte. Als Steinberg im November 1953 sein großes, stark autobiografisch geprägtes Werk über die Revolution veröffentlichte, verfolgte er damit nicht nur das Ziel, der Oktoberrevolution und der PLSR historische Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sondern vor allem auch eine politisch-praktische Absicht. Wie er im Vorwort von In the Workshop of the Revolution bekannte, sollte seine Darstellung der Pervertierung des Roten Oktober durch den bolschewistischen Terror auch dazu dienen, dass Völker und Klassen, die sich gegenwärtig in einem revolutionären Umbruch befänden, nicht dem Beispiel der Bolschewiki folgten. Vielmehr müsse die Menschheit das Monopol der Revolution den Händen der Bolschewiki entwinden und den Weg zu einem wahren, moralischen Sozialismus einschlagen.[74]

 

Schlussbetrachtung

Isaac Steinberg war kein Renegat des Kommunismus, hatte er doch nie der Partei der Bolschewiki angehört. Allerdings war er nach der Oktoberrevolution als eines der führenden Mitglieder der PLSR an einer Koalition mit Lenins Partei beteiligt, um gemeinsam mit dieser ein Rätesystem in Russland aufzubauen. Auch wenn Steinberg als Volkskommissar für Justiz von Beginn an die Neigung der Bolschewiki zum Terror aktiv bekämpfte, unterstützte er doch den seit den Tagen des Oktoberumsturzes eingeschlagenen Weg in eine Diktatur des Proletariats. Dies verdeutlicht besonders seine Mitwirkung an der »Sprengung« der Verfassungsgebenden Versammlung Anfang Januar 1918. Erst der Friedensvertrag von Brest-Litowsk, den Steinberg und seine Partei gemäß ihrem sozialistischen Internationalismus als Verrat an den werktätigen Massen im In- und Ausland auffassten, sollte schließlich zum Auseinanderbrechen der ungleichen Koalition aus Bolschewiki und PLSR führen. Dennoch hoffte man zunächst auf eine Erneuerung der Koalition mit den »gesunden Elementen der Bolschewiki«. Spätestens seit dem sogenannten Juli-Aufstand der Linken Sozialrevolutionäre 1918 war diese Option obsolet.

Dass Steinberg einst mit Lenins Bolschewiki koaliert hatte, blieb so manchem seiner Zeitgenossen im Rückblick unverständlich. So schrieb der bekannte jüdische Historiker Simon Dubnow, selbst Augenzeuge der Russischen Revolution, der noch vor Steinberg Sowjetrussland verlassen hatte, über die erste Begegnung mit diesem in Berlin Folgendes: »Ich fragte ihn, wie er, der hundertprozentige Demokrat und Anhänger eines ethischen Sozialismus, sich auch nur zeitweilig den Reihen der Leute des 25. Oktober hätte anschließen können, die die demokratische Konstituierende Versammlung auseinandergetrieben hätten. Er entgegnete, der Oktoberumsturz sei an sich ein bedeutender Akt der sozialistischen Revolution gewesen, die Bolschewiki hätten das ›Vermächtnis des Oktober‹ jedoch bald verraten und die Grundlagen der sozialen Ethik zerstört. Es war seine zweifellos ehrliche, doch zutiefst subjektive Überzeugung, daß, wer mit Lenin und Trotzki ging, nicht daran zweifelte, daß er einen ethischen Sozialismus aufbaute. Das war bei einem Menschen, bei dem sich ethischer Sozialismus mit jüdischer Religiosität verband, äußerst seltsam.«[75]

Dass es Steinberg tatsächlich darum ging, »seine Schuld durch einen leidenschaftlichen Kampf gegen das Sowjetregime« abzutragen,[76] wie es Dubnow ein paar Jahre später seinem Tagebuch anvertraute, dürfte allerdings etwas zu kurz greifen. Zwar bekannte sich Steinberg in seinem 1923 auf Russisch erschienenen Werk Das sittliche Antlitz der Revolution selbstkritisch zur eigenen Schuld, da er und andere LSR während der Zeit der Koalitionsregierung nicht genug gegen den beginnenden Terror der Bolschewiki unternommen hätten.[77] Allerdings galt sein Kampf gegen die Bolschewiki vor allem auch dem Umstand, dass diese in seinen Augen grundsätzlich die Ideale der Oktoberrevolution seit dem Frieden von Brest-Litowsk verraten hatten, wofür er sich sicherlich nicht verantwortlich fühlte.

Steinberg sah sich und seine Partei als wahre Repräsentanten des Roten Oktober, während er dies den Bolschewiki absprach. So erklärte er im Vorwort seiner 1929 in München erschienenen autobiografischen Schrift Als ich Volkskommissar war, dass die »Linken Sozialrevolutionäre einen Kampf gegen die Methoden des Bolschewismus im Namen der unverfälschten Sowjetrepublik und des Weltsozialismus« führen würden.[78]

Die Herrschaftspraxis der Bolschewiki war für Steinberg weder in politischer, sozialer, staatlicher, ethischer noch wirtschaftlicher Hinsicht sozialistisch und konform mit den Zielen der Oktoberrevolution. Insofern führte er auch einen Kampf um die weitere Existenz des Sozialismus, der durch die diskreditierende Politik der Bolschewiki bedroht schien. Gleichzeitig war für ihn die reformorientierte Sozialdemokratie, die während des Ersten Weltkriegs aufgrund ihres »Sozialpatriotismus« die Kriegsanstrengungen des eigenen Landes unterstützt hatte, ebenfalls unannehmbar. Auch diese hatte in seinen Augen den sozialistischen Internationalismus verraten.

Aus der doppelten Ablehnung von Sozialdemokratie und Staatskommunismus ergab sich für den Anti-Etatisten Steinberg zwangsläufig ein minoritärer dritter Weg, der in deutlicher Nähe zum Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus stand. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass er im Sinne einer Wahrung der Einheit der Arbeiterklasse zunächst für eine allumfassende Internationale warb.

Als ehemaliger Koalitionspartner der Bolschewiki, der weiterhin für eine kompromisslose Umgestaltung der sozialen Verhältnisse und für das Rätesystem eintrat, unterschied sich Steinberg grundlegend von der großen Mehrheit der Gegner der Bolschewiki und der Sowjetunion, gehörten sie nun dem konservativen, sozialdemokratischen, (rechts-)sozialrevolutionären oder sozialistischen Lager an. Während deren Opposition im Regelfall schon bei der grundsätzlichen Ablehnung des Oktoberumsturzes selbst ansetzte, ging es Steinberg darum, die Errungenschaften des Roten Oktober gegen die Bolschewiki zu verteidigen.

Im Gegensatz zu zahlreichen linken Intellektuellen im westlichen Europa, die angesichts der heraufziehenden Gefahr von Nationalsozialismus und Faschismus das stalinistische Herrschaftssystem regelrecht idealisierten (wenn sie es denn nicht schon vorher getan hatten), blieb Steinberg seiner Haltung treu, dass im Sinne eines ethischen Sozialismus Menschenrechte nicht verhandelbar waren. Steinbergs große Bedeutung liegt darin, bereits in den 1930er-Jahren als einer der wenigen Sozialisten Stalinismus und Nationalsozialismus als gleichermaßen totalitär bzw. terroristisch interpretiert und somit in der deutschen wie englischen Öffentlichkeit zu einem kompromisslosen Kampf gegen beide Regime aufgerufen zu haben. Gleichzeitig hat er aber das Ziel einer umfassenden sozialen Revolution und die Verwirklichung der Ideale des Roten Oktober nie aufgegeben.

 


[1] Zitiert nach der deutschsprachigen Ausgabe: I. Steinberg: Gewalt und Terror in der Revolution (Oktoberrevolution oder Bolschewismus), Berlin 1931, S. 326; russ. Originalausgabe: I. Z. Štejnberg: Nravstvennyj lik revoljucii [Das sittliche Antlitz der Revolution], Berlin 1923, S. 308.

[2] Mikhail Krutikov: Isaac Nahman Steinberg. From Anti-Communist Revolutionary to Anti-Zionist Territorialist, in: Jews in Eastern Europe 1‑2 [38‑39] (1999), S. 5‑24.

[3] Birkenmaier gebührt das Verdienst, zahlreiche Beiträge Steinbergs in mehreren Bänden veröffentlicht zu haben. Hier werden nur diejenigen angeführt, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem vorliegenden Beitrag stehen: Isaak Steinberg zwischen Oktoberrevolution und Bolschewismus, hrsg. von Willy Birkenmaier, Heidelberg 2001; Isaak Steinberg in London und New York, hrsg. von Willy Birkenmaier, Heidelberg 2002; Isaak Steinberg: Publizistik aus den Jahren 1916‑1923, hrsg. von Willy Birkenmaier, Heidelberg 2003.

[4] Hendrik Wallat: Oktoberrevolution oder Bolschewismus. Studien zu Leben und Werk von Isaak N. Steinberg, Münster 2013; Hendrik Wallat: Staat oder Revolution. Aspekte und Probleme linker Bolschewismuskritik, Münster 2012, S. 205‑223.

[5] Gosudarstvennyj Archiv Rossijskoj Federacii/Staatliches Archiv der Russländischen Föderation f. 63, op. 27, d. 440, l. 24 und 24 ob.

[6] Der Verfasser verwendet hier und im Weiteren den im zeitgenössischen Gebrauch des Deutschen geläufigeren Begriff »Sozialrevolutionäre«, ist sich jedoch bewusst, dass die genauere Übersetzung »Sozialisten-Revolutionäre« lautet.

[7] Siehe hierzu Tobias Grill: Isaak Nachman Steinberg: »Als ich Volkskommissar war« oder »Eine soziale Revolution, die die Rechte ihrer Klassengegner verteidigt – das wäre eine große moralische Lehre der Menschlichkeit gewesen!«, in: Nordost-Archiv. Zeitschrift für Regionalgeschichte 23 (2014), S. 143.

[8] Zur PLSR während der Revolution siehe Lutz Häfner: Die Partei der Linken Sozialrevolutionäre in der Russischen Revolution von 1917/18, Köln u. a. 1994.

[9] Brief Steinbergs an Max Adler vom Januar 1932, YIVO RG 366, Folder 170. Siehe auch »Über die Aufgaben der III. Internationale«, eine Stellungnahme Steinbergs, Šrejders und Trutovskijs im Namen der PLSR vom März 1919, in der erklärt wurde, dass das Programm der III. Internationale »im Großen und Ganzen annehmbar« sei. Dabei wurde der Punkt »keine Demokratie, sondern Diktatur der arbeitenden Klassen mit allen sich daraus ergebenden Folgen« als besonders »akzeptabel« hervorgehoben. In der Erklärung wurde darüber hinaus noch zwei Mal die Forderung nach der »Diktatur der Massen« erhoben (Steinberg: Publizistik aus den Jahren 1916‑1923 [Anm. 3], S. 53‑55). Hervorhebung im Original.

[10] Siehe Grill: Steinberg: »Als ich Volkskommissar war« (Anm. 7), S. 144‑149.

[11] Krutikov: Isaac Nahman Steinberg (Anm. 2), S. 13.

[12] Häfner: Die Partei der Linken Sozialrevolutionäre (Anm. 8), S. 361.

[13] Siehe Nachrichten der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien 3 (April 1923), H. 2, S. 3.

[14] Nachrichten der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien 3 (Juni 1923), H. 3, S. 1, 8 f., 14; Robert Sigel: Die Geschichte der Zweiten Internationale 1918‑1923, Frankfurt/New York 1986, S. 102.

[15] Offener Brief an die Parteien der Wiener Arbeitsgemeinschaft, in: Bulletin der Auslandsdelegation der Linken Sozial-Revolutionäre u. Maximalisten, Berlin, 15. 5. 1923, S. 6, 8.

[16] Siehe Nachrichten der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien 3 (Juni 1923), H. 3, S. 8.

[17] Jürgen Zarusky: Die deutschen Sozialdemokraten und das sowjetische Modell. Ideologische Auseinandersetzung und außenpolitische Konzeptionen 1917–1933, München 1992, S. 149.

[18] Siehe hierzu auch Willy Buschak: Das Londoner Büro. Europäische Linkssozialisten in der Zwischenkriegszeit, Amsterdam 1985, S. 3.

[19] Die Maximalisten waren eine linke Abspaltung der Sozialrevolutionäre, die 1905 die »Union der Maximalisten« gründete. Diese war antiparlamentarisch und dezentralistisch eingestellt und nach 1917 ein Bindeglied zwischen Linken Sozialrevolutionären und Anarchisten.

[20] Resolution des Vereinigungs-Kongresses der Linken S.-R. u. Maximalisten (Januar 1923), in: Bulletin der Auslandsdelegation der Linken Sozial-Revolutionäre u. Maximalisten, Berlin, 15. 5. 1923, S. 16.

[21] Die Aufgaben der Revolutionär-Sozialistischen Internationale. Thesen der Auslandsdelegation der Partei der Linken Sozialrevolutionäre und des Verbandes der S. R. Maximalisten, in: Bulletin der Auslandsdelegation der Linken Sozial-Revolutionäre u. Maximalisten, Berlin, 15. 5. 1923, S. 13.

[22] Siehe Buschak: Das Londoner Büro (Anm. 18), S. 321.

[23] Siehe zum »Pariser Büro« ebd., S. 321 f.

[24] Ebd., S. 84. Freilich dürfte die PLSR zu diesem Zeitpunkt auch in der Sowjetunion nicht mehr über viele Unterstützer verfügt haben. Die Partei selbst galt schon seit Jahren als zerschlagen.

[25] Siehe Michael Kubina: Von Utopie, Widerstand und Kaltem Krieg. Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten Alfred Weiland (1906–1978), Münster u. a. 2000, S. 82; Karl Korsch Gesamtausgabe, Briefe 1908–1939, hrsg. von Michael Buckmiller/Michel Prat/Meike G. Werner, Amsterdam 2001, S. 26, 410, 419‑421.

[26] Augustin Souchy: »Vorsicht Anarchist!«. Ein Leben für die Freiheit. Politische Erinnerungen, Darmstadt u. a. 1977, S. 74; siehe auch Korsch: Gesamtausgabe, Briefe 1908–1939 (Anm. 25), S. 419‑421.

[27] Rudolf Rocker: Dr. J. Steinberg zum 60. Geburtstag, International Institute of Social History in Amsterdam (im Folgenden: IISH), Rudolf Rocker Papers, Folder 308; auf Jiddisch erschienen in der von Steinberg herausgegebenen Zeitschrift Ojfn Shvel unter dem Titel »Dem chaver I. N. Shtejnberg – Tsum 60-tn geboirntag«, in: Ojfn Shvel (Dezember 1948), H. 9, S. 9.

[28] Aus der prinzipiellen Erklärung der Linken SR und Maximalisten Russlands, in: Die Aktion 15 (1925), H. 5, S. 242.

[29] Bereits seit Anfang 1922 existierte das »Hilfskomitee für die in den russischen Gefängnissen befindlichen Linken Sozialisten-Revolutionäre« (siehe Nachrichten der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien 2 [März 1922], H. 3, S. 7), das wohl zunächst noch von Šrejder geleitet wurde.

[30] Amnestie für alle russischen Oktober-Kämpfer!, in: Kommunistische Politik 2 (1927), H. 19/20, S. 223.

[31] Ebd., S. 223.

[32] Siehe 2000 protestieren. Eine imposante Kundgebung für die Vorkämpfer der russischen Revolution, in: Der Syndikalist. Organ der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten) 11 (20. 4. 1929), H. 16, S. 1 sowie Die Aktion 19 (Mai 1929), H. 3/4, Spalte 86.

[33] Siehe Albert Einstein: Letter, in: Letters from Prisons. Consisting of Reprints of Documents by Political Prisoners in Soviet Prisons, Prison Camps and Exile, and Reprints of Affidavits Concerning Political Persecution in Soviet Russia, Official Statements by Soviet Authorities, Excerpts from Soviet Laws Pertaining to Civil Liberties, and Other Documents, published for The International Committee for Political Prisoners, London 1925, S. 7.

[34] Brief Steinbergs an Albert Einstein vom 10. 4. 1929, YIVO RG 366, Folder 1005.

[35] Steinberg war über Hendrik de Mans Buch »Zur Psychologie des Sozialismus« aufgrund der darin zum Ausdruck kommenden Weltanschauung, die seiner eigenen nahestand, begeistert. Freilich konnte Steinberg nicht ahnen, dass de Man Jahre später während der nationalsozialistischen Besatzung Belgiens mit den Deutschen äußerst eng kollaborieren und damit den Sozialismus, wie ihn Steinberg verstand, verraten sollte.

[36] Brief Steinbergs an Hendrik de Man vom 13. Juli 1927, IISH, ARCH 00449.191. Hervorhebungen im Original.

[37] Siehe hierzu Grill: Steinberg: »Als ich Volkskommissar war« (Anm. 7), S. 157‑166.

[38] Brief Steinbergs an Hendrik de Man vom 20. Juni 1927, IISH, ARCH 00449.191.

[39] Das Buch war eine Übernahme aus dem Ernst Rowohlt Verlag.

[40] Stefan Plaggenborg: Experiment Moderne. Der sowjetische Weg, Frankfurt/New York 2006, S. 128.

[41] Steinberg: Gewalt und Terror (Anm. 1), S. 337.

[42] Siehe Zerschlagt die Kriegsfront gegen die Sowjetunion. Folgt dem Appell des Internationalen Verteidigungskomitees!, in: Die Rote Fahne. Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands (Sektion der Kommunistischen Internationale), 7. Dezember 1930, S. 11.

[43] Offener Brief Steinbergs an Ernst Toller vom 12. 12. 1930, YIVO, RG 366, Folder 944. Toller war nicht der einzige sozialistisch orientierte Intellektuelle im Westen, der von Steinberg für die implizite Unterstützung des bolschewistischen Terrors heftig kritisiert wurde (siehe Grill: Steinberg: »Als ich Volkskommissar war« [Anm. 7], S. 163; Tobias Grill: Kampf für Sozialismus und Judentum auf vier Kontinenten: Isaac Nachman Steinbergs »rooted cosmopolitanism«, in: BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen 28 [2015], H. 1–2, S. 51). Hervorhebungen im Original.

[44] Steinberg: Gewalt und Terror (Anm. 1), S. 338.

[45] »Wenn wir also in Übereinstimmung mit der klassischen Theorie in der Gesetzesherrschaft das eigentliche Wesen einer verfassungsmäßigen Regierung sehen, dann können wir Terror als das eigentliche Wesen der totalitären Herrschaft bestimmen.« (Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M. 1955, S. 732) Für Arendt waren Nationalsozialismus und Stalinismus Prototypen totalitärer Herrschaft, der Faschismus Mussolinis hingegen eine nicht-totalitäre Diktatur.

[46] Laut Peter Deli gehörte der »Manchester Guardian« zum britischen Qualitätsjournalismus, der die liberale Meinung in England repräsentierte (Peter Deli: The Quality Press and the Soviet Union: a case study of the reactions of the »Manchester Guardian«, the »New Statesman« and »The Times« to Stalinʼs Great Purges, 193638, in: Media History 5 [1999], H. 2, S. 162).

[47] In gewisser Weise erinnert Steinbergs Argumentation an die Thesen Ernst Noltes Jahrzehnte später, wenngleich Steinberg nicht behauptete, dass der Nationalsozialismus aus einer perzipierten Bedrohung des Bolschewismus heraus Zuflucht zum Genozid suchte. Es sei hier aber betont, dass selbst Bolschewiki, nicht zuletzt Bucharin, der Meinung waren, dass der Faschismus bolschewistische Methoden nachahmte (siehe Leonid Luks: Entstehung der kommunistischen Faschismustheorie. Die Auseinandersetzung der Komintern mit Faschismus und Nationalsozialismus 1921‑1935, Stuttgart 1985, S. 47‑49).

[48] J. Steinberg: Socialist Victims of the Soviet. A Long Martyrdom. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 25. November 1933, S. 14. Einige der im Weiteren behandelten Beiträge Steinbergs im Manchester Guardian sind auch zu finden in: Isaak Steinberg in London und New York (Anm. 3).

[49] Rennie Smith: Labour and the Soviets. Not a Marxist Movement. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 13. Dezember 1933, S. 18.

[50] Freilich war diese Bezeichnung nicht ganz korrekt. Tatsächlich war unmittelbar nach dem Oktoberumsturz ein ausschließlich von den Bolschewiki dominierter Rat der Volkskommissare gebildet worden. Die Koalition zwischen Bolschewiki und PLSR wurde erst einige Wochen später geschlossen.

[51] Siehe J. Steinberg: (People’s Commissar of Justice in the first Soviet Government): Socialist Prisoners in Russia. Living a Life Without Hope. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 5. November 1937, S. 22; J. Steinberg: Russian Socialists in Prison. An Accusation Denied. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 15. November 1937, S. 16.

[52] Gore Graham hatte 1934 das Buch »War & Peace and the Soviet Union« veröffentlicht, in dem er den kapitalistischen Staaten der Welt vorwarf, einen Krieg gegen die Sowjetunion vorzubereiten, um diese zu zerstören.

[53] Tatsächlich war Graham der Unterschied zwischen Linken und Rechten Sozialrevolutionären offenbar nicht bewusst. Er spricht nur von Sozialrevolutionären.

[54] Gore Graham: Russian Social-Revolutionaries. Imprisonment Defended. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 20. November 1937, S. 6. Die hier zitierte Replik Grahams auf Steinbergs Leserbrief war bereits die zweite. Für Grahams erste Reaktion siehe Gore Graham: Russian Socialists in Prison. A Defence of the Regime. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 9. November 1937, S. 20.

[55] Siehe D. N. Pritt: Mr. D. N. Pritt Convinced of the Prisoners’ Guilt. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 5. Februar 1937, S. 20; Pritt, den der Trotzkist Robert Black 1970 als »arch-Stalinist« (Robert Black: Stalinism in Britain, London 1970, S. 98) bezeichnete, hatte den Zinovʼev-Prozess persönlich beobachtet und unterstützte in hohem Maße den Stalinismus (siehe z. B. die Erinnerungen von Fenner Brockway: Towards Tomorrow, London 1977, S. 115). Bereits 1933 hatte er das sowjetische Justiz- und Justizvollzugssystem in den höchsten Tönen gelobt (siehe D. N. Pritt: The Russian Legal System, in: Twelve Studies in Soviet Russia, hrsg. von Margaret Cole, London 1933, S. 145‑176). Zu den sogenannten fellow-travellers, die seit 1932 zahlreiche Werke veröffentlichten, in denen alle Aspekte des sowjetischen Lebens nahezu idealisiert wurden, siehe Andrew Thorpe: Stalinism and British Politics, in: History 83 (1998), H. 272, S. 609–627, hier S. 619–626; sowie David Caute: The Fellow-Travellers. Intellectual Friends of Communism, erw. und verb. Auflage, New Haven/London 1988, insbes. S. 19‑195.

[56] J. Steinberg (formerly People’s Commissar of Justice in the first Soviet Government): The Moscow Trial and Executions. Is Liberty in the Soviet Republic Increasing? To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 11. Februar 1937, S. 20.

[57] (Dr.) J. N. Steinberg, formerly People’s Commissar of Justice in the first Soviet Government: The Trial and Executions at Moscow. Some Lessons for the Future. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 2. Februar 1937, S. 18. Siehe hierzu auch Peter Deli: The »Manchester Guardian« and the Soviet Purges 1936‑38, in: Survey. A Journal of Soviet and East European Studies 28 (1984), H. 1, S. 148 f.

[58] Ebd., S. 144; ähnlich auch in Deli: The Quality Press and the Soviet Union (Anm. 46), S. 164.

[59] Siehe Pat Sloan: Soviet Democracy, London 1937. Siehe die kurze Zusammenfassung zu Sloans Buch in Foreign Affairs: »A man who has lived in the Soviet Union for six years finds more ›real‹ democracy there, especially among the workers, than in the so-called democratic countries.« (Foreign Affairs 16 [Januar 1938], H. 2, S. 365). Besonders bemerkenswert ist folgende Äußerung in Sloans »Soviet Democracy«: »[…] compared with the significance of that term in Britain, Soviet imprisonment stands out as an almost enjoyable experience«. (Sloan: Soviet Democracy, S. 111).

[60] Siehe (Dr.) J. N. Steinberg, formerly People’s Commissar of Justice in the first Soviet Government: The Trial and Executions at Moscow. Some Lessons for the Future. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 2. Februar 1937, S. 18.

[61] Y. Z.: The Meaning of the Moscow Trial. A Russian Exile’s Explanation. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 4. Februar 1937, S. 18. Siehe auch Y. Z.’s Replik auf Pritt: Y. Z.: Another Reply to Mr. Pritt. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 11. Februar 1937, S. 20.

[62] P. A. Sloan: The Moscow Trial. Trotsky’s and Radek’s »Error of Judgment«. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 9. Februar 1937, S. 20.

[63] P. A. Sloan: The Meaning of a Phrase of Lenin’s. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 16. Februar 1937, S. 20.

[64] J. Steinberg (People’s Commissar of Justice in the first Soviet Government): A New History of Russia. Tsars Restored to Honour. Imperialism Excused, in: The Manchester Guardian, 16. September 1937, S. 9 f. (Dieser Artikel wurde auch im Freien Deutschland am 16. September 1937 unter dem Titel »Sowjetpatriotismus ‑ heute« auf Deutsch veröffentlicht) sowie Dr. J. N. Steinberg: The National Soviet Republics. Relentless Campaign Against Their Leaders, in: The Manchester Guardian, 2. November 1937, S. 12. Zur Pflege eines russisch gefärbten Sowjetpatriotismus seit 1937 siehe Erwin Oberländer: Sowjetpatriotismus und Geschichte, Köln 1967, S. 26.

[65] Siehe Joan Littlewood: Joanʼs Book: The Autobiography of Joan Littlewood, London 2003, S. 121.

[66] Conditions To-day in Russia. Reply to the »Manchester Guardian«, in: The Manchester Guardian, 9. November 1937, S. 13. Zur Zurückweisung von Steinbergs These über die Entwicklung eines großrussischen Chauvinismus siehe auch Gore Graham: Russian Socialists in Prison. A Defence of the Regime. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 9. November 1937, S. 20.

[67] J. Steinberg: After the Moscow Executions. The Next Trial. To the Editor of the Manchester Guardian, in: The Manchester Guardian, 17. März 1938, S. 20. Siehe hierzu auch Robert Conquest: Der Große Terror. Sowjetunion 1934‑1938, München 1992, S. 427 f.

[68] Dr. J. Steinberg (Minister of Justice in Lenin’s Government): Bukharin Did not Plot to Kill Lenin, in: The New Leader, 25. März 1938, S. 5.

[69] Selbst 1966 schrieb Sloan noch: »Amongst most writers on the USSR in the 1930s, I have least to be ashamed of, or wish to withdraw.« (zitiert nach Black: Stalinism in Britain [Anm. 55], S. 255).

[70] Siehe Deli: The »Manchester Guardian« (Anm. 57), S. 119.

[71] Siehe Deli: The Quality Press and the Soviet Union (Anm. 46), S. 178 f.

[72] Zu Steinbergs Engagement in der »Freeland League for Jewish Territiorial Colonization« siehe Grill: Kampf für Sozialismus und Judentum (Anm. 43), S. 41‑65, bes. S. 53‑60.

[73] Siehe YIVO RG 366, Folder 1000.

[74] I. N. Steinberg: In the Workshop of the Revolution, New York u. a. 1953, S. XXII.

[75] Simon Dubnow: Buch des Lebens. Erinnerungen und Gedanken. Materialien zur Geschichte meiner Zeit, Bd. 3: 1922–1933, hrsg. von Verena Dohrn, Göttingen 2005, S. 89.

[76] Ebd., S. 122.

[77] Siehe hierzu vor allem Grill: Steinberg: »Als ich Volkskommissar war« (Anm. 7), S. 160.

[78] Isaak Steinberg: Als ich Volkskommissar war. Episoden aus der russischen Oktoberrevolution, München 1929, S. 14.

Inhalt – JHK 2018

Kurzbiografie

Abstract

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