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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thalheimer, Bertha

* 17.3.1883 – ✝ 23.4.1959

Geboren am 17. März 1883 in Affaltrach/ Württemberg, Tochter des jüdischen Kaufmanns Moritz Thalheimer, Schwester von August Thalheimer. Nach Absolvierung eines Realgymnasiums für Knaben in Cannstatt studierte sie Nationalökonomie in Berlin. Als Mitglied der SPD trat sie aus der jüdischen Gemeinde aus und stand auf dem linken Flügel, war befreundet mit Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Franz und Eva Mehring, und hatte zu ihrem Bruder zeitlebens ein enges politisches Verhältnis. Mitarbeiterin an der von Clara Zetkin redigierten Frauenzeitschrift »Gleichheit« und an der Göppinger »Freien Volkszeitung«. Vor 1914 bereits Mitglied des SPD-Landesvorstandes, gehörte sie zur Linken um Friedrich Westmeyer, dann zur Spartakusgruppe. Als Vertreterin dieser Gruppe nahm Bertha Thalheimer mit Ernst Meyer im September 1915 und im April 1916 an den Konferenzen der Kriegsgegner im Schweizer Zimmerwald und Kienthal teil, ebenso an der 1.Spartakuskonferenz im Januar 1916 in Berlin, die sie organisatorisch vorbereitet hatte. Mit Lenin trat sie auf den Schweizer Tagungen für die Gründung einer neuen Internationale ein und wurde Mitglied des ständigen Ausschusses der Zimmerwalder Bewegung. Bertha und ihre Schwägerin Cläre Thalheimer waren enge Mitarbeiterinnen von Leo Jogiches. 1917 wegen antimilitaristischer Tätigkeit festgenommen und wegen Hochverrats in Stuttgart zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie bis zur Novemberrevolution in Delitzsch verbüßte. Ende 1918 nahm sie am Gründungsparteitag der KPD in Berlin teil und leitete in deren Zentrale die Frauenarbeit. Bertha Thalheimer hat 1920 den Mechaniker Karl Wilhelm Schöttle geheiratet, ihre Ehe wurde 1933 geschieden. 1925 war sie Mitbegründerin des RFMB, wurde Anfang 1929 aus der KPD ausgeschlossen und arbeitete bis 1933 aktiv in der KPO. Nach 1933 als Kommunistin und Jüdin gefährdet; zwar von Freunden unterstützt, mußte sie ihren Lebensunterhalt durch Hausverkauf von Kaffee verdienen. 1941 in einem »Judenhaus« interniert, wurde sie 1943 ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort 1945 von der Roten Armee befreit, kehrte Bertha Thalheimer nach Stuttgart zurück, trat zunächst der KPD bei, die sie 1948 wieder verließ. Sie unterstützte die Gruppe Arbeiterpolitik, zeichnete ab 1952 für deren Zeitschrift verantwortlich. Lange, aber vergeblich bemühte sie sich um ein Einreisevisum für ihren Bruder August. Bertha Schöttle-Thalheimer starb am 23. April 1959 in Stuttgart.

Wer war wer in DDR

Theek, Peter

* 28.10.1924 – ✝ 3.10.2002

Geb. in Berlin; Vater Jugendfürsorger; Volksschule, Realgymnasium; 1942 RAD; NSDAP; 1943 Wehrmacht, Ltn.; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 Mitarb. der Abt. Jugendgerichtshilfe in Berlin-Reinickendorf; Mitgl. im antifa. Jugendaussch.; 1946 KPD/SED; 1946 – 48 Jura- u. Philosophiestudium an der HU Berlin; zugl. Chefred. der Jugendztschr. »Junges Leben« (frz. Sektor); 1949 – 55 Red. u. Reporter am Berliner Rundfunk u. bei der Ztg. »Tägl. Rundschau«; 1955 – 57 stellv. Chefred. der Ztg. »BZ am Abend«; 1958/59 Chefred. beim DFF; 1959 – 71 stellv. Chefred. der SEW-Ztg. »Die Wahrheit« (West-Berlin); 1971 – 90 Chefred. der »Weltbühne« (Nachf. von  Hermann Budzislawski); seit Ende der 70er Jahre Mitgl. des Präs. des Friedensrats der DDR; 1990 Ruhestand; gest. in Alcúdia auf Mallorca.Die große Fahrt. Berlin 1954; Willi u. die Nachtgespenster. Berlin 1963; weitere Kinderbücher.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thesen, Matthias

* 29.4.1891 – ✝ 11.10.1944

Geboren am 29. April 1891 in Ehrang bei Trier, Sohn einer katholischen Arbeiterfamilie; lernte Dreher. 1910 wurde er Mitglied der SPD. Während des Krieges Soldat, trat er 1917 zur USPD über. Danach übersiedelte er ins Ruhrgebiet und war in verschiedenen Großbetrieben beschäftigt. Mit dem linken Flügel der USPD kam Thesen 1920 zur KPD. Ab 1924 hauptamtlicher UB-Sekretär in Duisburg-Hamborn, von 1924 bis 1928 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Hamborn. Im Mai 1928 zog Thesen im Wahlkreis Düsseldorf-West, im Juli 1932 im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Reichstag ein, dessen Abgeordneter er bis 1933 blieb. 1929 übernahm er die Leitung des UB Bochum und später des UB Essen. In der illegalen KPD 1933 Oberberater für den Bezirk Wasserkante. Am 14.September 1933 in Hamburg festgenommen, gefoltert, und am 26. Februar 1935 zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Als er nach der Haftzeit in Oslebshausen/Bremen und Brandenburg erklärte, daß er seine Weltanschauung nicht geändert habe, wurde er im April 1937 ins KZ gebracht, zuerst nach Papenburg, dann nach Sachsenhausen. Im Mai 1939 verurteilte ihn das Hanseatische OLG nochmals zu vier Jahren Zuchthaus, nach deren Verbüßung in Vechta und Hamburg-Fuhlsbüttel kam er wieder ins KZ Sachsenhausen. Zusammen mit 26 anderen Häftlingen, darunter Ernst Schneller und Augustin Sandtner, wurde Matthias Thesen am 11. Oktober 1944 von der SS erschossen.

Wer war wer in DDR

Thiele, Siegfried

* 28.3.1934

Geb. in Chemnitz; Vater Handwerker; 1952 Abitur; 1953 – 58 Studium der Fächer Komposition u. Dirigieren an der HS für Musik in Leipzig; 1958 – 62 Musiklehrer in Radeberg u. Wurzen; 1960 – 62 Mstr.-Schüler der DAK; 1962 Oberassistent für Musiktheorie u. Beginn der Lehrtätigkeit an der Leipziger HS für Musik »Felix Mendelssohn Bartholdy«, 1971 – 99 dort Doz., ab 1984 Prof. für Kompos.; 1963 – 78 Ltr. des Leipziger Jugendsinfonieorchester; 1979 Kunstpreis der Stadt Leipzig; 1983 Kunstpreis der DDR; schuf zwei Sinfonien u. Werke der Orchester- u. Kammermusik, sein Auftragswerk »Gesänge an die Sonne« kam 1981 zur Eröffnung des Neuen Gewandhauses zu Leipzig zur Aufführung. 1990 – 91 Mitgl. der AdK; 1990 – 97 Rektor der HS für Musik u. Theater Leipzig; seit 1992 Mitgl. der Freien AdK zu Leipzig u. seit 1996 der Sächs. AdK Dresden; 1999 em.; 2002 Verdienstorden des Freistaats Sachsen; lebt in Leipzig. Sek.-Lit.: Kneipel, E.: S. T. für Sie porträtiert. Leipzig 1990; Prof. S. T. zum 70. Geb. In: Journal (HS für Musik u. Theater Leipzig) (2004) 17.Bruckner u. die Musik des 20. Jh. In: Neue Ztschr. für Musik. Mainz 1978; Intention u. Methode einer Bearbeitung. Zur Einrichtung von Bachs Kunst der Fuge. Bulletin des Musikrates der DDR. Berlin 1985.Christiane Niklew / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Thielmann, Klaus

* 29.10.1933

Geb. in Pulsnitz (Krs. Kamenz) in einer Arztfamilie; Grund- u. Oberschule, 1952 Abitur; 1950 Mitgl. der Domowina; 1952 – 57 Studium der Med. an der Univ. bzw. KMU Leipzig u. der Med. Akad. Erfurt, 1957 Prom.; anschl. Assistenzarzt am Bezirkskrankenhaus in Stralsund; 1958 – 59 Schiffsarzt der DSR; 1959 – 63 wiss. Ass. an der EMAU Greifswald u. der FSU Jena, 1964 Habil.; 1963 – 65 Oberarzt an der Universitätsklinik Jena; 1965 – 73 Doz. an der FSU; 1968 – 71 Gastprof. in Havanna; 1974 ord. Prof., 1976 – 82 Prorektor für Naturwiss. u. med. Forschung an der Med. Akad. Erfurt; 1978 SED; 1982 – 89 Stellv. des Ministers für Hoch- u. Fachschulwesen; Jan. 1989 – März 1990 Minister für Gesundheitswesen (Nachf. von  Ludwig Mecklinger); 1990 / 91 ord. Prof. am Inst. für Pathologie der Med. Fak. (Charité) der HU zu Berlin. 1992 – 94 im Auftrag der Europ. Bank für Wiederaufbau u. Entw. (EBRD, London) Managementberater an der Internat. Finanz- u. Bankschule in Moskau; 1994 – 97 in gleicher Mission am Regionalen Banktrainingszentrum für die zentralasiat. Region Usbekistan, Kirgistan u. Tadschikistan in Taschkent; 1998 – 2001 Ltr. eines EU-Projekts zur Unterstützung der Führung u. Ltg. des russ. Gesundheitswesens (Tacis-Projekt »Support to Health Care Management in the Russian Federation«) in Moskau; 2001 – 2004 beteiligt an der Durchführung mehrerer internat. Projekte zur Reformierung des russ. Gesundheitswesens.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Thierse, Wolfgang

* 22.10.1943

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Rechtsanwalt, CDU-Krs.-Tagsabg.; Abitur; FDJ; Ausbildung zum Schriftsetzer beim »Thür. Tageblatt« in Weimar; ab 1964 Studium der Kulturwiss. u. Germanistik an der HU Berlin; Mitgl. der kath. Studentengemeinde; bis 1975 Assistent von  Wolfgang Heise an der Sekt. Kulturtheorie / Ästhetik der HU; seit Sept. 1975 Mitarb. der Abt. Bildende Kunst des Min. für Kultur, befaßt mit architekturbezogener Kunst, 1976 Entlassung nach Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; Jan. 1977 – 90 wiss. Mitarb. im ZI für Lit.-Geschichte der AdW, Arbeit zur »Krise des Werkbegriffs«; Mitarb. am »Hist. Wörterbuch ästhet. Grundbegriffe«; Anf. Okt. 1989 Neues Forum; ab Jan. 1990 Mitgl. der SPD (DDR), Vors. des Bez.-Parteirats in Berlin, Juni – Sept. Parteivors.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, stellv. Vors., Aug. – Okt. Vors. der SPD-Fraktion; Mitgl. im Kultur- u. Medienaussch.; seit Sept. 1990 mit Vereinigung von SPD u. SPD (Ost) stellv. Vors. der SPD. Seit Okt. 1990 Abg. des Dt. Bundestags, bis Okt. 1998 stellv. Vors. der SPD-Fraktion; 1990 – 2005 Stellv. SPD-Vors.; Okt. 1998 – Okt. 2005 Präs. des Dt. Bundestags (Nachf. von Rita Süßmuth); 2001 Ignatz-Bubis-Preis; Okt. 2005 Vizepräs. des Bundestags; lebt in Berlin.Künstl. Avantgarde. Berlin 1979 (zus. mit D. Schlenstedt u. K. Barck); Mit eigener Stimme sprechen. München 1992; Ein Manifest. Weil das Land sich ändern muß. Reinbek 1992 (Mitautor); Vor dem Aufschwung steht die Wahrheit. Bonn 1992; Ist die Pol. noch zu retten? Berlin 1996 (Hrsg.); Zukunft Ost. Perspektiven für Ostdtl. in der Mitte Europas. Berlin 2001. Grundwerte für eine gerechte Weltordnung. Frankfurt (Main) 2003. Elitz, E.: Sie waren dabei. Stuttgart 1991; Pforte, D. (Red.): Reden zum Moses-Mendelssohn-Preis 1992. Berlin 1992; Rieker, A. u. a.: Laienspieler. Leipzig 1992; Sommerfeld, F. (Hrsg.): Der Montagsmann. In: Pioniere im neuen Dtl. Reinbek 1993.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Thinius, Kurt

* 27.1.1903 – ✝ 6.7.1994

Geb. in Hertneck (Karpaten / Kárpátok, Ungarn); Besuch der Volksschule u. des Realgymnasiums in Dessau, Abitur; Chemiestudium an der Univ. Halle, Dipl.-Chemiker; 1927 Dr. nat.; wiss. Assistent u. Laborltr. in einem chem. Großbetrieb. 1946 LDPD; ab 1945 Vors. des Arbeitskrs. Plastwerkstoffe; Ltr. versch. wiss. Inst. u. Labors, HS-Lehrer u. Autor versch. Standardwerke; seit 1950 Dir. des Inst. für Chemie u. Technol. der Plaste des Min. für Schwerindustrie in Leipzig; 1954 – 58 Abg. der Volkskammer; 1962 Prof. an der Universität Leipzig (später KMU Leipzig); 1966 – 68 Dir. des Inst. für Chemie u. Technol. der Plaste der AdW; 200 Patente als Erfinder oder Miterfinder; seit 1963 Kand., 1972 – 77 Mitgl. des ZV der LDPD.Wiss.-Techn. Fortschrittsberichte auf dem Gebiet der nichthärtbaren Kunststoffe 1942 – 45. Berlin 1950; Hochpolymere. Leipzig 1952; Chemie, Physik u. Technol. der Weichmacher. Leipzig 1960; Stabilisierung u. Alterung von Plastwerkstoffen. Berlin 1969.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thomas, Otto

* 23.1.1886 – ✝ 19.10.1930

Geboren am 23. Januar 1886 in Heisterberg/ Hessen, Sohn eines Kleinbauern; lernte Dreher und arbeitete in einer Drahtstiftfabrik. 1906 Mitglied der SPD, Ende 1910 Gewerkschaftssekretär in Heidelberg, später in München. Dort während des Krieges Kontakt zu Kurt Eisner. Im März 1919 trat Thomas in die KPD ein. Ein Gerichtsverfahren gegen ihn wegen Beteiligung an der Münchner Räterepublik wurde im November 1919 eingestellt. Thomas wurde Redakteur, dann Chefredakteur des KPD-Organs »Neue Zeitung« in München. 1920/21 nahm er Verbindung zu rechtsgerichteten Kreisen auf, vor allem zum »Bund Oberland« und veröffentlichte in der »Neuen Zeitung« im Februar 1921 »nationalbolschewistische« Artikel, von denen sich die KPD offiziell distanzierte. Nach einer Selbstkritik blieb Thomas weiterhin Redakteur, behielt seine Verbindung zu den Rechtskreisen in Deutschland, diese wurden 1923 beim »Schlageter-Kurs« der KPD ausgenutzt. Ab 1924 lebte Thomas, in der KPD als Rechter verfemt, in Moskau. 1926 wurde er Chefredakteur der »Neuen Zeitung« in Jena und Mitglied der BL Thüringen. Seine Artikel wurden im Mai 1926 von linken Parteizeitungen (z. B. der HVZ) als reformistisch angegriffen. In den Parteidiskussionen 1928 gehörte er zu den Versöhnlern und wurde deswegen Anfang 1929 als Chefredakteur abgelöst. Thomas kam nach Berlin an die Zeitung des »Münzenberg-Konzerns« »Berlin am Morgen«, publizierte dort 1930 Artikel, die eine Annäherung von Nationalisten und Kommunisten empfahlen. In Erinnerung an den »Schlageter-Kurs« und die Radek-Rede lautete ein Beitrag »Der Wanderer ins Nichts«. Otto Thomas starb am 19. Oktober 1930. Nicht nur die KPD-Presse widmete ihm Nachrufe. Im »Sächsischen Beobachter«, dem Organ des Strasser-Flügels der Nationalsozialisten, schrieb Mossakowski: »... also stehen auch wir vor seiner Gruft und senken grüßend die Standarte«.

Wer war wer in DDR

Thomasius, Harald

* 5.8.1929

Geb. in Bräunsdorf (b. Chemnitz); Vater Textilarb.; Volksschule; 1944 – 47 Waldarb.- u. Forstlehre, Waldfacharb.; 1948/49 Forst-FS in Tharandt; 1949 SED; bis 1954 Revierförster bzw. Standortkartierer in Sachsen; nach Sonderreifeprüfung 1954 – 59 Studium der Forstwiss. an der TH Dresden; danach Assistent; 1962 Prom. zum Dr. forest. mit einer Arbeit zur quantitativen Standortbewertung mittels Wachstumsfaktoren; 1968 nach Habil. ord. Prof. u. Ltr. des Wissenschaftsber. Waldbau u. Forstschutz an der Sekt. Forstwiss. der TU Dresden in Tharandt; 1978 – 82 Dir. dieser Sekt.; seit 1962 wiederholt als Gastwissenschaftler im europ. u. außereurop. Ausland, u. a. am Internat. Inst. für angewandte Systemanalyse in Laxenburg u. beim Internat. Verb. forstl. Forschungsanstalten tätig; 1975 Wissenschaftspreis der TU Dresden; 1980 – 89 Vors. der Ges. für Natur u. Umwelt beim KB; Bemühungen, unter den Bedingungen der ökonomist. Staatspol. öffentl. Aufmerksamkeit für die Belange des Natur- u. Umweltschutzes zu gewinnen; 1982 Mitgl. des Präs. des KB; 1983 Dr. h. c. der Univ. für Forst- u. Holzwirtschaft Sopron, Ungarn; 1985 Mitgl. des wiss. Rats für Umweltschutz u. Umweltgestaltung der AdW. 1991 Verweigerung der Evaluierung der eigenen wiss. Arbeit; 1992 Aberkennung der Lehrbefugnis durch die TU Dresden, auf eigenen Antrag Abberufung als Prof. u. Bereichsltr.; danach in der GmbH Planungsbüro Steine u. Erden Dresden mit der Umweltbewertung u. Rekultivierung von Bergbaufolgeflächen befaßt; 1994 Altersrentner. Publ. zu Waldbau, Waldökologie sowie umweltwiss. Themen.Landeskultur u. Gesellschaft. 1972 (Hrsg.); Wald- u. Forstökosysteme auf Kippen des Braunkohlenbergbaus in Sachsen. Graupa 1999.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Thorndike, Annelie

* 17.4.1925 – ✝ 26.12.2012

Geb. in Klützow (Krs. Schivelbein, Pommern / Kluczewo, Polen); Vater Schlosser, Mutter Hausfrau; aufgew. bei Stargard in Pommern; Abitur; Stud. an der Päd. HS Hannover, 1944 Examen. 1945 – 48 Lehrerin; 1949 / 50 Schulltr. in Penzlin (Müritzkreis); 1946 SED, KB, DSF; 1947 FDGB; 1951 / 52 Red. im Verlag Volk u. Wissen; ab 1953 für die DEFA als Autorin u. Regisseurin tätig; 1955 Leitungsmitgl. der SED-BPO der DEFA; 1963 – 71 Abg. der Volkskammer; seit 1967 Vorstands- u. ab 1980 Präsidiumsmitgl. des Verb. der Film- u. Fernsehschaff. der DDR; 1973 – 89 Präsidentin des Komitees der Internat. Leipziger Woche für Dokumentar- u. Kurzfilm; drehte seit 1952 mit Ehemann  Andrew Thorndike zahlr. Dokumentarfilme, darunter polit.-propagandist. Dokumentationen wie »Du u. mancher Kamerad« (1955) u. »Das Teutonenschwert« (1958), v. a. der zweiteilige Dokumentarfilm »Das russische Wunder« (1963) verschaffte ihr auch internat. Aufmerksamkeit; seit Mitte der 1970er Jahre u. nach der Trennung von Andrew T. nur noch vereinzelte kleinere Filmarbeiten, wie die 1985 entstandene Dokumentation »Aufbruch« über Zerstörung u. Wiederaufbau Dresdens; 1956 u. 1963 NP (mit Andrew T.); 1963 Leninorden; 1969 VVO. Gest. in Wolgast.Jeder Tag war schön. Erlebnisse, Träume, Geständnisse notiert zwischen Antwerpen u. Bombay (mit Fotos von Andrew Thorndike). Rostock 1966. CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. hrsg. v. H.-M. Bock. München 1984ff.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Thun, Nyota

* 7.6.1925

Geb. in Nordhausen (Harz); Vater kfm. Angest., Mutter Krankenschwester; OS, 1943 Abitur; 1943/44 RAD; 1944 – 46 Studium der Romanistik in Leipzig; bis Kriegsende Arbeitseinsatz. 1945 – 47 gleichz. Lehrerin für russ. Kurzschrift u. Grammatik an der Fremdsprachenschule in Leipzig; 1947 – 50 Übersetzerin u. Red. am Leipziger u. Berliner Rundfunk; gleichz. Studium der Slawistik u. Romanistik; 1949 St.-Ex.; 1950 – 89 NDPD; 1950 – 56 Aspirantin u. Lehrbeauftr. für Geschichte der russ. Sowjetlit. an der HU Berlin; 1955 Dr. phil.; 1958 – 61 Auslandskorrespondentin der Wochenztg. »Sonntag« in Moskau; 1962 – 65 verantw. Lektor in den Verlagen Kultur u. Fortschritt u. Volk u. Welt; 1965 – 68 wiss. Mitarb. an der HU Berlin; 1969 – 85 wiss. Mitarb. am ZI für Lit.-Geschichte der DAW/AdW; 1973 Dr. sc.; 1977 Prof. an der AdW; langj. Aufenthalte in Moskau, Teheran, Paris; Forschungen u. a. zur russ. Lit. der 20er Jahre des 20. Jh.; Hrsg. u. a. der Werke von Alexej Tolstoi (10 Bde. 1975 – 85); verh. mit  Ferdinand Thun; lebt in Berlin.Das erste Jahrzehnt. Lit. u. Kulturrev. in der Sowjetunion. Berlin 1973, München 1974; Puschkinbilder. Bulgakow, Tynjanow, Platonow, Sostschenko, Zwetajewa. Berlin, Weimar 1984; Adressatenwechsel. Liter. Kommunikation in Sowjetrußland (1917 – 1930). Berlin 1987; Majakowski – Maler u. Dichter. Studien zur Werkbiogr. 1912 – 1922. Tübingen, Basel 1993; Ich – so groß u. überflüssig. W. Majakowski – Leben u. Werk. Düsseldorf 2000.Leonore Krenzlin

Wer war wer in DDR

Thürk, Harry

* 8.3.1927 – ✝ 24.11.2005

Geb. in Zülz (Krs. Neustadt, Oberschles. / Biała, Polen); ab 1934 aufgewachsen in Neustadt; Vater Gelegenheitsarb., Straßenmstr., Angest.; Volksschule; Handelsschule; 1943/44 Ausbild. u. Arbeit bei der DR; 1944 RAD; 1944/45 Soldat; 1945 desertiert, um sowj. Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Okt. 1945 in Weimar; FDJ; 1946 Angest. einer FDJ-Presseabt.; 1947 SED; Bildreporter im thür. Bilderdienst; 1949 Pressechef in der LL Thür. der HO u. Red. einer Betriebsztg.; 1950 erster Prosaband »Nacht u. Morgen«; 1953 Korrespondent im Korea-Krieg; 1956 – 58 Red. im Verlag für fremdsprachl. Lit. in Peking; 1957 erster, mehrf. übersetzter Romanerfolg »Die Stunde der toten Augen«, Antikriegsroman; seit 1958 freischaff. Schriftst. in Weimar (Prosa, Reportagen, Dok.-Lit., Fernsehspiele, Filmdrehbücher); 1964 NP (im Koll.) für das Drehbuch zu »For eyes only«, DDR-Agenten-Klassiker des kalten Kriegs; 1971 – 83 Vors. des SV der Bezirke Erfurt/Gera u. Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1972 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1977 NP; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; 1979 VVO (für »Der Gaukler«); gest. in Weimar. 1995 aus Dt. PEN-Zentrum (Ost) ausgeschieden nach Protesten wegen des Romans »Der Gaukler« (1978), eines fragwürdigen Kolportageromans über die angebl. CIA-Steuerung eines russ. Dissidenten (Alexander Solshenizyn), der die offiz. Vorstellung von einer westl. gesteuerten DDR-Opp. transportierte; gest. in Weimar. Verf. zahlr. Polit-Thriller u. Militärhistorien; mehrf. Darstellung südostasiat. antikolonialist. Befreiungskämpfe; als »Konsalik des Ostens« (Spiegel) einer der meistgelesenen Schriftst. der DDR mit einer Auflage von 3 Mio. Expl.; weiterhin umfgr. Publ. (v. a. Kriminalromane).Das Tal der sieben Monde. Berlin 1960; Der Tod u. der Regen. Berlin 1967; Amok. Berlin 1974; Der schwarze Monsun. Berlin 1986; Die Lagune. Halle 1991; Der goldene Traum Jugend. Berlin 1996; Hongkongs Leichen sind sehr tot. Berlin 1998 (Teil-Autobiogr.). Theml, W.: H. T. Literatur in der DDR. Berlin 1975; Töpelmann, S.: H. T. – Schriftsteller. Halle, Leipzig 1980; Hamann, H. et al. (Hrsg.): H. T. Sein Leben, seine Bücher, seine Freunde. Halle 2007.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Thälmann, Rosa

* 27.3.1890 – ✝ 21.9.1962

Geb. in Bargfeld (Krs. Stormarn); Vater Schuhmacher; Volksschule, anschl. Haus- u. Landarb.; 1909 – 15 Arbeit in einem Wäschereibetrieb in Hamburg, danach in einer Gärtnerei; 1915 Eheschließung mit dem späteren KPD-Vors. Ernst Thälmann (1944 ermordet im KZ Buchenwald); ab 1919 Hausfrau; 1919 USPD; 1920 KPD; RH; IAH; auf Ortsebene aktiv; nach 1935 als Kurierin zum inhaftierten Ehemann; arbeitslos; am 5.5.1944 verhaftet, Haft zunächst im Polizeigefängnis Berlin Alexanderplatz, dann bis April 1945 KZ Ravensbrück. 1945 – 46 Aufenthalt in der UdSSR; ab 1947 Mitgl. des DFD-Bundesvorst., später seines Präs.; 1949 Mitgl. des VVN-Zentralvorst.; 1950 Abg. der Volkskammer; ab 1952 Mitgl. des Friedensrats; 1953 Mitgl. des Präs. des Komitees der antifa. Widerstandskämpfer; 1954 Mitgl. des NR der NF; 1952 KMO; 1957 VVO; gest. in Berlin.R. T.: Im Kampf gegen Fasch. u. Krieg. In: Lernen u. Handeln. Berlin 1985.Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Thein, Ulrich

* 7.4.1930 – ✝ 21.6.1995

Geb. in Braunschweig; Vater Kapellmstr.; nach dem Abitur Studium der Musik (Harfe); nebenbei Schauspielunterricht; Engagement am Staatstheater Braunschweig; 1951 Übersiedl. in die DDR; Engagement am Dt. Theater (bis 1963) u. am Theater der Freundschaft in Berlin; dann Darsteller u. Regisseur am Theater der Bergarb. in Senftenberg; spielte vorwiegend in Gegenwartsstücken, seit 1953 auch Rollen in vielen DEFA-Filmen, z. B. 1953 »Geheimakten Solvay« (R:  Martin Hellberg), 1954 »Alarm im Zirkus«, 1956 »Eine Berliner Romanze« (beide R:  Gerhard Klein) u. »Thomas Müntzer« (R: Martin Hellberg), 1957 »Schlösser u. Katen«, 1958 »Das Lied der Matrosen« (beide R:  Kurt Maetzig), 1960 »Fünf Patronenhülsen« (R:  Frank Beyer), 1961 »Professor Mamlock« (R:  Konrad Wolf), »Septemberliebe« (R: Kurt Maetzig), 1962 »Königskinder« (R: Frank Beyer); ab 1963 auch Regiearbeiten bei DEFA u. DFF, so inszenierte er u. a. 1963 »Der andere neben dir«, 1970 »Unbekannte Bürger«, 1975 »Broddi«; außerdem Regie in »Dach überm Kopf« u. »Romanze mit Amélie«; 1978 Hauptrolle in »Anton der Zauberer« (R:  Günter Reisch), wofür er den Schauspielerpreis bei den Internat. Filmfestspielen in Moskau erhielt; 1981 »Der Teufel hat den Schnaps gemacht« (TV), 1983 »Martin Luther« u. 1986 »Johann Sebastian Bach« (beides mehrt. TV-Filme); 1973 u. 1985 NP; 1986 Mitgl. der AdK; 1989 Doz. an der Schauspielschule »Ernst Busch« in Berlin; gest. in Berlin.Monika Kaiser

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thews, Wilhelm Richard Otto

* 10.6.1910 – ✝ 8.2.1943

(* 1910 – † 1943) Geboren am 10. Juni 1910 in Kiel; besuchte Gymnasien in Kiel und Berlin, Lehre als Zimmermann. Studium an der Baugewerbeschule, Tiefbautechniker. Mitglied im Jungnationalen Bund, 1931 des Stahlhelms, 1932 der SA. Thews hatte seit Sommer 1932 intensive Kontakte zu KPD-Mitgliedern, die ihn für den AM-Apparat gewannen. Seit 1933 Mitglied der illegalen KPD, 1934 reiste er nach Moskau und war unter dem Decknamen Friedrich Wehnert Kursant an der M-Schule der Komintern. Anfang Juni 1935 über Skandinavien Rückkehr nach Deutschland, wurde Bauleiter beim Reichsautobahnbau und leistete umfangreiche Arbeit für den Abwehrapparat der KPD. Im August 1936 Flucht über die ?CSR nach Spanien, dort Angehöriger der XI. Internationalen Brigade, später auch Ausbilder an einer Offiziersschule. 1939 Internierung in Frankreich, nach Kriegsausbruch Angehöriger einer Arbeitskompanie, hatte Kontakte zum französischen Nachrichtendienst. Nach dem Waffenstillstand in verschiedenen Lagern interniert, flüchtete Thews nach Spanien, wurde beim Grenzübertritt am 12. Juli 1941 verhaftet und in ein französisches Lager gesperrt. Am 25. Oktober 1941 Auslieferung an Deutschland, hier am 2.November 1942 vom VGH zum Tode verurteilt, wurde Wilhelm Thews am 8. Februar 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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Thiele, Paul

* 11.2.1898 – ✝ 3.4.1978

Geboren am 11. Februar 1898 in Leipzig, Sohn einer Weberfamilie; kaufmännische Lehre, seit 1912 in der Arbeiterjugend organisiert, wegen Einberufung zum Kriegsdienst Notreifezeugnis. Bis April 1919 Soldat, gehörte dem Spartakusbund in Leipzig an. Bis 1924 führender Funktionär der KJD und der KPD im Bezirk Leipzig, 1923 wegen »literarischen Hochverrates« zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, kam er nach Amnestie vorzeitig frei. Von 1921 bis 1923 Buchprüfer beim Finanzamt Leipzig, 1924 selbständiger Steuer- und Wirtschaftsberater. Ab 1925 in Berlin in der Geschäftsabteilung des ZK der KPD, Mitarbeiter von Hugo Eberlein. Als Teilhaber von Parteibetrieben der Peuvag mit den Druck- und Verlagsbetrieben sowie den Grundstücksgesellschaften der KPD und des RFB betraut, hatte er Einblick in die geheime Finanzierung der KPD und ihrer Nebenorganisationen durch die Komintern. 1933 vor allem damit beschäftigt, die noch nicht beschlagnahmten Konten der KPD ins Ausland zu transferieren. Er wurde im April 1935 festgenommen und war bis zum 8. Oktober 1936 im KZ Lichtenburg. Bereits im August 1936 war er aus der KPD ausgeschlossen worden, da er sich angeblich »freiwillig als Gestapo-Agent betätigt habe«. Bis 1940 Berufsverbot, dann wieder Wirtschafts- und Steuerberater. Ausgebombt wohnte Thiele in Annaberg/Erzgebirge, schlug sich nach Kriegsende nach Berlin durch. Am 10. August 1945 versuchte er im Sitz des ZK der KPD zum Parteivorsitzenden Wilhelm Pieck vorgelassen zu werden, um gegen sich ein Untersuchungsverfahren einzuleiten, statt dessen wurde er verhaftet und bis 1950 interniert. Am 27. Juni 1950 wurde er in Waldheim zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt, saß zunächst im Zuchthaus Waldheim, dann ab April 1954 in Bautzen. Ende 1955 amnestiert und am 2. Mai 1956 entlassen, übersiedelte er in die Bundesrepublik. Er lebte zunächst in München, zuletzt in Dachau. Paul Thiele starb dort am 3. April 1978. Seit 1926 war Thiele mit Charlotte Starke (*28.8. 1901 – † 25. 8. 1987) verheiratet, in Leipzig geboren, Tochter einer Arbeiterfamilie; Stenotypistin und Sekretärin. Seit 1922 Mitglied der KJD, 1923 der KPD, Stenotypistin bzw. Sekretärin in der Zentrale/ZK der KPD in Berlin, von 1922 bis 1926 im Nachrichtenapparat der KPD. Ab März 1933 an der Herstellung der Dimitroff-Prozeßberichte beteiligt. Im August 1934 in die Sowjetunion übergesiedelt, arbeitete sie unter dem Parteinamen Charlotte Templer in der Nachrichtenabteilung (OMS) der Komintern. Am 31. August 1936 durch die IKK wegen angeblicher Verbindungen zu ihrem Mann Paul Thiele aus der Partei ausgeschlossen. Der Ausschluß wurde im September 1939 aufgehoben und durch eine »Verwarnung« ersetzt. Danach arbeitete sie als Korrektorin bzw. Verlagsredakteurin im Verlag für fremdsprachige Literatur in Moskau. Nach zeitweiliger Evakuierung kehrte sie 1942 nach Moskau zurück und wurde Mitarbeiterin an der Zeitung des NKFD. Im Januar 1954 kam sie mit ihrem Sohn Alfred (* 4. 4. 1926) in die DDR, wurde Mitarbeiterin am IML.

Wer war wer in DDR

Thieme, Bernhard

* 25.6.1926 – ✝ 20.4.1982

Geb. in Neustadt (Sachsen); Vater kaufm. Angest.; Volks- u. Berufsschule; 1941 – 43 Industriekaufmannslehre bei der AG Hering Maschinenfabrik Neustadt, 1943 / 44 dort Ltr. der Betriebsbuchhaltung, anschl. Ltr. der Abt. Einkauf. 1945 – 48 kaufm. Ltr. der AG Hering; 1945 SPD, 1946 SED; 1948 / 49 kaufm. Ltr. des VEB Kombinat »Fortschritt« Neustadt; 1949 – 51 Betriebsltr., 1951 – 58 Kombinatsdir., 1958 – 63 Hauptdir. bzw. GD der VVB Landmaschinen u. Traktorenbau Leipzig / Neustadt; 1963 – 82 GD des VEB Kombinat Fortschritt – Landmaschinen; Fernstudium an der HfÖ Berlin Karlshorst, 1967 Dipl.-Ingenieurök.; wiss. Aspirantur am ZI für soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED, 1971 Prom. zum Dr. rer. oec.; ab 1971 Mitgl., 1980 Vors. des Gesellschaftl. Rats der TU Dresden; 1976 VVO; gest. in Neustadt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Thiessen, Peter Adolf

* 6.4.1899 – ✝ 5.3.1990

Geb. in Schweidnitz (Schles. / Świdnica, Polen); 1919 – 23 Chemiestudium in Breslau, Freiburg i. Br., Greifswald u. Göttingen; hier 1923 Prom.; 1926 Habil.; 1924 Assistent; 1926 Privatdoz. u. 1932 a. o. Prof. für physikal. Chemie; 1925 – 28 u. 1933 – 45 NSDAP; 1933 Abt.-Ltr. am Kaiser-Wilhelm-Inst. für physikal. Chemie; zugl. 1934 – 37 Berater des Reichserziehungsmin.; 1935 – 45 Dir. am Kaiser-Wilhelm-Inst. für physikal. Chemie in Berlin; 1937 Ltr. der Sparte Chemie des Reichsforschungsrats; 1939 Ord. Mitgl. der Preuß. AdW, 1945 Ausschl. 1945 – 56 als Spezialist in der UdSSR; Ltr. einer Gruppe dt. Forscher, die am sowj. Atomprogramm mitwirkten; 1956 Rückkehr; Wiederaufn. in die DAW u. bis 1964 Dir. des Inst. für physikal. Chemie; zugl. ord. Prof. an der HU Berlin; 1964 em.; 1957 – 65 Vors. des Forschungsrats der DDR, anschl. Ehrenvors.; Auswärt. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1958 NP; 1959 Dr. h. c. der EMAU Greifswald; 1960 – 63 Mitgl. des Staatsrats; VVO; 1969 Ehrenspange zum VVO; Großer Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. Hauptarbeitsgebiete: physikal. Chemie, Kolloid- u. Elektrochemie, physikal.-chem. Grundlagen der Verfahrenstechnik. Sek.-Lit.: Vorträge zum Festkolloquium anlässl. des 65. Geb. von P. A. Th. In: Abhandl. der DAW, Klasse Chemie (1966) 5; Eibel, Chr.: Der Physiochemiker P. A. T. als Wissenschaftsorganisator. Eine biogr. Studie. Stuttgart 1999; Kolditz, L.: P. A. Th. Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages. In: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät (1999) 3; Laitko, H.: Strategen, Organisatoren, Kritiker, Dissidenten – Verhaltensmuster prominenter Naturwissenschaftler der DDR in den 50er u. 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Berlin 2009.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Thom, Andreas

* 7.9.1965

Geb. in Rüdersdorf; Vater Schlosser; 1971 – 87 POS, KJS, Abitur; 1971 – 74 mit dem Fußball bei TSG Herzfelde begonnen; 1974 – 90 aktiver Fußballspieler beim BFC Dynamo Berlin; SED; Angeh. der DVP; 1984 – 88 DDR-Mstr. u. zweimal DDR-Pokalsieger, 51 Länderspiele, 15 Länderspieltore für die DDR; 1987 – 90 Studium an der DHfK Leipzig, abgebrochen; 1988 DDR-Fußballer des Jahres. 1990 – Juli 1995 Profispieler bei Bayer Leverkusen; Dez. 1990 – 94 zehn Länderspiele für die Nationalmannschaft der Bundesrep. Dtl.; 1995 – Dez. 1998 Profispieler für Celtic Glasgow; seit Jan. 1998 Profispieler bei Hertha BSC Berlin, anschl. Ass.-Trainer bei Hertha BSC, 4.12. – 17.12.03 Cheftrainer der Bundesligamannschaft; 2001 Co-Trainer Holstein Kiel.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Thomas, Wendelin

* 21.6.1884

Geboren am 21. Juni 1884 im lothringischen Diedenhofen, dem heutigen Thionville; ging nach der Schulentlassung zunächst als Schiffsjunge, später als Matrose zur See. 1900 ließ er sich als Schiffsbauer in Hamburg nieder, im gleichen Jahr Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1918 Matrose bei der Kriegsmarine, zuletzt Signalmaat auf der »Wilhelmshaven«. 1918 im Ausschuß der revolutionären Matrosen, Thomas schloß sich der USPD an. Ab September 1919 Redakteur am USPD-Organ »Volkswillen« in Augsburg, im Juni 1920 zog er als Abgeordneter für die USPD in den Reichstag ein. Seine Gefährtin, die Schauspielerin Gabriele Mahnke, wurde im Sommer 1920 als Polizeispitzel und Provokateurin entlarvt. Die USPD sprach Thomas jedoch von jedem Verdacht frei und erklärte, er sei nicht kompromittiert. Ende 1920 ging er (Delegierter des Spaltungsparteitags) mit der linken USPD zur KPD. Obwohl als Reichstagsabgeordneter immun, verurteilte ihn ein bayerisches Gericht im April 1921 wegen »Anreizung zum Klassenkampf« zu zwei Jahren Gefängnis. Von April bis Oktober 1921 in Haft, mußte er auf Verlangen des Reichstages freigelassen werden und war 1923 aktiv an den Aufstandsvorbereitungen beteiligt. Im Mai 1924 kam Thomas nochmals für die KPD in den Reichstag, wurde aber im Dezember nicht mehr ins Parlament gewählt und mußte nunmehr illegal leben. Er übte verschiedene Parteifunktionen aus, war von 1925 bis 1928 u. a. für die Komintern im Ausland tätig, danach wieder in Deutschland, am 2.Oktober 1928 in Hamburg festgenommen, später amnestiert. Bereits vor 1933 trennte er sich von der KPD und trat politisch kaum noch hervor. Nach 1933 emigriert, lebte Thomas zuletzt in den USA. Dort setzte er sich Ende 1940 für die Einreise von Ruth Fischer und Arkadi Maslow in die USA ein und hatte Verbindung zu antistalinistischen Kreisen. Ein Todesdatum von Wendelin Thomas war nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Thoms, Lothar

* 18.5.1956 – ✝ 5.11.2017

Geb. in Guben (Neiße); 1966 mit dem Radsport begonnen; Mitgl. des SC Cottbus (Trainer: Gerd Müller); Ausbildung zum Fahrzeugschlosser; ab 1975 Mitgl. des TSC Berlin; Spezialdisz.: 1.000 m Zeitfahren; 1977, 1978 u. 1979 WM; 1980 Olymp. Spiele: Sieger; 1981 Sportler des Jahres; 1979 – 84 Abg. des Bez.-Tags Cottbus; Fernstudium der Staats- u. Rechtswiss.; Mitarb. beim SC Cottbus; 1985 – 89 SED; 1986 – 90 Mitarb. im Bez.-Vorst. des DTSB in Berlin; 1988 Olymp. Spiele: 2. Platz; bei den Weltmeisterschaften 1989: 2. Platz. Verwaltungsangestellter der Stadt Cottbus; lebte in Cottbus., gest. in Forst (Lausitz).Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Thoss, Regina

* 10.7.1946

Geb. in Zwickau; 1964/65 Studium am Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau (klass. Gesang); 1965/66 beim Tanz-Schauorchester »Astoria«, von  Heinz Quermann für die Fernsehfolge »Herzklopfen kostenlos« entdeckt; 1966 im Fernsehfilm »Chansons von der Spree« (neben  Gisela May u.  Manfred Krug); 1. Preis beim Schlagerfestival der Ostseeländer in Rostock mit »Die erste Nacht am Meer« ( Gerhard Siebholz / Wolfgang Brandenstein); Förderung durch Prof.  Wolfram Heicking; 1968/69 im Erich-Weinert-Ensemble Gesangs- u. Tanzausbildung; 1970 – 78 Gesangsunterricht bei Christiane Kluge; 1973/74 externes Studium am Studio für Unterhaltungskunst Berlin; Mitgl. der NDPD. Erfolgstitel: »Die Liebe ist ein Haus« (Welkisch/ Klaus Schneider), »Rom-ta-rom« ( Gerd Natschinski /  Jürgen Hart), »Steig in den Vogel«, »Aus Liebe« (beide Ecke /  Gisela Steineckert), »Schenk uns noch einmal ein« (Kalogjera / Halbach), »Laß die Blumen blühn« (Welkisch / Fred Gertz); Gastspiele in über 30 Ländern Osteuropas, des Nahen Ostens u. Afrikas, in der Bundesrep. Dtl. u. den Niederl.; seit 1986 Stargast auf den MS »Berlin« u. »Europa«; Preisträgerin zahlr. Festivals, u. a. in Sopot, Slantschew Brjag, 1974 beim World Pop Song Festival in Tokio, in Villach, Castlebar; Goldmedaillen bei DDR-Wettbewerben; 1977 – 89 Shows mit eigener Band, den »Evergreen Juniors«, seit 1975 Personality-Shows im DDR-Fernsehen, u. a. »Denn all das bin doch ich« (1984), »Ein Star u. seine Stadt« (1988), »Schlager von gestern – Evergreens von heute« (1989); 1984 – 89 bei Radio DDR einmal monatl. Moderation von »Nimm das Lied als Souvenir«; über 100 Titel im DDR-Rundfunk, ca. 25 Singles u. fünf LPs bei Amiga. Seit 1990 neun CDs, u. a. 1995 »Best of R. T.« u. 2006 »Ihre größten Erfolge«; diverse TV-Auftritte; Entertainerin auf versch. Kreuzfahrtschiffen; 1998 Hauptrolle im Kindermusical »Eine Reise nach Lukanico«; 2008 Bühnenprogr. »Das Zickenkränzchen«.Am Ende zählt nur die Liebe. Meine Erinnerungen. Berlin 2006.Bernhard Hönig

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thunig, Ewald

* 15.12.1897 – ✝ 26.7.1991

Geboren am 15. Dezember 1897 in Straubing, ältester Sohn von sieben Geschwistern einer Schneidermeisterfamilie; Schreinerlehre, 1915 freiwillig zum Militär, war als Soldat zuerst in Rußland, dann in den Stellungskriegen in Flandern eingesetzt und kehrte im Januar 1919 zurück. Er trat 1919 in die KPD ein, wurde im Juli 1924 verhaftet und saß fünf Monate im Gefängnis. Zeitweise UB-Leiter in Rosenheim, von Januar 1928 bis Mai 1929 als hauptamtlicher Angestellter im Bezirksbüro der KPD in München. Ab November 1930 Kursant (unter dem Namen German) an der Internationalen Leninschule in Moskau. Danach Lehrer an der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau, ab Oktober 1932 Redakteur bei der »Neuen Zeitung« in München, wo er gemeinsam mit Willy Grimm arbeitete und unter dem Pseudonym Otto Thomas (dieser war 1930 gestorben) schrieb. Am 20.März 1933 festgenommen, gehörte Thunig zu den ersten Häftlingen des KZ Dachau, aus dem er im Juli 1938 entlassen wurde. Von 1938 bis 1942 Schreiner in Rosenheim, dann dienstverpflichtet, stand er bis Kriegsende unter Gestapokontrolle. 1945 Wohnungsreferent in Kolbermoor, folgte er am 5. Januar 1946 Richard Scheringer als Staatssekretär ins Bayerische Staatsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Schon nach wenigen Wochen schied er dort aus (sprach von einem Vertrauensbruch der KPD-BL ihm gegenüber), arbeitete noch einige Monate in seinem Beruf. Im Oktober 1946 Kreisvorsitzender des Bayerischen Gewerkschaftsbundes in Rosenheim, diese Funktion übte er bis Juni 1963 als DGB-Vorsitzender aus. Bis zum Verbot im August 1956 in der KPD, ab September 1957 Mitglied der SPD. Ewald Thunig starb am 26. Juli 1991 in Rosenheim.

Wer war wer in DDR

Thyrolf, Heinz

* 6.8.1928

Geb. in Dorndorf (Saale) (Landkrs. Stadtroda); Vater Stellmacher; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Feinoptiker bei Carl Zeiss Jena, 1949 Facharbeiter; 1949 / 50 Sachbearbeiter bei der DWK bzw. im Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel in Berlin; 1950 / 51 Abt.-Ltr. im Staatssekr. für Materialversorgung; 1951 SED; 1952 – 60 Abt.-Ltr. im Staatl. Komitee für Materialversorgung, Fachgebietsltr. bei der SPK; Fernstudium an der HfÖ Berlin, 1959 Dipl.-Wirtschaftler; 1961 – 65 Ltr. der Vertretung der SPK der DDR in der UdSSR (Botschaftsrat); 1965 – 73 Ltr. der Abt. Koordinierung u. Bilanzierung der SPK; 1973 – 80 Hauptdir. des Staatl. Maschinenkontors, 1980 – 90 GD des VEB Kombinat Maschinenbauhandel Berlin.Andreas Herbst

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Thälmann, Ernst

* 16.4.1886 – ✝ 18.8.1944

Geboren am 16. April 1886 in Hamburg. Der Vater Jan, aus Holstein nach Hamburg übergesiedelt, betrieb bei der Geburt seines Sohnes Ernst Fritz Johannes eine Kutscherkneipe, saß aber wegen Hehlerei 1892/93 im Zuchthaus. Ernst Thälmann und seine Schwester Frieda lebten zunächst in einer Pflegefamilie. Als die Eltern Mitte der neunziger Jahre dann einen Kolonialwarenladen eröffneten, wurde er zur Mitarbeit herangezogen, mußte die Pferde versorgen und Waren austragen. Nach der Schulentlassung 1900 blieb Ernst Thälmann noch zwei Jahre als Rollkutscher im Familien-Geschäft. Wegen zahlreicher Streitigkeiten mit dem Vater verließ er das Elternhaus und arbeitete im Hafen. Dann versuchte er sein Glück: Er fuhr auf einem Kohlentrimmer nach Amerika. Das Seemannsleben sagte ihm nicht zu, er verdingte sich bei New York als Landarbeiter, kehrte noch 1907 nach Deutschland zurück und betätigte sich in den verschiedensten Berufen, u. a. als Transportarbeiter und Kutscher. Schon seit Mai 1903 Mitglied der SPD und 1904 des Transportarbeiterverbands. Als Soldat ins 9. Artillerieregiment in Köln eingezogen, wegen Krankheit vorzeitig entlassen, kehrte er nach Hamburg zurück. Seit 1909 ehrenamtlicher Funktionär der Gewerkschaft, stand er mit vielen anderen jungen Sozialisten und Hafenarbeiter-Kollegen auf dem linken Flügel der SPD. Er wurde in die Ortsverwaltung der Transportarbeiter-Gewerkschaft gewählt, protestierte oft in seiner ungehobelten Weise gegen die Saumseligkeit der »Bonzen«. Im Januar 1915 wurde er als Reservist eingezogen, Soldat an der Westfront, kämpfte an der Aisne, Somme und in der Champagne. Obwohl zweimal verwundet, nicht befördert, denn er revoltierte ständig. Einmal kam er vor ein Kriegsgericht, wurde aber freigesprochen. Im Herbst 1918 kehrte er von einem Urlaub in Hamburg nicht mehr zur Truppe zurück, sondern blieb bis zur Revolution in der Hansestadt. Thälmann wurde Arbeiter auf einer Abwrackwerft. Er schloß sich der USPD an, sein Einfluß in der Partei stieg in dieser revolutionären Situation rasch. 1919 wurde Thälmann für die USPD in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Mit seiner Frau Rosa und seiner 1919 geborenen Tochter Irma lebte er in Hamburg, noch immer als Arbeiter beschäftigt. Bald galt er als einer der örtlichen Führer der linken USPD und trat 1920 mit der großen Mehrheit der Hamburger USPD für den Anschluß an die Komintern ein. Er war Delegierter auf dem Spaltungsparteitag und schickte von Halle aus eine für ihn typische Nachricht: »Meine lieben Eltern. Sende Euch die herzlichsten Grüße. Hier in Halle ist gestern die Entscheidung gefallen. Wir sind die Ehrlichen, die Aufrichtigen, die Vorwärtstreibenden! Mit revolutionärem Gruß, Euer Ernst!« Der stimmungs- und gefühlsmäßig radikale Thälmann war auch Delegierter des Vereinigungsparteitags von USPD und KPD. Er stand in der KPD ebenfalls auf dem linken Parteiflügel. Seit 1921 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Hamburg sowie Mitglied der BL Wasserkante. Als Anhänger der »Offensivtheorie« Delegierter auf dem III. Weltkongreß der Komintern 1921. Dort kritisierte Thälmann Lenin und Trotzki und korrigierte sogar Lenin: »Man kann nicht sagen, wie Lenin gesagt hat, man soll den schärfsten Kampf denen ansagen, die die Abänderungsanträge gegen die russischen Thesen vorgelegt haben. In der Kommunistischen Partei ist es das gute Recht jedes Genossen, nach den ökonomischen Verhältnissen jeden Landes das in die Thesen hineinzubringen, was unbedingt hineingehört.« [Diese im Protokoll enthaltenen Sätze sind 1955 in der Ausgabe von Thälmanns Werken im Ostberliner Dietz Verlag, Bd. I, nicht enthalten.] Als Trotzki auf diesem Komintern-Kongreß bemerkte: »Genosse Thälmann ... muß eine sehr gute Fühlung mit den Massen haben«, bestätigte Thälmann stolz: »Jawohl, ausgezeichnete Fühlung.« In Hamburg populär, wurde Thälmann 1921 in der Hansestadt hauptamtlicher Sekretär. Mitglied der Hamburger Bürgerschaft war er ununterbrochen von 1919 bis 1933. Seit 1921 gehörte er dem ZA der KPD an und stieg 1922/23 neben Ruth Fischer und Arkadi Maslow zu einem Führer der linken Opposition in der KPD auf und vertrat auf dem VIII. Leipziger Parteitag im Januar 1923 die linke Opposition gegen die Brandler-Leitung. Er wurde nicht in die Zentrale gewählt, jedoch nach einem Kompromiß Heinrich Brandlers mit der Opposition im Mai 1923 vom ZA gemeinsam mit Ruth Fischer, Ottomar Geschke und Arthur König in die Zentrale der KPD kooptiert. Mitverantwortlich für den Hamburger Aufstand im Oktober 1923, doch spielte Thälmann bei dieser Revolte keineswegs die Rolle, die ihm später glorifizierend zugeschrieben wurde. Im Januar 1924 stellvertretender Parteivorsitzender unter Hermann Remmele, kam er auf dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 mit den Linken in die Spitze der KPD. In die Zentrale und dann auch ins Polbüro gewählt, berief ihn der V. Weltkongreß der Komintern 1924 als Kandidat ins EKKI und ins EKKI-Präsidium, diese wichtige Funktion behielt er bis 1933. Von 1924 bis 1933 vertrat er die KPD als Abgeordneter im Reichstag. Die sowjetischen Führer umwarben ihn, 1924 nannte Sinowjew die deutschen Kommunisten Thälmann und Remmele »das Gold der Arbeiterklasse«. Als Kandidat der KPD für die Reichspräsidentenwahl 1925 wurde Thälmann überall bekannt, da er Leiter des RFB war, wuchs sein Einfluß in der KPD. Bei der Reichspräsidentenwahl verhalfen freilich die 1,9 Millionen für ihn abgegebenen Stimmen dem Reaktionär Hindenburg (14,6 Millionen) gegen den Demokraten Marx (13,7 Millionen) in den Sattel. Thälmann verkörperte den ultralinken Kurs der KPD, was ein Brief zeigt, in dem er 1924 an Iwan Katz, den damaligen Vertreter der KPD bei der Komintern, schrieb: »Lieber Iwan! Anbei übersende ich Euch ein Memorandum, welches in je einem Exemplar abgeschickt ist an Genosse Sinowjew, Stalin, außerdem ans Sekretariat des EKKI. Hier versuchen die Rechten mit Bestimmtheit einen Laden aufzumachen und ich habe außerordentliches Material geschnappt, was Euch und der Delegation auch nützlich sein wird. Es kommt ferner hinzu, daß hier versucht wird, mit anonymen Briefen führende Persönlichkeiten zu desavouieren. Sowohl in Hamburg über mich wie auch über Dengel in Niederrhein, was mir soeben mitgeteilt wird, sind Beweise dafür. Keine, aber auch keine Konzessionen, sonst heißt es für mich, mit Lumpen, die die Partei zerschlagen wollen, nicht für die Revolution, sondern für die Evolution, arbeite ich nicht zusammen. Haltet Euch gesund und grüßt alle von Euerm immer derselbe bleibenden Teddy.« Teddy, wie Thälmann genannt wurde, war aber inzwischen ganz auf die Komintern eingeschworen und ging trotz solcher Töne im Frühjahr 1925 nicht mit den Ultralinken. Während die anderen »Renommier-Proletarier« in der Parteispitze ( Paul Schlecht, Wilhelm Schwan, Max Schütz) nach der Absetzung Ruth Fischers durch Moskau 1925 weiterhin fest zu ihr hielten, wurde Thälmann als kominterntreuer Linker nun Vorsitzender der KPD. In den folgenden Jahren wurde er auch zum Theoretiker des deutschen Kommunismus stilisiert. Wie Stalin in Rußland, so sollte Thälmann in Deutschland der bedeutende große Führer sein. Das mußte ihm, einem ehrlichen Arbeiter, der gefühlsmäßig zum Radikalismus neigte und der eher als Provinzpolitiker denn als Parteivorsitzender geeignet war, zu Kopfe steigen. Frühere linke Fraktionsfreunde kritisierten ihn nun als Held der linken Phrase, als Opportunist reinsten Wassers, der an einer an Größenwahn grenzenden Einbildung leide, unter Einfluß von Alkohol nicht die geringsten Hemmungen kenne und sich mit einem Stab politischer Chamäleons umgeben habe. Tatsächlich brachten ihn zwielichtige Freunde wie John Wittorf oder Willy Leow ja auch fast zu Fall. Thälmanns Absicht, Wittorfs Unterschlagungen zu vertuschen, führten im September 1928 zu dem ZK-Beschluß, seine Funktion als KPD-Vorsitzender ruhen zu lassen. Einstimmig hatte das ZK seine Absetzung verfügt, und Thälmann willigte in alles ein. Nachdem Stalin ihn im Oktober 1928 aber wieder einsetzte, verstärkte sich sein ehrgeiziger Wunsch, nunmehr der bestimmende Parteichef zu sein. Bis 1933 blieb er an der Spitze der KPD, selbst Heinz Neumann stolperte über den Versuch, gegen ihn zu intrigieren. Auch 1932 trat er wieder als Präsidentschaftskandidat der KPD an und erhielt im ersten Wahlgang 5 Millionen von 37 Millionen Stimmen, im zweiten Wahlgang votierten nur noch 3,7 Millionen Wähler für ihn (für Hindenburg 19,4, für Hitler 13,4 Mio.). Dennoch wurde er weiter als »der Führer« der deutschen Partei herausgestellt. Es war Thälmanns persönliche Tragödie, daß er von der Komintern in eine Funktion gehoben wurde, der er geistig und politisch nicht gewachsen war. Am 3. März 1933 festgenommen, blieb er im Gefängnis standhaft. Ein Plan, Thälmann 1936 aus der Haft in Moabit zu befreien, wurde vom ZK der KPD in letzter Minute abgesagt. Weil er sich entdeckt glaubte, verübte Thälmanns Bewacher Moritz, insgeheim Kommunist, Selbstmord. Nach dem Stalin-Hitler-Pakt 1939 hoffte Thälmann (wie Rákosi in Ungarn), nach Moskau ausgetauscht zu werden, und er schrieb entsprechende Briefe an Stalin, doch dieser ließ seinen getreuen Anhänger im Stich. Zwölf Jahre mußte Thälmann in Einzelhaft verbringen, zuerst in Moabit, dann in Hannover und in Bautzen. Ins KZ Buchenwald gebracht, wurde Ernst Thälmann dort am 18. August 1944 ermordet. Doch sein Märtyrertod kann nicht überdecken, daß Thälmann als Hauptverantwortlicher für die katastrophale ultralinke Politik der KPD von 1929 bis 1933 sowie die völlige Unterwerfung der KPD unter Stalin in der Arbeiterbewegung eine verhängnisvolle Rolle spielte. Inzwischen liegen einige Biographien über ihn vor. Thälmanns Frau Rosa, geb. Koch, am 27. März 1890 in Bargfeld/Kreis Storman als Tochter eines Schuhmachers geboren, war Landarbeiterin und Hausangestellte, von 1908 bis 1915 Arbeiterin in einer Hamburger Wäscherei. 1915 heiratete sie Ernst Thälmann, folgte ihrem Mann Ende 1920 in die KPD, blieb aber in Hamburg wohnhaft. Nach 1933 war sie viele Jahre lang die einzige Verbindung zwischen dem Inhaftierten und der KPD-Führung. 1944 wurden sie und ihre Tochter Irma ins KZ Ravensbrück gesperrt. Nach 1945 im Zentralvorstand der VVN, ab 1950 Volkskammerabgeordnete und nach Auflösung der VVN im Februar 1953 Präsidiumsmitglied der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR, sie erhielt 1952 den Karl-Marx-Orden. Rosa Thälmann starb am 21. September 1962 in Ost-Berlin. Thälmanns Tochter Irma, geboren am 6.November 1919 in Hamburg, wirkte in der DDR für die von der SED-Führung propagierte Thälmannlegende. Sie trennte sich 1990 von der PDS, der sie ein »sozialdemokratisches Programm« vorwarf, Neuinterpretationen der Rolle Ernst Thälmanns nannte sie »verleumderisch«. Zur Bundestagswahl 1998 war sie Kandidatin der DKP in Berlin-Lichtenberg. Irma Thälmann-Gabel starb am 10. Dezember 2000 in Berlin.

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Theissen, Karl Franz

* 12.10.1884 – ✝ 3.5.1972

Geboren am 12. Oktober 1884 in Höfen/Nordeifel, Sohn eines Landwirts, aufgewachsen in einer streng katholischen und kaisertreuen Familie; besuchte nach dem Gymnasium eine Landwirtschaftsschule. Er begann im Landratsamt von Malmedy und war ab 1910 bei der Stadtverwaltung von Essen beschäftigt. 1914 Mitglied der SPD, Theissen desertierte bei Kriegsausbruch, stellte sich dann und wurde zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Nach einem halben Jahr wegen guter Führung entlassen, kam er bis Kriegsende zur Marineküstenartillerie auf Wangerooge. Ab 1917 Mitglied der USPD, nahm er am Matrosenaufstand in Kiel teil und wurde 1920 Mitglied der KPD. Im August 1921 Delegierter des VII. Parteitages in Jena, zählte bald zu den führenden Funktionären seiner Partei in Essen. Im Mai 1924 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und dort ab 1925 Fraktionsvorsitzender, er gehörte der erweiterten BL Ruhr an. Von 1924 bis 1928 Redakteur beim »Ruhr-Echo«, Ende 1927 Chefredakteur der Zeitung »Der Abend« bzw. ab Mai 1928 der »Welt am Abend«. Da er den ultralinken RGO-Kurs ablehnte, wurde er Ende 1928 als Versöhnler entlassen, schloß sich der KPO an und wurde nach einjähriger Erwerbslosigkeit Redakteur bzw. Geschäftsführer des »Allgemeinen Bauvereins«, einer Wohnungsbaugenossenschaft. Nach 1933 entzog er sich der politischen Verfolgung, übersiedelte nach Breitbrunn in Bayern und lebte von den Einkünften seiner zweiten Frau. Theissen befaßte sich als Autodidakt auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der Abstammungslehre des Menschen, gegen Ende des Krieges wurde er von der Gestapo gesucht und tauchte in München unter. Nach 1945 nicht mehr parteipolitisch aktiv, starb Karl Theissen am 3. Mai 1972.

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Thiel, Wolfgang

* 14.3.1948

Geb. in Felchta (Thür.); 1962 – 66 Abitur mit Berufsausb. zum Betriebsschlosser; 1966 – 69 Studium der Physik an der Staatl. Univ. Leningrad; Dipl.-Ing. für Kraftwerkstechnik; 1967 SED; 1969 – 71 Studium an der KMU Leipzig; 1971 – 81 FS-Lehrer u. Doz. an der Ing.-Schule für Bergbau u. Energetik »Ernst Thälmann« in Senftenberg; 1981 – 85 Parteisekr. an der Ing.-Schule; 1985 – 87 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1987 – 89 Mitarb. der SED-BL Cottbus, 1988 Abt.-Ltr. Volksbildung; Nov. 1989/90 1. Sekr. der SED-BL Cottbus (Nachf. von  Werner Walde); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorbereitung des außerord. SED-Parteitags; 1989/90 Mitbegr. der PDS Brandenb. 1990/91 Stellv. Landesvors. der PDS Brandenb.; 1991/92 arbeitslos; 1992 – 95 selbständig, Trainerlizenz für Führungskräfte; 1995 – 99 Landesvors. der PDS Brandenb.; 1999 – 2004 MdL Brandenb.; 2005/06 Geschäftsf. der Fraktion der PDS im Landtag Brandenb., Aug. 2006 – Okt. 2009 MdL als Nachrücker (Nachf. von Christian Otto).Helmut Müller-Enbergs

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Thielemann, Karl

* 14.4.1901 – ✝ 26.12.1937

Geboren am 14. April 1901 in Limburg, Sohn eines Landgerichtsdirektors; studierte nach dem Abitur an verschiedenen Universitäten Philologie. Er trat 1928 in die KPD ein und war seit 1930 in der Kostufra-Führung aktiv. Thielemann kam als Redakteur zu KPD-nahen Zeitungen und ging im November 1932 in die Sowjetunion, um bei der VAA in Moskau zu arbeiten. Im September 1937 vom NKWD verhaftet, als »parteifremdes Element« aus der KPD ausgeschlossen, wurde Karl Thielemann am 26.Dezember 1937 vom Militärkollegium des Obersten Gerichts in Moskau zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen.

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Thieme, Herbert

* 7.4.1932 – ✝ 10.11.2015

Geb. in Schmalkalden (Thür.); Vater Kellner; Volksschule; Ausbildung zum Bäcker; 1949 FDJ; 1950 Eintritt in die DVP, Wachtmeister; 1951 / 52 Instrukteur der FDJ-LL Thüringen, 1952 – 55 Sektoren- bzw. Abt.-Ltr. der FDJ-BL Suhl; 1954 SED; 1955 / 56 Studium an der SED-BPS in Meiningen; 1957 – 61 Sekr. der FDJ-BL Suhl u. 1961 – 63 Vors. der Pionierorg. »Ernst Thälmann« im Bez. Suhl; 1963 – 67 Chefred. der Ztschr. »Der Pionierleiter«; 1967 – 70 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1970 stellv. Chefred., 1972 – 89 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Neuer Tag« Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Theo Fettin); 1972 – 89 Mitgl. der SED-BL u. Vors. des VDJ-BV Frankfurt (Oder).Andreas Herbst

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Thilo, Erich

* 27.8.1898 – ✝ 25.6.1977

Geb. in Neubrandenb.; 1916 – 19 Studium an der Chemikerabt. der Techn. Staatsanstalt in Chemnitz, 1920 – 25 an der Univ. Berlin, 1925 Prom.; anschl. Assistent am Chem. Inst. der HU Berlin; 1932 dort Habil. u. Doz.; 1938 a. o. Prof.; 1943 ord. Prof. für anorgan. Chemie an der Univ. Graz. 1946 ord. Prof. mit Lehrstuhl für anorgan. Chemie an der Univ. Berlin; ab 1950 zugl. Dir. des Inst. für Anorgan. Chemie der DAW; 1949 Ord. Mitgl. der DAW; 1953 gem. mit  Heinrich Bertsch Gründung der Chem. Ges.; 1950 u. 1961 NP; 1967 em.; Mitgl. der Leopoldina, der Mineralogical Society of America (Cambridge, Mass.) sowie versch. nat. u. internat. Gremien; gest. in Berlin. E. T. gilt als Begr. der Silikatchemie, ist Verf. zahlr. Originalarbeiten u. Patente zur Konstitution u. Synthese von Silikaten u. kondensierten Phosphaten.Anorgan. Chemie in Frage u. Antwort. 15. Aufl. Leipzig 1976.Hans-Georg Bartel / Hubert Laitko

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Thom, Martina

* 23.4.1935

Geb. in Leipzig; Vater Lehrer, Mutter Sekr.; 1941 – 53 Grund- u. Oberschule; 1953 SED; 1954 – 59 Studium der Philos. an der KMU Leipzig; 1957 involviert in die Auseinandersetzungen um  Ernst Bloch; anschl. Assistentin am Inst. für Philos. u. 1963 Prom. zum neuhegelian. Revisionismus von Georg Lukács u. Karl Korsch; 1964 Aspirantur; 1969 Ernennung zur Hochschuldoz.; 1976 Habil. zur Entstehungsgeschichte der Philos. I. Kants; Prof. für Geschichte der marxist.-leninist. Philos. 1991 nach Abwicklung des Philosoph. Inst. vorzeitiger Ruhestand.Immanuel Kant. Leipzig 1976; Die materielle Determiniertheit der Erkenntnis. Berlin 1976 (mit K. Gößler); Ideologie u. Erkenntnistheorie. Untersuchungen am Beispiel der Entstehung des Kritizismus u. Transzendentalismus Immanuel Kants. Berlin 1980; Dr. K. Marx. Das Werden der neuen Weltanschauung. Berlin 1986; Naturzweckmäßigkeit u. ästhetische Kultur. Studien zu Kants Kritik der Urteilskraft. Sankt Augustin 1993 (mit K.-H. Schwabe).Hans-Christoph Rauh

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Thomas, Willi

* 27.10.1903

Geboren am 27. Oktober 1903 in Volpersdorf/ Krs. Neurode in Schlesien, Sohn einer Kleinbauernfamilie; lernte Schlosser. Im Dezember 1918 Eintritt in die FSJ, 1919 in den DMV, seit Oktober 1928 gehörte er der KPD an. Zellen- bzw. Ortsgruppenleiter, später RGO-Fraktionsleiter im UB Waldenburg, von Juni 1931 bis Mai 1932 Agitpropleiter. Bereits ab 1930 Mitarbeiter, ab Mai 1932 Leiter des AM-Apparates der BL Schlesien. 1932/33 Kursant an der M-Schule der Komintern, Schuldeckname Erich Schulz. Nach seiner Rückkehr Ressortleiter des zentralen AM-Apparates in Deutschland, Decknamen Helmut Kuhnert und Erich Nettich. Aus Kaderunterlagen in Moskau geht lediglich hervor, daß sich Willi Thomas 1936 im Auslandseinsatz befand. Sein weiteres Schicksal konnte nicht ermittelt werden.

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Thoms-Heinrich, Lieselotte

* 29.10.1920 – ✝ 14.7.1992

Geb. in Berlin; Vater Angest.; Mittelschule; 1937 – 39 Ausbildung zum Industriekfm. u. Stenotypistin; anschl. als Sekr. tätig. 1946 – 49 Red.-Vol. bzw. Red. bei der Wochenztg. »Sonntag«; 1947 SED; 1949 – 68 »Neues Dtl.«, dort Red., Ltr. der Abt. Staatl. Verw.; Juli 1953 durch die ZPKK wegen Veröff. des Interviews mit  Max Fechner am 30.6.1953 gerügt; Chefreporterin, Mitgl. des Red.-Kolleg.; Studium an der ASR Potsdam u. der FS für Journalistik Leipzig; 1956 – 90 Mitgl. des Zentralvorst. des VDP bzw. des VDJ; 1963 – 90 Berliner Vertreterin bzw. Abg. der Volkskammer; hier seit 1971 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1968 – 81 Chefred. der Frauenillustrierten »Für Dich« (Nachf. von  Yvonne Freyer); ab 1968 Mitgl. der Frauenkommission beim PB des ZK der SED; 1969 – 82 Mitgl. des DFD-Bundesvorst. u. seines Präs.; Mitarb. des IML beim ZK der SED; 1980 VVO; 1981 stellv. Vors. der Interparl. Gruppe der DDR; 1981 Rentnerin; Mitarb. des IML beim ZK der SED; freiberufl. Journalistin; gest. in Berlin.Ein guter Deutscher – W. Ulbricht. Berlin 1963 (zus. mit Vieillard, H.); Kreuzweg Ravensbrück. Lebensbilder antifa. Widerstandskämpferinnen. Leipzig 1987 (mit S. Jacobeit).Bernd-Rainer Barth

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Thümer, Petra

* 29.1.1961

Geb. in Zwickau; 1971 erster Schwimmwettkampf; KJS; Mitgl. des SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Eberhard Mothes); 1976 Olymp. Spiele: Siegerin (400 m u. 800 m Freistil); 1977 EM (200 m, 400 m u. 800 m Freistil); 1979 Ende der sportl. Laufbahn, Ausbildung zur Fotografin; in der Fotobranche berufstätig; 1998 wurden beim DDR-Dopingprozeß vor dem LG Berlin Akten bekannt, die auf die Einnahme von anabolen Steroiden deuten.Olaf W. Reimann

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Thunig, Rudolf

* 4.8.1899 – ✝ 24.10.1983

Geb. in Dresden; Vater Schneider; 1914 – 17 Ausbildung zum Kfm.; 1917/18 u. 1919/20 im Beruf tätig; 1916 Freie Soz. Jugend; 1918 Spartakusbund; danach KJVD u. KPD; 1918/ 19 Militärdienst; 1920 – 22 Ltr. des Verlags »Junge Garde« (Berlin); an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt; 1922 – 35 Mitarb. im Westeurop. Büro der KJI; 1923/24 Mitarb. in dessen Verlag; 1933 Instrukteur des KJV der ČSR; 1934 illeg. pol. Tätigkeit in Amsterdam; 1935 verhaftet, U-Haft in Berlin, zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, 1937 – 39 u. 1943 – 45 Haft im Zuchthaus Brandenb., 1939/40 KZ Börgermoor, 1941 – 43 Zuchthaus Sonnenburg. 1945 – 49 Gen.-Ref. im Magistrat von Groß-Berlin; 1946 KPD/SED; 1949 – 52 Stellv., dann bis 1975 Abt.-Ltr. des PB-Sekr. des ZK der SED; 1959 KMO; 1969 VVO; 1975 Rentner; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Ticha, Hans

* 2.9.1940

Geb. in Bodenbach (Sachsen); Vater kfm. Ang.; 1946 – 48 Schule in Schkeuditz, Abitur; 1958 – 62 Pädagogikstudium an der KMU Leipzig; 1962 – 64 Lehre in Lindenthal; 1965 – 70 Studium an der Kunst-HS Berlin-Wei-ßensee bei  Kurt Robbel,  Arno Mohr,  Werner Klemke u.  Klaus Wittkugel; ab 1970 freischaff. in Berlin; 1973 VBK; Ausstellungen u. a. 1976 in Berlin, 1984 in Karl-Marx-Stadt; 1989 Ehrendipl. der Internat. Buchausst. Leipzig. 1990 Ausstellungen in Mainz u. Berlin; Teiln. an der Biennale Venedig; 1990 Umzug nach Maintal (Hessen); Werkausstellungen u. a. 2004 in Frankfurt (Main), 2007 in Leipzig; Arbeiten für Büchergilde Gutenberg. Elemente der Pop-Art werden zur krit. Betrachtung der Entfremdung im Soz. eingesetzt, intensive Auseinanders. mit den Themen Sport u. Prop.; zahlr. Illustr., u. a. zu  Hans Fallada,  Peter Hacks,  Bertolt Brecht, Gerhard Branstner; mehrf. Auszeichnungen illustr. Bücher als »Schönste Bücher des Jahres«; 2000 3. Preis der Stiftung Buchkunst. Werke u. a.: Mannschaft (1975), Klatscher (1980), Hurra (1981).Werkverzeichnis III. Bücher, Einbände, Druckgr. 1969 – 2000. Maintal 2000; Werkverzeichnis 1967 – 2004. Maintal 2005. Kat. H. T. Galerie M. Berlin 1990; H. T. Anhaltender Beifall. Bilder aus der DDR. Berlin 1990; Frank, H.-E.: H. T. als Illustr. (mit Bibl.). In: Marginalien (1990) 119.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Thate, Hilmar

* 17.4.1931 – ✝ 14.9.2016

Geb. in Dölau (b. Halle); Vater Maschinenschlosser; nach Abschl. der 10. Kl.; 1947 – 49 Ausbildung an der Staatl. HS für Theater u. Musik Halle; 1949 – 52 Engagement am Stadttheater Cottbus; 1952 am Theater der Freundschaft in Berlin; 1953 – 58 am Maxim-Gorki-Theater; 1958 – 70 am Berliner Ensemble (BE), herausragende Bühnenrollen in  Bertolt Brechts »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui«, »Die Mutter« u. »Coriolan«; 1970/71 Volksbühne Berlin; 1971 – 79 am Dt. Theater, hier u. a. in »Richard III.« (R:  Manfred Wekwerth); daneben zahlr. Filmrollen: u. a. 1954 »Leuchtfeuer« (R:  Wolfgang Staudte), 1955 »Robert Mayer – ein Arzt aus Heilbronn« (R: Helmut Spieß), 1956/57 »Einmal ist keinmal«, 1958 »Jahrgang 21« (R: Václav Gajer), »Das Lied der Matrosen« (R:  Kurt Maetzig) u. »Die Matrosen von Cattaro« (TV), 1960 »Leute mit Flügeln« (R:  Konrad Wolf), 1961 »Mutter Courage u. ihre Kinder« (R:  Peter Palitzsch / Manfred Wekwerth), »Der Fall Gleiwitz« (R:  Gerhard Klein) u. die Verfilmung von  Friedrich Wolfs »Prof. Mamlock«, 1964 »Der geteilte Himmel« nach dem Roman von  Christa Wolf (R: Konrad Wolf); ab 1966 neben der Theaterarbeit v. a. TV-Filme: 1966 »Die Tage der Commune«, 1967 »Die Geduld der Kühnen«, 1973 »Zement«, 1974 als Eduard in der Goethe-Verfilmung »Die Wahlverwandschaften« (R: Siegfried Kühn), 1976 die TR in dem fünftlg. TV-Film »Daniel Druskat« u. 1978 in »Fleur Lafontaine«; Kunstpreis der DDR; 1966 u. 1976 NP; 1974 Mitgl. der AdK; Auslandsgastspiele; Nov. 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1980 gem. mit seiner Frau  Angelica Domröse Ausreise aus der DDR; Engagements u. a. am Dt. Schauspielhaus Hamburg u. den Münchener Kammerspielen (u. a. in Molières »Don Juan« unter der Regie von Ingmar Bergmann); in der Bundesrep. Dtl. Rollen in zahlr. Filmen u. Fernsehfilmen, u. a. 1981 in »Engel aus Eisen«, 1982 »Die Sehnsucht der Veronika Voss«, 1985 »Die Hose« (TV), 1997 »Der König von St. Pauli« (TV); 1999 Darstellerpreis auf dem Filmfestival in Karlovy Vary für den Film »Wege in die Nacht« (R: Andreas Kleinert).Neulich, als ich noch ein Kind war. Autobiogr. Bergisch-Gladbach 2006.Monika Kaiser

Wer war wer in DDR

Theissing, Heinrich

* 11.12.1917 – ✝ 11.11.1988

Geb. in Neisse (Oberschlesien/Nysa, Polen); Vater Rechtsanwalt u. Zentrumspolitiker; Besuch des Gymnasiums Carolinum in Neisse; Studium der Theol. in Breslau u. Wien; 1940 Priesterweihe; Kaplan in Glogau (Schles.). Juli 1945 Umsiedl. nach Görlitz; 1946 – 55 Diozösanjugendseelsorger; 1951 Ordinariatsassessor; 1953 Ordinariatsrat; 1957 Vizeoffizial; 1960 Domkapitular; 1963 Weihbischof in Berlin; Titularbischof von Mina; 1967 Gen.-Vikar; 1970 Adjutorbischof; Commissarius in Schwerin; 1973 Apostol. Administrator des Bischöfl. Amtes Schwerin (Nachf. von  Bernhard Schräder); 1982 – 85 stellv. Vors. der Berliner Bischofskonferenz; 1987 Em.; gest. in Schwerin. Unter der Ltg. von H. T. erfolgte die Strukturierung u. pastorale Ausprägung der kath. Kirche in Mecklenb. zur weitgehend eigenständ. Ortskirche; Verf. rel. u. kirchengeschichtl. Arbeiten; Hrsg. christl. ErzählungenDie Äbte von Neuzelle, Leipzig 1968. Krüger, R.: Bischof H. T. Leipzig 1993.Renate Krüger

Wer war wer in DDR

Thiele, Ilse

* 4.11.1920 – ✝ 10.1.2010

Geb. in Berlin-Lichtenberg; Vater Lagerarb., später Angest., Mutter Putzmacherin, Bruder  Heinz N.; 1927 – 31 Grund- u. 1931 – 37 Mittelschule in Berlin-Lichtenberg; 1930 Arbeiter- u. Sportverein Fichte; 1937/38 Steno-Ausbildung; 1938 – 45 u. 1946 Stenokontoristin in Berlin; 1937 – 45 DAF. 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Hausfrau; 1945/ 46 Mitgl. der KPD-Ortsltg. Wietze (Krs. Celle); 1946 – 48 Mitgl. des Antifa-Frauenaussch. u. des Krs.-Frauenaktivs der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1946 – 52 Mitgl. der SED-KL Berlin-Lichtenberg, 1948 – 50 des Sekr.; 1948 – 50 Abg. des Rats des Stadtbez. Berlin-Lichtenberg; 1947 LPS; 1948 – 50 Sekr. für Sozialwesen im Bez.-Rat Berlin-Lichtenberg; 1950/51 PHS; 1951/52 1. Sekr. des DFD-BV Berlin (Nachf. von Roberta Gropper) u. Mitgl. der SED-BL Berlin; 1953 stellv., 1953 – 16.11. 1989 Vors. des DFD (Nachf. von  Elli Schmidt); 1954 – 89 Mitgl. des NR des NF; 1954 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1963 – 71 Mitgl. des Mandatsprüfungsaussch., Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1954 – 89 Mitgl. des ZK der SED; ab 1958 Mitgl. des Rates, des Büros u. 1964 – 89 Vizepräs. der IDFF; 1960 – 89 Mitgl. der Frauenkommission beim PB des ZK der SED; 1965 VVO; 1971 – Jan. 1990 Mitgl. des Staatsrats der DDR; 1985 KMO; Rentnerin; gest. in Berlin.Wir Frauen helfen das Nat. Programm verwirklichen. Berlin 1962; Material zur Geschichte des DFD. Berlin 1967; Unsere ganze Kraft für die Lösung der Aufgaben im Jahre 1973; Mit unserem Wissen u. unserer Tat für die DDR. Berlin 1974.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thielen, Nikolaus

* 22.11.1901 – ✝ 6.1.1944

Geboren am 22. November 1901 in St. Sebastian bei Koblenz; lernte Maschinist in Vallendar, trat 1918 in die Gewerkschaft und 1919 in die SPD ein. Anfang 1924 wurde Thielen, seit 1923 KPD-Mitglied, 1. Bevollmächtigter des DMV in Bendorf/Rhein, seine Wahl war nach Darstellung der SPD-Presse unter zweifelhaften Umständen erfolgt. 1927 Delegierter zum XI. Parteitag der KPD, gehörte er ab Ende 1927 zur engeren BL Mittelrhein. Er kam 1929 in den Kreistag Koblenz, wurde im Juli 1932 im Wahlkreis Köln-Aachen in den Reichstag gewählt und blieb auch nach den Novemberwahlen Reichstagsabgeordneter. Thielen flüchtete 1933 nach Lothringen und wirkte ab April 1934 im Saargebiet. Nach Berlin geschickt, sollte er Oberberater in der Pfalz werden, wurde aber am 21. September 1934 bei seiner Ankunft in Berlin erkannt und festgenommen. Die Gestapo brachte ihn so weit, einen Treff preiszugeben, den er am Bahnhof in Weinheim mit Kurt Müller, dem Bezirksleiter Baden-Pfalz, und Fritz Bischoff, dem Oberinstrukteur, verabredet hatte. Thielen fuhr am 23.September nach Weinheim und diente der Gestapo dort als Lockvogel. Bereits vorher hatte er eine Zusammenkunft in Berlin, u. a. mit Georg Handke, hochgehen lassen. Er wurde am 2. Juli 1935 dennoch vom 1. Senat des VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, saß mehrere Jahre im Zuchthaus Siegburg und Waldheim, schließlich am 18. November 1943 ins KZ Mauthausen gebracht, wo Nikolaus Thielen am 6. Januar 1944 ums Leben kam.

Wer war wer in DDR

Thieme, Kurt

* 6.8.1922

Geb. in Berlin; Vater Maurer; Volksschule; 1937 – 39 Ausbildung zum Maurer in Berlin; bis 1941 im Beruf tätig; 1941/42 RAD, Untertruppführer; 1942 – 9.5.1945 Wehrmacht; bis Nov. 1949 sowj. Kriegsgefangenschaft; Dez. 1948 – März 1949 Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949/50 techn. Sekr. im Bez.-Amt Berlin-Lichtenberg; 1950 SED; 1950 1. Vors. des Krs.-Vorst. der IG Bau in Berlin-Lichtenberg; 1950 Instrukteur, 1950/51 Mitarb. der SED-LL Berlin; 1951 2. Sekr., 1952/53 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1952 2. Sekr. der SED-KL Berlin-Köpenick; 1952 – 69 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1953/54 PHS der KPdSU in Moskau; 1953 – 60 Abg. u. Mitgl. des Rats des Krs. Friedrichshain; 1958 – 86 Kand. des ZK der SED; 1963 – 67 stellv. OB von Groß-Berlin; 1963 – 81 Abg. der Volkskammer; 1967 – 82 Vors. des Sekr. des ZV, ab 1970 Gen.-Sekr. der DSF (Nachf. von Franz Fischer); 1968 – 72 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1983 – 87 Dir. des Kultur- u. Info.-Zentrums der DDR in Bulgarien; seit 1987 Rentner.Die pol.-ideolog. Hauptaufgaben der DSF. Berlin 1969; Die Sowjetunion, das fortschrittlichste Land u. die stärkste Macht der Welt. Berlin 1972; Freundschaft, Brüderlichkeit. Berlin 1977.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Thinius, Bert (Hubert)

* 19.7.1949

Geb. in Groß Pankow (Krs. Pritzwalk); Vater Fleischermstr., Mutter Verkäuferin; 1968 Abitur; Facharb. für Schweinezucht; 1968 – 72 Studium der Betriebswirtschaft; 1971 – 90 SED; 1972/73 Arbeit als Soziologe in den Chem. Werken Buna; 1973 – 76 Verw.-Angest. an der HU Berlin; 1975 – 77 Studium der Philos.; 1976 – 79 Aspirant u. 1979 – 90 wiss. Assistent an der Sekt. Marx.-Lenin. der HU Berlin; 1983 Dr. phil.; 1984 Mitbegr. der Interdisz. Arbeitsgr. Homosexualität. 1990 – 99 wiss. Assistent am Inst. für Kulturwiss. der HU Berlin; 1992 Beteiligung am gescheiterten Gründungsversuch eines eigenständ. Inst. für Geschlechts- u. Sexualforschung; Ltr. des Projekts Queer-Studie (Lesben. Schwule. Wissenschaft); 1999 – 2002 arbeitslos; 2002 – 08 Ltr. der Erzähl-Akad. bei der Firma Rohnstock-Biografien; 2009 Mitarb. der Rosa-Luxemburg-Stiftung.Aufsätze in: Psychosoziale Aspekte der Homosexualität I-III. Jena 1986/88/90 u. in: Die DDR, die Schwulen, der Aufbruch. Göttingen 1990; Geschlechterverhältnisse – Sexualität. Berlin 1992 (mit I. Dölling u. D. Mühlberg); Schwuler Osten. Berlin 1994 (mit K. Starke); Differente Sexualitäten. Berlin 1995 (mit D. Mühlberg); Vorwärts und nicht vergessen. Berlin 1996 (mit I. Dietrich, I. Dölling u. a.); Homosexualität in der DDR. Hamburg 2006 (Hg. W. Setz).Christoph Links

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thomas, Kurt

* 25.2.1904 – ✝ 22.3.1938

Geboren am 25. Februar 1904 in Ottweiler/Saar; Bergarbeiter, schloß sich in den zwanziger Jahren der SPD an, war aber insgeheim bereits für die KPD tätig und wurde nach seinem offiziellen Übertritt 1932 im geheimen AM-Apparat eingesetzt. 1934 war Thomas in Saarbrücken im Thälmann-Befreiungskomitee, er gehörte einer Delegation an, die im Namen von 6000 saarländischen Bergarbeitern auftrat und am 13.Mai 1934 Ernst Thälmann im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit besuchen durfte. Er emigrierte 1937 über Paris in die Sowjetunion. Dort bereits am 30. Juni 1937 vom NKWD verhaftet und am 22. März 1938 vom MKOG wegen »Spionage und terroristischer Tätigkeit« zum Tode verurteilt, wurde Kurt Thomas noch am gleichen Tag erschossen.

Wer war wer in DDR

Thomas, Heinrich

* 4.1.1914 – ✝ 23.10.1988

Geb. in Gröbern (Kr. Leipzig); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Buchhändler; Mitgl. der Jung-Spartakus-Pioniere u. des ASV; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 – 48 Verwaltungsangest.; 1945 KPD, 1946 SED; 1948 / 49 Mitarb. der SED-KL Leipzig; 1949 / 50 Mitarb. der SED-Landesleitung Sachsen; 1950 – 52 Redakteur bei der »Sächsischen Zeitung«; 1952 – 56 Instrukteur der Abt. Presse u. Rundfunk im ZK der SED; 1956 – 62 stellv. Chefred., 1962 – 64 Chefred. der Ztg. »Freie Erde« Neubrandenburg (Nachf. von  Horst Jonas); 1962 – 64 zeitw. Mitgl. der SED-BL Neubrandenburg; 1964 / 65 erneut stellv. Chefred., später Mitarb. in der SED-BL Neubrandenburg.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Thorndike, Andrew

* 30.8.1909 – ✝ 14.12.1979

Geb. in Frankfurt (Main); Vater GD u. Kommandantist des Scherl-Verlags; 1928 Abitur; 1928 – 30 kfm. Lehre im Scherl-Verlag Ber- lin; 1930/31 bei der »Württemberger Ztg.«; 1931 – 42 Angest. der UFA-Werbefilmabt.; später Gen.-Vertreter für Sachsen u. Schles.; 1940 Mitarb. an Prop.-Filmen für die Wehrmacht u. Regisseur von Lehrfilmen für die Marine Hauptfilm- u. Bildstelle sowie die Heeresfilmstelle; 1942 Verhaftung wegen »Verdachts der Wehrkraftzersetzung«, eingezogen zum Kriegsdienst als Sanitätsgefr.; 1944 weitere Filmarbeit für das Oberkdo. der Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Assistent der Zentr. Antifa-Schule Krasnogorsk. 1949 SED; 1949 – 53 Regisseur bei der DEFA; Apr. 1953 in West-Berlin im Kontext der sog. »Vulkan«-Affäre verhaftet wg. Spionageverdachts, nach Protesten entlassen; 1953 – 67 Dokumentarist beim DEFA-Studio für Wochenschau u. Dok.-Filme; 1952, 1956 u. 1963 NP (gem. mit  Ehefrau Annelie T.); 1967 Ltr. der DEFA-Gruppe 67; 1961 DAK/AdK; 1963 Internat. Weltfriedenspreis u. Leninpreis; 1967 Gründungsmitgl. u. Präs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1973 Banner der Arbeit; 1978 NP; 1978 Mitgl. des Präs. des Film- u. Fernsehrats der DDR; Mitgl. des NR der NF; 1979 KMO; zahlr. Filmpreise; gest. in Berlin. Seit 1952 gem. mit Annelie T. Gestalter von Kompilationsfilmen; in ihren Filmen mit hist.-pol. Thematik setzten sie sich insbes. mit der dt. Geschichte auseinander; die Filme fanden weltweit Anerkennung. Dok.-Filme: 1951 »Wilhelm Pieck – das Leben unseres Präs.«, 1956 »Du u. mancher Kamerad«, 1958 »Unternehmen Teutonenschwert«, 1963 »Das russ. Wunder«, 2 Teile, 1968 »Geheime Kommandosache«, siebentlg. Fernsehdokumentation, 1970 »Unter den Linden. Geschichte einer Straße«, dreitlg. Fernsehdok., 1977 »Die Alte Neue Welt«.Das russ. Wunder. Berlin 1963; Probleme der Massenwirksamkeit des Kinofilms in der DDR in den 70er Jahren. Arbeitsheft AdK der DDR. Berlin 1970; Die Alte Neue Welt. Leipzig 1979. Filmdokumentaristen der DDR. Berlin 1969; Film- u. Fernsehkunst der DDR (Hrsg. von der HS für Film u. Fernsehen der DDR). Berlin 1979; Wegbereiter (Hrsg. vom Staatl. Filmarchiv). Leipzig 1982; Michalski, J.: A. Th. u. der implodierte »Vulkan«. Berlin 2009.Renate Rätz / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Thun, Ferdinand

* 26.8.1921

Geb. in Tetschen (ČSR / Děčín, Tschechien); Vater Fürst Franz-Anton; 1940 Abitur; 1940 – 43 Wehrmacht, Ltn.; 1943 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Mitgl. des NKFD u. BDO, Antifa-Schule. 1948 Rückkehr nach Dtl.; NDPD; ab 1950 Mitgl. ihres Hauptaussch.; 1949 – 56 Chef des Protokolls im MfAA; Studium in Leipzig u. an der DASR Potsdam, 1954 Dipl.-Staatswiss.; 1956 – 61 Botschaftsrat in Moskau; 1961 – 68 Ltr. der Abt. für Internat. Org. im MfAA; 1964 – 68 Vors. des Krs.-Verb. Berlin-Pankow der NDPD; ab 1966 Mitgl. des Präs. der Liga für die Vereinten Nationen; 1969 – 73 erneut Botschaftsrat in Moskau; 1973 – 76 Botschafter im Iran u. in Afghanistan; ab 1976 wiss. Mitarb. im MfAA; 1980/81 DDR-Vertreter im Pol. Aussch. der Genfer Konferenz zur Überprüfung der Wirksamkeit des Vertrags über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen; 1981 VVO; 1982 – 87 Ständ. Vertreter bei der UNESCO in Paris (Nachf. von  Siegfried Kämpf); Mitgl. des Präs. der Liga für die Vereinten Nationen; verh. mit  Nyota Thun.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thunig, Rudolf

* 4.8.1899 – ✝ 24.10.1983

Geboren am 4. August 1899 in Dresden, Sohn eines Schneiders. Kaufmännische Lehre, arbeitete als Angestellter. Er wurde noch 1918 zum Kriegsdienst eingezogen, schloß sich während der Revolution der FSJ, dem Spartakusbund und 1919 der KPD an. Von 1920 bis 1922 Verlagsleiter der Zeitung »Junge Garde«, Thunig avancierte 1922/23 zum Orgsekretär und Finanzfachmann des Westeuropäischen Büros der KJI in Berlin. 1923/24 Mitarbeiter im Verlag der Jugendinternationale in Wien und erneut von 1924 bis 1932 Sekretär für »technische Angelegenheiten« im Westeuropäischen Büro der KJI in Berlin. Im Sommer 1932 im Zusammenhang mit dem Jugendplenum des EKKI in Moskau mit der Organisation der Übersiedlung des WEB der KJI nach Brüssel beauftragt. Von August bis Oktober 1933 wirkte er als Instrukteur beim ZK des KJV der Tschechoslowakei, kehrte im Oktober 1933 nach Moskau zurück und organisierte den Umzug des WEB von Brüssel nach Amsterdam. Bis Mai 1934 hielt sich Thunig in Amsterdam auf, wurde dann im April 1935 in Berlin verhaftet und 1937 vom VGH zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Im April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit, war er bis 1949 Haupt- bzw. Generalreferent in der Volksbildungsabteilung des Magistrats von Groß-Berlin, leitete ab März 1949 das Büro des Sekretariats des PV bzw. des ZK der SED. Von 1952 bis 1975 stellvertretender Abteilungsleiter im Büro des Politbüros, er erhielt 1959 den Karl-Marx-Orden. Rudolf Thunig starb am 24. Oktober 1983 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tichauer, Heinz

* 24.10.1901 – ✝ 14.4.1938

Geboren am 24. Oktober 1901 in Königshütte/ Oberschlesien, Sohn jüdischer Eltern, der Vater war Möbeltischler, die Mutter Hausfrau. Nach einer Palästinareise lernte er von 1923 bis 1925 in Wien Bildhauer, trat dort in die KPÖ ein. Anläßlich einer Ausstellung seiner Werke in Wien wurde die Büste Lenins von der sowjetischen Botschaft angekauft. Um 1926 übersiedelte er nach Berlin und wurde in die KPD übernommen. Zunächst freischaffend, 1927 an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin berufen, wegen seiner KPD-Mitgliedschaft bereits 1929 entlassen. Er arbeitete dann als Spezialist und Techniker, forschte insbesondere zum Korrosionsschutz von Alumetallen und entwikkelte später ein Verfahren zum Eloxieren von Aluminium. Tichauer war zusätzlich Referent der BL Berlin-Brandenburg und des ZK der KPD und wirkte zuletzt im UB Nord. 1928 gründete er im Auftrag des ZK der KPD gemeinsam mit Max Keilson, Otto Nagel und Heinrich Vogeler die Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands (ASSO oder ARBKD), die sich im Frühjahr 1931 in Bund revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (BRBKD) umbenannte. Tichauers Privatwohnung in Berlin-Heiligensee war zugleich Sitz des Vereins, und er firmierte offiziell als Vorsitzender. Ende der zwanziger Jahre arbeitete Tichauer an monumentalen, für den öffentlichen Freiraum bestimmten Werken, vor allem Skulpturen aus Stein, wie z.B. dem »Gedenkstein zu Ehren der gefallenen Leuna-Opfer im Jahre 1921«. Im Februar 1933 emigrierte Tichauer über Belgien nach Frankreich. Dort 1935 ausgewiesen, kam er über die Schweiz Anfang 1936 in die Sowjetunion. Er war Erfindungsingenieur an der Shukowski-Militärflugakademie in Moskau. Im September 1937 vom NKWD verhaftet, wurde Heinz Tichauer am 14.April 1938 erschossen. Seine Frau Mia Tichauer (* 9. 2. 1904 – † 1. 10. 1969) folgte ihm mit dem 1930 geborenen Sohn Peter in die UdSSR. Angestellte an der Flugakademie, verlor sie 1937 ihre Stellung, wurde aus der KPD ausgeschlossen, Schneiderin in einer Genossenschaft in Moskau. Im Sommer 1941 mit ihrem Sohn nach Sibirien evakuiert, zuletzt Deutschlehrerin an einer Mittelschule in Tscheljabinsk, beide durften im September 1956 in die DDR ausreisen. Sie wurde Leiterin des Pädagogischen Kabinetts für Russisch beim Magistrat in Ost-Berlin.