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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Albrecht, Paul

* 7.2.1902 – ✝ 22.5.1985

Geboren am 7. Februar 1902 in Erfurt als Sohn einer Arbeiterfamilie; erlernte das Schlosserhandwerk in Erfurt. 1919 trat er der USPD bei. Im März 1920 nahm er als Zugführer der »1. Volkswehrarmee Gotha« aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches teil. 1921 wurde er Mitglied der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD). Ab 1924 Schlosser bei den Norddeutschen Kabelwerken in Berlin-Neukölln, von 1925 bis 1930 dort Betriebsratsvorsitzender. 1927 näherte sich Albrecht der KPD und trat aus der FAUD aus, 1929 Mitglied der KPD. Nach einem Lehrgang an der Propagandistenschule der KPD in Freienwalde 1930 zunächst Org- bzw. ab 1932 Bezirksleiter der RGO Berlin. Von November bis Dezember 1932 war Albrecht Abgeordneter des Reichstages, ab Dezember 1932 (und im März 1933 wiedergewählt) des Preußischen Landtages. Bereits am 28. Februar 1933 inhaftiert, kam er zunächst in »Schutzhaft« in das Lager Spandau, anschließend in das KZ Sonnenburg, dort nach schweren Mißhandlungen durch die SS Ende 1933 freigelassen. Im April 1937 erneut verhaftet, saß er bis Juni 1937 im KZ Sachsenhausen. Albrecht zog im Februar 1943 nach Genthin, wo ihn die russische Kommandantur 1945 als Bürgermeister einsetzte. Er wurde ab August 1945 Landrat des Kreises Jerichow II. Dann bis 1951 Hauptabteilungsleiter im Innenministerium der Landesregierung Sachsen-Anhalt. Wegen »unparteimäßigen Verhaltens« während seiner Haft in den NS-Zeit im Juli 1951 aus der SED ausgeschlossen, 1957 Wiederaufnahme, FDGB-Funktionär in Halle. Paul Albrecht starb am 22. Mai 1985 in Halle/Saale.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Alexander, Eduard

* 14.3.1881 – ✝ 1.3.1945

(* 1881 – † 1945) Geboren am 14. März 1881 in Essen. Abitur in Essen, Jurastudium in Freiburg, Lausanne und Berlin. 1909 Rechtsanwalt bei der Allgemeinen Versicherungs-Aktionsgesellschaft in Magdeburg; 1911 Rechtsanwalt in Berlin. Seit 1908 verheiratet mit Gertrud Alexander, geborene Gaudin. Eduard Alexander war Gründungsmitglied des Spartakusbundes und der KPD in Berlin. Von 1921 bis 1925 dort Stadtverordneter. Unter dem Pseudonym E. Ludwig leitete er 1922 den Pressedienst der KPD, Anfang 1924 war er kurze Zeit Chefredakteur der »Roten Fahne«, dann jahrelang deren Wirtschaftsredakteur, sogar in der Ruth-Fischer-Ära, obwohl er der Mittelgruppe angehörte. 1929 als Versöhnler abgelöst. Von 1928 bis 1930 Reichstagsabgeordneter, danach als Versöhnler nicht mehr aufgestellt. Rechtsanwalt in Berlin-Friedenau. Im August 1931 wählte die Gemeinde Boizenburg (Mecklenburg) Alexander mit 1752 Stimmen der KPD und SPD gegen den Vertreter der NSDAP (1625 Stimmen) zum Bürgermeister. Da die mecklenburgische Regierung seine Bestätigung verweigerte, konnte er dieses Amt nicht ausüben. Nach 1933 Berufsverbot, Alexander betätigte sich bis 1940 als Schiedsmann in Handelsangelegenheiten bei der deutsch-sowjetischen Handelsgesellschaft. Am 2. August 1944 verhaftet, kam Eduard Alexander am 1. März 1945 während des Transports vom KZ Sachsenhausen ins KZ Bergen-Belsen ums Leben.

Wer war wer in DDR

Allendorf, Marie-Luise

* 26.11.1927 – ✝ 19.9.2010

Geb. in Dudeldorf (b. Bitburg / Eifel); Vater Bäcker, Mutter Schneiderin; Grund- u. OS; 1944 NSDAP; 1944 / 45 im Rahmen des Pflichtjahrs in Mecklenb. Helferin in der Kinderlandverschickung. 1945 – 48 Näherin in Harzgerode; 1948 – 50 Mitarb. im FDJ-LV Sachsen-Anh. u. Lehrerin an FDJ-Schulen; 1949 SED; 1949 Lehrgang an der FDJ-Jugendhochschule Bogensee; 1950 / 51 Lehrerin an einer KPS des SED-LV Sachsen-Anh., 1951 / 52 Schülerin an der SED-LPS in Ballenstedt; 1952 / 53 Lehrerin an der Schwesternschule der KVP in Berlin; 1953 / 54 Politoffizier der KVP Luft (Oberltn.); 1954 –58 Aspirantur am IfG; 1958 / 59 Red. beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1959 – 61 wiss. Mitarb. im Sekr. des Zentralen Aussch. für Jugendweihe; 1961 – 63 Tbc-Erkrankung; 1963 Prom. zum Dr. phil. am IfG; 1963 – 65 Red. bei der illustrierten Wochenztg. »Für Dich« (Frauenztschr.); 1965 – 71 freiberufl. Journalistin für den Berliner Verlag, vor allem für die »Für Dich«; 1971 – 80 wiss Mitarb., Kollegiumsmitgl., 1980 stellv. Chefred., 1981 – 88 Chefred. der »Für Dich«; 1974 VVO; 1979 Clara-Zetkin-Med.; 1982 – 90 Mitgl. des Präs. des DFD-Bundesvorst.; Mitgl. des VDJ-ZV; gest. in Berlin.Kirsten Nies

Handbuch Deutsche Kommunisten

Almstadt, Bernhard

* 23.8.1897 – ✝ 6.11.1944

Geboren am 23. August 1897 in Hannover-Linden als dreizehntes Kind des Schuhmachers Wilhelm Almstadt. Kaufmännische Lehre und Arbeit als Angestellter, seit 1913 Mitglied der Arbeiterjugend, ab 1916 Soldat im Ersten Weltkrieg. Er gehörte 1918 gemeinsam mit Karl Fugger zu den Mitbegründern der FSJ in Hannover-Linden. Seit 1919 Mitglied der KPD, wurde er 1920 stellvertretender Jugendleiter des KJD-Bezirks Niedersachsen. 1922 sechs Monate Kursant der KPD-Parteischule in Berlin, anschließend hauptamtlicher Angestellter der BL Niedersachsen. Im Herbst 1923 Bezirksleiter für Braunschweig. Von 1924 bis 1926 zunächst Redakteur, anschließend Geschäftsführer der Parteizeitung »Tribüne« in Magdeburg, 1927 der Parteizeitung in Hagen/ Westfalen, von 1928 bis 1930 des »Ruhrechos«. 1930 wurde Almstadt vom ZK zum Geschäftsführer des Arbeiter-Sport-Verlages in Berlin berufen. Er war Mitglied des Sekretariats der Reichsleitung für rote Sporteinheit und gehörte ab 1933 zu deren illegaler Reichsleitung. Am 12. Oktober 1933 verhaftet und am 6. Dezember 1934 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1935 entlassen, betätigte er sich weiter illegal, hatte Verbindung zur Uhrig-Gruppe und zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow. Gemeinsam mit seiner Frau Erna leistete er Kurierdienste. Durch Verrat am 12. Juli 1944 erneut verhaftet und vom 1. Senat des VGH am 19. September 1944 zum Tode verurteilt. Am 6. November 1944 wurde Bernhard Almstadt im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Erna Almstadt, geborene Duwe, geb. am 28. Dezember 1894 in Hannover als Tochter eines Uhrmachermeisters, war Hausmädchen und Fabrikarbeiterin. Seit 1920 KPD-Mitglied, heiratete 1921 Bernhard Almstadt. 1924 Buchhalterin, u. a. beim »Ruhrecho«, von 1930 bis 1932 beim Freidenkerverlag. Im August 1933 verhaftet; nach einigen Wochen freigelassen. Ab Oktober 1945 Mitarbeiterin im ZK der KPD, dann Buchhalterin bei der SED-Holding Zentrag. Erna Almstadt starb am 9.März 1990 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Altenkirch, Ernst Albert

* 5.11.1903 – ✝ 24.3.1980

Geb. in Bahnitz (Krs. Jerichow II); Eltern Metallarbeiter; Volksschule in Brandenb. (Havel); 1918 – 22 Ausbildung zum Werkzeugschlosser in Brandenb., 1922 – 30 im Beruf tätig; 1919 DMV; 1923 u. 1925 Wanderschaft; 1923 – 29 KJVD, 1925 – 29 Pol.-Ltr.; 1924 wegen illeg. pol. Arbeit verhaftet, zu einer Geldstrafe verurteilt; 1929 KPD-Parteischule »Rosa Luxemburg« in Fichtenau; 1929 Mitgl. der KPD u. deren UBL; 1930 Mitgl. des DMV, ausgeschl.; 1930 – 32 arbeitslos; 1932 Pol.-Ltr. des KPD-UB Brandenb.; 1932 – 34 Internat. Lenin-Schule in Moskau (»Roman«); 1934/35 illeg. Arbeit, Neuaufbau der illeg. RGO in Berlin (»Werner«) zus. mit  Werner Eggerath u. Otto Pallapies; 1935 Mitgl. der KPD-BL, Jan. 1935 verhaftet, neun Mon. U-Haft in Berlin, Sept. 1935 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt; 1935 – 45 Haft in den Zuchthäusern Luckau, Brandenb. u. Gestapo-Haft in Potsdam, zuletzt im KZ Sachsenhausen. 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Pol.-Ltr. des KPD-UB Brandenb.; 1946 VVN; 1946 – 49 1. Sekr. der SED-KL Brandenb.; 1946 – 50 Abg. des Stadtparl. Brandenb., SED-Fraktionsvors.; 1949 – 74 Mitarb. u. Mitgl. der ZPKK beim ZK der SED, zentral an Parteisäuberungen beteiligt; 1951 Mitgl. der Landeskommission Sachsen-Anh. zur Parteiüberprüfung, 1952/53 verantw. für die Überprüfung der Westemigranten; 1963 Banner der Arbeit; 1968 VVO; 1973 KMO; ab 1974 Rentner, ehrenamtl. Mitgl. der Zentr. Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitgl. beim PB des ZK der SED; gest. in Berlin.Vorurteile wurden in der gemeinsamen Aktion überwunden. In: Rosner, F. et al. (Hrsg.): Vereint sind wir alles. Berlin 1966. Weber, H., Mählert, U. (Hrsg.): Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936 – 1953. Paderborn 1998.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Altwein, Fritz

* 5.6.1889 – ✝ 11.2.1967

Geboren am 5. Juni 1889 in Jena als Sohn eines Zimmererpoliers, erlernte den Beruf eines Lithographen. Von 1908 bis 1924 arbeitete er bei Zeiss Jena. Altwein gehörte um 1908 mit Willi Münzenberg und Georg Schumann zu den Mitbegründern der Arbeiterjugend in Thüringen. 1908 trat er der SPD und den Gewerkschaften bei. 1917/18 Soldat, wurde Mitglied der Spartakusgruppe und der USPD. 1920 ging er zur KPD, war in Jena Ortsgruppenvorsitzender und vertrat die Partei in der Stadtverordnetenversammlung. Altwein war Mitglied der KPD-BL Groß-Thüringen und Anhänger Heinrich Brandlers. 1924 wurde er Sekretär der RHD Bezirk Thüringen, 1925 Zentralsekretär der Reichsleitung der RHD in Berlin. Im April 1929 wurde Altwein wegen seiner Kritik am ultralinken Kurs der KPD-Führung aus der KPD ausgeschlossen und verlor auch seine Stellung als RHD-Angestellter. In der KPO aktiv, ging er mit deren Minderheit im April 1932 zur SAP. Von 1929 bis zu seiner Entlassung im Juni 1933 war er städtischer Wohlfahrtspfleger in Berlin, 1931/32 besuchte er die Hochschule für Politik. Von November 1933 bis Juni 1934 Instrukteur der illegalen SAP in Berlin, floh er wegen drohender Verhaftung über Holland in die CSSR und setzte hier die antifaschistische Arbeit fort. Im Sommer 1938 gelangte Altwein über Rotterdam nach Norwegen und arbeitete als Retuscheur. 1940 nach Schweden emigriert, war er dort zeitweilig interniert. Ab 1943 war er Lithograph in Stockholm und betätigte sich in der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter. Da er zunächst keine Rückkehrerlaubnis erhielt, konnte er erst 1958 in die Bundesrepublik ausreisen. Er lebte in Oberursel im Taunus und wurde Mitglied der SPD. Fritz Altwein starb am 11. Februar 1967. Roland Altwein veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Fritz Altwein.

dissidenten.eu

Ammer, Thomas

* 1937

Mitinitiator des „Eisenberger Kreises“, einer der größten Widerstandsgruppen in der DDR-Geschichte. Das Grundanliegen, konspirativ gegen die Diktatur und für eine demokratische Gesellschaft zu kämpfen, war bewusst dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus entlehnt. Thomas Ammer hat als einer der Köpfe der Gruppe von vornherein ausdrücklich in Kauf genommen, dass er bei einer Aufdeckung unbarmherzig verfolgt und bestraft werden und ihm sogar die Todesstrafe drohen würde. Er hat sich davon nicht einschüchtern lassen.1937 wurde Thomas Ammer im thüringischen Eisenberg geboren. Seine Eltern unterhielten einen Handwerksbetrieb zur Herstellung historischer Tasteninstrumente. Ammers Vater, der aus gesundheitlichen Gründen nur einige Monate am Zweiten Weltkrieg als Soldat teilnehmen musste, unterhielt während der nationalsozialistischen Diktatur Kontakte zu illegalen KPD-Zellen und beteiligte sich 1943–45 selbst an deren Aktivitäten. Nach Kriegsende trat er in die KPD ein, starb aber bereits im Januar 1946. Schon während seiner Schulzeit erfuhr Thomas Ammer erste Konfrontationen mit dem SED-Regime. Zwischen Sommer 1952 und Frühjahr 1953 entfesselte die SED eine Kampagne gegen die Jungen Gemeinden der evangelischen Kirche. Deren Mitglieder wurden in Schulen und Universitäten drangsaliert und in Tausenden Fällen relegiert. Als FDJ-Sekretär versuchte Ammer vergeblich, die in seiner Klasse deshalb in Bedrängnis geratenen Mitschüler zu verteidigen. Der prinzipielle Respekt, den Ammer der DDR zunächst aus einer antifaschistischen Gesinnung heraus entgegenbrachte, zerbrach durch diese Erfahrungen sowie durch das prägende Erlebnis des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953. Zwar gab es in Eisenberg selbst nur eine friedlich verlaufene Demonstration von einigen hundert Personen, aber die Nachrichten und Diskussionen über die landesweiten Proteste schärften Ammers kritischen Blick. Während dieser Zeit bildeten sich erste lockere Diskussionskreise an der Oberschule heraus. Im Herbst 1953 begann sich ein Kreis zu konstituieren, der später als „Eisenberger Kreis“ in die Widerstandsgeschichte der DDR einging. Thomas Ammer zählte neben Reinhard Spalke und Johann Frömel zu den Initiatoren dieses Kreises. Später stieß der Mathematikstudent Peter Herrmann mit einer eigenen Widerstandsgruppe dazu. Anfangs gehörten etwa ein Dutzend Personen zu dieser Gruppe, die sich aus Schülern, Studenten, Lehrlingen und jungen Arbeitern zusammensetzte. Politisch war der Kreis in sich heterogen. Neben sozialdemokratischen Positionen waren ebenso christliche, konservative und auch marxistische vertreten.Im Gegensatz zu anderen Widerstandsgruppen existierten keine festen hierarchischen Strukturen, kein Vorstand und keine Vollversammlungen. Vielmehr verlegte man sich auf streng konspirative Arbeitszusammenhänge. In Anlehnung an das illegale Zellensystem im Widerstand gegen das NS-Regime kannte nicht jeder jeden, sodass sich bei Treffen nie mehr als vier oder fünf Personen sahen. Ammer gehörte von Anfang an zu der kleinen informellen Führungsgruppe, die als einzige über die Größe der Gruppe und die einzelnen Mitglieder Bescheid wusste. Nach außen hin versuchten die Mitglieder, nicht aufzufallen und nach Möglichkeit angepasst zu erscheinen. So war Ammer auch nach der Aufnahme seines Medizinstudiums 1955 (er hatte im selben Jahr das Abitur abgelegt) an der Universität Jena FDJ-Funktionär. Erst im Laufe der Zeit kristallisierten sich programmatische Überlegungen und widerständige Handlungen heraus. Die Gruppe forderte freie Wahlen, den Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen, die Freilassung der politischen Gefangenen, Pressefreiheit, die Zulassung von Oppositionsparteien und die Beendigung politischer Prozesse. Hinzu kamen Debatten über die Eigentumsformen in der Wirtschaft oder über die Wirksamkeit von Arbeiterräten. Zu den konkreten Aktionsformen zählten unter anderem das Verteilen von Flugblättern und Aufrufen, das Anbringen von politischen Losungen an Häuserwänden oder Güterwaggons (1956 „Freiheit für Polen“), das Abreißen von Transparenten, ein Brandanschlag auf einen Schießstand der offiziellen paramilitärischen Jugendorganisation „Gesellschaft für Sport und Technik“ im Januar 1956 oder die Umbenennung eines Fahrgastschiffes von „Stalin“ in „Bayern“. Durch die strikte konspirative Arbeit der Gruppe und die erheblichen finanziellen Engpässe – der Kreis hatte nur sporadisch Kontakt zu westdeutschen Informationsstellen – waren den Aktionsfeldern allerdings enge Grenzen gesetzt. Immer wieder sind geplante Unternehmungen, die zum Teil in der Vorbereitung bereits weit gediehen waren, abgesagt worden, um die Gruppe oder einzelne Mitglieder nicht zu gefährden. Die 1956/57 an zahlreichen Universitäten der DDR – so auch in Jena – erstarkte studentische Opposition gegen das Regime ist zwar vom „Eisenberger Kreis“ (der Name wurde erst nachträglich zur Bezeichnung der Gruppe verwendet) begrüßt und von einzelnen Mitgliedern beeinflusst worden, aber an den Vorgängen selbst war er aus den erwähnten konspirativen Gründen nicht beteiligt. Thomas Ammer zum Beispiel hat heimlich als Mitglied der FDJ-Hochschulleitung Protokolle ihrer Sitzungen angefertigt, um sie bei Bedarf in den Westen zu schmuggeln und dort zu veröffentlichen. So protokollierte er die Feststellung des damaligen SED-Parteisekretärs der Universität und späteren einflussreichen Historikers und Faschismusforschers Kurt Pätzold, der immer wieder bis zum Ende der DDR an politischen Verfolgungen von Studenten aktiv beteiligt war, dass von den 6.000 Studenten in Jena 1956/57 höchstens 150 hinter der SED stünden. Durch Verrat eines Gruppenmitglieds flog die Gruppe Anfang 1958 auf. Am 13. Februar 1958 wurde Thomas Ammer als Kopf des Kreises von der Staatssicherheit verhaftet. Bis April wurden insgesamt 24 junge Männer vom Staatssicherheitsdienst als Mitglieder des „Eisenberger Kreises“ festgenommen, fünf konnten sich der drohenden Verhaftung durch Flucht in den Westen entziehen. Insgesamt wurden im September und Oktober 1958 vom Bezirksgericht Gera 24 Urteile mit einem Gesamtstrafmaß von 114 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus verhängt. Thomas Ammer erhielt am 27. September 1958 mit 15 Jahren Zuchthaus wegen „Staatsverrats“ von allen Angeklagten die höchste Strafe. Thomas Ammer war, nachdem er bis zur Urteilsverkündung im MfS-Untersuchungsgefängnis Gera gesessen hatte, zunächst einige Wochen im berüchtigten Zuchthaus Waldheim und dann von November 1958 bis August 1964 im Zuchthaus Brandenburg-Görden. Die letzte Woche seiner mehr als sechsjährigen Haftzeit verbrachte er im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Lichtenberg. Am 14. August 1964 wurde er in die Bundesrepublik entlassen. Seine vorzeitige Haftentlassung war dem Bemühen der Bundesregierung seit 1963 zu verdanken, politische Häftlinge freizukaufen. Er gehörte zu den ersten „freigekauften“ Gefangenen überhaupt. Insgesamt kamen von den schätzungsweise etwa 250.000 politisch Verurteilten 32.000 politische Gefangene aus den Gefängnissen und Zuchthäusern der DDR in den Westen. Die DDR konnte auf dem Weg des „modernen Menschenhandels“ ihr Valuta-Aufkommen um 3,4 Milliarden D-Mark aufbessern. Nach seiner Freilassung studierte Thomas Ammer Politische Wissenschaften, Jura und Geschichte in Tübingen, Bonn sowie Erlangen. Anschließend war er unter anderem Redakteur bei einer in der Schweiz herausgegebenen landeskundlichen Zeitschrift für Zeitgeschichte, Staat und Gesellschaft sowie Mitarbeiter am Institut für Gesellschaft und Wissenschaft in Erlangen. Ammer, der von 1968 bis 1982 der SPD angehörte, ist auch nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR verfolgt und beobachtet worden. In die DDR reiste er erst wieder nach dem Fall der Mauer ein. Die Staatssicherheit hatte über ihn eine unbefristete Einreisesperre verhängt. Dies hing auch damit zusammen, dass er sich wissenschaftlich, publizistisch und politisch weiterhin mit der DDR auseinandersetzte. 1975 trat er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in das Gesamtdeutsche Institut Bonn ein, wo er bis zu dessen Auflösung 1991 tätig blieb. Von 1991 bis zu seiner Pensionierung 2002 war er Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische Bildung, wobei er zwischenzeitlich zweimal als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Sekretariate der Enquetekommissionen des Deutschen Bundestages „Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“ (1992–94) und „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit“ (1995–98) abgeordnet war. Auch wenn die Erfolge des „Eisenberger Kreises“ naturgemäß bescheiden bleiben mussten, setzten die Gruppe und Thomas Ammer persönlich mit ihrem Aufbegehren wichtige Zeichen gegen die Diktatur. Erst sehr spät, im Jahre 1998, wurde Thomas Ammer für seinen Kampf für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.Ilko-Sascha Kowalczuk Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Anders, Christoph

* 16.12.1936

Geb. in Mittelsteine (Krs. Glatz, Schles. / Ścinawka Średnia); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule; 1951 FDJ; 1951 – 56 Lehre u. Arbeit als Elektromonteur; 1956 – 59 Matrose bei der Volksmarine; 1959 SED; 1959 / 60 Org.-Instrukteur; 1960 – 63 Stud. an der DASR Potsdam-Babelsberg, Dipl.-Staatswiss.; 1963 – 71 Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Zeitz für Inneres; 1966 – 70 Fernstud. an der HU Berlin, Dipl.-Jurist; 1971 – 76 1. Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Zeitz, 1976 – 78 Vors. des Rats des Krs. Saale; 1978 – 84 1. Stellv. des OB von Halle; 1982 / 83 Stud. an der PHS der SED; 1984 – Mai 1989 OB von Halle (Nachf. von  Hans Pflüger).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Andert, Reinhold

* 26.3.1944

Geb. in Teplitz-Schönau (Teplice-Šanov/ Tschechien); Vater Schneider, Mutter Arbeiterin; 1958 – 62 Bischöfl. Vorseminar, 1962 – 64 Orgelbauerlehre u. Abitur an der Abendschule, 1963 SED; 1964 – 69 Studium der Philos. u. Geschichte an der HU Berlin; 1966 – 73 Mitgl. des Oktoberklubs Berlin (bis 1967 Hootenanny-Klub); 1967 erste eigene Lieder, prägt in der Polemik gegen phrasenhafte pol. Liedtexte das Motto »DDR-konkret«; 1970 – 80 Auftritte beim Berliner Festival des pol. Liedes; 1969 – 72 Assistent für Philos. an der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; 1972/73 Ltr. der Liedgr. beim Org.-Komitee der X. Weltfestspiele; seit 1973 freischaff., erste LP »R. A.«, 1978 Buch »Lieder aus dem fahrenden Zug«; 1980 Ausschl. aus der SED (Rehabil. 1990); Texte wurden kritischer, Auftritts- u. Publ.-Möglichkeiten geringer; Nachdichtung von Texten des russ. Liedermachers Wladimir Wyssozki. Anf. der 90er Jahre verstärkt Publ., vorrangig satir. Texte; 1992 LP »Fürsten in Lumpen u. Loden«, 2004 CD »R. A. – Alte u. neue Nummern«; CD »E. H. – Wir sind überall« (mit Ed Stuhler).Von ihm lerne singen u. schweigen. Berlin 1989; Der Sturz – Erich Honecker im Kreuzverhör (mit Wolfgang Herzberg). Berlin 1990; »Unsere Besten«. Die VIPs der Wendezeit. Berlin 1993; Manfred Ewald – Ich war der Sport. Berlin 1997; Nach dem Sturz – Gespräche mit Erich Honecker. Leipzig 2001; Der fränkische Reiter. Querfurt 2006.Lutz Kirchenwitz

dissidenten.eu

Andreescu, Gabriel

* 1952

Physiker, Wissenschaftler, Lehrer, Bürgerrechtler.Gabriel Andreescu wurde 1952 in Buzău geboren. Sein Vater Gheorghe saß 1953 wegen oppositioneller Tätigkeit in Haft. Andreescu absolvierte das Gymnasium in seiner Heimatstadt und studierte dann an der Fakultät für Physik der Universität Bukarest (Diplom 1976). Er arbeitete drei Jahre als Lehrer und war dann 1980–89 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Meteorologisch-Hydrologischen Institut in Bukarest. Ab Ende der 70er Jahre arbeitete er mit einer Reihe von wissenschaftlichen Zeitschriften zusammen, darunter „Revista de Filozofie“ (Zeitschrift für Philosophie), „Revue Roumaine de Philosophie“ (Rumänische Philosophische Rundschau), „Studii și Cercetări Lingvistice“ (Linguistische Studien und Forschungen) und „Revue Roumaine de Linguistique Théorique et Appliquée“ (Rumänische Rundschau der Theoretischen und Angewandten Linguistik). Er war enger Mitarbeiter von Prof. Solomon Marcus, einem namhaften Forscher im Bereich der Anwendung mathematischer Modelle in den Gesellschaftswissenschaften. Von dem rumänischen Geheimdienst Securitate wurde Andreescu zum ersten Mal Ende der 70er Jahre verhaftet und verhört. Gründe für das Interesse der Geheimpolizei gab es gleich mehrere: Briefkontakt zu Ausländern, Nutzung von Bibliotheken und Lesesälen westlicher Botschaften, nicht regimekonforme Äußerungen zur rumänischen und zur internationalen Politik. Ab 1982 schickte Andreescu kritische Texte zur politischen Situation in Rumänien in westliche Länder. *Radio Freies Europa sendete Auszüge aus seinem Tagebuch. Im Dezember 1987 wurde er verhaftet und wegen angeblichen Staatsverrats angeklagt. Internationalen Protesten ist es zu verdanken, dass er Ende 1988 aus der Haft entlassen und die Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden. 1988 wurden Andreescu, Doina Maria Cornea und Mircea Dinescu zu einer von *Solidarność organisierten Konferenz nach Polen eingeladen. Die rumänischen Behörden ließen sie jedoch nicht ausreisen. Andreescu verfasste daraufhin einen Brief, der von *Radio Freies Europa verlesen und in der Zeitschrift „L’autre Europe“ (Das andere Europa) abgedruckt wurde. Darin prangerte er die Menschenrechtsverletzungen in Rumänien an und rief die rumänische Gesellschaft dazu auf, sich der Politik des Regimes zu widersetzen. Im Mai 1989 trat Andreescu für zwei Wochen in einen Hungerstreik, mit dem er gegen die Verletzung der Menschenrechte in Rumänien protestierte. Er sandte einen offenen Brief an die in Paris tagende KSZE-Folgekonferenz. Im Text dieses von der Zeitung „Libération“ veröffentlichten Briefes forderte er, demokratische Staaten sollten das Recht haben, in innere Angelegenheiten kommunistischer Länder einzugreifen, wenn Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten in Gefahr sind. Auch in vielen Interviews für westliche Medien brandmarkte er das Ceaușescu-Regime. Ab dem Herbst 1989 stand Andreescu unter ständiger Observation der Securitate, die ihn in Buzău unter Hausarrest gestellt hatte. Im Dezember brachte man ihn in das Bukarester Gefängnis Rahova, aus dem er am 22. Dezember 1989 wieder entlassen wurde. Nach dem *Umsturz im Dezember 1989 wurde er Mitglied des Rates der *Nationalen Rettungsfront, des ersten neuen Regierungsgremiums, aus dem er jedoch aus Protest gegen die Missachtung demokratischer Prinzipien durch die Mitglieder schon nach kurzer Zeit wieder austrat. Andreescu brachte sich jedoch in den Aufbau der rumänischen Zivilgesellschaft ein: als Gründungsmitglied der *Gruppe für den gesellschaftlichen Dialog, als Mitglied des rumänischen Helsinki-Komitees, der Gruppe für ökologische Zusammenarbeit im Rahmen des Bürgerbundes sowie im Zentrum für Internationale Studien. Er ist Verleger und Mitglied von Redaktionsteams verschiedener Zeitschriften für Menschen- und Minderheitenrechte sowie für internationale Beziehungen. Für seine Arbeit wurde Andreescu mehrfach geehrt. So erhielt er unter anderem den Preis Pero Amicitia des Verbandes ungarischer Journalisten in Rumänien (1994 und 1996) und den Preis der ungarischen Regierung für seinen Einsatz für die ungarische Minderheit (1995). 1996 wurde ihm von der Europäischen Kommission der Titel „Journalist des Jahres“ zuerkannt.Doru Radosav Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 05/17

Wer war wer in DDR

Ansbach, Herbert

* 2.3.1913 – ✝ 31.7.1988

Geb. in Tarnowitz (Krs. Brieg, Oberschles. / Tarnowiec, Polen); Vater jüd. Kaufmann; Volksschule, Gymnasium; 1929 – 31 kaufm. Lehre u. Arbeit; 1931 – 33 Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln; seit 1929 als inoffizielles Mitgl. des KJVD Zersetzungsarbeit innerhalb der SDAP-Jugendorg. »Sozialist. Jugendverb.« (SJV); 1932 offiziell KJVD u. KPD; Ende 1932 Übernahme der Reichsltg. des SSB; nach 1933 illeg. antifasch. Arbeit u. zeitw. Polit.-Ltr. des KJVD-UB Berlin Südost; Anfang 1936 Verhaftung u. Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, Haft im Zuchthaus Brandenburg; nach der Entlassung Ende Jan. 1938 Emigr. in die ČSR, März 1939 nach Großbrit., 1940 dort interniert u. nach Australien deportiert; 1941 Rückkehr nach England u. Arbeit als Angest.; Mitgl. des Freien Dt. Kulturbunds. Aug. 1946 Rückkehr nach Dtl., SED; ab 1.10.1946 Auslandsred. beim ADN, ab 1.5.1947 bei der DVdI; bis März 1949 Ltr. des Amtes zum Schutz des Volkseigentums im Land Brandenburg; März – Dez. 1949 Referent im ZS des SED-PV, zunächst in der Kaderabt., dann in der Wirtschaftsabt.; als Westemigrant aus dem Parteiapparat entlassen u. als Ltr. der VVB Spiritus eingesetzt; 1955 Ltr. des Verlags Technik; 1956 – 58 Generalsekr. der KfA; 1959 invalidisiert; Mitgl. des Bezirkskomitees der Antifasch. Widerstandskämpfer Berlin.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Apel, Erich Hans

* 3.10.1917 – ✝ 3.12.1965

Geb. in Judenbach (Krs. Sonneberg); Vater Schlossermstr., Mutter Schneiderin; Realschule in Sonneberg u. Steinach, 1932 mittlere Reife; 1932 – 35 Ausbildung zum Werkzeugmacher u. Schlosser in der Porzellanfabrik Neuhaus; 1934 Mitgl. des Dt. Jungvolks, nach neun Mon. wegen negativer Einstellung zur militär. Erziehung ausgeschl.; 1935 Gesellenprüfung, 1935 – 37 Werkzeugmacher u. Konstrukteur in Neuhaus; 1937 – 39 Studium an der Ing.-Schule Ilmenau u. Mitgl. des Dt. Studentenbundes, 1938 Werkmstr.-Prüfung, 1939 Maschinenbauing.; Sept. – Dez. 1939 Militärdienst im Inf.-Ersatz-Bat. 451 in Gotha (Schütze), 20.12.1939 nach Peenemünde zur dortigen Heeresversuchsstelle kommandiert, Aug. 1940 aus dem Militärdienst entlassen; ab Nov. 1940 in der Heeresversuchsstelle als Betriebsing. u. Assistent des Betriebsdir. dienstverpflichtet, Anf. 1943 – April 1943 dort Ltr. eines Entwicklungsbetriebes; wurde noch vor der teilw. Zerstörung der Versuchsstelle durch alliierte Flugzeuge im April 1943 mit Fertigungsspezialisten seines Betriebsteils zur Fa. Linke-Hoffmann nach Breslau kommandiert, um von dort aus fertigungstechn. u. organisat. jene Firmen zu betreuen, die die Herstellung der in Peenemünde entwickelten Geräte übernommen hatten; auf Antrag der Linke-Hoffmann-Werke (LHW), die Bauteile für die A 4 fertigten, wurde er am 1.4.1944 vom Heereswaffenamt freigegeben u. als Obering. u. Assistent des techn. Dir. der LHW angestellt; im Jan. 1945 übernahm er als Techn. Ltr. die von den LHW im Zuge der Betriebsverlagerungen gegr. Fa. Peterbau GmbH in Kleinbodungen (b. Nordhausen, Harz). Nach Kriegsende 1945 zunächst in der Landw. tätig; Rückkehr nach Judenbach; Jan. – Mai 1946 Lehrer u. kommissar. Schulltr. der Betriebsberufsschule Steinach; Jan. – April 1946 SPD, trat nicht zur SED über; ab 1.6.1946 wegen seines Wissens um die dt. Raketentechnik von der sowj. Besatzungsmacht nach Nordhausen dienstverpfl., dort bis Okt. 1946 als Haupting. u. Vertr. des Werkltrs. bei der Sowj.-Techn. Kommission in Bleicherode (Zentralwerke) tätig; anschl. bis Juni 1952 als Obering. u. Ltr. eines Versuchsbetriebes auf der Insel Gorodomilja in der UdSSR; nach der Rückkehr ab Okt. 1952 Abt.-Ltr. für Forschung u. Technik in der HV Schwermaschinen des Min. für Maschinenbau, ab Nov. 1952 Mitgl. FDGB u. DSF; von Febr. – Nov. 1953 Techn. Ltr. der HV Energie u. Kraftmaschinenbau im Min. für Schwermaschinenbau, Nov. 1953 Bereichsltr. u. Stellv. Min. des Min. für Maschinenbau unter  Heinrich Rau; von Mai 1955 – Febr. 1958 Min. für Schwermaschinenbau; seit Juni 1954 Kand. u. seit März 1957 Mitgl. der SED; ab 6.2.1958 Ltr. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED (Nachf. von  Gerhart Ziller), ab 1958 Mitgl. des Wiss. Rats für die friedl. Anwendung der Atomenergie beim Min.-Rat; seit 1958 Kand. u. ab Juli 1960 Mitgl. des ZK der SED; 1960 Prom. zum Dr. rer. oec. mit einer Diss. zum Chemieprogr. der DDR; ab 1958 Abg. der Volkskammer, bis 1963 Vors. ihres Wirtschaftsaussch. sowie des Staatl. Aussch. für Wirtschafts- u. Finanzfragen; ab Juli 1961 Kand. des PB u. (bis Juni 1962) Sekr. des ZK der SED; ab März 1962 Mitgl. des Forschungsrats; seit Aug. 1962 Mitgl. des Präs. des Min.-Rats, von Jan. 1963 – Dez. 1965 Vors. der SPK u. Stellv. des Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Karl Mewis); führend an der Ausarbeitung u. begonnenen wirtschaftsorg. Umsetzung des »Neuen Ökon. Systems der Planung u. Ltg. der Volkswirtschaft« (NÖS) beteiligt; 1963 Banner der Arbeit; 1964 VVO; A. versuchte an der Seite  Walter Ulbrichts seit 1964 mit großem persönl. Engagement die schweren wirtschaftl. Folgen des sowj. Kurswechsels im Zusammenhang mit dem Sturz Chruschtschows von der DDR abzuwenden. Nach internen Auseinandersetzungen über die weitere ökon. Pol. u. äußerst kontroversen Wirtschaftsverhandl. mit der UdSSR starb er unmittelbar vor der Unterzeichnung des langfristigen Wirtschaftsabkommens 1966 – 70 in Berlin eines unnatürlichen Todes.Ökonom. Gesetze des Sozialismus u. NÖSPL. Berlin 1964; Fragen der Anwendung des NÖSPL. Berlin 1965. Albring, W.: Gorodomilja. Dt. Raketenforscher in Rußland. Hamburg 1991; Bode, V., Kaiser, G.: Raketenspuren Peenemünde 1936 – 44. Berlin 1995; Kaiser, M.: Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker. Funktionsmechanismen der SED-Diktatur in Konfliktsituationen 1962 – 70. Berlin 1997.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Albring, Werner

* 26.9.1914 – ✝ 21.12.2007

Geb. in Schwelm (Westf.); Vater Studienrat; Realgymnasium; 1934 – 38 Studium des Maschineningenieurwesens an der TH Hannover; 1938 Assistent; 1941 Prom.; dann stellv. Ltr. am Inst. für Aerodynamik u. Flugtechnik der TH Hannover. 1946 Abt.-Ltr. für Aerodynamik der Zentralwerke Bleicherode (Thür.); 1946 – 52 ltd. Mitarb. in einer dt. Spezialistengr. in der UdSSR; 1952 Berufung auf den Lehrstuhl für Angewandte Strömungslehre der TH Dresden, 1955 – 60 nebenamtl. Ltr. des Bereichs Grundlagenforschung in der Forschungs- u. Versuchsanstalt für Strömungsmaschinen Dresden; 1961 Ord. Mitgl. der DAW; 1961 – 63 u. 1968 – 70 Dekan der Fak. für Maschinenwesen der TU Dresden; 1972 NP; ab 1973 Vertreter der DDR in der Internat. Union für theoret. u. angewandte Mechanik, Mitgl. der Nat. Kommission für Mechanik; 1979 em.; 1984 Berufung in die Ev. Forschungsakad. Berlin; 1985 Ehrenprom. Leningrad, 1991 TU Budapest; 1995 Ludwig-Prandtl-Ring Dt. Ges. für Luft- u. Raumfahrt. 1994 außerord. Mitgl., 2004 Ehrenmitgl. der Berlin-Brandenburg. AdW, 2004 deren Ehrenmitgl.; gest. in Dresden. Publ. zur Strömungsmechanik, Geschichte der Strömungstechnik, Verbindung von techn. u. Geisteswiss.; Gorodomilja. Dt. Raketenforscher in Rußland. Hamburg 1991.Nachruf in Westfälische Rundschau v. 29.1.2008.Klaus-Peter Meinecke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Alexander, Gertrud

* 7.1.1882 – ✝ 22.3.1967

Geboren am 7. Januar 1882 in Ruhla/Thüringen als Gertrud Mathilde Bertha Gaudin, Tochter eines Arztes. Studium an der Universität Jena, anschließend an der Kunsthochschule Eisenach und an der königlichen Kunsthochschule in Berlin. Um das Studium zu finanzieren, arbeitete sie als Zeichenlehrerin. 1902 lernte sie Eduard Alexander kennen, sie heirateten 1908, die Ehe wurde in den zwanziger Jahren geschieden. 1907 Bekanntschaft mit Clara Zetkin und Beginn erster publizistischer Arbeiten für die sozialdemokratische Presse, u. a. 1909 die Artikelserie »Die Prometheussage« in der Frauenzeitschrift »Die Gleichheit«. Mitglied der SPD, während des Krieges illegale Arbeit für die Spartakusgruppe, 1919 Mitglied der KPD, leitete innerhalb der Agitpropabteilung die Kulturarbeit und war für das Feuilleton der »Roten Fahne« verantwortlich. Zwischen 1920 und 1925 erschienen von ihr 160 Beiträge. Sie galt in dieser Zeit als wichtigste Kunstkritikerin der KPD. 1923 erarbeitete sie gemeinsam mit Hermann Duncker und Karl August Wittfogel das »kulturpolitische Notprogramm der KPD«. Sie übersiedelte im Dezember 1925 nach Moskau und kam ins Frauensekretariat der Komintern. Seit 1926 Mitglied der KPdSU, war sie von 1931 bis 1939 Mitarbeiterin der Hauptverwaltung für Literatur (Gawlit) sowie politische Redakteurin an der Moskauer Staatlichen Zentralbibliothek und der Leninbibliothek. Sie war während der Stalinschen Säuberungen 1937 auch kurz inhaftiert, von 1939 bis 1944 evakuiert. Nach 1945 freiberufliche Übersetzerin und Redakteurin für das Sowinformbüro und die Zeitschrift »Sowjetliteratur«. Gertrud Alexander starb am 22.März 1967 in Moskau.

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Allenstein, Walter

* 5.10.1906 – ✝ 26.3.1992

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Arbeiter; Volksschule, Ausbildung zum kfm. Angest., im Beruf tätig; 1924 Jungbanner u. Reichsbanner; 1926 SPD, 1928 Ausschl. aus dem Reichsbanner u. Übertritt zum RFB, 1928 KPD; 1928 – 33 Funktionär des illeg. RFB bzw. des Abwehrapparats des ZK der KPD in Berlin; 1933 illeg. Arbeit; 1939/40 u. 1943 – 45 Wehrmacht; Juni 1945 kurzz. amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 49 stellv. Ltr., dann Ltr. der HA in der Dt. ZV für Industrie bzw. in der DWK; 1946 SED; 1949 – 52 Gruppenltr. Personal bzw. HA-Ltr. im Büro für Wirtschaftsfragen des Min. des Innern; 1.10.1952 Gen.-Major, 1952/ 53 Chef der Verw. Finanzen des Min. des Innern; 1953 – 59 Chef Rückwärtige Dienste der KVP bzw. der NVA (Nachf. von  Heinrich Heitsch); 1960 Höherer Akad. Kurs an der Militärakad. »Friedrich Engels«; 1961 Chef Rückw. Dienste des Min. für Nationale Verteidigung; ab Okt. 1961 – 72 Chef Rückw. Dienste u. Stellv. des Min. für Nationale Verteidigung; 7.10.1963 Gen.-Ltn; 1954, 1964 u. 1971 VVO; 1969 Scharnhorst-Orden.Andreas Herbst

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Alt, Robert

* 4.9.1905 – ✝ 13.12.1978

Geb. in Breslau (Wrocław/Polen) in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Stubenmaler; Volksschule u. Realgymnasium; 1924 – 27 Studium der Soziol. u. der Philos. in Breslau u. Berlin; Mitgl. der Jungsozialisten, 1924 SPD; 1927 – 29 Studium an der Pädagog. Akad. in Frankfurt (Main); Mitgl. des Soz. Studentenbundes; 1929 1. Lehrerprüfung u. Lehrer an der Volksschule Berlin-Neukölln (Grundschule der Karl-Marx-Schule); 1932 zudem Lehrer an der Volksschule der jüd. Gemeinde; 1933 KPD; 1933 2. Lehrerprüfung u. Entlassung aus »rass. Gründen«; Abbruch des zur Prom. über Industrieschulen aufgenommenen Univ.-Studiums; Tätigkeit in einem priv. Landschulheim, danach Lehrer an jüd. Volksschulen in Berlin u. 1939 – 41 Doz. am jüd. Kindergärtnerinnen-Seminar der Reichsvereinigung der Juden; 1941 verhaftet, 1941 – 45 Haft im KZ Posen, KZ Dora u. KZ Auschwitz sowie KZ-Schiff »Kap Arkona«; kurzz. in einem DP-Lager. 1945/46 KPD/SED; maßgebl. am Aufbau des Schulwesens beteiligt; Jan. 1946 Doz., Hauptschulamt Berlin; Prof. an der PH Berlin, zugl. seit Sep. 1946 Lehrauftrag an der Pädagog. Fak. der Berliner Univ.; 1947 Mitgl. der Schulkommission der SED; 1948 Prom. mit einer Arbeit über Industrieschulen; Juli 1948 Prof. mit Lehrauftrag; Sommer 1949 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Geschichte der Pädagogik, Ende 1949 Prof. mit Lehrstuhl, 1952 – 63 Dir. des Inst. für Systemat. Pädagogik u. Geschichte der Pädagogik an der Pädagog. Fak. der HU Berlin; 1950 NP (im Koll.); 1955 mit deren Neugründung an der DAW Vors. der Kommission für dt. Erziehungs- u. Schulgeschichte; 1954 – 58 Mitgl. des ZK der SED; 1958 – 61 Dekan der Pädagog. Fak. der HU Berlin; 1961 Ord. Mitgl. der DAW; 1961 – 70 Ltr. der Arbeitsstelle für dt. Erziehungs- u. Schulgeschichte der DAW; 1965 Dr. paed. h. c. der HU Berlin; 1966 Vors. der Sektion Geschichte der Erziehung beim Wiss. Rat des Min. für Volksbildung; 1970 em.; VVO; 1970 Ord. Mitgl. der APW; Präs. der Ges. für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland, Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1975 KMO; gest. in Berlin. Forschungs- u. Publikationstätigkeit insbes. zur Begründung der Schulreform in der SBZ, zu gesellschaftl. Ursprüngen der Erziehung, Komensky, Pestalozzi, Erziehungsprogrammen der Frz. Rev., Bildungsmonopol, Verbindung von Unterricht u. Arbeit; ab 1949 Hrsg. der Schriftenreihe »Erziehung u. Ges.«, ab 1960 der »Monumenta Paedagogica« u. ab 1961 des »Jb. für Erziehungs- u. Schulgeschichte«.Bilderatlas zur Schul- u. Erziehungsgeschichte. 2 Bde. Berlin 1960 – 65; Vorlesungen zur systemat. Pädagogik. Norderstedt 2005. R. A. Eine Bibl. seiner Arbeiten. Bearb. von R. Schulz. 1970; R. A. zum 65. Geburtstag. Berlin 1970; Friedrich, B. (Hrsg.): R. A. (1905 – 1978). Frankfurt (Main) 2006.Gert Geißler / Bernd-Rainer Barth

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Althaus, Dieter

* 29.6.1958

Geb. in Heiligenstadt; 1977 Abitur; 1977 – 79 NVA; 1979 – 83 Studium der Physik u. Mathematik an der PH Erfurt, Dipl.-Lehrer; 1983 – 89 Lehrer u. 1987 – 89 stellv. Dir. an der POS Geismar (Krs. Heiligenstadt); 1985 CDU; Jan. – Okt. 1990 Kreisschulrat des Landkrs. Heiligenstadt; seit Mai 1990 Abg. des Kreistags Heiligenstadt (später Eichsfeldkrs.), bis Okt. 1990 dort Dezernent für Schule, Jugend u. Kultur; 1990 Vors. des Kreissportbundes Heiligenstadt; Mitgl. des CDU-LV Thür., Vors. des Fachaussch. Bildung des Landes Thür. Seit Okt. 1990 MdL Thür.; 1992 – 99 Min. für Kultur (Nachf. von  Christine Lieberknecht); 1991 – 2001 Vors. des CDU-KV Eichsfeld; seit 1992 Vors. des Kolping-Bildungswerkes Thür.; ab 1993 1. stellv. Vors., seit 2000 Vors. des CDU-LV Thür. u. Mitgl. des CDU-Bundesvorst.; 1999 – 2003 Vors. der CDU-Fraktion im Thür. Landtag; Juni 2003 – Sept. 2009 Ministerpräs. des Freistaats Thür. (Nachf. von Bernhard Vogel); 1.11.2003 – 31.10.2004 Bundesratspräs., dann Vizepräs. des Bundesrats; 2004 Großes silbernes Ehrenabzeichen am Bande für Verdienste um die Rep. Österreich; 2005 Ernennung zum Kommandeur der Ehrenlegion; Aug. 2005 Kompetenzteam der CDU für die Bundestagswahl 2005, zuständig für den Aufbau Ost; 1.1.2009 Zusammenstoß mit einer Skifahrerin auf der Piste mit tödl. Ausgang, im März 2009 wg. fahrläss. Tötung zu 38.300 Euro verurteilt; 20.4.2009 Regierungsgeschäfte wieder aufgenommen; Mitgl. im ZK der dt. Katholiken; Vors. u. Präs. der Maximillian-Kolbe-Stiftung; Mitgl. im Kuratorium der Internat. Martin-Luther-Stiftung.Mut – Hoffnung – Zuversicht. Fs. für Bernhard Vogel. Paderborn 2007 (Hrsg.).Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Amalrik, Andrei

* 1938 – ✝ 1980

Historiker, Publizist und Dramaturg. Autor des berühmten Essays „Wird die UdSSR das Jahr 1984 erleben?“ sowie erster Dissident, der offen Kontakte mit westlichen Journalisten und Diplomaten in Moskau pflegte und sie über die Menschenrechtsbewegung in der UdSSR informierte.Andrei Amalrik wurde 1938 in Moskau geboren. Sein Vater war ein bekannter Historiker und Archäologe. Von 1962 bis 1963 studierte Amalrik an der Historischen Fakultät der Moskauer Universität, bis er wegen einer Jahresabschlussarbeit relegiert wurde, in der er die von der offiziellen sowjetischen Wissenschaft verworfene „Normannentheorie“ verteidigte, der zufolge das mittelalterliche Großreich der Kiewer Rus von skandinavischen Warägern gegründet worden sei. Als Sammler sowjetischer Avantgarde-Maler machte sich Amalrik einen Namen und lernte dadurch viele westliche Diplomaten und Journalisten kennen. Er schrieb Theaterstücke nach dem Vorbild des Absurden Theaters. Eine Auswahl seiner Dramen wurde später im Ausland herausgegeben und das Stück „Ost-West“ (Vostok–Zapad) am Amsterdamer Globustheater aufgeführt. Am 14. Mai 1965 wurde Amalrik verhaftet und am 28. Mai 1965 vom Gericht des Moskauer Bezirks Frunse wegen sogenannten „parasitären Lebenswandels“ zu zweieinhalb Jahren Verbannung verurteilt. Die Verbannung verbrachte er im Gebiet Tomsk in Sibirien. Am 20. Juni 1966 wurde das Urteil durch den Obersten Gerichtshof der UdSSR revidiert. Von der weiteren Verbüßung der Strafe befreit, kehrte Amalrik nach Moskau zurück. Sein Leben in der Verbannung beschrieb er in dem Buch „Die ungewollte Reise nach Sibirien“ (Neželannoe putešestvie v Sibir‘). Danach wurde er freier Mitarbeiter der Presseagentur „Novosti“ (Nachrichten). Als erster Dissident knüpfte Amalrik feste Kontakte zu ausländischen Korrespondenten. Eigenen Beschreibungen zufolge spielte Amalrik dabei die Rolle eines „Verbindungsoffiziers“ zwischen Dissidenten und westlichen Journalisten. Am Anfang waren diese Kontakte lediglich Ausdruck nonkonformistischen Verhaltens: „Ich wollte bei Ausländern zu Gast sein und sie zu mir einladen und mich gegenüber ihnen so verhalten, als ob wir ihnen gleich wären und sie uns […]. Im Grunde löste ich eine echte Revolution aus.“ Nach dem *Prozess der Vier versuchte Amalrik, eine Pressekonferenz von Verwandten politischer Häftlinge für ausländische Korrespondenten zu organisieren. Wahrscheinlich war das der erste Versuch dieser Art überhaupt, allerdings wurde die Durchführung der Konferenz durch den KGB verhindert. Amalrik verfasste den Artikel „Ausländische Korrespondenten in Moskau“ (Inostrannye korrespondenty v Moskve) und beschrieb darin, wie die Behörden sich bemühten, deren Arbeit zu behindern. Ab Juni 1968 half er Pawel Litwinow bei der Arbeit an dem Buch „Der Prozess der Vier“ (Process četyrioch). Nach Pawel Litwinows Verhaftung beendete Amalrik das Buch und übergab den Band im Oktober 1968 ausländischen Korrespondenten. Er gehörte zu den Personen, die das Essaymanuskript von Andrei Sacharow „Gedanken über Fortschritt, friedliche Koexistenz und geistige Freiheit“ (Razmyžlenia o progresse, mirnom sosušžestvovanii i intelekualnoj svobode) in den Westen brachten. Ende 1968 kündigte ihm die Presseagentur „Novosti“, woraufhin Amalrik als Briefträger arbeitete. Er befürwortete unabhängiges gesellschaftliches und politisches Engagement in organisierter Form. Im Frühjahr 1969 trat er mit einer Initiative zur Gründung einer sowjetischen Demokratiebewegung hervor und bereitete sogar den Entwurf eines Aufrufes vor. Von April bis Juni 1969 schrieb Amalrik auf Bitten eines ihm bekannten amerikanischen Journalisten den Essay „Wird die UdSSR das Jahr 1984 erleben?“ (Prosuščestvuet li Sovetskij Sojuz do 1984 goda?), in dem er seine Sicht auf die nähere Zukunft der UdSSR darlegte. Er glaubte nicht an die Dauerhaftigkeit des sowjetischen Regimes, aber auch eine hypothetische, postsowjetische Zukunft sah er in schwarzen Farben. Aufgrund der Schwäche der im Inland existierenden liberalen demokratischen Opposition zweifelte Amalrik an den Möglichkeiten demokratischer Veränderungen. Seine Thesen unterlegte er mit einer Analyse sowohl der Anzahl der gesellschaftlichen Zusammensetzung als auch der politischen Ansichten der Teilnehmer der Protestwelle des Jahres 1968. Sein Text, der Ende 1969 im Ausland veröffentlicht und in viele Sprachen übersetzt wurde, machte Amalrik international bekannt. Die ungewöhnlich scharfe Darstellung des Problems, wie es im Titel zum Ausdruck kam, in Verbindung mit dem analytischen, betont akademischen Stil der Darstellung, der dem Charakter westlicher Expertenberichte über die Sowjetunion entsprach und diesen wahrscheinlich auch parodierte, hoben den Aufsatz gegenüber anderen unabhängigen Veröffentlichungen dieser Jahre ab. Der Essay rief zahlreiche Reaktionen in der westlichen Presse und eine heftige Debatte im Samisdat hervor. Andrei Amalrik verfasste weitere Artikel im Selbstverlag. Am berühmtesten wurde der bereits erwähnte Artikel über die westlichen Korrespondenten in Moskau vom Frühjahr 1970 sowie der „Offene Brief an Anatoli Kusnezow“ (Otkrytoe pismo Anatoliju Kusnecovu) vom November 1969, eine Polemik gegen die öffentliche Stellungnahme des bekannten sowjetischen Schriftstellers, der 1968 im Ausland geblieben war. Kusnezow hatte behauptet, dass in der UdSSR völlige Unfreiheit herrsche, womit Amalrik nicht übereinstimmte: Die Gewähr jeder äußeren Freiheit sei „innere Freiheit […,] bei der der Staat vieles mit dem Menschen tun kann, aber nicht in der Lage ist, ihm seine moralischen Werte zu nehmen.“ Zwischen 1968 und 1970 wurde Amalrik mehrfach festgenommen und durchsucht. Am 21. Mai 1970 wurde er verhaftet und nach Swerdlowsk gebracht, wo das Untersuchungsverfahren stattfand und die Verhandlung vorbereitet wurde. Der Prozess gegen Amalrik fand vom 11. bis 12. November 1970 statt. Amalrik wurde wegen der Erstellung und Verbreitung von Texten und Interviews angeklagt. Der zweite Angeklagte war der Ingenieur Lew Uboschko aus Swerdlowsk im Osten der Ukraine, dem vorgeworfen wurde, die Texte von Amalrik verbreitet zu haben. Amalrik gestand keine Schuld ein und verweigerte es, sich am Gerichtsprozess zu beteiligen. Im Schlussplädoyer sagte er: „Während man den mittelalterlichen Kampf gegen häretische Ideen zum Teil mit religiösem Fanatismus erklären kann, kann man alles, was heute geschieht, einzig und allein mit der Feigheit des Regimes erklären, das die Gefahr der Verbreitung jeglicher Gedanken und Ideen, die der bürokratischen Obrigkeiten fremd sind, spürt. […] Es ist diese Angst vor den von mir ausgesprochenen Gedanken, vor den Fakten, die ich in meinen Büchern aufgreife, die diese Menschen dazu zwingt, mich wie einen kriminellen Verbrecher auf die Anklagebank zu bringen. Diese Angst hat solche Ausmaße angenommen, dass sie sich sogar fürchten, mich in Moskau vor Gericht zu stellen und mich stattdessen hierher gebracht haben, weil sie hoffen, dass mein Prozess weniger Aufmerksamkeit erregen wird. […] Meine Bücher werden nicht aufgrund der ordinären Beschimpfungen schlechter, mit denen sie hier bedacht werden. Meine hier zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht deshalb weniger zutreffend, weil ich ihretwegen einige Jahre im Gefängnis sitzen werde. Im Gegenteil, das kann mich in meinen Überzeugungen nur bestärken. […] Weder die durch das Regime veranstaltete ‚Hexenjagd’, noch dieser Prozess als ein einzelner Beweis dafür wecken in mir den geringsten Respekt und lösen keine Angst aus. Ich verstehe im Übrigen, dass solche Gerichtsverfahren dafür gemacht werden, um viele Menschen einzuschüchtern. Und viele lassen sich auch einschüchtern. Trotzdem denke ich, dass der begonnene Prozess der geistigen Befreiung unumkehrbar ist.“ Das Gericht verurteilte Amalrik nach *Artikel 190, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der RSFSR zu drei Jahren Haft mit strengem Vollzug. Die Strafe verbüßte er im Gebiet Nowosibirsk in Westsibirien und bei Magadan an der Küste des Ochotskischen Meeres. Am 21. Mai 1973 – dem letzten Tag seiner Lagerhaft – eröffnete die Staatsanwaltschaft der Stadt Magadan gegen Amalrik ein neues Verfahren nach dem gleichen Strafrechtsartikel. Am 18. Juli wurde er erneut zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Nach Verkündigung des Urteils begann Amalrik einen Hungerstreik, den er 117 Tage durchführte. Im November 1973 wandelte das Oberste Gericht der UdSSR die Strafe in drei Jahre Verbannung um. Diese Strafe verbüßte Amalrik in Magadan. Am 4. Dezember 1973 erhielt er den Freiheitspreis der New Yorker Freedom-House-Stiftung. Im Mai 1975 kehrte Amalrik nach Moskau zurück und am 15. Mai des folgenden Jahres verließ er die Sowjetunion. Amalrik war im Exil gesellschaftlich und politisch sehr aktiv, veröffentlichte in den Zeitschriften *„Kontinent“, „Kowčeg“ und *„Sintaksis“ (Paris). Er schrieb einen weiteren Band mit Erinnerungen unter dem Titel „Aufzeichnungen eines Dissidenten“ (Zapiski dissidenta), der 1982 posthum herausgegeben wurde. Andrei Amalrik starb 1980 bei einem Verkehrsunfall im spanischen Guadalajara und wurde in Paris beerdigt.Андрей Алексеевич Амальрик  Andrej Alekseevič Amal’rik  Dmitri Subarew, Gennadi Kusowkin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 01/16

Wer war wer in DDR

Ammer, Thomas

* 19.7.1937

Geb. in Eisenberg; Eltern Inh. eines Handwerksbetriebs zur Herstellung histor. Tasteninstrumente; Vater 1943 – 45 am Widerstand der KPD beteiligt; Besuch der Oberschule, dort als FDJ-Sekr. 1952 / 53 Einsatz für verfolgte Christen; 1955 Abitur, anschl. Aufnahme eines Medizinstud. an der FSU Jena, hier auch FDJ-Funktionär; Herbst 1953 gem. mit Reinhard Spalke u. Johann Frömel Initiator einer konspirat. Widerstandsgr. von ca. 12 Jugendl., die sich an das illeg. Zellensystem im Widerstand gegen das NS-Regime anlehnte u. nachträgl. als »Eisenberger Kreis« bezeichnet wurde; A. gehörte zur kleinen Führungsgruppe, die allein die Größe der Gr. u. die einzelnen Mitglieder kannte; Forderungen der Gr.: freie Wahlen, Abzug der sowj. Besatzungstruppen, Freilassung polit. Gefangener, Pressefreiheit, Zulassung von Oppositionsparteien, Beendigung polit. Prozesse; Aktionsformen: Flugblätter u. Aufrufe, Anbringen von polit. Losungen an Häuserwänden oder Güterwaggons, Abreißen von Transparenten, ein Brandanschlag auf einen GST-Schießstand im Jan. 1956, »Umbenennung« eines Fahrgastschiffes von »Stalin« in »Bayern«; Anfang 1958 Aufdeckung der Gruppe nach Verrat eines Gruppenmitglieds, 13.2.1958 Verhaftung durch MfS (bis Apr. 1958 Verhaftung von 24 weiteren Personen, 5 konnten fliehen), 27.9.1958 Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus wg. »Staatsverrats« durch das Bezirksgericht Gera, anschl. Haft im Zuchthaus Waldheim, von Nov. 1958 bis Aug. 1964 im Zuchthaus Brandenburg-Görden. 14.8.1964 nach Freikauf durch Bundesreg. Entlassung in die Bundesrep. Dtl.; Stud. der Polit. Wiss., Jura u. Gesch. in Tübingen, Bonn sowie Erlangen; anschl. u. a. Red. bei einer in der Schweiz hrsg. landeskundl. Ztschr. für Zeitgesch., Staat u. Gesell. sowie Mitarb. am Inst. für Gesell. u. Wiss. in Erlangen; 1968 – 82 SPD; 1975 – 91 wiss. Mitarb. im Gesamtdt. Inst. Bonn; 1991 – 2002 Mitarb. der Bundeszentrale für polit. Bildung; 1992 – 98 abgeordnet als wiss. Mitarb. in die Sekretariate der Enquete-Kommissionen des Dt. Bundestages »Geschichte u. Folgen der SED-Diktatur in Dtl.« (1992 – 94) u. »Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der dt. Einheit« (1995 – 98); 1998 Bundesverdienstkreuz, lebt bei Bonn.Universität zwischen Demokratie u. Diktatur. Ein Beitrag zur Nachkriegsgeschichte der Universität Rostock. Köln 1969; Die DDR. Bonn 1979 (mit G. Holzweißig); Staatssicherheit in Rostock. Zielgruppen, Methoden, Auflösung. Köln 1991 (Hg., mit H.-J. Memmler); Der Eisenberger Kreis, in: Vergangenheitsklärung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Leipzig 1994; Die Gedanken sind frei. Widerstand an den Universitäten 1945 bis 1961. In: U. Poppe, R. Eckert, I.-S. Kowalczuk (Hrsg.): Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung. Berlin 1995; Widerstand an DDR-Oberschulen 1945 – 1968. In: K.-D. Henke, P. Steinbach, J. Tuchel (Hrsg.): Opposition und Widerstand in der DDR. Köln, Weimar, Wien 1999; »Angeregt durch die Methode der Geschwister Scholl«. Ein Rückblick auf den Eisenberger Kreis aus dem Jahre 1965. In: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 2007. Mühlen, P. v. z.: Der »Eisenberger Kreis«. Bonn 1995; Kowalczuk, I.-S.: T. A. In: Ders., Tom Sello (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition und Widerstand in Biographien und Fotos. Berlin 2006.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Anders, Karl

* 24.1.1907 – ✝ 27.2.1997

Geboren als Kurt Wilhelm Naumann am 24.Januar 1907 in Berlin, Sohn eines Handwerksmeisters. Nach der Gesellenprüfung arbeitete Naumann im Polstermöbelbau, dann als Gartenbautechniker. 1921 im Wandervogel aktiv, ab 1923 in der Arbeiterjugendbewegung. Seit 1929 in der KPD, wurde 1931 Parteisekretär. Zeitweise leitete er die Agitpropabteilung des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg. 1933 Instrukteur des ZK für die Herstellung der illegalen Druckerzeugnisse im Reich, im März 1934 flüchtete er nach Prag und war dort 1936/37 im Vorstand der Roten Hilfe. Anders emigrierte 1939 über Polen nach Großbritannien, wo er von Juni bis Dezember 1940 interniert war. Anders schloß sich 1940 der sozialdemokratischen Gruppe »Neu Beginnen« an und war dann von 1943 bis 1949 in der Deutschlandabteilung von BBC tätig. 1949 kehrte er nach Deutschland zurück und leitete von 1953 bis 1957 den Verlag der »Frankfurter Rundschau« und wurde Mitglied der SPD. Im Wahlkampf 1961/62 gehörte er zur zentralen Wahlkampfleitung der Partei. Als Berater der Gewerkschaft IG Bau veröffentlichte er deren Geschichte: »Stein auf Stein. Die Leute von Bau-Steine-Erden und ihre Gewerkschaften«, Hannover 1969. Von 1971 bis 1974 in der Grundwertekommission der SPD, danach in deren Seniorenrat. Karl Anders starb am 27.Februar 1997 in Dreieich bei Frankfurt/M.

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Andrä, Erwin

* 20.5.1921

Geb. in Dresden; Vater Dreher, Mutter Hausfrau, gelernte Blumenbinderin; 1935 – 41 Lehre u. Arbeit als Modellbauer; 1941 – 44 Kriegsdienst; 1944 – 47 Modellbauer. 1947 – 52 Studium an der HS für Werkkunst Dresden, ab 1950 dort Ass. u. Doz.; 1952 – 55 am Inst. für angew. Kunst, Ltr. d. Abt. Holz u. Spielmittelgestaltung; SED; 1953 Kurator der DDR-Spielzeugausstellung in Berlin, 1954 der Schau »Dt. angew. Kunst vom 16. Jh. bis zur Gegenwart« in Moskau; 1955 – 61 Hauptverwaltungsltr. im Min. für Leichtindustrie, ab 1958 Fachbereichsltr. in der SPK; 1961 – 64 Dir. des Inst. für Spielzeug Sonneberg (Thür.); 1964 – 71 Rektor der HS für Industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein, Halle, Prof.; 1965 Gründung, Aufbau u. Ltg. des Fachbereichs Spielmittelgestaltung; 1968 – 70 Vizepräs. des VBK; 1974 u. 1978 im Internat. Komitee zur 1. u. 2. Quadriennale des Kunsthandwerks soz. Länder; 1972 u. 1977 Jurymitgl. VII. u. VIII. Kunstausstellung der DDR, Dresden; 1977 VVO; 1980 – 86 Erster Prorektor der HS f. Industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein u. Ltr. der Abt. Internat. Beziehungen, Aufbau von Kontakten, u. a. zur FS für Gestaltung Ulm, Folkwang Schule Essen u. Royal College of Art London; 1981 Designpreis; 1983 Freundschaftsmed. der SR Vietnam; 1986 Hans-Grundig-Medaille; 1986 em.; 1986 – 90 Weiterbildungskurse für designierte Hochschullehrer an der HS für Industrielle Formgestaltung (HIF) Hanoi / SR Vietnam; 1989 Stern der Völkerfreundschaft. PDS; für Die Linke im Beirat der Zoologischer Garten Halle GmbH; lebt in Halle. Kunsthandwerk: Dosen, Schalen, Leuchter aus Holz, Schachspiel aus Eben- u. Zitronenhölzern. Produktgestaltung: Sitzungshammer für Landtag Dresden, Spielmittel für Kleinstkinder aus Holz, darunter 1949 / 50 »Kinder-Schaukelwagen« (VEB Holzspielwarenwerke Ohrdruf u. a. 1951, nach Anregung von  Mart Stam u. zus. mit H. Brockhage), Sportspielgeräte, neue Formen von Trampolins, Kinderwagen für Zekiwa Zeitz, Puppen für »Sonni« Sonneberg, Spielplätze u. Spielplatzgeräte für Rostock-Lütten Klein (Sportgerätewerk Karl-Marx-Stadt).Spielzeug. Dresden 1950; HS für Ind. Formgestaltung. Halle 1968 (Hrsg.); Spielzeug für Kinder. In: Kirchhöfer, D. et al.: Kindheit in der DDR. Frankfurt (Main) u. a. 2003.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

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Angermann, Erich

* 21.1.1911 – ✝ 2.11.1968

Geb. in Lichtenberg (Krs. Bischofswerda); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Zimmermann; 1925 Dt. Baugewerksbund; 1926 RFB u. Arbeiter-Turn- u.-Sportbund, 1929 KPD; nach 1933 illeg. Arbeit, zeitw. inhaftiert; seit Verkehrsunfall 1935 berufsuntauglich, 1937 – 45 als Schwerbeschädigter in der Dresdener Tuchfabrik tätig. 1945 – 48 Arbeitsgebietsltr. der KPD / SED in Großröhrsdorf; 1948 / 49 Sekr. des FDGB-KV Kamenz; 1949 – 52 Kaderltr. bzw. Betriebsltr. in der VVEAB Krs. Kamenz; 1952 – 59 Kaderltr. im VEB Granitwerke Häslich / Bischheim-Görsdorf; zeitw. Mitgl. der SED-KL Kamenz; 1959 Mitbegr. des VKSK, 1959 – 68 1. Sekr. des ZV des VKSK.Kirsten Nies

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Ansorge, Erich

* 4.12.1937

Geb. in Schatzlar (Krs. Trautenau, ČSR / Žacléř, Tschechien); Vater Bergmann; Grundschule; 1951 – 54 Lehre u. Arbeit als Hüttenwerker im VEB Kupfer- u. Blechwaren Ilsenburg; 1954 – 57 Student an der ABF Halle u. der Bergakad. Freiberg (Abitur), 1957 – 62 Studium am Metallurg. Inst. in Dnjeprpetrowsk (UdSSR), Dipl.-Ing. für Ausrüstungen; während des Studiums zwei Jahre Militärdienst in der sowj. Armee, Ltn.; 1958 SED; 1962 / 63 Mechaniker, 1963 / 64 wiss. Mitarb., 1964 / 65 hauptamtl. Sekr. für Wirtschaft in der SED-BPO im VEB Stahl- u. Walzwerk Riesa; 1965 / 66 stellv., 1966 – 68 Hauptmechaniker; 1968 – 73 Fernaspirantur am Stahlinst. Moskau, Prom. zum Dr.-Ing.; 1969 – 73 Techn. Dir., 1974 – 85 GD des VEB Rohrkombinat Riesa; 1981 / 82 Studium an der SED-PHS; 1985 / 86 Stellv. des Ministers, 1986 – 90 Staatssekr. für Erzbergbau, Metallurgie u. Kali; 1986 Verdienstmedaille der NVA.Andreas Herbst

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Apelt, Fritz

* 4.2.1893 – ✝ 28.1.1972

Geb. in Tiefenfurth (Krs. Görlitz, Niederschles./Parowa, Polen); Vater Bergmann u. Landbriefträger, Mutter Fabrikarb.; Volksschule; 1907 – 10 Ausbildung zum Schlosser; 1910 – 14 u. 1918 – 23 Schlosser u. Werkzeugmacher; 1911 – 23 DMV; seit 1911 in Berlin; Okt. 1912 SPD; 1912/13 Besuch der Arbeiterbildungsschule; 1915 – 18 Militärdienst; Nov. 1918 Mitgl. eines Soldaten- u. eines Arbeiterrats in Liegnitz; Angeh. der Volksmarinediv.; Dez. 1918 USPD; 1918 – 23 Vertrauensmann des DMV u. Betriebsratsmitgl. Berliner Betriebe; 1920 KPD; 1923 wegen Führung eines »wilden Streiks« in der AEG-Turbinenfabrik in Berlin-Moabit aus dem DMV ausgeschl.; Juni 1923 Gewerkschaftsred. der »Roten Fahne«; Mitgl. der Ltg. des KPD-UB Berlin-Moabit; Sept. 1924 verhaftet u. am 7.11.1924 zu einem Jahr Festungshaft verurteilt, Aug. 1925 Entlassung aus der Festung Gollnow; zunächst Red. des Pressedienstes der KPD; dann in der Gewerkschaftsabt. des ZK der KPD verantwortl. Red. der Ztschr. »Der Arbeiterrat« u. Mitarb. der Betriebsräteabt.; Jan. 1927 – Okt. 1929 als Vertreter der RGO Mitgl. des EK der RGI in Moskau, stellv. Ltr. der Org.-Abt., in dieser Funktion Reisen in die Niederlande, nach Österreich, Finnland und in die ČSR, dann Initiator u. Leiter der Jugendabt. des EK der RGI; Okt. 1929 erneut im Pressedienst der KPD in Berlin; Nov. 1929 – Nov. 1932 Chefredakteur des »Thüringer Volksblatts« (Erfurt); Nov. 1932 – Jan. 1933 Chefredakteur der »Badischen Arbeiterstimme« (Mannheim); Jan. – Aug. 1933 Mitgl. der illegalen KPD-BL Baden-Pfalz, Aug. 1933 – Mai 1934 Haft im KZ Heuberg u. Kieslau; Polizeiaufsicht; er-neut illegale Tätigkeit in Baden, Juli 1934 – März 1935 pol. Oberberater der KPD für den Bez. Mittelrhein u. NRW; März 1935 Emigr. nach Amsterdam, dann Paris, Ende April 1935 über Schweden u. Finnland in die UdSSR; Sanatoriumsaufenthalt, dann Pressekorrespondent für dt.-spr. Ztg. im Ausland in der Abt. Agit. des KI-EK, 1939 Mitarb. in der Red. des allg. KI-Bulletins; Sept. 1941 Sprecher u. Red.-Sekr. beim Dt. Volkssender; Okt. 1941 Evakuierung nach Ufa, erhielt wegen »mangelnder Parteiwachsamkeit« von der Moskauer KPD-Führung am 31.10.1942 eine »strenge Rüge mit ernster Verwarnung«; Febr. – Aug. 1944 Mitarb. in einer Arbeitskommission zur Ausarbeitung des Nachkriegsprogramms der KPD; Herbst 1944 Red. im Sender des NKFD. 15.6.1945 Rückkehr nach Dtl.; Juli 1945 Mitgl. des vorbereit. Gewerkschaftsaussch. für Sachsen u. Wahl zum 2. Vors. des Landesaussch.; Okt. 1945 – 51 Chefred. der Ztg. »Die Freie Gewerkschaft« (bzw. ab Jan. 1947 »Tribüne«); 1946 SED; 1947 – 51 1. Vors. des Verb. der Dt. Presse (Nachf. von Paul Ufermann), 1947 – 55 Mitgl. des BV u. bis 1950 des Geschäftsführenden Aussch. des FDGB, 1947/48 Ltr. der HA Presse u. Rundfunk; Sept. 1949 – Okt. 1950 Ltr. der Abt. Internat. Verbindung beim BV des FDGB; 2. Vors. der IG Kunst u. Schrifttum; Mitgl. des Gen.-Rats der Internat. Org. der Journalisten; Aug. 1951 – Jan. 1954 Ltr. des Amts für Lit. u. Verlagswesen der DDR, 1951 – 53 Fernstudium an der PHS; Nov. 1952 Heirat mit Frieda Malter; Jan. 1954 – 56 Staatssekr. u. 1. Stellv. des Min. für Kultur der DDR; 1956 Invalidisierung; 1956 – 67 Mitgl. des Zentr. Arbeitskrs. verdienter Gewerkschaftsveteranen u. Vors. der Kommission zur Erforschung der Geschichte der dt. Gewerkschaftsbew.; 1970 Ehrenspange zum VVO.Der WGB u. die dt. Gewerkschaften. Berlin 1947; Die Gewerkschaften in der Sowjetunion. Berlin 1949; Stalin u. die Gewerkschaften. Berlin 1949.Andreas Herbst / Peter Erler

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Alexan, Georg Friedrich

* 12.7.1901 – ✝ 11.1.1995

Geb. in Mannheim / Baden in einer jüd. Familie; Vater Kaufm., Mutter Hausfrau; Volksschule; 1916 – 19 Lehrling; 1919 – 21 Büroangest.; 1921 – 31 Mitarb. im elterl. Ladengeschäft; daneben Besuch der Handelshochschule u. der Freien VH (Abendkurse für dt., franz. u. engl. Literatur u. Sozialgeschichte); 1931 Übersiedl. nach Paris, dort freier Schriftsteller; 1933 SDS; Gründung des Verlags Editions meteor; zwei Romane unter dem Namen Friedrich Alexan (»Mit uns die Sintflut« 1934; »Im Schützengraben der Heimat« 1935); 1937 Heirat mit Maria Krotz; Dez. 1937 Übersiedl. in die USA; ab 1938 2. Sekr. der »German American Writers League«, nach Spaltung der League 1940 im Auftrag der KPD-Emigrationsleitung zus. mit  Ernst Bloch, Ferdinand Bruckner, Oskar Maria Graf,  Wieland Herzfelde,  Alfred Kantorowicz,  Max Schroeder, Berthold Viertel,  F. C. Weiskopf Gründung der Vereinigung antifasch. Schriftsteller »Die Tribüne für freie dt. Lit. u. Kunst« (The Tribune for Free German Culture), bis 1945 deren kulturpolit. Ltr. u. 1. Sekr.; 1939 – 45 Ausschussmitgl. u. Berater für kulturpol. Fragen der German American League for Culture zur Bekämpfung der Nazipropaganda; 1942 Geburt der Tochter Irene, verh.  Runge; 1945 – 49 Ltr. der »Tribune Subway Gallery« in New York; 1947 – 49 Ko-Dir. des Verlags The Touchstone Press. Mai 1949 Rückkehr nach Dtl. (auf dem Schiff befand sich auch der flüchtende  Gerhart Eisler – A. war einziger Mitwisser des Fluchtplans u. finanzierte die Passage); Juni – Okt. 1949 Ass. am Franz-Mehring-Inst. der Univ. Leipzig; Aug. 1949 SED; Okt. 1949 – Jan. 1950 Hauptreferent der DWK; Jan. 1950 Hauptreferent der Abt. Presse / Berichterstattung im Amt für Information (AfI), Ltr. der Unterabt. USA / Imperialismus, Chefred. der Rundfunk-Sendung »Die Wahrheit über Amerika«, 1950 – 53 Chefred. (u. einziger Autor) der illustr. Monatsztschr. »USA in Wort und Bild«; 1950 VDP, später VDJ; ab Dez. 1951 Ltr. der Abt. USA in Wort u. Bild in der HA Friedens- u. Planpropaganda des AfI; ab 1954 (nach Auflösung des AfI) freiberufl. Mitarb. beim Rundfunk (Propaganda gegen die USA), später auch beim Fernsehfunk; Mitgl. des Paul-Robeson-Komitees; freier Schriftsteller, Übersetzer propagand. Werke zur Zeitgesch. (u. a. Arthur David Kahn, Agnes Smedley, William E. Dodd, Herbert Aptheker), auch Publizist (u. a. in der »Weltbühne«); 1961 Rentner; gest. in Dornum.Tauscher, R.: Satire des Exils. Hamburg 1992; Anderson, E.: Liebe im Exil. Berlin 2007; Runge, I.: Vorbemerkung zum Nachdruck von »Im Schützengraben der Heimat«. Mannheim 2008.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Alexejewa, Ljudmila

* 1927 – ✝ 2018

Ljudmila Alexejewa wurde in Jewpatorija auf der Krim geboren. Mit ihrer Familie zog sie einige Jahre später nach Moskau. Ihre Mutter war Mathematikerin, ihr Vater Ökonom. Er fiel 1942 an der Front. Während des Zweiten Weltkriegs ließ sich Alexejewa zur Krankenschwester ausbilden und meldete sich freiwillig, wurde aber aufgrund ihres Alters nicht eingezogen. Sie war aktive Komsomolzin: Während der kriegsbedingten Evakuierung aus Moskau arbeitete sie als technische Sekretärin eines Bezirkskomitees in Kasachstan und nahm nach ihrer Rückkehr am Bau der Moskauer Metro teil. 1945 bis 1950 studierte Alexejewa Geschichte an der Moskauer Universität und arbeitete danach bis 1953 als Geschichtslehrerin in einer Berufsschule in Moskau. Gleichzeitig war sie Referentin des Gebietskomitees des Komsomol 1952 trat sie in die KPdSU ein. 1953 bis 1956 war Alexejewa Doktorandin am Moskauer Institut für Ökonomie und Statistik. Nach Stalins Tod 1953 erlebte Alexejewa eine Krise ihrer weltanschaulichen Überzeugungen: „Ich kam zu dem Schluss, dass sich eine Bande von Banditen an der Macht befindet.“ Sie entschied sich gegen eine feste Stelle beim Komsomol und verzichtete später auf die Verteidigung ihrer Doktorarbeit. Sie arbeitete dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Redaktion für Archäologie und Ethnographie des Verlags „Nauka“ (1959–68) und war Mitarbeiterin am Institut für wissenschaftliche Information der Gesellschaftswissenschaften der Akademie der Wissenschaften der UdSSR (1970–77). Seit 1956 dienten ihre Wohnung – wie auch die ihrer Freunde, dem Ehepaar Boris Schragin und Natalia Sadomska – als Treffpunkt für Moskauer Intellektuelle und Ort der Aufbewahrung und Verteilung von Samisdat-Publikationen. Zwischen 1950 und 1960 lernte Alexejewa die späteren Dissidenten Alexander Jessenin-Wolpin, Juri Gastew (dessen Freund und Kollegen Nikolai Wiljams sie 1968 heiratete), Juli Daniel, Larissa Bogoras und Anatoli Jakobson kennen. Seit dem *Prozess gegen Andrei Sinjawski und Juli Daniel (September 1965 bis Februar 1966) engagierte sich Alexejewa in der Menschenrechtsbewegung. Sie war Mitbegründerin des illegalen „Roten Kreuzes“, einer Initiative für die materielle Unterstützung politischer Häftlinge und deren Familien. Alexejewa beteiligte sich mit der Unterzeichnung und Sammlung von Unterschriften an der Petitionskampagne zur Unterstützung der Angeklagten im *Prozess der Vier teil. Im April 1968 wurde sie dafür aus der KPdSU ausgeschlossen und verlor ihren Arbeitsplatz. 1968 bis 1972 war Alexejewa an der Herausgabe der *“Chronik der laufenden Ereignisse“ beteiligt. Sie kopierte die Redaktionsexemplare und pflegte Kontakte mit den Korrespondenten der „Chronik“ in der Ukraine. Ihre Unterschrift ist unter vielen Appellen zur Verteidigung der Menschenrechte zwischen 1968 und 1975 zu finden. An der Vorbereitung einzelner Appelle war sie unmittelbar beteiligt. Wiederholt musste Alexejewa Durchsuchungen und Befragungen über sich ergehen lassen. Besonders intensiv wurde sie im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Piotr Jakir und Wiktor Krassin (1973) verhört, machte aber nicht die vom KGB erwarteten Aussagen. 1974 wurde ihr auf Grundlage des *Dekrets des Präsidiums des Obersten Sowjets vom 25. Dezember 1972 eine Verwarnung wegen der „systematischen Anfertigung und Verbreitung antisowjetischer Texte“ ausgesprochen. 1975 und 1976 nahm Alexejewa jeweils am 30. Oktober in Moskau an den Pressekonferenzen anlässlich des *Tags des politischen Häftlings in der UdSSR teil. Anfang 1976 war Alexejewa Mitbegründerin der von #Juri Orlow initiierten *Moskauer Helsinki-Gruppe und sagte zu, im Falle ihrer Emigration aus der UdSSR die Vertretung der Gruppe im Ausland zu übernehmen. Sie redigierte und verwahrte Texte der Gruppe, unterschrieb die ersten 19 offiziellen Dokumente und beteiligte sich an der Ausarbeitung des Dokuments Nr. 3 über die Haftbedingungen politischer Gefangener vom 17. Juni 1976. Im Auftrag der *Moskauer Helsinki-Gruppe reiste Alexejewa zur Unterstützung verfolgter katholischer Geistlicher und Schüler nach Litauen. Auf der Grundlage der bei dieser Reise gesammelten Informationen verfertigte sie das – auch von Tomas Venclova, Mitglied der Litauischen Helsinki-Gruppe, unterzeichnete – Dokument Nr. 15 vom 8. Februar 1977. Am 9. Februar 1977 fand in ihrer Wohnung die letzte Pressekonferenz der *Moskauer Helsinki-Gruppe vor der Verhaftung von #Juri Orlow statt. Diese bildete den Startpunkt der nun folgenden Verfolgungswelle gegen die Helsinki-Gruppen in der UdSSR. Ljudmila Alexejewa konnte am 22. Februar 1977 mit ihrer Familie die UdSSR verlassen und emigrierte in die USA. Sie übernahm die Vertretung der *Moskauer Helsinki-Gruppe im Ausland und gab zwischen 1977 und 1984 alle Dokumente der Gruppe sowie eine Sammlung von Dokumenten zum Fall *Juri Orlows heraus. Daneben war sie Beraterin verschiedener Menschenrechtsorganisationen, unter anderem beim Helsinki-Komitee der USA und das Institut der freien Gewerkschaften beim amerikanischen Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO. Seit 1977 leitete Alexejewa eine Radiosendung zur Lage der Menschenrechte bei *Radio Liberty und Voice of America. Sie publizierte in den Zeitungen „Novoe Russkoe Slovo“, „Novosti“, *„Russkaja Mysl“, in den Zeitschriften „Novyj Amerikanec“, *„Kontinent“ und „SSSR. Vnutrennie Protivorečija“ sowie in der britischen und amerikanischen Presse. Von 1977 bis 1980 verfasste sie im Auftrag des Außenministeriums der USA auf der Grundlage umfangreichen Quellenmaterials eine Broschüre über unabhängige Bewegungen in der UdSSR. 1984 überarbeitete und erweiterte sie diese Version zu einer eigenen Monografie unter dem Titel „Istorija inakomyslija v SSSR. Novejšij period“ (Die Geschichte des Dissidententums in der UdSSRin heutiger Zeit). Das ein Jahr später auf Englisch erschienene Buch war die erste historische Arbeit zu diesem Thema. In Russland erschien das Werk 1992. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre nahm Alexejewa als Mitglied der US-amerikanischen Delegation an den KSZE-Konferenzen in Reykjavik und Paris teil. In Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Journalisten Paul Goldberg brachte sie 1990 auf Englisch ihre Erinnerungen heraus. 1993 kehrte Alexejewa nach Russland zurück. Seit Mai 1996 war sie Leiterin der reaktivierten *Moskauer Helsinki-Gruppe. Zwischen 1998 und 2004 war sie Präsidentin der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte. 2004 bis 2012 und 2015 bis 2018 Mitglied des Menschenrechtsrats beim russischen Präsidenten. Unermüdlich klagte sie Menschenrechtsverletzungen an. Sie erhielt zahlreiche Preise und staatliche Auszeichnungen, darunter den Olof-Palme-Preis (2004), den Sacharow-Preis (2009), das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (2009), den Václav-Havel-Menschenrechtspreis (2015) und den Staatspreis der Russischen Föderation (2017). Ljudmila Alexejewa starb am 8. Dezember 2018 in Moskau.Dmitri Subarew, Gennadi Kusowkin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 11/18

Wer war wer in DDR

Allmeroth, Heinrich

* 9.3.1901 – ✝ 18.10.1961

Geb. in Knickhagen (Hessen); Vater Lehrer; Studium der Staats- u. Rechtswiss. in Frankfurt (Main) u. Göttingen; 1924 Prom. zum Dr. rer. pol.; parallel zur kfm. Tätigkeit in Kassel Gesangsstudium; 1926 Bühnendebüt am Stadttheater Göttingen, Beginn der gewerkschaftl. Tätigkeit in der Genossenschaft Dt. Bühnenangeh.; ab 1927 wechselnde Engagements: 1927/ 28 Stadttheater Halle (Saale), 1928/29 Stadttheater Dortmund, 1929 – 32 Opernhaus Köln, 1932 – 34 Opernhaus Düsseldorf, 1934 – 38 Hof- u. Staatstheater Stuttgart (wirkte an der UA von Nico Dostals Operette »Monika« mit, 1937), 1938 – 44 Opernhaus Leipzig; Gastspiele in Amsterdam (1931), Basel (1934), Wien (1939); 1944 zur Wehrmacht eingezogen. 1946 – 48 Tenor an der Leipziger Volksbühne, 1948 / 49 am Berliner Metropoltheater; 1949 Intendant in Leipzig; 1949 – 52 Intendant des Theaters Rostock; 1952 – 54 stellv. Intendant der Berliner Staatsoper; 1954 bis zu seinem Tod Generalintendant der Staatstheater Dresden; Mitgl. der SED, des FDGB u. des KB; 1950 Kreisvors. des KB in Rostock; 1950 – 58 Mitgl. der Volkskammer als Vertreter des FDGB; 1950 – 59 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB; 1950 / 51 stellvertr. Vors. der Gewerkschaft Bühne-Film-Funk-Musik-Artistik; Mitgl. des ZV; 1953 – 59 1. Vors. der Gewerkschaft Kunst, Mitgl. des künstl. Beirats beim MfK; Mitgl. der SED-BL Dresden; 1954 VVO in Bronze, 1961 in Silber; Fritz-Heckert-Medaille; gest. in Dresden. Verfügte als Sänger über ein breites Spektrum von Stimmfächern (lyr. Tenor, Heldentenor, Bariton), das sich in einem Rollenrepertoire von beachtl. Umfang widerspiegelte: TR in Pfitzners »Palestrina« u. Verdis »Don Carlos«, sang den Tamino in Mozarts »Zauberflöte«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla« u. den Alfredo in »La Traviata«.Die Aufgaben der Gewerkschaft Kunst zur Erhöhung des sozialistischen Bewußtseins der Mitglieder im Kampf für eine sozialistische Kultur. Berlin 1958.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Altenbourg, Gerhard

* 22.11.1926 – ✝ 30.12.1989

Geb. in Rödichen-Schnepfenthal (Thür.); Vater Prediger einer ev.-freikirchl. Gemeinde; seit 1929 in Altenburg (Thür.); 1944/45 Wehrdienst, Lazarett. 1946 – 48 schriftsteller. Tätigkeit, Zeichenunterricht bei Erich Dietz; 1948 – 50 Studium an der HS für Baukunst u. bildende Kunst in Weimar; danach freischaff. in Altenburg, Annahme des Künstlernamens »Altenbourg«; 1959 Beteiligung an der documenta II in Kassel; 1961 Gastatelier in der AdK in Berlin (West); 1964 Anklage u. Verurteilung wegen Übertretung der Zollgesetze der DDR zu sechs Mon. Gefängnis bei zweijähriger Bewährung; 1966 Burda-Preis für Grafik, München; 1967 Preis der II. Internat. d. Zeichnung, Darmstadt; 1968 Will-Grohmann-Preis, Berlin (West); 1970 Mitgl. des Inst. für mod. Kunst, Nürnberg; 1977 Life Fellow of the International Biographical Association, Cambridge, England; gest. in Meißen an den Folgen eines Autounfalls. A. verweigerte sich jeder Anpassung an die Kunstpol. der DDR. Seine Wirksamkeit in der DDR wurde bis in die 80er Jahre hinein massiv behindert, z. B. durch wiederholtes Verbot bzw. Schließen von Ausstellungen. Dagegen erwarb das Museum of Modern Art in New York schon 1961 eine Arbeit des Künstlers, u. die Galerie Brusberg in Hannover zeigte 1969 eine große Retrospektive seines Schaffens. In der DDR, wo einzelne Museen wie das Kupferstichkabinett Dresden es wagten, das Werk des Künstlers umfassend zu dokumentieren, konnten erst zum 60. Geburtstag Ausstellungen in Leipzig, Dresden u. Berlin stattfinden. Das Werk umfaßt über 3.000 Zeichnungen u. Malereien, über 1.400 graf. Blätter, 14 Bücher u. 80 plast. Werke.Tatauierte Litaneien. Berlin, Paris 1962; Ich-Gestein. Berlin 1971; Wund-Denkmale. Leipzig, Hannover 1984. G. A. Werk-Verzeichnis 1947 – 69. Hannover 1969; Kat. G. A. Zeichnungen u. Grafik. Leipzig 1986; G. A. Das einsschauende Ausschauen. Brusberg Dokumente 15. Berlin 1986; Kat. G. A. Arbeiten 1947 – 87. Bremen 1988; G. A. Arbeiten aus den Jahren 1947 – 89. Inst. für Auslandsbeziehungen. Stuttgart 1992.Dieter Gleisberg

Wer war wer in DDR

Altmann, Eva

* 17.12.1903 – ✝ 1.3.1991

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; Studium der Wirtschaftswiss. in Frankfurt (Main), Kiel u. Berlin; 1921 Mitgl. des KJVD, 1923 der KPD; 1931/32 neuneinhalb Mon. Festungshaft; Ende 1932 zwei Mon. Gefängnis; Jan. 1933 Frauen-Ltr. des Erwerbslosen-Bezirksaussch. Berlin-Brandenburg; März 1933 zu den Reichstagswahlen KPD-Instrukteur in Eisleben, Jan. – Juni 1934 U-Haft in Berlin; anschl. Angeklagte im Prozeß Hans Otto u. Genossen vor dem 4. Strafsenat des Kammergerichts Berlin, Freispruch aus Mangel an Beweisen; anschl. unter Gestapo-Aufsicht; während der NS-Zeit mehrmals inhaftiert u. lange Zeit unter Polizeiaufsicht. Ab 1945 in der SBZ zunächst in versch. Funktionen des Bildungswesens; 1948 Absolventin eines Intensivlehrgangs für marxist.-leninist. Doz. an der PHS in Liebenwalde bzw. in Kleinmachnow (b. Berlin), anschl. HS-Lehrerin für pol. Ökon. an der HU Berlin, 1949 Vorlesungen zum Zweijahresplan; 1950 Berufung zur Prof. u. Gründungsrektorin der HS für Planökon. in Berlin-Karlshorst, die 1956 mit der HS für Finanzwirtschaft Potsdam-Babelsberg zur HfÖ Berlin vereinigt wurde; 1952 Dr. h. c. der MLU Halle; 1956 Ablösung als Rektorin u. Ernennung zur Dir. des Inst. für pol. Ökon. an der HfÖ Berlin, später Prof. an der Sekt. Marx.-Lenin.; ab 1956 Mitgl. im Red.-Kolleg. der »Einheit«; 1959 VVO; 1963 Dr. h. c. der HfÖ Berlin; später KMO; 1976 Einrichtung der Stiftung »Prof.-Eva-Altmann-Preis« an der HfÖ; gest. in Berlin. A. gehörte zu den ersten in der SBZ ausgebildeten Doz. für marxist. pol. Ökon., an deren Etablierung als Lehr- u. Forschungsdisz. in der DDR sie maßgebl. Anteil hatte. Auf ihre Veranlassung wurde das »marxist.-leninist. Grundlagenstudium« noch vor dessen DDR-weiter Einführung als obligator. Bestandteil des HS-Studiums an der HS für Planökon. als Pflichtfach eingerichtet. Arbeitsgebiete bzw. -themen: pol. Ökon. des Kap. u. ökon. Verhältnisse in der Bundesrep. Dtl.; Gegenstand der pol. Ökon.; Dialektik zw. Produktivkräften u. Produktionsverhältnissen; Eigentums- u. Reproduktionstheorie.Über den Gegenstand der pol. Ökon. u. über die ökon. Gesetze. Berlin 1955; Westdtl. unter den Gesetzen der Reprod. des Kapitals u. die Arbeiterklasse (Mitautorin). Berlin 1960; Zur pol. Ökon. der Arbeiterklasse. Berlin 1974; Zum Studium von Karl Marx’ Werk »Das Kapital«. Berlin 1985.Hagen Schwärzel / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ambs, Hans

* 5.6.1898 – ✝ 8.10.1962

Geboren als einziges Kind eines Schlossermeisters am 5.Juni 1898 in Augsburg; erlernte das Bauschlosserhandwerk. Nach einjähriger Gesellenzeit im März 1917 als Matrose eingezogen. Nach Ausbildung bei der I. Werft-Division in Kiel Dienst in der Mittelmeer-Halbflottille. Im Oktober 1918 Rückkehr nach Kiel. Die Matrosenerhebung hatte für Ambs ferneres Leben entscheidenden Einfluß, er trat im Januar 1919 der USPD und im Januar 1920 der Gewerkschaft bei. Ab 1919 war er in Rostock auf verschiedenen Werften als Schlosser tätig. 1920 mit der linken USPD Übertritt zur KPD. 1923 besuchte Ambs für drei Monate die Parteischule der KPD in Jena. Er wurde im Februar 1924 in den Mecklenburg-Schweriner Landtag gewählt. Nach dem »Offenen Brief« 1925 war er aktiv für die linke Opposition tätig, gehörte zur ultralinken Gruppe um Karl Korsch und Ernst Schwarz und wurde deshalb am 20. August 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Er hielt Verbindung mit den linken Gruppen (Leninbund usw.), war aber nicht mehr politisch tätig. Nach dem Besuch von Abendschulen legte Ambs 1930 die Meisterprüfung ab und zog nach Berlin, wo er bei verschiedenen Firmen arbeitete. 1942 zum Militär eingezogen, bei Kriegsende Stabsgefreiter. 1945 Übersiedlung nach Eckernförde, wieder Mitglied der KPD. Ambs war Delegierter zum Reichsparteitag der KPD in Berlin im April 1946. Er wurde 2. Vorsitzender der Gewerkschaft Metall in Eckernförde, stellvertretender Landrat und 1946 von der Besatzungsmacht ernannter KPD-Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein sowie 1946/47 Mitglied des Zonenbeirats der britischen Zone zur Neugliederung der Länder. 1949 verließ Ambs die KPD wegen erneuter Differenzen und trat im Mai 1950 zur SPD über. Im Oktober 1953 wurde er Bevollmächtigter der IG Metall, Verwaltungsstelle Nordenham. Hans Ambs starb am 8. Oktober 1962 in Nordenham.

Wer war wer in DDR

Ampler, Klaus

* 15.11.1940

Geb. in Marienburg; Vater Arbeiter; POS; seit 1954 aktiver Radsportler, zunächst Motor Warnowwerft/Motor Rostock, 1956 – 59 Ausbildung zum Lichtbogenschweißer; 1959 – 70 Dipl.-Sportlehrer, Studium an der DHfK Leipzig, dort im SC, DDR-Mstr. auf der Straße 1962 u. 1963, in der Verfolgung auf der Bahn 1965 u. 1966, im Straßen-Mannschaftsfahren 1969; 1963 Sieger der Internat. Friedensfahrt; 1963 Sportler des Jahres; SED; 1970 Leistungssport beendet; ab 1971 Radsporttrainer beim SC DHfK Leipzig u. in der DDR-Auswahl; verh. mit der ehem. Ruderin Waltraud Böhlmann (1961 Vize-EM Achter); Vater des Radsportlers Uwe A.; nach 1990 Geschäftsführer Fahrrad-Großhandel; lebt in Leipzig.Schweiß – Mein Leben für den Radsport. (Autobiogr.).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Anderson, Edith

* 30.11.1915 – ✝ 13.4.1999

Geb. in New York; Vater Lehrer, Mutter Lehrerin; 1932 – 37 Ausbild. zur Englischlehrerin am New College der Columbia University New York; 1937 / 38 Ehe mit Victor Teichman; 1938 KP der USA; 1942 / 43 Kulturred. der KP-Ztg. »Daily Worker«; 1943 – 47 Eisenbahnschaffnerin der Pennsylvania Railroad; Gewerkschaftsaktivitäten; 1944 Ehe mit  Max Schröder. 1947 Reise zum Ehemann nach Dtl., wg. Visa-Problemen längerer Zwischenaufenthalt in Paris; Dez. 1947 Ankunft in Berlin; Nov. 1948 Geburt der Tochter Cornelia; 1949 erste Novelle (»Loretta«) in der Ztschr. »Ost und West«; 1951 Umzug von West- nach Ost-Berlin (Grünau); 1951 – 56 Übersetzerin u. Red. bei der IDFF, Dienstreisen u. a. nach Dänemark, China, Rumänien, Ungarn; 1956 Roman »Gelbes Licht« (»A Man’s Job«); ab 1958 freiberufl. Journalistin, Übersetzerin, Schriftstellerin; 1960 – 67 Berlin-Korresp. des linken »New York National Guardian«; Übersetzerin u. a. von  Bruno Apitz,  Alex Wedding,  Bertolt Brecht; ab 1964 mehrmonatige regelmäßige Aufenthalte in Budapest, dort freie Mitarb. der »New Hungarian Quarterly«, Freundschaft mit deren Lektor Noel Field u. dessen Frau Herta; Sept. 1967 – Juni 1968 Aufenthalt in New York, Verlagslektorin bei George Braziller Inc.; nach längeren Zensurkonflikten erscheint 1972 das New York-Tagebuch »Der Beobachter sieht nichts«; Verfasserin von Kinderbüchern, Hörspielen, Reportagen u. Theaterstücken; ab 1985 Arbeit an den Memoiren »Love in Exile«; gest. in Berlin nach einer Lesereise in die USA.Der Beobachter sieht nichts. Ein Tagebuch zweier Welten. Berlin 1972; Love in Exile. An American Writer’s Memoir of Life in Divided Berlin. South Royalton, Vermont, 1999 (dt.: Liebe im Exil. Berlin 2007).Bernd-Rainer Barth

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André, Edgar

* 17.1.1894 – ✝ 4.11.1936

Am 17. Januar 1894 in Aachen geboren, André verbrachte seine Jugend als Waise in Belgien, wo er sich der Jungen Sozialistischen Garde anschloß. Nach der Schulentlassung Arbeiter. Im Krieg als Freiwilliger deutscher Soldat, geriet 1918 in französische Gefangenschaft. Nach dem Weltkrieg Rückkehr nach Deutschland, SPD-Mitglied in Koblenz, ab 1922 in Hamburg Hafenarbeiter. 1923 Übertritt zur KPD, 1925 Leiter des RFB Wasserkante, Mitglied der BL und von Oktober 1927 bis 1933 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, ab 1930 auch Stadtverordneter in Cuxhaven. Nach dem Verbot des RFB (1929) leitete er die illegale Organisation. Einem Mordanschlag auf André fiel der kommunistische Funktionär Ernst Henning zum Opfer. André arbeitete 1932 einige Zeit für die KP in Frankreich. Nach dem Reichstagsbrand wurde er am 5. März 1933 verhaftet und für die Zusammenstöße zwischen SA und RFB in Hamburg verantwortlich gemacht. Er erlitt schwere Mißhandlungen, da ihn die SA für einen Juden (er war »Arier«) hielt. Am 10. Juli 1936 verurteilte das Hanseatische OLG André wegen »mehrfachen Mordes« zum Tode, obwohl die Mehrzahl der Richter zunächst nicht bereit war, dem Antrag des Staatsanwaltes zuzustimmen. Angeblich hatte Hitler selbst auf das Todesurteil gedrungen. In seinem Schlußwort erklärte André: »Sollten Sie hier das Unmögliche möglich machen und einen unschuldigen Kämpfer zum Richtblock bringen, so bin ich bereit, diesen schweren Gang zu gehen. Ich will keine Gnade! Als Kämpfer habe ich gelebt und als Kämpfer werde ich sterben mit den letzten Worten: Es lebe der Kommunismus!« Trotz zahlreicher Proteste aus dem Ausland wurde Edgar André in Gegenwart von 75 politischen Mitgefangenen am 4. November 1936 mit dem Handbeil enthauptet. Seine Frau, Martha, war ebenfalls einige Zeit inhaftiert, sie emigrierte später und lebte nach 1945 als Parteiveteranin der SED in Berlin, sie starb am 22. Oktober 1966.

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Angermeier, Heinrich

* 5.4.1884 – ✝ 22.2.1945

Geboren am 5. April 1884 in Groß-Zimmern/ Hessen, Sohn einer Bauernfamilie. Schon sein Vater war Sozialist gewesen. Im Weltkrieg wurde Angermeier schwer verwundet. Er stieß 1920 zur KPD und wurde 1924 Abgeordneter des Hessischen Landtages, in dem er sich als Experte für Agrarfragen einen Namen machte. Mitglied der UB-Leitung Darmstadt. 1927 erneut in den Landtag gewählt. Nach dem Ausscheiden von Heinrich Galm (1929) verließ Angermeier als Rechter die KPD und führte sein Mandat für die KPO weiter. Auch 1931 kandidierte er (nicht gewählt) auf der Liste der KPO für die Hessischen Landtagswahlen. Er war kein hauptamtlicher Funktionär, sondern blieb stets als Landwirt tätig. 1933 verhaftet, war er über ein Jahr im KZ Osthofen. Danach wieder Landwirt in Groß-Zimmern, dort wurde er im August 1944 erneut verhaftet und ins KZ Dachau gebracht, wo Heinrich Angermeier am 22. Februar 1945 ums Leben kam.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Antes, Kurt

* 24.5.1906 – ✝ 1.3.1942

Geboren am 24. Mai 1906 in Ottweiler/Saar, Arbeiter. Er war seit 1926 in der KPD aktiv und soll im illegalen Apparat der KP-Saar tätig gewesen sein. Antes kam im August 1930 in die Sowjetunion und arbeitete als Hauer in den Kohlegruben des Donezbeckens. Von 1933 bis Dezember 1934 studierte er an der Kommunistischen Universität der nationalen Minderheiten des Westens (KUNMS), einer Kaderschule, und arbeitete anschließend als Referent beim EKKI in Moskau. 1937 als angeblicher Neumann-Anhänger vom NKWD verhaftet und am 8. Januar 1938 aus der UdSSR nach Deutschland ausgewiesen. Hier kam er ins KZ Buchenwald. Kurt Antes starb am 1.März 1942 im KZ Neuengamme an Fleckfieber.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Apelt, Fritz

* 4.2.1893 – ✝ 28.1.1972

Geboren am 4. Februar 1893 in Tiefenfurt/Krs. Görlitz, Sohn eines Landbriefträgers; lernte Schlosser und Werkzeugmacher. 1911 Mitglied der SPD, 1917 der USPD. Apelt war bis 1921 DMV-Vertrauensmann und Betriebsrat bei der AEG in Berlin, 1920 Mitglied der KPD. 1923 wegen Führung eines »wilden Streiks« aus dem DMV ausgeschlossen, wurde im Juli 1923 Gewerkschaftsredakteur der »Roten Fahne«. Im September 1924 verhaftet und am 7. November 1924 vom Reichsgericht zu einem Jahr Festungshaft verurteilt, die er in Gollnow absaß. Von 1925 bis 1927 Redakteur beim KPD-Pressedienst bzw. bei der »Roten Fahne«. Anfang 1927 nach Moskau geschickt, wo er als Vertreter der RGO im Vollzugsbüro der RGI in Moskau arbeitete und dort 1928 für Jugendfragen verantwortlich war. Im Oktober 1929 kehrte Apelt nach Deutschland zurück, bis Ende 1932 war er Chefredakteur des »Thüringer Volksblattes« und Mitglied der BL-Thüringen, ab November 1932 Chefredakteur der »Arbeiterstimme« in Mannheim. Im August 1933 verhaftet, war er bis Mai 1934 in den KZs Heuberg und Kieslau inhaftiert. Nach seiner Freilassung Oberberater des ZK im Rheinland und im Ruhrgebiet. Im März 1935 emigrierte er über Paris in die UdSSR. Von 1935 bis 1943 Mitarbeiter der Komintern und des ZK der KPD, zeitweilig Redakteur des Deutschen Volkssenders und des Senders des NKFD Freies Deutschland. Wegen »mangelnder Wachsamkeit« erhielt Apelt von der Moskauer KPD-Führung im Oktober 1942 eine »strenge Rüge«. Im Juni 1945 Rückkehr nach Deutschland, zunächst war er Mitglied des Vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses für Sachsen und 2. Vorsitzender des FDGB-Landesausschusses. Im September 1945 wurde Apelt Chefredakteur der Zeitung »Die Freie Gewerkschaft«, ab 1947 der »Tribüne«. Von 1947 bis 1953 Vorsitzender des »Verbandes der deutschen Presse«, im Januar 1954 wurde er Staatssekretär bzw. 1. Stellvertreter des Ministers für Kultur und trat 1956 in den Ruhestand. Er war seit November 1952 mit Frieda Malter verheiratet, erhielt 1970 die Ehrenspange zum VVO in Gold. Fritz Apelt starb am 28. Januar 1972.Andreas Herbst / Peter Erler

Wer war wer in DDR

Alexander, Karl Friedrich

* 1.5.1925

Geb. in Berlin; Vater Rechtsanwalt; 1942 Abitur in Berlin, danach Praktikum u. a. bei Siemens & Halske; RAD u. Wehrdienst, Funker, Aug. 1944 frz. Kriegsgefangenschaft. Ende 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Physikstudium in Berlin; 1947 SED; 1947 Forts. des Studiums in Göttingen, dort Mitgl. der KPD, 1951 Dipl. am Max-Planck-Inst. für Physik; Übersiedl. nach Berlin (Ost); 1954 Prom. an der HU Berlin; seit 1955 am Aufbau des Zentrums für Kernforschung (ZfK) Rossendorf (b. Dresden) beteiligt, 1955/56 Teiln. an einem Reaktorlehrgang im Inst. für Atomenergie der AdW der UdSSR; 1959 Habil. an der TU Dresden; Ltr. des Bereichs Reaktortechnik u. Neutronenphysik im ZfK Dresden u. zugl. 1961 – 65 Prof. mit Lehrauftrag für Kernphysik an der KMU Leipzig; 1966 – 69 stellv. Labordir. im Vereinigten Kernforschungszentrum in Dubna (UdSSR); 1970 – 88 Dir. des ZI für Elektronenphysik der AdW in Berlin; 1970 Korr. u. 1973 – 92 Ord. Mitgl. der AdW; 1970 – 80 Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Physik der Elementarteilchen u. der Atomkerne« (russ.); 1981 – 90 Mitgl., 1984 – 90 Sekr. der International Commission on Plasma Physics der International Union of Pure and Applied Physics (IUPAP), 1986 – 89 Mitgl. des Editorial Board des »European Journal of Physics«; zahlr. wiss. Veröff. zur Kern- u. Plasmaphysik, Thermodiffusion. 1990 em.; lebt in Berlin.Horst Kant

Wer war wer in DDR

Alisch, Horst

* 20.5.1925

Geb. in Berlin; Vater Bankangest.; Ausbildung zum Bankkfm., abgebrochen; vier Semester Kunstschule der Dt. Zeichenfilm GmbH; Wehrmacht; Kriegsgefangenschaft. 1946 nach Berlin-Tegel entlassen; ging zum Zeichenfilm (EOS Film GmbH); durch Heirat in die DDR, 1954 – 84 pol. Zeichner bei der Ztg. »BZ am Abend«, anschl. bis 1990 nur noch Humorzeichner, auch tätig für die satir. Ztschr. »Frischer Wind«/»Eulenspiegel« u. den Verlag Junge Welt; neben Pressezeichnungen entstanden mehrere Bildergeschichten, seit 1968 hauptsächl. für das Kindermagazin »Frösi«, dort Mitgl. des Red.-Kolleg. u. des künstler. Beirats, zu seinem größten Comic-Erfolg wurde die Elefantendame »Emmy«, die als Figur für das Altstofferfassungssystem SERO bis in die Gegenwart weite Verbreitung findet; nach 1989 Mitbegr. u. Verleger bei der HALB u. HALB Verlags GmbH; seit 1992 freiberufl. Zeichner, u. a. Karten für Schulspeisung sowie Comics zum Thema Arbeitsschutz u. -sicherheit.Ali u. Archibald. Berlin 1986 f.; Pinselfahrt mit Käpt’n Lütt. Berlin 1986; Emmy-Bilder-Spaß-Geschichten. Berlin 1990. Lettkemann, G., Scholz, M. F.: Schuldig ist schließlich jeder ... Comics in der DDR. Die Geschichte eines ungeliebten Mediums. Berlin 1994.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Almsick, Franziska van

* 5.4.1978

Geb. in Berlin; begann 1983 mit dem Schwimmsport; 1985 Trainingszentrum; 1987 – 96 KJS bzw. Sportgymnasium; 1989 neunfache Spartakiadesiegerin beim SC Dynamo Berlin, 1990 1. PSV Berlin, SC Berlin, 2001 SG Neukölln (Trainer Dieter Lindemann, 1996 Gerd Eßer, 2001 Norbert Warnatzsch); 1991 2. Platz bei den Dt. Meisterschaften (200 m Freistil); 1992 sechsfache Junioren-EM; 1992 – 2004 viermal Teiln. an Olymp. Spielen: 1992: zweimal Silber (200 m Freistil, 4 x 100 m Lagen), zweimal Bronze (100 m Freistil, 4 x 100 m Freistil), 1996 zweimal Silber (200 m Freistil, 4 x 200 m Freistil), Bronze (4 x 100 m Freistil), 2000 Bronze (4 x 200 m Freistil), 2004 zweimal Bronze (4 x 200 m Freistil, 4 x 100 m Lagen); WM 1994 (200 m Freistil) u. 1998 (4 x 200 m Freistil); zweimal WR 200 m Freistil (1:56,78 min/1994 u. 1:56,64 min/ 2002); 18fache EM Langbahn (1993 – 2002); Sportlerin des Jahres 1993, 1995 u. 2002; 1993 Weltsportlerin des Jahres; 1992 Silbernes Lorbeerblatt; 2002 »Goldene Henne«; Unternehmerin, Saunadorf van Almsick in Leuthen bei Cottbus; seit 2008 stellv. Vors. Stiftung Deutsche Sporthilfe; lebt mit ihrem Sohn und ihrem Lebensgefährten, dem Unternehmer Jürgen B. Harder, in Heidelberg.Aufgetaucht. Berlin 2004 (Autobiographie). Schütt, H.-D.: F.v.A. Superstar. Berlin 1993; Suttner, J., Minkoff, S.: F.v.A. München 1994.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Altenburger, Wolfgang

* 19.9.1931 – ✝ 18.3.2008

Geb. in Chemnitz; Vater Schlosser u. Erfinder; Mittelschule. 1947 Ausbildung zum Bergmann; 1948 SED; Drei-Mon.-Lehrgang zum Lehrer u. Pionierltr., anschl. Pionierltr. in Borna; Fernstudium zum Unterstufenlehrer; Instrukteur beim FDJ-ZR für Touristik u. Wandern; nach dem Studienabschl. 1956 als Red. zum Verlag Junge Welt; 1960 – 62 Journalistikstud. in Leipzig, anschl. Fernstudium; 1964 Dipl.-Arbeit, in der er eine Theorie der »soz. Bildgeschichte« entwickelte; 1963 – 86 Chefred. von »Mosaik«; 1967 – 91 Chefred. von »Atze«. Meistbeschäftigter Comic-Texter der DDR, neben »Atze« (u. a. »Pats Reiseabenteuer«), auch Texte für die meisten Illustriertencomics in den 70er u. 80er Jahren; 1982 VVO; gest. in Berlin.Die besonderen Aufgaben der Bilderztschr. im System der Kinderpresse der DDR. Eine Untersuchung nach den Prinzipien des einheitlichen Bildungssystems u. der IV. Journalistenkonferenz. Diplomarbeit an der Fak. für Journalistik der KMU. Leipzig 1964 (MS); Abenteuer vor der Haustür. Erlebnispädagogik hier in Sachsen. Leipzig 1996; Projektpräsentationen. In: Ztschr. für Erlebnispädagogik (1997) 11. Abenteuer u. Romantik aus der Tube (Auszüge aus »Kulturmagazin« des DDR-Fernsehens, 27.1.1978). In: INCOS-Informationen vom 9.3.1978; Zoff um die Digedags (Interview). In: Berliner Linke (1995) 44.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Altmann, Heinz

* 30.1.1905 – ✝ 3.3.1939

Am 30. Januar 1905 in Berlin-Charlottenburg geboren, war nach dem Besuch des Realgymnasiums von 1923 bis 1926 Lehrling in einer Buchhandlung und dann Kraftfahrer. 1921 trat er der kommunistischen Jugend bei und war seit 1926 in der Berliner KPD aktiv. Er arbeitete in der Agitpropabteilung in Berlin und war seit 1927 Lehrer an legalen und illegalen Schulen der KPD und ihrer Organisationen. 1930 in Berlin UB-Leiter, gleichzeitig im illegalen AM-Apparat tätig (Deckname Heinz Schreiber). Von Mai bis Dezember 1934 im KZ, er wurde schwer mißhandelt. In Moskau berichtete er, daß ihm zehn Genossen gegenübergestellt wurden, die ihn auf Weisung der SS verprügeln mußten. Nur Werner Hirsch weigerte sich, »die Peitsche auch nur in die Hand zu nehmen«. Daraufhin wurde Hirsch von der SS bewußtlos geschlagen. Altmann emigrierte 1934 über die CSSR und die Schweiz in die UdSSR. Er wurde Sowjetbürger und Lehrer an der Internationalen Leninschule in Moskau. Anfang 1937 vom NKWD verhaftet, schloß ihn das ZK der KPD im März 1937 aus der Partei aus. Auch seine Frau Elisabeth Schmidt war inhaftiert. Er selbst kam für kurze Zeit wieder frei, wurde aber am 17. August 1938 erneut festgenommen. Heinz Altmann wurde in Moskau am 2. März 1939 zum Tode verurteilt und am 3. März 1939 erschossen, 1956 »posthum rehabilitiert«.

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Amecke, Adolf

* 28.4.1873 – ✝ 1939

Geboren am 28. April 1873 in Dinker in Westfalen, aus streng evangelisch-christlichem Elternhaus stammend, studierte Jura und ließ sich dann 1903 als Rechtsanwalt in Dortmund nieder. Politisch war er vor dem Weltkrieg bei den National-Liberalen aktiv. Als Soldat geriet er in russische Kriegsgefangenschaft. Der inzwischen radikalisierte Amecke ging in Rußland zu den Bolschewiki über und kam 1923 nach Dortmund zurück. Von 1923 bis 1925 war er im KPD-Bezirk Ruhr einer der bekanntesten Linken in der KPD, gehörte dem Stadtrat in Dortmund an und war kurze Zeit führend in der BL. Aktiv in der linken Opposition, legte er im Juni 1926 sein Mandat im Dortmunder Stadtrat nieder, trat 1926 aus der KPD aus und arbeitete nur noch als Rechtsanwalt. Während der NS-Diktatur schloß er sich Ende 1934 einer illegalen Widerstandsgruppe der KPD an. Am 3. März 1936 verhaftet, wurde er am 18. Dezember 1936 vom OLG Hamm zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, später kam er in »Schutzhaft« ins KZ, wo er 1939 umgekommen sein soll.

Wer war wer in DDR

Anclam, Kurt

* 7.5.1918

Geb. in Kowanz (Krs. Kolberg/Kowancz, Polen); Vater Schneider; Volksschule in Kowanz; 1932 – 35 Ausbildung zum Bäcker; Wehrdienst u. Kriegsgefangenschaft. 1947 Mstr.-Prüfung; 1947 – 52 Bäckermstr.; 1948 LDPD; Vors. der Ortsgr. u. 1948 – 50 Gemeindevertr. in Krembz (Krs. Gadebusch); 1949 – 54 Mitgl. des Krs.-Vorst. der LDPD Schwerin-Land; 1950 – 54 Abg. des Krs.-Tags Schwerin; 1952 – 54 Krs.-Rat für Handel u. Versorgung beim Rat des Krs., danach stellv. Vors. des Rats des Krs. Schwerin-Land, Mitgl. des Bez.-Tags Schwerin; 1952 – 54 Abg. des Krs.-Tags Schwerin-Land; 1953/54 stellv. Vors. des BV Schwerin der LDPD; 1953 – 59 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Jur.; 1954 – 57 Instrukteur u. Abt.-Ltr. beim ZV der LDPD; 1954 – 63 Abg. der Volkskammer; seit 1957 Mitgl. des ZV der LDPD; 1957 – 60 persönl. Ref. bei den stellv. Vors. des Min.-Rats Dr.  Hans Loch u. 1960 – 66 bei Dr.  Max Suhrbier; 1967 – 71 Abg. des Bez.-Tags Halle; 1966 – 84 1. Vors. des LDPD-BV Halle; 1967 – 84 Mitgl. des Pol. Aussch. des ZV der LDPD; 1967 – 86 Abg. der Volkskammer; 1971 – 86 Mitgl. des Staatsrats; 1983 Stern der Völkerfreundschaft; VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Anderson, Sascha

* 24.8.1953

Geb. in Dresden; Vater Theaterintendant, Mutter Architektin, später Regisseurin im Trickfilmstudio Dresden; wuchs in Kinderheimen u. bei Adoptiveltern auf; Ausbildung zum Schriftsetzer; 1970 sechs Mon. u. 1972 zwölf Mon. Haft jeweils wegen Flugblattakt. u. illeg. Verbreit. von  Biermann-Gedichten; 1974/75 DEFA-Volontariat; 1975 – 82 als IMB »David Menzer«, 1982 – 86 als IMB »Fritz Müller« u. 1986 – 90 als IMB »Peters« vom MfS erf.; 1975 – 77 Studium an der HFF Potsdam; dann Hausmstr. der Versöhnungskirche Dresden; erste Texte in der Ztschr. »Neue Dt. Lit.« (1978) 6, durch  Paul Wiens vermittelt; lebte seit 1981 in Berlin (Ost), wurde mit zahlr. Editionen, Herausgaben u. mit der Org. von Ausstellungen u. Veranstaltungen zur zentr. Figur der liter. Szene in Berlin-Prenzlauer Berg u. zu einem wichtigen Ansprechpartner des westdt. Lit.- u. Kunstbetriebs; spielte in versch. Rockgr. u. a. in »Zwitschermaschine« u. »Fabrik«; 1978 – 84 Hrsg. der Reihe »Poe-Sie-All-Bum« u. zahlr. Grafikbücher mit Ralf Kerbach,  Helge Leiberg,  A. R. Penck u. a.; 1981 Zusammenstellung der von  Franz Fühmann angeregten u. später verbotenen Akad.-Anthologie der ungedruckten jungen Lit.-Generation (zus. mit  Uwe Kolbe); Hrsg. der wichtigsten Anthologie nichtoffiz. Lit.: »Berührung ist nur eine Randerscheinung. Neue Lit. aus der DDR« (zus. mit  Elke Erb), Köln 1985; Mitarb. an den nichtoffiz. Ztschr. »Anschlag«, »Ariadnefabrik«, »Mikado«, »Schaden«, »Und«, »Usw«, »Verwendung«; Aug. 1986 Übersiedl. nach Berlin (West); Thomas-Dehler-Preis (mit  Jürgen Fuchs, 1987). 1990 Mitbegr. des Verlags Druckhaus Galrev (ausgeschieden 1997); seine Enttarnung als IM des MfS (durch Jürgen Fuchs u. Wolf Biermann) im Nov. 1991 bildete den Auftakt zur MfS-Lit.-Debatte 1991/92; als IM v. a. in der unabh. Lit.- u. Opp.-Szene aktiv; Villa-Massimo-Stipendium, das 1991 wegen der IM-Vorwürfe ausgesetzt wurde; 1996 Gründung der Edition Poetische Boegen (zus. mit  Bert Papenfuß-Gorek) u. 2006 Mithrsg. der Reihe »Black Paperhouse« im gutleut verlag Frankfurt (Main).Jeder Satellit hat einen Killersatelliten. Gedichte. Berlin 1982; totenreklame. eine reise. Berlin 1983; brunnen randvoll. Berlin 1988; Jewish Jetset. Berlin 1991; Rosa Indica Vulgaris. Gedichte. Berlin 1994; Herbstzerreißen. Gedichte. Berlin 1997; Sascha Anderson. Frankfurt (Main) 2002; Totenhaus. Novelle. Frankfurt (Main), Weimar 2006; zahlr. Essays zur bildenden Kunst. Cosentino, C. u. a. (Hrsg.): DDR-Lyrik im Kontext. Amsterdam 1988; Hesse, E. (Hrsg.): Sprache u. Antwort. Frankfurt (Main) 1988; Böthig, P., Michael, K. (Hrsg.): MachtSpiele. Leipzig 1993; Cosentino, C., Müller, W. (Hrsg.): »im widerstand/in mißverstand«? Zur Lit. u. Kunst des Prenzlauer Bergs. New York u. a. 1995; Cederberg, B.: Verrat. Schwedischer Dokumentarfilm. 1996; Böthig, P.: Grammatik einer Landschaft. Lit. aus der DDR in den 80er Jahren. Berlin 1997; Szabo, S.: »Sascha Arschloch«. Verrat der Ästhetik – Ästhetik des Verrats. Werk u. Leben des Lyrikers S. A. im Spannungsfeld von Poesie u. Politik. Marburg 2002.Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Andre, Max

* 5.6.1884 – ✝ 1945

Geboren am 5. Juni 1884 in Stettin, Steinträger. Mitglied der SPD, später der USPD, Kassenführer der USPD in Randow-Greifenhagen. Seit Dezember 1920 Mitglied der KPD, gehörte er der BL Pommern an und war zeitweise Orgleiter bzw. Geschäftsführer der BL in Stettin, dort auch Stadtverordneter für die KPD. Auf dem VIII. Leipziger Parteitag 1923 Wahl zum Ersatzmitglied des Zentralausschusses. Später Leiter der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit in Stettin. Am 2. Mai 1933 in Stettin festgenommen, »Schutzhaft« u. a. im KZ Sonnenburg. Im September 1933 entlassen. 1945 zunächst in Stettin, später in Randow/Mecklenburg, soll Max Andre 1945 Selbstmord begangen haben.

Wer war wer in DDR

Anke, Hannelore

* 8.12.1957

Geb. in Schlema (Erzgeb.); Vater bei der SDAG Wismut tätig; 1969 Beginn mit dem aktiven Schwimmsport; 1971 Jugend-EM; Spezialdisz.: Brust; 1973 Vize-WM über 200 m; 1975 WM über 100 m, 200 m u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel; 1976 Olympiasiegerin über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel; 1976 sportl. Laufbahn beendet; 1976 – 90 SED; 1976 – 81 Abg. des Bez.-Tags Karl-Marx-Stadt; Studium an einer FS für Krippenpädagogik; danach Krippenerzieherin.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Antoni, Carmen-Maja

* 23.8.1945

Geb. in Berlin; Vater Kunstmaler, Mutter Aufnahmeltr. beim DFF; ab 1957 erste Fernsehauftritte mit dem Pionier-Kabarett »Blaue Blitze«; Abitur; 1962 – 65 Schauspielstud. an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; 1965 – 70 Engagement am Hans-Otto-Theater Potsdam, u. a. als Grusche in »Der kaukasische Kreidekreis« von  Bertolt Brecht, Minna in Lessings »Minna von Barnhelm«; 1970 – 75 an der Volksbühne Berlin, Arbeit unter der Regie von  Benno Besson (Herakles in  Heiner Müllers »Herakles V«) u. Fritz Marquardt (Sonja in V. Katajews »Avantgarde«); seit 1976 Mitgl. des Berliner Ensembles unter  Ruth Berghaus,  Manfred Wekwerth, H. Müller, als Charakterdarstellerin mit komisch-grotesken Zügen vor allem in Brecht-Stücken; seit 1965 auch in zahlr. Film- u. TV-Rollen u. a. in 1967 / 68 »Wege übers Land« (TV-Fünfteiler, R: Martin Eckermann), 1971 »Der Mann, der nach der Oma kam« (R: Roland Oehme), 1979 »Alle meine Mädchen« (R: Iris Gusner), 1986 »Käthe Kollwitz – Bilder eines Lebens« (R: Ralf Kirsten), 1986 »Kindheit« (R: Siegfried Kühn) sowie in Kinderfilmen, Rundfunk-, Hörspiel- u. Synchronrollen; mit dem Brecht-Programm »Love and Revolution« (zus. mit Hans-Peter Reinecke u. Karl-Heinz Nehring) zu Gastspielen in England (1986), Schweden (1987), Kanada (1988), Türkei, Frankreich u. Polen (1990); mit einem Brecht-Programm (zus. mit Johanna Schall) 1989 in England; seit 1980 Doz. an der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch«; 1988 Helene-Weigel-Med., 1989 Kunstpreis der DDR. Nach 1990 weiterhin viel beschäftigt, 1992 – 2008 in der TV-Reihe »Rosa Roth« (ZDF, R: Carlo Rola), 1997 in der Roman-Verfilmung »Der Laden« von  Erwin Strittmatter (ARD, R: Jo Baier); Theaterarbeit am Berliner Ensemble unter Claus Peymann u. a. als Frau Weigel in George Taboris »Brechtakte« (R. Tabori, 1999), als Mutter in »Die Mutter« von Brecht (2003), als Courage in Brechts »Mutter Courage und ihre Kinder« (2005); Aufnahme zahlr. Audio-CDs; seit 1990 Doz. u. Gastprof. an der HFF »Konrad Wolf«; 1999 Grimme-Preis, 2008 Ehrenpreis der dt. Kritiker; lebt in Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Apitz, Bruno

* 28.4.1900 – ✝ 7.4.1979

Geb. in Leipzig; Vater Wachstuchdrucker, Mutter Waschfrau; Ausbildung zum Stempelschneider u. Buchhändler; 1914 Mitgl. der SAJ u. anschl. der Liebknecht-Jugend; 1917 wegen Antikriegsprop. zu 21 Mon. Gefängnis verurteilt; 1917/18 Haft im Zuchthaus Cottbus; 1919 wegen Teiln. an einem Streik erneut pol. gemaßregelt; 1919/20 Gelegenheitsarb.; nach Unterricht Schauspieler in Leipzig, dann arbeitslos; 1922 Mitgl. des KJVD u. 1927 der KPD, Ltr. des Zentralverlags der Roten Hilfe (RH); Beginn der liter. Arbeit; 1930 – 33 Mitgl. des BPRS, Vors. der Bez.-Gr. Leipzig; 1933 drei Mon. Haft im KZ Colditz u. Sachsenburg; illeg. pol. Arbeit; Nov. 1934 verhaftet u. zu 46 Mon. Zuchthaus verurteilt, 1934 – 37 Haft in Waldheim, 1937 – 45 im KZ Buchenwald, dort ab 1938 im Arbeitskommando Bildhauerei, ab 1942 in der Pathologie. 1945 Red. der »Leipziger Volksztg.«; 1945/46 KPD/SED; später Verw.-Dir. der Städt. Bühnen Leipzig; 1951 1. Vors. der Gew. Kunst u. Schrifttum in Leipzig; 1952 Übersiedlg. nach Berlin u. Dramaturg bei der DEFA; ab 1955 freischaff. Schriftst.; 1955 – 60 Bezirksverordn. im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg; 1958 Welterfolg mit dem KZ-Roman »Nackt unter Wölfen« (zwei Mio. Auflage, in 29 Sprachen übersetzt, durch  Frank Beyer verfilmt, UA 1963); 1958 NP; 1960 VVO; 1961 Mitgl. DAK, Vorstand des DSV u. der Comunità Europea degli Scittori Rom; PEN-Club der DDR; 1963 NP (im Koll.) für den TV-Film »Nackt unter Wölfen«; 1966 Erich-Weinert-Medaille; 1970 KMO; 1975 Ehrenbürger v. Leipzig; 1976 autobiogr. gehaltener Roman »Der Regenbogen«; gest. in Berlin.Esther. Novelle. Berlin 1959; Schwelbrand. Autobiogr. Roman. (erg. von W. Weiß). Berlin 1984. Florstedt, R.: B. A. 1900 – 1979. Biogr. Leipzig 1990; Zur Nieden, S.: »Stär-Bernd-Rainer Barth