...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinfurth, Erich

* 10.8.1896 – ✝ 1.2.1934

Geboren am 10. August 1896 in Mittenwalde, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosser. 1914 zum Militärdienst einberufen, 1916 vor Verdun schwer verwundet, wurde nach notdürftiger Ausheilung wieder an die Front geschickt. Er trat 1918 der USPD bei und ging 1920 mit dem linken Flügel zur KPD. Schlosser in Berlin, wurde 1923 als Mitglied des Betriebsrates gemaßregelt. Von der Zentrale nach München geschickt, organisierte Steinfurth im Herbst 1923 Aktionen der Münchner Eisenbahner, deshalb festgenommen und 1924 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Freilassung hauptamtlicher Mitarbeiter der RHD, er übernahm im November 1925 den Vorsitz der Organisation im Bezirk Berlin-Brandenburg, und war 1927 im RHD-Zentralvorstand. Im Oktober 1929 rückte Steinfurth als Nachfolger in den Preußischen Landtag ein, 1932 als Abgeordneter gewählt, gehörte er dem Parlament bis zu seiner Verhaftung am 25. März 1933 an. Steinfurth kam in das Zuchthaus Berlin-Plötzensee, von dort in das KZ Sonnenburg. Als Vergeltung für die Erschießung des Spitzels Alfred Kattner am 1.Februar 1934 wurde Erich Steinfurth am gleichen Tag beim Transport nach Wannsee am Kilometerstein 23,7 gemeinsam mit John Schehr, Eugen Schönhaar und Rudolf Schwarz von der SS »auf der Flucht« erschossen. Am Berliner Ostbahnhof ist eine Straße nach ihm benannt.

Wer war wer in DDR

Steiniger, Peter Alfons

* 4.12.1904 – ✝ 27.5.1980

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Kfm.; 1910 – 23 Bismarck-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf; 1923 – 27 Studium der Rechtswiss., Philos. u. Volkswirtschaftslehre an den Univ. Berlin, Marburg, Bonn u. zul. in Halle; 1928 in Bonn Prom. über die preuß. Selbstverw. zum Dr. jur. (b. Carl Schmitt); ab 1925 Mitarb. der »Weltbühne«; Mitgl. der IAH; Assistent an der Bonner Univ.; anschl. Kammergericht Berlin; Mitarb. b. Willi Münzenberg; bis 1929/30 Mitgl. der Gruppe Rev. Pazifisten; 1931 Erste jurist. Staatsprüfung beim OLG in Naumburg (Saale); 1932/33 Amtsgericht Berlin-Wedding; Jan. 1933 wegen jüd. Abstammung entlassen; Frühj. 1933 aus der jüd. Gemeinde ausgetreten; Privatlehrer, Bankangest., Schriftst.; 1935 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft, 1936 Annahme der tschech. Staatsbürgerschaft.; Jan. 1939 – 15.1. 1945 Syndikus des ehem. jüd. Bankhauses A. E. Wassermann in Berlin, später ltd. Dir.; Herbst 1944 Einberufung zur Org. Todt in Weimar, Arbeitslager, Flucht nach Krummhübel (Schles.), lebte dort bis Mai 1945 illeg.; 1945 2. Bürgermstr. in Krummhübel; Juni 1945 Mitbegr. der KPD Schmiedeberg (Schles.), später als geheimes Parteimitgl. registriert. Juli 1946 Rückkehr nach Berlin; Doz. an der Berliner Univ.; 1946 Prof. für Öffentl. Recht u. Rechtsphilos. an der HU Berlin; KPD/SED; 1946 OdF; Aug. 1947 Ref. für die geisteswiss. Fakultäten in der Abt. Volksbildung der Dt. ZV für Volksbildung; 1947 zus. mit  Willi Kropp u. Willi Mayer Mitbegr. der DVA, 1947 ihr Präs.; Okt. 1947 Habil; Jan. 1948 – 53 VVN; Okt. 1948 ord. Prof. für Öff. Recht; 1949 Mitgl. des Verfassungsaussch. des Dt. Volksrats, maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung der ersten DDR-Verfassung; bis 1950 Abg. der Prov. Volkskammer; April 1950 Rücktritt von allen Ämtern, nachdem ein kompromittierender, von ihm an die Reichsschrifttumkammer gerichteter Brief von 1938 öffentl. bekannt wurde; 1950 – 70 Prof. mit Lehrstuhl für Völkerrecht (später: Bereich Völkerrecht der Sekt. Rechtswiss. der HU Berlin), ab Aug. 1951 Dir. des neugegr. Inst. für Staats- u. Rechtstheorie, dann Aufbau des Inst. für Völkerrecht; 1952 – 54 Prodekan der Jur. Fak. der HU Berlin; 1950 – 74 Mitgl. des Weltfriedensrats; Mitbegr. der Dt. Liga für die Vereinten Nationen (später Liga für die Vereinten Nationen in der DDR), Juli 1954 – 80 deren Präs.; 1950/51 1. Vors. der Dt.-Poln. Gesellsch. für Frieden u. gute Nachbarschaft (Nachf. von  Carl Helfrich); Aug. 1961 Mitgl. einer juristischen Beratergruppe des MfAA-Stabs; 1965 Vizepräs. der Ges. für Völkerrecht; 1969 VVO; Sept. 1970 em.; Juni 1972 Mitgl. der DDR-Delegation zum »Brüsseler Forum« (Abrüstungsfragen); 1975 Stern der Völkerfreundschaft; Sept. 1976 Teiln. an der Beratung der Menschenrechtskommission des Weltfriedensrats in Basel (Schweiz); 1979 Dr. h. c. der FSU Jena; 1980 KMO; gest. in Berlin.Heinrich der Löwe. Berlin 1936; Der Schatten Gottes. Berlin 1937; Der arme Hiob. 1947 (alle unter dem Ps. Peter A. Steinhoff); Das Blocksystem. Beitrag zu einer demokr. Verfassungslehre. Berlin 1949; Der Nürnberger Prozeß. Dokumentation. Berlin 1957; Westberlin. Ein Handbuch zur Westberlin-Frage. Berlin 1959; Völkerrechtl. Verantw. der Staaten (mit B. Graefrath u. E. Oeser). Berlin 1977. S. wollte so gern. In: Neue Ztg. 24.4. 1950; Leininger, W.: Ein virtuoses Chamäleon. Der Berufsrevolutionär Dr. A. S. In: Neue Ztg. v. 30.4.1950; Musiolek, B.: P. A. S. Zwischen Illusion u. Wirklichkeit – Das Blocksystem als Verfassungsprinzip. In: Schröder, H., Simon, D. (Hrsg.): Rechtsgeschichtswiss. in Dtl. 1945 bis 1952. Frankfurt (Main) 2001.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Steinmüller, Christian

* 23.10.1927

Geb. in Dresden; Vater selbst. Gewerbetreibender; OS; Wehrmacht; bis 1946 Kriegsgefangenschaft. 1945 – 47 Ausbildung zum Industriekfm.; 1951 NDPD; selbständiger Unternehmer; ab 1959 Komplementär der Firma H. C. Steinmüller in Dresden; 1952 – 54 Mitgl. des NDPD-Stadtbez.-Verb. Dresden; 1954/55 Abg. der Stadtbez.-Vers. u. ehrenamtl. Stadtrat; 1955/56 Abg. der Stadtverordnetenversammlung Dresden; 1959 – 61 Sonderstudium für Komplementäre an der HfÖ Berlin; 1962 Dipl.-Wirtsch.; 1961/62 Vors. des NDPD-Stadtbez.-Verb., ab 1962 des NDPD-Krs.-Aussch. Dresden; 1963 – 67 Abg. der Volkskammer u. Mitglied des Staatsrats; 1966 Prom. zum Dr. oec. an der HfÖ Berlin; 1971 – 76 Abg. des Bez.-Tags Dresden; 1985 VVO; aus seinen Funktionen ausgeschieden.Aufgaben u. Zusammenwirken von Komplementär u. staatl. Gesellschafter. Berlin 1966.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stengel, Hansgeorg

* 30.7.1922 – ✝ 30.7.2003

Geb. in Greiz (Thür.), Vater Volksschullehrer; 1933 – 41 Oberrealschule; nach dem Abitur von 1941 – 45 Luftnachrichtenoffizier; amerik. Kriegsgefangenschaft. 1947 – 51 Mitgl. des »Arbeitskreises junger Autoren« in Thüringen; 1947 satir. Gedichte für die Ztschr. »Roland in Berlin«, ab 1948 für »Ulenspiegel«, »Frischer Wind« u. »Eulenspiegel« (dessen ständiger Mitarb. bis zum Tod); 1951 – 59 Red. für »Sprache u. Stil« des »Eulenspiegels«; 1954 – 59 Fernstudium der Journalistik; gehörte 1952 zu den ersten Autoren des Kabaretts »Kleine Bühne«; 1953 – 55 Programme für »Die Distel«; seit 1961 für die Dresdener »Herkuleskeule«; Texte für »Stacheltier«-Kurzfilme, Filmmagazine u. Trickfilmszenarien; seit 1971 freier Autor, Solokabarettist u. Vortragskünstler; bekannt für seinen Wortwitz, mit dem er Stilblüten u. Sprachschludereien aufs Korn nahm; Programme u. a.: »Stengeleien« (1982), »Mit Stengelszungen« (1988), »Vorübergehend geschlossen« (1995); Schallplatten: Aus Willi Wuschkes Geredeschuppen (1979); So ein Struwwelpeter (1981); Breitmaulfrösche (2000); 1973 Kunstpreis der DDR; gest. in Berlin.Die neue Leier. Berlin 1964; Stenglish for you. Berlin 1971; Mit Stengelsgeduld. Berlin 1980; Stenglisch Waltz. Berlin 1986.; Im Stenglischen Garten. Berlin 1991; Stengelextrakt. Berlin 1997.Matthias Braun / Christian Krause

Wer war wer in DDR

Stephan, Oskar Erich

* 18.9.1919 – ✝ 2.5.1989

Geb. in Leipzig; Vater Bühnenarb.; 1926 – 34 Volksschule; 1929 – 33 Rote Falken, 1933 KJVD; 1934 – 39 Malerlehre u. Kunstgewerbeschule Leipzig; 1939 – 45 Kriegsdienst u. sowj. Kreigsgef. 1945 KPD; Gründungs- u. Leitungsmitgl. der Gewerkschaft 17: Kunst u. Schrifttum; 1946 SED; freiberufl. Dekorationsmaler; 1949 – 52 Mitgl. der Ltg. des VBK, 1953 – 73 Instrukteur, später Bezirkssekr. des VBK Leipzig; Mitgl. der SED-PO des VBK; 1970 VVO; seit 1973 wieder freiberufl.; 1974 Mitgl. des ZV des VBK, 1974 – 84 Vors. der ZRK des VBK; Teiln. an zentralen Kunstausstellungen der DDR; gest. in Leipzig. Werke: Stadtbilder – Alte Kathedrale in Odessa (1974), Winter über Leipzig, Alter Kanal mit Fabrikanlagen (1976), Januar über der inneren Südvorstadt (1981).Aus den ersten Jahren des Neubeginns. In: Bildende Kunst (1971) 19. Stephanowitz, T.: Zwischen Sachlichkeit u. Poesie. Zu den Stadtlandschaften des Leipziger Malers O. E. S. In: Bildende Kunst (1972) 1; Hartleb, R.: Künstler in Leipzig. Berlin 1986; Meißner, G.: Leipziger Künstler der Gegenwart. Leipzig 1977; Eisold, D.: Poetische Deutungen der Stadt. Zum 60. Geburtstag von O. E. Stephan. In: Bildende Kunst (1979) 7; Feist, G. u. a. (Hrsg.): Kunstdokumentation SBZ / DDR 1945 – 1990. Köln 1996.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Wer war wer in DDR

Stern, Heinz Alfred

* 17.3.1908 – ✝ 2.2.1983

Geb. in Idar-Oberstein (Nahe); Sohn jüd. Eltern; Vater Geologe; Volks- u. Oberrealschule, Abitur, Banklehre; 1917 – 24 Ausbildung am Konservatorium; ab 1928 unter dem Künstlernamen Bobby Astor hauptberufl. Musiker u. Bandleader, Auftritte in allen dt. Großstädten u. im europ. Ausland, u. a. auch in der Sowjetunion; nach 1933 Auftrittsverbot, Ausschluß aus der Reichsmusikkammer, zweimal inhaftiert; 1935 Emigr. in die Schweiz; Auftritte als Solomusiker in den Nachbarländern von Dtl.; 1938 Emigr. nach Ekuador, dort bis 1949 tätig als Fotograf u. Betreiber eines Restaurants; aktives Engagement in der Bewegung Freies Deutschland u. deren Präs. in Ecuador. 1949 Rückkehr in die SBZ; SED; Abt.-Ltr. Volkskunst im KB; 1949 / 50 Generalsekr. des Dt. Komitees der Kämpfer für den Frieden, Sommer 1950 nach Differenzen mit  Walter Ulbricht in der Frage der Unabhängigkeit der DDR-Friedensbewegung Ablösung durch  Heinz Willmann; anschl. Referent bei der Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte (AWA) in Berlin; Frühjahr 1952 Flucht in die Bundesrep. Dtl.; ab 1953 in der Schweiz, lebte zuletzt in Bern; wurde ein bekannter Hammondorgelspieler; gest. in Bern.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Stern, Victor

* 29.10.1885 – ✝ 27.3.1958

Geb. in Triesch b. Iglau (Mähren/Třešt’, Tschechien); Vater Seelsorger in einer jüd. Gemeinde; 1891 – 1904 Volksschule u. Gymnasium; 1904 – 08 Studium in Wien mit Prom. zum Dr. phil; anschl. bis 1914 Privatmittelschullehrer für Mathematik, Physik, Logik u. Psychologie; seit 1904 SPÖ u. Bekanntschaft mit dem Austromarxismus; ab 1914 Kriegsteiln., Offz.; 1919 in Berlin USPD; 1920 KPD; wegen linker pol. Pressearbeit als Österreicher ausgewiesen; 1920/21 Teiln. an den Ruhrkämpfen; danach Illegalität; 1921/22 Chefred. der »Roten Fahne« in Wien u. Mitgl. des pol. Büros der KPÖ; Nov. 1922 österr. Delegierter auf dem IV. Weltkongreß der KI; 1923 Übersiedl. in die ČSR; KPČ; 1924 Mitgl. des PB des ZK; 1925 – 32 Abg. der Nationalvers. der ČSR; 1925/26 Vertreter der KPČ bei der KI in Moskau (1945/46 nochmals) u. pol. Arbeit unter Klement Gottwald in der ČSR; ab 1935 erneut in Moskau; Lehrer an der Lenin-Schule sowie Publizist u. Propagandist im Apparat der KI., u. a. Chefred. des christl. Senders der KI; 1945 sowj. Orden Roter Stern; Rückkehr in d. ČSR. 1946 Übersiedl. nach Dtl.; SED; ab 1947 Fak.- u. Lehrstuhlltr. für Philos. (dial. u. hist. Materialismus) an der PHS; 1952 auf Beschluß des ZK der SED Verleihung des Prof.-Titels durch das neugegr. Staatssekr. für Hochschulwesen; 1955 Pensonierung nach längerer Krankheit; weitere philosoph. Veröff; 1954 VVO; gest. in Potsdam-Babelsberg.Einführung in die Probleme der Ethik. Wien 1911; Grundzüge des dial. u. hist. Materialismus. Berlin 1947 (1974); Stalin als Philosoph. Berlin 1949; Erkenntnistheoret. Probleme der mod. Physik. Berlin 1952; Zu einigen Fragen der marxist. Philos. Berlin 1954.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Sternberg, Frieda

* 3.3.1920 – ✝ 31.12.2009

Geb. in Stallupönen (Krs. Ebenrode, Ostpr./ Tschernyschewskoje, Polen); Vater Landarb.; Zwei-Klassen-Dorfschule; Lehre als Köchin; dann als Landarb. u. Köchin tätig; Herbst 1944 Flucht aus Ostpr. Juli 1945 Ankunft mit dem Umsiedlertreck in Canitz (Krs. Wurzen); bis 1951 Landarb. auf dem Stadtgut; Betriebsratsvors.; 1945/46 SPD/ SED; Vors. der Ortsgr.; 1948 – 50 Mitgl. der SED-KL Grimma; ab 1950 Abg. des Krs.-Tags; 1951/52 Verwalterin des Stadtguts Wurzen; Aug. 1952 Mitbegr. u. 1953 – 88 Vors. der LPG »Ernst Thälmann« in Bennewitz; 1954 – 58 Kand. des ZK der SED, wegen ablehnender Haltung zum Rinderoffenstallbauprogramm zunächst nicht wiedergewählt; 1956 Abschl. als Mstr. der Landw. u. nach Fernstudium an einer FS für Landw. staatl. geprüfte Landwirtin; 1961 Abschl. der LPG-HS Meißen als Dipl.-Agrar-Ing.-Ökon.; 1963 – 89 erneut Kand. des ZK der SED; 1980 Mitgl. der Frauenkommission beim SED-PB; 1968 Mitgl. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1968 KMO; 1985 VVO. Die LPG Bennewitz, die unter der Ltg. F. S.s aus z. T. verlassenen Bauernhöfen aufgebaut wurde, gehörte zu den leistungsstärksten u. bekanntesten genossenschaftl. Tierproduktionsbetrieben der DDR.Der schwere Anfang. In: Wie wir angefangen haben. Autobiogr. Berlin 1985.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steudner, Hermann

* 9.5.1896 – ✝ 13.7.1986

Geboren am 9. Mai 1896 in Arnstadt, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Tischler. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, schloß sich 1919 zunächst der USPD, im August 1919 der KPD an. Ehrenamtlicher Funktionär der KPD im UB Arnstadt, lange Jahre arbeitslos. Von Juli bis September 1932 war Steudner Abgeordneter des Thüringer Landtages. Wegen »Vergehens gegen die Notverordnung« zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, im Oktober 1932 freigelassen, Instrukteur in der Rhön. Von Februar bis April 1933 im KZ Nohra, im September 1933 erneut verhaftet und 1934 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Entlassung 1936 Tischler, im August 1944 nochmals festgenommen und bis Dezember 1944 im KZ Buchenwald. 1945 wieder Mitglied der KPD, bis 1950 Oberbürgermeister von Arnstadt. Steudner kam 1952 zum MfS, 1. Sekretär der SED-Parteiorganisation in der MfS-Landesverwaltung Thüringen bzw. der MfS-Bezirksverwaltung Erfurt. Im Dezember 1953 wurde er nach Ost-Berlin geholt und als 1. Sekretär der SED-Kreisleitung im Staatssekretariat für Staatssicherheit eingesetzt. 1954 zum Oberstleutnant befördert, ab April 1956 Referatsleiter in der Hauptabteilung III (Volkswirtschaft), Anfang 1957 aus dem Ministerium ausgeschieden, zog dann nach Schwerin. Dort starb Hermann Steudner am 13. Juli 1986.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sticher, Karl

* 2.11.1887 – ✝ 6.1.1953

Geboren am 2. November 1887 in Ottweiler; Eisenbahnarbeiter, Schlosser, Mitglied der USPD, dann der KPD. Am 27. Januar 1924 in den Landesrat Saar gewählt, blieb er aber nur bis 1926 Abgeordneter, ihm folgte als Nachrücker Friedrich Eifler. Sticher war seit 1920 auch Stadtverordneter in Ottweiler, er legte aber am 4.Juni 1934 sein Stadtratsmandat nieder. Ab Januar 1933 als Gastwirtsgehilfe beschäftigt, von 1943 bis 1945 Angehöriger der Luftschutzpolizei. Nach 1945 selbständiger Gastwirt, politisch trat er nicht mehr hervor. Karl Sticher starb am 6. Januar 1953 in Ottweiler.

Wer war wer in DDR

Stiehler, Werner

* 21.6.1923

Geb. in Dölzig (b. Leipzig); Vater Bauarbeiter, Mutter Hausfrau; Volksschule u. Buchdrucker-Lehranstalt, Lehre als Schriftsetzer; 1940 – 45 Wehrmacht (Luftwaffe); 1944 NSDAP; Mai – Sept. 1945 brit. Kriegsgef. 1945 / 46 Dachdeckerhilfsarbeiter in Leipzig; 1945 KPD, 1946 SED; 1946 – 51 Lehrer an Grundschulen in Dölzig; 1951 – 53 Red. bei der »Leipziger Volkszeitung« (LVZ / ab 1952 SED-Bezirksorgan Leipzig); 1953 – 58 Studium; Lehrer bzw. Ltr. von Sonderlehrgängen des ZK der SED zur Qualifizierung von Journalisten an der KMU Leipzig; Dipl.-Journalist; 1958 – 63 Red. u. Abt.-Ltr. bei der LVZ; 1963 – 66 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1966 stellv. Chefred., 1969 – 78 Chefred. der LVZ (Nachf. von  Hans-Joachim Pommert); 1969 – 78 Mitgl. der SED-BL Leipzig u. Vors. des BV des VDJ Leipzig; 1973 VVO; August 1978 Beschluß der SED-BL Leipzig über die sofortige Abberufung als Chefred. u. Entbindung von seinen Fkt. wg. »Unehrlichkeit gegenüber der Partei u. Schädigung ihres Ansehens in der Öffentlichkeit«.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Stingl, Helmut

* 9.1.1928 – ✝ 17.12.2000

Geb. in Loosdorf (Krs. Tetschen, ČSR / Ludvikovice, Tschechien); Vater Arbeiter; Luftwaffenhelfer bei der Wehrmacht. 1949 Abitur an der Vorstudienanstalt der Univ. Rostock; 1949 – 55 Architekturstudium an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1955 – 62 Architekt; Assistent bei Georg Funk am Inst. für Städtebau Dresden; 1962 – 66 stellv. Abt.-Ltr., ab 1996 Abt.-Ltr. im VEB Berlin-Projekt; SED; 1970 Prom. zum Dr. Ing. an der TU Dresden; 1985 Chefarchitekt im VE Wohnungsbaukombinat Berlin; 1982 – 89 Vizepräs. des BDA; 1986 NP. 1990 – 95 freischaff. Architekt in Berlin; Einfamilienhäuser in Berlin-Rudow; 1995 Ruhestand; gest. in Berlin. Zahlr. prämierte Wettbewerbsprojekte, u. a. 1956 Hoyerswerda; setzte sich 1959 für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses ein; beteiligt an Projekten für Wohngebiete in Berlin wie 1957 Friedrichsfelde Ost, 1967 – 71 Heinrich-Heine-Viertel, 2. BA; 1968 – 72 Wohngebiet Am Tierpark u. 1971 – 73 Salvador-Allende-Viertel in Köpenick; ab 1980 Ltg. bei der Realisierung der Großsiedl. Berlin-Marzahn, ab 1983 Wohngebiete Ernst-Thälmann-Park, ab 1986 Otto-Grotewohl-Straße (heute: Wilhelmstraße). H. S. hatte maßgebl. Anteil an der architekton. u. städtebaul. Gestaltung Berlins. Es ging ihm bei seinen Entwürfen weniger um Stilistik, sondern im Sinne des Bauhauses um eine hohe Funktionalität u. ein kostengünstiges Bauen. Gekoppelt an die pol. Vorgaben im Wohnungsbau ergab sich daraus eine oft monotone Stadtlandschaft.Barth, H., Topfstedt, T.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Erkner 2000.Simone Hain / Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Steinhaus, Wilhelm

* 30.4.1884 – ✝ 22.8.1970

Geb. in Barmen; Physikstudium in Marburg u. Göttingen; hier 1908 Lehramtsprüfung; 1908 – 11 Assistent an der Univ. Kiel; 1911 Prom.; 1912 – 46 wiss. Mitarb. der Physikal.-Techn. Reichsanstalt Berlin (PTR); 1924 dort Laborltr.; 1943 Dir. der Abt. Elektrizität u. 1945 kommissar. Präs. Baute nach 1945 aus den in der SBZ verbliebenen Resten der PTR das Dt. Amt für Maß u. Gewicht auf; 1946 – 57 dessen erster Präs.; 1949 Titular-Prof.; 1955 Korr. Mitgl. der DAW; gest. in Berlin. Forschungen zur elektr. Meßtechnik u. Elektrotechnik, insbes. Arbeiten über den Ferromagnetismus.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Steinitz, Klaus

* 12.11.1932

Geb. in Berlin; Vater Linguist  Wolfgang St.; Emigr. der Eltern in die UdSSR; dort u. in Schweden Kindheit u. Schulbesuch, ab 1947 OS in Berlin, 1951 Abitur; 1947 FDJ; 1948 SED; 1951 – 55 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1956 – 59 wiss. Assistent u. Oberassistent an der HfÖ Berlin; 1959 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1960 – 63 Doz.; Ltr. der Abt. Pol. Ökon. des Soz.; 1963 Habil. zu Fragen des Wirtschaftswachstums; anschl. Mitarb. der SPK; 1967 – 71 Ltr. der Abt. Prognose; 1971 – 79 Ltr. der HA Wiss. u. Bildung; 1969 Prof.; 1980 – 89 stellv. Dir. des ZI für Wirtschaftswiss. der AdW; 1989 Korr. Mitgl. der AdW; 1988 NP (im Koll.); Febr. 1990 – 93 Mitgl. des Präs. u. des PV der PDS, 1990/91 Ltr. der Kommission Wirtschafts-, Landw.- u. Sozialpol.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; ab 1991 Ltr. der AG Wirtschaftspol. u. Hrsg. der »Beiträge zur Wirtschaftspol.«; nach 1992 arbeitslos; Vorruhestand; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebt in Berlin-Pankow.Neue Bedingungen des Wirtschaftswachstums. Berlin 1982; Produktionsstruktur und umfassende Intensivierung. Berlin 1989 (Ltr. des Autorenkoll.); Vom Umbruch zum Aufbruch? Wirtschaftspol. – Bilanz, Fragen, Vorschläge. Berlin 1990; Bevor alles zusammenbricht. Hamburg 1992 (zus. mit J. Bischof); Wie eine Besatzungsarmee in Feindesland? Berlin 1996; Chancen für eine alternative Entw. Linke Wirtschaftspolitik heute. Hamburg 2005.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steinwand, Rudolf

* 2.8.1906 – ✝ 10.11.1982

Geb. in Boppard (am Rhein); Vater Lehrer; Volksschule u. Gymnasium, 1928 Abitur; Studium der Philologie an der Univ. Bonn; KPD, 1930 Mitgl. der KPD-Unterbez.-Ltg. Chemnitz; nach 1933 antifasch. Arbeit, Verhaftung, zeitw. »Schutzhaft«, Gefängnis Koblenz u. KZ Esterwegen; 1935 erneute Haft, Verurteilung wg. »Vorbereitung zum Hochverrat«, Haft in den KZ Esterwegen u. Sachsenhausen, 1939 entlassen; Buchhalter in einer Weingroßhändlerei; erneute antifasch. Arbeit; 1941 Wehrmacht, 1945 Desertion zur Roten Armee, sowj. Kriegsgef. 1946 SED; 1946 – 50 Personalltr. der HV Landeseigener Betriebe der thüringischen Landesreg.; 1948 – 49 Mitgl. des Plenums der DWK; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1950 – 52 Dir. des VEB Maxhütte Unterwellenborn; anschl. HA-Ltr. im Min. für Erzbergbau u. Hüttenwesen; Staatssekr. u. Stellv. des Ministers für Schwermaschinenbau; zeitw. Mitarb. der DDR-Botschaft in der UdSSR; 1955 – 58 Minister für Berg- u. Hüttenwesen; anschl. Mitgl. u. Ltr. der Abt. Grundstoffind. der SPK; 1959 Vors. des Vorst. der SDAG Wismut; später Stellv. des Beauftragten bzw. Ständiger Vertreter der DDR im RGW in Moskau; 1968 Rücktritt aus gesundheitl. Gründen; Ruhestand.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stenzer, Franz

* 9.6.1900 – ✝ 19.4.1933

Geboren am 9. Juni 1900 in Planegg/Bayern, Sohn eines Arbeiters; Lehre als Bootsbauer, wurde dann Streckenarbeiter bei der Reichsbahn. Mitte 1918 zur Marine eingezogen, während der Bayerischen Räterepublik Soldat der »Roten Armee«. Im Frühjahr 1920 Mitglied der KPD. Betriebsrat bei der Reichsbahn in München, als aktiver Kommunist mehrmals verhaftet. 1924 Mitglied der BL Südbayern. Von Herbst 1928 bis Frühjahr 1929 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, anschließend Sekretär für Gewerkschaftsfragen der BL Südbayern. Der XII. Parteitag 1929 berief Stenzer zum Kandidaten des ZK. Ende 1930 Chefredakteur der »Neuen Zeitung« in München, rückte 1932 zum Vollmitglied des ZK auf und wurde im November im Wahlkreis Franken als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, zugleich ZK-Instrukteur für Süddeutschland. Am 19. April 1933 wurde seine Frau Emma Stenzer, geborene Bausch (*3.11. 1897), als Geisel festgenommen, Stenzer geriet bei einer Besprechung am 30. Mai 1933 der Politischen Polizei in die Hände, kam als »Schutzhaftgefangener« in das KZ Dachau. Dort schwer gefoltert und am 10.August 1933 noch in den sogenannten Kommandantur-Arrest gesperrt, damals die Hölle. Am 22.August 1933 wurde Franz Stenzer im Todeskeller ermordet; vom SS-Scharführer Dirnagel angeblich »auf der Flucht erschossen«. Stenzers Frau wurde am Tage seiner Beisetzung bedingt freigelassen und zog mit ihren drei Töchtern, den Zwillingen Emma und Elise (*2.9. 1923) und Lilly (* 1. 7. 1927) in ihr Heimatdorf Anspach im Taunus. Die Rote Hilfe organisierte Ende November 1933 ihre Flucht aus Deutschland. Sie lebte mit den Kindern zunächst im Saarland, dann in Paris, konnte Ende August 1934 in die Sowjetunion einreisen und studierte an der KUNMS. Nach deren Auflösung arbeitete sie in einer Kugellagerfabrik. Im Sommer 1937 vom NKWD verhaftet, aus der KPD ausgeschlossen. Sie hatte Glück, wie sie 1997 berichtete, 1938 entlassen, war sie Näherin in einer Fabrik, später Instrukteurin in Kriegsgefangenenlagern. Im August 1946 kehrte sie (mit ihrer Tochter Lilly) nach Deutschland zurück, arbeitete einige Jahre in der Zentralverwaltung für Volksbildung und erhielt 1968 den VVO in Silber. Emma Stenzer starb am 22. März 1998 in Berlin. Die Tochter Elise kam erst 1956 in die DDR, sie starb am 11. Februar 1968. Emmy Stenzer, die andere Zwillingstochter, heiratete 1944 Markus Wolf und war 30 Jahre dessen Ehefrau. Als promovierte Literaturwissenschaftlerin Verwalterin des Nachlasses ihres Schwiegervaters Friedrich Wolf in Lehnitz bei Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stephan, Franz

* 5.5.1894 – ✝ 25.4.1937

Geboren am 5. Mai 1894 in Habelschwerth/ Schlesien, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Schriftsetzer und kam nach Gera in Thüringen. Ende 1914 Einberufung zum Militär, Anfang Mai 1915 durch einen Lungenschuß verwundet, im Frühjahr 1916 entlassen. 1918 Mitglied der USPD, kam er Ende 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD, stand auch hier auf dem linken Flügel und war seit 1924 ehrenamtliches Mitglied der BL Thüringen. Auf dem X. KPD-Parteitag 1925 für Thüringen in die Politische Kommission gewählt, wurde er 1928 vom ZK als Sekretär der BL eingesetzt, zunächst aber von der rechten Mehrheit der BL abgelehnt. Nach dem Sieg der ZK-Anhänger in Thüringen wurde Stephan zunächst Orgleiter und 1929 Agitpropsekretär des Bezirks. Ab 1930 im Bezirk Erfurt Leiter der RGO Thüringen und Redakteur der Zeitung »Der Erwerbslose«. Im Februar 1931 ging er als Gewerkschaftsredakteur zur »Hamburger Volkszeitung«, von August bis Oktober Gewerkschaftsredakteur bei der »Schlesischen Arbeiterzeitung« in Breslau. Da vom Oberreichsanwalt gegen ihn wegen Sprengstoffvergehens ermittelt wurde, flüchtete er mit seiner Frau Marie Stephan (*6.12. 1895) und seiner Tochter Ilse in die Sowjetunion. Franz Stephan kam zunächst unter dem Parteinamen Kurt Löffler ins Exekutivkomitee der RGI in Moskau, war 1933/34 Kulturleiter für die ausländischen Arbeiter in Rybinsk und Tscheljabinsk. Dann nach Odessa versetzt, Redakteur an der deutschen Rayonzeitung. Am 17.September 1936 vom NKWD zusammen mit seiner Ehefrau verhaftet, die wahrscheinlich während der Haft verstarb. Franz Stephan wurde am 25. April 1937 erschossen. Tochter Ilse (*3.11. 1919 – † 13. 9. 1994 ) folgte ihren Eltern nach Rybinsk und Odessa, kehrte im Januar 1937 nach Moskau zurück, dort Glasschleiferin. 1941 in die Tschuwaschische ASSR verbannt, ab 1946 in Frunse Schleiferin. Im September 1956 Ausreise in die DDR, Dolmetscherin im Außenhandelsbetrieb Textil. Anfang Januar 1959 informierte die ZPKK Ilse Stephan mündlich über die »posthume Rehabilitierung« ihrer Eltern durch die Staatsanwaltschaft der UdSSR.

Wer war wer in DDR

Stern, Kurt

* 18.9.1907 – ✝ 3.9.1989

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Kaufm. u. Fabrikant, Stiefvater Kaufhausdir.; Volksschule, humanist. Gymnasium in Berlin; 1927 Abitur, anschl. Studium der Gesch., Philos. u. Lit. in Berlin; KPD; Funktionen in der Kommunist. Studentenfraktion, 1930 / 31 deren Reichsltr.; 1931 / 32 Stud. an der Sorbonne in Paris; 1932 Arbeit an der Diss. in Berlin, Heirat mit Jeanne Machin; ab Jan. 1933 KPD-Instrukteur in Berlin; Apr. 1933 Emigr. nach Frankreich, 1934 Übernahme der Red. der von Willi Münzenberg hrsg. polit.-literar. Ztschr. »Unsere Zeit«; anschl. Sekr. der »Interparlamentar. Gruppe zur Verteidigung demokrat. Freiheiten«, organisierte deren internat. Kongress in Brüssel; Mitarb. im SDS; Okt. 1936 nach Spanien; Agit.-Prop. Kommissar der 11. Interbrigade u. Hrsg. der Brigadeztg. »Pasaremos«; anschl. dt. Red. der für alle Brigaden bestimmten Ztg. »Le Volontaire de la Liberté«; Jan. 1938 mit Einverständnis der KPD Rückkehr nach Paris, journalist. Arbeit für die Span. Rep., Mitarb. an der Ztschr. »Der Gegen-Angriff« u. an der »Dt. Volkszeitung«; 1939 – 40 Internierung; 1940 – 42 mit seiner Frau in Frankreich (Kontakte u. a. zu  Alexander Abusch,  Anna Seghers); Mai 1942 Emigr. nach Mexiko, dort Schriftsteller u. Journalist; Mitgl. der BFD; Red. der Ztschr. »Freies Deutschland«; ab 1944 Sekr. des Heinrich-Heine-Klubs; Mitarb. an der »Demokrat. Post«. Sept. 1946 Rückkehr nach Berlin; SED; 1946 / 47 Ltr. der »Geistig-kulturellen Beratungsstelle« im ZR des KB in Berlin, daneben Korresp. für franz. Ztg., Übersetzungen für den Aufbau-Verlag (»Das Schweigen des Meeres« von Vercors); Okt. 1947 schwere Erkrankung (Tbc), Sanatoriumsaufenthalt; seit 1949 freier Schriftsteller in Berlin, Übers. für den Verlag Volk u. Wissen sowie Lektoratstätigkeit für den Dietz-Verlag; 1950 Reportagen aus Frankreich für »Neues Deutschland« (unter Ps.); 1950 / 51 Autor bei der DEFA, Arbeit an einem Filmstoff (»Erikas Schuhe«, zus. mit  Henryk Keisch); erneute Erkrankung; ab 1951 schriftsteller. Arbeit zus. mit Jeanne St., u. a. am Drehbuch »Das verurteilte Dorf« (Film: 1952, R.  Martin Hellberg); 1952 NP; 1953 Weltfriedenspreis; 1955 NP; 1956 Hans-Beimler-Med.; 1956 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West, dann Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Faschismus; 1962 Mitgl. der neugegr. Dt.-Französ. Gesell.; ab 1964 Mitgl. des Komitees der Antifasch. Widerstandskämpfer der DDR; 1970 Heinrich-Mann-Preis; 1972 VVO; 1975 zus. mit Jeanne St. Studienreise nach Frankreich; gehörte 1976 / 77 zu den Kritikern der Biermann-Ausbürgerung, ohne sich an der Protest-Petition zu beteiligen; 1978 Ausscheiden aus dem Präsidium des SV, weiterhin Mitgl. des Vorst. des SV; 1982 Stern der Völkerfreundschaft; 1987 VVO; gest. in Berlin.Stärker als die Nacht. Filmszenarium 1954; Das Leben beginnt. Filmerzählung 1959; Unbändiges Spanien. Berlin 1964; Reisfelder – Schlachtfelder. Halle 1967; Schauplatz Paris. Berlin 1972; Was wird mit uns geschehen? Tagebücher der Internierung 1939 u. 1940. Hrsg. von Ch. Löser in Zusammenarbeit mit L. Steinitz. Berlin 2006.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stern, Victor

* 29.10.1885 – ✝ 27.3.1958

Geboren am 29. Oktober 1885 in Triesch/ Iglau/Mähren, Sohn eines Rabbiners und einer Erzieherin, streng religiös erzogen; studierte von 1904 bis 1908 an der Universität Wien und promovierte 1908 zum Dr. phil. Seit 1904 in der SPÖ, trotz Habilitation war ihm keine akademische Karriere möglich, bis 1914 Privatmittelschullehrer in Wien. 1914 zum Militär eingezogen, am Ende des Krieges Oberleutnant, er wurde 1919 Redakteur am deutschen sozialdemokratischen »Tagblatt« in Brünn. Im Juni 1919 übersiedelte Stern nach Deutschland, trat in die USPD ein und wurde Redakteur am Wochenblatt »Der Arbeiter-Rat«. Nach dessen Einstellung Wanderredner und zeitweise Chefredakteur der USPD-Zeitung »Ruhr-Echo«. Während des Kapp-Putsches gehörte er dem Zentralrat in Essen an und arbeitete später im USPD-Pressedienst, in Halle Chefredakteur der dortigen USPD-»Volkszeitung«. Stern trat für die Aufnahme der USPD in die III. Internationale ein, wurde Ende 1920 Mitglied der KPD. 1921 aus Deutschland ausgewiesen, kehrte illegal zurück, Redakteur der »Roten Fahne«, leitete zeitweilig die »Hamburger Volkszeitung« bzw. die »Arbeiterzeitung« in Stuttgart. Nach erneuter Verhaftung und Ausweisung nach Österreich war Stern bis Anfang 1923 Chefredakteur der »Roten Fahne« in Wien, Mitglied des Politbüros der KPÖ. Später Chefredakteur des »Vorwärts« in Reichenberg, von 1924 bis 1929 Mitglied des ZK der KP der âSR und deren Politbüros sowie Abgeordneter der KPâ in der Nationalversammlung und 1925/26 Vertreter der KPâ beim EKKI in Moskau. Hier zunächst Sinowjew-Anhänger, ging dann zu Stalin über. 1929 wurde Stern als Versöhnler aus dem ZK der KPâ ausgeschlossen. 1934 zu neun Monaten Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt, auch sein Mandat in der Nationalversammlung wurde ihm entzogen. Stern emigrierte 1935 in die Sowjetunion, wurde Lektor an der Internationalen Leninschule, anschließend im Apparat der Komintern. Nach deren Auflösung 1943 Publizist und Vertreter der KPâ in Moskau. Seit Oktober 1946 wieder in Deutschland, wurde Stern Mitglied der SED und ab Januar 1947 Dekan der philosophischen Fakultät an der Parteihochschule »Karl Marx«. Während der Parteisäuberungen Anfang der fünfziger Jahre war er als früherer Versöhnler und Jude gefährdet. Am 10. Februar 1953 brachte »Neues Deutschland« einen Artikel Sterns, in dem ausgerechnet er behauptete, der USA-Imperialismus benutze den Zionismus für das »Einschleusen von Verrätern und Spionen«, weshalb seine »Agentenbanden zu einem großen Teil aus Juden bestehen«. 1954 erhielt er den VVO in Silber. Viktor Stern starb am 27. März 1958. Sein Sohn Heinz Stern (* 18. 5. 1921 – † 27. 7. 1995) kam 1945 aus der Sowjetunion nach Deutschland, war in Ost-Berlin von 1949 bis 1952 Chefredakteur des FDJ-Organs »Junge Welt«, später Redakteur der »Friedenspost« bzw. der »Freien Welt«. Ab 1954 war Heinz Stern Korrespondent für »Neues Deutschlands« in Moskau, dann Chefreporter der DDR-Monatszeitschrift »Magazin«.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Sterzinsky, Georg

* 9.2.1936 – ✝ 30.6.2011

Geb. in Warlack (Krs. Heilsberg, Ostpr. / Worławiki, Polen); Studium der Theol. in Erfurt u. Neuzelle; 1960 Priesterweihe in Erfurt; 1960 – 62 Kaplan in Eisenach; 1962 – 64 Wiss. Assistent u. Präfekt am Priesterseminar in Erfurt; 1964 – 66 Vikar in Heiligenstadt; 1966 – 80 Pfarrer in Jena; 1981 – 89 Gen.-Vikar des Bischöfl. Amts Erfurt-Meiningen; 1982 Prälat; Juli 1989 Ernennung zum Bischof des Bistums Berlin (Nachf. von  Joachim Meisner); 8.11. 1989 Vors. der Berliner Bischofskonf. (Nachf. von Joachim Meisner). 1990 – 95 Vors. der Arbeitsgemeinschaft der Bischöfe der Dt. Bischofskonferenz-Region Ost; 1991 Kardinal, 1994 zusätzl. Erzbischof von Berlin; seit 1991 Vors. der Kommission Ehe u. Familie der Dt. Bischofskonferenz; 2000 Bundesverdienstkreuz.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Steudte, Wilhelm

* 4.3.1897 – ✝ 17.9.1973

Geb. in Oberfrohna; Vater Textilarbeiter, Mutter Heimarbeiterin; Volksschule; kaufm. Lehre u. Arbeit als Industriekaufm.; 1925 SPD, 1931 KPD; 1932 / 33 Mitgl. der Ltg. des KPD-Unterbez. Köslin; 1933 illeg. Arbeit; von März 1933 bis Nov. 1934 im Gefängnis Köslin u. den Lagern Hammerstein u. Lichtenburg inhaftiert; nach der Entlassung dienstverpflichtet für Erd-, Moor- u. Waldarbeiten, später Tätigkeit als Buchhalter. 1945 – 48 Betriebsltr. des VEB Wiedenbohm Greifswald; 1946 SED; 1948 / 49 Dir. der Vereinigten Volkseigenen Handelsbetriebe Industriebedarf Rostock; 1949 / 50 Hauptdir. des Kommunalen Wirtschaftsunternehmens Rostock; 1950 – 52 Landrat des Krs. Rostock; Febr. bis Juli 1952 Minister für Land- u. Forstwirtschaft der Landesreg. Mecklenb.; 1952 / 53 Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg; 1954 / 55 HA-Ltr. im Staatssekr. für örtl. Wirtschaft in Berlin; Besuch eines fünfmonatigen Lehrgangs an der DVA; 1955 – 62 Offizier der Dt. Grenzpolizei u. Vors. bzw. stellv. Vors. der SED-PKK im Kommando der Grenztruppen in Pätz, 1962 als Major a. D. verabschiedet; ab 1962 Rentner; 1967 VVO in Silber; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Stief, Albert

* 19.3.1920 – ✝ 10.9.1998

Geb. in St. Ingbert (Saar); Vater Arbeiter; 1926 – 33 Volksschule; 1934 – 39 Ausbildung zum Dreher in München-Pasing; ab 1937 im Beruf tätig; 1939 DAF; 1939 – 43 Wehrmacht, OGfr., 2.1.1943 übergelaufen; sowj. Kriegsgefangenschaft, Mitgl. des NKFD, Antifa-Schule 27, Frontbeauftr. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Sachbearb. u. Abt.-Ltr. in der Landesverw. Sachsen; 1946 – 49 Ltr. des Umsiedlerlagers Elsterhorst-Hoyerswerda; 1949/50 Abt.-Ltr. u. Sekr. der SED-KL Hoyerswerda; 1950 – 52 Abt.-Ltr. u. Krs.-Rat beim Rat des Krs. Hoyerswerda; 1952/53 PHS der KPdSU in Moskau; 1953 – 69 1. Sekr. der SED-BL Cottbus (Nachf. von  Franz Bruk); 1960 Kand., 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1963 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1971 – 89 Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 1962 – 65 Fernstudium an der HfÖ Berlin; 1965 Prom zum Dr. rer. oec.; 1969 VVO; 1969 – 71 stellv. Minister für die Anleitung u. Kontrolle der Bez.- u. Krs.-Räte; 1971 – 77 Staatssekr. des Komitees der ABI; 1977 – 22.11.1989 Minister u. Vors. des Komitees der ABI (Nachf. von Heinz Matthes), aus »gesundheitl. u. altersmäß. Gründen ausgeschieden«; 1980 Held der Arbeit.Probleme u. Grundfragen der Planung u. Ltg. des wiss.-techn. Höchststandes der Kohle- u. Energiewirtschaft. Berlin 1965.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stier, Christoph

* 7.1.1941

Geb. in Magdeburg; 1959 – 64 Studium der Theol. an der Univ. Rostock; anschl. wiss. Assistent; ab 1970 Pfarrer im Rostocker Neubaugebiet Lütten-Klein; hier enge Zusammenarbeit mit der kath. Ortsgemeinde; ab 1976 Landespastor für Weiterbildung u. Akad.-Arbeit der Mecklenb. Landeskirche; Mitgl. der Landes- u. der Bundessynode; ab 1981 Mitgl. der Konferenz der Ev. Kirchenltg. in der DDR u. Vors. des Studienaussch. der Theolog. Studienabt. des Bunds der Ev. Kirchen der DDR (BEK); Nov. 1983 Wahl u. Juli 1984 Amtseinführung als Bischof der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenb. (Nachf. von  Heinrich Rathke); ab 1986 ltd. Bischof der Vereinigten Ev.-Luth. Kirche (VELK) (Nachf. von  Werner Leich); unter seiner Ltg. kam es zu einer Aufgabenübertragung der VELK an den BEK. 1997 nach turnusmäßiger Neubesetzung keine neue Kandidatur für das Bischofsamt; seitdem Landessuperintendent des Kirchenkrs. Stargard, Sitz Neustrelitz; 1998 Mitgl. des Beirats des Bundesbeauftragten für die MfS-Unterlagen, benannt durch das Land Mecklenb.-Vorpom. Als Landesbischof plädierte C. S. für ein ges.-pol. Engagement der Kirchen u. Christen insbes. in der Friedens- u. Menschenrechtsarbeit; er appellierte wiederholt an die DDR-Führung, sich auf einen innenpol. Dialog einzulassen; im Okt. 1989 setzte er sich für die Zulassung der neuen opp. Gruppen u. Parteien ein; bezügl. der Aufarbeitung von MfS-Verstrickungen kirchl. Amtsträger vertritt C. S. einen konsequenten Rechtsstandpunkt.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Stoeckel, Walter

* 14.3.1871 – ✝ 12.2.1961

Geb. in Stobingen (b. Insterburg, Ostpr. / Rußland); Vater Gutsinspektor; Gymnasium in Insterburg; 1890 – 95 Med.-Studium in Leipzig, München, Jena u. Königsberg; hier 1896 Prom.; 1896/97 Schiffsarzt; 1897 – 1903 Assistenz-, später Oberarzt an der Univ.-Frauenklinik in Bonn (b. Heinrich Fritsch); 1903/04 Oberarzt an der Univ.-Frauenklinik Erlangen; 1904 – 07 an der Frauenklinik der Berliner Charité; hier 1904 Habil. u. Privatdoz.; 1905 Titularprof.; 1907 – 10 Ordinarius für Frauenheilkunde in Marburg; 1910 – 22 Ordinarius in Kiel; 1922 – 26 Ordinarius u. Dir. der Univ.-Frauenklinik in Leipzig; 1926 – 51 Ordinarius für Frauenheilkunde u. Dir. der I. Univ.-Frauenklinik in Berlin. Nach 1945 Wiederaufbau der schwer kriegszerstörten Univ.-Frauenklinik; Org. u. Ltg. der ersten Gynäkologenkongresse der Nachkriegszeit 1946 in Jena u. 1947 in Berlin; 1948 maßgebl. an der Konstituierung der Wiss. Ges. für Geburtshilfe u. Gynäkol. bei der HU Berlin beteiligt; 1949 Obermedizinalrat; 1951 em.; 1951 NP; wiss. Arbeiten v. a. zur gynäkolog.-urolog. Chirurgie; gest. in Berlin.Ureterfisteln u. Ureterverletzungen. Leipzig 1900; Atlas der gynäkolog. Cystoskopie. Marburg 1908; Lehrbuch der Geburtshilfe. Leipzig 1920 (13. Aufl. 1961); Lehrbuch der Gynäkol. Leipzig 1928 (15. Aufl. 1967); Gynäkolog. Urol. München 1938; Erinnerungen eines Frauenarztes. München 1966, in gekürzter Ausg. Leipzig 1979 (mit Auswahlbibl. und einem Geleitwort von H. Kraatz).Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Steinhoff, Karl (Carl)

* 24.11.1892 – ✝ 19.7.1981

Geb. in Herford (Westf.); Vater Obertelegrafeninspektor; Gymnasium in Bielefeld; 1910 –21 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Freiburg i. Br., München, Königsberg, Berlin u. Münster; 1921 Prom. zum Dr. jur.; 1922/23 in den Reichsmin. des Innern u. für Justiz tätig; 1923 SPD; 1923/24 Legationssekr. der Sächs. Gesandtschaft in Berlin; 1925/26 Reg.-Rat in der Amtshauptmannschaft Zittau; 1926 – 28 Landrat im Krs. Zeitz; 1928 Reg.-Vizepräs. in Gumbinnen (Ostpr.), danach Vize-Oberpräs. in Königsberg (Ostpr.); 1932 beurlaubt; 1933 aus dem Staatsdienst entlassen, Berufsverbot auch als Rechtsanwalt; 1940 – 45 Syndikus einer Kartonagengroßhandlung in Berlin. 1945 SPD; Präs. der Provinzialverw. Brandenb., verantw. für Justiz u. Gesundheit; 1946 SED; 1946 – 49 Mitgl. des Brandenb. Landtags, Min.-Präs. des Landes; DWK; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 der Prov. Volkskammer bzw. Volkskammer; 1949/50 Mitgl. des PV der SED u. 1949/50 Kand. des PB; 1949 – 54 Mitgl. des ZK der SED; 1949 –52 Minister des Innern, fristlose Kündigung durch  Walter Ulbricht veranlaßt; 1949 – 55 Prof. für Verw.-Recht an der HU Berlin; danach im Bez.-Friedensrat Potsdam tätig; VVO; Ehrenspange zum VVO; KMO; gest. in Wilhelmshorst.C. St.: Italienische Novellen. Wilhelmshorst 1997 (mit Biogr., verf. von R. Steinhoff); Reinert, F.: »Eine Generallinie haben u. mit Gewissenhaftigkeit das tun, was der Augenblick erfordert«. Zum 110. Geburtstag des gescheiterten ostdt. Staatsmannes Carl Steinhoff. In: Deutschland Archiv (2003) 1.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steinitz, Wolfgang

* 28.2.1905 – ✝ 21.4.1967

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen) in einer jüd. Fam.; Vater Rechtsanwalt; Gymnasium; 1923 – 28 Studium der finn.-ugr. Sprachen u. Völkerkunde an den Univ. Berlin u. Breslau; 1923 SPD; 1924 – 26 wiss. Hilfsarb. am Museum für Völkerkunde in Berlin; Studienreisen 1924 nach Finnl., 1925 nach Ungarn, 1926 nach Estland u. in die UdSSR; 1927 KPD, Agit.-Prop.-Ltr. des KJVD Schles.; 1928 – 33 Assistent am Ungar. Inst. der Univ. Berlin; 1927 KPD; 1932 Prom. an der Univ. Berlin; Apr. 1933 Entlassung im Zuge der nationalsoz. Rassenpol.; 1934 Emigr. in die UdSSR; 1934 – 37 Prof. für Finno-Ugristik am Leningrader Inst. der Nordvölker; 1937 Übersiedl. nach Schweden, 1938 – 45 Gastprof. am Ungar. Inst. der Univ. Stockholm; illeg. Arbeit für die KPD. Jan. 1946 Rückkehr nach Berlin; SED; Prof. mit vollem Lehrauftrag an der Univ. Berlin; 1947 – 52 Vors. der DSF Berlin; 1949 Prof. mit Lehrstuhl für Finno-Ugristik u. Dir. des Finn.-Ugr. Inst. an der HU Berlin (Nachf. von Julius v. Farkas); Studentendekan; 1949 – 53 Prorektor für wiss. Aspirantur; 1950 Dekan der Philosoph. Fak.; 1951 ord. Mitgl. der DAW; 1952 zugl. Dir. des Inst. für dt. Volkskunde u. Abt.-Ltr. am Inst. für dt. Sprache u. Lit. der DAW; 1954 – 58 Mitgl. des ZK der SED; 1954 – 63 Vizepräs. für den ges.-wiss. Bereich der DAW; Mitgl. versch. AdW u. wiss. Ges.; 1950, 1965 u. 1978 NP; 1960 Vizepräs. der International Union of Anthropological and Ethnological Sciences in Paris; 1962 Mitgl. des Comité Internat. Permanent des Linguistes; gest. in Berlin. Zahlr. Veröff. auf den Gebieten der Finno-Ugristik, Slawistik, Germanistik u. Ethnographie; Initiator des »Marx-Engels-Wörterbuchs«; Hrsg. versch. Nachschlagewerke, u. a.: »Neue Russ. Bibliothek« (50 Bde., 1946 – 53), »Enzyklopädie der UdSSR«, 2 Bde. (mit.  Jürgen Kuczynski, 1950), »Wörterbuch der dt. Gegenwartssprache« (1961 – 77); dt. Neubearbeitung des finn. Epos »Kalevala« (1968).Russ. Lehrbuch. Stockholm 1945; Dt. Volkslieder demokrat. Charakters. Berlin 1954 – 62; Ostjakolog. Arbeiten in vier Bänden. Berlin 1980 (Bd. 4 mit Bibl.). Zweimal Stockholm – Berlin 1946. Leipzig 1988; Nötzold, P.: W. St. u. die DAW. Diss. HU Berlin 1999; Scholz, M. F.: Skand. Erfahrungen erwünscht? Stuttgart 2000; Leo, A.: Leben als Balance-Akt. W. St. Kommunist, Jude, Wissenschaftler. Berlin 2005; Kaschuba, W., Steinitz, K. (Hrsg.): W. St: Ich hatte unwahrscheinliches Glück. Berlin 2006.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Stelzmann, Volker

* 5.11.1940

Geb. in Dresden, seit 1948 in Leipzig aufgew.; 1957 mittlere Reife; 1957 – 60 Lehre als Feinmechaniker; 1960 – 63 in diesem Beruf tätig; 1963 – 68 Studium bei Prof.  Gerhard Kurt Müller an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1966 gem. mit Ulrich Hachulla erste Personalausstellung in Ahrenshoop; ab 1966 mehrf. Studienreisen in die UdSSR; ab 1966 beteiligt an wichtigen Ausstellungen der DDR im In- u. Ausland; 1968 – 73 freischaff.; Reisen nach Bulgarien, Kuba, Indien; 1970 – 86 VBK; 1973/74 Aspirantur an der HS für Grafik u. Buchkunst; 1975 – 86 Lehrtätigkeit an der HS für Grafik u. Buchkunst; 1978 – 86 Vors. der Zentr. Sektionsltg. der VBK; 1978 Kunstpreis der DDR; 1982 Professur an der HS für Grafik u. Buchkunst; 1983 NP; 1986 nach Eröffnung der Personalausstellung in der Staatl. Kunsthalle keine Rückkehr in die DDR, Verbleib in Berlin (West), dort seitdem ansässig; 1987/88 Gastprofessur an der Städel-Kunst-HS Frankfurt (Main); 1988 Professur an der HS der Künste in Berlin-Charlottenburg. Werke (u. a.): Kreuzabnahme I, 1978/79; Drifters escape, 1980/81; Berliner Nacht, 1989; Werkgr. der »Straße«-Bilder, 1994 – 95; Werkgr. der »Sinken«-Bilder 1986 – 94; Varieté 1994/95.Hütt, W.: Wir – unsere Zeit. Künstler der DDR in Selbstbildnissen. Berlin 1974; Hartleb, R.: V. S. Berlin 1976 (Welt der Kunst); Meißner, G.: Leipziger Künstler der Gegenwart. Leipzig 1977; Als guter Realist muß ich alles erfinden. Internat. Realismus heute (Hrsg. vom Kunstverein Hamburg). Hamburg 1979; Schumann, H.: V. S. In: Künstler der DDR, Dresden 1981; V. S. Kat. mit Werkverz. u. Texten von R. Behrends u. P. Gosse (Hrsg. vom Ludwig Inst.; Städt. Galerie Oberhausen). Oberhausen 1985; V. S. Gemälde 1985 – 1991. Kat. Univ. Leipzig, Kustodie, Text von R. Behrends. Leipzig 1991; V. S. Kat. Forum-Gallery New York u. Ann-Nathan Gallery. Chicago 1998; Beaucamp, E. u. a.: V. S. – Versuchsanordnungen. Monogr. Frankfurt (Main) 2006.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Stephan, Ilse

* 8.5.1931 – ✝ 25.6.1984

Geb. in Hamburg; Stiefvater Lehrer, KPD-Funktionär; Dez. 1933 mit der Mutter Emigr. in die UdSSR; Schulbesuch; Lehre u. Arbeit als Elektromonteurin; der Stiefvater, Heinrich Meyer, wird 1937 vom NKWD verhaftet u. am 3.9.1938 zum Tode verurteilt; 1941 Deportation aus Moskau, Ansiedl. in Pachta-Aral in Kasachstan. 1955 Übersiedl. in die DDR; SED; Dolmetscherin; Mitarb. der Allg. Abt. des ZK der SED; ab 1981 Ltr. der Arbeitsgr. Allg. Abt. im Range eines stellv. ZK-Abt.-Ltr.; nach krit. Äußerungen im Zusammenhang mit Spannungen zw. der Führung der KPdSU u. der SED auf Veranlassung  Erich Honeckers auf Beschluß des ZK vom 19.6.1984 entlassen; Suizid.Uschner, M.: Die zweite Etage. Funktionsweise eines Machtapparates. Berlin 1993.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Sterba, Günther

* 20.5.1922

Geb. in Brüx (ČSR/Most, Tschechien); Oberrealgymnasium; 1944/45 Studium der Med. u. Biol. an der Univ. Prag. 1945 – 48 Forts. des Studiums an der FSU Jena; 1945 SPD; ab 1952 parteilos; 1948 – 58 Assistent an der FSU; 1949 Prom. u. 1952 Ha- bil.; 1952 Privatdoz.; 1958 Prof. für Zool.; 1959 – 87 ord. Prof. für Zool. an der KMU Leipzig; 1959 – 68 Dir. des dortigen Zoolog. Inst.; 1969 – 83 Ltr. des Bereichs Zellbiol. u. Regulation der Sekt. Biowiss.; 1963 – 76 Präs. der Biolog. Ges. (Nachf. von  Otto Schwarz); 1967 – 78 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1967 Ord. Mitgl. der DAW; 1971 Mitgl. der Leopoldina; 1982 Mitgl. der Royal Swedish Academy of Sciences Stockholm; 1971 Dr. h. c. Reichsuniv. Utrecht. Hauptarbeitsgebiete: Neurobiol., Neuromorphol. u. Neuroendokrinol. der Wirbeltiere, Ichthyol.Topogr. u. Zytol. neurosekretor. Systeme. Jena 1979 (mit F. Schober); Süßwasserfische der Welt. Leipzig 1957 (5. Aufl. 1990); Aquarienkunde. Leipzig 1954 (13. Aufl. 1988); Gebrauchsporzellan aus Meißen. Leipzig 1988 (Lizenzausgaben u. a. in Großbritannien u. den USA).Peter Nötzold

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stern, Kurt

* 18.9.1907 – ✝ 3.9.1989

Geboren am 18. September 1907 in Berlin, Sohn einer bürgerlich-jüdischen Familie. Nach dem Abitur Studium der Literatur, Philosophie und Geschichte in Berlin und Prag. 1927 Mitglied der KPD, gründete und leitete an der Berliner Universität die »Gesellschaft zum Studium sowjetisch-russischer Probleme«. 1930/31 war er für ein Semester Reichsleiter der Kommunistischen Studentenfraktion (Kostufra). 1933 illegale Arbeit in Berlin, im April 1933 nach Frankreich emigriert und dort 1934/35 Redakteur bei der von Willi Münzenberg herausgegebenen Monatszeitschrift »Unsere Zeit«. Von Oktober 1936 bis 1938 in Spanien Angehöriger der Internationalen Brigaden, Politkommissar der XI. Brigade und Redakteur der Brigadezeitung »Pasaremos«. Im Januar 1938 Rückkehr nach Frankreich, 1939/40 interniert, später lebte er in der unbesetzten Zone. Aus Protest gegen den Hitler-Stalin-Pakt und den sowjetischen-finnischen Krieg trat Stern aus der KPD aus. Im Mai 1942 gelang ihm die Ausreise nach Mexiko, dort bis 1946 Redakteur der Zeitschrift »Freies Deutschland«. Im August 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, kam als SED-Mitglied in die Bundesleitung des Kulturbundes in Berlin. Später publizistische Tätigkeit, ab 1951 verfaßte er gemeinsam mit seiner Frau Jeanne Stern, geborene Machin (* 20. 8. 1908 – † 29. 12. 1998), zahlreiche Drehbücher und Reportagen. Seit 1956 im PEN-Zentrum sowie langjähriges Präsidiumsmitglied des DDR-Schriftstellerverbandes. Er gehörte 1976 zu den prominenten DDR-Kritikern der Ausbürgerung Wolf Biermanns. Kurt Stern starb am 3. September 1989 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Stern, Wolf

* 15.12.1897 – ✝ 16.9.1961

Geb. in Woloka (Bukowina, Österreich-Ungarn / Ukraine) in einer jüd. Familie; Vater Landwirt, Händler, Gutsverwalter; Brüder sind  Leo S. (Historiker) u. Manfred S. (Gen. »Emilio Kléber« im span. Bürgerkrieg); 1903 – 07 dt. Volksschule; 1907 – 15 Staats-Gymnasiums in Czernowitz; 1915 – 18 Militärdienst in der österr.-ungar. Armee, zul. Fähnr., desertiert; 1918 – 20 Studium der Philos. an der Univ. Czernowitz, abgebrochen wegen illeg. pol. Tätigkeit für die KP der Bukowina; Febr. 1919 Mitbegr. der KP der Bukowina; 1919 – 24 Parteiorganisator von deren ZK; dann Mitgl. ihres Auslandskomitees; 1920 – 24 »Spezialarbeiten« (wie Grenzarbeit im Bez. Sniatyn); 1924 Flucht nach Wien u. Mitgl. der KPÖ; 1924 – 27 Red. der Presseabt. der sowj. Botschaft in Wien (»Wolf Goldstein«); Verbindungsmann der KI; 1925 – 27 Mitgl. der KPÖ-BL des VIII. Wiener Bez.; 1926 – 39 »Spezialarbeiten« bzw. inoffiz. tätig für den sowj. militär. Nachrichtendienst GRU; Juli 1927 u. Febr. 1934 Teiln. an bewaffneten Kämpfen in Wien; 1936 – 39 Partisan in Spanien (»Otto«); 1937 sowj. Staatsbürgerschaft; Febr. 1939 Rückkehr nach Moskau; 1939 – 41 Oberlehrer an der HS für Fremdsprachen u. an der Lomonossow-Univ.; 1939/40 zugl. Parteischulung an der Univ. für Marx.-Lenin.; 1941 Heirat mit der NKWD-Agentin Gerda Frankfurter; 1941 Freiw. der Roten Armee; Mitgl. einer Sonderbrigade ehem. Interbrigadisten; 1943 – 50 Mitarb. bzw. Bevollm. der HV Kriegsgefangenenwesen beim NKWD / MdI der UdSSR (hatte u. a. Gen.-Feldmarschall  Friedrich Paulus zu beeinflussen, dem NKFD / BDO beizutreten); Begleiter von F. Paulus beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß. 1950 – 56 Übersetzer u. Red. der Ztschr. »Sowjetlit.« u. »Neue Zeit« sowie Mitarb. der Unions-Handelskammer; Dez. 1950 Verhaftung seiner Ehefrau als »zionist. Agentin« (1956 rehabil.); Sept. 1956 Rückkehr in die DDR; SED; 1.12.1956 – 31.1.1957 Offz. der Reserve des Ministers; Mitarb. des Min. für Nat. Verteidigung (Chef der pol. Verw.); 1957 VVO; 1957/58 stellv. Ltr. Kriegsgeschichtl. Forschungsrats u. Ltr. der Kriegsgeschichtl. Forschungsanstalt in Dresden; 1958 – 61 Ltr. des Inst. für Dt. Militärgeschichte in Potsdam; 1957 Ltr. des Initiativkomitees zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere (1958 gegr.); militärpol. Veröff. (Ps. Stephan Wolf).Zur Vorgeschichte der Verschwörung vom 20. Juli 1944 (Mitautor). Berlin 1960. Ueberschär, G. R. (Hrsg.): Das Nationalkomitee Freies Dtl. u. der Bund Dt. Offz. Frankfurt (Main) 1995; Reschin, L.: Feldmarschall im Kreuzverhör. Friedrich Paulus in sowj. Gefangenschaft. Berlin 1996; Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stetter, Johannes

* 1.2.1885 – ✝ 10.11.1963

Geboren am 1. Februar 1885 in Wain am Neckar, Sohn eines Kleinbauern; lernte Schreiner. 1903 Mitglied der SPD, Übersiedlung nach Stuttgart und Anhänger des dortigen linken Flügels der Partei. Im Krieg Soldat, 1917 Eintritt in die USPD, 1918 deren hauptamtlicher Sekretär, mit der linken USPD 1920 zur KPD, deren Parteisekretär in Stuttgart. Stetter war von 1920 bis 1924 Abgeordneter des Württembergischen Landtages, 1923 Polleiter des Bezirks Württemberg. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte Stetter in die Mandatsprüfungs- und Gewerkschaftskommission. Wegen seiner Beteiligung an der Vorbereitung des geplanten Oktoberaufstands Anfang 1924 verhaftet. Im Mai 1924 aus der Haft entlassen, da er (als Spitzenkandidat für Württemberg) in den Reichstag gewählt worden war. Stetter gehörte zum rechten Parteiflügel in Württemberg, deshalb bei der Dezemberwahl 1924 an einen aussichtslosen Platz der Wahlliste gesetzt, kam er nicht mehr in den Reichstag. Polizeilich gesucht (Steckbrief: »hohe Stirn, Geheimratsecken, englischer Schnurrbart«), schickte ihn die Partei nach Lothringen, er leitete dort von Februar bis Mai 1925 die IAH. Dann illegal in Mannheim, hier wurde er (nach seinen Angaben von einem Mannheimer KPD-Stadtverordneten) verraten und am 30. Mai 1925 festgenommen. Bis Oktober 1925 blieb er in Haft, zunächst in Mannheim, dann in Stuttgart, durch die »Hindenburg-Amnestie« frei, arbeitete er wieder als Schreiner. In der KPD hatte Stetter Redeverbot, es gab sogar Gerüchte, er solle »liquidiert« werden. Am 30. Juni 1926 aus der KPD ausgeschlossen, veröffentlichte er Parteiinterna in einer Artikelreihe der SPD-Zeitung »Schwäbische Tagwacht«, die später als Broschüre erschien: »Der kommunistische Sumpf«. Deshalb von der KPD als »charakterloser Lump« beschimpft, legte er Beweise für seine Behauptungen vor. 1926 Mitglied der SPD, im Herbst 1928 (bis 1933) wurde Stetter hauptamtlicher Sekretär der Gewerkschaft (Gemeinde- und Staatsarbeiterverband) in Königsberg. Ende 1933 Rückkehr nach Stuttgart, einige Monate erwerbslos, dann bis 1945 Schreiner. 1945 wieder SPD, maßgeblich am Wiederaufbau der Gewerkschaften beteiligt, im Juli 1945 zum Vorsitzenden des Ortsausschusses Stuttgart der Gewerkschaft berufen. Diese Funktion behielt er bis zu seiner Pensionierung. Johannes Stetter starb am 10. November 1963 in Stuttgart. Sein älterer Bruder David Stetter (* 17. 2. 1882 – † 17. 9. 1963), vor 1933 führender Funktionär des Reichsbundes der Beamten und Angestellten in den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen (RBA), war 1950/51 Arbeitsminister in Baden-Württemberg; SPD-Mitglied. Er war mit Albert Schreiner verschwägert (die Frauen waren Schwestern). Der jüngere Bruder Georg Stetter (* 10. 11. 1892 - † 2. 10. 1962) war Steindrucker, 1907 Teilnahme am 1. Internationalen sozialistischen Jugendkongreß in Stuttgart. Er gehörte zur Gruppe Friedrich Westmeyer. Als Soldat im Ersten Weltkrieg verwundet, Mitglied des Spartakusbundes, 1919 der KPD. Übersiedlung ins Ruhrgebiet, Arbeiter bei Krupp in Essen. 1923 Bezirkssekretär der KJD für das Ruhrgebiet. Im Mainzer Kommunistenprozeß 1924 angeklagt, jedoch freigesprochen. Am 18. Februar 1925 wegen Opposition gegen den ultralinken Kurs aus der KPD ausgeschlossen, er kehrte nach Stuttgart zurück, wieder Drucker. Als Betriebsrat engagierte er sich in der Bildungsarbeit der Gewerkschaftsjugend und dem TVdN, nach Wiederaufnahme auch in der KPD. Ende 1928 wegen »Rechtsabweichung« erneut aus der KPD ausgeschlossen, trat er in die KPO ein, dort aktiver Funktionär. Nach 1933 nicht verhaftet, hielt Verbindung zu KPO-Genossen. Nach 1945 in der IG Druck und Papier aktiv, Betriebsrat, gehörte zum Kern der »Gruppe Arbeiterpolitik«.

Wer war wer in DDR

Stibi, Georg

* 25.7.1901 – ✝ 30.5.1982

Geb. in Markt Rettenbach (b. Memmingen); Vater Schuhmacher, Mutter Wäscherin u. Fabrikarbeiterin; 1907 – 14 Dorfschule; 1914 – 18 Hirtenjunge u. Knecht; 1918 Ausbildung in einer Molkerei; 1919 – 21 Sägewerker in Memmingen, Waldarbeiter; 1919 USPD; 1921 / 22 Wanderschaft in Nordtl.; 1921 / 22 in der anarchosyndikalst. Freien Arbeiter-Union; 1922 KPD, ADGB; 1922 – 30 Arbeiter in versch. Betrieben in Düsseldorf, häufig arbeitslos; 1924 Funktionsverbot in der KPD im Kontext innerparteil. Konflikte um die ultralinke Fraktion; Juli 1926 Lokalred., dann pol. Red., ab 1929 Chefred. der Zeitung »Freiheit« (Düsseldorf) u. Mitgl. der KPD-BL Niederrhein; im Febr. 1930 wg. Veröff. über die geheime dt. Wiederaufrüstung verhaftet, im Mai wg. »Hoch- u. Landesverrats« vom Reichsgericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt; Mai 1932 Entlassung aus der Haft, Erholung in der UdSSR; Juli-Sept. 1932 Chefred. der kommunist. »Arbeiterzeitung« in Bremen; anschl. Korrespond. der »Roten Fahne« in Moskau; 1933 Mitarb. der Presseabt. der KI; 1934 – 36 Red. der dt.-spr. Sendungen bei Radio Moskau u. Korrespond. dt.-spr. Ztgn.; nach Konflikten mit sowj. Vorgesetzten Anf. 1937 kurzztg. in Haft, dort Anwerbung durch das NKWD; 1937 – 39 in Spanien (»Theodor Kettner«), dort Red. des illeg. Dt. Freiheitssenders 29,8; 1938 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; ab Jan. 1939 NKWD-Aufträge in Frankreich, illeg. in Paris, dort Mitarb. des KPD-Auslandssekr. (unter  Franz Dahlem); ab Sept. 1939 in versch. Lagern interniert, Juni 1941 Flucht aus dem Lager Les Milles, Okt. 1941 Emigr. nach Mexiko; Mitgl. der engeren Ltg. der dortigen KPD-Gr.; 1942 / 43 Sekr. der BFD in Mexiko; Mitgl. des Heinrich-Heine-Klubs; 1943 nach Konflikten mit  Paul Merker u. der KPD-Gr. Suspendierung der KPD-Mitgliedschaft, Nov. 1945 Parteiausschluß; anschl. Ltr. der kommunist. Kunstwerkstatt »Taller de Gráfica«; 1942 – 46 Vorträge an der Univ. Obrera. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Red., ab Jan. 1947 stv. Chefred. der »Berliner Ztg.«; März 1949 Wiederherstellung der Parteimitgliedschaft, SED; Juni – Sept. 1949 Chefred. Der »Berliner Ztg.« (Nachf. von  Rudolf Herrnstadt); Okt. 1949 – Aug. 1950 stv. Ltr. des Amts für Information der Reg.; dann Red. der »Sächs. Ztg.« in Dresden; 1953 / 54 Chefred. der »Leipziger Volksztg.«; Febr. 1954 Mitgl. der Red., März 1955 – Juli 1956 Chefred. der Ztg. »Neues Dtl.« (Nachf. von  Heinz Friedrich), anschl. Sonderkorresp. u. a. in Ungarn; 1957 / 58 Botschafter in Rumänien (Nachf. von  Werner Eggerath), 1958 – 61 Botschafter in der ČSSR (Nachf. von  Bernard Koenen); 1961 – 73 stellv. Min. für Ausw. Angelegenh.; 1961 VVO; seit 1961 Mitgl. des Präs. der Dt.-Lateinamerik. Gesell. der DDR; Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1966 KMO; 1971 Held der Arbeit; 1974 Rentner; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; Ehrenspange zum VVO; verh. mit der KPD-Funktionärin Henny St.; gest. in Berlin.Ich erlebte Ungarn. Hintergründe u. Ziele des konterrev. Aufstandes. Berlin 1957. Kießling, W.: Alemania Libre in Mexiko. Berlin 1974; ders.: Exil in Lateinamerika. Leipzig 1980; ders.: Partner im »Narrenparadies«. Der Freundeskreis um N. Field u. P. Merker. Berlin 1994; Müller-Enbergs, H.: Meinungsoffiziere der Parteiführung. In: JHK Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stief, Eberhard

* 17.3.1935 – ✝ 17.11.2015

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Buchdrucker; 1941 – 50 Grund- u. Volksschule; 1950 – 53 Ausbildung zum Werkzeugmacher; 1953 – 56 Studium an der Ing.-Schule für Maschinenbau Leipzig; anschl. in Forschung u. Industrie (Bereich Fördertechnik) sowie als Industrieberater tätig; nebenher bis 1959 Fernstudium an der Ing.-Schule für Gießereitechnik Leipzig u. 1961 – 69 an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Ing.; 1970 – 78 wiss. Mitarb. beim Bundesvorst. des FDGB; 1977 Prom. zum Dr.-Ing. an der TU Dresden; 1981 zum Dr. sc. techn.; Forschung in den Bereichen Maschinenbau, Metallurgie u. Chemie, vornehml. Umwelttechnol.; nebenamtl. Doz. an der TU Dresden u. FSU Jena; 1978 NDPD; 1982 – 85 ehrenamtl. Mitgl. des Sekr. des Krs.-Vorst. Berlin-Friedrichshain; 1985 – 89 Vors. des Bez.-Verb. Potsdam; 1985 – 90 Mitgl. des Hauptaussch.; 1989/90 Mitgl. des Präs. u. Sekr. des Hauptaussch.; ab Febr. 1990 Geschäftsf. der NDPD; Dez. 1989 – März 1990 Ständ. Vertreter der NDPD am Zentr. Runden Tisch; nach dem kooperativen Beitritt der NDPD zum Bund Freier Demokraten 28.3.1990 deren Geschäftsf.; 1.5. – 2.10.1990 Staatssekr. im MdI. Wahlltr. für die Landtagswahlen am 14.10. 1990; Teiln. an den Verhandlungen über den Einigungsvertrag DDR – Bundesrep. Dtl.; anschl. bis 1994 Staatssekr. im Min. für Umwelt u. Naturschutz Sachsen-Anh.; Mitgl. des Kuratoriums der Dt. Ges.; Präs. des Verb. der Kleingärtner, Siedler u. Grundstücksnutzer; lebte in Potsdam.Luftreinhaltung. Berlin 1975; Industrie- u. Umweltschutz. Moskau 1984 (zus. mit J. M. Anserov, G. Korzak u. a.).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stiller, Heinz

* 1.11.1932 – ✝ 5.8.2012

Geb. in Brieske-Ost (b. Senftenberg); Studium der Physik an der HU Berlin; 1959 Prom.; 1964 Habil.; Dir. des Inst. für Geodynamik der Erde der DAW in Jena; 1971 Korr. Mitgl. der AdW; Dir. des ZI für Physik der Erde der AdW in Potsdam; 1973 – 84 Ltr. des Forschungsber. Kosm. Physik bzw. Geo- u. Kosmoswiss. der AdW; DDR-Vertreter im wiss. Beirat Interkosmos, ab 1974 zeitw. Vors.; DDR-Vertreter im Rat des Internat. Seismolog. Zentrums in Edinburgh; 1974 Ord. Mitgl. der AdW; 1975 NP; 1984 – 88 Vizepräs. der AdW (Nachf. von  Heinrich Scheel); 1985 Vizepräs. der Internat. Ges. für Hochdruckphysik; ab 1988 Dir. der AdW-Forschungsstelle für Hochdruckforschung in Potsdam; 1992 Vorruhestand. Arbeitsgebiete: Physik der Erde, Probleme der Seismol. u. Fernerkundung der Erde; beteiligt am RGW-Interkosmos-Programm.Annette Vogt

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stoecker, Walter

* 9.4.1891 – ✝ 10.3.1939

Geboren am 9. April 1891 in Köln, Sohn eines Ingenieurs; besuchte die Realschule, anschließend Lehre als Handlungsgehilfe. 1908 Mitglied der SPD, 1910 Volontär, dann Redakteur an SPD-Zeitungen in Kiel und Köln. 1912/13 Studium der Geschichte und Volkswirtschaft in Berlin, Leipzig und Zürich, dann Leiter der sozialistischen Studentenorganisation in Köln und Berichterstatter sozialdemokratischer Zeitungen. Von Februar 1915 bis November 1918 Soldat. 1917 Übertritt zur USPD, führend im Aktionsausschuß der Soldatenräte während der Novemberrevolution in Köln. Von Dezember 1918 bis Juni 1919 Redakteur am USPD-Organ »Volkstribüne« in Elberfeld, Stadtverordneter in Köln. Für die USPD 1919 in die Verfassunggebende Preußische Nationalversammlung gewählt, war Delegierter der USPD-Parteitage vom März und Oktober 1919. Stoecker wurde im Juni 1919 zum Sekretär der USPD-Zentralleitung nach Berlin berufen. Im Juni 1920 zog er als Abgeordneter der USPD im Wahlkreis Düsseldorf-West in den Reichstag ein. In der USPD war Stoecker neben Ernst Däumig und Wilhelm Koenen die treibende Kraft für den Anschluß an die III. Internationale. Als einer der Führer des linken Flügels war Stoecker auch auf dem Spaltungsparteitag in Halle und wurde Mitglied des ZK der linken USPD, nach der Vereinigung in die Zentrale der VKPD gewählt, einer der sechs Sekretäre der Leitung. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 nicht mehr in die Parteispitze entsandt, blieb aber als Reichstagsabgeordneter wichtiger Funktionär. Der VIII. Parteitag 1923 berief Stoecker wieder in die Zentrale und im gleichen Jahr zum Polleiter des Oberbezirks West (Nordrhein-Westfalen), mit Sitz in Köln. Aktiv an den Vorbereitungen des geplanten Oktoberaufstandes 1923 beteiligt, war er 1924 einer der Führer der Mittelgruppe und bis zum IX. Parteitag 1924 Mitglied im Polbüro, dann nicht mehr in die Zentrale gewählt, zog er aber im Mai 1924 wieder in den Reichstag ein. Nach Auflösung des Parlaments im Oktober 1924 polizeilich gesucht (Steckbrief: »1,60-1,65 groß, blondes Haar, englischer Bart, spitzes Kinn«). Durch seine Wiederwahl im Dezember 1924 erlangte er erneut Immunität und übernahm den Vorsitz der kommunistischen Reichstagsfraktion. Er gehörte dem Parlament bis Juli 1932 an und gab mit Wilhelm Pieck das Mitteilungsblatt der kommunistischen Fraktion »Der Rote Wähler« heraus. Nach dem »Offenen Brief« 1925 wieder stärker zur aktiven Parteiarbeit herangezogen, berief ihn der XI. Parteitag 1927 ins ZK der KPD. Während der Wittorf-Affäre stimmte er gegen Ernst Thälmann, schwenkte aber mit der Mehrheit des ZK rasch um, dann auch vom XII. Parteitag 1929 abermals ins ZK gewählt. Stoecker leitete ab 1928 den von ihm mitgegründeten Internationalen Bund der Freunde der Sowjetunion. 1932 in den Hintergrund gedrängt, saß er auch in keinem Parlament mehr, wirkte aber als KI-Instrukteur u. a. längere Zeit in Spanien und reiste als Vorsitzender des Bundes der Freunde der Sowjetunion Ende August 1932 zum Antikriegskongreß nach Amsterdam. Stoecker nahm am 7. Februar 1933 noch an der Tagung der KPD-Führung in Ziegenhals bei Berlin teil. In der Nacht des Reichstagsbrandes festgenommen, kam er in die KZs Sonnenburg und Lichtenburg, im August 1937 nach Buchenwald. Dort starb Walter Stoecker, erkrankt durch schwere Arbeit im Steinbruch, am 10. März 1939 an den Folgen von Impfungen durch den berüchtigten SS-Lagerarzt Dr. Ding. Seine Familie war nach England emigriert, seine Frau Elfriede, geb. Bayley (* 5. 1. 1897), lebte später in Ost-Berlin, wo sie am 3. August 1966 starb. Der Sohn Helmuth Stoecker (* 22. 11. 1920 – † 5. 9. 1994) war seit 1933 zusammen mit der Schwester Helga (* 9. 9. 1924 – † 3. 1. 1981) in Großbritannien, dort 1939 Mitbegründer der FDJ-GB, 1939/40 Studium der Geschichte an der Universität Bristol, dann Land- und Fabrikarbeiter. 1947 Rückkehr nach Berlin, bis 1950 Studium in Leipzig, wurde Helmuth Stoecker Historiker, Professor an der HU Berlin, 1986 Emeritierung. 1970 veröffentlichte er eine Biographie über Walter Stoeckers Frühzeit bis 1920.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinicke, Johannes (Hans)

* 5.2.1906 – ✝ 11.2.1962

(* 1906 – † 1962) Geboren am 5. Februar 1906 in Bartenstein/ Ostpreußen, Sohn des Kantinenpächters Moritz Steinicke, der im Februar 1919 von Freikorpstruppen in Gelsenkirchen erschossen wurde. Elektroschweißer, Mitglied der KPD, 1928 wegen »trotzkistischer Bestrebungen« aus der KPD ausgeschlossen, wurde Mitglied der Berliner Leitung des Leninbundes. Nach 1933 im Widerstand gegen das NS-Regime, gehörte der illegalen Reichsleitung des Leninbundes an. Zur Tarnung hatte er am 1. April 1933 seine Aufnahme in die NSDAP beantragt, die das NSDAP-Kreisgericht ablehnte. Erstmals am 1.August 1939 wegen Verdachts der Sabotage verhaftet, im November freigelassen, dann am 13. Dezember 1941 in der elsässischen Stadt Colmar erneut festgenommen. Er saß bis April 1945 in verschiedenen KZs, u.a. in Natzweiler/Elsaß und Dachau, zuletzt in einem SS- Speziallager in Kempten/Allgäu. Im Juni 1945 Rückkehr nach Berlin, arbeitsunfähig, er erhielt eine Rente. Anfang 1946 Aufnahme in die KPD, blieb aber bei seiner kritischen Haltung gegenüber der KPD/SED und wurde schon im August 1946 aus der SED ausgeschlossen. Steinicke organisierte oppositionelle Kommunisten in einer antistalinistischen Gruppe und äußerte weiter öffentlich Kritik an der SED und der sowjetischen Besatzungsmacht. Am 1. Mai 1947 wurde er beim Verteilen von antistalinistischen Flugblättern auf der Kundgebung im Berliner Lustgarten vom NKWD festgenommen. Nach Untersuchungshaft in Bautzen und Halle verurteilte ihn im September 1947 ein sowjetisches Militärtribunal zu 25 Jahren Lagerhaft in Sibirien. Ende 1953 amnestiert, kehrte er schwerkrank nach Deutschland zurück. Johannes Steinicke starb am 11.Februar 1962 in West-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinitz, Wilhelm

* 13.6.1890 – ✝ 15.12.1937

Geboren am 13. Juni 1890 in Graudenz/Westpreußen; Buchbinder, seit 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD, Funktionär des AM-Apparates und des RFB, 1924/25 Mitglied der Leitung (Kassierer) des RFB Gau Mittelrhein. 1926/27 Literaturobmann des IAH-Landesvorstands Mittelrhein und 1929/30 Polleiter des RFB in Köln. 1931/32 gehörte Steinitz der Führung des AM-Apparats der BL Mittelrhein an. Er emigrierte im Mai 1933 in die Sowjetunion, arbeitete in Moskau als Fräser im Werk Nr. 46 des Volkskommissariats für Verteidigungsindustrie. Am 20. Juli 1937 wurde er vom NKWD festgenommen, der »Leitung einer terroristischen Spionage- und Diversionsgruppe« beschuldigt und am 30. November 1937 zum Tode verurteilt. Wilhelm Steinitz wurde am 15. Dezember 1937 in Butowo erschossen.

Wer war wer in DDR

Stempel, Günter

* 17.11.1908 – ✝ 22.10.1981

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Arzt; nach dem Abitur Jurastudium in Breslau, 1933 Referendarsexamen; Ausbild. u. Prom. scheiterten anschl. an der Weigerung, Mitgl. der NSDAP zu werden; 1933 – 39 Mitarb. einer Berliner Rechtsanwaltspraxis; 1939 – 45 Syndikus eines kriegswichtigen Betriebs, deshalb u.k. gestellt. 1945 LDPD; ab Sept. Sekr. für Org., 1948 – 50 Gen.-Sekr.; 1948 – 50 Mitgl. des Dt. Volksrats bzw. der Prov. Volkskammer; 8.8.1950 verhaftet u. am 7.1.1952 von einem sowj. Militärtribunal wegen »Agenten- u. Spionagetätigkeit« zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt; April 1956 in der UdSSR entlassen, anschl. bis etwa 1970 Verw.-Angest. in Berlin (West); gest. in Celle.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stephan, Manfred

* 1.5.1928

Geb. in Leipzig; Schauspielschule in Leipzig; erste Auftritte in Leipzig, Quedlinburg, später Senftenberg, Freiberg, Zwickau, Frankfurt (Oder); daneben bereits Auftritte als Conférencier; während des Zwickauer Engagements (1954 – 61) Mitarbeit im Kabarett »Leipziger Pfeffermühle«, war seitdem dort tätig; bes. bekannt mit Standardnummern wie den »Straßenbauarbeitern« (mit  Hanskarl Hoerning), Hauptrolle im Kabarettstück »Bürger, schützt Eure Anlagen oder Wem die Mütze paßt« von Wolfgang Schaller/ Peter Ensikat (1981); 1992 altershalber Abschied von den »Pfeffermüllern«.Unterhaltungskunst A – Z. Berlin 1975; Otto, R., Rösler, W.: Kabarettgeschichte. Berlin 1977.Gisela Winkler

Wer war wer in DDR

Stern, Heinz

* 18.5.1921 – ✝ 27.7.1995

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Journalist (Victor Stern); Volksschule; 1932 Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln; 1932 / 33 Rote Jung-Pioniere; 1936 – 39 Emigr. in die ČSR; Humanist. Gymn. in Brünn; 1939 Emigr. in die UdSSR; 1939 – 41 Studium am Moskauer Inst. für Fremdsprachen; 1941 – 45 Arbeit am Institut Nr. 301 in Moskau. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD, 1946 SED u. FDJ; 1945 / 46 Red. im ZK der KPD bzw. SED-PV in Berlin; 1947 – 49 Studium an der Univ. Leipzig (vier Semester Sonderlehrgang); 1949 – 52 Chefred. des FDJ-Zentralorgans »Junge Welt« (Nachf. von  Rudolf Mießner); 1952 / 53 Red., dann stellv. Chefred. der Ztschr. »Friedenspost«; 1953 / 54 Red. der Ztschr. »Freie Welt«; ab 1954 Mitarb. beim SED-Zentralorgan »Neues Deutschland« (ND), zeitw. ND-Korrespondent in der UdSSR, ab 1958 Abt.-Ltr. (Außenpolitik); später Chefreporter für das ND u. für die Ztschr. »Magazin«.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Stern, Leo

* 27.3.1901 – ✝ 2.1.1982

Geb. in Woloka bei Czernowitz (Nordbukowina, Österreich-Ungarn / Ukraine) in einer jüd. Fam.; Vater Bauer u. Gutsverwalter (1901 verst.); Bruder von  Wolf St.; 1913 – 21 Gymnasium in Czernowitz u. Salzburg; 1918 SAJ; 1921 – 25 Studium der Rechtswiss., Nationalökon. u. Geschichte an der Univ. Wien; 1921 – 33 SPÖ; 1925 Prom. mit einer Arbeit über die Grundlagen des Merkantilismus; 1925 – 32 wiss. Ass. bei Max Adler; 1927 – 34 Doz. an VHS in Wien; 1933 – 50 KPÖ; Teiln. an den Februarkämpfen 1934 in Wien, anschl. sechs Mon. KZ; 1935 Emigr. in die ČSR, 1936 in die UdSSR; 1937/38 Teiln. am span. Bürgerkrieg; 1939/40 Mitarb. der Presseabt. des EKKI; 1940 Habil. in Moskau mit einer Arbeit über den Katholizismus der Gegenwart; anschl. Prof. für neuere Gesch. an der Lomossow-Univ. u. am Moskauer Pädagog. Inst.; 1942 – 45 Offz. in der sowj. Armee, Obltn., 1945 – 50 Offz. der SKK in Wien; Ltr. der Abt. Propaganda des ZK der KPÖ; 1946 – 50 Gastprof. an der Univ. Wien u. an der HS für Welthandel in Wien sowie Forschungsauftrag der AdW der UdSSR. 1950 Übersiedl. in die DDR; 1950 – 66 ord. Prof. für neuere Geschichte u. Geschichte der Arbeiterbew. sowie Dir. des Inst. für dt. Geschichte der MLU Halle; 1950 SED; 1952 DDR-Staatsbürgerschaft; 1952 Mitbegr. u. Mithrsg. der »Ztschr. für Geschichtswiss.«; 1951 – 53 Prorektor für ges.-wiss. Grundstudium; 1952 – 60 Mitgl. der SED-BL Halle; 1953 – 59 Rektor der MLU Halle (Nachf. von  Rudolf Agricola); 1955 NP; 1955 Ord. Mitgl. der DAW; hier 1956 Abt.-Ltr. am Inst. für Geschichte; 1959 infolge parteiinterner Konflikte als Rektor der MLU abgesetzt u. 1960 aus der SED-BL ausgeschlossen; 1963 – 68 Vizepräs. (Nachf. von  Wolfgang Steinitz) u. Vors. der Arbeitsgemeinschaft ges.-wiss. Inst. u. Einrichtungen der DAW; 1968 – 81 Dir. der Forschungsstelle für Akad.-Geschichte der AdW; 1955 NP; 1961 Dr. h. c. der MLU Halle; 1965 Dr. h. c. der Univ. Bratislava; 1971 KMO; 1974 Stern der Völkerfreundschaft; 1976 VVO; Ehrensenator der MLU Halle; gest. in Halle. L. S. gilt als einer der bedeutendsten u. wissenschaftspol. einflußreichsten DDR-Hist. der 50er Jahre; er war Teilnehmer u. teilw. Initiator zentr. Projekte v. a. in der Frühphase der DDR-Geschichtswiss. u. zudem verantw. für die Ausarbeitung der ersten Lehrpläne für den Geschichtsunterricht; Autor zahlr. wiss. u. geschichtspropagandist. Arbeiten zur dt. Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart.Archival. Forschungen zur Geschichte der dt. Arbeiterbew. 6 Bde. Berlin 1954 – 70 (Hrsg.). Bibl. In: Die Volksmassen – Gestalter der Geschichte. Fs. Berlin 1962; Grau, C.: L. S. In: Wegbereiter der DDR-Geschichtswiss. Berlin 1989; Biogr. Portrait in: Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Jüd. Kommunisten in der DDR 1945 – 1990. Weimar 2000; Meier, H. (Hrsg.): L. St. (1901 – 1982). Antifaschist, Historiker, Hochschullehrer u. Wissenschaftspolitiker. Berlin 2002.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stern, Manfred

* 20.1.1896 – ✝ 20.2.1954

Geboren als Moses Stern am 20. Januar 1896 in einem Dorf bei Czernowitz/Bukowina, Sohn einer kindereichen, verarmten kleinbäuerlichen Familie. Er studierte Medizin an der Universität Wien, diente ab 1914 als Freiwilliger in der österreichisch-ungarischen Armee und geriet 1916 in russische Kriegsgefangenschaft. Hier schloß er sich den Bolschewiki an, nahm als Kommissar einer Partisaneneinheit am Bürgerkrieg teil und wurde Stabschef von Truppenteilen der fernöstlichen Roten Armee. Unter dem Parteinamen Fred veröffentlichte er u. a. in der »Kommunistischen Internationale« sowie in der »Prawda« Artikel. Er studierte an der Moskauer Militärakademie, war 1923 Militärberater beim Hamburger Aufstand und schulte militärpolitische Kader der KPD. 1925 trat Stern im Komintern-Verfahren gegen Heinrich Brandler, August Thalheimer und Karl Radek auf. Als Parteigänger Stalins beschuldigte er den »Trotzkisten Urbahns«, ( Hugo Urbahns) zusätzlich zur »allgemeinen defätistischen Linie des brandleristischen ZK« der KPD im Jahre 1923 noch »niederträchtiges Streikbrechertum« betrieben zu haben. Er denunzierte die »Radek-Clique«, sie habe technisch-finanziell der KPD-Opposition geholfen. Am 7. November 1927 überfiel Stern mit anderen Stalinisten die Wohnung des Trotzkisten Iwan Smilgas, um diesen und weitere Anhänger Trotzkis daran zu hindern, nichtstalinistische Parolen zum zehnten Jahrestag der Oktoberrevolution zu verbreiten. Stern war Mitarbeiter der GRU, von 1932 bis 1934 Militärberater der illegalen KP Chinas, anschließend im Komintern-Apparat tätig. 1936 unter dem Namen Emilio Kleber Militärberater der KP Spaniens. Als Kommandeur der XI., später der XII. Internationalen Brigade wurde er als »Retter von Madrid« populär, hatte aber mit kommunistischen Politikern wie André Marty, Franz Dahlem und Palmiro Togliatti Auseinandersetzungen. Nach Moskau zurückgeschickt, dort ein Jahr Mitarbeiter bei Otto Kuusinen. Obwohl Stern immer »Parteitreue« bewies, wurde er selber als »Trotzkist« verdächtigt, festgenommen und »gestand« bei NKWD-Verhören und Folterungen wie üblich alles, was verlangt wurde. Vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR im Mai 1939 zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt, erhielt Stern im November 1945 zusätzlich zehn Jahre Arbeitslager, die er im Gulag Kolyma verbrachte. In mehreren Eingaben, u. a. im Januar 1952 an Stalin, suchte er um seine Rehabilitierung nach. Manfred Stern starb am 20. Februar 1954 an den unmenschlichen Bedingungen im Gulag. Zwar im August 1956 juristisch »rehabilitiert«, wurde er noch jahrzehntelang totgeschwiegen. 2000 kam eine ausführliche Arbeit des Moskauer Historikers Waleri Brun-Zechowoj heraus: »Manfred Stern – General Kleber. Die tragische Biographie eines Berufsrevolutionärs (1896-1954)«. Sterns Brüder Wolf (* 15. 12. 1897 – † 16. 9. 1961) und Leo (* 27. 3. 1901 – † 2. 1. 1982) waren wie er aktiv in der kommunistischen Bewegung. Wolf Stern war Redakteur in Wien, Mitarbeiter der GRU 1936 in Spanien. Anfang 1939 wieder in Moskau, von 1941 bis 1950 im sowjetischen Innenministerium für das Kriegsgefangenenwesen tätig. Ab September 1956 in der DDR, Oberst der NVA, 1958 Leiter des Instituts für Deutsche Militärgeschichte in Potsdam. Leo Stern promovierte 1925 zum Dr. rer. pol., bis 1934 wissenschaftlicher Assistent bei Professor Max Adler in Wien, seit 1933 Mitglied der KPÖ. 1937/38 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, kam 1945 als Oberst und Chefdolmetscher von Sowjet-Marschall Tolbuchin nach Wien. Seit 1950 in der DDR, bis 1959 Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, von 1963 bis 1968 Vizepräsident der AdW der DDR, bis 1981 Direktor der Forschungsstelle der AdW.

Wer war wer in DDR

Steudner, Hermann

* 9.5.1896 – ✝ 13.7.1986

Geb. in Arnstadt; Volksschule; Ausbildung zum Tischler; Wanderjahre in Österreich u. Ungarn; 1914 – 18 Soldat; danach Möbeltischler; 1919 USPD; dann KPD; 1923 Entlassung wegen pol. Arbeit; selbst. bis 1930; dann arbeitslos; Juli – Sept. 1932 MdL Thür.; 1932 – 36 mehrere Verhaftungen, Gefängnis, KZ; danach Tischler; 1944 Gestapohaft u. KZ Buchenwald. 1945 KPD; 1945 – 50 OB von Arnstadt; dann Invalidenrentner; 1.3.1952 Einstellung beim MfS, 1. Sekr. der SED-Parteiltg. der Länderverw. Thür.; Dez. 1953 1. Sekr. der SED-KL im Staatssekr. für Staatssicherheit Berlin; 1954 Oberst-Ltn.; April 1956 Versetzung als Ref.-Ltr. zur HA III; Ende 1956 Entlassung; Ruhestand.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stibi, Georg

* 25.7.1901 – ✝ 30.5.1982

Geboren am 25. Juli 1901 in Mark-Rettenbach bei Memmingen, Sohn eines Schuhmachers; arbeitete als Hirte und Landarbeiter. 1919 ungelernter Arbeiter in der Holzindustrie, Eintritt in die USPD. Im Frühjahr 1919 in der Münchner Räterepublik aktiv, Ende 1920 Mitglied der KPD, wieder ausgeschieden, war 1922 zeitweise in der freigeistigen Monistischen Jugend. Er kam im Dezember 1922 erneut zur KPD. Ab Juli 1926 Lokalredakteur, dann politischer Redakteur, ab Mitte 1929 Chefredakteur des Düsseldorfer KPD-Organs »Freiheit«. Am 1. Februar 1930 festgenommen und im August desselben Jahres wegen »Hoch- und Landesverrats« – er hatte Artikel über die geheime Wiederaufrüstung veröffentlicht – vom Reichsgericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Danach im Juli 1932 Redakteur der Bremer »Arbeiterzeitung«, im Oktober 1932 kam Stibi als Korrespondent der »Roten Fahne« in die Sowjetunion, nach 1933 Redakteur bei Radio Moskau. Von Juli 1937 bis Januar 1939 bei den Internationalen Brigaden in Spanien, in Frankreich interniert, gelang ihm 1941 mit anderen deutschen Emigranten die Ausreise nach Mexiko, dort 1942 Sekretär der Bewegung Freies Deutschland und ab 1943 Leiter einer Kunstgalerie in Mexiko-City. Da er politische und persönliche Differenzen mit Paul Merker hatte, wurde er auf dessen Weisung im Januar 1943 aus der KPD ausgeschlossen. Im Juli 1946 kam Stibi nach Deutschland, hier am 1.Juli 1949 als Nachfolger Rudolf Herrnstadts Chefredakteur der »Berliner Zeitung«, 1950 Chefredakteur der »Sächsischen Zeitung« in Dresden, 1953/54 der »Leipziger Volkszeitung« und 1955/56 von »Neues Deutschland«. Im März 1957 Botschafter der DDR in Rumänien, 1958 in der ?CSSR und von 1971 bis 1973 einer der Stellvertreter des DDR-Außenministers Otto Winzer. Sein Parteiausschluß in Mexiko wurde im März 1949 durch einen Politbürobeschluß aufgehoben, er erhielt 1966 den Karl-Marx-Orden. Georg Stibi starb am 30. Mai 1982 in Ost-Berlin. Seine Frau Henny Stibi, geborene Piepenstock (*26. 1. 1902 – † 25. 11. 1982), 1924 Mitglied der KPD, ging 1932 mit ihrem Mann nach Moskau, dort Referentin für deutsche Sendungen beim Rundfunk. Ab 1936 in Frankreich, Sekretärin der Kaderabteilung des KPD-Auslandssekretariats. 1939 interniert, im Oktober 1941 mit ihrem Mann nach Mexiko emigriert. Nach 1946 zeitweise bei ADN in Ost-Berlin beschäftigt.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stiehler, Gottfried

* 23.7.1924 – ✝ 3.12.2007

Geb. in Langebrück (b. Dresden); Realgymnasium; 1943 – 45 Kriegsteiln. als Gefr. der Wehrmacht; 1945/46 sowj. Gefangenschaft. 1946 SED; zunächst Grundschullehrer, dann FS-Doz. für Ges.-Wiss.; 1952 – 54 Studium der Philos. an der HU Berlin; 1956 Prom. zum Dr. phil. mit der Arbeit »Gabriel Wagner, ein materialist. Philosoph u. dt. Patriot« an der EMAU Greifswald; 1964 Habil. mit einer Arbeit zur Dialektik in Hegels »Phänomenol. des Geistes« (Veröff. Berlin 1964) an der MLU Halle; 1955/56 Ref. für Philos. im Staatssekr. für Hochschulwesen der DDR; anschl. Assistent bzw. Oberassistent am Inst. für Philos. der HU Berlin; 1961 dort Doz. u. ab 1965 Prof. für Geschichte der Philos.; 1972 – 88 zugl. Vors. des Wiss. Beirats für Philos. beim Min. für HFS-Wesen, verantw. für Beratung u. Verabschiedung aller Studienpläne für Philosophiestudenten in der DDR; 1973 NP; ab 1980 Mitgl. des Red.-Kolleg. der »Dt. Ztschr. für Philos.«; 1981 Ltr. des Bereichs Hist. Materialismus u. Forschungsdir. an der Sekt. Marxist.-Leninist. Philos. der HU Berlin; 1989 Ehrenprom. an der FSU Jena; Em.; gest. in Berlin Hauptsächl. Arbeitsgebiete: Geschichte der Philos., insbes. Materialismus in Dtl. u. Dt. Idealismus, materialist. Dialektik, marxist. Gesellschaftstheorie.Der dial. Widerspruch. Berlin 1966; Der Idealismus von Kant bis Hegel. Berlin 1970; Ges. u. Geschichte. Berlin 1974; Dialektik u. Ges. Berlin 1981; Werden und Sein. Philosoph. Untersuchungen zur Ges. Köln 1997.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Stiller, Werner

* 24.8.1947 – ✝ 20.12.2016

Geb. in Weßmar (Krs. Merseburg); Mutter Landarbeiterin; 1966 Abitur; 1966 – 71 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Phys.; 1967 SED; 1970 Werbung als IM des MfS; 1971 Mitarb. der Physikal. Ges. der DDR; 1972 Einstellung beim MfS, HV A, Sektor Wiss. u. Technik; 1976 Obltn.; Spionage für den BND; 1979 Übertritt in die Bundesrep. Dtl.; 1980 USA; mit neuer Identität 1981 Studium an der Washington University of St. Louis, Master of Business Administration; dann Tätigkeit als Börsenmakler in New York; 1983 London. 1990 Frankfurt (Main); 1993 Immobilienhändler in Leipzig; danach unter neuem Namen in Budapest tätig; gest. in Budapest.Im Zentrum der Spionage. Mainz 1986; Der Agent. Mein Leben in drei Geheimdiensten. Berlin 2010. Glocke, N., Stiller, E.: Verratene Kinder. Berlin 2003.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Stolpe, Manfred

* 16.5.1936

Geb. in Stettin-Hökendorf (Klęskowo, Polen); Vater Kfm. u. Kirchenangest., Mutter Postbeamtin; 1955 Abitur in Greifswald; 1955 – 59 Jurastudium in Jena, 1956/57 Exmatrikulationsverfahren, mangels Beweises eingestellt; Okt. 1959 – 62 Vorbereitungsdienst für die höhere kirchl. Verw.-Laufbahn der Ev. Kirche der Union (EKU), Abschl. mit der Hausarbeit »Die Grundlagen des Verhältnisses zw. Staat u. Kirche der DDR«; ab 7.2.1962 Konsistorialreferendar, Mitarb. von Bischof  Friedrich-Wilhelm Krummacher; ab 7.8.1962 Konsistorialassessor in der kirchl. Verw. der EKD; 1963 – 66 persönl. Ref. des Gen.-Superintendenten  Günter Jacob; ab 1.7.1963 Kirchenbeamter auf Lebenszeit; ab 1.11.1964 Konsistorialrat; ab 1966 Ref. des Ev. Konsistoriums Berlin-Brandenb. u. bis 1.2.1968 Ltr. der Geschäftsstelle der Konferenz der Ev. Kirchenltg. in der DDR, maßgebl. beteiligt an der Gründung (1969) u. Profilierung des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR (BEK); 1.7.1969 Oberkonsistorialrat; ab 1.10.1969 Ltr. des Sekr. des BEK u. bis 1.1.1970 Dezernent des Konsistoriums für Seelsorge an Wehrpflichtigen, Jugendarbeit u. Friedenszeugnis; 1970 – 89 vom MfS als IM »Sekretär« erf.; 1976 Mitarb. in der Menschenrechtskommission des Weltkirchenrats; 1978 Verdienstmedaille der DDR; ab 1.1.1982 Konsistorialpräs. des Ev. Konsistoriums Berlin-Brandenb.; ab 23.10. 1990 im Wartestand u. stellv. Vors. des BEK; 1989 Dr. h. c. (EMAU Greifswald); seit 7.7. 1990 SPD. Seit Okt. 1990 MdL, 1.11.1990 – 26.6.2002 Min.-Präs. des Landes Brandenb.; 1991 Carlo-Schmid-Preis; Mai 1991 – 2002 Mitgl. des SPD-PV; 1992 Ritter des Goldenen Humors; 1992 – 94 Untersuchung der Kontakte M. S.s zu Staatsapparat, SED u. MfS durch einen Untersuchungsaussch. des Brandenb. Landtags, trotz Feststellung bewußter u. konsp. Kontakte zum MfS Entlastung durch den Abschlußbericht mit der Begründung, M. S. habe die Interessen der ev. Kirchen vertreten, abweichende Voten der Fraktion Bündnis 90, CDU u. PDS; seit Febr. 1996 Vors. des Forums »Ostdtl.« der Sozialdemokratie; 2002 »Goldene Henne«; 22.10.2002 – 18.10.2005 Bundesminister für Verkehr, Bau- u. Wohnungswesen (Nachf. von Kurt Bodewig); 2006 Verdienstorden des Landes Brandenb.Schwieriger Aufbruch. Berlin 1992; Sieben Jahre, sieben Brücken. Berlin 1997. Reuth, R. G.: IM »Sekretär«. Berlin 1992; Gries, S. (Hrsg.): M. S. in Selbstzeugnissen. Frankfurt (Main) 1993; Neubert, E.: Untersuchung zu den Vorwürfen gegen den Min.-Präs. des Landes Brandenb. Dr. M. S. vom 27.8.1993. Potsdam 1994; Zarneckow, R.: Bericht des Untersuchungsaussch., 3 Bde. Potsdam 1994; Findeis, H., Pollack, D. (Hrsg.): Selbstbewahrung u. Selbstverlust. Berlin 1999.Helmut Müller-Enbergs