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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Boenheim, Felix

* 17.1.1890 – ✝ 1.2.1960

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf; 1909 – 14 Med.-Studium in München, Berlin u. Freiburg i. Br.; 1914 Prom. in Berlin (b. Friedrich Kraus) über »Chinolinderivate u. Harnsäureausscheidung«; 1914 – 16 Militärdienst (Arzt); 1916 – 18 Assistenzarzt an der Med. Univ.-Poliklinik Rostock; 1918/19 in Nürnberg u. München Beteiligung an den pol. Auseinandersetzungen nach der Novemberrev., u. a. Wahl in den Nürnberger Arbeiter- u. Soldatenrat, der USPD nahestehend, 1923 Mitbegr. der Ges. der Freunde des Neuen Rußland, Mitgl. des Vereins Soz. Ärzte; 1919 – 21 Assistenzarzt am Katharinenhospital in Stuttgart; 1921 – 29 Niederlassung als Internist in eigener Praxis in Berlin, 1929 – 33 ltd. Arzt der II. Inneren Abt. des Berliner Hufeland-Krankenhauses; Febr. – Aug. 1933 »Schutzhaft« in Spandau, anschl. Exil in der Schweiz, in Frankreich u. Palästina, 1935 – 48 Arzt in New York), 1940 US-Staatsbürgerschaft. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1950 Abg. des Sächs. Landtags, 1949 – 55 Prof. für Innere Med. u. Ltr. der Poliklinik an der Univ. Leipzig, hier 1950 auch kommissar. Ltr. des Karl-Sudhoff-Inst. (KSI) für Geschichte der Med. u. der Naturwiss.; 1955 – 60 Dir. der Poliklinik n. Umberufung zum Prof. für Geschichte der Med. u. Dir. des KSI; 1959 em.; 1960 VVO; gest. in Leipzig.Biochemie des Menschen. Berlin 1926; Every Woman’s standard medical guide. New York 1948 (Mitautor); Virchow. Berlin 1997; Von Huang-ti bis Harvey: Zur Gesch. der Entdeckung des Blutkreislaufs. Jena 1957. Er verzichtet auf das »gute« Leben. Zur Rückkehr von F. B. In: Deutschlands Stimme. 29.7.1949; Ruprecht, T. M.: F. B. Arzt, Politiker, Historiker. Hildesheim, Zürich, New York 1992.Ralf Schenk / Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Boguta, Grzegorz

* 1952

Chemiker; Mitarbeiter des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (*KOR); ab 1977 in der Leitung des Unabhängigen Verlagshauses *NOWA, ab 1980 deren Vorsitzender; Mitbegründer des Archivs der *Solidarność und der Stiftung Unabhängiger Verlage.Grzegorz Boguta wurde 1952 in Warschau geboren, wo er 1976 sein Chemiestudium abschloss. 1976/77 war er am Institut für Biochemie und Biophysik der Polnischen Akademie der Wissenschaften tätig. Auf Anregung von Piotr Naimski schloss sich Boguta dem Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) an. Er gehörte zur Gruppe von Mirosław Chojecki, die nach Radom fuhr, um dort den wegen ihres Protests im *Juni 1976 verfolgten Arbeitern und ihren Familien zu helfen. Er und Jan Lityński unterstützten die Arbeiter nicht nur juristisch und finanziell, sondern boten ihnen auch ein Diskussionsforum. Durch einen Spitzel flog die Gruppe 1977 auf. Boguta entging jedoch der Verhaftung und legte gemeinsam mit Konrad Bieliński und Mirosław Chojecki den Grundstock der Grafik- und Druckarbeiten des *KOR. Im Sommer 1977 nahm Boguta an der Gründung des Unabhängigen Verlagshauses *NOWA (Niezależna Oficyna Wydawnicza NOWA) teil. Er war – neben Mirosław Chojecki, Maria Fedecka, Ryszard Knauff und später auch Konrad Bieliński, Mieczysław Grudzinski und Adam Michnik – Mitglied des Leitungskollegiums. Nach der Verhaftung von Mirosław Chojecki übernahm er 1980 die Leitung von *NOWA. Boguta war Mitunterzeichner der „Deklaration der Demokratischen Bewegung“ (Deklaracja Ruchu Demokratycznego) vom 18. September 1977, des Grundsatzprogramms von *KOR. In den Jahren 1978 bis 1983 arbeitete er am Institut für Kernforschung. Mit der Ausrufung des *Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 wurde er interniert, zunächst im Warschauer Stadtteil Białolęka und im westpommerschen Jaworze, später in Darłówko, ebenfalls in Pommern. Trotz der Inhaftierung, steuerte er weiter die Arbeit von *NOWA, nach seiner Freilassung am 12. Dezember 1982, kehrte er zur unmittelbaren Leitung der Verlagsanstalt zurück. Boguta war zahlreichen Repressionen ausgesetzt, darunter ständigen Observationen und die dreimalige Entlassung aus seiner Arbeit. Da er den Kontakt zu seiner Fachdisziplin nicht verlieren wollte, wurde er Stipendiat des im Untergrund tätigen *Gesellschaftlichen Komitees für die Wissenschaft (Społeczny Komitet Nauki; SKN). 1983 verteidigte er seine Doktorarbeit. Bei weiteren Hausdurchsuchungen wurden nicht nur unabhängige Publikationen eingezogen, sondern auch seine privaten Ersparnisse. Seine Frau verlor ihren Arbeitsplatz. Dennoch setzte er die verlegerische Arbeit im Untergrund fort. Im Frühjahr 1983 gründete er gemeinsam mit Andrzej Paczkowski und anderen das Archiv der *Solidarność und den Fonds Unabhängiger Verlage (Fundusz Wydawnictw Niezależnych), der die Arbeit der Untergrundverlage koordinierte und die aus dem Ausland eingehenden Finanzhilfen verteilte. 1985–90 arbeitete er in der Abteilung Biophysik der Warschauer Universität. Am *Runden Tisch (6. Februar–5. April 1989) repräsentierte er die *Solidarność in der Arbeitsgruppe für Massenmedien. 1989 wurde er Berater des Kulturministers. Nach dem Systemwechsel war Boguta 1990 zunächst Direktor des Staatlichen Wissenschaftsverlags und nach dessen Privatisierung 1992 Vorstandsvorsitzender der Wissenschaftlichen Verlagsanstalt PWN. Er war Mitgründer der Polnischen Buchkammer, an deren Spitze er 1990–97 stand. Seit 1999 leitet er die Beratungs- und Investitionsfirma Metapress und ist als Experte und Consultant des Open Society Instituts und des Europarates tätig.Wojciech Leonczuk Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 09/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böhm, Erich

* 29.11.1902 – ✝ 24.10.1987

Geboren am 29. November 1902 in Königsberg, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Buchdrucker und Schriftsetzer. Er trat 1919 in die KPD ein, wurde 1922 wegen »Zersetzungsarbeit in der Reichswehr« verhaftet, bis 1924 im Gefängnis. Danach Korrektor und Redakteur an der KPD-Zeitung »Echo des Ostens« in Königsberg, ab 1925 zunächst Setzer, dann Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin, anschließend bis 1930 der »Neuen Zeitung« in München. Böhm wurde 1931 vom Reichsgericht wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu einer neunmonatigen Festungsstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung 1932 Instrukteur des ZK in Baden und Danzig, ab 1933 illegal im Ressort Polizeizersetzung des AM-Apparates. Bereits im Dezember 1933 festgenommen, nach längerer Untersuchungshaft 1935 keine Anklage, aber bis 1937 im KZ Lichtenburg eingesperrt. Von 1937 bis 1939 Korrektoraushilfe, bei Kriegsausbruch kam Böhm erneut in Haft, 1941 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, bis Kriegsende war er Druckfachmann für Werbung in Berlin. 1945 Bezirksbürgermeister in Berlin-Reinickendorf, ab Ende 1946 als SED-Funktionär Chefredakteur beim Funkverlag, später Chefredakteur beim Berliner Rundfunk. 1954 stellvertretender Chefredakteur der »Wochenpost«, ging Böhm im September 1954 als ADN-Korrespondent nach Bonn. Aus politischen Gründen – Böhm kritisierte die Politik Walter Ulbrichts und die Ausschaltung Karl Schirdewans, seines einstigen Mithäftlings und Kampfgefährten aus dem KZ Sachsenhausen – weigerte er sich Ende 1961, nach Ost-Berlin zurückzukehren. Nach seinem Austritt aus der SED verunglimpfte ihn das »Neue Deutschland« im Januar 1962, er sei vom »amerikanischen Geheimdienst gekauft«. Als Journalist tätig, trat er 1970 in die SPD ein, schrieb unter dem Pseudonym Walter Osten im »Vorwärts« und wohnte zuletzt in Bad Honnef. Erich Böhm starb am 24.Oktober 1987.

Wer war wer in DDR

Böhm, Karl Ewald

* 5.3.1913 – ✝ 16.5.1977

Geb. in Nürnberg; Vater Buchbindermstr., Mutter Kartonagenarb.; 1919 – 32 Volks- u. Oberrealschule in Nürnberg, Abitur; 1930 – 32 Schülergr. des KJVD, ab 1932 KJVD; 1932/33 Studium der Wirtschafts- u. Ztgs.-Wiss. an der Handels-HS in Nürnberg; ab 1933 illeg. pol. Arbeit; im Parteiauftrag zur Tarnung Mitgl. einer Burschenschaft; Sommer 1933 Anlaufstelle für KPD-BL-Nordbayern, Wiederaufbau der BL (zus. mit  Georg Klaus); Okt. 1933 verhaftet; 1934 vom OLG München wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt; 1934/35 Haft in Nürnberg, 1935 – 39 im KZ Dachau, zul. Kapo; 1939 – 42 kfm. Angest. in Nürnberg; 1942 – 45 Wehrmacht, zul. OGfr. 1945 Mitbegr. u. Vors. der KPD Rückersdorf (b. Nürnberg); Febr. 1946 Übersiedl. in die SBZ; Ltr. des Verlags Thür. Volk in Sonneberg; 1946 SED; 1946 Mitbegr. u. Ltr. der Thür. Verlagsanstalt, redigierte die Ztschr. »Soz. Tribüne«; 1947/48 PHS; 1948 – 50 Red. bzw. Hauptred., 1950/51 stellv. Chefred. der Ztschr. »Neuer Weg« u. stellv. Ltr. der Abt. »Neuer Weg« im ZK der SED; ab 1951 stellv. Ltr. des Amtes für Lit.; bis 1958 Ltr. HV Verlagswesen im Min. für Kultur (Zensurbehörde), abgesetzt; 1958 freischaff. Schriftst. in Berlin, Mitautor des Jugendweihebuches »Weltall-Erde-Mensch«; 1960 NP; ab 1962 Vors. des DSV-BV Frankfurt (Oder); 1973 VVO; gest. in Berlin.Atomkraft – Atomkrieg. Berlin 1949; Gigant Atom. Berlin 1956 (unter Ps. »Peter Porst« zus. mit Georg Klaus); Auf dem Weg zu fernen Welten. Berlin 1958; (mit Rolf Dörge): Welt von Morgen. Berlin 1960; Felix Tricks (TV-Trickfilmserie, 1972/73); Schauplatz Zukunft. Berlin 1974. Barck, S. u. a.: »Jedes Buch ein Abenteuer«. Zensur-System u. literarische Öffentlichkeit(en) in der DDR bis Anf. der 60er Jahre. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Böhme, Günter

* 16.7.1943

Geb. in Heidenau (Sachsen); Vater Arbeiter. OS; 1957 FDJ; 1961 SED; 1960 – 63 Ausbildung zum landw. Facharbeiter; 1963/64 Sekr. der FDJ-KL Zossen; 1964/65 Studium an der Komsomol-HS in Moskau; 1965 – 67 1. Sekr. der FDJ-KL Zossen; 1967 – 69 2. Sekr., 1969 – 73 1. Sekr. der FDJ-BL Potsdam (Nachf. von Manfred Presch), zeitw. Mitgl. des Sekr. der SED-BL Potsdam; 1973 – 82 Mitgl. des Büros u. Sekr. des FDJ-ZR (Nachf. von Johannes Reich); 1973 VVO; 1974 – 81 Mitgl. des Präs. des FDGB-BV u. des Präs. des DTSB-BV; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1976 – 82 Vors. der FDJ-Fraktion (Nachf. von  Egon Krenz); 1977/78 Studium an der PHS; 1983 – 89 stellv. Ltr. der Abt. Staat u. Recht des ZK der SED (Nachf. von  Klaus Sorgenicht); 1988 VVO; 1989 Ltr. der Abt. Staat u. Recht des ZK der SED.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Böhme, Ibrahim

* 18.11.1944 – ✝ 22.11.1999

Geb. in Bad Dürrenberg (b. Halle), Vater Feuerungsmaurer u. SED-Funktionär in den Leuna-Werken, Mutter Hausfrau (1947 gest.); zunächst bei Pflegeeltern, 1949 im Kinderheim in Zeitz, 1952 Rückkehr zum Vater; 1952 – 61 POS in Bad Dürrenberg, 1961 – 63 Ausb. zum Maurer in den Leuna-Werken, 1962 – 78 SED, Ausschluß; 1963 – 65 Erzieher im Lehrlingswohnheim der Leuna-Werke; 1965 Parteiverfahren mit strenger Rüge wg. krit. Äußerungen zum Parteiausschluß von  Robert Havemann, wogegen die von ihm betreuten Lehrlinge protestierten (darunter die Stieftochter von  Erich Mielke); im Juli 1965 Bibliothekshilfskraft in Greiz; 1967 – 72 Fernstudium an der FS für Bibliothekare in Leipzig, Bibliothekar; März – Sept. 1968 Ltr. des Jugendklubs in Greiz, dort wg. öff. Sympathiebekundung für den »Prager Frühling« gekündigt u. Parteistrafe (strenge Rüge); 1968 – 71 Zusteller, dann Mitarb. in der Lohnabt. der Post in Greiz; Jan. 1969 als IM »August Drempker« (auch »Paul Bonkartz«, »Bernd Rohloff«, »Maximilian«) beim MfS Greiz erf., umfassende Berichte über  Reiner Kunze; März 1971-Juni 1977 hauptamtl. Kreissekr. des KB in Greiz, dann bis März 1978 Bibliothekar in der Wiss. Allgemeinbibliothek Gera; 25.3.1978 – 25.7.1978 inhaftiert durch das MfS nach einer Flugblattaktion im Bahnhof Magdeburg; Entlassung auf Weisung von E. Mielke; Juli 1978 – Febr. 1982 im Öffentlichkeitsbereich des Theaters Neustrelitz tätig; 1982 / 83 Kellner, Russisch-Lehrer, Arbeiter im Sägewerk, 1983 – 85 Bibliothekar in Neustrelitz; ab 1984 im Auftrag des MfS in opp. kirchl. Kreisen in Mecklenb. (Markus Meckel,  Martin Gutzeit) u. Berlin (Peter Hilsberg) aktiv; Nov. 1985-Mai 1986 Ltr. des Kreiskulturhauses Berlin-Pankow, danach Hilfsarb. in Einrichtungen der ev. Kirche in Berlin; 1986 Teiln. am Vipperower Friedensseminar (Kontakte zu  Gerd Poppe u.  Ulrike Poppe u. dadurch zur IFM); 1989 erneute engere Kontakte zu Gutzeit u. Meckel, 26.8.1989 Mitwirkung am Initiativaufruf zur Gründung einer Sozialdemokrat. Partei; 7.10. 1989 Mitbegr. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Wahl zum Geschäftsf.; ab 7.12. 1989 Vertreter der SDP am Zentral. Runden Tisch, Febr. 1990 Vors. der SPD (DDR); 1990 Mitgl. der Volkskammer, SPD-Fraktionsvors.; 1.4.90 Niederlegung aller Parteiämter wg. des Vorwurfs der inoff. Mitarbeit für das MfS; Juli – Dez. 1990 Polizeibeauftr. des Ost-Berliner Magistrats, Sept. 1990 Mitgl. des SPD-PV. Dez. 1990 beweiskräftige Enttarnung als IM durch den Schriftsteller Reiner Kunze, Juni 1992 Schiedsverfahren u. Ausschluß aus der SPD wg. »schweren parteischädl.Verhaltens«; gest. nach schwerer Krankheit in Neustrelitz.Kunze, R.: Deckname »Lyrik«. Frankfurt (Main). 1990; Lahann, B.: Genosse Judas. Die zwei Leben des I. B.. Berlin 1992; Baumann, C.: »Ibrahim« B. – Ein rekonstuierter Lebenslauf. Berlin 2009.Christiane Baumann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böhme, Wilhelm

* 5.9.1895 – ✝ 19.6.1978

Geboren am 5. September 1895 in Tießau/Elbe; zunächst Knecht bei einem Großbauern, ab 1915 Arbeiter in der Dynamitfabrik in Dömitz. Mitglied des Fabrikarbeiterverbandes. 1916 zum Militär eingezogen, bei Kriegsende Mitglied eines Soldatenrates an der deutsch-holländischen Grenze. Er trat im November 1918 in Dömitz zunächst in die SPD, dann in die USPD ein, gehörte 1919 zu den Begründern der ersten KPD-Gruppen in Mecklenburg und wurde Funktionär der KPD. Böhme wurde im Februar 1924 in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt. Da er im illegalen Apparat tätig war, verhaftet und trotz Immunität im Dezember 1924 vom Staatsgerichthof in Leipzig zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung 1926 Funktionär in Dömitz, Leiter des örtlichen RFB, nach 1933 einige Male inhaftiert. 1945 Mitglied der KPD, zunächst war er Bürgermeister in Klein Schmölen, dann bis 1950 Bürgermeister in Dömitz. Als SED-Parteiveteran starb Wilhelm Böhme am 19. Juni 1978 in Ludwigslust.

Wer war wer in DDR

Bohn, Jürgen

* 30.10.1959

Geb. in Vacha (Krs. Bad Salzungen); 1978 Abitur; 1981 – 85 Studium des Maschinenbaus an der TU Dresden, Dipl.-Ing. für Umformtechnik; 1985 – 88 wiss. Ass. an der TU Dresden; LDPD, seit Dez. 1989 stellv. FDP-Kreisvors. von Bad Salzungen; 1990 Prom. zum Dr.-Ing.; 1988 – 90 Forschungsltr. in der Thür. Bandstahl GmbH.; März 1990 – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. Okt. – Dez. 1990 MdB; 1990 – 94 Mitgl. des Thür. Landtags, parlam. Geschäftsf. der FDP-Frakt.; 1991 – 94 Minister für Wirtsch. u. Technik des Freistaats Thüringen (Nachf. von Hans-Jürgen Schultz); 1995 – 97 stellv. Bundesvors. der FDP (Nachf. von  Rainer Ortleb); seit 1997 stellv. Landesvors. der FDP, empfahl im Landtagswahlkampf 1999, der CDU die Zweitstimme zu geben, infolgedessen wurde ein Parteiausschlußverfahren erwogen; seit Mitte der 1990er Jahre Unternehmensberater, 1996 Geschäftsf. der ACT GmbH, 2000 der Fa. Barbet Thür. GmbH, seit 2003 der Fa. AKTec; Honorarkonsul Ungarns.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bolck, Franz

* 15.9.1918 – ✝ 22.11.2000

Geb. in Berlin; Gymnasium; Medizinstudium an der Univ. Leipzig, Dr. med., anschl. Assistent u. später Oberarzt am Patholog.-Anatom. Inst., 1952 erste Professur, 1956 Prof. mit Lehrstuhl für Allg. Pathol. u. Patholog. Anatomie an der FSU Jena; 1959 Berufung zum Dekan der Med. Fak.; 1961 – 67 Prorektor, 1968 – 83 Rektor der FSU (Nachf. von  Günther Drefahl); 1968 NP; zeitw. Mitgl. des Präsidialrates des KB; 1983 em.; gest. in Jena.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bollhagen, Hedwig

* 10.11.1907 – ✝ 8.6.2001

Geb. in Hannover; Schule; Arbeit in einer Töpferei in Großalmerode; 1924/25 Besuch der Kasseler Kunstakad., 1925 – 27 der FS für Keramik Höhr-Grenzhausen; 1927 – 31 Entwerferin u. Ltr. der Abt. Malerei in der Steingutfabrik Velten-Verdamm (b. Berlin); 1931 Arbeit in der Staatl. Majolika-Manufaktur in Karlsruhe u. bei Rosenthal in Neustadt (b. Coburg); 1932 Mitarb. von T. Prill-Schloemann in Berlin als Entwerferin u. Betriebsassistentin in der Werkstatt Ohm in Frechen; 1934 Übernahme (zunächst mit Teilhaber) der ehem. Hael-Werkstätten für Künstler-Keramik in Marwitz (b. Velten, Mark) als HB-Werkstätten für Keramik mit ca. 60 Beschäftigten; 1937 Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung; 1972 Überführung des Betriebs in Volkseigentum, seit 1976 gehörte die »Werkstatt für Keramik Marwitz« zum Staatl. Kunsthandel der DDR; 1988 NP. Nach 1990 Reprivatisierung u. Weiterführung der HB-Werkstätten; 1991 Ausstellung auf der Antiqua in Berlin; 1992 Kulturpreis des Landkrs. Oranienburg; 1994 Ehrenausstellung des Landes Berlin; 1996 Verdienstorden des Landes Berlin; 1997 Bundesverdienstorden; gest. in Marwitz (Krs. Oranienburg). 2004 Gründung der H.-B.-Stiftung innerhalb der Dt. Stiftung Denkmalschutz; 2006 Gründung der H.-B.-Gesell.; Mediendiskussion darüber, ob B. durch den preisgünstigen Erwerb von Werkstätten Nutznießerin der nationalsozialist. »Arisierung« war. Eine Studie des Zentrums für Zeithist. Forsch. Potsdam entkräftete die Vorwürfe. Die für 2008 geplante Eröffn. eines Museums mit ihrem Nachlaß wurde ausgesetzt. Entwurf u. Herstellung von preiswertem Gebrauchsgeschirr, Kaffee- u. Teeservice von schlichter u. guter Form, einer gewissen Zeitlosigkeit verpflichtet; in den 1970er u. 1980er Jahren auch einfühlsame baukeram. Objekte u. Umsetz. von Entwürfen  Waldemar Grzimeks,  René Graetz’,  Jürgen von Woyskis u. a.H. B., Mantey, H., Gerhard, F.: Keramik. Berlin 1982. Degen, A.: H. B. gewidmet. Großpösna 2000; Steckner, C.: H. B. – Charles Croedel. Großpösna 2003; Heger, A.: Keramik zum Gebrauch. Weimar 2005; Gorka-Reimus (Hrsg.): H. B. ein Leben für die Keramik. Bonn 2007.Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Bondi, Gerhard

* 9.3.1911 – ✝ 3.12.1966

Geb. in Karbitz (Krs. Aussig, Nordböhmen/ Chabařovice, Tschechien); Vater kaufm. Angest.; ab 1921 Besuch des Gymnasiums in Teplitz u. Bergreichenstein, 1928 Abitur; anschl. Studium an der HS für Welthandel Wien u. der Handels-HS Berlin; Mitgl. u. Funktionär der »Roten Studentengr.« der SPÖ, 1929 KPÖ; 1931 – 33 Mitarb. der sowj. Handelsvertretung in Berlin; 1933/34 Studium an der Handels-HS Nürnberg; 1934 Emigr. in die ČSR, Studium an der Dt. Univ. Prag, dort im Dez. 1938 Prom. zum Dr. jur.; März 1939 Emigr. nach England, dort Sekr. einer Flüchtlingsorg. u. später als Statistiker tätig. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949 – 51 Mitarb., dann Abt.-Ltr. für Planung u. Statistik der Dt. Zentralverwaltung für Energiewirtsch. u. Brennstoffindustrie; 1951 Doz. an der DVA in Forst-Zinna; 1953 Doz., 1954 Prof. für Wirtschaftsgeschichte an der MLU Halle, 1954 Prof.; 1955 Habil. mit einer Arbeit zur Geschichte des dt. Außenhandels 1815 – 70; 1957 Dir. des Inst. für Wirtschaftsgeschichte, 1958 Prorektor, 1959 – 1963 Rektor der MLU (Nachf. von  Leo Stern); 1960 – 64 Mitgl. der SED-BL Halle; gest. in Halle. B. gehört zu den Pionieren der marxist. Wirtschaftsgeschichte in der DDR, insb. durch Beiträge zur Geschichte der pol. Ök., u. war der Begründer der Reihe »Ökonom. Studientexte«.Die Rolle der Statistik in einer geplanten Wirtschaft. 1950; Dtl. Außenhandel 1815 –1870. In: Allg. Statistisches Archiv (1958) 34. G. B. zum Gedenken (Nachruf). In: Ztschr. f. Geschichtswiss. (1967) 15.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

dissidenten.eu

Bonner, Jelena

* 1923 – ✝ 2011

Kinderärztin, Publizistin und Mitglied der *Moskauer Helsinki-Gruppe. In den 70er und 80er Jahren leistete sie einen wesentlichen Beitrag zu den Aktivitäten der Menschenrechtsbewegung und gründete unter anderem den Hilfsfonds für Kinder von politischen Häftlingen. Weltweit bekannt wurde sie, als sie sich am gesellschaftlichen Engagement ihres Ehemannes Andrei Sacharow beteiligte.Jelena Bonner wurde 1923 in Merw, dem heutigen Mary in Turkmenistan geboren. Ihr Stiefvater Gework Alichanow war ein bekannter Revolutionsführer im Kaukasus und ab 1921 Erster Sekretär der Kommunistischen Partei Armeniens. Später übte er zahlreiche Parteifunktionen in Leningrad aus, war in den 30er Jahren Leiter der Kaderabteilung und Mitglied des Exekutivkomitees der Komintern. Während des stalinistischen Großen Terrors wurde er 1937 verhaftet und 1938 hingerichtet. Als ihre Mutter Ruth Bonner, die auch Parteifunktionärin war, ebenfalls verhaftet wurde, fuhr Jelena Bonner zu ihrer Großmutter nach Leningrad. Dort beendete sie die Schule und nahm 1940 ein Studium an der Fakultät für russische Sprache und Literatur am Leningrader Institut für Pädagogik auf. Im Zweiten Weltkrieg meldete sie sich 1941 als Freiwillige an die Front und wurde als Krankenschwester in Sanitätszügen eingesetzt. Nach zwei Verwundungen wurde sie im August 1945 als Invalidin demobilisiert. 1947 begann sie, am Ersten Leningrader Medizinischen Institut zu studieren. Im März 1953 weigerte sie sich, auf einer Versammlung des sowjetischen Jugendverbandes Komsomol angebliche „Mörder-Ärzte“ zu verdammen, die angeklagt waren, an einer Verschwörung gegen Stalin beteiligt zu sein. Vor einem Verweis von der Hochschule schützte sie Stalins Tod und die Einstellung der „Ärzte-Affäre“. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete sie als Bezirksärztin und Kinderärztin auf einer Entbindungsstation und unterrichtete an einer Medizinschule. Ihre medizinische Arbeit verband sie mit literarischen Tätigkeiten. Ihre Skizzen wurden in den Zeitschriften „Neva” (Newa), „Junost‘” (Jugend) und „Literaturnaja gazeta” (Literaturzeitung) gedruckt. Sie arbeitete als Redakteurin in der Leningrader Außenstelle des Staatlichen Medizinverlages, aber auch als freie literarische Beraterin des Schriftstellerverbands. Sie beteiligte sich an der Redaktion des Sammelbandes „An den Fronten des Großen Vaterländischen Krieges gefallene Schauspieler“ (Aktëry, pogibšie na frontach Velikoj Otečestvennoj Vojny) und redigierte die 1964 erschienenen „Tagebücher, Briefe, Gedichte“ (Dnevniki, pis‘ma, stichi) des Dichters Wsewolod Bagritzki mit. Dieser war seit Jugendtagen ein Freund Bonners und fiel an der Front. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre führte Felix Krasawin seinen Freund Eduard Kusnezow, den er als politischer Häftling in den *mordwinischen Lagern kennen gelernt hatte, in den Freundeskreis von Jelena Bonner ein. Ihm folgten Waleri Tschalidse und andere Dissidenten, die in ihr Haus kamen. Als vorgebliche „Verwandte“ von Kusnezow, der 1970 verhaftet wurde, nahm sie am *Flugzeug-Prozess teil, protokollierte den Prozessverlauf und bemühte sich im Untersuchungsgefängnis und später auch während seiner Lagerhaft um Besuchstermine bei Eduard Kusnezow. Als der KGB 1973 die Umstände aufdeckte, unter denen die Tagebücher von Eduard Kusnezow in den Westen geschmuggelt worden waren, gab sie eine Erklärung ab, in der sie die Verantwortung für die Weitergabe übernahm. Andrei Sacharow lernte sie bei Waleri Tschalidse kennen. Beide trafen sich erneut im Oktober 1970 in Kaluga 190 Kilometer südwestlich von Moskau beim Prozess gegen Rewolt Pimenow und Boris Wail und heirateten 1971. 1972 trat Bonner aus der KPdSU aus, der sie sieben Jahre angehört hatte. In den folgenden Jahren nahm sie bis 1976 aktiv an Kampagnen zur Verteidigung der Menschenrechte teil. Ihre Unterschrift stand nicht nur unter zahlreichen Petitionen zur Verteidigung einzelner Verfolgter, sie unterzeichnete auch allgemeinpolitische Aufrufe, so zum Beispiel Appelle für politische Amnestie, für die Abschaffung der Todesstrafe (1973) und den *Moskauer Appell von 1974. Ihren Ehemann begleitete sie auf Reisen nach Omsk, wo sie zusammen 1976 versuchten, an der Gerichtsverhandlung gegen Mustafa Dschemiljew teilzunehmen. Das Ehepaar Sacharow organisierte den geheimen Versand zahlreicher Werke von Alexander Galitsch und Wladimir Maximow sowie des Manuskripts der Erzählung „Leben und Schicksal“ (Žizn‘ i sud’ba) von Wassili Grossman ins Ausland, das vom KGB Anfang 1961 konfisziert worden war. In ihrem Haus beriefen sie zahlreiche Konferenzen für ausländische Journalisten ein. Auf einer dieser Versammlungen wurde am 30. Oktober 1974 verkündet, dass Häftlinge der *Permer Lager und der *mordwinischen Lager einen *Tag des politischen Häftlings in der UdSSR ausgerufen hätten. Im September 1974 rief sie einen Hilfsfonds für Kinder politischer Häftlinge ins Leben, der später mit dem *Hilfsfonds für politische Häftlinge und ihre Familien zusammengelegt wurde. Andrei Sacharow spendete das Geld des Cino-Del-Duca-Preises, der ihm in Frankreich für sein humanitäres Engagement verliehen worden war, für diesen Hilfsfonds. 1975 wurde Jelena Bonner erlaubt, zu einer medizinischen Behandlung ins Ausland zu reisen. Als im Oktober bekannt gegeben wurde, dass Andrei Sacharow der Friedensnobelpreis verliehen werde, hielt sie sich grade in Italien auf. Im Auftrag ihres Mannes vertrat sie diesen in Oslo bei der Zeremonie zur Preisverleihung. Der *Moskauer Helsinki-Gruppe schloss sie sich im Mai 1976 an. Sie beteiligte sich aktiv daran, deren Arbeit zu organisieren und Dokumente zu redigieren. Sie war die einzige der Gründungsmitglieder, die sich zum Zeitpunkt der Selbstauflösung der Gruppe am 6. September 1982 in Freiheit und nicht im Exil befand. Im Januar 1980 folgte sie ihrem Ehemann in die Verbannung nach Gorki, dem heutigen Nischni Nowgorod. Während der kommenden vier Jahre war sie fast die einzige Verbindung ihres Mannes mit der Außenwelt. Sie brachte seine Artikel, Briefe und Erklärungen nach Moskau und leitete sie ins Ausland weiter. Am 2. Mai 1984 wurde auch Bonner auf dem Flughafen von Gorki verhaftet. Ihr wurden Vergehen nach *Artikel 190, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der RSFSR vorgeworfen, allerdings wurde sie nach Hausdurchsuchung und Verhör freigelassen. Sie musste aber eine Verpflichtung unterschreiben, dass sie das Land nicht verlassen werde. Ihr wurden Interviews und öffentliche Auftritte im Ausland sowie zwei der von ihr unterzeichneten Appelle der *Moskauer Helsinki-Gruppe zur Last gelegt. Am 10. August 1984 verurteilte sie das Bezirksgericht Gorki zu fünf Jahren Verbannung, als Verbannungsort wurde – wie bei ihrem Mann – Gorki festgelegt. Damit war praktisch jegliche Verbindung des Ehepaars Sacharow zur Außenwelt gekappt.Noch vor der Verbannung begann eine Kampagne mit beispielloser Wucht und Unerbittlichkeit, Bonner zu diskreditieren. Sie erhielt anonyme Briefe, in den Zeitungen erschienen verunglimpfende Artikel und es wurden Broschüren in Millionenauflagen herausgegeben, in denen Bonner als Frau mit dunkler Vergangenheit dargestellt wurde. Sie habe ein Akademiemitglied – Andrei Sacharow – geheiratet, um sich Vorteile zu verschaffen, und würde ihn jetzt beinahe mit Gewalt dazu zwingen, antisowjetische Erklärungen abzugeben. Sie wurde auch als Agentin ausländischer Geheimdienste und Vertreterin des internationalen Zionismus dargestellt, die auf Andrei Sacharow angesetzt worden sei. Die Kampagne fand 1983 ihren Höhepunkt in Artikeln des Historikers Nikolai Jakowlew, die in den Zeitschriften „Smena” und „Čelovek i zakon” (Mensch und Gesetz) erschienen. Jakowlew hatte auch die Broschüre „CIA gegen die UdSSR“ verfasst, die eine umfangreiche angebliche „Demaskierung“ Jelena Bonners enthielt. Die gegen sie gerichteten Verleumdungen waren nicht einfach nur Teil einer allgemeinen Hetzjagd gegen Dissidenten, sondern auch der Versuch, „der Bevölkerung das Phänomen Sacharow zu erklären“. #Andrei Sacharow selbst äußerte in seinen Erinnerungen die Vermutung, dass die Erfinder des Mythos vom „bösen Genie des Gelehrten“ tatsächlich selbst daran geglaubt hätten. Im September 1983 verklagte Bonner Jakowlew wegen Verleumdung; das Gericht jedoch weigerte sich, die Klage zu bearbeiten. Seit sie sich für die Menschenrechtsbewegung engagierte, wurden Bonner gegenüber auch „gewöhnliche“ Druckmittel verwendet: vielfache Hausdurchsuchungen, Verhaftungen, Verhöre, „Warnungen“. Außerdem wurden die Sacharows auch mit den Kindern aus ihrer ersten Ehe erpresst. Bonners Tochter Tatjana Semjonowa-Jankelewitsch und ihrem Sohn Alexej Semjonow wurde mit wechselnden Begründungen der Studienplatz entzogen, ihr Schwiegersohn Jefrem Jankelewitsch verlor seinen Arbeitsplatz, 1977 bis 1978 wurden Bonners Kinder von den Behörden schließlich zur Emigration gezwungen. Der Verlobten ihres Sohnes, Jelisaweta Alexejewa, wurde es verweigert, zu ihrem Partner auszureisen, was der Grund für den ersten Hungerstreik der Sacharows in Gorki wurde. Der Hungerstreik vom 22. November bis 9. Dezember 1981 hatte schließlich Erfolg: Jelisaweta Alexejewa durfte ebenfalls in die USA ausreisen. Jelena Bonner war wahrscheinlich die einzige Dissidentin, die mehrfach in den Jahren 1973, 1977, 1979 und von 1983 bis 1986 ins Ausland reisen und in die Sowjetunion zurückkehren durfte. Das hing zweifellos mit der spezifischen Situation ihres Mannes zusammen: Die Behörden gingen davon aus, dass Andrei Sacharow aus seiner Zeit als Atomphysiker Träger wichtiger militärischer Geheimnisse war, weswegen man ihn weder ins Ausland reisen lassen noch zwangsaussiedeln konnte. Hätte man seiner Frau Jelena bei einer Auslandsreise die Staatsbürgerschaft entzogen, wäre das „Problem der Eheleute Sacharow“ überhaupt nicht zu lösen gewesen. Zugleich war es die weltweite Bekanntheit von Andrei Sacharow, die es nicht zuließ, seiner Frau die Ausreise zu medizinischen Behandlungen zu verweigern. Allerdings war das Erhalten von Ausreisegenehmigungen jedes Mal mit größten Schwierigkeiten verbunden. Die letzte Ausreise wurde Bonner erst nach drei langen Hungerstreiks ihres Mannes von Mai bis September 1984 sowie von April bis Juli und von Juli bis Oktober 1985 genehmigt. Ihre Verbannung wurde schließlich verkürzt und sie konnte in die USA fliegen, um sich einer komplizierten Herzoperation zu unterziehen. Während dieser Reise schrieb sie ihr erstes Erinnerungsbuch: „Postscriptum. Buch über die Verbannung in Gorki“ (Postskriptum. Kniga o gor’kovskoj ssylke) umfasste die Ereignisse der Jahre 1983 bis 1986 und war gewissermaßen eine Verlängerung von Andrei Sacharows Erinnerungen. Die letzten Kapitel von „Postscriptum“ stellen gemeinsam mit Andrei Sacharows nach der Rückkehr aus der Verbannung geschriebenem Buch „Gorki, Moskau und überall“ (Go’rki, Moskva, dalee vezde) eine Gesamtdarstellung ihrer Zeit in der Verbannung bis zu den Anfängen der Perestroika dar. Nach ihrer Rückkehr nach Moskau im Dezember 1986 nahm Bonner aktiv an bürgerrechtlichen und politischen Aktionen während der Perestroika teil. 1988 war sie Mitbegründerin der „Moskauer Tribüne“, einem informellen Klub demokratischer Intellektueller. Zusammen mit Andrei Sacharow initiierte sie zahlreiche Initiativen, um den *armenisch-aserbeidschanischen Konflikt beizulegen. Nach dem Tod ihres Mannes am 14. Dezember 1989 galt ihre besondere Aufmerksamkeit der Bewahrung dessen moralischen und schöpferischen Vermächtnisses. Unter der Leitung von Jelena Bonner fand der Erste Internationale Kongress zum Gedenken an Andrei Sacharow unter dem Titel „Frieden, Fortschritt, Menschenrechte“ vom 21. bis 25. Mai 1991 statt. Sie schuf einen Sacharow-Fonds, ein Sacharow-Archiv und ein Sacharow-Museum in Moskau. Während des Putsches reformfeindlicher kommunistischer Funktionäre im August 1991 schloss sich Bonner den Verteidigern des Parlaments an. Während der Verfassungskrise und der Auseinandersetzung zwischen Präsident Boris Jelzin und dem Parlament im September und Oktober 1993 stellte sie sich entschieden auf die Seite Jelzins, der sie anschließend in die Menschenrechtskommission beim Präsidenten berief. Diese verließ sie wieder im Dezember 1994 aus Protest gegen die russische Militärintervention in Tschetschenien. Sie verteidigte aktiv das Selbstbestimmungsrecht der Armenier in *Bergkarabach, der Tschetschenen sowie der irakischen und türkischen Kurden und publizierte regelmäßig zu Menschenrechtsfragen in der russischen und internationalen Presse. 2010 unterzeichnete sie eine Erklärung der russischen Opposition gegen Präsident Wladimir Putin. Jelena Bonner starb am 18. Juni 2011 in Boston, USA.Nikolai Mitrochin Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Sonja Stankowski Letzte Aktualisierung: 03/16

Wer war wer in DDR

Bofinger, Manfred

* 5.10.1941 – ✝ 8.1.2006

Geb. in Berlin; Vater Entwurfsgrafiker u. Plakatmaler, Mutter Verkäuferin u. Lageristin. 1959 Abitur; 1951 – 61 Ausbildung zum Schriftsetzer; 1961 – 68 Typograph bei der satir. Ztschr. »Eulenspiegel«, danach freiberufl. tätig; als Künstler Autodidakt, Arbeit als Cartoonist, Buchillustrator u. Grafiker (Plakate); 1963 – 89 SED; 1972 – 89 VDJ, dort ab 1979 als Vertreter der Cartoonisten Vorst.-Mitgl. in Berlin; 1974 – 90 VBK, danach Mitgl. im Verb. der Grafik-Designer; illustrierte über 300 Bücher, vor allem für Kinder, u. a. Werke von Mark Twain u. Otto Julius Bierbaum, zeichnete Karikaturenbände, Bastelbögen, Kalender, Postkartenbücher, Programmhefte, Spielkarten u. Plakate; mehrmals Auszeichn. »Schönstes Buch«; 1981 Kunstpreis der DDR; 1987 Goethepreis der Stadt Berlin; 1989 Hans-Baltzer-Preis. Nach 1990 auch Buchautor; zahlr. Ausstellungen; gezeichneter Briefwechsel mit F. W. Bernstein (»Ich glaube, du bist dran«, 1995; »Berl. Bilderbuch brominenter Bersönlichkeiten«, 1999); 2000 Dt. Karikaturenpreis; 2002 Rahel-Varnhagen-Medaille; ab Dez. 2004 Hirnschlag u. Wachkoma; gest. in Berlin. Illustrationen zu: R. Holland-Moritz: Graffunda räumt auf. Berlin 1969; U. Kant: Der kleine Zauberer u. die große Fünf. Berlin 1974; G. Holtz-Baumert: Alfons Zitterbacke. Berlin 1977; C. Hein: Das Wildpferd unterm Kachelofen. Berlin 1984; R. Holland-Moritz: Ossis, rettet die Bundesrepublik! Berlin 1993; J. Sparschuh: Stinkstiefel. Berlin 2000.Graf Tüpo, Lina Tschornaja u. die anderen. Für El Lissitzky zum 100. Geburtstag. Leipzig 1991; Das Gänsehaut-Buch. Berlin 1994; Das dicke Bofinger Buch. Berlin 1995; Der krumme Löffel. Miniaturen einer Kindheit. Berlin 1998; Ein dicker Hund. Geschichten mit Kindern. Berlin 2003; Das Leben eben. Berlin 2006 (posthum).Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bohla, Hans

* 26.1.1891 – ✝ 8.1.1928

Geboren am 26. Januar 1891 in Herreth/Oberfranken, Sohn eines Oberlehrers. Besuchte das Gymnasium in Erlangen, anschießend Studium in Leipzig. 1918 Mitglied der USPD, trat mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD über. Seit 1919 Redakteur am »Volksblatt«, dem USPD-Organ für Halle, nach der Vereinigung von USPD und KPD beim »Klassenkampf« in Halle, ab April 1921 Redakteur des »Kommunist« in Stuttgart (unter dem Pseudonym Ernst Kunert). 1922/23 arbeitete Bohla als KPD-Sekretär in der Pfalz, bis ihn die französischen Behörden auswiesen. Er stand auf dem linken Parteiflügel und wurde 1924 von der Ruth-Fischer-Führung als Polleiter in den rechten Bezirk Württemberg entsandt. Dort arbeitet er unter dem Namen Meyer und stieß auf großen Widerstand seitens der Parteiorganisation. Im September 1924 wurde er in Stuttgart verhaftet; nach seiner Wahl in den Reichstag, im Dezember 1924, jedoch wieder freigelassen. Bohla schloß sich 1925 den Ultralinken an, er übte verschiedene Funktionen aus, wurde aber nach dem »Offenen Brief« im August 1925 aus dem hauptamtlichen Apparat verdrängt. Im Reichstag gehörte er ab 1926 zur Gruppe der linken Kommunisten. Am 3. August 1927 trat er aus der KPD aus, um sich mit Georg Kenzler und anderen gemaßregelten Linken zu solidarisieren. Hans Bohla starb am 8.Januar 1928.

Wer war wer in DDR

Böhm, Alfred

* 23.8.1913 – ✝ 12.10.1982

Geb. in Leipzig; Vater Brunnenbauer; Volksschule; 1928 – 31 Tischlerlehre; 1931 KPD; 1931 – 35 arbeitslos; 1935 – 44 Zuchthaus, dann KZ Sachsenhausen; 1944/45 Strafbat. Dirlewanger, dann sowj. Kriegsgefangenschaft. 1947 SED; Einstellung bei der VP, K 5; 1950 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Leipzig; 1951 Versetzung zur Abt. VI des MfS Berlin, 1953 dort Kommissar. Ltr., dann Mitarb. der Kontroll-Inspektion; 1956 Stellv. Operativ des Ltr. der BV Neubrandenb. (Nachf. von  Gustav Szinda); 1959/60 PHS; 1965 Ltr. der BV Neubrandenb. u. Mitgl. der SED-BL; 1973 VVO; 1975 Gen.-Major; 1977 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

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Böhm, Rudolf

* 28.8.1917

Geb. in Schles.; Vater Werkmstr. bei der DR; Mitgl. in der kath.-bünd. Jugend; 1936 Abitur; anschl. Studium der Theol., Philos. u. Geschichte in Breslau u. München; dort Mitarb. in der Widerstandsbew. kath. Studenten; 1939 – 43 Wehrmacht, Ltn.; 1940 als Wehrmachtsangest. Staatsprüfung in Philos. u. Geschichte in Wien; 1943 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft bei Stalingrad; Mitgl. Antifa-Komitees; 1945 KPD. Sommer 1945 Rückkehr nach Dtl.; Sept. 1945 Ref. für Studienangelegenh. in der dt. ZV für Volksbildung Berlin, zuständig für die Immatrikulationskommission, Mitgl. des Zentr. Jugendaussch.; 7.3.1946 Mitunterz. der Gründungsurkunde der FDJ; Juni 1946 (1. Parlament der FDJ in Brandenb.) bis Mai 1947 (2. Parlament der FDJ in Meißen) Sekr. des FDJ-ZR für Studenten; 1947 – 49 Lizenzträger u. Chefred. des »FORUM« (Ztschr. für das geistige Leben an den dt. HS); 1949 persönl. Ref. des Min. für Volksbildung  Paul Wandel; anschl. Mitarb. im Büro  Anton Ackermann (ZK der SED), stellv. Ltr. der HV Film; 1956 DEFA-Studiodir. (zus. mit  Albert Wilkening); 1958 im Zusammenhang mit der Revisionismus-Debatte u. der pol. Deklassierung von Paul Wandel Parteiverfahren u. fristlose Entlassung; seit 1958 (unter Ps.) freiberufl. Autor, rund 60 TV- u. DEFA-Spielfilme; lebt als Rentner in Berlin.Forum. Ztschr. für das geistige Leben an den dt. HS. Berlin, Jg. 1947 – 49; Bresch, U.: FDJ-Studentensekr. (1946 – 1989). In: Jahresbericht 1992 des Inst. für zeitgeschichtl. Jugendforschung. Berlin 1992; Schenk, R. (Red.): Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946 – 1992. Berlin 1994.Ulrike Schuster

Wer war wer in DDR

Böhme, Hans-Joachim

* 29.12.1929 – ✝ 4.9.2012

Geb. in Bernburg (Saale); Vater Arbeiter; Mittelschule; 1945/46 SPD/SED; 1945 – 48 Verw.-Angest. in Bernburg; 1948/49 dort Vors. der FDJ-KL; 1949 – 51 Abt.-Ltr. in der SED-KL Bernburg, 1951/52 Abt.-Ltr. in der BPO des Mansfeldkombinats, 1952 – 55 Mitarb. u. stellv. Abt.-Ltr. der SED-LL Sachsen-Anh. bzw. der SED-BL Halle; 1955 – 58 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 63 Sekr. der SED-KL Weißenfels; 1963 – 68 Sektorenltr. u. Abt.-Ltr., 1968 – 74 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Halle (Nachf. von  Werner Felfe); 1967 Prom. zum Dr. phil. an der MLU Halle mit einer Diss. über Probleme der pol. Bewußtseinsbildung; 1969 VVO; 1974 – 81 2. Sekr., ab Mai 1981 1. Sekr. der SED-BL Halle (Nachf. von  Werner Felfe); 1980 VVO; 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED u. Abg. der Volkskammer, 1986 – 89 Mitgl. des PB des ZK der SED; Nov. 1989 aus dem PB ausgeschieden u. seiner Funktion als 1. Sekr. der SED-BL Halle enthoben, Anklageerhebung wegen »untreuer Handlungen auf Kosten des soz. u. Parteieigentums«, mangels Beweisen eingestellt; Jan. 1990 aus der SED-PDS ausgeschl.; Rentner. Mai 1993 mangels Beweisen durch das AG Halle von dem Vorwurf freigesprochen, durch den Bau einer priv. Jagdhütte einem ehem. staatl. Forstbetrieb finanziellen Schaden zugefügt zu haben; Mai 2000 Prozeß vor dem LG Berlin wegen »Totschlags an DDR-Flüchtlingen (zus. mit  Herbert Häber u.  Siegfried Lorenz); 6.7.2000 freigesprochen, 6.9.2002 Urteil vom BGH aufgehoben; 6.8.2004 vom Landgericht Berlin wegen Beihilfe zum Mord durch Unterlassen zu 15 Mon. Haft auf Bewährung verurteilt; gest. in Berlin.Zur polit. Bewußtseinsbildung im Sozialismus. Halle 1967; Erfahrungen der Bezirksparteiorg. Halle in der pol.-ideolog. Arbeit. Berlin 1989.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Böhme, Kurt

* 6.5.1913 – ✝ 4.6.1991

Geb. in Deuben (Krs. Dresden); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zum Tischler u. Polier; 1922 – 28 Mitgl. der Roten Jungpioniere; 1927/ 28 Tischlerlehrling in Freital, wg. Differenzen mit dem Meister entlassen; 1928 KJVD; 1928/ 29 Hilfsarb. in einer Glasfabrik in Freital; 1929 mit KJVD-Deleg. in Moskau; März 1930 KPD; 1930 – 33 Mitgl. der KPD-BL u. KJVD-BL Sachsen; März – Juni 1930 Hilfsarb. in Hainsberg (Saale), anschl. kurzfristige Beschäftigung in versch. Baubetrieben; nach 1933 illeg. Tätigkeit, ab Mai 1933 Ltgr. des illeg. KJVD in Freital; Mai – Juli 1933 »Schutzhaft«; 1936 Hilfsarb. bei der Reichsbahn; erneut illeg. polit. Arbeit; Nov. 1936 verurteilt wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 4 Jahren u. 7 Mon. Zuchthaus; Haft im Zuchthaus Zwickau; nach Entlassung im Dez. 1940 Hilfsarb.; Febr./März 1941 erneut Polizeihaft; 1941/42 Lehre als Möbelpolierer; März 1944 – Mai 1945 Bewährungsbat. der »Organisation Todt«, z T. in Frankreich. Juni/Juli 1945 Ltr. des Arbeitsamts Freital; Aug. – Nov. 1945 Abt.-Ltr. bzw. Sekr. der KPD-KL Freital; 1945/46 Landesparteischule Sachsen; Febr. – Apr. 1946 Mitarb. der Personalpolit. Abt. der KPD-BL Sachsen; SED; Mai 1946 – Okt. 1947 Instrukteur der Abt. Kader des SED-Landesvorst. Sachsen, Sektor Parteifunktioäre; 1947 – 51 1. Sekr. der SED-KL Siegmar-Schönau/Gebietsltg. Wismut; 1950 – 54 Kand. des ZK der SED; 1951/52 Sonderlehrgang an der PHS der KPdSU in Moskau; Apr. – Juni 1952 Instrukteur des ZK der SED im Stadtkreis Rostock; 1952 Offizier der KVP, dann NVA; 1957 VVO; stellv. Ltr. der Polit. Verw. im MfNV; 1961/62 Militärattaché an der DDR-Botschaft in der UdSSR; Oberst; 1963 – 69 Stellv. des Vors. für Innere Angelegenh. des Rats des Bez. Karl-Marx-Stadt; gest. in Chemnitz.Karlsch, R., Zybnek, Z.: Urangeheimnisse. Berlin 2007.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Böhme, Curt

* 17.7.1889 – ✝ 23.12.1968

Geb. in Sayda (Erzgeb.); Vater Sattler, Mutter Heimwerkerin; Volkschule in Sayda; anschl. Laufbursche u. Lehre als Feinmechaniker in Sayda; 1909 DMV; 1909 – 18 Wanderschaft und Arbeit als Feinmechaniker bei Carl Zeiss in Jena; 1910 SPD; organisierte 1916 mit Karl Liebknecht die »Osterkonferenz der Jugend« in Jena; 1918 USPD; 1920 – 23 Gasthörer an der Univ. Jena (Rechts- u. Volkswirtschaftslehre); 1922 erneut SPD; 1923 / 24 Referatsltr. im Thür. Innenmin.; 1924 – 31 MdL Thür.; 1925 Sekr. des SPD-Ortsvereins Gera; 1925 – 31 Bürgermeister in Allsted (Thür.); 1931 – 33 Gemeindevorsteher in Lohbrügge (b. Hamburg); 1933 Entlassung aus polit. Gründen; ab 1934 Feinmechaniker bei Carl Zeiss in Jena; 1944 / 45 Haft im KZ Buchenwald; Apr. 1945 Befreiung. 1945 / 46 Personalreferent im MdI des Landes Thür.; 1945 SPD, 1946 SED; 1946 – 50 Ministerialdir. im MdI Thür., zunächst als Dir. des Landesamts des Innern, 1947 – 50 Ltr. der HA Kommunal- u. Bauwesen; Sept. 1948 – Dez. 1956 OB von Gera (Nachf. von  Friedrich Bloch); Dez. 1956 Ehrenbürger der Stadt Gera; 1957 Rentner; 1969 VVO; gest. in Gera.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bohn, Willi Karl

* 6.8.1900 – ✝ 23.1.1985

Geboren am 6. August 1900 in Gotha als ältestes von drei Kindern eines Instrumentenbauers. Der Vater arbeitete in einer Pianofabrik, war Mitglied der SPD und starb 1910. Bohn kam nach der Schulentlassung 1915 zu einem Rechtsanwalt in die Lehre und hatte sich bis 1920 zum 2. Vorsteher des Büros heraufgearbeitet. Ab Mai 1918 Mitglied der USPD, ging mit dem linken USPD-Flügel 1920 zur KPD. 1921 Stadtverordneter in Gotha, seit 1922 hauptamtlicher Funktionär der KPD. Zunächst Redakteur des Gothaer »Volksblattes«, 1924 kam er als Chefredakteur zur »Niedersächsischen Arbeiterzeitung« nach Hannover. Nach Ausschaltung der Katz-Gruppe aus der politischen Führung in Niedersachsen wurde Bohn dort im Juni 1925 Bezirkssekretär und im August 1925 Polleiter des Bezirks. Anschließend erneut Chefredakteur der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung«, die im November 1926 in »Neue Arbeiterzeitung« umbenannt und Organ der KPD in Niedersachsen und Hessen-Kassel wurde. Da Bohn 1930 »schwankte« und nicht »konsequent« gegen die Versöhnler auftrat, wurde er kurzfristig von John Schehr als Polleiter des Bezirks Niedersachsen abgelöst und an die Internationale Leninschule nach Moskau geschickt. Nach Rückkehr im Herbst 1932 Chefredakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart. 1933/34 illegale Arbeit in Süddeutschland (Grenzarbeit), ab Februar 1934 in Berlin, dort im Oktober 1934 verhaftet und am 3. Oktober 1935 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Ludwigsburg und zuletzt im KZ Kaltenstein bei Vaihingen-Enz absaß. Von 1945 bis 1949 Politikredakteur, dann Leiter der Lokalredaktion bei der überparteilichen »Stuttgarter Zeitung«. Er war von 1946 bis zum KPD-Verbot 1956 Stadtrat im Stuttgarter Gemeindeparlament und Fraktionsvorsitzender der KPD, dort blieb er von 1956 bis 1959 parteiloser Abgeordneter. Von 1950 bis 1956 Chefredakteur des »Volksechos«, Organ der KPD Württemberg. Ab 1969 Mitglied der DKP, Autor mehrerer Bücher, sein bekanntestes erschien 1969 unter dem Titel »Stuttgart Geheim! – Ein Bericht über den Stuttgarter Widerstand«. Willi Karl Bohn starb am 23. Januar 1985.

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Boldin, Iwan Wassilewitsch

* 3.8.1892 – ✝ 28.3.1965

Geb. in Wyssozkaja (Moldawien); 1914 – 18 Militärdienst; 1918 Mitgl. der KPdSU; ab 1919 Berufssoldat; Teiln. am Bürgerkrieg, zul. Rgt.-Kdr.; Militärakad. Frunse; bis 1939 Inhaber hoher Kommandostellen; 1939 Teiln. an der Besetzung westlicher Teile Weißrußlands (Hitler-Stalin-Pakt); ab Okt. 1939 Kdr. des Militärbez. Odessa; 1941 stellv. Kdr. des westl. Militärbez., aus dt. Einkesselung ausgebrochen; anschl. Korpskdr.; ab April 1945 stellv. Oberbefehlshaber der 3. Ukrainischen Front; 1944 Gen.-Oberst. Ab Juni 1946 Chef der SMAD-Landesverw. Thür.; danach Armeekdr.; 1958 – 65 Konsultant in der Gruppe der Gen.-Inspekteure des Verteidigungsmin. der UdSSR; zweimal Lenin- u. Rotbannerorden; gest. in Kiew.Jan Foitzik

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Bolz, Lothar

* 3.9.1903 – ✝ 29.12.1986

Geb. in Gleiwitz (Oberschles./Gliwice, Polen); Vater Uhrmacher; Oberrealschule gem. mit  Rudolf Herrnstadt; 1921 – 25 Studium der Rechtswiss., Kunst- u. Lit.-Geschichte an den Univ. München, Kiel u. Breslau, Prom. zum Dr. jur; 1926 Gerichtsreferendar, 1929 Assessor, danach Rechtsanwalt in Breslau; KPD; 1933 Ausschl. aus der schles. Anwaltskammer wegen Verteidigung von Antifaschisten; Emigr. nach Danzig, Prag u. ab 1934 in die UdSSR; dort Journalist, Lehrer für dt. Sprache an Univ. u. Assistent am Marx-Engels-Lenin-Inst. in Moskau; nach 1941 Arbeit unter dt. Kriegsgefangenen, Lehrer an Antifa-Schulen, Mitarb. an der Ztg. des NKFD »Freies Dtl.« (»Rudolf Germersheim«). Ende 1947 Rückkehr nach Dtl.; bis Sept. 1948 freiberufl. Journalist in Halle; 1948 NDPD, Sept. 1948 – April 1972 deren Vors., ab 1948 Mitgl. des Hauptaussch. u. des PV; 1949 einer der Vors. des Dt. Volksrats u. Mitgl. der DWK; ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 53 Min. für Aufbau, 1950 – 67 stellv. Min.-Präs.; ab 1950 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1953 – 65 Min. für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von  Georg Dertinger); 1954 u. 1965 VVO; 1955 Kommandeurskreuz zum Orden Polonia Restituta; 1965 Großes Band des Ordens vom Nil; 1968 Stern der Völkerfreundschaft; 1968 – 78 Präs. der DSF (Nachf. von  Johannes Dieckmann), danach Mitgl. des Präs.; ab 1972 Ehrenvors. der NDPD; 1971 Orden des Vaterländ. Krieges; gest. in Berlin.Es geht um Dtl. Reden u. Aufsätze. Berlin 1955; Für die Macht des Friedens. Reden u. Aufsätze. Berlin 1959. Fricke, K. W.: L. B. Sowjetbürger als »Dt. Patriot«. In: SBZ-Archiv 20 (1953) 4; Staritz, D. 1987: Zum Tode von L. B. In: Dtl. Archiv 20 (1987) 1.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bondzin, Gerhard

* 29.7.1930

Geb. in Mohrungen (Ostpr./Morąg, Polen); Vater Buchdrucker; 1945 Vertreibung. 1946 – 48 Studium an der FS für Keramik in Sonneberg, 1948 – 51 Malerei an der HS f. Architektur u. Baukunst Weimar; SED; 1951 – 53 Studium an der HS für bildende Künste Dresden bei  Fritz Dähn u.  Rudolf Bergander; seit 1957 Lehrtätigkeit, 1965 Prof. f. Malerei; 1965 – 70 Rektor der HS für bildende Künste Dresden (Nachf. von  Rudolf Bergander); 1969 – 91 DAK; 1969 – 84 Mitgl. der SED-BL Dresden; 1969 NP; 1970 – 74 Präs. des VBK (Nachf. von  Lea Grundig); 1973 – 92 Ltr. der Meisterklasse für Wandmalerei an der HS für bildende Künste Dresden. 2001 Ausstellung in Berlin. Werke: Schichtwechsel (1957), Das letzte Aufgebot. Niemals wieder (1962), Die Unbesiegbaren (1967), Der Weg der roten Fahne, Wandbild am Kulturpalast Dresden (1969), Drei kuban. Arbeiter (1976).Handzeichnungen, Druckgrafik. Rostock 1968; Malerei, Grafik, Handzeichnungen. Berlin 1986.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Bontjes van Beek, Jan

* 18.1.1899 – ✝ 5.9.1969

Geb. in Veijle (Jütland); Übersiedl. nach Uerdingen (Niederrh.); seit 1907 dt. Staatsbürger; 1919 Arbeit auf dem Barkenhof in Worpswede; 1921/22 Ausbildung zum Töpfer in Undenheim; 1923 Studium am Seger Inst. Berlin, bis 1931 Keramiker in Fischerhude, 1931 in Paris, 1923 – 33 Arbeit in Velten (b. Berlin); Aufbau einer eigenen Werkstatt in Berlin-Charlottenburg; Goldmedaille der Triennale in Mailand; im Sept. 1942 als Mitgl. der »Roten Kapelle« zus. mit Tochter Cato wegen illeg. Tätigkeit durch die Gestapo verhaftet, im Dez. mangels Beweisen entlassen, Tochter verur- teilt u. 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet; 1943 Vernichtung des Ateliers; 1944 Wehrdienst (Marine); sowj. Kriegsgefangenschaft. 1.5.1946 Doz. für Keramik an der HS für Bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, Prof., Rektor; 30.10.1950 wegen Reglementierung u. Zensur seiner Tätigkeit u. seines Werks Übersiedl. nach Dehme (b. Bad Oeynhausen); 1950 – 53 Aufbau einer keramischen Prod. zus. mit Alfred Ungewiß; 1953 – 60 Dir. der Werkkunstschule in Berlin (West); 1960 – 66 Prof. für Keramik an der HS für Bildende Kunst in Hamburg, 1963 Mitgl. der freien AdK Hamburg u. 1964 der AdK (West), 1965 der Internat. Akad. für Keramik in Genf; 1965 Großer Kunstpreis von Berlin (West). Ausstellungen (Ausw.): 1935 Grassi Museum Leipzig; Leicester Galleries (mit Henry Moore); 1937 Galerie Nierendorf Berlin; 1947 Galerie Gerd Rosen Berlin; 1964 Museum für Kunst- u. Gewerbe Hamburg; 1978 AdK Berlin (West).J. B. v. B. 1899 – 1969; Kat. AdK. Berlin 1978; Reineking von Bock, G.: Meister der dt. Keramik von 1900 – 1950. Kat. Kunstgewerbemuseum Köln 1978.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Bogatzky, Hans-Erich

* 12.6.1927 – ✝ 27.1.2009

Geb. in Berlin-Wilmersdorf; Vater Architekt; 1937 – 44 Fichte-Gymn. Berlin-Steglitz; 1944 Luftwaffenhelfer in der Wehrmacht, 1945 wg. Kriegsverletzung entlassen. 1945 Grafikerschule in Berlin; 1949 – 52 Ausbildung an der Meisterschule für Tischler u. Innenarchitektur Berlin (unter der Ltg. des Vaters); 1952 beim VEB (Zentrale) Projektierung Berlin; 1958 Innenausbau Ostflügel Humboldt-Universität Berlin; 1959 – 61 Innenausbau beim Wiederaufbau Altes Museum, Berlin; 1961 Stellv. des Kollektivltr.  Roland Korn bei der Projektierung des Staatsratsgebäudes; Schinkelmed.; 1965 – 70 Innenausbau »Hotel Stadt Berlin« am Alexanderplatz in Berlin (heute Park-Inn-Hotel) mit R. Korn u. Heinz Scharlipp; 1968 – 71 Innenausbau Haus des Reisens, Berlin; 1974 – 75 Großer Festsaal im Gebäude des ZK der SED (heute Auswärtiges Amt) Berlin (mit Bruno Hess); 1976 am Inst. für Wohnungs- u. Gesellschaftsbau der DBA; 1983 Ltr. der Zentralen Fachgr. Ausbau / Innengestaltung beim BDA; 1990 Ruhestand; gest. in Berlin.Ideenwettbewerb zur Ausgestaltung von Läden in der Friedrichstraße. In: Architektur der DDR (1985) 11. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Wagner, V.: Regierungsbauten in Berlin. Berlin 2001; Meuser, Ph.: Schlossplatz 1. Berlin 2006.Volker Wagner

dissidenten.eu

Bohley, Bärbel

* 1945 – ✝ 2010

„Mutter der Revolution“ wurde Bärbel Bohley im Verlauf des Herbstes 1989 von westdeutschen Journalisten getauft. So übertrieben sie ist, markiert diese Bezeichnung doch die besondere Rolle der Malerin für den gesellschaftlichen Aufbruch in der DDR und ihre Bedeutung für die oppositionelle Entwicklung bis dahin. Deutlich wird zudem die Popularität Bärbel Bohleys in jener Zeit, die ihrer ausgeprägten Fähigkeit zu verdanken war, den Gefühlen und Bedürfnissen sehr vieler Menschen Ausdruck zu verleihen. Sie verkörperte für einen kurzen Zeitraum geradezu die Stimme des Volkes.Geboren wurde Bärbel Bohley am 24. Mai 1945 in Berlin, wo sie mit Ausnahme eines halben Jahres während ihres Zwangsexils 1988 im Westen auch bis zum Ende der DDR lebte. Ihr Vater war Techniker, die Mutter Hausfrau, Politik spielte in der Familie keine nennenswerte Rolle. Bohley machte 1963 Abitur und verdiente sich in den kommenden Jahren mit verschiedenen Aushilfstätigkeiten ihren Lebensunterhalt, bis sie schließlich 1969 zum Studium der Malerei an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee angenommen wurde. Aus der Ehe mit einem aus Halle stammenden Künstler stammte ein Sohn, der nach der Scheidung wenige Jahre später bei ihr lebte. Nach Abschluss des Studiums 1974 arbeitete Bärbel Bohley mit einigem Erfolg als freischaffende Malerin und Grafikerin. Sie beteiligte sich an internationalen Ausstellungen und erhielt zweimal einen Förderpreis des staatlichen Kunsthandels. 1976 wurde sie zum Vorstandsmitglied des Berliner Bezirksverbandes der Bildenden Künstler (VBK) gewählt. Das politische Engagement entwickelte sich für Bohley aus Kontakten mit bildenden Künstlern und Schriftstellern in der weitgefächerten Berliner Künstlerszene. Auch die große Familie ihres Ehemannes, in der es außer Künstlern auch Theologen und viele Kontakte in die entsprechenden Milieus in Halle gab, spielte hierbei eine Rolle. Nicht zufällig gab es in der DDR außer ihr mehrere weitere engagierte Oppositionelle gleichen Namens. Äußerer Anstoß zu ihrer ersten widerständigen Aktivität war das zunehmende Klima von Militarisierung der DDR-Gesellschaft in Schulen, Betrieben und sogar Kindergärten. Auf diese Entwicklung traf der NATO-Doppelbeschluss 1979, der eine neue Runde im internationalen Wettrüsten einleitete. Gegen die atomare Hochrüstung hatten Frauengruppen schon seit Jahren in verschiedenen westlichen Staaten protestiert. Anfang 1980 wurde auch in der Bundesrepublik eine Unterschriftenaktion gestartet. Zu den Unterzeichnerinnen des Appells „Anstiftung für den Frieden“ gehörte in der DDR Bohley. Damit wurde erstmals in Ost und West ein gemeinsamer Protest formuliert, der den Beginn der blockübergreifenden Friedensbewegung markierte. In dieser Zeit kam sie in Kontakt mit Robert Havemann und seinem Umfeld. Als im März 1982 ein neues Wehrdienstgesetz auch die Rekrutierung von Frauen im „Verteidigungsfall“ bestimmte, begannen Bohley und andere Frauen Eingaben an die DDR-Führung zu schreiben, in denen sie ihren zivilen Ungehorsam für diesen Fall ankündigten und eine öffentliche Diskussion forderten. Im Oktober 1982 gelang eine DDR-weite Unterschriftensammlung, die unter anderem von Bohley und Katja Havemann initiiert worden war. In diesem Zusammenhang bildete sich die Gruppe „Frauen für den Frieden“, die in der Folgezeit mit vielfaltigen Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Kirche zu einem der wichtigsten Kristallisationspunkte der unabhängigen Friedensbewegung wurde und bis zum Ende der DDR bestehen blieb. Von wesentlicher Bedeutung für ihren blockübergreifenden und -überwindenden Ansatz war der Kontakt zu westdeutschen Aktivistinnen, darunter der Mitgründerin der Grünen Petra Kelly und deren politischem Umfeld. Als Ende 1983 die „Nachrüstung“ irreversibel wurde und die DDR-Führung das Interesse an der westlichen Protestbewegung verlor, setzten sofort schärfere Repressalien gegen deren Verbündete in der DDR ein. Bohley, die zuvor bereits als Vorstandsmitglied des Verbandes der Bildenden Künstler Berlin abgesetzt worden war und nicht mehr an Ausstellungen teilnehmen durfte, wurde zusammen mit Ulrike Poppe verhaftet. Ihre mittlerweile erreichte Bekanntheit und Proteste aus dem Westen erzwangen jedoch ihre Entlassung im Januar 1984. Nach der Hochphase der unabhängigen Friedensbewegung fächerte sich der Widerstand gegen die Politik der DDR-Führung thematisch auf. Dieser Prozess wurde von Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen ideologischen Strömungen begleitet. Es gelang aber erstmals, eine gewisse personelle und organisatorische Kontinuität zu erreichen, die sich bis zum Ende der DDR hielt. Bärbel Bohley gehörte Ende 1985 zu den Gründungsmitgliedern der „Initiative Frieden und Menschenrechte“ (IFM) als Ergebnis der Spaltung traditionell linker und postmarxistischer Anschauungen in den unabhängigen Gruppen. Die IFM verstand sich als Gruppe von Aktivisten, die politische und bürgerliche Rechte durchsetzen und den Keim einer zivilen Gesellschaft legen wollte. Sie agierte bewusst außerhalb der Kirche, was bis zum Ende der DDR äußerst selten und mit zusätzlichen praktischen Schwierigkeiten verbunden blieb. Ihr gehörten dennoch auch praktizierende Christen an; die Beziehungen zur Kirche und zu vielen Pfarrern und Gemeinden blieben eng. Im Rahmen der IFM beteiligte sich Bohley an vielen Aktivitäten wie Eingaben, Offene Briefe, Veranstaltungen in Kirchgemeinden und Samisdat-Publikationen sowie Versuchen der landesweiten Vernetzung der sich entwickelnden Oppositionsbewegung und engen Kontakten zu politischen Freunden in Westeuropa, allen voran Petra Kelly. Eine der wichtigsten frühen Aktionen der IFM war eine DDR-weit unterzeichnete Eingabe an den SED-Parteitag 1986, in der die Führungslegitimation der Partei in Zweifel gezogen und ein offener gesellschaftlicher Dialog über die Demokratisierung des Landes gefordert wurde. Bohley war in der zweiten Hälfte der 80er Jahre auch aus Sicht der Staatssicherheit zu einer der bekanntesten, profiliertesten und engagiertesten Oppositionellen in der DDR geworden. Darum versuchte der Staat im Januar 1988 ein weiteres Mal, sie loszuwerden und ihre Umgebung einzuschüchtern, indem er sie zusammen mit einer Reihe anderer aktiver Oppositioneller verhaftete. Das Ergebnis waren eine bis dahin in der DDR ungekannte Solidarisierungswelle sowie internationale Proteste in Ost und West. Daraufhin wurden die Verhafteten – mit einer Ausnahme ohne Prozess – nach Vermittlung durch die Kirche zwangsweise ins Exil in den Westen abgeschoben. Bohley erhielt im Februar 1988 zusammen mit Werner Fischer ein Aufenthaltsverbot für die DDR von sechs Monaten. Dieses Verfahren hatte keinerlei juristische Grundlage und keine historische Präzedenz. Es erzeugte erhebliche Irritationen in der DDR, blieben doch die Vorgänge und Motive sowohl der Behörden als auch der Verhafteten, die zu dieser Entscheidung geführt hatten, ebenso unklar wie die Perspektive nach Ablauf der Zeit im Exil. Es gelang Bohley jedoch mit Hilfe verschiedener Seiten, im August 1988 wieder in die DDR einzureisen. Bohleys Engagement blieb auch nach der Rückkehr in die DDR unverändert. Die sich zuspitzende politische Situation, aber auch die Entwicklung der oppositionellen Aktivitäten führten zu neuerlichen Diskussionen unter den Gruppen. Erstmals bekannten sich Initiativen und Personen offen zu ihrem Selbstverständnis als Oppositionelle. Bohley gehörte zu ihnen, suchte aber darüber hinaus eine Organisationsform, die aus dem engen Zirkel der Opposition hinausführen sollte. Die gesellschaftliche Isolation zu überwinden, in der diese Gruppen in einem Land ohne Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft verharrten, war ihr immer dringlicher werdender Anspruch. Während bereits ab 1988 verschiedene Öffnungsmöglichkeiten bis hin zu (illegalen) Parteigründungen diskutiert wurden, ging es Bohley um eine möglichst breite Resonanz und Beteiligung in der Bevölkerung. Sie wollte eine Bewegung, die die Bedürfnisse möglichst vieler Menschen ansprach und artikulierte. Im Ergebnis ergriff sie zusammen mit Katja Havemann und Rolf Henrich im Frühjahr 1989 die Initiative für das Neue Forum: Sie veröffentlichten im September 1989 den Appell „Aufbruch ‘89“ und riefen zur Unterzeichnung auf. Der Erfolg war überwältigend: Binnen weniger Wochen gab es DDR-weit Zehntausende Unterschriften und noch mehr Sympathiebekundungen. Die Initiatoren wurden von Briefen, Anrufen und Besuchen geradezu überflutet. Das Neue Forum, das sich landesweit als Vereinigung registrieren lassen wollte, hatte bewusst kein politisches Programm, sondern war eine Aufforderung zur Selbstaktivierung der Menschen, zur Demokratisierung „von unten“. Der Grund für den Erfolg des Neuen Forums, das in eine Massenbewegung mündete, war die breitestmögliche Artikulation von Unzufriedenheit exakt zu dem Zeitpunkt, als sie unaufhaltsam geworden war.Bohley vertrat – charakteristisch für viele DDR-Oppositionelle – ein ethisch und nicht ideologisch motiviertes politisches Engagement, das sich an Haltungen und nicht an Programmen orientierte, an den Bedürfnissen von Menschen und nicht an Parteien und deren Interessen. Ihr Misstrauen gegenüber Hierarchien und Berufspolitikern hat sie schon bald nach dem Herbst 1989 und erst recht nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten von der Politik entfremdet. Nach einer kurzen Tätigkeit als Abgeordnete der Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung von Mai bis Dezember 1990 zog sie sich zunehmend zurück. Von 1996–98 betrieb sie in Bosnien ein Wiederaufbauprogramm mit zurückgekehrten Kriegsflüchtlingen und baute anschließend in Kroatien ein Kinderferienlager für bosnische Waisen auf. 2008 kehrte Bärbel Bohley nach Berlin zurück, um ihre Krebserkrankung behandeln zu lassen, der sie 2010 erlag.Reinhard Weißhuhn Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Böhm, Georg

* 26.3.1923

Geb. in Willomitz (ČSR/Vilémov, Tschechien); Vater Arzt; Volks- u. Oberschule, 1940 – 42 landw. Lehre; 1.9.1942 NSDAP; Jungbauer in Bensen (Sudetenland); Wehrmacht; sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1950 – 90 DBD, bis 1951 Krs.-Instrukteur bzw. Jugendref. des LV Mecklenb. u. Mitgl. des LV, später des BV Schwerin; 1951 – 54 Ltr. der Parteischule der DBD in Bad Kleinen; 1951 – 55 Fernstudium an der DVA bzw. der DASR Potsdam, Dipl.-Wirtsch.; 1955 – 60 HA-Ltr. Schulung u. Aufklärung des PV der DBD u. Mitgl. seines Präs.; 1958 – 63 Abg. der Volkskammer; 1958 – 60 als IM des MfS erf.; 1960 – 62 Sekr. des BV Neubrandenb., 1962 – 67 stellv. Vors. bzw. Vors. der BV; danach Sekr. u. 1970 stellv. Vors. des BV Magdeburg; 1971 – 76 Vors. des BV Halle (Nachf. von Kurt Burkhardt); ab 1972 erneut Mitgl. des Präs. des PV der DBD, ab 1976 Sekr. des PV der DBD (Nachf. von Claus Howitz); 1982 Vizepräs. des Friedensrats der DDR; 1983 VVO; Jan. 1990 auf dem Sonderparteitag der DBD nicht wieder in den PV gewählt; Jan. 1990 zus. mit  Werner Fischer u.  Gottfried Forck vom Zentr. Runden Tisch mit der Kontrolle der Auflösung des MfS beauftragt, bis April 1990 Reg.-Bevollm., Juni – Okt. 1990 Stellv. Sekr. der Reg.-Kommission zur Auflösung des MfS. Seit Okt. 1990 Altersrentner; parteilos, seit Okt. 1992 Mitgl. (Beobachter) des Kuratoriums Ostdt. Verb.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Böhm, Siegfried

* 20.8.1928 – ✝ 5.5.1980

Geb. in Plauen; Vater Arbeiter; Ober- u. Handelsschule; 1945 – 48 Ausbildung zum Kfm.; 1947 FDJ, FDGB; 1948 SED; 1948 – 53 hauptamtl. FDJ-Funktionär, zunächst in Plauen Arbeitsgebietsltr. u. Sekr., dann persönl. Ref. des FDJ-Landesvors. Sachsen; 1953/54 Bandwärter, Presser, Brigadier im Braunkohlenwerk Espenhain; 1954 – 58 Studium an der KMU Leipzig, Hörer von  Fritz Behrens u.  Arne Benary, 1958/59 Assistent am Inst. für pol. Ökon. der KMU u. Mitgl. der Parteiltg. dieser Fak.; 1959 – 61 Mitarb. u. Arbeitsgr.-Ltr. Sektor Ökon., 1961 Stellv. Ltr., 1963 Ltr. der Abt. Planung u. Finanzen des ZK der SED (Nachf. von  Gerhard Schürer), Befürworter des »Neuen Ökonom. Systems der Planung u. Ltg. der Volkswirtschaft« (NÖS); 1964 u. 1970 VVO; 1966 – 80 Min. der Finanzen (Nachf. von  Willy Rumpf), Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; 1967 – 80 Mitgl. des ZK u. Abg. der Volkskammer; 1974 VVO; Suizid aus persönl. Gründen.Zu den Aufgaben der BPO Berlin 1964; Die zunehmende Bedeutung der Finanzen für eine effektive Prod. u. die rationelle Verteilung u. Verwendung des Nationaleinkommens. Berlin 1979.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Böhme, Hans-Joachim

* 25.4.1931 – ✝ 11.5.1995

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; 1950 – 53 Studium der Pädagogik an der Univ. Leipzig; 1952 SED; 1953 – 55 Lehrer bzw. Assistent an der KMU Leipzig, 1955 – 59 1. stellv. Sekr., 1959 – 66 1. Sekr. der SED-KL der KMU Leipzig; 1966 – 68 Ltr. der Studienabt. an der DDR-Botschaft in Moskau; 1968 – 70 Staatssekr. u. 1. stellv. Min., 1970 – 89 Min. für HFS-Wesen (Nachf. von  Ernst-Joachim Gießmann); 1971 Kand., 1973 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1970 Prof. an der HU Berlin; 1981 Dr. h. c. der Univ. Leningrad; 1981 VVO; Nov. / Dez. 1989 Rücktritt mit der Reg.  Stoph u. dem ZK der SED; anschl. arbeitslos bzw. zeitw. 1990 Mitarb. des Inst. für HFS-Wesen.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Böhme, Lothar

* 26.7.1938

Geb. in Berlin; Vater Angest., Mutter Blumenhändlerin. Volksschule; 1954 – 56 Ausbildung zum u. Arbeit als Dekorateur; 1957 – 61 Studium in der Grafikkl. der Mstr.-Schule für das Kunsthandwerk Berlin-Charlottenburg bei Heinz Weißbrich u. Günter Scherbarth, Abbruch des Studiums durch den Bau der Mauer; Umzug nach Berlin-Pankow; ab 1961 freiberufl. Arbeit als Maler, Finanzierung durch Arbeit für Messen u. Ausstellungen der Bauakad.; 1964 Heirat mit der Malerin Christa Krefft (gest. 1991); ab 1965 VBKD; von 1976 – 90 Ltg. eines Zirkels für Autodidakten am Otto-Nagel-Haus der Staatl. Museen in Berlin, wirkte damit als wichtiger Anreger des künstler. Nachwuchses; gehörte in den 1970er u. 1980er Jahren zum Kern der sogen. Berliner Schule; 1976 erste Personalausstellung in der Galerie am Prater Berlin, 1978 Leonhardi-Museum Dresden, 1982 Studio im Alten Museum Berlin; 1988 Teiln. an der Biennale Venedig. 1992 Kollwitz-Preis der AdK; 1993 Ausstellung Nationalgalerie Berlin; 1994 Fred-Thieler-Preis für Malerei; 1994 Mitgl. der AdK; 2006 Gerhard-Altenbourg-Preis. B.s Hauptmotiv ist der weibl. Akt, der in strenger Formenreduktion zu existentiellem Ausdruck geführt wird.Kat. L. B. Studio 32. Nationalgalerie. Berlin 1982; Kat. L. B. (mit Bibl.). Ephraimpalais. Berlin 1991; Kat. L. B. Nationalgalerie. Berlin 1993.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Böhmer, Wolfgang

* 27.1.1936

Geb. in Dürrhennersdorf (Oberlausitz); Studium der Medizin u. 1959 Prom. zum Dr. med. an der KMU Leipzig; 1960 – 74 Facharzt für Gynäkol. u. Geburtshilfe an der Frauenklinik Görlitz; 1974 – 91 Chefarzt der geburtshilfl.-gynäkolog. Abt. im Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift in Wittenberg; 1983 Habil. an der MLU Halle, Berufung zum Prof. 1990 CDU; Okt. 1990 – 2002 MdL Sachsen-Anh.; Juli 1991 – 93 Min. der Finanzen; 1993/ 94 Min. für Arbeit u. Soziales; seit 1998 Vors. des CDU-LV Sachsen-Anh.; 1998 – 2002 Vizepräs. des Landtags; 2001/02 Vors. der CDU-Landtagsfrakt.; seit Mai 2002 Ministerpräs. (Nachf. von  Reinhard Höppner); 2003 Präs. des Bundesrats; Mitgl. der Sozialkammer der EKD; seit 27.7.2007 MdL Sachsen-Anh. (Nachf. von Dirk Schatz); 2007 Großes Verdienstkreuz mit Stern u. Schulterband.Über die Dauer ventrikulärer Extrasystolen. Leipzig 1959; Die Entw. der individuellen u. gesell. Belastung durch die menschl. Reprod. Halle 1983. Hinck, G.: Eltern in Ostdeutschland. Berlin 2007.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bohnenstengel, Karl

* 4.5.1890 – ✝ 16.7.1965

Geboren am 4. Mai 1890 in Landsberg/Warthe; Fleischerlehre, dann Bauarbeiter. 1909 trat Bohnenstengel dem Bauhilfsarbeiter-Verband bei. Nach seinem Militärdienst von 1910 bis 1912 wurde er Mitglied der SPD. Als Soldat von 1914 bis 1918 an der Front, wegen einer Verwundung erst im September 1919 aus dem Lazarett entlassen. Von 1919 bis 1924 war er im Kreis Landsberg Geschäftsführer des Deutschen Landarbeiterverbandes und 1919 auch SPD-Stadtverordneter in Landsberg. Bohnenstengel verließ 1923 die SPD und wurde Mitglied der KPD, daraufhin aus dem Landarbeiterverband ausgeschlossen, er verlor seine gewerkschaftliche Stellung. Von 1924 bis 1930 Steineträger in verschiedenen Baubetrieben. Bohnenstengel gehörte von 1927 bis 1930 dem Provinziallandtag Brandenburg an und wurde im September 1930 im Wahlkreis Frankfurt/O. für die KPD in den Reichstag gewählt. Von 1930 bis Anfang 1933 Instrukteur für Landarbeiterfragen der BL Berlin-Brandenburg und auch Vorsitzender des Landarbeiterverbandes der RGO Berlin-Brandenburg. Bohnenstengel konnte sich der Ende Februar 1933 einsetzenden Verhaftungswelle zunächst entziehen, wurde aber später mehrmals kurzzeitig inhaftiert. Von Ende 1933 bis 1939 betrieb er einen kleinen Lebensmittelladen in Berlin, danach arbeitete er bei den Norddeutschen Eisenwerken. Dort am 22. August 1944 festgenommen und bis April 1945 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. 1945 wurde er Kreisleiter der KPD im Kreis Teltow, ab Dezember 1945 bis Ende 1950 Referent in der KPD-BL Brandenburg, bzw. der SED-Landesleitung Brandenburg in Potsdam. Karl Bohnenstengel starb am 16. Juli 1965.

Wer war wer in DDR

Boll-Dornberger, Katharina

* 2.11.1909 – ✝ 27.7.1981

Geb. in Wien; Vater Ökonom; Realgymnasium; 1928/29 Physik- u. Mathematikstudium in Wien u. 1929 – 33 in Göttingen; 1928 – 30 KPÖ, ab 1931 KPD; 1934 Prom. in Wien mit Forschungen zur Kristallstrukturanalyse; 1935 – 37 Assistentin an der Univ. Wien; 1937 Emigr. nach England, dort Forts. der Forschungen u. a. bei Marcus Oliphant (1937/38 Birmingham), John Desmond Bernal (1938/39 London) u. D. Crowfoot-Hodgkin (1941 – 43 u. 1944 – 46 Oxford); 1943/44 Lehrerin an einer Mädchen-OS in Oxford. 1946 Rückkehr nach Dtl.; zunächst Hausfrau in Weimar; 1947 SED; ab 1947 Doz. an der HS für Baukunst in Weimar; 1948 DAW, Inst. für Med. Biol. Berlin-Buch; 1953 Habil. an der HU Berlin; nebenamtl. 1954 Doz., 1956 Prof.; 1955/56 DAW, Ltr. der Arbeitsstelle für Kristallanalyse in Berlin-Adlershof, 1956 – 68 dort Dir. des Inst. für Strukturforschung; 1959 VVO; 1960 NP; 1968/69 DAW, Forschungsdir. des ZI für physikalische Chemie, ab 1970 dort wiss. Mitarb.; gest. in Berlin. Internat. anerkannte Forschungen zur Röntgenstrukturanalyse von Kristallen, die das Gebiet in der DDR begründen halfen.Dieter Hoffmann / Elke Reuter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bolze, Waldemar

* 11.1.1896 – ✝ 14.12.1951

Geboren am 11. Januar 1896 in Buk/Posen; gelernter Tischler. Als 18jähriger Mitglied der Gewerkschaft, 1906 der SPD. Nach kurzer Wanderschaft kam er nach Berlin, wo er bald Funktionen in SPD und Gewerkschaft ausübte. Bei Kriegsausbruch trat er unter Protest gegen die Haltung der SPD aus der Partei aus. Er war vier Jahre Soldat, ging 1917 zur USPD und im Januar 1919 zur KPD. Bolze nahm an den Spartakuskämpfen in Berlin teil, wurde 1920 Mitarbeiter der »Roten Fahne« und 1921 der Gewerkschaftsabteilung der KPD-Zentrale. 1924 als Gegner Ruth Fischers und als Rechter aus der Zentrale entlassen, blieb Bolze einer der wenigen Wortführer der Rechten in der Berliner KPD. Von 1926 bis Anfang 1929 kam er wieder in die Gewerkschaftsabteilung des ZK. Anhänger Heinrich Brandlers und Gegner des RGO-Kurses, deshalb wurde er im Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Danach gehörte er bis 1933 der KPO und deren Leitung an. 1933 Emigration, zuerst nach Frankreich, im November 1936 ging Bolze nach Spanien, um dort für die Republikaner zu kämpfen. Er arbeitete in einem Flugzeugwerk in Barcelona und hatte enge Verbindung zur Gruppe POUM, die von den Stalinisten als »trotzkistisch« verfolgt wurde. Auch Bolze wurde von der GPU in Spanien verhaftet und dort über ein Jahr in deren spanischen Kerkern festgehalten. Da die stalinistische Gefängniswache im letzten Augenblick flüchtete, entging er den Franco-Truppen und konnte mit anderen Gefangenen über die Pyrenäen entkommen. Von Frankreich nach Belgien ausgewiesen, floh Bolze im Mai 1940 vor den deutschen Truppen wieder nach Frankreich. In Südfrankreich interniert, entkam er und lebte bis 1945 illegal. Die Genehmigung der Alliierten zur Rückkehr nach Deutschland erhielt Bolze erst 1948. Er arbeitete nun als Tischler in den Reichswerken Salzgitter und gehörte der Gruppe Arbeiterpolitik, der Nachfolgeorganisation der KPO an. Waldemar Bolze starb am 14. Dezember 1951 in Salzgitter an Lungentuberkulose.

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Böning, Hermann

* 18.5.1894 – ✝ 2.11.1939

Geboren am 18. Mai 1894 in Heidelberg, Sohn eines Arbeiters. Von 1908 bis 1911 Schlosserlehre, von 1914 bis 1918 Soldat. Nach dem Krieg Schlosser in Heidelberg, wo er 1920 in die KPD eintrat. Zeitweise war Böning Vorsitzender der Karlsruher KPD-Ortsgruppe und dort Stadtverordneter. 1929 hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär der BL Baden und im gleichen Jahr Abgeordneter des Badischen Landtags. Von 1931 bis 1933 Leiter der IAH in Baden und bis 1933 Mitglied der erweiterten BL Baden. 1933 Flucht nach Basel, zunächst Grenzarbeit mit Unterstützung der KP der Schweiz, anschließend zur Parteiarbeit nach Deutschland als Instrukteur für die südbadischen UB zurückgeschickt. Bereits am 5.August 1933 verhaftet und am 2. Februar 1935 vom OLG Karlsruhe zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei einem Transport vom Zuchthaus Ludwigsburg nach Asperg kam Böning am 2. November 1939 ums Leben. Da dem Fahrer des Autos nichts passierte, liegt die Vermutung nahe, daß Hermann Böning ermordet wurde.

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Boock, Georg

* 6.9.1891 – ✝ 23.6.1961

Geb. in Berlin; Vater Lokomotivführer; Gemeindeschule, Realgymnasium; Ausbildung zum Verw.-Beamten; ab 1911 in versch. Abt. der städt. Verw. von Berlin-Neukölln tätig; Abendstudium der Volks- u. Finanzwirtschaft sowie der Rechtswiss.; 1915 Militärdienst, engl. Kriegsgefangenschaft; 1919 Stadtsekr. in Berlin-Neukölln, Ltr. des Kriegsfürsorgeamtes; 1920 USPD, 1922 SPD; 1921 – 27 Bürgermstr. von Langenberg bzw. Meuselwitz (Thür.), Funktionen im Thür. Städtebund u. im Reichsstädtebund; ab 1927 1. Bürgermstr. von Wurzen, Vorstandsmitgl. des Sächs. Bürgermstr.-Tags – Verb. Sächs. Mittelstädte; 1933 Amtsenthebung, anschl. Gründung eines Büros für Steuer- u. Grundstücksfragen in Leipzig; Kontakte zur Widerstandsgr. Schumann-Engert-Kresse, 27.7.1944 Verhaftung u. Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus in Straubing. 1945/46 KPD/SED; 10.7.1945 OB von Wurzen, 5.5.1946 – 61 OB von Erfurt (Nachf. von Hermann Jahn); Abg. der Stadtverordnetenvers., Mitgl. des Büros der SED-Stadtltg.; ab 1947 zeitw. Doz. für Kommunalwiss. an der Univ. Jena; 1954 VVO; ab 1957 Mitgl. der Kommission beim ZK der SED zur Ausarbeitung von Richtlinien für die Verbesserung der staatl. Arbeit, beteiligt an der Erarbeitung des entsprechenden Gesetzes vom 11.2.1958 sowie der »Ordnung über die Aufgaben u. die Arbeitsweise der Gemeindevertr. u. ihrer Organe« von 1961; Mitgl. des Präs. des Dt. Städtetags der DDR bzw. des Dt. Städte- u. Gemeindetags, des Beirats des Inst. für Kommunalwirtschaft, des Arbeitsaussch. zur Förderung der gesamtdt. Verständigung auf kommunalem Gebiet; Dt. Friedensmedaille; Verdienstmedaille der DDR.Die Stadt Meuselwitz 1874 – 1924 (mit R. Reuther). Altenburg 1924; Wohnraumerfassung u. Wohnraumverteil. Berlin 1959.Helmut Müller-Enbergs

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Bogdanow, Semjon Iljitsch

* 17.8.1894 – ✝ 12.3.1960

Geb. in St. Petersburg; Vater Arbeiter; 1915 – 18 Militärdienst; ab 1918 Berufssoldat, versch. Kommandoposten; 1938/39 grundlos inhaftiert; 1942 KPdSU; 1943 – 45 Kdr. der 2. Garde-Panzerarmee; 1944 u. 1945 Held der Sowjetunion; 1945 Marschall der Panzertruppen. 1945 – 47 Chef der SMAD-Landesverw. Brandenb.; 1947 Kdr. der Panzer- u. der mechanisierten Verbände der Gruppe der sowj. Besatzungstruppen in Dtl.; 1947/48 Erster Stellv. u. 1948 – 53 Kdr. der Panzer- u. der mechanisierten Verbände der Sowj. Armee; 1954 – 56 Kdr. der Kriegsakad. für Panzer- u. motorisierte Verbände; 1956 Ruhestand; Kand. des ZK der KPdSU; Deputierter des Obersten Sowjets der UdSSR; zweimal Lenin- u. Suworow-Orden; gest. in Moskau.Jan Foitzik

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Bohley, Bärbel

* 24.5.1945 – ✝ 11.9.2010

Geb. in Berlin; Vater Konstrukteur; 1963 Abitur; anschl. Lehre als Industriekfm., Beschäftigung als Lehrausbilderin sowie im Kulturbereich; 1969 Studium an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; seit 1974 freischaff. Malerin, mehrere Ausstellungen u. a. in der Bundesrep. Dtl. u. auf der IX. Kunstausstellung der DDR 1982/83 in Dresden; 1979 Mitgl. der Sekt.-Ltg. Malerei u. des Bez.-Vorst. Berlin des VBK; 1982 Gründungsinitiator des unabh. Netzwerks »Frauen für den Frieden«, Eingabe beim Staatsratsvors. gegen das neue Wehrdienstgesetz (Einberufung von Frauen in Vorber. von Mobilmachung), zahlr. Kontakte zur westdt. u. ausländ. Friedensbew.; 1983 Ausschluß aus dem Bez.-Vorst. Berlin des VBK, sechs Wochen U-Haft beim MfS wegen »Verdachts auf landesverräter. Nachrichtenübermittlung« (gem. mit  Ulrike Poppe), Entlassung nach internat. Protesten, Auslandsreiseverbot, Auftrags- u. Ausstellungsboykott, private Keramikwerkstatt (mit  Katja Havemann); 1985/86 Mitbegr. der IFM, Mithrsg. u. Autorin von Samizdat-Publ.; Jan. 1988 Verhaftung im Zusammenhang mit den Protestaktionen bei der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, Abschiebung, Aufenthalt in England; 3.8.1988 Rückkehr nach Berlin; Engagement für die Loslösung opp. Gruppen von der ev. Kirche, Sept. 1989 Initiator der illeg. Gründung des Neuen Forums (NF) in Grünheide, Jan. 1990 Mitgl. des NF-Arbeitsaussch., Mai –Dez. 1990 Mitgl. der Berliner Stadtverordnetenvers., Fraktion Bündnis 90, Sept. 1990 Mitbesetzerin der MfS-Zentr. in Berlin, Initiatorin des »Runden Tisches von unten«. 1991 Mitarb. der Fraktion NF/Bürgerbew. im Berliner Abgeordnetenhaus; entschiedene Vertreterin basisdemokrat. Konzepte u. Gegnerin der Fusion der Bürgerbew.-Org. zur Partei Bündnis 90; 1994 Spitzenkand. des NF zur Europawahl; 1996 Gründungsvors. u. bis 2009 Mitgl. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur; 1996 – 1999 EU-Beauftragte in Sarajewo für die Rückkehr von Flüchtlingen u. den Wiederaufbau; lebte 1999 – 2008 in Celina (b. Split, Kroatien), ab 2000 dort Bürgermeisterin; org. versch. Hilfsprojekte, u. a. 2006 »Zisternen« zur Trinkwasserversorgung Bedürftiger in Bosnien; 2008 Rückkehr nach Berlin; 1994 Bundesverdienstkreuz, 2000 Nationalpreis der Dt. Nationalstiftung, 2004 »Goldene Henne«; gest. in Strasburg (Landkrs. Uecker-Randow).Wir mischen uns ein. Freiburg i. Br. 1998 (mit E. Neubert u. J. Reich); Mut-Frauen in der DDR. München 2005 (mit G. Praschl u. R. Rosenthal). Findeis, H., Pollack, D., Schilling, M.: Die Entzauberung des Pol. Berlin, Leipzig 1994.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Böhm, Horst

* 11.5.1937 – ✝ 21.2.1990

Geb. in Zwickau; Vater Bäcker, Mutter Handschuhmacherin. 1954 SED; 1955 Abitur u. Eintritt in das MfS; Zweijahreslehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; 1961 stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle Stollberg; 1962 stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle Hohenstein; 1962 – 67 Fernstudium der Ges.-Wiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Lehrer für Marx.-Lenin.; 1966 stellv. Ltr. der Arbeitsgr. Anleitung u. Kontrolle der BV Karl-Marx-Stadt, 1974 stellv. Operativ des Ltr. der BV Karl-Marx-Stadt; 1981 Offz. für Sonderaufgaben, dann Ltr. der BV Dresden (Nachf. von  Rolf Markert), Mitgl. der BL Dresden der SED; 1982 Gen.-Major; 1989 Entlassung; 1990 Suizid.Jens Gieseke

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Böhm, Tatjana

* 14.11.1954

Geb. in Karl-Marx-Stadt; Eltern Ges.-Wiss.; 1973 Abitur; 1973/74 Philos.-Studium an der HU Berlin, unterbrochen; Beschäftigung als Maschinenarb. u. Archivassistentin in Karl-Marx-Stadt; 1975 – 80 Soziologiestudium an der HU Berlin; 1976 SED; 1980 – 83 wiss. Mitarb. am Inst. für Soziol. u. Sozialpol. (ISS) der AdW in Berlin, Forschungsrichtung Frauen- u. Sozialpol., 1983 – 86 Assistentin am Inst. für Soziol. der HU, anschl. Rückkehr zum ISS; seit Anf. der 80er Jahre Mitarb. in informellen Gesprächskrs. feminist. orientierter Wiss., die sich für eine krit. Frauenforschung u. Veränderungen in der Frauenpol. einsetzen; Okt. 1989 Mitarb. in der Soz. (später: Solidar.) Fraueninitiative SOFI, Nov. Austritt aus der SED, Nov./Dez. Mitarb. in der Vorbereitungsgr. u. Gründungsmitgl. des UFV, Mitgl. im Berliner UFV-Koordinierungsrat; Dez. 1989 – März 1990 UFV-Vertreterin am Zentr. Runden Tisch, Mitarb. in der Arbeitsgr. »Neue Verfassung«, Schwerpunkt: Frauenrechte in der Verfassung, Mitautorin u. –einbringerin der »Sozialcharta« des Runden Tisches; Febr. – April 1990 Min. ohne Geschäftsbereich in der zweiten Reg.  Modrow, Juni – Okt. 1990 Mitarb. der Volkskammerfraktion Bündnis 90/Grüne; Juni 1990 Gründungsmitgl. des Kuratoriums für einen demokrat. verfaßten Bund Dt. Länder. 1991/92 versch. Auftragsarbeiten für den DGB in der pol. Bildung, Schwerpunkt: Arbeitsmarkt u. Frauenarbeit in den neuen Bundesländern; Vorträge u. Publ. im In- u. Ausland; seit 1992 Ltr. des Referats Gleichstellungsfragen in Erziehung u. Familie des Min. für Arbeit, Soziales, Gesundheit u. Frauen im Land Brandenb.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Böhme, Helmut

* 7.6.1929 – ✝ 3.1.2015

Geb. in Halle; Vater Angest.; 1944/45 u. 1947/ 48 Ausbildung in der Landw.; 1945 – 47 OS, Abitur; 1948 – 51 Studium an der MLU Halle, Dipl.-Landw.; 1951 – 54 Aspirant am Inst. für Genetik der MLU u. Forschung bei  Hans Stubbe am Inst. für Kulturpflanzenforschung der DAW; 1954 Prom. u. 1960 Habil.; 1954 – 59 wiss. Mitarb., 1959 – 69 Abt.-Ltr. u. 1969 – 83 Dir. des ZI für Genetik u. Kulturpflanzenforschung der DAW bzw. AdW in Gatersleben; 1966 – 84 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1967 Prof. an der DAW u. der MLU; 1968 – 71 Ltr. des Forschungsbereichs Biol. u. Med. sowie 1969 Ord. Mitgl. der DAW, 1971 – 83 Sekr. der Kl. Biowiss. der AdW; 1970 Mitgl. der Leopoldina; 1972 – 87 Ord. Mitgl. der AdL; 1973 NP; 1974 – 83 Vors. des Nat.-Komitees für Biowiss., 1977 – 79 Präs. der European Environmental Mutagen Society; ab 1983 wiss. Mitarb. des o. g. ZI in Gatersleben; 1990 Vorruhestand; lebte in Halle; gest. in Aschersleben. Hauptarbeitsgebiete: allg. Genetik, Bakteriengenetik, genet. Aspekte der Reparatur von DNS-Schäden.Beiträge zur Abstammungslehre. Berlin 1964; Beiträge zur Genetik u. Abstammungslehre. Berlin 1976 (Hrsg.).Peter Nötzold

Wer war wer in DDR

Böhme, Wolfgang

* 11.3.1926 – ✝ 24.2.2012

Geb. in Dresden; Vater Werkzeugschlosser; 1932 – 44 Volks- u. Oberschule; 1944/45 Wehrmacht (Artillerie). 1945 Gartenhilfsarbeiter; 1945/46 Abiturlehrgang; 1946/47 Beobachter beim Sächs. Landeswetterdienst, 1947 – 49 Sachbearb. am Meteorolog. Zentralobservatorium Potsdam; 1948 – 53 Studium der Meteorol. u. Geophysik bei  H. Ertel u.  Horst Philipps an der HU Berlin, Dipl.; 1953 – 58 Aspirant, 1958 Prom. an der HU Berlin; 1954 – 89 SED; 1958 – 62 wiss. Mitarb., 1962 – 64 Abt.-Ltr., 1964 – 66 stellv. Dir., 1967 – 90 Dir. des Meteorolog. Dienstes; 1970 Habil. an der WPU Rostock; 1971 Honorarprof. für Meteorol. an der HU Berlin; 1970 – 90 Vizepräs. der Meteorolog. Ges.; 1974 – 78 Mitgl. des Büros des (internat.) Komitees für Raumforschung (COSPAR); 1977 Korr. u. 1980 Ord. Mitgl. der AdW, 1981 – 91 Vors. ihrer Kl. Geo- u. Kosmoswiss.; 1979 – 90 Ltr. der Gruppe von Rapporteuren der Commission for Atmospheric Sciences der Meteorolog. Weltorganisation zu Fragen der Klimaforschung, 1990 Ltr. der Gruppe zur Erarbeitung eines Vorschlags zum Weltklimaprogramm der 2. Weltklimakonferenz in Genf; Okt. 1990 Ruhestand; gest. in Berlin. Forschungen u. Publ. vor allem zur Geschichte der Meteorol., zu Wetter- u. Witterungsvorhersageproblemen sowie zur Klima- u. Raumforschung.Klaus-Harro Tiemann

Wer war wer in DDR

Bohn, Johannes

* 19.2.1909 – ✝ 20.11.1980

Geb. in Chemnitz; Vater Dachdecker; Volksschule; 1923 – 29 Lehre u. Arbeit als Dachdecker; 1923 KJVD, 1930 KPD; Mitgl. der KPD-UBL Chemnitz; 1930 – 35 arbeitslos; 1935 / 36 Arbeit als Dachdecker; nach 1933 illeg. Arbeit als polit. Ltr. u. Mitgl. der Stadtltg. u. der UBL der KPD in Chemnitz; 1936 verhaftet u. wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt, 1938 aus der Haft entlassen; bis 1942 Dachdecker; 1942 – 45 im Strafbat. 999, 1945 – 47 brit. Kriegsgef. in Ägypten. 1947 Rückkehr nach Dtl., SED; 1947 – 49 Sachbearb. in der SED-KL Chemnitz; 1949 1. Sekr. der SED-KL Rochlitz; 1949 – 52 1. Sekr. der SED-KL Plauen; Fernstudium an der SED-PHS; 1952 – 57 1. Sekr. der SED-KL Dresden-Land; 1957 / 58 2. Sekr. der SED-BL Dresden; 1958 – 61 1. Stellv. des Vors. des Rats der Stadt Dresden, später Sekr. des FDGB-BV Dresden.Mario Niemann

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Bokow, Fjodor Jefimowitsch

* 7.1.1904 – ✝ 1984

Geb. in Alferowka (Nowochopjorskowo, Gebiet Woronesch); 1921 – 26 Komsomol-Funktionär; 1927 KPdSU; militärpol. Funktionen in der Roten Armee; bis 1937 Militärpol. Akad. »Lenin«, ab Dez. 1937 deren Chef; 1941/42 Kommissar beim Gen.-Stab, 1942 – 43 Stellv. des Gen.-Stabschefs für Org.-Fragen; 1943 Gen.-Ltn.; 1943 Mitgl. des Kriegsrats der Nordwestfront; 1944 Mitgl. des Kriegsrats der 2. Weißruss. Front; 1944/45 Mitgl. des Kriegsrats der 5. Stoßarmee. 1945/46 Erstes bzw. pol. Mitgl. des Kriegsrats (bzw. Militärrats) der SMAD, zuständig für die pol. Linie der Besatzungsverw. in der SBZ; 1947 – 49 stellv. Kdr. des Militärbez. Wolga u. Woronesch; 1949 – 52 aus pol. Gründen inhaftiert, dann rehabil.; 1952 – 55 stellv. Kdr. für das Ausbildungswesen im Militärbez. Wolga; 1956 – 61 Chef von Kurslehrgängen an der Militärpol. Akad. »Lenin«; er galt weiterhin als »Unperson«; zwei Lenin- u. Rotbannerorden; 1965 Ehrenbürger von Berlin (Ost), 1992 Aberkennung der Ehrenbürgerschaft.Frühjahr des Sieges u. der Befreiung. Berlin 1979. Foitzik, J.: Sowj. Militäradministration in Dtl. (SMAD) 1945 – 1949. Berlin 1999.Jan Foitzik

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Boller, Wilhelm

* 22.10.1904 – ✝ 19.10.1943

Geboren am 22. Oktober 1904 in Hamburg. Wie sein Vater kaufmännischer Angestellter, 1925 trat er der KPD bei. Funktionär in der Roten Jungfront und der KPD in Hamburg. 1933 im KZ, Ende 1934 konnte er nach Kopenhagen flüchten, er wurde Mitglied der dortigen KPD-»Landesleitung«. Von Oktober 1936 bis Frühjahr 1937 war Boller »Abwehrmann«, also verantwortlich für die Abwehr der AL Nord (Deckname Arne), dann bis Herbst 1938 Kurier dieser Leitung unter Heinrich Wiatrek. Im Oktober 1943 von der dänischen Polizei festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Im Juni 1943 angeklagt und am 21.Juli vom VGH zum Tod verurteilt. Wilhelm Boller wurde am 19. Oktober 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

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Bomski, Herbert

* 19.3.1926

Geb. in Klösterlich Neudorf (Krs. Hoyerswerda); Vater Bergarbeiter, Mutter Landarbeiterin; Volks-, Ober- u. Berufsschule; 1940 – 43 Verwaltungslehre u. Aushilfsangest. am Landratsamt Hoyerswerda; 1943 RAD; 1943 – 45 Wehrmacht (Kriegsmarine), April 1945 – Febr. 1946 amerik. Kriegsgef. in Italien, Febr. / März Quarantänelager Hoyerswerda. 1946 SPD / SED; 1946 Tiefbauarbeiter, 1946 – 50 Sachbearbeiter u. Abt.-Ltr. bei der Sozialversicherungskasse Hoyerswerda; 1950 – 52 pers. Referent des Landrats bzw. Sekr. beim Rat des Krs. Hoyerswerda; 1952 / 53 Dir. der Kreisvolkshochschule Hoyerswerda; 1953 / 54 Studium an der DASR Potsdam; 1954 – 58 OB von Cottbus (Nachf. von  Margarete Schahn); 1958 – 60 Sekr. der Bezirkshandwerkskammer Cottbus; 1960 / 61 Mitarb. der SPK, Abt. Bezirke, Sektion Handwerk; 1961 – 65 Gruppen- u. Sektorenltr. PGH bzw. Ltr. der Abt. Handwerk u. Kommunalwirtschaft beim VWR; 1965 / 66 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1966 – 68 Ltr. der Abt. Öffentl. Versorgungswirtschaft bzw. Ltr. des Büros des Ministers, ab 1968 Ltr. der Abt. Planung u. Ökon. bzw. Perspektiv- u. Jahresplanung des u. 1973 / 74 amt. Staatssekr. im Min. für Bezirksgeleitete Ind. u. Lebensmittelind.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bonk, Gerd

* 26.8.1951

Geb. in Limbach (Vogtland); begann bei BSG Motor Nema Netschkau als Leichtathlet; 1965 als Kugelstoßer zum SC Karl-Marx-Stadt, Sieger der Pionierspartakiade; 1967 DDR-Jugendrekord (17,82 m); 1968 Spartakiade Gewichtheben (Silber) u. Kugelstoßen (4. Platz); Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker; 1969 Wechsel zum Gewichtheben (Trainer Wolfgang Schimmel); 1972 Bronze u. 1976 Silber bei den Olymp. Spielen jeweils im Superschwergewicht; 1975 u. 1978 WM im Stoßen, sechsmal EM (u. a. 1976 im Zweikampf, Reißen u. Stoßen); siebenmal DDR-Mstr. (1971, 1973 – 1977, 1979); zwei WR im Stoßen (1975 246,5 kg, 1976 252,5 kg); Junioren-WR (212,0 kg); für Olymp. Spiele 1980 qualifiziert, Teilnahmeverzicht wegen positiver Dopingprobe; bis 1982 Industriemstr. für Kfz-Technik; 1989 Invalidenrentner: schwere Zuk-kererkrankung; anerkanntes Dopingopfer gemäß dem Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz von 2002. 2002 Georg-von-Opel-Preis als »Stiller Sieger«.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borchardt, Julian

* 30.12.1868 – ✝ 16.2.1932

Geboren am 30. Dezember 1868 in Bromberg als Sohn eines Kaufmanns. Er übersiedelte 1876 nach Berlin und wurde nach dem Schulabschluß 1885 Handlungsgehilfe. Von 1896 bis 1900 lebte Borchardt in Brüssel und studierte Volkswirtschaft. Er trat der SPD bei, wurde 1900 Redakteur am sozialdemokratischen »Volksblatt« in Hamburg und von 1901 bis 1908 am SPD-Organ »Königsberger Volkszeitung«. Danach war er bis 1913 als Wanderredner für die Sozialdemokratie tätig und wurde durch seine Vorträge über Nationalökonomie und historischen Materialismus in ganz Deutschland bekannt. Von 1911 bis 1913 vertrat er die SPD als Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus. Ab 1913 Herausgeber der Zeitschrift »Lichtstrahlen«. Borchardt sammelte mit Beginn des Weltkrieges eine Gruppe linksradikaler Gegner der SPD-Politik um sich (Internationale Sozialisten Deutschlands). Teilnehmer der internationalen Sozialistischen Konferenz der Kriegsgegner im September 1915 in Zimmerwald (Schweiz), wo er sich (im Gegensatz zur Gruppe Internationale) Lenins »Zimmerwalder Linken« anschloß. Im Februar 1916 kam Borchardt in »Schutzhaft«, im April 1916 wurden die »Lichtstrahlen« verboten. In der Novemberrevolution ging er zu den Internationalen Kommunisten Deutschlands, die sich mit dem Spartakusbund Ende 1918 zur KPD vereinten. Doch schon auf der Reichskonferenz der IKD Mitte Dezember 1918 wurde Borchardt wegen seiner anarchistischen Tendenzen ausgeschlossen, er gehörte in der Weimarer Republik keiner Partei an. Von 1918 bis 1921 publizierte er erneut die radikalen »Lichtstrahlen« sowie Schriften über Sowjetrußland. 1920 veröffentlichte er eine Volksausgabe des »Kapitals« von Marx, die bis 1931 in sieben Auflagen erschien. Er war im Schutzverband Deutscher Schriftsteller aktiv, lehrte auch an der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH), stand aber in kritischer Distanz zur KPD. Eine Berufung an das Marx-Engels-Institut in Moskau konnte er 1931 wegen schwerer Erkrankung nicht annehmen. Julian Borchardt starb am 16.Februar 1932 in Berlin.