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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stolt, Georg

* 22.11.1879 – ✝ 19.1.1934

Geboren am 22. November 1879 in Hamburg; lernte Zimmerer und ging auf Wanderschaft. 1900 Mitglied der SPD, 1902 in Frankfurt/M. Kassierer der Gewerkschaft; nach späteren Behauptungen soll es angeblich zu Unregelmäßigkeiten in der Kasse gekommen sein. Stolt wurde 1905 hauptamtlicher Arbeitersekretär, zunächst in Frankfurt/M., dann in Königsberg und anderen Orten. 1912 in Bremen aus dieser Funktion entlassen, da er in Königsberg angeblich Gelder unterschlagen hatte; diese waren ihm – nach seiner Darstellung – aber gestohlen worden. Während des Weltkrieges in Berlin Übertritt zur USPD, 1919 Stadtverordneter. Als die alten Verdächtigungen wieder auftauchten, entschied eine Kommission zu seinen Gunsten. Stolt kam mit der Mehrheit der USPD 1920 zur KPD, Delegierter des Vereinigungsparteitages. In der KPD gehörte er zum Berliner linken Flügel, er wurde 1924 in den Preußischen Landtag gewählt. 1926 ging er zur Thälmann-Gruppe über, kam 1928 aber nicht mehr in den Landtag. Der Vorsitzende des Freidenkerverbandes, Max Sievers, wiederholte 1928 die Vorwürfe, Stolt habe Unterschlagungen begangen. Doch der verwies darauf, schon 1926 vor Gericht einen Prozeß gegen die »Vossische Zeitung« gewonnen zu haben, die Anschuldigungen seien also falsch. Bis 1933 arbeitete Stolt in verschiedenen kommunistischen Organisationen, vor allem in der ARSO. Am 19.Januar 1934 zusammen mit 40 Kommunisten in Berlin-Moabit inhaftiert, wurde Georg Stolt zwei Tage später, am 21. Januar 1934, ermordet

Wer war wer in DDR

Störr, Manfred

* 31.10.1934

Geb. in Thalheim (Erzgeb.); Vater Arbeiter; nach der Grundschule in Thalheim Lehre als Maschinenschlosser, 1952 – 54 Arbeiter im Schiffbau in Wolgast; 1954 – 57 Abitur an der ABF in Greifswald, 1957 – 62 Studium der Geol. an der EMAU; 1961 – 90 SED; 1967 Prom.; 1970/71 Geologe im VEB Erdöl u. Erdgas Grimmen; danach Doz. für Lagerstättenlehre u. Erdölgeol. an der EMAU Greifswald, 1977 dort Habil. u. bis 1992 Prof. mit Lehrstuhl für Lagerstättenlehre; 1973 – 78 stellv. u. 1978 – 84 Dir. der Sektion Geolog. Wiss.; seit 1977 Mitgl. u. 1982 – 90 Vors. des Wiss. Beirats für Geowiss. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen; 1985 – 89 Mitgl. des Beirats des Forschungsprogramms Geo- u. Kosmoswiss. der AdW; 1979 – 85 Vors. der Ges. für Geolog. Wiss. der DDR (Nachf. von  Rudolf Daber). 1990 Gründung des Verlags Störr mit der Herausgabe der »Ztschr. für Geolog. Wiss.« u. der »Schriftenreihe Geowiss.«; 1990 – 2002 Vors. des Fachaussch. Rohstoffe der Dt. Keram. Ges.; 1992 Ehrenmitgl. der Tschech. Ges. für Tonmineral. u. 1993 der Poln. Mineralog. Ges.; Mithrsg. der Ztschr. »Clay Minerals« (1986 – 95) u. »Applied Clay Science« (1988 – 97) u. des Red.-Beirats der »Ztschr. für angew. Geol.« (1977 – 91); lebt in Ostklüne (Usedom). Forschungsschwerpunkte: Tonmineral., Industrielle Applikation Kaolin; mehr als 150 Veröff.Die Kaolinlagerstätten der DDR. Berlin 1983.Martin Guntau

dissidenten.eu

Stötzer, Gabriele

* 1953

Künstlerin und Schriftstellerin. In der DDR aus politischen Gründen in Haft, Leiterin einer privaten Galerie in Erfurt, unangepasste Fotografin, Schriftstellerin und Videokünstlerin, Mitgründerin von „Frauen für Veränderung“, Mitinitiatorin der ersten Besetzung einer Stasi-BezirksverKünstlerin und Schriftstellerin. In der DDR aus politischen Gründen in Haft, Leiterin einer privaten Galerie in Erfurt, unangepasste Fotografin, Schriftstellerin und Videokünstlerin, Mitgründerin von „Frauen für Veränderung“, Mitinitiatorin der ersten Besetzung einer Stasi-Bezirksverwaltung im Dezember 1989.waltung im Dezember 1989.Während ihrer politischen Haft unter Kriminellen und Mörderinnen im Frauenzuchthaus Hoheneck/Stollberg beschloss Gabriele Stötzer 1977, Schriftstellerin zu werden. In den 80er Jahren beeinflusste sie als zentrale Gestalt der Erfurter Subkultur mit ihrer radikalen, schonungslosen Offenheit die unabhängige Kunstszene der späten DDR. Am 4. Dezember 1989 gehörte die Künstlerin in Erfurt zu jenen vier Frauen, die die erste Besetzung einer Bezirksverwaltung der Staatssicherheit organisierten und damit republikweit das Signal zur Sicherung der Stasi-Akten gaben. Eine politische Karriere lockte sie danach nicht. Wichtig war und ist ihr ihre künstlerische Unabhängigkeit – auch in ihrem Engagement gegen Entmündigung und Reglementierung heute. „Indem ich Kunst mache und schreibe, erreiche ich unerwartete Ebenen, in denen ich glücklich bin“, sagt Gabriele Stötzer über sich. Ein banaler Satz, stünde hinter ihm nicht eine außerordentliche Biografie. Am 14. April 1953 wurde Gabriele Stötzer im Dorf Emleben unweit von Gotha geboren. Nach ihrer Lehre arbeitete sie als medizin-technische Assistentin in Erfurt und machte ihr Abitur im Abendstudium. 1973 heiratete sie und trug nach ihrer Scheidung 1979 bis 1991 den Namen Kachold. 1973 begann sie ein Studium für Deutsch und Kunsterziehung an der Pädagogischen Hochschule Erfurt. Nach ihrer Solidarisierung mit dem exmatrikulierten Kommilitonen Wilfried Linke – er hatte sich für einen weniger dogmatischen Marxismus-Leninismus-Unterricht eingesetzt – erfolgte 1976 auch ihre Exmatrikulation. Im November 1976 wurde sie nach ihrer Unterschrift gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann als „Rädelsführerin“ verhaftet. Ihre Weigerung zu „tätiger Reue“ und Rücknahme der Unterschrift brachte ihr fünf Monate Untersuchungshaft ein. In den Verhören sprach sie offen aus, was sie dachte, erfüllte damit den DDR-Tatbestand der „Staatsverleumdung“ und wurde zu einem Jahr Strafvollzug ohne Bewährung verurteilt. Es sollte 25 Jahre dauern, ehe die heute in Erfurt und Utrecht lebende Schriftstellerin im Schutz der dritten Person ihre Erfahrungen über das ehemalige sächsische Staatsgefängnis, dem wegen seiner Härte in der DDR berüchtigten Frauenzuchthaus Burg Hoheneck, niederschrieb. Weil sie im Gegensatz zu anderen politischen Häftlingen die DDR nicht verlassen wollte, fand sie sich in der Gefängnishierarchie weit unten – in einer Zelle zusammen mit Kriminellen. 22 Frauen in einem „Verwahrraum“, auf engstem Raum. Bei guter Führung gab es die Erlaubnis, wöchentlich einen zensierten Brief zu schreiben, monatlich einen „Sprecher“, getrennt durch eine Glasscheibe, zu haben, jeden Monat ein kleines Paket zu bekommen. Bei erfüllter Arbeitsnorm, das waren im Dreischichtbetrieb täglich 650 genähte Strumpfhosen, durfte sie für 40 Mark im Monat Lebensmittel, Toilettenartikel und Bohnenkaffeemarken eintauschen. Gabriele Stötzers Buch „Die bröckelnde Festung“ (2002) ist ein faktenreicher Bericht über den drastischen Alltag in dieser „Mörderburg“ und zugleich eine sehr intime Schilderung innerer Selbstfindung. Es beschreibt hautnah den subtilen Druck zur Normerfüllung, die Hierarchie in den verschlossenen, schlecht geheizten Zellen, die Zweckbündnisse der Frauen, ihre Liebesverhältnisse, Eifersucht, Kämpfe und Versöhnungen, ihre Träume von Amnestie – oder davon, wenigstens einmal in die Stadt zum Konditor gehen zu können, sowie die Unmöglichkeit, der täglichen Akkordarbeit zu entgehen, außer durch Einweisungen in die Krankenstation oder Suizid. Aus dem Gefängnis entlassen, wehrte sich Gabriele Stötzer-Kachold gegen die verordnete Ohnmacht, indem sie ihre Erlebnisse, Ängste, Hoffnungen notierte. Ihre Haftberichte kursierten als Schreibmaschinenabschriften unter der Hand. Unangemeldet besuchte sie Christa Wolf. Über die Begegnung ist in deren Erzählung „Was bleibt“ nachzulesen: „Wer schickte die? Das Mädchen kramte in seiner Umhängetasche und zog endlich ein paar Blätter daraus hervor, ein Manuskript, das war der Anlass für ihren Besuch. Ich las die Blätter sofort. […] Ich sagte, was sie da geschrieben habe, sei gut. Es stimme. Jeder Satz sei wahr. Sie solle es niemanden zeigen. Diese paar Seiten könnten sie wieder ins Gefängnis bringen.“ Nach zweijähriger Arbeit „zur Bewährung“ in einer Schuhfabrik übernahm Gabriele Stötzer-Kachold 1980 die private „Galerie im Flur“ in Erfurt, die alternative Künstler erst aus Thüringen, später auch aus Dresden, Leipzig und Berlin ausstellte. Spitzelberichte, unter anderem von Sascha Anderson, führten 1981 zur Schließung der Galerie. „Aber“, sagt Gabriele Stötzer, „letztlich gelang es ihnen nicht, die kreative Potenz zu brechen.“ Von 1979 bis 1986 verfolgte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Künstlerin im Operativen Vorgang „Toxin“ mit dem Ziel der erneuten Verhaftung, danach bis 1989 in der Operativen Personenkontrolle „Medium“. Stötzer beeinflusste maßgeblich die Erfurter und auch die unabhängige DDR-Kunstszene, durchbrach radikal sozialistisch-kleinbürgerlich-dogmatische Tabus. Sie fotografierte, drehte erfolgreich Super-8-Filme – seit 1990 Videoprojekte – über feminine Selbstfindung. Dokumentiert sind sie in „Gegenbilder. Filmische Subversion in der DDR 1976–1989“ von 1996. Gegen drohende gesellschaftliche Isolierung erfand sie immer neue Handlungsräume und Aktionen. Seit 1983 trat sie mit einer von ihr gegründeten Frauen-Performance-Gruppe auf und veröffentlichte in den Untergrundzeitschriften „und“ in Dresden sowie „mikado“ und „ariadne“ in Berlin. Stötzer lebte bewusst den Widerspruch zur vormundschaftlichen Gesellschaftsordnung, probte „außerstaatliche Lebensqualität“, machte die Kunst zum Medium für ihre Artikulation. Ihr erster unter dem Namen Kachold von Gerhard Wolf herausgegebener Band „zügel los“ (1989) mit experimenteller Prosa und Prosagedichten verkörperte den Ausbruch aus der allgemeinen Agonie. Tagebuchartige Reflexionen, bisweilen im Rap-Rhythmus, vielfach drastisch exhibitionistisch und illustriert mit provozierenden Zeichnungen, setzten in „grenzen los fremd gehen“ (1992) den Aufbruch aus gesellschaftlicher Verkrustung aus unmittelbarer subjektiver Nähe fort. Ihre Sprache in dieser Zeit war hart und direkt, Beschönigungen lehnte sie ab: „Erst habe ich gedacht, manches sei unaussprechbar. Dem habe ich widersprochen. Wenn man schon Knast sagen kann und nicht Strafvollzug, hängt das sicher mit der Härte zusammen, die existiert hat. Wobei die Mehrheit sagt: Mir ist nichts passiert. Ich habe die Härte nicht gespürt.“ Tatsächlich gibt es nur wenige Schriftstellerinnen aus der ehemaligen DDR, die ihre Erfahrungen so kompromisslos und authentisch in die Literatur einbringen wie Gabriele Stötzer.Als 1988 die sowjetische Zeitschrift „Sputnik“ in der DDR verboten wurde, ging Stötzer in die Pathologie und beschrieb die Obduktion eines Mannes als Vorwegnahme der zu sezierenden Ordnung. Kurz darauf entwickelte sich im Herbst 1989 jene kaum vorhersehbare, von vielen Couragierten getragene Dynamik. Es entstand eine breite Bürgerbewegung. Um den Maler Matthias Büchner gruppierte sich das Erfurter Neue Forum. Die Psychologin Kerstin Schön, Gabriele Stötzer-Kachold und andere gründeten die Frauengruppe Frauen für Veränderung. In diesem Herbst sprach Gabriele Stötzer-Kachold auf den Erfurter Demonstrationen und holte im Januar 1990 „Biermann auf den Domplatz“. Am Abend des 3. Dezember erreichte die Spitze des Neuen Forums, die bei Berlin in Grünheide tagte, die Information, der oberste Devisenbeschaffer der DDR, Alexander Schalck-Golodkowski, habe sich abgesetzt. Die Bürgerrechtler ergriffen die Initiative gegen die angelaufene Aktenvernichtung und Devisenveruntreuung, übermittelten per Telefon an Mitstreiter in allen Bezirken einen Aufruf, um Absetzbewegungen und Verschleierungsversuche zu verhindern. Matthias Büchner rief bei Manfred Ruge, dem späteren Oberbürgermeister von Erfurt, an. Noch in der Nacht wurde der Aufruf in der Stadt verbreitet. Gabriele Stötzer erinnert sich: „Kerstin Schön weckte mich ganz früh am Morgen des 4. Dezember. Sie klingelte gegen 5.00 Uhr an der Tür und erklärte aufgeregt, es müsse etwas getan werden, die Stasi verbrenne seit Tagen Akten, das müsse gestoppt werden.“ Die führenden Bürgerrechtler Erfurts waren in Berlin, und so beschlossen die beiden Frauen spontan: „Die Stasi-Bezirksverwaltung muss besetzt werden.“ Zusammen mit Sabine Fabian und Claudia Bogenhardt liefen sie zunächst ins Rathaus, platzten in die außerordentliche Bürgermeisterwahl und verlangten, sofort die Aktenvernichtung durch die Staatssicherheit zu stoppen. „Es war ein eigenartiges Gefühl, als wir vier Frauen nach der entschieden vorgebrachten Forderung vor den ungläubig starrenden Abgeordneten standen. Die Runde schien beeindruckt. Sie erklärten, dass der Stadtrat für Inneres mit uns in Verhandlungen treten würde.“ Während Kerstin Schön und Sabine Fabian Arbeiter aus Großbetrieben zur Demonstration vor der Stasi-Zentrale in der Erfurter Andreasstraße mobilisierten, setzten Claudia Bogenhardt und Gabriele Stötzer-Kachold durch, dass der Bezirksstaatsanwalt den zuständigen Militärstaatsanwalt aus Berlin anforderte. „Die Zeit, bis er eintraf, war zu lang, wir drängten den Erfurter Bezirksstaatsanwalt mitzugehen, was er auch tat. Als wir in die Andreasstraße kamen, war der Stasi-Komplex von vielen Bürgern umstellt, die Bewacher hatten unter dem Andrang der Leute die Türen geöffnet, die ersten Leute hineingelassen. Die Menschen von draußen liefen beherrscht und vorsichtig durch die Etagen und stießen drinnen auf Chaos und Unordnung. Überall Akten, Schnipsel, in den Kellern brannten Öfen mit Papier. Wir versiegelten die Räume, in die von da ab keiner der aufgeregt herumirrenden Stasiangestellten mehr hinein durfte.“ Im Laufe des Nachmittags traf der Militärstaatsanwalt ein und versiegelte – nun rechtskräftig – die Türen. Bürgerrechtler organisierten die Bewachung der Räume und Sicherung der Akten. Aber vor allem waren es vier mutige Frauen, die in Erfurt mit ihrer spontanen Entscheidung zur ersten Besetzung einer MfS-Bezirksverwaltung Zeitgeschichte schrieben. In der Zeit, in der Gabriele Stötzer täglich im Bürgerrat und Bürgerkomitee arbeitete, besetzte sie mit ihrer Künstlerinnengruppe ein vierstöckiges, stark sanierungsbedürftiges Haus in der Altstadt und etablierte darin das Erfurter Kunsthaus e. V. In ihrem Buch „erfurter roulette“ (1995) setzt sie die auseinanderdriftenden Interessen und neuen Spannungen dort so hintergründig wie drastisch in Szene. Nach dem Ende der DDR erfolgte 1992 Gabriele Stötzers Rehabilitierung und Zuerkennung des Diploms. 1992 und 1994 unternahm sie Vortrags- und Lesereisen durch die USA. Nach wie vor schreibt sie und macht Kunst, Installationen und Objekte. Ihre Arbeit findet Anerkennung, was sich unter anderem an der Zahl der Stipendien, die ihr verliehen wurden, zeigt. 2013 wurde ihr für ihr bürgerrechtliches Engagement in der DDR und für ihre künstlerische Auseinandersetzung mit der Haft- und Diktaturerfahrung das Bundesverdienstkreuz verliehen. Heute lebt die Schriftstellerin in Erfurt und Utrecht.Udo Scheer Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Strampfer, Herbert

* 15.9.1913 – ✝ 14.8.1995

Geb. in Annaburg (b. Torgau); Vater Beamter; Volks- u. Mittelschule; Lehre als Elektrotechniker; 1933 NSDAP; 1933 – 36 Ing.-Studium an der höheren Staatslehranstalt Hamburg, Elektroing.; anschl. Konstrukteur im Schaltanlagenbau; 1939 – 43 Wehrmacht, Ltn.; 1943 – 45 sowj. Kriegsgef., 1944 Antifa-Schule, Mitgl. des NKFD u. Mitarb. des Bundes Dt. Offiziere. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD; Aug. – Okt. 1945 Schriftltr. bei der »Thüringischen Volkszeitung« Weimar; 1945 / 46 Prokurist bei der Thüringischen Verwaltungs-GmbH; 1946 SED; 1946 / 47 Ltr. der Abt. Wirtschaft des SED-LV Thüringen; 1948 – 50 Werkltr. der Kammgarnspinnerei Werra, Wernhausen; 1950 – 52 Minister für Arbeit in der Landesreg. Thüringen; 1953 Staatssekr. u. Ltr. der Kontrollstelle für Binnenhandel; 1953 – 55 Fernstudium an der DASR Potsdam-Babelsberg, Dipl.-Ökon.; 1953 / 54 stellv. Vors. der Staatl. Kommission für Handel u. Versorgung, 1954 / 55 Hauptabt.-Ltr. im Min. für Handel u. Versorgung; 1956 – 58 Ltr. der HV Fahrzeugelektrik u. Installationsmaterial; 1958 – 60 Ltr. der VVB Optik der SPK; 1960 – 67 Vizepräs. u. 1. Sekr. der KDT (Nachf. von  Herbert West); 1963 – 68 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst. u. seines Präs.; später Mitarb. der DDR-Handelsvertretung in Moskau bzw. am ZI für Information u. Dokumentation.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Strauß, Paul

* 27.4.1923

Geb. in Viepernitz (Krs. Güstrow); Vater u. Mutter Landarb., Stiefvater Schuhmacher; 1929 – 37 Volksschule in Laage; 1937 – 39 Ausbildung zum Zimmermann in Laage; 1939 – 41 im Beruf in Güstrow tätig; 1941 HJ; 1941 – 45 Wehrmacht (Marine); 1945 – 47 britische Kriegsgefangenschaft im Lager Ijmeuden (Niederlande). 1947 Rückkehr nach Dtl.; 1947/48 Holzsohlenschneider; 1948 – 54 Zimmermann in Laage; ab 1951 in Rostock; 1948 FDGB; 1953 – 55 Mitgl. des Bez.-Vorst. der IG Bau / Holz in Rostock; 1954 SED; 1954 – 62 Brigadier u. Mstr. bei der VEB Bauunion in Rostock; 1954 – 58 Abg. des Bez.-Tags Rostock; 1955 Initiator der ersten Komplexbrigade u. 1959 maßgebl. beteiligt bei der Einführung des Objektlohns im Bauwesen; 1956 – 60 Mitgl. des ZV der IG Bau/Holz; 1958 – 64 Mitgl. der SED-BL Rostock; 1959 – 72 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB u. bis 1968 seines Präs.; 1959 Studium an der Ing.-HS Wismar; 1962 – 89 Baultr. im VEB Wohnungskombinat in Rostock; 1963 – März 1990 Abg. der Volkskammer; Nov. 1963 – Jan. 1990 Mitgl. des Staatsrats; 1963 Kand., 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1983 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Streisand, Joachim

* 18.10.1920 – ✝ 6.1.1980

Geb. in Berlin; Eltern Buchhändler; 1938 Abitur; 1938/39 Univ. Rostock, 1939 – 42 Univ. Berlin, Studium der Philos., Geschichte, Kunstgeschichte, Anglistik, Romanistik, Psychol.; 1942 Relegation wegen jüd. Herkunft; 1942 –44 kriegsdienstverpflichteter Laborarb., 1944 Arbeitslager Jena; März 1945 Flucht aus Jena, anschl. bis Mai 1945 illeg. in Berlin. 1945 stellv. Ltr. des Schulamts Berlin-Charlottenburg; 1946 – 48 Doz. an der VHS Berlin-Charlottenburg; 1947/48 Halbtagsstellung am DIZ; 1948 SED; 1948 – 51 wiss. Aspirant an der Univ. Berlin; 1950 Lehrbeauftr. für Musikgeschichte am Staatl. Konservatorium; später Lehrer für Gegenwartskunde am DEFA-Studio; 1951/52 Assistent an der HU Berlin; 1952 Diss. über die Soziol. Karl Mannheims; seit 1951 Vorlesungen an der HU Berlin über neuere dt. Geschichte; 1952 stellv. Abt.-Ltr. u. 1953 – 55 Abt.-Ltr. für den Zeitabschnitt 1848 – 95 am Museum für Dt. Geschichte; 1953 Mitbegr. der »Ztschr. für Geschichtswiss.« (ZfG), 1953 – 57 nebenamtl. Red.-Sekr. der ZfG; 1956 – 63 wiss. Ref. an der AdW; 1958 – 80 als GI bzw. IMS »Montag« für das MfS tätig; 1962 Habil. über das Geschichtsdenken von der Frühaufklärung bis zur Klassik; 1963 Prof. mit Lehrauftrag u. Dir. des Inst. für dt. Geschichte an der HU Berlin; 1964 – 69 Prof. mit vollem Lehrauftrag; 1968 – 80 Präs. der Hist.-Ges. (Nachf. von  Gerhard Schilfert); 1969 ord. Prof.; 1969 NP; 1969 – 74 Dir. der Sekt. Geschichte der HU Berlin; 1971/72 in dieser Funktion an der pol. motivierten Relegation u. Maßregelung von 13 Studenten beteiligt; 1975 Ord. Mitgl. der APW; gest. in Berlin. Hauptarbeitsgebiete: dt. Geschichte seit 1789; Geschichtsdenken in der Zeit der Aufklärung u. Klassik; Geschichte, Theorie u. Methodol. der Geschichtswiss.; seit 1955 Mitgl. u. seit 1962 Ltr. des Autorenkoll. für ein marxist.-leninist. Lehrbuch zur dt. Geschichte.Um die Einheit Dtl. Berlin 1953; Dtl. von 1789 bis 1815. Berlin 1959; Geschichtsdenken von der dt. Frühaufklärung bis zur Klassik. Berlin 1964; Dt. Geschichte in einem Band. Berlin 1968; Kultur in der DDR. Berlin 1981. Schleier, H.: J. S. In: Wegbereiter der DDR-Geschichtswiss. Berlin 1989; Beiträge zur Geschichte der HU Berlin (1982) 6; Haun, H.: Kommunist u. »Revisionist«. Die SED-Kampagne gegen Jürgen Kuczynski (1956 – 1959). Dresden 1999.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Streletz, Fritz

* 28.9.1926

Geb. in Friedrichsgrätz (Krs. Oppeln, Oberschl. / Grodziec, Polen); Vater Bergmann; 1933 – 41 Volksschule in Friedrichsgrätz u. Eschenrode (b. Magdeburg); 1936 – 41 Dt. Jungvolk der HJ; 1941 – 43 Schüler an der Heeres-Uffz.-Vorschule in Deggendorf; 1943/ 44 RAD, 1944/45 Wehrmacht (Infanterie), Uffz.; EK; 15.2.1945 – Okt. 48 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948/49 Kursant der KVP Zerbst, Gruppenführer; 1949 Zugführer der VP-Bereitschaft Bernburg; dann deren Stabschef in Dommitzsch; 1949/50 Stellv. Ausbildung VP-Bereitschaft Kirchmöser; 1950 Ltr. VP Bereitschaft Frankenberg; 1950/51 HV Ausbildung; 1951 Stellv. Ausbildung VPD Prenzlau, VP-Oberrat; 1951/52 Sonderlehrgang in Privolsk (UdSSR); 1952/53 Ltr. KVPD Großenhain, dann Oranienburg; 1953/54 stellv. Ltr. KVPD Halle; 1954/55 Offiziers-HS Dresden; 1955/56 stellv. Chef Territorialverw. Süd; 1956 – 59 1. stellv. Chef Militärbez. III (Leipzig); Sept.Nov. 1957 Chef des Militärbez. III (Nachf. von  Friedrich Johne); 1959 – 61 Offiziershörer an der Militärakad. des Gen.-Stabs der Streitkräfte der UdSSR, Dipl. rer. mil.; 1961 – 64 Chef des Stabs des Militärbez. III (Nachf. von Helmut Arnold); 1964 Gen.-Major; 1964 – 72 stellv. Chef des Hauptstabs für operative Fragen der NVA u. Chef; 1972 – 78 stellv. Chef. der Operativen Verw., 1969 Gen.-Ltn.; ab 1971 Sekr. des NVR; 1976 VVO; 10.1.1979 – 31.12.1989 stellv. Minister für Nat. Verteidigung (Nachf. von  Heinz Keßler) u. Chef des Hauptstabs der NVA, 1979 Gen.-Oberst; 1984 KMO; 1989/90 Überprüfung durch den NVA-Aussch. von Amtsmißbrauch, Korruption u. persönl. Bereicherung, keine strafrechtl. Konsequenzen; 1.1. 1990 Ruhestand. Mai 1991 Ermittlungsverfahren wegen »Anstiftung zum Totschlag«, U-Haft, 12.11.1992 Prozeßbeginn gem. mit  Erich Honecker u. a.; 16.9.1993 vom Berliner LG zu fünf Jahren u. sechs Mon. Haft verurteilt, unter Auflage außer Vollzug gesetzt; im Juli 1994 bestätigte der BGH, im März 2001 der Europ. Gerichtshof für Menschenrechte das Strafmaß.Die Verbrechen der NATO. Berlin 2000. Wagner, A., Ehlert, H. (Hrsg.): Genosse General! Berlin 2003.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Strittmatter, Erwin

* 14.8.1912 – ✝ 31.1.1994

Geb. in Spremberg; Vater Bäcker u. Kleinbauer; 1919 – 23 Volksschule in Bohsdorf (Krs. Spremberg), 1923 – 29 Realgymnasium in Spremberg, Abbruch aus Geldmangel; 1930 – 34 Lehre u. Arbeit als Bäcker; 1934 – 37 Tierpfleger im Tierpark Dinslaken, auf einem Mustergut u. in versch. Betrieben; Arbeit als Kellner u. Tierwärter; März / April 1934 kurzz. »Schutzhaft« in Döbern wegen des unbegr. Vorwurfs kommunist. Prop.; 1937 – 41 Hilfs- bzw. Chemiefacharb. in der Thür. Zellwolle AG in Schwarza, UK-Stellung; 1940 / 41 DAF; Febr. 1941 eingezogen zur Schutzpolizei (Teil der Ordnungspolizei), Ausbildung an der Schutzpolizei-Schule Eilenburg II; Oberwachtmstr. im Polizei-Bat. 325, ab Aug. 1941 Polizei-Gebirgsjäger-Regt. 18; Aug. – Sept. 1941 Einsatz in Jugosl. (Krainburg / Kranj, Slowenien), Okt. – Dez. 1941 in Krakau (Streifen- u. Wachdienst; ab Jan. 1942 Einsatz gegen slowen. Partisanen u. Zivilbevölkerung in der Oberkrain (»Befriedungsaktionen«); ab Frühj. 1942 Schreiber beim Bat.-Stab; Ausbildung zum Gebirgsjäger in Reutte (Tirol);, Dez. 1942 nach Finnland, im Hinterland der karel. Front in Bereitstellung (im Febr. 1943 erhielt das Regt. die Bezeichn. »SS-Polizei-Gebirgsjäger-Reg. 18«, war jedoch nicht Teil der Waffen-SS, sondern blieb Teil der Ordnungspolizei); Okt. 1943 – Jan. 1944 Stationierung auf der Kykladen-Insel Naxos, Febr. – Juni 1944 auf dem griech. Festland (jeweils als Schreiber im Bat.-Stab); Juli 1944 Versetzung zur Film- u. Bildstelle der Ordnungspolizei in Berlin-Spandau; setzte sich im März 1945 bei der Verlegung der Dienststelle ab, lebte illeg. in Wallern (Böhmen); Mai 1945 von der US-Army verhört u. als Zivilist entlassen. Juni – Nov. 1945 Hilfsarbeiter auf dem Obstgut Gehlen in Saalfeld; anschl. Bäcker in der Bäckerei des Vaters u. Kleinbauer; 1946 Schutzverb. Dt. Autoren, später DSV; Juni – Dez. 1947 Neusiedler, Amtsvorsteher (für mehrere Gemeinden) u. Standesbeamter in Bohsdorf; 1947 SED; Besuch der KPS in Hoyerswerda; 1947 – 51 Lokalred. der »Märk. Volksstimme« für die Landkreise Calau u. Spremberg; 1948 KB; 1950 Sonderlehrgang für Kulturred. an der PHS; ab 1951 freischaff. Schriftst.; 1953 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West, dann bis 1991 PEN-Zentrum DDR; 1953 u. 1955 NP; 1958 / 59 3. Sekr. des DSV; 1958 / 59 beim MfS als KP, 1959 – 64 als GI »Dollgow« des MfS erf.; 1959 – 61 1. Sekr. des DSV (Nachf. von  Max Zimmering); 1959 Mitgl. der DAK; 1969 – 83 Vizepräs. des DSV; Mitgl. des Präs. des SV bis 1978; 1974 KMO; 1976 NP; 1982 VVO; 1964 u. 1984 NP; 1987 Held der Arbeit; 1987 Dr. h.c. der HS für Landw. Meißen; seit 1956 in dritter Ehe verh. mit  Eva S.; Mitgl. einer LPG in Dollgow (Brandenb.); gest. in Schulzenhof (b. Gransee). Seit Beginn der liter. Arbeit bemüht um Vermittlung zw. Alltagsleben, soz. Weltsicht u. eigenständ. Schreibweise (u. a. »Ochsenkutscher« 1950, Drama »Katzgraben« mit  Bertolt Brecht 1953, »Tinko« 1955); kontroverse Diskussion um den Roman »Ole Bienkopp« (1963), bes. nach der zweiten Bitterfelder Konferenz, die 1964 repräsentative soz.-realist. Darstellungen forderte; weitere wichtige Werke: »Wundertäter« 3 Bde. (1957, 1973, 1980), wobei insbes. Bd. 3. scharfe Reaktionen seitens der SED-Führung erfuhr; große Popularität erreichten die zeitkrit., teils autobiogr. Schilderungen der Kindheits- u. Jugenderlebnisse in »Der Laden« 3 Bde. (1983, 1987, 1992), 1999 TV-Verfilmung.Stücke. Berlin 1967; Meine Freundin Tina Berte. Berlin 1977; Lebenszeit. Berlin 1987; Die Nachtigall – Geschichten. Berlin-Weimar 1989; Vor der Verwandlung. Aufzeichnungen. Berlin 1995. Böttcher, K.: E. S. Berlin 1980; E. S.: Leben u. Werk. Analysen, Erörterungen, Gespräche. Berlin 1984; Walter, J.: Sicherungsbereich Lit. Berlin 1996; Brandt, L.: Die E. S.-Legende. MDR 1998 (Film); Drommer, G.: E. S. – des Lebens Spiel. Eine Biogr. Berlin 2000; Strittmatter, E.: E. S. – Eine Biogr. in Bildern. Berlin 2003; Liersch, W.: E. St.s unbekannter Krieg. In: Frankfurter Allg. Sonntagsztg., 8.6.2008.Bernd-Rainer Barth

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Strobl, Maximilian (Max)

* 1.12.1896 – ✝ 28.4.1971

(* 1896 – † 1971) Geboren am 1. Dezember 1896 in Dachau, Sohn eines Großbauern, Klostererziehung. Mit 16 Jahren floh er aus der Anstalt, um der von den Eltern geforderten Priesterweihe zu entgehen, und schloß sich der sozialistischen Arbeiterjugend an. Ab 1914 Soldat im Weltkrieg, wurde Strobl Anhänger des Spartakusbundes, 1919 Mitglied der KPD. Im April 1919 Justizminister der Bayerischen Räterepublik unter Eugen Leviné. Nach deren Niederlage wegen der »Münchner Geiselmorde«, an denen er völlig unbeteiligt war, zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. 1925 amnestiert, anschließend in Berlin im Zentralvorstand der Roten Hilfe beschäftigt. Als Rechter 1928 aus der KPD ausgeschlossen, wurde Strobl Mitglied der KPO und arbeitete in deren Internationaler Hilfsvereinigung. Ende 1933 emigrierte er nach Oslo, ging zur Mot-Dag-Gruppe und trat mit dieser 1936 der Norwegischen Arbeiterpartei bei, Lektor im Arbeiterbildungsverein. Im April 1940 Flucht nach Schweden, wegen politischer Betätigung in eine Landgemeinde in Südschweden verwiesen, erhielt Strobl 1943 die Erlaubnis zum Umzug nach Kalmar an die Ostküste. Nach Kriegsende Rückkehr nach Norwegen, hier im Archiv der Arbeiterbewegung in Oslo tätig, ab 1948 im staatlichen Zentralbüro für Seeleute. Seit dem Ausschluß der Linken aus der DNA gehörte er der Sozialistischen Volkspartei an. Maximilian Strobl starb am 28.April 1971 in Oslo.

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Struck, Friedrich Wilhelm Ernst

* 17.7.1890 – ✝ 26.10.1954

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Arbeiter; 1905 – 11 Besuch des Seminars für Stadtschullehrer, Erste Lehrerprüfung, 1914 Zweite Lehrerprüfung, danach im Schuldienst in Berlin, an der Kirschner-Oberreal-Schule; daneben Abitur u. 1921 – 25 Studium der Naturwiss., Math. u. Psychol. an der Berliner Univ.; 1926 – 31 Studium der Erziehungswiss., Psychol. u. Philos. an den Univ. Berlin u. Hamburg, dort 1931 Prom. zum Dr. phil.; 1930 SPD; 1939 – 45 zur Lehrertätigkeit nur in Volksschulen zugelassen; ab 1943 Unterricht in Pädagogik, Psychologie u. Chemie an der Lehrerbildungsanstalt Güstrow. Sept. 1945 Ltr. des Pädagog. Inst. in Schwerin für Lehrgänge zur Ausbildung von Neulehrern; Mai 1946 außerord. Prof. für Psychologie an der Univ. Rostock; Sept. 1946 ord. Prof. für Psychol. u. Pädagogik sowie Dekan der Pädagog. Fak. der Univ. Greifswald; 1948 ord. Prof. für Psychol. u. Pädagogik sowie Dekan der Pädagog. Fak., 1949 – 52 Rektor der Univ. Rostock (Nachf. von  Hans Hermann Schmid); gest. in Rostock.Martin Guntau

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Stubbe, Hans

* 7.3.1902 – ✝ 14.5.1989

Geb. in Berlin; Vater Schulrat; Realgymnasium; 1919 – 25 landw. Lehre u. Praxis; 1925 –29 Studium der Landw. u. der Biol. an der Univ. Göttingen u. an der Landw. HS Berlin, Dipl.-Landwirt; 1927/28 Volontärassistent bei Erwin Baur am Inst. für Vererbungsforschung in Berlin; 1929 Prom. über experiment. Auslösung von Mutationen; 1929 – 36 Abt.-Ltr. am neugegr. Kaiser-Wilhelm-Inst. für Züchtungsforschung in Müncheberg (Mark); nach Maßregelung als Abt.-Ltr. Entlassung u. bis 1943 wiss. Mitarb. bei Fritz von Wettstein am Kaiser-Wilhelm-Inst. für Biol. in Berlin-Dahlem; ab 1943 Aufbau u. Ltg. des Kaiser-Wilhelm-Inst. für Kulturpflanzenforschung in Wien, 1945 Verlagerung des wiss. Materials nach Stecklenberg (Harz). 1945 – 67 Dir. des Inst. für Kulturpflanzenforschung Gatersleben der MLU Halle bzw. der DAW, Mutations- u. Evolutionsforschung, Hybridzüchtung, Aufbau einer Genbank der Kulturpflanzen; 1946 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Genetik der MLU Halle; 1947/48 Gründungsdekan der Landw. Fak.; 1949 Ord. Mitgl. der DAW; NP; 1951 – 68 Gründungsmitgl. u. Präs. der DAL; 1960 NP; 1961 VVO; 1963 Erwin-Baur-Medaille der DAL; 1967 em.; 1968 Ehrenpräs. der DAL; Gründungsinitiator u. Ltr. der Arbeitsgemeinschaft für Jagd- u. Wildforschung der AdL; 1963 – 86 Abg. der Volkskammer, KB-Fraktion; Mitgl. des Vorst. des Forschungsrats; 1963 – 68 Mitgl. des Landw.-Rats; 1967 Vors. des wiss. Beirats für Landw. beim Staatssekr. für HFS-Wesen; Mitgl. des KB-Präsidialrats u. der Pugwash-Gruppe der DDR; gest. in Zingst. H. S. hatte in Gatersleben die Lehrsätze Trofim Lyssenkos auf dem Versuchsweg widerlegt u. entscheidenden Anteil daran, daß in der neugegr. DAL genetische Forschung weiter betrieben werden konnte; er war Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. versch. in- u. ausländ. Akad., Dr. h. c. der Univ. Jena, Brno, Kraków u. Berlin; Hrsg. bzw. Mithrsg. versch. wiss. Periodika, u. a.: »Biolog. Zentralblatt«, »Kühn-Archiv«, »Beiträge zur Jagd- u. Wildforschung«; Autor zahlr. Veröff. zur Genetik u. Kulturpflanzenforschung mit z. T. mehrf. Aufl.Genetik. Jena 1963 (Hrsg.); Kurze Geschichte der Genetik bis zur Wiederentdeckung der Vererbungsregeln G. Mendels. Jena 1965; Grundlagen der Bewirtschaftung u. Hege der Wildbestände. Berlin 1973; Geschichte des Inst. für Kulturpflanzenforschung Gatersleben. Berlin 1982. H. S. – 80 Jahre. Festkolloquium der AdW u. der AdL. Berlin 1982; Käding, H.: H. St., Genetiker u. Züchtungsforscher. Müncheberg 1999; Heim, S. (Hrsg.): Autarkie u. Ostexpansion. Göttingen 2002; Laitko, H.: Strategen, Organisatoren, Kritiker, Dissidenten – Verhaltensmuster prominenter Naturwissenschaftler der DDR in den 50er u. 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Berlin 2009.Siegfried Kuntsche

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Studer, Heinrich

* 17.2.1900 – ✝ 12.11.1964

Geboren am 17. Februar 1900 in Frankfurt/M., Sohn eines Tischlers; lernte Schlosser, seit Anfang 1919 in der KPD. Im Oktober 1923 Kurierleiter der Kampfleitung Hessen-Frankfurt, wurde nach Übersiedlung der Oberkampfleitung Süd-West von Stuttgart nach Frankfurt/M. Leiter des Kurierapparates für Süd- und Westdeutschland. Wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz gesucht, lebte er illegal in Berlin und im Ruhrgebiet. Ab 1927 offiziell bei der »Arbeiter-Zeitung«, tatsächlich Mitarbeiter des AM-Apparates (Zersetzungsressort) der BL Hessen-Frankfurt. Von Oktober 1930 bis April 1931 Kursant der M-Schule der Komintern in Moskau, Schuldeckname Heinz. Anschließend wieder im AM-Apparat tätig und 1931 Gauleiter des illegalen RFB Hessen-Frankfurt. Am 30.März 1933 verhaftet und am 12.August 1933 vom OLG Kassel zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1936 Emigration in die âSR, dort am 9. April 1939 beim Grenzübertritt nach Polen festgenommen. Bis 1945 Haft im KZ Buchenwald, er gehörte zum illegalen Lagerschutz und war 1943/44 Leiter der illegalen Militärorganisation. 1945 zunächst Mitarbeiter der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums Frankfurt/M, ab Dezember 1945 Organisationssekretär der KPD in Hessen, später hauptamtlich im PV der KPD, u. a. verantwortlich für den Literaturvertrieb der KPD in der Bundesrepublik. Heinrich Studer starb am 12.November 1964 in Frankfurt/M.

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Stolzenburg, Albert

* 20.9.1884 – ✝ 21.11.1967

Geboren am 20. September 1884 in Dortmund; nach der Oberrealschule technischer Volontär im Stahlwerk Hoesch in Dortmund. 1902 Mitglied der SPD und des Metallarbeiterverbandes; er reiste 1905 in die USA, trat der Socialist Party und der Gewerkschaft der Industrie-Arbeiter bei. Er wurde Redakteur am »Philadelphia-Tageblatt«, kehrte im Januar 1912 nach Deutschland zurück, wurde Telefon-Stenograph an der »Neuen Badischen Landeszeitung« in Mannheim und Bezirksvorsitzender des ZdA Ludwigshafen-Mannheim. 1914 zum Militär eingezogen, schloß er sich 1917 der USPD an, deren Vorsitzender er in Mannheim wurde. Im Januar 1919 gehörte Stolzenburg hier zu den Mitbegründern der KPD, als Vorsitzender der Ortsgruppe war er Mitherausgeber der »Roten Fahne« und Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates. Beteiligt an der Mannheimer Räterepublik im Februar 1919, flüchtete er nach deren Niederschlagung nach München, wurde dann Vorsitzender des KPD-Bezirks Nordbayern in Nürnberg. 1920 übersiedelte er in das Ruhrgebiet und war von 1920 bis 1924 Vorsitzender des KPD-Bezirks Rheinland-Westfalen-Nord (Ruhr) in Essen. Tagungsleiter des VIII. Parteitags in Leipzig 1923 und in den ZA gewählt. Wegen der Linkswendung verließ er 1924 die KPD, wurde am Jahresende verhaftet und saß fünf Monate im Gefängnis. 1925 wieder Mitglied der KPD, ab 1926 war Stolzenburg im Importhandel tätig. Seit 1929 Mitarbeiter im Arbeitsamt Gelsenkirchen und nicht mehr in der KPD aktiv. Im August 1933 flüchtete er in das Saargebiet, im Februar 1935 nach Frankreich, dort von September 1939 bis Juni 1940 interniert. Von der Gestapo am 1.September 1940 wegen »Landesverrats« festgenommen, saß er vier Monate in Haft. Seit September 1944 wieder in Deutschland, lebte Stolzenburg bei Kriegsende in Quedlinburg. 1945 zunächst Vorsitzender der KPD, im April 1946 der SED, von 1947 bis 1952 Lehrer an der Parteischule in Quedlinburg, dann in Forst/Lausitz Parteiveteran der SED. 1958 einer der Autoren des vom IML herausgegebenen Buches »Vorwärts und nicht vergessen«, er erhielt 1959 den VVO in Silber. Albert Stolzenburg starb am 21.November 1967 in Forst. Seine Söhne Oskar und Freimut Stolzenburg, beide in Mannheim geboren, Mitglieder des KJVD, gingen nach 1933 in die Emigration, waren Angehörige der Internationalen Brigaden. Oskar Stolzenburg fiel am 15. Februar 1937 in Spanien. Freimut gelangte nach Chile. Er kam Ende 1960 mit Frau und fünf Kindern in die DDR, hier Direktor der HO Lebensmittel-Gaststätten und Industriewaren. Freimut Stolzenburg starb am 14. August 1976 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Storrer, Eva

* 21.8.1955

Geb. in Quedlinburg; Vater Konditormstr., Mutter Sachbearb.; 1974 Abitur in Quedlinburg; Studium an der Agraring.-Schule in Quedlinburg, Exmatrikulation auf eigenen Wunsch; prakt. Tätigkeit in sozialen Einrichtungen in Dessau, Calbe (Saale) u. Eisleben; 1976 – 79 Ausbildung zur Fürsorgerin im staatl. nicht anerkannten kath.-caritativen Seminar in Magdeburg; 1980 – 95 Sozialarb.; Gründerin bzw. Mitgl. in versch. kirchl. Friedens- u. Frauengr. zu Abrüstungs- u. Friedensfragen; Ltr. der Mecklenb. ökumen. Arbeitsgr. »Erziehung zum Frieden«; 1988 – 89 Delegierte der kath. Kirche u. Mitgl. des Präs. der »Ökumen. Vers. für Frieden, Gerechtigkeit u. Bewahrung der Schöpfung« in Dresden u. Magdeburg; Delegierte der Europ. Ökumen. Vers. in Basel; Sept. 1989 Mitbegr. des Neuen Forums in Güstrow. Nach 1990 Ref. für Öffentlichkeitsarbeit bei der Caritas Mecklenb. in Güstrow u. Schwerin; 1991 Mitbegr. der kath. Friedensbew. »Pax Christi« in Ostdtl.; 1991 – 95 Mitgl. im Päpstl. Rat »Justitia et Pax«, 1994 Wahlbeobachterin in Südafrika; ab 1995 Red. für Kirchenfunk beim Rundfunksender »Ostseewelle«; seit 1998 freie Mitarb. beim NDR-Hörfunk; 2007 Medienpreis Mecklenb.-Vorp.; lebt in Schwerin.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Stötzer, Gabriele

* 14.4.1953

Geb. in Emleben (b. Gotha); Vater Arbeiter; 1969 Ausbildung zur medizin.-techn. Assistentin; 1972 Abitur auf dem zweiten Bildungsweg; Studium der Germanistik u. Kunsterziehung an der PH Erfurt, Sommer 1976 Relegation wg. des Einsatzes für einen exmatrikulierten Kommilitonen; November 1976 Unterz. eines Protestes gegen die Ausbürgerung von  Wolf Biermann, Festnahme durch das MfS beim Überbringen von Unterschriften, Verurteilung zu einem Jahr Haft wg. Staatsverleumdung, Haft im Frauenzuchthaus Hoheneck / Stollberg; Weigerung, nach der Haft die DDR zu verlassen; während der Haft Beginn schriftsteller. Arbeiten; nach Haftentlassung Arbeit in einer Schuhfabrik; 1980 Gründung einer privaten Kunstgalerie in Erfurt, 1981 Schließung der Galerie durch das MfS; 1989 erscheint ihr erster Band mit Texten im Aufbau-Verlag; 1989 / 90 aktiv im Neuen Forum Erfurt, Mitgl. im Erfurter Bürgerkomitee zur Auflösung des MfS; 1990 Mitbegr. des »Kunsthauses Erfurt«. 1992 Rehabilitierung durch die Univ. Erfurt u. Zuerkennung des Dipl.; 1992 u. 1994 Lesereisen durch die USA; lebt in Erfurt und Utrecht.zügel los. Berlin, Weimar 1989; Undine geht, sagt Undine zu Undine, und bleibt. Erfurt 1989; grenzen los fremd gehen. Berlin 1992; erfurter roulette. München 1995; Ich bin die Frau von gestern. Texte u. Gedichte. Frankfurt (Main) 2005; Die bröckelnde Festung. München 2002; Das Leben der Mützenlosen. München 2007 Scheer, U.: G. St. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Strassenberger, Paul

* 4.6.1910 – ✝ 18.3.1956

Geb. in Würzburg; Vater Gärtner u. Reichsbahnbeamter; Volksschule, Oberrealschule, Abitur; ab 1929 Studium an der TH München; 1930 KPD u. Kommunist. Studentenfraktion; ab 1933 illeg. Betätigung; März 1933 verhaftet, Gefängnis München, KZ Dachau bis Dez. 1933; Forts. des Studiums, Dipl.-Ing.; 1934 im Auftrag der KPD illeg. Arbeit in der SA; 1935 Konstrukteur u. Ing. in Augsburg u. Schweinfurt; 1937 nach Berlin; Arbeit bei Siemens; ab 1939 BMW-Flugzeugmotorenwerke. Mai – Sept. 1945 Sekr. der Stadtverw. Neustadt (Orla); 1945/46 KPD/SED; 1945 Ltr. der Abt. Planung u. Statistik; 1946 – 48 Ltr. der Abt. Statistik u. Wirtschaftskontrolle der Dt. ZV der Industrie; 1948 – 50 Ltr. der HA Zusammenfassende Planung der HV Wirtschaftsplanung in der DWK bzw. stellv. Ltr. des Zentr. Planungsamts im Min. für Planung; 1951 – 53 stellv. Vors. der SPK; 1954 Fernstudium an der PHS abgeschl.; 1953 – 56 Staatssekr. u. 1. Stellv. des Vors. der SPK; 1953 Mitgl. der Kommission zur Übernahme der letzten SAG-Betriebe; 1954 – 56 Mitgl. der Sekt. Wirtschaftswiss. der DAW.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Strauss, Gerhard

* 27.10.1908 – ✝ 16.11.1984

Geb. in Mohrungen (Ostpr. / Morąg, Polen); Vater Bote, Mutter Wirtschafterin; Oberrealschule in Allenstein (Ostpr.), 1928 Abitur; Studium der Kunstgeschichte, Archäol. u. Erdkunde in Königsberg, Köln u. Wien; 1928 soz. Studentengr.; 1929/30 SPD; 1930 SPÖ; 1932/ 33 Rote Studentengr. in Königsberg; 1932/33 KPD; ab 1933 illeg. pol. Arbeit; Ltr. der Kommunist. Studentenfraktion; 1934/35 SA; 1935 Prom. zum Dr. phil. an der Univ. Königsberg mit der Diss. »Plastik bis 1450 in Ostpr.« (1937 publ.); anschl. arbeitslos, Fremdenführer, Ausstellungsaufseher, Versicherungsvertreter; 1935/36 Angest. der Munitionsanstalt Schugsten, Schreib- u. Baultg.; 1936 – 39 wiss. Mitarb. beim Provinzialdenkmalsamt in Königsberg; Mai 1937 NSDAP (zur Tarnung der illeg. pol. Arbeit); April 1939 – 45 Assistent des Stadtgeschichtl. Museums Königsberg; 1939 – 41 Wehrmacht, Uffz.; 1942 – 45 Mitbegr. u. Mitgl. der Widerstandsgr. »Herta«; 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft auf Bornholm u. im Lager Rossenthin (b. Kolberg), Ltr. der Antifa-Arbeit, der Kulturabt. u. der pol. Überwachung der Lager. Sept. 1945 Mitarb. beim Aufbau der ZV für Volksbildung; 1945 – 49 Ltr. der Abt. Bildende Kunst in der Dt. ZV für Volksbildung, 1949/50 dort Hauptref.; 1948 Lehrgang »Bildende Kunst« an der PHS; 1949 maßgebl. beteiligt am Aufbau der DAK; Dez. 1949 – Jan. 1950 im Auftrag der SKK in Kaliningrad (Königsberg) als wiss. Experte an der Suche nach dem Bernsteinzimmer beteiligt; 1950 freier Mitarb. des Min. für Volksbildung; Aug. 1950 – März 1951 beauftragter Denkmalspfleger des Min. für Aufbau, maßgebl. beteiligt an der Erstellung des wiss. Gutachtens zum PB-Beschluß über den Abriß (Sprengung) des Berliner Schlosses; 1951 – 53 stellv. Dir., 1953 – 58 Dir. des Inst. für Theorie u. Geschichte der Baukunst der DBA; ab 1958 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Kunstgeschichte an der HU Berlin; Dir. des Inst. für Kunstgeschichte an der HU Berlin; Korr. Mitgl. der DBA; Begr. u. Mithrsg. des »Lexikons der Kunst«; Nov. 1962 Vors. der dt.-ital. Ges. in der DDR, ab Jan. 1963 deren Vizepräs.; 1973 VVO; 1980 NP; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Streit, Hermann

* 19.6.1909 – ✝ 21.11.1996

Geb. in Greisitz (Krs. Sagan, Schles. / Gryżyce, Polen); Vater Häusler, Weber u. Fabrikarb.; 1915 – 23; Volksschule; 1923 – 25 Ausbildung zum Textilarb.; anschl. zeitw. arbeitslos; 1927 KJVD u. KPD; im KJVD UB-Org.-Ltr.; ehrenamtl. KPD-Funktionär; 1930 Verhaftung, Prozeß wegen »schweren Aufruhrs«, verurteilt zu neun Mon. Gefängnis; 1930 zweiter Prozeß wegen »schwerer u. gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge« (Auseinandersetzung mit der SA), verurteilt zu 21 Mon. Gefängnis, Sommer 1932 aus dem Gefängnis entlassen; anschl. bis März 1933 Org.-Ltr. der KPD Breslau; ab März 1933 illeg. pol. Arbeit; Instrukteur der KPD-BL Breslau für Glogau, Fraustadt, Schlichtingsheim; Juli 1933 nach Berlin; Jan. 1934 Emigr. in die UdSSR; 1934/ 35 Ausbildung zum Dreher in der Landw. Maschinenfabrik in Saratow; 1935/36 Schüler der KUNMZ in Moskau; dazw. 1935 einige Wochen Arbeiter in der Kugellagerfabrik Kaganowitsch in Moskau; Sept. 1936 nach Spanien, Interbrigadist im span. Bürgerkrieg; dort Sept. 1936 – März 1937 Ltr. der »Kaderarbeit« im Thälmann-Bat.; anschl. zuständig für die Zensur der gesamten dt.-spr. Korrespondenz der Interbrigaden in Albacete; Frühj. 1938 Lehrgang an der Offizierschule Pozo Rubio in Albacete; anschl. dt. Instrukteur der XI. Brigade; geriet Anf. April 1938 bei Batea (Parragona) in Gefangenschaft, April 1938 – Nov. 1941 Internierung in Spanien (KZ u. Zwangsarbeitslager), dann Auslieferung an die Gestapo; Ende 1941 Überstellung nach Dtl., 1942 Prozeß aus dem Jahr 1933 wegen »Vorber. zum Hochverrat«, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, bis 1944 Haft in Liegnitz, Breslau, Glatz, 1944/45 KZ Mauthausen; hier Blockältester, Mitgl. der illeg. Parteiltg., später Mitgl. der illeg. Militärltg. Juli 1945 nach Berlin; 1945/46 KPD/SED; 1946 – 49 HA-Ltr. für Handel u. Versorgung bzw. Ministerialdir. u. stellv. Min. in der Provinzialverw. bzw. Landesreg. Brandenb.; 1949 1. Geschäftsf. der HO; 1949 – 58 HA-Ltr. Erfassung u. Aufkauf im Min. für Handel u. Versorgung bzw. Staatssekr. für Erfassung u. Aufkauf landw. Erzeugnisse; 1955 VVO; später KMO; 1958 – 65 Ltr. der Abt. Land- u. Forstw., Erfassung der SPK; ab 1965 Rentner u. wiss. Berater beim Landw.-Rat der DDR; gest. in Berlin.Siegfried Kuntsche / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Strempel, Horst

* 16.6.1904 – ✝ 4.5.1975

Geb. in Beuthen (Oberschles. / Bytom, Polen); ab 1918 Lehre als Dekorationsmaler; 1922 – 26 Studium bei Otto Mueller u. Oskar Moll an der Breslauer Kunstakad., dann bei Karl Hofer in Berlin; 1933 Emigr. nach Paris; 1939 Internierung in Südfrankreich; 1941 Auslieferung nach Dtl.; Kriegsdienst in einer Strafkomp. 1945 Rückkehr nach Berlin; 1945 – 47 freischaff. in Berlin, u. a. Zeichner für die Zschr. »Ulenspiegel«; 1946 SED; Beteiligung an der Allg. Dt. Kunstausstellung in Dresden; Mitgl. der Arbeitsgemeinschaft der in der SED organisierten Künstler in Berlin; 1947 Berufung an die HS für angewandte Kunst Berlin-Weißensee; Teiln. an der Ausstellung »Meisterwerke dt. Bildhauerei u. Malerei« im Zeughaus Berlin; Protagonist der Wandbildbew.; 1947/48 Wandbild »Trümmer weg, baut auf« für die Schalterhalle des Bahnhofs Berlin-Friedrichstraße; Wandbildentwürfe für das Stahl- werk Hennigsdorf (mit  Arno Mohr u.  René Graetz), 1949 Ausstellung der Entwürfe auf der 2. Dt. Kunstausstellung in Dresden; 1949 – 53 Prof. an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1950 Umzug von Berlin (West) nach Berlin (Ost), Beginn von Arbeiten für ein Wandbild in der SED-LPS Ballenstedt (Harz) im Auftrag der VVB Mansfeld; nach Bezichtigung des »Formalismus« durch  Wladimir S. Semjonow (Ps. N. Orlow »Wege u. Irrwege der mod. Kunst«, Tägl. Rundschau, 20/21.2.1951) Übertünchung des Bildes im Bahnhof Berlin-Friedrichstraße, Zerstörung der Entwürfe für Hennigsdorf u. Beseitigung der Wandbilder in Ballenstedt; 1952 Bitte um Beurlaubung vom Lehramt an der Kunst-HS; Jan 1953 Vorladung vor die Staatl. Kunstkommission, Vorwurf der »Sabotage soz. Erziehungsarbeit«, anschl. Flucht nach Berlin (West); nach Ablehnung der Notaufn. erfolgr. Klage auf Zuzugsgenehmigung beim Verw.-Gericht; gest. in Berlin (West). Werke: Triptychon »Nacht über Dtl.« 1945/46; Selbstbildnis mit zum Halse greifender Hand. 1951.Feist, G.: Das Wandbild im Bahnhof Friedrichstraße – eine H. S.-Dokumentation 1945 – 55. In: Zone 5 – Kunst in der Viersektorenstadt 1945 – 51. Berlin 1989 (hrsg. von E. Gillen u. D. Schmidt); Saure, G.: Nacht über Dtl. – H. S. Leben u. Werk. In: Schriften der Guernica-Ges. 2. Hamburg 1992; Schönfeld, M.: Das »Dilemma der festen Wandmalerei«. Die Folgen der Formalismus-Debatte für die Wandbildbew. in der SBZ/DDR 1945 – 55. In: Kunstdokumentation SBZ/DDR. Köln 1996 (hrsg. von G. Feist u. a.).Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Strittmatter, Eva

* 8.2.1930 – ✝ 3.1.2011

Geb. in Neuruppin; Vater Angest.; 1947 – 51 Studium der Germanistik in Berlin; 1951 – 53 wiss. Mitarb. beim DSV; SED; 1953/54 Lektorin im Kinderbuchverlag Berlin; seit 1953 im Red.-Beirat u. 1959/60 Red. der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«; Mitgl. des DSV-Vorst.; 1975 Heinrich-Heine-Preis; 1985 PEN-Zentrum DDR; 1987 NP; veröff. Kinderbücher, wurde populär mit ihrem Lyrikband »Ich mach ein Lied aus Stille« u. dem Buch »Briefe aus Schulzenhof« (1977) mit Auskünften über Leben u. Werk ihres Ehemanns  Erwin S.; lebte in Dolgow/ Stechlin (Landkrs. Oberhavel); gest. in Berlin.Poesie u. andere Nebendinge. Berlin, Weimar 1983; Mai in Piest’any. Berlin, Weimar 1986; Die heiml. Freiheit der Einsamkeit. Gedichte. Berlin, Weimar 1989; Unterm wechselnden Licht. Berlin 1990; Zwiegespräch. Berlin 1999; Einst hab ich drei Weiden besungen. Berlin 1999; Du liebes Grün. Berlin 2000 (mit Erwin S.); Liebe u. Hass. Berlin 2002; Der Winter nach der schlimmen Liebe. Berlin 2005; Wildbirnenbaum. Gedichte. Berlin 2009. Gutschke, I.: E. S. Leib u. Leben. Berlin 2008.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Strötzel, Max

* 25.7.1885 – ✝ 1945

Geboren am 25. Juli 1885 in Markranstädt/Sachsen; lernte Dreher. 1903 ging er nach Hamburg, 1906 nach Leipzig, im gleichen Jahr Mitglied der SPD. Vor dem Weltkrieg in Leipzig Inhaber eines Fahrradgeschäfts. Im September 1914 eingezogen, er kam nicht an die Front, sondern wurde als Arbeiter der Rüstungsindustrie reklamiert. Er war Kriegsgegner, trat 1917 in die USPD ein, mit deren linkem Flügel (Delegierter des Spaltungsparteitags) 1920 zu KPD. Delegierter des Vereinigungsparteitages 1920 und des VII. Jenaer Parteitages 1921, in den ZA gewählt. Strötzel wurde 1922 Polleiter in Westsachsen (Leipzig). Bei der Vorbereitung zum Aufstand im Oktober 1923 übernahm er wichtige Funktionen in Sachsen, ihm wurde die militärpolitische Führung (MP-Leiter) übertragen. Nach dem Oktober 1923 polizeilich gesucht, schloß er sich den Linken in der Partei an. Im Mai 1924 im Wahlkreis Leipzig in den Reichstag gewählt, dessen Abgeordneter er ununterbrochen bis Juli 1932 blieb (im Mai 1928 im Wahlkreis Pommern). 1924 erneut Polleiter in Westsachsen, war er der Führer der Leipziger Linken in den Auseinandersetzungen mit den Ultralinken um Arthur Vogt 1925/26. Der X. Parteitag 1925 wählte ihn als Kandidaten ins ZK. Strötzel ging nach dem »Offenen Brief« 1925 von Ruth Fischer zu Ernst Thälmann über und blieb bis 1927 Polleiter in Westsachsen, dann Polleiter des Bezirks Pommern. Anfang 1932 von seinen innerparteilichen Gegnern als »eine der charakterlosesten Gestalten« beschimpft, wurde er seines Postens enthoben, blieb aber in zweitrangigen Funktionen weiterhin in der Partei. Leiter der RH im Bezirk Magdeburg, 1933 kurze Zeit illegal, dann emigrierte er Ende 1933 in die Sowjetunion. Er war zunächst Agitpropsekretär im Apparat der MOPR, anschließend Redakteur beim Auslandsrundfunk der Komintern. Im Juli 1938 vom NKWD verhaftet, im April 1941 wieder freigelassen, arbeitete in Iwanowo. Sein weiteres Schicksal ist bisher nicht geklärt. Max Strötzel soll im Januar 1945 in der Sowjetunion gestorben sein.

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Struck, Wolfgang E.

* 16.2.1920 – ✝ 14.2.1989

Geb. in Soldin; Schauspielausbildung, 1939 erster Auftritt in Berlin; Soldat, nach Verwundung ab 1943 am Theater Koblenz. Ab 1947 Oberspielltr. am Theater Wismar; 1951 Regiearbeit am Berliner Ensemble; Inszenierungen am Berliner Metropol-Theater, u. a. »Feuerwerk«; Regiearbeit für die DEFA (80 Folgen des satir. Magazins »Stacheltier«) u. für Unterhaltungssendungen des DFF; SED; ab 1961 Intendant des Berliner Friedrichstadtpalastes, inszenierte dort rund 90 Revuen (Versuch mit neuer Form »Palastical« wurde von den Besuchern nicht angenommen, danach wieder Revuen mit Handlungsfaden in Verbindung von Ballett, Musik, Artistik u. Wort); regelm. Gastregie für das Berliner Kabarett »Distel«; 1975 NP; 1978 Verantw. für dritte Spielstätte »Kleine Revue« im neuen Haus; maßgebl. Mitw. an der Konzeption für den neuen Friedrichstadtpalast (Eröffnung: 27.4. 1984); gest. in Berlin.Unterhaltungskunst A – Z. Berlin 1975; Carlé, W., Martens, H.: Kinder, wie die Zeit vergeht. Berlin 1987.Dietmar Winkler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stucke, Carl

* 26.7.1890 – ✝ 14.1.1940

Geboren am 26. Juli 1890 in Bremen, Sohn des Schneiders und Sozialisten Carl Stucke (* 30. 9. 1850 – † 28. 11. 1937); lernte selber Schneider und wurde Mitglied der SPD, schloß sich den Linken an. Wegen einer Rückgratverkrümmung im Weltkrieg kein Soldat, gehörte zum Führungskreis der Bremer Linksradikalen um Johann Knief, wurde Mitglied der Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) und trat 1919 in die KPD ein. Während der Novemberrevolution und der Bremer Räterepublik einer der aktivsten Kommunisten. Zeitweise Sekretär der KPD in Bremen, mitverantwortlich für die Herausgabe der Zeitung »Arbeiterpolitik« und Lokalredakteur der Zeitung »Kommunist«. 1920/21 Redaktionssekretär der »Roten Fahne« in Berlin, Anfang 1921 wurde Stucke Sekretär des KPD-Bezirks Wasserkante und gehörte dem ZA an, Redakteur am »Nordwestdeutschen Echo«. Auf dem VIII. Parteitag Anfang 1923 in Leipzig erneut in den ZA gewählt. Stucke war Anhänger von Heinrich Brandler, deshalb im Mai 1924 von Ruth Fischer und Arkadi Maslow als Sekretär des Bezirks Wasserkante abgesetzt. Später war er in Berlin im Apparat des ZK der KPD tätig, u. a. Redakteur am »Volksecho«, dem Kopfblatt der »Roten Fahne« für die Provinz Brandenburg. Wegen Rechtsabweichung und Zugehörigkeit zur Brandler-Fraktion vom XII. Parteitag der KPD im Juni 1929 aus der Partei ausgeschlossen. 1933 festgenommen, kam für einige Zeit ins KZ. Bis zum Kriegsausbruch lebte er mit seiner jüdischen Frau Genia Stucke, geborene Gusyk (*29.5. 1897), in Berlin-Tempelhof. Sie arbeitete bei der sowjetischen Handelsvertretung. Im September 1939 wurde Carl Stucke erneut festgenommen und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, wo er am 14. Januar 1940 starb. Seine Frau wurde denunziert, im Juni 1943 verhaftet und im Januar 1944 im KZ Auschwitz ermordet. Beider Sohn Thomas Stucke (* 27. 11. 1927) wurde als sogenannter Mischling verfolgt und noch zur Organisation Todt dienstverpflichtet.

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Stumph, Wolfgang

* 31.1.1946

Geb. in Radków (dt.: Wünschelburg / Niederschles., Polen); 1946 Umsiedl. mit der Mutter nach Halle u. 1950 nach Dresden; Ausbildung als Apparate- u. Behälterbauer; 1967 – 70 Stud. der Ingenieurpädagogik in Karl-Marx-Stadt; 1978 – 80 Stud. an der Schauspielschule »Ernst Busch« in Berlin u. Arbeit am Staatstheater Dresden; 1980 – 91 als Kabarettist an der Dresdener »Herkuleskeule«; 1988 erstmals Auftritt als »Beutelgermane« in der TV-Unterhaltungssendung »Showkolade« mit  Gunther Emmerlich; ab 1988 erste Kabarettauftritte mit  Wolfgang Schaller u. Rainer Schulz in der Bundesrep. Dtl. 1991 – 2006 Auftritte mit »Antrak auf STUMPHsinn« (zus. mit Gunter Antrak u. Detlef Rothe); 1991 erster Kinoerfolg in »Go Trabi Go 1«, fortan zahlr. Rollen in Kino- u. Fernsehproduktionen, u. a. 1993 – 96 als Stankoweit in der ZDF-Kabarettserie »Salto Postale« (1995 Telestar als »Bester Darsteller in einer Serie«), seit 1995 als Kommissar »Stubbe – Von Fall zu Fall« (zus. mit seiner Tochter Stephanie S., ZDF), 2004 Bayerischer Fernsehpreis für die Rolle des Stubbe; 1998 – 2001 in »Salto Kommunale« (ZDF), »Bis zum Horizont und weiter« (Kinofilm, 1998), »Der Job seines Lebens« (2003 u. 2004, ARD), »Das Blaue Wunder« (2004, ZDF), »Eine Liebe in Königsberg« (2006, ZDF), »Heimweh nach drüben« (2007, ARD); 1996, 1999 u. 2003 Publikumspreis der SuperIllu »Goldene Henne«; Engagement in der Kinderhilfe, seit 2000 ehrenamtl. UNICEF-Mitarb.; lebt in Dresden.Stubbe – Der Mann für jeden Fall. Berlin 2003; Sächsische populäre Irrtümer. Ein Lexikon (zus. mit N. Weiß). Berlin 2007.Ingrid Kirschey-Feix

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Stoph, Kurt Werner

* 10.9.1912 – ✝ 30.4.1980

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Arbeiter; Bruder  Willi S.; 1918 – 26 Volksschule in Berlin; 1926 – 29 Fernunterricht als techn. Kfm.; 1927 – 31 Ausbildung zum Buchdrucker in Berlin; 1927 Buchdruckerverb., 1927 – 33 Rote Jungfront u. RH; Gruppen- u. Zugführer der Roten Jungfront; Febr. 1933 in Berlin verhaftet u. in das KZ Oranienburg gebracht; 1936 – 39 Radiomonteur; 1939 – 42 kfm. Angest. in Berlin; 1940 – 45 Wehrmacht, Gefr. 1945/46 KPD/SED; 1946 – 49 Geschäftsf. im Berliner Baustoffkontor; 1950/51 kommissar. Ltr. der DHZ Baustoffe; 1951/52 Absolvent an der DVA; 1952/53 Ltr. der HA Koordinierung u. Kontrollstelle für Industrie u. Verkehr beim Min.-Rat; 1953 – 79 Ltr. der Staatl. Verw. der Staatsreserve (Nachf. von  Udo-Dieter Wange); 1956/57 PHS der KPdSU in Moskau; 1957 – 79 Mitgl. des DTSB-BV; 1958 – 61 Präs. des DFV (Nachf. von  Heinz Schöbel); 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1961 u. 1964 Banner der Arbeit; 1972 VVO; 1977 Ehrenspange zum VVO; 1979 Invalidenrentner; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Stöß, Herbert

* 5.8.1923

Geb. in Friedersreuth (ČSR / Pastviny, Tschechien); Vater Schuhmacher; Volksschule; 1937 – 42 Ausbildung u. Arbeit als Weber; 1942 Wehrmacht; 1945 Rückkehr nach Friedersreuth. 1945/46 Arbeit als Weber; dann Umsiedl. nach Brandenb.; 1946 SED; Einstellung bei der Polizei, Krs.-Ämter Westhavelland u. Rathenow; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Brandenb. (ab Feb. 1950 Länderverw. des MfS), Dienststelle Rathenow; 1951 stellv. Ltr. der Abt. III (Sicherung der Volkswirtschaft) der Länderverw. Brandenb.; 1952 Versetzung zur HA III, MfS Berlin; 1955 stellv. Abt.-Ltr.; 1956/57 Besuch der SED-BPS Berlin; 1957 Mitarb. in der Arbeitsgr. Anleitung u. Kontrolle, dann stellv. Abt.-Ltr.; 1959 stellv. Operativ des Ltr. der BV Frankfurt (Oder); 1962 – 67 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche; 1980 Ltr. der BV Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Gerhard Weiber); ab 1980 Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1981 Gen.-Major; 1983 VVO; 1987 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

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Stötzer, Werner

* 2.4.1931 – ✝ 22.7.2010

Geb. in Sonneberg (Thür.); Volks- u. Oberschule in Steinach; 1947 – 49 Lehre u. Studium an der FS für Spielzeuggestaltung Sonneberg, Keramikmodelleur; 1949 – 51 Studium an der HS für Architektur Weimar, Lehrer Hans von Breek, Siegfried Tschiersky; 1951 – 53 Studium an der HS für bildende Künste Dresden, Lehrer  Eugen Hoffmann,  Walter Arnold; 1953/54 Ass. bei W. Arnold; 1954 – 58 Mstr.-Schüler an der DAK bei Gustav Seitz (u. a. Reise nach China mit  John Heartfield u.  Harald Metzkes); seitdem freischaff.; 1959 Übersiedl. auf einen Bauernhof in Berlin-Altglienicke; 1960 erste Steinskulpturen; 1962 Will-Lammert-Preis; Studienreisen in die UdSSR u. nach Österreich; 1974 Mitarb. am DEFA-Spielfilm »Der nackte Mann auf dem Sportplatz« (R:  Konrad Wolf, Drehbuch  Wolfgang Kohlhaase); 1975 Mitgl. der Sekt.-Ltg. Plastik des VBK; Käthe-Kollwitz-Preis; 1975 – 78 Gastdoz. an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; 1977 NP; Fernseh-Dok.-Film »Arbeit am Stein«; 1978 Mitgl. der AdK; 1980 Bühnenbild für »Elektra«-Insz. von  Friedo Solter am Dt. Theater Berlin; 1980 – 84 Arbeit am Relief für das Marx-Engels-Forum in Berlin; 1986 NP (im Koll.); 1987 – 90 Prof. mit künstler. Lehrtätigkeit an der AdK; 1990 – 92 Vizepräs. der AdK; zahlr. Einzelausstellungen; 2008 Kunstpreis des Brandenb. Ministerpräsidenten; gest. in Altlangsow. Werke: u. a. Relief: Fragen eines lesenden Arbeiters (1959/60), Lesender Arbeiter (1961), Babi Jar (1967), Kleine Auschwitzgr. (1973/ 74), Große Auschwitzgr. (1974), Große Sitzende (1981), Wegzeichen I-III (1984 – 86), Relief für Marx-Engels-Forum Berlin (1985), Guernica (1982, 1986/87), Mutter u. Kind (1986/87), Gr. Zigeuner von Marzahn (1988), Flußstein (1998/2001), Die Oder (2005 – 08), Märkisches Tor (2006 – 08).Kat. Nat.-Galerie Berlin 1977; Kat. Galerie am Boulevard Rostock, Berlin 1979; W. S. Skulptur u. Zeichnung. AdK (mit Bibl.) Köln 1991; W. S. Skulpturen u. Zeichnungen 1989 – 1998. Frankfurt (Main) 1998; Förster. Heisig. Metzkes. S. im Land Brandenb. Berlin 2009.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Straub, Werner

* 14.7.1902 – ✝ 25.1.1983

Geb. in Stuttgart; dort 1921 Abitur am Humanist. Gymnasium; anschl. Buchhändlerlehre; 1923 Studium der Psychol. u. Philos. an der Univ. München, dort 1928 Prom. über »Tonqualität u. Tonhöhe«; anschl. Ass. an der TH Darmstadt, dort 1931 Habil. über »Grundlagen einer experimentellen Bildungspsychologie«; 1932 Ass. u. Privatdoz. an der Kulturwiss. Abt. der TH Dresden; seit 1934 Ltr. des von Ewald Sachsenberg gegr. Psychotechn. Inst. der TH Dresden, arbeitswiss. u. eignungspsycholog. Forsch., experimentelle Studien zur Erfassung der Willensbeschaffenheit; 1937 außerord. Prof. (Nachfolge Lersch) am Inst. für Psychol. u. Philos., 1939 Dir. der Abt. Psychol. an der TH Dresden; 1939 / 46 Kriegsdienst als Wehrmachtspsychologe, Kriegsgef. 1946 ord. Prof. für Psychol. u. 1946 – 47 Dekan der Pädagog. Fak. der TH Dresden; 1947 – 49 Rektor der TH Dresden (Nachf. von  Enno Heidebroek); 1949 Gründer u. Dir. des Inst. für Psychologie der TH Dresden; 1949 – 55 Prorektor, ab 1955 Wahlsenator der TH / TU Dresden; 1962 / 68 Gründungsmitgl. u. Vors. der Gesell. für Psychologie in der DDR; 1967 em.; gest. in Dresden. St.s Forschungsschwerpunkt war die Willenspsychologie, wobei er nach dem zweiten Weltkrieg Ansätze der sowj. Psychologenschule (Leontjew, Rubinstein) aufnahm u. zu einer handlungsbezogenen Regulationstheorie weiterzuentwickeln versuchte. Seinen Initiativen ist es zu danken, daß die Psychologie an der TH Dresden der math.-naturwiss. Fak. zugeordnet wurde.Die Grundlagen einer experimentellen Bildungspsychologie. Langensalza 1931; Zur Psychologie des inneren Halts u. der Haltlosigkeit. Dresden 1947; Arbeitspsychologie u. wiss.-techn. Rev. Intellektuelle Regulation von Produktionsarbeiten, Eingabe- u. Entnahmetätigkeiten in der elektron. Datenverarbeitung, Beanspruchung durch geistige Arbeit. Berlin 1968 (Mithrsg.). Bergmann, B.: Der Dynamograph von W. St. In: Dresdner UniversitätsJournal (2007) 18; Westhoff, K. (Hrsg.): Entscheidungen für die Psychologie an der TU Dresden. Lengerich 2003; Petschel, D.: Die Professoren der TU Dresden 1828 – 2003. Köln u. a. 2003.Uwe Fraunholz / Dieter Hoffmann

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Strauzenberg, Stanley Ernest

* 25.11.1914

Geb. in London, aufgewachsen in Dresden; 1935 Abitur; ab 1937 Medizinstudium in Halle (Saale); 1942 Prom. mit der Arbeit »Wirkungen der Frauenarbeit als Ursache für häufige Frühgeburten« an der Univ. Leipzig; danach Unterarzt bei der Wehrmacht. 1945 – 55 Landarzt im Erzgebirge; danach Internist am Bezirkskrankenhaus Dresden-Friedrichstadt; 1950 – 58 Betreuung der Biathleten in Altenberg / Zinnwald; 1959 Lehrtätigkeit an der Medizin. Akad.; 1961 Habil.; 1966 Prof. für Innere Med., 1967 Lehrstuhl für Sportmed. an der Akad. für ärztl. Fortbildung in Berlin; 1968 – 78 Dir. des ZI des Sportmedizin. Dienstes in Kreischa; 1979 em.; Mitbegr., Vizepräsident u. von 1966 – 73 Präs. der Gesell. für Sportmedizin; ab 1981 Präs. des Komitees für Gesundheitserziehung; 1974 – 84 Präs. des Forschungskomitees der Intern. Gesell. für Sportmedizin; rd. 400 Veröff.; 1980 VVO; NP; Philip Noel-Baker Award; Goldenes Ehrenzeichen des Dt. Sportärztebundes; Beckmann-Med. der Dt. Gesell. für Prävention u. Rehabilitation.Gesundheitstraining. Berlin 1977; Die Sportmedizin der DDR. Dresden 2005 (mit H. Gürtler).Volker Kluge

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Streit, Josef Ernst

* 9.6.1911 – ✝ 3.7.1987

Geb. in Friedrichswald (b. Reichenberg, Böhmen / Bedřichov, Tschechien); Vater u. Mutter Glasarb.; 1916 – 21 Volksschule in Friedrichswald, 1921 – 24 Bürgerschule u. 1925 – 29 Ausbildung zum Buchdrucker in Gablonz/Jablonec (ČSR); 1925 – 38 KJV, 1936 – 38 Vors. der KL Reichenberg; 1929/30 im Beruf tätig; 1930 KPČ; 1930 arbeitslos, Wanderschaft in Dtl.; 1930 – 33 u. 1936 – 38 Buchdrucker in Jablonec; 1933 – 35 Wehrdienst in der tschech. Armee, Gefr.; 1935/36 arbeitslos; 1938 verhaftet, ab Mai 1939 KZ Dachau u. Mauthausen, bis 5.5.1945 KZ Mauthausen. 1945/46 KPD/SED; 1945 Angest. im Gemeindeamt Bedřichov; 1945/46 Instrukteur der KPD-KL Schönberg (Mecklenb.); 1946/47 Richterschule in Schwerin; 1947 – 49 Richter am Amtsgericht Schönberg; 1949 Lehrgang an der DVA; 1949 – 51 Hauptref. im Min. für Justiz, Pressereferent, Ltr. der Pressestelle des Min. für Justiz, Red. der Ztschr. »Neue Justiz«; 1951 – 53 Staatsanwalt bei der Obersten Staatsanwaltschaft bzw. beim Gen.-Staatsanwalt; Febr. 1953 leitete er die VP bei der Enteignung von Hotels an der Ostsee an (Aktion »Rose«); 1953/54 Instrukteur des Sektors Justiz der Abt. Staatl. Verw. des ZK der SED; 1954 – 61 Sektorenltr. der Abt. Staats- u. Rechtsfragen des ZK der SED; 1957 Fernstudium an der DASR Potsdam; 24.1.1962 – 1986 Gen.-Staatsanwalt der DDR (Nachf. von  Werner Funk); 1962 – 87 VDJ; maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung des Rechtspflegeerlasses des Staatsrats vom April 1963 u. a. gesetzgeb. Arbeit, insbes. im Strafrecht; 1963 – 87 Mitgl. des ZK der SED; 1965 Prom. zum Dr. jur. an der HU Berlin; 1976 u. 1986 KMO; 1971 VVO; 1977 Dr. jur. h. c. der FSU Jena; Juni 1986 Ruhestand.Vierzig Jahre pol. Mord. Berlin 1960; Entschleierte Justiz. Berlin 1962; Nur ums Strafen geht es nicht. Berlin 1976; Recht in unserer Zeit. Berlin 1976.Helmut Müller-Enbergs

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Stresemann, Erwin

* 22.11.1889 – ✝ 20.11.1972

Geb. in Dresden; Vater Apotheker; 1908 Abitur am humanist. Vitzthumschen Gymnasium in Dresden; 1908 – 10 Studium der Med. u. Naturwiss., insbes. Zool. an den Univ. Jena u. München; 1910 – 12 Zoologe in der II. Freiburger Molukken-Expedition; 1912 – 14 Studium der Zool. an der Univ. Freiburg i. Br.; daneben zoolog. u. linguist. Auswertung der Expedition; 1914 – 18 Militärdienst, Ltn. der Reserve; 1918 – 20 Studium der Zool. an der Univ. München; 1920 Dr. phil.; 1918 – 21 wiss. Hilfarb. bei der Zoolog. Staatssammlung München; 1921 Assistent u. Verwalter der Ornitholog. Abt. des Zoolog. Museums der Univ. Berlin; 1924 – 61 Kustos u. Vorstand der Ornitholog. Abt.; 1930 Titularprof.; 1922 – 45 Gen.-Sekr. der Dt. Ornitholog. Ges. (DOG); 1941 – 42 Militärdienst, Hptm. der Reserve. 1946 – 61 Prof. mit Lehrauftrag für Zool. der Univ. (ab 1949 HU) Berlin; Wohnsitz in Berlin (West); 1952 – 59 Zweiter Dir. u. 1957 – 59 kommissar. Dir. des Zoolog. Museums der HU Berlin; 1949 – 67 Präs., dann Ehrenpräs. der DOG; arbeitete auch nach Em. u. Mauerbau regelm. am Zoolog. Museum der HU; 1954 Mitgl. der Leopoldina; 1955 Ord. Mitgl. der DAW; 1959 – 61 kommissar. Vors. der DAW-Sekt. für Biol.; 1959 – 69 Vors. der Alexan- der-v.-Humboldt-Kommission; 1969 Auswärt. Mitgl. der DAW; 1955 NP; 1960 VVO; gest. in Berlin (West). Hauptarbeitsgebiete: Ornithol., Evolutionsbiol. u. Zoologiegesch.; E. S. galt als Gewährsmann für die Einheit der dt. Ornithologen.Aves. Handbuch der Zool. VII/2. Berlin 1927 – 34; Die Entw. der Ornithol. von Aristoteles bis zur Gegenwart. Berlin 1951; Die Vögel Deutschlands. Berlin 1955 (mit R. Scholz); Exkursionsfauna von Dtl. 4 Bde. Berlin Stephan, B.: Die Geschichte der Ornithol. in Berlin. In: Wiss. Ztschr. HU Berlin, math.-naturwiss. Reihe (1985) 34; Mayr, E.: E. S.: In: Dictionary of Scientific Biography (1990) 17; Wunderlich, K.: E. S. – ein Leben für die Wissenschaft. In: Mitteilungen des Zoolog. Museums Berlin (1991) 67; Tembrock, G.: E. S. u. die Verhaltensforschung. Ebd.; Jahn, I.: E. S. Beitrag zur Biologiegeschichte. Ebd.; Nachrufe: Mauersberger, G. In: Mitteilungen des Zoolog. Museums Berlin (1973) 49; Mayr, E.: E. S. In: Verhandlungen der Dt. Zoolog. Ges. (1974) 67.Ekkehard Höxtermann

Wer war wer in DDR

Strobel, Horst

* 30.7.1936

Geb. in Woltersdorf (b. Magdeburg); Vater Arbeiter; OS; 1950 FDJ; Abitur, 1954/55 Vorpraktikum im Werk für Signal- u. Sicherungsanlagen in Berlin-Treptow, 1955 – 59 Studium an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1959 – 66 Mitarb. am Inst. für Regelungs- u. Steuerungstechnik der DAW; 1966 Prom. zum Dr.-Ing., 1967 Doz., 1973 Habil., 1974 Prof. für Regelungstechnik u. Prozeßsteuerung an der HS für Verkehrswesen in Dresden, 1982 Dir. des dortigen Zentrums für Prozeßautomatisierung; 1985 stellv. Dir. des Zentralen Forschungsinst. des Verkehrswesens in Berlin; 1977 u. 1987 NP; 1986 korr. Mitgl. der AdW; 1989 Prorektor u. 1990/91 Rektor der HS für Verkehrswesen »Friedrich List« Dresden (Nachf. von Peter Gräbner). 1991 Prof. u. Institutsdir. an der TU Dresden, 2004 em.; lebt in Dresden.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Stroux, Johannes

* 25.8.1886 – ✝ 25.8.1954

Geb. in Hagenau (Elsaß/Haguenau, Frankreich); Vater Gymnasialprof.; Gymnasium, Abitur; 1904 – 09 Studium der Philol. u. Geschichte an den Univ. Straßburg u. Göttingen; 1909 Prüfung für das höhere Lehramt; 1911 Prom. zum Dr. phil. an der Univ. Straßburg; 1911/12 Studienreisen nach Italien, Frankreich u. England; 1914 Habil. an der Univ. Straßburg; 1914 hier Privatdoz. u. Assistent am Philolog. Seminar; 1914 a. o., 1917 ord. Prof. für klass. Philol. an den Univ. Basel, 1922 Kiel, 1923 Jena, 1924 München, 1935 – 54 Berlin; hier zugl. Dir. des Inst. für Altertumskunde; seit 1929 Mitgl. mehrerer AdW u. wiss. Ges.; 1937 Ord. Mitgl. der Preuß. AdW; 1939 – 45 Vertreter des Verb. dt. AdW in der Union Académique Internationale u. zugl. deren Vizepräs. 1945 kommissar. Präs. der Preuß. AdW; 1946 Dr. jur. h. c. der Univ. Leipzig; 1946/47 Rektor der Univ. Berlin; 1946 – 51 Präs., 1951 – 54 Vizepräs. der DAW; 1946 – 54 Dir. des Inst. für hellenist.-röm. Philos. der DAW u. Vors. mehrerer Akad.-Kommissionen; 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Präs. der Ges. für Frieden u. gute Nachbarschaft mit Polen; 1950 NP; Mitgl. in zentr. Gremien der DSF u. des KB; VVO; gest. in Berlin. Forschungs- u. Publikationstätigkeit bes. zur latein. Sprache u. zum röm. Recht, zur Papyrol., Epigraphik u. röm. Lit.-Geschichte; Hrsg. der »Dt. Lit.-Ztg.« (1947 – 54), Mithrsg. der Ztschr. »Philologus« u. »Antike«; umfgr. wissenschaftsorganisator. Tätigkeit.Bibl. In: Die DAW 1946 – 1956. Berlin 1956.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Strüwe, Walter

* 4.5.1904 – ✝ 24.4.1974

Geboren am 4. Mai 1904 in Bielefeld, Sohn eines selbständigen Malermeisters; lernte Maurer. 1923 Mitglied und Funktionär der KJD und der KPD, 1932 2. Vorsitzender der RGO im Bezirk Hessen-Frankfurt. 1933 illegale Arbeit, bis Oktober 1934 Oberberater des ZK der KPD für den Raum Südwestdeutschland, abgelöst durch Maria Krollmann. Er ging Ende 1934 über Saarbrücken in die Sowjetunion, von 1935 bis 1937 Kursant an der Leninschule in Moskau. 1938/39 Mitarbeiter der KPD-Auslandsleitung in Prag, kam dann über Polen nach Großbritannien, bis 1947 Maurer und Leiter der KPD-Gruppe in Manchester. 1944 zum Funker und Fallschirmspringer für den amerikanischen Geheimdienst OSS ausgebildet. Im Frühjahr 1945 Absprung über Bayern, unterstützte durch Nachrichtenübermittlung an amerikanische Truppen die Befreiung des KZ Dachau. Zunächst wieder in Manchester, dann von 1947 bis 1949 Mitarbeiter der KPD-Landesleitung Hessen in Frankfurt/M., bis 1951 im KPD-PV in Düsseldorf. Wegen Westemigration in die DDR abberufen, anfangs beim VEB Bau Union Dresden beschäftigt. 1958/59 Mitarbeiter im Ministerium für Nationale Verteidigung, zuletzt nur noch Beauftragter für die Zivilverteidigung eines VEB in Hoyerswerda. Walter Strüwe starb am 24. April 1974 in Hoyerswerda.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stucke, Friedrich

* 4.4.1895 – ✝ 27.4.1937

Friedrich Stucke, der jüngere Bruder Carl Stuckes, wurde am 4. April 1895 in Bremen geboren. 1910 trat er der Bremer Arbeiterjugend bei, 1913 der SPD, 1919 der KPD. Er ging in den zwanziger Jahren nach Berlin, gehörte der dortigen BL an, arbeitete als Redakteur der »Roten Fahne« und war einige Zeit Sekretär von Felix Wolf ( Werner Rakow), dem Leiter des KPD-Nachrichtendienstes. 1924 bekannte er sich wie sein Bruder zu den Rechten, wurde aus dem Parteiapparat entfernt und war dann bei der sowjetischen Botschaft beschäftigt. In Moskau wurde 1925 auch sein Fall im Parteiverfahren gegen Heinrich Brandler, Karl Radek und August Thalheimer verhandelt. Friedrich Stucke ging 1931 in die Sowjetunion, war in Moskau Deutschlehrer am Institut der Roten Professur. Am 27. April 1937 vom NKWD verhaftet, am 26. Oktober 1937 durch das Militärkollegium des Obersten Gerichts zum Tode verurteilt, wurde Friedrich Stucke noch am gleichen Tag erschossen. Erst am 18. Juli 1989 von sowjetischen Justizorganen »posthum rehabilitiert«.

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Sturm, Fritz

* 1890 – ✝ 1937

Geboren ca. 1890 als Samuel Sachs-Gladnew in Rußland, Kindheit und Jugend liegen im dunkeln. Er selbst behauptete, bis 1907 in Deutschland gelebt zu haben und dann nach Rußland gekommen zu sein. Funktionär der Bolschewiki, aktiv an der bolschewistischen Oktoberrevolution 1917 beteiligt. Im November 1918 kam er als Emissär der RKP nach Deutschland und war in Hamburg als Fritz Sturm tätig. Er nahm als Hamburger Delegierter der Internationalen Kommunisten Deutschlands am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 teil und wurde dort in die Programmkommission gewählt. Zusammen mit Werner Rakow gründete er in Hamburg den Verlag Carl Hoym Nachf., einen Komintern-Verlag, in dem auch die deutschsprachige Ausgabe der offiziellen Zeitschrift »Die Kommunistische Internationale« sowie später Komintern- und KPD-Publikationen gedruckt oder ausgeliefert wurden. 1919 war Sturm in Hamburg führender Funktionär der KPD, stellte sich zunächst auf den Standpunkt der linken Opposition von Heinrich Laufenberg und wurde deswegen auf der Reichskonferenz der KPD im März 1919 angegriffen. Im Februar 1920 in Hamburg festgenommen, später aus Deutschland ausgewiesen. Er war in der KPdSU(B) in Petrograd aktiv, anschließend in der Komintern beschäftigt. 1928 als Anhänger Bucharins aus der KPdSU(B) ausgeschlossen, wurde Fritz Sturm (Samuel Sachs-Gladjew) während der Säuberungen als angeblicher Terrorist verhaftet und 1937 erschossen.

Wer war wer in DDR

Stoph, Willi

* 9.7.1914 – ✝ 13.4.1999

Geb. in Berlin-Schöneberg; Eltern Arbeiter; Bruder  Kurt S.; 1920 – 28 Volksschule in Berlin; 1928 – 31 Ausbildung zum Maurer; 1928 – 31 KJVD Berlin-Schöneberg, hier versch. Funktionen; 1931 KPD Berlin-Schöneberg; 1931 – 34 Gelegenheitsarb. u. arbeitslos; 1931 – 34 Mitarb. des KPD-Nachrichtendienstes (»Gegnerarbeit«, »Weißapparat«), führte Quellen im Umkrs. prominenter NSDAP-Mitgl.; 1935 – 37 u. 1940 – 45 Wehrmacht, zul. Uffz., 1942 verwundet; 1939/40 Bautechniker in einem Architekturbüro in Berlin; EK; 1943 illeg. pol. Arbeit; Verbindungen zur Anton-Saefkow-Gruppe; April – Juli 1945 in sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; Ltr. der KPD Berlin-Baumschulenweg; 1945 – 47 Ltr. der Abt. Baustoffindustrie u. Bauwirtschaft, 1947/48 der HA Grundstoffindustrie der Dt. ZV der Industrie; 1948 – 50 Ltr. der Abt. Wirtschaftspol. beim PV der SED; 1950 – 89 Mitgl. u. 1950 – 53 Sekr. des ZK; 1953 – 89 Mitgl. des PB; 1950 – 89 Abg. der Volkskammer, 1950 – 52 Vors. ihres Wirtschaftsaussch.; 1952 – 55 Minister des Innern; 1954 VVO; 1954 – 62 stellv. Vors. des Min.-Rats, ab 1955 verantw. für die KVP, das MfS, das Amt für Technik, das Amt für Kernforschung u. Kerntechnik u. für den Wiss. Rat für die friedl. Anwendung der Atomenergie; 1956 – 60 Minister für Nat. Verteidigung, einer der Stellv. des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrags; 1956 – 59 Gen.-Oberst; 1959 Armeegen.; Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 – 64 1. stellv. Vors. u. 1964 – 73 Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Otto Grotewohl); 1964 u. 1979 Held der Arbeit; 1964 Banner der Arbeit; 1963/64 Mitgl., 1964 – 73 u. 1976 – 89 stellv. Vors., 1973 – 76 Vors. des Staatsrats (Nachf. von  Walter Ulbricht); 1965 Ehrenspange zum VVO; 1969, 1974, 1984 u. 1989 KMO; 1976 – 89 Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Horst Sindermann); 1984 Lenin-Orden, Held der DDR; 1986 ließ er Michail Gorbatschow vertraul. eine Analyse über den Zustand der DDR übermitteln u. schlug die Ablösung  Erich Honeckers vor ( Erich Mielke gehörte zu den Mitwissern), beides blieb unbeantwortet; 7.11.1989 Rücktritt mit seiner Reg., 17.11.1989 als Mitgl. des Staatsrats abberufen u. aus der Volkskammer ausgeschieden; 3.12.1989 vom ZK der SED aus der Partei ausgeschl.; 8.12. Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch den Gen.-Staatsanwalt der DDR u. Festnahme unter dem Verdacht, durch Amtsmißbrauch u. Korruption die Volkswirtschaft geschädigt u. sich persönl. bereichert zu haben; Febr. 1990 aus gesundheitl. Gründen entlassen. Im Mai 1991 im Rahmen der Ermittlungen zu Schüssen an der Mauer festgenommen; Aug. 1992 zunächst Haftverschonung aus gesundheitl. Gründen, Nov. 1992 Eröffnung des Verfahrens, dann vorläufige, im Juli 1993 endgültige Einstellung des Verfahrens; gest. in Berlin.Zur weiteren Entw. der soz. Ges. in der DDR. Berlin 1974; Für das Erstarken unseres soz. Staates. Berlin 1979; DDR – Staat des Soz. u. des Friedens. Berlin 1984; Sozialismus u. Frieden zum Wohle des Volkes. Berlin 1989. W. S. – Aufbau des zweiten Mannes. In: Richert, E.: Die DDR-Elite oder Unsere Partner von morgen? Hamburg 1968; Hochmuth, U.: Illeg. KPD u. Bew. »Freies Dtl.« in Berlin u. Brandenb. 1942 – 1945. Biogr. u. Zeugnisse aus der Widerstandsorg. um Saefkow, Jacob u. Bästlein. Berlin 1998; Mählert, U.: W. S. – Ein Fußsoldat der KPD als Verteidigungsminister der DDR. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stötzel, August

* 9.9.1898 – ✝ 17.8.1963

Geb. in Wanne-Eickel (Westf.); Vater Bergarb.; 1915 – 29 mit Unterbrechungen Bergmann, 1924 – 29 in Herne; 1917/18 Militärdienst; 1919 Mitbegr. u. Mitgl. der KPD im Ruhrgeb.; 1927 – 30 Betriebsrat; ab 1929 hauptamtl. Funktionär der KPD-BL Hessen; 1930/31 Schüler der Internat. Lenin-Schule in Moskau; 1931 Ltr. des KPD-BL Hessen; dann Sekr. des UB Duisburg; ab 1933 illeg. pol. Arbeit, Pol.-Ltr. der KPD Ruhrgeb.; 20.1.1934 in Dortmund verhaftet, U-Haft in Dortmund, Berlin-Moabit, Hamm, Werl u. Bochum, 1935 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1935 – 37 Haft in der Strafanstalt Herford (Westf.), 1937 im Polizeigefängnis Dortmund, 1937 – 45 KZ Buchenwald (dort 1937 – 39 Dachdecker; 1939 – 42 Kammerhelfer; 1942 – 45 im Kdo. Weimar Lagerältester, Kapo u. Vorarb. sowie Mitgl. der illeg. KPD-Lagerltg.). 1945/46 Sekr. des KPD-BV Herne; später Sekr. der KPD Krs. Dortmund; dann Mitarb. des ZK der SED; 1950 – 63 Mitarb. der ZPKK der SED, ab 1952 »in die gesamte Kommissionsarbeit« einbezogen; ab 1953 Sektorenltr. in der ZPKK u. Mitgl. zahlr. Sonderkommissionen: Überprüfung der FDJ, der demokrat. Sportbew. (1954), ungesetzl. Maßn. gegen KPD-Mitgl. durch das MfS wie im Fall  Fritz Sperling (1956); 1958 VVO; war bis zu seinem Tod Mitarb. der ZPKK u. der PKK der KPD; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Strahl, Rudi

* 14.9.1931 – ✝ 4.5.2001

Geb. in Stettin (Szczecin; Polen); Vater Schlosser; 1948 Übersiedl. in die SBZ; OS; 1950 Eintritt in die VP; SED; Offz.-Schule; acht Jahre Militärdienst, zul. Obltn. der NVA; 1955 erste Veröff. »Sturm auf Stollberg« (Erzählung); 1957/58 Besuch des Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; 1959 – 61 Red. der satir. Ztschr. »Eulenspiegel«; 1961 Kinderbuchpreis; ab 1961 freischaff. in Berlin; ab 1973 Mitgl. des Vorst. des SV, ab 1978 seines Präs.; 1977 Goethe-Preis; 1980 NP; seit 1980 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann Dt. PEN-Zentrum Ost; schrieb Prosa u. Lyrik, auch für Kinder, insbes. Lustspiele für Theater u. Film; einer der meistgespielten Theaterautoren der DDR, bes. erfolgr.: »In Sachen Adam u. Eva« (UA 1969), »Ein irrer Duft von frischem Heu« (UA 1975 am Maxim-Gorki-Theater Berlin, R: Piet Drescher; Erstsendung des TV-Films 1977, R: Roland Oehme); gest. in Berlin.Stücke. Berlin 1976; Menschen, Masken, Mimen. Kleine Prosa, Dramen, Gedichte. Berlin 1984; Leben u. leben lassen. Monologe. Berlin 1989; Es war die Lerche. Szenische Miniaturen, Hörspiele u. Stücke. Berlin 1990; Endlich im Schlaraffenland. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Strauß, Martin

* 18.3.1907 – ✝ 19.5.1978

Geb. in Pillau (Ostpr. / Baltijsk, Rußland); Vater Regierungsbaumstr.; 1925 Abitur in Stettin; anschl. Studium der Physik u. Philos. in Berlin u. Göttingen, u. a. Kontakt zum sog. Berliner Krs. um Hans Reichenbach; KPD; 1933 Ausschl. vom Studium; 1935 wegen Widerstandstätigkeit u. drohender Verhaftung Flucht über Kopenhagen (1935/36 Stipendiat am Bohr-Inst.) nach Prag; an der dortigen Dt. Univ. 1938 Abschl. des Physikstudiums mit einer Prom. bei Ph. Frank; im Sommer 1939 Emigr. über die Niederlande nach England; dort Physikdoz. an versch. Colleges. 1952 Rückkehr nach Dtl.; Wahrnehmungsprof. am Inst. für Theoret. Physik der HU Berlin; nach dem Scheitern seiner Habil. (1956) ab 1960 Aufbau einer Forschungsgr. an der DAW zu Grundlagen der Physik der Teilchen u. Felder, die er bis zu seiner Em. im Jahre 1972 leitete; gest. in Berlin. M. S.s Forschungstätigkeit lag im Grenzgeb. zw. theoret. Physik u. Erkenntnistheorie / Philos.; er gehörte zu den wenigen Gelehrten in der DDR, die gegenüber der orthodoxen Lehrmeinung der marxist.-leninist. Philos. eine unabh. u. teilweise vom log. Empirismus geprägte Position einnahmen.Modern Physics and its Philosophy. Dordrecht 1972. Hoffmann, D.: Die Remigration von (Natur-)Wissenschaftlern in die DDR: das Beispiel der Physiker M. St., Fritz Lange u. Klaus Fuchs. In: Schleiermacher, S., Pohl, N. (Hrsg.): Med., Wiss. u. Technik in der SBZ u. DDR. Husum 2009.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Streich, Joachim

* 13.4.1951

Geb. in Wismar; Vater Kraftfahrer; POS; 1967 – 70 Ausbildung zum Schaltanlagenmonteur; 1970 – 72 im Beruf tätig; ab 1958 Fußballspieler, anfangs bei Aufbau bzw. der Turn- u. Sportgemeinschaft Wismar, 1967 – 75 beim FC Hansa Rostock, 1975 – 85 1. FC Magdeburg; 1968 DDR-Juniorenmeisterschaft mit dem FC Hansa Rostock; 1972 – 75 Studium der Verkehrsökonomie in Dresden; 1975 – 84 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; dreimal DDR-Pokalsieger; 98 (bzw. 102) Länderspiele; 55 Länderspieltore; 42 Europacupspiele; 19 Spiele in der Olympiaauswahl: 1972 Olymp. Spiele: 3. Platz; 1979 u. 1983 DDR-Fußballer des Jahres; erfolgreichster Torschütze der DDR-Oberliga (229 Treffer in 378 Spielen) u. Rekordnationalspieler mit 102 Länderspielen; 1985 – 90 Trainer beim 1. FC Magdeburg; Juni 1990 – März 1991 Trainer bei Eintracht Braunschweig. 1992/93 Sportl. Dir. beim 1. FC Magdeburg; 1993 – 96 Mitarb. des Sozialmin. Sachsen-Anh.; Bewegungsberater einer Krankenkasse; tätig für den Sportartikelhersteller Nike; ab 1996 Präs. von Fortuna Magdeburg; Dez. 1996 – Juni 1997 Trainer von FSV Zwickau (Nachf. von Gerd Schädlich); seit 2005 Kicker der American Football-Mannschaft Magdeburg Virgin Guards; bis 2006 Mitgl. im Verwaltungsrat des 1. FC Magdeburg; Kolumnist des »Kicker«; arbeitet in einem Sportgeschäft in Magdeburg.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Streit, Petra

* 6.10.1952

Geb. in Grimma; Vater Bauökonom, Mutter SED-Funktionärin; aufgew. bei der Großmutter u. im Kinderheim; nach dem Schulabschl. Berufsausbildung als Rinderzüchterin; versch. berufl. Tätigkeiten, u. a. Versuchstechnikerin an der KMU Leipzig, Sachbearb., Musikalienhändlerin; 1977 Umzug nach Berlin; Beschäftigungen als Haushaltshilfe bei der Volkssolidarität, Eisverkäuferin, Geologiehelferin, Fabrikarb.; seit 1979 Mitgl. einer Frauenselbsthilfegr.; 1981 Ltr. einer Beratungsstelle des DFD, nach Ablehnung ihres Projekts für ein Frauenzentrum in Berlin-Pankow wegen »abweichender« frauenpol. Auffassungen entlassen; seit 1983 Mitgl. der Gruppe »Frauen für den Frieden«; Mitinitiatorin eines jährl. DDR-weiten Frauengr.-Treffens unter dem Dach der ev. Kirche; 1984 Wechsel nach Weimar; Mitgl. der Frauengr. Weimar; 1987 Mitbegr. der Frauen-Teestube in Weimar; 1987 Vortragsreihe zum Thema »Gewalt gegen Frauen«; illeg. Fragebogenuntersuchung »Gewalterfahrungen von Frauen in der DDR«; 1988 Praktikantin beim Ev. Frauenwerk Thür.; ab Sept. 1989 Ref. für offene Frauenarbeit bei der Frauenhilfe der Kirchenprovinz Sachsen; Sept. 1989 Mitbegr. der Initiative »Frauen für Veränderung« (Zusammenschl. mehrerer Thür. Frauengr.), Dez. 1989 Gründungsmitgl. des Unabh. Frauenverb. (UFV) u. Mitautorin der UFV-Satzung, ab Febr. 1990 Sprecherin des UFV. Ab 1990 Fernstudium der Sozialarbeit u. Sozialpädagogik am Diakon. Qualifikationszentrum Berlin u. zugl. tätig als Sozialarb. im Frauenhaus Weimar; 1993 Abschluß als Dipl.-Päd.; bis 1992 Bundessprecherin des UFV; seit 1993 Mitgl. von Bündnis 90/Die Grünen; 1994 Wahl in den Stadtrat von Weimar; 1996 – 2003 hauptberufl. Vorstandsmitgl. der Heinrich-Böll-Stiftung; seit 2004 wieder Stadträtin in Weimar, seit 2005 Ltr. des Jugendhilfeaussch.; lebt in Weimar.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Strich (Schumann-Unger), Josef

* 21.12.1897 – ✝ 12.1.1935

(* 1897 – † 1935) Geboren am 21. Dezember 1897 in Jaworsow/ Galizien, Sohn einer kinderreichen jüdischen Familie, der Vater war Glaswarenhändler. Aufgewachsen in Gablonz im Sudetenland, wohin die Familie wegen der Pogrome geflüchtet war. Nach dem Krieg studierte er Rechtswissenschaften in Deutschland, brach das Studium jedoch ab und betätigte sich als Funktionär der KPD. Unter den Decknamen Fuhrmann, Schumann, Unger bzw. Schumann-Unger wurde er Redakteur verschiedener KPD-Zeitungen, so 1920/21 an der »Roten Fahne« und 1922/23 am »Ruhr-Echo«. 1923/24 Leiter des KPD-Bezirks Niederrhein, dann 1924/25 unter Ruth Fischer und Arkadi Maslow Chefredakteur der »Roten Fahne«, des KPD-Zentralorgans. 1925/26 Redakteur bei der Wiener »Roten Fahne« und von 1926 bis 1929 bei der »Sozialistischen Republik« in Köln. Schwer Herz- und Nierenkrank zog er 1929 nach Berlin, schied aus der hauptamtlichen Parteiarbeit aus und wurde Angestellter bei der sowjetischen Ölhandelsgesellschaft Derop. Er übersiedelte 1932 mit seiner Familie in die Sowjetunion, wurde Mitglied der KPdSU und Angestellter der »Sojusneft-Export« in Baku. Erneut schwer erkrankt, in der Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter (VAA) tätig, hielt er sich die letzten Jahre in Moskau auf. Josef Strich (Schumann-Unger) starb am 12. Januar 1935 in Moskau. Strichs Frau Frieda, geborene Guttmann (*25.11. 1895 – † 14. 7. 1967), stammt aus einer jüdischen Spediteursfamilie. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden später in Auschwitz ermordet. Frieda besuchte die Kunstgewerbeschule in Prag und die Kunstakademie in Dresden. Seit 1921 mit Josef Strich verheiratet, trat sie 1922 der KPD bei, war in verschiedenen BL bzw. bei der RH tätig. Sie folgte 1932 mit der Tochter Johanna ihrem Mann in die Sowjetunion. Dort bis 1941 Zeichnerin und Technikerin. 1941 mit der Tochter nach Engels verbannt, Maschinistin, 1942 Rückkehr nach Moskau, später bei verschiedenen Verlagen Buchgestalterin. Im März 1955 durfte sie in die DDR, hier freiberufliche Übersetzerin. Ihre 1923 in Düsseldorf geborene Tochter Johanna wurde 1938 Mitglied des Komsomol, absolvierte 1942 eine Komintern-Schule in Baschkirien und arbeitete bis 1945 als Übersetzerin in der Politischen Verwaltung der Roten Armee. Nach dem Staatsexamen Mittelschullehrerin, kam 1955 in die DDR, war ab 1957 an der Leninabteilung des IML. Sie übersiedelte 1958 zu ihrem Mann, dem italienischen Kommunisten Assmero Ginebri, der zeitweise 2. Sekretär der KPI in Viterbo war. Johanna Strich lebt in Viterbo/Italien.

Wer war wer in DDR

Strobel, Rudi

* 24.11.1928 – ✝ 22.4.2016

Geb. in Altenhain; Vater Arbeiter; Volksschule; 1943 kfm. Lehre; 1944 RAD. 1945 KPD; 1945 – 47 Arbeiter; 1947 FDJ-Sekr.; 1948 Einstellung bei der VP, Grenzpolizei, dann Bereitschaftspolizei; 1950 Mitarb. der HV für Ausbildung des MdI; 1951 Einstellung beim MfS als operativer Mitarb. der HA I (Abwehr in den VP-Bereitschaften); 1951 techn. Mitarb. in der Schule des MfS Potsdam-Eiche; 1954 Versetzung zur HA II (Spionageabwehr), 1959 dort Abt.-Ltr.; 1962 – 65 Ltr. der Operativgr. Moskau des MfS; 1965 Ltr. der Abt. M (Postkontrolle); 1970/71 u. 1973 – 77 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1985 Gen.-Major; 1988 VVO; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Strube, Otto

* 20.5.1907 – ✝ 22.7.1964

Geb. in Grasleben; Vater Landwirt; vierjährige Volksschule, dann Landw. Oberrealschule in Helmstedt; landw. Lehre auf d. Rittergut Seggerde; anschl. beschäftigt in der Staatsdomäne Haynsburg (b. Zeitz); Inspektoren- u. Rentmeisterprüf. bei der Dt. Landw.-Ges.; 1930 – 39 verantw. Beamter auf d. Gut Dalchau; 1939 – 44 Kriegsteiln., Ofw.; anschl. bis 1948 sowj. Gefangenschaft, dort als ltd. Agronom tätig. Nach der Entlassung in die SBZ zunächst Materialabrechner im Energiebez. Weferlingen; dann Hauptbuchhalter bzw. Ltr. eines VEG in Gardelegen; 1952 durch das Min. für Land- u. Forstw. beauftragt mit dem Aufbau eines Großguts in Schwaneberg (Krs. Wanzleben) aus herrenlosen u. devastierten Flächen, seitdem bis zu seinem Tode Dir. des VEG Schwaneberg; 1957 NP; 1962 Ord. Mitgl. der DAL. Unter der Ltg. O. S.s u. in Kooperation mit dem Inst. für Pflanzenzüchtung Bernburg entw. sich das VEG Schwaneberg zu einem Musterbetrieb mit internat. bekannter Saatguterzeugung (zahlr. Delegationsbesuche u. Fachkolloquien) in hohen Anbaustufen sowie bes. Ergebnissen im Anbau von Silo- u. Grünmais.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Strzodka, Klaus

* 28.8.1927 – ✝ 1.4.2005

Geb. in Kattowitz (Oberschles. / Katowice, Polen); Vater Eisengießer; 1933 – 44 an einer poln. Volksschule in Węngerska Górka (Beskiden), dann dt. Volksschule in Saybusch (Beskiden) u. Städt. Mittelschule in Bielitz (Beskiden), mittl. Reife; 1944 / 45 Luftwaffenhelfer, Arbeitsdienst; amerikan. Kriegsgef. 1945 – 47 zuerst Landarbeiter, ab 1946 Bergarbeiter; 1947 SED; 1947 / 48 Vorstudienanstalt der Bergakad. Freiberg, anschl. Bergbaustudium an der Bergakad. Freiberg, 1952 Dipl.-Ing.; 1953 – 54 dort wiss. Ass. am Inst. für Tagebaukunde, 1954 Prom. zum Dr.-Ing.; 1954 – 58 Produktionsltr., ab 1956 Techn. Dir. im VEB Braunkohlenwerk Friedenswacht Lauchhammer; 1958 – 63 Haupting. für Bergbau im VEB Kombinat Schwarze Pumpe; 1962 Habil. an der Bergakad. Freiberg; 1964 – 66 Dir. des Dt. Brennstoffinst. Freiberg; 1966 Prof. für Bergmännische Wasserwirtschaft u. Tagebaukunde, 1967 / 68 Dir. des Inst. für Tagebaukunde, 1969 Umberufung zum ord. Prof. für Bergbau–Tagebau (Fördertechnologie u. Tagebausysteme), 1974 – 90 Ltr. des Wissenschaftsbereichs Bergbau–Tagebau der Bergakad. Freiberg; 1974 – 77 Prodekan der Fak. für Techn. Wiss., 1976 – 82 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Dietrich Rotter); 1962 Verdienter Bergmann der DDR; 1966 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1976 Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1977 Korr. u. 1985 Ord. Mitgl. der AdW; 1980 VVO; 1986 NP. 1992 Abberufung als Prof. der Bergakad.; Tätigkeit als Seniorexperte u. Gutachter bei versch. Bergbauvorhaben im In- u. Ausland, Gastvorlesungen in China u. Rumänien; 1995 – 97 Prof. für Tagebautechnik am Polytechnikum Wrocław (Polen); 1993 Ehrendoktor der TU Petroşani (Rumänien) u. 1997 der Moskauer Staatl. Akad. für Geolog. Erkundung. Hauptarbeitsgebiete: Tagebautechnik, Tagebautechnologie, Tagebauentwässerung; 286 Veröff., u. a. Mitautor des zweibändigen grundlegenden Lehr- u. Fachbuchs »Tagebautechnik«, Leipzig 1979 / 1980.Walde, M.: Prof. em. Dr.-Ing. habil. Dr. h. c. K. St. – 70 Jahre. In: Ztschr. für Freunde u. Förderer der TU Bergakad. Freiberg. 4. Jg. (1997); Drebenstedt, C. (Hrsg.): Forschung u. Lehre im Tagebau. Freiberg 2003; Nachruf. In: Ztschr. für Freunde u. Förderer der TU Bergakad. Freiberg, 12. Jg. (2005).Roland Volkmer

Wer war wer in DDR

Stückrath, Lutz

* 20.6.1938

Geb. in Berlin; Vater im Krieg gefallen; Lehre als Maschinenschlosser; FDJ; 1957 SED; zweijähr. Dienst in der NVA; 1959 – 66 Schauspieler des Armeekabaretts »Die Kneifzange«; 1962 – 65 Stud. an der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch«; 1966 – 77 Ensemblemitgl. des Kabaretts »Die Distel«; führte in den 1970er Jahren als einer der »Drei Dialektiker« durch die TV-Show »Ein Kessel Buntes«; 1977 – 79 Theater im Palast; 1979 – 91 freischaff. Solokabarettist, nach 1983 zeitw. mit Auftrittsbeschränkungen belegt; zahlr. Bühnen- u. Filmrollen, meist als Nebendarsteller in Produktionen der DEFA (»Nelken in Aspik«, 1976) u. des DFF (»Polizeiruf 110«); leitete Weiterbildungslehrgänge im Komitee für Unterhaltungskunst. Trat nach 1990 weiter als Kabarettist auf, 1991 – 94 bei den »Stachelschweinen«, seit 1994 wieder als Solokabarettist; Darsteller in TV-Serien wie »Der Landarzt« u. »Unser Charly« u. Kinofilmen (»Der Blindgänger«, 2004); 2006 erschien seine Autobiographie »Gute Seiten, schlechte Seiten. Geschichten, die das Leben schrieb«; lebt in Berlin.Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sturm, Hertha (Schumann

* 24.7.1886 – ✝ 1945

(* 1886 – † 1945?) Geboren am 24. Juli 1886 in Königsberg als Edith Fischer, Tochter eines Buchhändlers. Sie besuchte bis 1902 eine Private Höhere Mädchenschule in Königsberg und von 1903 bis 1906 das Lehrerinnenseminar, anschließend von Ostern 1906 bis Herbst 1907 Hauslehrerin. Nach der Reifeprüfung studierte sie fünf Semester Medizin an der Universität Königsberg. Im April 1911 trat sie in die SPD ein, begann mit dem Studium der Nationalökonomie an den Universitäten Leipzig und Freiburg/Br. Seit 1912 mit Hermann Schumann verheiratet, ließ sie sich im Wintersemester 1914 beurlauben und arbeitete im Statistischen Landesamt in Karlsruhe. Im Juli 1914 Abschluß des Studiums mit der Promotion zum Dr. rer. pol. Von Oktober 1915 bis Ende 1916 wissenschaftliche Hilfsarbeiterin bei der Ermittlungsstelle für Frauenberufe und Arbeitsberatung für Kriegerwitwen in Berlin, von Februar 1917 bis August 1918 Hilfsreferentin im Referat Frauen der Kriegsamtsstelle Magdeburg, ab August 1918 in München. Dort wurde sie im Januar 1919 Mitglied der KPD, deswegen aus der Kriegsamtsstelle entlassen. Edith Schumann war während der Bayerischen Räterepublik technische Mitarbeiterin im Sekretariat des Vollzugrates bzw. im Wirtschaftsrat. Nach der Niederschlagung der Räterepublik flüchtete sie, mit Steckbrief und Haftbefehl wegen »Beihilfe zum Hochverrat« gesucht, aus München. Ende Mai 1919 verhaftet, saß sie zwei Monate in Untersuchungshaft in München-Stadelheim, aber Einstellung des Verfahrens aus »Mangel an Beweisen«. Edith Schumann kam im Dezember 1919 in die Zentrale der KPD nach Berlin, begann dort ab Januar 1920 unter dem Parteinamen Hertha Sturm als Mitarbeiterin im Reichs-Frauensekretariat der Zentrale. Seit dem III. Parteitag im Februar 1920 verantwortliche Sekretärin des Reichs-Frauensekretariats und außerdem Redakteurin der Zeitschrift »Kommunistin«. 1921 gehörte Hertha Sturm der deutschen Delegation zum II. Weltkongreß der Komintern in Moskau an, dort zum Mitglied des Internationalen Frauensekretariats (IFS) der Komintern gewählt. Die bekannte Kommunistin wurde Sekretärin des Berliner Büros des IFS für Westeuropa und leitete das Frauensekretariat der KPD-Zentrale. Auf dem IX. Parteitag 1924 erstattete sie den Bericht zur Frauenarbeit, wurde dann von der linken Führung abgesetzt (Nachfolgerin Erna Halbe) und übersiedelte im Oktober 1924 nach Moskau. Hier war sie bis Oktober 1928 eine enge Mitarbeiterin von Clara Zetkin im IFS der Komintern. Nach Deutschland zurückgekehrt, galt Hertha Sturm als Rechtsabweichlerin, deshalb erhielt sie in der KPD keine hauptamtliche Funktion mehr, blieb aber Parteimitglied. Sie war zuletzt Hilfsreferentin beim Statistischen Reichsamt in Berlin. Am 10. März 1933 von der SA in Berlin verhaftet, bis 17. Januar 1934 in »Schutzhaft«. Ab Sommer 1934 bekam sie Kontakte zu »Neu Beginnen« und arbeitete unter den Decknamen Gerda Stein und Ellen Croner in dieser linkssozialistischen Gruppe. Hertha Sturm wurde am 4.September 1935 in Köln inhaftiert, schwer gefoltert, unternahm sie einen Selbstmordversuch. Das Berliner Kammergericht verurteilte sie am 12. März 1936 zu fünf Jahren Zuchthaus. Das weitere Schicksal von Hertha Sturm war nicht zu ermitteln. Überliefert ist lediglich der Hinweis Ernst Torglers in einem Brief an Ruth Fischer vom 27. November 1948, er habe von Theo Koegler erfahren, daß Hertha Sturm »bei einem Luftangriff ums Leben gekommen sei«.