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Red Scare: Bodenwellen der russischen Oktoberrevolution in den USA 1919/20

JHK 2017 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 131-148 | Metropol Verlag

Autor/in: Helke Rausch

1919 brandete eine nie dagewesene Streikwelle in den USA auf, die den Auftakt in das zentrale Jahr der Red Scare bilden sollte. Die Anzahl der Streiks mochte aus zeitgenössischer Sicht verglichen mit den Vorjahren nicht ungewöhnlich erscheinen. Das erhebliche Ausmaß der einzelnen Streiks von 1919 übertraf allerdings mit fast vier Millionen streikenden Arbeitern – und damit etwa einem Viertel der gesamten Arbeiterschaft – alle zuvor gekannten Dimensionen.[1] Die Streiks dienten vor allem dem traditionellen Kampf um Arbeitnehmerinteressen und um die Anerkennung der Gewerkschaften.[2] Der politisch inszenierte öffentliche Alarmismus stellte die Unruhen allerdings gezielt unter kommunistischen Generalverdacht. Jedoch zeigt schon der kursorische Blick auf einige Schlüsselmomente der radikalen Chronologie der Jahre 1919/20, dass die Red Scare eher auf inszenierter als begründeter Revolutionspanik basierte, für die die Russische Revolution nur als einer von vielen anderen, insbesondere inneramerikanischen Faktoren ins Gewicht fiel. Entsprechend lässt sich die Red Scare erstens als Relikt des Ersten Weltkriegs verstehen, als Anzeichen für einen weit über das Kriegsende vom Winter 1918 hinausreichenden, aggressiven Kriegsnationalismus, der die US-Demokratie mit der massiven Einschränkung individueller Grundrechte und mit perfektionierten Techniken politischer Investigation repressiv verformte.[3] Zweitens erscheint die Red Scare als Ausdruck massiver Brutalisierung und Radikalisierung der US-amerikanischen Zivilgesellschaft. Besonders die Rassenunruhen erwiesen sich als Krisensymptome der rassistischen und demobilisierten US-Gesellschaft.[4] Es gab dabei auch eine Art russischen Impuls infolge der Oktoberrevolution und ihrer Rezeption speziell durch die »African Americans«, jene Afroamerikaner, die nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg in ihre seggregierte Heimatgesellschaft emanzipatorisches Potenzial in der kommunistischen Ideologie erkannten. Als alleinige Initialzündung für die massiven Aufstände wird man diesen amerikanischen Bezug auf die Oktoberrevolution aber kaum sehen können. Drittens bildete die Red Scare den Kulminationspunkt der Arbeiterunruhen.[5] Denn die Streikwelle zeugte von einer neuen Entschlossenheit der Gewerkschaften und der amerikanischen Linken, nach einer Art zivilgesellschaftlichen Kriegsdividende für ihre Konsensbereitschaft während des Krieges zu verlangen. Der US-Kommunismus blieb allerdings zu zersplittert und zu uneigenständig, um dabei eine revolutionäre Größe darzustellen. Viertens behielt die Red Scare dessen ungeachtet eine starke Beharrungskraft noch weit über ihr formales Ende 1920 hinaus:[6] Anfänge einer wirtschaftlichen Kooperation mit Russland, der US-amerikanische Wirtschaftsboom der frühen 1920er-Jahre und ein neuer strategischer Humanitarismus angesichts der russischen Hungerkatastrophe zwischen 1921 und 1923 beschwichtigten und überlagerten sie. Die während der Streiks und damit einhergehenden Unruhen vorgebrachten Konfliktpunkte blieben mittelfristig allerdings ungelöst. In diesem Sinne erwies sich die Red Scare als Offenbarungseid einer weiterhin hochgradig binnenfraktionierten US-amerikanischen Demokratie.

 

Kulminationspunkte der Red Scare zwischen 1919 und 1920: Eine Chronologie des Nachkriegsradikalismus

Schon der Blick auf einige wenige Momente macht den immer gleichen Mechanismus der historischen Szene deutlich. Im Februar 1919 eskalierte in Seattle im nordwestlichen Bundesstaat Washington ein Streik von ca. 35 000 Werftarbeitern für höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten zum Generalstreik.[7] Obwohl das öffentliche Leben in Seattle nie komplett zum Erliegen kam, ließ sich die amerikanische Öffentlichkeit von hysterischen Presseberichten elektrisieren, wonach Radikale systematisch die nationale Ordnung »aufweichten«.[8] Von radikal-anarchistischen Galleanisten angezettelte Bombenanschläge in acht US-amerikanischen Städten im Juni 1919 heizten nach einer Serie von Briefbombenattentaten im April und nach Aufmärschen anlässlich des Maifeiertags die öffentliche Stimmung zusätzlich an.[9] Behörden und Presse sahen ständig einen blindwütig-unkontrollierten und bald unkontrollierbaren US-Kommunismus am Werk, der wie eine Bodenwelle aus dem bolschewistischen Russland die USA zu erreichen schien.[10] Zwischen Juli und September 1919 eskalierte die Panik im Zuge von insgesamt über 20 größeren rassistischen Ausschreitungen. Nicht nur im urbanen Chicago, wo 38 Tote und über 500 Verletzte zu beklagen waren, und in Washington D.C., sondern auch im ländlichen Elaine, Arkansas, forderten die »Race Riots«, häufig von einem weißen Mob ausgelöst und mit afroamerikanischer Gegengewalt gekontert, insgesamt über 100 Todesopfer.[11] Die Ausschreitungen mündeten mitunter in grotesken Gewaltexzessen, wenn etwa bei den »Elaine Race Massacres« im Oktober 1919 Afroamerikaner von einem weißen Mob massakriert wurden, dem zusätzlich weiße US-Soldaten von einem nahegelegenen Camp zu Hilfe kamen.[12] Dennoch lief der propagandistisch geschürte Argwohn gegen einen großflächigen subversiven Bolschewismus an den faktischen Bedrohungspotenzialen solcher Unruhen geradewegs vorbei. Das galt auch für die geradezu panische Aufmerksamkeit, mit der die Gründung zweier US-amerikanischer kommunistischer Parteien verfolgt wurde.[13] Dabei zeugte deren rivalisierendes Nebeneinander eher von starken Binnenfriktionen und innerer Schwäche. Aber dass die neuen Parteiformationen darum warben, von der im Frühling 1919 gegründeten Komintern anerkannt zu werden, die sich als Koordinationszentrale für die Weltrevolution verstand, verschaffte ihnen beim konservativen amerikanischen Publikum keinen Zuspruch.[14]

Inzwischen formierte sich eine konzertierte staatliche Reaktion. Alexander Mitchell Palmer, Attorney General und demokratischer Präsidentschaftskandidat, der einem der Bombenanschläge im Sommer 1919 entkommen war, führte sie an. Er ließ den jungen J. Edgar Hoover Sympathisanten kommunistischer Gewalt aufspüren. Dazu stand Hoover an der Spitze einer General Intelligence Division, die vom Justizministerium aus eng mit dem kongressfinanzierten Bureau of Investigation (dem Vorgänger des FBI) kooperierte. Dort legte man etwa 200 000 Karteien von Verdächtigen an und ging davon aus, dass knapp 90 Prozent aller Radikalen »un-amerikanische« Ausländer seien.[15] Zwischen November 1919 und Anfang 1920 folgte mit den insbesondere gegen die beiden kommunistischen Parteien gerichteten »Palmer Raids« eine Serie polizeilicher Razzien gegen nominelle und vermeintliche Kommunisten.[16] Die Legitimation solcher Aktionen stand schnell infrage, wenn die dabei Inhaftierten nach zum Teil drakonischen Bestrafungs- und Inhaftierungsaktionen selbst unter den Bedingungen des neuen Säuberungs-Furors am Ende doch freigelassen werden mussten.[17]

Das Veto gegen die antikommunistischen Repressionsmaßnahmen kam schließlich aus der Mitte des – intern ganz heterogenen – staatlichen Apparates selbst. Im April 1920 neutralisierten gemäßigte Kräfte hinter dem neuen stellvertretenden Arbeitsminister Louis Freeland Post aus dem Ministerium heraus die von Palmer und Hoover im Justizministerium verantworteten staatlichen Übergriffe. Etwa zwei Drittel der ungefähr 5 000 Haftbefehle, die während der Palmer Raids erlassen worden waren, hob das gemäßigtere Arbeitsministerium wieder auf. Auch versuchte man mit öffentlichkeitswirksamen Gesten wie der Haftentlassung des US-Sozialisten Eugene Debbs Ende 1921 die Lage zu beruhigen. Palmers hysterische Warnung, dass der Maitag 1920 für revolutionäre Umtriebe missbraucht werden würde, erwies sich als haltlos und wurde im Grunde ohnehin bereits ignoriert.[18]

 

Red Scare als Relikt des Ersten Weltkriegs in den USA: Anhaltender Kriegsnationalismus und repressive Demokratie

In der Red Scare-Panik wirkten vor allem die tiefgreifenden Effekte nach, die der Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg im April 1917 bewirkt hatte. Schon während der 1916 anlaufenden Vorbereitungen auf den Kriegsfall und verstärkt seit der offiziellen Mobilisierung 1917 hatte sich die neue Obsession der US-Regierung und der amerikanischen Kriegsbefürworter Bahn gebrochen, landesweit einen dissensfreien, homogenen Nationalismus zu sichern. Seit Wilson nach längeren innenpolitischen Debatten mit der Parole in den Krieg zog, es gehe um den Kreuzzug für die Demokratie gegen die Autokratie namentlich Deutschlands und der Habsburgermonarchie, war der Grundton für die Propaganda der USA gesetzt. Hinter Wilsons »Kreuzzug für die Demokratie« galt es die amerikanischen Reihen zu schließen.[19] Der Kriegsnationalismus produzierte seit 1916/17 in doppelter Hinsicht das antiradikale Arsenal, das 1919/20 während der Red Scare wieder genutzt werden sollte: Erstens waren in den Kriegsjahren bereits einschlägige Propaganda- und Überwachungseinrichtungen wie das »Committee on Public Information« entstanden, die während der Red Scare nun hochaktiv blieben. Die rhetorische Feindposition, die bis dahin die Deutschen innehatten, nahmen nun Kommunisten und Bolschewiken ein.[20]

Zum antiradikalen Arsenal des amerikanischen Kriegsnationalismus gehörte zweitens eine ganze Phalanx repressiver Gesetze wie der »Espionage Act« von 1917 und der »Sedition Act« von 1918. Die kriegsnationalistische Verhärmung, die aus solchen Vorkehrungen sprach, hatte sich also mit dem Kriegsende 1918 nicht einfach aufgelöst, sie hielt stattdessen wenig gemäßigt an Waffenstillstand und Friedensverhandlungen von 1918 vorbei weiter an. Postgeheimnis und Meinungsfreiheit hatten demnach zurückzustehen, wenn die »clear and present danger« kommunistischer Subversion zu drohen schien.[21]

Dahinter stand die vor allem im Weltkrieg propagandistisch genährte Überzeugung, dass die ausgesprochen multiethnischen Vereinigten Staaten von Amerika erst als straff durchhomogenisierte Nation tatsächlich kriegstauglich würden. Dass von den etwa 100 Millionen Einwohnern in den USA um 1914/15 etwa 13 Millionen Immigranten waren, die sich besonders in den städtischen Industriezentren des Nordens und Nordostens wie New York oder Chicago ballten, erschien an sich schon als eine einzige Belastungsprobe für den Erhalt einer loyalen US-Gesellschaft.[22] Vor allem aber schlug hier zu Buche, dass man während des Krieges die weit über fünf Millionen deutschen Immigranten, von denen viele entweder als Farmer im Mittleren Westen blieben oder Industriearbeiter in den großen Ostküstenstädten wurden, als subversive Verräter an der amerikanischen Sache ausmachte und verfolgte. Hinzu trat eine giftige Bezichtigungsrhetorik gegen Russen als »Bolschewisten«. Damit setzte sich die massive Anfeindung der Massenzuwanderung seit 1890 fort: gegenüber jenen Gruppen aus dem Habsburgerreich und Russland, die schon seit der Jahrhundertwende als wenig adaptions- und assimilationsfähig galten. Gegen sie hatte man zu Kriegszeiten das Ideal des »New Nationalism« propagiert, wonach sich die USA in erster Linie auf die überlegene europäisch-weiße Zivilisation gründeten, die vor ethnisch unerwünschter Zuwanderung geschützt werden müsse.[23] Die Konjunktur der amerikanischen Eugenik beflügelte dieses Denken und lenkte den Blick auf die knapp zehn Prozent der insgesamt knapp 17,7 Millionen jüdischen Einwanderer, die im Zuge der New Immigration in die USA gelangt waren, wo sie als degenerierte Bedrohung der ethnischen Substanz in den USA galten.[24] Im Dezember 1918 veröffentlichte das populäre Journal Literary Digest einen Artikel, der den Juden der New Yorker Eastside vorhielt, als »Yiddish agitators« eine zentrale Rolle bei der Oktoberrevolution in Russland zu spielen.[25] Tatsächlich spiegelte sich in solchen Anwürfen auch der Umstand wider, dass sich zahlreiche osteuropäische Juden der US-amerikanischen Kommunistischen Partei anschlossen.[26] In entsprechenden Stereotypen und Verschwörungstheorien überlappten sich aber zugleich auch xenophobe Immigrationskritik und Rassismus, die während der Red Scare wiederauflebten.

 

Brutalisierung und Radikalisierung: Die »Race Riots« als Krisensymptom der rassistischen und demobilisierten US-Gesellschaft und ihr russischer Impuls

Auch in anderer Hinsicht blieb die Red Scare ein Erbe des Ersten Weltkriegs. Denn sie war in mindestens dreifacher Hinsicht hochgradig symptomatisch für eine anhaltende Brutalisierung der US-amerikanischen Nachkriegsgesellschaft. Die Rassenkrawalle des Red Scare-Jahres 1919 erschienen erstens als unmittelbares Relikt des US-amerikanischen Rassismus: 78 Afroamerikaner, darunter 10 Veteranen in Uniform, fielen 1919 Lynchmorden zum Opfer, und damit 15 mehr als 1918 und sogar 30 mehr als 1917.[27] Zu den monströsesten Ausschreitungen zählten jene in Ellisville, Mississippi, Ende Juni 1919, als mehrere Tausend weiße Südstaatler mit Rückendeckung des Gouverneurs von Mississippi, Theodore G. Bilbo, einen der Vergewaltigung beschuldigten Afroamerikaner, John Hartfield, in einer grotesken Gewaltorgie öffenlich hängten, verbrannten und erschossen.[28] Die Exzesse schlossen zu etablierten Mustern des häufig fundamental-religiös inspirierten, antimodernen »Lynchings« auf. Im Kern sollte so eine Suprematie der weißen Rasse terroristisch durchgesetzt werden.[29] In dieser Hinsicht waren die Aufstände im Grunde eine Serie von Lynch-Aktionen, die die Gewaltbilanz der Red Scare vor allem in den amerikanischen Südstaaten drastisch nach oben trieb.

In den Race Riots entlud sich zweitens auch die illegale Sozialgewalt selbsterklärter Superpatrioten, die seit dem Ersten Weltkrieg den US-amerikanischen Vigilantismus prägten. Halbstaatliche »Selbstschutz«-Organisationen wie die »National Security League« oder die staatlich finanzierte und erst im Februar 1919 aufgelöste »American Protective League« mit ihren knapp 250 000 weißen Mittelklasse-Mitgliedern in Hunderten amerikanischen Städten waren während der Kriegsjahre gegründet worden, um eine Art nachbarschaftlich organisiertes, zivilgesellschaftliches Überwachungsnetzwerk zu bilden. Nachweisliche, häufig aber auch nur gemutmaßte Loyalitätsverstöße in der Bevölkerung brandmarkten sie als »unamerican activity«, die sie in großangelegten »Slacker Raids« gewaltsam ahndeten.[30] Nach 1918 blieben die vigilanten »Patriotic Societies«, nicht selten von sozialkonservativen Unternehmern finanzierte private Gruppierungen, mitgliedsschwache, aber wortgewaltige Kriegsrelikte.[31] Ihr Aktionsmuster, die spontan-willkürliche, ungelenkte Aggression gegen zu Feinden der USA erklärte Personen, wirkte in der Red Scare deutlich nach: Mit der gleichen Logik und Selbstlegitimation handelten jetzt auch viele der Aufständischen von 1919. Sie rotteten sich im Namen einer vermeintlich bedrohten weißen Ordnung zu mordbereiten Ordnungstrupps gegen Afroamerikaner zusammen.[32] Vor diesem Hintergrund versammelte etwa im September 1919 in Omaha, Nebraska, der weiße Veteran General Leonard Wood 200 weitere Veteranen der strikt antibolschewistischen »American Legion« um sich, um durch zivile Selbstjustiz die angeblichen Verursacher der Rassenunruhen in der Stadt dingfest zu machen. In einigen US-amerikanischen Städten patrouillierten Mitglieder dieser größten Veteranenorganisation durch die Straßen und fahndeten eigenmächtig nach sogenannten Agitatoren. Nicht selten boten die »Selbstschutz«-Organisationen den örtlichen Polizeikräften Schützenhilfe bei der Inhaftierung beschuldigter Radikaler an.[33]

Drittens spiegelten die Rassenkrawalle auch den prekär-unabgeschlossenen Stand der Demobilisierung der USA wider. Die war überstürzt und wenig koordiniert vonstatten gegangen: Zwar gliederte man 1,5 Millionen Soldaten aus den US-amerikanischen Trainingscamps und etwa zwei Millionen an die verschiedensten Kriegsschauplätze über den Atlantik verschiffte US-Militärs und Nichtkombattanten aus den Versorgungseinheiten bereits bis Ende 1919 fast komplett wieder in die US-Zivilgesellschaft ein. Doch bis sich ab den frühen 1920er-Jahren abzuzeichnen begann, dass die zurückgekehrten Veteranen mit staatlichen Ausgleichszahlungen würden rechnen können, überwogen zunächst Unzufriedenheit und Frustration unter den häufig arbeitslosen Heimkehrern, für die erst 1922 die ersten 700 000 Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Als im Sommer 1919 schwarze Trupps mit Gegengewalt auf die Ermordung von 23 Afroamerikanern in Chicago reagierten, die 15 weitere Todesopfer forderte,[34] spielte die aufgestaute Frustration der Afroamerikaner eine zentrale Rolle. Im Ersten Weltkrieg hatten sie in der Hoffnung auf zivilrechtliche Partizipationsgewinne gekämpft, nur um nach ihrer Rückkehr in die USA derselben Marginalisierung ausgesetzt zu werden, der sie hatten entkommen wollen.[35] Langfristig war das Konfliktpotenzial schon im Zuge der Massenzuwanderung entstanden, als während des Ersten Weltkriegs Afroamerikaner aus dem ländlichen Süden der USA in die Städte des industrialisierten Nordens gezwungen worden waren, in dem sie mit massiver Segregation konfrontiert wurden.[36]

Lynch-Rassismus, brutaler Vigilantismus sowie Demobilisierungseffekte als Brutalisierungsfaktoren und schwerwiegende Belastungen der amerikanischen Zivilgesellschaft nach 1918 erklären allerdings nur einen, wenn auch wichtigen Teil der Race Riots. Hinzu kam eine beträchtliche, 1918/19 noch zunehmende Radikalisierung der attackierten afroamerikanischen Gruppierungen.[37] Diese hatte einerseits nationale, US-amerikanische Ursachen, war aber andererseits auch auf die elektrisierende Nachricht von der Russischen Revolution zurückzuführen und folgte damit zumindest vorübergehend einem russischen Impuls.

Die 1919 gegründete Komintern stand zwar erst am Anfang ihrer langfristigen Anstrengungen, Anhänger unter den 1920 knapp neun Millionen Afroamerikanern im kaum industrialisierten US-amerikanischen Süden zu rekrutieren.[38] Zunächst allerdings hatte die Komintern gar nicht vor, das angesichts der eklatanten rassistischen Schieflage in den USA drängende Rassenproblem mit einer ausdrücklichen Antirassismus-Kampagne zu beantworten. Eher versuchte sie, das Problem – auf Augenhöhe mit der kommunistischen Ideologie – dem Klassenkampf-Paradigma unterzuordnen. Kommunisten vom Schlage des Afroamerikaners Lovett Fort-Whiteman schien das in den 1920er-Jahren aber zunächst nicht in ihrer Begeisterung für den Kommunismus zu stoppen.[39]

Besonders die afroamerikanische Emanzipationsbewegung des gebürtigen Jamaikaners Marcus Garvey zeigte sich von der Russischen Revolution elektrisiert. Garvey propagierte, durchaus im engen Austausch mit den Kommunisten, einen internationalen Pan-Afrikanismus, zu dem sich die Kolonisierten weltweit unter Einschluss der amerikanischen »black communities« zusammenschließen sollten.[40] Zwar wurde Garvey, dessen paramilitärische, vor allem aus afroamerikanischen Veteranen rekrutierte African Legion das Bureau of Investigation seit Februar 1920 mit afroamerikanischen Spitzeln unterwandert hatte, ein Opfer der Repression und 1925 des Landes verwiesen. Garveys großer zivilgesellschaftlicher Dachverband, die »Universal Negro Improvement Association«, popularisierte aber langfristig die Idee der internationalen Solidarität afrikanisch-stämmiger Bevölkerungen als emanzipatorisches Gegenbild zur systematischen Rassendiskriminierung in den USA.[41]

Die Halbwertszeit dieses russischen Impulses in den USA war aber kurz: Garveys kommunistisch informierter Radikalismus stellte einen wichtigen Bezugspunkt für die afroamerikanischen Aufständischen von 1919 dar. Bereits eine Dekade später definierte sich Garvey jedoch eher jenseits des internationalen Kommunismus und im Rahmen einer genuin panafrikanischen Emanzipationsbewegung. Die Komintern und die Kommunistische Partei der USA – die das Rassenproblem lange nicht annähernd so zentral behandelten, wie von Gravey gefordert – schwanden als Bezugsgrößen, als sich im Laufe der 1930er-Jahre US-amerikanische »black labourer« in einem distinkten, antikolonialen Emanzipationskampf als afrikanische Diaspora sahen. Den kommunistischen Impuls griffen die US-amerikanischen »black radicals« und so gesehen auch die Aufständischen von 1919 also auf, langfristig schlossen sie sich aber weniger dem internationalen Kommunismus oder einer weißen Linken an, sondern entwickelten jenseits davon ein eigenes »Black Liberation«-Programm.[42] Für die langfristig in der brutalisierten und radikalisierten US-Nachkriegsgesellschaft Marginalisierten, die 1919 als afroamerikanische Race Rioters gegen den weißen Mob gewaltätig wurden, spielten die Nachricht von der Oktoberrevolution und transnationale kommunistische Vernetzungen somit eine erhebliche, sicherlich aber keine allein ausschlaggebende Rolle.

 

Red Scare als Kulminationspunkt der Arbeiterunruhen in den USA: Gewerkschaften und amerikanische Linke in den Arbeitskämpfen der fragmentierten Demokratie

Die Red Scare kann dem Erbe des Krieges ebenso zugerechnet werden wie den neuen Brutalisierungs- und Radikalisierungseffekten in der multiethnischen Nachkriegsgesellschaft. Darüber hinaus bildet sie aber auch eine Kernphase der Arbeiterbewegung und der Arbeitskämpfe in den USA des frühen 20. Jahrhunderts: Demobilisierung und Nachkriegsrezession erzeugten seit Ende des Weltkriegs und bis etwa 1921 einen enormen Druck auf die US-amerikanische Wirtschaft, die durch die Rückschichtung von ca. neun Millionen Arbeitsplätzen aus der Kriegswirtschaft schnell auf Friedenszeiten umgestellt werden sollte. Der wirtschaftliche Einbruch war zwar nur vorübergehend und wich schon seit Mitte 1919 einer erst langsamen und dann bald boomhaften Aufwärtsbewegung. Die mentale Anpassungsleistung derer, die solche Neujustierungen unmittelbar betraf, ging allerdings in den ökonomischen Rahmendaten nicht vollends auf. Noch mindestens bis Frühjahr 1919 war nicht nur für die US-amerikanische Mittelklasse der Angestellten, sondern auch für weite Teile der Arbeiterschaft kaum erkennbar, dass eine abrupte Inflation, dramatisch gestiegene Lebenshaltungskosten und die grassierende Arbeitslosigkeit nur kurzfristige exzessive Ausschläge bildeten, die rasch in eine gemäßigte und nach oben weisende Entwicklungskurve übergehen würden.[43]

Stattdessen argwöhnten die amerikanischen Arbeiter, der Krise einigermaßen hilflos ausgesetzt zu sein. Zwar war man noch bis kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in eine kooperative Politik eingebettet gewesen. Wilsons »New Freedom«-Politik, der er seine Präsidentschaft 1913 nicht unwesentlich verdankte, hatte den massiv durchkartellisierten amerikanischen Industriekapitalismus zwar weitgehend unangetastet gelassen, aber mit kleineren Reformen, insbesondere mit Blick auf individuelle Arbeiterrechte nachgebessert. Sobald die USA allerdings 1917 in den Ersten Weltkrieg eingetreten waren, hatte Wilson den engen Schulterschluss mit der US-Wirtschaft gesucht und die progressive Politik der Vorkriegsjahre ausgebremst.[44] Im Rahmen der wirtschaftlichen Mobilisierung waren serienweise neue Behörden aus Vertretern von Regierung, Wirtschaftsbranchen und gemäßigten, kriegsnationalistischen Gewerkschaften der »American Federation of Labor« (AFL) eingerichtet worden, in denen man sich darauf verständigt hatte, Arbeitskämpfe zu unterlassen.[45] Der immense volkswirtschaftliche Boom, den die US-Wirtschaft bis Kriegsende verzeichnete, hatte tatsächlich einem vordergründigen sozialen Frieden Vorschub geleistet. Seit der Demobilisierung nach Kriegsende 1918/19 hatte man den Interventionismus allerdings rasch zurückgefahren. Jetzt drängten sich die Unternehmer zulasten der Gewerkschaften in die Rolle der eigentlichen Vertreter einer »industrial democracy«, die die Arbeiter an der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und -beziehungen hatte beteiligen sollen.[46]

Vor diesem Hintergrund steigender Interessengegensätze wirkte die Nachkriegsrezession wie ein Brandsatz. Als sich im Frühjahr 1919 die Lage kurzfristig zuspitzte und die Arbeitslosigkeit immens anstieg, entluden sich die Spannungen in schweren Arbeiterunruhen, die zu einem wesentlichen Teil der Red Scare avancierten. Im März zählte man 181 Streiks und Aussperrungen, im April 262 und im Mai schließlich 413 Streiks.[47] Eine der größten Aktivistengruppen stellten dabei die »Industrial Workers of the World« (IWW) dar. Im Gefolge der Streikwelle bezichtigte man die sogenannten Wobblies vor allem aus drei Gründen, für die Aufstände verantwortlich zu sein. Erstens hatten die IWW bereits im September 1917 Streiks in kriegswichtigen Industriebranchen wie im Kupferbergbau und der Holzindustrie organisiert. Arbeitgeber und Staat hatten mit landesweiten Razzien und Ausweisungen die bis dahin etwa 100 000 Mitglieder der IWW einzuschüchtern versucht.[48] Nicht nur ihre Streikbereitschaft bescherte den Wobblies gewalttätig-obsessiven Argwohn, sondern auch ihre klare Positionierung gegen den Ersten Weltkrieg. Außerdem gaben sich die IWW deutlich streitbarer als die prononciert antibolschewistische AFL, indem sie sich dafür aussprachen, den amerikanischen Industriekapitalismus abzuschaffen.[49]

Aus diesen Gründen bezichtigten die Red Scare-Aktivisten die Wobblies einmal mehr, 1919 bolschewistischen Aufruhr anzuzetteln. Dieser Vorwurf wurde erhoben, obgleich die IWW niemals exorbitant hohe Mitgliederzahlen erreichten, die darüber hinaus noch, abhängig von den politischen Entwicklungen in den stürmischen 1920er-Jahren, ständig schwankten. Zwischen 1917 und 1918 hatten sich die Mitgliederzahlen lediglich kurzzeitig von 100 000 auf 250 000 gesteigert, um anschließend stark zurückzugehen. Damit blieben sie aber immer noch deutlich hinter dem Zuspruch für die AFL zurück, die zu Hochzeiten bis 1918/19 über vier Millionen Mitglieder verfügte.[50] In der Hochphase dieser Popularität verstörte die konservativen Betrachter dennoch vor allem der Umstand, dass zur wichtigsten Klientel der IWW die breite, einflusslose Masse unqualifizierter Arbeiter gehörte, insbesondere ländliche Wander- und Bergarbeiter im amerikanischen Westen, allesamt häufig ost- oder südeuropäische Immigranten, Afroamerikaner, Mexikaner oder Amerikaner mit asiatischen Wurzeln. Nur in den Industriestädten der Ostküste stießen die IWW auf deutlich weniger Resonanz.[51] Die Massenmobilisierung betrieb man tatsächlich mit explosiver Rhetorik, allerdings blieb der Radikalismus in vielfacher Hinsicht eher verbaler Natur: Radikale Arbeitskampfmethoden folgten ihm nicht unbedingt. Darüber hinaus waren die IWW angesichts der Frage nach ihrer Affinität zum Kommunismus völlig uneins. Bei Weitem nicht alle wollten die Hinwendung ihrer prominenten Führungspersönlichkeiten William Z. Foster und John Reed zum Kommunismus und zur Komintern mittragen. Zusammen mit der Drangsalierung und Verfolgung durch den Red Scare-besessenen Staat gerieten die IWW unter diesen Bedingungen extrem in die Defensive.[52]

Die US-amerikanische Linke jenseits der Gewerkschaften wurde in den Kämpfen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern von 1919 zwar sichtbar, trat aber kaum als starker Repräsentant von russisch inspirierten Revolutionsstrategien in Erscheinung.[53] Den US-Sozialisten blieben eher signalhafte Momentaufnahmen: Ihr Parteiführer Eugene V. Debs wurde zum Paradeopfer der Red Scare, als er eine Präsidentschaftswahl-Kampagne von seiner Gefängniszelle in Atlanta aus lancierte, die ihm immerhin über 900 000 Stimmen eintrug.[54] Seinen relativen Wahlerfolg und seine spätere Entlassung 1921 verdankte Debs aber offenkundig eher dem Protest gegen eine unverhältnismäßig harte Unterdrückungspolitik gegen politisch Missliebige als einer ausgesprochenen Loyalität zum politischen Sozialismus.[55] Nach der Abspaltung der US-Kommunisten vom linken Flügel der Sozialisten gehörten der Sozialistischen Partei 1919 ohnedies nur noch etwa 30 000 Mitglieder an.[56]

Selbst der neu konstituierte US-amerikanische Kommunismus erwies sich 1919 weder als Haupttriebkraft der Arbeiterunruhen noch überhaupt als raumgreifende revolutionäre Größe. Auch wenn dies die zeitgenössische Red Scare-Rhetorik unermüdlich nahelegte. Ehrgeizige Netzwerktaktiken und die Publikation einschlägiger Propagandaschriften und Zeitungen konnten ebensowenig daran ändern.[57] Sicher wurde die Kritik amerikanischer Kommunisten am schwachen demokratischen US-System und an einer orthodox-konformen Gewerkschaftspolitik der AFL wesentlich von dieser Seite beflügelt. Daneben akzeptierten die US-Kommunisten weitgehend die Führungsrolle, die die Komintern ab 1919 schnell entwickelte.[58] Als Symptom starker, die Bewegung schwächender Binnenfriktionen hatten sich 1919 allerdings gleich zwei kommunistische Parteien von der sozialistischen Linken abgespalten. Mit vor allem ca. 60 000 osteuropäischen Einwanderern um den pro-bolschewistischen Louis C. Fraina (Lewis Corey) und Charles Ruthenberg stand der Communist Party[59] eine lediglich knapp 10 000 Mitglieder zählende Communist Labor Party aus überwiegend gebürtigen US-Amerikanern gegenüber, angeführt von dem Journalisten und Harvard-Absolventen John Reed und dem Unternehmerspross und Salonbolschewiken William Bross Lloyd aus Illinois. Die Fusion beider Fraktionen entlang Moskauer Vorgaben zur Kommunistischen Partei der USA im Mai 1921 folgte schon in einem Stadium innerer Erosion, als die Einschüchterungs- und Drangsalierungsmaßnahmen der Red Scare die Mitgliederzahlen auf wenig mehr als 10 000 gedrückt hatten.[60] Der Strategiewechsel weg von der sektiererischen Elite hin zur Partei mit Massenbasis, den Lenin Anfang der 1920er-Jahre vorgab, um das revolutionäre Projekt für die westlichen Gesellschaften und Amerika verdaulich zu machen, sah zwar vor, die US-Gewerkschaftsbewegung und sämtliche Belange der Arbeitspolitik in den USA zu infiltrieren.[61] Dazu musste sich die Partei allerdings zunächst noch lange von den Repressionen durch die Red Scare sowie von den massiven Binnenfriktionen erholen. Ein starker politischer Kommunismus konnte in den USA so kaum entstehen.

Ohnedies hatten ethnische Vielfalt und dramatische geografische Mobilität infolge von Immigration und Massenzuwanderung vom Süden in den Norden die Arbeiterinteressen in den USA schon seit der Hochphase der Industrialisierung ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hochgradig divers erscheinen lassen. Unter diesen Bedingungen erreichten weder Gewerkschaften noch kommunistische Parteien dauerhaft hohe Beteiligungsquoten, die Arbeiterkämpfe bewegten sich selbst 1919 überwiegend im Rahmen des demokratischen US-Kapitalismus. Während der Red Scare blieb der Aktionismus von US-amerikanischen Linken und speziell von Kommunisten damit eher eine Episode. Dazu trug nicht zuletzt der Umstand bei, dass die USA spätestens seit der Wende zum 20. Jahrhundert zu einer der führenden Industrienationen aufgestiegen waren und über eine ständig expandierende Volkswirtschaft verfügten, die sich, von wenigen Konjunkturabschwüngen abgesehen, als stabil erwies.[62]

 

Nachlassende Panik und anhaltende Offenbarungseide der Nachkriegsnation seit 1919/20: Das unvollständige Ende der Red Scare

Selbst angesichts des unter dem Eindruck der russischen Oktoberrevolution vorübergehend erstarkten US-Kommunismus fehlte der Red Scare-Politik von 1919 jede realistische Motivation: Die russischen Bolschewisten, die man über die im März 1919 gegründete Komintern im Begriff sah, eine Weltrevolution zu orchestrieren und dazu auch US-amerikanische Staatsbürger und Immigranten zu rekrutieren, befanden sich in den Untiefen eines hochgradig gewalttätigen und unübersichtlichen Bürgerkrieges, dessen Ausgang alles andere als absehbar war. Die Überreste der zaristischen Herrschaft, dramatische Kriegsverluste und eine drastische Wirtschafts- und Versorgungskrise schufen im Russland von 1919 und 1920 chaotische Zustände, aus denen heraus kein jäher Aufgalopp in eine Weltrevolution zu erwarten war.[63] Trotzdem ließen sich politisches Establishment und eine nervöse Mittelklasse in den USA in Alarmbereitschaft versetzen und glaubten in Streiks und rassistischen Krawallen Vorboten einer bolschewistischen Gefährdung der US-Demokratie zu erkennen. Bis Frühjahr 1920 hatte die Repression auch weithin die gewünschte Wirkung gezeigt. Die IWW waren regelrecht zerschlagen, die Sozialistische Partei merklich geschwächt. Die kommunistischen Parteien mussten einen rapiden Mitgliederschwund von 70 000 im Sommer 1919 auf etwa 10 000 im Sommer 1920 hinnehmen. Im Grunde hatten sie sich auch schon aufgelöst, und ihre Anhänger waren in den Untergrund gegangen. Als im September 1920 noch einmal eine Bombe vor der Wall Street explodierte, die 19 Menschenleben forderte, war die öffentliche Aufregung darüber nur noch verhältnismäßig gering.[64]

Mit dem Ende der Red Scare-Aktivitäten verschwand der US-amerikanische Antikommunismus während der verbleibenden 1920er-Jahre allerdings nicht. Staat und lokale Arbeitgeber stimmten nach wie vor darin überein, dass der Kommunismus weiter bekämpft werden müsse. Entsprechend wurden antikommunistische Stützpfeiler in die US-amerikanische Staats- und Gesellschaftsordnung eingezogen. In den 1920er-Jahren entstand eine Fülle von Defensivinstitutionen und -taktiken.[65] Sie entsprangen keiner konzertierten Aktion von oben, folgten keinem kohärenten Plan und illustrierten doch anhaltende politische Verwerfungen. Auf der Ebene des US-Bundesstaates etwa blieb man auch aus einer antikommunistischen Abwehrhaltung heraus bei einer restriktiven Immigrationsgesetzgebung. Auf längere Sicht lagen schließlich auch die Deportationsmaßnahmen gegen sogenannte feindliche Ausländer im Zweiten Weltkrieg auf derselben Linie vorgefasster politischer Diffamierungen.[66] Daneben wurden etwa die Sedition Laws in den frühen 1920er-Jahren bestätigt und gestärkt. Noch im August 1927 vollstreckte man in den USA – ein Zeichen für noch anhaltende Red Scare-Phobien – das Todesurteil gegen Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti. Auch massive internationale Fürsprache konnte nicht erreichen, dass die beiden im Mai 1920 als Anarchisten Inhaftierten begnadigt wurden.[67]

Mit Blick auf dieses eher unvollständige Ende der Red Scare ab den 1920er-Jahren war kaum evident, was die Panik 1920 zumindest dämpfen konnte. In einem groben Ausblick auf die weitere Entwicklung der 1920er-Jahre stechen drei Erklärungsmöglichkeiten hervor. Erstens schwand der Red Scare-Furor im Gefolge einer neuen ökonomischen Annäherungspolitik der USA gegenüber Russland. Die offizielle Nichtanerkennung Russlands durch die USA und die amerikanischen Russlandinterventionen zwischen 1918 und 1920 hatten zunächst einmal unerfreuliche russlandpolitische Rahmendaten geliefert, zu denen die Red Scare weitgehend passte.[68] Mit beiden Schritten hatten sich die USA öffentlichkeitswirksam vom bolschewistischen Russland distanziert. Gleichzeitig sprachen der unverrichtete Abbruch der US-amerikanischen Intervention in Russland von 1919/20 und die innenpolitisch nur mühsam zustande gekommene Nichtanerkennungserklärung gegenüber Russland von 1920 für eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit dem revolutionären Faktor. Die halb konfrontative, halb zögerliche Russlandpolitik wandelte sich seit 1920 in Richtung einer Öffnung. Seit Washington Anfang 1920 privatwirtschaftliche Verbindungen mit russischen Partnern duldete, entstanden ab der zweiten Jahreshälfte neue Handlungsspielräume für die US-amerikanischen Wirtschaftsunternehmen. Sie hofften, Expertisen aller Art und Maschinen abzusetzen, und wirkten, wie etwa der Bankier Felix Warburg, gelegentlich auf die US-Administration ein, um die amerikanisch-russischen Beziehungen in einem Maße aufzustocken, das größere Gewinnspannen ermöglichen würde.[69] Seit im Frühjahr 1921 der russische Kriegskommunismus zugunsten der Neuen Ökonomischen Politik beendet wurde, Verstaatlichungen zurückgenommen und die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft gelockert schien,[70] sah man in den USA einmal mehr Kooperationsspielräume entstehen. Dabei ging es auch ganz wesentlich um den Triumph der »Open Door«-Strategie, die das unwirtliche bolschewistische Terrain selbst unter Revolutionsbedingungen für große, investitionshungrige US-Unternehmen öffnen sollte. Die innenpolitische Diskussion drehte sich in den USA während der 1920er-Jahre allerdings gleichzeitig ständig um die Frage, wie eine solche Wirtschaftskooperation unterhalb des Levels demonstrativer Ablehnung des bolschewistischen Regimes möglich sei und ob die Bolschewiken hier nicht unversehens Anerkennungsgewinne erzielten.[71] US-amerikanische Unternehmen hielt Washington nicht davon ab, auf dem russischen Markt präsent zu sein, bot ihnen aber keine offizielle Unterstützung an. Auf diese Weise konnten US-Unternehmen nur langsam größere Anteile am russischen Markt erwerben.[72] Gerade diese eher halbherzige wirtschaftliche Rekonstruktionspolitik gegenüber Russland war ein Grund für das Abebben der Red Scare.

Zweitens verlor die Red Scare auch im Windschatten einer schnell beruhigten Wirtschaftslage in den USA an Einfluss. Die Nachkriegsrezession 1920/21, zu der etwa fünf Millionen Arbeitslose und ein um zehn Prozent gesunkenes Bruttosozialprodukt gehörten, war nur von kurzer Dauer, bevor ein immenser Aufschwung einsetzte, der zwischenzeitlich sogar zu Vollbeschäftigung führen sollte. Mitte 1921 begann also eine Boomphase, in der nicht nur die Industrieproduktion und Unternehmensgewinne in die Höhe schossen, sondern auch die Massenkaufkraft zumindest gemäßigt anstieg. Der Befriedungseffekt des neuen, ungleich verteilten Wohlstands blieb zwar prekär, weil schon allein mit den amerikanischen Farmern mindestens ein knappes Viertel der Arbeiterschaft vom Aufschwung ausgenommen blieb. In der Breite beflügelte der Boom allerdings zunächst einen neuen Optimismus und stärkte den Glauben an den liberalen Kapitalismus der USA.[73] Die akute Alarmstimmung der Red Scare-Phase begann zu verpuffen. Der Bedarf der politischen und wirtschaftlichen Eliten, der Politiker, Diplomaten, Unternehmer und vieler exponierter Intellektueller, eine kulturell einigermaßen homogene Gesellschaft anzustreben, hielt zwar an. Besitz und eine stabile öffentliche Ordnung erschienen Mitte der 1920er-Jahre aber als vordringliche Eckwerte, personifiziert im republikanischen Präsidenten Warren Harding, der die Wahl 1920 mit dem Versprechen »Zurück zur Normalität« gewann.[74]

Drittens spielte die Politik der USA im Kontext der Hungerkatastrophe in Russland 1921 eine flankierende Rolle bei der Beschwichtigung der Red Scare. Schon während des Ersten Weltkriegs war das Amerikanische Rote Kreuz nach Rücksprache mit der US-Regierung aktiv geworden und hatte eine eigene Russlandkommission eingesetzt, um der notleidenden Zivilbevölkerung Hilfe zu leisten. Dabei war man allerdings strikt der Geopolitik des Krieges gefolgt. Während Hilfe für die Zivilgesellschaften der Mittelmächte bzw. für die gegnerisch besetzten Regionen untersagt blieb, sollte das Engagement in Russland vor allem den russischen Kombattanten moralisch stützen.[75] Unter dem Eindruck von Russischer Revolution, Bürgerkrieg und US-Intervention waren solche Aktivitäten aber seit Spätsommer 1918 ausgebremst worden.[76] Einen Höhepunkt erreichte der semioffizielle, im Rahmen internationaler Netzwerke eingefädelte amerikanische Interventionismus allerdings noch einmal zwischen 1921 und 1923: Nachdem kriegskommunistische Getreiderequisitionen eine dramatische südrussische Dürre noch zusätzlich verschärft hatten und seit Sommer 1921 in eine Hungersnot mündeten, die die bis dahin wenigstens vorläufigen Stabilisierungserfolge des jungen sowjetischen Staates zunichte machten, sah sich die sowjetische Regierung gezwungen, internationale Hilfsangebote einzuwerben.[77] Im August 1921 vereinbarte die »American Relief Administration« (ARA) mit der Sowjetischen Regierung, Hunderte von Katastrophenhelfern in die Krisenregion zu senden, um Zehntausende von russischen Hilfsarbeitern zu dirigieren und Millionen von Leben zu retten.[78] Die humanitären Interventionen stießen keineswegs auf ein ungeteilt positives Echo in den USA. Umso mehr zielten die ARA-Aktionen recht unverhüllt darauf ab, das hilfsabhängige Regime öffentlich bloßzustellen. Die ARA-Mitarbeiter verstanden sich nicht selten als Vorreiter einer kulturpolitischen Offensive, die die nicht-bolschewistischen Kräfte im orientalistisch-rückschrittlichen Russland stärken sollte.[79] In dieser Phase konnte der strategische Humanitarismus akute Russlandphobien in den USA besänftigen und die Red Scare überlagern helfen. Genauso konnte er auch im Verbund mit der von der Boomphase begünstigten vorsichtigen wirtschaftlichen Öffnung der USA gegenüber Russland wirken. Dadurch verpuffte aber weder die Red Scare, noch war sicher, wie lange der Besänftigungseffekt wirken würde.

Dass sich aus der Red Scare ungeachtet ihrer allmählichen Einhegung dringliche Rückfragen an die US-amerikanische Demokratie ergaben, beobachteten auch kritische US-amerikanische Zeitgenossen. Teils nahmen die Stimmen derer zu, die forderten, dass die USA dem Bolschewismus mit der ganzen Überlegenheit nicht nur ihres politischen Systems und ihrer Kultur, sondern auch mit geballter wirtschaftlicher Macht begegnen sollten. Der russischstämmige amerikanische Anarchist an der links-sozialistisch inspirierten Chicago School of Civics and Philanthropy Victor S. Yarros meldete sich im Frühjahr 1920 mit scharfer Kritik an der Red Scare zu Wort: » […] to suppress the books or the organs of radical groups because they advocate communism, anarchy, syndicalism, or guild socialism as systems preferable to ours is to evince distrust of genuine democracy and to violate its basic principles«.

Yarros empfahl den USA, den Bolschewismus abzuwenden, indem man sozialistischen Sympathisanten freie Meinungsäußerung im Namen der Demokratie gewährte, statt sich kleinmütig und unsouverän an den Rechtsgarantien der freiheitlichen Ordung zu vergehen, um derentwillen man die radikalen Systemalternativen der Revolutionäre so erbost von sich wies.[80]

Den Impuls amerikanischer Konservativer, Revolutionshysterie zu schüren und revolutionäre Umtriebe in den USA mit Gewalt einzudämmen, konterte auch der US-amerikanische progressive Sozialreformer Raymond Robins. Stattdessen sollten die USA im Umgang mit Revolutionären in Russland nicht anders als mit möglichen Sympathisanten der Revolution in den USA auf die faktische Kraft der Demokratie setzen und zügig genau die Lebensbedingungen herbeiführen und sichern, für die man im einen wie im anderen Fall bisher den revolutionären Ideen folgte: »[…] mere force is an old failure against ideas. […] I would never expect to stamp out ideas with bayonets. [...] The only answer for the desire for a better human life is a better human life. I believe that our institutions furnish that better human life for more men, women, and children than any other institutions in the world. […] I believe that we have the means of meeting this Russian challenge when it is really understood and known.«[81]

Mit seiner Revolutionsanalyse versetzte Robins den Regierungsoffiziellen Nadelstiche. Denn er beharrte auf der Beobachtung, dass es bisweilen ein Maß an ökonomischer Ungleichheit auch in den USA gab, das systematisch ausgeglichen werden müsse, damit revolutionäre Ideen dort unattraktiv würden.[82]

Auch in diesem Sinne blieb die Red Scare eine Episode amerikanischer Nachkriegsgeschichte mit drastischen, langfristigen Nachwirkungen. Sie hob zwar nicht die US-amerikanische Demokratie aus den Angeln, aber sie hinterließ eine Spur von Argwohn und Verdacht, Verleumdung und Repression. Die Revolutionspanik schürten die Red Scare-Aktivisten, um nicht nur gegen einen gewalttätigen Bolschewismus in Russland, sondern auch gegen den Anspruch der russischen Weltrevolution in die Defensive zu gehen. Als Sieger des Ersten Weltkriegs, als mächtig aufsteigende Industrienation mit globalen Freihandelsinteressen und als größter Gläubiger der verschuldeten Kriegsteilnehmer verwahrten sich die USA gegen einen bedrohlichen, konkurrierenden Universalismus aus dem Osten. Die Red Scare war insofern in vielem eine geplant hysterische Reaktion auf die Oktoberrevolution von 1917, aber sie war auch mehr als das. Sie war das Symptom einer stockend demobilisierten, binnenfraktionierten Demokratie, die kurz zuvor als multiethnische Nation mit vielen inneren Blessuren aus dem Weltkrieg hervorgegangen war. Die Red Scare zeigte die USA, fernab russischer Impulse, auch auf einer ganz innerstaatlichen Suche nach einer industriekapitalistischen Nachkriegsordnung.

 

Der Vortrag wurde am 10. März 2016 im Rahmen der Reihe »Talking about a revolution! Die Oktoberrevolution: Geschichte – Instrumentalisierung – Rezeption« gehalten und ist nachzuhören unter:

http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/oktoberrevolution-rausch

 


[1] Siehe Robert K. Murray: Red Scare. A Study of National Hysteria, 1919–1920, New York 1955; M. J. Heale: American Anticommunism: Combatting the Enemy Within, 1830–1970, Baltimore 1990; Richard Gid Powers: Not without Honor: The History of American Anticommunism, New York 1995; David J. Goldberg: Discontented America: The United States in the 1920s, Baltimore, MD 1999.

[2] Siehe William Z. Foster: The Great Steel Strike and its Lessons, New York 1920.

[3] Siehe Jennifer D. Keene: The United States and the First World War, London/New York 2014; Christopher Capozolla: Uncle Sam Wants You. World War I and the Making of the Modern American Citizen, New York 2008; David M. Kennedy: Over Here. The First World War and American Society, Oxford 2004.

[4] Siehe David F. Krugler: 1919. The Year of Racial Violence: How African Americans Fought Back, New York 2015; Cameron McWhirter: Red Summer: The Summer of 1919 and the Awakening of Black America, New York 2011.

[5] Siehe Joseph A. McCartin: Laborʼs Great War: The Struggle for Industrial Democracy and the Origins of Modern American Labor Relations, 1912–1921, Chapel Hill, NC 1998; Robert H. Zieger: Republicans and Labor: 1919–1929, Lexington 1969.

[6] Siehe Robert Justin Goldstein (Hg.): Little »Red Scares«: Anti-Communism and Political Repression in the United States, 1921–1946, Farnham 2014.

[7] Siehe The Seattle General Strike: An account of what happened in Seattle, and especially in the Seattle Labor Movement, during the General Strike, February 6 to 11, 1919, Seattle 1919.

[8] Siehe Robert L. Friedheim: The Seattle General Strike, Seattle 1964; Murray: Red Scare (Anm. 1), S. 57–64.

[9] Siehe The Evening World (New York) vom 3. Juni 1919, S. 1 (Plot Traced to Philadelphia); Charles H. McCormick: Hopeless Cases: The Hunt for the Red Scare Terrorist Bombers, Lanham u.a. 2005.

[10] Siehe u.a. Damien Murray: »Go Forth as a Missionary to Fight It«: Catholic Antisocialism and Irish American Nationalism in Post-World War I Boston, in: Journal of American Ethnic History 28 (2009), H. 4, S. 43–65.

[11] Siehe Krugler: 1919. The Year of Racial Violence (Anm. 4); McWhirter: Red Summer (Anm. 4), S. 208–235; Robert Whitaker: On the Laps of Gods: The Red Summer of 1919 and the Struggle for Justice that Remade a Nation, New York 2008; Grif Stockley: Blood in Their Eyes: The Elaine Race Massacres of 1919, Fayetteville 2001; Jeannie M. Whayne: Black Farmers in the Red Autumn: A Review Essay, in: Arkansas Historical Quarterly 68 (2009), H. 3, S. 327–336.

[12] Siehe Ida B. Wells-Barnett: The Arkansas Race Riot, Chicago, Ill. 1920.

[13] Siehe dazu auch weiter unten, hier: U.S. Congress. Committee on Education and Labor. Investigation of Strike in Steel Industry, Persuant to S Res. 202, 66th Cong., 1st sess., Washington D.C. 1919; The Liberal Democrat, 12. Februar 1920, S. 6 (To Conquer and Destroy State). Siehe Jennifer Luff: Commonsense Anticommunism: Labor and Civil Liberties between the World Wars, Chapel Hill, NC 2012, S. 23–45.

[14] Siehe Theodore Draper: Roots of American Communism, New York 1957, S. 242–245.

[15] Siehe Regin Schmidt: Red Scare: FBI and the Origins of Anticommunism in the United States, Kopenhagen 2000, S. 43; Mark Ellis: J. Edgar Hoover and the »Red Summer« of 1919, in: Journal of American Studies 28 (1994), H. 1, S. 39–59; Luff: Commonsense Anticommunism (Anm. 13), S. 81–99.

[16] Siehe New York Tribune vom 3. Januar 1920, S. 1, Sp. 5.

[17] Siehe Julia Rose Kraut: Global Anti-Anarchism: The Origins of Ideological Deportation and the Suppression of Expression, in: Indiana Journal of Global Legal Studies 19 (2012), H. 1, S. 169–193.

[18] Siehe The Washington Times vom 25. Januar 1921, S. 1 (Palmer Tactics Menace U.S., Senate Told); The Labor Journal, Everett, WA vom 4. Februar 1921, S. 1 (Palmer Gets a Call Down by Able Lawyers); The Dearborn Independent vom 29. Mai 1920, S. 6 (Menace or Mirage? – The Reds in America).

[19] Siehe Lloyd E. Ambrosius: Woodrow Wilson and World War I, in: Robert Schulzinger (Hg.): A Companion to American Foreign Relations, Malden, M.A./Oxford 2006, S. 149–167; Jörg Nagler: The Mobilization of Emotions. Propaganda and Social Violence on the American Home Front during World War I, in: Jessica C.E. Gienow-Hecht (Hg.): Emotions in American History, Oxford/New York 2010, S. 66–91.

[20] Siehe Panikos Panayi (Hg.): Germans as Minorities during the First World War: A Global Comparative Perspective, Burlington, VT 2014; William H. Thomas: Unsafe for Democracy: World War I and the U.S. Justice Departmentʼs Covert Campaigns to Supress Dissent, Madison, WI 2008.

[21] Siehe Schmidt: Red Scare (Anm. 15), S. 312; Geoffrey R. Stone: Perilous Times: Free Speech in Wartime. From the Sedition Act of 1798 to the War on Terrorism, New York 2004; Robert Justin Goldstein: Political Repression in Modern America from 1870 to 1976, Urbana/Chicago, Ill. 2001, S. 158.

[22] Siehe Aristide R. Zolberg: A Nation by Design. Immigration Policy in the Fashioning of America, New York/Cambridge, MA 2006, S. 199–292.

[23] Siehe Gary Gerstle: Theodore Roosevelt and the Divided Character of American Nationalism, in: The Journal of American History 86 (1999), H. 3, S. 1280–1307.

[24] Siehe John Higham: Strangers in the Land: Patterns of American Nativism, 1860–1925, New Brunswick/London 1983, S. 152.

[25] Siehe Leonard Dinnerstein: Antisemitism in America, Oxford 1994, S. 78–104 und bes. S. 79 f.

[26] Siehe John Holmes: American Jewish Communism and Garment Unionism in the 1920s, in: American Communist History 6 (2007), H. 2, S. 171–195.

[27] Siehe William M. Tuttle: Race Riot: Chicago in the Red Summer of 1919, New York 1970, S. 1922; Murray: Red Scare (Anm. 1), S. 3–17 u. 5866.

[28] Siehe Tuttle: Race Riot (Anm. 27), S. 23; McWhirter: Red Summer (Anm. 4), S. 68–75.

[29] Siehe Chad L. Williams: Torchbearers of Democracy: African American Soldiers in the World War I Era, Chapel Hill 2010, S. 13–17, 74, 223–225 u. 232–241; Alex Goodall: Loyalty and Liberty: American Countersubversion from World War I to the McCarthy Era, Urbana 2013, S. 21–34, 60–84; Manfred Berg: Lynchjustiz in den USA, Hamburg 2014.

[30] Siehe Capozzola: Uncle Sam Wants You (Anm. 3), S. 42–53; ders.: The Only Badge Needed Is Your Patriotic Fervor: Vigilance, Coercion, and the Law in World War I America, in: Journal of American History 88 (2002), H. 4, S. 1354–1382; David M. Kennedy: Over Here (Anm. 3), 73–75, 79 u. 81.

[31] Siehe Murray: Red Scare (Anm. 1), S. 84 f.

[32] Siehe Stone: Perilous Times (Anm. 21); Kennedy: Over Here (Anm. 3), S. 81–83.

[33] Siehe Jennifer D. Keene: A »Brutalizing« War? The USA after the First World War, in: Journal of Contemporary History 50 (2015), H. 1, S. 78–99, hier S. 81.

[34] Siehe William Jordan: »The Damnable Dilemma«: African-American Accommodation and Protest during World War, in: The Journal of American History 81 (1995), H. 4, S. 1562–1583, hier S. 1583.

[35] Siehe Christopher S. Parker: Fighting for Democracy: Black Veterans and the Struggle against White Supremacy in the Postwar South, Princeton, N.J. 2009.

[36] Siehe Peter M. Rutkoff/William B. Scott: Fly Away: The Great African American Cultural Migrations, Baltimore 2010, S. 55–103; Jennifer D. Keene: World War I: The American Soldier Experience, Lincoln, NE 2011; Beth Linker: Warʼs Waste: Rehabilitation in World War I America, Chicago/London 2011, S. 10–34.

[37] Siehe Randi Storch: Red Chicago: American Communism at Its Grassroots, 1928–35, Urbana 2007.

[38] Siehe Jacob A. Zumoff: The Communist International and US Communism, 1919–1929, Leiden/Boston 2014, hier S. 287–311.

[39] Siehe Penny van Eschen: Race against Empire: Black Americans and Anticolonialism, 1937–1957, Ithaca/ London 1997, S. 10; Harvey Klehr/John Earl Haynes/Kyrill M. Anderson: The Soviet World of American Communism, New Haven/London 1998, S. 218–224; Glenda Elizabeth Gilmore: Defying Dixie. The Radical Roots of Civil Rights, 1919–1950, New York 2008, S. 15–66, hier insbesondere S. 29–51.

[40] Siehe u.a. Petition Marcus Garveys vom 21. Februar 1919 und Bericht des Afro-American vom 28. Februar 1919, in: The Marcus Gravey and Universal Negro Association Papers, Bd. 1 (1828–August 1919), hg. v. Robert A. Hill, Berkeley/Los Angeles/London 1983, S. 366–370 und 376–77.

[41] Siehe Mary G. Rolinson: Grassroots Garveyism: The Universal Negro Improvement Association in the Rural South, 1920–1927, Chapel Hill 2007, S. 52.

[42] Siehe Minkah Makalani: In the Cause of Freedom. Radical Black Internationalism form Harlem to London, 1917–1939, London u.a. 2011, S. 1–22; Holger Weiss: Framing a Radical African Atlantic: African American Agency, West African Intellectuals and the International Trade Union Committee of Negro Workers, Leiden/Boston 2014, S. 54–66.

[43] Siehe Murray: Red Scare (Anm. 1), S. 5–7.

[44] Siehe Elliot Brownlee: The New Freedom and its Evolution, in: Ross A. Kennedy (Hg.): Companion to Woodrow Wilson, Oxford 2013, S. 106–132 und McCartin: Laborʼs Great War (Anm. 5).

[45] Siehe Luff: Commonsense Anticommunism (Anm. 13), S. 46–59; Julie Greene: Pure and Simple Politics: The American Federation of Labor and Political Activism, 1881–1917, Cambridge 1998.

[46] Siehe Robert H. Zieger/Timothy J. Minchin/Gilbert J. Gall: American Workers, American Unions. The Twentieth and Early Twenty-First Centuries, 4. Aufl. Baltimore, MD 2014, S. 1–65.

[47] Siehe Strikes and Lockouts in the United States, 1916, 1917, 1918 and 1919, in: Monthly Labor Review 10 (1920), H. 6, S. 199–218, hier S. 200, zit. nach Tuttle: Race Riot (Anm. 27), S. 18.

[48] Siehe Kenyon Zimmer: Immigrants against the State: Yiddish and Italian Anarchism in America, Urbana, Chicago, Springfield u.a. 2015, S. 143; Melvyn Dubofsky: We Shall be All: A History of the Industrial Workers of the World, Chicago 1969, S. 404.

[49] Siehe McCartin: Laborʼs Great War (Anm. 5), S. 203.

[50] Siehe Dubofsky: We Shall be All (Anm. 50), S. 445.

[51] Siehe McCartin: Labor’s War (Anm. 5), S. 84.

[52] Siehe New York Times vom 20. April 1919, S. 3 (Asked to stop Bolsheviki: Americanization Meeting Calls for Campaign Against Propaganda); siehe auch Dubofsky: We Shall be All (Anm. 50), S. 462 f.; Storch: Red Chicago (Anm. 37) , S. 16 f., 22–28.

[53] Siehe James Weinstein: The Decline of Socialism in America, 1912–1925, New York 1967, S. 118; Jeffrey A. Johnson: They are All Red Out Here. Socialist Politics in the Pacific Northwest, 1895–1925, Oklahoma 2008, S. 143–160.

[54] Siehe Weinstein: The Decline of Socialism (Anm. 55), S. 235 f.

[55] Siehe Ernest Freeberg: Democratic Prisoner: Eugene V. Debs, the Great War, and the Right to Dissent, Cambridge 2008.

[56] Siehe Murray: Red Scare (Anm. 1), S. 52.

[57] Siehe The Washington Post vom 6. Oktober 1919, S. 2 (Vicious Attacks on President Mingled With Choice Profanity Feature New Bolshevik Bulletin).

[58] Siehe Klehr/Haynes/Anderson: The Soviet World of American Communism (Anm. 41), S. 16 f.; Draper: Roots of American Communism (Anm. 14), S. 97–113; Murray: Red Scare (Anm. 1), S. 46–49; Randi Storch: American Communism and Soviet Russia: A View from Chicago’s Streets, in: American Communist History 8 (2009), H. 1, S. 25–28.

[59] Siehe die ausdrückliche Selbstdefinition als multi-ethnische Körperschaft in The Communist vom 19. November 1919, S. 2.

[60] Siehe Murray: Red Scare (Anm. 1), S. 48–55.

[61] Siehe Draper: Roots of American Communism (Anm. 14), passim.

[62] Siehe Howard Kimeldorf: Battling for American Labor. Wooblies, Craft Workers, and the Making of the Union Movement, Berkeley/Los Angeles 1999, S. 1–20; Jürgen Heideking: Geschichte der USA, 3. Aufl. Tübingen/Basel 2003, S. 197–221.

[63] Siehe Dietrich Beyrau: Brutalization Revisited: The Case of Russia in: Journal of Contemporary History 50 (2015), H. 1, S. 15–37.

[64] Siehe Heale: American Anticommunism (Anm. 1), S. 75–77.

[65] Siehe Storch: Red Chicago (Anm. 37).

[66] Siehe Erika Lee: The Making of Asian America: A History, New York 2015, S. 211–251.

[67] Siehe Susan Mondshein Tejada: In Search of Sacco and Vanzetti: Double Lives, Troubled Times, and the Massachusetts Murder Case that Shook the World, Boston 2012, S. 177–271.

[68] Siehe David Foglesong: Americaʼs Secret War Against Bolshevism: U.S. Intervention in the Russian Civil War, 1917–1920, Chapel Hill, N.C. 1995; Norman E. Saul: War and Revolution: The United States and Russia, 19141921, Lawrence, KS 2001, S. 309–376.

[69] Siehe Jonathan Dekel-Chen: An Unlikely Triangle: Philanthropists, Commissars, and American Statesmanship Meet in Soviet Crimea, 1922–37, in: Diplomatic History 27 (2003), H. 3, S. 353–376, hier S. 358.

[70] Siehe Peter Kenez: A History of the Soviet Union from the Beginning to the End, Cambridge 1999, S. 41–79.

[71] Siehe Bertrand M. Patenaude: The Big Show in Bololand: The American Relief Expedition to Soviet Russia in the Famine of 1921, Stanford 2002, S. 135–137.

[72] Siehe David Engerman: Economic Reconstruction in Soviet Russia: The Courting of Herbert Hoover in 1922, in: The International History Review 19 (1997), H. 4, S. 836–847; Mona Domosh: Uncovering the Friction of Globalization: American Commercial Embeddedness and Landscape in Revolutionary-Era Russia, in: Annals of the Association of American Geographers 100 (2010), H. 2, S. 427–443.

[73] Siehe Heideking: Geschichte der USA (Anm. 64), S. 276–278.

[74] Siehe Heale: American Anticommunism (Anm. 1), S. 79–95.

[75] Siehe Julia Irwin: Making the World Safe: The American Red Cross and a Nationʼs Humanitarian Awakening, New York 2013, S. 105–115.

[76] Ebd., S. 116; Saul: War and Revolution (Anm. 70), S. 377–442.

[77] Siehe Starvation in Russia, in: Advocate of Peace through Justice 83 (1921), H. 8, S. 312–314.

[78] Siehe Benjamin M. Weissmann: Herbert Hoover and Famine Relief to Soviet Russia: 1921–1923, Stanford 1974; Patenaude: The Big Show in Bololand (Anm. 73).

[79] Siehe David S. Foglesong: The American Mission and the »Evil Empire«: The Crusade for a »Free Russia« since 1881, New York 2007, S. 64 f.

[80] Siehe Victor S. Yarros: Bolshevism: Its Rise, Decline, and – Fall?, in: International Journal of Ethics 30 (1920), H. 3, S. 267–283, hier S. 283. Ebd.: »The advocacy of violence and crime cannot be permitted, and the physical-force revolutionists who attack officials or individual capitalists may properly be restrained or punished.«

[81] Siehe Testimony of Mr Raymond Robins, 6. März 1919, in: Bolshevic Propaganda. Hearings before a Subcommittee of the Committee on the Judiciary, United States Senate. Sixty-fifth Congress, third Session and thereafter, 11. Februar bis 10. März 1919, Washington, D.C. 1919, S. 763–896, hier S. 829.

[82] Ebd., S. 837, 864 u. 868.

Inhalt – JHK 2017

Kurzbiografie

Abstract

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