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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stamm, Robert

* 16.7.1900 – ✝ 4.6.1937

Geboren am 16. Juli 1900 in Remscheid, Sohn eines Werkzeugschlossers und späteren Werkmeisters. Die Eltern waren bekannte Sozialisten, er wuchs im Kreise von sechs Geschwistern auf; lernte Schlosser. Im Frühjahr 1918 zum Kriegsdienst eingezogen, kam aber nicht mehr zum Fronteinsatz. 1919 Mitglied der KPD. Zunächst Schlosser, nach Selbststudium Techniker. Ab 1924 hauptamtlicher Funktionär, Hilfssekretär im UB Remscheid, dann Redaktionsvolontär bei der »Freiheit« in Düsseldorf. Ende 1926 Lokalredakteur in Hagen später kurze Zeit Chefredakteur der Barmer KPD-Zeitung, bis diese ein Kopfblatt wurde. Ab 1930 Gewerkschafts- und Wirtschaftsredakteur an der »Freiheit«, in dieser Zeit auch Stadtverordneter in Wuppertal. 1930 löste Stamm in Bremen Paul Taube als Polleiter des Bezirks Nordwest ab. Im Juli 1932 zog er als Abgeordneter im Wahlkreis Weser-Ems in den Reichstag ein, in den er auch im November 1932 und am 5.März 1933 gewählt wurde. Bis Ende März 1933 hielt sich Stamm als Polleiter illegal in Bremen auf. Anfang April 1933 ging er nach Berlin, traf sich mit Walter Ulbricht und Hermann Schubert und wurde als ZK-Instrukteur für den Bezirk Hannover eingesetzt. Nach einigen Monaten abberufen, nach einem Treffen mit Herbert Wehner wurde Stamm Polleiter der illegalen BL Berlin-Brandenburg. Im Oktober 1934 reiste er mit seiner Frau auf dem Namen Schonenburg nach Saarbrücken, anschließend nach Moskau und geriet hier in die Fraktionsauseinandersetzungen im Politbüro. Er wurde beauftragt, zurück nach Berlin zu fahren, um die neue Linie der Einheitsfront im Parteibezirk Berlin-Brandenburg durchzusetzen. Am 3.März 1935 in Berlin eingetroffen, begann er mit Adolf Rembte, Max Maddalena und Käthe Lübeck eine neue Inlandsleitung aufzubauen. Er sollte am 28. März 1935 zur Berichterstattung nach Prag kommen, wurde jedoch einen Tag zuvor mit Maddalena, Rembte, Lübeck und Walter Griesbach festgenommen. Er saß lange in Haft und wurde grausam gefoltert. Am 4. Juni 1937 verurteilte ihn der VGH zum Tode. Im Prozeß hatte er erklärt: »Ich bitte nicht für mich und bereue auch nichts.« Am 4. November 1937 wurde Robert Stamm in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Robert Stamm heiratete 1926 Erna Stamm, geborene Wilhelmi (* 5. 10. 1898 in Wuppertal-Barmen), Volksschullehrerin. Seit 1925 KPD-Mitglied. In Moskau war sie Korrektorin im Verlag für ausländische Arbeiter, studierte an der KUNMS bis zu deren Auflösung. Sie reiste nach Paris, später nach Kopenhagen und setzte sich für die Aufhebung des Todesurteils gegen ihren Mann und für die Rettung von Lilo Herrmann ein. Sie emigrierte später nach Schweden, kam 1945 nach Kopenhagen und im Sommer 1946 nach Berlin zurück. Sie übersiedelte dann in die Westzonen, bis 1955 war sie als Musiklehrerin in Wuppertal tätig. Seit 1968 DKP-Mitglied, engagierte sie sich in der VVN. Erna Stamm starb am 28. November 1979 in Bremen.

Wer war wer in DDR

Stange, Bernd

* 14.3.1948

Geb. in Gnaschwitz; 1957 – 64 Fußballspieler (Verteidiger) bei der BSG Chemie Gnaschwitz; 1964 – 66 bei der ASG Vorwärts Bautzen; 1966 – 70 bei der HSG Wiss. DHfK Leipzig; 1966 – 70 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; ab 1971 Trainer: 1971 – 76 Trainerassistent u. 1976 – 78 Cheftrainer beim FC Carl Zeiss Jena; 1978 – 80 DFV-Trainer (U 21); 1980 – 82 Assistent von Nationaltrainer Rudolf Krause; 1982 – 84 Trainer der Olympiaauswahl (als U 21 1982 Vize-EM); 12.10. 1983 – 5.12. 1988 Trainer der Nationalmannschaft (53 Länderspiele, 25 Siege, zehn Unentschieden, 18 Niederlagen, 75 : 59 Tore); 1989 – 91 Cheftrainer bei Carl Zeiss Jena. 1991 – 92 Trainer bei Hertha BSC Berlin; 1993 – 94 Trainer beim VfB Leipzig; 1994 – März 95 Sportdir. bei Hertha BSC (Rücktritt nach IM-Vorwürfen); 1995/96 Cheftrainer bei Dnjepr Dnepropetrowsk (Ukraine); 1998 – 2001 Perth Glory (Australien); Juni – Sept. 2001 Nationaltrainer Oman; Nov. 2002 – Juli 2004 Nationaltrainer Irak (4. Platz Olymp. Spiele 2004); ab Jan. 2005 Cheftrainer von Apollon Limassol (Zypern); seit 2007 Nationaltrainer Belarus (Weißrußland).Mallwitz, H.: Trainer zwischen den Welten. B. St. Anderbeck 2004.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Stapel, Eduard

* 30.5.1953

Geb. in Bismark (Altmark); Vater Fleischer, Mutter Hausfrau; 1959 – 71 Schulbesuch in Bismark u. Stendal, 1971 Abitur; 1971/72 Volontariat in Halle; 1972 – 76 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig; 1975 – 82 Studium der Theol.; 1982/83 Konviktsinspektor am Theol. Seminar Leipzig; ab 1981 Initiator kirchl. Arbeitskrs. Homosexualität; 1983/84 Vikar in Magdeburg; 1984/85 Predigerseminar in Brandenb.; 1985 Zweites Theol. Examen in Magdeburg; 1985 – 90 Angest. für Schwulen-Arbeit bei der Ev. Stadtmission Magdeburg; 1990 Initiator u. Gründungsvorstandsmitgl. des Schwulenverb. in der DDR / Dtl. (SVD, ab 1999 LSVD). 1990 – 2006 Bundesvorstandsmitgl. des LSVD, seitdem sein Ehrenvorsitzender; Mitgl. der Ges. für Sexualwiss.; 1991 – 93 wiss. Mitarb. der Stiftung Runder Tisch – Sächs. Bildungswerk; 1995 – 97 Mitarb. der Forschungsstelle der Ges. für Sexualwissenschaft in Leipzig; 1996 Bundesverdienstkreuz; 1997 Umzug nach Bismark; 1997 – 2000 Landesvors. von Bündnis 90 / Die Grünen in Sachsen-Anh; seit 1999 Kommunalpolitiker in der Altmark.Warme Brüder gegen Kalte Krieger. Schwulenbewegung in der DDR im Visier der Staatsicherheit. Magdeburg 1999; Beiträge in mehreren Tagungsbänden.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Starke, Kurt

* 13.5.1938

Geb. in Königshain (Sachsen); 1956 Abitur in Rochlitz; 1957/58 Bauhilfsarb.; 1958 – 62 Studium an der KMU Leipzig; 1962 – 67 wiss. Assistent; 1965 Dr. rer. pol.; 1967 – 90 Mitarb. am ZI für Jugendforschung Leipzig, 1972 – 90 Ltr. der umfangreichsten empir. Forschungsstudien zum Partner- u. Sexualverhalten in der DDR; 1977 Dr. sc. pol.; 1981 Prof.; 1987 Full Member of the International Academy of Sex Research; 1988 Mitgl. der Dt. Ges. für Sexualforschung. 1990 Gründungsvors. der Ges. für Jugend- u. Sexualforschung. 1990 Gründer u. Ltr. der Forschungsstelle Partner- u. Sexualforschung Leipzig; 1990 Gründungsvors. der Ges. für Sexualwiss. Leipzig; zahlr. Nachwendestudien, u. a. mit dem Inst. für Sexualforschung der Univ. Hamburg, 1998 Dr. habil.; vielf. Medienveröff.Junge Partner. Leipzig 1980; Liebe u. Sexualität bis 30. Berlin 1984 (mit W. Friedrich); Schwuler Osten. Berlin 1994; Sex hoch drei. Berlin 1995; Lexikon der Erotik. München 1996 (mit L. Aresin); Das Zentralinstitut für Jugendforschung. Berlin 1999 (mit W. Friedrich, P. Förster); Mehr Lust an der Lust. Berlin 2004; Nichts als die reine Liebe. Berlin 2005; Spätmoderne Beziehungswelten (mit G. Schmidt, S. Matthiesen, A. Dekker). Wiesbaden 2006.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Stauch, Herbert

* 3.11.1917 – ✝ 18.6.1953

Geb. in Remschütz (b. Saalfeld); Volksschule; Müllerlehre; Teiln. am 2. Weltkrieg als Ofw. im techn. Dienst, Flucht aus der Kriegsgefangenschaft. Nach Kriegsende Erwerb einer Getreidemühle in Rudolstadt, 1952 Verkauf der Mühle u. Erwerb einer Teigwarenfabrik in Magdeburg; am 17.6.1953 spontane Beteiligung an den Protesten in Magdeburg, Mitgl. einer gewählten vierköpfigen Deleg., die dem VP-Bezirkschef polit. Forderungen der Demonstranten überbrachte; am Abend des 17.6. Verhaftung durch die VP; 18.6.1953 Todesurteil durch ein sowj. Militärgericht, Hinrichtung (Genickschuß) durch zwei VP-Angehörige, der Verbleib des Leichnams ist wie im Falle von Alfred Dartsch, der zur gleichen Zeit in Magdeburg hingerichtet wurde, bis heute ungeklärt; in der Folge Enteignung der Familie u. Verstaatlichung des Betriebs, Verweigerung höherer Schulbildung für beide Söhne, »Arbeitsverbot« für die Ehefrau. 1996 vollst. posthume Rehabilitierung durch den russ. Militärstaatsanwalt; 2003 Benennung einer Straße in Magdeburg nach St.Fricke, K. W., Engelmann, R.: Der »Tag X« und die Staatssicherheit. Bremen 2003; Kowalczuk, I.-S.: 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR. Bremen 2003.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stauer, Hans (Berman-Jurin

* 14.11.1901 – ✝ 24.8.1936

(* 1901 – † 1936) Geboren am 14. November 1901 als Konon Berman-Jurin im lettischen Ilukste/Kurland, Sohn einer kleinbürgerlichen Familie. Er besuchte die Mittelschule und lernte von 1920 bis 1922 in Riga Schlosser. Von 1921 bis 1923 aktives Mitglied der KP und des KJV Lettland, emigrierte 1923 wegen drohender Verhaftung nach Deutschland. Er wurde unter dem Parteinamen Hans Stauer Mitglied der KPD, 1927 Agitpropleiter der BL Berlin-Brandenburg und Mitglied des Sekretariats. Ende 1931 vom ZK gerügt, weil er Alexander Emel bei Schulungsveranstaltungen der Berliner KPD »falsche Ansichten« verbreiten ließ. Seiner Funktion enthoben, wurde er Mitarbeiter der Orgabteilung der BL. Ab März 1933 in der Sowjetunion, im Apparat der Komintern tätig. Im Mai 1936 vom NKWD verhaftet, er wurde beschuldigt, zusammen mit Fritz David im Auftrage Trotzkis ein Attentat auf Stalin vorbereitet zu haben. Stauer/Berman-Jurin war Mitangeklagter im ersten Moskauer Schauprozeß gegen Sinowjew, Kamenew u. a. Er »gestand« alle ihm zur Last gelegten Verbrechen. Angeblich war er im November 1932 mit Trotzki in Kopenhagen zusammengetroffen und hatte von diesem direkt den Auftrag zu »terroristischen Akten« erhalten. Am 24.August 1936 wurde Berman-Jurin zum Tode verurteilt und erschossen. Über ihn und die anderen »jungen Angeklagten« des Sinowjew-Prozesses schrieb Trotzki: »Das sind alles jüdische Intellektuelle, und zwar nicht aus der UdSSR, sondern aus den Nachfolgestaaten, die früher Teile des zaristischen Rußlands waren (Litauen, Lettland usw.). Ihre Familien sind seinerzeit vor der bolschewistischen Revolution geflüchtet, die Vertreter der jüngeren Generation aber haben sich dank ihrer Beweglichkeit, Anpassungsfähigkeit, Sprachenkenntnis, insbesondere des Russischen, nicht schlecht im Apparat der Komintern eingerichtet. Durchweg Abkömmlinge des kleinbürgerlichen Milieus, ohne Verbindung mit der Arbeiterklasse irgendeines Landes, ohne revolutionäre Stählung, ohne ernste theoretische Vorbereitung, wurden diese gesichtslosen Beamten der Komintern stets dem letzten Zirkular gehorsam, zu einer wahren Geißel der internationalen Arbeiterbewegung.«

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steen, Paul

* 23.12.1905 – ✝ 1938

Geboren am 23. Dezember 1905 in Lübeck; lernte Schlosser, anschließend Heizer und Rohrleger. Er fuhr zur See, arbeitete später bei einer Lübecker Firma und auf der AG Weser Bremen. 1929 Mitglied der KPD, ab Juni 1932 Orgleiter des UB Lübeck und zum Abgeordneten in die Lübecker Bürgerschaft gewählt. Im Frühjahr 1933 festgenommen. Ende 1933 freigelassen, emigrierte er in die ?CSR und war unter dem Decknamen Helmuth Grenzinstrukteur in Asch. Im Spanischen Bürgerkrieg Angehöriger der XI. Internationalen Brigade, Politkommissar einer Kompanie. Paul Steen fiel 1938 in Spanien.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steffen, Erich

* 11.5.1895 – ✝ 1937

Geboren am 11. Mai 1895 in Berlin-Reinickendorf, seine Eltern waren Kleinbauern, die 1890 aus Ostpreußen nach Berlin übergesiedelt waren. Er begann 1909 eine Lehre als Glastechniker, studierte drei Semester Chemie an der Universität Greifswald. 1912 Mitglied der Arbeiterjugend, von 1914 bis 1916 Soldat, wurde verschüttet und Anfang 1916 aus dem Heer entlassen. Er war 1917 Mitbegründer des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, später im Internationalen Bund der Kriegsopfer tätig. Am 1. Juli 1919 trat Steffen in die KPD ein. Betriebsleiter in Augsburg, 1920 wegen seines politischen Engagements gemaßregelt, dann Arbeiter in der Quarzindustrie in Hanau. Anfang 1921 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe in Hanau, wegen seiner Verwicklung in die März-Aktion gesucht, übersiedelte er nach Aachen. Dort von den Besatzungsbehörden ausgewiesen, ging er Ende 1921 nach Berlin, wurde in den Hauptvorstand des Verbandes der Glasarbeiter gewählt, Betriebsratsvorsitzender bei Siemens. Nach erneuter Maßregelung hauptamtlicher Sekretär beim ZK der KPD für die Industriegruppe Fabrikarbeiter. Delegierter und Referent auf dem III. Weltkongreß der RGI 1924, nach Auflösung der zentralen Gewerkschaftsabteilung bis Juni 1927 Polleiter in Pommern, dann bis Ende 1928 Reichsleiter der Erwerbslosenbewegung. Danach wieder Leiter der Industriegruppe (Fabrikarbeiter) beim ZK, seit Gründung der RGO Mitglied der Reichsleitung, 1929 Generalsekretär des Internationalen Komitees der Fabrikarbeiter. Er gab die Zeitschrift »Der rote Fabrikarbeiter« heraus. 1931 wurde gegen ihn in einem Werksspionageprozeß der BASF in Ludwigshafen/Rhein ermittelt, er wurde festgenommen, verurteilt und saß von März bis Dezember 1931 im Gefängnis. Nach seiner Freilassung drei Monate illegal in der ?CSR tätig, im April 1932 schickte ihn das ZK als Instrukteur nach Oberschlesien, anschließend Geschäftsführer der KPD-Zeitung »Volkswacht« in Mecklenburg. Er kam auf ZK-Beschluß in die Sowjetunion, war von Juni 1932 bis Februar 1933 stellvertretender Leiter der Orgabteilung der RGI, ab März 1933 dort nur noch Mitarbeiter. Als Erich Wagner leitete er den »Ernst-Thälmann-Club« in Moskau, war zuletzt als Glasspezialist in einem Betrieb tätig. Erich Steffen wurde im April 1937 zusammen mit seiner Frau vom NKWD verhaftet, er ist als Opfer der Stalinschen Säuberungen umgekommen.

Wer war wer in DDR

Steger, Wolfgang

* 6.6.1934

Geb. in Gera; Vater Weber; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Weber; 1950 FDJ; 1951 Eintritt in die KVP, 1951 – 53 Studium an der Offiziersschule in Erfurt; 1953 – 55 Zugführer im Mot.-Schützenregt. 1 der 1. Mot.-Schützendiv.; 1955 – 59 Studium an der Militärakad. »M. W. Frunse« in der UdSSR; 1957 SED; 1959/60 Stellv. Kdr. u. Stabschef des Mot.-Schützenregt. 18 der 1. Mot.-Schützendiv.; 1961 – 66 Ltr. der Unterabt. Operative Arbeiten im Kommando des Militärbez. III (Leipzig), 1966 – 69 Stellv. des Ltr., 1969 – 71 Ltr. der Abt. Operativ im Kommando des Militärbez. III; 1971 – 73 Studium an der Militärakad. des Generalstabs der Streitkräfte der UdSSR; 1973 – 78 Stellv. des Kdr. u. Stabschef der 4. Mot.-Schützendiv.; März 1974 Oberst; 1978 – 81 Stellv. des Chefs des Stabes für operative Arbeiten im Kommando des Militärbez. III; 1982 Generalmajor; 1982 – 86 Stellv. des Chefs u. Chef des Stabs (Nachf. von Walter Müller); Okt. 1982 Generalmajor; 1986/87 Chef des Militärbezirks III (Nachf. von  Manfred Grätz); 1987 Generalltn. (1987 – 90 Stellv. des Chefs des Hauptstabs für op. Fragen (Nachf. von Kurt Gottwald); 30.9.1990 entlassen.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steidle, Josef

* 24.2.1908 – ✝ 20.6.1938

Geboren am 24. Februar 1908 in St. Georgen/ Krs. Tettnang; Bootsbauer. 1930 Eintritt in die KPD, zunächst Stadtteilkassierer, später im AM-Apparat der KPD tätig. Anfang 1932 Teilnehmer eines Lehrgangs an der M-Schule der Komintern in der Sowjetunion. Nach Rückkehr Orgleiter des AM-Apparates der KPD in Württemberg. Beim Versuch, mit dem Reichstechniker Wilhelm Kox zusammenzutreffen, wurde er am 14. Juni 1933 festgenommen, aber im Dezember 1933 aus der »Schutzhaft« entlassen. Steidle übernahm im Frühjahr 1934 die Leitung des Nachrichtenapparates der KPD in Württemberg, arbeitete eng mit Stefan Lovacz und Liselotte Herrmann bei der Beschaffung und Weiterleitung geheimer Rüstungspläne des NS-Regimes zusammen. Josef Steidle wurde am 7. Dezember 1935 verhaftet, vom 2. Senat des VGH am 12.Juni 1937 zum Tode verurteilt und am 20.Juni 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Steinberg, Karl-Hermann

* 22.6.1941

Geb. in Heiligenstadt; Vater Angest.; OS, Abitur; 1954 FDJ; 1959 CDU; 1959 – 64 Studium an der TH für Chemie Leuna-Merseburg, Dipl.-Chemiker; 1964 FDGB; 1964 – 70 Assistent; 1971 – 74 wiss. Lektor an der o. g. TH; 1968 Prom. zum Dr. rer. nat. mit einer Diss. zu oberflächenchem. u. katalyt. Eigenschaften von Oxiden bzw. Zeolithen; seit 1969 Stadtverordn. in Merseburg; Mitgl. des Krs.-Aussch. Merseburg der NF; 1970 Mitgl. des Krs.-Vorst. Merseburg sowie des Bez.-Vorst. Magdeburg der CDU; 1971 – 90 Abg. der Volkskammer; 1974 – 77 Forschungschemiker im VEB Leuna-Werke; 1976 Dr. sc. nat.; 1977 –82 Doz. an der Sekt. Chemie; seit 1982 ord. Prof. für Techn. Chemie an der KMU Leipzig; Nov. 1989 stellv. Minister für Schwerindustrie; Dez. 1989 stellv. Vors. der CDU; April – Okt. 1990 Minister für Umwelt- u. Naturschutz, Energie u. Reaktorsicherheit (Nachf. von Peter Dietrich), maßgebl. verantw. für die Stillegung von Emissionsquellen der chem. Industrie, die Abschaltung des KKW Greifswald, Verhandlung einer Umweltunion mit der Bundesrep. Dtl. sowie der Gas- u. Stromverträge. Okt. 1990 Landesbevollm. der Bundesreg. für Sachsen-Anh.; danach bis Okt. 1991 wieder im Lehramt an der Univ. Leipzig; 1991 selbst. Unternehmensberater für Umwelt- u. Energietechnik; seit März 1992 Geschäftsf. der Noell Umweltdienste Berkhöpen / Schkeuditz / Würzburg; Geschäftsf. der Bioprodukte Prod.- u. Vertriebes GmbH in Klötze (Altmark). Forschungen zu Katalysatoren u. Verfahren f. Kohlenwasserstoff-Umwandlungsreaktionen, bes. zum Spillover-Effekt an Festkörperoberflächen; über 100 Publ. u. 49 Patente.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinbrecher, Curt Alexius

* 6.3.1882 – ✝ 27.4.1963

(* 1882 – † 1963) Geboren am 6. März 1882 in Naumburg/Saale, Sohn eines Postschaffners; lernte Buchdrucker, von 1902 bis 1904 Militärdienst in Gleiwitz. 1905 Mitglied der SPD, bis 1914 Geschäftsführer im Buchdruckergewerbe in Halle. Von 1914 bis 1918 Soldat, während der Revolution Kommandeur des Sicherheitsregiments und Garnisionsältester in Halle. Seit 1917 Mitglied der USPD und des Spartakusbundes, ging mit der linken USPD Ende 1920 zur KPD. Ende 1919 wegen »Hoch- und Landesverrates« angeklagt, 1920 Freispruch aus »Mangel an Beweisen«. Teilnehmer am Mitteldeutschen Aufstand 1921, deswegen in Abwesenheit zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, er lebte bis 1928 (Amnestie) unter den Namen Dr. Bernhard und Fritz Pohl illegal. Er übersiedelte nach Berlin, Referent der BL Berlin-Brandenburg und der KPD-Zentrale. Von 1921 bis 1924 Abnahmebeamter bei der sowjetischen Handelsvertretung, gehörte Steinbrecher 1924 mit Erich Seemann (der 1925 ausgeschlossen wurde) der ersten RFB-Bundesleitung an, er blieb bis 1928 deren Kassierer. Später Geschäftsführer des Peuvag-Verlages. Im Februar 1933 festgenommen, bis 23. September 1933 in den KZs Berlin-Spandau und Sonnenburg. Nach Freilassung bis 1938 arbeitslos, anschließend Steuerberater und Buchhalter. 1940 zog er nach Seddin bei Potsdam, dort nach Kriegsende von der sowjetischen Kommandantur als Bürgermeister eingesetzt, im Oktober 1945 wieder abgesetzt, da er Weisungen der SMA nicht befolgte. Zunächst im Forstamt bzw. als Schuldiener in der Zentralschule Neuseddin, später in der Druckerei der »Täglichen Rundschau« beschäftigt. Curt Steinbrecher starb am 27. April 1963 in Wiesenburg. Steinbrechers Tochter Luise, verheiratete Hadrossek (* 1. 9. 1902 in Halle), war Stenotypistin, 1919 Mitglied der FSJ, 1922 der KPD. Zunächst Sekretärin in der KPD-Zentrale in Berlin, während des Mitteldeutschen Aufstandes 1921 Kurieraufträge für Max Hoelz. Anschließend offiziell Stenotypistin bei der sowjetischen Handelsvertretung, sie arbeitete bis 1925 unter dem Namen Rosi Stiller für den AM-Apparat. Sie war verheiratet mit dem Metallarbeiter und KPD-Funktionär Wilhelm Hadrossek (* 16. 3. 1901 in Berlin), der 1923 insgeheim an zentraler Stelle für den bewaffneten Aufstand wirkte. Beide lebten dann von 1925 bis 1928 in der Stadt Balzer in der Wolgadeutschen Republik der Sowjetunion. 1928 Rückkehr nach Deutschland, erneut für den geheimen Apparat der KPD tätig, mußten sie Anfang 1932 nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz wieder in die Sowjetunion flüchten. Luise Hadrossek wurde Sekretärin bei Wilhelm Pieck, Jelena Stassowa und zuletzt bei Walter Dittbender. Wilhelm Hadrossek, Technischer Direktor in Kunezowo, wurde am 11. November 1936 vom NKWD verhaftet, zu fünf Jahren Lager verurteilt und 1938 erschossen. Auch Luise wurde 1937 vom NKWD festgenommen und für viele Jahre nach Sibirien verbannt, später nach Kasachstan. Sie arbeitete im Steinbruch, danach Krankenschwester in einem NKWD-Haftkrankenhaus, bis zum XXII. Parteitag der KPdSU 1961 durfte sie Kasachstan nicht verlassen. 1963 konnte sie in die DDR ausreisen, galt als »Parteiveteranin« und erhielt 1977 den VVO in Gold. Luise Hadrossek starb am 13.Februar 1983 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Stammberger, Friedrich

* 13.5.1908 – ✝ 26.3.1978

Geb. in Rauenstein (Krs. Sonneberg); Vater Tischler; 1914 – 19 Volksschule; 1921 KJVD; 1926 KPD; 1928 Mitarb. im Internat. Arbeiter Verlag in Berlin; 1926 – 28 Ausb. zum Schriftsetzer in Gotha; 1930 Hersteller u. Propagandist im Verlag Universum-Bücherei Berlin; Mitgl. der Berliner RGO-Ltg. der Buchdrukkerfraktion; 1932 Ltr. der Vertr. von Sojusfoto in Berlin; 1933 Flucht über Amsterdam u. Paris nach Moskau; 1933 stellv. Ltr. der Auslandsabt. von Sojusfoto; Korrespondent der in Prag erscheinenden »AIZ«; Juli – Sept. 1936 Arktisexpedition; 1937 Verhaftung mit anschl. pol. Prozeß, Verurteilung zu fünf Jahren Arbeitslager in Norilsk; Arbeit als geolog. Kollektor. 1946 im Erzkombinat Norilsk zwangsangesiedelt; 1947 – 51 dort Geologie-Techniker; Abitur im Abendstudium; 1950 – 54 Fernstudium der Geologie am Moskauer Polytechn. Inst. (Filiale Tomsk), 1954 Abschluß als Dipl.-Berging.-Geologe; Nov. 1954 Rückkehr in die DDR; 1955 Mitarb. der Staatl. Geolog. Kommission Berlin; 1956 maßgebl. beteiligt an der Gründung u. Vors. der Zentr. Vorratskommission für mineralische Rohstoffe (ZVK); 1958 Ltr. der Staatl. Geolog. Kommission u. des Zentr. Geolog. Dienstes; 1961 – 74 Vors. der ZVK der DDR; 1961 Prom. an der Bergakad. Freiberg mit der Diss. »Zur ökon. Bewertung von Lagerstätten nutzbarer Rohstoffe« (Dr. rer. oec.); 1966 Titularprof.; 1973 VVO; 1977 Serge-von-Bubnoff-Medaille der Ges. für Geologische Wiss. (GGW) der DDR; gest. in Berlin. 1978 aufgrund einer testamentar. Verfügung von F. S. Stiftung eines »Friedrich-Stammberger-Preises« für besondere wiss. Leistungen auf dem Gebiet der geolog. Wiss., der jährl. durch die GGW vergeben wurde; 1995 Umwandlung in die Friedrich-Stammberger-Stiftung in Verantw. der GGW Berlin; F. S. hat die praktische geolog. Arbeit in der DDR im gesamtstaatl. Rahmen maßgebl. u. die geowiss. Forschung u. Lehre nachhaltig beeinflußt. Forschungen u. Publ. zu Grundlagen der Erkundungsgeol., Methodik der Suche u. Erkundung von Lagerstätten, Berechnung u. Bewertung von Vorräten mineral. Rohstoffe; etwa 100 Veröff., darunter Lehrbuch der Suche u. Erkundung von Lagerstätten fester mineral. Rohstoffe, 2 Bde., Leipzig 1978/79.Stammberger, G., Peschke, M.: Gut angekommen – Moskau. Berlin 1999; Leo, A. u. a. (Hrsg.): Vielstimmiges Schweigen.

Wer war wer in DDR

Stange, Rolf

* 20.4.1919 – ✝ 6.10.1965

Geb. in Schmölln (Thür.); Vater Buchbinder; 1926 – 36 Grund- u. Realschule in Schmölln, 1936 – 38 Reformrealgymnasium in Altenburg; 1938 – 40 Arbeits- u. Militärdienst, von der Wehrmacht zum Physikstudium abkommandiert; 1940 – 45 Studium in Berlin u. Tübingen, Diplomhauptprüfung in Berlin. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft bis 1948 als Physiker für die sowj. Besatzungsmacht tätig; dann Anstellung als Assistent bzw. Oberassistent am Physikal.-Chem. Inst. der HU Berlin unter Ltg. von Karl F. Bonhoeffer, später  Robert Havemann; 1953 Doz.; 1958 Prom.; gest. in Berlin. Vielseitiger Forscher u. Lehrer (Physik, Mathematik, Physikal. Chemie u. a.) mit hervorragenden didakt. Fähigkeiten, hatte bedeutenden Anteil an Havemanns Lehrbuch »Chem. Thermodynamik« (1957). Hauptarbeitsgebiet: Photochemie des Sehprozesses.Hans-Georg Bartel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Starck, Alexander

* 5.10.1909 – ✝ 6.3.1963

Geboren am 5. Oktober 1909 in Bromberg, Sohn eines Handelsreisenden; lernte Zimmerer. 1926 Mitglied des KJVD und 1931 der KPD. Er gehörte 1931/32 dem ZK-Büro des KJVD an, besuchte 1932 einen Lehrgang der Internationalen Leninschule in Moskau und kehrte 1933 zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück. Im Oktober 1933 inhaftiert, 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung aus Luckau emigrierte Starck 1937 in die ?CSR und im Herbst 1938 nach Großbritannien, wo er in Manchester Mitglied der Leitung der KPD-Gruppe wurde. Von 1940 bis 1944 interniert, arbeitete er als Holzfäller in North-Wales. 1945 Sekretär des Rückwanderungsbüros der Freien Deutschen Bewegung, kam 1946 über Jugoslawien nach Deutschland. Starck stieg rasch in der Hierarchie des FDGB zum Mitglied und Sekretär des Bundesvorstandes auf, er wurde 1950 zum Stellvertreter von Herbert Warnke berufen. Bereits im Mai 1951 wegen »Mängeln in der Arbeit und ungenügender Selbstkritik« seiner Funktion enthoben, als Direktor für Arbeit zum VEB Bau-Union Nord-Ost nach Torgelow abgeschoben, wegen seiner Haltung zum Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 am 27.August 1953 aus dem FDGB-Bundesvorstand und aus der SED ausgeschlossen. Im Zuge der »Rehabilitierungen« 1956 wieder Mitglied der SED, arbeitete er später im VEB Bau-Union Berlin. Alexander Starck starb am 6. März 1963 in Hessenwinkel bei Berlin.

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Stasiw, Ostap

* 1.1.1903 – ✝ 19.2.1985

Geb. in Borszewyczi (Krs. Lemberg, Galizien / Ukraine); Vater Eisenbahner; 1921 Abitur am Gymnasium in Przemysl; danach Student an der Univ. Lemberg; Beteiligung am ukrain. Aufstand im Nachkriegspolen, Verhaftung u. Flucht; 1923 mit falschen Papieren nach Danzig; dort staatenloser Werftarb.; 1923 Übersiedl. nach Berlin; 1923 – 27 Physikstudium an der Univ. Berlin; Nebentätigkeiten als Übersetzer; 1927 – 31 Assistent am Physikal. Inst. der Univ. Gießen bei Walter Bothe; 1928 Prom.; 1931 – 37 wiss. Mitarb. am 1. Physikal. Inst. der Univ. Göttingen bei Robert Pohl, der auch seine Einbürgerung durchsetzte; 1938 Habil.; 1938 – 45 Ltr. des photochem. Laboratoriums der Zeiss Ikon AG in Dresden. Nach Kriegsende Versuch des Wiederaufbaus seines zerstörten Laboratoriums, zunächst in der nunmehrigen SAG Zeiss-Ikon, ein Angebot zur Übersiedl. in die UdSSR wurde nach erfolgter Demontage seines Laboratoriums nicht realisiert; ab 1946 Aufbau eines Laboratoriums für die Physik fester Körper u. 1947 Prof. an der TH Dresden; 1947 – 51 Ltr. des Laboratoriums für Festkörperforschung der DAW in Dresden (1951 Umzug nach Berlin-Adlershof); 1952 – 68 Dir. des Inst. für Kristallphysik der DAW in Berlin; 1956 NP; gest. in Berlin.Elektronen- u. Ionenprozesse in Ionenkristallen. Berlin 1959 (2007).Peter Nötzold

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Staudinger, Hermann

* 1.4.1884 – ✝ 8.4.1942

Geboren am 1. April 1884 in Herten/Ruhrgebiet, Sohn einer Bergarbeiterfamilie; lernte Friseur und eröffnete 1903 in Rotthausen ein eigenes Geschäft, später Strickmeister in einem Essener Betrieb, nach dem Ersten Weltkrieg Heilpraktiker. Seit 1906 SPD-Mitglied, seit 1918 in der USPD, ging 1920 zur KPD und war Polleiter in Essen-Rellinghausen. Im April 1933 kam er zusammen mit seinem Sohn Theo in »Schutzhaft«. Ende Juni freigelassen, emigrierte er im September in die Niederlande, aktiv in der Emigra tion, kam über Belgien und Frankreich im April 1935 in die Sowjetunion. Dort Heilpraktiker, er konnte sich bei Moskau eine Datsche bauen. Mitte September 1941 wurde er nach Kasachstan verbannt, saß dort einige Zeit im Gefängnis, dort starb Hermann Staudinger unter furchtbaren Bedingungen am 8. April 1942 an Bauchtyphus. Seine Söhne Theo (*31.1. 1906 - † 7. 1. 1937) und Josef (* 29. 12. 1908 – † 1938) wurden Opfer Hitlers und Stalins. Theo ist als Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien gefallen. Josef hatte im Juli 1932 bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit der Polizei anläßlich eines Aufmarsches der KPD (Spartakiade der Roten Sportler) in Essen einen Polizeioffizier erschossen, flüchtete in die Sowjetunion und studierte an der KUNMS. Im September 1938 zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt, kam Josef 1938 im Gulag ums Leben. Wilhelm Mensing und Peter Erler veröffentlichten 2001 eine ausführliche biographische Skizze über die Familie Staudinger.

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Stechbarth, Horst

* 13.4.1925 – ✝ 8.6.2016

Geb. in Tzchecheln (Krs. Sorau, Niederlausitz/ Dębinka, Polen); Vater Landwirt; 1931 –  39 Volksschule; HJ, Kameradschaftsführer; 1939 – 43 Landw. Gehilfe im elterlichen Bauernhof in Eicherode; 1943 RAD, Arbeitsmann; 1943 – 45 Wehrmacht, Uffz.; 20.4.1943 NSDAP; 8.5. 1945 – Mai 1948 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1948/49 Landarb. in Burg; 1.3.1949 Eintritt in die Grenzpolizei; Schule der HV für Ausbildung in Eggesin (b. Pasewalk), als Offiziersschüler zugl. in Dienststellungen als Vorgesetzter; 1950 VP-Oberkommissar; 1950/51 Abt.-Kdr. in der Bereitschaft Eggesin; SED; 1951/52 militär. Sonderlehrgang in Privolsk (UdSSR), Major; bis 1954 Kdo.-Ltr. in der KVP-Bereitschaft Eggesin; 1955 HS für Offz. in Dresden; danach Stellv. des Kdr. der KVP-Bereitschaft Schwerin; 1956 – 59 1. Stellv. bzw. Kdr. der mot. Schützendiv. Potsdam; 1959 – 61 sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl. rer. mil.; 1961 – 64 1. Stellv. des Chefs (Nachf. von Rudi Lindner), 1964 – 67 Chef des Militärbez. Neubrandenb. (Nachf. von  Martin Bleck), 1964 Gen.-Major; 1967 – 72 Chef der Verw. Ausbildung im MfNV, 1970 Gen.-Ltn.; ab 1972 Stellv. des Min. u. Chef der Landstreitkräfte, 1976 Gen.-Oberst; 1976 VVO; Kand., 1978 – Dez. 1989 Mitgl. des ZK der SED; 1989/90 Überprüfung durch den NVA-Aussch. zur Untersuchung von Amtsmißbrauch, Korruption u. persönl. Bereicherung, keine strafrechtl. Konsequenzen; 31.12.1989 Ruhestand.Ehlert, H., Wagner, A.: Genosse General! Berlin 2003.Helmut Müller-Enbergs

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Steenbeck, Max

* 21.3.1904 – ✝ 15.12.1981

Geb. in Kiel; Vater u. Mutter Lehrer; Reform-Realgymnasium; 1922 – 27 Studium der Physik u. Chemie in Kiel; 1928 Prom. mit einer Arbeit über Röntgenstrahlen; 1927 wiss. Mitarb.; 1934 Laborltr.; 1943 Techn. Ltr. des Stromrichterwerks der Siemens-Schuckert-Werke in Berlin, Arbeitsgebiet Gasentladungsphysik; 1934 Patent zum Betatron. 1945 – 56 nach kurzer Internierung Aufn. einer Forschungstätigkeit in der UdSSR, Entw. der Gaszentrifuge im Rahmen des sowj. Atomprogramms; 1956 Prof. für Physik des Plasmas an der FSU Jena; Ord. Mitgl. der DAW; 1956 – 59 Dir. des Inst. für magnet. Werkstoffe u. 1959 – 69 des Inst. für Magnetohydrodynamik der DAW in Jena; 1957 – 60 Ltg. des Wiss.-techn. Büros für Reaktorbau in Berlin; 1959 NP; 1961/62 Werkdir. des VEB Entw. u. Projektierung kerntechn. Anlagen Berlin; 1962 – 66 Vizepräs. der DAW; 1964 Dr. rer. nat. h. c. der FSU Jena; 1965 Vors. des Forschungsrats der DDR (Nachf. von  Peter A. Thiessen), 1978 Ehrenvors.; 1966 auswärt. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1969 Ehrenbürger der Stadt Jena; 1970 Präs. des DDR-Komitees für Europ. Sicherheit u. Zusammenarbeit; Präs.-Mitgl. des Friedensrats; 1971 NP; 1974 VVO; gest. in Berlin.Wissen u. Verantw. Berlin 1967; Impulse u. Wirkungen – Schritte auf meinem Lebensweg. Autobiogr. Berlin 1977.Horst Kant / Elke Reuter

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Steffen, Kurt

* 23.9.1904 – ✝ 9.10.1968

Geboren am 23. September 1904 in Berlin, Sohn eines Kunstschlossers; lernte Werkzeugmacher. Von 1919 bis 1922 gehörte er der Jugendorganisation der KAPD, der Kommunistischen Arbeiterjugend an, ab 1923 der KJD, 1925 Mitglied der KPD. Referent der BL Berlin-Brandenburg, ab 1928 freischaffender Autor von Kurzgeschichten für die »Rote Fahne«, »Berlin am Morgen« und für die »Linkskurve«. 1932 wurde er 2. Sekretär des von der KPD gelenkten BPRS. Nach 1933 Mitglied einer illegalen Gruppe des BPRS unter Leitung von Hans Schwalm ( Jan Petersen), ab 1935 selbst Leiter der Gruppe, er gehörte auch der illegalen Leitung des UB Berlin-Weißensee an. Steffen wurde am 8. Oktober 1935 verhaftet und vom Kammergericht Berlin zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Im November 1941 aus dem Zuchthaus Sonnenburg freigelassen. Von 1946 bis 1948 Vorsitzender der SED Berlin-Weißensee. Von 1949 bis 1953 Referent im DDR-Amt für Information, später Lektor im Verlag Neues Leben. Kurt Steffen starb am 9.Oktober 1968 in Ost-Berlin.

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Stegmaier, Anna

* 4.11.1899 – ✝ 27.7.1973

Geboren am 4. November 1899 in Spiegelberg/Krs. Backnang, Tochter einer Arbeiterfamilie; besuchte eine Handelsschule, schloß sich 1913 der Arbeiterjugend an und 1918 der FSJ. Von 1913 bis 1916 Dienstmädchen im Haushalt der Familie Edwin Hoernle, trat 1919 in die KJD in Stuttgart ein. Ende 1918 verantwortlich für die Expedition der Frauenzeitschrift »Die Kommunistin«, 1919/20 technische Hilfskraft, ab 1920 Hauptkassiererin und später Orgleiterin der BL Württemberg. Anna Stegmaier lebte mit dem kommunistischen Landtagsabgeordneten Carl Müller zusammen, war Stenotypistin der KPD-Landtagsfraktion. Wegen persönlicher Differenzen mit dem württembergischen Polleiter Karl Schneck verließ sie die KPD, ab 1927 Stenotypistin in einem Stuttgarter Rechtsanwaltsbüro. 1933 Mitarbeiterin der illegalen RHD in Württemberg, flüchtete sie Ende August 1934 mit ihren Kindern Heinz (* 1. 6. 1925) und Sonja (* 5. 4. 1927) in die Schweiz. Sie wurde 1935 in einem Prozeß in Stuttgart in Abwesenheit zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juni 1936 kam sie über Prag in die Sowjetunion, war im Sekretariat der Freidenkerorganisation. Sie geriet in die stalinistischen Säuberungen, wurde am 12. März 1938 in der Moskauer Wohnung von Helene Hoernle vom NKWD verhaftet und nach viermonatiger NKWD-Haft wegen »konterrevolutionärer und trotzkistischer Tätigkeit« zu acht Jahren Lager verurteilt. Danach bis August 1953 Sowchosarbeiterin in Magadan, im September 1953 Wächterin in einem Nahrungsmittellager. Im November 1956 durfte sie in die DDR ausreisen, hier in der Presseabteilung des Ministeriums für Außen- und Innerdeutschen Handel beschäftigt, seit November 1957 Mitglied der SED, sie erhielt 1969 den VVO in Silber. Anna Stegmaier starb am 27. Juli 1973 in Gera. Ihr Sohn Heinz kam nach der Verhaftung der Mutter mit seiner Schwester in ein sowjetisches Kinderheim und wurde 1941 nach Mittelasien verbannt. Von Oktober 1941 bis Mai 1942 beim NKWD inhaftiert, dann Schlosser, aber 1944 erneut festgenommen, erst 1953 freigelassen, blieb zunächst in Magadan, Sprengmeister, kam später in der DDR. Heinz Stegmaier starb am 2. Juni 1989 in Gera.

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Steigerwald, Heinz

* 16.4.1925 – ✝ 23.2.2002

Geb. in Wernigerode; Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Dreher u. Schlosser; 1944 / 45 Zwangsarbeitslager der Organisation Todt. 1945 – 49 Arbeit als Installateur u. Dreher; 1946 SED; 1947 Betriebsrat, später Vors. der BGL in den Stadtwerken Wernigerode; 1950 / 51 2. Sekr. der SED-KL Wernigerode bzw. der SED-KL Haldensleben; Lehrgang an der SED-LPS Sachsen-Anh.; 1951 / 52 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1952 Mitgl. des Sekr. der SED-LL Sachsen-Anh.; 1952 / 53 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; 1953 – 55 2. Sekr. der SED-KL Berlin-Treptow; 1955 –58 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Pankow; Juni 1958 wg. »revisionist. Verhaltens« von der Funktion abgelöst; anschl. Ltr. der Abt. Arbeit in der VEB Werkzeugmaschinenfabrik »Hermann Schlimme« in Berlin-Treptow; danach bis 1974 Ltr. des Sektors Wiss. im Staatl. Amt für Arbeit u. Löhne; ab 1974 Invalidenrentner; gest. in Berlin.Mario Niemann

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Steinberger, Bernhard

* 17.9.1917 – ✝ 16.12.1990

Geb. in München in einer jüd. Fam.; Volksschule; Ingenieurausbildung; 1936 Emigr. nach Mailand (Italien) u. 1938 weiter in die Schweiz, dort fast drei Jahre im Emigrantenarbeitslager; in der BFD tätig; Mai 1945 von der KPD-Ltg. in der Schweiz rückwirkend ab 1940 als KPD-Mitgl. aufgenommen. 1945 Rückkehr nach Bayern; Mitarb. in der KPD-LL u. an der LPS; Mai 1947 Übersiedl. mit der Familie nach Leipzig zur Aufn. eines Ökon.-Studiums an der Univ. Leipzig bei  Friedrich Behrens; SED; 9.6.1949 Verhaftung durch sowj. Sicherheitsorgane, 1950 Verurteilung zu 15 Jahren Straflager, Deportation nach Workuta, 1955 amnestiert u. am 10.10. 1955 Rückkehr in die DDR; parallel zu seiner Verhaftung am 28.5.1949 Festnahme seiner in Budapest weilenden Frau Ibolya S. im Zusammenhang mit dem ungar. Rajk-Prozeß, 1950 Verurteilung zu acht Jahren Zuchthaus, 1955 amnestiert u. 1956 Rückkehr in die DDR (1957 Freispruch durch die Oberste Staatsanwaltschaft Ungarns); B. S. nahm 1956 eine Aspirantur an der AdW auf u. erwirkte seine Rehabil. als SED-Mitgl.; am 29.11.1956 in Verbindung mit der Festnahme von  Wolfgang Harich u. a. erneut inhaftiert u. in der Presse als Vorbestrafter »wegen Vergehens gegen den Frieden« pol. diffamiert, am 9.3.1957 zus. mit Wolfgang Harich u.  Manfred Hertwig vom Obersten Gericht zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, am 27.11.1960 aus der Haft entlassen; nach sechs Mon. Arbeit in der Industrie an der HfÖ Berlin tätig; 1967 dort Prom. zum Dr. rer. oec.; anschl. bis 1977 Doz.; danach Pensionierung; 1989/90 Berater des Neuen Forums Berlin; am 30.3.1990 Kassation des Urteils von 1957 durch das Oberste Gericht der DDR; gest. in Berlin.Otto, W.: Dornenreicher Weg eines Antifaschisten. In: Berliner Ztg., 6.4.1990; Jahn, J.: B. S. – ein Opfer der SED. In: JHK Berlin 2002.Wilfriede Otto

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Steineckert, Gisela

* 13.5.1931

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1939 – 45 in Österreich; 1946 Rückkehr nach Berlin; tätig als Sozialhelferin u. Sprechstundenhilfe; Ausbildung zum Kfm.; ab 1957 freischaff. Schriftst.; erste Arbeiten für den Rundfunk; kurz mit dem Lyriker  Heinz Kahlau verh.; 1962/63 Kulturred. der satir. Ztschr. »Eulenspiegel«; Szenaristin bei der DEFA, auch als Hrsg. tätig, Verf. von Kurzgeschichten, Hörspielen, Feuilletons, Lyrik u. Chansons; 1965 – 75 Mitw. in der Singebew., bes. als Beraterin des Berliner Oktoberklubs u. Liedautorin (u. a. »Wer bin ich u. wer bist du«, »Stundenlied«); Zusammenarb. mit dem Sänger Jürgen Pippig (später  Jürgen Walter); seit 1971 verh. mit dem damal. Musikchef von Radio DDR Wilhelm Penndorf; Mitgl. des Vorst. des SV; 1979 – 90 Vors. des Arbeitskrs. Chanson / Liedermacher beim Komitee für Unterhaltungskunst, ab 1984 seine Präs. (Nachf. von  Siegfried Wagner); SED; 1979, 1980 u. 1987 NP; schrieb Texte für Schlager- u. Chansonsänger, Filmmusiken u. Lyrikbände. Ab 1990 ehrenamtl. Vors. des DFD e. V.; zahlr. Buchveröff. u. Lesungen.Gesichter in meinem Spiegel. Berlin 1977; Briefe 1961 – 1983. Berlin 1984; Einfach Zuneigung. Berlin 1986; Presente. Berlin 1988; Wild auf Hoffnung. Berlin 1990; Ich umarme Dich in Eile. Briefe an Frauen. Berlin 1992; Für Frauen ist Krieg im Land. Berlin 1994; Die blödesten Augenblicke meines Lebens. Berlin 1996; Und dennoch geht es uns gut. Briefe 1992 – 1998. Berlin 1998; Das Schöne an den Frauen. Berlin 1999; -> Veronika Fischer: Die Sehnsucht nach Wärme. Berlin 2001; Der Mann mit der goldenen Nase (mit -> Arndt Bause) Berlin 2001; Das Schöne an den Männern. Berlin 2003; Alt genug um jung zu bleiben. Berlin 2006. Plog, D.: Spuren. Ein G.-S.-Porträt in Gesprächen. Berlin 1983; Karau, G.: Weibergeschichten. Berlin 1999; Schmitt-Johnsen, A.: »Mit Haut u. Haar«: Sprichwörtliches in der Lyrik G. S.s. Saarbrücken 2009.Bernd-Rainer Barth / Ingrid Kirschey-Feix

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Stammnitz, Lothar

* 1.11.1927 – ✝ 27.7.2006

Geb. in Görlitz; Vater Fleischer; 1934 – 42 Volksschule; 1942 – 44 Lehre als Feinoptiker; 1944 RAD; 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 / 46 amerikan. Kriegsgef. 1946 – 48 Lehre als Feinoptiker; 1946 FDJ, KPD / SED; 1949 – 51 Ltr. der Abt. Wirtschaft in der SED-KL Görlitz; 1952 Lehrgang an der SED-LPS Meißen; 1953 – 57 1. Sekr. der SED-BPO im VEB Lokomotiv- u. Waggonbau Görlitz; 1955 – 63 Fernstudium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1957 – 59 Sekr. für Wirtschaft der SED-KL Görlitz; 1959 – 61 Ltr. der Abt. Wirtschaft der SED-BL Dresden; 1961 – 64 1. Sekr. der SED-KL Dresden-Land; 1964 – 89 2. Sekr. der SED-BL Dresden; 1977 VVO; 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED. Im Mai 1993 vom LG Dresden wg. »Anstiftung zur Wahlfälschung« zu einer Geldstrafe von 1500 DM verurteilt; nach Revision der Staatsanwaltschaft im Aug. 1995 durch die 4. Große Strafkammer des LG Dresden zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt; gest. in Görlitz.Mario Niemann

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Stange, Siegfried

* 18.3.1933

Geb. in Leipzig; Vater Kraftfahrer; Grundschule; 1947 – 52 Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Elektromaschinenbauer; 1952 – 56 Dienst in der KVP bzw. NVA; 1954 SED; 1956 – 58 polit. Mitarb. der SED-Stadtbezirksltg. Leipzig-Mitte; 1958 – 61 Studium an der Ing.-Schule für Schwermaschinenbau u. Elektronik in Leipzig, Ing.-Ökonom; 1961 – 63 Ass. des Werkleiters u. Sekr. der SED-BPO im VEB Starkstromanlagenbau Leipzig; 1963 – 65 polit. Mitarb. der SED-BL Leipzig; 1965 – 68 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1968 – 72 polit. Mitarb. des ZK der SED; 1972 – 89 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Erfurt; ab 17. November 1989 2. Sekr. der SED-BL Erfurt; 1974 VVO.Mario Niemann

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Stark, Otto

* 2.4.1922

Geb. in Wien in einer jüd. Fam.; Vater Hutmacher; Volksschule; Hutmacherlehre; beim Nazi-Einmarsch in Österreich wurde die gesamte Familie verhaftet, Eltern, Bruder u. fast alle übrigen Verwandten sind im KZ Auschwitz umgekommen; O. S. konnte 1938 fliehen u. nach Großbritannien emigrieren; Landw.-, später Bäckerlehre; daneben Schauspielunterricht; 1940 interniert, dort Mitgl. einer Theatergr.; ab 1942 Schauspieler im österr. Exiltheater »Das Laterndl« in London. 1946 Rückkehr nach Wien, Schauspielprüf. u. am »Theater der 49« in Wien; 1949 Übersiedlg. in die DDR; als Schauspieler in Dresden u. Berlin; 1952 SED; gründete 1955 das Kabarett »Die Herkuleskeule« in Dresden; wechselte 1960 zur »Distel« in Berlin; von 1968 – 90 deren Dir., dann altershalber ausgeschieden; in vielen Programmen Regie u. Darsteller; daneben Film- u. Fernsehrollen; auch seine Frau Ilse Maybrid u. ihre Tochter Myriam S. waren als Kabarettistinnen an der »Distel«; 1979 Banner der Arbeit; 1981 NP; 1985 Goethepreis der Stadt Berlin. Seit 1990 Auftritte zunächst mit den »Distel-Oldies«, später mit Soloprogr.; 2008 CD »Berliner Temperament u. Wiener Schmäh« (mit Ilse Maybrid St.)Unterhaltungskunst A– Z. Berlin 1975; Otto, R., Rösler, W.: Kabarettgeschichte. Berlin 1977; Zimmermann, K.: O. S. – Plädoyer für einen Komödianten. In: Kassette 1. Berlin 1977; Friedrich, D.: Messeschlager Gisela. In: Berliner Ztg., 12.4.1999.Gisela Winkler

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Staubes, Hanna

* 28.5.1889 – ✝ 27.8.1981

Geboren am 28. Mai 1889 als Hanna Weber in Horn/Lippe, Tochter einer Arbeiterfamilie. Die ein Jahr jüngere Schwester von Hermann Weber (dem bekannten Solinger Kommunisten und späteren Opfer der stalinistischen Säuberungen), ging als Dienstmagd und ungelernte Arbeiterin nach Solingen und Düsseldorf. 1911 heiratete sie Walter Staubes, trat 1915 in die SPD ein, 1917 in die USPD und gehörte als Mitglied des Spartakusbundes zu den Mitbegründern der KPD in Solingen. Hanna Staubes war Frauenleiterin der KPD im UB Solingen, 1929 dort Stadtverordnete, 1930 im Provinziallandtag Rheinland. 1931 Mitorganisatorin des »Roten Rhein-Ruhr-Kongresses werktätiger Frauen«. Im April 1932 wurde sie im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Preußischen Landtag gewählt, in dem sie bis 1933 blieb. Im Juli 1933 festgenommen, saß sie bis April 1934 im Gefängnis in Düsseldorf, anschließend in KZs in »Schutzhaft«. 1934 heiratete sie Otto Rautenbach, war von August 1937 bis Oktober 1938 in Düsseldorf erneut inhaftiert. 1945 wieder Mitglied und Funktionärin der KPD in Solingen, dort ab November 1945 in der Stadtverwaltung. Als anerkannte Kommunalpolitikerin wurde sie am 10. April 1947 in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gewählt, dem sie bis 1950 als Abgeordnete angehörte. 1968 trat sie der DKP bei. Hanna Staubes-Rautenbach starb am 27.August 1981 in Solingen.

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Staudinger, Hildebrand

* 1.10.1878 – ✝ 16.3.1938

Geboren am 1. Oktober 1878 in Landau/Pfalz, Sohn eines Bauern. Kaufmännische Lehre und Arbeit, seit 1898 Mitglied der SPD, 1916 der Spartakusgruppe, 1918 der KPD. Mitarbeiter des AM-Apparates, 1923/24 Leiter für den Be zirk Württemberg. Nach der Flucht in die Sowjetunion war er Angestellter im Textilsyndikat in Moskau. 1929 kehrte er nach einer Amnestie nach Deutschland zurück, Mitarbeiter in der sowjetischen Handelsvertretung. 1932/33 Polleiter im KPD-UB Schwäbisch-Gmünd, 1933 erneut emigriert, zunächst nach Frankreich, dann 1935 über die âSR in die Sowjetunion. Als Politemigrant anerkannt, wurde er am 16. März 1938 in Moskau vom NKWD festgenommen. Er wurde der Spionage für den deutschen Nachrichtendienst beschuldigt und am 16.Mai 1938 zum Tode verurteilt. Hildebrand Staudinger wurde am 28. Mai 1938 erschossen.

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Stecher, Renate

* 12.5.1950

Geb. in Süptitz (b. Torgau); Schule in Torgau, KJS, Abitur; 1963 – 77 aktive Leichtathletin (Sprint); anfangs in Torgau (Trainer: Manfred Schumann); ab 1964 beim SC Motor Jena (Trainer: Horst-Dieter Hille); bei den Europameisterschaften 1969 Siegerin (mit der 4 x 100-m-Staffel), 2. Platz (200 m); 1970, 1971, 1972 u. 1974 bei den Hallen-Europameisterschaften: Siegerin; beim Europacup 1970: Siegerin (200 m); bei den Europameisterschaften 1971: Siegerin (100 m u. 200 m), 2. Platz (mit der 4 x 100-m-Staffel); 1972 Olymp. Spiele: Siegerin (100 m u. 200 m), 2. Platz (mit der 4 x 100-m-Staffel); sie blieb als erste Frau der Welt 1973 unter elf Sek. im 100-m-Lauf; beim Europacup 1973 u. 1975: Siegerin (100 m, 200 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel); bei den Europameisterschaften 1974: Siegerin (mit der 4 x 100-m-Staffel), 2. Platz (100 m u. 200 m); 1976 Olymp. Spiele: Siegerin (mit der 4 x 100-m-Staffel), 2. Platz (100 m), 3. Platz (200 m); Aug. 1976 endete ihre sportl. Laufbahn; 1970 – 76 22mal WR; VVO; Pädagogikstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Lehrerin für Körpererziehung; Hochschullehrerin an der FSU Jena; verh. mit dem Hürdenläufer Gerd S.; Angest. des Jenaer Studentenwerks; lebt in Jena.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Steffelbauer, Kurt

* 16.2.1890 – ✝ 10.1.1942

Geboren am 16. Februar 1890 in Görlitz, Sohn eines Konditormeisters. Nach einer Lehrerausbildung unterrichtete er an Schulen im Landkreis Görlitz. Im Oktober 1913 als Einjährig-Freiwilliger zum Militärdienst, im Mai 1915 schwere Verwundung. Im Mai 1916 als Leutnant der Reserve entlassen, 1917/18 Lehrer in einem evangelischen Waisenhaus in Beirut. Zurück in Deutschland und zunächst arbeitslos, bewarb er sich um eine Anstellung bei der Deutschen Demokratischen Partei, der er von 1918 bis 1920 angehörte, wurde dann Sekretär der Reichsgewerkschaft des Deutschen Eisenbahner-Verbandes. 1924 trat er in die KPD ein, ab 1927 Lehrer in Berlin-Wedding. Wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD, seines Engagements in der Lehrergewerkschaft und der Berliner »Interessengemeinschaft oppositioneller Lehrer« wurde er im Februar 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Schuldienst entlassen, im Herbst jedoch wieder eingestellt. Steffelbauers Wohnung diente nach 1933 als Anlaufstelle für Kuriere des ZK der KPD. Seit dem Frühsommer 1934 leitete Steffelbauer illegale Gruppen aus entlassenen und noch im Schuldienst befindlichen Lehrern. Als der Gestapo im Krieg Flugblätter und Schriften aus diesem Kreis in die Hände fielen, hat sie ihn am 28. Mai 1941 festgenommen. Am 10.Januar 1942 vom 2. Senat des VGH gemeinsam mit Arthur Emmerlich u. a. zum Tode verurteilt, wurde Kurt Steffelbauer am 21. Mai 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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Stefke, Erhard

* 3.2.1931

Geb. in Beuthen (Oberschles. / Bytom, Polen); Vater Architekt; 1936 – 40 Volksschule in Zinnowitz (Usedom), 1940 – 45 Oberschule in Wolgast; 1945 – 48 Ausbildung zum Gärtner in Zinnowitz; Arbeit als Gärtner. 1949 – 51 Studium an der FS für Gartenbau in Pillnitz, Dipl.-Gartenbauing.; durch Vermittl. von  Johann Greiner in die Meisterklasse von  Reinhold Lingner an die DBA in Berlin; 1951 – 64 Mitarb. der DBA, Sektion »Grünplanung« bei R. Lingner; 1951 / 52 Mitarb. an der Pionierrep. »Wilhelm Pieck« in Altenhof (Werbellinsee); 1953 Mitarb. am Wettbewerb Frankfurter Tor (bei  Hermann Henselmann u. H. Greiner); 1957 Teiln. am Wettbewerb Domplatz zu Köln (mit H. Greiner); 1959 – 89 Red.-Mitgl. der Ztschr. »Landschaftsarchitektur« (ab 1965 »Dt. Gartenarchitektur«); 1965 – 68 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Gärtner; 1965 – 79 beim Inst. für Städtebau u. Architektur (ISA) Berlin, wiss. Mitarb. an städtebaul. Studien für Erholungs- u. Neubaugebiete in Leipzig, Dresden, Halle u. Zwickau; 1960 – 68 Mitarb. bei den Planungen zur Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock; 1968 – 70 Mitarb. am Wettbewerb Leninplatz, Berlin-Friedrichshain (bei H. Henselmann); 1968 / 69 Mitarb. an der Gestaltung des Volksparks Berlin-Friedrichshain (mit H. Greiner); 1977 Schinkelmed.; 1979 – 90 im Büro für Städtebau beim Magistrat der Stadt Berlin, Stadtplanung für Freiflächen; 1981 – 87 Planungen zum Ernst-Thälmann-Park Berlin-Prenzlauer Berg (auf der Grundlage der Entwürfe von  Hubert Matthes). 1990 – 96 bei der Senatsverw. für Stadtentw. u. Umweltschutz in Berlin, Landschaftsplanung für Friedhöfe; lebt in Berlin-Kaulsdorf.Kleinarchitekturen in der dt. Gartenkunst. Berlin 1956 (mit F. E. Carl); Funktionelle u. ökonom. Probleme des fünfgeschossigen Wohnungsbaus. In: Dt. H. 8 / 1971 (mit S. Kress); Aus meiner Tätigkeit bei der Bauakad. In: Hoffjan, T., Gerischer, A., Matthes, H. u. a.: Freiraum komplex. Berlin 2003. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Steidl, Josef (Jupp)

* 14.1.1919 – ✝ 4.9.1986

Geb. in Münchhof (Eger, ČSR / Mírová, Tschechien); Vater Bergmann, Mutter Porzellanarb.; Volksschule, Bürgerschule; 1933 – 36 Ausbildung zum Automechaniker in Karlsbad; 1936 KPČ; 1936 – 38 Jugendsekr. der KPČ; 1938/39 Bergarb.; April 1939 – März 1945 Wehrmacht, Stabsgefr., Einsatz in Frankreich, Rumänien, Griechenland u. der Sowjetunion; im März 1945 desertiert; Teiln. an Kampfaktionen tschech. Partisanen; 1945/46 Bergarb. in der ČSR. März 1946 Aussiedl. nach Thür.; 1946 KPD/ SED; 1946/47 Bahnunterhaltungsarb., Rangierer Bahnmeisterei Geußen; 1947/48 Amtsbetriebsrat Erfurt; 1948/50 Sekr. u. stellv. Vors. der IG Transport LV Erfurt; 1949 – 52 Vors. der IG Transport im Land Brandenb.; 1950 VVN; 1952 – 54 Vors. der IG Transport im Bez. Potsdam; 1954 – 61 Abt.-Ltr. für nat. Gewerkschaftsarbeit (Gewerkschaftseinheit) beim Bundesvorst. des FDGB; 1955 – 68 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1960 – 62 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1962 – 65 Ltr. der ZK-Abt. Gewerkschaften u. Sozialpol. (Nachf. von  Fritz Rettmann); 1965 – 86 Ltr. der Abt. Verkehr des ZK, zuständig für verdeckte Verbindungen, Transporte zu anderen kommunist. Parteien (Nachf. von  Adolf Baier); 1970 Verdienstmedaille der NVA; Erinnerungsmedaille Wladimir I. Lenin; 1970 Studium am IfG beim ZK der SED, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1972 VVO; 1979 KMO; 1984 Held der Arbeit; gest. in Berlin.Die Verantwortung der Parteiorg. u. der Mitglieder der SED für die Arbeit in den Gewerkschaften. Berlin 1964 (mit E. Schulze u. I. Thoms).Bernd-Rainer Barth

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Stein, Mona

* 20.10.1951

Geb. in Berlin; Vater Musiker, Großvater ital. Schauspieler u. Wahrsager; Friseurlehre; 1964 – 66 Unterricht im Ausdruckstanz; ab 1965 Beschäftigung mit Astrol. u. Wahrsagerei; 1967 – 71 Schauspiel- u. Gesangsstudium; 1970 – 72 Arbeit als Krankenpflegerin, Abitur; nebenberufl. Fotomodell; 1971 – 73 Psychologiestudium; 1973 – 76 Tourneen als Sängerin u. Schauspielerin im In- u. Ausland; 1977 – 79 Gastspiele an den Theatern in Zwickau u. Annaberg; 1979 – 82 Ltg. eines Friseursalons; 1971 – 92 Mitw. als Darstellerin in über 70 Fernseh- u. Kinofilmen; 1987 als erste Wahrsagerin der DDR anerkannt, öffentl. Auftritte in Klubs, Hotels u. Kulturhäusern; 1989/90 freie Mitarb. für Radio DDR u. Berliner Rundfunk (Lebensberatung u. Traumdeutung); begleitete die ersten freien Wahlen der DDR im Frühjahr 1990 wahrsagend im Fernsehen. Ab 1990 eigene Sendereihe bei Antenne Brandenb. (Horoskope u. Sternbilder) u. Privatsender 100,6 (Partnerschaftsprobleme u. Erotik); Mitarb. an der Ztg. »Litfaßsäule«; seit 1992 öffentl. Sprechstunden als Hellseherin, u. a. mit Heilhypnose u. Jenseitskontakten; 1994 Zusatzstudium Parapsychol. u. Bewußtseinserweiterungslehre; öffentl. Engagement für UNICEF u. Tierschutz.Hellsehen. Der Blick über die Schwelle (Mitautorin). Flensburg 1999.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Steinberger, Nathan

* 16.7.1910 – ✝ 26.2.2005

Geb. in Berlin in einer jüd. Familie, Vater Schirmmacher; 1928 Abitur am Kaiser-Friedrich-Realgymnasium Berlin-Neukölln; Mitgl. der sozialist. jüd. »Freien Jugend«; 1925 KJVD u. am Aufbau der Kommunist. Pennälerfrakt. u. des Sozialist. Schülerbunds beteiligt, 1927 wg. Zugehörigkeit zur sog. Karl-Korsch-Frakt. aus dem KJVD ausgeschlossen; 1928 Austritt aus der jüd. Gemeinde, KPD; 1928 – 32 Stud. zunächst der Med., dann Nationalökon. u. Gesch. an der Univ. Berlin, 1932 Dipl.-Volkswirt; anschl. vom ZK der KPD als Wirtschaftsreferent nach Moskau delegiert, dort Mitarb. am Internat. Agrarinst. der KI u. 1935 Prom. mit Untersuchungen zur Agrarpolitik des Nationalsozialismus; 1934 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft, 1936 sowj. Staatsbürgerschaft; April 1937 Verhaftung durch das NKWD, als »Volksfeind u. Trotzkist« zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, 1946 Entlassung zur »ewigen Verbannung«, Tätigkeit in Industriebetrieben in Magadan; 1955 (nichtöff.) Rehabilitierung. Dez. 1955 Übersiedl. in die DDR; 1956 DDR-Staatsbürgerschaft u. »Wiederherstellung der Parteimitgliedschaft«; zunächst Abt.-Ltr. in der SPK u. im Inst. für Agrargesch. der DAL; ab 1960 Prof. an der LPG-HS Meißen, ab 1963 an der HfÖ Berlin; 1975 em.; VVO; gest. in Berlin. St. hat vor allem als Lehrer auf die nachfolgende Generation der DDR-Ökonomen gewirkt.Die Agrarpolitik des Nationalsozialismus, Moskau 1935; Edwin Hoernle – ein Leben für die Bauernbefreiung. Berlin 1965 (Mithrsg.); Principles of the »new economic system of planning and management (NES) in the German Democratic Republik. In: Wiss. Beiträge des Inst. Ökonomik der Entwicklungsländer an der HfÖ »Bruno Leuschner« Berlin, 1967. Die UdSSR. Handbuch. Leipzig 1971; Berlin Moskau Kolyma u. zurück. Ein biograph. Gespräch über Stalinismus u. Antisemitismus. Berlin, Amsterdam 1996. Bauer, A.: »So jagen wir dem Sozialismus nach« in: taz, 19.3.2005.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinemann, Hans

* 23.8.1890 – ✝ 18.1.1965

Geboren am 23. August 1890 (nach anderen Angaben 22. September) in Oschersleben; lernte Schlosser und arbeitete in Mitteldeutschland. Von 1914 bis 1918 Soldat. Nach dem Krieg ließ er sich in Wismar nieder, arbeitete als Maschinenschlossermeister. 1918 Mitglied der USPD und 1920 der KPD, 1924 zog Steinemann als Abgeordneter in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin ein. 1925 Vorsitzender des RFB in Mecklenburg. Als Anhänger der linken Opposition 1926 nicht wieder als Kandidat aufgestellt, schied Steinmann aus dem Landtag aus, blieb bis 1928 noch für die KPD aktiv. 1929 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, später trat er politisch nicht mehr hervor. Hans Steinemann starb am 18. Januar 1965 in West-Berlin.

Wer war wer in DDR

Stanek, Josef

* 6.1.1901 – ✝ 3.2.1984

Geb. in Berlin; Vater Chemiker; Studium der Elektrotechnik an der TH Darmstadt; dort 1927 Dipl.-Ing.; danach wiss. Mitarb. in versch. Forschungslaboratorien der Firma Siemens in Berlin; 1933 NSDAP. 1945 – 54 Dir. bzw. Werkltr. eines Entw.-Betriebs für elektr. Meßinstrumente in Berlin; 1955 – 57 Ltr. des Zentralamts für Forschung u. Technik bei der SPK; 1957 – 64 Präs. des Dt. Amts für Maß u. Gewicht (Nachf. von  Wilhelm Steinhaus); 1953 Prof. für Elektrotechnik an der TH Dresden; 1954 – 81 Vors. des Bez.-Aussch. der NF in Berlin; Vizepräs. der KdT; Mitgl. des Forschungsrats; 1954 NP; 1959 VVO; gest. in Berlin.Technik elektr. Meßgeräte. Berlin 1957.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stange, Franz

* 8.2.1903 – ✝ 2.3.1939

Geboren am 8. Februar 1903 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Techniker, trat 1923 in die KPD ein und wurde Mitarbeiter des AM-Apparates der BL Wasserkante. Von 1929 bis 1931 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, anschließend bis 1933 technischer Mitarbeiter im ZK bzw. in der Bundesführung des illegalen RFB, zeitweilig Reichsleiter der Roten Jungfront. Im April 1933 festgenommen, bis Dezember 1933 im KZ Fuhlsbüttel. Stange emigrierte im Januar 1934 in die ?CSR, später nach Saarbrücken, Ende 1934 in die Sowjetunion, dort unter dem Parteinamen Stamm Lehrer an der KUNMS und an der Leninschule in Moskau. Redakteur im Verlag für ausländische Literatur, in der Nacht vom 24. zum 25. Juni 1938 wurde er vom NKWD verhaftet. Zunächst zu zehn Jahren Lager mit »Schreibverbot« verurteilt, jedoch am 2. März 1939 zum Tode verurteilt, Franz Stange wurde noch am gleichen Tag erschossen. Seine Frau Käthe Stange, am 28. Oktober 1898 in Berlin als Käthe Heber geboren, war Kontoristin, seit 1920 Mitglied der FSJ. 1928/29 Archivarin im Komintern-Archiv in Moskau, von 1929 bis 1933 Büroangestellte im ZK der KPD bzw. bei der RGO-Reichsleitung. Sie emigrierte im Januar 1934 mit ihm nach Prag, Ende 1934 in die Sowjetunion, dort Sprachlehrerin und Redakteurin. Im September 1941 nach Kasachstan verbannt, Kolchosarbeiterin, ab 1942 Deutschlehrerin bzw. Erzieherin in einem Kinderheim. Sie durfte 1946 nach Deutschland zurück, 1946/47 beim Dietz Verlag, von September 1948 bis Mai 1949 Kursantin des 4. Halbjahreslehrganges an der PHS, dort anschließend bis 1951 Assistentin in der Lehrmittelabteilung, dann Kontrollredakteurin am IML. Bemüht, das Schicksal ihres Mannes aufzuklären, erhielt sie im Juni 1956 die Mitteilung, Franz Stange sei »posthum rehabilitiert« worden. Käthe Stange starb am 23. Dezember 1957 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Starke, Hans

* 7.10.1927 – ✝ 14.12.1992

Geb. in Riesa; Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule; 1944 / 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 Hofarbeiter u. Markthelfer in Riesa; 1945 – 47 OS in Riesa, Abitur; 1946 Sekr. der FDJ-Ortsltg. Riesa; 1947 SED; 1947 / 48 Reporter der »Sächsischen Zeitung«; 1948 / 49 Ortsgruppensekr. bzw. Kreissekr. des KB Riesa; 1949 – 51 stellv. Sekr. des KB, LV Sachsen; 1951 – 62 Angeh. der DVP (zuletzt Major); Dramaturg, stellv. Ltr. bzw. Ltr. des Ensembles der DVP; 1962 – 67 Ltr. des Büros des Ministers für Kultur; 1967 – 74 Ltr. der Abt. Unterhaltungskunst im Min. für Kultur, Sept. 1973 amt. Stellv. des Ministers für Kultur (für  Werner Rackwitz, der zeitw. an der SED-PHS war); 1974 / 75 Lehrgang an der SED-PHS; 1974 – 76 Stellv. des Ministers für Kultur u. Ltr. der HV Film im MfK (Nachf. von  Günter Klein), Ablösung aus der Funktion; ab 1977 Stellv. des Intendanten an der Kom. Oper in Berlin; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Stauch, Gerhard

* 21.5.1924 – ✝ 5.4.2017

Geb. in Halle; Vater Schlosser; Volksschule; 1939 Ausbildung zum Dreher, 1942 Geselle; Kriegsdienst. 1945 KPD; Krankenhausangest.; 1946 FDJ-Sekr.; dann Sekr. der SED-KL Halle; 1949/50 PHS; 1951 Einstellung beim MfS; Abt.-Ltr. Agit. u. Prop. der HA Politkultur des MfS; 1953 OibE als Ltr. der Pol. Abt. der Transportpolizei; 1957 OibE als Instrukteur für Pol.-Kultur im MdI; 1959 – 89 OibE in der Zollverw. der DDR; 1959 1. Stellv. des Ltr., 1963 Ltr. der Zollverw. (Nachf. von  Anton Ruh); Chefinspekteur; Mitgl. des Präs. der ZL der SV Dynamo; 1977 VVO; 1979 Oberst; 1989 Ruhestand.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Staudte, Wolfgang

* 9.10.1906 – ✝ 19.1.1984

Geb. in Saarbrücken, aufgew. in Berlin; Vater u. Mutter Schauspieler; mittlere Reife; Autoschlosser; Motorradrennfahrer; Ing.-Studium; 1926 erste Theatererfahrungen in Schneidemühl; dann Volksbühne Berlin bei Max Reinhardt u. Erwin Piscator; ab 1931 Auftritte im Film; ab 1933 Regie von Kurzfilmen; 1943 erste Spielfilmregie »Akrobat schö-ö-ön«; zeitw. Berufsverbot. 1946 erster dt. Nachkriegsfilm »Die Mörder sind unter uns« (DEFA); weitere DEFA-Filme: 1948 »Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B.«, 1949 »Rotation«; 1951 NP; 1952 »Der Untertan« (nach Heinrich Mann), 1953 »Die Geschichte vom kleinen Muck« (nach Wilhelm Hauff), 1954 »Leuchtfeuer«; ab 1955 Korr. Mitgl. der AdK; 1955 nach Streitigkeiten mit  Bertolt Brecht wegen der Verfilmung von »Mutter Courage u. ihre Kinder« Abbruch der Dreharbeiten u. Weggang von der DEFA; ab 1956 Filme in der Bundesrep. Dtl., wie schon in der DDR häufig zu antifa. Themen, u. a.: 1959 »Rosen für den Staatsanwalt«, 1960 »Kirmes«, 1964 »Herrenpartie«; ab 1968 fast ausschließl. Arbeit fürs Fernsehen, u. a. 1971 »Der Seewolf«, 1979 »Der eiserne Gustav«, 1983 »Der Snob«; zahlr. Folgen des »Tatorts« u. a. Krimiserien; 1975 Filmband der Bundesrep. Dtl.; 1979 Großes Verdienstkreuz der Bundesrep. Dtl.; gest. bei Außenaufnahmen zum TV-Mehrteiler »Der eiserne Weg« in Zigarski (Slowenien). Seit 1990 wird jährl. auf der Berlinale der W.-St.-Preis im Internat. Forum des Jungen Films vergeben. Sek.-Lit.: Knietzsch, H.: W. S. Berlin 1966; Orbanz, E. (Hrsg.): W. S. Berlin 1977; Ludin, M.: W. S. Reinbek 1996; Schmidt-Lenhard, U. u. a. (Hrsg.): Courage u. Eigensinn. Zum 100. Geb. von W. S. Berlin 2006.Ralf Schenk

Wer war wer in DDR

Steeger, Horst

* 15.5.1932

Geb. in Kamsdorf (Krs. Saalfeld); 1946 Ausb. in der Maxhütte in Unterwellenborn; FDJ; 1960 SED; Studium des Finanz- u. Rechnungswesens, der Statistik u. der Volkswirtschaftsplanung an der ASR Potsdam-Babelsberg u. der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtsch.; 1958 Prom. zum Dr. rer. oec., 1963 Habil. an der HfÖ; 1958 – 64 Ltr. der DDR-Deleg. in der ständigen Kommission für ökon. Fragen im RGW; 1965 – 67 stellv. Dir., 1967 Dir. des ökon. Forschungsinst. bei der SPK (Nachf. von  Helmut Koziolek; ab 1972 Vors. des Wiss. Rates für die Vervollkommnung des Systems der Planung u. der wirtschaftl. Rechnungsführung, Mitgl. des Forschungsrats beim Min.-Rat; 1974 VVO; 1976 NP; 1984 – 90 Rektor der ASR (Nachf. von  Gerhard Schüßler).Der Kosteneffekt, das Niveau u. die Perspektiven der Kombination im Eisenhüttenwesen. Berlin 1958; Probleme der ökon. Stimulierung, Planung u. Abrechnung des wiss.-techn. Fortschritts. Berlin 1963; Planung der Volkswirtschaft in der DDR. Berlin 1970 (Hrsg.); Lexikon der Wirtschaft. Berlin 1980 (Hrsg.).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steffen, Max

* 24.11.1909 – ✝ 4.9.1988

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zum Maurer; 1925 KJVD, tätig für die Rote Jugendfront in Berlin-Buch u. Bernau (b. Berlin); Metallarbeiter; arbeitslos; 1933 illeg. Tätigkeit, verhaftet; 1933/34 KZ Oranienburg, dann Polizeiaufsicht; 1934 – 38 Bauarbeiter in Bernau; 1938 Maurer in Zepernick, Schönow u. Berlin; Wehrmacht; sowj. Kriegsgefangenschaft; Antifa-Schule; Lehrer an der Antifa-Schule in Baku. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949 FDGB u. DSF; Lehrer an der LPS Brandenb.; Abt.-Ltr. beim SED-Landesvorst. Brandenb.; 1952/ 53 Studium an der PHS; 1953 – 58 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1953 – 60 1. Sekr. der SED-BL Neubrandenb. (Nachf. von  Willi Wiebershausen); 1958 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1954 – 63 Mitgl. der Volkskammer; 1961 – 80 1. Sekr. der SED-BPO im VEB Kraftwerk Lübbenau; danach Dir. für Kader u. Berufsausbildung der VVB Kraftwerke.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steger, Otfried

* 25.9.1926 – ✝ 13.2.2002

Geb. in Wechselburg (Krs. Rochlitz); Vater Angest.; Volksschule; 1941 – 43 Ausbildung zum Maschinenschlosser im RAW Chemnitz; danach dort berufstätig; 1943 RAD; 20.4.1944 als NSDAP-Mitgl. registriert; 1944/45 Wehrdienst. 1945/46 Bau- u. Betonarb. in Wechselburg; 1945 FDGB; 1946/47 Schlosser in Wolkwitz u. Wechselburg; 1947 – 49 CDU; Jan. 1948 – 52 Fördermann, Geologe, Radiometrist, Revierltr. bei der SAG Wismut; 1950 SED; 1952/ 53 Schulungs- u. Kaderltr. der HO Wismut; 1953 Baultr. in Rochlitz; 1953 – 56 tätig im Industriezweig Elektrotechnik u. a. als Normenbearb., Gruppenltr. u. Hauptdispatcher; 1955 – 58 Mitgl. einer SED-Stadt-BL in Karl-Marx-Stadt; 1956 – 58 Werkdir. im dortigen VEB Starkstromanlagenbau; 1958 – 63 Haupt- bzw. GD der VVB Elektroprojektierung u. Anlagenbau Berlin; 1962 Abschl. eines Fernstudiums, Arbeitsökon.; 1963 – 65 Ltr. der Abt. Elektrotechnik im Volkswirtschaftsrat; 1964 Studium an der Ing.-Schule Berlin-Lichtenberg, Ing. für Starkstromanlagen; Dez. 1965 – Okt. 1982 Minister für Elektrotechnik u. Elektronik; ab 1967 Kand., 1971 – 86 Mitgl. des ZK der SED; 1968 Studium am ZI für soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED; 1969 u. 1986 VVO; 1970 Verdienstmedaille der NVA; 1976 – 86 Abg. der Volkskammer u. Mitgl. der Wirtschaftskommission des PB des ZK der SED; Rotbannerorden; ab 1986 Mitgl. der ZRK der SED; 1987 Rentner.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steidle, Luitpold

* 12.3.1898 – ✝ 27.7.1984

Geb. in Ulm; Vater Oberkriegsgerichtsrat; Realgymnasium in München, Abitur; 1915 – 18 Kriegsdienst im bayr. Schneeschuhkorps, zul. Ltn.; 1919 Studium der Landw.-Wiss. an der Univ. München; 1919 – 21 Ausbildung zum Landwirt; 1922 – 26 selbst. Landwirt in Loibersdorf (b. Rosenheim); 1926 – 28 Gutsinspektor in Kampehl (b. Neustadt (Dosse)); 1928 – 33 Gestütsinspektor in Berberbeck (b. Kassel); 1.5.1933 NSDAP; 1933/34 arbeitslos; 1934 Versicherungsagent; Ende 1934 Reaktivierung als Reichswehr-Offz.; 1942 Oberst u. Regt.-Kdr.; 1943 in Stalingrad in sowj. Kriegsgefangenschaft; Mitbegr. u. Vizepräs. des Bundes Dt. Offz.; bis 1945 Frontbevollm. des NKFD; 1943 von einem NS-Gericht zum Tode verurteilt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 FDGB; 1945 – 48 Vizepräs. der Dt. Verw. für Land- u. Forstw.; 1946 CDU; 1948/49 stellv. Vors. der DWK; 1949/50 Abg. der Prov. Volkskammer u. Minister für Arbeit u. Gesundheitswesen; 1950 – 84 Mitgl. des Pol. Aussch. (später: Präs.) des Hauptvorst. der CDU; 1950 – 71 Abg. der Volkskammer; 1950 – 58 Minister für Gesundheitswesen; 1956 Ehrensenator der Univ. Greifswald; seit 1958 1. Stellv. des Vors. der Arbeitsgemeinschaft ehem. Offz.; 1959/60 wiss. Berater im MdI (u. a. Luftschutz); 1960 – 69 OB der Stadt Weimar (Nachf. von  Hans Wiedemann); seit 1961 Mitgl. des Präs. der Dt.-Afrikan. Ges. der DDR; seit 1960 Mitgl. des Bez.-Aussch. Erfurt u. des Krs.-Aussch. Weimar der NF; seit 1959 Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 1964 – 70 Vizepräs. des Städte- u. Gemeindetags; 1965 VVO; 1968 – 72 Vizepräs. des KB; seit 1972 Ehrenmitgl. des Präs.-Rats des KB; 1969 Rentner; gest. in Weimar.Das Nationalkomitee Freies Dtl. Burgscheidungen 1960; Das große Bündnis. Burgscheidungen 1963; Entscheidung an der Wolga. Berlin 1969. Weißhuhn, H.: L. S. Berlin 1986.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stein, Willy

* 15.5.1907 – ✝ 7.7.1991

Geb. in Crossen a. d. Oder (Prov. Brandenburg / Krosno Odrzańskie, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Modelltischler; 1926 KPD; 1935 – 45 Hilfsschlosser. 1945 / 46 Bezirksvorsteher im Bezirksamt Berlin-Prenzlauer Berg; 1946 SED; 1946 – 49 Abt.-Ltr. für Kommunalpolitik der SED-KL Berlin-Prenzlauer Berg; 1949 – 53 Ltr. der Abt. Staatl. Verwaltungen der SED-BL Berlin; 1953 Lehrgang an der SED-PHS; 1954 / 55 Instrukteur des ZK der SED im Bez. Halle; 1957 VVO; 1955 – 58 2. Sekr. der SED-BL Halle; 1958 – 60 Sekr. des Rats des Bez. Halle; 17.8.1960 wg. »pateischädigenden Verhaltens« Ablösung als Sekr. des Rats des Bez.; anschl. Sekr. des Rats der Stadt Dessau; gest. in Dessau.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinberger, Nathan

* 16.7.1910 – ✝ 26.2.2005

(* 1910 – † 2005) Geboren am 16. Juli 1910 in Berlin, wuchs als jüngstes Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie in ärmlichen Verhältnissen auf. Unter dem Einfluß seines älteren Bruders Adolf, der später in einem KZ ermordet wurde, schloß er sich zunächst der jüdisch-sozialistischen Jugendbewegung an. 1924 Mitglied der KJD, beteiligte sich am Aufbau der »Kommunistischen Pennälerfraktion« und des Sozialistischen Schülerbunds SSB. Da seine Ortsgruppe die Auffassungen von Karl Korsch teilte, wurde sie 1926 zeitweilig aus dem KJVD ausgeschlossen. 1926/27 gehörte Steinberger der Reichsleitung des SSB an und trat 1928 in die KPD ein. Nach dem Abitur 1929 zunächst Studium an der medizinischen Fakultät, dann Wechsel zur Nationalökonomie, wo er seine spätere Frau Edith Steinberger, geborene Lewin (* 21. 6. 1908 – † 2. 2. 2001), kennenlernte. Er spezialisierte sich auf Agrarwissenschaft und arbeitete u. a. mit Karl Wittfogel zusammen, auf dessen Empfehlung er vor Beendigung seines Studiums 1932 nach Moskau an das Agrarinstitut berufen wurde. Steinberger promovierte 1935 zum Thema »Die Agrarpolitik des Nationalsozialismus«. 1936 aus dem Agrarinstitut entlassen, er war bemüht, seine Familie (1935 war Tochter Marianne geboren) mit Deutschunterricht über die Runden zu bringen. Ende April 1937 vom NKWD festgenommen und wegen »konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit« zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt, war bis 1946 im Lager Kolyma, dann noch bis 1955 als Verbannter in Magadan. Edith Steinberger wurde 1941 verhaftet, bis 1946 im Arbeitslager bei Karaganda, dann verbannt, sie durfte 1952 zu ihrem Mann nach Magadan. Die im Jahre 1941 sechsjährige Tochter war von einer befreundeten Familie aufgenommen worden und sah ihre Eltern erst 1952 wieder. Nathan und Edith Steinberger kamen Ende 1955 nach Ost-Berlin, er arbeitete zunächst bei der SPK und ab 1960 als Professor an der LPG-Hochschule in Meißen, ab 1964 an der Hochschule für Ökonomie in Ost-Berlin. Nathan Steinberger starb am 26. Februar 2005 in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Steiner, Helmut

* 7.2.1936 – ✝ 14.2.2009

Geb. in Christophhammer (ČSR / Kryštovovy Hamry, Tschechien); Mutter gelernte Schneiderin, Vater Buchhalter u. Inh. eines Sägewerks; 1946 Umsiedl. nach Loburg (Sachsen-Anh.); 1954 Abitur in Wendgräben (Krs. Loburg); 1954 SED; 1954 – 58 Studium der Wirtschaftswiss. an der HU Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1958 – 60 hauptamtl. Mitgl. des Sekr. der FDJ-KL an der HU Berlin; 1960 – 62 Aspirantur an der HU Berlin; 1962 – 91 an versch. Inst. der DAW/AdW in Berlin, bis 1967 Assistent u. Arbeitsltr. in der von  Kurt Braunreuther geleiteten Arbeitsgr. »Soziol.« am Inst. für Wirtschaftswiss., der ersten offiziösen soziolog. Einrichtung in der DDR; 1963 Prom. an der HU Berlin mit einer Diss. zur Soziol. der Angestellten in Westdtl.; 1967 bis zur Einstellung 1970 Mitgl. des Red.-Koll. der Ztschr. »Jugendforschung«; 1968/69 Gastwiss. am Inst. für Philos. der AdW der UdSSR in Moskau; 1970 – 74 Ltr. des Bereichs »Wissenschaftssoziol.« am Inst. für Wissenschaftstheorie u. -org.; 1974 – 78 hauptamtl. Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-KL an der AdW; 1977 Habil. an der AdW mit einer Arbeit über wiss. Schulen; 1978 – 86 wiss. Mitarb., ab 1983 Ltr. des Bereichs »Theorie u. Geschichte« am Inst. für Soziol. u. Sozialpol. (ISS); 1979 Berufung zum Prof.; 1981 – 86 Vors. der DSF an der AdW, 1986 – 90 DSF-Bezirksvors. von Berlin; 1985 Initiator der Internat. Symposien zur Theorie u. Geschichte der Soziol. in Linowsee (b. Rheinsberg); 1987 nach Konflikten mit der Ltg. des ISS Wechsel an das ZI für Geschichte, dort wiss. Mitarb. bis 1991; ab 1967 Mitgl. der Forschungskomitees »Sozialstruktur«, »Geschichte der Soziol.« sowie »Soziol. der Wiss.« der Internat. Soziolog. Assoziation. 1990 – 94 ehrenamtl. Chefred. der Ztschr. »Utopie kreativ«; 1992 kurzzeitig im Rahmen des Wissenschaftler-Integrations-Progr. des Bundes u. der Länder gefördert, auf Empfehlung der Integritätskommission gekündigt, danach arbeitslos; 1993 – 2001 Lehraufträge an der Univ. Hannover; seit 1994 Mitgl. der Leibniz-Sozietät sowie des Red.-Koll. ihrer »Sitzungsberichte«; Mitgl. des Red.-Koll. der russ. Ztschr. »Soziolog. Journal«; seit 1996 Rentner; 1999 assoziiertes Mitgl. des Inst. für Soziol. der Russ. AdW; seit 1990 wiederholt Gastprof. am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung; seit 1998 korr. Red.-Mitgl. der Ztschr. »Argument«; 2005 Ehrenmitgl. der Ges. Russ. Soziologen; Hrsg. der Reihe »Social Studies on Eastern Europe« (Berlin 1999 ff.); verh. mit der Mathematikerin  Roswitha März; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Klassen- u. Sozialstrukturanalyse, Soziol. wiss. Schulen, Geschichte der russ. u. der dt. Soziol., seit den 1990er Jahren verstärkt der DDR-Soziol.; mehr als 400 Veröff.; maßgebl. Beiträge zur Etablierung der Soziol. in der DDR in den 1960er Jahren u. ihrer internat. Vernetzung sowie insb. zur Profilierung d. frühen DDR-Sozialstrukturforsch.Soziale Strukturveränderungen im mod. Kap. Berlin 1967; Wiss. Schöpfertum u. Schulen in der Wiss. Berlin 1977; Soziol. als Friedrich, W.: H. St. – Stationen u. Leistungen einer Soziologen-Karriere. In: Ders. (Hrsg.): Soziol. u. Gesell. – widersprüchl. Verhältnis. Leipzig 2002; Meyer, H.: Die DDR-Soziol. von den Anfängen bis 1971. In: Rauh, H.-C./Ruben, P. (Hrsg.): Denkversuche. Berlin 2005; Genov, N., Kreckel, R. (Hrsg.): Soziolog. Zeitgeschichte. Fs. Berlin 2006.Jan Wielgohs