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»Schwierige Völkerfreundschaft im Norden«. Die Freundschaftsgesellschaften mit der DDR in den skandinavischen Ländern im Fokus der Nachrichtendienste Dänemarks, Norwegens und Schwedens

JHK 2016 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 195–216 | Metropol Verlag

Autor/in: Thomas Wegener Friis/Astrid Carlsen/Nils Abraham

Die Aufarbeitung der DDR-Geschichte stößt seit Jahren in den skandinavischen Staaten Dänemark, Schweden und Norwegen auf großes Interesse.[1] Im Fokus der bisherigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Beziehungen der skandinavischen Länder[2] zum sozialistischen deutschen Staat stand bisher vor allem die Analyse der vielfältigen Bemühungen der DDR um politische Anerkennung vor 1973. Doch sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in den skandinavischen Nachbarländern ist kaum bekannt, dass es dort ab Mitte der 1950er Jahren eine Freundschaftsbewegung mit der DDR gegeben hat, die sich mit erheblicher finanzieller und logistischer Unterstützung durch die DDR in Vereinen organisierte. Der Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik führte zu einer diplomatischen Isolierung der DDR durch die westlichen Staaten. Da dem jungen Staat deshalb die Diplomatie als klassisches außenpolitisches Instrument zur Vertretung seiner Interessen und Ziele nicht zur Verfügung stand, war er gezwungen, »kryptodiplomatische Aktivitäten« in der Außenpolitik zu entwickeln.[3] Die skandinavischen Länder waren im Ringen um diplomatische Anerkennung wichtige Ziele der alternativen Außenpolitik der DDR. Neben den beiden NATO-Mitgliedsländern Dänemark und Norwegen konzentrierte sich der ostdeutsche Staat in seiner »Paradiplomatie« vor allem auf das blockfreie Schweden.[4] In den Bereich der »kryptodiplomatischen Aktivitäten« fielen auch die Eröffnung des DDR-Kulturzentrums in Stockholm (1967) sowie der Auf- und Ausbau der Freundschaftsgesellschaften mit der DDR in diesen Ländern.

Im Folgenden soll die Überwachung dieser Freundschaftsgesellschaften durch die Nachrichtendienste des jeweiligen skandinavischen Staates nachgezeichnet werden. Für die Nachrichtendienste der drei Länder waren die Gesellschaften kommunistische Front- oder Tarnorganisationen und damit Feindobjekte. Daher war es wichtig zu wissen, wie sie organisiert waren und von Ost-Berlin aus gelenkt wurden. Auch die Frage nach einer konspirativen Nutzung der Gesellschaften und ihrer Mitglieder durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR war für die skandinavischen Nachrichtendienste von zentralem Interesse.

Die Freundschaftsgesellschaften richteten sich zwar offiziell mit ihren Aktivitäten an die breite Öffentlichkeit, jedoch agierten sie in allen Ländern Skandinaviens im engen Umfeld der jeweiligen kommunistischen Partei. Die Kontakte zwischen der DDR und kommunistischen Sympathisanten in Skandinavien wurden im Kalten Krieg von den Sicherheitsbehörden mit großer Skepsis betrachtet. Als der innenpolitische Feind der vornehmlich sozialdemokratischen Regierungen bildeten die kommunistischen Gruppen in den Augen der Nachrichtendienste ihr wichtigstes Arbeitsfeld. Im Unterschied zur Bundesrepublik Deutschland gab es in den skandinavischen Ländern kein Parteienverbot, was jedoch nicht bedeutete, dass von der jeweiligen Regierung nicht andere Mittel ergriffen werden konnten, um die unbeliebten Kommunisten unter Kontrolle zu halten. In diesem Zusammenhang geht der Beitrag auch der Frage nach, auf welche Weise die Freundschaftsgesellschaften in Dänemark, Schweden und Norwegen unter der Beobachtung des jeweiligen Nachrichtendienstes standen. Wie wurden diese Vereinigungen von den skandinavischen Nachrichtendiensten eingeschätzt? Welche Instrumente kamen in der nachrichtendienstlichen Arbeit gegen die Freundschaftsgesellschaften mit der DDR zum Einsatz? Waren unter den Mitgliedern der Freundschaftsgesellschaften tatsächlich inoffizielle Mitarbeiter des MfS?

Neue Zugänge zu den Akten der Nachrichtendienste – vor allem in Norwegen – ermöglichen eine erweiterte Perspektive in der historischen Aufarbeitung dieses Aspekts des Kalten Krieges. Um anhand der zur Verfügung stehenden Quellen die Bandbreite der nachrichtendienstlichen Arbeit gegen die Freundschaftsgesellschaften darstellen zu können, werden bewusst konkrete Beispiele und Vorgänge aus allen drei skandinavischen Ländern und aus verschiedenen zeitlichen Abschnitten des Kalten Krieges – von den 1950er bis zum Ende der 1980er Jahre – herangezogen.

 

Veränderungen in der Quellenlage

In den vergangenen Jahren sind die Aktivitäten der Freundschaftsgesellschaften wiederholt Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen gewesen.[5] Die Frage, inwieweit sie bzw. ihre Mitglieder durch den jeweiligen Nachrichtendienst überwacht und wie sie eingeschätzt worden sind, zählt jedoch zu den Desideraten der Forschung.[6] Ein Grund dafür ist auch, dass gerade die Überlieferungen über die Auslandsspionage der DDR besonders schwer von der Aktenvernichtung in den Jahren 1989/90 betroffen sind. Nach der Wiedervereinigung konnten zwar einige Informationen rekonstruiert werden, und große Teile der Karteien der Hauptverwaltung A (HV A), der primären Auslandsorganisation des MfS, gelangten über den amerikanischen Nachrichtendienst CIA als Kopien zurück in die Bundesrepublik.[7] Die zurückgeführten Akten umfassten jedoch nur die deutschen Staatsbürger. Informationen über dänische, schwedische und norwegische Staatsangehörige wurden sukzessive und »dosiert« an die Nachrichtendienste dieser Länder übergeben.[8] Einzig Norwegen ist seit 2014 bestrebt, alle Karteikarten zu norwegischen Bürgern zu erhalten und der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen.[9]

Die Überlieferungen der Freundschaftsgesellschaften befinden sich in allen skandinavischen Ländern in der Obhut der Archive der Arbeiterbewegung, die von den Gewerkschaften getragen werden, und frei zugänglich sind. Einschränkungen bestehen lediglich hinsichtlich des Archivs der Kommunistischen Partei Norwegens (NKP), das nur mit gesonderter Genehmigung der Partei genutzt werden darf. Für den vorliegenden Beitrag wurde der Zugang zu den Akten der NKP über die Freundschaftsgesellschaft Norwegen-DDR nicht gestattet; dagegen war es möglich, Akten im Archiv des norwegischen und dänischen Nachrichtendienstes einzusehen. Der Zugang zu den Akten der Nachrichtendienste stellt eine historische Neuorientierung dar und ermöglicht die Aufarbeitung dieser konspirativen Facette des Kalten Krieges – sowohl aus östlicher als auch westlicher Perspektive. Der Zugang zu den Archiven wurde in den vergangenen Jahren durch die öffentliche Debatte über die Überwachungstätigkeit der Dienste befördert. Die Diskussionen führten in allen drei Ländern zur umfassenden Aufarbeitung der Aktivitäten der Nachrichtendienste während des Kalten Krieges. In Norwegen wurde dafür die sogenannte Lund-Kommission eingesetzt, in Schweden die SÄPO-Kommission und in Dänemark die PET-Kommission.[10]

 

Die Aktivitäten der skandinavischen Freundschaftsgesellschaften mit der DDR

Die erste Gründung erfolgte 1955 in Norwegen. Dort ging die Freundschaftsgesellschaft Norwegen-DDR aus dem Dachverband »Norwegen-Volksdemokratien« (Norge-Folkedemokratiene) hervor, der bereits am 4. Februar 1951 gegründet worden war.[11] Die norwegische Freundschaftsgesellschaft konnte zwar im Laufe der Zeit eine Reihe von neuen Mitgliedern für sich gewinnen – 1973 hatte sie etwa 600 Anhänger –, es gelang ihr aber nicht, eine breite Freundschaftsbewegung mit der DDR in der Bevölkerung Norwegens zu etablieren.[12]

In Schweden erfolgte die Gründung der Gesellschaft als »Verein für die Verbindungen mit der Deutschen Demokratischen Republik« (Föreningen för förbindelser med Tyska Demokratiska Republiken) im Herbst 1956. Dieser hatte personell eine noch viel geringere Reichweite. Bei seinem ersten Jahrestreffen zählte er gerade einmal 17 Mitglieder.[13] Diese Zahl stieg aber bis zum Zeitpunkt der Anerkennung der DDR auf etwa 1100 an.[14] In Dänemark wurde die Freundschaftsgesellschaft (Venskabsforeningen Danmark-DDR) im Jahr 1960 gegründet und hatte nach der Aufbauphase knapp 1000 Mitglieder.[15]

Den Freundschaftsgesellschaften fehlte es zwar an Mitgliedern, um im jeweiligen Land zu einer Massenbewegung zu werden. Jedoch setzten sie vieles daran, diese personelle Schwäche sowohl durch hohe Aktivität und ausgeprägte Loyalität ihrer Mitglieder als auch durch herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in ihren Vorständen auszugleichen. Die Freundschaftsgesellschaften bildeten zentrale Kommunikationswege für die sogenannte sozialistische Auslandsinformation der DDR, also die ins Ausland gerichtete DDR-Propaganda. Sie warben für Reisen in die DDR und verbreiteten das Magazin DDR-Revue, das monatlich auch auf Dänisch und Schwedisch erschien und der medialen Selbstdarstellung der DDR in Hochglanzqualität diente.[16]

Partner der skandinavischen Freundschaftsgesellschaften aufseiten der DDR war die 1961 gegründete »Liga für Völkerfreundschaft«, die aus der »Gesellschaft für Kulturelle Zusammenarbeit mit dem Ausland« hervorging.[17] Die Liga trat nach außen als eine nichtstaatliche Einrichtung auf, war jedoch faktisch ein Organ der Außenpolitik der DDR: Ihre Leitung war direkt dem Parteiapparat der SED unterstellt, ihre Tätigkeit erfolgte in enger Abstimmung mit dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und wurde mit erheblichen Mitteln aus dem DDR-Staatshaushalt finanziert. Die Liga fungierte als Dachorganisation der Freundschaftsgesellschaften der DDR mit dem Ausland. Für die Arbeit mit den nordischen Ländern war die Deutsch-Nordische Gesellschaft (DENOG) verantwortlich, die sich ab 1973 Gesellschaft DDR-Nordeuropa nannte und ab dem Folgejahr, nach einer Strukturreform in der Liga, nur noch aus einem Präsidium bestand.[18] Sowohl gegenüber der Öffentlichkeit in Dänemark, Schweden und Norwegen als auch gegenüber den skandinavischen Freundschaftsgesellschaften sollte die Existenz einer offenen und breiten Freundschaftsbewegung in der DDR mit dem Ausland suggeriert werden. Die Mitglieder bzw. das Präsidium der Gesellschaft rekrutierten sich aus der ostdeutschen Elite, darunter ausgewählte Vertreter der SED, der Blockparteien, der ZK-Abteilung Auslandsinformation, des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), der Freien Deutschen Jugend (FDJ), des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD), des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR (DTSB), einer Reihe von Ministerien – u. a. aus dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (MfAA) –, der Sektion Nordeuropawissenschaften der Universität Greifswald, des SED-Parteiorgans Neues Deutschland und des Auslandssenders »Radio Berlin International«.

Die Freundschaftsgesellschaften standen in einem finanziellen Abhängigkeitsverhältnis zur Liga. Ohne die Unterstützung aus Ost-Berlin wären die hauptamtliche Organisation und die Veranstaltungs- und Reisetätigkeit der Vereine kaum möglich gewesen. Sie vertrieben Reisen in die DDR in den skandinavischen Ländern, kassierten dafür Provisionen und erhielten Freiplätze. Die Freundschaftsgesellschaft Schweden-DDR konnte so allein im Jahr 1978 einen Gewinn in Höhe von 64 000 Kronen erzielen, während die Mitgliederbeiträge im gleichen Zeitraum nur 16 000 Kronen ausmachten. Darüber hinaus erfolgte eine indirekte Finanzierung über den Vertrieb der DDR-Revue und anderer Publikationen aus der DDR. Für die 1970er Jahre kann auch eine direkte finanzielle Unterstützung der drei Freundschaftsgesellschaften durch die Liga nachgewiesen werden.[19] In Dänemark und Schweden wurde außerdem der Lohn des Organisationssekretärs von der Liga bezahlt.[20]

Die Organisationsform orientierte sich an dem bewährten Komintern-Modell, mit einem nicht-kommunistischen Vorsitzenden und einem kommunistischen Organisationssekretär. In Norwegen war der ehemalige Sozialdemokrat und spätere Volkssozialist Sigurd Mortensen langjähriger ehrenamtlicher Vorsitzender, während der hauptamtliche Sekretär und Träger des Sterns der Völkerfreundschaft in Silber, Georg Rosef, Kommunist war.[21] In Dänemark wurde die sozialliberale Friedensaktivistin Ester Brinch Vorsitzende, die eigentliche Kontrolle der Gesellschaft befand sich hingegen fest in der Hand von einigen Kommunisten, die eine Art »kommunistische Familiendynastie« bildeten.[22] In Schweden stellten die Sozialdemokraten jahrelang mit dem Reichstagsabgeordneten und Schriftsteller Stellan Arvidson den Vorsitzenden, während als hauptamtliche Sekretäre die Kommunisten Nils Brädefors und Gunnar Heyman agierten.[23] Das Tandem aus Kommunisten und Nichtkommunisten sollte der Öffentlichkeit eine politische Diversität suggerieren, die es in den Freundschaftsgesellschaften eher selten gab. Die politische Botschaft, die die Freundschaftsgesellschaften in ihren Ländern verkünden sollten, wurde in der Regel in Ost-Berlin festgelegt, ohne dass eine breite Öffentlichkeit damit je erreicht worden wäre.

Vor der Anerkennung der DDR 1973 übernahmen die Freundschaftsgesellschaften eine besondere Rolle, da die Mitglieder in ihren Staaten offen agieren konnten – im Gegensatz zu Vertretern der diplomatisch nicht anerkannten DDR. Über regionale Ableger gelang es ihnen zudem, Botschaften über das sozialistische Deutschland auch in kleinere Städte zu tragen.

Mit dem diplomatischen Durchbruch der DDR 1972/73 verloren die Gesellschaften nicht an Bedeutung. Sie wurden stattdessen neu definiert. Mit ihrer Hilfe war es der DDR weiterhin möglich, ihre Propaganda zu verbreiten, ohne dass umgekehrt die skandinavischen Staaten dies auch in der DDR hätten tun können,[24] denn ein Schlupfloch für westliche Propaganda in die DDR war definitiv nicht gewünscht.

 

Die Freundschaftsgesellschaften in der Einschätzung der Nachrichtendienste Skandinaviens

Eine schwedische Untersuchungskommission, die die Tätigkeit der schwedischen Sicherheitsdienste zum Schutz der Verfassung seit 1945 untersuchte, legte 2002 die Argumente des schwedischen Nachrichtendienstes SÄPO (Säkerhetspolisen) dar, weshalb die Freundschaftsgesellschaft Schweden-DDR aus seiner Sicht als feindlich und beobachtungsrelevant eingestuft werden musste. In den Augen der SÄPO war die Freundschaftsgesellschaft eine kommunistische Tarnorganisation; sie manipuliere die öffentliche Meinung zugunsten der DDR und biete ostdeutschen Nachrichtendienstlern glaubwürdige Legenden, die es ihnen erlaubten, sich in ganz Schweden frei zu bewegen und zu reisen. Weiterhin könnten sich die Angehörigen des DDR-Nachrichtendienstes unter dem Deckmantel der Vereinsaktivitäten »im ungezwungenen Rahmen mit idealistischen Schweden unterhalten und unter ihnen Agenten werben«.[25]

Die Sichtweise des schwedischen Nachrichtendienstes gleicht der ihrer Pendants in den beiden anderen skandinavischen Staaten. Die Freundschaftsgesellschaften wurden in Dänemark, Schweden und Norwegen vor allem aus zwei Gründen überwacht: weil sie Träger von subversivem Gedankengut waren und weil sie eine Risikogruppe darstellten, aus der die gegnerischen Nachrichtendienste mögliche Agenten rekrutieren konnten.

Im Bericht der schwedischen Untersuchungskommission stand die nachrichtendienstliche Bearbeitung von kommunistischer Subversion nicht zufällig an erster Stelle. Die Bekämpfung von tatsächlich oder vermeintlich staatsfeindlichen Aktivitäten hatte in den skandinavischen Ländern oberste Priorität. Der Kampf gegen die Kommunisten stand in einer langen Tradition, die sich bis in die Zwischenkriegszeit erstreckte, und stellte in gewisser Weise die Raison d’être der Nachrichtendienste Skandinaviens dar.

Die Einordnung der Tätigkeiten der Freundschaftsgesellschaft Dänemark-DDR in internen Beschreibungen des dänischen polizeilichen Nachrichtendienstes PET (Politiets Efterretningstjeneste) in die »Übersicht über Demonstrationen und anderweitige politische Unruheprozesse« im Mai 1970 offenbart die Sichtweise des PET auf diese Organisation. Jedoch basierte dieser Eintrag auf einer Einladung zu einer öffentlichen DDR-Woche im Rahmen einer Veranstaltungsreihe, die eindeutig friedfertiger Natur war und nicht darauf abzielte, eine Revolution in Dänemark auszulösen. Vielmehr ging es darum, durch Ausstellungen und Vorträge von Wissenschaftlern und Gewerkschaftern aus der DDR für eine Anerkennung der DDR durch den dänischen Staat zu werben.[26]

In der Zeit des Kalten Krieges wurde selbst in den liberalen Altdemokratien in Nordeuropa die politische Toleranz der nationalen Sicherheit untergeordnet. So ließ z. B. eine Überwachungsrichtlinie von 1952 in Norwegen wenig Raum für politisch-moralische Bedenken. Der Begriff »fünfte Kolonnentätigkeit« wurde so definiert, dass er u. a. auch Propaganda, die die Landesverteidigung und den Wehrwillen zersetzen könnte, umfasste.[27] Zwar trat dieser Abschnitt im Laufe des Kalten Krieges immer mehr in den Hintergrund, dennoch hielt sich die Auffassung, dass bestimmte Organisationen politisch besonders bedenklich und daher als legitime Überwachungsobjekte für die Nachrichtendienste einzustufen seien. Dies galt zum Beispiel für die Mitarbeit in den Freundschaftsgesellschaften Norwegen-DDR und Norwegen-Sowjetunion.[28]

Innerhalb der dänischen Regierung wurde Ende der 1960er Jahre die Frage aufgeworfen, ob das freiwillige Engagement für die DDR in einer demokratischen Gesellschaft automatisch überwachungswürdig sei.[29] Der damalige Chef des PET versuchte, die auferlegten Einschränkungen für eine nachrichtendienstliche Erfassung aufzuweichen. Sofern es zusätzliche Gründe für eine Beobachtung gäbe, könne man die Gegner, die vor allem im linken politischen Spektrum vermutet wurden, weiterhin registrieren. Dazu zählten deren Reisen in die DDR, die Teilnahme an der sogenannten Ostseewoche in Rostock oder Kontakte zu ostdeutschen Vertretern. Laut einem ehemaligen PET-Mitarbeiter galt es auch, die Mitgliedschaften in den Freundschaftsgesellschaften mit sozialistischen Ländern, einfache Mitglieder oder Unterzeichner für die Kommunistische Partei Dänemarks sowie Mitglieder der Eurokommunistischen Sozialistischen Volkspartei zu erfassen.[30]

Im Jahr 1972 äußerte der Vorsitzende des parlamentarischen Kontrollausschusses in Dänemark – der sogenannte Wamberg-Ausschuss –, Harald Engberg-Petersen, Kritik daran, dass allein die Mitgliedschaft in der Freundschaftsgesellschaft DDR-Dänemark als Grund gelten könne, nachrichtendienstlich erfasst zu werden. Ein Kontakt mit Ostdeutschland verstoße nicht gegen die dänischen Gesetze. Der PET entgegnete darauf, dass Personen und Organisationen an der Freundschaftsarbeit teilnehmen würden, die nachrichtendienstlich aktiv seien.[31] Im Jahr 1980 kam diese Debatte zwischen Engberg-Petersen und dem neuen Chef des PET, Ole Stig Andersen, erneut auf.[32] Pauschale Erfassungen wurden jedoch erst 1986 aufgegeben. Eine Mitgliedschaft sollte fortan nur noch dann nachrichtendienstlich bearbeitet werden, wenn Abwehrgründe vorlagen.[33]

Dass Mitgliedschaft, Aktivität oder Kontakt mit den Freundschaftsgesellschaften als Erfassungsgrund galten, bedeutete nicht, dass die skandinavischen Nachrichtendienste automatisch eine eigene Mitgliederkartei aufbauten. In Dänemark registrierte der PET routinemäßig die Mitglieder des Landesvorstandes, der regionalen Vorstände sowie besonders aktive Mitglieder. Sämtliche Mitglieder wurden nur in der viertgrößten Stadt Dänemarks, Aalborg, erfasst, da der PET sich für die Beziehungen dieses Stadtverbandes zu einem DDR-Bürger interessierte, der als Werber für das MfS galt.[34]

Wie es von der Erfassung zum operativen Vorgang kam, kann am Beispiel eines Vorsitzenden der Freundschaftsgesellschaft aus dem westlichen Norwegen nachgezeichnet werden. Dieser hatte im Zusammenhang mit Reisen in die DDR Kontakt zur Botschaft der DDR in Oslo sowie zum Organisationssekretär der Freundschaftsgesellschaft Georg Rosef, den der norwegische polizeiliche Überwachungsdienst POT (Politiets overvåkningstjeneste) generell als verdächtig einstufte. Daraufhin beschloss der POT 1985 mit folgender Begründung die Aufnahme eines operativen Vorgangs: »Aufgrund von X’s Position in der Freundschaftsgesellschaft Norwegen-DDR und seiner regelmäßigen Reisen in die DDR sowie seiner politischen Tätigkeiten wird er nachrichtendienstlich überwacht.«[35]

 

Aktivitäten der Freundschaftsgesellschaften im Visier der skandinavischen Nachrichtendienste

Das Streben der Freundschaftsgesellschaften, in ihrer personellen Zusammensetzung, vor allem in den Vorständen, den Schein der Überparteilichkeit zu wahren, konnte die Sicherheitsbehörden der skandinavischen Länder nicht beeindrucken. Sie betrachteten die Freundschaftsgesellschaften schlicht als Teil der jeweiligen kommunistischen Partei. Der schwedische militärische Nachrichten- und Sicherheitsdienst (Militära Underrättelse och Säkerhetstjänsten, MUST) schlussfolgerte 1964: »Die Vorstände [der Freundschaftsgesellschaften] werden von Kommunisten dominiert, auch wenn der Vorsitzende nicht Kommunist ist.«[36] Die Arbeit der drei skandinavischen Nachrichtendienste gegenüber den Freundschaftsgesellschaften mit der DDR bestand nicht nur in der Erfassung der Mitglieder, sondern erstreckte sich auch auf die Überwachung ihrer Aktivitäten. Dies galt insbesondere für die Reisetätigkeit in die DDR, wie die folgenden Beispiele zeigen: Auf einer Vorstandssitzung der norwegischen Freundschaftsgesellschaft einigte man sich im Oktober 1962, eine Liste aller norwegischen Teilnehmer an der sogenannten Rostocker Ostseewoche von 1958 bis 1962 zu erstellen. Die Ostseewoche, die zwischen 1958 bis 1975 jährlich stattfand, richtete sich mit ihrem Angebot an die Bürger der nordischen Länder und Ostseestaaten, die in die DDR eingeladen wurden, um ihnen dort mit großem ökonomischen Aufwand die »Errungenschaften des Sozialismus« vorzuführen. Die norwegische Freundschaftsgesellschaft beabsichtigte, die Teilnehmer dieses politischen Festivals anzuschreiben, um die Reichweite der Gesellschaft auf diesen Kreis auszudehnen.[37] Sie war jedoch nicht die einzige Organisation, die es für zweckmäßig hielt, Übersichten über die norwegischen Gäste in der DDR zu erstellen. Der norwegische Nachrichtendienst POT sammelte ebenfalls Auskünfte über norwegische DDR-Reisende. Ebenso waren die einzelnen Polizeibezirke des Landes zwischen 1960 und 1975 angehalten, über die Teilnehmer der Ostseewoche nach Oslo zu berichten.[38]

Ähnliches Interesse, ihre in die DDR reisenden Bürger zu erfassen, hatten auch die SÄPO und der PET. Sowohl Schweden als auch Dänemark unterhielten mit der DDR direkte Fährverbindungen zwischen Sassnitz–Trelleborg bzw. Warnemünde–Gedser, sodass die Erfassung der als suspekt betrachteten Reisetätigkeit direkt in Kooperation mit der Grenzpolizei vollzogen werden konnte.[39] Einzelne dieser Registrierungen durch die schwedische SÄPO sind belegt. Aus dem Bericht der schwedischen Untersuchungskommission geht hervor, dass die erste 23-seitige Namensliste mit Personen aus Stockholm, Göteborg und Norrbotten im Herbst 1963 erstellt und überliefert wurde. Sie beinhaltete nicht nur Namen von Mitgliedern, sondern auch von Personen, die Kontakt zur Freundschaftsgesellschaft gesucht hatten oder an die Informationsmaterial über die DDR geliefert worden war.[40]

Auch die finanzielle Abhängigkeit der Gesellschaften von der DDR blieb den Nachrichtendiensten nicht verborgen. Der schwedischen SÄPO war bekannt, dass die Mitgliedsbeiträge der Freundschaftsgesellschaft Anfang der 1960er etwa fünf Kronen im Monat betrugen – kein Betrag, mit dem sich ein hauptamtliches Sekretariat, Miete, Telefon, Briefmarken, geschweige denn Aktivitäten bezahlen ließen.[41] Auch der norwegische Nachrichtendienst hatte die Finanzierung der Freundschaftsgesellschaft im Blick und konstatierte beispielsweise im Jahr 1977: »Die finanzielle Lage der Gesellschaft ist sehr schlecht. Sie erhält jedes Vierteljahr 10 000 Kronen als direkte Unterstützung aus Ostdeutschland, die Beiträge von anderen Ländern [die norwegische Gesellschaft war ein Dachverband, den alle »Volksdemokratien« unterstützten] sind deutlich kleiner. Aus Bulgarien erhielt sie 1976 2000 Kronen [...]. Sie [die Gesellschaft] verdient auch etwas durch Ferienreisen nach Rostock. Sie erhält 400 Kronen für jeden Teilnehmer. Beide Sommergruppen mit 60 [Teilnehmern] sind ausverkauft. X beklagt sich, dass die Ostdeutschen die Preise erhöhen und dadurch die Reisen weniger attraktiv machen. Der Gesellschaft ist die Miete von 3000 Kronen auf 4000 Kronen erhöht worden. Das kann sie nicht bezahlen und sucht daher neue Räumlichkeiten.«[42]

Um einen Überblick über Mitglieder und Aktivitäten der Freundschaftsgesellschaften zu bekommen, setzten die skandinavischen Dienste sowohl auf technische Überwachungsmethoden als auch auf Agenten in den jeweiligen Organisationen. Die Überwachung von Telefonaten sowie von Schlüsselpersonen scheint dabei keine dauerhafte Maßnahme gewesen zu sein. Sie wurde vor allem bei besonderen Verdachtsmomenten sowie bei besonderen politischen Ereignissen eingesetzt. So wurde der hauptamtliche Sekretär der Freundschaftsgesellschaft in Norwegen, Georg Rosef, den der POT einer nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit dem MfS verdächtigte, zwischen 1960 und 1973 abgehört.[43] Auch die Telefonate der Freundschaftsgesellschaft sowie die Gespräche in deren Räumlichkeiten wurden zwischen 1958 und 1973 abgehört.[44] Zudem wurde der Post- und Telegrammverkehr von Rosef sowie der Freundschaftsgesellschaft vom POT überwacht.[45] Der dänische PET, dem für technische Maßnahmen deutlich weniger Mittel zur Verfügung standen als seinem norwegischen Pendant, war nicht so konsequent in seinen Abhörtätigkeiten. Das änderte sich aber 1986, als der Weltfriedenskongress in Kopenhagen stattfand und es ein Jahr später zu einem Besuch einer Ostdeutschen bei der Gesellschaft kam, die verdächtigt wurde, Verbindungen zum MfS zu unterhalten.[46] Außerdem gerieten Mitglieder der dänischen Freundschaftsgesellschaft ins Blickfeld des PET, wenn sie mit Vertretern der DDR-Botschaft in Kontakt standen.[47]

Nach der Einschätzung der norwegischen Lund-Kommission trug das Abhören von Telefonaten wesentlich dazu bei, dass der POT fast vollständige Übersichten über aktive Mitglieder, ihre Tätigkeiten und das Innenleben der Gesellschaften erstellen konnte.[48] Davon zeugen auch die periodischen Zusammenfassungen, die für die 1970er Jahre überliefert sind. Der POT hatte somit einen Überblick, wie und wo DDR-freundliche Ideen in Norwegen verbreitet wurden und wie sich das organisatorische Leben der Vereine entwickelte. Einen ähnlichen Einblick vermitteln die dänischen Akten, denen zufolge der PET nicht selten bei Versammlungen der Freundschaftsgesellschaft inoffiziell am Tisch vertreten war.

Um prüfen zu können, was in den Vorstandsräumen und bei den Veranstaltungen vor sich ging, wer sich mit wem unterhielt und was bei Aufenthalten in der DDR passierte, reichte das Abhören von Telefonaten nicht aus. Menschen mussten ins Spiel gebracht werden, sogenannte HUMINT (Human Intelligence). Für derlei Überwachungsaufgaben setzten die Nachrichtendienste der skandinavischen Länder sowohl auf ihre eigenen Mitarbeiter als auch auf Agenten, die in den Freundschaftsgesellschaften angeworben oder an diese herangeführt wurden. Die Beobachtung durch eigene Mitarbeiter hatte den Nachteil, dass man die Aktivitäten der Freundschaftsgesellschaften nur von außen betrachten und nur aufgrund von Beobachtungen Schlussfolgerungen ziehen konnte. Ein Beispiel hierfür ist die Observierung einer Gruppe von DDR-Musikern, die im Herbst 1984 die kleinere norwegische Stadt Moss auf Einladung der Freundschaftsgesellschaft Norwegen-DDR besuchte. Die örtliche Polizei registrierte, welche Personen die Stadt besuchten und mit welchen Autos die Bandmitglieder gefahren waren. Am Ende stand jedoch das Ergebnis, dass man »keine konspirative Tätigkeit während ihres Aufenthalts feststellen konnte«.[49]

Im Gegensatz zur reinen Beobachtung von außen war der Einsatz eigener Agenten in den Reihen der Freundschaftsgesellschaften ergiebiger. Sie waren näher am Untersuchungsobjekt und konnten aktiv Informationen sammeln. Zudem konnten sie sich operativ interessanten Personen annähern. Informationen über den Einsatz von schwedischen Agenten liegen bisher noch nicht vor. Hingegen ist aus der norwegischen Lund-Kommission bekannt, dass der POT Informationen von Agenten in den Freundschaftsgesellschaften bezog.[50] Die überlieferten Akten werden durch Quellen auf lokaler Ebene bestätigt, u. a. in der Region Østfold.[51] Informationen aus der Führung der norwegischen Freundschaftsgesellschaft weisen darauf hin, dass der POT sogar auf der Leitungsebene der Organisation vertreten war.[52] Für den dänischen PET bildeten die Freundschaftsgesellschaften mit sozialistischen Ländern einen operativen Schwerpunkt. Sie gehörten neben der Dänischen Kommunistischen Partei und den angegliederten Organisationen bis 1966 zu den Hauptzielen seiner Arbeit.[53] Obwohl der dänische Nachrichtendienst recht klein war, hatte er zwischen 1953 und 1973 13 Quellen in den verschiedenen Freundschaftsgesellschaften, während die dänische Auslandsspionage zwei Agenten in diesem Umfeld führte.[54] Die Möglichkeit, Agenten in die Freundschaftsgesellschaften einzuschleusen, war besonders günstig, da diese unter chronischem Mitgliedermangel litten.[55] In den Jahren zwischen 1979 und 1989 vergrößerte sich die Zahl auf 18 Quellen in allen dänischen Freundschaftsgesellschaften. Ein deutlicher Schwerpunkt beim Einsatz der Agenten lag jedoch auf den Freundschaftsgesellschaften in Dänemark zur Sowjetunion und zur DDR: Jeweils sieben Agenten waren in ihren Reihen eingesetzt. Dagegen hatte der dänische Nachrichtendienst bei der Freundschaftsgesellschaft mit Rumänien zwei Agenten eingeschleust und bei den Freundschaftsgesellschaften mit der ČSSR und Ungarn jeweils einen.[56] Auch der dänische Auslandsnachrichtendienst führte in diesen Jahren Quellen in der Freundschaftsgesellschaft, deren Erkenntnisse bis 1989 an den PET gingen.[57] Die PET-Untersuchungskommission hielt fest, dass Quellen des PET in manchen Organisationen auch in den Landes- sowie Lokalvorständen von Freundschaftsgesellschaften mit sozialistischen Ländern platziert werden konnten, ohne dies jedoch näher zu spezifizieren.[58] Anhand der Überlieferungen und Hinweise scheint dies für den Landesvorstand der Freundschaftsgesellschaft Dänemark-DDR zuzutreffen sowie ferner für die lokalen Vorstände in Silkeborg, Storstrøms Amt und Aalborg.[59] Einer der Agenten des PET war sogar Vorsitzender eines Lokalvorstands.[60] Die übermittelten Informationen wurden vom dänischen Nachrichtendienst international zum Tausch angeboten.[61]

 

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Nachrichtendienste: das Unternehmen »Verona«

Mithilfe der Agenten in den Freundschaftsgesellschaften konnten die Nachrichtendienste der skandinavischen Länder nicht nur defensiv Informationen sammeln, sondern auch aktiv die Initiative ergreifen. Während die schwedische SÄPO ihren Einsatz gegen »ihre« Freundschaftsgesellschaft im Laufe der Zeit reduzierte, erreichte das Engagement in Norwegen und Dänemark in den 1980er Jahren eine neue Qualität.[62] In Dänemark fiel dies mit der Grundsatzdiskussion zwischen dem PET und dem parlamentarischen Kontrollausschuss über die Voraussetzungen und Gründe für eine nachrichtendienstliche Erfassung zusammen. Erst 1982 einigte man sich auf die Formulierung »begründete Erfassungsursachen«. Diese sollten beim Kontakt zu Ost-Botschaften, Reisen in sozialistische Länder sowie bei der Mitgliedschaft in gewissen Freundschaftsgesellschaften oder ähnlichen Organisationen vorliegen, es sei denn, die Verhältnisse wurden als »ohne nachrichtendienstliches Interesse« eingestuft.[63]

Während der Diskussion um den Sinn der umfassenden Beobachtung von Personen aus den Freundschaftsgesellschaften ergriff der dänische Nachrichtendienst in Kooperation mit dem westdeutschen Bundesnachrichtendienst (BND) die Initiative und lud die norwegischen Kollegen ein, die Freundschaftsgesellschaften mit der DDR noch intensiver zu observieren. Zwischen dem dänischen und dem westdeutschen Nachrichtendienst bestand bereits eine funktionierende bilaterale Kooperation. Diese umfasste Einzeleinsätze gegen verdächtige Personen wie z. B. die Beobachtung des Journalisten Günter Wallraff, langjährige gemeinsame Doppelaktionen wie etwa gegen das Netzwerk um den HV A-Instrukteur IM »Hampf« oder umfassende Identitätsprüfungen von deutschen Bürgern in Dänemark.[64] Gemeinsam führten PET und POT Anfang der 1980er Jahre das Unternehmen »Nils« durch, in dessen Rahmen die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (EMAU) bearbeitet wurde. Die neue Dreieckskooperation zwischen PET, POT und BND wurde Unternehmen »Verona« genannt. Im November 1982 trafen sich Vertreter der Dienste im Hauptquartier der Dänen in Kopenhagen. Sie planten, die Bearbeitung zweier ostdeutscher Ziele gemeinsam zu intensivieren: die DDR-Gesellschaften zu den nordischen Ländern sowie die Sektion Nordeuropawissenschaften der EMAU.[65] Die personelle Struktur dieser Einrichtungen sollte erfasst werden, um aufgrund der gewonnenen Informationen geeignete Kandidaten anwerben zu können, die als Doppelagenten gegen die HV A geführt werden sollten.[66] Da die Sektion Nordeuropawissenschaften der EMAU als Kaderschmiede für den DDR-Nordeuropa-Apparat galt, war die Beobachtung der beiden Institutionen für die skandinavischen Nachrichtendienste eine logische Folge – auch im konspirativen Sinne. In Vorbereitung zum Unternehmen »Verona« wurde konstatiert: »Die Universität Greifswald wird als Ausgangspunkt für nachrichtendienstliche Tätigkeiten genutzt und die sogenannten Freundschaftsgesellschaften in Dänemark und Norwegen weithin als Ziele dieser Agenten.«[67]

Für die Durchführung der gemeinsamen Aktion hatten der dänische Nachrichtendienst und der BND eine Liste mit Angaben über Personen aus dem Kreis der Mitarbeiter und Studenten an der Universität Greifswald sowie über Personen aus der Liga für Völkerfreundschaft erstellt, um Einblick zu gewinnen, wer womöglich Angehöriger des MfS war und somit ein potenzieller Kandidat für eine Anwerbung. Dabei konzentrierten sie sich auf einen Mitarbeiter der Liga und einen Greifswalder Studenten. Der anvisierte Liga-Mitarbeiter war den skandinavischen Nachrichtendiensten von vornherein wegen seiner subversiven Tätigkeit und seiner Beziehungen sowohl zur Freundschaftsgesellschaft als auch zur Friedensbewegung suspekt. Niemand hatte ihm bisher eine MfS-Anbindung beweisen können. Auch bei einem Einsatz in Schweden konnte die SÄPO keine MfS-Zugehörigkeit nachweisen, jedoch trat er in Skandinavien »offensiv und aggressiv« in seiner Kontaktarbeit auf.[68] Die skandinavischen Nachrichtendienste konnten Beziehungen zu einigen DDR-Diplomaten feststellen, die in dem Ruf standen, nebenberuflich für das MfS tätig zu sein, darunter auch der frühere Liga-Mitarbeiter Peter Lindner, der – wie dem PET bekannt war – Ende der 1960er Jahre für das MfS gearbeitet hatte.[69] Der MfS-Verdacht verfestigte sich, als eine Quelle des PET berichtete, dass der stellvertretende Abteilungsleiter bei der Liga für Völkerfreundschaft, Wolfgang Schmitt, den Versuch unternommen hatte, direkten Zugang zu den Mitgliedskarteien zu erhalten. Dies wurde als Tätigkeit für das MfS ausgelegt.[70]

Das Unternehmen »Verona« scheint aus heutiger Perspektive erfolgreich gewesen zu sein. Zusammen gelang es POT und BND, mindestens einen Doppelagenten anzuwerben. Im letzten Jahrzehnt des Kalten Krieges belieferte ein DDR-Bürger bis zu seinem Ausscheiden die skandinavischen Dienste mit detaillierten Informationen über den nachrichtendienstlichen Modus Operandi des MfS in Skandinavien, gab Antworten auf die Frage »Wer ist wer?« beim MfS und berichtete über Personen und Aktivitäten der DDR-Botschaft in Oslo, der norwegischen Freundschaftsgesellschaft und der Liga für Völkerfreundschaft.[71]

Inwieweit das MfS Kenntnis über Umfang und Charakter der dänisch-norwegisch-westdeutschen Zusammenarbeit gegen sich, die Freundschaftsgesellschaften sowie die Reisekader der EMAU hatte, ist vor allem aufgrund der Aktenzerstörungen durch das MfS bis heute unklar. Aus der SIRA-Datenbank 14 der HV A ist ersichtlich, dass der ostdeutsche Nachrichtendienst auf jeden Fall wiederholt Annäherungen bzw. Anwerbungen des BND und seiner skandinavischen Partnerorganisationen registrierte. Ein solcher Vorfall, der mit dem Profil des Unternehmens »Verona« übereinstimmte, war der Versuch, die Greifswalder Wissenschaftlerin Antje Mayfahrt alias IM »Helga Berger« (I/1886/71) anzuwerben. Mayfahrt wurde 1986 während einer Tagung in Schweden von einer vermeintlichen Agentin des dänischen Nachrichtendienstes angesprochen. Diese Annäherung erfolgte, als die Konferenzteilnehmer eine Exkursion mit der Fähre über die Ostsee nach Skagen in Dänemark unternahmen. Zu einem Zeitpunkt, als Mayfahrt von den anderen DDR-Teilnehmern getrennt war, traf sie eine dänische Französisch- und Russisch-Lehrerin, »die M[ayfahrt] vom Aufenthalt von M. im Februar/März 1986 in Kopenhagen gut kannte, beide begrüßten sich ausgesprochen herzlich: ›Was machst du hier?‹ ›Was für ein Zufall!‹« Aber ein Zufall schien es nicht zu sein, denn die Bekannte wurde als Angehörige des dänischen Nachrichtendienstes identifiziert. Das MfS vermutete, dass es sich um eine gemeinsame Aktion mit dem BND handelte. Laut Mayfahrts eigener Aussage brach sie den Kontakt ab.[72]

 

Die Freundschaftsgesellschaften und die Nachrichtendienste der DDR

Eine zentrale Begründung für das besondere Interesse, das den Freundschaftsgesellschaften durch die Nachrichtendienste in Dänemark, Norwegen und Schweden zuteilwurde, war die Annahme, dass sie eine wichtige Rolle im nachrichtendienstlichen Einsatz der DDR in Skandinavien spielen würden. Die Skandinavier gingen davon aus, dass die Freundschaftsgesellschaften als Plattform für Bürger, die mit der DDR sympathisierten, dienten. Mitglieder und interessierte Bürger wurden außerdem in die DDR eingeladen, was für die Abwehrdienste immer problematisch war, weil sie sich hier außerhalb ihres Kontroll- und Gewaltbereiches befanden. Im schlechtesten Fall konnte es in der DDR zu zahlreichen Anwerbungen kommen, ohne dass die drei Dienste POT, PET und SÄPO etwas davon mitbekamen. Ein weiteres Argument für die Überwachung der Gesellschaften und ihrer Aktivisten war, dass sie im Rahmen ihrer Tätigkeit laufend Kontakte zu DDR-Diplomaten, Liga-Funktionären oder ostdeutschen Besuchern unterhielten, die als vermeintliche MfS-Agenten als ebenso verdächtig galten.

In Norwegen standen insbesondere der Organisationssekretär Georg Rosef und der langjährige Vorsitzende Sigurd Mortensen auf der schwarzen Liste des POT. Über Rosef urteilte der POT, dass »die ganze Tätigkeit eine Tarnung für nachrichtendienstliche Arbeit ist und dafür, dass er selbst daran teilnimmt bzw. sie unterstützt«.[73] Dieses Urteil zu belegen, gelang dem POT trotz umfangreicher Bemühungen nicht. In den 1980er Jahren bekam der POT die Information, dass Rosef von dem Mitarbeiter 212 der HV A III »objektmäßig erfasst (ohne Kontakt)« war. Nach dem Ende des Kalten Krieges suchte der POT nach den entsprechenden Dokumenten bei der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), wurde jedoch nicht fündig, da die Akten der HV A fehlten. Rosef scheint nicht unter den sieben Norwegern zu sein, die 1989 noch für die HV A aktiv waren und die der POT 1997 – vermutlich durch die amerikanischen Rosenholz-Akten – identifizieren konnte.[74] Bei Sigurd Mortensen hatten die norwegischen Behörden etwas mehr Glück. Nach seinem Tod gelang es ihnen zu belegen, dass er als Agent tätig gewesen war, jedoch nicht für die DDR, sondern für die Sowjetunion.[75]

Auch der dänische PET stützte seine Beobachtung der Freundschaftsgesellschaften zum Teil auf die Annahme, dass diese für die Nachrichtendienste des Ostens von großer Bedeutung waren. Als der Dienst jedoch 1965 seine Aktivitäten evaluierte, stellte er fest, dass es zwar Kontakte zwischen Aktivisten der Vereine und mutmaßlichen Nachrichtendienstoffizieren gab, aber keine Anzeichen dafür, dass die Gesellschaften tatsächlich für nachrichtendienstliche Zwecke genutzt wurden.[76] Ende der 1960er Jahre kam jedoch eine Person ins Visier des PET, der der Dienst fortan als Beweis für seinen Generalverdacht großes Gewicht beimessen sollte. Es ging um den Mitarbeiter der DENOG und Offizier im besonderen Einsatz (OibE) Leutnant Peter Lindner (XV/3418/67). Unter dem Decknamen »Peter« wurde er seit 1967 im Auftrag des Referats 4 der Abteilung XII der HV A eingesetzt, die unter Leitung des damaligen Hauptmanns Edgar Gladitz die Verantwortung für die operative Arbeit in den nordischen Ländern trug. Lindner war eigentlich für eine mögliche Übersiedlung in den Westen vorgesehen, hatte aber stattdessen den Auftrag bei der Liga erhalten. Hier leistete er »eine umfangreiche Kontakt- und Aufklärungsarbeit, wodurch eine Reihe perspektivvoller Hinweise aus dem Operationsgebiet geschaffen« wurde.[77] Mit anderen Worten: Lindner nutzte seine Funktion, um Kontakte zu Bürgern aus dem Norden zu knüpfen und um nützliche Personen für die HV A in Augenschein zu nehmen. Es gelang dem PET jedoch wiederholt, Lindner gezielt Kontakte zuzuspielen. So wurden anlässlich der Ostseewoche 1968, 1969 und 1970 dänische Agenten entsandt, die mit Lindner ins Gespräch kamen. Er lud sie danach in die DDR ein, versuchte die Kontakte auszubauen und die Personen an Kollegen weiterzureichen.[78] 1970 wurde Lindner jedoch aus der Skandinavienarbeit des MfS abgezogen und 1972 zum stellvertretenden Leiter des DDR-Kultur- und Informationszentrums in Warschau berufen. Der Einsatz für die HV A bei der DENOG war für Lindner ein kurzes Intermezzo, wurde jedoch zu einem sehr wichtigen Beleg für den PET in seiner Einschätzung der Liga für Völkerfreundschaft. Ob der Fall Lindner tatsächlich beispielhaft für die Zusammenarbeit zwischen dem MfS und der Liga ist oder ob er zu einem Zerrbild bei den Dänen über den Modus Operandi der HV A geführt hat, wird sich erst im Zuge der weiteren schrittweisen Bereitstellung der Rosenholz-Akten für die Forschung feststellen lassen.

Die nachrichtendienstliche Nutzung der Freundschaftsgesellschaften führt zu der Frage, wie risikobereit das MfS gewesen ist. Die in den Vereinen organisierten »DDR-Freunde« sowie die Kommunisten in Skandinavien stellten das MfS vor ein großes Dilemma. Einerseits herrschten gute Voraussetzungen für eine ideologische Anwerbung, andererseits dürften sie dem MfS als besonders problematisch erschienen sein, weil die Zielpersonen gleichzeitig die bevorzugten Überwachungsobjekte der gegnerischen Nachrichtendienste waren. Es sollte durchaus auch in Betracht gezogen werden, dass eine Enttarnung von skandinavischen Kommunisten oder Mitgliedern der Freundschaftsgesellschaften als ostdeutsche Spione verheerende Folgen für die Außenpolitik der DDR gehabt hätte. Der Versuch, über die dortigen Freundschaftsgesellschaften ein positives Bild der sozialistischen DDR in den skandinavischen Ländern zu verbreiten, wäre zweifelsohne konterkariert worden und das außenpolitische Instrument hätte auf Jahre Schaden genommen.

Bis heute ist keine eindeutige Quelle bekannt, die die operative Arbeit der ostdeutschen Nachrichtendienste mit den Mitgliedern westlicher Freundschaftsgesellschaften belegt. Für den Zeitraum Mitte der 1980er Jahre existieren jedoch Aufzeichnungen über Vorstellungen der Führung des Militärischen Nachrichtendienstes der DDR davon, wie ihr Wissen und ihre positive Einstellung gegenüber der DDR auch den DDR-Nachrichtendiensten zugutekommen könnten. Die DDR verfügte zu diesem Zeitpunkt seit etwa zehn Jahren über Botschaften im westlichen Ausland und wollte die Arbeit dieser sogenannten Legalen Residenturen optimieren. Dabei war der Militärische Nachrichtendienst auch bestrebt, die operativen Möglichkeiten, die die DDR-Freundschaftsgesellschaften in sich bargen, zu nutzen. Diese »Freunde der DDR« sollten vor allem als sogenannte Vertrauenspersonen (VP) gewonnen werden. Vertrauenspersonen konnten eine Reihe von wichtigen Aufgaben übernehmen. Auf der Militärattaché-Tagung 1984 in Berlin wurde die Rolle der VP so formuliert: »Erster Schritt ist die Gewinnung von VP aus Freundschaftsgesellschaften, Gewerkschaftsbewegungen, Friedensbewegungen, Fachverbänden, aus unteren Ebenen kommunistischer Parteien, Jugendorganisation, usw. in den Räumen der Hauptobjekte bzw. den mit den Hauptobjekten in Verbindung stehenden Nebenobjekten mit dem Ziel, die operative Arbeit aus der Botschaft (z. B. vom Legalisten) auf eine andere Ebene zu verlagern (VP, AM [Agenturischer Mitarbeiter]).«[79] Im Rahmen der bisherigen Recherche im Militärarchiv des Bundesarchivs konnten noch keine erfolgreichen Anwerbungen für den militärischen Nachrichtendienst der DDR unter den bisher bekannten Partnern in Skandinavien nachgewiesen werden. Jedoch ist dieses Ergebnis mit Vorsicht zu behandeln, da gerade dem ehemaligen Bereich Aufklärung des Ministeriums für Nationale Verteidigung großzügige Möglichkeiten zur Aktenvernichtung belassen wurden. Fest steht jedoch, dass die von 1975 bis 1984 relevante Kontaktperson der legalen Residentur an der Botschaft in Stockholm, »Apostel«, als Mitglied der Kommunistischen Partei Schwedens in die Kategorie »Mitglieder Progressiver Organisationen« passt.[80]

Unter den 20 Agenten, die Dänemark laut den US-amerikanischen Rosenholz-Akten zugeschrieben werden können, hatten mindestens zwei einen Bezug zur Freundschaftsgesellschaft Dänemark-DDR. IM »Käfer« (XV/598/83), der dem MfS unter anderem über polnische Emigranten berichtete, erklärte einem dänischen Polizeiermittler im Jahr 2002, dass sein Kontakt zum MfS bei Veranstaltungen der Freundschaftsgesellschaft entstanden sei. Hier traf er auf den Botschaftsfunktionär und Nachrichtendienstmitarbeiter Bernd Petschik, zu dem er ein vertrauliches Verhältnis aufbaute, das sich zunehmend konspirativ gestaltete, bis zu dem Zeitpunkt, als er an die feste Kontaktperson »Frank Stein« übergeben wurde.[81]

Der Fall IM »Elch« (XV/1571/85) gestaltete sich etwas anders. Als sogenannter Selbstanbieter stellte »Elch« seine Dienste der DDR zur Verfügung. Er war ein ständiger Zulieferer der Abteilung VI der HV A, der ab 1985 in der Datenbank SIRA mit 49 Positionen verzeichnet ist – vor allem zum Thema »Regimefrage«; er lieferte u. a. Informationen zur deutschen Minderheit in Dänemark, zu Aufenthaltsgenehmigungen sowie zum Thema »Reisepass«. Die Motivation für seine Zusammenarbeit mit dem MfS lag laut IM »Elch« in seiner Abneigung gegenüber der Bundesrepublik und ihrer Rolle in Europa begründet. Deshalb wollte er mehr über die DDR erfahren und wurde Mitglied der Freundschaftsgesellschaft. »Aufgrund dieser Information schlussfolgerte er [Elch], dass die DDR trotz ihres kommunistisches Regimes eine Menge Stärken hatte. Daher entschloss er sich, in die DDR zu emigrieren und wandte sich 1984 an die DDR-Botschaft.«[82] Dem Botschaftspersonal gelang es jedoch, »Elch« davon zu überzeugen, dass es andere und bessere Wege gebe, die DDR tatkräftig zu unterstützen – seine konspirative Karriere begann.[83]

 

Das Ende der Freundschaftsgesellschaften

In den 1980er Jahren konnte die DDR außenpolitische Erfolge verbuchen. Der deutsch-deutsche Dialog wurde intensiviert. Der Besuch Erich Honeckers in Bonn 1987 stellte neben dem diplomatischen Durchbruch 1972/73 einen außenpolitischen Höhepunkt in der Geschichte der DDR dar. Auch die Beziehungen zu den skandinavischen Ländern normalisierten sich fortwährend. Dies zeigten auch die Besuche der schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme im Jahr 1984 und Ingvar Carlsson 1989 sowie des dänischen Ministerpräsidenten Poul Schlüter 1988. Jedoch steckte die Wirtschaft der DDR in einer ernsten Krise, und die politische Starre und Überalterung der SED-Kader ließ den SED-Sozialismus im Norden immer weniger begehrenswert erscheinen. Die politische Inflexibilität der DDR wurde der norwegischen Öffentlichkeit 1984 vor Augen geführt, als der damalige Vorsitzende der norwegischen Freundschaftsgesellschaft, der Sozialist und Gewerkschaftler Roald Halvorsen, sein Amt aufgab. Er reagierte damit auf die Einmischung der DDR bei der Erstellung einer Festschrift, die die Freundschaftsgesellschaft anlässlich des 35. Jahrestages in der DDR drucken ließ. Diese Intervention wurde als Angriff auf die redaktionelle Freiheit gewertet und fand sogar Widerhall in der norwegischen Presse, die den Vorfall als »eine ungeheuer effektive Enttarnung der Manipulation und Meinungsunterdrückung des Ostblockes in Fragen der Sicherheitspolitik« bezeichnete.[84]

Auch die dänische Freundschaftsgesellschaft mit der DDR rang in dieser Zeit mit dem inneren Frieden und fehlender Demokratie in der Organisation. Davon erfuhr der PET durch seine Quellen. Unter den Mitgliedern herrschte demnach eine breite Unzufriedenheit über die Bevormundung durch die DDR sowie den hierarchischen Führungsstil in der Gesellschaft. Einem PET-Agenten zufolge richteten sich führende Mitglieder zum ersten Mal im April 1986 mit ihrer Kritik an die Botschaft der DDR. Ein Jahr zuvor hatten mehrere Mitglieder ihre Bestürzung darüber zum Ausdruck gebracht, dass die DDR den Pfarrer Rainer Eppelmann nicht ausreisen ließ. Sie befürchteten, dass dies den Ruf der DDR schädigen und die Möglichkeiten der Freundschaftsgesellschaft in der Arbeit mit der dänischen Friedensbewegung einschränken würde. Zwei Jahre später, im Jahr 1988, kritisierten Mitglieder der Gesellschaft, dass ihnen bei einem Treffen in der DDR zur Planung der weiteren Zusammenarbeit keine Fragen gestattet wurden. Die darauffolgende Sitzung bezeichnete eine Quelle des PET sogar als eine »Prügelei«.[85]

Mit dem Zusammenbruch des Sozialismus in der DDR 1989 gerieten die Freundschaftsgesellschaften in Dänemark, Schweden und Norwegen in die Krise. In Schweden verzichtete man auf geplante Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR. Unmittelbar danach blieben auch die Einnahmen aus den DDR-Reisen sowie dem Verkauf der DDR-Revue aus. Appelle an die Mitglieder zu freiwilligen Spenden Anfang 1990 konnten die ausbleibende finanzielle Unterstützung aus der DDR bei Weitem nicht ausgleichen. Den beiden hauptamtlichen Mitarbeitern der schwedischen Freundschaftsgesellschaft musste gekündigt werden. Ihre Räumlichkeiten, die der DDR gehörten, musste die Gesellschaft aufgeben.[86] Die letzte bekannte Information der SÄPO aus der Zeit nach der Wiedervereinigung war, dass die Gesellschaft ihre Aktivitäten eingestellt habe, es jedoch eine Gruppe von »Übriggebliebenen« gebe, die ein Komitee zur objektiven Berichterstattung über Justizurteile in der Bundesrepublik Deutschland gegen Bürger der ehemaligen DDR gebildet haben.[87]

Auch in Norwegen machte sich Anfang der 1990er Jahre in der Freundschaftsgesellschaft eine Endzeitstimmung breit. Am 22. Februar 1990 versuchte die Lokalgruppe der Gesellschaft in Fredrikstad, sich neu aufzustellen. Von den damals noch 63 Mitgliedern kamen jedoch nur sieben zu der einberufenen Versammlung. Der POT vermutete, dass sich auch der Charakter der Freundschaftsgesellschaft durch die Entwicklung in der DDR ändern könnte, und konstatierte, dass diese dann »nicht länger von Interesse für unseren Dienst« sei.[88] Noch löste sich die Freundschaftsgesellschaft in Norwegen nicht auf und machte sich Hoffnungen, dass die Wiedervereinigung Deutschlands nicht allzu schnell erfolgen würde. Auf ihrer Jahreshauptversammlung beschloss die Gesellschaft, die Reaktion der Liga für Völkerfreundschaft abzuwarten.[89] Von der Liga kam jedoch kein positives Signal mehr: Sie annullierte »ohne Vorwarnung« die Vereinbarungen mit ihrem norwegischen Partner. Damit war die norwegische Gesellschaft organisatorisch und finanziell auf sich gestellt. Erst eine finanzielle Spende des Komitees der Arbeiterkonferenzen ermöglichte die Auflösung und die darauffolgende Abwicklung der Gesellschaft.[90]

In Dänemark war die politische Verwirrung in der Freundschaftsgesellschaft im Zuge der friedlichen Revolution in der DDR groß. Das Ende der Freundschaftsgesellschaft gestaltete sich hier besonders dramatisch. Am Vorabend des 40. Jahrestages der Gründung der DDR fand eine Veranstaltung in der Gesellschaft statt, an der auch dänische Politiker, Vertreter der DDR-Botschaft sowie Quellen des PET teilnahmen. Wie der PET berichtete, wurde in der Veranstaltung versucht, durch eine Diskussion über das Thema Frieden die Stimmung unter den Mitgliedern und Gästen hochzuhalten. Trotzdem wurde jedoch auch über die Entwicklungen in der DDR gesprochen. Dabei konfrontierte Arne Larsen, Mitglied des dänischen Parlaments und Angehöriger der Sozialistischen Volkspartei, den Vertreter der DDR-Botschaft mit dem Vorwurf der mangelnden Demokratie in der DDR. Laut Angaben des PET-Berichterstatters ereignete sich darauf Folgendes: »Arne Larsen bezeichnete sich als überzeugten Sozialisten und war auch der Ansicht, die DDR habe eine bemerkenswerte Produktionsentwicklung sowie beachtliche soziale Errungenschaften vorzuweisen, bewertete die zuvor beschriebenen Verhältnisse aber als völlig inakzeptabel. Dann wurde ihm schlecht, er schwankte mehr oder weniger unbemerkt aus der Tür und starb in den Armen des Vorsitzenden der Freundschaftsgesellschaft Vesti Andersen. Das hinterließ einen tiefen Eindruck bei den Anwesenden, denn den Teilnehmern war klar, dass die Diskussion über die aktuelle Entwicklung in der DDR der Auslöser dafür war. Die Versammelten standen auf und gedachten etliche Minuten stehend und schweigend Arne Larsen, der die Freundschaftsgesellschaft Dänemark-DDR über viele Jahre aktiv unterstützt hatte.«[91]

 


[1] Die Recherchen zu diesem Beitrag wurden durch die Förderung der Norwegisch-Deutschen Willy-Brandt-Stiftung e. V. ermöglicht.

[2] Dieser Beitrag folgt der allgemein üblichen Definition des geografischen Begriffs Skandinavien, der Dänemark, Schweden und Norwegen einschließt. Finnland und Island sind demnach keine skandinavischen, sondern nordische Länder.

[3] Alexander Muschik: Die beiden deutschen Staaten und das neutrale Schweden, Münster 2004, S. 274.

[4] Andreas Linderoth: Kampen for erkannande: DDR’s utrikespolitik gentemot Sverige, 1949–1972 [Der Kampf um Anerkennung: Die Außenpolitik der DDR gegenüber Schweden, 1949–1972], Lund 2002, S. 3; Muschik: Die beiden deutschen Staaten (Anm. 3), S. 274.

[5] Siehe Nils Abraham: Die politische Arbeit der DDR in Schweden – Zur Public Diplomacy der DDR gegenüber Schweden nach der diplomatischen Anerkennung (1972–1989), Münster 2007, S. 297–408; Birgitta Almgren: Inte bara Stasi ... Relationer Sverige – DDR 1949–1990 [Nicht nur Stasi … Beziehungen Schweden – DDR 1949–1990], Stockholm 2009, S. 406–447. Linderoth: Kampen (Anm. 4); Sven G. Holtsmark: Avmaktens diplomati. DDR i Norge 1949–1973 [Diplomatie der Ohnmacht. Die DDR in Norwegen 1949–1973], Oslo 1999; Carel Horstmeier: Særlige forbindelser? [Besondere Beziehungen?], in: Thomas Wegener Friis/Andreas Linderoth (Hg.): DDR og Norden [Die DDR und der Norden], Odense 2005, S. 125–152, hier S. 131–136.

[6] Auch die schwedische Germanistin Birgitta Almgren lässt in ihrer Untersuchung zur Infiltration des MfS in Schweden diese Frage weitgehend unberücksichtigt. Birgitta Almgren: Inte bara spioner. Stasi-Infiltration i Sverige under kalla kriget [Nicht nur Spione. Stasi-Unterwanderung in Schweden während des Kalten Krieges], Stockholm 2011. Untersuchungen hierzu wurden bisher nur durch den norwegischen Historiker Sven Holtsmark in seiner 1999 vorgelegten Arbeit durchgeführt. Holtsmark: Avmaktens diplomati (Anm. 5).

[7] Siehe Helmut Müller-Enbergs: »Rosenholz«. Eine Quellenkritik, Berlin 2007.

[8] Siehe Thomas Wegener Friis: Das dänische »Rosenholz«, in: Horch und Guck (2006), H. 55, S. 16–22; Helmut Müller-Enbergs/Thomas Wegener Friis: En blomst fra Rosentræet [Eine Blume aus Rosenholz], in: Arbejderhistorie Tidsskrift for Historie, kultur og politik (2009), H. 1, S. 1–15; Helmut Müller-Enbergs/Thomas Wegener Friis: The »Rosenholz-Archives« – Myth and Reality, in: Baltic World (2012), H. 1, S. 25–29; Almgren: Inte bara spioner (Anm. 6), S. 87–124.

[9] Siehe Interpellasjon fra Anders B. Werp (H) til justis- og beredskapsministeren [Anfrage von Anders B. Werp (H) an den Justiz- und Bereitschaftsminister], in: Interpellasjon, 74 (2013–2014), Download unter: www.stortinget.no/no/Saker-og-publikasjoner/Sporsmal/Interpellasjoner/Interpellasjon/?qid=59769, ges. am 18. Dezember 2015.

[10] Die Kommissionsarbeiten sind online abrufbar unter Schweden: www.regeringen.se/rattsdokument/statens-offentliga-utredningar/2002/01/sou-200287/; Dänemark: www.petkommissionen.dk; Norwegen: www.stortinget.no/Saker-og-publikasjoner/Publikasjoner/Dokumentserien/1995-1996/Dok15-199596/, ges. am 6. Januar 2016.

[11] Siehe Internasjonalt kultursamband, protokoll [Protokoll des Internationalen Kulturverbandes] vom 4. Februar 1952, Arbeiderbevegelsens Arkiv og Bibliotek/Archiv und Bibliothek der Arbeiterbewegung (im Folgenden: AAB) 2184: A-0001.

[12] Siehe Lund-kommisjonen [Lund-Kommission] (1996): Rapport til Stortinget fra kommisjonen som ble oppnevnt av Stortinget for å granske påstander om ulovlig overvåking av norske borgere (»Lund-rapporten«) [Lund-Kommission (1996): Bericht der Kommission an das Parlament, das die Kommission beauftragt hat, die Behauptungen über die illegale Überwachung norwegischer Bürger zu untersuchen (»Lund-Bericht«)], Dokument nr. 15 (1995–96), Oslo 1996, S. 358; Internasjonalt kultursamband, årsmøte [Jahrestreffen des Internationalen Kulturverbandes] am 5. Juni 1973, AAB 2184: A-0001.

[13] Siehe Linderoth: Kampen (Anm. 4), S. 84.

[14] Siehe Abraham: Die politische Arbeit (Anm. 5), S. 305.

[15] Siehe Carel Horstmeier: Stiefkind der Staatengemeinschaft. Die Anerkennungspolitik der DDR in Westeuropa 1949–1973, Groningen 2014, S. 219–224.

[16] Siehe Abraham: Die politische Arbeit (Anm. 5), S. 409–448.

[17] Siehe ebd., S.71–91; Dansk Institut for Internationale Studier (DIIS) (Hg.): Danmark under den Kolde Krig [Dänemark während des Kalten Krieges], Bd. 2, Kopenhagen 2005, S. 356–361.

[18] Zu Beginn der 1980er Jahre erfolgte eine weitere Reform in der Liga für Völkerfreundschaft. Die Gesellschaft DDR-Nordeuropa wurde in einzelne Ländergesellschaften aufgeteilt. Ab 1981 gab es dann die Freundschaftsgesellschaft DDR-Schweden, die Freundschaftsgesellschaft DDR-Dänemark und die Freundschaftsgesellschaft DDR-Norwegen, um den länderspezifischen Gegebenheiten noch stärker Rechnung tragen zu können. Jedoch bestanden auch diese Gesellschaften lediglich aus Präsidien. Abraham: Die politische Arbeit (Anm. 5), S. 86–91.

[19] Ebd., S. 326 f.

[20] Siehe Linderoth: Kampen (Anm. 4), S. 85; Horstmeier: Stiefkind (Anm. 15), S. 221.

[21] Siehe Vennskapsforbundet Norge-DDR, bulletin 1986. I redaksjonen Regi Th. Enerstvedt [Freundschaftsgesellschaft Norwegen-DDR, Bulletin 1986. Redaktionelle Bearbeitung Th. Enerstvedt], AAB 2190: F-0001; siehe auch Holtsmark: Avmaktens diplomati (Anm. 5), S. 177–191.

[22] Horstmeier: Særlige (Anm. 5), S. 132–135.

[23] Abraham: Die politische Arbeit (Anm. 5), S. 315 f.

[24] Siehe Entwurf der Politischen Orientierung der Liga für Völkerfreundschaft der DDR zur Lösung ihrer Aufgaben 1975, 15. Juli 1974, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (im Folgenden: SAPMO-BArch), DY13/2332.

[25] Rikets säkerhet och den personliga integriteten. De svenska säkerhetstjänsternas författningsskyddade verksamhet sedan år 1945 [Die Sicherheit des Reiches und die persönliche Integrität. Die verfassungsschützende Tätigkeit der schwedischen Sicherheitsdienste seit 1945], Stockholm 2002, ID-Nummer: SOU 2002:87, S. 181.

[26] Siehe Oversigt over demonstrationer og anden politisk uro-aktivitet i maj 1970 [Übersicht über Demonstrationen und anderweitige politische Unruheprozesse], 3. Mai 1970, Poliet Efterretningstjeneste/Nachrichtendienst der Polizei (im Folgenden: PET-Archiv), DIIS-Bestand Nr. 194.

[27] Siehe Lund-kommisjonen (Anm. 12), S. 204.

[28] Siehe ebd., S. 219.

[29] PET-Kommissionens Beretning, Bd. 1, Indledning [Bericht der PET-Kommission, Bd. 1, Einleitung], Kopenhagen 2009, S. 13.

[30] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 3. Regeringserklæringen og PET’s registreringer på det politiske område 1968–1989 [Bericht der PET-Kommisson, Bd. 3. Die Regierungserklärung und die Erfassung des PET im politischen Raum 1968–1989], Kopenhagen 2009, S. 60.

[31] Siehe ebd., S. 103.

[32] Siehe ebd., S. 210.

[33] Siehe ebd., S. 236.

[34] Siehe PET-Kommssionens Beretning, Bd. 2. Politiets Efterretningstjeneste 1945–1968 [Bericht der PET-Kommission, Bd. 2. Der Nachrichtendienst der Polizei 1945–1968], Kopenhagen 2009, S. 220 f.

[35]Brev, Vedr. X. Opprettelse av OBS-sak [Brief, Betr. X. Eröffnung eines Operativen Vorgangs], Politiets Sikkerhetstjeneste/Polizeilicher Sicherheitsdienst (im Folgenden: PST-Archiv), Nr. 475 8-1406 II.

[36] Rikets säkerhet (Anm. 25), S. 181.

[37] Siehe Styremøte [Vorstandssitzung], 26. Oktober 1962, AAB 2190: F-0001.

[38] Siehe Lund-kommisjonen (Anm. 12), S. 362.

[39] Siehe Rikets säkerhet (Anm. 25), S. 254; PET-Kommissionens Beretning, Bd. 4. PET’s virkemidler [Bericht der PET-Kommission, Bd. 4. Die Mittel des PET], Kopenhagen 2009, S. 247 f.

[40] Siehe Övervakningen av »SKP-komplexet« [Die Überwachung des »SKP-Komplexes« (Schwedische Kommunistische Partei], Stockholm 2002, ID-Nummer: SOU 2002:93, S. 168.

[41] Siehe ebd., S. 64.

[42] Notat Ang. Norsk borger X [Notiz über die norwegische Bürgerin X], 24. 6. 77, PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 II.

[43] Siehe Lund-kommisjonen (Anm. 12), S. 363.

[44] Siehe ebd.

[45] Siehe ebd.

[46] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 4 (Anm. 39), S. 176 f.

[47] Siehe z. B. Wolfgang Urban, PET-Archiv, DIIS-Bestand Nr. 203; Thomas Georgi, PET-Archiv, DIIS-Bestand Nr. 205.

[48] Siehe Lund-kommisjonen (Anm. 12), S. 359.

[49] Notat, besøk av musikere fra DDR, samt dette lands representasjon i Norge, fra X, politibetjent til politimester Kr. Skaar, Moss [Notiz, Besuch von Musikern aus der DDR sowie von Vertretern des Landes, Polizeibeamter an Polizeichef Kr. Skaar, Moss], 11. Oktober 1984, PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 II.

[50] Siehe Lund-kommisjonen (Anm. 12), S. 366.

[51] Siehe Notat, Tur/reise til DDR arrangert av Vennskapsforeningen Norge-DDR, avd Østfold, fra X til politimester Skaar, Moss [Notiz, Reise in die DDR, veranstaltet durch die Freundschaftsgesellschaft Norwegen-DDR, Abt. Østfold, von X an Polizeichef Skaar, Moss], Fredrikstad 25. März 1985, PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 II.

[52] Siehe u. a. Aktivitet i lokalavdelingerne av Komiteen for kulturelt samkvem med DDR [Aktivitäten der lokalen Abteilungen des Komitees für Kulturelle Zusammenarbeit mit der DDR], 28. September 1971; Notat Ang. Norsk borger X [Notiz über die norwegische Bürgerin X], 24. Juni 1977. Østfoldavdelingen av Samabejdet Norge-DDR [Østfold-Abteilung des Freundschaftsverbands Norwegen-DDR], 2. Juni 1983, PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 II.

[53] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 4 (Anm. 39), S. 109.

[54] PET-Kommissionens Beretning, Bd. 6. PET’s overvågning af Danmarks Kommunistiske Parti 1945–1989 [Bericht der PET-Kommission, Bd. 6. Die Überwachung der Kommunistischen Partei Dänemarks durch den PET 1945–1989], Kopenhagen 2009, S. 201–203 und S. 220.

[55] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 4 (Anm. 39), S. 110.

[56] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 6 (Anm. 54), S. 296.

[57] Siehe ebd., S. 298.

[58] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 4 (Anm. 39), S. 150.

[59] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 6 (Anm. 54), S. 220 f., 279, 289 f., 293 und 295.

[60] Siehe ebd., S. 297.

[61] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 4 (Anm. 39), S. 62 f. und 85.

[62] Siehe Övervakningen (Anm. 40), S. 168.

[63] PET-Kommissionens Beretning, Bd. 3 (Anm. 30), S. 230.

[64] Hinter IM »Hampf« verbarg sich Gustav Holm Haase. Helmut Müller-Enbergs/Thomas Wegener Friis: Inkognito på rejse. Hemmelige møder og agentturisme i Danmark [Reisen inkognito. Geheimtreffen und Agententourismus in Dänemark], in: Diktatur og demokrati. Festskrift til Kay Lundgreen-Nielsen [Diktatur und Demokratie. Festschrift für Kay Lundgreen-Nielsen], Odense 2010, S. 237–270; DIIS: Danmark under den Kolde Krig, Bd. 2 (Anm. 17), S. 448–450; Resume i sagen om Gustav Holm Haase [Kurzfassung des Falls Gustav Holm Haase], 1968, PET-Archiv, DIIS-Bestand Nr. 255; siehe auch Nr. 226 zum Fall Holm Haase; Werner Grossmann: Den sidste spionchef [Der letzte Spionchef], Middelfart 2005, S. 125; DIIS: Danmark under den Kolde Krig, [Dänemark während des Kalten Krieges], Bd. 3, Kopenhagen 2005; PET-Archiv, DIIS-Bestand Nr. 141: Rapport (1982), S. 44 ff.

[65] Siehe Operation »Verona« [Unternehmen »Verona«], 2. Dezember 1982, PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 II.

[66] Operasjon »Verona« – møde i København 17. og 18.1.1983 [Unternehmen »Verona« – Sitzung in Kopenhagen 17. und 18.1.1983], 20. Januar 1983, PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 I.

[67] Operation »Verona« (Anm. 65).

[68] Siehe Vedr. X f. DDR, Liga für Völkerfreundschaft Sektion »Nordeuropa«. Emne: Operation »Verona« [Betr. X, geb. DDR, Liga für Völkerfreundschaft Sektion »Nordeuropa«. Inhalt: Unternehmen »Verona«], 6. Januar 1983, PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 I.

[69] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 6 (Anm. 54), S. 201–203.

[70] Siehe ebd., S. 219.

[71] Holtsmark: Avmaktens diplomati (Anm. 5), S. 125–144; Trond Bergh/Knut Einar Eriksen: Den hemmelige krigen. Overvåkning in Norge 1914–1997 [Der geheime Krieg. Überwachung in Norwegen 1914–1997], Oslo 1998, S. 508.

[72] Siehe Bericht im Zusammenhang mit weiterführenden Maßnahmen im Rahmen des Komplexes »Medusa« – u. a. Maßnahmen zum ehemaligen Quartier »Hydras« in Kopenhagen, 16. September 1986, Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (im Folgenden: BStU) MfS, HA XVIII Nr. 98, Bl. 160–166.

[73] Zitiert nach Holtsmark: Avmaktens diplomati (Anm. 5), S. 188.

[74] Siehe Bergh/Eriksen: Den hemmelige (Anm. 71), S. 119–121.

[75] Siehe ebd., S. 120; siehe auch »Norsk storspion. Tilsto til samboen før han døde« [Norwegischer Großspion. Geständnis gegenüber seinem Lebensgefährten vor seinem Tod], in: Dagbladet vom 27. November 2014.

[76] Siehe PET-Kommissionens Beretning, Bd. 1 (Anm. 29), S. 217.

[77] Vorschlag zur Beförderung zum Oberleutnant. 15. November 1972, BStU, KS II 359/77, Bl. 47 f.

[78] Siehe Thomas Wegener Friis: Die DDR-Spionage in Dänemark, in: Aaron Jessen/Elmar Mollenhauer (Hg.): Grenzen überwinden. Schleswig-Holstein, Dänemark und die DDR, Kiel 2016, S. 80–113.

[79] Militärattachétagung, Unterabteilungsleiter 5/1: Die Kontakt- und Werbungsarbeit in den Auslandsapparat zur Schaffung von agenturischen Netzen, der Aufbau von Werbebasen und die Beschaffung von Personenhinweisen. Die Bearbeitung von agenturischen Mitarbeitern, Vertrauenspersonen und Abschöpfkontakte, 30. April 1984, Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv (im Folgenden: BArch MA) DVW 1/44975, Bl. 17.

[80] Information zu »Apostel«, 1985, BStU, MfS HA II Nr. 12935, Bl. 28. Dieser Fall zeigt, wie schwierig es für die DDR war, mit solchen Risikopersonen umzugehen. Auch nach dem Abbruch des Kontaktes wegen Sicherheitsproblemen versuchte »Apostel« auf eigene Faust die Verbindung aufrechtzuerhalten und schickte dem ostdeutschen Militärattaché Oberst Bruno Grahl z. B. Unterlagen mit Schiffspositionen der schwedischen Marine. Betreff Brief »Apostel«, 25. Juli 1985, BStU, MfS HA II Nr. 12935, Bl. 29–34.

[81] Siehe Afhøringsrapport [Verhörprotokoll], 23. September 2002, PET-Archiv, DIIS-Bestand 211.

[82] Afhøringsrapport [Verhörprotokoll], 20. Juli 2001, PET-Archiv, DIIS-Bestand 157.

[83] Ähnliche Beispiele aus Schweden und Norwegen sind bisher nicht bekannt, da die IM in den schwedischen Rosenholz-Akten nicht hinsichtlich ihres Hintergrundes untersucht worden sind und die norwegischen Rosenholz-Akten sich immer noch in den USA befinden.

[84] Michael Grundt Spang: Østtysk sensur af Norge [Ostdeutsche Zensur in Norwegen], in: VG – Verdens Gang vom 9. Oktober 1984.

[85] PET-Kommissionens Beretning, Bd. 6 (Anm. 54), S. 295.

[86] Siehe Abraham: Die politische Arbeit (Anm. 5), S. 404.

[87] Övervakningen (Anm. 40), S. 64.

[88] Konfidensielt: OVS. J.nr. 001704 1990: Fra Forbundet Norge-DDR, Østfold. Brev sendt av politiavdsjef, POT, avd Moss, til Overvåkningssjef [Von der Gesellschaft Norwegen-DDR, Østfold. Brief von Polizeiabt. POT, Abt. Moss an Chef der Abwehr], 26. März 1990, PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 II.

[89] OVS J nr 001704-1990: Fra Østfold Vennskapsforening årsmøte 1. Mars 1990 [Vom Jahrestreffen der Freundschaftsgesellschaft Østfold 1. März 1990], PST-Archiv, Nr. 475 8-1406 II.

[90] Siehe Holtsmark: Avmaktens diplomati (Anm. 5), S. 191.

[91] Historisk-politik seminar, afholdt af DK/DDR i Metals Hus, Nyrupsgade 25, København den 6.10.1989 i anl. af DDR’s 40 års jubilæum [Historisch-politisches Seminar, veranstaltet von DK/DDR im Haus der Gewerkschaft der Metallarbeiter, Nyrupsgade 25, Kopenhagen, den 6.10.1989 anlässlich des 40. Jahrestages der DDR], PET-Archiv, DIIS-Bestand Nr. 134.

Inhalt – JHK 2016

Kurzbiografie

Abstract

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