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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Böhme, Helmut

* 7.6.1929 – ✝ 3.1.2015

Geb. in Halle; Vater Angest.; 1944/45 u. 1947/ 48 Ausbildung in der Landw.; 1945 – 47 OS, Abitur; 1948 – 51 Studium an der MLU Halle, Dipl.-Landw.; 1951 – 54 Aspirant am Inst. für Genetik der MLU u. Forschung bei  Hans Stubbe am Inst. für Kulturpflanzenforschung der DAW; 1954 Prom. u. 1960 Habil.; 1954 – 59 wiss. Mitarb., 1959 – 69 Abt.-Ltr. u. 1969 – 83 Dir. des ZI für Genetik u. Kulturpflanzenforschung der DAW bzw. AdW in Gatersleben; 1966 – 84 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1967 Prof. an der DAW u. der MLU; 1968 – 71 Ltr. des Forschungsbereichs Biol. u. Med. sowie 1969 Ord. Mitgl. der DAW, 1971 – 83 Sekr. der Kl. Biowiss. der AdW; 1970 Mitgl. der Leopoldina; 1972 – 87 Ord. Mitgl. der AdL; 1973 NP; 1974 – 83 Vors. des Nat.-Komitees für Biowiss., 1977 – 79 Präs. der European Environmental Mutagen Society; ab 1983 wiss. Mitarb. des o. g. ZI in Gatersleben; 1990 Vorruhestand; lebte in Halle; gest. in Aschersleben. Hauptarbeitsgebiete: allg. Genetik, Bakteriengenetik, genet. Aspekte der Reparatur von DNS-Schäden.Beiträge zur Abstammungslehre. Berlin 1964; Beiträge zur Genetik u. Abstammungslehre. Berlin 1976 (Hrsg.).Peter Nötzold

Wer war wer in DDR

Böhme, Wolfgang

* 11.3.1926 – ✝ 24.2.2012

Geb. in Dresden; Vater Werkzeugschlosser; 1932 – 44 Volks- u. Oberschule; 1944/45 Wehrmacht (Artillerie). 1945 Gartenhilfsarbeiter; 1945/46 Abiturlehrgang; 1946/47 Beobachter beim Sächs. Landeswetterdienst, 1947 – 49 Sachbearb. am Meteorolog. Zentralobservatorium Potsdam; 1948 – 53 Studium der Meteorol. u. Geophysik bei  H. Ertel u.  Horst Philipps an der HU Berlin, Dipl.; 1953 – 58 Aspirant, 1958 Prom. an der HU Berlin; 1954 – 89 SED; 1958 – 62 wiss. Mitarb., 1962 – 64 Abt.-Ltr., 1964 – 66 stellv. Dir., 1967 – 90 Dir. des Meteorolog. Dienstes; 1970 Habil. an der WPU Rostock; 1971 Honorarprof. für Meteorol. an der HU Berlin; 1970 – 90 Vizepräs. der Meteorolog. Ges.; 1974 – 78 Mitgl. des Büros des (internat.) Komitees für Raumforschung (COSPAR); 1977 Korr. u. 1980 Ord. Mitgl. der AdW, 1981 – 91 Vors. ihrer Kl. Geo- u. Kosmoswiss.; 1979 – 90 Ltr. der Gruppe von Rapporteuren der Commission for Atmospheric Sciences der Meteorolog. Weltorganisation zu Fragen der Klimaforschung, 1990 Ltr. der Gruppe zur Erarbeitung eines Vorschlags zum Weltklimaprogramm der 2. Weltklimakonferenz in Genf; Okt. 1990 Ruhestand; gest. in Berlin. Forschungen u. Publ. vor allem zur Geschichte der Meteorol., zu Wetter- u. Witterungsvorhersageproblemen sowie zur Klima- u. Raumforschung.Klaus-Harro Tiemann

Wer war wer in DDR

Bohn, Johannes

* 19.2.1909 – ✝ 20.11.1980

Geb. in Chemnitz; Vater Dachdecker; Volksschule; 1923 – 29 Lehre u. Arbeit als Dachdecker; 1923 KJVD, 1930 KPD; Mitgl. der KPD-UBL Chemnitz; 1930 – 35 arbeitslos; 1935 / 36 Arbeit als Dachdecker; nach 1933 illeg. Arbeit als polit. Ltr. u. Mitgl. der Stadtltg. u. der UBL der KPD in Chemnitz; 1936 verhaftet u. wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt, 1938 aus der Haft entlassen; bis 1942 Dachdecker; 1942 – 45 im Strafbat. 999, 1945 – 47 brit. Kriegsgef. in Ägypten. 1947 Rückkehr nach Dtl., SED; 1947 – 49 Sachbearb. in der SED-KL Chemnitz; 1949 1. Sekr. der SED-KL Rochlitz; 1949 – 52 1. Sekr. der SED-KL Plauen; Fernstudium an der SED-PHS; 1952 – 57 1. Sekr. der SED-KL Dresden-Land; 1957 / 58 2. Sekr. der SED-BL Dresden; 1958 – 61 1. Stellv. des Vors. des Rats der Stadt Dresden, später Sekr. des FDGB-BV Dresden.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Bokow, Fjodor Jefimowitsch

* 7.1.1904 – ✝ 1984

Geb. in Alferowka (Nowochopjorskowo, Gebiet Woronesch); 1921 – 26 Komsomol-Funktionär; 1927 KPdSU; militärpol. Funktionen in der Roten Armee; bis 1937 Militärpol. Akad. »Lenin«, ab Dez. 1937 deren Chef; 1941/42 Kommissar beim Gen.-Stab, 1942 – 43 Stellv. des Gen.-Stabschefs für Org.-Fragen; 1943 Gen.-Ltn.; 1943 Mitgl. des Kriegsrats der Nordwestfront; 1944 Mitgl. des Kriegsrats der 2. Weißruss. Front; 1944/45 Mitgl. des Kriegsrats der 5. Stoßarmee. 1945/46 Erstes bzw. pol. Mitgl. des Kriegsrats (bzw. Militärrats) der SMAD, zuständig für die pol. Linie der Besatzungsverw. in der SBZ; 1947 – 49 stellv. Kdr. des Militärbez. Wolga u. Woronesch; 1949 – 52 aus pol. Gründen inhaftiert, dann rehabil.; 1952 – 55 stellv. Kdr. für das Ausbildungswesen im Militärbez. Wolga; 1956 – 61 Chef von Kurslehrgängen an der Militärpol. Akad. »Lenin«; er galt weiterhin als »Unperson«; zwei Lenin- u. Rotbannerorden; 1965 Ehrenbürger von Berlin (Ost), 1992 Aberkennung der Ehrenbürgerschaft.Frühjahr des Sieges u. der Befreiung. Berlin 1979. Foitzik, J.: Sowj. Militäradministration in Dtl. (SMAD) 1945 – 1949. Berlin 1999.Jan Foitzik

Handbuch Deutsche Kommunisten

Boller, Wilhelm

* 22.10.1904 – ✝ 19.10.1943

Geboren am 22. Oktober 1904 in Hamburg. Wie sein Vater kaufmännischer Angestellter, 1925 trat er der KPD bei. Funktionär in der Roten Jungfront und der KPD in Hamburg. 1933 im KZ, Ende 1934 konnte er nach Kopenhagen flüchten, er wurde Mitglied der dortigen KPD-»Landesleitung«. Von Oktober 1936 bis Frühjahr 1937 war Boller »Abwehrmann«, also verantwortlich für die Abwehr der AL Nord (Deckname Arne), dann bis Herbst 1938 Kurier dieser Leitung unter Heinrich Wiatrek. Im Oktober 1943 von der dänischen Polizei festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Im Juni 1943 angeklagt und am 21.Juli vom VGH zum Tod verurteilt. Wilhelm Boller wurde am 19. Oktober 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Bomski, Herbert

* 19.3.1926

Geb. in Klösterlich Neudorf (Krs. Hoyerswerda); Vater Bergarbeiter, Mutter Landarbeiterin; Volks-, Ober- u. Berufsschule; 1940 – 43 Verwaltungslehre u. Aushilfsangest. am Landratsamt Hoyerswerda; 1943 RAD; 1943 – 45 Wehrmacht (Kriegsmarine), April 1945 – Febr. 1946 amerik. Kriegsgef. in Italien, Febr. / März Quarantänelager Hoyerswerda. 1946 SPD / SED; 1946 Tiefbauarbeiter, 1946 – 50 Sachbearbeiter u. Abt.-Ltr. bei der Sozialversicherungskasse Hoyerswerda; 1950 – 52 pers. Referent des Landrats bzw. Sekr. beim Rat des Krs. Hoyerswerda; 1952 / 53 Dir. der Kreisvolkshochschule Hoyerswerda; 1953 / 54 Studium an der DASR Potsdam; 1954 – 58 OB von Cottbus (Nachf. von  Margarete Schahn); 1958 – 60 Sekr. der Bezirkshandwerkskammer Cottbus; 1960 / 61 Mitarb. der SPK, Abt. Bezirke, Sektion Handwerk; 1961 – 65 Gruppen- u. Sektorenltr. PGH bzw. Ltr. der Abt. Handwerk u. Kommunalwirtschaft beim VWR; 1965 / 66 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1966 – 68 Ltr. der Abt. Öffentl. Versorgungswirtschaft bzw. Ltr. des Büros des Ministers, ab 1968 Ltr. der Abt. Planung u. Ökon. bzw. Perspektiv- u. Jahresplanung des u. 1973 / 74 amt. Staatssekr. im Min. für Bezirksgeleitete Ind. u. Lebensmittelind.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bonk, Gerd

* 26.8.1951

Geb. in Limbach (Vogtland); begann bei BSG Motor Nema Netschkau als Leichtathlet; 1965 als Kugelstoßer zum SC Karl-Marx-Stadt, Sieger der Pionierspartakiade; 1967 DDR-Jugendrekord (17,82 m); 1968 Spartakiade Gewichtheben (Silber) u. Kugelstoßen (4. Platz); Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker; 1969 Wechsel zum Gewichtheben (Trainer Wolfgang Schimmel); 1972 Bronze u. 1976 Silber bei den Olymp. Spielen jeweils im Superschwergewicht; 1975 u. 1978 WM im Stoßen, sechsmal EM (u. a. 1976 im Zweikampf, Reißen u. Stoßen); siebenmal DDR-Mstr. (1971, 1973 – 1977, 1979); zwei WR im Stoßen (1975 246,5 kg, 1976 252,5 kg); Junioren-WR (212,0 kg); für Olymp. Spiele 1980 qualifiziert, Teilnahmeverzicht wegen positiver Dopingprobe; bis 1982 Industriemstr. für Kfz-Technik; 1989 Invalidenrentner: schwere Zuk-kererkrankung; anerkanntes Dopingopfer gemäß dem Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz von 2002. 2002 Georg-von-Opel-Preis als »Stiller Sieger«.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Borde, Waldemar

* 23.7.1912 – ✝ 29.7.1971

Geb. in Berlin; Vater Postbeamter u. SPD-Mitgl.; Oberrealschule; Schriftsetzerlehre; SAJ, Ltr. der Gruppe Berlin-Wilmersdorf; SAPD; 1931 – 33 arbeitslos; 1933 Buchdruckerlehre; 15.7.1936 in Vorbereitung auf die Olymp. Spiele in Berlin Verhaftung durch die Gestapo u. Verurteilung zu 5 Monaten Gefängnis »wg. Vorbereitung zum Hochverrat«; 1938 Eröffn. einer eigenen Druckerei, die 1940 zwangsweise geschlossen wurde; 1940 Wehrmacht; 1942 Heirat mit der späteren Puppenspielerin u. Kinderbuchautorin Ingeborg Borde-Klein (1917 – 2006); Strafbat. 333 an der Ostfront u. in Ungarn als Kurierfahrer. 1945 Ltr. des Amtes für Kultur u. Volksbildung u. des antifasch. Jugendaussch. in Ludwigslust; 1946 SED; 1946 Ltr. des Landesjugendaussch. Mecklenburg-Vorpommern; 5.3. 1946 »Aufruf an die Jugend« mit weiteren 6 Mitgl. zur Gründung der FDJ durch den Landesjugendaussch. (7.3.1946 Genehmigung der SMAD für die SBZ); 1946 – 50 Abg. des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, Vors. der FDJ-Fraktion; 1947 / 48 Ltr. der Abt. Jugend u. Sekr. des LV der SED; 1.10.1948 Mitbegr. u. erster Ltr. des DS; 23.3.1949 Absetzung nach Differenzen mit  Erich Honecker; 1950 Ltr. der MAS-Landesverw. Brandenburg, Aktion »1000 Traktoren für die DDR«, Verhaftung wg. »Sabotage« u. anschließende Rehabilitierung; 1951 – 55 Stellv. Ltr. der Abt. Werbung Progress-Film-Verleih; danach Fernstudium als Ingenieurökonom für Polygrafie; 1955 – 71 Betriebsltr. im VEB Graph. Werkstätten Berlin; gest. in Berlin.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Borkowski, Dieter

* 1.11.1928 – ✝ 22.2.2000

Geb. in Berlin; Vater Theologe, Mutter Lehrerin; 1945 Flakhelfer; sowj. Kriegsgefangenschaft. Nach 1945 Geschichtsstudium u. Volontariat beim Berliner Rundfunk u. im DIZ; 1947 Mitarb. von  Erich Honecker; nach 17.6.1953 Ausschl. aus der SED, danach Kulturredaktion der Ztschr. »Unser Rundfunk« beim Henschel Verlag; 1960 – 62 wegen seiner Verbindung zur parteiopp.  Schirdewan- Wollweber-Gruppe Einzelhaft in Berlin-Hohenschönhausen; schrieb 1966 – 71 unter dem Ps. Arno Hahnert illeg. für die Wochenztg. »Die Zeit«, dafür als »Agent der kap. Brandt-Scheel-Clique« erneut inhaftiert; 1972 gegen DDR-Spione in der Bundesrep. Dtl. ausgetauscht; Studium der Geschichte in Hannover; 1987 Veröff. der ersten Honecker-Biogr. in der Bundesrep. Dtl.; half bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, sichtete Partei- u. Stasi-Akten insbesondere zu Funktionären; Mitgl. des Freien Dt. Autorenverb. (FDA); gest. in Raddestorf.Wer weiß, ob wir uns wiedersehen. Frankfurt (Main) 1980; Für jeden kommt der Tag. Frankfurt (Main) 1981; In der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn. Frankfurt (Main) 1984; Lily Braun – Rebellin gegen Preußen. Frankfurt (Main) 1984; Erich Honecker. Statthalter Moskaus oder dt. Patriot? Eine Biogr. München 1984; Verratene Treue. Die SPD u. die Opfer des Kommunismus. Köln 1994 (Mitautor); Die Revolte der Schriftsteller? Die Verbrechen des Markus Wolf. Berlin 1997.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Borning, Walter

* 13.4.1920 – ✝ 25.8.1983

Geb. in Neubrandenb.; Vater Elektromonteur; Grund- u. Oberschule, 1936 mittlere Reife; Ausbildung u. 1938/39 Angest. der Sparkasse Neubrandenb.; April 1939 RAD; Aug. 1939 freiw. zur Wehrmacht, Flakartillerie, Einsatz bei der V 1-Waffe in Frankreich, Uffz.; März 1945 vom Kriegsgericht Sondershausen wegen »Landesverrat« zu zwei Jahren Haft verurteilt, Strafe nicht verbüßt, Mai/Juni 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft in Melk (Österreich). Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; Hilfsarbeiter in Schlesw.-Holstein, 1946 – 50 Buchhalter, Krs.-Rat, Ltr. der Finanzabt. im Krs. Neubrandenb.; 1946 SED; 1947 KB; 1949 Landesverw.-Schule Mecklenb.; 1950 Mitarb. des Min. des Innern; Arbeit als Org.-Instrukteur; 1950/51 Studium an der PHS; Nov. 1951 Mitarb. im Min. für Finanzen, HA Staatshaushalt, Aufbau der Abt. Investitionskontrolle; seit 1952 KVP/ NVA; Mai 1952 Instrukteur einer Sonderkommission zur VP-Werbung in Sachsen-Anh.; ab Nov. 1952 Instrukteur in der Abt. Sicherheit des ZK; 1954/55 Sektorenltr. in der Abt. Sicherheit; Nov. 1956 kommissar. Ltr. der Abt. Sicherheit des ZK der SED (Nachf. von  Gustav Röbelen), ab Mai 1957 stellv. Ltr.; Dez. 1959 Einjahreslehrgang an der Militärakad. Dresden; ab Okt. 1960 Ltr. der ZK-Abt. für Sicherheitsfragen; 1963 Gen.-Maj.; 1968 Weiterbildungslehrgang für ltd. Kader der NVA an der Militärakad. Dresden; 1969 VVO; 1971 Mitgl. des Beirats für Soz. Wehrerziehung beim ZK; Febr. 1972 Parteistrafe u. Abberufung als Abt.-Ltr. wegen »unparteimäßigen Verhaltens«; 31.3.1972 als Gen.-Ltn. vom Dienst entbunden u. in den Ruhestand versetzt; 1972 – 79 GD der Häuser der DSF; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Borrmann, Gustav

* 25.9.1895 – ✝ 7.6.1975

Geb. in Halle; Mutter Arbeiterin; Volksschule; 1911 SAJ; 1913 – 20 Ausbildung zum u. Arbeit als Steindrucker; 1914 – 18 Militärdienst; 1916 Spartakusgr.; 1919 Mitbegr. der KPD Halle; 1920 18 Mon. Haft wegen Mitgl. in der Militärkommission der KPD Halle während des Kapp-Putsches; Haft im Zuchthaus Coswig; 1923 Sekr. der KPD Essen; Teiln. am Ruhrkampf; Sekr. des KPD-Bez. Hessen-Waldeck; 1924 Geschäftsf. der KPD-Bez.-Buchhandlung Halle-Merseburg; 1929 Ltr. der Vertriebsstelle Halle des Neuen Dt. Verlags u. der »AIZ«; 1924 – 33 Vors. des RFB Halle u. stellv. Vors. des RFB Gau Halle-Merseburg; 1933 verhaftet, März 1933 – März 1934 Haft im KZ Lichtenburg, dann KZ Papenburg, 1934 Entlassung; illeg. pol. Arbeit; 1935 Emigr. in die ČSR, dann in die UdSSR, Aufenthalt in Moskau; ab 1936 schwer erkrankt; 1937 Arbeit als Steindrucker; 1939 Korrektor in einer Druckerei; 1940/41 Korrektor im Verlag für fremdsprachige Lit.; Febr. 1941 sowj. Staatsbürgerschaft; Juli 1941 Evakuierung nach Karaganda (Kasachische SSR), Ltr. der Politemigranten; 1944 Sekr., 1945/46 Präs. des Gebietskomitees Karaganda der RH. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; stellv. Ltr. der Landespolizeibehörde Sachsen-Anh.; 1950 Einstellung beim MfS, Ltr. der HA I (Allgemeines/Personal); 1951 Ltr. der Abt. Allgemeines; 1953 Oberst; 1955 Ltr. der Abt. Agit.; 1958 Entlassung, Rentner; 1965 VVO; 1970 KMO; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Borufka, Helmut

* 26.10.1918 – ✝ Herbst 200

Geb. in Tannwald (Krs. Gablonz, Nordböhmen / Tanvald, Tschechien); Vater Bäcker u. kfm. Angest., Mutter Weberin; Grund- u. Bürgerschule; 1933 – 37 Handelsakad. in Gablonz; 1937 kfm. Angest., Volontär für Landmaschinen in Sedlčany (ČSR); 1937/38 Militärdienst in der ČSR-Armee (Kavallerie), Offz.-Schüler; 1938 arbeitslos u. Gelegenheitsarb.; 1939 – 43 Wehrmacht, Panzergrenadier, zul. Kompanieführer (Funktrupp), seit Juni 1941 Ltn. der Reserve, EK I u. II; 1943 – 49 sowj. Kriegsgefangennahme als Parlamentär b. Stalingrad; 1943 NKFD; 1945/46 Antifa-Zentralschule Krasnogorsk (Spezialobjekt 40), dort anschl. Assistent, 1948 ltd. Asistent u. 1948/49 Schulältester. Juli 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 Mitarb., dann Ltr. der Abt. Ausbildung der HV Ausbildung Berlin, VP-Inspekteur, 1950 Chefinspekteur; 1949 SED; 1951 Ltr. der 1. Abt. des Stabes der HV Ausbildung; 1951/52 Sonderlehrgang der HV Ausbildung in der UdSSR; 1952 Gen.-Major; 1952 – 55 Chef Verw. Ausbildung u. Inspekteur der KVP im MdI; 1955/ 56 stellv. Chef der KVP für Ausbildung u. Lehranstalten (Nachf. von  Heinrich Dollwetzel); 1956/57 Chef für Ausbildung der NVA im Min. für Nat. Verteidigung; 1957 Chef des Stabes der Dt. Grenzpolizei (DGP), maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung von Grundsatzdok. der DGP; Jan. – Mai 1960 Chef der Dt. Grenzpolizei; 1962 – 64 Ausbildung an der Militärakad. des Gen.-Stabs der Streitkräfte der UdSSR, Dipl.-Militärwiss.; 1964/65 Chef des Stabes u. stellv. Chef der Grenztruppen (Nachf. von Ernst Greiner-Mai); 1965 – 74 Chef der Verw. Schulen u. Weiterbildung im Min. für Nat. Verteidigung; 1969 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1970 Lehrgang an der MA des Gen.-Stabs der Streitkräfte der UdSSR; 1971 Gen.-Ltn.; 1974 – 82 Hauptinspekteur der NVA (Nachf. von Siegfried Weiß); 1974 Banner der Arbeit; 1978 VVO; 1981 Scharnhorst-Orden; 31.12.1982 entlassen, Rentner; Mitgl. des Büros der Urania, dort Vors. der Sekt. Militärpol.; 1985 Jubiläumsmedaille der UdSSR; gest. in Berlin-Köpenick.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Böhme, Ibrahim

* 18.11.1944 – ✝ 22.11.1999

Geb. in Bad Dürrenberg (b. Halle), Vater Feuerungsmaurer u. SED-Funktionär in den Leuna-Werken, Mutter Hausfrau (1947 gest.); zunächst bei Pflegeeltern, 1949 im Kinderheim in Zeitz, 1952 Rückkehr zum Vater; 1952 – 61 POS in Bad Dürrenberg, 1961 – 63 Ausb. zum Maurer in den Leuna-Werken, 1962 – 78 SED, Ausschluß; 1963 – 65 Erzieher im Lehrlingswohnheim der Leuna-Werke; 1965 Parteiverfahren mit strenger Rüge wg. krit. Äußerungen zum Parteiausschluß von  Robert Havemann, wogegen die von ihm betreuten Lehrlinge protestierten (darunter die Stieftochter von  Erich Mielke); im Juli 1965 Bibliothekshilfskraft in Greiz; 1967 – 72 Fernstudium an der FS für Bibliothekare in Leipzig, Bibliothekar; März – Sept. 1968 Ltr. des Jugendklubs in Greiz, dort wg. öff. Sympathiebekundung für den »Prager Frühling« gekündigt u. Parteistrafe (strenge Rüge); 1968 – 71 Zusteller, dann Mitarb. in der Lohnabt. der Post in Greiz; Jan. 1969 als IM »August Drempker« (auch »Paul Bonkartz«, »Bernd Rohloff«, »Maximilian«) beim MfS Greiz erf., umfassende Berichte über  Reiner Kunze; März 1971-Juni 1977 hauptamtl. Kreissekr. des KB in Greiz, dann bis März 1978 Bibliothekar in der Wiss. Allgemeinbibliothek Gera; 25.3.1978 – 25.7.1978 inhaftiert durch das MfS nach einer Flugblattaktion im Bahnhof Magdeburg; Entlassung auf Weisung von E. Mielke; Juli 1978 – Febr. 1982 im Öffentlichkeitsbereich des Theaters Neustrelitz tätig; 1982 / 83 Kellner, Russisch-Lehrer, Arbeiter im Sägewerk, 1983 – 85 Bibliothekar in Neustrelitz; ab 1984 im Auftrag des MfS in opp. kirchl. Kreisen in Mecklenb. (Markus Meckel,  Martin Gutzeit) u. Berlin (Peter Hilsberg) aktiv; Nov. 1985-Mai 1986 Ltr. des Kreiskulturhauses Berlin-Pankow, danach Hilfsarb. in Einrichtungen der ev. Kirche in Berlin; 1986 Teiln. am Vipperower Friedensseminar (Kontakte zu  Gerd Poppe u.  Ulrike Poppe u. dadurch zur IFM); 1989 erneute engere Kontakte zu Gutzeit u. Meckel, 26.8.1989 Mitwirkung am Initiativaufruf zur Gründung einer Sozialdemokrat. Partei; 7.10. 1989 Mitbegr. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Wahl zum Geschäftsf.; ab 7.12. 1989 Vertreter der SDP am Zentral. Runden Tisch, Febr. 1990 Vors. der SPD (DDR); 1990 Mitgl. der Volkskammer, SPD-Fraktionsvors.; 1.4.90 Niederlegung aller Parteiämter wg. des Vorwurfs der inoff. Mitarbeit für das MfS; Juli – Dez. 1990 Polizeibeauftr. des Ost-Berliner Magistrats, Sept. 1990 Mitgl. des SPD-PV. Dez. 1990 beweiskräftige Enttarnung als IM durch den Schriftsteller Reiner Kunze, Juni 1992 Schiedsverfahren u. Ausschluß aus der SPD wg. »schweren parteischädl.Verhaltens«; gest. nach schwerer Krankheit in Neustrelitz.Kunze, R.: Deckname »Lyrik«. Frankfurt (Main). 1990; Lahann, B.: Genosse Judas. Die zwei Leben des I. B.. Berlin 1992; Baumann, C.: »Ibrahim« B. – Ein rekonstuierter Lebenslauf. Berlin 2009.Christiane Baumann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böhme, Wilhelm

* 5.9.1895 – ✝ 19.6.1978

Geboren am 5. September 1895 in Tießau/Elbe; zunächst Knecht bei einem Großbauern, ab 1915 Arbeiter in der Dynamitfabrik in Dömitz. Mitglied des Fabrikarbeiterverbandes. 1916 zum Militär eingezogen, bei Kriegsende Mitglied eines Soldatenrates an der deutsch-holländischen Grenze. Er trat im November 1918 in Dömitz zunächst in die SPD, dann in die USPD ein, gehörte 1919 zu den Begründern der ersten KPD-Gruppen in Mecklenburg und wurde Funktionär der KPD. Böhme wurde im Februar 1924 in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt. Da er im illegalen Apparat tätig war, verhaftet und trotz Immunität im Dezember 1924 vom Staatsgerichthof in Leipzig zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung 1926 Funktionär in Dömitz, Leiter des örtlichen RFB, nach 1933 einige Male inhaftiert. 1945 Mitglied der KPD, zunächst war er Bürgermeister in Klein Schmölen, dann bis 1950 Bürgermeister in Dömitz. Als SED-Parteiveteran starb Wilhelm Böhme am 19. Juni 1978 in Ludwigslust.

Wer war wer in DDR

Bohn, Jürgen

* 30.10.1959

Geb. in Vacha (Krs. Bad Salzungen); 1978 Abitur; 1981 – 85 Studium des Maschinenbaus an der TU Dresden, Dipl.-Ing. für Umformtechnik; 1985 – 88 wiss. Ass. an der TU Dresden; LDPD, seit Dez. 1989 stellv. FDP-Kreisvors. von Bad Salzungen; 1990 Prom. zum Dr.-Ing.; 1988 – 90 Forschungsltr. in der Thür. Bandstahl GmbH.; März 1990 – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. Okt. – Dez. 1990 MdB; 1990 – 94 Mitgl. des Thür. Landtags, parlam. Geschäftsf. der FDP-Frakt.; 1991 – 94 Minister für Wirtsch. u. Technik des Freistaats Thüringen (Nachf. von Hans-Jürgen Schultz); 1995 – 97 stellv. Bundesvors. der FDP (Nachf. von  Rainer Ortleb); seit 1997 stellv. Landesvors. der FDP, empfahl im Landtagswahlkampf 1999, der CDU die Zweitstimme zu geben, infolgedessen wurde ein Parteiausschlußverfahren erwogen; seit Mitte der 1990er Jahre Unternehmensberater, 1996 Geschäftsf. der ACT GmbH, 2000 der Fa. Barbet Thür. GmbH, seit 2003 der Fa. AKTec; Honorarkonsul Ungarns.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bolck, Franz

* 15.9.1918 – ✝ 22.11.2000

Geb. in Berlin; Gymnasium; Medizinstudium an der Univ. Leipzig, Dr. med., anschl. Assistent u. später Oberarzt am Patholog.-Anatom. Inst., 1952 erste Professur, 1956 Prof. mit Lehrstuhl für Allg. Pathol. u. Patholog. Anatomie an der FSU Jena; 1959 Berufung zum Dekan der Med. Fak.; 1961 – 67 Prorektor, 1968 – 83 Rektor der FSU (Nachf. von  Günther Drefahl); 1968 NP; zeitw. Mitgl. des Präsidialrates des KB; 1983 em.; gest. in Jena.Andreas Herbst

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Bollhagen, Hedwig

* 10.11.1907 – ✝ 8.6.2001

Geb. in Hannover; Schule; Arbeit in einer Töpferei in Großalmerode; 1924/25 Besuch der Kasseler Kunstakad., 1925 – 27 der FS für Keramik Höhr-Grenzhausen; 1927 – 31 Entwerferin u. Ltr. der Abt. Malerei in der Steingutfabrik Velten-Verdamm (b. Berlin); 1931 Arbeit in der Staatl. Majolika-Manufaktur in Karlsruhe u. bei Rosenthal in Neustadt (b. Coburg); 1932 Mitarb. von T. Prill-Schloemann in Berlin als Entwerferin u. Betriebsassistentin in der Werkstatt Ohm in Frechen; 1934 Übernahme (zunächst mit Teilhaber) der ehem. Hael-Werkstätten für Künstler-Keramik in Marwitz (b. Velten, Mark) als HB-Werkstätten für Keramik mit ca. 60 Beschäftigten; 1937 Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung; 1972 Überführung des Betriebs in Volkseigentum, seit 1976 gehörte die »Werkstatt für Keramik Marwitz« zum Staatl. Kunsthandel der DDR; 1988 NP. Nach 1990 Reprivatisierung u. Weiterführung der HB-Werkstätten; 1991 Ausstellung auf der Antiqua in Berlin; 1992 Kulturpreis des Landkrs. Oranienburg; 1994 Ehrenausstellung des Landes Berlin; 1996 Verdienstorden des Landes Berlin; 1997 Bundesverdienstorden; gest. in Marwitz (Krs. Oranienburg). 2004 Gründung der H.-B.-Stiftung innerhalb der Dt. Stiftung Denkmalschutz; 2006 Gründung der H.-B.-Gesell.; Mediendiskussion darüber, ob B. durch den preisgünstigen Erwerb von Werkstätten Nutznießerin der nationalsozialist. »Arisierung« war. Eine Studie des Zentrums für Zeithist. Forsch. Potsdam entkräftete die Vorwürfe. Die für 2008 geplante Eröffn. eines Museums mit ihrem Nachlaß wurde ausgesetzt. Entwurf u. Herstellung von preiswertem Gebrauchsgeschirr, Kaffee- u. Teeservice von schlichter u. guter Form, einer gewissen Zeitlosigkeit verpflichtet; in den 1970er u. 1980er Jahren auch einfühlsame baukeram. Objekte u. Umsetz. von Entwürfen  Waldemar Grzimeks,  René Graetz’,  Jürgen von Woyskis u. a.H. B., Mantey, H., Gerhard, F.: Keramik. Berlin 1982. Degen, A.: H. B. gewidmet. Großpösna 2000; Steckner, C.: H. B. – Charles Croedel. Großpösna 2003; Heger, A.: Keramik zum Gebrauch. Weimar 2005; Gorka-Reimus (Hrsg.): H. B. ein Leben für die Keramik. Bonn 2007.Gerd Dietrich

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Bondi, Gerhard

* 9.3.1911 – ✝ 3.12.1966

Geb. in Karbitz (Krs. Aussig, Nordböhmen/ Chabařovice, Tschechien); Vater kaufm. Angest.; ab 1921 Besuch des Gymnasiums in Teplitz u. Bergreichenstein, 1928 Abitur; anschl. Studium an der HS für Welthandel Wien u. der Handels-HS Berlin; Mitgl. u. Funktionär der »Roten Studentengr.« der SPÖ, 1929 KPÖ; 1931 – 33 Mitarb. der sowj. Handelsvertretung in Berlin; 1933/34 Studium an der Handels-HS Nürnberg; 1934 Emigr. in die ČSR, Studium an der Dt. Univ. Prag, dort im Dez. 1938 Prom. zum Dr. jur.; März 1939 Emigr. nach England, dort Sekr. einer Flüchtlingsorg. u. später als Statistiker tätig. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949 – 51 Mitarb., dann Abt.-Ltr. für Planung u. Statistik der Dt. Zentralverwaltung für Energiewirtsch. u. Brennstoffindustrie; 1951 Doz. an der DVA in Forst-Zinna; 1953 Doz., 1954 Prof. für Wirtschaftsgeschichte an der MLU Halle, 1954 Prof.; 1955 Habil. mit einer Arbeit zur Geschichte des dt. Außenhandels 1815 – 70; 1957 Dir. des Inst. für Wirtschaftsgeschichte, 1958 Prorektor, 1959 – 1963 Rektor der MLU (Nachf. von  Leo Stern); 1960 – 64 Mitgl. der SED-BL Halle; gest. in Halle. B. gehört zu den Pionieren der marxist. Wirtschaftsgeschichte in der DDR, insb. durch Beiträge zur Geschichte der pol. Ök., u. war der Begründer der Reihe »Ökonom. Studientexte«.Die Rolle der Statistik in einer geplanten Wirtschaft. 1950; Dtl. Außenhandel 1815 –1870. In: Allg. Statistisches Archiv (1958) 34. G. B. zum Gedenken (Nachruf). In: Ztschr. f. Geschichtswiss. (1967) 15.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

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Bontjes van Beek, Jan

* 18.1.1899 – ✝ 5.9.1969

Geb. in Veijle (Jütland); Übersiedl. nach Uerdingen (Niederrh.); seit 1907 dt. Staatsbürger; 1919 Arbeit auf dem Barkenhof in Worpswede; 1921/22 Ausbildung zum Töpfer in Undenheim; 1923 Studium am Seger Inst. Berlin, bis 1931 Keramiker in Fischerhude, 1931 in Paris, 1923 – 33 Arbeit in Velten (b. Berlin); Aufbau einer eigenen Werkstatt in Berlin-Charlottenburg; Goldmedaille der Triennale in Mailand; im Sept. 1942 als Mitgl. der »Roten Kapelle« zus. mit Tochter Cato wegen illeg. Tätigkeit durch die Gestapo verhaftet, im Dez. mangels Beweisen entlassen, Tochter verur- teilt u. 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet; 1943 Vernichtung des Ateliers; 1944 Wehrdienst (Marine); sowj. Kriegsgefangenschaft. 1.5.1946 Doz. für Keramik an der HS für Bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, Prof., Rektor; 30.10.1950 wegen Reglementierung u. Zensur seiner Tätigkeit u. seines Werks Übersiedl. nach Dehme (b. Bad Oeynhausen); 1950 – 53 Aufbau einer keramischen Prod. zus. mit Alfred Ungewiß; 1953 – 60 Dir. der Werkkunstschule in Berlin (West); 1960 – 66 Prof. für Keramik an der HS für Bildende Kunst in Hamburg, 1963 Mitgl. der freien AdK Hamburg u. 1964 der AdK (West), 1965 der Internat. Akad. für Keramik in Genf; 1965 Großer Kunstpreis von Berlin (West). Ausstellungen (Ausw.): 1935 Grassi Museum Leipzig; Leicester Galleries (mit Henry Moore); 1937 Galerie Nierendorf Berlin; 1947 Galerie Gerd Rosen Berlin; 1964 Museum für Kunst- u. Gewerbe Hamburg; 1978 AdK Berlin (West).J. B. v. B. 1899 – 1969; Kat. AdK. Berlin 1978; Reineking von Bock, G.: Meister der dt. Keramik von 1900 – 1950. Kat. Kunstgewerbemuseum Köln 1978.Anke Scharnhorst

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Borgelt, Peter

* 20.9.1927 – ✝ 18.3.1994

Geb. in Rostock in einer Schauspielerfamilie; 1945 Beginn einer Bauarbeiterlehre, dann Studium am Konservatorium in Kamenz, privater Schauspielunterricht, 1950 Prüfung; anschl. Engagement am Kreistheater Burgstädt, danach in Halberstadt, Magdeburg, Leipzig u. Schwerin; 1967 – 94 Mitgl. des Ensembles des Dt. Theaters Berlin; erster Fernsehauftritt in der Musiksendung »Klock 8 achtern Strom«, die B. dann mehrere Jahre lang moderierte; ab 1961 zahlr. Filmrollen beim DFF, u. a. in »Die Abenteuer des Werner Holt« (1965), »Die Toten bleiben jung« (1968), »Schulmeister Spitzbart« (1969) u. den westdt. TV-Serien »Spreepiraten« (1989) u. »Tatort« (1990); berühmt in der Rolle des Hptm. Peter Fuchs in der TV-Serie »Polizeiruf 110« (1971 – 92, 83 Folgen); wiederholte Wahl zum »Fernsehliebling« der Wochenztg. »FF dabei«; UNICEF-Botschafter; gest. in Berlin.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Born, Hendrik

* 5.7.1944

Geb. in Loitz (Krs. Demmin); Vater Eisenbahner; Grund- u. OS, 1959 FDJ, 1963 Abitur; Eintritt in die Volksmarine, 1963 – 67 Studium an der Offiziersschule der Volksmarine in Stralsund, Ltn., anschl. versch. Bordfunktionen, u. a. Feuerleitoffizier auf dem Küstenschiff »Friedrich Engels« u. Kommandant eines Mienenabwehrschiffes; 1964 SED; 1967/ 68 Feuerleitoffizier des Küstenschutzschiffs (KSS) 124 u. 1968 – 70 des KSS 122 der 4. Flottille, 1970 – 72 Kommandant des Hochsee- Minensuch- u. Räumschiffs 345 der 4. Sicherungsbrigade; 1972 – 76 Studium an der Militärakad. der sowj. Seestreitkräfte in Leningrad, Dipl. rer. mil.; 1976 – 78 Kommandant des KSS 142 der 4. Flottille, 1978 – 81 Ltr. AG operative Arbeit, Unterabt. Operativ, 4. Flottille; 1981 – 83 Stellv. u. Stabschef der 4. Sicherungsbrigade; 1983/84 Stellv. u. Stabschef der 1. Flottille, ab 1984 Chef der 1. Flottille (Nachf. von Werner Kotte); 1988 Konteradmiral, Dez. 1989 – Sept. 1990 Chef der Volksmarine (Nachf. von  Theodor Hoffmann). Nach 1990 ziviler Berater des ersten Kdr. des neu eingerichteten Marinekommandos Rostock, Flotillenadmiral Dirk Horten; anschl. angestellt bei der Großwerft »Bremer Vulkan«; später Verkaufsltr. der MAN Turbo im Gebiet Kasp. Meer u. Türkei.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borochowicz, Leo

* 1900 – ✝ 1953

Geboren etwa 1900 in Polen, kam er Ende 1918 zum Studium nach Deutschland. Er schloß sich der KPD an und wurde (von August Thalheimer gefördert) Redakteur der »Roten Fahne«. Ab 1923 stand Borochowicz auf dem rechten Parteiflügel und war vor allem auf theoretischem Gebiet tätig. 1929 ging er zur KPO und war als Leo ein wichtiger Funktionär im Hintergrund, neben Heinrich Brandler und August Thalheimer Führer dieser Organisation. 1933 emigrierte er über Straßburg nach Paris und gehörte der Auslandsleitung der KPO an. Nach Differenzen mit Thalheimer und Brandler schied er aus der KPO aus. Borochowicz emigrierte 1939 in die USA und hatte sich völlig vom stalinistischen Kommunismus getrennt. Um seine Umsiedlung vorzubereiten, traf er 1953 in Deutschland ein. Dabei ist Leo Borochowicz im Februar 1953 in Frankfurt/M. an einem Herzinfarkt gestorben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borrmann, Gustav

* 25.9.1895 – ✝ 7.6.1975

Geboren am 25. September 1895 in Halle/Saale, Sohn einer Arbeiterfamilie; Steindrucker. 1911 Mitglied der SAJ. 1914 Soldat, schloß sich im Krieg der Spartakusgruppe an und wurde Anfang 1919 Mitbegründer der KPD in Halle. Wegen seiner Mitgliedschaft in der sogenannten Militärkommission der KPD während des Kapp-Putsches im August 1920 verhaftet und im Oktober 1920 zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. 1922 Orgsekretär des Bezirks Halle-Merseburg, 1923 Sekretär der KPD in Essen und 1923/24 im Bezirk Hessen-Waldeck, 1924 wurde er Geschäftsführer der KPD-Bezirksbuchhandlung Halle-Merseburg. Borrmann war 1924 Mitbegründer und bis 1933 Vorsitzender des RFB in Halle und stellvertretender Vorsitzender der RFB-Gauleitung Halle-Merseburg. Von 1929 bis 1933 leitete er den Vertrieb der AIZ, der von Willi Münzenberg herausgegebenen »Arbeiter-Illustrierten Zeitung«, für Sachsen-Anhalt. Im März 1933 wurde er verhaftet, bis März 1934 im KZ. Im Februar 1935 Emigration in die âSR, im August 1935 in die UdSSR, wo er als Steindruckmaschinenmeister und Korrektor im Verlag für fremdsprachige Literatur in Moskau arbeitete. Von 1936 bis 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, danach wieder in die UdSSR. Borrmann wurde 1941 nach Karaganda evakuiert und dort 1944/45 im Gebietskomitee der Roten Hilfe eingesetzt. 1946 kam er nach Deutschland zurück, trat der SED bei und wurde im Rang eines Ministerialrats stellvertretender Chef der DVP-Landesbehörde Sachsen-Anhalt. 1950 wechselte er zum MfS und wurde in Ost-Berlin Leiter der Hauptabteilung I (Allgemeines/Personal), 1951 Leiter der Presse- und Informationsabteilung. 1953 zum Oberst befördert, leitete Borrmann bis zu seinem Ausscheiden 1958 die Abteilung Agitation im MfS. 1970 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Gustav Borrmann starb am 7.Juni 1975.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böschen, Heinrich

* 27.10.1887 – ✝ 31.12.1945

Geboren am 27. Oktober 1887 in Bremen, Sohn eines Maurers; lernte ebenfalls Maurer. 1906 trat er dem Baugewerksbund bei und wurde Mitglied der SPD, 1917 der USPD. Als Vertreter der Danziger USPD Delegierter des Vereinigungsparteitages KPD-USPD im Dezember 1920. Böschen übersiedelte ins Rheinland, er war dort von 1920 bis 1926 Fraktionsleiter für das Baugewerbe Rheinland-Westfalen des DMV. Von 1920 bis 1926 Mitglied der Leitung des KPD-UB Solingen und auf dem VII. Parteitag 1921 und dem VIII. Parteitag 1923 für den Parteibezirk Rheinland-Süd in den ZA berufen. Ab 1926 Sekretär für Gewerkschaftsfragen bei der KPD-BL Niederrhein. 1928 als KPD-Abgeordneter (Wahlkreis Düsseldorf-Ost) in den Preußischen Landtag gewählt. Er wurde 1929 Orgleiter des Bezirks Niederrhein, Delegierter des XII. Parteitags 1929. 1930 legte er seine Funktion als Orgleiter nieder und wurde 1931 Polleiter des Einheitsverbandes der Bauarbeiter in der RGO. 1932 nicht mehr als Landtagskandidat aufgestellt, war aber weiter in der RGO tätig. Böschen wurde 1933 in Berlin verhaftet und noch im gleichen Jahr zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt, danach längere KZ-Haft. Während des Krieges zur Organisation »Todt« eingezogen, ist er bei Kriegsende verschollen. Heinrich Böschen wurde 1959 mit dem Zeitpunkt des 31. Dezember 1945 für tot erklärt.

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Böhme, Kurt

* 6.5.1913 – ✝ 4.6.1991

Geb. in Deuben (Krs. Dresden); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zum Tischler u. Polier; 1922 – 28 Mitgl. der Roten Jungpioniere; 1927/ 28 Tischlerlehrling in Freital, wg. Differenzen mit dem Meister entlassen; 1928 KJVD; 1928/ 29 Hilfsarb. in einer Glasfabrik in Freital; 1929 mit KJVD-Deleg. in Moskau; März 1930 KPD; 1930 – 33 Mitgl. der KPD-BL u. KJVD-BL Sachsen; März – Juni 1930 Hilfsarb. in Hainsberg (Saale), anschl. kurzfristige Beschäftigung in versch. Baubetrieben; nach 1933 illeg. Tätigkeit, ab Mai 1933 Ltgr. des illeg. KJVD in Freital; Mai – Juli 1933 »Schutzhaft«; 1936 Hilfsarb. bei der Reichsbahn; erneut illeg. polit. Arbeit; Nov. 1936 verurteilt wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 4 Jahren u. 7 Mon. Zuchthaus; Haft im Zuchthaus Zwickau; nach Entlassung im Dez. 1940 Hilfsarb.; Febr./März 1941 erneut Polizeihaft; 1941/42 Lehre als Möbelpolierer; März 1944 – Mai 1945 Bewährungsbat. der »Organisation Todt«, z T. in Frankreich. Juni/Juli 1945 Ltr. des Arbeitsamts Freital; Aug. – Nov. 1945 Abt.-Ltr. bzw. Sekr. der KPD-KL Freital; 1945/46 Landesparteischule Sachsen; Febr. – Apr. 1946 Mitarb. der Personalpolit. Abt. der KPD-BL Sachsen; SED; Mai 1946 – Okt. 1947 Instrukteur der Abt. Kader des SED-Landesvorst. Sachsen, Sektor Parteifunktioäre; 1947 – 51 1. Sekr. der SED-KL Siegmar-Schönau/Gebietsltg. Wismut; 1950 – 54 Kand. des ZK der SED; 1951/52 Sonderlehrgang an der PHS der KPdSU in Moskau; Apr. – Juni 1952 Instrukteur des ZK der SED im Stadtkreis Rostock; 1952 Offizier der KVP, dann NVA; 1957 VVO; stellv. Ltr. der Polit. Verw. im MfNV; 1961/62 Militärattaché an der DDR-Botschaft in der UdSSR; Oberst; 1963 – 69 Stellv. des Vors. für Innere Angelegenh. des Rats des Bez. Karl-Marx-Stadt; gest. in Chemnitz.Karlsch, R., Zybnek, Z.: Urangeheimnisse. Berlin 2007.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Böhme, Curt

* 17.7.1889 – ✝ 23.12.1968

Geb. in Sayda (Erzgeb.); Vater Sattler, Mutter Heimwerkerin; Volkschule in Sayda; anschl. Laufbursche u. Lehre als Feinmechaniker in Sayda; 1909 DMV; 1909 – 18 Wanderschaft und Arbeit als Feinmechaniker bei Carl Zeiss in Jena; 1910 SPD; organisierte 1916 mit Karl Liebknecht die »Osterkonferenz der Jugend« in Jena; 1918 USPD; 1920 – 23 Gasthörer an der Univ. Jena (Rechts- u. Volkswirtschaftslehre); 1922 erneut SPD; 1923 / 24 Referatsltr. im Thür. Innenmin.; 1924 – 31 MdL Thür.; 1925 Sekr. des SPD-Ortsvereins Gera; 1925 – 31 Bürgermeister in Allsted (Thür.); 1931 – 33 Gemeindevorsteher in Lohbrügge (b. Hamburg); 1933 Entlassung aus polit. Gründen; ab 1934 Feinmechaniker bei Carl Zeiss in Jena; 1944 / 45 Haft im KZ Buchenwald; Apr. 1945 Befreiung. 1945 / 46 Personalreferent im MdI des Landes Thür.; 1945 SPD, 1946 SED; 1946 – 50 Ministerialdir. im MdI Thür., zunächst als Dir. des Landesamts des Innern, 1947 – 50 Ltr. der HA Kommunal- u. Bauwesen; Sept. 1948 – Dez. 1956 OB von Gera (Nachf. von  Friedrich Bloch); Dez. 1956 Ehrenbürger der Stadt Gera; 1957 Rentner; 1969 VVO; gest. in Gera.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bohn, Willi Karl

* 6.8.1900 – ✝ 23.1.1985

Geboren am 6. August 1900 in Gotha als ältestes von drei Kindern eines Instrumentenbauers. Der Vater arbeitete in einer Pianofabrik, war Mitglied der SPD und starb 1910. Bohn kam nach der Schulentlassung 1915 zu einem Rechtsanwalt in die Lehre und hatte sich bis 1920 zum 2. Vorsteher des Büros heraufgearbeitet. Ab Mai 1918 Mitglied der USPD, ging mit dem linken USPD-Flügel 1920 zur KPD. 1921 Stadtverordneter in Gotha, seit 1922 hauptamtlicher Funktionär der KPD. Zunächst Redakteur des Gothaer »Volksblattes«, 1924 kam er als Chefredakteur zur »Niedersächsischen Arbeiterzeitung« nach Hannover. Nach Ausschaltung der Katz-Gruppe aus der politischen Führung in Niedersachsen wurde Bohn dort im Juni 1925 Bezirkssekretär und im August 1925 Polleiter des Bezirks. Anschließend erneut Chefredakteur der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung«, die im November 1926 in »Neue Arbeiterzeitung« umbenannt und Organ der KPD in Niedersachsen und Hessen-Kassel wurde. Da Bohn 1930 »schwankte« und nicht »konsequent« gegen die Versöhnler auftrat, wurde er kurzfristig von John Schehr als Polleiter des Bezirks Niedersachsen abgelöst und an die Internationale Leninschule nach Moskau geschickt. Nach Rückkehr im Herbst 1932 Chefredakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart. 1933/34 illegale Arbeit in Süddeutschland (Grenzarbeit), ab Februar 1934 in Berlin, dort im Oktober 1934 verhaftet und am 3. Oktober 1935 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Ludwigsburg und zuletzt im KZ Kaltenstein bei Vaihingen-Enz absaß. Von 1945 bis 1949 Politikredakteur, dann Leiter der Lokalredaktion bei der überparteilichen »Stuttgarter Zeitung«. Er war von 1946 bis zum KPD-Verbot 1956 Stadtrat im Stuttgarter Gemeindeparlament und Fraktionsvorsitzender der KPD, dort blieb er von 1956 bis 1959 parteiloser Abgeordneter. Von 1950 bis 1956 Chefredakteur des »Volksechos«, Organ der KPD Württemberg. Ab 1969 Mitglied der DKP, Autor mehrerer Bücher, sein bekanntestes erschien 1969 unter dem Titel »Stuttgart Geheim! – Ein Bericht über den Stuttgarter Widerstand«. Willi Karl Bohn starb am 23. Januar 1985.

Wer war wer in DDR

Boldin, Iwan Wassilewitsch

* 3.8.1892 – ✝ 28.3.1965

Geb. in Wyssozkaja (Moldawien); 1914 – 18 Militärdienst; 1918 Mitgl. der KPdSU; ab 1919 Berufssoldat; Teiln. am Bürgerkrieg, zul. Rgt.-Kdr.; Militärakad. Frunse; bis 1939 Inhaber hoher Kommandostellen; 1939 Teiln. an der Besetzung westlicher Teile Weißrußlands (Hitler-Stalin-Pakt); ab Okt. 1939 Kdr. des Militärbez. Odessa; 1941 stellv. Kdr. des westl. Militärbez., aus dt. Einkesselung ausgebrochen; anschl. Korpskdr.; ab April 1945 stellv. Oberbefehlshaber der 3. Ukrainischen Front; 1944 Gen.-Oberst. Ab Juni 1946 Chef der SMAD-Landesverw. Thür.; danach Armeekdr.; 1958 – 65 Konsultant in der Gruppe der Gen.-Inspekteure des Verteidigungsmin. der UdSSR; zweimal Lenin- u. Rotbannerorden; gest. in Kiew.Jan Foitzik

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Bolz, Lothar

* 3.9.1903 – ✝ 29.12.1986

Geb. in Gleiwitz (Oberschles./Gliwice, Polen); Vater Uhrmacher; Oberrealschule gem. mit  Rudolf Herrnstadt; 1921 – 25 Studium der Rechtswiss., Kunst- u. Lit.-Geschichte an den Univ. München, Kiel u. Breslau, Prom. zum Dr. jur; 1926 Gerichtsreferendar, 1929 Assessor, danach Rechtsanwalt in Breslau; KPD; 1933 Ausschl. aus der schles. Anwaltskammer wegen Verteidigung von Antifaschisten; Emigr. nach Danzig, Prag u. ab 1934 in die UdSSR; dort Journalist, Lehrer für dt. Sprache an Univ. u. Assistent am Marx-Engels-Lenin-Inst. in Moskau; nach 1941 Arbeit unter dt. Kriegsgefangenen, Lehrer an Antifa-Schulen, Mitarb. an der Ztg. des NKFD »Freies Dtl.« (»Rudolf Germersheim«). Ende 1947 Rückkehr nach Dtl.; bis Sept. 1948 freiberufl. Journalist in Halle; 1948 NDPD, Sept. 1948 – April 1972 deren Vors., ab 1948 Mitgl. des Hauptaussch. u. des PV; 1949 einer der Vors. des Dt. Volksrats u. Mitgl. der DWK; ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 53 Min. für Aufbau, 1950 – 67 stellv. Min.-Präs.; ab 1950 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1953 – 65 Min. für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von  Georg Dertinger); 1954 u. 1965 VVO; 1955 Kommandeurskreuz zum Orden Polonia Restituta; 1965 Großes Band des Ordens vom Nil; 1968 Stern der Völkerfreundschaft; 1968 – 78 Präs. der DSF (Nachf. von  Johannes Dieckmann), danach Mitgl. des Präs.; ab 1972 Ehrenvors. der NDPD; 1971 Orden des Vaterländ. Krieges; gest. in Berlin.Es geht um Dtl. Reden u. Aufsätze. Berlin 1955; Für die Macht des Friedens. Reden u. Aufsätze. Berlin 1959. Fricke, K. W.: L. B. Sowjetbürger als »Dt. Patriot«. In: SBZ-Archiv 20 (1953) 4; Staritz, D. 1987: Zum Tode von L. B. In: Dtl. Archiv 20 (1987) 1.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Bondzin, Gerhard

* 29.7.1930

Geb. in Mohrungen (Ostpr./Morąg, Polen); Vater Buchdrucker; 1945 Vertreibung. 1946 – 48 Studium an der FS für Keramik in Sonneberg, 1948 – 51 Malerei an der HS f. Architektur u. Baukunst Weimar; SED; 1951 – 53 Studium an der HS für bildende Künste Dresden bei  Fritz Dähn u.  Rudolf Bergander; seit 1957 Lehrtätigkeit, 1965 Prof. f. Malerei; 1965 – 70 Rektor der HS für bildende Künste Dresden (Nachf. von  Rudolf Bergander); 1969 – 91 DAK; 1969 – 84 Mitgl. der SED-BL Dresden; 1969 NP; 1970 – 74 Präs. des VBK (Nachf. von  Lea Grundig); 1973 – 92 Ltr. der Meisterklasse für Wandmalerei an der HS für bildende Künste Dresden. 2001 Ausstellung in Berlin. Werke: Schichtwechsel (1957), Das letzte Aufgebot. Niemals wieder (1962), Die Unbesiegbaren (1967), Der Weg der roten Fahne, Wandbild am Kulturpalast Dresden (1969), Drei kuban. Arbeiter (1976).Handzeichnungen, Druckgrafik. Rostock 1968; Malerei, Grafik, Handzeichnungen. Berlin 1986.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

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Boock, Georg

* 6.9.1891 – ✝ 23.6.1961

Geb. in Berlin; Vater Lokomotivführer; Gemeindeschule, Realgymnasium; Ausbildung zum Verw.-Beamten; ab 1911 in versch. Abt. der städt. Verw. von Berlin-Neukölln tätig; Abendstudium der Volks- u. Finanzwirtschaft sowie der Rechtswiss.; 1915 Militärdienst, engl. Kriegsgefangenschaft; 1919 Stadtsekr. in Berlin-Neukölln, Ltr. des Kriegsfürsorgeamtes; 1920 USPD, 1922 SPD; 1921 – 27 Bürgermstr. von Langenberg bzw. Meuselwitz (Thür.), Funktionen im Thür. Städtebund u. im Reichsstädtebund; ab 1927 1. Bürgermstr. von Wurzen, Vorstandsmitgl. des Sächs. Bürgermstr.-Tags – Verb. Sächs. Mittelstädte; 1933 Amtsenthebung, anschl. Gründung eines Büros für Steuer- u. Grundstücksfragen in Leipzig; Kontakte zur Widerstandsgr. Schumann-Engert-Kresse, 27.7.1944 Verhaftung u. Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus in Straubing. 1945/46 KPD/SED; 10.7.1945 OB von Wurzen, 5.5.1946 – 61 OB von Erfurt (Nachf. von Hermann Jahn); Abg. der Stadtverordnetenvers., Mitgl. des Büros der SED-Stadtltg.; ab 1947 zeitw. Doz. für Kommunalwiss. an der Univ. Jena; 1954 VVO; ab 1957 Mitgl. der Kommission beim ZK der SED zur Ausarbeitung von Richtlinien für die Verbesserung der staatl. Arbeit, beteiligt an der Erarbeitung des entsprechenden Gesetzes vom 11.2.1958 sowie der »Ordnung über die Aufgaben u. die Arbeitsweise der Gemeindevertr. u. ihrer Organe« von 1961; Mitgl. des Präs. des Dt. Städtetags der DDR bzw. des Dt. Städte- u. Gemeindetags, des Beirats des Inst. für Kommunalwirtschaft, des Arbeitsaussch. zur Förderung der gesamtdt. Verständigung auf kommunalem Gebiet; Dt. Friedensmedaille; Verdienstmedaille der DDR.Die Stadt Meuselwitz 1874 – 1924 (mit R. Reuther). Altenburg 1924; Wohnraumerfassung u. Wohnraumverteil. Berlin 1959.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bork, Kurt

* 27.8.1906 – ✝ 25.9.1975

Geb. in Berlin; Vater Straßenbahnschaffner, Mutter Plätterin; 1920 – 23 Ausbildung zum Kfm. in Berlin; seit 1920 in der kommunist. Jugendbew. aktiv; 1921 Mitgl. der Volks- bühne u. einer kommunist. Agitprop-Truppe; 1923 – 40 kfm. Angest. bei der Lagerhaus Spreehof GmbH, 1940 – 45 dort Geschäftsf.; 1932 KPD. 1945/46 Ltr. des Kulturamts Berlin-Lichtenberg; 1946 KPD/SED; 1946 – 49 Mitarb. der Abt. Volksbildung beim Magistrat von Groß-Berlin, zunächst im Referat Theater, dann Hauptamtsltr. Darstellende Kunst; 1949 – 51 Hauptref. für Theater im Min. für Volksbildung (Kommission für Theaterfragen); 1951 – 54 Ltr. der Abt. Darstellende Kunst in der staatl. Kommission für Kunstangelegenh.; Doz. an der Film-HS Babelsberg; 1952 Lehrgang an der DVA; 1954 – 58 Ltr. der HA Darstellende Kunst, 1959 – 62 Abt.-Ltr. im Min. für Kultur, dort Mitgl. der ZPL; 1962 – 73 stellv. Min. für Kultur, bis 1969 zuständig für Theater, Musik, Bildung, Kunst, schul. Einrichtungen u. Veranstaltungswesen; 1962 – 68 Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Kunst; 1966 – 71 Vorst.-Mitgl. des Verb. der Theaterschaffenden; 1968 Weiterbildungslehrgang am IfG; wichtiger Förderer v. a. der Berliner u. Leipziger Theater, insbes. des Berliner Ensembles u. der Komischen Oper; in einer zunehmend restriktiveren Phase der Kulturpol., nach Ablehnung seiner beabsichtigten Theaterreform durch das PB der SED u. im Ergebnis kulturpol. Diskussionen nach dem Prager Frühling verlor er das Theaterressort; ab Febr. 1969 Übernahme des Ressorts Bildende Kunst, Denkmalspflege u. Internat. Beziehungen im Min. für Kultur; Jan. 1973 als stellv. Kulturminister abgelöst (offiz. aus Altersgründen); Vors. des Kuratoriums des Kulturfonds der DDR; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Börner, Jacqueline

* 30.3.1965

Geb. in Wismar; Mutter Stewardess auf MS »Fritz Heckert«, Vater Borddrucker; nachdem die Eltern abgemustert hatten, Umzug nach Berlin; begann bei SG Dynamo Südost mit dem Eislauf (Trainer Rainer Klehr); KJS, TSC Berlin (Trainer Werner Unterdörfel); 1981 Spartakiade AK 16 1.500 m (Silber); DDR-Meisterschaften: 1984 1.000 m (Silber), 1985 (Bronze), 1986 1.500 m (Silber), 1988 1.500 m (Bronze), 1990 1.500 m (Bronze); 1987 u. 1989 Bronze bei der EM im Mehrkampf; 1990 Vizeeuropameisterin u. WM im Mehrkampf; Studium der Pädagogik u. Geschichte an der HU Berlin. Dt. Meisterschaften: 1992 1.500 u. 3.000 m (Silber), 1994 Mehrkampf (Bronze); Aug.1990 beim Radtraining nahe Wandlitz (b. Berlin) von einem Pkw angefahren; 1992 Olympiasiegerin über 1.500 m; 1990 Ausbildung zur Bankkffr.; danach Angest. beim Berliner Eislauf-Verb.; 1992 Silbernes Lorbeerblatt; seit 1998 Abt.-Ltr. Eislauf Berliner TSC.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borowski, Noah (August)

* 1.10.1885 – ✝ 8.4.1944

(* 1885 – † 1944) Geboren am 1. Oktober 1885 in Peski im Gouvernement Grodno/Rußland, Sohn einer armen jüdischen Familie. Als Mitglied des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes 1905 Teilnahme an der russischen Revolution. Anfang 1906 verhaftet und nach Tobolsk in Sibirien verbannt, erhielt im Sommer 1907 die Genehmigung, wegen Krankheit nach Königsberg auszureisen. Hier fand er Arbeit als Buchhalter und Russisch-Korrespondent. Bei Kriegsbeginn Ausweisung als »feindlicher Ausländer« und Übersiedlung nach Chemnitz, wo er sich 1915 der SPD anschloß und als kaufmännischer Angestellter arbeitete. Während des Krieges trat er der USPD bei und gehörte dem Spartakusbund an. Borowski schrieb für die »Leipziger Volkszeitung«. Mit Fritz Heckert war er Mitbegründer der KPD in Chemnitz und nahm an einigen Parteitagen der KPD teil, darunter dem III. Parteitag im Februar 1920. Der VII. Parteitag 1921 wählte ihn in den ZA, auf dem VIII. Parteitag 1923 kam er in die Redaktionskommission. Borowski arbeitete als Redakteur am Chemnitzer »Kämpfer« und war 1923/24 dessen Chefredakteur. Als Anhänger Heinrich Brandlers im Herbst 1924 entlassen, wurde er Anfang 1925 aus der KPD ausgeschlossen. Nach der Ruth-Fischer-Ära wieder in die KPD aufgenommen, übersiedelte Borowski im Frühjahr 1926 nach Berlin und war dort Dolmetscher und Übersetzer im Verlag für Literatur und Politik. Da er weiter zu Brandler hielt, wurde er im Frühjahr 1929 aus der KPD ausgeschlossen, gehörte nun der KPO-Führung an. Weil er gegen die Aufstellung eigener Kandidaten bei Wahlen durch die KPO war, verließ er 1930 die Organisation. Im Herbst 1931 Übersiedlung in die UdSSR, dort zunächst Übersetzer und Redakteur bei der RGI. Bis 1935 im Verlag Literatur und Politik Übersetzer von Leninwerken. Anschließend im Trust Turkstroi beschäftigt, im Dezember 1941 nach Alma-Ata evakuiert. Noah Borowski starb am 8.April 1944 im Alma-Ata.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borstel, Hans von

* 3.3.1888 – ✝ 6.10.1962

Geboren am 3. März 1888 in Stade; Eisenbahnarbeiter. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD und 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. 1921 gemeinsam mit Ernst Thälmann Vorsitzender der KPD in Hamburg, von 1921 bis 1927 in der Beschwerde- und Revisionskommission der BL. Als Anhänger Thälmanns nahm er am VIII. KPD-Parteitag 1923 bzw. am IX. Parteitag 1924 teil, auf denen er in die Gewerkschaftskommission delegiert wurde. Von 1923 bis 1926 Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«. Borstel brach im November 1926 mit der KPD. Weil er sich weigerte, die Trennung Thälmanns von Ruth Fischer mitzumachen, wurde er wegen angeblicher »Intrigen« ausgeschlossen. Später arbeitete er bei der Hamburger Wohlfahrtsbehörde, war ein Anhänger der Korsch-Gruppe. Von 1928 bis 1933 Mitglied der SPD, deshalb nach 1933 einige Zeit inhaftiert. Er schloß sich nach 1945 kommunistischen Oppositionsgruppen an. Hans von Borstel starb am 6.Oktober 1962 in Hamburg an Kehlkopfkrebs.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böse, Ernst

* 1.3.1901 – ✝ 12.9.1962

Geboren am 1. März 1901 in Oebisfelde; nach dem Besuch des Lehrerseminars Volksschullehrer in Neuhaldensleben. Seit 1919 in der KPD aktiv, im Prozeß gegen Kommunisten vor dem Landgericht Magdeburg im April 1921 wurde er freigesprochen. Auf dem VIII. Parteitag der KPD 1923 als Anhänger der rechten Kommunisten zum Ersatzmitglied des ZA für den Bezirk Magdeburg-Anhalt gewählt, arbeitete als Redakteur für die KPD-Zeitung in Bernburg. 1924 zog Böse für die KPD als Abgeordneter in den Landtag von Anhalt ein. Aus Protest gegen den ultralinken Kurs der Partei trat er noch 1924 gemeinsam mit weiteren Kommunisten aus der KPD aus. Bekannt wurde er durch seine gegen die Führung gerichtete Schrift »Wahnsinn oder Verbrechen? Am Grabe des Kommunismus« (Bernburg, März 1925). Er griff die neue linke Führung, namentlich Arkadi Maslow, Arthur Rosenberg, Max Schütz u. a. an, denen er vorwarf, den Begriff der Disziplin bis »zum Kadavergehorsam« überspannt zu haben, die KPD leiste der »Reaktion Vorschub«. Böse trat zur SPD über und war auch nach 1945 für diese Partei in Hamburg aktiv. Hier war er vor allem in der Schulungsarbeit tätig und setzte sich mit dem Marxismus auseinander. Seine Schrift »Materialistische Geschichtsauffassung. Eine kritische Einführung« erschien 1947 (2. Aufl. 1948) im Hamburger SPD-Verlag, ebenso »Karl Marx. Sein Leben und Werk« (1948) und auch »Probleme der Marxistischen Gesellschaftslehre« (1948). Böse verteidigte den Marxismus, distanzierte sich aber scharf vom Leninismus. Zu seinen Arbeiten hatte Herbert Wehner 1947 positive Gutachten für den Verlag angefertigt. Ernst Böse starb am 12.September 1962 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Böhme, Lothar

* 26.7.1938

Geb. in Berlin; Vater Angest., Mutter Blumenhändlerin. Volksschule; 1954 – 56 Ausbildung zum u. Arbeit als Dekorateur; 1957 – 61 Studium in der Grafikkl. der Mstr.-Schule für das Kunsthandwerk Berlin-Charlottenburg bei Heinz Weißbrich u. Günter Scherbarth, Abbruch des Studiums durch den Bau der Mauer; Umzug nach Berlin-Pankow; ab 1961 freiberufl. Arbeit als Maler, Finanzierung durch Arbeit für Messen u. Ausstellungen der Bauakad.; 1964 Heirat mit der Malerin Christa Krefft (gest. 1991); ab 1965 VBKD; von 1976 – 90 Ltg. eines Zirkels für Autodidakten am Otto-Nagel-Haus der Staatl. Museen in Berlin, wirkte damit als wichtiger Anreger des künstler. Nachwuchses; gehörte in den 1970er u. 1980er Jahren zum Kern der sogen. Berliner Schule; 1976 erste Personalausstellung in der Galerie am Prater Berlin, 1978 Leonhardi-Museum Dresden, 1982 Studio im Alten Museum Berlin; 1988 Teiln. an der Biennale Venedig. 1992 Kollwitz-Preis der AdK; 1993 Ausstellung Nationalgalerie Berlin; 1994 Fred-Thieler-Preis für Malerei; 1994 Mitgl. der AdK; 2006 Gerhard-Altenbourg-Preis. B.s Hauptmotiv ist der weibl. Akt, der in strenger Formenreduktion zu existentiellem Ausdruck geführt wird.Kat. L. B. Studio 32. Nationalgalerie. Berlin 1982; Kat. L. B. (mit Bibl.). Ephraimpalais. Berlin 1991; Kat. L. B. Nationalgalerie. Berlin 1993.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Böhmer, Wolfgang

* 27.1.1936

Geb. in Dürrhennersdorf (Oberlausitz); Studium der Medizin u. 1959 Prom. zum Dr. med. an der KMU Leipzig; 1960 – 74 Facharzt für Gynäkol. u. Geburtshilfe an der Frauenklinik Görlitz; 1974 – 91 Chefarzt der geburtshilfl.-gynäkolog. Abt. im Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift in Wittenberg; 1983 Habil. an der MLU Halle, Berufung zum Prof. 1990 CDU; Okt. 1990 – 2002 MdL Sachsen-Anh.; Juli 1991 – 93 Min. der Finanzen; 1993/ 94 Min. für Arbeit u. Soziales; seit 1998 Vors. des CDU-LV Sachsen-Anh.; 1998 – 2002 Vizepräs. des Landtags; 2001/02 Vors. der CDU-Landtagsfrakt.; seit Mai 2002 Ministerpräs. (Nachf. von  Reinhard Höppner); 2003 Präs. des Bundesrats; Mitgl. der Sozialkammer der EKD; seit 27.7.2007 MdL Sachsen-Anh. (Nachf. von Dirk Schatz); 2007 Großes Verdienstkreuz mit Stern u. Schulterband.Über die Dauer ventrikulärer Extrasystolen. Leipzig 1959; Die Entw. der individuellen u. gesell. Belastung durch die menschl. Reprod. Halle 1983. Hinck, G.: Eltern in Ostdeutschland. Berlin 2007.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bohnenstengel, Karl

* 4.5.1890 – ✝ 16.7.1965

Geboren am 4. Mai 1890 in Landsberg/Warthe; Fleischerlehre, dann Bauarbeiter. 1909 trat Bohnenstengel dem Bauhilfsarbeiter-Verband bei. Nach seinem Militärdienst von 1910 bis 1912 wurde er Mitglied der SPD. Als Soldat von 1914 bis 1918 an der Front, wegen einer Verwundung erst im September 1919 aus dem Lazarett entlassen. Von 1919 bis 1924 war er im Kreis Landsberg Geschäftsführer des Deutschen Landarbeiterverbandes und 1919 auch SPD-Stadtverordneter in Landsberg. Bohnenstengel verließ 1923 die SPD und wurde Mitglied der KPD, daraufhin aus dem Landarbeiterverband ausgeschlossen, er verlor seine gewerkschaftliche Stellung. Von 1924 bis 1930 Steineträger in verschiedenen Baubetrieben. Bohnenstengel gehörte von 1927 bis 1930 dem Provinziallandtag Brandenburg an und wurde im September 1930 im Wahlkreis Frankfurt/O. für die KPD in den Reichstag gewählt. Von 1930 bis Anfang 1933 Instrukteur für Landarbeiterfragen der BL Berlin-Brandenburg und auch Vorsitzender des Landarbeiterverbandes der RGO Berlin-Brandenburg. Bohnenstengel konnte sich der Ende Februar 1933 einsetzenden Verhaftungswelle zunächst entziehen, wurde aber später mehrmals kurzzeitig inhaftiert. Von Ende 1933 bis 1939 betrieb er einen kleinen Lebensmittelladen in Berlin, danach arbeitete er bei den Norddeutschen Eisenwerken. Dort am 22. August 1944 festgenommen und bis April 1945 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. 1945 wurde er Kreisleiter der KPD im Kreis Teltow, ab Dezember 1945 bis Ende 1950 Referent in der KPD-BL Brandenburg, bzw. der SED-Landesleitung Brandenburg in Potsdam. Karl Bohnenstengel starb am 16. Juli 1965.

Wer war wer in DDR

Boll-Dornberger, Katharina

* 2.11.1909 – ✝ 27.7.1981

Geb. in Wien; Vater Ökonom; Realgymnasium; 1928/29 Physik- u. Mathematikstudium in Wien u. 1929 – 33 in Göttingen; 1928 – 30 KPÖ, ab 1931 KPD; 1934 Prom. in Wien mit Forschungen zur Kristallstrukturanalyse; 1935 – 37 Assistentin an der Univ. Wien; 1937 Emigr. nach England, dort Forts. der Forschungen u. a. bei Marcus Oliphant (1937/38 Birmingham), John Desmond Bernal (1938/39 London) u. D. Crowfoot-Hodgkin (1941 – 43 u. 1944 – 46 Oxford); 1943/44 Lehrerin an einer Mädchen-OS in Oxford. 1946 Rückkehr nach Dtl.; zunächst Hausfrau in Weimar; 1947 SED; ab 1947 Doz. an der HS für Baukunst in Weimar; 1948 DAW, Inst. für Med. Biol. Berlin-Buch; 1953 Habil. an der HU Berlin; nebenamtl. 1954 Doz., 1956 Prof.; 1955/56 DAW, Ltr. der Arbeitsstelle für Kristallanalyse in Berlin-Adlershof, 1956 – 68 dort Dir. des Inst. für Strukturforschung; 1959 VVO; 1960 NP; 1968/69 DAW, Forschungsdir. des ZI für physikalische Chemie, ab 1970 dort wiss. Mitarb.; gest. in Berlin. Internat. anerkannte Forschungen zur Röntgenstrukturanalyse von Kristallen, die das Gebiet in der DDR begründen halfen.Dieter Hoffmann / Elke Reuter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bolze, Waldemar

* 11.1.1896 – ✝ 14.12.1951

Geboren am 11. Januar 1896 in Buk/Posen; gelernter Tischler. Als 18jähriger Mitglied der Gewerkschaft, 1906 der SPD. Nach kurzer Wanderschaft kam er nach Berlin, wo er bald Funktionen in SPD und Gewerkschaft ausübte. Bei Kriegsausbruch trat er unter Protest gegen die Haltung der SPD aus der Partei aus. Er war vier Jahre Soldat, ging 1917 zur USPD und im Januar 1919 zur KPD. Bolze nahm an den Spartakuskämpfen in Berlin teil, wurde 1920 Mitarbeiter der »Roten Fahne« und 1921 der Gewerkschaftsabteilung der KPD-Zentrale. 1924 als Gegner Ruth Fischers und als Rechter aus der Zentrale entlassen, blieb Bolze einer der wenigen Wortführer der Rechten in der Berliner KPD. Von 1926 bis Anfang 1929 kam er wieder in die Gewerkschaftsabteilung des ZK. Anhänger Heinrich Brandlers und Gegner des RGO-Kurses, deshalb wurde er im Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Danach gehörte er bis 1933 der KPO und deren Leitung an. 1933 Emigration, zuerst nach Frankreich, im November 1936 ging Bolze nach Spanien, um dort für die Republikaner zu kämpfen. Er arbeitete in einem Flugzeugwerk in Barcelona und hatte enge Verbindung zur Gruppe POUM, die von den Stalinisten als »trotzkistisch« verfolgt wurde. Auch Bolze wurde von der GPU in Spanien verhaftet und dort über ein Jahr in deren spanischen Kerkern festgehalten. Da die stalinistische Gefängniswache im letzten Augenblick flüchtete, entging er den Franco-Truppen und konnte mit anderen Gefangenen über die Pyrenäen entkommen. Von Frankreich nach Belgien ausgewiesen, floh Bolze im Mai 1940 vor den deutschen Truppen wieder nach Frankreich. In Südfrankreich interniert, entkam er und lebte bis 1945 illegal. Die Genehmigung der Alliierten zur Rückkehr nach Deutschland erhielt Bolze erst 1948. Er arbeitete nun als Tischler in den Reichswerken Salzgitter und gehörte der Gruppe Arbeiterpolitik, der Nachfolgeorganisation der KPO an. Waldemar Bolze starb am 14. Dezember 1951 in Salzgitter an Lungentuberkulose.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böning, Hermann

* 18.5.1894 – ✝ 2.11.1939

Geboren am 18. Mai 1894 in Heidelberg, Sohn eines Arbeiters. Von 1908 bis 1911 Schlosserlehre, von 1914 bis 1918 Soldat. Nach dem Krieg Schlosser in Heidelberg, wo er 1920 in die KPD eintrat. Zeitweise war Böning Vorsitzender der Karlsruher KPD-Ortsgruppe und dort Stadtverordneter. 1929 hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär der BL Baden und im gleichen Jahr Abgeordneter des Badischen Landtags. Von 1931 bis 1933 Leiter der IAH in Baden und bis 1933 Mitglied der erweiterten BL Baden. 1933 Flucht nach Basel, zunächst Grenzarbeit mit Unterstützung der KP der Schweiz, anschließend zur Parteiarbeit nach Deutschland als Instrukteur für die südbadischen UB zurückgeschickt. Bereits am 5.August 1933 verhaftet und am 2. Februar 1935 vom OLG Karlsruhe zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei einem Transport vom Zuchthaus Ludwigsburg nach Asperg kam Böning am 2. November 1939 ums Leben. Da dem Fahrer des Autos nichts passierte, liegt die Vermutung nahe, daß Hermann Böning ermordet wurde.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borchardt, Julian

* 30.12.1868 – ✝ 16.2.1932

Geboren am 30. Dezember 1868 in Bromberg als Sohn eines Kaufmanns. Er übersiedelte 1876 nach Berlin und wurde nach dem Schulabschluß 1885 Handlungsgehilfe. Von 1896 bis 1900 lebte Borchardt in Brüssel und studierte Volkswirtschaft. Er trat der SPD bei, wurde 1900 Redakteur am sozialdemokratischen »Volksblatt« in Hamburg und von 1901 bis 1908 am SPD-Organ »Königsberger Volkszeitung«. Danach war er bis 1913 als Wanderredner für die Sozialdemokratie tätig und wurde durch seine Vorträge über Nationalökonomie und historischen Materialismus in ganz Deutschland bekannt. Von 1911 bis 1913 vertrat er die SPD als Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus. Ab 1913 Herausgeber der Zeitschrift »Lichtstrahlen«. Borchardt sammelte mit Beginn des Weltkrieges eine Gruppe linksradikaler Gegner der SPD-Politik um sich (Internationale Sozialisten Deutschlands). Teilnehmer der internationalen Sozialistischen Konferenz der Kriegsgegner im September 1915 in Zimmerwald (Schweiz), wo er sich (im Gegensatz zur Gruppe Internationale) Lenins »Zimmerwalder Linken« anschloß. Im Februar 1916 kam Borchardt in »Schutzhaft«, im April 1916 wurden die »Lichtstrahlen« verboten. In der Novemberrevolution ging er zu den Internationalen Kommunisten Deutschlands, die sich mit dem Spartakusbund Ende 1918 zur KPD vereinten. Doch schon auf der Reichskonferenz der IKD Mitte Dezember 1918 wurde Borchardt wegen seiner anarchistischen Tendenzen ausgeschlossen, er gehörte in der Weimarer Republik keiner Partei an. Von 1918 bis 1921 publizierte er erneut die radikalen »Lichtstrahlen« sowie Schriften über Sowjetrußland. 1920 veröffentlichte er eine Volksausgabe des »Kapitals« von Marx, die bis 1931 in sieben Auflagen erschien. Er war im Schutzverband Deutscher Schriftsteller aktiv, lehrte auch an der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH), stand aber in kritischer Distanz zur KPD. Eine Berufung an das Marx-Engels-Institut in Moskau konnte er 1931 wegen schwerer Erkrankung nicht annehmen. Julian Borchardt starb am 16.Februar 1932 in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borkenau, Franz

* 15.12.1900 – ✝ 22.5.1957

(* 1900 – † 1957) Geboren am 15. Dezember 1900 in Wien als Sohn des Universitätsprofessors Rudolf Pollack. 1918 Soldat, von 1919 bis 1924 Studium in Wien und Leipzig, 1924 Promotion. Ab 1921 Mitglied der KPD, Leiter des Roten Studentenbundes. Bis 1929 Mitarbeiter des Westeuropäischen Büros in Berlin sowie bei Eugen Varga. Als Rechter 1929 ausgeschlossen, war Borkenau kurze Zeit in der KPO aktiv. 1933 Emigration über Wien und Frankreich nach Großbritannien. Seine in London veröffentlichten Bücher über den Spanischen Bürgerkrieg bzw. die Kommunistische Internationale (1936 bzw. 1938) waren eine scharfe Absage an den Kommunismus. 1940 interniert, arbeitete Borkenau 1943/44 bei der BBC in London. 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, lehrte er von 1946 bis 1948 als außerplanmäßiger Professor in Marburg und war dann Chefredakteur der »Ostprobleme«. 1952 erschien sein Buch »Der europäische Kommunismus«. Franz Borkenau starb am 22. Mai 1957 in Zürich.

Wer war wer in DDR

Börner, Rainer

* 16.6.1956

Geb. in Nordhausen; Vater Landwirt; 1963 – 75 POS u. EOS in Nordhausen; 1971 FDJ; 1975/76 Traktorist, 1976/77 NVA; 1977 SED; 1977 – 81 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1978 – 84 ehrenamtl. u. hauptamtl. in der FDJ-Ltg. der HfÖ Berlin, 1984 – 90 Mitarb. der FDJ-BL Berlin, u. a. Abt.-Ltr. u. Sekr. für Kultur; Dez. 1989 Mitbegr. u. Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Junger GenossInnen der SED-PDS; Febr. 1990 Mitgl. des Präs. des PV bzw. Bundesvorst. der PDS, Ltr. der Kommission Parteienpluralismus u. Bürgerbew., Jan. – März 1990 Vertreter der PDS am Zentr. Runden Tisch; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Sept. erster Abg., der sich öffentl. u. vor der Volkskammer zu zeitw. inoffiz. MfS-Mitarbeit bekannte. 1990 – 92 Mitgl. des PDS-Präs., Austritt; Mai 1995 Ablehnung einer Kand. auf der Liste von Bündnis 90/Die Grünen für das Berliner Abgeordnetenhaus; 1993 arbeitslos; 1994 – 97 Plattenladen in Berlin-Prenzlauer Berg; 1997/ 98 Jungendsozalarb.; seit 2000 Mitarb. im Rio-Reiser-Archiv.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Borriss, Heinrich

* 10.9.1909 – ✝ 4.9.1985

Geb. in Vandsburg (Krs. Flatow, Westpr./ Więcbork, Polen); Vater Lehrer; ab 1919 in Schwedt, dort Besuch des humanist. Gymnasiums, 1928 Abitur; 1928 – 34 Studium der Naturwiss., insbes. Botanik, an den Univ. Kiel, München, Wien u. Greifswald, 1934 Dr. phil.; 1934 St.-Ex. für das Höhere Lehramt, anschl. Forschungsstipendiat am Botan. Inst. der Univ. Greifswald; 1936 – 40 Assistent am Botan. Inst. der Univ. Bonn, 1939 Habil.; 1940 Doz. für Botanik; 1940 – 42 Mitarb. der Landesforschungsanstalt für Pflanzenphysiologie in Posen, 1942 – 45 Oberassistent am Inst. für Allg. Botanik u. Doz. für Botanik/Pflanzenphysiologie der 1941 gegr. »Reichsuniv.« Posen; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Verbindungen zum NKFD, zul. 1947/48 Laborant am Nikita-Garten bei Jalta (Krim). Dez. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1949 SED, Mitgl. des ZV der DSF; 1949 Prof. mit Lehrauftrag, 1950 Prof. mit vollem Lehrauftrag, 1951 – 73 Prof. mit Lehrstuhl für Botanik der EMAU Greifswald; 1949 – 68 Dir. des Botan. Inst. u. bis 1972 Dir. des Botan. Gartens; 1950 – 52 Aufbau u. 1952 – 55 Dir. des Inst. für Agrobiol. (1963 in das Botan. Inst. eingegliedert); 1951 – 54 Prorektor für Forschung u. stellv. Rektor; 1954 – 57 Vors. des Wiss. Beirats für Biol. beim Staatssekr. für HS-Wesen; 1956 VVO; 1957 – 59 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von  Gerhardt Katsch); 1957/58 Dir. des Inst. für Pflanzenökologie (1958 mit dem Botan. Inst. vereinigt); 1968 – 73 Ltr. des Fachgebiets Allg. Botanik u. Pflanzenphysiologie der Sekt. Biol.; 1971/72 Dekan der Fak. für Mathematik / Naturwiss.; 1973 em.; 1959 – 67 Mitgl. des Präs. u. 1980 Ehrenmitgl. der Biol. Ges. der DDR; 1969 Mitgl. der Leopoldina; 1975 Gastprof. an der Univ. Nijmegen (Niederl.); gest. in Greifswald. Hauptarbeitsgebiete: Pflanzenphysiologie, insbes. Zellphysiologie u. Physiologie des Wachstums u. der Entw., Mikrobiol.; B. schuf in Greifswald eines der führenden botan. Univ.-Inst. der DDR.Wörterbücher der Biologie: Pflanzenphysiologie. Jena 1984 (Hrsg., mit E. Libbert). H. B.: Die Entw. der Botanik u. der botan. Einrichtungen an der Univ. Greifswald. In: Fs. zur 500-Jahrfeier der Univ. Greifswald. Greifswald 1956, Bd. 2; ders.: Die Begründung des Agrobiol. Inst. Ebd.; Nachrufe: Libbert, E.: Mitteilungen der Biolog. Ges. der DDR (1985) 3; Günther, G.: In: Biolog. Rundschau (1986) 24; Linskens, H. F. In: Berichte der Dt. Botan. Ges. (1986) 99 (mit Schriftenverzeichnis).Ekkehard Höxtermann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bortfeldt, Hermann

* 2.6.1911 – ✝ 22.5.1985

Geboren am 2. Juni 1911 in Magdeburg, Sohn eines Kutschers und Fabrikarbeiters. Nach der Lehre kaufmännischer Angestellter, dann Journalist. Er gehörte seit 1930 in Magdeburg einer trotzkistischen Gruppe an, war ab 1933 konspirativ (in Zusammenarbeit mit der SAP) in Magdeburg im Widerstand aktiv, wo er sich an der Herausgabe der Zeitschrift »Der rote Kurier« beteiligte. Im Sommer 1936 zerschlug die Gestapo die Gruppe, Bortfeldt wurde verhaftet. Noch 1936 freigelassen, übersiedelte er nach Essen, lebte dort illegal. Im November 1938 erneut verhaftet, konnte er bei der Überstellung nach Magdeburg im Januar 1939 fliehen und wurde von Trotzkisten nach Belgien geschleust. Bis Mai 1940 hielt er sich in Antwerpen, dann in Südfrankreich auf. Zeitweise hatte er in der trotzkistischen IKD wichtige Funktionen inne, ging 1942 während der trotzkistischen Spaltungsprozesse zu einer anderen Gruppe, der RKD, und wandte sich 1943 vom Trotzkismus ab. Bis Kriegsende in einer französischen Widerstandsgruppe in Lyon, blieb er als Journalist weiterhin in Frankreich und studierte 1948 bis 1950 in Paris. 1952 Rückkehr nach Deutschland, Eintritt in die SPD und Redakteur in Goslar. Von 1953 bis 1966 Referent im SPD-Parteivorstand in Bonn, war er dort Leiter der Abteilung Selbständige bzw. Kultur, von 1966 bis 1977 Abteilungsleiter der Deutschen Welle. Bortfeldt hatte (unter Pseudonym) bereits 1952 Trotzkis Werk »Stalin« ins Deutsche übersetzt, sein viel beachtetes Buch über die französische Revolution von 1789 »Die unvergleichliche Revolution« erschien 1980. Er war 1961 Mitbegründer von »amnesty international« in Deutschland und erhielt 1977 das Bundesverdienstkreuz. Hermann Bortfeldt starb am 22. Mai 1985 in Bonn.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böse, Hermann

* 4.5.1871 – ✝ 17.7.1943

Geboren am 4. Mai 1871 in Hildesheim; arbeitete nach der Ausbildung zum Lehrer von 1897 bis 1907 an der Bremer Taubstummenanstalt. Um 1900 trat der Schulreformer der SPD bei und beteiligte sich am schulpolitischen Kampf der deutschen Sozialdemokratie. Er war auch langjähriger Leiter der Bremer Arbeitersängerbewegung. Böse schloß sich während des Weltkrieges den Bremer Linksradikalen an und trat im Januar 1919 der KPD bei. 1919/20 Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft. 1933 aus dem Schuldienst entlassen, unterstützte Böse später die Widerstandsgruppe um Bernhard Bästlein und Franz Jacob. Im November 1942 verhaftet, wurde er in das Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel eingeliefert. Zwei Tage nach seiner Freilassung starb Hermann Böse am 17. Juli 1943 an den Folgen der Haft. In Bremen wurde nach 1945 eine Hauptstraße nach ihm benannt.