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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Swillms, Ulrich (»Ed«)

* 7.3.1947

Geb. in Berlin; ab 1955 Unterricht an der Volksmusikschule, 1962 – 64 Ausb. in der Spezialklasse u. 1964 – 68 Studium an der Musik-HS »Hans Eisler« in Berlin (Hauptfach Cello, Nebenfach Klavier); 1968 – 72 Berufsausb. Tanzmusik an der Musikschule Berlin-Friedrichshain; 1969 – 71 Mitgl. der Berliner Band »Alexanders«; 1971 Mitbegr. der Rock- u. Soulband »Panta Rhei«, u. a. mit  Herbert Dreilich (Gesang, Gitarre), Henning Protzmann (Baß) u.  Veronika Fischer (Gesang), u. a. Komposition der Titel »Alles fließt« u. »Blues«; 1975 – 86 Gründungsmitgl. (mit Dreilich u. Protzmann) u. Keyboarder von »Karat«, Komponist der erfolgreichsten Titel der Band, Mitwirkung an LPs: 1978 »Karat«, 1979 »Über sieben Brücken« (Kunstpreis der DDR, Interpretenpreis des Jugendmagazins »Neues Leben«, Grand Prix beim Internat. Schlagerfestival für die Titel »König der Welt« u. »Über sieben Brücken«, unter dem Titel »Albatros« bei Teldec, 1984 Goldene Schallplatte in der Bundesrep. Dtl. für 250.000 verkaufter Exemplare, erfolgreiche Coverversion des Titels »Über sieben Brücken« von Peter Maffay), 1980 »Schwanenkönig« (Interpretenpreis), 1982 »Der blaue Planet« (insg. mehr als eine Mio. verkaufter Exemplare, Goldene Schallplatte in der Bundesrep. Dtl., Goldene Europa, 2. Platz bei der ZDF-Hitparade für die Single-Auskoppl. »Jede Stunde«), 1984 »Die sieben Wunder der Welt«, 1986 »Fünfte Jahreszeit«; zahlr. Konzerte mit »Karat« in Ost- u. Westeuropa; 1986 beteiligt am Projekt »Gitarreros« mit zahlr. prominenten DDR-Rockmusikern; 1986 NP (mit »Karat«); Rückzug ins Privatleben. 2000 Teiln. am Jubiläumskonzert »25 Jahre Karat« in der Berliner Wuhlheide (CD 2001); Mitwirkung an den CDs »30 Jahre Karat« (2005) u. »Ostrock in Klassik« (2007); zeitw. Gastmusiker bei Jonathans Bluesband; gehört zu den internat. erfolgreichsten Komponisten der DDR-Unterhaltungsmusik.Gerlach, C.: Karat. Pop Nonstop. Berlin 1985.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sychalla, Konrad

* 25.11.1888 – ✝ 14.9.1959

Geboren am 25. November 1888 in Bobrownik/ Oberschlesien; lernte Gärtner, übersiedelte nach Senftenberg, als Landschaftsgärtner tätig. Seit 1907 Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Sychalla war einer der Führer der revolutionären Bewegung im Senftenberger Braunkohlerevier und Obmann der USPD. Als Vorsitzender des USPD-Kreisverbandes Calau und des Regierungsbezirkes Frankfurt/Oder kam er Ende 1920 mit der linken USPD zur KPD. Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag im Dezember 1920, der ihn – ebenso wie der VII. Jenaer Parteitag 1921 – in den ZA wählte. 1921 KPD-Kreistagsabgeordneter in Calau. Er zählte zum linken Flügel der KPD und wurde 1924 Polleiter des Bezirks Lausitz (der 1925 aufgelöst wurde). Vom Mai bis Dezember 1924 war Sychalla KPD-Reichstagsabgeordneter. In den folgenden Jahren Funktionär im Bezirk Berlin-Brandenburg-Lausitz, gehörte 1925/26 zur linken Opposition, von der er sich aber 1926 wieder trennte. 1928 zog er nach Berlin, wo er als Arbeiter lebte und kleinere Parteifunktionen ausübte, war u. a. Polleiter in Berlin-Zehlendorf. Nach 1933 illegale Arbeit, zeitweise Aufenthalt in der Tschechoslowakei, kurze Zeit verhaftet, dann bis Kriegsende Arbeiter. 1945 wieder Mitglied der KPD bzw. SED, er wurde stellvertretender Hauptabteilungsleiter in der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft. Zuletzt Leiter der Abteilung Erwerbsgartenbau in der DWK, dann wohnte er schwerkrank in Berlin-Zehlendorf. Konrad Sychalla starb am 14. September 1959 in West-Berlin.

Wer war wer in DDR

Szillat, Paul

* 30.10.1888 – ✝ 17.10.1958

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Ausbildung zum Verw.-Fachmann; 1910 SPD; 1925 – 33 Abg. des Preuß. Landtags; letzter Vors. der SPD-Fraktion; 1928 – 30 Stadtrat u. Stadtkämmerer in Rathenow; 1930 – 33 OB in Brandenb. (Havel), 1933 des Amtes enthoben, »Schutzhaft«, KZ Oranienburg. 1945 Mitbegr. der SPD in Rathenow u. stellv. SPD-Bez.-Vors. in Brandenb., OB in Rathenow; 1946 SED; 1946 – 50 Mitgl. des SED-Krs.-Vorst., des PV u. MdL Brandenb.; nach Kritik an »Säuberungen« u. der Entw. der SED zur »Partei neuen Typus« 1950 wegen »Sozialdemokratismus« verhaftet, wegen angebl. Wirtschaftsverbrechen angeklagt u. zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, Haftverbüßung im Zuchthaus Brandenb.-Görden; am 17.6.1953 forderten Demonstranten vor dem Stadthaus in Rathenow: »Wir wollen unseren Bürgermstr. Szillat wiederhaben!«; April 1956 Entlassung aus der Haft; Flucht aus der DDR; gest. in Berlin (West).Bouvier, B.: Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der Sowj. Besatzungszone u. in der DDR 1945 – 1953. Bonn 1996.Beatrix Bouvier

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tal, Hilde

* 5.11.1898 – ✝ 19.3.1938

Geboren am 5. November 1898 in Riga als Hilde Laima Zeraus, Tochter eines Kaufmanns. Buchhalterin, von 1915 bis 1918 in Riga Rechnungsführerin in einer Wurstfabrik, später Kontoristin im Evakuierungs- und Rückführungskomitee in Riga. 1919 Mitglied der KP Lettlands, arbeitete seit April 1919 für den Nachrichtendienst der Komintern, OMS, operierte u. a. in von den »Weißen« beherrschten Territorien Sowjetrußlands. Im September 1919 Übersiedlung nachDeutschland und bis 1933 Mitglied der KPD, sie wirkte auch hier für den Geheimapparat der Komintern. Sie emigrierte im Februar 1933 in die Sowjetunion, blieb weiterhin Mitarbeiterin der OMS, im Dezember 1936 als »Volksfeindin« entlassen. Am 5. Oktober 1937 wurde sie vom NKWD festgenommen, der »Teilnahme an einer konterrevolutionären terroristischen Organisation« beschuldigt und vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 19. März 1938 zum Tode verurteilt. Hilde Tal wurde am gleichen Tag erschossen, eine »Rehabilitierung« erfolgte in Moskau am 28. September 1957. Ihr Mann Julius Gebhardt (* 15. 9. 1900 in Leipzig), von Beruf Fräser, war seit 1919 in der KPD, bis 1926 Buchhalter und Revisor für KPD-Unternehmen in Leipzig sowie später in der Leitung der Peuvag in Berlin beschäftigt. Ab 1933 in der Sowjetunion Packer im Verlag der ausländischen Arbeiter, dann Ökonom und Buchhalter im EKKI-Verlagssektor. Er wohnte im Hotel »Lux« in Moskau, wurde 1937 oder 1938 verhaftet. Über sein weiteres Schicksal konnte nichts ermittelt werden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tastesen, Paul

* 5.3.1899 – ✝ 10.10.1974

Geboren am 5. März 1899 in Hambur; lernte Feinmechaniker. Von 1917 bis 1919 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Bis 1924 als Marmorschleifer, 1925/26 als Gürtler beschäftigt. Er saß 1927 sieben Monate in Untersuchungshaft, Mitte 1927 hauptamtlicher Sekretär des RFB. Im gleichen Jahr zog er als Abgeordneter in die Hamburger Bürgerschaft ein, blieb deren Mitglied bis 1931. Seit 1930 auch Mitarbeiter im AM-Apparat, absolvierte unter dem Decknamen Friedrich einen Lehrgang an der M-Schule der Komintern. Tastesen kam 1933 in das KZ Fuhlsbüttel. Er trat 1936 im Prozeß gegen Edgar André mutig als Entlastungszeuge auf und wurde deswegen nach dem Prozeß verhaftet. Im Verfahren gegen Anton Saefkow u. a. 1938 vom Hanseatischen OLG verurteilt, saß er für längere Zeit im KZ. 1945 wieder Mitglied der KPD, gehörte Tastesen zu deren Hamburger Leitung und unterschrieb im August 1945 den Aufruf zur Bildung einer gemeinsamen Sozialistischen Partei in Hamburg. 1946 Abgeordneter der Bürgerschaft, trat aber dann zurück. Seit Gründung der DKP 1968 Mitglied und Funktionär sowie in den sechziger Jahren Mitbegründer und Vorsitzender des Kuratoriums der »Ernst-Thälmann-Gedenkstätte« in Hamburg. Paul Tastesen starb am 10. Oktober 1974 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Taubeneck, Udo

* 12.5.1928 – ✝ 19.1.2015

Geb. in Jena; Vater Galvaniseur; OS, 1946 Abitur; Lehrling bei Zeiss u. Hilfslaborant im Inst. für Mikrobiol. (Schott-Zeiss-Inst.). 1946 – 50 Studium der Biol. u. Chemie an der FSU Jena, Dipl.-Biologe; 1951/52 wiss. Mitarb. beim VEB Jenapharm; 1952 Prom.; 1952/ 53 Assistent am Inst. für Allg. Botanik der FSU; 1953 Assistent am Inst. für Mikrobiol. u. experiment. Therapie der DAW in Jena; 1957 dort Abt.-Ltr.; 1961 Habil. an der FSU Jena; 1965 Doz. u. 1968 Prof.; 1968 – 76 Ltr. des Bereichs Molekularbiol. im ZI für Mikrobiol. u. experimentelle Therapie der AdW (ZIMET); 1969 – 86 Mitgl. des Forschungsrats der DDR, 1976 – 86 Ltr. der Gruppe Biol.; 1974 Korr. u. 1977 Ord. Mitgl. der AdW; 1974 Mitgl. der Leopoldina Halle; 1975 Arbeitsaufenthalt im Biolog. Forschungszentrum Puschtschino der AdW der UdSSR; 1976 – 83 Dir. des ZIMET u. 1983 – 85 Dir. am ZIMET; Mitgl. mehrerer nat. u. internat. wiss. Ges.; bis 1988 Hrsg. des »Journal of Basic Microbiology« u. weitere Hrsg.-Tätigkeit; 1985 Invalidenrentner; 1987 NP; bis 7.7.1992 Mitgl. der Berlin-Brandenb. Akad. der Wiss.; lebt in Jena. Hauptarbeitsgebiete: Mikrobiol., Molekularbiol., bakterielle L-Formen, Bakteriophagen u. Bakteriocine, genet. Vorgänge bei Bakterien.Die Bakterien. Leipzig 1952; Untersuchungen über die L-Form von Proeus mirabilis Hauser. Jena 1961; Das Leben der Bakterien. Jena 1964 (Mitautor).Peter Nötzold

Wer war wer in DDR

Tauchert, Heinrich

* 24.1.1934 – ✝ 4.9.2017

Geb. in Dauerthal; Vater Melker; Volksschule; 1948 Landarb.; 1951/52 Besuch der Jugend-HS Bogensee; 1952 SED; 1952 1. Sekr. der FDJ-KL Lübben; 1953 1. Sekr. der FDJ-KL Senftenberg; 1954 erneut 1. Sekr. der FDJ-KL Lübben; 1955/56 Besuch der Komsomol-HS in Moskau; 1959 2. Sekr., 1961 1. Sekr. der FDJ-BL Cottbus; 1965 Einstellung beim MfS, HV A; 1973 stellv. Abt.-Ltr., 1983 Ltr. der Abt. IV (Militärspionage); 1987 stellv. Ltr. der HV A; 1989 Gen.-Major; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Telemann, Joachim

* 27.7.1942

Geb. in Königsberg (Ostpr. / Kaliningrad, Rußland); Vater Bäcker, Mutter Maschinenstrik-kerin; OS, Abitur; 1961 – 63 NVA; 1963 / 64 Volontär bei den Zeitungen »Volkswacht« in Gera u. »Das Volk« in Erfurt; 1964 SED; 1964 – 68 Studium an der Sektion Journalistik der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1968 – 74 Red. bei der SED-Bezirksztg. »Lausitzer Rundschau« in Cottbus; 1974 – 77 SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1977 / 78 stellv. Abt.-Ltr. bei der »Lausitzer Rundschau«; 1979 / 80 pol. Mitarb. der SED-BL Cottbus (Abt. Agit. / Prop.); ab 1980 stellv. Chefred., 1981 – Ende 1989 Chefred. der »Lausitzer Rundschau« (Nachf. von  Robert Waßmann) u. Mitgl. der SED-BL Cottbus, 11.12.1989 Rücktritt auf eigenen Wunsch.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Templin, Wolfgang

* 25.11.1948

Geb. in Jena; Mutter Raumpflegerin; 1965/66 Lehre als Buchdrucker (abgebrochen); 1966 –68 Ausbildung zum Bibliotheksfacharbeiter; 1968 – 70 Studium an der FS für Bibliothekswesen in Berlin; ab 1970 Philosophiestudium an der HU Berlin; SED; 1971 – 75 inoffiz. Tätigkeit für das MfS, beendet durch vorsätzl. Dekonspiration; 1974 – 77 Forschungsstudent; Teiln. an einem illeg. trotzkist. Studentenzirkel; 1976/77 Studienaufenthalt an der Univ. Warschau; seitdem Kontakte zur poln. Opp.; 1977 – 83 wiss. Mitarb. am ZI für Philos. der AdW, behindert beim Abschl. der Prom., 1983 Entlassung im Kontext der Affäre um  Peter Ruben; Austritt aus der SED; Berufsverbot; anschl. Beschäftigung als Putzhilfe, Waldarb., Heizer; Ende der 70er Jahre bis 1988 Mitarb. in versch. unabh. Friedens- u. Menschenrechtsgr., u. a. im Friedenskrs. der ESG Berlin u. im Naumburger Friedenskrs.; 1985 Mitbegr. der IFM; Mithrsg. der Samizdat-Ztschr. »grenzfall«; 1987 Mitarb. in der Gruppe »Staatsbürgerschaftsrechte in der DDR«; Jan. 1988 Teiln. an Protestaktionen bei der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin, Verhaftung, Abschiebung für zwei Jahre; Studienaufenthalt in Bochum; Nov. 1989 Rückkehr nach Berlin; Vertreter der IFM am Zentr. Runden Tisch; 1989 – 91 Sprecher der IFM; 1990 Mitarbeiter der Volkskammerfraktion Bündnis 90 / Grüne; Mitgl. des Kuratoriums für einen demokrat. verfaßten Bund Dt. Länder. Sept. 1991 – Mai 1992 hauptamtl. Mitgl. des Gründungssprecherrats der Partei Bündnis 90; 1992/93 Kritiker des Assoziationsvertrags zw. Bündnis 90 u. den Grünen; 1993 Mitarb. in der Vorbereitungsgr. des Bündnis 90 Berlin für die Vereinigung mit den Grünen / AL; 1994 – 96 wiss. Mitarb. im Mauermuseum »Haus am Checkpoint Charlie« in Berlin; 1996 Gründungsmitgl. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur e. V.; Mitgl. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; 1997 - 2010 freier Publizist u. freier Mitarb. in der pol. Erwachsenenbildung; zahlr. publizist. Veröff.; seit Mai 2010 Ltr. des Landesbüros Polen der Heinrich-Böll-Stiftung in Warschau.Von der Wiederkunft des Soz. Berlin 1996 (Hrsg. mit C. Striefler); Ein Staat – zwei Gesellschaften. Opladen 2002; Auf dem Weg zur Friedl. Rev. in der DDR. Berlin 2008 (Hrsg. mit M. Gutzeit); Farbenspiele – Die Ukraine nach der Rev. in Orange. Bonn 2008. Stasi-Akte »Verräter«. Bürgerrechtler T.: Dokumente einer Verfolgung. Spiegel Spezial (1993) 1; Jesse, E. (Hrsg.): Eine Rev. u. ihre Folgen. Berlin 2000; Jander, M.: W. T. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opp. u. Widerstand in Biogr. u. Fotos. Berlin 2006.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Terpe, Frank

* 10.10.1929 – ✝ 8.4.2013

Geb. in Nünchritz (b. Riesa); Vater Kranfahrer; 1936 – 40 Volksschule in Nünchritz, 1942 – 45 Adolf-Hitler-Schule. 1945 – 48 OS in Riesa, Abitur; 1948 – 54 Studium der Math. u. Physik an der EMAU Greifswald; 1954 – 90 Assistent, dann Oberassistent an der EMAU, 1962 Prom. auf dem Gebiet der deskript. Theorie der Integration, 1967 Habil. mit einer Arbeit zur Theorie des maximalen Integrals, 1968/69 Doz., 1969 ord. Prof. für Analysis, 1971 – 80 Dir. der Sekt. Math. an der EMAU; Nov. 1989 SDP, dann SPD; Febr. 1990 Mitgl. des SDP/SPD-Parteivorst.; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer, stellv. Vors. der SPD-Fraktion; 12.4. – 20.8.1990 Min. für Forschung u. Technol. in der Reg.  de Maizière (Nachf. von  Peter-Klaus Budig). 1990 – 92 ord. Prof. für Analysis an der EMAU; 1993 Ruhestand; lebt in Rostock.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Teuber, Heinrich

* 23.2.1872 – ✝ 1.9.1927

Geboren am 23. Februar 1872 in Peterwitz/Krs. Frankenstein in Schlesien. Ziegelformer, Erd- und Bergarbeiter. Seit 1900 Mitglied der SPD, er berichtete von 1905 bis 1910 für die »Breslauer Volkswacht« aus Waldenburg. Von 1905 bis 1909 im Bergarbeiterverband in Waldenburg aktiv, von 1906 bis 1910 Vorsitzender der SPD-Wahlkreisorganisation Breslau. Teuber war 1910/11 Angestellter des Bergarbeiterverbandes in Senftenberg und ab Mai 1911 bis 1916 im Hauptbüro des Verbandes in Bochum. 1917 trat er in die USPD ein, war bis 1920 Vorsitzender der USPD in Bochum und 1919 Mitglied des Zentralzechenrates. Im Juni 1920 wurde Teuber im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt, dem er bis 1924 angehörte. Er trat für die Verschmelzung mit der KPD ein und war von Oktober bis Dezember 1920 Mitglied der Kontrollkommission der USPD-Linken. Mit mehreren USPD-Abgeordneten und mit den beiden KPD-Abgeordneten Clara Zetkin und Paul Levi bildete er im Dezember 1920 die gemein- same VKPD-Reichstagsfraktion. In der VKPD wurde er Sekretär des UB Bochum, Vorsitzen- der des Bezirks westliches Westfalen und Mitglied des ZA. Bereits am 27. Februar 1921 legte er sein Amt als Bezirksvorsitzender nieder und schied aus dem ZA aus. Teuber gehörte zu jenen VKPD-Reichstagsabgeordneten, die mit der Politik der Mehrheit der Zentrale, ihrer Unterwerfung unter die Komintern nicht einverstanden waren. Er schloß sich zunächst der KAG Paul Levis an, ging im April 1922 zur USPD zurück und wurde im Oktober 1922 wieder Mitglied der SPD. Nun lebte er als freier Publizist in Bochum, schrieb für die von Paul Levi redigierte Zeitschrift »Sozialistische Politik und Wirtschaft«, war vertretungsweise Redakteur an der »Leipziger Volkszeitung«. Bis 1927 war er auch Abgeordneter des Provinziallandtages Westfalen und Mitglied des SPD-Kreisvorstandes Bochum. Heinrich Teuber starb am 1. September 1927 in Leipzig.

Wer war wer in DDR

Thalbach, Katharina

* 19.01.1954

Geb. in Berlin; Tochter von Sabine T. (Schauspielerin am Berliner Ensemble/BE) u. Benno Besson; Abitur; Elevinnenvertrag am Berliner Ensemble unter Helene Weigel; 1970 Debüt als Polly (»Die Dreigroschenoper«) u. Eva (»Herr Puntila u. sein Knecht Matti«); 1969 – 75 Vertrag an der Volksbühne Berlin (VB), u. a. 1972 Desdemona (»Othello«, R: Manfred Karge/ Thomas Langhoff) u. Helena (»Die schöne Helena«, R: Benno Besson); 1971 – 76 Mitw. in DEFA-Filmen u. a. von Lothar Warneke (1972 »Es ist eine alte Geschichte«), Konrad Wolf (1974 »Der nackte Mann auf dem Sportplatz«), Egon Günther (1975 »Lotte in Weimar«, als Ottilie von Pogwisch, 1976 »Die Leiden des jungen Werther«, als Lotte, Co-Prod. mit dem DFF), Iris Gusner (1976 »Das blaue Licht«); Dez. 1976 mit Thomas Brasch u. Tochter Anna (geb. 1973) Ausreise aus der DDR; 1977/78 Mitgl. der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin (West), u. a. in: »Lovely Rita« (TR, UA 1977, R: Niels-Peter Rudolph); 1980 Dt. Darstellerpreis des Bundesverb. der Film- u. Fernsehregisseure; 1981 »Penthesilea« (als Protoe, R: Hans Neuenfels); seit 1987 auch als Regisseurin tätig; seit 1977 Filmrollen, u. a. mit Volker Schlöndorff (»Die Blechtrommel«, »Engel aus Eisen« mit Thomas Brasch, »Domino«), Alan J. Pakula, USA (1983 »Sophie’s Choice«), Siegfried Kühn (1992 »Die Lügnerin«); Fernseharbeiten u. a.: 1979 »Theodor Chindler« (R: Hans W. Geissendörfer), 1980 »Mosch« (ARD, R: Tankred Dorst), 1986 »Väter u. Söhne« (ARD, R: Bernhard Sinkel); 1987 Dt. Filmpreis. 1990 – 93 Schauspielerin u. Regisseurin am Schillertheater Berlin, u. a. 1991 »Minna von Barnhelm« (R.), »Macbeth« (R. u. Rolle: Königin, Werkstatt Schillertheater), »Hase, Hase« (TR, R: Benno Besson); 1991 Konrad-Wolf-Preis der AdK; 1993 Thalia Theater Hamburg (»Die Dreigroschenoper«, R.); Theaterrollen seit 1997 v. a. am Maxim-Gorki-Theater (MGTh) u. a. Frau John (»Die Ratten«, MGTh), Marie (»Der Hauptmann von Köpenick«, Fernsehfilm, R: Frank Beyer), »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, TR (Schauspielhaus Zürich, R: Benno Besson), 1998 »Der gute Mensch von Sezuan«, TR (MGTh); Regiearbeiten seit 1996 u. a. »Don Juan« (MGTh), »Lebenslänglich« (Wintergarten Berlin), »Der Hauptmann von Köpenick« (MGTh, nach der Premiere auch Übernahme der TR anstelle von Harald Juhnke), 1997 »Don Giovanni« (E-Werk Berlin); 1997 Carl-Zuckmayer-Medaille u. Kulturpreis von »Bild« für »Don Giovanni«; 1999 »Schade, daß sie eine Hure ist« (Studiobühne MGTh); 1999 Film »Sonnenallee« (R: Leander Haußmann); 2001 Film »Liebesau – die andere Heimat« (TV); 2002 R. »Orpheus in der Unterwelt«, Theater Basel; Film »Die Manns; 2004 R: »Salome«, Oper der Stadt Köln; 2005 Film »Edelweißpiraten«; 2005 Film »Kabale u. Liebe«; 2006 Film »Räuber Hotzenplotz«; 2007 die Filme »Hände weg vom Mississippi«, »Strajk – Die Heldin von Danzig« (Bayer. Filmpreis) u. »Du bist nicht allein«; Verdienstorden des Landes Berlin; 2008 Film »Der Mond u. andere Liebhaber«; 2009 Theater am Kurfürstendamm »Wie es euch gefällt« (auch R.); lebt in Berlin.Aune Renk

Wer war wer in DDR

Switalla, Anton

* 6.10.1896 – ✝ 8.4.1970

Geb. in Koschmin (Provinz Posen / Koźmin Wielkopolski, Polen); Vater Bauarb., Mutter Landarb.; Sohn  Eduard S.; 1902 – 09 Volksschule; 1909 – 11 Schießlehrling in einem Kalibergwerk bei Fallersleben; 1912 – 15 Wanderschaft, Tätigkeit in versch. Berufen; 1915 – 18 Kriegsdienst an der Westfront, Gefr.; 1918 – 21 Schmelzer in Hamburg; 1920 USPD; KPD; Vors. der KPD-Ortsgr. Schiffbek u. bis 1922 Betriebsratsvors.; anschl. Bauarb.; Okt. 1923 Ltr. des Hamburger Aufstands in Schiffbek; 1924 verhaftet, verurteilt zu fünf Jahren Festungshaft, April 1925 – Dez. 1926 Haft im Gefängnis Gollnow; anschl. Hafenarb. in Hamburg, dann erwerbslos; 1927 RGO; 1927 – 28 Sekr. der KPD-Stadtteilltg. Hamburg-Barmbek; 1927 – 33 Mitgl. der KPD-BL Wasserkante; 1928 – 31 Sekr. der UBL Harburg-Wilhelmsburg; 1929 wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu neun Mon. Gefängnis verurteilt, Vollzug in Altona; 1931 Besuch der militärpol. Schule in Moskau; 1932 – 33 Sekr. der Ltg. des KPD-UB Altona; ab 1933 illeg. Tätigkeit; 1933 Pol.-Sekr. der KPD zunächst in Bremen, dann im Saarl.; März/April 1935 zur Verfügung der KPD-Ltg. in Paris; dann Emigr. in die UdSSR; 1936 Gewerkschaftsinstrukteur für ausländ. Arbeiter im Lokomotivwerk Woroschilowgrad; sowj. Staatsbürgerschaft; ab Juni 1937 Teiln. am span. Bürgerkrieg; Politkommissar in der Offz.-Schule der Internat. Brigade in Pozo Rubio, Ltn., 1938 zum Soldaten degradiert; 1938 KP Spaniens; Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1939 – 41 in den frz. Lagern St. Cyprien, Gurs u. Le Vernet interniert; dort illeg. Parteiarbeit; die Rückkehr in die UdSSR scheitert zunächst am Einspruch  Walter Ulbrichts; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 1941 – 43 im Lager Djelfa in Algerien; 1943 kurzz. in der Brit. Armee in Algerien; dann über Iran u. Turkmenien im Sept. 1943 Rückkehr nach Moskau; Erkrankung an Typhus; ab Jan. 1944 Seminarltr. in der Antifa-Schule des Kriegsgefangenenlagers Nr. 165. Am 6.5.1945 als Mitgl. der Gruppe  Gustav Sobottka nach Stettin; Instrukteur in Greifswald, Neubrandenb. u. Neustrelitz; Aug. – Dez. 1945 Gen.-Staatsanwalt von Mecklenb.; 1945 – 49 Mitgl. des Landesvorst. Mecklenb. der KPD/SED; 1946 – 50 Vors. bzw. 1. Sekr. der SED-KL Schwerin; 1950 – 52 Chefinspekteur u. Politstellv. in der Landespolizeibehörde Sachsen; 1952 – 55 stellv. Ltr. der Politverw. der DVP-HV; 1955 – 59 Ltr. der HA Kader der DVP-HV; anschl. Ltr. der Kaderabt. im MdI; 1964 als Gen.-Major pensioniert; 1964 VVO; 1966 KMO; gest. in Berlin.Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sydow, Emil

* 22.11.1892 – ✝ 16.12.1959

Geboren am 22. November 1892 in Gunzenhausen/Franken; lernte Schlosser, übersiedelte nach Hamburg. 1918 Mitglied der USPD, mit deren Mehrheit 1920 zur KPD. In der Hamburger KPD gehörte Sydow zum linken Flügel der Partei, 1924 wurde er in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, Mitglied der BL Wasserkante, Angestellter bei der sowjetischen Handelsgesellschaft. Er wurde Anfang 1927 aus der KPD ausgeschlossen, angeblich, weil er in der sowjetischen Handelsvertretung Geld unterschlagen hatte, tatsächlich aber wohl, weil er als einer der ultralinken Funktionäre beim Kompromiß der Thälmann-Gruppe mit den Versöhnlern geopfert wurde. Sydow schied 1927 aus der Bürgerschaft aus und arbeitete wieder als Schlosser. Politisch trat er nicht mehr hervor. Emil Sydow starb am 16. Dezember 1959 in Hamburg.

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Szinda, Gustav

* 13.2.1897 – ✝ 23.9.1988

Geb. in Blindgallen (Ostpr. / Błąkały, Polen); Vater Zimmermann; Volksschule; Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1915 – 18 Soldat; 1918 Schlosser; 1920 Umzug nach Gelsenkirchen; Arbeit als Maschinenschlosser; 1920 – 24 Teiln. an den Kämpfen im Ruhrgeb.; 1924 KPD; 1925 RFB; ab 1931 arbeitslos; 1933 – 35 illeg. Tätigkeit; dann Emigr. nach Amsterdam; 1936 –38 Teiln. am span. Bürgerkrieg als Stabschef u. Kdr. der XI. Internat. Brigaden; 1937 Chef der Spionageabwehr der Interbrigaden; 1938 Mitarb. des ZK der KP Spaniens; 1939 Übersiedl. nach Moskau; Mitarb. der KI; 1941 ZK-Schule; 1943 – 45 Einsatz. bei sowj. Partisanen, dann in Dtl. zur Unterstützung des Widerstandskampfes; Sept. – Dez. 1945 Lehrer an der Antifa-Schule 12. Ende Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Sonderauftrag der Partei; Jan. 1946 Tätigkeit im Polizeipräs. Berlin; Aug. 1946 – 48 Ltr. der Personalabt. der VP-Behörde Mecklenb.; 1948/49 Ltr. der Personalabt. der Landesreg. Mecklenb.; 1949 Abt.-Ltr. für Polizeifragen des PV bzw. ZK der SED; ab 1951 Abt.-Ltr. im Außenpol. Nachrichtendienst (Auslandsspionage, ab 1953 HA XV des MfS Berlin); 1954 Ltr. der Abt. VII des MfS (Abwehr in MdI u. VP); 1957 KMO; 1958 Ltr. der BV Neubrandenb. (Nachf. von  Franz Schkopik) u. Mitgl. der SED-BL Neubrandenb.; 1964 Gen.-Major; 1965 Rentner; 1972 VVO; 1987 Stern der Völkerfreundschaft.Sakowski, H.: Das Leben eines Revolutionärs. Leipzig 1987. JeG

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Tannert, Christoph

* 28.12.1955

Geb. in Leipzig; Vater Theologe, Mutter Germanistin; Besuch der EOS u. Mitgl. des Dresdner Kreuzchors in Dresden; 1976 – 81 Studium der Kunstwiss. u. Archäol. an der HU Berlin; 1981 – 84 Sekr. der ZAG Junge Künstler beim Zentralvorst. des VBK der DDR; 1984 fristlose Entlassung wegen Engagements für junge, nichtkonforme Kunst; 1984 – 91 freiberuflich tätig als Kritiker u. Organisator von Ausstellungen (u. a. »Wort u. Werk« Samariterkirche Berlin 1986, »Permanente Kunstkonferenz« Weißer Elefant Berlin 1989, »L’autre Allemagne – hors les murs« La Villette Paris 1990, »Fontanelle« Potsdam 1993); Hrsg. von Grafikbüchern, Flugschriften u. Musikkassetten im Eigenverlag Ursus Press. Mithrsg. der Ztschr. »Schaden«; zahlr. Beiträge in nichtoffiz. Ztschr., u. a. »Anschlag«, »Ariadnefabrik«, »Kontext«, »Liane«, »Usw«; weiterhin zahlr. Katalogtexte u. Aufsätze, u. a. in: »Bildende Kunst«, »Kunstforum International«, »Niemandsland«, »Spex«. Seit 1991 Projektltr., seit 2000 Geschäftsf. am Künstlerhaus Bethanien Berlin.Zellinnendruck. Kat. zur Präsentation selbstverlegter Ztschr. u. Grafikbücher in Leipzig u. Berlin. Leipzig 1990 (Hrsg. mit E. Hesse); Mitarbeit am Titel von: Feist, G., Gillen, E.: Kunstkombinat DDR. Berlin 1990; Beiträge in: Gillen, E., Haarmann, R. (Hrsg.): Kunst in der DDR. Köln 1990; Muschter, G., Thomas, R. (Hrsg.): Jenseits der Staatskultur. Traditionen autonomer Kunst in der DDR. München 1992; New German Painting (Hrsg.). München 2006; Neue dt. Malerei. München 2007.Klaus Michael

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Taube, Paul

* 29.10.1892 – ✝ 2.2.1956

Geboren am 29. Oktober 1892 in Sangerhausen, Sohn eines Malzfabrikarbeiters; lernte Installateur und Kupferschmied. 1909 Mitglied der SAJ, 1910 der SPD. Bis 1912 im Mansfelder Bergrevier tätig, dann beim Militär, von 1914 bis 1918 Maschinistenmaat der Kriegsmarine. Von 1918 bis 1921 Turbinenmaschinist, auch Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Bitterfelder Film-Farbenfabrik Werk I. 1917 schloß sich Taube der USPD an, ging mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Von März 1921 bis Juli 1922 hielt er sich nach dem Mitteldeutschen Aufstand als Emigrant in der Sowjetunion auf. Dort zunächst beim Bau einer Überlandleitung, anschließend als Korrektor bei einer Zeitung in Moskau tätig. Nach Deutschland zurückgekehrt, lebte er unter dem Namen Hans Tank im Rheinland, war Bauhilfsarbeiter, nach einer Amnestie ging er wieder nach Bitterfeld. Er arbeitete als Schlosser und Rohrleger und war nebenamtlich Leiter des UB Bitterfeld, zeitweise auch Abgeordneter des Kreistages Bitterfeld. 1924 Orgleiter im Bezirk Halle-Merseburg, ab 1925 als Bezirksleiter in Danzig. Nach innerparteilichen und persönlichen Auseinandersetzungen legte Taube im November 1926 seine Funktion in Danzig nieder, danach Polleiter in Bremen, 1927 in die Bremer Bürgerschaft gewählt. Nach der ultralinken Wende Ende 1928/29 wurde er kritisiert, nicht konsequent gegen die Opportunisten vorgegangen zu sein, deshalb im März 1931 von Robert Stamm als Polleiter abgelöst. Offiziell in das Sekretariat der Reichstagsfraktion der KPD in Berlin »eingebaut«, reiste er im Auftrag des ZK in die Sowjetunion und war bis 1932 Kurier zwischen dem KPD-Polbüro und der Komintern. Am 15. März 1933 in Berlin festgenommen, »Schutzhaft«, am 19. April 1934 vom Berliner Kammergericht zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Brandenburg verbüßte. Nach seiner Entlassung am 19.April 1937 Rohrleger, stand aber unter Polizeiaufsicht. 1945 Vorsitzender der KPD in Bitterfeld und von 1946 bis Anfang Juni 1949 Vorsitzender der SED. Taube gehörte der SED-Landesleitung Sachsen-Anhalt an, nach schwerer Erkrankung noch einige Zeit Sekretär der SED-Fraktion im dortigen Landtag. Paul Taube starb am 2. Februar 1956 in Bitterfeld.

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Tauber, Ulrike

* 16.6.1958

Geb. in Karl-Marx-Stadt; nach erfolglosen Versuchen im Turnen 1967 Beginn mit dem Schwimmtraining in der BSG Wismut Siegmar, 1971 Delegierung zum SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Eberhard Mothes); 1972 zweifache Spartakiadesiegerin; Spezialdisz.: Lagen; 1974 EM über 200 m u. 400 m; 1975 WM über 400 m u. Vize-WM über 200 m; 1976 Olympiasiegerin über 400 m; Weltmeisterschaft 1978: Dritte über 200 m; 1979 Beendigung der sportl. Laufbahn; anschl. Studium der Med. in Berlin, Prom. zum Dr. med.; 1982 Heirat mit Holger Lebek; seit 1987 Fachärztin für Orthopädie in Berlin; VVO. Gemeinschaftspraxis für Orthopädie in Berlin-Marzahn; lebt in Neuenhagen (b. Berlin).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Tautenhahn, Gerhard

* 2.12.1929

Geb. in Vielau (Krs. Zwickau); Vater Kupferschmied; Volksschule; 1944 HJ; 1944 – 49 Ausbildung zum techn. Zeichner in Crimmitschau, danach im Beruf tätig; 1945/46 KPD/ SED; 1946 FDJ; 1949 – 52 Studium an der FS für Maschinen- u. Kraftfahrzeugbau Zwickau, Ing.; 1952/53 Instrukteur in der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1953 PHS; 1954 – 56 Instrukteur, danach bis 1964 Sektorenltr., 1964 – 86 Ltr. der Abt. Maschinenbau u. Metallurgie des ZK der SED (Nachf. von  Fritz Brock); 1971/76 Verdienstmedaille der NVA; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; seit 1976 Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB; 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1979 u. 1989 VVO; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1986 – 89 Minister für Allg. Maschinen-, Landmaschinen- u. Fahrzeugbau (Nachf. von  Günther Kleiber); Nov./Dez. 1989 Rücktritt mit dem Min.-Rat u. dem ZK der SED.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

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Teller, Günther

* 24.11.1925 – ✝ 28.6.1982

Geb. in Halle; Vater Salzsieder; Volksschule; Ausbildung zum Schlosser in den Siebel-Flugzeugwerken; 1943/44 RAD; 1944/45 Wehrmacht (Infanterie); 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 Kraftfahrer; 1945 Mitbegr. der Antifa-Jugend in Halle; 1945/46 LDPD; 1946/47 Org.-Ltr. bzw. Vors. des FDJ-Krs.-Vorst. Halle; 1947 SED; 1949/50 Sekr. für Org. beim FDJ-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1.9.1949 Angeh. der HV für Ausbildung; Mitarb. der HA Polit-Kultur für Jugendarbeit; 1950/51 PHS; 1953 – 57 Ltr. der Abt. Jugend in der Pol. Verw. der KVP bzw. NVA; 1953 – 59 Mitgl. des ZR der FDJ, Mitgl. seines Büros; 1958 – 62 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden, Dipl. rer. mil.; ab 1962 stellv. Ltr., dann Ltr. der Pol. Verw. des Militärbez. Leipzig; seit Febr. 1965 stellv. Chef der Pol. HV für organisationspol. Arbeit, 1966 Gen.-Major; 1968 – 82 Vors. des Zentralvorst. der GST (Nachf. von  Kurt Lohberger); 1.3.1975 Gen.-Ltn.; 1964 VVO; 1972 Banner der Arbeit; 1981 Scharnhorst-Orden.Helmut Müller-Enbergs

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Tennenbaum, Edda

* 24.12.1878 – ✝ 24.9.1952

Geboren am 24. Dezember 1878 in Mitau/Kurland (Lettland) als Edda Hirschfeld. Nach einem Buchhalterkurs Umzug nach ¸ód´z, Arbeit als Deutschlehrerin und Haushälterin. Wegen ihrer Zugehörigkeit zum Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund für Rußland, Polen und Litauen (»Bund«) verhaftet, trat sie 1903 in die Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauens (SDKPiL) ein und ging 1904 im Auftrag der Partei nach Berlin und Zürich. 1905 wieder in ¸ód´z, dort 1907 als Funktionärin der SDKPiL inhaftiert und zu zwei Jahren Verbannung verurteilt. Aus Sibirien geflohen, kehrte sie nach Warschau zurück und arbeitete später in Berlin und Stuttgart für die SPD, besonders in der Frauen- und Antikriegsbewegung aktiv. Von 1909 bis 1911 Mitarbeit an der von Clara Zetkin redigierten Zeitschrift »Gleichheit«, übersiedelte mit ihrem Mann Jan Tennenbaum nach Paris und wurde Mitglied der Französischen Sozialisten. 1919 in Moskau Funktionärin der Komintern, danach von 1920 bis 1924 in Berlin und Hamburg, Deckname Klara Klarowska, zunächst in der Redaktion der »Roten Fahne« und der Zeitschrift »Kommunistin«, zeitweise in der sowjetischen Botschaft in Berlin beschäftigt sowie ab 1925 wieder im Apparat der Komintern, u. a. im Frauensekretariat. Wegen ihrer Freundschaft mit Heinrich Brandler wurde 1926 ein Parteiverfahren eingeleitet, 1928 wurde sie wegen »rechter Abweichung« aller Funktionen enthoben und zu Archiv- und Bibliotheksarbeiten abgeschoben. Am 3. November 1937 wurde Edda Tennenbaum in Moskau vom NKWD verhaftet und zu acht Jahren Lager verurteilt, im Gulag in Kasachstan zusätzlich mit drei Jahren bestraft. Schon wenige Monate nach ihrer Freilassung kehrte sie 1948 in das kriegszerstörte Warschau zurück. Mit Karl Wloch u. a. organisierte sie auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos Erziehungsarbeit unter deutschen Kriegsgefangenen. Dafür hat ihr Hermann Kant in seinem Roman »Der Aufenthalt« ein literarisches Denkmal gesetzt. Edda Tennenbaum starb am 24. September 1952 in Warschau. Ihr Mann Jan Tennenbaum (* 1881 – † 1937), ebenfalls führender Funktionär der SDKPiL bzw. der Kommunistischen Arbeiterpartei Polens, starb 1937 in einem sowjetischen Lager, nachdem er unter den üblichen haltlosen Anschuldigen verhaftet worden war. Ihr gemeinsamer Sohn Kasimir Tennenbaum (* 1909 in Stuttgart) wurde 1922 Mitglied der KJD, studierte an der TH in Berlin, wurde 1928 wegen »Rechtsabweichung« aus dem KJVD ausgeschlossen und trat in die KPO ein. Später Emigration nach Moskau, dort am 4. November 1936 vom NKWD festgenommen und am 27.August 1937 zu acht Jahren (nach anderen Angaben zu zehn Jahren) Lagerhaft verurteilt. Kasimir Tennenbaum wurde am 8.Januar 1938 im Gulag Nordost in Karaganda ermordet. 2002 veröffentlichte Gerd Kaiser die von Stefan und Witold Leder aufgeschriebene Geschichte der Familien Leder, Hirschfeld und Tennenbaum.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Teschner, Anton

* 15.7.1899 – ✝ 22.9.1985

Geboren am 15. Juli 1899 in Kolbornow/Krs. Allenstein in Ostpreußen, Sohn einer Landarbeiterfamilie, 1908 nach Essen umgezogen; bis 1931 Bergmann (zuletzt Zimmerhauer). Von 1920 bis 1924 Mitglied der USPD/KPD, ab 1928 erneut Mitglied der KPD. Er wurde Anfang 1931 Mitarbeiter des AM-Apparates der BL Ruhr. Ende 1932 Kursant an der M-Schule der Komintern, Schuldeckname Friedrich. Nach Rückkehr im Sommer 1933 illegale Arbeit im Ruhrgebiet. Von November bis Dezember 1933 inhaftiert, am 23. Januar 1934 erneut festgenommen und am 21. Dezember 1934 vom OLG Hamm wegen »Vorbereitung zum Hochverrat und Sprengstoffverbrechen« zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt, danach von Juli 1943 bis April 1945 in den KZs Dachau und Flossenbürg. Durch die US-Armee am 23. April 1945 befreit, trat er wieder in die KPD ein und war ab März 1946 Expedient beim KPD-Organ »Westdeutsches Volksecho«. Anton Teschner starb am 22.September 1985 in Bonn-Duisdorf. Sein älterer Bruder Bernhard (* 1. 5. 1897 – †4.10.1967) war ebenfalls Bergmann, seit Januar 1920 in der USPD, wurde nach dem Kapp-Putsch vom Reichsgericht zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, jedoch im Oktober 1920 durch Amnestie entlassen. KPD-Funktionär der BL Ruhr, im AM-Apparat, zeitweise Leiter des AM-Apparates der BL Ruhrgebiet. 1935 im KZ Esterwegen, wurde er im Juli 1937 erneut festgenommen und 1938 vom OLG Hamm zu 21 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach Freilassung Angestellter einer Essener Maschinenfabrik, zog er später nach Ballenstedt, trat 1945/46 in die KPD/SED ein und wurde Angehöriger der Polizei.

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Teubner, Hans

* 25.4.1902 – ✝ 11.9.1992

Geb. in Aue (Sachsen); Vater Bergarb., Metallarb., später Bildhauer, Mutter Textil- u. Heimarb.; 1908 – 16 Volksschule; 1916 – 19 Zeichenschule für Textilindustrie u. Kunstgewerbe in Schneeberg; Glasmaler; 1919 KJVD; KPD; 1919 – 24 bei der Bahnpost u. als Kalkulator in Chemnitz, Aue u. Leipzig tätig, meist arbeitslos; Mitbegr. des KJVD im Erzgeb., Mitgl. der BL u. des Reichsaussch. der Jugend; 1922/23 KPD-Stadtverordn.; 1923 Arbeit für den Militär. Nachrichtendienst der KPD, zus. mit Ernst Schneller maßgebl. an der Aufstellung bewaffneter Proletar. Hundertschaften in Sachsen beteiligt; journalist. Beiträge in der Ztg. »Kämpfer« (Chemnitz); dort ab 1924 Red.; Flucht wegen drohender Verhaftung; 1924 – 27 Red. der Ztg. »Freiheit« (Düsseldorf), Ps. Ernst Rohde; Herbst 1927 kurzz. in Düsseldorf inhaftiert; 1927 Mitarb. der ZK-Abt. Agit.-Prop. in Berlin; Nov. 1928 – Frühj. 1930 Studium an der Internat. Lenin-Schule, Moskau, dort Ltr. der mitteleurop. Ländergr.; 1928 – 30 KPdSU; als GRU-Agent rekrutiert; bis Mitte 1930 illeg. Arbeit als Vertreter des EKKI in Rumänien; dort unter direkter Anleitung von Georgi Dimitroff »die KI-feindl. Fraktionen beseitigt«; 1930/31 Parteisekr. des KPD-UB Berlin NW; 1931/32 Agit.-Prop.-Ltr., Reichsltg. der RGO; 1932 für das westeurop. Sekr. der RGI Reisen nach Bulgarien, in die Türkei u. nach Griechenland; 1932/33 Red. der »Internat. Gewerkschaftspresse-Korrespondenz«; März – Okt. 1933 RGI-Arbeit in Kopenhagen; Okt./Nov 1933 illeg. RGO-Arbeit in Berlin; Nov. 1933 verhaftet u. gefoltert, Nov. 1934 vom 2. Senat des VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 18 Mon. Zuchthaus verurteilt, Haft in Berlin u. im Zuchthaus Luckau bis Nov. 1935; danach Wohlfahrtsarb. in Berlin; Herbst 1936 Flucht in die ČSR (Prag); Jan. – Aug. 1937 in Amsterdam Parteiarbeit zus. mit Erich Gentsch u.  Paul Bertz; Aug. 1937 – Jan. 1939 in Spanien; dort Mitarb. von  Franz Dahlem; zus. mit  Erich Glückauf Red. des Dt. Freiheitssenders 29,8 in Valencia u. Barcelona; daneben Lehrer für dt. Offz. der Internat. Brigaden in Benicasim; Jan. 1939 zus. mit Erich Glückauf Flucht nach Paris; ab März 1939 Ltr. der KPD-Abschnittsltg. Süd in der Schweiz; Sept. 1939 Verhaftung, Internierung in den Zuchthäusern Regensdorf, St. Gallen, ab Juli 1940 Zuchthaus Witzwil, Damin, Dez. 1940 Sonderlager Malvaglia, ab Dez. 1941 Lager Gordola (b. Locarno); Mitgl. u. Sekr. der dort gebildeten KPD-LL; 1943 im Lager Brissago (Tessin), 1944 Entlassung, ab Dez. offiz. Vertreter der KPD in der LL der Beweg. Freies Dtl. in der Schweiz; 1944/45 in der Schweiz Kontakt mit dem Unitarian Service Commitee durch Noel H. Field. Mai 1945 illeg. Rückkehr nach Süddtl.; Aug. 1945 Berlin; dort Chefred. der »Dt. Volksztg.«; 1945/46 KPD/SED; März 1946 Chefred. der »Sächs. Volksztg.«; Mitgl. des SED-LV Sachsen; Sept. 1947 – 50 Lehrer, dann stellv. Fak.-Ltr., Ltr. der Lehrabt. der PHS Kleinmachnow; 24.8.1950 von allen Funktionen wegen der Field-Affäre enthoben u. als zionist. imperialist. Agent beschuldigt; Sept. 1950 – Mai 1952 Statistiker im VEB Buntweberei Seifhennersdorf; 1952 – 54 Doz. für Ges.-Wiss. an der FS für Energie in Zittau; März 1956 Aufhebung der Funktionssperre; 1957 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Theorie u. Praxis der Pressearbeit an der KMU Leipzig; Dir. des Inst. für Theorie u. Praxis der Pressearbeit u. Prodekan der Fak. für Journalistik; 1959 – 63 Chefred. der »Leipziger Volksztg.«; 1959 – 63 Mitgl. der SED-BL Leipzig; 1960 1. Vors. des VDJ Leipzig; 1962 Banner der Arbeit; ab Okt. 1963 wiss. Mitarb. im IML; 1967 VVO; 1972 Prom. am IML mit der Arbeit »Exilland Schweiz«; 1972 Ehrenspange zum VVO; 1973 Ehrenbürger der Stadt Aue; 1977 KMO; 1982 aus gesundheitl. Gründen aus dem IML ausgeschieden; 1987 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Der dt. Freiheitssender 29,8 als Führungsorgan der KPD im antifa. Kampf. In: BzG 1964; Exilland Schweiz: Dok. Bericht über den Kampf emigrierter dt. Kommunisten 1933 – 1945. Berlin 1975. Fricke, K. W.: Warten auf Gerechtigkeit. Köln 1971; Bergmann, K.: Die Bew. »Freies Dtl.« in der Schweiz 1943 – 1945. München 1974; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Thalheim, Barbara

* 5.9.1948

Geb. in Leipzig; Vater Kulturfunktionär; 1955 – 65 POS; 1965 – 67 Lehre als Facharb. für Schreibtechnik; 1967 – 70 Mitarb. in kulturellen Institutionen; 1968 – 71 Mitgl. des Oktoberklubs; 1970 – 73 Studium an der FS für Unterhaltungskunst; Berufsausweis als Sängerin; 1973 – 76 Kompositionslehrgang an der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; 1974 – 81 Zusammenarbeit mit einem Streichquartett; 1974 erstes eigenes Konzertprogr.; 1975 SED; 1976 Programm »Lebenslauf« (1978 als erste LP); Texte bis 1995 größtenteils von ihrem damaligen Lebensgefährten, dem Journalisten Fritz-Jochen Kopka; zahlr. Gastspiele in der Bundesrep. Dtl.; 1972 – 79 vom MfS als IM »Elvira« geführt; 1980 Ausschl. aus der SED nach Kritik an zeitw. Einschränkungen des Kulturaustauschs mit der Bundesrep. Dtl.; ab 1981 Arbeit mit Band, wechselnde Besetzungen; wegen krit. Texte zunehmend Auseinandersetzungen mit den Behörden; Porträtreihe über in- u. ausländ. Liedermacher u. Interpreten im Rundfunk (DT 64); 1982 Programm »In der Macht, in der Nacht, in der Not ist der Mensch nicht gern alleine« (1985 auch als LP »Die Kinder der Nacht«); 1989 Kunstpreis der DDR, Prog. »Neue Reiche« (LP, CD 1990). 1990 Programm »Wie im Westen, also auch auf Erden« (1991 CD »Von der Westlichkeit der Welt«); 1992 Mitunterz. des Appells zur Gründung von Komitees für Gerechtigkeit; 1993 nach Frankreichaufenthalt Programm »Fremdegehen« (auch als CD); 1995 Abschiedstournee (CD »Abgesang«); Gründung eines Kleinkunstkulturbüros; 1998 Rückkehr auf die Bühne mit dem Programm »22 neue Lieder« (CD »In eigener Sache«); seitdem Konzerttourneen im In- u. Ausland (mehrmals Frankreich); 2004 CD »Insel sein«; 2007 CD »Immer noch immer«; 2008 CD »herverloren«.Höhlen-, Drachen- u. Trotzdem-Lieder. Fulda 1987 (zus. mit F.-J. Kopka); Mugge. Berlin 2000 (Autobiogr.).Lutz Kirchenwitz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Switalla, Anton

* 6.10.1896 – ✝ 8.4.1970

Geboren am 6. Oktober 1896 in Koschmin/ Provinz Posen, Sohn einer Arbeiterfamilie. Hütejunge, dann Wanderschaft, später Hafenarbeiter in Hamburg. 1915 zum Militärdienst eingezogen, war er nach der Revolution Betriebsratsvorsitzender in Hamburg, von Januar 1919 bis Januar 1920 Mitglied der AAU. Dann in der USPD und im Dezember 1920 Mitglied der VKPD. 1922/23 als Bauarbeiter tätig, nahm am Hamburger Aufstand 1923 teil und saß deswegen von 1924 bis 1926 in Festungshaft in Gollnow. Im Oktober 1927 Sekretär des KPD-UB Hamburg-Barmbek, von April 1928 bis Mai 1931 des UB Harburg-Wilhelmsburg. 1929 wegen »Widerstands gegen die Staatsgewalt« zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Switalla besuchte 1931 die M-Schule in Moskau, nach seiner Rückkehr Mitglied der engeren BL Wasserkante. Am 5. März 1933 in den Preußischen Landtag gewählt, konnte er wegen des NS-Terrors sein Mandat nicht ausüben. Im April 1933 Polleiter des illegalen Bezirks Nordwest (Bremen), vom ZK im Juli 1933 als Polleiter für das Saargebiet eingesetzt. Er kam im Mai 1935 in die Sowjetunion, hier zunächst bei der Fraktion um Hermann Schubert, mit dem er seit Hamburg verbunden war. Bis Dezember 1935 Instrukteur im Internationalen Klub der Seeleute, dann Gewerkschaftsinstrukteur für die ausländischen Arbeiter in Woroschilowgrad. Von Januar bis April 1937 absolvierte Switalla eine weitere militärische Ausbildung und war von Mai 1937 bis Februar 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, u. a. Politkommissar an einer Offiziersschule. Von Februar 1939 bis November 1941 in Frankreich interniert, anschließend bis Mai 1943 im Wüstenlager Djelfa in Nordafrika. Im Juni 1943 kam er mit einem Transport in die Sowjetunion, von Januar 1944 bis April 1945 Lehrer an Antifa-Schulen. Anfang Mai 1945 kehrte er mit der von Gustav Sobottka geleiteten Gruppe nach Deutschland zurück, von August bis Dezember 1945 Generalstaatsanwalt von Mecklenburg, ab Januar 1946 1. Sekretär der KPD bzw. ab April 1946 Vorsitzender der SED Schwerin. 1950 zur Polizei, bis 1952 Stellvertreter des Chefs der VP Sachsen, dann bis September 1955 der Politischen Verwaltung der HVDVP. Er wechselte 1954 zeitweilig in das Staatssekretariat für Staatssicherheit, war bis August 1959 Leiter der Hauptabteilung Personal, zuletzt Leiter der Kaderverwaltung des Innenministeriums. Als Generalmajor 1964 ausgeschieden, erhielt er 1966 den Karl-Marx-Orden. Anton Switalla starb am 8. April 1970. Sein Sohn Eduard Switalla (* 27. 11. 1919 – †28. 5. 2004) emigrierte mit den Eltern 1933 nach Frankreich, später in die Sowjetunion, lernte Schlosser und war seit 1941 in der »Arbeitsarmee«. Er kam 1946 in die SZB, wurde Mitglied der SED und ging zur Polizei. Ab 1950 beim MfS, zeitweise Leiter der Bezirksverwaltung Rostock, später Abteilungsleiter im Ministerium für Staatssicherheit in Ost-Berlin.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Sylla, Horst

* 11.2.1933

Geb. in Hindenburg (Oberschles. / Zabrze, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Elektromaschinenbauer, Umschulung u. Arbeit als Bohrwerksdreher; 1953 Eintritt in die KVP, Offiziersschüler an der Panzerschule Priemerwald; 1954 SED; 1954/55 Zugführer im Schweren Panzer- u. Selbstfahrlafetten-Regt. der KVPD in Dresden; 1955/56 Kompaniechef im NVA-Panzer-Regt. 14; 1957 – 60 Fachlehrer an der Panzerschule in Großenhain; 1961 – 64 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1964 – 68 1. Stellv., 1968 – 71 Kdr. des Panzer-Regt. 4 »August Bebel« in Gotha; 1971 – 74 Studium an der Generalstabsakad. der UdSSR; 1974 –77 Stellv. Kdr. für Ausbildung der 4. Mot-Schützendiv., 1975 Oberst; 1977 – 82 Kdr. der 9. Panzerdiv. in Eggesin (Nachf. von  Manfred Gehmert), 1979 Generalmajor; 1982/83 im Stellenplan für zeitw. nicht eingesetzte Offiziere; 1983 – 85 Kdr. der Offiziers-HS der Landstreitkräfte »Ernst Thälmann« in Löbau (Nachf. von Werner Winter); 1985 Stellv. des Chefs u. Chef des Stabs (Nachf. von Ulrich Bethmann), 1986 – 90 Chef des Militärbez. V, Neubrandenb. (Nachf. von Manfred Gehmert); März 1988 Generallt., 30.9.1990 Entl.Andreas Herbst

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Tack, Erich

* 11.10.1921 – ✝ 6.3.1978

Geb. in Lüdershagen (b. Güstrow); Vater Landarb.; bis 1936 einklassige Dorfschule; 1936 – 38 Landarb. bzw. gutsherrschaftl. Kutscher; 1938 RAD; 1939 – 45 Kriegsdienst, zul. Ltn.; amerik. Gefangenschaft. Juli 1945 Entlassung nach Augsburg; dort Anstellung bei der Stadtpolizei; 1946 über die »grüne Grenze« Rückkehr nach Mecklenb.; CDU u. FDGB; bis 1951 Sekr. u. stellv. Vors. des Landesvorst. Mecklenb. der IG Land u. Forst; Mitgl. des FDGB-Landesvorst.; 1948 Landesgewerkschaftsschule u. 1949 Schule des FDGB-Bundesvorst.; 1949 Übertritt zur SED; 1950 Abg. des Mecklenb. Landtags; ab 1951 bis zu seinem Tod Dir. des VEG Tierzucht Groß Stieten (Krs. Wismar); 1952 – 57 Mitgl. des Rostocker Bez.-Vorst. der Gewerkschaft Land u. Forst; 1952 – 60 Mitgl. der SED-BL Rostock; 1963 nach Fernstudium an der Univ. Rostock Abschl. als Dipl.-Landwirt; ab 1967 Mitgl. der SED-KL Wismar; 1973 NP (im Koll.); ab 1975 Vors. des Krs.-Vorst. Wismar der DSF. Unter der Ltg. von E. T. entw. sich das VEG Groß Stieten zu einem Musterbetrieb der industriemäßigen Agrarprod. in der DDR sowie zu einem Zentrum landw. Berufsausbildung; DDR-weiten Ruf erlangte das Gut zudem als Träger außergewöhnl. betriebl. u. dörfl. Sozial- u. Kultureinrichtungen.Kloock, A.: Das volkseigene Gut Groß Stieten a. D. In. Neues Dtl. 22./23.2. 1991.Siegfried Kuntsche

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Tartler, Georg

* 23.3.1899 – ✝ 30.10.1976

Geb. in Nußbach (Siebenbürgen, Österreich-Ungarn / Măieruş, Rumänien); Vater Lehrer; 1915 – 17 Ausbildung zum Schlosser u. Dreher; 1916 – 18 Kriegsdienst in der ungar.-österr. Armee, 1918 – 19 ital. Kriegsgef.; 1922 – 26 Studium der Landw. in Gießen u. Halle, 1927 Dipl.-Landw.; 1927 – 28 Landwirtschaftslehrer in Siebenbürgen; 1928 Reifeprüfung in Gießen; 1928 – 33 Studium der Med. in Gießen u. Halle, dort 1934 Prom.; 1934 – 39 Ass. am Hygieneinst. der Univ. Halle, 1939 Habil. mit der Arbeit »Die akute Bleivergiftung«, 1941 – 45 Doz. für Hygiene u. Bakteriologie; 1933 SA, 1937 NSDAP; 1939 – 45 Hygieniker im Stabsdienst der 6. Armee; 1945 amerikan. Kriegsgef. Ab Sommer 1945 maßgebl. beteiligt am Aufbau des bakteriolog.-serolog. Inst. in Schwerin (ab 1947 Hygiene-Zentralstelle) u. dessen erster Dir.; zugl. Seuchenkommissar für das südl. Mecklenburg; 1948 SED; nach Lehrtätigkeit an der EMAU Greifswald dort 1952 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Mikrobiologie u. Epidemiologie, 1954 – 58 Prorektor für Forschungsangelegenh., 1961 – 63 Dekan der Medizin. Fak., 1965 – 66 Rektor der EMAU (Nachf. von  Hans Wehrli); 1966 em.; 1962 Verdienter Arzt des Volkes; 1964 u. 1974 VVO; gest. in Greifswald. Forschungsgebiete: Grundlagenforschung Bakteriologie u. allg. Hygiene, Epidemiologie, Bleivergiftung, Grippeätiologie, Entw. antimikrobieller Substanzen.Die Bedeutung der Mikrobleibestimmung für die Frühdiagnose u. Therapie der Bleivergiftung. In: Wiss. Ztschr. der EMAU Greifswald (1954) 1; Harzer Käse als Ursache von drei örtl. getrennten Typhusepidemien. In: Dt. Gesundheitswesen (1954) 14; Untersuchungen über das Verhalten v. Staphylokokken, Enterokokken, Escherichia coli u. Proteusbakterien gegenüber einigen antibiot. wirksamen Substanzen während der Jahre 1935 – 1959. In: Dt. Gesundheitswesen (1960) 6; Zusammenhänge zw. chem. Konstitution u. keimwidriger Wirkung. In: Pharmazie (1963) 18; Die manometrische Atemmessung in der chemotherapeut. Forschung: Aufgaben u. Grenzen. In: Archiv für Exp. Veterinärmed. (1967) 1.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Taube (Staak), Gertrud

* 13.7.1908 – ✝ 10.10.1941

(* 1908 – † 1941?) Geboren am 13. Juli 1908 in Berlin, Tochter einer Handwerkerfamilie. Sie wurde Stenotypistin, im Oktober 1925 Mitglied im KJVD. Im Juni 1927 Stenotypistin im ZK der KPD, im Oktober 1927 trat sie der Partei bei. Nach 1928 kam sie als Sekretärin zu Werner Hirsch und dann als Sekretärin und Telefonistin des Polbüros zum Parteiführer Ernst Thälmann. Damit erhielt sie eine Vertrauensstellung, sie verwahrte wichtige Dokumente und hatte die Verbindung zu den illegalen Apparaten (AM-Apparat usw.). Gertrud Taube wurde nach Thälmanns Verhaftung im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Thälmann-Prozesses polizeilich gesucht und deswegen im Juni 1933 in die Sowjetunion geschickt. Dort lebte sie einige Zeit mit dem jugoslawischen Parteivertreter Fleischer zusammen, der 1937 vom NKWD erschossen wurde. In einer Sitzung »deutscher Genossen vom 21.12. 1937« wurde Gertrud Taube (nun Staak) die »Verbindung zu Parteifeinden« wie Werner Hirsch vorgeworfen. Außerdem seien »ihre Aussagen über ihre Zusammenarbeit und den Verbleib von wichtigen Dokumenten unglaubwürdig«. Sie wurde am 31. Dezember 1937 aus der KPD »wegen Verbindung mit Volksfeinden und politisch unzuverlässig« ausgeschlossen und am 10. Oktober 1941 vom NKWD verhaftet. Gertrud Taube/Staak soll dann Selbstmord verübt haben, auch sie ein Opfer der stalinistischen Säuberungen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tauber, Paul

* 2.4.1892 – ✝ 15.3.1943

Geboren als Hieronymus Paulus Tauber am 2.April 1892 in Fürth/Bayern, Sohn eines Vertreters. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete er in diesem Beruf. Als Soldat im Weltkrieg geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, kehrte Anfang April 1919 nach Ingolstadt zurück. Er wurde Mitglied der USPD, Ende 1920 der KPD und war zeitweilig Leiter der KPD-Ortsgruppe Ingolstadt. 1924 in den Stadtrat gewählt (aus beruflichen Gründen nahm er das Mandat nicht an). Im Oktober 1927 kam Tauber als Nachrücker für Joseph Schlaffer in den Bayerischen Landtag. Er wurde 1933 festgenommen und saß für längere Zeit in »Schutzhaft«. Paul Tauber starb am 15. März 1943 in Ingolstadt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tebarth, Wilhelm

* 5.8.1902 – ✝ 1945

Geboren am 5. August 1902 in Düsseldorf; Schriftsetzer. Seit 1927 Mitglied der KPD, unter dem Decknamen Schimmel von 1928 bis 1931 Leiter des AM-Apparates im Bezirk Niederrhein. Er kam im März 1931 nach Berlin und arbeitete hier im zentralen AM-Apparat. 1933 unter dem Schulnamen Herrmann Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau, anschließend Leiter des AM-Apparates der illegalen KPD-Landesleitung und bis 1935 u. a. für die Verbindung zu Rosa Thälmann verantwortlich. Tebarth hatte verschiedene Decknamen wie Humbold, Henri, Georg, Fritz, Michalski usw. Ab 1935 in den Niederlanden Instrukteur der AL West in Amsterdam, später in Spanien bei den Internationalen Brigaden Mitarbeiter im Apparat von Franz Dahlem in Valencia (Deckname Fritz Valencia). Bei der Rückkehr nach Frankreich im Juli 1937 in Perpignan zeitweise inhaftiert, kam im Herbst 1938 nach Brüssel, lebte dann in der Schweiz. Nach Aussage des Spanienkämpfers und Angehörigen der Résistance Werner Schwarze (* 24. 2. 1907 - † 3. 7. 1975) hatte Tebarth für den sowjetischen Nachrichtendienst gearbeitet. Anfang 1945 mit gefälschten Wehrmachtspapieren nach Deutschland gefahren, von der Gestapo in München gestellt, soll sich Wilhelm Tebarth selbst erschossen haben.

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Teller, Jürgen

* 12.9.1926 – ✝ 10.6.1999

Geb. in Döbeln; Vater Facharzt für HNO, Mutter Krankenschwester; 1937 – 43 Gymnasium in Döbeln ohne Abschluß; 1943/44 RAD, dann als Kriegsfreiwilliger zur Marine, 1945 Einsatz u. Verwundung in Italien, 1946/47 engl. Kriegsgefangenschaft. 1949 Abitur an der Lessing-OS Döbeln; SED; 1949 – 54 Studium der Geschichte, Germanistik u. Philos. an der Univ. Leipzig, u. a. bei  Walter Markov,  Hans Mayer u.  Ernst Bloch, ab 1951 Hilfsassistent bei Bloch; 1954 Dipl.-Phil., anschl. wiss. Assistent bei Bloch; 1958 im Kontext der Revisionismusvorwürfe gegen Bloch Ausschluß aus der SED u. Entlassung von der Univ.; »Bewährung in der Prod.« als Hilfsarbeiter im Leipziger Eisen- u. Stahlwerk, Arbeitsunfall u. Verlust des linken Arms; anschl. wiss. Mitarb. am Leipziger Inst. für Volkskunstforschung des Zentralhauses für Kulturarbeit; 1961 Annahme der Diss. »Versuch zur philosoph. Bestimmung von Naturqualitäten« an der KMU Leipzig, 1962 Einstellung des Promotionsverfahrens durch die Philosoph. Fak. in Reaktion auf Blochs Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; ab 1964 Lektor beim Reclam Verlag, hier u. a. Betreuung der Ausgaben von Th. Morus (1974), G. Bruno (1984) u. E. Bloch (1987), letztere wurde ohne T.s Nachwort ausgeliefert; 1967 Prom. an der HU Berlin zu einem volkskundl. Thema; 1978 – 85 wiss. Mitarb. im Inst. für Klass. Dt. Lit. bei den Nat. Forschungs- u. Gedenkstätten in Weimar; ab 1986 Cheflektor für Germanistik beim Kiepenheuer-Verlag; 1990 invalidisiert. 1991 vollst. Rehabilitierung u. nachträgl. Anerkennung der Diss. von 1961, Berufung zum Honorarprof. an die Univ. Leipzig, dort Vorlesungszyklus zur Blochschen Philos.; 1992 Gründungsmitgl. der Freien Akad. der Künste zu Leipzig.Marx u. Engels über die Volkskunst (Fernstudienmaterial). Leipzig 1964; Blochs Atheismus. In: Unseld, S. (Hrsg.): Bloch zu Ehren. Frankfurt (Main) 1965 (unter Ps. Theodor Heim); Viele Kammern im Welthaus. Frankfurt (Main) 1994 (Bloch-Lesebuch / Hrsg. mit F. Dieckmann); Ernst Bloch. Ein Zuhause für den Philosophen. In: Hauschild, V. (Hrsg.): Die großen Leipziger. Leipzig 1996; Hoffnung u. Gefahr. Essays, Aufsätze, Briefe 1954 – 1999. Frankfurt (Main) 2001 (Hrsg. von H. Witt). Irrlitz, G.: J.T., Hoffnung u. Gefahr. In: Berliner Debatte Initial (2002) 5/6.Hans-Christoph Rauh

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Tenner, Günther Fritz

* 25.2.1907 – ✝ 11.4.1989

Geb. in Berlin; Vater Bäcker u. Metallarb., Mutter Dienstmädchen; 1914 – 21 Volksschule in Berlin; ab 1921 Berliner Fabrikarbeiterverb.; 1921 – 25 Bürobote, danach Arbeiter in Berlin; 1925 Berliner DMV; 1927 KJVD; Jan. 1928 KPD in Berlin; Pol.-Ltr. des KJVD-UB Berlin-Zentrum, anschl. von den Antifa. Jungen Garden Berlin; Mitarb. der KJVD-BL Berlin-Brandenb.; 1930 verhafet u. U-Haft wegen »Fortführung einer illeg. Org.«, mangels Beweisen freigesprochen; 1930 – 32 Instrukteur des ZK der KJVD in Frankfurt (Main), Magdeburg, Saargeb. u. Oberschles.; 1932/33 Jugendsekr. des KJVD-UB Mittelrhein; 1933 – 35 illeg. pol. Arbeit für die KPD; 1935 nach Moskau über Prag (dort kurzz. verhaftet); 1935 – 37 Kursant der Internat. Lenin-Schule in Moskau (»Erich Lampe«); Jan./Febr. 1937 Lehrgang an der Militärschule in Rjasan; März 1937 nach Spanien; 1937 – 39 Kaderchef des »Hans-Beimler-Bat.«, dann Pol.-Kommissar der Batterie »Ernst Thälmann«; 1938 KP Spaniens; im 2. Einsatz Offz. der Spezialkomp. »André Marty«; ab Febr. 1939 in Frankreich interniert (Lager St. Cyprien, Gurs u. Vernet); 1941 – 43 in Djelfa (Nordafr.) interniert; dort Ltr. der KPD-Gruppe; April – Nov. 1943 bei der engl. Armee in Nordafr., dort ebenfalls Ltr. der KPD-Gruppe; 1943 – 45 UdSSR (»Grischa Teller«), dort für das NKWD eingesetzt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Bez.-Rat für Personal u. Verw. im Bez.-Amt Berlin-Charlottenburg; ab 1947 Hauptref. in der Abt. Personalpol., dann Kadermitarb. in der Abt. Landw. beim PV bzw. ZK der SED; 1950 – 71 Mitgl. der ZPKK der SED im Rang eines Abt.-Ltr. des ZK der SED u. maßgebl. an Parteisäuberungen u. Kaderüberprüfungen beteiligt (so gegen  Franz Dahlem); 1969 VVO; 1973 Ehrenspange zum VVO; 1977 KMO; Mitgl. der Zentr. Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitgl.; 1982 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Weber, H., Mählert, U. (Hrsg.): Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936 – 53. Paderborn u. a. 1998.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tetens, Fritz

* 19.2.1900

Geboren am 19. Februar 1900 in Berlin; Schmied. Bis 1917 in der sozialistischen Jugend in Berlin aktiv, er übersiedelte zunächst nach Süddeutschland und kam in Verbindung zu den Linksradikalen. 1918 schloß er sich in Wilhelmshaven den Internationalen Kommunisten Deutschlands an und war als deren Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin. Er kritisierte die Führung und in einer persönlichen Erklärung wandte er sich gegen Hugo Eberlein, von dem er sich wegen seiner Kritik an der Zentrale zu Unrecht angegriffen fühlte. Denn Eberlein hatte Tetens, »diesen jungen Genossen«, gefragt: »Was habt ihr geleistet in diesen vier Jahren?« Tetens verwies auf seine Aktivität in der Jugendorganisation. Im Januar 1919 war Tetens an einem Putsch in Wilhelmshaven beteiligt, wurde zu fünf Jahren Festung verurteilt, konnte aber nach Dänemark fliehen. Danach gab es Gerüchte, er habe im Herbst 1919 den Reichsbehörden seine Dienste gegen die KPD angeboten (was diese aber ablehnten). Daraufhin kehrte er nach Deutschland zurück und trat seine Strafe an, von der ihm später zwei Jahre erlassen wurden. Tetens soll 1927 Redakteur in Eberswalde gewesen sein. Es ließ sich nicht ermitteln, ob er noch für die KPD tätig war, denn politisch trat er nicht mehr hervor. Weitere Lebensdaten Fritz Tetens sind nicht bekannt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Teubner, Hans

* 25.4.1902 – ✝ 11.9.1992

Geboren am 25. April 1902 in Aue/Sachsen, Sohn eines Metallarbeiters und Holzbildhauers; war bis 1923 Glasmaler und Angestellter. 1919 trat er in die KJD und die KPD ein, wurde 1923 im Bezirk Sachsen unter Ernst Schneller Mitarbeiter im Nachrichtendienst der KPD und war dort an der Aufstellung bewaffneter Proletarischer Hundertschaften beteiligt. Seit 1924 Redakteur der Chemnitzer KPD-Zeitung »Kämpfer«, als Anhänger der Mittelgruppe dann der »Freiheit« in Düsseldorf, 1927 Mitarbeiter der ZK-Abteilung Agitation und Propaganda. Ende 1927 Kursant der Internationalen Leninschule Moskau, zusätzlich führte er bis Mitte 1930 auch illegale Aufträge für die Komintern aus. 1931/32 in Berlin Agitpropleiter in der Reichsleitung der RGO, anschließend Redakteur der »Internationalen Gewerkschafts-Korrespondenz«. Bis Ende 1933 illegal in Berlin, hier wurde er durch Verrat von Helmuth Lass verhaftet, nach brutalen Verhören am 8. November 1934 zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung im November 1935 Wohlfahrtsarbeiter in Berlin, im Juni 1936 emigrierte er nach Prag, dann nach Amsterdam. Bis Januar 1939 Mitarbeiter von Franz Dahlem in Spanien, dort Redakteur am Sender 29,8 in Valencia, später in Barcelona. Ab März 1939 in der Schweiz, wo er bis Mai 1945 in verschiedenen Lagern interniert war. Teubner gehörte zur illegalen Leitung der KPD-Gruppe und hatte 1944/45 engen Kontakt mit dem Vertreter des »Unitarien Service Committee«, Noel H. Field. Im Juli 1945 kam Teubner nach Berlin, wurde Chefredakteur der »Deutschen Volkszeitung«, ab März 1946 Chefredakteur der »Sächsischen Volkszeitung« in Dresden. Von Ende September 1947 bis August 1950 war er Lehrer und Leiter der Lehrmittelabteilung der Parteihochschule »Karl Marx« in Kleinmachnow. Das Sekretariat des SED-PV erteilte ihm am 23. März 1949 eine »Verwarnung wegen mangelnder ideologischer Wachsamkeit«. Teubner hatte es versäumt, im »Neuen Deutschland« den Namen Leo Trotzki aus einem Artikel der Kursantin des Zwei-Jahreslehrgangs der PHS, Erna Stracke, über den Brest-Litowsker Friedensvertrag zu entfernen. Im August 1950 im Zusammenhang mit dem ZK-Beschluß zu den Verbindungen deutscher Emigranten zu Noel H. Field aller Funktionen enthoben und zur »Bewährung« als Statistiker in den VEB Buntweberei nach Seifhennersdorf geschickt. Später Dozent an der Fachschule für Energie in Zittau, 1957 Professor an der Fakultät für Journalistik der Universität Leipzig. Nach Aufhebung der Funktionssperre ab September 1959 Chefredakteur der »Leipziger Volkszeitung«, zuletzt wissenschaftlicher Mitarbeiter am IML. 1975 veröffentlichte er sein Buch: »Exilland Schweiz«. Seit 1973 Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Aue, er erhielt 1977 den Karl-Marx-Orden. Hans Teubner starb am 11.September 1992 in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Thalheim, Hans-Günther

* 5.5.1924

Geb. in Chemnitz; Vater Beamter; OS, 1943 Abitur; 1944 Studium der Germanistik, Geschichte, Philos. u. Pädag. an der Univ. Freiburg i. Br.; Wehrdienst; Kriegsgefangenschaft. 1946 – 48 Neulehrer; 1948 – 51 Forts. des Studiums in Leipzig; gleichz. Lehrtätigkeit an der ABF; 1951 – 53 Oberassistent am Goethe-Schiller-Archiv in Weimar u. bis 1957 wiss. Aspirant an der FSU Jena; 1954 Dr. phil. mit einer Diss. über Johann J. Winckelmanns Griechenbild; 1961 Habil. über Friedrich Schiller; 1954 Mitbegr. der literaturwiss. Ztschr. »Weimarer Beiträge« (mit  Louis Fürnberg), 1955 – 63 deren Chefred.; ab 1957 HU Berlin, zunächst Wahrnehmung einer Professur, später Prof. mit vollem Lehrauftrag, dann Prof. mit Lehrstuhl; 1958 – 91 Mitgl. des Vorst. der Internat. Goethe-Ges. in Weimar; 1965 – 68 Dir. des Inst. für dt. Sprache u. Lit. an der DAW; ab 1969 am ZI für Lit.-Geschichte der AdW tätig, ab 1978 als Bereichsdir.; 1973 – 79 Ltr. des Hrsg.-Koll. der »Geschichte der dt. Lit.« Bde. 6 – 11 (1973 – 79); 1976 NP; 1989 em. Forschungen u. Veröff. zur dt. Aufklärung, Klassik u. Romantik (u. a. »Zur Lit. der Goethezeit« 1969); Hrsg. u. Mithrsg. zahlr. literaturwiss. Schriftenreihen u. Editionen, u. a. »Germanist. Studien«, »Dt. Bibliothek«, seit 1980 Berliner Studienausg. von Schillers Werken in zehn Bden.Leonore Krenzlin

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Switalla, Eduard

* 27.11.1919 – ✝ 28.5.2004

Geb. in Billstedt bei Hamburg; Vater Parteiarb.  Anton S., Mutter Maschinenstrickerin; Volksschule; 1933 Emigr. nach Frankreich, 1935 in die UdSSR; 1935/36 Schlosser in Leningrad, 1936/37 in Woroschilowgrad; 1937 – 41 Dreher in Moskau; 1941 – 46 Dienst in der Roten Armee (Arbeitsarmee). 1946 SED; 1946/47 Instrukteur bei der SED-KL Schwerin; 1947 Einstellung bei der VP; 1948/49 Lehrgang an der BPS; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Mecklenb. (ab Febr. 1950 Länderverw. Mecklenb. des MfS), Ltr. Politkultur u. stellv. Operativ; Aug. 1952 Ltr. der BV Rostock; Okt. 1952 wegen »Verstoßes gegen die demokrat. Gesetzlichkeit« (Übergriffe auf Häftling) als BV-Ltr. abgesetzt u. vom Inspekteur zum Kdr. degradiert, Ltr. der Abt. VI (Rüstungsindustrie) der BV Halle; Jan. 1953 Ltr. der Krs.-Dienststelle Dessau; Nov. 1953 stellv. Ltr. der Abt./HA III (Volkswirtschaft), MfS Berlin; 1955 Ltr. der Abt. VI; 1962 BdL, Oberst; 1963 Ltr. der AG/HA Paßkontrolle/Fahndung; 1968 für Sonderaufg. zum Ltr. der AGM kommandiert; 1970 Ltr. der Fahndungsführungsgr.; 1971 Entlassung, Rentner; 1980 VVO; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Szillard (Wolf), Karl

* 26.9.1896 – ✝ 1938

Geboren am 26. September 1896 in Györ/ Ungarn; wurde nach dem Studium in Budapest Physiker. Er übersiedelte Anfang der zwanziger Jahre nach Berlin, soll dort an der Universität tätig gewesen sein. Als Karl Wolf trat er 1925 der KPD bei und übte verschiedene Funktionen aus. Wolf wurde 1929 zum Mitglied der Reichsleitung der RGO berufen. 1933 emigrierte er in die Sowjetunion und arbeitete als Physiker in Moskau. Dort im März 1938 vom NKWD verhaftet, wurde Karl Szillard zum Tode verurteilt und erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tacke, Erich

* 18.2.1894 – ✝ 2.9.1937

Geboren am 18. Februar 1894 in Lauterberg/ Harz; von 1910 bis 1914 Ausbildung zum Bankbeamten, bei verschiedenen Banken angestellt. Im März 1914 kam er (wie Werner Rakow) als Korrespondent an die Russisch-Asiatische Bank nach Petersburg und wurde von 1914 bis Juni 1918 als Zivilgefangener in Rußland interniert. Ab August 1918 wieder in Deutschland, in einer Garnison in Wolfenbüttel, arbeitete dann erneut bei Banken. Seit 1919 in der KPD, war Tacke ab 1921 (auch wegen seiner russischen Sprachkenntnisse) im illegalen AM-Apparat der Partei tätig. Er kam 1924 nach Moskau, wurde Mitarbeiter der GPU und später Redakteur der VAA in der UdSSR. Mit Werner Rakow, Erich Wollenberg, Karl Schmidt u.a. befreundet, gehörte er zum Gesprächszirkel, der bei Hermann Taubenberger die Märzwahl 1933 in Deutschland kritisch diskutierte, und wurde deshalb vom NKWD zu einer fiktiven »Hoelz-Wollenberg-Gruppe« gezählt. Am 15.April 1936 in Moskau verhaftet, am 2.September 1937 wegen Spionage und Homosexualität[!] zum Tode verurteilt, Erich Tacke wurde sofort erschossen.

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Täschner, Herbert

* 7.7.1916 – ✝ 10.5.1984

Geb. in Dresden; Vater Verw.-Angest.; Volks-, Oberreal-, Handels- u. Verw.-Schule; Verw.-Dienstpraktikum in Dresden, Pirna u. Heidenau; 1937 RAD; 1938 – 45 Wehrdienst, zul. Ofw.; Kriegsgefangenschaft. 1946 LDPD; 1947 – 49 hauptamtl. Geschäftsf. der LDPD-Stadtgr. »Friedrich Naumann« in Dresden; 1947 Geschäftsf. des LDPD-Stadtverb. Dresden; 1947 – 49 Bez.- bzw. Krs.-Sekr. der LDPD in Dresden; 1949/50 Gen.-Sekr. des Landesverb. Sachsen; 1950 – 54 Gen.-Sekr. der LDPD (Nachf. von  Günter Stempel); 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1954 – 56 Ltr. des Verlags der »Thüring. Landesztg.« Weimar, 1956 – 62 des GST-Verlags u. 1962 – 79 des Verlags Lied der Zeit; 1963 – 79 Vors. des LDPD-Krs.-Verb. Berlin-Friedrichshain; 1976 VVO.Helmut Müller-Enbergs

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Taubenberger, Hermann

* 21.11.1895 – ✝ 29.5.1937

(* 1895 – † 1937) Geboren am 21. November 1895 in München; von Beruf Eisenbahningenieur, war als Einjährig-Freiwilliger im Weltkrieg, wurde verwundet und 1917 vor ein Kriegsgericht gestellt. Im November 1918 kehrte er nach München zurück, Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, als dessen Vertreter nahm er an den Waffenstillstandsverhandlungen in Spa teil. In München Elektrotechniker im Bayerischen Kriegsministerium. Er wurde 1919 Mitglied der KPD und während der Kämpfe der Bayerischen Räterepublik Befehlshaber der »Roten Armee« am Dachauer Frontabschnitt. Am 14. Mai 1919 zu drei Jahren Festungshaft verurteilt, die er in Niederschönenfeld verbüßte. Nach seiner Freilassung Mitarbeiter des AM-Apparats, 1923 von der Zentrale beauftragt, für den geplanten »deutschen Oktober« illegale Kampfformationen aufzustellen. Er wurde nach dem Scheitern des Aufstands im Februar 1924 in Stuttgart festgenommen, konnte jedoch im Herbst aus der Haft nach Paris fliehen und emigrierte in die Sowjetunion. Dort zunächst in einem Elektrowerk, dann in einer Stalingrader Kanonenfabrik tätig, er wurde Mitglied der KPdSU(B) und arbeitete als Ingenieur beim Volkskommissariat für Schwerindustrie. Taubenberger wollte – inzwischen amnestiert – nach Deutschland zurück, erhielt aber wegen seiner Beschäftigung in der sowjetischen Rüstungsindustrie keine Ausreisegenehmigung. Er blieb beim Obersten Volkswirtschaftsrat, Stellvertreter des Vorsitzenden des Rats für Flugzeugindustrie und Mitglied des Präsidiums des Technisch-Wissenschaftlichen Komitees für Maschinenbau. In der Moskauer Wohnung von Hermann und Else Taubenberger trafen sich am Abend des 5.März 1933 mehrere deutsche Emigranten, unter ihnen Erich Wollenberg, Werner Rakow, Hans Schiff, Karl Schmidt und Erich Tacke. Bei der Diskussion über die Reichstagswahlen übten sie scharfe Kritik an der deutschen Parteiführung. Dieser Gesprächskreis wurde von einem Teilnehmer denunziert und Rakow und Wollenberg aus der KPdSU ausgeschlossen. Taubenberger mußte sich ebenfalls vor der IKK rechtfertigen und erhielt eine Rüge. Im August 1936 wurde er wegen »trotzkistisch-sinowjewistischer und anderer konterrevolutionärer Verbrechen gegen die Arbeiterklasse« aus der Partei ausgeschlossen. Das ZK veröffentlichte (DVZ vom 11. Oktober 1936) den Ausschluß und die »Begründung«. Vom NKWD am 17.September 1936 verhaftet und vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 29. Mai 1937 wegen »Teilnahme an einer antisowjetischen terroristischen Organisation« zum Tode durch Erschießen verurteilt. Noch am gleichen Tag wurde Hermann Taubenberger erschossen. Am 21. Mai 1959 haben ihn sowjetische Justizorgane »posthum rehabilitiert«. Seine Frau Else Taubenberger (* 24. 7. 1898) wurde am 11. August 1936 in Moskau festgenommen und am 1. Juni 1937 zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Später in der Verbannung in Magadan, dann als Freigelassene mit »Zwangsaufenthalt« in Viljandi/Estland. 1972 konnte sie in die Bundesrepublik ausreisen, wo sie im selben Jahr in München starb. Ihr Sohn Heinz Taubenberger (* 1915), am 10. September 1937 vom NKWD verhaftet, wurde am 1. November wegen Verbindung zu Wollenberg zum Tode verurteilt und am 3. November 1937 in Butowo erschossen. Der Sohn Hermann Taubenberger jun. (* 1923) kam in ein NKWD-Kinderheim und ist verschollen. Die Taubenbergers hatten sich nach der Verhaftung von Anatol Becker und der bekannten Schauspielerin Carola Neher noch um deren Sohn Georg Becker (* 1934) gekümmert, der dann in ein NKWD-Lager für Waisenkinder kam und 1975 in die Bundesrepublik ausreisen konnte.

Wer war wer in DDR

Taubert, Heinrich

* 31.1.1929 – ✝ 18.5.2007

Geb. in Großensee (Krs. Eisenach); Vater Bergmann; Volksschule; Bauhilfsarbeiter; 1945 – 47 OS, Abitur; 1947 / 48 Fördermann u. Praktikant im VEB Steinkohlenwerk Deutschland in Oelsnitz, im Kaliwerk Heiligenrode sowie in Dorndorf u. im Werk Wintershall; 1948 – 53 Studium an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Berging.; 1949 SED; 1953 / 54 Ass., 1955 – 58 Techn. Ltr. des VEB Eisenerzgruben Saalfeld; 1958 – 60 Techn. Ltr. u. stellv. Grubendir. im VEB Maxhütte Unterwellenborn; 1960 – 63 Abt.-Ltr. Prod. u. Technik, 1963 – 65 Dir. Technik der VVB Eisenerz-Roheisen, Saalfeld; 1965 – 69 Grubendir. im VEB Maxhütte Unterwellenborn; 1969 / 70 Dir. für Prod. u. Technik der VVB Kali; Prom. zum Dr.-Ing; 1970 – 1990 GD des VEB Kalikombinat Sondershausen; gest. in Sondershausen.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Tegtmeier, Adolf

* 25.10.1894 – ✝ 14.3.1975

Geb. in Bielefeld; Studium der Med., Prom. zum Dr. med.; 1924 – 34 Oberarzt in Bad Berka; ab 1934 Chefarzt u. Ärztl. Dir. der Tbc-Heilstätten Bad Berka; 1954 – 57 Ärztl. Dir. u. Chefarzt an der Tbc-Heilstätte Bad Berka; ab 1954 Prof. u. zugl. Mitgl. der Med. Akad. Erfurt (Lungentuberkulose); 1957 – 59 Präs. der Tbc-Ges. der DDR; 1961 Obermedizinalrat; Mitgl. der LDPD; 1964 NP; 1956 VVO.Helmut Müller-Enbergs

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Tembrock, Günter

* 7.6.1918 – ✝ 26.1.2011

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; 1928 – 37 Reform-Realgymnasium; 1937 – 41 Studium der Paläontol., Zool. u. Anthropol. an der Univ. Berlin; 1941 Prom. an der Univ. Berlin; 1941 – 44 Hilfsassistent am Zoolog. Inst. Herbst 1945 Gründer des Arbeitskrs. Mensch u. Natur an der noch nicht eröffneten Berliner Univ.; 1946 erster Assistent am Zoolog. Inst. der Univ.; Lehrtätigkeit u. seit 1947 verhaltensbiolog. Untersuchungen; 1948 Gründung der Forschungsstätte für Tierpsychol. am Inst. mit Unterstützung der DAW; 1952 – 59 mit den Geschäften des Dir. des Zoolog. Inst. betraut u. nach Wiederbesetzung des Direktorats durch Kurt Erdmann 1959 – 68 Stellv. des Dir.; 1955 Habil. u. Berufung zum Doz.; 1961 Prof.; 1968 – 83 Ltr. des Bereichs Verhaltenswiss. der Sekt. Biol. der HU; 1965 Mitgl. der Leopoldina; 1975 Korr. u. 1990 Ord. Mitgl. der AdW; DDR-Fernsehsendung »Rendezvous mit Tieren«; lebt in Berlin. T. begründete an der HU Berlin eine der ersten Forschungsstätten für Ethologie, wo er das größte Tierstimmenarchiv Europas aufbaute; er prägte den Begriff Bioakustik u. gilt als der Pionier der Verhaltensforschung in der DDR. Hauptarbeitsgebiete: Zool., insbes. Verhaltensbiol., Tierpsychol., Bioakustik, Biokommunikation. Gest. in Berlin.Versuche der Darstellung der Verbreitungs- u. Stammesgeschichte des Carabus. o. O. 1942; Grundlagen der Schimpansenpsychol. Berlin 1949; Tierpsychologie. Wittenberg 1956; Tierstimmen. Wittenberg 1959; Grundriß der Verhaltenswiss. Jena 1968; Grundlagen des Tierverhaltens. Berlin 1977; Verhaltensbiol. Jena 1987; Akust. Kommunikation bei Säugetieren. Darmstadt 1996; Angst. Naturgeschichte eines Phänomens Darmstadt 2000. Kirsch, R.: Der Verhaltensforscher G. T. 1978; Bibl. In: Zoolog. Jb., Physiol. (1983) 87; Wessel, A.: Special Issue in Honor of G. T. Dt. Entomolog. Ztschr. 2004.Peter Nötzold

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tenner, Albin

* 27.2.1885 – ✝ 20.1.1967

Geboren am 27. Februar 1885 in Rauenstein/ Thüringen; aus Armut schon als Kind Porzellanmaler, dann Lehre als Porzellanarbeiter. Als er eine Freistelle im Lehrerseminar Hildburghausen bekam, konnte er 1905 Volksschullehrer werden. In Sonneberg holte er das Abitur nach und studierte bis 1915 Naturwissenschaften. Später Soldat, zunächst Dolmetscher in Ohrdruf/Thüringen, dann bis 1918 Leiter der Materialprüfstelle der Flugzeugwerft Gotha. 1918 trat Tenner der USPD bei und wurde bei Ausbruch der Revolution in die Regierung von Sachsen-Meiningen berufen. Anschließend Volksbeauftragter in Gotha und bis 1920 Mitglied der Gothaer Regierung, Landtagsabgeordneter der USPD. Mit der linken USPD kam er 1920 zur KPD. Wieder Lehrer, wurde er vom Schulreformer Greil als Kreisschulrat nach Weimar geholt. Er war führend in der Thüringer KPD, der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte ihn in den ZA. Im Oktober 1923 wurde Tenner in der sozialdemokratisch-kommunistischen Regierung Thüringens Wirtschaftsminister, dann Vorsitzender der Landtagsfraktion der KPD. Auf dem rechten Flügel stehend, wurde er während der linken Politik 1924/25 zurückgedrängt, im Januar 1925 legte er den Fraktionsvorsitz nieder. Er wurde aus der KPD ausgeschlossen, aber im Oktober 1925 wieder aufgenommen und 1926 erneut in den Landtag gewählt. Tenner war Schulrat in Gotha. Bei den Auseinandersetzungen zwischen dem ZK und den Rechten 1928/29 stellte er sich auf die Seite der Opposition. Am 1. März 1929 aus der Partei ausgeschlossen, ging er zur KPO, die er bis Ende 1929 im Landtag vertrat. Nach dem Ende der Legislaturperiode ausgeschieden, da die KPO kein Mandat erringen konnte. Er übersiedelte nach Birkenwerder bei Berlin in das Haus von Frieda Winkelmann. Mit der Minderheit der KPO trat er 1932 zur SAP über. Tenner befaßte sich weniger mit aktueller Politik, sondern hielt vor allem naturwissenschaftliche Vorträge und machte biologische Studien. 1933 festgenommen, nach einigen Monaten aus dem KZ entlassen, noch bevor das Thüringer Fahndungsersuchen bekannt war. Er entkam Ende 1933 nach Amsterdam, wohin ihm seine Frau Elly Janisch-Tenner mit dem Sohn 1934 folgte. In Amsterdam eröffnete Tenner eine Fabrik für kosmetische Artikel, seine Frau wirkte als Lehrerin und übersetzte u. a. das Buch von Henriette Roland-Holst über Rosa Luxemburg ins Deutsche. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande mußte Tenner illegal leben und sein Unternehmen aufgeben, das er nach dem Krieg nur schwer wieder einrichten konnte. 1952 setzte er sich wegen einer Herzkrankheit zur Ruhe. Sein Sohn wurde Physik-Professor in Amsterdam. Nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt, starb Albin Tenner am 20. Januar 1967 in Amsterdam.

Wer war wer in DDR

Tetzner, Gerti

* 29.11.1936

Geb. in Wiegleben (Thür.); 1951 – 55 Besuch der Oberschule in Gotha; 1955 – 59 Stud. der Rechtswiss. in Leipzig; arbeitete bis 1962 als Notarin, seitdem freiberufl. Schriftstellerin; Nebentätigkeiten in einer Spinnerei u. bei der Post; ab 1966 am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig, 1968 zwangsweise exmatrikuliert; Überwachung durch das MfS in der OPK »Karen«; bekannt durch den Roman »Karen W.« (1974), an dem sie seit Mitte der 1960er Jahre gearbeitet hatte, ähnlich wie zeitgleich  Christa Wolf,  Brigitte Reimann u.  Irmtraud Morgner macht sie darin eine Frau zur lit. Hauptfigur u. thematisiert den Konflikt zwischen weibl. Selbstverwirklichung u. gesellschaftl. Anspruch; griff in der 1980er Jahren ökolog. Themen auf, die sie in dokumentar. Texten verarbeitete; 1975 Förderpreis des Lit.-Inst. »Johannes R. Becher«. Nach 1990 zeitw. ABM-Kraft; Tätigkeit in der Schuldnerberatung, ab 1992 als Juristin tätig; Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl.Karen, W. Berlin 1974; Maxi. Berlin 1979; Das Verwandlungshaus. Berlin 1986; Im Lande der Fähren – Bilder aus Dänemark. Halle 1988 (mit Reiner Tetzner). Engler, J.: GT: »Karen W.«. In: Weltbühne (1975) 2; Walther, K.: Die Entdeckung des eigenen Ich. GT: »Karen W.«. In: Neue Dt. Lit. (1975) 8.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Tews, Andreas

* 11.09.1968

Geb. in Rostock; begann 1978 mit dem Boxsport bei der BSG Fischkombinat Rostock; KJS Schwerin; Lehre als Maschinen- u. Anlagenmonteur; ab 1984 beim SC Traktor Schwerin; 1985 Spartakiadesieger u. DDR-Juniorenmstr.; DDR-Mstr. 1985 im Halbfliegengewicht, 1987 im Fliegengewicht u. 1989 im Bantamgewicht, 1986 Silber im Halbfliegengewicht; 1986 Vize-EM der Junioren im Halbfliegengewicht; 1987 EM u. 2. Platz beim Weltcup im Fliegengewicht; 1988 Olympiazweiter im Fliegengewicht. 1990 – 93 Schweriner SC (Trainer: Otto Ramin); 1990 Sieger beim Dtl.-Pokal, 1991 beim TSC-Turnier; 1991 Dt. Mannschaftsmstr. mit dem Schweriner SC u. EM-Bronze im Bantamgewicht; 1991 u. 1992 Dt. Mstr. im Federgewicht; 1992 Olympiasieger im Federgewicht; 1993 Rücktritt vom Leistungssport, Umschulung zum Hotelkfm.; danach Geschäftsf. u. Mitinh. der Gaststätte »Pflaumenbaum« in Schwerin; seit Nov. 1999 Mitbetreiber des »Turm-Cafés« auf dem Schweriner Fernsehturm.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thalheimer, August

* 18.3.1884 – ✝ 19.9.1948

(* 1884 – † 1948) Über seine Jugend schrieb Thalheimer selbst: »Geb. am 18. März 1884 als Sohn des Moritz Thalheimer, Kaufmannes zu Affaltrach, Oberamt Weinsberg, Württemberg und im jüdischen Glauben erzogen, bezog ich nach Absolvierung des Realgymnasiums Stuttgart WS 1902/03 die Universität München, zunächst als Angehöriger der medizinischen Fakultät; vom 2. Semester (Sommersemester 1903) ab aber trat ich zur philosophischen Fakultät über, um mich der allgemeinen Sprachwissenschaft, der Völkerkunde und den neueren Sprachen zu widmen. Anfang August 1903 bis Ende März 1904 war ich in Oxford und London. Vom SS 1904 bis SS 1905 besuchte ich die Universität Berlin, wo ich am Kgl. Museum für Völkerkunde unter Leitung von Herrn Geheimrat Prof. Dr. von Luschan praktischen ethnographischen Übungen oblag und ethnographische und anthropologische Vorlesungen hörte, auch bei Herrn Privatdozent Dr. N. Finck, Steinthals Nachfolger, der in der allgemeinen Sprachwissenschaft beflissen war. Von SS 1905/06 bis WS 1906/07 besuchte ich die Universität Straßburg i. E.« Thalheimer promovierte 1907 zum Dr. phil. mit einem Beitrag zur »Kenntnis der Pronomina personalia und possessiva der Sprachen Mikronesiens«. 1904 Mitglied der SPD, 1909 Chefredakteur am radikalen Organ der SPD, der Göppinger »Freien Volkszeitung«. Danach kam er in Verbindung mit Karl Radek, der Mitarbeiter seiner Zeitung wurde. 1912 Austritt aus der Redaktion, da eine Zusammenlegung mit revisionistischen Zeitungen erfolgte. Dann gehörte er zum linksradikalen Flügel der SPD, er war nicht nur mit den Württemberger Linken ( Clara Zetkin, Friedrich Westmeyer usw.), sondern auch mit den Berlinern Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Karl Liebknecht u. a. politisch und persönlich eng befreundet. Am 20. März 1914 verschickte er einen Brief (Absender Dr. A. Thalheimer, Berlin NW 87, Wullenweberstraße 7) mit der Offerte, ab April »eine regelmäßige Korrespondenz über auswärtige Politik zu beziehen«. Er bot monatlich zwei Artikel »mit besonderer Berücksichtigung der sozialen und politischen Hintergründe« an, Abonnement »monatlich M 35,-«. Bei Kriegsausbruch schloß sich Thalheimer sofort der Gruppe Internationale an, arbeitete an der ersten Nummer der »Internationale« mit und war Teilnehmer der I. Reichskonferenz der Linken im Januar 1916 in Berlin. Ganz im Sinne der Spartakusgruppe leitete er 1915/16 als Chefredakteur das Braunschweiger SPD-Organ »Volksfreund«. Als Liebknecht zur Zuchthausstrafe verurteilt wurde und sein Reichstagsmandat verlor, erklärte dieser, als Nachfolger kämen nur Franz Mehring oder Thalheimer in Frage. Nach dem großen Streik im Mai 1916 wurde Thalheimer zum Militär eingezogen. Er kam an die Front, wurde verwundet und kehrte 1918 nach Stuttgart zurück. Kurz vor Kriegsende noch verhaftet, doch durch die Revolution befreit, übersiedelte er nach Berlin, wurde in die Zentrale des Spartakusbundes aufgenommen und auf dem Gründungsparteitag der KPD in die erste Zentrale der Partei gewählt. Dort für die theoretische Arbeit der Partei verantwortlich, wurde Thalheimer auf allen folgenden Parteitagen bis 1923 ununterbrochen in die Zentrale berufen. Nach der Ermordung Rosa Luxemburgs galt er (zunächst neben Paul Levi) als der theoretische Kopf der KPD, war Redakteur des Organs »Internationale« und zeitweise Chefredakteur der »Roten Fahne«. Thalheimer war 1921 einer der Begründer der »Offensivtheorie«, die von Lenin getadelt wurde. Nach dieser linken »Entgleisung« blieb er immer auf dem rechten Flügel der Partei. 1922 verfaßte er den Entwurf des Parteiprogramms der KPD, ging im Juni/Juli des gleichen Jahres als politischer Berater der KPF nach Frankreich. 1922/23 traten Heinrich Brandler als politischer und Thalheimer als theoretischer Kopf der KPD auf, so daß immer von der Brandler-Thalheimer-Führung gesprochen wird. Nach der Oktoberniederlage 1923 verteidigten beide die Taktik der Zentrale und Thalheimer rückte an die Spitze der Rechten, die auf dem IX. Parteitag 1924 keinen Anhang mehr hatten. Von der Polizei 1924 gesucht (Steckbrief: »1,70-1,75 groß, hohe Stirn, graue Augen, schwäbische Mundart«), mußte er wie Brandler nach Moskau, wo sie bis 1927 in einer Art »Verbannung« lebten. Thalheimer arbeitete am Marx-Engels-Institut, war Professor an der Sun Yat-sen Universität und veröffentlichte damals das Buch »Einführung in den dialektischen Materialismus« (Wien-Berlin 1928), eine Zusammenfassung von Vorträgen. Im gleichen Jahr erschien: Thalheimer-Deborin »Spinozas Stellung in der Vorgeschichte des dialektischen Materialismus«. Thalheimers Frau Cläre, geboren 1892 in Idar-Oberstein, Tochter eines reichen Juweliers, begleitete ihren Mann in das Moskauer Zwangsexil. Ende 1927 erkrankt, reiste sie zur Behandlung nach Deutschland. Da das ZK der KPD der Rückkehr Brandlers und Thalheimers nach Deutschland grundsätzlich zugestimmt hatte, durfte auch er im Mai 1928 nach Berlin. Schon zuvor hatte er insgeheim mit Bucharin ausgemacht, nicht mehr in die Sowjetunion zurückzukommen. In Deutschland sammelte Thalheimer wieder die rechte Gruppe in der KPD um sich und war vor allem nach der Wittorf-Affäre aktiv. Im Januar 1929 aus der Komintern und der KPdSU, der er seit 1924 angehörte, ausgeschlossen. 1928/29 Mitbegründer der KPO, in deren Reichsleitung er führend tätig war und für die er verschiedene Schriften, darunter »Das Jahr 1923«, herausgab. Zusammen mit Brandler leitete er die KPO auch, nachdem sich eine Minderheit unter Paul Frölich und Jacob Walcher von ihr getrennt hatte und zur SAP gegangen war. Nach der Machtübernahme Hitlers emigrier- te Thalheimer auf Beschluß der KPO-Leitung, von Robert Siewert noch mit Geld ausgestattet, nach Frankreich. Bis Kriegsausbruch leitete er mit Brandler die KPO in der französischen Emigration und in der deutschen Illegalität. Von den französischen Behörden 1939 interniert, konnte er 1941 nach Kuba entkommen. Er lebte in Havanna und verfaßte mehrere politische Werke. Die alliierten Besatzungsbehörden verweigerten ihm nach 1945 die Einreise nach Westdeutschland. Von Kuba aus gab Thalheimer der deutschen Gruppe Arbeiterpolitik, der Nachfolgeorganisation der KPO, in den »Briefen aus der Ferne« politische Empfehlungen. 1946 verbreiteten seine Anhänger in Deutschland eine Broschüre, in der er (unter dem Pseudonym Aldebaran) das Potsdamer Abkommen kritisch beleuchtete. August Thalheimer starb am 19.September 1948 in Havanna. Zu seinem 100. Geburtstag 1984 veröffentlichte die »Arbeiterpolitik« (Bremen) eine Sondernummer mit einer knappen Biographie. Thalheimers Anhänger hatten bereits 1982 das Grab auf dem jüdischen Friedhof bei Havanna restaurieren lassen. Cläre Thalheimer, 1933 nach Straßburg und Paris emigriert, wurde wie ihr Mann nach Kriegsausbruch interniert, gelangte 1941 ebenfalls nach Kuba. Nach Thalheimers Tod zog sie 1949 zu ihrem Sohn nach Australien, lebte in dem Bergarbeiterstädtchen Wandiligong und arbeitete als Lehrerin im nahen Bright (Ovens Valley, Victoria), wo sie am 6.Februar 1990 starb.