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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Tiedemann, Paul

* 29.6.1935 – ✝ 21.9.2014

Geb. in Radeberg (b. Dresden); OS; 1948 – 51 aktiver Fußballspieler; 1951 – 68 aktiver Handballspieler; anfangs bei der BSG Traktor Radeburg, ab 1954 beim SC DHfK Leipzig; Dipl.-Sportlehrer; bei den Weltmeisterschaften 1958 3. Platz u. 1961 4. Platz (mit der gesamtdt. Mannschaft); 1963 WM; 1966 2. Platz mit der DDR-Mannschaft auf dem Großfeld; 1964 u. 1967 in der Halle (bereits in der Vorrunde ausgeschieden); 1958 – 76 wiss. Mitarb. u. Trainer an der DHfK Leipzig; 1976 – 88 Trainer der DDR-Auswahl (Nachf. von Heinz Seiler); 1988 Olympiasieger; 1988 – 92 Trainer der Auswahl Ägyptens; ab 1992 Trainer bei Askö Linde Linz (Österreich); bis 30.6.1997 Trainer der SG Hameln (Nachf. von Urs Mühletaler); seit 1998 im Ruhestand; lebte in Puchenau (b. Linz); gest. in Linz.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Tiefensee, Wolfgang

* 4.1.1955

Geb. in Gera; Vater Komponist; 1973 Abitur; bis 1974 Ausbildung zum Facharb. für Nachrichtentechnik; 1974 – 76 Bausoldat; 1976 – 79 Studium an einer Ing.-Schule für Industrielle Elektronik, Ing.; 1979 – 87 Entw.-Ing. in der Abt. Forsch. u. Entw. des VEB Fernmeldewerk Leipzig; 1982 Abschluß als Faching. für Informatik u. Bauwesen; 1986 – 90 Entw.-Ing. im Fachbereich Elektroenergieanlagen der TH Leipzig; 1988 Dipl.-Ing. für Elektrotechnik; 1989 Mitgl. der Bürgerbew. Demokratie Jetzt u. deren Vertreter am Runden Tisch in Leizpig; 1990 hauptamtl. Stadtrat in Leipzig; ab Mai 1990 kurzzeitig Stadtverordn. der Frakt. Bündnis 90 in der Leipziger Stadtverordnetenvers. 1990 – 92 Amtsltr. des Schulverwaltungsamts der Stadt Leipzig; ab 1992 Beigeordn. Stadtrat für Jugend, Schule u. Bildung; ab 1994 Bürgermstr.; 1995 SPD; 1998 – 2006 OB von Leipzig (Nachf. von Hinrich Lehmann-Grube); 1999 Ehrenprof. der Nanjing University of Technology; lehnte 2002 Angebot des Eintritts in die Reg. Gerhard Schröder ab; 2001 – 05 Vizepräs. des Sächs. Städte- u. Gemeindetags; 2002 – 04 Präs. des Europ. Städtenetzwerks Eurocities; 2003 Ritter der Ehrenlegion der Rep. Frankreich; 2003 Mitgl. der Kommission, die das Hartz-Konzept für die Agenda 2010 ausarbeitete; Beauftragter der Bundesreg. für die neuen Bundesländer; seit 2005 Mitgl. des SPD-Bundesvorst.; 2005 – 09 Bundesmin. für Verkehr, Bau u. Stadtentw. (Nachf. von  Manfred Stolpe); 2005 – 09 Bundesbeauftragter für die Neuen Bundesländer.Staat machen. Erfolgsgeschichten öffentl. Institutionen. München 2007 (mit R. Lindenau). H.-H. Heinker: W. T. Eine Biogr. Leipzig 2005.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Timm, Ernst (Otto)

* 16.10.1926 – ✝ 15.12.2005

Geb. in Brandenburg (Havel); Vater Fabrikarb., aufgew. bei den Großeltern; Volksschule; 1937 – 44 HJ; 1941 – 44 Ausbildung zum Metallflugzeugbauer in den Arado-Flugzeugwerken Brandenb.; 1943/44 RAD; 1944/45 Wehrdienst bei der Marine (Freiw.); 1945 – 49 Kriegsgefangenschaft in der UdSSR, Antifa-Gebiets- u. Zentralschule. 1950 SED; FDJ- u. SED-Funktionär; 1950/51 kurzz. Sekr. für Kultur u. Erziehung; später Krs.-Vors. der FDJ in Brandenb., 1951/52 Sekr. des Landesvorst. der FDJ in Potsdam; 1952/53 Abt.-Ltr. im ZR der FDJ; 1953 – 55 1. Sekr. der FDJ-Stadtltg. Rostock; 1955 – 58 Besuch der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 60 Sekr. der SED-KL Rostock-Stadt; 1960/61 Abt.-Ltr. in der SED-BL u. Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Rostock (Nachf. von  Werner Krolikowski); 1961 – 66 2. Sekr. (für Org. u. Kader) der SED-BL Rostock (Nachf. von Günter Rohloff); 1966/67 erneut Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Rostock (Nachf. von Herbert Luck); 1967 – 75 1. Sekr. der SED-Stadtltg. Rostock (Nachf. von Karl Zylla); seit 1963 Abg. des Bez.-Tags Rostock; 1970 – 75 Stadtverordn. in Rostock; 1975 – 89 1. Sekr. der SED-BL Rostock (Nachf. von  Harry Tisch); 1976 VVO; 1975 – 89 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; seit 1982 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1984 KMO; 1986 Ehrenspange zum VVO; am 16.11.1989 von seinen Funktionen entbunden, Ausschl. aus dem FDGB, Dez. 1989 aus der SED. 1990 zeitw. U-Haft, Sept. 1991 Verurteilung durch das Berliner LG wegen »Untreue« zu 18 Mon. Haft, ausgesetzt nach Anrechnung der U-Haft.Die Ausprägung der soz. Lebensweise, ein tiefgehender revol. Prozeß, die wechselseitige Bedingtheit von materiellem u. kulturellem Lebensniveau. Berlin 1979.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Titel, Werner

* 2.5.1931 – ✝ 25.12.1971

Geb. in Arnswalde (Hinterpom./Choszczno, Polen); Vater Arbeiter; OS; Zwangsumsiedl. der Familie in die SBZ; 1946 – 50 landw. Lehre u. Besuch der Landw.-Schule in Zossen; 1949/ 50 Landarb.; 1950/51 landw. Versuchstechniker in Frankfurt (Oder); 1949 FDGB u. FDJ; ab 1950 DBD; ab 1951 DBD-Funktionär, Jugendref. im DBD-LV Brandenb. u. im DBD-PV; 1953 – 55 Mitgl. des ZR der FDJ; 1956 – 61 Fernstudium am Inst. für Agrarökon. in Bernburg, Dipl.-Agrarökonom; 1965 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HU Berlin mit einer Diss. zu Agrarproblemen in RGW u. EWG; 1963 – 71 Mitgl. des Präs. des DBD-PV; 1963 – 66 Vors. des DBD-BV Frankfurt (Oder); Mitgl. des Bez.-Landw.-Rats; Abg. des Bez.-Tags u. 1966/67 Mitgl. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder); 1966/67 Sekr. des PV der DBD; ab 1966 Mitgl. des Präs. bzw. Vizepräs. der Liga für die Vereinten Nationen; ab 1967 – 71 Abg. der Volkskammer u. stellv. Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Paul Scholz); 1969 verantw. für die erste Komplexanalyse der Reg. zur Umweltgefährdung der DDR; Nov./ Dez. 1971 Minister für Umweltschutz u. Wasserwirtschaft; 1971 Vors. des Wirtschaftsaussch. DDR – Mongolei u. KVDR; VVO; gest. in Berlin.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Tomczak, Hans-Joachim

* 6.2.1927 – ✝ 9.5.1973

Geb. in Dobristroh (Krs. Calau, Senftenberg); Vater Bergarb.; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Schlosser; 1944/45 Wehrmacht; Mai 1945 – Juli 1946 Lazarett u. amerik. Kriegsgefangenschaft in Bayern. 1946 Schlosser in der Brikettfabrik »Aufstieg« in Sedlitz; 1947/48 Lehrausbilder im Braunkohlenwerk Sedlitz; 1947 SED; 1948 – 51 Studium an der Berging.-Schule Senftenberg, 1951 Bergmaschinening.; 1951 – 60 Hauptdispatcher, Betriebs- bzw. Werkstattltr. sowie Produktionsdir. im VEB Braunkohlenwerk Sedlitz; 1960/61 Studium an der Sonderschule des ZK der SED; 1961 – 65 Produktionsdir. der VVB Braunkohle Halle; 1966 GD der VVB Braunkohle Leipzig; 1968 GD der VVB Braunkohle Senftenberg; 1969 GD der VVB Braunkohle Cottbus; ab 1969 Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1971 – 73 Mitgl. des ZK der SED.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Torgler, Ernst

* 25.4.1893 – ✝ 19.1.1963

Geboren am 25. April 1893 in Berlin, Sohn eines städtischen Arbeiters; nach der kaufmännischen Fachschule in Berlin kaufmännischer Angestellter. Die Not der Familie verhinderte die Erfüllung seines Wunsches, Lehrer zu werden. 1907 Mitglied der sozialistischen Jugend, 1910 der SPD und Gewerkschaft. 1914 Soldat, bis 1916 Infanterist, dann Fliegerfunker an der Front. Der Bildungshungrige verbrachte jede freie Minute mit Lesen, besuchte im Urlaub in Berlin Bildungskurse von Julian Borchardt und Vorträge von Ernst Däumig. 1917 Übertritt zur USPD, wurde er beim Ausbruch der Revolution in Neuruppin Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates. Nach Berlin zurückgekehrt, war Torgler wieder Angestellter. Aktiv in der USPD, ging er mit dem linken Flügel Ende 1920 zur KPD, Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag. 1920 in Berlin Bezirksverordneter und ehrenamtlicher Stadtrat, Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Seit 1922 hauptamtlicher Sekretär der KPD, 1923 Sekretär der BL, vorübergehend Schulungsleiter. Im Dezember 1924 als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, gehörte er dem Parlament ununterbrochen bis 1933 an, ab 1929 als Fraktionsvorsitzender. Torgler wirkte wie ein pedantischer, ernster Mensch, schien der typische deutsche Angestellte. Es charakterisierte Torgler, daß sich der Deutschnationale Vizepräsident des Reichstages, Walther Gräf, in der Sitzung vom 27. Januar 1928 mit der Bemerkung an ihn wandte: »Herr Abgeordneter Torgler, Sie sind doch ein besonnener Mann. Ich bitte Sie, doch Ihre Kollegen im Zaum zu halten.« Obwohl er innerhalb der Parteiorganisation keine überragende Rolle spielte und niemals Mitglied des ZK war, zählte er als Fraktionsführer doch zu den prominenten Kommunisten in Deutschland. Ursprünglich sympathisierte er mit der linken Opposition, blieb aber als »Parlaments-Fachmann« immer auf der Linie des ZK. Bis 1933 als KPD-Parlamentarier bekannt, rückte er nach dem Reichstagsbrand ins Licht der Öffentlichkeit. Als ihn die Nazis verdächtigten, an der Brandstiftung beteiligt gewesen zu sein, stellte er sich (nach einem Gespräch mit Wilhelm Koenen und Arthur Vogt) freiwillig der Polizei, um seine Unschuld zu beweisen. Torgler wurde einer der Hauptangeklagten im Reichstagsbrand-Prozeß. Im Gefängnis monatelang an Händen und Füßen gefesselt, verteidigte er vor Gericht sich, aber auch seine politischen Anschauungen, was der »Völkische Beobachter« der NSDAP als »unklug« bezeichnete, da er »besser seine Person verteidigt« hätte. Der Ankläger beantragte für Torgler die Todesstrafe. Das Leipziger Reichsgericht mußte ihn, trotz entgegengesetzter Versuche der NSDAP, mangels Beweisen am 23. Dezember 1933 freisprechen. Dennoch blieb er in »Schutzhaft« und saß bis November 1936 im KZ. Einige SA-Führer versuchten, ihn für die NSDAP zu gewinnen. Die KPD hatte Torgler 1935 aus der Partei ausgeschlossen und ihm vorgeworfen: 1. »sich gegen den Willen der Partei freiwillig dem Faschismus ausgeliefert« zu haben, weil er sich 1933 stellte; 2. vor Gericht nicht die Parteianweisungen durchgeführt und 3. den Nationalsozialisten Sack als Verteidiger gewählt zu haben. Auch habe er in dem Prozeß seine Person und nicht die KPD verteidigt. Torgler arbeitete dann als Vertreter der Firma »Electrolux«. Er war 1939/40 vermutlich in dem von Goebbels bezahlten deutschen Geheimsender »Humanité« gegen Frankreich beschäftigt. Bis 1945 Grundstückrevisor der Haupttreuhandstelle Ost in Bückeburg, nach Kriegsende dort beim Bürgermeister als Sachbearbeiter für die Sozialbetreuung angestellt. Er bemühte sich zunächst um Wiederaufnahme in die KPD und wandte sich deshalb im Februar 1946 auch an Arthur Vogt: »Ich habe im November, insbesondere auch auf Drängen der Bückeburger Genossen einen ausführlichen Brief, eine Art Rechtfertigungsschreiben über Karl Abel und die BL Hannover an Wilhelm Pieck gesandt mit der Bitte um Stellungnahme zu der Frage einer evtl. Rücknahme meines 1935 erfolgten Ausschlusses oder einer Art Amnestie. Die Genossen hier wollen mich gern wieder aufnehmen [...]. Könntest Du, lieber Arthur, nicht einmal mit Pieck sprechen, ihn fragen, ob er mein Schreiben bekommen hatte und wie er und die Parteileitung sich dazu stellen. Es ist bestimmt kein persönlicher Ehrgeiz oder irgendein Geltungsbedürfnis, die mich zu diesem Brief veranlaßt haben. Aber schließlich könnte ich so manches leisten und vielleicht auch manches gutmachen, was ich damals vielleicht falsch gemacht habe. Du weißt ja selbst am besten, lieber Arthur, in welcher verzwickten und belämmerten Lage wir drei, Willy [Koenen], Du und ich uns befunden haben. Du bist am ehesten in der Lage, mit Pieck über mich und mein Begehren zu sprechen.« Torgler trat dann 1949 der SPD bei und wurde Angestellter der Gewerkschaft ÖTV in Hannover. Seit Jahren durch einen Schlaganfall teilweise gelähmt und schwerkrank, starb Ernst Torgler am 19. Januar 1963 in Hannover. Sein Sohn Kurt Torgler (* 1919 – † 1943) hatte 1933 im Gegenprozeß zum Reichstagsbrand in London für den Vater ausgesagt, gelangte dann 1935 in die UdSSR. Dort wurde er im August 1937 vom NKWD verhaftet und zu zehn Jahren Lager verurteilt. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1940 an Deutschland ausgeliefert, kam Kurt Torgler als Dolmetscher zur Wehrmacht und ist in der Sowjetunion gefallen. Norbert Podewin und Lutz Heuer veröffentlichten 2006 eine Biographie über Ernst Torgler.

Wer war wer in DDR

Tragelehn, Bernhard Klaus

* 12.4.1936

Geb. in Dresden; 1955 – 58 Meisterschüler bei  Bertolt Brecht u.  Erich Engel an der AdK in Berlin, 1957 Inszenierung von Brechts »Die Ausnahme u. die Regel« in Wittenberg u. 1958 von  Heiner Müllers »Die Korrektur«; danach Regisseur am Theater in Senftenberg u. 1958 – 61 zugl. an der Studentenbühne der HfÖ Berlin, 1961 dort Inszenierung von Müllers »Die Umsiedlerin«, nach der Uraufführung Verbot des Stücks wegen »konterrev.« Charakters, Ausschluß aus der SED, »Bewährung« im Braunkohlentagebau Klettwitz (Niederlausitz); ab 1964 wieder Theaterarb.; 1967 – 69 Lehrer an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg; 1972 – 76 am Berliner Ensemble, enge Zusammenarb. mit  Einar Schleef bei der Insz. von »Katzgraben« ( Erwin Strittmatter, 1972), »Frühlingserwachen« (Frank Wedekind, 1974) u. »Fräulein Julie« (August Strindberg, 1975; 1976 Absetzung aus ideolog. Gründen); danach keine Aufträge mehr an Theatern der DDR, 1979 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. Inszenierungen insb. von Shakespeare-, Molière- u. Müller-Stücken in Stuttgart, Frankfurt (Main), Bochum u. Düsseldorf; 1981 Mitgl. der Dt. Akad. der Darstellenden Künste Frankfurt (Main); 1983 – 86 am Bayer. Staatsschauspiel München, dort 1984 »Philoktet« (Müller), 1985 »Hamlet« (Shakespeare); 1985 Insz. der »Umsiedlerin« in Dresden; 1987 Schauspieldir. in Düsseldorf; Okt. 1989 Rückkehr nach Berlin. Insz. der Müller-Stücke »Germania Tod in Berlin« (1990), »Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei« (1991) u. »Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten« (1995, Hamburg) sowie von Brechts »Leben des Galilei« 1997 am Berliner Ensemble; Übers. von Theaterstücken insb. von Shakespeare u. engl. Zeitgenossen sowie Molière; 1990 Fritz-Kortner-Preis für die »Radikalität, Genauigkeit u. Wahrheitsbessenheit in der Theaterarb.« (zus. mit Schleef); 1997 – 98 letzter Präs. des Dt. PEN-Zentrums (Ost); Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl.; 1998 Mitgl. der Sächs. AdK; Vors. der Internat. Heiner-Müller-Ges.; lebt in Berlin.»Nöspl.« Gedichte 1956 – 92. Frankfurt (Main) 1996; Schranzler Köder, Fischarping u. Co. 1999; Neue Xenien 1959 – 99. Frankfurt (Main) 2000; Das andere Ende der Geschichte. Aschersleben 2001; Roter Stern in den Wolken. Berlin 2006. Girshausen, T. (Hrsg.): B. K. T.: Theaterarbeiten. Shakespeare/Molière. Berlin 1988; Müller, H.: Krieg ohne Schlacht. Köln 1992 (Kap.: Die »Umsiedlerin«-Affäre); Adamski, H.: Geschichte u. Gegenwart auf dem Theater. B. K. T.s Inszenierungen von Shakespeares »Maß für Maß«. Köln 1999.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Trautzsch, Walter Ehrengott

* 16.3.1903 – ✝ 23.9.1971

Geboren am 16. März 1903 in Lengefeld/Erzgebirge, sechstes von sieben Kindern einer Weberfamilie; lernte Metalldrücker, ging 1920 auf Wanderschaft. Er trat im Juni 1923 in die KPD ein. Aktiver Teilnehmer am Hamburger Aufstand, deshalb inhaftiert, aber bereits im Dezember 1923 entlassen. Trautzsch hielt sich ein halbes Jahr in der Schweiz auf, fand 1926 schließlich Arbeit in Chemnitz und kam 1929 nach Lengefeld zurück. Er gehörte auch dem AM-Apparat an, wurde 1929 Leiter des Erwerbslosenausschusses und 1931 des örtlichen Kampfbundes gegen den Faschismus. Anfang März 1934 festgenommen, saß er bis August im KZ. Danach organisierte er den Transport von Informationsmaterialien über die tschechische Grenze. Im September 1935 emigrierte Trautzsch in die Sowjetunion und nahm unter dem Namen Paul Wittig an der »Brüsseler Konferenz« teil. Er kam in die ?CSR und erhielt von Hermann Nuding den Auftrag, künftig als Kurier über Rosa Thälmann die Verbindung zu Ernst Thälmann herzustellen. Von September 1936 bis Februar 1939 war Trautzsch unter dem Parteinamen Edwin »Thälmann-Kurier«, reiste zwischen Paris, Prag, Berlin und Hamburg. Seine diktierten Berichte erhielt Hermann Nuding, der sie redigiert nach Moskau weiterleitete. Als Walter Trautzsch am 16. Februar 1939 beim Grenzübertritt in Aachen festgenommen wurde, hatte er einen Schweizer Paß auf den Namen Wilhelm Bossard bei sich. Doch die Gestapo nahm ihm nicht ab, daß er zum französischen Geheimdienst gehöre. Nun gab er zu, Mitglied der illegalen KPD in Frankreich zu sein, was mit der Pariser Leitung abgesprochen war, um zu verhindern, daß seine Tätigkeit als »Thälmann-Kurier« bekannt wurde. Er ging auf das Angebot der Gestapo ein, als ihr V-Mann in Frankreich zu arbeiten, informierte darüber in Paris sofort die KPD-Leitung. Diese mißtraute Trautzsch und wollte ihn nach Moskau schicken, was der Kriegsausbruch verhinderte. In Frankreich zunächst interniert, flüchtete er beim Einmarsch der deutschen Truppen im Mai 1941 in die Schweiz. Hier arbeitete er als Tscheche Kurt Schneider u. a. mit Maria Weiterer, Leo Bauer und Fritz Sperling zusammen. Inzwischen hatte er die Schweizerin Rosemarie Müggeli geheiratet, beide gingen im August 1946 nach Deutschland. Trautzsch wurde 1946/47 Vorsitzender der SED Glauchau, von 1948 bis 1952 Mitarbeiter der SED-Landesleitung Sachsen in Dresden. 1952/53 Mitglied der Bezirks-PKK Leipzig, geriet aber selbst in die stalinistischen Säuberungen. 1954 abgesetzt, wurde er Kaderleiter des VEB Kohle Schwedt, Außenstelle Berlin-Weißensee. Zuletzt Invalidenrentner, er erhielt erst 1964 den VVO in Silber. Walter Trautzsch starb am 23. September 1971 in Leipzig. Über ihn hat Annette Leo 1999 eine biographische Skizze veröffentlicht.Anette Leo

Handbuch Deutsche Kommunisten

Treuber, Julius

* 13.6.1880 – ✝ 24.7.1955

Geboren am 13. Juni 1880 in Reutlingen, Sohn eines Mechanikers; lernte Buchhändler und arbeitete als Verlagsangestellter. 1905 Mitglied der SPD, 1908 Geschäftsführer der Buchhandlung Freie Presse in Elberfeld. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, er trat 1917 zur USPD über, gehörte im November 1918 dem Soldatenrat in Kiel bzw. dem Arbeiter- und Soldatenrat in Elberfeld an. Seit 1919 Mitglied der KPD, leitete Treuber seit Februar 1919 die KPD-Buchhandlung Volksfreund in Braunschweig, 1920 berief ihn die Zentrale zum Geschäftsführer des Verlages Carl Hoym Nachf. in Hamburg, von 1921 bis 1925 Leiter der Lessing-Buchhandlung in Berlin-Charlottenburg, einem illegalen Unternehmen der Komintern. Anschließend beim Verlag für Literatur und Politik beschäftigt, war er ab 1926 Einkäufer für wissenschaftliche und technische Literatur im Bist-Verlag, eine staatliche sowjetische Einkaufsstelle. 1927/28 Leiter des Element-Verlages und des Verlages Der Pfaffenspiegel. Seit 1929 Kassierer und Buchhändler des Proletarischen Freidenkerverbandes, 1932 wurde Treuber Geschäftsführer des Internationalen Arbeiter-Verlags in Berlin. Nach 1933 lange Jahre erwerbslos, ab 1938 Versicherungsangestellter. 1945 wieder Mitglied der KPD, im September 1945 Bibliotheksleiter im ZK der KPD bzw. ab April 1946 des SED-PV. Dann 1949 Referent in der Verschlußsachenabteilung in der Kanzlei beim Präsidenten der DDR. Julius Treuber starb am 24. Juli 1955 in Ost-Berlin. Treubers Tochter Charlotte (*24.1. 1907 – † 21. 10. 1999) war zeitweise Lebensgefährtin von Herbert Wehner und später Ehefrau von Erich Wendt.

Wer war wer in DDR

Trilling, Wolfgang

* 16.4.1925 – ✝ 1.8.1993

Geb. in Chemnitz; zwei Jahre Soldat im 2. Weltkrieg; Studium der Theol. u. Philos. in Paderborn u. München; 1949 Eintritt ins Oratorium des Hl. Philipp Neri in Leipzig; 1952 Priesterweihe in Leipzig; 1952 – 56 Vikar in Leipzig-Lindenau; 1957 Assistent am Regional-Priesterseminar / Studium Erfurt; 1958 stellv. Studentenpfarrer in Leipzig; zw. 1959 u. 1966 Studentenpfarrer sowie bis 1969 Akademikerseelsorger in Leipzig; 1959 Dr. theol. in München; Verw. des Lehrstuhls für Exegese des Alten Testaments sowie alttestamentl. Einleitungs- u. Hilfswiss. am Regional-Priesterseminar / Studium Erfurt; 1961 Beurlaubung sowie Entbindung von den Verpflichtungen des Lehrstuhls aus Krankheitsgründen; 1962 u. 1963 jeweils zweisemestrige Lehraufträge für Exegese des Neuen Testaments u. für Neutestamentl. Zeitgeschichte am Regional-Priesterseminar / Studium Erfurt; 1965 zweisemestriger Lehrauftrag für Bibelwiss. sowie Vertreter des Lehrstuhls für Exegese des Alten Testaments; 1966 kath. Vertreter im Auftrag der Bischöfe bei der Gründung des »Ökumen.-Theolog. Arbeitskrs. in der DDR«, dort langj. Mitarb.; 1968 Verwalter des Zweiten Lehrstuhls für Neutestamentl. Exegese am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; 1966 – 71 entscheidende Mitarb. bei der Vorber. u. Durchführung der Synode des Bistums Meißen; 1971 Ökumen. Gastdozentur am ev. Theol. Seminar in Leipzig; Dr. h. c.; gest. in Leipzig. Autor einer Vielzahl exeget. u. bibeltheolog. Beiträge u. Monogr., die oft mehrere Aufl. erlangten u. in versch. Sprachen übersetzt wurden.Christusgeheimnis – Glaubensgeheimnis. Mainz 1957; Das Evangelium nach Matthäus. Düsseldorf 1962 – 65; Im Anfang schuf Gott. Leipzig 1963; Fragen zur Geschichtlichkeit Jesu. Leipzig 1966; Schöpfung u. Fall. Nach Gen. 1 – 3. Leipzig 1973; Der 2. Brief an die Thessalonicher. Zürich, Neukirchen 1980; Mit Paulus im Gespräch. Graz 1983; Studien zur Jesusüberlieferung. Stuttgart 1988.Clemens Brodkorb

Wer war wer in DDR

Tröger, Hilmar

* 19.12.1929

Geb. in Hundshübel (Krs. Aue); Vater Maurer; Grund- u. FS; 1946 – 49 Grubenarbeiter, 1949 Bergvorschüler im »Karl-Liebknecht-Schacht«, 1949/50 Grubenarbeiter bzw. Grubensteiger im Bergwerk »Dtl.«; 1950 – 53 Studium an der FS für Bergbau Zwickau; 1953 – 55 Prod.-Ing. im VVB Steinkohle bzw. Ltr. der Abt. Prod. im Min. für Schwerindustrie; 1954 Mitgl. SED, Mitarb. in der SED-BL Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt; 1955 – 58 Ltr. der Hauptverw. Steinkohle im Min. für Kohle u. Energie; ab 1958 Bereichsltr., Sektorenltr. Kohle bzw. ab 1961 1. Stellv. des Ltr. der Abt. Kohle der SPK; stellv. Abt.-Ltr. bzw. 1965 – 69 Abt.-Ltr. Grundstoffindustrie im ZK der SED (Nachf. von  Karl-Heinz Schäfer); 1969 – 90 Ltr. der Obersten Bergbehörde der DDR (Nachf. von Heinz Dörfler); 1979 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Trommsdorff, Siegfried

* 3.6.1902 – ✝ 8.12.1975

Geb. in Erfurt; Vater Apotheker; Schulbesuch in Erfurt u. im Internat in Gumperda (Krs. Jena); Gärtnerlehre; danach jeweils mehrj. berufl. Aufenthalte in Ungarn, der Schweiz u. Schweden; 1933 Rückkehr nach Dtl.; ab 1936 Gartenbau- u. Samenzuchtunternehmer in Erfurt. Aug. 1945 CDU; 1945 – 52 Stadtverordn. in Erfurt; 1947 – 49 Ltg. u. Aufbau der dortigen CDU; ab April 1947 stellv., ab Okt. 1947 Vors. der CDU in Thür., loyale Haltung gegenüber der SMAD; ab Sept. 1948 Mitgl. im CDU-Hauptvorst.; 1949 – 52 Mitgl. der Volkskammer; Juni 1950 wegen Kritik am prokommunist. Kurs der CDU Abwahl als Landesvors.; 1952 in Reaktion auf nach den Volkskammerwahlen von 1950 zunehmende Repressionen gegen »bürgerl.« Politiker u. angesichts drohender Verhaftung wegen Westkontakten u. »Spionage« gem. mit sechs weiteren CDU-Volkskammerabg. Flucht in die Bundesrep. Dtl.; dort nicht mehr pol. aktiv; gest. in Heidelberg.Richter, M.: Die Ost-CDU 1948 – 1952. Zw. Widerstand u. Gleichschaltung. Düsseldorf 1991.Manfred Agethen

Wer war wer in DDR

Tiedke, Kurt

* 30.5.1924 – ✝ 15.4.2015

Geb. in Krebsfelde (Krs. Großes Werder b. Danzig / Rakowiska, Polen); Vater Zimmermann; 1930 – 38 Volksschule; 1936 – 42 HJ, Oberrottenführer; 1938 – 40 Land- u. Hilfsarb. in Halbstadt, Groß-Mausdorf u. Tiegenhof; 1940 – 42 Ausbildung zum Vermessungstechniker in Tiegenhof; DAF; April/Juni 1942 FS für Vermessungstechnik in Frankfurt (Oder); 1942 – 9.5.1945 RAD, Arbeitsmann u. Wehrmacht, OGfr.; EK; sowj. Kriegsgefangenschaft, Dez. 1947 – Jan. 1948 Antifa-Schule 2040. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Landarb. in Werbig; 1948 SED; 1948 – 50 Instrukteur, Ltr. der Abt. Kader u. 2. Sekr. der SED-KL Seelow; 1950/ 51 Student, 1951 – 54 Lehrer u. stellv. Ltr. des Lehrstuhls KPdSU, 1957 – 60 Ltr. des Lehrstuhls KPdSU u. Internat. Arbeiterbew. an der PHS; 1954 – 57 Student an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 61 Mitgl. des Präs. der Urania; 1961 stellv. Ltr. der Abt. Agit./Prop. des ZK der SED; 1961 – 79 Ltr. der Abt. Prop. des ZK der SED; 1963 Kand., 1967 – Dez. 1989 Mitgl. des ZK der SED; 1971 – 81 Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1974 VVO; 1976/77 Mitgl. u. 1. Sekr. der Ltg. der PO beim ZK der SED; 1976 – 81 Mitgl. der Kommission der Ltr. der gesellsch. Inst. beim PB des ZK der SED; 1979 – 83 1. Sekr. der SED-BL Magdeburg (Nachf. von  Alois Pisnik); 1979 – 83 Mitgl. des NVR; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1983 – 14.11.1989 Rektor der PHS (Nachf. von  Hanna Wolf), Abberufung; Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Einheit«; 1984 KMO; 1987 – 89 Mitgl. des HFS-Rats beim Min. für HFS-Wesen; 31.3.1990 Ausschl. aus der PDS. Nach 1990 Engagement im Umfeld der DKP u. publizist. Tätigkeit in der komm. Internetztg. »Kommunisten – online«.Denken – erste Bürgerpflicht. Berlin 1961. Alles für das Wohl u. Glück des Volkes. Berlin 1984; Arbeit, Brot u. Völkerfrieden, das ist unsere Welt. Berlin 1987; Alles dem Kampf der dt. Arbeiterkl. zur Verteidigung u. Unterstützung der Rev. in China. Berlin 1989.Helmut Müller-Enbergs

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Tieke, Anna

* 11.11.1898 – ✝ 15.1.1938

Geboren am 11. November 1898 als Anna Wittenburg, Tochter eines Tischlers. Kontoristin, seit 1911 in der Arbeiterjugend, von 1917 bis 1922 Mitglied der USPD. Ab 1925 in der KPD, in der Frauenabteilung des Berliner UB Süd, im RFMB und im AM-Apparat der BL Berlin-Brandenburg eingesetzt. Im Oktober 1931 übersiedelte sie mit ihrem Mann Rudolf und den drei Kindern Rudolf (* 3. 10. 1916), Günter (* 22. 6. 1918) und Ursula (* 11. 1. 1921) in die Sowjetunion. Zunächst in Chosta/Kaukasus, seit 1935 in Leningrad, zuletzt Näherin in einem Kindergarten. Im Oktober 1937 wurde ihr von den Nazi-Behörden die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Sie wurde am 5. November 1937 gemeinsam mit ihrem Sohn Rudolf vom NKWD verhaftet ( mit dem üblichen Vorwurf, seit 1931 Gestapo-Agentin gewesen zu sein). Beide wurden dann beschuldigt, einer »faschistisch-terroristischen trotzkistischen konterrevolutionären Organisation« angehört sowie »konterrevolutionäre und faschistische Propaganda unter deutschen und österreichischen Emigranten betrieben zu haben«. Anna Tieke und ihr Sohn Rudolf wurden am 15. Januar 1938 in Leningrad erschossen. Die jüngeren Kinder Günter und Ursula durchlitten schwere Jahre der Verbannung. Ihr Mann Rudolf (* 19. 10. 1895 – † 8. 3. 1989) war Gärtner, später Chemiearbeiter, seit 1917 in der USPD, von 1920 bis 1922 in der SPD und ab 1925 Mitglied der KPD. Er war ebenfalls für den AM-Apparat der BL Berlin-Brandenburg tätig. Bereits am 3. September 1937 vom NKWD verhaftet, zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt und bis 1947 im Gulag in den Gebieten Kotlas, Workuta und Archangelsk. 1949 erneut festgenommen, Zwangsansiedlung im Gebiet Krasnojarsk, durfte er im März 1956 in die DDR ausreisen. Im Juni 1956 wurden Anna und ihr Sohn Rudolf Tieke posthum sowie ihr Mann Rudolf durch die SED »rehabilitiert«. Anja Schindler veröffentlichte 1997 eine biographische Skizze über Anna Tieke und ihre Familie.

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Timmermann, Ulf

* 1.11.1962

Geb. in Berlin; POS; seit 1975 Leichtathlet (Kugelstoßen); Mitgl. des TSC Berlin (Trainer: Werner Goldmann); Studium für Maschinenbau, abgebrochen; Ausbildung zum Bautischler; bei den Weltmeisterschaften 1983 2. Platz; 1985 Sieger beim Weltcup; 1985 u. 1988 WR; 1986 – 90 Studium der Ökonomie an der HfÖ Berlin, abgebrochen; bei den Europameisterschaften 1986: 2. Platz; bei den Weltmeisterschaften 1987: 5. Platz; bei den Halleneuropameisterschaften 1987: Sieger; Aktivensprecher der DDR-Athleten; 1988 Olymp. Spiele: Sieger; 1989 Sieger beim Weltcup; bei den Halleneuropameisterschaften 1989: Sieger; VVO; bei den Europameisterschaften 1990: Sieger. Nov. 1990 wechselte er zu einem Verein in Berlin (West); Mitarb. eines Reiseunternehmens; Gaststättenbetreiber in Berlin; Febr. 1999 Trainer des Kugelstoßers Ole Hertel (LAC Halensee Berlin).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Tittel, Hans

* 1.9.1894 – ✝ 8.8.1983

Geboren am 1. September 1894 in Striesen bei Dresden, Sohn einer kinderreichen Arbeiterfamilie; lernte Steindrucker, trat 1909 der Gewerkschaft und der sozialistischen Jugend, 1912 der SPD bei. Er lebte in Stuttgart, gehörte zur radikalen Gruppe um Friedrich Westmeyer und wurde nach Kriegsausbruch aus der SPD ausgeschlossen. Ende 1914 wegen Antikriegspropaganda und Verbindung mit dem Internationalen Sozialistischen Jugendkongreß in Bern zusammen mit Clara Zetkin, Friedrich Westmeyer und Georg Dietrich festgenommen. Acht Monate inhaftiert, danach zum Militär eingezogen. Er hatte Kontakte zu den Bremer Linksradikalen und war Delegierter des Gründungsparteitages der KPD Ende 1918 sowie Teilnehmer der Parteitage 1919 und 1920, auf dem IV. Parteitag 1920 zum Schriftführer gewählt, vom V. bis VII. Parteitag 1920/23 zum Mitglied des ZA der KPD. Ab Ende 1919 Polleiter des KPD-Bezirks Württemberg. Auf dem V. Parteitag 1920 wandte er sich gegen den »bürokratischen Zentralismus«. Tittel stand auf dem rechten Parteiflügel, und die »Stuttgarter Forderungen« von 1922 (von den Berliner Linken als »rechte Schweinerei« bekämpft) waren von ihm inspiriert. Der VIII. Parteitag 1923 berief ihn in die Revisionskommission. Als die Zentrale 1923 ihre Position in den Bezirken Berlin und Thüringen verstärken wollte, wurde Tittel 1923 als Polleiter nach Thüringen entsandt und dort bestätigt. Nach der Oktoberniederlage am 23. November 1923 festgenommen, saß er bis Mitte 1924 in »Schutzhaft«, wurde dann als Kandidat zur Landtagswahl freigelassen. Nach dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 von Ruth Fischer politisch ausgeschaltet, kam Tittel als Redakteur an das »Rote Hilfe Bulletin« nach Berlin. Ende 1924 als Beobachter eines Prozesses gegen Kommunisten in Freiburg kurz verhaftet, ab 1926 leitete er das Pressebüro der KPD in Berlin. Er wurde Ende 1926 wieder als Polleiter nach Thüringen berufen, dort im Januar 1927 in den Landtag gewählt, nahm er im gleichen Jahr am XI. Parteitag teil. Auf dem VI. Weltkongreß der Komintern 1928 war Tittel der einzige Vertreter der Rechten. Als führender Rechter bereits Ende 1928 aus der KPD ausgeschlossen. Viele Personen und Gruppen in der KPD in Thüringen solidarisierten sich aber mit ihm. Die von Tittel mitbegründete KPO war dort relativ stark, er wurde zusammen mit Paul Böttcher Redakteur der »Arbeiterpolitik« und gehörte zur Reichsleitung der KPO, in der er bis 1933 aktiv war. Nach dem Reichstagsbrand blieb er als Leiter des Berliner Komitees der Opposition noch einige Zeit illegal in Deutschland, emigrierte in die ?CSR und wurde dort Redakteur der »Arbeiterpolitik«. 1938 Flucht nach Frankreich, schied er im Herbst 1939 aus der KPO aus. Bei Kriegsausbruch in Le Vernet interniert, erhielt er mit Hilfe amerikanischer Freunde ein Visum und gelangte in die USA, wo er in seinem Beruf als Lithograph arbeitete. 1962 kam Tittel als Rentner in die Bundesrepublik, lebte in Nürnberg, trat der SPD bei, stand aber ihrer Politik sehr kritisch gegenüber. Bis zuletzt hielt er freundschaftliche Kontakte zu alten KPO-Mitgliedern aufrecht, nahm an den politischen Entwicklungen regen Anteil und half dank seines hervorragenden Gedächtnisses vielen Historikern mit Auskünften. Hans Tittel starb am 8. August 1983 in Nürnberg.

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Töpfer, Heinz

* 5.6.1930

Geb. in Neu-Dobra (b. Liebenwerda); Vater Elektriker; 1944 Feinmechanikerlehre, 1948 –51 Studium an den Techn. Lehranstalten Dresden, Ing. f. Feinmechanik; 1951 – 55 Studium an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1955 – 58 Assistent bei  Heinrich Kindler an der TH Dresden; 1958 – 67 Mitarb., Abt.-Ltr. u. stellv. Dir. der Arbeitsstelle bzw. des Inst. für Regelungs- u. Steuerungstechnik der DAW in Dresden, 1964 NP für Arbeiten auf dem Gebiet der Fluidtechnik; 1961 – 67 Lehrbeauftragter an der TH Magdeburg für Theorie u. Geräte der Regelungstechnik; 1963 Prom., 1983 Habil. an der TH/TU Dresden; 1967 – 78 ord. Prof. für Regelungstechnik an der TH Magdeburg, dort Gründungsdir. der Sektion Techn. Kybernertik u. Elektrotechnik, Ltr. des Wissenschaftsbereichs Prozeßsteuerung u. Regelungstechnik; 1973 – 83 Vors. der Wiss. Ges. für Meßtechnik u. Automatisierung in der KdT; 1974 – 90 Vors. des Zentralen Arbeitskreises Steuerungs- u. Regelungstechnik beim Min. für Wiss. u. Technik; 1987 Korr. Mitgl. der AdW; 1978 Umberufung an die TU Dresden, dort Ltr. des Wissenschaftsbereichs Regelungstechnik u. Prozeßsteuerung (später Automatisierungstechnik), 1989 – 92 Dekan der Fak. für Elektrotechnik. 1992 – 2004 Tätigkeit in der Industrie u. ehrenamtl. Arbeit im Verein Dt. Ingeniere (VDI); 2001 Otto-Winkler-Ehrenmed. des VDI; zahlr. Patente u. Veröff. in wiss. Zeitschriften.Funktionseinheiten der Automatisierungstechnik. Berlin 1977 (mit W. Kriesel); Grundlagen der Automatisierungstechnik. Berlin 1987 (mit P. Besch); Wissensspeicher Fluidtechnik. Leipzig 1988 (Hrsg. mit A. Schwarz); Automatisierungstechnik aus Herstellersicht – Rückblick, Stand, Trends. Dresden 1996.Günter Dörfel

Wer war wer in DDR

Torhorst, Marie

* 28.12.1888 – ✝ 7.5.1989

Geb. in Ledde (Krs. Tecklenburg, Westfalen); Vater Pfarrer; Schwester Adelheid T. (1884 – 1968) ebenfalls Mathematiklehrerin u. 1949 – 51 Ltr. des Goethe-Museums in Weimar; nach dem Abitur 1913 – 21 Studium der Math., Physik u. Geographie an den Univ. Göttingen u. Bonn, dort 1918 Prom. »Über die Randmenge einfach-zusammenhängender ebener Gebiete«, 1919 Lehramtsstaatsexamen u. 1920 päd. Examen; anschl. Lehrerin an einer kath. Mädchenschule sowie Bibliothekarin an der Univ. Bonn; zugl. Zusatzstudium an der Univ. Köln, hier 1923 Handelslehrer-Dipl.; 1923 – 29 Ltr. der Handelsschule des Frauenerwerbs- u. Ausbildungsvereins in Bremen; 1928 SPD; 1929 – 33 Lehrerin an der Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln, Entlassung aus polit. Gründen; anschl. bis 1945 diverse Tätigkeiten u. Hilfsarbeiten in Berlin; illeg. polit. Arbeit. August 1945 Fachreferentin für Lehrerbildung beim Magistrat von Berlin; 1946 KPD u. Ltr. der Abt. Schule u. Erziehung im ZK der SED; 1947 – 50 Ministerin für Volksbildung des Landes Thüringen – erste weibl. Ministerin in Thüringen; ab 1952 in versch. Funktionen tätig, u. a. 1950 / 51 Ltr. der Kunstausstellung der VR China in Berlin; 1951 / 52 Mitgl. des Sekretariats der IDFF; 1958 – 64 wiss. Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. Vergleichende Pädagogik am Dt. Päd. Zentralinst. in Berlin; 1962 Prof.-Titel; 1988 Ehrenprom. der APW; gest. in Berlin. T. war überzeugte Anhängerin der Schulreformen u. der weltl. Schule in der Weimarer Rep.; beteiligt an der bildungspolit. Umsetzung wesentl. Forderungen der soz. Arbeiterbew. in der SBZ / DDR.Über die Randmenge einfach-zusammenhängender ebener Gebiete. In: Math. Ztschr. Bd. 9, 1918; Schulentw. u. Schulreformen in einigen kapitalist. Ländern. Berlin 1962 (Hrsg.); Pfarrerstochter, Pädagogin, Kommunistin. Aus dem Leben der Schwestern Adelheid u. Marie Torhorst. Hrsg. von K.-H. Günther, Berlin 1986. R. Tobies: Biograph. Lexikon in Ma¬thematik promovierter Personen an dt. Univer¬sitäten u. Technischen Hochschulen WS 1907 / 08 bis WS 1944 / 45. Augsburg 2006.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Tralow, Johannes

* 2.8.1882 – ✝ 27.2.1968

Geb. in Lübeck; Vater Kfm. u. Kürschnermstr.; Realschule, Realgymnasium, Abitur; zur Behandlung einer Lungentuberkulose mehrj. Aufenthalt in Ägypten; Arbeit in einem Import-Exportgeschäft in Alexandria; kfm. Lehre; Reisen in den Orient; Chefred. des »Lübecker Tageblatts«; Chef des liter. Büros einer Berliner Versicherungsges.; 1910 Dir. des Berliner Theater-Verlags; ab 1914 Regisseur u. Theaterltr. u. a. in Halle, Berlin, Nürnberg, Köln (hier Gründung des »Theaters des werktätigen Volkes« am Friesenplatz), Frankfurt (Main) u. Hamburg; 1920 – 33 SDS; 1929 PEN; erste Romanveröff. in Berlin (»König Neuhoff«); lebte 1933 – 45 zurückgezogen als freier Schriftst. an der Mosel u. ab 1938 in Gauting (b. München); Kurzgeschichten u. Fortsetzungsromane u. a. für die »Frankfurter Illustrierte« u. die »Hamburger Illustrierte«. 1945 – 47 Oberster Richter der 1. Spruchkammer (zur Entnazifizierung) in Starnberg, Amtsniederlegung aus Protest gegen Eingriffe der amerik. Besatzungsmacht; ab 1946 zeitw. Mitgl. der CSU; 1951 – 57 Geschäftsf. Präs. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1956 Mitgl. des SV; Ehrenmitgl. des Dt. PEN-Zentrums; Mitgl. der dt.-türk. Ges. zu Bonn; da J. T. in der Bundesrep. Dtl. keinen Verleger fand, nahm er seinen zweiten Wohnsitz in der DDR (Berlin); 1967 Verleihung des Prof.-Titels durch den Kulturmin. der DDR u. Dt. Friedensmedaille; gest. in Berlin. J. T. begann seine liter. Laufbahn als Dramatiker, später folgten Nachdichtungen antiker Dramen; als bedeutendstes Erzählwerk gilt die Osman. Tetralogie mit den Romanen »Roxelane« (Zürich / Wien 1942), »Irene von Trapezunt« (Wiesentheid 1947), »Malachtun« (Berlin 1952) u. »Der Eunuch« (Berlin 1956), in denen Aufstieg u. beginnender Zerfall des Osman. Reichs vom 13. – 17. Jh. sachkundig u. facettenreich geschildert werden.Das Gastmahl in Pavia. Berlin 1907; Inge. Berlin 1912; Die Mutter. München 1914; Gewalt aus der Erde. Berlin 1933; Die verliebte Mosel. Hamburg 1936; Boykott. München 1950; Aufstand der Männer. Berlin 1953; Mohammed. Berlin 1967. J. T. Leben u. Werk. Hrsg. v. H. Stötzer. Berlin 1968; Diesner, H.-J.: Historie im Zeitverständnis. In: Neue Dt. Lit. (1972) 11; Der Nachlaß J. T. Bearb. v. H. Stötzer u. H. Döhn. Berlin 1977.Maren Horn

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Treder, Hans-Jürgen

* 4.9.1928 – ✝ 18.11.2006

Geb. in Berlin; Vater Magistratsdir.; 1933 – 46 Mommsen- u. Kant-Gymnasium in Berlin; 1944/45 Flakartillerie. 1946 Abitur; SED; Mitbegr. der FDJ in Berlin-Charlottenburg; 1947 – 49 Studium an der dortigen TH, 1949 – 56 Studium der Physik, Mathematik, Astronomie u. Philos. sowie Aspirantur an der HU Berlin; 1956 Prom. mit einer Diss. zur einheitl. Feldtheorie; in den 50er Jahren in Berlin (West) mehrmals festgenommen wegen Aktionen gegen die Atombombe; 1957 Assistent, 1959 Oberassistent am Inst. für reine Mathematik der DAW; 1961 Habil. u. Doz.; 1963 Prof. an der HU; 1963 – 66 Dir. des Inst. für reine Mathematik der DAW; 1966 Ord. Mitgl. der DAW; 1966 – 82 Dir. der Sternwarte Potsdam-Babelsberg; 1969 – 82 Dir. des ZI für Astrophysik u. 1969 – 72 Ltr. des Forschungsber. Kosm. Physik der DAW/ AdW; 1969 – 83 Mitgl. des Präs. der AdW; 1971 NP; 1982 – 91 Dir. des Einstein-Laboratoriums für Theoret. Physik; Mitgl. vieler nat. u. internat. wiss. Ges.; 1993 Ruhestand; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; gest. in Potsdam. Hauptarbeitsgebiete: Theoret. Physik, Astrophysik, Allg. Relativitätstheorie; Gravitations- u. allg. Feldtheorie; erkenntnistheoret. Probleme der Physik, Geschichte der Physik; Hrsg. der »Annalen der Physik« (1985 – 91), Mithrsg. weiterer Ztschr., Autor bzw. Mitautor von mehr als 20 Monogr. u. 500 Einzelbeiträgen. Sek.-Lit.: The Earth and the Universe – A Fs. in honour of H.-J. T. 1993 (hrsg. von der International Association of Geomagnetism and Aeronomy); Hamel, J. (Hrsg.): Wiss. Kolloquium zum 75. Geb. von H.-J. T. Berlin 2003; Schröder, W. (Hrsg.): Theoretical Physics and Geophysics. Berlin 2007; Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, Bd. 101 (2009).Relativität u. Kosmos. Berlin 1968; Gravitationstheorie und Äquivalenzprinzip. Berlin 1971; Elementare Kosmologie. Berlin 1975; Große Physiker. Berlin 1983 (mit R. Rompe); The Meaning of Quantum Gravity. Berlin 1987.Peter Nötzold

Wer war wer in DDR

Triebel, Hans

* 7.2.1936

Geb. in Dessau; nach dem Abitur 1954 – 59 Studium der Mathematik an der Univ. Jena, Dipl.-Mathematiker; 1959/60 Industrietätigkeit im VEB Carl Zeiss Jena; 1961 Assistent; 1962 Prom. mit der Arbeit »Über die Laméschen Differentialgleichungen« an der Univ. Jena; 1966 dort Habil. mit einer Arbeit über Untersuchungen von nichtlinearen Differentialoperatoren in Funktionenräumen; 1969 Doz. u. seit 1970 ord. Prof. für Analysis an der Univ. Jena; 1978 Korr. Mitgl., 1987 – 92 Ord. Mitgl. der AdW; 1983 NP; 1990 Dr. h. c. Univ. of Sussex Brighton (GB); 1993 Gründungsmitgl. der Berlin-Brandenburgischen Akad. der Wiss. Arbeitsgebiete: Analysis, mathemat. Physik, Funktionalanalysis.Fourieranalysis and function spaces. Leipzig 1977; Spaces of Besov-Hardy-Sobolev type. Leipzig 1978; Höhere Analysis. 2. verb. Aufl., Frankfurt (Main) 1980; Analysis u. mathemat. Physik. Leipzig 1981 (engl.: Leipzig 1986, 3. bearb. Aufl. Basel 1989); Theory of function spaces. Leipzig 1983; Theory of function spaces. Basel 1992.Annette Vogt

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Trillitzsch, Otto

* 16.10.1898 – ✝ 15.4.1974

Geb. in Gera; Vater Weber; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1916 SPD; 1917 – 19 Soldat; 1919 USPD, 1920 KPD; 1924 – 30 Red. der »Neuen Zeitung« bzw. der »Ostthüringischen Arbeiterzeitung« in Gera; 1929 / 30 KPD-Parteischule in Berlin-Fichtenau; 1930 – 33 Red. beim »Thüringer Volksblatt« in Erfurt (ehem. »Gothaer Tageblatt«); ab Jan. 1933 illeg. Arbeit im Auftrag der KPD-LL in Thüringen, ab 1934 in Oberschles. u. im Rheinland (Westfalen); Febr. 1935 Verhaftung, Aug. 1935 Verurteilung wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zehn Jahren Zuchthaus, bis 1945 Häftling in den Zuchthäusern Brandenburg, Sonnenburg u. KZ Börgermoor u. Buchenwald. 1945 / 46 Mitgl. des Sekr. der KPD-LL Thüringen, zunächst Abt.-Ltr. (Agit. u. Prop.) der KPD-BL Thüringen; Juli 1945 – 50 Chefred. der »Thüringer Volkszeitung« bzw. »Thüringer Volk«; 1946 SED; Sept. 1950 – 53 Chefred. der »Sächsischen Zeitung« Dresden (Nachf. von  Heinz Friedrich); Mitgl. der SED-LL Sachsen; zeitw. Vors. des Presseverb. Sachsen; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1953 – 55 Korresp. des SED-Zentralorgans »Neues Deutschland« in Moskau; 1955 / 56 Kaderltr. im »Berliner Verlag«; 1956 – 66 stellv. Chefred. der »Sächsischen Zeitung« in Dresden; 1973 KMO.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Trölitzsch, Gerhard

* 2.3.1926

Geb. in Limbach-Oberfrohna (Krs. Chemnitz); Vater Zimmermann, Mutter Näherin; 1932 – 40 Volksschule in Oberfrohna; 1936 – 40 Dt. Jugend; 1940 – 43 Ausbildung zum Maurer in Limbach (Sachsen); 1940 – 43 HJ; 1943 RAD, Arbeitsmann; 1943 – 3.3.1945 Wehrmacht, Gefr.; März 1945 – Jan. 1946 amerik. Kriegsgefangenschaft in Frankreich. 1946 SED; 1946 Maurer in Oberfrohna; 1946/ 47 ABF Chemnitz; 1947 – 53 Studium der Architektur an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1953 – 55 wiss. Mitarb. u. persönl. Ref. beim Präs. der DBA,  Kurt Liebknecht; Aug./Sept. 1953 während eines FDJ-Einsatzes in der Bundesrep. Dtl. kurzzeitig verhaftet; 1955 – 58 PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 Baultr. in der Aufbaultg. Kraftwerk Lübbenau; 1959 Mitarb., 1960 – 89 Ltr. der Abt. Bauwesen des ZK der SED (Nachf. von  Alfred Schwanz); 1959 – 64 Mitgl. des ZV der IG Bau/Holz; ab 1962 Mitgl. des Red.-Koll. »Neuer Weg«; 1974 VVO; ab 1976 Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED; 1976 Kand., 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1986 KMO; Dez. 1989 – Jan. 1990 Mitarb. bei der org. Auflösung des Apparats des ZK der SED.Über die Erfahrungen in der Parteiarbeit auf den Großbaustellen. Berlin 1963.Helmut Müller-Enbergs

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Trostorff, Klaus

* 12.11.1920 – ✝ 7.8.2015

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Zimmermann (später Opernsänger u. Gesangslehrer); Volks- u. Mittelschule; ab 1937 Ausbildung zum Kaufm.; anschl. im Beruf tätig, später Bauarbeiter bei der Reichsbahn, Orthopädiemechaniker; aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime; 28.10.1943 wegen »staatsfdl. u. sowjetfreundl. Einstellung« sowie »Verbreitung von Feindnachrichten« inhaftiert; Okt. 1943 – April 1944 Haft im Polizeigefängnis Breslau, 1944/45 KZ Buchenwald. Juni 1945 in Breslau, Aug. 1945 nach Erfurt; 1945/46 KPD/SED; Mitbegr. der FDJ Erfurt; Neulehrerkurs, 1947 Lehrerprüfung; 1948 – 50 Studium der Rechts- u. Gesellschaftswiss. an der FSU Jena, 1959 Dipl.-Jur.; 1950 – 56 Instrukteur bzw. polit. Mitarb. der SED-Landesltg. Thür. bzw. ab 1952 der SED-BL Erfurt; 1956 – 61 pers. Referent des OB von Erfurt; 1961 1. Stellv. des Bürgermeisters von Erfurt-Mitte, 1964 – 69 Bürgermeister; 1969 – 89 Dir. der Mahn- u. Gedenkstätte Buchenwald (Nachf. von Edwin Bergner); Mitgl. der Zentralen Ltg. des Komitees der Antifaschist. Widerstandskämpfer; 1979 u. 1985 VVO; Ruhestand; Juli 2006 Rede zur Einweihung der Gedenkstätte KZ-Außenlager »Schacht Burggraf« in Billroda; gest. in Erfurt.Menge, M.: Der Buchenwald-Direktor – K. T. In: Sommer, T. (Hrsg.): Reise ins andere Dtl. Reinbek 1989.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tiedt, Karl

* 23.6.1881 – ✝ 18.11.1938

Geboren am 23. Juni 1881 in Rostock, entstammte einer bürgerlichen Familie; besuchte das Gymnasium. 1897 trat er der Gewerkschaft und 1899 der SPD bei. Spätere Vorwürfe, zeitweise als Wanderredner des »Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie« tätig gewesen zu sein, wies er scharf zurück, doch seine Jugend blieb im dunkeln. Tiedt wurde als Kriegsteilnehmer schwer verwundet. 1917 ging er zur USPD und kam 1920 mit deren Mehrheit zur KPD. Seit 1919 Vorsitzender des von ihm ins Leben gerufenen »Internationalen Bundes der Kriegsbeschädigten und Körperbehinderten«, einer linken Gegenorganisation zum »Reichsbund der Kriegsbeschädigten«. Seit 1924 gab er auch das »Internationale Kriegsopfer-Bulletin« heraus. In der KPD gehörte er zum linken Flügel. Als Nachfolger des verstorbenen KPD-Abgeordneten Emil Eichhorn kam Tiedt im August 1925 in den Reichstag. Ab 1925 auch Herausgeber der Zeitschrift »Die Ehelosen«. Nach dem »Offenen Brief« im September 1925 agitierte er in seiner Kriegsopfer-Organisation gegen die neue Linie der KPD und vertrat den Standpunkt der linken Opposition. Das ZK forderte ihn im August 1926 auf, diese Fraktionsarbeit einzustellen und außerdem seine Zeitschrift »Die Ehelosen« aufzugeben, da sie amoralisch sei und die Anzeigen den Tatbestand der Kuppelei erfüllten. Tiedt bekam 48 Stunden Bedenkzeit, trat nach 24 Stunden aus der KPD aus und wurde formal am 19. August 1926 aus der Partei ausgeschlossen. Im Reichstag war er bei der Gruppe der linken Kommunisten und kritisierte, daß seltsamerweise die sich »Freiheitskämpfer von Beruf nennenden Kommunisten gegen seine freiheitlichen moralischen Ansichten« stünden. Er verließ dann auch die Gruppe der linken Kommunisten und blieb 1927/28 parteiloser Reichstagsabgeordneter. Als es der KPD gelang, 1927 die Mehrheit im Verband der Kriegsopfer zu gewinnen, trat Tiedt mit seiner Minderheit aus und gründete einen bedeutungslosen Sonderbund. In der Politik spielte er keine Rolle mehr. Karl Tiedt starb am 18. November 1938 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Tiemann, Walter

* 29.1.1876 – ✝ 12.9.1951

Geb. in Delitzsch; 1894 – 96 Studium der Malerei u. Zeichnung an der Leipziger Königl. Kunstakad. u. Kunstgewerbeschule, 1896 – 98 an der Kunstakad. Dresden, 1897 Studienaufenthalt in Paris; seit 1903 Lehrer, ab 1909 Prof. u. 1920 – 41 Dir. an der (umbenannten) Königl. Akad. für Graph. Künste u. Buchgewerbe Leipzig; 1907 mit Carl E. Poeschel Gründung der ersten dt. Privatpresse »Janus Presse«; 1910 – 25 Vors. des Vereins Dt. Buchkünstler; 1926 Dr. h. c. der Univ. Leipzig; 1940 Verlust des Direktorenamts, 1941 des Lehramts. Aug. 1945 – Frühjahr 1946 kommissar. Rektor der Akad. für Graph. Künste u. Buchgewerbe in Leipzig; 1946 em.; gest. in Leipzig. Internat. anerkannter Schriftkünstler u. Reformer des Buchgewerbes, tätig u. a. für den Zeitler-Verlag, Inselverlag, C. E. Poeschel Verlag.Kapr, A. (Hrsg.): Traditionen der Leipziger Buchkunst: Carl Ernst Poeschel, W. T., Hugo Steiner-Prag u. a. Leipzig 1989.Beatrice Vierneisel

Wer war wer in DDR

Tisch, Harry

* 28.3.1927 – ✝ 18.6.1995

Geb. in Heinrichswalde (Krs. Ueckermünde); Vater Steinsetzer, Mutter Arbeiterin; 1933 – 41 Volksschule in Heinrichswalde; Dt. Jugend, 1941 – 43 HJ, Kameradschaftsführer; 1941 Molkereihilfsarb. in Heinrichswalde; 1941 – 44 Ausbildung zum Bauschlosser in Pasewalk; Okt. 1943 – Jan. 1944 RAD, Arbeitsmann; April 1944 – Mai 1945 Wehrmacht (Marine), Gefr.; brit. Kriegsgefangenschaft in Neumünster, 28.11.1945 Flucht. Dez. 1945 Rückkehr nach Heinrichswalde; Schlosser in Ueckermünde; 1945/46 KPD/ SED; 1945 FDGB; 1946 FDJ; 1946 – 48 Betriebsschlosser; 1948 KPS; 1948/49 Krs.-Jugendsekr., 1949/50 1. Sekr. des FDGB-Krs.-Vorst. Ueckermünde; 1949/50 Gewerkschaftsschule Bernau; 1950 – 52 Landesvors. der IG Metall in Mecklenb., 1952/53 stellv. Bez.-Vors. des FDGB Rostock; 1950 – 52 Abg. des Landtags von Mecklenb.; 1953 – 55 PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1955 – 59 Sekr. für Wirtschaft in der SED-BL Rostock (Nachf. von  Karl Namokel); 1952 – 54 u. 1958 – 75 Abt. des Bez.-Tags Rostock; 1959 – 61 Vors. des Rats des Bez. Rostock (Nachf. von  Hans Warnke); 1961 – 75 1. Sekr. der SED-BL Rostock (Nachf. von  Karl Mewis); 1963 Mitgl. des ZK; 1971 – 75 Kand., 1975 Mitgl. des PB des ZK der SED; 1963 Abg. der Volkskammer; 1975 Mitgl. des Staatsrats u. Mitgl. des Präs. des NR der NF; 28.4.1975 – 2.11.1989 Vors. des Bundesvorst. des FDGB (Nachf. von  Herbert Warnke); 1970 VVO; ferner KMO; 1975 Mitgl. des Büros des Gen.-Rats des WGB; 8.11.1989 Rücktritt mit dem PB des ZK der SED; 19.11. vom Amt als Mitgl. des Staatsrats entbunden; 29.11. Ausschl. aus dem FDGB; 2.12. Gen.-Staatsanwalt erwirkt Haftbefehl; 3.12. Ausschl. aus der SED u. Verhaftung. Anklage wegen »Vertrauensmißbrauchs u. Untreue«, 29.1.1991 Prozeßbeginn, 19.5.1991 Haftverschonung, 6.6.1991 Urteil, 18 Mon. Haft wegen »Untreue«, nach Anrechnung der U-Haft u. Aussetzung der Haft freigelassen; Jan. 1995 Anklage wegen der »Todesschüsse an der Berliner Mauer u. der innerdt. Grenze«; gest. in Berlin.Die Prognose der gesellsch. Entw. Berlin 1968; Zur Gewerkschaftspol. der SED. Berlin 1979; Gewerkschaftsarbeit für Soz. u. Frieden. Ausgew. Reden u. Schriften. Berlin 1987.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Toeplitz, Heinrich

* 5.6.1914 – ✝ 22.11.1998

Geb. in Berlin; Vater Jurist; Gymnasium in Breslau, 1932 Abitur; 1932 – 36 Studium der Staats- u. Rechtswiss. an den Univ. Leipzig u. Breslau, Erste jur. Staatsprüfung; 1937 Prom. zum Dr. jur. in Breslau; aus »rass. Gründen« verfolgt; 1938/39 Auslandsaufenthalt; spä- ter Dienst in der Org. Fritz Todt; 1944/45 Zwangsarbeit in Frankreich u. den Niederlanden. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 – 47 Referendar u. Hilfsrichter in der Berliner Justiz; 1947 Zweite jur. Staatsprüfung; 1947 – 50 Hauptref. beim Stadtrat für Justiz im Magistrat von Groß-Berlin; 1949 – 90 CDU; 1950 stellv. Gen.-Sekr.; 1950 – 60 Staatssekr. im Min. für Justiz; 1951 – März 1990 Abg. der Volkskammer, seit 1986 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1951 – 53 stellv. Vors. der VVN Groß-Berlin; ab 1952 Mitgl. des Pol. Aussch. bzw. Präs. des CDU-Hauptvorst.; 1953 – 90 Mitbegr. u. Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer bzw. des Präs. seiner ZL; ab 1954 Mitgl. des Gen.-Rats der FIR; Mitgl. des NR der NF; 1955 – 87 Vors. des Zentr. Untersuchungsaussch. der CDU; 1960 – 86 Präs. des Obersten Gerichts (Nachf. von  Kurt Schumann); 1957 – 62 Vizepräs., 1962 – 85 Präs. der Vereinigung der Juristen (Nachf. von  Arthur Baumgarten), dann Ehrenpräs.; 1966 – 89 stellv. CDU-Vors.; 1970 VVO; ab 1971 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; seit 1975 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Italien; Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1979 Dr. jur. h. c. der KMU Leipzig; Nov. 1989 Vors. des Zeitweiligen Aussch. der Volkskammer zur Überprüfung von Fällen des Amtsmißbrauchs, der Korruption u. der persönl. Bereicherung; Proteste gegen den Einsatz H. T.s in dieser Funktion.Oberstes Gericht der DDR, höchstes Organ wahrhaft demokrat. Rechtssprechung. Berlin 1970; Aus Reden u. Aufsätzen 1952 – 1973. Berlin 1974; Der Bürger u. das Gericht. Berlin 1978.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Töpfer, Johanna

* 3.4.1929 – ✝ 7.1.1990

Geb. in Schneidemühl (Westpr./Piła, Polen); Vater Heizungsmonteur, Mutter Arbeiterin; 1935 – 43 Grundschule in Schneidemühl; 1939 BDM; 1943/44 Handelsschule; 1944 Reichsbahnhelferin in Schneidemühl, 1945 – 48 in Engelsdorf (b. Leipzig). 1945 FDGB; 1949 Kontoristin in Leipzig; 1949/50 Wagenputzerin, 1950/51 Lohnbuchhalterin im Hauptbahnhof Leipzig; 1951/52 Lehrerseminar des FDGB in Dresden; 1952 SED; 1952/53 Lehrstuhlltr. an der Zentr. FDGB-Schule in Beesenstedt; 1953 Studium an der HU Berlin; 1954/55 stellv. Dir. an der Zentr. Schule des FDGB in Beesenstedt, ab 1955 in Grünheide; 1953 – 55 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1956 – 59 u. 1964/65 Sektorenltr. u. Mitarb. beim Bundesvorst. des FDGB; 1959 – 64 Aspirant am IfG beim ZK der SED, Dr. rer. oec.; 1965 – 70 Doz. u. stellv. Dir an der Gewerkschafts-HS in Bernau; 1968 Prof.; 1965 – 71 Mitgl. der Westkommission beim PB des ZK der SED; ab 1968 stellv. Bundesvors. des FDGB; 1972 – 81 Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1973 – 77 Vizepräs. des Friedensrats; 1976 – 90 Abg. der Volkskammer; 1976 – 81 Mitgl. ihres Präs.; 1981 – 89 Mitgl. des Staatsrats; 1982 NP; 1990 Suizid.Ausbeutung im Monopolbetrieb. Berlin 1966; Der Soz. auf dt. Boden u. die westdt. Gewerkschaften. Bernau 1969; Veröff. Auswahl 1964 – 1988. Bernau 1989 (Hrsg. Gewerkschafts-HS).Helmut Müller-Enbergs

Torsari,

* 19.5.1898 – ✝ 11.12.1967

Geb. in Wurzelsdorf (Böhmen / Kořenov, Tschechien) in einer Arbeiterfamilie; Schauspieler in Reiseensembles u. kleinen Theatern; Zirkusgeschäftsf.; ab 1924 Zauberkünstler; wurde bekannt durch Manipulationen mit einer Uhr, Zigaretten u. Fingerhüten; SPD; ab 1933 durch die nationalsoz. Rassenpol. in der Berufsausübung stark behindert; 1942 Kontakt zum poln. Widerstand in Warschau. Ab 1945 in Dresden aktiv beim Aufbau des Kulturlebens, u. a. künstler. Ltr. des IAL-Varietés; daneben bis ins Alter Auftritte als Zauberkünstler; SED; mehrere Jahre Vors. der Gewerkschaft Kunst im Bez. Dresden; ab 1959 Vors. des ZA des Magischen Zirkels der DDR, Träger des Ehrenrings des Magischen Zirkels; gest. in Dresden.

Wer war wer in DDR

Trautvetter, Andreas

* 21.9.1955

Geb. in Pappenheim (Krs. Schmalkalden); 1974 Abitur; 1974 – 77 Wehrdienst; 1977 – 82 Studium der Math. an der FSU Jena, Dipl.-Math.; 1979 CDU; 1982 – 87 Informatiker u. Programmierer im Forschungszentrum der Werkzeugindustrie Schmalkalden; 1984 – 93 Vors. des CDU-Ortsverb. u. seit 1985 Mitgl. des Gemeinderats Kleinschmalkalden; 1987 – 90 Hauptbuchhalter des VEB Elektroinstallation Kleinschmalkalden; 1990 Schatzmeister. des CDU-KV Schmalkalden; 1990 – 92 1. Beigeordn. beim Rat der Gemeinde Kleinschmalkalden; Juli – Okt. 1990 Geschäftsf. der Werkzeug- u. Formenbau GmbH Kleinschmalkalden. Okt. 1990 – 2008 MdL Thür.; 1992 – 94 Min. in der Staatskanzlei, Nov. 1994 – Nov. 2002 Min. der Finanzen (Nachf. von  Klaus Zeh), Nov. 2002 – Nov. 2004 Min. des Innern (Nachf. von  Christian Köckert), 2004 – 08 Min. für Bau u. Verkehr des Freistaats Thür.; 1992 – 96 Schatzmeister u. 1996 stellv. Landesvors. der CDU Thür.; 1996 – 99 Mitgl. des CDU-KV Schmalkalden-Meiningen; Präs. des Bob- u. Schlittenverbands für Dtl. e. V.; Mitarb. beim Hamburger Weltwirtschaftsinstitut, Außenstelle Erfurt.Helmut Müller-Enbergs

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Trepte, Curt

* 12.8.1902 – ✝ 19.4.1990

Geb. in Eisenberg (b. Dresden); Vater Zimmermann; Realschule bis Primarreife, 1920 – 23 Staatsbauschule; 1923/24 Schauspielstudium am Staatstheater Dresden; 1930 KPD; 1930 – 33 an der Piscator-Bühne in Berlin; Mitarb. am Aufbau der RGI, Industriegr. Film-Bühne-Musik; März 1933 »Schutzhaft«; Juni 1933 Emigr. nach Paris, 1934 nach Moskau; Schauspieler, Publizist, Programmgestalter am Moskauer Sender; 1937 im Zuge der Moskauer »Säuberungen« Parteiausschl.; 1938 auf Anraten von  Friedrich Wolf Ausreise nach Schweden; Publizist u. Schauspieler in Stockholm; wiederholte Festnahmen; 1943 Red. der »Pol. Information« bzw. von »Tyskland av idag«; Instrukteur am schwed. Arbeitertheater; Vorst.-Mitgl. des Freien Dt. KB; 1945 Red. beim schwed. Radio für dt.-spr. Flüchtlingssendungen. Mai 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Oberspielltr. beim Berliner Rundfunk; 1947 von der ZV für Volksbildung in eine Kommission zur Wiedereinrichtung der Volksbühne Berlin berufen; bis Aug. Schauspieler, Regisseur u. Vorst.-Mitgl.; 1948 – 50 Schauspieler am Theater der DSF; 1950/51 hauptamtl. Ltr. der Sekt. Theater der DSF; in deren Auftrag 1950 kommissar. Intendant der Schweriner Maxim-Gorki-Bühne; Mai 1951 Schauspieler u. Regisseur in Leipzig; 1953 Intendant der städt. Bühnen Quedlinburg u. am Harzer Bergtheater; seit 1953 Mitgl. der SED-KL; Nachfolgekand. der Volkskammer, 1961 – 63 deren Mitgl.; ab 1963 Mitgl. der Ltg. der DAK; als Theaterwissenschaftler widmete er sich der Erforschung der Exilzeit des dt. Theaters; die Anregung dazu war von ihm 1962 an  Alfred Kurella u.  Alexander Abusch gegangen; 1977 VVO; 1982 Ehrenprom. der EMAU Greifswald; gest. in Berlin.Von Brettern, die uns die Welt bedeuten. In: »... einer neuen Zeit Beginn« (Erinnerungen). Berlin 1980; Mitarbeit an: Kunst u. Lit. im antifa. Exil. Bd. 5. Leipzig 1980 (Exil in Skandinavien).Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Triebel, Gustav

* 10.2.1889 – ✝ 30.4.1968

Geboren am 10. Februar 1889 in Barmen, Sohn eines Webers (Bruder von Oskar Triebel); lernte Metallarbeiter und schloß sich mit 16 Jahren dem Christlichen Verein Junger Männer (CVJM) in Barmen an. 1906 trat er in den Metallarbeiterverband ein, zwei Jahre später wurde er Mitglied der SPD. Nach Ausbruch des Weltkrieges flüchtete er in die Niederlande und nach Frankreich, fand später Kontakt zur Spartakusgruppe in Düsseldorf, wurde kurz vor Kriegsende verhaftet und durch die Revolution befreit. Gemeinsam mit Rosi Wolfstein und Ernst Seidel nahm er als Düsseldorfer Delegierter am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. 1920 Parteisekretär in Ost- und Westpreußen, vom IV. und V. Parteitag 1920 für diesen Bezirk in den Zentralausschuß gewählt. Als Anhänger Paul Levis trat er 1921 zur KAG über, später zur USPD und 1922 wieder zur SPD. Von 1923 bis 1927 wirkte Triebel als 2.Bevollmächtigter des DMV in Barmen, zog 1929 nach Hagen und war dort bis 1933 Rechtsschutzsekretär des Metallarbeiterverbandes. Triebel, der als Arbeitsrechtler in Hagen anerkannt war, lehnte ein Angebot der Nazis ab, für ihre DAF tätig zu werden. Nach mehrjähriger Erwerbslosigkeit und zeitweiligen Verhaftungen fand er 1936 Arbeit als Monteur. 1945 gehörte Gustav Triebel zu den Mitbegründern der IG Metall und der SPD in Hagen, war von September 1946 bis Dezember 1957 1. Bevollmächtigter der Verwaltungsstelle Hagen. Im November 1945 in die erste Stadtverordnetenversammlung berufen, saß Triebel bis 1965 im Rat der Stadt Hagen und führte von 1952 bis 1961 die SPD-Fraktion. Gustav Triebel starb am 30. April 1968 in Hagen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Trillitzsch, Otto

* 16.10.1898 – ✝ 15.4.1974

Geboren am 16. Oktober 1898 in Gera, Sohn eines Webers; lernte Maschinenschlosser, trat 1916 in die SPD ein, von 1917 bis 1919 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der USPD, Ende 1920 der KPD, von 1924 bis 1930 Redakteur der »Neuen Zeitung« bzw. der »Ostthüringischen Arbeiterzeitung« in Gera, dann bis Anfang 1933 Redakteur des »Thüringer Volksblattes« in Erfurt. Ende Januar 1933 mit Hermann Grosse illegale Arbeit in Thüringen, Anfang Januar 1934 Instrukteur des ZK in Oberschlesien und später Rheinland/Westfalen. Trillitzsch wurde im Februar 1935 festgenommen, im August 1935 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt und saß bis 1945 in Zuchthäusern und KZs. Von 1945 bis 1950 Mitglied des Sekretariats der KPD- bzw. SED-Landesleitung Thüringen, Chefredakteur der »Thüringer Volkszeitung«, anschließend bis 1953 der »Sächsischen Zeitung« in Dresden. Von 1953 bis 1955 ND-Korrespondent in Moskau und von 1956 bis 1966 erneut stellvertretender Chefredakteur der »Sächsischen Zeitung«. 1973 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Otto Trillitzsch starb am 15. April 1974 in Dresden.Kirsten Nies

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Trolle, Lothar

* 22.1.1944

Geb. in Brücken (b. Sangerhausen / Sachsen-Anh.); Mutter Hebamme; 1963 Abitur; Handelslehre; Arbeit als Handelskfm., Transport- u. Bühnenarb.; 1966 – 70 Studium der Philos. an der HU Berlin bei  Wolfgang Heise; 1968 erstes Stück »Papa Mama«; seit 1970 freischaff. Schriftst. in Berlin (Dramatik, Übers., Hörspiele, Prosa); 1983 – 87 Mithrsg. der Ztschr. »Mikado« (zus. mit  Uwe Kolbe u.  Bernd Wagner), wichtiges nichtoffiz. Periodikum für Texte »diesseits u. jenseits des Vokabulars der Macht u. der Anpassung« von Schriftst. versch. Generationen; 1987 Hörspielpreis »Terre des Hommes« für »Jozia, die Tochter des Delegierten oder Die heilige Johanna in der Wohnküche«; Verf. von grotesken, surrealen, clownesken, kleinbürgerl. Haltungen sezierenden Theaterstücken mit nur sporad. Aufnahme an Theatern der DDR (u. a. »Greikemeier. Szenen zw. Himmel u. Erde«, 1969 – 74; »Das beispielhafte Leben u. der Tod des Peter Göhring«, mit  Thomas Brasch, 1972; »Weltuntergang Berlin I u. II«, 1980/87; »Kasper-Trilogie«, 1985) u. karg-authent. Prosatexte, u. a. Auseinandersetzung mit den Abgründen des gewöhnl. Fasch. u. der Wende. 1991 PEN-Zentrum; 1991 Hörspielpreis für »Rubinowicz«; 1991 – 93 Hausautor am Schauspiel Frankfurt (Main).Mikado oder der Kaiser ist nackt. Selbstverlegte Lit. in der DDR. Darmstadt 1988 (Hrsg. zus. mit U. Kolbe u. B. Wagner); Hermes in der Stadt. Theatertexte. Berlin 1991; Das Klassenfenster. Dramolette, Prosa u. a. Texte. Freising 1991; Die Baugrube. Berlin 1996; Nach dem Besuch eines Toten. Berlin 1997; Les 81 minutes de mademoiselle A. Suivi de Berlin. Paris 1997; Berlin, fin du monde. Paris 1998; Nach der Sintflut. Gesammelte Werke. Berlin 2006. Mierau, F.: Der Dramatiker L. T. In: Spiele u. Spiegelungen. In: Jb. zur Lit. der DDR. Bd 7. Bonn 1990; Schalk A.: L. T. In: Krit. Lexikon zur dt.-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.Andreas Kölling

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Trötscher, Otto

* 1.9.1918 – ✝ 17.6.2008

Geb. in Reichenberg (Nordböhmen / Liberec, Tschechien); Vater Schriftsetzer; Volks- u. Bürgerschule; Lehre u. Arbeit als Dentist (Zahntechniker); 1924 – 32 Mitgl. der Jungen Pioniere; 1932 – 36 KJV der ČSR; 1936 KPČ; 1939 illeg. Arbeit in Reichenberg; 1939 – 41 Wehrmacht, 29.12.1941 Desertion, übergelaufen zur Roten Armee bei Feodosija (Krim); 1941 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1942 Einsatz in der Roten Armee, 1942/43 Antifa-Schule Lager 74. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED (unter Anrechnung der Mitgliedschaft in der KPČ); 1947/48 Red. beim »Nacht-Express«; 1948/49 Ltr. der Lokalred. des »Neuen Dtl.«; 1949/50 Chef vom Dienst der Ztschr. »Friedenspost«; 1950/ 51 Chefred. der Ztschr. »Blick nach Polen«; 1952/53 Red. u. Ltr. der Abt. Außenpol. der »Berliner Ztg.«; 1953 – 57 stellv. Chefred. bzw. Chefred. der Ztschr. »Der Grenzpolizist«; ab 1957 Mitarb. bzw. später Sektorenltr. der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED u. Chefred. des Mitteilungsblatts der Kampfgr. »Der Kämpfer«; 1953 – 57 Fernstudium an der Fak. für Journalistik; Okt. 1960 Obltn.; 1961 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1968 u. 1978 VVO; 1988 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

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Tiedtke, Ellen

* 16.3.1930

Geb. in Bischofsburg (Ostpr./Biskupiec, Polen); Schauspielausbildung; Engagements in Cottbus u. Frankfurt (Oder); in Cottbus neben der Theaterarbeit 1953 Auftritte mit dem Theaterkabarett »Die fünf Stichlinge«, das nur ein Jahr bestand; 1956/57 bei der »Leipziger Pfeffermühle«; dann Wechsel zur Berliner »Distel«, wo sie bis 1964 engagiert war; danach freiberufl. Tätigkeit, v. a. Vortrag volkstümlicher Lieder im Stile Claire Waldoffs; 1961 NP; 1963 »Es war kein schöner Mann« (Amiga); 1964 Darstellerin in »Doppelt oder nichts« (Regie u. Drehbuch Günter Stahnke); 1980 Darstellerin in »Die Verlobte« (Regie u. Drehbuch Günther Rücker u. Günter Reisch); Fernsehauftritte, 5.1.1983 – 1991 besonders beliebt als »Ellentie« im Kinderfernsehen des DFF; Moderatorin u. lustige Figur »Picke Puck«; mehrere Jahre Hauptrollen in den Weihnachtskinderrevuen des Berliner Friedrichstadtpalastes; 2008 CD »Mit Schalk im Nacken« (mit H. Rascher); lebt in Berlin-Lichtenberg.Gisela Winkler

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Tillich, Stanislaw

* 10.4.1959

Geb. in Neudörfel (Krs. Bautzen, sorb: Nowa Wjeska); Vater SED-Funktionär; 1977 Abitur an der Sorb. OS Bautzen; ab 1977 Wehrdienst bei den Grenztruppen; 1979 – 84 Studium an der TU Dresden, Dipl.-Ing. für Konstruktion u. Getriebetechnik; 1984 – 87 Konstrukteur in einem Elektronikbetrieb in Kamenz; 1987 CDU; 1987 – 89 Angestellter des Rats des Krs. bzw. der Kreisverwaltung Kamenz; seit 1989 Mitgl. des CDU-KV Kamenz.; Jan. – März 1989 Lehrgang an der ASR; ab Mai 1989 Stellv. Vors. des Rats des Krs. Kamenz u. zuständig für den Bereich Handel u. Versorgung; 1989 – 95 selbst. Unternehmer; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. 1991 – 94 Beobachter im Europ. Parlament; 1992 – 99 Mitgl. des Vorst. der Christdemokr. Parteien Europas (EVP); Juni 1994 – Okt. 1999 Mitgl. des Europ. Parlaments, dort stellv. Vors. des Haushaltsaussch. u. 1998 Generalberichterstatter für den Haushalt der EU; seit Okt. 1994 Mitgl. des Sächs. Landtags; Okt. 1999 – Apr. 2002 Sächs. Staatsminister für Bundes- u. Europaangelegenh.; Mai 2002 – Okt. 2004 Chef der Sächs. Staatskanzlei; Nov. 2004 –Sept. 2007 Sächs. Staatsminister für Umwelt u. Landw.; Sept. 2007 – Mai 2008 Sächs. Staatsminister der Finanzen (Nachf. von  Horst Metz); seit 2008 Vors. der CDU Sachsen (Nachf. von Georg Milbradt); seit 28.5.2008 Ministerpräs. des Freistaats Sachsen (Nachf. von Georg Milbradt).Nolle, K.: Sonate für Blockflöte u. Schalmeien. Dresden 2009.Helmut Müller-Enbergs

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Tischendorf, Gerhard

* 25.12.1927 – ✝ 10.12.2007

Geb. in Treuen (Vogtl.); Vater Metallarb., Mutter Stepperin; nach Volksschule 1940 – 45 Nationalpol. Erziehungsanstalt in Klotzsche bei Dresden; 1945 Soldat; bis 1947 Kriegsgefangener in der UdSSR u. Steinkohlenbergmann im Donezbecken. 1947 – 48 Oberrealschule u. Abitur; 1948 – 49 Bergbaupraktikant; 1949 SED; 1949 – 53 Studium des Bergbaus u. der Mineralogie an der Bergakad. Freiberg; 1954 – 58 Assistent am Mineralog. Inst. der Bergakad. bei  Friedrich Leutwein u.  Oskar Oelsner; 1958 Prom. zum Dr. rer. nat mit einer Diss. zur Genesis von Selenidvorkommen, insbes. von Tilkerode im Harz; 1965 Habil. zum Dr. rer. nat. habil. mit einer Diss. über die Verteilung des Selens in Sulfiden; 1963 – 89 Vorlesungen zur Geochemie u. Metallogenie an der Bergakad., ab 1973 als Honorardoz. für Geochemie; 1958 – 60 Arbeitsgr.-Ltr. u. stellv. Abt.-Ltr. für Geolog. Erkundung im Zentr. Geolog. Inst. (ZGI) Berlin; 1961 – 63 Dir.; anschl. bis 1981 Ltr. von Forschungsgr. im ZGI; 1969 – 77 Vors. des Nationalkomitees für Geolog. Wiss.; 1975 Mitgl. des Rats des Internat. Geolog. Korrelationsprogramms in der internat. Geolog. Union bei der UNESCO; ab 1978 Diskreditierung durch das MfS; 1980 Einstufung als »Sicherheitsrisiko« für das ZGI u. 1981 Abschiebung an den Betrieb Geolog. Erforschung u. Erkundung in Freiberg; 1983 – 92 Mitarb. im ZI für Physik der Erde der AdW u. im Geoforschungszentrum Potsdam; 1990 Koordinator des Zentr. Runden Tisches Geol. zur Vorber. des Aufbaus von Geolog. Ämtern in den neuen Bundesländern. 1990 – 91 (gem. mit Jürgen Wasternack) Ltr. der Rehabil.-Kommission des ZGI Berlin; 1990 Serge-von-Bubnoff-Medaille der Ges. für Geolog. Wiss. der DDR; 1993 Ehrenmitgl. der International Association of Ore Deposits; 2002 Benennung eines neuen Minerals nach T.: »Tischendorfite«. Gest. in Zittau. Forschungsschwerpunkte: Entstehung von Seleniden, Einfluß des Redoxpotentials auf die Mineralbildung, Entstehung von Zinnlagerstätten, Geochemie granitischer Gesteine, Mineralogie u. Geochemie von Glimmern; ca. 120 Veröff.Einführung in die Metallogenie / Mineralogie. Leipzig 1976 (mit L. Baumann); Grundlagen der Geochemie. Leipzig 1990 (mit R. Seim); Zw. Überzeugung und Aufbegehren. Biogr. Bericht eines Freiberger Mineralogen. Schkeuditz 1999.Martin Guntau

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tomarkin, Samuel

* 27.7.1884 – ✝ 30.4.1937

Geboren am 27. Juli 1884 in Königsberg, Sohn einer Buchhalterfamilie, die 1870 aus Rußland nach Deutschland emigriert war. Nach Selbstunterricht begann er im Alter von 14 Jahren als Lehrling im Getreide-Kommissionskontor seines Onkels, anschließend Angestellter in verschiedenen Getreidehandelsunternehmen. 1909 Mitglied eines von russischen revolutionären Emigranten in Königsberg gegründeten Kultur- und Bildungsvereins, nach Ausbruch des Krieges als »feindlicher Ausländer« nach Chemnitz verbannt. In der Zuschnittabteilung einer Trikotagenfabrik, später in Leipzig als Zuschneider in einer Pelzfabrik und Vertreter tätig. Tomarkin trat 1917 der USPD und 1919 der KPD bei. Innerhalb der Jüdischen Gemeinde Leipzigs bildete er eine Arbeitergemeinschaft unter Leitung des Spartakusbundes. Seit 1926 in Berlin, führend im AM-Apparat und im Verbindungsapparat der Komintern, war er bis 1933 in sowjetischen Handelseinrichtungen beschäftigt. Im Juni 1933 emigrierte er mit Frau und Tochter in die Sowjetunion und war bis 1937 in Moskau in der Handelsgesellschaft »Sojusmetimport«, zuletzt als Oberbuchhalter im Versandhandel. Am 30.April 1937 vom NKWD verhaftet, kam Samuel Tomarkin am 14.September 1937 im Butyrka-Gefängnis in Moskau ums Leben. Er wurde erst 1993 rehabilitiert. Seine Frau Rosa, geborene Landau (* 13. 2. 1897 in Tarnow), kam mit den Eltern 1904 nach Leipzig, besuchte dort die Schule für Frauenberufe. 1914 im Jüdischen Wanderbund »Blau Weiß«, 1917 Mitglied der USPD und 1918 der KPD. In Leipzig leitete sie die Kinderorganisation Jung-Spartakusbund und war Frauenleiterin. Ende der zwanziger Jahre bei der Filmverleihfirma Prometheus, einem Münzenberg-Betrieb. In Moskau ein Jahr für die OMS der Komintern tätig, anschließend Deutschlehrerin in einer Fachschule für Fremdsprachen, danach Dozentin am Fremdspracheninstitut. Sie wurde am 30. April 1937 vom NKWD verhaftet und wegen »konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit« zu acht Jahren Lager verurteilt, kam in das Nord-Ost-Lager des NKWD und war im Sowchos Elgen im Gebiet Magadan. Am 23. April 1938 erneut verhaftet und beschuldigt, einer »antisowjetischen trotzkistischen Organisation« im Sowchos Elgen anzugehören. Am 11. Mai 1938 wurde Rosa Tomarkin zum Tode verurteilt und zwischen dem 10. und 16. Juni 1938 erschossen. Beide Urteile wurden 1956 mangels Beweisen aufgehoben.

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Topfstedt, Thomas

* 18.2.1947

Geb. in Erfurt; Vater Arbeiter, Mutter Büroangest.; aufgew. in Erfurt; 1965 Abitur; 1965 – 70 Studium der Kunst-, Ur- u. Frühgeschichte an der KMU Leipzig; 1967 SED; 1970 – 75 wiss. Mitarb. am Inst. für Städtebau u. Architektur, Abt. Geschichte u. Theorie der Architektur der DBA; seit 1975 tätig am Fachber. Kunstwiss. / Inst. für Kunstgeschichte der KMU Leipzig; 1979 – 90 VBK; 1980 Prom.; 1985 – 90 Mitgl. der Ges. für Denkmalpflege des KB; 1985 Doz. für Geschichte u. Theorie der Architektur; 1988 Prof.; 1989 – 90 Mitgl. der Zentr. Arbeitsgr. Umweltgestaltung beim VBK u. Mitgl. der Sekt. Architektur u. Städtebau der Bauakad. der DDR; Jan. 1990 Austritt aus der SED. 1990 – 96 kommissar., ab 1993 geschäftsf. Ltr. des Inst. für Kunstgeschichte der Univ. Leipzig; 1993 Prof. für Kunstgeschichte; 1996 – 99 Dekan / Prodekan der Fak. für Geschichte, Kunst- u. Orientwiss. der Univ. Leipzig; seit 1994 Mitgl. der Dt. Akad. für Städtebau u. Landesplanung; seit 1995 Mitgl. der Hist. Kommission der Sächs. AdW zu Leipzig; seit 1998 Mitgl. des Denkmalrats im Freistaat Sachsen; seit 2006 Mitgl. der Kommission für die Kunstgeschichte Mitteldtl. der Sächs. AdW. Zahlr. Veröff. zur Architektur- u. Städtebaugeschichte, u. a. in »Geschichte der Dt. Kunst«, Bd. 1350 – 1470 u. 1470 – 1550. Leipzig 1981 u. 1984 (Hrsg. E. Ullmann).Städtebau in der DDR 1955 – 71. Leipzig 1988; Stadtdenkmale in Ostdtl. Leipzig 1994; Leipzigs Messen 1497 – 1997. Gestaltwandel – Umbrüche – Neubeginn. 2 Bde. Köln, Weimar, Wien 1999 (Hrsg. mit H. Zwahr u. G. Bentele); Wohnen u. Städtebau in der DDR. In: Geschichte des Wohnens. Bd. 5, hrsg. von I. Flagge. Stuttgart 1999.Anke Scharnhorst

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Trabalski, Stanislaw

* 25.10.1896 – ✝ 12.11.1985

Geb. in Leipzig; Vater poln. Sozialist; Ausbildung zum Feinmechaniker; danach als Elektrotechniker u. Filmtechniker tätig; Mitgl. der Kattowitzer Arbeiterjugend; 1912 SPD; 1914 – 16 Militärdienst, in Verdun verwundet; 1916 Spartakusbund; 1917 USPD; 1918 Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats in Weimar u. 1919 in Leipzig; 1922 Wiedereintritt in die SPD; ehrenamtl. Mitarb. im Arbeiterbildungsinst.; 1928 – 33 Sekr. einer Konsumgenossenschaft; Mitgl. der Eisernen Front; 1933 Vertrauensmann der illeg. SPD für den Leipziger Süden; 1933 – 45 siebenmal verhaftet, 1937 Verfahren wegen »Hoch- u. Landesverrats« mangels hinreichender Beweise eingestellt; Ltr. der illeg. SPD in Westsachsen. 1945 Vors. eines inform. sozialdemokrat. Arbeitsaussch.; Vors. des SPD-Krs.-Vorst. Leipzig; 1946 SED; Mitgl. des SED-Bez.-Vorst. Westsachsen u. parität. 1. Vors. der SED-BL; bis 1948 Mitgl. des SED-Landessekr., zuständig für die Wirtschaftsbetriebe der Partei; 1948 im Zusammenhang mit der Flucht  Erich W. Gniffkes unter dem Vorwand der Veruntreuung von SED-Vermögen zugunsten der SPD verhaftet, 1950 aus der Haft entlassen; Ende 1950 unter dem Vorwand regelwidrigen Umgangs mit internem Parteimaterial erneut festgenommen; nach Ermittlungen durch das MfS 1954 vom Bez.-Gericht Rostock wegen Boykotthetze zu sechs Jahren Haft verurteilt, 1956 amnestiert; danach Mitarb. am Bibliograph. Inst. in Leipzig; bis 1961 wiederholt kurzz. durch das MfS inhaftiert; 1966 Aufhebung des Urteils von 1954; gest. in Leipzig.Rudloff, M., Schmeitzner, M. (Hrsg.): »Solche Schädlinge gibt es auch in Leipzig«. Sozialdemokraten u. die SED. Frankfurt (Main) 1997.Beatrix Bouvier

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Trautzsch, Walter Ehrengott

* 16.3.1903 – ✝ 23.9.1971

Geb. in Lengefeld (Erzgeb.); Vater Weber u. Maurer, Mutter Weberin; nach Abschl. der Volksschule Lehre als Metalldrücker; bis 1929 Arbeit in seinem Beruf in versch. Städten Dtl.; dann erwerbslos; 1923 KPD; Teiln. am Hamburger Aufstand, Okt. – Dez. 1923 in Haft; seit 1926 Verbindung zum Geheimapparat der KPD; 1929 Ltr. des Erwerbslosenaussch. in Lengefeld; 1931 Ltr. des örtl. Antifa. Kampfbunds; Reise in die Sowjetunion als Mitgl. einer Delegation der Universum-Bücherei; Nov. 1932 Wahl zum KPD-Stadtverordn. in Lengefeld; 1933 – 34 Inhaftierung im KZ Colditz / Leipzig u. KZ Sachsenburg / Frankenberg; nach der Entlassung Ltr. einer kommunist. Widerstandsgr. in Lengefeld u. Umgebung; 1935 Reise nach Moskau, Teiln. an der »Brüsseler Konferenz« der KPD (»Paul Wittig«); anschl. Emigr. in die ČSR, später Frankreich; 1936 – 39 hielt W. T. als Kurier »Edwin« die Verbindung zw. dem verhafteten Ernst Thälmann u. der Emigr.-Ltg. der KPD; seine unmittelbaren Vorgesetzten waren u. a.  Walter Ulbricht,  Franz Dahlem,  Anton Ackermann,  Hermann Nuding,  Paul Bertz; 1939 Verhaftung durch die Gestapo, Entlassung nach Verpflichtung zur Mitarbeit (zum Schein); nach dem Beginn des 2. Weltkriegs Internierung in versch. frz. Lagern; 1940 Flucht in die Schweiz; dort als »Kurt Schneider« Zusammenarbeit mit  Leo Bauer,  Maria Weiterer u.  Fritz Sperling. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Eheschließung mit der Schweizerin Rosemarie Müggli; Geburt des ersten Sohns; 1947/48 Vors. der SED, Krs. Glauchau; 1948 – 52 pol. Mitarb. der sächs LL der SED; 1952 – 53 Vors. der Stadt-PKK Leipzig; Mitgl. der BPKK Leipzig; 1954 nach einer Überprüfung durch die ZPKK aufgrund der Gestapoverpflichtung u. als ehem. Westemigrant aus dem Kontrollapparat der Partei entfernt u. als Kaderltr. des Betriebs »Kohle« Schwedt, Außenstelle Berlin-Weißensee, eingesetzt; nach häufigen Krankheiten 1959 Invalidenrentner; in den letzten Lebensjahren stundenweise Tätigkeiten als Gärtner u. Fahrstuhlführer; erste Veröff. über seine Tätigkeit als Thälmann-Kurier auf Initiative Franz Dahlems; 1964 VVO; gest. in Leipzig.Erxleben, Ch. (Hrsg.): Berichte des Thälmann-Kuriers W. T. In: BzG 1965. Leo, A. u. a. (Hrsg.): Helden, Täter u. Verräter. Berlin 2000.Anette Leo

Wer war wer in DDR

Trepte, Stefan

* 20.7.1950

Geb. in Biehla (b. Kamenz); Eltern Lehrer; 1957 – 69 Schule in Dresden, Abitur mit Berufsausb. als Maschinenbaufacharb.; ab 1960 priv. Klavierunterricht, 1965 – 69 klass. Klavierausb. in der Vorstudienklasse der Musik-HS »Carl Maria von Weber« in Dresden, autodidakt. Gitarrenausb., Pianist in versch. Amateurbands, u. a. »STC« u. »Quintanas« (Verbot der Band, Strafarbeit); 1969/70 Grundwehrdienst bei der VP in Dresden, Mitarb. in der Bereitschaftskapelle; 1970/71 Hilfsarb. im VEB Mühlenbau Radebeul, Mitgl. der Band »Crux«; Mai 1972 Einstieg als Sänger bei »Electra« mit dem Erfolgstitel »Tritt ein in den Dom« (1980 auf der LP »electra 3«), Berufsmusiker, Gesangsstudium an der Musik-HS »Carl Maria von Weber«, 1972 Abschluß als Kapellensänger; 1974 Wechsel zur Dresdener Band »Lift«, anfangs Duette mit Christiane Ufholz u. a. in »Komm doch einfach mit« u. »Jeder Tag ist eine lange Reise«, 1975 Berufsausweis als Gesangssolist, Rundfunkaufnahmen der Erfolgstitel »Mein Herz soll ein Wasser sein« (auch Komp.) u. »Soldat vom Don«, Konzerte in Rumänien u. der ČSSR; 1975/76 Tournee mit der  Klaus-Lenz-Band, Teiln. an deren Fusionskonzert mit Modern Soul u. namhaften ostdt. Soulinterpreten, darunter  Uschi Brüning,  Regine Dobberschütz,  Angelika Mann,  Holger Biege, Live-Mitschnitt aus dem Palast der Republik auf CD »Klaus Lenz Modern Soul Big Band«); 1976 – 86 Sänger, Keyboarder u. musikal. Ltr. der Magdeburger Band »Reform«, 1979 LP »Reform«, 1982 LP »Löwenzahn«, Goldmed. beim IV. DDR-Interpretenwettbewerb, 1985 LP »Uhren ohne Zeiger«, erfolgr. Eigenkomp.: »Wenn die Blätter fallen«, »Löwenzahn«, Kunstpreis des Bez. Magdeburg, Konzerte in mehreren osteurop. Ländern; 1986 – 89 Soloprogramme mit dem Projekt »T & W Music«; 1989 Rückkehr zu »Electra«, seitdem wieder Frontmann der Band im Wechsel mit Peter Ludewig. 1990 – 94 in der Kinderrevue »Der dumme August« des Rocktheaters »Die Gaukler«; 1991 – 93 ABM-Stelle im Theater am Park Berlin-Biesdorf (Nachfolgeeinrichtung des Erich-Weinert-Ensembles), Unterhaltungstourneen durch ganz Dtl., u. a. Auftritt beim Frankfurter Opernball; 1993 – 95 Engagement am Staatstheater Dresden, u. a. als »Eddie« in der »Rocky Horror Show«; Rolle der »Audrey II« im Musical »Der kleine Horrorladen« an versch. Theaterhäusern; seit 1998 Auftritte im gemeinsamen »Sachsendreier«-Programm von »Electra«, »Lift« u. »Stern Meißen«; 2004 Jubiläumskonzert 35 Jahre »Electra«; 2005 Solo-CD »Mein Herz soll ein Wasser sein. St. T. – Das andere Porträt«; »Sachsendreier«-Lesungen mit  Reinhard Fißler (Stern) u. Werther Lohse (Lift); lebt in Berlin; Sohn Ludwig T. (Jg. 1988) Schauspieler.Balitzki, J.: Geschichten vom Sachsendreier. Berlin 2001.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Triebel, Oskar

* 13.1.1891 – ✝ 24.5.1968

Geboren am 13. Januar 1891 in Barmen, Sohn eines Webers (Bruder von Gustav Triebel); lernte Schlosser, trat in den DMV und in die Arbeiterjugend ein. Auch er floh bei Kriegsausbruch in die Niederlande, um sich dem Militärdienst zu entziehen. 1918 Mitbegründer des Spartakusbundes in Barmen, war Ende 1918 dessen Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD. Triebel, seit Anfang 1919 Leiter der Ortsgruppe Barmen, unterzeichnete 1920 als Vertreter der aufständischen Ruhrarbeiter nach der Niederschlagung des Kapp-Putsches das Bielefelder Abkommen. Dafür drohte ihm die BL mit Ausschluß. 1923 wurde er von der belgischen Besatzung als Geisel festgenommen. Von 1923 bis 1929 Redakteur und Verlagsleiter der »Niederrheinischen Arbeiterzeitung« in Duisburg, zugleich dort Stadtverordneter und Vorsitzender der KPD-Fraktion, Mitglied des Provinzialrats. Triebel wurde 1929 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, woraufhin die gesamte Stadtratsfraktion (zwölf Personen) das Mandat niederlegte. Er wurde Mitglied der KPO und leitete deren Ortsgruppe Duisburg-Hamborn. Zuletzt städtischer Angestellter, im Juli 1933 wurde er entlassen. Illegal für die KPO tätig, hatte er enge Verbindungen zu Dagobert Lubinski in Düsseldorf sowie zu konspirativ arbeitenden SAP-Gruppen. Im März 1934 in Essen festgenommen, wurde er am 12. Oktober 1934 vom OLG Hamm zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Danach zwar freigelassen, aber 1937 erneut verhaftet, kam ins KZ Oranienburg. Während des Krieges im Bergbau und nach dem 20. Juli 1944 nochmals für kurze Zeit inhaftiert. Mitte Mai 1945 gründete Oskar Triebel den Kampfbund gegen den Faschismus in Duisburg, einen informellen Zusammenschluß von SPD-, SAP-, KPO- und KPD-Mitgliedern. Er trat 1946 in die SPD ein, hielt losen Kontakt mit der Gruppe Arbeiterpolitik. Bis 1954 Leiter des Arbeitsamts in Duisburg, wieder in den Stadtrat gewählt und dort SPD-Fraktionsvorsitzender. Wegen kommunalpolitischer Differenzen im Oktober 1959 zurückgetreten, verließ er die SPD bei Bildung der Großen Koalition 1966. Oskar Triebel starb am 24. Mai 1968 in Duisburg.

Wer war wer in DDR

Troegner, Franziska

* 18.7.1954

Geb. in Berlin; Vater Schauspieler u. Regisseur Werner T., Mutter Sängerin; Abitur; 1969 – 76 im Jugendstudio des Kabaretts »Die Distel« in Berlin; 1973 – 76 Ausbildung bei Doris Thalmer am Berliner Ensemble (BE); 1976 – 93 Engagement am BE unter  Ruth Berghaus, u. a. als Grusche in  Bertolt Brechts »Der kaukasische Kreidekreis« (auch Gastspiele in Athen, Edinburgh, Paris, Mailand, Moskau, Mexico-Stadt), die Polly in »Die Dreigroschenoper« u. die Kattrin in »Mutter Courage«; in Fernsehfilmen: u. a. in »Der zweite Mann« (1977), »Hochzeit in Welzow« (1979), in dem Vierteiler »Das Leben von Johann Sebastian Bach« (1985, an der Seite ihres Ehemannes, des Schauspielers  Ulrich Thein); bei der DEFA u. a. in »Der Baulöwe« (1979), »Die Gänse von Bützow« (1985), »Der Bruch« (1989); seit 1976 auch Arbeit für den Rundfunk in insg. etwa 500 Hörspielen, nebenbei Synchronarbeiten; 1981 Kritikerpreis der »Berliner Ztg.«; 1989 Kunstpreis der DDR. Seit 1993 freiberufl., vor allem im Fernsehen: in Comedy-Shows mit Diether Krebs u. Dieter Hallervorden, in Serien »Der Landarzt« (ZDF), »Mama ist unmöglich« (ARD); seit 1996 auch Soloabende, Lesungen u. Hörbücher; Theatergastrollen: 1993 / 94 am Theater am Kurfürstendamm u. am Friedrichstadtpalast in Berlin, 2000 am Staatstheater Schwerin; im Spielfilm u. a. 2001 in »Heidi M.« u. 2004 in dem Hollywood-Film von Tim Burton »Charlie and the Chocolate Factory«, lebt in Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Trommer, Peter

* 12.6.1939

Geb. in Stollberg (Erzgeb.); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule; 1957 / 58 Praktikant bei der »Volksstimme« in Karl-Marx-Stadt; 1958 – 62 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1959 SED; 1960 / 61 Praktikant bei der »Freiheit« in Halle; 1962 wiss. Ass. am Inst. für Marxismus-Leninismus der KMU Leipzig; 1962 – 64 Lokalred., 1965 – 72 Ltr. der Abt. Kultur, 1972 – 74 stellv. Chefred., 1974 – 87 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Märkische Volksstimme« in Potsdam (Nachf. von  Willi Siebenmorgen); 1969 Prom. zum Dr. rer. pol. an der Sektion Journalistik der KMU Leipzig mit einer Arbeit zum Thema »Anforderungen an die Bezirkspresse der SED aus der Entfaltung des geistigen Lebens bei der Schaffung des entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus in der DDR, dargestellt an Beispielen aus der ?Märkischen Volksstimme?, Potsdam«; 1974 Mitgl. des VDJ-ZV, 1974 – 87 Vors. des VDJ-BV Potsdam; 1974 – 89 Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1979 / 80 Studium an der PHS der SED; 1988 – 15.11.1989 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Potsdam. Nach 1990 wiss. Arbeiten u. verschied. ABM-Projekte; seit 2000 Rentner.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Trottner, Anni

* 12.8.1902 – ✝ 7.7.1968

Geboren am 12. August 1902 in Berlin-Britz, Tochter einer Arbeiterfamilie; Arbeiterin in einer Bäckerei, später Stenotypistin. 1919 Mitglied der KJD, 1923 der KPD. 1924 einige Monate in der Zentrale der KPD beschäftigt, wurde sie im Herbst 1924 nach Moskau an die deutsche Sektion der Komintern delegiert. Dann von 1925 bis 1928 Stenotypistin und Sekretärin bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Sie lebte mit Nathan Landesmann (* 24. 5. 1905 – †?) zusammen, der für den AM-Apparat, für die Komintern und die GRU arbeitete. Beide übersiedelten Ende 1928 in die Sowjetunion, da gegen Landesmann in Deutschland ermittelt wurde. Sie arbeitete am Marx-Engels-Institut, anschließend im Büro der KJI in Moskau, während Landesmann in Moskau Mitarbeiter der OGPU wurde, beide wohnten zeitweise im Hotel »Lux«. 1931 Rückkehr nach Deutschland, Sekretärin im Westeuropäischen Büro der KJI in Berlin. Im April 1933 emigrierte sie in die Sowjetunion, kam unter dem Parteinamen Maria Schwab ins Sekretariat der KJI bzw. als Sekretärin von Arthur Pieck ins Büro des Internationalen Revolutionären Theaterbundes (IRTB) in Moskau. Ende 1935 wegen Kontakten zu Nathan Landesmann, der inzwischen als Verräter verdächtigt wurde, aus der Partei ausgeschlossen. Landesmann soll sich zunächst dem britischen Geheimdienst in Palästina angeboten haben und später in Berlin für die Gestapo als »Auskunftsperson« tätig geworden sein. Anni Trottner, in Moskau in der 2. Staatlichen Uhrenfabrik beschäftigt, wurde Anfang September 1937 vom NKWD festgenommen und im Februar 1938 wegen »konterrevolutionärer Gruppenbildung« vom Obersten Gerichtshof der UdSSR zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach ihrer Freilassung bis 1949 Kolchosarbeiterin in Kasachstan, durfte sie im Juni 1956 in die DDR ausreisen, wurde Sekretärin beim Dietz Verlag. Anni Trottner starb am 7. Juli 1968 in Ost-Berlin.