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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Sommer, Reinhard

* 13.7.1921

Geb. in Köppelsdorf (Krs. Sonneberg, Thür.); Vater Arbeiter; Volksschule; 1936 – 39 Ausbildung zum Bau- u. Maschinenschlosser; 1939 – 41 Mechaniker u. Einrichter; ab 1941 Kriegsdienst (Luftwaffe), Uffz.; 1945 Kriegsgefangenschaft, Flucht. 1945 FDGB; 1945/46 SPD/SED; 1945 – 47 Werkzeugmacher, Werkmstr.; ehrenamtl. Gewerkschaftsfunktionen, u. a. Mitgl. des FDGB-Ortsvorst. Sonneberg; 1947/48 Sekr. des Gebietsvorst. Sonneberg u. Mitgl. des Landesvorst. Thür. der IG Metall; Mitgl. des Sekr. der SED-KL Sonneberg; 1948/49 Vors. des FDGB-Krs.-Vorst. Sonneberg; 1949/50 Studium an der PHS; anschl. bis 1952 Instrukteur u. Abt.-Ltr. des FDGB-Bundesvorst.; 1952 – 57 stellv. Vors. des Zentralvorst. der IG Metallurgie; 1957 – 59 BGL-Vors. im VEB Berliner Metallhütten- u. Halbzeugwerke; 1959 – 61 Mitgl., dann Vors. des Bez.-Vorst. Berlin der IG Metall; 1960 – 62 Fernstudium an der Ing.-Schule für Maschinenbau u. Elektrotechnik Berlin-Lichtenberg, Techniker; 1962 – 64 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1961 – 88 Vors. des Zentralvorst. der IG Metall (Nachf. von  Rolf Berger); 1961 – 89 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1961 – 88 Mitgl. des Präs.; 1961 – 78 Vizepräs. u. 1978 – 89 Präs. der Internat. Vereinigung der Gewerkschaften der Metallarb. im WGB; 1978 – 89 Mitgl. des Gen.-Rats des WGB; 1976 – 89 Abg. der Volkskammer; 1981 – 89 stellv. Vors. der FDGB-Fraktion; 1981 VVO; 1988/89 Vors. der Veteranenkommission beim FDGB-Bundesvorst.Komplexe Rationalisierung u. soz. Wettbewerb. Berlin 1960; Die nächsten Aufgaben der IG Metall. Berlin 1971.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Sonnemann, Friedrich

* 6.2.1922

Geb. in Lindhof (Krs. Salzwedel); Vater Zimmermann; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Zimmermann in Bornsen; 1940 Wehrmacht, Kriegsmarine; bis 1947 amerikan. Kriegsgef. in Japan. 1947 / 48 Geselle bei der Fa. Wilhelm Berlin in Bornsen; 1948 – 51 Fachschulstud. an der Ingenieurschule für Bauwesen in Osterwieck; 1951 SED; 1951 – 53 Ass. an der Ingenieurschule für Bauwesen in Blankenburg; 1953 Ass. am Inst. für FS-Lehrerausbildung; 1953 – 55 Abt.-Ltr. an der Ingenieurschule für Bauwesen in Görlitz; 1954 – 59 FS an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtsch.; 1955 – 57 Techn.-Ltr. bzw. Betriebsltr. im VEB Bau Görlitz; 1957 – 61 Dir. der Ingenieurschule für Wasserwirtschaft u. Bauwesen Magdeburg; 1961 – 65 OB von Magdeburg (Nachf. von Philipp Daub), Abberufung wg. »Schwächen in der Leitungstätigkeit«; 1965 – 74 erneut Dir. der Ingenieurschule für Wasserwirtschaft u. Bauwesen Magdeburg; 1973 Prom. zum Dr. paed.; 1974 – 76 Ltr. der Kaderabt. des Min. für Bauwesen, 1976 – 87 stellv. Ltr. der HA Bauvorhaben der Hauptstadt; 1987 Ruhestand; lebt in Magdeburg.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sorge, Richard

* 4.10.1895 – ✝ 7.11.1944

(* 1895 – † 1944) Geboren am 4. Oktober 1895 in Baku, Sohn eines deutschen Ingenieurs, die Mutter war Russin. Richards Großvater, Friedrich-Adolph Sorge, war ein Freund von Karl Marx und Mitbegründer der I. Internationale, sein Vater Adolph hingegen unpolitisch. 1898 übersiedelte die Familie nach Berlin, wo Richard Sorge in gutbürgerlichen Verhältnissen aufwuchs. Bei Ausbruch des Krieges meldete er sich als Freiwilliger, wurde an der Front dreimal verwundet, daraufhin 1916 demobilisiert. Zum Kriegsgegner geworden, trat er während der Studienzeit in Kiel 1918 der USPD bei, promovierte im gleichen Jahr in Hamburg und ging anschließend als Assistent an die TH Aachen. Im Dezember 1919 Mitglied der KPD, war von November 1920 bis Ende 1921 Redakteur am Parteiorgan »Bergische Arbeiterstimme« in Solingen. Dank seiner Bildung und Befähigung wurde er rasch ein wichtiger KPD-Funktionär im Rheinland. Im offiziellen Protokoll des VII. Parteitag im August 1921 ist er als »Dr. Richard Sorge, Delegierter aus Rheinland-Westfalen« namentlich und damit öffentlich registriert. Als er sogar in den ZA gewählt werden sollte, verzichtete er zugunsten älterer Kandidaten. Bereits 1921 erschien in Solingen: R. J. Sorge: »Rosa Luxemburgs Akkumulation des Kapitals. Bearbeitet für die Arbeiterschaft«. Er war damals also schon ein bekannter Kommunist, um so erstaunlicher, daß diese politische Vergangenheit des späteren »Meisterspions« der UdSSR nicht früher publik wurde. In der KPD sympathisierte Sorge bald mit den Versöhnlern und war mit Ernst Meyer verbunden. Darüber berichtete Rosa Meyer-Leviné in ihren Erinnerungen: »Einer aber gelangte wirklich zu Weltruhm – Richard Sorge. Ilka, wie er später mit Spitznamen hieß, und seine Frau Christiane arbeiteten beide in Weils Institut [für Sozialforschung Frankfurt]... Sorge war Anfang dreißig, hochgewachsen, von natürlicher Eleganz ... Ende 1924 gingen die Sorges nach Moskau – sie, um im Marx-Engels-Institut zu arbeiten, er mit einem mir unbekannten Auftrag.« Zunächst reiste Sorge (vermutlich bereits für den sowjetischen Geheimdienst) nach England. Er kam von dort zurück, weil er sich von der KPD und KPdSU im Stich gelassen fühlte und arbeitete nun endgültig als Spion für die Sowjetunion. Seine berühmte und viel beschriebene Agenten-Karriere begann 1929 in Shanghai. Sorge wurde Fernost-Korrespondent der angesehenen »Frankfurter Zeitung«, ging 1933 nach Tokio, fungierte als »Führer« der deutschen NSDAP-Ortsgruppe und »rechte Hand« des deutschen Botschafters Eugen Ott. Schon frühzeitig wurde Moskau von Sorge über Hitlers Angriffspläne gegen die UdSSR (was Stalin bekanntlich nicht glaubte) informiert, auch darüber, daß Japan die Sowjetunion nicht überfallen werde. Er und seine Mithelfer wurden am 18. Oktober 1941 in Tokio verhaftet, und 1944 zum Tode verurteilt. Als einer der berühmtesten Spione der Weltgeschichte wurde Richard Sorge am 7. November 1944 in Japan gehängt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Spangenberg, Max

* 2.11.1907 – ✝ 27.3.1987

Geboren am 2. November 1907 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Feinmechaniker. Er trat 1924 in die KJD ein, wurde 1929 Mitglied der KPD. Von 1924 bis 1929 kleine Funktionen, ab 1930 Orgleiter der BL Berlin-Brandenburg des KJVD, noch im selben Jahr übernahm er die Polleitung des KJVD Halle-Merseburg bzw. Niederrhein und wurde Mitglied des ZK des KJVD. 1933/34 Org- bzw. Polleiter des KJVD Berlin, Mitglied der illegalen Landesleitung des KJVD, er emigrierte über Prag in die Sowjetunion. Im Dezember 1934 auf der »Berliner« KJVD-Konferenz in Moskau wurde Spangenberg erneut in das ZK des KJVD gewählt. Im Herbst 1935 Teilnehmer der »Brüsseler Konferenz« in Moskau, kam anschließend als Leiter der AL Zentrum nach Prag. Von 1937 bis 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien und zeitweise Redakteur der deutschen Abteilung am Sender Barcelona. 1939 emigrierte Spangenberg nach Dänemark und redigierte ab 1943 das Organ »Deutsche Nachrichten« in Kopenhagen. Ab Februar 1946 wieder in Berlin, er arbeitete als Redakteur an der »Deutschen Volkszeitung« bzw. beim »Neuen Deutschland«. Ende 1949 wechselte Spangenberg (auch wegen Auseinandersetzungen mit Rudolf Herrnstadt) als Chefredakteur zur Zeitschrift »Deutschlands Stimme«, Organ der Nationalen Front, war 1951 kurzzeitig Chefredakteur der »Berliner Zeitung« und wurde ab 1952 zur »Westarbeit« der SED abgestellt. Ab März 1971 Mitarbeiter am IML, er erhielt 1972 den Karl-Marx-Orden. Max Spangenberg starb am 27. März 1987 in Ost-Berlin.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Sperling, Fritz

* 11.10.1911 – ✝ 21.4.1958

Geb. in Algringen (Lothringen/Algrange, Frankreich); Vater Bergarb.; 1918 – 26 Volksschule in Hamborn; 1926 – 29 Ausbildung zum Buchhalter; 1926 ZdA u. SAJ; Mitbegr. der ZdA-Jugendgr. Hamborn, ab 1927 deren Ltr.; 1930 in den Gaujugendaussch. von Rheinl.-Westf. gewählt; 1931 Übertritt zum KJVD; 1932 KPD; ab 1933 Ltr. des KJVD-UB Hamborn; 2.3.1933 verhaftet, März – Juni 1933 Haft in Hamborn; 1934 stellv. Ltr. der KJVD-BL Ruhr, dann Ltr. der KJVD-BL Niederrhein; 1935 stellv. Ltr. der KJVD-Auslandsstelle in Amsterdam; Sept. 1935 nach Moskau; 1935 – 37 Lehrgang an der Internat. Leninschule in Moskau (»Herbert Wächtler«); 1937 Instrukteur des ZK der KPD für illeg. Einsätze in Dtl.; 1939 Mitgl. der KPD-Abschnittsltg. Süd; 1940 Gärtnereihilfsarb.; April 1941 in Zürich wegen »fortgesetzter kommunist. Tätigkeit u. Prop.« verhaftet u. zu drei Mon. Gefängnis verurteilt, 1941/42 Haft im Zuchthaus Regensdorf; 1943/ 44 interniert; 1944 Mitgl. der Ltg. der KPD in der Schweiz. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl. (München); 1945 Pol.-Sekr. des KPD-Bez. Südbayern; Juni – Sept. 1946 zus. mit sechs anderen KPD-Funktionären inhaftiert wegen unerlaubten Grenzübertritts (Teiln. an der Berliner KPD-Reichskonferenz im März 1946); ab 1946 Vors. des KPD-LV Bayern (Nachf. von Georg Fischer); 1947 KPD-Vertreter im Bizonalen Wirtschaftsrat; 1948 Mitgl. des KPD-PV, zuständig für die Abt. Org. des PV u. den KPD/ SED-Nachrichtendienst (»N-Apparat«, »Parteiaufklärung«); Mai 1950 2. Vors. der KPD (Nachf. von  Kurt Müller); 26.1.1951 im Regierungskrankenhaus der DDR (trotz schwerer Erkrankung u. ohne Haftbefehl, der erst am 17.4.1953 erlassen wurde) durch  Richard Stahlmann (MfS) verhaftet, Einzelhaft im Keller (»U-Boot«) der MfS-U-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, schwere Folter durch dt. ( Erich Mielke) u. sowj. Vernehmer, über mehrere Jahre verweigerte med. Versorgung; 1952 dritter Herzinfarkt (keine ärztl. Hilfe erhalten); am 18.3.1954 Geheimprozeß vor dem OG der DDR, als »Kriegsverbrecher, Faschist u. Agent« angeklagt u. wegen »Verbrechens gegen den Frieden« zu sieben Jahren Zuchthaus sowie zu 15 Jahren Sühnemaßn. aufgrund konstruierter Anschuldigungen verurteilt; ab Mai 1954 Zuchthaus Brandenb., ab 18.2.1956 MfS-Gefängnis Berlin-Lichtenberg; 8.3.1956 als »Begnadigter« u. wegen seines schlechten Gesundheitszustands entlassen; Krankenhaus Berlin-Friedrichshain; im Juni 1956 erklärte eine U-Kommission des KPD-PV ( August Stötzel, Jule Jürgensen,  Adolf Pöffel) intern, F. S. sei unter falschen Anschuldigungen inhaftiert gewesen u. schlug seine Rehabil. u. die Wiederherstellung seiner Parteiehre vor; gest. in Berlin an den Haftfolgen; 1990 durch den PV der PDS rehabil.Seliger, K.: Der Fall F. S. Ein Beitrag zur Geschichte der SED. In: Dtl. Archiv 4 (1971) 3; Jahnke, K. H.: »... ich bin nie ein Parteifeind gewesen«. Der tragische Weg der Kommunisten F. u. Lydia S. Bonn 1993; Stern, D.: F. S., der »Kommunist aus innerster Überzeugung«. (3 Teile). In: Wochenztg. (Zürich), 10.4., 17.4. u. 24.4.2008.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Spickermann, Wolfgang

* 25.9.1945

Geb. in Schönermark (Krs. Kyritz); Mutter Angest.; OS, Abitur; 1965/66 Ausbildung zum Kraftfahrer; 1966 – 71 Physikstudium an der HU Berlin, Dipl.-Phys.; 1967 SED; FDJ-GO-Sekr. der Sekt. Physik; 1971 – 81 Mitarb., ab 1981 Ltr. der Red. Wiss. des »Neuen Dtl.«; 1974 Prom. zum Dr. phil. an der HU Berlin über kosmolog. Weltmodelle; 1974 – 90 Mitgl. im VDJ; Nov. 1989 – 92 Chefred. des »Neuen Dtl.« (Nachf. von  Herbert Naumann); 1990 PDS. 1992 – 2004 Ltr. u. Geschäftsf. des Verlags »Neues Dtl.« (betrieb die Einführung eines redaktionseigenen Computersystems); danach Berater in der Computerbranche.Kosmologie u. die Legende vom Schöpfungsakt. Berlin 1978; Urknall, Quarks, Kernfusion. Leipzig 1986. Müller-Enbergs, H.: Meinungsoffiziere der Parteiführung. In: JHK. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Spira-Ruschin, Stephanie (Steffie)

* 2.6.1908 – ✝ 10.5.1995

Geb. in Wien in einer jüd. Familie; Vater Fritz Jacob S. Schauspieler, Mutter u. ältere Schwester Camilla ebenfalls Schauspielerinnen; 1924 Unterricht an der Schauspielschule der Genossenschaft Dt. Bühnenangeh. (GDBA); 1925 erstes Engagement an Viktor Barnowskys Theater in der Königgrätzer Straße in Berlin, dann an Piscators Volksbühne, spielte u. a. 1928 neben  Helene Weigel in der Uraufführung von Brechts »Mann ist Mann«; 1929 erste Filmrolle in dem Kurzfilm »Des Haares u. des Liebes Wellen«; 1929 KPD; 1931 Heirat mit dem Schauspieler Günter Ruschin u. gemeinsamer Eintritt in die Polittheatergruppe von  Gustav v. Wangenheim »Truppe 1931«; 1933 Emigr. über die Schweiz nach Frankreich; SDS; nach der Besetzung Frankreichs 1940 im Frauenlager Rieucros interniert; Nov. 1941 Flucht über Marseille nach Mexiko; gehört zum exilierten Künstlerkreis um  Anna Seghers u.  Egon Erwin Kisch, seitdem lebenslange Freundschaft mit Seghers. 1947 Rückkehr nach Berlin; SED; Vizepräs. der GDBA (später Gewerkschaft Kunst u. Schrifttum, ab 1953 Gewerkschaft Kunst im FDGB); zunächst Rollen an Fritz Wistens Volksbühne in der Kastanienallee, u. a. »Der Biberpelz« (1947); dann Theater am Schiffbauerdamm; Mitgl. des Ensembles von Fritz Wisten, 1952 »Die Feinde«; 1954 Lehrauftrag an der Staatl. Schauspielschule Berlin-Schöneweide; 1953 – 72 an der Berliner Volksbühne, hier 1965 Protest gegen das Verbot von  Peter Hacks’ Komödie »Moritz Tassow«; bis 1992 zahlr. Rollen in DEFA- u. Fernsehprod., u. a. in  Kurt Maetzigs »Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse« (1954) u. »Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse« (1955), »Die Mutter u. das Schweigen« (1965, TV); »Florentiner 73« (1972, TV), »Familie Neumann« (1984, TV-Serie) u. der TV-Serie »Polizeiruf 110« (1990); 1978 VVO; Mitinitiatorin der Demonstration am 4. Nov. 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz, Auftritt mit einer Rede gegen die Arroganz der Macht; gest. in Berlin.Trab der Schaukelpferde. Aufzeichnungen im nachhinein. Berlin 1984; Rote Fahne mit Trauerflor. Tagebuch-Notizen. Freiburg i. Br. 1990.Matthias Braun / Christian Krause

Wer war wer in DDR

Spranger, Eduard

* 27.6.1882 – ✝ 17.9.1963

Geb. in Berlin als Sohn eines Spielwarenhändlers; ab 1894 Dorotheenstädt. Realgymnasium u. Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, dort 1900 Abitur; anschl. Studium der Philos., Psychol. u. Geschichte an der Univ. Berlin, dort 1905 Prom. mit der Arbeit »Grundlagen der Geschichtswiss.« u. 1909 Habil. mit der Schrift »Wilhelm von Humboldt u. die Humanitätsidee«; 1909 – 11 Privatdoz.; 1912 – 19 ord. Prof. für Philos. u. Pädagogik an der Univ. Leipzig; 1919 – 46 Prof. u. Dir. des Philosoph. u. Pädagog. Seminars der Univ. Berlin; 1924 ord. Mitgl. der Preuß. AdW Berlin; 1933 Entlassungsgesuch, nach Kompromiß Fortsetzung der Lehrtätigkeit; 1936 / 37 Gastprof. in Japan; Mitgl. der Mittwochsgesell., Verhaftung im Zusammenhang mit den Ereignissen des 20. Juli 1944. 1945 erster Rektor der neu eröffn. Univ. Berlin; 1946 – 54 ord. Prof. für Philos. u. Pädagogik an der Univ. Tübingen; 1951 – 54 Vizepräs. der Dt. Forschungsgemeinschaft; 1952 Mitgl. des Ordens Pour le Mérite; gest. in Tübingen. Sp. zählt zu den bedeutendsten dt. Philosophen u. Pädagogen des 20. Jh., dessen wiss. Wirken auf eine philosoph. Grundlegung der Geisteswiss. ausgerichtet war. Als Kultur- u. Erziehungspolitiker propagierte er die Verbindung von geistesgeschichtl. Tradition u. schöpfer. Entfaltung der Persönlichkeit. Sek.-Lit.: Festgabe E. S. zu seinem 70. Geb. In: Archiv für Rechts- u. Sozialphilos. (1952) 2; Bähr, H. W., Wenke, H. (Hrsg.): E. S. Sein Werk u. sein Leben. Heidelberg 1964; Tenorth, E.: Pädagogik für Krieg u. Frieden. E. S. u. die Erziehungswiss. an der Berliner Univ. In: Horn, K.-P., Kemnitz, H. (Hrsg.): Pädagogik Unter den Linden. Stuttgart 2002.Gesammelte Schriften. 11 Bde. Heidelberg 1969 – 78.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stäbler, Karl

* 2.1.1890 – ✝ 5.9.1960

Geboren am 2. Januar 1890 in Vaihingen/Stuttgart; lernte Schriftsetzer. Vor 1914 Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD, 1920 (Delegierter des Spaltungsparteitags) zur KPD. Während des Weltkrieges Soldat, schwer verwundet. Delegierter des VIII. Leipziger Parteitages 1923, 1924 Leiter der KPD in Stuttgart, im gleichen Jahr in den Württembergischen Landtag gewählt, dem er bis 1928 angehörte. 1925 kam er als Redakteur zur »Süddeutschen Arbeiterzeitung«, war von 1925 bis 1928 Gauleiter des KPD-nahen Verbandes der »Opfer des Krieges und der Arbeit«. Er wurde 1929 wegen Unterschlagung und Betrug zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, er soll beim Mieterverein 5000 Mark unterschlagen haben. Danach zog er sich aus der Politik zurück, wohnte in Stuttgart. Karl Stäbler starb am 5. September 1960.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stahl, Peter

* 3.2.1885 – ✝ 9.1.1952

Geboren am 3. Februar 1885 in Köln-Mühlheim, Sohn eines Fabrikarbeiters. Zunächst Fabrikarbeiter, trat 1908 in die SPD und die Gewerkschaft ein, ging 1919 zur USPD und Ende 1920 zur KPD. Seit 1922 Redakteur der »Sozialistischen Republik« in Köln, wurde als verantwortlicher Redakteur mehrfach verurteilt und inhaftiert. Im Juli 1925 Delegierter des X.Berliner Parteitages, Berichterstatter der kommunalpolitischen Kommission. Er war seit Juli 1924 Stadtverordneter in Köln, im September 1929 wurde er zeitweise aller Parteiämter enthoben. Stahl legte im Juni 1931 sein Stadtverordnetenmandat nach Zwischenfällen nieder (er hatte z.B. ein Wasserglas nach einem NSDAP-Abgeordneten geworfen). Wegen angeblicher Alkoholprobleme versetzte ihn das ZK im November 1931 als Redakteur nach Mannheim. Im Juli 1932 vom ZK »wegen unproletarischen und parteifeindlichen Verhaltens« sowie »Konspiration mit dem Gegner« und »unzulässiger Toleranz« aus der KPD ausgeschlossen, er soll wegen abweichender Haltung versucht haben, Mitglied der SPD zu werden. Vom Januar bis Juli 1933 in der Redaktion der Wochenzeitung »Welt am Sonnabend« tätig, aber auf Weisung der Gestapo entlassen. Bis 1938 erwerbslos, arbeitete Stahl dann als Lagerist in Köln-Dellbrück. Er wurde mehrfach festgenommen, zuletzt nach dem 20.Juli 1944. Nach 1945 wieder Mitglied der KPD, ohne jedoch politisch hervorzutreten. Peter Stahl starb am 9. Januar 1952 in Köln-Mühlheim.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stahmer, Heinrich

* 4.7.1897 – ✝ 19.11.1958

Geboren am 4. Juli 1897 in Swinemünde; besuchte die Bergbauschule. 1917 als Soldat an die Front geschickt. Nach dem Weltkrieg ließ er sich in Hamburg nieder, schloß sich der USPD an und ging mit der USPD-Mehrheit 1920 zur KPD. Arbeiter am Hamburger Staatskai. Er wurde 1924 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, ab 1927 Mitglied der BL Wasserkante. Nach dem Ausschluß John Wittorfs wurde er 1928 Vorsitzender der Bürgerschaftsfraktion der KPD. Stahmer stand im Gegensatz zur Mehrheit der Hamburger Funktionäre 1928/29 auf der Seite der Versöhnler. Im März 1930 aus der Partei ausgeschlossen und mit den Vorwürfen »parlamentarischer Kretinismus« und »Parteifeind« beschimpft. Er trat zur SPD über und blieb bis Ende 1930 Abgeordneter der Bürgerschaft. 1932 schloß er sich der SAP an und wurde deren Spitzenkandidat bei den Bürgerschaftswahlen. 1945 wieder Mitglied der SPD, Vorarbeiter am Staatskai. Am 19. November 1958 ist Heinrich Stahmer tödlich verunglückt, als eine Barkasse im Hamburger Hafen unterging.

Wer war wer in DDR

Stallknecht, Helmut

* 27.1.1935 – ✝ 13.3.2003

Geb. in Mühlhausen; Vater Kaufm.; 1953 Abitur an der Th.-Müntzer-OS in Halle (Saale); 1953 – 57 Lehrerstudium (Geographie, Geol. u. Biol.) an der MLU Halle u. der KMU Leipzig, Gasthörer bei  Victor Klemperer; 1957/58 Lehrer u. Fachberater an einer EOS in Leipzig, 1958 – 64 an der 2. EOS Cottbus; 1964 – 68 Mitarb. im Zentralen Kontor der VE Erfassungs- u. Aufkaufbetriebe für landw. Erzeugnisse Berlin; 1969 – 72 wiss. Mitarb. im VE Handelsbetrieb »Zoologica« Berlin; 1971 – 73 Fernstudium der Fischw. an der HU Berlin; 1972 – 75 Mitgl. der Prod.-Genossenschaft werktätiger Zierfischzüchter Berlin; ab 1976 freiberufl. Autor; 1980 – 90 freiberufl. Red. der Monatsschrift »Aquarienterrarien«; lebte seit 1983 in Rosenwinkel (Prignitz). 1990 – 92 Red. der Monatsschrift »Die Aquarien- u. Terrarien-Ztschr.« (DATZ); 1992 – 2002 mehrere fischbiolog. Forschungs- u. Sammelreisen nach Asien, Lateinamerika u. Westafrika. Prominenter ostdt. Aquarianer mit über 900 Fachaufsätzen; bedeutender Autor aquarist. u. populärwiss. Werke (insges. 21 Bücher); intensive Vortragstätigkeit in den Fachgruppen Aquaristik des KB, aktive Mitarbeit in versch. Zentralen Arbeitsgemeinschaften beim KB; international gefragter Referent in Ost u. West mit engen Kontakten zur Fachgr. Wiss. des Wiener Volksbildungswerks.So züchtet man Zierfische. Leipzig 1970; Hundert Tips für Aquarianer. Leipzig 1978; Freude am Aquarium. Leipzig 1981; Man nennt sie Salmler. Melle 1994; Barben u. Bärblinge. Melle 1994; Lebendgebärende Zahnkarpfen. Bissendorf 2000. Pederzani, H.-A.: Guten Start, H. S. In: Aquarien Terrarien (1980) 27; Schillat, H.: H. S. zum 50. Geburtstag. In: Aquarien Terrarien (1985) 32; Nachruf von M. Bachmann in: DATZ (2003) 56.Jan Jurij Robel / Ekkehard Höxtermann

Wer war wer in DDR

Sommer, Siegfried

* 25.10.1925 – ✝ 9.5.2003

Geb. in Möhrenbach (b. Ilmenau) (Thür.); Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau; Volks- u. Berufsschule; Lehre als Feinmechaniker; 1943 RAD; 1943 / 44 Wehrmacht; 1944 – 47 brit. Kriegsgef. 1947 / 48 Lehrgangsteiln. am Pädagog. Inst. Gotha, 1. Lehrerprüfung; 1948 / 49 Lehrer an der Gewerbeschule Saalfeld; 1949 – 50 Ltr. der BBS des VEB Saalfeld; 1950 / 51 Sachbearb., Berufsausbilder u. Ltr. der Abt. Schulung u. Berufsausbildung der VVB Vesta Leipzig; 1951 SED; 1951 Ltr. der Abt. Arbeitskraft in der VVB Eisenerze, Ferrolegierungen, Walzenguß Leipzig; 1951 / 52 Ltr. der Abt. Schulung u. Berufsausbildung im Eisenhüttenkombinat Stalinstadt in Fürstenberg; 1953 / 54 Dir. der Berufsschule im Eisenhüttenkombinat Stalinstadt; 1954 / 55 1. Sekr. der SED-BPO u. Parteiorganisator des ZK im VEB Eisenhüttenkombinat Stalinstadt; 1955 / 56 Lehrgang an der SED-BPS Beeskow; 1956 / 57 Sekr. für Agit. u. Prop.; 1957 – 60 2. Sekr. der SED-KL Stalinstadt / Eisenhüttenstadt; 1960 – 62 1. Sekr. der SED-KL Frankfurt (Oder); 1962 – 65 Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1965 – 69 OB von Eisenhüttenstadt; 1969 – 89 Vors. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder), anschl. Rentner.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Sonnemann, Rolf

* 6.5.1928 – ✝ 21.7.2010

Geb. in Genthin; 1951 – 54 Studium der Pol. Ökon. u. Wirtschaftsgeschichte in Halle; dort anschl. Assistent u. 1958 Prom. bei Gerhard Bondi; 1959 Doz. für Wirtschaftsgeschichte, ab 1964 für Dt. Wirtschaftsgeschichte MLU Halle; 1963 Habil. dort über den »Einfluß des Patentwesens auf die Herausbildung von Monopolen in der dt. Teerfarbenindustrie«; 1965 Prof. für Wirtschafts- u. Sozialgeschichte an der TH Dresden; ab 1968 Prof. für Wirtschaftsgeschichte u. Geschichte der Produktivkräfte u. 1968 – 72 u. 1980 – 82 erster Dir. der Sekt. Philos.- u. Kulturwiss. der TU Dresden; 1979 VVO; 1988 krankheitsbedingt em.; gest. in Bayreuth. R. S. gehört zu den führenden Wirtschafts- u. Technikhist. der DDR, der ab 1977 schulenbildend in Dresden ein auch international anerkanntes Zentrum für die Geschichte der Technikwiss. aufbaute, das sich insbesondere der Erforschung der Genese technikwiss. Disziplinen verpflichtet fühlte u. den partiell ideolog. geprägten Ansatz einer Geschichte der Produktivkräfte durch ing.-techn. Aspekte ergänzte; Mithrsg. der Ztschr. NTM.Geschichte der TU Dresden. 1928 – 78. Dresden 1978 (Hrsg.); Geschichte der Technikwiss. Leipzig. (mit Buchheim, G. Hrsg.). Hanseroth, T. (Hrsg.): Technik u. Wiss. als Produktive Kräfte in der Geschichte. R. S. zum 70. Geb. Dresden 1998 (mit Bibl.).Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Sorgenicht, Klaus

* 24.8.1923 – ✝ 22.10.1999

Geb. in Wuppertal; Vater Musiker; Volksschule u. Handelsberufsschule; Ausbildung u. Tätigkeit als kfm. Angest.; Wehrmacht; 1944 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule, Mitarb. im NKFD. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; 1945/46 Bürgermstr. bzw. OB in Güstrow; 1946 – 49 Landrat in Güstrow; 1949 – 51 Ltr. der Abt. Staatl. Verw.; 1950 Ltr. der Abt. Personalangelegenh. im Min. für Innere Verw. des Landes Mecklenb.; 1951/52 HA-Ltr. im Min. des Innern der DDR; 1952 – 54 HA-Ltr. in der Koordinierungs- u. Kontrollstelle für die Arbeit der Verw.-Organe der DDR; 1953/54 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1954 – 89 Ltr. der Abt. Staats- u. Rechtsfragen des ZK der SED (Nachf. von  Anton Plenikowski); 1955 – 59 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1963 – 67 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch., 1967 – 69 in dessen Ältestenrat u. Fraktionsvors.; 1963 – Jan. 1990 Mitgl. des Staatsrats; 1968 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1973 VVO; 1983 KMO; 1990 Ruhestand.Verfassung der DDR. Berlin 1969 (zus. mit W. Weichelt); Staat, Recht u. Demokratie nach dem IX. Parteitag der SED. Berlin 1976; Unser Staat in den 80er Jahren. Berlin 1982.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Sparwasser, Jürgen

* 4.6.1948

Geb. in Halberstadt; seit 1958 aktiver Fußballspieler, zunächst bei Lok Halberstadt, 1965 – 79 beim SC Aufbau bzw. 1. FC Magdeburg; Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1972 Olymp. Spiele 3. Platz; 1974 Weltmeisterschaften 6. Platz (schießt das Tor beim 1:0-Sieg der DDR über die Bundesrep. Dtl. in Hamburg; sein Trikot mit der Rückennr. 14 hängt im Haus der Geschichte der Bundesrep. Dtl. in Bonn); 1974 Europapokalsieger; 1976 Olymp. Spiele Sieger; schießt in seinen insgesamt 271 Oberligaspielen 111 Tore u. 1969 – 77 in insgesamt 53 Länderspielen 15 Tore; 1980 – 88 Sportlehrer an der Pädagog. Akad. Magdeburg; ab 1988 in der Bundesrep. Dtl.; bis 1990 Jugendtrainer bei Eintracht Frankfurt; 1990 – 92 Trainer bei SV Darmstadt 98; 1997 – 99 Geschäftsf. u. ehrenamtl. Präs. der Vereinigung der Vertragsfußballer; seitdem Spielerberater; lebt in Bad Vilbel.Wittich, E.: Wo waren Sie, als das Sparwasser-Tor fiel? 2000; Nagorske, W.: Sparwasser, Sparwasser, TOOR! Biografie eines Stürmers. Cottbus 2008.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sperling, Fritz

* 11.10.1911 – ✝ 21.4.1958

Geboren am 11. Oktober 1911 in Algringen/ Lothringen, Sohn eines Bergmanns. Nach kaufmännischer Lehre Buchhalter. 1926 Mitglied der SAJ und Mitbegründer des ZdA-Jugendausschusses in Hamborn. Sperling trat 1931 zum KJVD über und wurde 1932 Mitglied der KPD. Anfang 1933 Leiter des KJVD Hamborn, hier von März bis Juni 1933 inhaftiert. 1934 zunächst stellvertretender Leiter des KJVD Ruhr, dann Leiter des Bezirks Niederrhein. In die Niederlande emigriert, war Sperling 1935 stellvertretender Leiter der KJVD-Auslandsstelle in Amsterdam und ging dann auf Parteibeschluß nach Moskau. Hier absolvierte er unter dem Parteinamen Herbert Wächter bis 1937 einen Kurs an der Internationalen Leninschule. Danach ZK-Instrukteur der KPD und Mitglied der AL Süd in der Schweiz, offiziell war er Gärtnereihilfsarbeiter. Die Schweizer Behörden haben Sperling wegen »fortgesetzter kommunistischer Tätigkeit und Propaganda« verhaftet, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und anschließend interniert. Ab Juli 1945 wieder in Deutschland, wurde er nach Zulassung der Parteien Sekretär der KPD-BL Südbayern und übernahm als Nachfolger von Georg Fischer den Vorsitz des KPD-Landesvorstandes Bayern. Er kam 1947 als KPD-Vertreter in den Bizonalen Wirtschaftsrat, gehörte seit Ende April 1948 dem KPD-PV an und wurde hauptamtlicher Orgsekretär. Nach der Verhaftung Kurt Müllers in Ost-Berlin im März 1950 rückte Sperling am 10. Mai 1950 zum Stellvertreter von Max Reimann auf. Obwohl in den folgenden Monaten wesentlich an der Stalinisierung der KPD und der »Entlarvung von Parteifeinden« beteiligt, geriet er selbst in die Säuberungswelle. Seit August 1950 verstärkten Angriffen ausgesetzt, weil er als ehemaliges Leitungsmitglied der KPD in der Schweiz in engem Kontakte zu Noel H. Field gestanden hatte. Er wurde im Januar 1951 unter dem Vorwand gründlicher medizinischer Untersuchung und Behandlung nach Ost-Berlin beordert und reiste gemeinsam mit seiner (aus der Schweiz stammenden) Frau Lydia, geborene Hug (*26.7. 1918 – † 15. 6. 1990), in die DDR. Dem schwerkranken Sperling wurde im Regierungskrankenhaus in Ost-Berlin Anfang Februar 1951 von Reimann mitgeteilt, er sei aus dem PV ausgeschlossen, und Hermann Matern von der ZPKK informierte ihn darüber, »daß seine Angelegenheit deswegen noch nicht abgeschlossen sei, weil sich wahrscheinlich eine andere Stelle eingeschaltet habe«. In der Nacht vom 26. zum 27. Februar 1951 wurde Sperling von einem MfS-Kommando mit Richard Stahlmann an der Spitze verhaftet, krank in das berüchtigte Untersuchungsgefängnis des MfS eingeliefert. Dort haben ihn KGB- und MfS-Vernehmer schwer gefoltert und ihm mehrere Jahre lang sogar dringende medizinische Hilfe verweigert. Am 18.März 1954 wurde er in einem Geheimprozeß vor dem 1. Strafsenat des Obersten Gerichts in Ost-Berlin, wegen »Verbrechens gegen den Frieden« zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Sperling blieb bis zum 8. März 1956 im Zuchthaus Brandenburg bzw. in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Lichtenberg eingesperrt, dann als »Begnadigter« entlassen und in das Krankenhaus Berlin-Friedrichshain gebracht. Erst Ende Juli 1957 wurde in einer Ausgabe des illegalen KPD-Zentralorgans »Freies Volk« lapidar mitgeteilt, »daß das Parteiverhältnis des Genossen Fritz Sperling geklärt ist, und er das Vertrauen der Partei besitzt«. An den Folgen der MfS-Haft starb Fritz Sperling am 22. April 1958 in Ost-Berlin. 1993 veröffentlichte Karl Heinz Jahnke eine Biographie über Fritz und Lydia Sperling.Bernd-Rainer Barth

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Spieler, Siegmund

* 20.11.1907 – ✝ 25.12.1985

Geboren am 20. November 1907 in Leipzig, Sohn eines Milchladenbesitzers; lernte Steindrucker. 1922 Mitglied der SAJ, 1923 der KJD, 1929 der KPD. Von 1925 bis 1929 in der Leitung des KPD-UB Berlin-Pankow. 1933 illegale Arbeit, 1934 Emigration in die âSR, Polleiter der Emigrationsgruppe in Reichenberg, später unter dem Parteinamen Alfred Freund oftmals illegal in Deutschland. Ab November 1936 gehörte er zusammen mit Anton Ackermann u. a. der Berliner Auslandsleitung der KPD in Prag an. Zuletzt Polleiter der Prager KPD-Emigration und Stellvertreter von Karl Mewis in der AL Mitte. Im Februar 1938 emigrierte er nach Großbritannien. Gemeinsam mit Wilhelm Koenen u. a. gehörte er ab September 1939 zur Leitung der KPD-Emigration in Großbritannien. Von 1940 bis 1942 in Kanada interniert, danach arbeitete er als Schweißer. 1946 Rückkehr nach Deutschland, bis 1949 Referent der SED-Landesleitung Groß-Berlin, 1952/53 Abteilungsleiter in der SED-BL Ost-Berlin, zuletzt stellvertretender Abteilungsleiter im MfAA. Siegmund Spieler starb am 25. Dezember 1985 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Spiru, Basil

* 27.11.1898 – ✝ 15.9.1969

Geb. in Luzan (Nordbukowina, Österreich-Ungarn / Lujeni, Rumänien) in einer jüd. Fam.; Vater Land- u. Eisenbahnarzt; 1904 – 12 Volksschule in Luzan, 1912 Staatsgymnasium in Czernowitz u. Maximilian-Gymnasium in Wien; 1916 Mitgl. der Soz. Jugend Österreichs; 1916 – 18 Militärdienst in der k. u. k. Armee; 1918/19 Lazarettaufenthalt in Nordungarn; März 1918 SDP Ungarn; 1919 Angeh. der ungar. Roten Armee; 1919 – 27 Mitbegr. u. Mitgl. der Rumän. KP; 1919/20 Studium der Staatswiss. u. Geschichte an der Univ. Czernowitz; 1921 als Mitgl. der illeg. Ltg. der KP Rumäniens verhaftet, 1921/22 Haft, amnestiert; 1922/23 Mitgl. des ZK der KP Rumäniens; 1922/23 Jura-Studium an der Univ. Bukarest; 1923 – 26 Studium der Staatswiss. an der Univ. Wien, relegiert; gleichz. illeg. Arbeit für die IRH; 1926 erschien sein Bericht »Aus den Totenhäusern ?Groß-Rumäniens?«; 1927 Emigr. in die UdSSR; 1927 – 54 KPdSU; 1927 – 29 Abt.-Ltr. an der KUNMZ in Moskau; gleichz. Doz. für Geschichte an der 2. Moskauer Univ.; 1930 – 32 illeg. Arbeit für das NKWD in Westeuropa, nachrichtendienstl. Einsatz in London (Paßn. »Joseph Lahodny«, Deckn. »Hofman«); 1931 in Berlin wegen Paßvergehens verhaftet u. zu einem Mon. Gefängnis verurteilt; anschl. Flucht in die Schweiz, dann in die UdSSR; 1932 – 34 Red. der »Dt. Zentralztg.« (DZZ) in Moskau, wegen Kontakten zu »Volksfeinden« abgelöst u. gerügt; 1934 – 38 Ltr. der Pressestelle der IRH; später Chefred. des russ. Presseorgans der russ. MOPR; 1938/ 39 Mitgl. der Red. der DZZ; 1940 Ltr. des Pressesektors u. der Presseagentur der IRH; 1940 – 43 verantw. Red. der Auslandsred. des Moskauer Rundfunks; 1943 freiw. zur Front, Ltr. des rumän. Sektors der Antifa-Schule Talizy u. einer Zentr. Antifa-Schule; 1945 sowj. Orden für glorreiche Arbeit während des Großen Vaterländ. Krieges. 1946 – 48 Abt.-Ltr. in der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk; 1949 – 53 Doz. am Lehrstuhl für Neue Geschichte der Lomonossow-Univ. Moskau; Dez. 1954 Übersiedl. in die DDR; SED u. als VdN anerkannt; Jan. 1955 Prof. mit vollem Lehrauftrag an der Journalist. Fak. der KMU Leipzig; Ltr. der Abt. Presse der Sowjetunion u. der Länder der Volksdemokratie; Febr. 1956 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1958 VVO; Sept. 1958 Prof. u. Dir. des Inst. für die Geschichte der europ. Volksdemokratien an der KMU Leipzig; Jan. 1961 dort Prof. mit Lehrstuhl; Sept. 1964 em.; er gehörte zu den einflußr. Hist. der DDR-Gründergeneration, arbeitete u. a. zur Pressegeschichte u. zur Geschichte der Balkanländer; gest. in Leipzig.Freiheit, die sie meinen ... Rumänien unter der eisernen Ferse der City u. der Wallstreet (1918 – 1938). Berlin 1956; Giftmischer. Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der zeitgenöss. bürgerl. Journalistik. Berlin 1960; Bulgariens Volk im Widerstand 1941 – 1944. Berlin 1962. Kowalczuk, I.-S.: Legitimation eines neuen Staates. Parteiarb. an der hist. Front. Geschichtswissenschaft in der SBZ /DDR 1945 bis 1961. Berlin 1997; West, N., Tsarev, O.: The Crown Jewels. London 1998.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Springer, Günter

* 15.4.1922 – ✝ 26.9.2013

Geb. in Berlin; Vater selbst. Schmiedemeister, Mutter Hausfrau; 1928 – 37 Privatschule u. Realgymnasium in Berlin; 1937 – 40 Lehre als Buchdrucker in Berlin; 1940 – 45 Wehrmacht. 1945 Hilfsarb. in einer Schmiede in Beeskow; KPD; 1945 / 46 Sachbearb. bzw. Abt.-Ltr. im Gewerbeamt u. beim Landratsamt Beeskow-Storkow; 1945 Ltr. des antifasch. Kreisjugendaussch. im Krs. Beeskow-Storkow; ab Febr. 1946 Ltr. des Dezernats Handel, Versorgung u. Erfassung landwirtschaftl. Erzeugnisse im Landratsamt Beeskow-Storkow; 1946 / 47 Kreisjugendltr. bzw. Vors. des FDJ-Kreisvorst. Beeskow-Storkow; 1946 SED; Abg. des Kreistags Beeskow-Storkow u. Stadtverordn. der Kreisstadt Beeskow; 1947 Ltr. des Informationsdienstes des Landratsamts u. verantw. Red. der »Beeskower Kreisnachrichten«; 1949 Qualifizierungskurs an der DVA Forst-Zinna, anschl. Ltr. der Sonderkontrollkomm. zur »Bekämpfung undemokrat. Erscheinungen« im Krs. Lebus der Landesreg. Brandenb.; 1949 pers. Referent des Ministers des Innern des Landes Brandenb.; 1949 – 51 Kreisrat für Inneres u. stellv. bzw. amt. Landrat der Krs. Beeskow-Storkow bzw. Calau-Senftenberg; Mai 1951 Medaille für ausgezeichnete Leistungen als erster Landrat der DDR; 1951 / 52 Ministerialdir. u. HA-Ltr. Erfassung u. Aufkauf landwirtschaftl. Erzeugnisse der Landesreg. Brandenb.; 1951 – 54 Fernstud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1952 – 55 Sekr. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder) u. Abg. des Bezirkstags; 1955 / 56 amt. Vors., 1956 – 60 Vors. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder), 1960 Ablösung aus gesundheitl. Gründen; 1960 – 80 Dir. des Inst. für Verwaltungsorg. u. Bürotechnik der DASR in Leipzig; 1968 Prom. zum Dr. jur. an der Rechtswiss. Fak. der MLU Halle mit einer Arbeit zum Thema »Einführung der maschinellen Datenverarbeitung beim Rat der Stadt Altenburg – eine objektive Voraussetzung für die Erhöhung der Wissenschaftlichkeit der Leitungstätigkeit und Verwaltungsarbeit«; 1971 Verleihung der facultas docendi und Berufung zum Honorarprof. für soz. Verwaltungsorg. an der DASR Potsdam; seit 1981 Ruhestand; 1981 / 82 stellv. Vors., 1982 – 89 Vors. der Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitglieder u. Mitgl. der SED-Stadtbezirksltg. Leipzig-Süd. 1991 Austritt aus der PDS; seither parteilos.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Stade, Martin

* 1.9.1931

Geb. in Haarhausen (b. Arnstadt, Thür.); Vater Maurer, Mutter Fabrikarb.; 1946 – 49 Ausbildung zum Rundfunkmechaniker; Okt. 1951 SED; 1950 – 58 hauptberufl. FDJ-Funktionär; 1951 Mitarb. der Westabt. des ZR der FDJ in Berlin; Instrukteur der FDJ in Berlin-Steglitz u. -Wedding; Mai 1952 1. Sekr. der FDJ in Berlin-Kreuzberg; Nov. 1952 Verb.-Strafe wegen »mangelnder rev. Wachsamkeit«; April 1953 Rüge wegen »schlechter Arbeitsmoral«; bis 1958 hauptberufl. FDJ-Funktionär; Lehrer an einer Schule des ZR der FDJ; Instrukteur; 2. FDJ-Sekr. des Krs. Arnstadt; schließl. Lehrer für Marx.-Lenin. an der Bez.-Schule Erfurt u. einer Schule des ZR der FDJ; zul. FDJ-Sekr. eines Betriebes; 1959 – 63 u. 1966/67 Dreher im VEB Chemieanlagenbau Erfurt-Rudisleben; 1963 – 66 Kranführer in der Landw. in Haarhausen; 1967 Red. im Bez.-Kabinett für Kulturarbeit; ab Sept. 1967 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig, nach vier Mon. exmatrikuliert; danach freischaff.; 1960 Mitgl. eines Zirkels schreibender Arbeiter, dann dessen Ltr.; 1963 Mitgl. des Arbeitskrs. Junger Autoren Weimar, später Potsdam; 1970 SV; 1974 – 76 Versuch, gem. mit  Ulrich Plenzdorf u.  Klaus Schlesinger eine Autorenanthol. »Berliner Geschichten« im Selbstverlag herauszugeben; als Operativer Schwerpunkt »Selbstverlag« verfolgt; M. S. selbst wurde vom MfS im OV »Narr« bearbeitet; Nov. 1976 Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1977 Ausschl. aus der SED u. im März 1978 Austritt aus dem SV; Mai 1978 Mitunterz. des Protestbriefs mehrerer Schriftst. gegen die strafrechtl. Verfolgung  Stefan Heyms; lebt zurückgezogen auf einem Vorwerk im Oderbruch. Bekannt wurde er vor allem mit dem vom ZDF verfilmten Roman »Der König u. sein Narr« (1975), in dem vom Leben des preuß. Akad.-Präs. Gundling erzählt wird, der von König Friedrich Wilhelm I. zum Narren seines Tabakkolleg. gemacht wurde; neben weiteren hist. Romanen schrieb er auch zahlr. Erzählungen über einfache u. wunderliche kleine Leute in der DDR.Der himmelblaue Zeppelin. Rostock 1970; Vetters fröhliche Fuhren. Berlin 1973; 17 schöne Fische. Erzählungen. Berlin 1976; Der närrische Krieg. Berlin 1981; Der Präsentkorb. Erzählungen. Berlin 1983; Die scharf beobachtenden Stare u. andere Erzählungen. Berlin 1992; Berliner Geschichten. »Operativer Schwerpunkt Selbstverlag«. Eine Autoren-Anthol.: Wie sie entstand u. von der Stasi verhindert wurde. Frankfurt (Main) 1995 (Mithrsg.); Wilhelms Haus. Weimar 2000; Vom Bernsteinzimmer in Thür. u. anderen Hohlräumen. Gehren 2003.Bernd-Rainer Barth / Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Stahlmann, Richard

* 15.10.1891 – ✝ 25.12.1974

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Zimmermann, Mutter Hausfrau; Volksschule; Tischlerlehre in Berlin; 1905 SAJ; 1905 – 10 Tischler in Königsberg; 1911 Militärdienst, 1914 – 17 Soldat, 1917 – 19 brit. Kriegsgefangenschaft; 1919 im Soldatenrat in Königsberg; 1919 KPD; Gewerkschafts- u. Parteiarb.; 1923/24 Ltr. des militärpol. Apparats der KPD; nach der Niederlage des KPD-Aufstands im Okt. 1923 Emigr. in die UdSSR (»Eberhard Rosenthal«); sowj. Staatsbürgerschaft u. KPdSU-Mitgl. (bis 1940); 1924/25 militär.-pol. Lehrgang in Moskau (Spezialschule der KPdSU), nach Beendigung Instrukteur der Org.-Abt. des EKKI u. in der GRU; illeg. Einsätze in Frankreich, England, 1927/28 in China, 1930/31 in den Niederlanden u. der ČSR; 1931/32 Lenin-Schule in Moskau; 1932 – 36 Sekr. von Georgi Dimitroff; Balkanarbeit der KI, 1932 in Berlin Mitarb. der KI-Ztrschr. »Balkankorrespondenz«; 1933 Flucht nach Wien u. 1934 Paris, Teiln. am Kantoner Aufstand in China; 1935 zeitw. in Moskau; 1936 / 37 Teiln. am span. Bürgerkrieg, Kdr. eines Partisanenbat.; 1937 – 40 Fortführung der Balkanarbeit in Paris; 1940 in Stockholm gem. mit Herbert Wehner u.  Karl Mewis in der Auslandsltg. der KPD; nach der Verhaftung Wehners bis Kriegsende in einem Versteck in der Nähe von Stockholm. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Mitarb. der KPD-Landesltg. Mecklenb.-Vorpom.; Aufbau der Polizei; Abwehrarbeit; nach dem Vereinigungsparteitag in Berlin im Mai 1946 Zonenltr. in der neuen HA Org. beim ZK der SED, später umbenannt in Abt. Verkehr u. Sept. 1948 der Westkommission angeschlossen; 1949 – 52 Ltr. bzw. Mitarb. der ZK-Abt. Verkehr, verantw. für die Sicherstellung der illeg. Verbindungen zur KPD, Spezialist für Grenzschleusungen, illeg. Personen- u. Materialtransport über die Ostsee, auch für den Personenschutz der Parteiführer bei Reisen in die Westzonen; März 1950 zuständig für die Entführung des KPD-Vors. u. MdB  Kurt Müller in die DDR; Sept. 1951 unter  Anton Ackermann stellv. Ltr. des IWF (Vorläufer der HV A); 1952 Oberst.; ab 1953 Ltr. der AG Anleitung u. Kontrolle der HA XV (Auslandsspionage) des MfS (ab 1956 HV A des MfS); 1958 Ltr. des Fach- u. Lehrkabinetts der HA KuSch; 1960 Entlassung; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; Rentner, 1961 Banner der Arbeit; 1966 KMO; 1972 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; gest. in Berlin.Aus dem Leben eines Berufsrevolutionärs. Erinnerungen an R. S. Leipzig 1986 (MfS-intern); Brunner, B.: R. S. – zur hist. Person. Eine Textcollage u. zwei handschriftl. Lebensläufe. In: P. Weiss Jb. 2. Opladen 1993; Uhl, M.: R. S. Ein Handlanger der Weltrev. Im Geheimauftrag der SED. In: Krüger, D., Wagner, A. (Hrsg.): Konspiration als Beruf. Berlin 2003.Michael F. Scholz / Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Staimer, Eleonore (Lore)

* 14.4.1906 – ✝ 7.11.1998

Geb. in Bremen; Tochter von  Wilhelm Pieck, Bruder  Arthur Pieck; 1912/13 Volksschule in Berlin-Steglitz, 1913 – 18 Bürgerschule in Bremen, 1918/19 Mittelschule in Berlin-Steglitz; an Abend-Handelsschule Kurse für Stenographie, Schreibmaschine u. Buchhaltung; ein halbes Jahr Haushaltsschule; 1918 Kindergr. der SAJ; 1920 KPD; 1920 – März 1923 Kontoristin in verschiedenen Firmen; ab April 1923 Sekr. des Org.-Sekr. des ZK der KPD Leo Flieg; dann bis 1929 Sekr. u. Korrespondentin des Abgeordneten Gustav Menzel in der Jurist. Zentralstelle der KPD-Fraktion im Preuß. Landtag; 1930 – 32 Mitarb. in der sowj. Handelsvertr. in Berlin; Korrespondentin der Außenhandelsgesellschaft Promexport; Ende 1932/33 Mitarb. im Volkskommissariat für Außenhandel in Moskau, Kontrolleur von Promexport für ausländ. Verträge, Ausscheiden wegen ungenügender Sprachkenntnisse; 1934 Aushilfsstenotypistin in der KJI u. im IRTB; ab 1934 Agitprop-Sekr. u. 1936 – 40 Ltr. der Finanzabt. im Sekr. der IRH; 1935/36 Abendkurse an der KUNMZ; 1936 – 49 sowj. Staatsbürgerschaft; März 1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1939 – 45 verh. mit Josef Springer; 1940/41 Mitarb. im EKKI; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; Sept. 1941 Sekr. beim Dt. Volkssender; 16.10.1941 Evakuierung nach Ufa; Ende 1941 / 42 Kursant an der KI-Schule in Kuschnarenkowo; 1942 / 43 Ltr. der Abt. für Politemigranten in der sowj. Org. der IRH; 1943 – Mai 1945 Mitarb. der Radio-Red. des NKFD; ab 1944 Sekr. von  Anton Ackermann u. später Jugendred. am Sender »Freies Dtl.«. Kehrte am 28.5.1945 nach Dtl. zurück; kurzz. Tätigkeit in Stettin; dann Instrukteur der Gruppe  Sobottka Vorpom.; bis Anf. Aug. 1945 erst Red., dann stellv. Ltr. der Kulturabt. in der LL Mecklenb. der KPD in Schwerin; ab Aug. 1945 zunächst stellv. Ltr. u. ab Sept. 1945 Leiterin der Geschäftsabt. des Sekr. / ZS des ZK / Vorst. der KPD / SED; 1947 – 54 Ehe mit  Richard S.; April 1949 Entbindung von der Ltg.-Funktion wegen Krankheit; Sept. 1949 Ltr. der HA Außenhandel u. Materialversorgung u. Okt. 1953 – Jan. 1957 Staatssekr. u. stellv. Ministerin im Min. für Außen- u. Innerdt. Handel; Jan. 1958 Gesandte u. Okt. 1966 – Febr. 1969 Botschafterin in Jugosl.; bis Okt. 1970 Mitarb. im MfAA; ab 1.11.1970 stellv. GD des Dt. Reisebüros, verantw. für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Marktforschung u. Internat. Beziehungen; 1970 Orden des Vaterländ. Krieges; 1971 Ehrenspange zum VVO; 1975 Pensionierung; Medaille für Waffenbrüderschaft; 1976 Stern der Völkerfreundschaft; 1981 KMO; gest. in Berlin.Scheidemann, Ch.: E. S. Die Tochter Wilhelm Piecks, in: Müller, U., Scheidemann, Ch. (Hrsg.): Gewandt, geschickt u. abgesandt. München 2000.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stallknecht, Wilfried

* 12.8.1928

Geb. in Geringswalde (b. Rochlitz); Vater Kfm.; 1948 Tischlerlehre, 1949 Arbeit im Bergbau, 1951 Meisterprüfung im Tischlerhandwerk; 1949 – 1952 Studium der Innenarchitektur an der FS für angew. Kunst Erfurt; 1952/53 Mitarb. im VEB Projektierung Berlin, 1953 wiss. Mitarb. des ZI für Typung Berlin; 1953 Innengestaltung beim Umbau des ehem. Preuß. Landtags in Berlin zum Sitz des Ministerrats der DDR; 1958 Entwurf der Eigenheimserie EW 58; 1959 – 85 Mitgl. der DBA; 1959 – 62 Versuchsbau Wohnungstyp P 2, Fennpfuhl, Berlin; 1963 – 66 Entw. der Plattenbau-Typenserie P 2.12; 1964 – 69 Mitarb. des Inst. für Städtebau Berlin; 1966 – 69 Wohnungsbaukonzeption für Tunnelschalverfahren; 1966 u. 1969 Aktivist; 1968 versch. Wirtschaftspatente zum Möbelbau, darunter Patent für Gleitkippverfahren; 1967 1. Preis beim Wettbewerb Leninplatz Berlin; 1968 – 70 Wohnbebauung am Leninplatz (heute: Platz der Vereinten Nat.) in Berlin; 1973 Architekturdipl. unter Förderung von  Hermann Henselmann an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1974 – 83 Chefplaner der Umgestaltung der Innenstadt Bernau; 1978 Prom.; 1978 Schinkelmed., 1981 Architekturpreis der DDR; 1983 Habil. an der HS für Architektur u. Bauwesen; 1985 Ruhestand; 1985 – 89 Rekonstruktion der Wehr- u. Hellmühle Biesenthal. 1998 – 2003 Entwurf für das wandlungsfähige Sitz- u. Liegemöbel »SELIO«; 2000 Entwurf für das Rathausdreieck Berlin-Lichtenberg; 2009 Wanderausstellung »Entwerfen im System – Der Architekt W. S.« in Cottbus, Bernau u. Berlin. St. gilt als einer der vielseitigsten Architekten der DDR. Neben der maßgebl. Entw. der Plattenbausysteme P 2 u. P 2.12, die wiederum Vorläufer der Standardbaureihe WBS 70 waren, war St. ebenso erfolgreich im Städtebau, bei der Innengestaltung u. im Möbelbau.Baukastensystem u. architekton. Gestaltung von Wohnbauten. In: Dt. Architektur (1963) 10; Die Experimentalbauten der Konzeption P 2. In: Dt. Architektur (1964) 5; Gebäudekonzeption der Plattenbauweise für die Umgestaltung innerstädt. Wohnbereiche. Berlin 1978; Einbauten in Wohnungen. In: Kultur im Heim (1984) 3. Topfstedt, T., Barth, H.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Berlin 2000; Bauwelt 18 –19. Bertelsmann-Fachzeitschriften. Gütersloh 2002.Volker Wagner

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Sommer, Heinrich

* 18.8.1895 – ✝ 1.5.1967

Geboren am 18. August 1895 in Heiligenwald/Saargebiet, Sohn eines Bergarbeiters; lernte Schlosser und arbeitete als Eisenbahnschlosser. Von 1915 bis 1917 Soldat im Weltkrieg, im Sommer 1920 wurde er Mitglied der KPD und stieg rasch zu einem bekannten Parteifunktionär im Saargebiet auf. Ab 1926 gehörte er zur engeren BL Saar, wurde 1930 Vorsitzender des RGO-Verbandes der Eisenbahner im Saargebiet. Er war von 1926 bis 1932 Mitglied des Kreistages und kam 1932 in den Landesrat, das Parlament der Saar. 1934/35 vom ZK als Instrukteur für den Bezirk Saar eingesetzt, zählte er als Kassierer zur Führungsmannschaft der BL. Im Januar 1935 nach Frankreich geflüchtet, Mitarbeiter der Emigrationsleitung, aber von den französischen Behörden festgenommen und ausgewiesen. Ab September 1935 in Schweden, offiziell als Schlosser und Werkmeister tätig, aktiv am Aufbau des AIZ-Vertriebs beteiligt sowie von 1936 bis 1939 Leiter der illegalen See- und Hafenarbeiter, dann von November 1939 bis April 1941 interniert. Sommer durfte am 29. April 1941 offiziell in die Sowjetunion ausreisen, kam als Schlosser nach Charabali bei Stalingrad und später nach Kasachstan. Ab September 1943 Instrukteur der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee und bis 1946 in Kriegsgefangenenlagern eingesetzt. Im August 1946 kehrte Sommer nach Deutschland zurück und kam in die Deutsche Zentralverwaltung des Innern, zunächst in die Abteilung K 5, im Oktober 1948 Leiter der Abteilung Eisenbahnpolizei. Ab Ende 1949 Hauptreferent für das gesamte Chiffrierwesen des DDR-Außenministeriums, leitete dann bis Ende 1953 die Abteilung Frankreich und übriges Europa im Außenministerium, er erhielt 1960 den VVO in Silber. Heinrich Sommer starb am 1. Mai 1967 in Ost-Berlin. Sein Sohn Hans Sommer (* 26. 12. 1917 – †3.1.1995), 1932 Mitglied des KJVD, emigrierte mit den Eltern 1935 nach Paris und dann nach Stockholm. Im Februar 1948 nach Deutschland zurückgekehrt, war er viele Jahre im Apparat des ZK der SED, zeitweise stellvertretender Leiter des Personalbüros im ZS des SED-PV.

Wer war wer in DDR

Sonnenburg, Paul

* 31.3.1907 – ✝ 6.1.1988

Geb. in Berlin; Vater Handelsvertreter; Grund- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenmstr., Tischler, Kalkulator u. Werkmstr.; 1923 KJVD; 1926 KPD; 1933 illeg. Arbeit; 1944/45 Wehrmacht. 1945 – 48 Prüfer, Dienststellenltr. im Ar- beitsamt Berlin-Prenzlauer Berg; 1946 SED, 1946 – 48 Stadtbez.-Verordn. in Berlin-Prenzlauer Berg; Aug. / Sept. 1948 stellv. Bürgermstr. u. Ltr. des Arbeitsamts Prenzlauer Berg; 1948 – 52 Oberref. u. Mitgl. der ZKK; 1952/53 Dir. der DHZ Möbel u. Holzwaren; 1953 – 55 Abt.-Ltr. im Min. für Leichtindustrie; 1954/55 Sekr. der ZPL u. Parteiorganisator des ZK der SED; 1958 – 61 Ltr. der Abt. Leicht- u. Lebensmittelindustrie des ZK der SED; Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED; 1957, 1959 u. 1977 VVO.Andreas Herbst

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Spaar, Dieter

* 21.9.1933 – ✝ 30.1.2010

Geb. in Salza (Thür.); Vater Arbeiter; OS; 1950 SED; 1952/53 Biologiestudium an der FSU Jena, 1953 – 58 Studium an der Timirjasew-Akad. Moskau, Dipl.-Landwirt für Pflanzenschutz; 1958 Prom. über die serolog. Analyse zur Diagnostik von Viruskrankheiten; 1958/59 wiss. Mitarb. am Inst. der DAL für Kartoffelzüchtung Groß Lüsewitz; 1959 – 70 Mitarb., dann Sektoren- bzw. HA-Ltr. im Staatssekr. bzw. Min. für HFS-Wesen; 1964 – 68 nebenamtl. Doz.; 1968 Prof. für Pflanzenschutz u. Phytopathol. an der HU Berlin; 1970 – 72 Dir. des Inst. der DAL für Phytopathol. Aschersleben (Nachf. von  Maximilian Klinkowski); ab 1972 Ord. Mitgl. der AdL; 1972 – 77 Dir. für Pflanzenproduktionsforschung; seit 1972 Chefred. des Archivs für Phytopathol. u. Pflanzenschutz; 1977 – 87 Vizepräs. bzw. 1. Vizepräs. der AdL; Vors. der Sekt. Resistenzforschung u. -züchtung; ab 1968 Mitgl. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1974 – 89 Mitgl. der Ltg. des interministeriellen Rats für wiss. Vorlauf für die Land- u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1974 – 88 Mitgl. des Präs. der Agrarwiss. Ges.; 1977 – 87 Mitgl. des Wiss. Beirats Agrarwiss. beim Min. für HFS-Wesen u. des Wiss. Rats Biowiss. der AdW; ab 1982 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1978 – 88 Mitgl., ab 1983 Vors. der Ständ. Arbeitsgr. »Beratung der Wissenschaftler« der Kommission Landw. des RGW; Dr. h. c. der HU Berlin u. der Gartenbauuniv. Budapest; Auswärt. Mitgl. der Poln. AdW; 1987 NP; Juli 1987 – Juni 1990 Präs. der AdL (Nachf. von  Erich Rübensam); anschl. bis Dez. 1990 amt. Präs. 1991 – 98 Beratertätigkeit in Rußland u. der Ukraine; Dir. für landw. Technol. u. Pflanzenschutz der Berliner Org. für Agrar- u. Ernährungswirtschaft mbH (BOA); gest. in Berlin.Pflanzliche Virol. 5 Bde. Berlin 1977/78 (mit K. Schmelzer); Bakterielle Erkrankungen der Kulturpflanzen. Jena 1989 (mit H. Kleinhempel u. K. Neumann); Resistenz von Kulturpflanzen gegen pflanzenpathogene Viren. Jena 1993 (Mitautor).Siegfried Kuntsche

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Speck, Karsten

* 23.6.1961

Geb. in Schlema (Erzgeb.); Abitur; Studium an der HS für Musik »Hanns Eisler« u. der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin; 1984 – 89 Schauspieler am Berliner Kabarett-Theater »Distel«, 1989 – 94 in der »West Side Story« am Berliner Metropoltheater, weitere Theaterrollen in Düsseldorf, Köln, München u. Stuttgart; 1990 – 92 Moderator der von der ARD weitergeführten DDR-Unterhaltungssendung »Ein Kessel Buntes«, Durchbruch als Entertainer, u. a. 1994 »Glücksspirale« der ARD, 1996 Travestieshow »Miß World Dtl.«, Weihnachtsshow »Winterträume«; mehr als 25 Filmrollen, u. a. in den TV-Serien »Tierparkgeschichten« (1986), »Barfuß ins Bett« (1987/ 88), »Der Staatsanwalt hat das Wort«, »Praxis Bülowbogen« (1990), Freunde fürs Leben« (1998/99), »Hallo Robbie« (seit 2002), im ZDF-Sonntagsfilm »Wilder Hafen Ehe« (2001) u. im Kinofilm »Herr Lehmann« (2003); Jan. 2003 Anklage vor dem Landgericht Dortmund wegen betrüger. Immobiliengeschäfte (gemeinsam mit Ehefrau Cora Sp., deren Verfahren später abgetrennt wurde), Okt. 2004 U-Haft, Nov. 2004 Verurteilung zu 34 Monaten Haftstrafe; 2005 – 2008 Haftstrafe in der Haftanstalt Berlin-Hakenfelde (offener Vollzug); 2007 Beendigung der Zusammenarbeit mit dem ZDF.Jan Wielgohs

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Sperling, Gottfried

* 10.11.1921 – ✝ 18.1.1991

Geb. in Selm, Krs. Lüddinghausen (Westfalen); Vater Kellner u. Bergmann; Volks- u. Gewerbeschule in Zwickau; 1936 – 39 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser im Brückenbergschacht Zwickau; 1939 – 45 Wehrmacht u. Kriegsgef. 1945 – 47 Facharbeiter in einem Elektro-Installationsgeschäft in Philadelphia (Brandenburg); 1946 KPD / SED; 1947 – 49 Maschinenschlosser u. Dreher in Storkow bzw. Techn. Ltr. der MAS Philadelphia; 1949 / 50 Ltr. der MAS-Landesverw. Brandenburg bzw. Ltr. der MAS Löwenbruch (Krs. Teltow); 1951 1. Sekr. des VdgB-KV Teltow bzw. 1. Sekr. des VdgB-LV Brandenburg; 1952 Studium an der SED-LPS Schmerwitz; 1953 – 57 Sekr. für Landw. der SED-BL Potsdam; 1957 / 58 Studium an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1958 – 70 Generalsekr. bzw. 1. Sekr. der VdgB-ZV und Mitgl. des Nationalrats der NF (Nachf. von  Erich Knorr); 1970 – 72 Vors. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft Neubrandenburg; 1972 – 77 Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg; Nov. 1977 aus gesundheitl. Gründen von der Funktion entbunden; 1978 – 1983 Vors. der Handwerkskammer Neubrandenburg; ab April 1983 Invalidenrentner; gest. in Neubrandenburg.Andreas Herbst

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Spielmann, Georg

* 9.10.1908 – ✝ 4.1.1985

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Fleischergeselle; Volks- u. Mittelschule; Lehre als Schiffszimmermann in der »Union-Giesserei« Königsberg; 1920 ATSB; 1922 KJVD; 1928 KPD; 1923 Stadtteilltr. des KJVD in Königsberg; Nachrichtenmann im OD Königsberg (Ordnungsdienst der KPD-BL Ostpr.); 1924 Mitgl. der KJVD-BL Ostpr.; nach Spaltung der Arbeitersportverbände Einsatz als Sportfraktionsltr. für Ostpr.; Angeh. des M-Apparats der KPD; 1928 Übersiedl. nach Hamburg; Schiffsbauer bei Blohm & Voss; 1930 Red. der »Hamburger Volksztg.«; 1930/31 Ltr. der Sportztg. »Roter Nord-Sport« u. Ltg.-Mitgl. der »Roten Sporteinheit Wasserkante«; 1932/33 Instrukteur bzw. Sekr. der KPD-UB-Ltg. Kiel; Instrukteur der KPD für die norddt. Werften; Jan. – Juli 1933 illeg. Arbeit; 1934 Verhaftung, Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zwei Jahren Gefängnis; 1936/37 Schiffsbauer auf der Howaldts-Werft Kiel; 1937 erneute Verhaftung, 1938 – 41 Haft im KZ Sachsenhausen; 1941 – 44 Schiffsbauer auf der Schiffswerft »Kuczynski« in Königsberg; Ende 1944 Illegalität; März 1945 Verhaftung durch Feldgendarmerie; März / April 1945 Wehrmacht, Desertion u. Übertritt zur Roten Armee; 1945 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa. Ltr. des Lagers 7294. Juni 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 – 53 Org.-Sekr. im Gen.-Sekr. der VVN; ab 1949 Ltr. der Westabt. des VVN-Gen.-Sekr.; 1953 – 71 Sekr., bzw. Ltd. Sekr. des Komitees der Antifasch. Widerstandskämpfer; Fernstudium an der PHS, 1963 Dipl.-Ges.-Wiss.; 1954 – 72 Mitgl. des Gen.-Rats der FIR; 1961 – 72 Vizepräs. der FIR; ab 1957 Mitgl. des Präs. des NR der NF u. ab 1966 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Spitzer, Alfred

* 19.4.1903 – ✝ 14.10.1979

Geboren am 19. April 1903 in Wüstegiersdorf in Schlesien, Sohn eines Schmieds. Knecht bei Bauern, später Bergmann in Haudorf/Krs. Neurode, Übersiedlung nach Neugersdorf/Sachsen, Hilfsarbeiter in einer Eisengießerei und Textilarbeiter. Seit 1919 in der KJD und ab 1923 der KPD, bis März 1933 Polleiter der KPD-Gruppe in Neugersdorf und Stadtverordneter. Er emigrierte in die âSR, Grenz- und Kuriertätigkeit, ab Oktober 1936 im KPD-Auslandssekretariat in Paris für Kader, Abwehr- und Nachrichtenarbeit zuständig. 1939 interniert, floh er im Oktober 1942 aus dem Deportationslager bei Marseille, war dann in der Emigrationsleitung für Südfrankreich. Ab Mai 1943 in Paris mit dem Aufbau des NKFD im Westen beauftragt, am 21.November 1943 festgenommen, der Gestapo ausgeliefert und nach Dresden überführt, Untersuchungshaft, im März 1945 noch in das KZ Buchenwald gebracht. Bis 1948 Sekretär der KPD/SED Löbau. Im August 1948 wurde Spitzer zum Chef für Politkultur der sächsischen Polizei, einen Monat später in die Deutsche Verwaltung des Innern nach Ost-Berlin beordert. Als »Westemigrant« mußte er im Sommer 1950 im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre aus dem Innenministerium ausscheiden. Abgeschoben zum Personalleiter in der VVB Energie Bezirk Nord, 1952 durch einen schweren Autounfall Invalide. Alfred Spitzer starb am 14.Oktober 1979 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Springstubbe, Burkhart

* 17.1.1906 – ✝ 7.10.1966

(* 1906 – † 1966) Geboren am 17. Januar 1906 in Stargard/Pommern, Sohn eines Lehrers. Im Juni 1922 vom Gymnasium verwiesen, weil er kommunistische Propaganda betrieb. Er bekannte sich zum Kommunismus und wurde Mitglied der KPD, woraufhin die Familie mit ihm brach. 1923 hielt er sich einige Zeit in Moskau auf, vermutlich zur Schulung. Danach Redakteur verschiedener KPD-Zeitungen, 1926 jüngster Chefredakteur der »Volkswacht« in Stettin. Springstubbe gehörte zur Linken Opposition und wurde noch 1926 als einer der ersten aus der KPD ausgeschlossen. 1928 hat er in Stargard mit dem Erbe des Vaters ein Zigarrengeschäft eröffnet, blieb Aktivist des Leninbundes in Pommern. Auf Empfehlung von Werner Scholem verließ er Ende 1928 den Leninbund und kehrte in die KPD zurück. Bei Auseinandersetzungen mit den Nazis 1931 in Stargard verhaftet und im März 1932 zu zwei Jahren Festung verurteilt. Dort initiierte er einen Hungerstreik und bekam Kontakt zum Reichswehroffizier Richard Scheringer. Der organisierte Springstubbes Flucht, als die Nazis ihn 1933 nach Haftende nicht entließen, sondern ins KZ bringen wollten; Scheringer schilderte später den Vorgang (»Das große Los« 1959). Nach Emigration in die Schweiz lebte Springstubbe unter schweren Bedingungen illegal in Zürich, wurde 1941 verhaftet, erst gegen Kriegsende freigelassen und legalisiert. Wegen seiner Kritik am Stalinismus ist er 1936 aus der Emigrations-KPD ausgeschlossen worden. Nach dem Krieg ließ er sich zum Lehrer ausbilden und war dann Buchhalter. Er blieb in der Schweiz, hielt Verbindung zu kleinen Gruppen oppositioneller Kommunisten. Burkhart Springstubbe starb am 7. Oktober 1966 in Zürich. Der Trotzkist Walter Nelz hielt am 10. Oktober die Trauerrede für ein »leuchtendes Vorbild« in der »Zeit der Anpassung und Charakterlosigkeit, des Verrats«.

Wer war wer in DDR

Stadler, Josef

* 17.7.1906 – ✝ 3.8.1984

Geb. in Settenz (Teplitz, Böhmen / Teplice-Řetenice, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Fortbildungsschule; Lehre u. Arbeit als Tafelglasbläser; Notstandsarb. u. Glasschneider; 1923 KPD; 1925 RFB; ab 1930 Org.-Ltr. der KPD in Brand-Erbisdorf; 1933 Stadtverordn. in Brand-Erbisdorf; 1933 illeg. Arbeit; im Mai 1936 inhaftiert u. im Jan. 1937 vom OLG Dresden wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zwei Jahren u. zehn Monaten Haft verurteilt, Haft im Zuchthaus Zwickau; 1939 – 45 Arbeit als Glas- u. Kunstharzpresser; 1945 Volkssturm; Mai – Juli 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945 Instrukteur der KPD u. Bürgermstr. in Brand-Erbisdorf; 1946 SED; 1946 – 48 OB von Freiberg (Sachsen); 1948/49 1. Sekr. der SED-KL Freiberg; 1949 – 51 erneut OB; 1951 – 53 Studium an der DVA Forst-Zinna; anschl. Oberassistent u. Lehrgangsltr.; 1953 – 57 Vors. des Rats des Bez. Potsdam (Nachf. von  Curt Wach); Mitgl. der SED-BL Potsdam u. ihres Büro; 1957 / 58 Ltr. der Abt. Kader des ZK der SED; 1958 – 60 Vors. des Rats des Bez. Schwerin; Abg. des Bez.-Tags Schwerin (Nachf. von  Wilhelm Bick); Mitgl. der SED-BL u. des Büros der SED-BL Schwerin; 1961 – 74 Ltr. des Sekr. der Volkskammer (Nachf. von Erich Kundermann); 1964 / 65 Sekr. des Arbeitskrs. zur Pflege der dt. Kultur u. Sprache bei der Liga für Völkerfreundschaft; 1956 u. 1976 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stahlmann, Richard

* 15.10.1891 – ✝ 25.12.1974

Geboren am 15. Oktober 1891 in Königsberg als Arthur Illner, Sohn eines Zimmermanns; lernte Tischler. 1911/12 Militärdienst, von 1914 bis 1917 Soldat im Weltkrieg, geriet in britische Kriegsgefangenschaft. Danach wieder Zimmermann, trat 1919 in die KPD ein, gehörte der BL Ostpreußen an und wurde dort 1923 Leiter des AM-Apparats. 1924 emigrierte er in die Sowjetunion, erhielt die sowjetische Staatsbürgerschaft und wurde Mitglied der KPdSU(B). Einer militärpolitischen Ausbildung 1924/25 an einer Komintern-Schule in Moskau folgten illegale Einsätze als Mitarbeiter der GRU, u. a. in der ?CSR und in Frankreich. Nach der Amnestie 1928 kehrte er im August mit seiner ebenfalls in die Sowjetunion geflüchteten Lebensgefährtin Erna Hackbarth nach Deutschland zurück. Im AM-Apparat tätig, 1931/32 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, anschließend im illegalen Balkanbüro der Komintern in Berlin Sekretär von Georgi Dimitroff. 1933/34 Einsatz in China, Mitorganisator des Kantoner Aufstandes und danach wieder in Moskau. Als Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien trug er den Decknamen Richard Stahlmann, unter dem er fortan in der KPD tätig war. Von 1938 bis 1940 Sekretär des Balkanbüros in Paris, von 1940 bis 1942 ZK-Instrukteur und mit Herbert Wehner und Karl Mewis in der Leitung der illegalen KPD-Landesleitung in Schweden, hielt sich bis Kriegsende in der Nähe von Stockholm versteckt. Im Januar 1946 kehrte Stahlmann nach Deutschland zurück, zuständig für den Aufbau der Polizei in Mecklenburg. Ab Mai 1946 Leiter in der Abteilung Organisation des ZS der SED, 1948 Leiter der geheimen Abteilung Verkehr, der Westkommission im PV bzw. ab 1950 dem ZK der SED. Als Spezialist für Grenzschleusungen von Personen und Material, war er an Spezialkommandos beteiligt, die Entführungen vornahmen (u. a. Kurt Müller, Fritz Sperling). Unter Leitung von Anton Ackermann aktiv bei der Schaffung des APN, dem Vorläufer der Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) des MfS. Ab 1952 mit dem Dienstgrad Oberst Leiter verschiedener Arbeitsgruppen, bis 1960 in der Hauptabteilung Kader und Schulung des MfS. Er erhielt 1966 den Karl-Marx-Orden. Richard Stahlmann starb am 25. Dezember 1974 in Ost-Berlin. Stahlmanns Brüder Walter (* 11. 12. 1900 – †2.7. 1971) und Willi ( * 20. 9. 1905 – † 1937) waren Funktionäre der KPD in Königsberg, Willi Illner im AM-Apparat, Kursant (Schuldeckname Artur) eines Lehrgangs an der M-Schule der Komintern. Ab 1933 Kurier des ZK, er wurde 1937 verhaftet und soll sich aus dem Fenster gestürzt haben. Walter Illner wurde später FDGB-Kreisvorsitzender in Angermünde. Richard Stahlmanns Frau Erna Stahlmann, geborene Hackbarth (* 26. 2. 1896 – † 14. 11. 1967), Buchhalterin, seit 1919 in der KPD, war Stenotypistin bei der »Roten Fahne«, zeitweise Sekretärin von Wilhelm Pieck. Im Sommer 1923 mit dem Aufbau von »Partisanengruppen« betraut, im August 1924 in Moskau Stenographin beim EKKI, später in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, dann Redakteurin der »Balkan-Korrespondenz«. Im März 1933 verhaftet, flüchtete sie nach Wien, später nach Paris, dort im Auftrag von Georgi Dimitroff an einer Zeitung tätig. Am 14. April 1943 festgenommen, nach Berlin überführt, konnte sie im August 1943 nach einem Bombenangriff fliehen und sich bis Kriegsende verstecken. Ab 1946 war sie Mitarbeiterin im SED-Pressedienst, bzw. Referentin in der Abteilung Werbung, Presse, Rundfunk des SED-PV.Michael F. Scholz / Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Staimer, Richard (Egon)

* 25.1.1907 – ✝ 24.10.1982

Geb. in München; Vater Gewerkschafts- sekr.; Volksschule; 1920 Freie proletar. Kindergr.; 1922 – 25 Ausbildung zum Fliesenleger; 1925 – 31 im Beruf tätig, 1927 – 29 Wanderschaft; 1922 – 25 KJVD; 1923 DMV; 1923 im M-Apparat der KJVD; Mitgl. der KJVD-BL Nord-Bayern; 1925 KPD; 1929 Sekr. des KPD-UB Nürnberg-Johannis; 1929/30 in der Schweiz u. Österreich im Beruf tätig; 1930 Ausweisung aus Österreich wegen pol. Tätigkeit; in Nürnberg Ltr. der Zersetzungsarbeit in der Polizei u. der Reichswehr im M-Apparat; Bez.-Vors. des Dt. Bauarbeiterverb.; später Funktionen in der RGO; 1931 Kursant der Militärpol. Schule der KI in Moskau; Nov. 1931 –Okt. 1932 Gaultr. des illeg. RFB Nordbayern; zugl. Ref. u. Instrukteur der KPD-BL; dann bis Febr. 1933 illeg. pol. Tätigkeit in Berlin; Juni 1933 wegen Hochverratsanklage Emigr. in die UdSSR; 1933 – 36 Schüler an der KUNMZ; (»Egon«); Okt. 1936 – 38 Teiln. am Bürgerkrieg in Spanien, Dez. 1936 – Febr. 1937 Kdr. des Thälmann-Bat. bzw. der XI. Internat. Brigade, »General Hoffmann«, Major; 1937 KP Spaniens; Ende Jan. 1938 Rückkehr nach Moskau; danach ab Febr. 1939 Einsatz außerhalb der Sowjetunion; März/April 1939 Paris; ab Ende April 1939 illeg. in der Schweiz; ab Juni 1939 Ltr. des Grenzpunktes in Basel u. Mitgl. der Gebietsltg. der KPD; 7. – 21.12.1939 U-Haft, Freilassung gegen Kaution; Behandlung eines Magengeschwürs im Krankenhaus, weitere Verhaftungen u. Krankenhaus- bzw. Sanatoriumsaufenthalte in St. Gallen; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; Febr. – Mai 1941 Arbeitslager Baumgarten; Apr. 1941 sowj. Staatsbürgerschaft; Ausreise nach Italien; 4.7. 1941 mit dem Personal der sowj. Botschaft in die UdSSR; ab Aug. 1941 militär. Spezialausbildung in der Nähe von Moskau; Überführung in die KI-Schule in Kuschnarenkowo; Ende 1941 Abberufung wegen »Verletzung der konsp. Regeln u. Schwächen«; Febr. 1942 Abschl. der Parteiuntersuchung ohne Maßregelung; Tätigkeit in einem Baubetrieb in Ufa; nach »Bewährung« auf Beschluß der KPD-Führung im Mai 1943 erneute Einbeziehung in die »Parteiarbeit«; ab Mai 1943 kurzz. Instrukteur im Kriegsgefangenenlager für Offz. Nr. 97 in Jelabuga; 1943 Abberufung durch das NKWD u. Rückversetzung nach Ufa; Sommer 1945 Besuch eines pol. Lehrgangs in der Nähe von Moskau. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; Ltr. der Polizeiinspektion Berlin-Prenzlauer Berg; 1946 SED; April 1946 – 50 Chef der Landespolizeibehörde Brandenb. in Potsdam, Chefinspekteur; 1947 – 54 verh. mit  Eleonore St., geb. Pieck; 1950/51 militär. Sonderlehrgang in Privolsk (UdSSR); 1951/52 Kdr. der VP-Bereitschaft Leipzig, Gen.-Inspekteur; 1952 – 54 stellv. GD der Reichsbahn, verantw. für Kaderarbeit; Mai 1954 stellv. Minister für Verkehrswesen; Jan. 1955 – Febr. 1963 Vors. des Zentralvorst. der GST (Nachf. von  Arno Berthold); 1955 Mitgl. des ZR der FDJ; 1955 – 65 Mitgl. des NR der NF; 1960 Gen.-Major der Reserve; ab 1963 Mitgl. des Solidaritätskomitees für das span. Volk; 1966 – Okt. 1969 Ltr. der militär. Abt./HA-Ltr. für militär. Ausbildung im Staatssekr. bzw. Min. für HFS-Wesen; 1967 VVO; 1969 Versetzung in die Reserve; 1.10.1969 Rentner; 1977 KMO; gest. in Berlin.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stam, Mart

* 5.8.1899 – ✝ 23.2.1986

Geb. in Purmerend (Niederl.); Vater Steuereinnehmer; Tischlerlehre; 1917 – 19 Reichsnormalschule für Zeichenunterricht Amsterdam; 1919 – 28 Arbeit in diversen Architekturbüros in den Niederl., Dtl. u. der Schweiz; ab 1923 Red. der Architekturztschr. »ABC«; 1920 sechs Mon. Haft wegen Wehrdienstverweigerung; 1928 – 29 Gastdoz. am Bauhaus Dessau, entwickelte u. a. als erster einen »Freischwinger«-Stuhl (Kragstuhl); 1930 – 34 als einer der ersten ausländ. Architekten gem. mit Brigade May in der UdSSR; 1934 Gründung eines Architekturbüros; 1939 – 48 Dir. des Instituut voor Kunstnijverheidsonderwijs Amsterdam; 1945 Mithrsg. von Architekturztschr. in den Niederl. 1948 – 50 Rektor der HS für Bildende Künste Dresden u. Rektor der HS für Werkkunst Dresden; 1950 – 52 Rektor HS für angewandte Kunst Berlin-Weißensee, des »Formalismus« bezichtig u. suspendiert; 1953 Rückkehr nach Amsterdam; Arbeit in einem Architekturbüro; 1955 selbst., lebte ab 1966 in versch. Orten der Schweiz; gest. in Goldach (Schweiz). 1995 Gründg. der M.-St.-Gesell. als Förderverein der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, seit 1998 wird jährl. der M.-St.-Förderpreis für die besten Abschlußarbeiten vergeben.Hain, S.: ... spezifisch reformistisch bauhausartig ... mart stam in der ddr 1948 – 52. Hrsg. vom Inst. für Regionalentw. u. Strukturplanung. (Beiträge zur Baugeschichte der DDR, 1. Forschungsbericht, Berlin o. J. (um 1992).Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sommer, Michael

* 12.7.1896 – ✝ 5.5.1937

Geboren am 12. Juli 1896 in Sielsdorf/Köln-Land, Sohn einer Tagelöhnerfamilie; Bergarbeiter, 1912 Mitglied der SPD und des Bergarbeiterverbandes, 1918 der USPD, 1920 der KPD. Als Polleiter der KPD-Ortsgruppe Frechen war er im linksrheinischen Braunkohlegebiet bekannt, dort im Zusammenhang mit dem großen Streik im Januar 1924 entlassen, dann hauptamtlicher UB-Sekretär von Koblenz, von 1925 bis 1929 von Aachen. Sommer war von November 1925 bis 1929 Abgeordneter des Rheinischen Provinziallandtages und stellvertretendes Mitglied des Preußischen Staatsrates. Von Ende 1928 bis 1931 Orgleiter des KPD-Bezirks Mittelrhein. Im November 1929 als Stadtverordneter in Köln gewählt, aber am 23. Januar 1930 wegen »Betruges« zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und ihm die Ausübung öffentlicher Ämter auf drei Jahre aberkannt. Er wurde beschuldigt, eine Freifahrkarte der Kölner Verkehrsbetriebe unberechtigt benutzt zu haben. Als Kronzeuge dafür trat der ehemalige kommunistische Stadtverordnete Joseph Büser auf. Sommer legte im April 1930 das Stadtverordnetenmandat nieder, wurde aber Anfang Oktober 1930 vom ZK als Polleiter der BL Mittelrhein bestätigt. Er gehörte dann zeitweise der RGO-Reichsleitung in Berlin an. Mit seiner Familie ging er im Herbst 1931 in die Sowjetunion, kam als Bergarbeiter im Donbass auf den Schacht »Amerikanka« bei Stalino. Zuletzt Verwaltungsdirektor einiger deutschsprachiger Schulen, er erhielt 1936 die sowjetische Staatsbürgerschaft und wurde Mitglied der KPdSU. Michael Sommer wurde am 5. Mai 1937 vom NKWD verhaftet, als Führer der »trotzkistischen Antikominternorganisation im Donbass« zum Tode verurteilt und am 20. September 1937 erschossen. Seine Frau Gertrud Sommer, geborene Selbst (*13. 2. 1899 – † 27. 8. 1986), 1922 Mitglied der KPD, war ihrem Mann mit vier Kindern 1931 nach Stalino gefolgt, wurde ebenfalls verhaftet, und war von 1937 bis 1946 im Arbeitslager, anschließend nach Karaganda verbannt, konnte 1957 in die DDR ausreisen. Sowohl von ihrem Mann Michael Sommer als auch über ihre drei Söhne, die in den Lagern des NKWD verschwanden, hat Getrud Sommer nie mehr etwas gehört, ihre Tochter hatte in der Sowjetunion geheiratet.

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Sönnichsen, Niels

* 22.12.1930

Geb. in Roggendorf (Mecklenb.); Vater Pfarrer; 1937 – 50 Schulbesuch, Abitur an der Goethe-OS Schwerin; 1949 NDPD; 1950 – 55 Studium der Med. an der Berliner Charité; anschl. Assistenzarzt am Krankenhaus Schwerin u. Landarzt; 1957 Prom. an der Univ. Rostock; 1957 – 59 Ergänzungsstudium der Biochemie an der EMAU Greifswald; 1960 – 62 Facharzt-Ausbildung Dermatologie an der Charité, dort 1963 Oberarzt, 1964 Habil., 1965 Doz.; 1965 SED; 1966 kommissar. Dir. der Hautklinik der FSU Jena (jüngster Chefarzt in Dtl.), dort 1969 Berufung zum Prof.; 1967 Virchow-Preis; 1970 – 93 Prof. u. Dir. der Klinik u. Poliklinik für Hautkrankheiten der Charité; 1972 – 75 Dir. der Charité; 1979 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1974 u. 1987 NP; 1980 Korr. u. 1988 Ord. Mitgl. der AdW. 1993 auf eigenen Entschluß aus der Charité ausgeschieden; 1993 – 98 Ärztl. Dir. des Fachklinikums Borkum; 1999 Niederlassung als Arzt in Berlin, lebt in Berlin. Über 700 Veröff. auf dem Gebiet der Dermatologie u. Immunologie; gilt als Pionier der AIDS-Forschung in der DDR u. war als Vors. der zentralen AIDS-Beratung maßgeblich mit der AIDS-Aufklärung u. Prävention in der DDR befaßt.Hautkrankheiten. Leipzig 1976; Autoimmunkrankheiten. Jena 1987; AIDS. Was muß ich wissen? Wie kann ich mich schützen? Berlin 1987; Mein Leben. Berlin 2000. Haustein, U.-F.: N. S. zum 75sten. Berliner Ärzte. Mitgliederztschr. der Ärztekammer Berlin (2005) 12.Dieter Hoffmann

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Spangenberg, Max

* 2.11.1907 – ✝ 27.3.1987

Geb. in Berlin; Pflegevater Hutmacher; Volksschule; Hilfsarb.; 1924 – 29 Feinmechanikerlehre bei der AEG Berlin; 1930 – 32 KJVD-Funktionär in Berlin, Halle u. Düsseldorf; 1932/33 pol. Mitarb. des EKKI der KJI in Moskau; 1933/34 Org.- u. Pol.-Ltr. des KJVD in Berlin; 1934/35 pol. Mitarb. des ZK des KJVD in Prag; auf der sog. Berliner KJVD-Reichskonferenz in Moskau ins ZK gewählt; 1935 Teiln. am VI. KJVD-Weltkongreß in Moskau; 1936 fünf Mon. Haft in Prag; 1937/ 38 Teiln. am span. Bürgerkrieg; Red. bei Radio Barcelona, dann Mitgl. des Parteikomitees der XI. Internat. Brigade; 1939 auf Parteibeschluß zur Abschnittsltg. Nord nach Kopenhagen als Red.; illeg. Arbeit; Red. bzw. Chefred. der »Dt. Nachrichten«; nach Bildung des Landeskomitees der KPD dessen Mitgl. Febr. 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); 1946 – 49 Red. der Ztgn. »Dt. Volksztg.« u. »Neues Dtl.«; Juli 1949 Red., dann Chefred. von »Dtl. Stimme«; von  Rudolf Herrnstadt u. a. als »Oppositioneller« aus seinen Funktionen gedrängt; 1951 Chefred. der »Berliner Ztg.«; 1952 Mitarb. im SED-Apparat, Berichterstatter über die Friedensbew. in der Bundesrep. Dtl.; 1953 wieder in der DDR; Febr. 1954 stellv. Abt.-Ltr. bzw. Ltr. des Arbeitsbüros der Westkommission des PB des ZK der SED bis zur Auflösung 1971; danach wiss. Mitarb. am IML; 1967 VVO; 1972 KMO; Ehrenspange zum VVO.Antifa. Kampf dt. Kommunisten in Dänemark. Erinnerungen. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbew. (1977).Michael F. Scholz

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Spek, Josef

* 27.5.1895 – ✝ 21.2.1964

Geb. in Sächsisch-Regen (Siebenbürgen, Österreich-Ungarn / Reghin, Rumänien); Vater Oberförster; 1913 Abitur in Hermannstadt (Sibiu / Rumänien); 1913 – 17 Studium der Naturwiss., insb. Zoologie, an der Univ. Heidelberg, dort 1918 Prom.; 1917 wiss. Privatass., 1918 Ass. am Zoolog. Inst. der Univ. Heidelberg, 1920 Habil. für Zoologie, anschl. Privatdoz., 1925 außerordentl. Prof., 1939 außerplanm. Prof. für Zoologie; meereszoolog. Forschungsreisen nach Neapel, Rovigno (Istrien), Kristineberg (Schweden) u. Helgoland; 1932 – 33 Rockefeller-Stipendiat in New York u. Woods Hole (Mass., USA); 1943 – 44 Vertretung des Lehrstuhls für Zoologie an der Univ. Greifswald. 1946 Ruf auf den Lehrstuhl für Zoologie der Univ. Halle (Saale), abgelehnt; 1947 – 60 ord. Prof. u. Dir. des Zoolog. Inst. der Univ. Rostock; gest. in Rostock. Führender Mikroskopiker u. Protoplasmaforscher seiner Zeit, der mit neuen Methoden der physikal. Chemie Struktur u. Entw. der Zellen untersuchte; große Verdienste um den Wiederaufbau des Zoolog. Instituts der Univ. Rostock; 1926 – 64 Mithrsg. der Ztschr. »Protoplasma« (Wien).Experimentelle Beiträge zur Kolloidchemie der Zellteilung. Dresden, Leipzig 1920; Das pH in der lebenden Zelle. In: Ergebnisse der Enzymforschung (1937) 1; Schriftenverz. In: Protoplasma (1961) 292. Arndt, E. A., Penzlin, H.: J. S. In: Verhandlungen der Dt. Zoolog. Gesell. Nr. 610, 1966.Ekkehard Höxtermann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Spicher, Wilhelm

* 21.8.1898 – ✝ 1.8.1987

Geboren am 21. August 1898 in Hückeswagen/ Krs. Rhein-Wupper, Sohn eines Zimmermanns; lernte Dreher. Von 1916 bis 1918 Soldat, schloß er sich 1919 für kurze Zeit der KPD an. Als Betriebsratsvorsitzender trat er 1922 erneut in die KPD ein, 1923 Leiter der KPD-Ortsgruppe in Remscheid-Lüttringhausen, von 1929 bis 1933 Stadtverordneter in Wuppertal, Sekretär des Landeserwerbslosenausschusses. Mitglied des Sekretariats der BL Niederrhein, ab 1931 war er hauptamtlicher UB-Sekretär für Wuppertal. Im Juli 1932 wurde Spicher im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt, dem er nur bis November 1932 angehörte. Von Februar bis Ende 1933 in »Schutzhaft«, Ende 1934 für mehrere Monate erneut inhaftiert. Ein Verfahren wegen »Hochverrats« wurde aber aus »Mangel an Beweisen« eingestellt. Spicher arbeitete von 1938 bis 1943 als Werkzeugdreher in Remscheid, wurde im August 1944 abermals festgenommen und tauchte nach seiner Freilassung unter. Ab 1945 Mitglied und Funktionär der KPD, bis zum KPD-Verbot in der Landesleitung Nordrhein-Westfalen, von 1946 bis 1950 Mitglied des ernannten Landtages bzw. des Landtages von Nordrhein-Westfalen. Spicher wurde 1962 wegen Tätigkeit für die verbotene KPD angeklagt und im Juni 1963 zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. 1968 Mitbegründer der DKP in Wuppertal, dort bis 1978 Vorsitzender der VVN. Wilhelm Spicher starb am 1. August 1987 in Düsseldorf.

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Spies, Leo

* 4.6.1899 – ✝ 1.5.1965

Geb. in Moskau; Vater dt. Vizekonsul u. Kfm.; Dt. Petri-Pauli-Gymnasium in Moskau; Kompositionsstudium 1913 – 15 in Moskau, 1915/ 16 in Dresden, 1916/17 an der HS für Musik Berlin; 1917/18 Soldat; 1921 priv. Kompositionsstudium bei Ernst Krenek; 1924 – 28 Kapellmstr. am Stadttheater Rostock; 1929 – 35 Dirigent u. musikal. Ltr. des Balletts der Staatsoper Berlin; 1935 – 44 Kapellmstr. am Dt. Opernhaus Berlin. 1945 – 47 Kapellmstr. an der Städt. Oper Berlin; seit 1954 freischaff.; 1951 Gründungsmitgl. des VDK, 1951 – 54 Vors. des Bez.-Verb. Berlin; 1952 DAK; 1954 hier Ausbildung von Mstr.-Schülern; bis 1965 Sekr. der Sekt. Musik; 1953 Goethe-Preis der Stadt Berlin; 1956 NP; 1959 Prof.; komponierte in allen musikal. Genres, z. B. sinfon. Musik, u. a. zwei Sinfonien, Ballette, u. a. »Apollo u. Daphne«, »Don Quijote«, in den 50er Jahren bes. pol. Massenlieder, später Kindermusik; gest. in Ahrenshoop.Torsten Musial

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Spotka, Adolf

* 23.2.1943

Geb. in Tachau (Westböhmen / Tachov, Tschechien); ab 1946 in Bernburg, dort 1949 – 57 Grundschule, 1957 – 61 OS, Abitur; 1961/62 Ausbildung zum Schlosser im Sodawerk Bernburg; 1962 – 67 Studium der BWL an der TH Leuna-Merseburg, Dipl.-Ing.-Ökon., 1975 dort Prom. mit einer Arbeit zu Rationalisierungsprozessen im Chemieanlagenbau; 1967/68 Export-Ing. im Zuckerfabrikenexport; 1968 – 90 wiss. Mitarb., Oberass. u. Doz. an der Ing.-Schule für Chem. Technik bzw. Ing.-HS Köthen; Zusatzstudium an der KMU Leipzig u. der HfÖ Berlin; 1988 Habil. an der MLU Halle mit einer Diss. über die wiss.-strateg. Arbeit in Kombinaten; Febr. 1990 CDU. Okt. 1990 – 2006 MdL Sachsen-Anh., Vors., dann stellv. Vors. des Aussch. für Wirtsch., Technol. u. Verkehr.; seit 1993 stellv. Kuratoriumsvors. der Kulturstiftung Bernburg; 1993 – 2000 Prof. für Unternehmensmanagement an der HS Anhalt für Angew. Wiss.; 1993 – 99 Vors. des KV der CDU Bernburg, anschl. bis 2002 Mitgl. des Stadtrats Bernburg; 2002 – 2006 Präs. des Landtags Sachsen-Anh. (Nachf. von  Wolfgang Schaefer); 2004 Mitgl. der 12. Bundesversamml.; Nov. 2006 Vors. des Kuratoriums der HS Anhalt; 2007 Bundesverdienstkreuz.Helmut Müller-Enbergs

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Spülbeck, Otto

* 8.1.1904 – ✝ 21.6.1970

Geb. in Aachen; Vater Kfm.; 1923 Abitur; 1923 – 24 Studium der Naturwiss. in Bonn; 1924 – 29 Studium der Theol. in Innsbruck u. Tübingen, Prom. zum Dr. phil.; 1930 Priesterweihe in Bautzen; 1930 – 37 Kaplan in Chemnitz; 1937 – 45 Pfarrer in Leipzig. 1945 – 55 Propst von Leipzig; Juni 1955 Ernennung zum Koadjutor u. Weihbischof der Diözese Meißen mit Sitz in Bautzen; 1958 – 70 Bischof des Bistums Meißen nach Amtsverzicht seines kranken Vorgängers  Heinrich Wienken; vom MfS bearbeitet von 1955 – 60 in OV »Kreuz«, »Der Alte« u. »Schwarze Pest«; 1966 Einberufung der Diözesansynode des Bistums Meißen; 1969/70 Präs. der Synode; theolog. Kontrahent von  Alfred Bengsch, auf dessen Initiative Zurechtweisung aus Rom wegen der Dekrete der Diözesansynode unmittelbar vor seinem Tod; gest. in Mittweida.Der Christ und das Weltbild der mod. Naturwissenschaften. Berlin 1948. Schäfer, B.: Staat und kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Stahl, Wilhelm

* 23.10.1900 – ✝ 20.1.1980

Geb. in Hilbeck (Westf.); Vater Gastwirt u. Landwirt; Gymnasium; 1920 – 23 Studium der Landw. u. der Staatswiss. in Gießen u. Göttingen, Dipl.-Landwirt; 1924 Prom. zum Dr. phil. bei Franz Lehmann mit einer Diss. zur biolog. Wertigkeit verdaul. Stickstoffsubstanzen in der Schweinemast; 1925 – 27 landw. Praxis; 1928 stellv. Dir., 1930 Dir. der Versuchs- u. Forschungsanstalt für Schweinehaltung in Ruhlsdorf; 1933 SA u. NSDAP; 1937 nach der Verstaatlichung der Versuchsanstalt Verleihung des Prof.-Titels; 1944/45 nebenamtl. Geschäftsführung für den Reichsaussch. für Schlachtviehversorgung beim Reichsbauernführer u. für den Reichsverb. Dt. Schweinezüchter. April 1945 Internierung durch die sowj. Besatzungsmacht, ab 1947 in Sibirien; dort als Sanitäter bzw. Feldscher tätig; nach der Rückkehr 1950 Fachlektor beim Dt. Bauernverlag in Berlin; 1951 – 57 Prof. mit Lehrstuhl; Dir. des Tierzuchtinst. der Veterinärmed. Fak. sowie des Inst. für Tierzüchtung u. Haustiergenetik der Landw.-Gärtner. Fak. u. zweier Versuchsgüter der HU Berlin; 1952 Ord. Mitgl. der DAL; 1953 Dir. des DAL-Inst. für Tierzuchtforschung Dummerstorf; Sekretar der Sekt. Tierzüchtung u. Tierernährung; Mitgl. der Kommission für LPG; ab 1953 gleichz. Lehrbeauftr.; 1957 – 66 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Tierzucht an der Univ. Rostock; 1954 NP; 1959 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1961 zum vorz. Rücktritt als Dir. des DAL-Inst. in Dummerstorf gedrängt; 1965 als DAL-Mitgl. em.; 1970 Unterbindung der von der WPU Rostock zum 70. Geb. geplanten Ehrenprom.; März 1990 Rehabilitierungsbeschluß des AdL-Plenums zur Ablösung als Inst.-Dir. Mitgl. mehrerer zentr. Gremien, u. a. des Zentr. Beirats für LPG beim Min.-Rat u. des Wiss. Beirats beim Staatssekr. für HFS-Wesen; Hrsg. der Ztschr. »Tierzucht« (ab 1950) u. »Archiv für Tierzucht« (1958); zahlr. Publ. zu Tierzucht u. Tierernährung, bes. zur Schweinehaltung.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stahlschmidt, Bruno

* 16.12.1883 – ✝ 6.11.1950

Geboren am 16. Dezember 1883 in Berlin, Sohn einer Fabrikarbeiterin und eines Bürovorstehers; kaufmännische Lehre, Angestellter in einem Versicherungsbüro, ab 1910 Rechtsbeistand. Anfang Juni 1915 als Landsturmmann zunächst in Rußland, dann im Westen Soldat. 1919 trat er in die USPD ein, Ende 1920 in die KPD. Stahlschmidt baute sich eine Rechtsbeistandskanzlei auf, hatte eine eigene große Praxis in Berlin und unterhielt mit KPD-Geldern einen Fuhrpark. Als Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Rechtsbeistände arbeitete er eng mit Albert Gromulat, dem Quartiermacher des ZK, zusammen. Während des Verbots der KPD Ende 1923 waren seine Räume Ausweichquartier der Zentrale. Ende 1932 verlegte Arthur Golke die Kassengeschäfte des ZK in Stahlschmidts Kanzlei. Diese wurde noch Anfang 1933 von Spitzenfunktionären genutzt, z. B. gab es dort Besprechungen der Führung, und auch seine Autos dienten der illegalen Arbeit. Durch Verrat von Paul Grobis wurde Stahlschmidt am 18. Juli 1933 verhaftet, angeklagt, jedoch am 22. März 1935 vom 1. Senat des VGH überraschend freigesprochen. Er war durch die Untersuchungshaft schwer erkrankt. Nach der Beschlagnahme seiner Büros und der Autos durch die Nazis begann er als Versicherungsvertreter. 1945 setzte die sowjetische Kommandantur Stahlschmidt als Bürgermeister von Schöneiche ein. Er war Mitglied der KPD/SED und arbeitete dann wieder als Rechtsbeistand. Weil er Mandate von ehemaligen Angehörigen der NSDAP übernahm, wollte ihn die SED Niederbarnim im Oktober 1948 ausschließen. Bruno Stahlschmidt starb am 6.November 1950 in Schöneiche bei Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Staimer, Josef

* 19.10.1871 – ✝ 30.11.1941

Geboren am 19. Oktober 1871 in Kay/Bezirksamt Straubing bei München; lernte Gürtler, später Lagerarbeiter, ab 1905 Angestellter des Fabrikarbeiterverbandes und Gewerkschaftssekretär in München. Seit 1894 Mitglied der SPD, trat 1917 zur USPD über. Soldat im Weltkrieg, war von November 1918 bis April 1919 unter Kurt Eisner Polizeipräsident von München. 1919 Angehöriger des Grenzschutzes, schied nach dessen Überführung in die Reichswehr aus. Mit der linken USPD Ende 1920 zur KPD, er stand von Juni 1921 bis Juni 1922 als Sekretär an der Spitze der BL Nordbayern. Von Oktober 1922 bis 1933 hauptamtlicher Vorsitzender der ADGB-Gewerkschaft der Heizer und Maschinisten in Nürnberg, er hatte sich von der KPD getrennt. 1933 festgenommen, saß er mehrere Jahre in »Schutzhaft«, u.a. im KZ Dachau. Josef Staimer starb am 30.November 1941 im KZ Flossenbürg. Sein Sohn Richard Staimer (*25. 1. 1907 – †24.10. 1982), Fliesenleger, trat 1922 dem KJD und 1925 der KPD bei. 1931 Kursant der M-Schule der Komintern in Moskau, anschließend Gauleiter des illegalen RFB-Nordbayern. Im Februar 1933 emigrierte er in die Sowjetunion, studierte an der KUNMS. Ab September 1936 in Spanien Kommandeur des »Thälmann-Bataillons« der XI. Internationalen Brigade. 1938 Rückkehr nach Moskau, 1939 in die Schweiz entsandt, dort im Dezember 1939 verhaftet und bis 1941 im Zuchthaus St. Gallen. Über Italien kam Richard Staimer in die Sowjetunion, wurde Politinstrukteur im Gefangenenlager 97. Im Juli 1945 in Berlin, Chef der DVP-Landesbehörde Brandenburg, später Leiter der VP-Bereitschaften Leipzig. Er war zeitweise mit Eleonore Pieck, einer Tochter Wilhelm Piecks, verheiratet. Ab 1952 Vizeminister für Verkehrswesen, von 1955 bis 1963 Leiter der paramilitärischen Organisation »Gesellschaft für Sport und Technik«, dann bis 1969 der Militärischen Hauptabteilung im DDR-Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen, er erhielt 1976 den Karl-Marx-Orden.

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Stamm, Hans

* 16.8.1908 – ✝ 27.2.1968

Geb. in Frankfurt (Main); Vater kaufm. Angest.; Volksschule u. Gymnasium, 1927 Abitur, 1927 – 34 Studium der Mathematik, Physik u. Chemie an der Univ. Frankfurt (Main), 1934 Prom. zum Dr. phil.; 1934/35 Assistent an der Univ. Frankfurt (Main), 1935 wiss. Mitarb. im elektr. Prüfamt in Frankfurt (Main); 1936 – 45 Mitarb., ab 1939 Projektltr. in der Transformatorenfabrik Koch & Sterzel in Dresden; 1943 NSDAP. 1946 – 53 techn. Dir. des VEB Transformatoren- u. Röntgenwerk Dresden; 1948 SED; 1952 Honorarprof. an der TH Dresden; 1953 Prof. mit Lehrstuhl, 1953 – 62 Rektor der HS für Elektrotechnik Ilmenau; 1957 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1956 – 58 Mitgl. der SED-BL Suhl.Andreas Herbst