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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Stürmer-Alex, Erika

* 4.2.1938

Geb. in Wriezen (Oderbruch); Vater Buchhalter, Mutter Sekr., Händlerin, Landwirtin u. Bürgermstr.; OS in Wriezen, 1956 Abitur; danach FS für Werbung u. Gestaltung Berlin, Abbruch des Studiums; 1958 – 63 Studium an der Kunst-HS Berlin-Weißensee bei  Herbert Behrens-Hangeler u.  Kurt Robbel; ab 1963 freischaff. in Woltersdorf (b. Berlin); 1967 VBK; ab 1969 Ltg. von Zeichenzirkeln; 1972 Beginn plast. Arbeiten; ab 1982 Verlegung des Wohn- u. Arbeitsorts auf ein Gehöft in Lietzen; 1978 Ltr. der Sekt. Malerei / Plastik des VBK Frankfurt (Oder); ab 1983 baugebundene Plastik; Ltg. von Malwochen in Lietzen. 1992 Förderpreis des Landes Brandenb.; Mitbegr. u. Mitarb. im Verein »Frauenkunst e. V. Endmoräne«; Kursltg. in einem Weiterbildungsseminar für Frauen im Kunsthof Lietzen, Brandenb.; 1992 – 95 Doz. an der Musik- u. Kunstschule Frankfurt (Oder); 1993/94 Studienaufenthalte in London u. Rom; 1996 Studienaufenthalt u. Ltg. eines Symposions in Brasilien; 1997 Wandbilder im Krankenhaus Beeskow; 1998 Foyergestaltung in der IHK Frankfurt (Oder); 2004 Ostbrandenb. Kunstpreis; lebt in Lietzen (b. Seelow). Werke: Das Geheimnis. Öl auf Hartfaser, 1978; Brucherde. Latex, Erden, versch. Materialien auf Glasfaserstoff; Mozart in Venedig. Folge von Zeichnungen; Große Briefserie. 1978; Die schöne Melusine als Harlekin. Polyesterlaminat, 1991; Installation Sombra da Luz. 1996.Außerhalb von Mittendrin. Neues Kunstquartier im TIB 1991; Zw. Expressivität u. Sachlichkeit. Galerie Junge Kunst. Frankfurt (Oder) 1993. Muschter, G.: Apollinisch-dionysisch. In: Bildende Kunst (1989) 5; Ebert, H.: Eine Werkstatt für kreativen Unsinn im Oderbruch. In: Gillen, E., Haarmann, R. (Hrsg.): Kunst in der DDR. Köln 1990; Rieger-Jähner, B. In: Kat. E. S.-A. Galerie Junge Kunst, Frankfurt (Oder) 1991; Badstübner-Gröger, S. In: Kat. E. S.-A. Galerie Alter Markt, Kulturamt Köpenick. Berlin 1992.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Suhrbier, Max

* 12.10.1902 – ✝ 16.1.1971

Geb. in Rostock; Vater Schlosser; Gymnasium, Abitur; anschl. 1921 – 24 Studium der Rechts- u. Staatswiss. an der Univ. Rostock; 1925 Referendar u. Dr. jur.; bis zum Assessorexamen 1928 bei versch. Justiz- u. Verw.-Behörden in Rostock; 1929 – 33 Ref. für Siedlungsfragen im Landw.-Min. von Mecklenb.-Schwerin; 1933 – 45 Ref. im Finanzmin.; zul. Oberreg.-Rat in Schwerin. 1945 Ministerialrat im Finanzmin. des Landes Mecklenb.-Vorpom.; Jan. 1946 Mitbegr. des Landesverb. der LDPD, 1947 – 52 dessen 1. Vors.; 1946 Ltr. der Abt. Haushalt im Min. der Finanzen; 1946 – 50 Abg. des Landtags von Mecklenb., 1948 – 52 dort Min. für Finanzen; 1951 – 54 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Jur.; 1952 – 59 stellv. Vors. des Rats des Bez. Schwerin u. Vors. des BV der LDPD; 1949 – 58 Mitgl. der Länderkammer; 1950 – 58 u. 1963 – 71 Abg. der Volkskammer, 1950 – 58 Mitgl. des Rechtsaussch.; 1959/60 stellv. Finanzmin. u. 1960 – 65 Stellv. des Vors. des Min.-Rats der DDR; seit 1960 Mitgl. des Präs. des NR; 1960 – 67 Vors. der LDPD (Nachf. von  Hans Loch), anschl. Ehrenvors.; seit 1963 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; VVO.Die Theorie der unselbst. (fiduziarischen) Stiftung. Rostock 1925; Liberale Pol. für Dtl. Schwerin 1951; Die Machtkonzentration der Monopole in Westdtl. u. ihre Folgen. Berlin 1962; Ein Blick zurück ins Leben. Letzte Gespräche, aufgezeichn. von J. Flatau. Berlin 1973.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Süß, Reiner

* 2.2.1930 – ✝ 29.1.2015

Geb. in Chemnitz; 1935 Umzug der Familie nach Leipzig, ab 1940 Besuch der Thomasschule u. bis 1946 Mitgl. des Thomanerchors; 1945 Chorknabe in der Aufführung von »Eugen Onegin« an der Leipziger Oper, ab 1946 priv. Gesangunterricht bei Otto Lindner u. Studium bei Hans Lissmann u. Paul Reinecke; 1953 – 56 beim Rundfunkchor Leipzig, anschl. Baßcharge am Stadttheater Bernburg, 1957 – 59 Baßbuffo am Landestheater Halle (Saale), 1959 – 91 an der Staatsoper Berlin; 1962 Ehrentitel »Kammersänger«; 1965 – 67 Gastspiel am Landestheater Hannover, 1966 Titelpartie in der Uraufführung von  Paul Dessaus »Puntila«; 1967 NP; 1970 Partie des »Kowaljoff« in der dt. Inszenierung von D. Schostakowitschs Oper »Die Nase«; zahlr. Gastspiele im Ausland, u. a. in Budapest, Florenz, Frankfurt (Main), Lausanne, Moskau, Paris, Wien; 1968 – 85 Moderator von 100 Ausgaben der populären TV-Unterhaltungssendung »Da liegt Musike drin« aus dem Leipziger »Haus der Heiteren Muse«. 1990 SPD, im Mai Wahl in die letzte Ost-Berliner Stadtverordnetenversamml., 1991 Wahl ins Berliner Abgeordnetenhaus; Beurlaubung von der Staatsoper, seitdem freiberufl. Sänger, 1998 offz. Abschied von der Bühne, danach gelegentl. Auftritte, u. a. 2004 bei den Elbland-Festspielen in Wittenberge u. versch. Classic Open Air-Veranstaltungen; zahlr. Rundfunk- u. Plattenaufnahmen; gest. in Friedland (Meckelnburg-Vorpommern).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Swillms, Ulrich (»Ed«)

* 7.3.1947

Geb. in Berlin; ab 1955 Unterricht an der Volksmusikschule, 1962 – 64 Ausb. in der Spezialklasse u. 1964 – 68 Studium an der Musik-HS »Hans Eisler« in Berlin (Hauptfach Cello, Nebenfach Klavier); 1968 – 72 Berufsausb. Tanzmusik an der Musikschule Berlin-Friedrichshain; 1969 – 71 Mitgl. der Berliner Band »Alexanders«; 1971 Mitbegr. der Rock- u. Soulband »Panta Rhei«, u. a. mit  Herbert Dreilich (Gesang, Gitarre), Henning Protzmann (Baß) u.  Veronika Fischer (Gesang), u. a. Komposition der Titel »Alles fließt« u. »Blues«; 1975 – 86 Gründungsmitgl. (mit Dreilich u. Protzmann) u. Keyboarder von »Karat«, Komponist der erfolgreichsten Titel der Band, Mitwirkung an LPs: 1978 »Karat«, 1979 »Über sieben Brücken« (Kunstpreis der DDR, Interpretenpreis des Jugendmagazins »Neues Leben«, Grand Prix beim Internat. Schlagerfestival für die Titel »König der Welt« u. »Über sieben Brücken«, unter dem Titel »Albatros« bei Teldec, 1984 Goldene Schallplatte in der Bundesrep. Dtl. für 250.000 verkaufter Exemplare, erfolgreiche Coverversion des Titels »Über sieben Brücken« von Peter Maffay), 1980 »Schwanenkönig« (Interpretenpreis), 1982 »Der blaue Planet« (insg. mehr als eine Mio. verkaufter Exemplare, Goldene Schallplatte in der Bundesrep. Dtl., Goldene Europa, 2. Platz bei der ZDF-Hitparade für die Single-Auskoppl. »Jede Stunde«), 1984 »Die sieben Wunder der Welt«, 1986 »Fünfte Jahreszeit«; zahlr. Konzerte mit »Karat« in Ost- u. Westeuropa; 1986 beteiligt am Projekt »Gitarreros« mit zahlr. prominenten DDR-Rockmusikern; 1986 NP (mit »Karat«); Rückzug ins Privatleben. 2000 Teiln. am Jubiläumskonzert »25 Jahre Karat« in der Berliner Wuhlheide (CD 2001); Mitwirkung an den CDs »30 Jahre Karat« (2005) u. »Ostrock in Klassik« (2007); zeitw. Gastmusiker bei Jonathans Bluesband; gehört zu den internat. erfolgreichsten Komponisten der DDR-Unterhaltungsmusik.Gerlach, C.: Karat. Pop Nonstop. Berlin 1985.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sychalla, Konrad

* 25.11.1888 – ✝ 14.9.1959

Geboren am 25. November 1888 in Bobrownik/ Oberschlesien; lernte Gärtner, übersiedelte nach Senftenberg, als Landschaftsgärtner tätig. Seit 1907 Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Sychalla war einer der Führer der revolutionären Bewegung im Senftenberger Braunkohlerevier und Obmann der USPD. Als Vorsitzender des USPD-Kreisverbandes Calau und des Regierungsbezirkes Frankfurt/Oder kam er Ende 1920 mit der linken USPD zur KPD. Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag im Dezember 1920, der ihn – ebenso wie der VII. Jenaer Parteitag 1921 – in den ZA wählte. 1921 KPD-Kreistagsabgeordneter in Calau. Er zählte zum linken Flügel der KPD und wurde 1924 Polleiter des Bezirks Lausitz (der 1925 aufgelöst wurde). Vom Mai bis Dezember 1924 war Sychalla KPD-Reichstagsabgeordneter. In den folgenden Jahren Funktionär im Bezirk Berlin-Brandenburg-Lausitz, gehörte 1925/26 zur linken Opposition, von der er sich aber 1926 wieder trennte. 1928 zog er nach Berlin, wo er als Arbeiter lebte und kleinere Parteifunktionen ausübte, war u. a. Polleiter in Berlin-Zehlendorf. Nach 1933 illegale Arbeit, zeitweise Aufenthalt in der Tschechoslowakei, kurze Zeit verhaftet, dann bis Kriegsende Arbeiter. 1945 wieder Mitglied der KPD bzw. SED, er wurde stellvertretender Hauptabteilungsleiter in der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft. Zuletzt Leiter der Abteilung Erwerbsgartenbau in der DWK, dann wohnte er schwerkrank in Berlin-Zehlendorf. Konrad Sychalla starb am 14. September 1959 in West-Berlin.

dissidenten.eu

Szilágyi, Sándor

* 1954

Publizist und Journalist, einer der Gründer der Untergrundzeitschrift *„Beszélő“, Gründer der *Freien Montagsuniversität.Sándor Szilágyi wurde 1954 in Nyíregyháza geboren. Sein Abitur legte er 1972 in Szeged ab. Im selben Jahr begann er an der Attila-József-Universität Szeged Philologie und Geschichte zu studieren. 1975 zog er gemeinsam mit seiner Mutter nach Budapest, wo er sein Studium an der Loránd-Eötvös-Universität fortsetzte und es 1979 mit Diplom abschloss. 1976 initiierte er gemeinsam mit Gábor Varnai einen Klub für Wissenschaftliche Fragen – als Zeichen des Protestes gegen die ministeriell kontrollierte Lenkung der Absolventen nach ihrem Hochschulabschluss. Ab 1976 beschäftigte sich Szilágyi wissenschaftlich mit Leben und Werk von István Bibó. 1978 traf er sich dann auch mit dem von der Staatsmacht zum Schweigen verurteilten Bibó – gemeinsam mit Miklós Szabó, Mária Kovács und Antal Orkény. Szilágyi gehörte auch zu den Autoren der *Bibó-Festschrift (Bibó Emlékkönyv). 1978 wurde auf seine Initiative hin die *Freie Montagsuniversität ins Leben gerufen. Im August 1980 weilte Szilágyi als Vertreter der ungarischen Opposition in Warschau und Danzig. Nach der Rückkehr nach Ungarn wurde sein Reisepass eingezogen (ähnlich wurde mit László Rajk, János Kis und Gjörgy Bence verfahren). Im Dezember 1980 organisierte Szilágyi unter dem Eindruck der Solidarność in der Wohnung von János Kenedi eine Zusammenkunft von Bürgerrechtlern. Thema war die Schaffung einer illegalen Zeitschrift. Die Mehrheit der Versammelten war jedoch der Meinung, es gebe keinen gesellschaftlichen Rückhalt für eine solche Initiative, eine Samisdat-Zeitschrift sei zudem zu elitär und ihr Einfluss beschränke sich nur auf Intellektuellenkreise. Als Reaktion auf dieses Votum beschlossen György Petri, Bálint Nagy und Szilágy, selbst eine unabhängige Zeitschrift zu gründen. Zur Zusammenarbeit eingeladen wurden János Kis, Ferenc Kőszeg, Miklós Haraszti und Gábor Iványi. So entstand die Redaktion der Untergrundzeitschrift *„Beszélő“ (Sprecher). 1983 publizierte Szilágyi darin ein Interview mit Sándor Rácz, dem legendären Helden der *Ungarischen Revolution von 1956. Dieses Interview war die erste öffentliche Stellungnahme eines in Ungarn lebenden Revolutionsteilnehmers. Es wurde in eine Reihe von Sprachen übersetzt und auch in vielen westlichen Ländern veröffentlicht. Szilágyi war auch der Autor von Interviews mit Andor Kovács, einem im Schweizer Exil wohnenden Teilnehmer an den Revolutionskämpfen in der ungarischen Provinz, und mit Miklós Vásárhelyi, dem ehemaligen Pressesprecher von Imre Nagy. Von September 1985 bis Mai 1986 war Szilágyi als Stipendiat der Soros-Stiftung an der School for Social Research in New York zu Gast. Gemeinsam mit Ferenc Kőszeg gründete er damals das Samisdat-Archiv. Für ungarische Emigranten veranstaltete er eine Vorlesungsreihe zur Opposition in Ungarn und war an der Redaktion und Herausgabe ausgewählter Schriften von István Bibó in englischer Sprache beteiligt. Szilágyi war Initiator eines Appells an ostdeutsche, tschechische, polnische und ungarische Intellektuelle, gemeinsam den 30. Jahrestag der *Ungarischen Revolution von 1956 zu würdigen. Der Text der fertigen Erklärung (aus der Feder von Gáspár Miklós Tamás) wurde später als „Osteuropäische Unabhängigkeitserklärung“ bekannt. Zu einer erhitzten Debatte führte 1986 eine Rede Szilágyis, die dieser anlässlich der in der Wohnung von Jenő Nagy stattfindenden Gedenkfeierlichkeiten gehalten hatte. Darin hatte er nämlich festgestellt, man müsse zwar dafür sorgen, die Erinnerung an die *Ungarische Revolution wachzuhalten, das politische Programm müsse sich jedoch an den aktuellen Erwartungen orientieren. Der Text der Rede wurde in Nr. 19 des *„Beszélő“ abgedruckt. 1988 war Szilágyi an der Gründung eines Flüchtlingskomitees beteiligt, dessen Ziel es war, rumänische und ungarische Flüchtlinge aus dem rumänischen Siebenbürgen zu unterstützen. Am 15. Oktober 1988 organisierte er in Budapest aus Anlass des Jahrestages der Arbeiterunruhen im rumänischen Brașov (Kronstadt; Ungarisch: Brassó) eine Demonstration. Obwohl die Polizei versuchte, diese niederzuschlagen, beharrten die Teilnehmer auf ihrem Recht auf friedliche, zuvor angemeldete Demonstrationen. Szilágyi war auch einer der Organisatoren der Demonstration am 15. März 1989 in Budapest, an der 100.000 Menschen teilnahmen, und der symbolischen Beisetzungsfeierlichkeiten für Imre Nagy am 16. Juni 1989. Es war auch sein Verdienst, dass diese Feierlichkeiten letztlich auf dem Heldenplatz, einem der repräsentativsten Plätze Budapests, stattfanden. Zu der Beisetzung, die zugleich ein politisches Manifest gegen die kommunistische Diktatur war, kamen 250.000 Menschen. Ende der 80er Jahre erwarb sich Szilágyi zusammen mit György Danis große Verdienste bei der Schaffung von Strukturen des *Bundes Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ) in der ungarischen Provinz. Nach dem Ende des Kommunismus zog er sich aus der Politik zurück. Anfangs arbeitete er als Budapester Korrespondent für *Radio Freies Europa, später als Regisseur von Dokumentarfilmen für das Ungarische Fernsehen. Kurz war er auch für die Redaktion der avantgardistischen Kulturzeitschrift „Magyar Narancs“ (Ungarische Apfelsine) tätig. Seit 1991 beschäftigt er sich hauptsächlich mit Kunstfotografie.Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 01/15

Wer war wer in DDR

Tack, Erich

* 11.10.1921 – ✝ 6.3.1978

Geb. in Lüdershagen (b. Güstrow); Vater Landarb.; bis 1936 einklassige Dorfschule; 1936 – 38 Landarb. bzw. gutsherrschaftl. Kutscher; 1938 RAD; 1939 – 45 Kriegsdienst, zul. Ltn.; amerik. Gefangenschaft. Juli 1945 Entlassung nach Augsburg; dort Anstellung bei der Stadtpolizei; 1946 über die »grüne Grenze« Rückkehr nach Mecklenb.; CDU u. FDGB; bis 1951 Sekr. u. stellv. Vors. des Landesvorst. Mecklenb. der IG Land u. Forst; Mitgl. des FDGB-Landesvorst.; 1948 Landesgewerkschaftsschule u. 1949 Schule des FDGB-Bundesvorst.; 1949 Übertritt zur SED; 1950 Abg. des Mecklenb. Landtags; ab 1951 bis zu seinem Tod Dir. des VEG Tierzucht Groß Stieten (Krs. Wismar); 1952 – 57 Mitgl. des Rostocker Bez.-Vorst. der Gewerkschaft Land u. Forst; 1952 – 60 Mitgl. der SED-BL Rostock; 1963 nach Fernstudium an der Univ. Rostock Abschl. als Dipl.-Landwirt; ab 1967 Mitgl. der SED-KL Wismar; 1973 NP (im Koll.); ab 1975 Vors. des Krs.-Vorst. Wismar der DSF. Unter der Ltg. von E. T. entw. sich das VEG Groß Stieten zu einem Musterbetrieb der industriemäßigen Agrarprod. in der DDR sowie zu einem Zentrum landw. Berufsausbildung; DDR-weiten Ruf erlangte das Gut zudem als Träger außergewöhnl. betriebl. u. dörfl. Sozial- u. Kultureinrichtungen.Kloock, A.: Das volkseigene Gut Groß Stieten a. D. In. Neues Dtl. 22./23.2. 1991.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Tartler, Georg

* 23.3.1899 – ✝ 30.10.1976

Geb. in Nußbach (Siebenbürgen, Österreich-Ungarn / Măieruş, Rumänien); Vater Lehrer; 1915 – 17 Ausbildung zum Schlosser u. Dreher; 1916 – 18 Kriegsdienst in der ungar.-österr. Armee, 1918 – 19 ital. Kriegsgef.; 1922 – 26 Studium der Landw. in Gießen u. Halle, 1927 Dipl.-Landw.; 1927 – 28 Landwirtschaftslehrer in Siebenbürgen; 1928 Reifeprüfung in Gießen; 1928 – 33 Studium der Med. in Gießen u. Halle, dort 1934 Prom.; 1934 – 39 Ass. am Hygieneinst. der Univ. Halle, 1939 Habil. mit der Arbeit »Die akute Bleivergiftung«, 1941 – 45 Doz. für Hygiene u. Bakteriologie; 1933 SA, 1937 NSDAP; 1939 – 45 Hygieniker im Stabsdienst der 6. Armee; 1945 amerikan. Kriegsgef. Ab Sommer 1945 maßgebl. beteiligt am Aufbau des bakteriolog.-serolog. Inst. in Schwerin (ab 1947 Hygiene-Zentralstelle) u. dessen erster Dir.; zugl. Seuchenkommissar für das südl. Mecklenburg; 1948 SED; nach Lehrtätigkeit an der EMAU Greifswald dort 1952 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Mikrobiologie u. Epidemiologie, 1954 – 58 Prorektor für Forschungsangelegenh., 1961 – 63 Dekan der Medizin. Fak., 1965 – 66 Rektor der EMAU (Nachf. von  Hans Wehrli); 1966 em.; 1962 Verdienter Arzt des Volkes; 1964 u. 1974 VVO; gest. in Greifswald. Forschungsgebiete: Grundlagenforschung Bakteriologie u. allg. Hygiene, Epidemiologie, Bleivergiftung, Grippeätiologie, Entw. antimikrobieller Substanzen.Die Bedeutung der Mikrobleibestimmung für die Frühdiagnose u. Therapie der Bleivergiftung. In: Wiss. Ztschr. der EMAU Greifswald (1954) 1; Harzer Käse als Ursache von drei örtl. getrennten Typhusepidemien. In: Dt. Gesundheitswesen (1954) 14; Untersuchungen über das Verhalten v. Staphylokokken, Enterokokken, Escherichia coli u. Proteusbakterien gegenüber einigen antibiot. wirksamen Substanzen während der Jahre 1935 – 1959. In: Dt. Gesundheitswesen (1960) 6; Zusammenhänge zw. chem. Konstitution u. keimwidriger Wirkung. In: Pharmazie (1963) 18; Die manometrische Atemmessung in der chemotherapeut. Forschung: Aufgaben u. Grenzen. In: Archiv für Exp. Veterinärmed. (1967) 1.

dissidenten.eu

Tatarka, Dominik

* 1913 – ✝ 1989

Schriftsteller, Dramaturg und Essayist. Symbol des Widerstandes gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei. Einer der wenigen slowakischen Unterzeichner der *Charta 77. Dominik Tatarka wurde 1913 im nordwestslowakischen Örtchen Drienové bei Považská Bystrica in eine bäuerliche Familie hineingeboren. Sein Vater starb während des Ersten Weltkrieges. 1926–34 besuchte er das Gymnasium in Nitra und später das in Trenčín. Zwischen 1934 und 1938 studierte er slowakische Philologie und Romanistik an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag. Einen großen Einfluss übten zu jener Zeit auf ihn die tschechischen Literaturwissenschaftler František Xaver Šalda und Václav Tille aus. Während seines Studiums trat er der kommunistischen Organisation Kostufra bei. Von 1938 bis 1939 studierte er an der Pariser Sorbonne. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kehrte er in die Slowakei zurück, wo er bis 1944 Französisch an den Mittelschulen in Žilina und Turčiansky Svätý Martin unterrichtete. 1944 beteiligte er sich am slowakischen Nationalaufstand. Zu dieser Zeit wurde er auch Mitglied der Kommunistischen Partei der Slowakei (KSS). Seine ersten literarischen Arbeiten veröffentlichte er 1935 in der Zeitschrift „Svojet“ (Seine). 1942 erschien der Band „In Bedrängnis der Suche“ (V úzkosti hľadania), in dem er an surrealistische Dichtungen anknüpft. In einem ähnlichen Stil schrieb er 1944 „Die Jungfrau Wundertäterin“ (Panna zázračnica), ein Werk, welches von der künstlerischen Avantgarde Bratislavas (Pressburgs) der 30er Jahre handelt. Nach dem Krieg arbeitete er kurzzeitig im slowakischen Informationsministerium und später auch bei der Tageszeitung „Národná obroda“ (Nationale Erneuerung). Bis 1964 war er Redakteur in Literaturzeitschriften und im Verlag „Tatran“. Später befasste er sich nur noch mit dem eigenen literarischen Schaffen. 1948 kam seine Erzählung „Die Pfaffenrepublik“ (Farská republika) heraus, in der er den grotesken Charakter der politischen Wirklichkeit des slowakischen Staates in den Jahren 1939 bis 1945 sowie den Weg der Intellektuellen zum aktiven Widerstand gegen das faschistische Regime beschrieb. Trotz seiner prokommunistischen Einstellung wurde sein nächstes Buch „Menschen und Taten“ (Ľudia a skutky), eine Sammlung von Erzählungen und Reiseberichten durch das westliche Europa, 1950 nicht von der Zensur freigegeben. Seine nächsten drei Werke schrieb er dann in Übereinstimmung mit den Anforderungen des sozialistischen Realismus: 1950 „Der erste und der zweite Schlag“ (Prvý a druhý úder), 1954 „Hochzeitsgebäck“ (Radostník) und 1955 „Jahre der Freundschaft“ (Družné letá). Trotzdem wurde er im März 1951 zusammen mit anderen slowakischen kommunistischen Schriftstellern angeklagt, einen vermeintlich „slowakisch-bourgeoisen Nationalismus“ zu vertreten. In einem öffentlichen Streit kritisierte Tatarka 1955 den Roman „Das hölzerne Dorf“ (Drevená dedina) von František Hečko als wirklichkeitsfremde Kunst voller leerer Aussagen. Damit stellte er das Konzept der offiziellen Literatur in Frage, da Hečkos Buch den kommunistischen Machthabern geradezu als Meisterwerk der sozialistischen slowakischen Literatur galt. Auf dem II. Kongress der Tschechoslowakischen Schriftsteller verglich er im April 1956 die Rolle, die Schriftsteller aktuell spielten, mit denen von Staatsbeamten und forderte den Schriftstellerverband dazu auf, eine tatsächliche Meinungsführerschaft zu übernehmen sowie eine Institution der öffentlichen Kontrolle zu werden. Tatarka sah in ihm also so etwas wie eine politische Opposition. Im März 1956 erschien in der Wochenzeitschrift *„Kultúrny život“ (Kulturelles Leben) seine Erzählung „Dämon der Zustimmung“ (Démon súhlasu), in der er mit dem Stalinismus abrechnete. Als Reaktion plante die Führung der Kommunistischen Partei der Slowakei im Jahr 1958, ihn aus der Partei auszuschließen. In den 50er und 60er Jahren erschienen mehrere Veröffentlichungen Tatarkas: 1959 Erzählungen unter dem Titel „Gespräche ohne Ende“ (Rozhovory bez konca), 1963 der Roman „Korbsessel“ (Prútené kreslá), in dem er zu seinen Studienerfahrungen in Paris zurückkehrte sowie 1963 die Satire auf das totalitäre System „Über die Herrscherfigur“ (O vládcovi Figurovi). Ab Mitte der 60er Jahre sah er in seinem Schreiben einen gesellschaftlichen Auftrag. Texte aus dieser Zeit sind in dem Band „Gegen Dämonen“ (Protí démonom; 1968) erschienen. 1965 unterstützte er die Petition junger tschechischer Schriftsteller im Umfeld von Václav Havel, die gegen die Auflösung der Literaturzeitschrift *„Tvář“ (Gesicht) protestierten. 1968 wurde er Mitglied im Vorstand des Slowakischen Schriftstellerverbandes. In seinem Essay „Reich Gottes – Reich des Menschen (Obec božia – obec človečia; 1968) entwarf das Ideal eines gesellschaftlichen Systems, welches „innere Freiheit und Gerechtigkeit“ bietet und als Gemeinschaft freier Menschen „von unten“ aus der Gesellschaft heraus aufgebaut wird. Er forderte, dass die Regierung durch freie Wahlen bestimmt werden solle und lehnte ein politisches System ab, in dem die Bürger einem allmächtigen Staat gegenüber machtlos seien.Die ihm zugesprochene hohe moralische Autorität, welche er in der slowakischen Gesellschaft genoss, trug dazu bei, dass er während des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968 zu einem Symbol für den Widerstand gegen die Besatzung wurde. Während einer spontanen Kundgebung auf den Straßen Bratislavas rief er seine slowakischen Landsleute zu Solidarität und Einheit mit den Tschechen auf. Kurzzeitig war er Chefredakteur der Wochenzeitschrift *„Kultúrny život“. 1969 trat er mit der Begründung aus der Kommunistischen Partei der Slowakei aus, diese würde nicht mehr die Souveränität des Landes schützen. Von 1970 bis 1971 war er als Waldarbeiter tätig, gleichzeitig erschien das erste und einzige seiner Gesammelten Werke. Da er es ablehnte, Selbstkritik zu üben und zur offiziellen Linie der Literatur zurückzukehren, wurde er am 24. Oktober 1971 aus dem Slowakischen Schriftstellerverband ausgeschlossen und es wurde ihm verboten, weiter zu publizieren. Fortan lebte er von einer Invalidenrente. Trotz des 1976 zusätzlich gegen ihn verhängten Verbots, Bratislava zu verlassen, fuhr er zum Jahresende nach Prag, wo er am 31. Dezember als einer der wenigen Slowaken die *Charta 77 unterzeichnete. Auch unter den tschechischen Bürgerrechtlern genoss Tatarka ein hohes Ansehen. Seine Kontakte im tschechischen Landesteil bestanden hauptsächlich zu Schriftstellern und Intellektuellen wie unter anderem zu Ludvík Vaculík, Václav Havel, Karel Pecka, Alexandr Kliment, Ivan Klíma, Karel Kosík und Karel Bartoš. Nach seiner Rückkehr nach Bratislava 1978 gab er im Samisdat eine kleine Sammlung von literarischen Skizzen unter dem Titel „Im Un-Wetter“ (V ne-čase) heraus. Ein Jahr später erschien im Verlag *Edice Petlice sein autobiografischer Text „Geschreibsel“ (Písačky), den er mit „Allein gegen die Nacht“ (Sám proti noci; 1984) und „Briefe in die Ewigkeit“ (Listy do večnosti; 1988) fortsetzte. Diese autobiographische Trilogie stellte eine außergewöhnliche Collage träumerischer Visionen und Erfahrungen Tatarkas aus seiner Zeit der sozialen Isolation dar. 1988 erschienen seine Erinnerungen unter dem Titel „Schwätzereien“ (Navrávačky), die von Eva Štolbová aufgezeichnet worden waren. Im Jahr 1986 erhielt er den Jaroslav-Seifert-Preis, der von der in Stockholm ansässigen Stiftung *Charta 77 vergeben wird. Im Mai 1989 starb Dominik Tatarka in Bratislava. Erst nach seinem Tod wurde er vom neuen Vorstand des Slowakischen Schriftstellerverbands rehabilitiert. Bis heute wird zu seinem Gedächtnis der Dominik-Tatarka-Preis, eine der bedeutendsten Literaturauszeichnungen der Slowakei, vergeben.Juraj Marušiak Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 08/15

Wer war wer in DDR

Taubeneck, Udo

* 12.5.1928 – ✝ 19.1.2015

Geb. in Jena; Vater Galvaniseur; OS, 1946 Abitur; Lehrling bei Zeiss u. Hilfslaborant im Inst. für Mikrobiol. (Schott-Zeiss-Inst.). 1946 – 50 Studium der Biol. u. Chemie an der FSU Jena, Dipl.-Biologe; 1951/52 wiss. Mitarb. beim VEB Jenapharm; 1952 Prom.; 1952/ 53 Assistent am Inst. für Allg. Botanik der FSU; 1953 Assistent am Inst. für Mikrobiol. u. experiment. Therapie der DAW in Jena; 1957 dort Abt.-Ltr.; 1961 Habil. an der FSU Jena; 1965 Doz. u. 1968 Prof.; 1968 – 76 Ltr. des Bereichs Molekularbiol. im ZI für Mikrobiol. u. experimentelle Therapie der AdW (ZIMET); 1969 – 86 Mitgl. des Forschungsrats der DDR, 1976 – 86 Ltr. der Gruppe Biol.; 1974 Korr. u. 1977 Ord. Mitgl. der AdW; 1974 Mitgl. der Leopoldina Halle; 1975 Arbeitsaufenthalt im Biolog. Forschungszentrum Puschtschino der AdW der UdSSR; 1976 – 83 Dir. des ZIMET u. 1983 – 85 Dir. am ZIMET; Mitgl. mehrerer nat. u. internat. wiss. Ges.; bis 1988 Hrsg. des »Journal of Basic Microbiology« u. weitere Hrsg.-Tätigkeit; 1985 Invalidenrentner; 1987 NP; bis 7.7.1992 Mitgl. der Berlin-Brandenb. Akad. der Wiss.; lebt in Jena. Hauptarbeitsgebiete: Mikrobiol., Molekularbiol., bakterielle L-Formen, Bakteriophagen u. Bakteriocine, genet. Vorgänge bei Bakterien.Die Bakterien. Leipzig 1952; Untersuchungen über die L-Form von Proeus mirabilis Hauser. Jena 1961; Das Leben der Bakterien. Jena 1964 (Mitautor).Peter Nötzold

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Tauchert, Heinrich

* 24.1.1934 – ✝ 4.9.2017

Geb. in Dauerthal; Vater Melker; Volksschule; 1948 Landarb.; 1951/52 Besuch der Jugend-HS Bogensee; 1952 SED; 1952 1. Sekr. der FDJ-KL Lübben; 1953 1. Sekr. der FDJ-KL Senftenberg; 1954 erneut 1. Sekr. der FDJ-KL Lübben; 1955/56 Besuch der Komsomol-HS in Moskau; 1959 2. Sekr., 1961 1. Sekr. der FDJ-BL Cottbus; 1965 Einstellung beim MfS, HV A; 1973 stellv. Abt.-Ltr., 1983 Ltr. der Abt. IV (Militärspionage); 1987 stellv. Ltr. der HV A; 1989 Gen.-Major; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

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Telemann, Joachim

* 27.7.1942

Geb. in Königsberg (Ostpr. / Kaliningrad, Rußland); Vater Bäcker, Mutter Maschinenstrik-kerin; OS, Abitur; 1961 – 63 NVA; 1963 / 64 Volontär bei den Zeitungen »Volkswacht« in Gera u. »Das Volk« in Erfurt; 1964 SED; 1964 – 68 Studium an der Sektion Journalistik der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1968 – 74 Red. bei der SED-Bezirksztg. »Lausitzer Rundschau« in Cottbus; 1974 – 77 SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1977 / 78 stellv. Abt.-Ltr. bei der »Lausitzer Rundschau«; 1979 / 80 pol. Mitarb. der SED-BL Cottbus (Abt. Agit. / Prop.); ab 1980 stellv. Chefred., 1981 – Ende 1989 Chefred. der »Lausitzer Rundschau« (Nachf. von  Robert Waßmann) u. Mitgl. der SED-BL Cottbus, 11.12.1989 Rücktritt auf eigenen Wunsch.Kirsten Nies

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Succow, Michael

* 21.4.1941

Geb. in Lüdersdorf (Krs. Bad Freienwalde); Vater Landwirt; OS; 1960 – 65 Biologiestudium an der EMAU Greifswald, Dipl.-Biologe; 1965 – 68 dort wiss. Assistent; für die Intervention der Warschauer Vertragsstaaten in der ČSSR verweigerte er 1968 die Unterschrift unter eine Resolution; 1969 – 73 Brigadeltr. im VEB Meliorationskombinat Frankfurt (Oder); 1970 Prom. zum Dr. rer. nat. mit einer Diss. zur Vegetation nordmecklenb. Flußtalmoore u. ihrer anthropogenen Umwandlung; 1971 LDPD; 1974 – 82 wiss. Mitarb. am Inst. für Bodenkunde Eberswalde der AdL; 1981 Prom. B zur landschaftsökolog. Typisierung der Moore; seit 1980 Vors. des Bez.-Vorst. Frankfurt (Oder) der Ges. für Natur u. Umwelt im KB; 1982 – 89 Forschungsgr.-Ltr. im Bereich Bodenkunde u. Fernerkundung des Forschungszentrums für Bodenfruchtbarkeit Müncheberg der AdL; 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1987 Ernennung zum Prof. der AdL; 1987 – 89 Agrar-Consulting-Einsatz in Äthiopien; ab Jan. 1990 Stellv. des Min. für Naturschutz, Umweltschutz u. Wasserwirtschaft, verantw. für die Vorber. der Gesetzgebung zu Biosphärenreservaten u. Nationalparks; Mitte Mai 1990 auf eigenen Wunsch ausgeschieden. 1990 – 92 FDP; 1990/91 Gastprof. für angewandte Ökologie an der TU Berlin; anschl. Aufbau der Landesanstalt für Großschutzgebiete der Landesreg. Brandenb.; ab Okt. 1992 Prof. u. Dir. des Botan. Inst. u. Gartens der EMAU Greifswald; Gründung eines eignen Studiengangs für Landschaftsökol. u. Naturschutz in Dtl.; 1990 – 2003 Vizepräs. des Naturschutzbunds Dtl.; 1993 – 96 Mitgl. des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesreg.; Engagement für Nationalparkprogramme in Georgien, Kirgistan, auf Kamtschatka sowie in der Mongolei; mehrere wiss. Preise, u. a. Binding-Preis für Natur- u. Umweltschutz; 1997 Alternativer Nobelpreis für Naturschutz; 1999 Michael-Succow-Stiftung zum Schutz der Natur; als Initiator von Biosphärenreservaten u. Naturparks in der DDR beispielgebende Leistungen für den europ. Naturschutz; 2001 Bundesverdienstkreuz; Ehrenprof. der Univ. Bischkek (Kirgistan); seit 2003 Mitgl. des Kuratoriums der Dt. Bundesstiftung Umwelt.Landschaftsökolog. Moorkunde. Jena 1988; Die Krise als Chance. Neuenhagen 2001.Siegfried Kuntsche

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Suitner, Otmar

* 16.5.1922 – ✝ 8.1.2010

Geb. in Innsbruck (Österreich); Vater Inh. eines Reklamebüros; Matura am Pädagogium; studierte zunächst am Innsbrucker Konservatorium u. 1940 – 42 am Mozarteum in Salzburg Klavier; 1943 / 44 1. Kapellmeister am Tiroler Landestheater in Innsbruck: 1945 – 51 freier Dirigent u. Konzertpianist mit Gastspielen in Wien, Rom, München u. der Schweiz; 1952 – 57 städt. Musikdir. in Remscheid; 1957 – 60 Generalmusikdir. der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen; 1960 – 64 Chefdirigent der Sächs. Staatskapelle Dresden; 1963 NP; 1965 Ernennung zum Prof.; 1964 – 71 sowie 1974 – 90 Generalmusikdir. der Dt. Staatsoper u. Chefdirigent der Staatskapelle Berlin; 1977 – 90 Prof. für Dirigieren an der HS für Musik u. Darstellende Kunst in Wien; Gastspiele in den meisten Ländern Europas, in den USA, in Lateinamerika u. in Japan; Ehrendirigent des NHK-Symphonieorchesters Tokio; 1973 Gregoriusorden des Vatikan; 1982 NP; österr. Ehrenzeichen für Wissensch. u. Kunst; 2004 Tiroler Landespreis für Kunst; mußte 1990 aus gesundheitl. Gründen das Dirigieren aufgeben. O. S. ist bekannt geworden als Dirigent insb. der Kompositionen von Wagner u. Strauss; trat 1964 – 67 bei den Bayreuther Festspielen auf (»Der Fliegende Holländer«, »Tannhäuser«, »Ring der Nibelungen«); setzte sich an der Dt. Staatsoper besonders für das Werk  Paul Dessaus ein u. brachte zahlr. Werke von ihm zur UA: »Puntila« (1966), »Einstein« (1974), »Leonce u. Lena« (1979); ab 1979 kontinuierl. Prod. von Schallplatten mit nahezu der gesamten Sinfonik des 19. Jh; gest. in Berlin.Brezinka, T.: Zeuge einer vergangenen Ära. Porträt des Dirigenten O. S. In: Das Orchester (1997) 6; Stöve, D.: Meine herrliche Kapelle. O. S. u. die Staatskapelle Berlin. Berlin 2002.Christian Krause

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Süß, Wolfgang

* 2.4.1934

Geb. in Osterhausen (b. Eisleben); Volks- u. Oberschule, 1952 Abitur; 1953 – 58 Stud. an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Ingenieur, 1980 Prom. zum Dr. oec.; 1958 – 61 Betriebsing. im VEB Walzwerk Hettstedt; 1961 SED; 1961 –64 Abt.-Ltr. Technik in der VVB NE-Metallind., 1964 – 65 Gießereiltr. im VEB Walzwerk Hettstedt, 1965 – 71 Werkdir. des VEB Leichtmetallwerk Rackwitz, 1971 – 80 stellv. Produktionsdir. im VEB Mansfeld-Kombinat; 1974 –80 Vors. des Kombinatsaktivs der KDT; 1980–89 Mitgl. des Rats des Bez. u. Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Halle, zeitw. Stellv. des Vors. des RdB; 1981 – 89 Mitgl. der SED-BL Halle, 1981 – 90 Abg. des Bezirkstags Halle; ab Jan. 1990 Vors. des Rats des Bez. Halle (Nachf. von  Alfred Kolodniak); 1990 PDS. 1990 – 98 MdL Sachsen-Anhalt, zeitw. stellv. PDS-Fraktionsvors.Andreas Herbst

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Switalla, Anton

* 6.10.1896 – ✝ 8.4.1970

Geb. in Koschmin (Provinz Posen / Koźmin Wielkopolski, Polen); Vater Bauarb., Mutter Landarb.; Sohn  Eduard S.; 1902 – 09 Volksschule; 1909 – 11 Schießlehrling in einem Kalibergwerk bei Fallersleben; 1912 – 15 Wanderschaft, Tätigkeit in versch. Berufen; 1915 – 18 Kriegsdienst an der Westfront, Gefr.; 1918 – 21 Schmelzer in Hamburg; 1920 USPD; KPD; Vors. der KPD-Ortsgr. Schiffbek u. bis 1922 Betriebsratsvors.; anschl. Bauarb.; Okt. 1923 Ltr. des Hamburger Aufstands in Schiffbek; 1924 verhaftet, verurteilt zu fünf Jahren Festungshaft, April 1925 – Dez. 1926 Haft im Gefängnis Gollnow; anschl. Hafenarb. in Hamburg, dann erwerbslos; 1927 RGO; 1927 – 28 Sekr. der KPD-Stadtteilltg. Hamburg-Barmbek; 1927 – 33 Mitgl. der KPD-BL Wasserkante; 1928 – 31 Sekr. der UBL Harburg-Wilhelmsburg; 1929 wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu neun Mon. Gefängnis verurteilt, Vollzug in Altona; 1931 Besuch der militärpol. Schule in Moskau; 1932 – 33 Sekr. der Ltg. des KPD-UB Altona; ab 1933 illeg. Tätigkeit; 1933 Pol.-Sekr. der KPD zunächst in Bremen, dann im Saarl.; März/April 1935 zur Verfügung der KPD-Ltg. in Paris; dann Emigr. in die UdSSR; 1936 Gewerkschaftsinstrukteur für ausländ. Arbeiter im Lokomotivwerk Woroschilowgrad; sowj. Staatsbürgerschaft; ab Juni 1937 Teiln. am span. Bürgerkrieg; Politkommissar in der Offz.-Schule der Internat. Brigade in Pozo Rubio, Ltn., 1938 zum Soldaten degradiert; 1938 KP Spaniens; Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1939 – 41 in den frz. Lagern St. Cyprien, Gurs u. Le Vernet interniert; dort illeg. Parteiarbeit; die Rückkehr in die UdSSR scheitert zunächst am Einspruch  Walter Ulbrichts; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 1941 – 43 im Lager Djelfa in Algerien; 1943 kurzz. in der Brit. Armee in Algerien; dann über Iran u. Turkmenien im Sept. 1943 Rückkehr nach Moskau; Erkrankung an Typhus; ab Jan. 1944 Seminarltr. in der Antifa-Schule des Kriegsgefangenenlagers Nr. 165. Am 6.5.1945 als Mitgl. der Gruppe  Gustav Sobottka nach Stettin; Instrukteur in Greifswald, Neubrandenb. u. Neustrelitz; Aug. – Dez. 1945 Gen.-Staatsanwalt von Mecklenb.; 1945 – 49 Mitgl. des Landesvorst. Mecklenb. der KPD/SED; 1946 – 50 Vors. bzw. 1. Sekr. der SED-KL Schwerin; 1950 – 52 Chefinspekteur u. Politstellv. in der Landespolizeibehörde Sachsen; 1952 – 55 stellv. Ltr. der Politverw. der DVP-HV; 1955 – 59 Ltr. der HA Kader der DVP-HV; anschl. Ltr. der Kaderabt. im MdI; 1964 als Gen.-Major pensioniert; 1964 VVO; 1966 KMO; gest. in Berlin.Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sydow, Emil

* 22.11.1892 – ✝ 16.12.1959

Geboren am 22. November 1892 in Gunzenhausen/Franken; lernte Schlosser, übersiedelte nach Hamburg. 1918 Mitglied der USPD, mit deren Mehrheit 1920 zur KPD. In der Hamburger KPD gehörte Sydow zum linken Flügel der Partei, 1924 wurde er in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, Mitglied der BL Wasserkante, Angestellter bei der sowjetischen Handelsgesellschaft. Er wurde Anfang 1927 aus der KPD ausgeschlossen, angeblich, weil er in der sowjetischen Handelsvertretung Geld unterschlagen hatte, tatsächlich aber wohl, weil er als einer der ultralinken Funktionäre beim Kompromiß der Thälmann-Gruppe mit den Versöhnlern geopfert wurde. Sydow schied 1927 aus der Bürgerschaft aus und arbeitete wieder als Schlosser. Politisch trat er nicht mehr hervor. Emil Sydow starb am 16. Dezember 1959 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Szillard (Wolf), Karl

* 26.9.1896 – ✝ 1938

Geboren am 26. September 1896 in Györ/ Ungarn; wurde nach dem Studium in Budapest Physiker. Er übersiedelte Anfang der zwanziger Jahre nach Berlin, soll dort an der Universität tätig gewesen sein. Als Karl Wolf trat er 1925 der KPD bei und übte verschiedene Funktionen aus. Wolf wurde 1929 zum Mitglied der Reichsleitung der RGO berufen. 1933 emigrierte er in die Sowjetunion und arbeitete als Physiker in Moskau. Dort im März 1938 vom NKWD verhaftet, wurde Karl Szillard zum Tode verurteilt und erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tacke, Erich

* 18.2.1894 – ✝ 2.9.1937

Geboren am 18. Februar 1894 in Lauterberg/ Harz; von 1910 bis 1914 Ausbildung zum Bankbeamten, bei verschiedenen Banken angestellt. Im März 1914 kam er (wie Werner Rakow) als Korrespondent an die Russisch-Asiatische Bank nach Petersburg und wurde von 1914 bis Juni 1918 als Zivilgefangener in Rußland interniert. Ab August 1918 wieder in Deutschland, in einer Garnison in Wolfenbüttel, arbeitete dann erneut bei Banken. Seit 1919 in der KPD, war Tacke ab 1921 (auch wegen seiner russischen Sprachkenntnisse) im illegalen AM-Apparat der Partei tätig. Er kam 1924 nach Moskau, wurde Mitarbeiter der GPU und später Redakteur der VAA in der UdSSR. Mit Werner Rakow, Erich Wollenberg, Karl Schmidt u.a. befreundet, gehörte er zum Gesprächszirkel, der bei Hermann Taubenberger die Märzwahl 1933 in Deutschland kritisch diskutierte, und wurde deshalb vom NKWD zu einer fiktiven »Hoelz-Wollenberg-Gruppe« gezählt. Am 15.April 1936 in Moskau verhaftet, am 2.September 1937 wegen Spionage und Homosexualität[!] zum Tode verurteilt, Erich Tacke wurde sofort erschossen.

dissidenten.eu

Tarto, Enn

* 1938

Mitgründer von Untergrund-Jugendorganisationen, unter anderem des *Estnischen Bundes der Nationalisten; seit den 60er Jahren führend in der estnischen Nationalbewegung tätig, dreimal in Haft wegen seiner Überzeugung.Enn Tarto wurde 1938 in Tartu (Dorpat) geboren. 1944 wurde sein Vater verhaftet und in das Innere der Sowjetunion deportiert, wo er 1947 im Besserungsarbeitslager der sibirischen Stadt Norilsk starb. Nach dem Ende seiner Schulzeit in Kõrveküla 1953 besuchte Tarto die Höhere Schule in Tartu, wo er zusammen mit anderen Schülern die Widerstandsgruppe „Estnische Jugendmannschaft“ gründete. Unter dem Pseudonym „Mart Kraav“ schrieb und verbreitete er Flugblätter, in denen er gegen die Niederschlagung der *Ungarischen Revolution von 1956 durch die sowjetische Armee protestierte. Zusammen mit anderen Mitgliedern der Gruppe wurde Tarto am 25. Dezember 1956 verhaftet. Am 13. März 1957 verurteilte ihn das Oberste Gericht der Estnischen SSR nach Artikel 58, Paragrafen 10 und 11 Strafgesetzbuch der RSFSR (siehe *Artikel 72 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Die anderen Angeklagten erhielten ein Strafmaß von zwei bis sieben Jahren. Die Strafe verbüßte er in den *mordwinischen Lagern. Dort gehörte er zur illegalen Organisation „Adler“ und gründete zusammen mit anderen Häftlingen den „Estnischen Verband Neuer Nationalisten“ (siehe *Estnischer Bund der Nationalisten). Die Mitglieder dieser Gruppen nutzten die Zeit im Lager, um sich weiterzubilden und Pläne für die oppositionelle Arbeit nach der Rückkehr nach Estland zu entwickeln. 1958 schloss Tarto das Abendgymnasium ab. Am 21. Juni 1960 wurde er unter Auflagen freigelassen. Fortan lebte er wieder in Tartu und arbeitete als Schreiner. 1961 bemühte er sich vergeblich um Aufnahme an die Universität. Er betätigte sich weiter im *Estnischen Bund der Nationalisten (Eesti Rahvuslaste Liit). Nach seiner erneuten Verhaftung am 26. Juni 1962 verurteilte ihn das Oberste Gericht der Estnischen SSR am 1. Dezember 1962 nach Artikel 58, Paragraf 2 Strafgesetzbuch der ESSR (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) sowie nach Artikel 207 Strafgesetzbuch der ESSR („illegaler Waffenbesitz“) zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsentzug. Die Mitangeklagten Erik Udam, Talvo Uibo, Jarmo Kiik, Priit Silla und Valdo Reinart erhielten Freiheitsstrafen von drei bis sechs Jahren, die sie in den *mordwinischen Lagern verbüßten. Wieder in Freiheit kehrte er nach Tartu zurück. 1959 nahm er ein Fernstudium der estnischen Philologie auf, wurde jedoch nach Interventionen des KGB nach zwei Jahren vom Studium ausgeschlossen. Daraufhin ging er wechselnden Tätigkeiten nach, bis er schließlich eine feste Anstellung als Heizer in einem Kesselwerk fand. Ende der 60er Jahre wurde Enn Tarto zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der estnischen nationalen Bewegung, deren ideologische Richtung er prägte. 1977 beteiligte er sich an dem Versuch, das *Allgemeine Komitee der nationalen Bewegungen in Litauen, Lettland und Estland (Eesti-Läti-Leedu Rahvusliikumiste Peakomitee) ins Leben zu rufen. Im August 1979 unterschrieb er den *Baltischen Appell. Außerdem war er Verfasser bzw. Mitverfasser folgender Sammelappelle: der *Petition gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan vom 17. Januar 1980, des *Appells an das Internationale Olympische Komitee vom 28. Januar 1980 und des Protestes gegen die Verbannung von Andrei Sacharow am 3. Februar 1980. Er unterzeichnete das Glückwunschtelegramm vom 11. November 1980 an Lech Wałęsa, den Führer der polnischen *Solidarność, den Aufruf an die Regierungschefs der Sowjetrepubliken und nördlichen Länder vom 10. Oktober 1981 und den offenen Brief an die Bürger Finnlands vom 1. Oktober 1982. Er setzte sich vehement für die Verteidigung von Viktoras Petkus (am 14. November 1977), Romualdas Ragaisis (Anfang 1979), Tatjana Wielikanowa, Gleb Jakunin, Antanas Terleckas (November 1979) und Mart-Olav Niklus (27. Juni 1980) ein. Außerdem war er aktiv an Hilfsaktionen für die Familien politischer Gefangener beteiligt. Er unterhielt Kontakte zu in Moskau akkreditierten westlichen Journalisten und informierte sie über die Lage in Estland. Im Frühjahr 1981 nahm er zusammen mit Lagle Parek, Eve Pärnaste, Arvo Pesti und Rünne Vissak am Begräbnis des im Straflager ums Leben gekommenen Jüri Kukk teil. Tarto musste regelmäßig Hausdurchsuchungen und Verhöre über sich ergehen lassen. Die *Litauische Helsinki-Gruppe veröffentlichte am 26. Juni 1977 ein Dokument zu seiner Verteidigung. Am 13. September 1983 wurde er erneut verhaftet. Man warf ihm unter anderem die Beteiligung an der Herausgabe des Untergrundbulletins *„Lisandusi mõtete ja uudiste vabale levikule Eestis“ (Beitrag zum freien Ideen- und Informationsaustausch in Estland) vor. Am 19. April 1984 verurteilte ihn das Oberste Gericht der Estnischen SSR nach Artikel 68, Paragraf 2 Strafgesetzbuch der ESSR (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu einer Haftstrafe von zehn Jahren in den *Permer Lagern und zu fünf Jahren Verbannung. Im Dezember 1987, noch während seiner Zeit im Lager, wurde er zum Ehrenmitglied der Gruppe zur Bekanntmachung des *Hitler-Stalin-Paktes in der Öffentlichkeit ernannt. Nach turbulenten Demonstrationen für seine Freilassung in Tallinn konnte er das Lager am 14. Oktober 1988 verlassen.Wieder in Freiheit setzte er sich aktiv für die Unabhängigkeit Estlands ein. Er wurde Bezirkssekretär des Estnischen Denkmalschutzvereins in Tartu und beteiligte sich 1989 an der Gründung von „Memento“, dem Verband der Opfer kommunistischer Repressionen, dessen Vorstand er bis 1992 angehörte. Tarto war Mitglied des *Kongresses Estlands und stellvertretender Vorsitzender des *Estnischen Komitees. Im August 1991 war er am Abschluss der Vereinbarung zwischen dem *Kongress Estlands und dem Obersten Sowjet der Estnischen SSR über die Wiederherstellung der unabhängigen Republik Estland beteiligt. 1991–92 war Tarto Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung und von 1992 bis 2003 Abgeordneter im estnischen Parlament. Zusätzlich leitete er von 1992 bis 1995 das Estnische Institut für Menschenrechte und war von 1993 bis 2003 Vorsitzender des Ältestenrats des Freiwilligenverbandes der Armee „Estnischer Verteidigungsbund“ (Kaitseliit). Er lebt bis heute in Tartu. 1996 wurde Enn Tarto für seine Verdienste um die Wiedererstehung Estlands mit dem Orden des Staatswappens II. Klasse ausgezeichnet.Viktor Niitsoo Aus dem Polnischen von Beata Kosmala Letzte Aktualisierung: 07/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Taube, Paul

* 29.10.1892 – ✝ 2.2.1956

Geboren am 29. Oktober 1892 in Sangerhausen, Sohn eines Malzfabrikarbeiters; lernte Installateur und Kupferschmied. 1909 Mitglied der SAJ, 1910 der SPD. Bis 1912 im Mansfelder Bergrevier tätig, dann beim Militär, von 1914 bis 1918 Maschinistenmaat der Kriegsmarine. Von 1918 bis 1921 Turbinenmaschinist, auch Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Bitterfelder Film-Farbenfabrik Werk I. 1917 schloß sich Taube der USPD an, ging mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Von März 1921 bis Juli 1922 hielt er sich nach dem Mitteldeutschen Aufstand als Emigrant in der Sowjetunion auf. Dort zunächst beim Bau einer Überlandleitung, anschließend als Korrektor bei einer Zeitung in Moskau tätig. Nach Deutschland zurückgekehrt, lebte er unter dem Namen Hans Tank im Rheinland, war Bauhilfsarbeiter, nach einer Amnestie ging er wieder nach Bitterfeld. Er arbeitete als Schlosser und Rohrleger und war nebenamtlich Leiter des UB Bitterfeld, zeitweise auch Abgeordneter des Kreistages Bitterfeld. 1924 Orgleiter im Bezirk Halle-Merseburg, ab 1925 als Bezirksleiter in Danzig. Nach innerparteilichen und persönlichen Auseinandersetzungen legte Taube im November 1926 seine Funktion in Danzig nieder, danach Polleiter in Bremen, 1927 in die Bremer Bürgerschaft gewählt. Nach der ultralinken Wende Ende 1928/29 wurde er kritisiert, nicht konsequent gegen die Opportunisten vorgegangen zu sein, deshalb im März 1931 von Robert Stamm als Polleiter abgelöst. Offiziell in das Sekretariat der Reichstagsfraktion der KPD in Berlin »eingebaut«, reiste er im Auftrag des ZK in die Sowjetunion und war bis 1932 Kurier zwischen dem KPD-Polbüro und der Komintern. Am 15. März 1933 in Berlin festgenommen, »Schutzhaft«, am 19. April 1934 vom Berliner Kammergericht zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Brandenburg verbüßte. Nach seiner Entlassung am 19.April 1937 Rohrleger, stand aber unter Polizeiaufsicht. 1945 Vorsitzender der KPD in Bitterfeld und von 1946 bis Anfang Juni 1949 Vorsitzender der SED. Taube gehörte der SED-Landesleitung Sachsen-Anhalt an, nach schwerer Erkrankung noch einige Zeit Sekretär der SED-Fraktion im dortigen Landtag. Paul Taube starb am 2. Februar 1956 in Bitterfeld.

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Tauber, Ulrike

* 16.6.1958

Geb. in Karl-Marx-Stadt; nach erfolglosen Versuchen im Turnen 1967 Beginn mit dem Schwimmtraining in der BSG Wismut Siegmar, 1971 Delegierung zum SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Eberhard Mothes); 1972 zweifache Spartakiadesiegerin; Spezialdisz.: Lagen; 1974 EM über 200 m u. 400 m; 1975 WM über 400 m u. Vize-WM über 200 m; 1976 Olympiasiegerin über 400 m; Weltmeisterschaft 1978: Dritte über 200 m; 1979 Beendigung der sportl. Laufbahn; anschl. Studium der Med. in Berlin, Prom. zum Dr. med.; 1982 Heirat mit Holger Lebek; seit 1987 Fachärztin für Orthopädie in Berlin; VVO. Gemeinschaftspraxis für Orthopädie in Berlin-Marzahn; lebt in Neuenhagen (b. Berlin).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Tautenhahn, Gerhard

* 2.12.1929

Geb. in Vielau (Krs. Zwickau); Vater Kupferschmied; Volksschule; 1944 HJ; 1944 – 49 Ausbildung zum techn. Zeichner in Crimmitschau, danach im Beruf tätig; 1945/46 KPD/ SED; 1946 FDJ; 1949 – 52 Studium an der FS für Maschinen- u. Kraftfahrzeugbau Zwickau, Ing.; 1952/53 Instrukteur in der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1953 PHS; 1954 – 56 Instrukteur, danach bis 1964 Sektorenltr., 1964 – 86 Ltr. der Abt. Maschinenbau u. Metallurgie des ZK der SED (Nachf. von  Fritz Brock); 1971/76 Verdienstmedaille der NVA; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; seit 1976 Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB; 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1979 u. 1989 VVO; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1986 – 89 Minister für Allg. Maschinen-, Landmaschinen- u. Fahrzeugbau (Nachf. von  Günther Kleiber); Nov./Dez. 1989 Rücktritt mit dem Min.-Rat u. dem ZK der SED.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

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Teller, Günther

* 24.11.1925 – ✝ 28.6.1982

Geb. in Halle; Vater Salzsieder; Volksschule; Ausbildung zum Schlosser in den Siebel-Flugzeugwerken; 1943/44 RAD; 1944/45 Wehrmacht (Infanterie); 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 Kraftfahrer; 1945 Mitbegr. der Antifa-Jugend in Halle; 1945/46 LDPD; 1946/47 Org.-Ltr. bzw. Vors. des FDJ-Krs.-Vorst. Halle; 1947 SED; 1949/50 Sekr. für Org. beim FDJ-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1.9.1949 Angeh. der HV für Ausbildung; Mitarb. der HA Polit-Kultur für Jugendarbeit; 1950/51 PHS; 1953 – 57 Ltr. der Abt. Jugend in der Pol. Verw. der KVP bzw. NVA; 1953 – 59 Mitgl. des ZR der FDJ, Mitgl. seines Büros; 1958 – 62 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden, Dipl. rer. mil.; ab 1962 stellv. Ltr., dann Ltr. der Pol. Verw. des Militärbez. Leipzig; seit Febr. 1965 stellv. Chef der Pol. HV für organisationspol. Arbeit, 1966 Gen.-Major; 1968 – 82 Vors. des Zentralvorst. der GST (Nachf. von  Kurt Lohberger); 1.3.1975 Gen.-Ltn.; 1964 VVO; 1972 Banner der Arbeit; 1981 Scharnhorst-Orden.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Such, Heinz

* 23.7.1910 – ✝ 28.12.1976

Geb. in Frankfurt (Main); Vater Buchbinder; nach dem Abitur ab 1930 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Leipzig; 1930 SPD; 1933 KPD; Abbruch des Studiums; während der NS-Zeit als Versicherungsagent beschäftigt; Kriegsdienst u. amerik. Gefangenschaft. 1945 Forts. des Studiums in Leipzig; 1946 Erstes jur. St.-Ex.; anschl. Doz. an einer Ausbildungsstätte für sog. Volksrichter in Bad Schandau; 1947 – 49 Verw.-Ltr. des Rektorats der Leipziger Univ.; 1948 Prom. mit der Arbeit »Wirtschaftsplanung u. Sachmängelhaftung« (veröff.); 1951 Prof. mit Lehrstuhl für Allg. Rechtslehre u. Zivilrecht sowie Dir. des Inst. für Zivilrecht; 1956 Prodekan; 1958 Dekan der Jur. Fak.; 1969 Ltr. des Bereichs Wirtschaftsrecht an der KMU Leipzig; seit 1952 Mitgl. des jur. Arbeitskrs. der DAW; 1967 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 – 59 u. 1967 – 73 Präs. des Schiedsgerichts der Kammer für Außenhandel; 1957 NP; 1959 u. 1974 VVO; 1976 Dr. h. c. der KMU Leipzig.Die Bedeutung des Vertragssystems bei der Verwirklichung des Neuen Kurses. 1954.Jan Wielgohs

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Sumpf, Hermann

* 1.5.1882 – ✝ 27.12.1967

Geboren am 1. Mai 1882 in Neckarau/Mannheim, Sohn eines Polsterers und Dekorateurs; lernte Tapezierer, trat 1902 der SPD bei, von 1905 bis 1910 Wanderschaft durch Europa. Sumpf fand Arbeit in Mainz, wurde dort Vorsitzender des Sattler- und Polstererverbandes und gehörte dem SPD-Vorstand an. 1914 zum Militär eingezogen, viermal verwundet und 1916 als 100 Prozent Kriegsbeschädigter entlassen. Er schloß sich 1917 der USPD an, war während der Revolution in Berlin und nahm an den Januarkämpfen teil. Sumpf gehörte in Frankfurt/M. zu den Begründern des »Internationalen Bundes der Opfer des Krieges und der Arbeit« und war im Dezember 1920 Delegierter beim Vereinigungsparteitag von USPD und KPD in Berlin. Im Juni 1920 hatte er noch für die USPD in Hessen zum Reichstag kandidiert, wurde aber nicht gewählt. Ab 1921 Leiter der KPD in Mainz, dort Stadtverordneter, 1923 Kreistagsabgeordneter, 1924 wurde Sumpf in den Hessischen Landtag gewählt, dem er bis 1932 angehörte. Mitglied der BL Hessen und Vorsitzender des RFB in Mainz, trat nach dem RFB-Verbot im Juni 1929 mit seinem Fraktionskollegen Jakob Schaefer demonstrativ in der Uniform des Rot-Frontkämpferbundes im Landtag auf und wurde daraufhin von den Plenartagungen ausgeschlossen. Für längere Zeit zur Kur in die Sowjetunion geschickt, dort 1933 als Politemigrant anerkannt, arbeitete er ab Januar 1934 in der MOPR. Sumpf war 1936 Autopolsterer in Simferopol, wurde 1937 vom NKWD verhaftet und war bis 1941 im Lager, kam im Juli 1941 in den Kaukasus, bzw. nach Kasachstan, später nach Sibirien verbannt. Seit 1951 wieder Polsterer, am 17.April 1958 konnte er in die DDR ausreisen und in Eisenach seinen erlernten Beruf ausüben, er erhielt 1962 den VVO in Bronze. Hermann Sumpf starb am 27. Dezember 1967 in Eisenach. Seine Ehefrau Rosa, geborene Eiseman (* 17. 4. 1898 – † 16. 1. 1981) aus Odessa, war Hausmädchen und Arbeiterin. Seit 1934 mit Hermann Sumpf verheiratet, lebte sie bis 1941 mit ihm im Lager, wurde ebenfalls nach Kasachstan verbannt und kam mit ihrem Mann 1958 in die DDR.

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Süßkind, Heinrich

* 30.10.1895 – ✝ 3.10.1937

Geboren am 30. Oktober 1895 in Kolmyja/ Polen, Sohn eines Rabbiners und Gutpächters. Süßkind, der deutsch erzogen wurde, besuchte das Gymnasium und übersiedelte 1914 nach Wien, wo er das Abitur ablegte und anschließend Rechtswissenschaften, Ökonomie und Philosophie studierte. Er kam im Dezember 1918 nach Deutschland, wohnte hier zunächst bei seiner Schwester in Leipzig, dann belegte er in Tübingen evangelische Theologie und Geschichte. Hier Mitbegründer einer kommunistischen Studentengruppe, übernahm die Chefredaktion der »Politischen Rundbriefe«, die von der FSJ herausgegeben wurden, und nahm als Vertreter dieser Studentengruppe an der Bezirkskonferenz in Stuttgart teil. Im Herbst 1919 schloß sich Süßkind der KPD an, wurde wegen seiner politischen und vor allem propagandistischen Arbeit im November 1919 aus Württemberg ausgewiesen. In Frankfurt/M. übernahm er auf Veranlassung von Clara Zetkin und Wilhelm Pieck das Sekretariat der Zeitschrift »Internationale«. Der hochgebildete junge Mann kam nach Berlin, lebte illegal und wurde unter dem Namen Heinrich politischer Redakteur der »Roten Fahne«. Nach der März-Aktion mußte er Berlin verlassen und erhielt den Auftrag, die starke KAG-Gruppe in Köln zu zerschlagen. Er wurde Chefredakteur der »Sozialistischen Republik« in Köln, kam aber wieder nach Berlin, zunächst stellvertretender Chefredakteur der »Roten Fahne«. Am 1.Dezember 1921 Nachfolger Ernst Meyers als Chefredakteur des kommunistischen Zentralorgans. In dieser Funktion nahm er auch an Zentrale-Sitzungen teil. Nach politischen Zusammenstößen vor dem Zirkus Busch im November 1922 in Berlin festgenommen, zu drei Wochen Gefängnis verurteilt und als russischer Staatsangehöriger dann aus Deutschland ausgewiesen. Süßkind reiste nach Riga, war dort einige Zeit für die Komintern tätig; anschließend Redakteur in Moskau. Schon im Frühjahr 1923 kehrte er nach Deutschland zurück, übernahm wieder die Chefredaktion der »Roten Fahne«. Bereits im Juni 1923 abgelöst und durch August Thalheimer ersetzt, schickte ihn die Zentrale als Redakteur nach Leipzig. 1924 schwenkte er zu den Linken über, wurde Chefredakteur in Chemnitz und kämpfte gegen die Brandler-Anhänger. Nach dem »Offenen Brief« 1925 wurde Süßkind nach Berlin berufen, Mitarbeiter in der Redaktion der »Roten Fahne«. Er gehörte 1926 zu den Wortführern der Chemnitzer Linken, ging aber 1927 zur Thälmann-Gruppe. Auf dem XI. Essener Parteitag 1927 als Kandidat ins ZK gewählt, erneut zum Chefredakteur der »Roten Fahne« berufen, wurde Süßkind auch Kandidat des Polbüros. Er trennte sich im Herbst 1927 von der Thälmann-Gruppe, schloß sich den Versöhnlern an und war während der Auseinandersetzungen von 1928 als Kurt einer ihrer Führer. Als er auf Betreiben Ernst Thälmanns schon im Februar 1928 abgelöst werden sollte, gelang es den Versöhnlern, ihn zu halten. Aber nach der Wittorf-Affäre wurde er doch aus der »Roten Fahne« entfernt. Süßkind, an einer Rippenfellentzündung für längere Zeit schwer erkrankt, kapitulierte vor dem ZK, erhielt keine hauptamtliche Funktion mehr und mußte vom Verdienst seiner Frau – die bei der »Inprekorr« tätig war – leben. Er war in seiner Straßenzelle insgeheim für die neue Gruppe der Versöhnler aktiv und stand in enger Verbindung zu Karl Volk. Nach 1933 ging er mit seiner tschechischen Frau zunächst nach Prag, dann in die Sowjetunion und war in der Komintern beschäftigt. Bereits Anfang 1935 wurde er durch das ZK der KPD und die IKK der Komintern wegen Kontakten zu dem Ende Dezember 1934 verhafteten Komintern-Mitarbeiter Lajos Mildorf (Magyar) auf ein Jahr aus der KPD ausgeschlossen, im Juni 1936 zwar Wiederaufnahme, doch wenige Wochen später, am 3. September 1936, folgte der erneute Ausschluß. Süßkind war bereits am 9. August 1936 vom NKWD verhaftet worden. Nach über einem Jahr grausamer Verhöre wurde er am 3. Oktober 1937 vom Obersten Militärkollegium als Versöhnler, »Trotzkist« und wegen Verbindung zur »Terrororganisation« der Rechten zum Tode verurteilt, obwohl er im Prozeß die Hauptvorwürfe bestritt und sich für »nicht schuldig« erklärte. Heinrich Süßkind wurde noch am gleichen Tag, am 3. Oktober 1937, erschossen. Süßkinds Frau sagte sich öffentlich von ihm los, wurde zur Arbeit in die Tschechoslowakei geschickt, wo sie während der deutschen Besetzung ums Leben kam.

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Switalla, Anton

* 6.10.1896 – ✝ 8.4.1970

Geboren am 6. Oktober 1896 in Koschmin/ Provinz Posen, Sohn einer Arbeiterfamilie. Hütejunge, dann Wanderschaft, später Hafenarbeiter in Hamburg. 1915 zum Militärdienst eingezogen, war er nach der Revolution Betriebsratsvorsitzender in Hamburg, von Januar 1919 bis Januar 1920 Mitglied der AAU. Dann in der USPD und im Dezember 1920 Mitglied der VKPD. 1922/23 als Bauarbeiter tätig, nahm am Hamburger Aufstand 1923 teil und saß deswegen von 1924 bis 1926 in Festungshaft in Gollnow. Im Oktober 1927 Sekretär des KPD-UB Hamburg-Barmbek, von April 1928 bis Mai 1931 des UB Harburg-Wilhelmsburg. 1929 wegen »Widerstands gegen die Staatsgewalt« zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Switalla besuchte 1931 die M-Schule in Moskau, nach seiner Rückkehr Mitglied der engeren BL Wasserkante. Am 5. März 1933 in den Preußischen Landtag gewählt, konnte er wegen des NS-Terrors sein Mandat nicht ausüben. Im April 1933 Polleiter des illegalen Bezirks Nordwest (Bremen), vom ZK im Juli 1933 als Polleiter für das Saargebiet eingesetzt. Er kam im Mai 1935 in die Sowjetunion, hier zunächst bei der Fraktion um Hermann Schubert, mit dem er seit Hamburg verbunden war. Bis Dezember 1935 Instrukteur im Internationalen Klub der Seeleute, dann Gewerkschaftsinstrukteur für die ausländischen Arbeiter in Woroschilowgrad. Von Januar bis April 1937 absolvierte Switalla eine weitere militärische Ausbildung und war von Mai 1937 bis Februar 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, u. a. Politkommissar an einer Offiziersschule. Von Februar 1939 bis November 1941 in Frankreich interniert, anschließend bis Mai 1943 im Wüstenlager Djelfa in Nordafrika. Im Juni 1943 kam er mit einem Transport in die Sowjetunion, von Januar 1944 bis April 1945 Lehrer an Antifa-Schulen. Anfang Mai 1945 kehrte er mit der von Gustav Sobottka geleiteten Gruppe nach Deutschland zurück, von August bis Dezember 1945 Generalstaatsanwalt von Mecklenburg, ab Januar 1946 1. Sekretär der KPD bzw. ab April 1946 Vorsitzender der SED Schwerin. 1950 zur Polizei, bis 1952 Stellvertreter des Chefs der VP Sachsen, dann bis September 1955 der Politischen Verwaltung der HVDVP. Er wechselte 1954 zeitweilig in das Staatssekretariat für Staatssicherheit, war bis August 1959 Leiter der Hauptabteilung Personal, zuletzt Leiter der Kaderverwaltung des Innenministeriums. Als Generalmajor 1964 ausgeschieden, erhielt er 1966 den Karl-Marx-Orden. Anton Switalla starb am 8. April 1970. Sein Sohn Eduard Switalla (* 27. 11. 1919 – †28. 5. 2004) emigrierte mit den Eltern 1933 nach Frankreich, später in die Sowjetunion, lernte Schlosser und war seit 1941 in der »Arbeitsarmee«. Er kam 1946 in die SZB, wurde Mitglied der SED und ging zur Polizei. Ab 1950 beim MfS, zeitweise Leiter der Bezirksverwaltung Rostock, später Abteilungsleiter im Ministerium für Staatssicherheit in Ost-Berlin.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Sylla, Horst

* 11.2.1933

Geb. in Hindenburg (Oberschles. / Zabrze, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Elektromaschinenbauer, Umschulung u. Arbeit als Bohrwerksdreher; 1953 Eintritt in die KVP, Offiziersschüler an der Panzerschule Priemerwald; 1954 SED; 1954/55 Zugführer im Schweren Panzer- u. Selbstfahrlafetten-Regt. der KVPD in Dresden; 1955/56 Kompaniechef im NVA-Panzer-Regt. 14; 1957 – 60 Fachlehrer an der Panzerschule in Großenhain; 1961 – 64 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1964 – 68 1. Stellv., 1968 – 71 Kdr. des Panzer-Regt. 4 »August Bebel« in Gotha; 1971 – 74 Studium an der Generalstabsakad. der UdSSR; 1974 –77 Stellv. Kdr. für Ausbildung der 4. Mot-Schützendiv., 1975 Oberst; 1977 – 82 Kdr. der 9. Panzerdiv. in Eggesin (Nachf. von  Manfred Gehmert), 1979 Generalmajor; 1982/83 im Stellenplan für zeitw. nicht eingesetzte Offiziere; 1983 – 85 Kdr. der Offiziers-HS der Landstreitkräfte »Ernst Thälmann« in Löbau (Nachf. von Werner Winter); 1985 Stellv. des Chefs u. Chef des Stabs (Nachf. von Ulrich Bethmann), 1986 – 90 Chef des Militärbez. V, Neubrandenb. (Nachf. von Manfred Gehmert); März 1988 Generallt., 30.9.1990 Entl.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Szillat, Paul

* 30.10.1888 – ✝ 17.10.1958

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Ausbildung zum Verw.-Fachmann; 1910 SPD; 1925 – 33 Abg. des Preuß. Landtags; letzter Vors. der SPD-Fraktion; 1928 – 30 Stadtrat u. Stadtkämmerer in Rathenow; 1930 – 33 OB in Brandenb. (Havel), 1933 des Amtes enthoben, »Schutzhaft«, KZ Oranienburg. 1945 Mitbegr. der SPD in Rathenow u. stellv. SPD-Bez.-Vors. in Brandenb., OB in Rathenow; 1946 SED; 1946 – 50 Mitgl. des SED-Krs.-Vorst., des PV u. MdL Brandenb.; nach Kritik an »Säuberungen« u. der Entw. der SED zur »Partei neuen Typus« 1950 wegen »Sozialdemokratismus« verhaftet, wegen angebl. Wirtschaftsverbrechen angeklagt u. zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, Haftverbüßung im Zuchthaus Brandenb.-Görden; am 17.6.1953 forderten Demonstranten vor dem Stadthaus in Rathenow: »Wir wollen unseren Bürgermstr. Szillat wiederhaben!«; April 1956 Entlassung aus der Haft; Flucht aus der DDR; gest. in Berlin (West).Bouvier, B.: Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der Sowj. Besatzungszone u. in der DDR 1945 – 1953. Bonn 1996.Beatrix Bouvier

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tal, Hilde

* 5.11.1898 – ✝ 19.3.1938

Geboren am 5. November 1898 in Riga als Hilde Laima Zeraus, Tochter eines Kaufmanns. Buchhalterin, von 1915 bis 1918 in Riga Rechnungsführerin in einer Wurstfabrik, später Kontoristin im Evakuierungs- und Rückführungskomitee in Riga. 1919 Mitglied der KP Lettlands, arbeitete seit April 1919 für den Nachrichtendienst der Komintern, OMS, operierte u. a. in von den »Weißen« beherrschten Territorien Sowjetrußlands. Im September 1919 Übersiedlung nachDeutschland und bis 1933 Mitglied der KPD, sie wirkte auch hier für den Geheimapparat der Komintern. Sie emigrierte im Februar 1933 in die Sowjetunion, blieb weiterhin Mitarbeiterin der OMS, im Dezember 1936 als »Volksfeindin« entlassen. Am 5. Oktober 1937 wurde sie vom NKWD festgenommen, der »Teilnahme an einer konterrevolutionären terroristischen Organisation« beschuldigt und vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 19. März 1938 zum Tode verurteilt. Hilde Tal wurde am gleichen Tag erschossen, eine »Rehabilitierung« erfolgte in Moskau am 28. September 1957. Ihr Mann Julius Gebhardt (* 15. 9. 1900 in Leipzig), von Beruf Fräser, war seit 1919 in der KPD, bis 1926 Buchhalter und Revisor für KPD-Unternehmen in Leipzig sowie später in der Leitung der Peuvag in Berlin beschäftigt. Ab 1933 in der Sowjetunion Packer im Verlag der ausländischen Arbeiter, dann Ökonom und Buchhalter im EKKI-Verlagssektor. Er wohnte im Hotel »Lux« in Moskau, wurde 1937 oder 1938 verhaftet. Über sein weiteres Schicksal konnte nichts ermittelt werden.

Wer war wer in DDR

Täschner, Herbert

* 7.7.1916 – ✝ 10.5.1984

Geb. in Dresden; Vater Verw.-Angest.; Volks-, Oberreal-, Handels- u. Verw.-Schule; Verw.-Dienstpraktikum in Dresden, Pirna u. Heidenau; 1937 RAD; 1938 – 45 Wehrdienst, zul. Ofw.; Kriegsgefangenschaft. 1946 LDPD; 1947 – 49 hauptamtl. Geschäftsf. der LDPD-Stadtgr. »Friedrich Naumann« in Dresden; 1947 Geschäftsf. des LDPD-Stadtverb. Dresden; 1947 – 49 Bez.- bzw. Krs.-Sekr. der LDPD in Dresden; 1949/50 Gen.-Sekr. des Landesverb. Sachsen; 1950 – 54 Gen.-Sekr. der LDPD (Nachf. von  Günter Stempel); 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1954 – 56 Ltr. des Verlags der »Thüring. Landesztg.« Weimar, 1956 – 62 des GST-Verlags u. 1962 – 79 des Verlags Lied der Zeit; 1963 – 79 Vors. des LDPD-Krs.-Verb. Berlin-Friedrichshain; 1976 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Taube (Staak), Gertrud

* 13.7.1908 – ✝ 10.10.1941

(* 1908 – † 1941?) Geboren am 13. Juli 1908 in Berlin, Tochter einer Handwerkerfamilie. Sie wurde Stenotypistin, im Oktober 1925 Mitglied im KJVD. Im Juni 1927 Stenotypistin im ZK der KPD, im Oktober 1927 trat sie der Partei bei. Nach 1928 kam sie als Sekretärin zu Werner Hirsch und dann als Sekretärin und Telefonistin des Polbüros zum Parteiführer Ernst Thälmann. Damit erhielt sie eine Vertrauensstellung, sie verwahrte wichtige Dokumente und hatte die Verbindung zu den illegalen Apparaten (AM-Apparat usw.). Gertrud Taube wurde nach Thälmanns Verhaftung im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Thälmann-Prozesses polizeilich gesucht und deswegen im Juni 1933 in die Sowjetunion geschickt. Dort lebte sie einige Zeit mit dem jugoslawischen Parteivertreter Fleischer zusammen, der 1937 vom NKWD erschossen wurde. In einer Sitzung »deutscher Genossen vom 21.12. 1937« wurde Gertrud Taube (nun Staak) die »Verbindung zu Parteifeinden« wie Werner Hirsch vorgeworfen. Außerdem seien »ihre Aussagen über ihre Zusammenarbeit und den Verbleib von wichtigen Dokumenten unglaubwürdig«. Sie wurde am 31. Dezember 1937 aus der KPD »wegen Verbindung mit Volksfeinden und politisch unzuverlässig« ausgeschlossen und am 10. Oktober 1941 vom NKWD verhaftet. Gertrud Taube/Staak soll dann Selbstmord verübt haben, auch sie ein Opfer der stalinistischen Säuberungen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tauber, Paul

* 2.4.1892 – ✝ 15.3.1943

Geboren als Hieronymus Paulus Tauber am 2.April 1892 in Fürth/Bayern, Sohn eines Vertreters. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete er in diesem Beruf. Als Soldat im Weltkrieg geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, kehrte Anfang April 1919 nach Ingolstadt zurück. Er wurde Mitglied der USPD, Ende 1920 der KPD und war zeitweilig Leiter der KPD-Ortsgruppe Ingolstadt. 1924 in den Stadtrat gewählt (aus beruflichen Gründen nahm er das Mandat nicht an). Im Oktober 1927 kam Tauber als Nachrücker für Joseph Schlaffer in den Bayerischen Landtag. Er wurde 1933 festgenommen und saß für längere Zeit in »Schutzhaft«. Paul Tauber starb am 15. März 1943 in Ingolstadt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tebarth, Wilhelm

* 5.8.1902 – ✝ 1945

Geboren am 5. August 1902 in Düsseldorf; Schriftsetzer. Seit 1927 Mitglied der KPD, unter dem Decknamen Schimmel von 1928 bis 1931 Leiter des AM-Apparates im Bezirk Niederrhein. Er kam im März 1931 nach Berlin und arbeitete hier im zentralen AM-Apparat. 1933 unter dem Schulnamen Herrmann Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau, anschließend Leiter des AM-Apparates der illegalen KPD-Landesleitung und bis 1935 u. a. für die Verbindung zu Rosa Thälmann verantwortlich. Tebarth hatte verschiedene Decknamen wie Humbold, Henri, Georg, Fritz, Michalski usw. Ab 1935 in den Niederlanden Instrukteur der AL West in Amsterdam, später in Spanien bei den Internationalen Brigaden Mitarbeiter im Apparat von Franz Dahlem in Valencia (Deckname Fritz Valencia). Bei der Rückkehr nach Frankreich im Juli 1937 in Perpignan zeitweise inhaftiert, kam im Herbst 1938 nach Brüssel, lebte dann in der Schweiz. Nach Aussage des Spanienkämpfers und Angehörigen der Résistance Werner Schwarze (* 24. 2. 1907 - † 3. 7. 1975) hatte Tebarth für den sowjetischen Nachrichtendienst gearbeitet. Anfang 1945 mit gefälschten Wehrmachtspapieren nach Deutschland gefahren, von der Gestapo in München gestellt, soll sich Wilhelm Tebarth selbst erschossen haben.

Wer war wer in DDR

Teller, Jürgen

* 12.9.1926 – ✝ 10.6.1999

Geb. in Döbeln; Vater Facharzt für HNO, Mutter Krankenschwester; 1937 – 43 Gymnasium in Döbeln ohne Abschluß; 1943/44 RAD, dann als Kriegsfreiwilliger zur Marine, 1945 Einsatz u. Verwundung in Italien, 1946/47 engl. Kriegsgefangenschaft. 1949 Abitur an der Lessing-OS Döbeln; SED; 1949 – 54 Studium der Geschichte, Germanistik u. Philos. an der Univ. Leipzig, u. a. bei  Walter Markov,  Hans Mayer u.  Ernst Bloch, ab 1951 Hilfsassistent bei Bloch; 1954 Dipl.-Phil., anschl. wiss. Assistent bei Bloch; 1958 im Kontext der Revisionismusvorwürfe gegen Bloch Ausschluß aus der SED u. Entlassung von der Univ.; »Bewährung in der Prod.« als Hilfsarbeiter im Leipziger Eisen- u. Stahlwerk, Arbeitsunfall u. Verlust des linken Arms; anschl. wiss. Mitarb. am Leipziger Inst. für Volkskunstforschung des Zentralhauses für Kulturarbeit; 1961 Annahme der Diss. »Versuch zur philosoph. Bestimmung von Naturqualitäten« an der KMU Leipzig, 1962 Einstellung des Promotionsverfahrens durch die Philosoph. Fak. in Reaktion auf Blochs Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; ab 1964 Lektor beim Reclam Verlag, hier u. a. Betreuung der Ausgaben von Th. Morus (1974), G. Bruno (1984) u. E. Bloch (1987), letztere wurde ohne T.s Nachwort ausgeliefert; 1967 Prom. an der HU Berlin zu einem volkskundl. Thema; 1978 – 85 wiss. Mitarb. im Inst. für Klass. Dt. Lit. bei den Nat. Forschungs- u. Gedenkstätten in Weimar; ab 1986 Cheflektor für Germanistik beim Kiepenheuer-Verlag; 1990 invalidisiert. 1991 vollst. Rehabilitierung u. nachträgl. Anerkennung der Diss. von 1961, Berufung zum Honorarprof. an die Univ. Leipzig, dort Vorlesungszyklus zur Blochschen Philos.; 1992 Gründungsmitgl. der Freien Akad. der Künste zu Leipzig.Marx u. Engels über die Volkskunst (Fernstudienmaterial). Leipzig 1964; Blochs Atheismus. In: Unseld, S. (Hrsg.): Bloch zu Ehren. Frankfurt (Main) 1965 (unter Ps. Theodor Heim); Viele Kammern im Welthaus. Frankfurt (Main) 1994 (Bloch-Lesebuch / Hrsg. mit F. Dieckmann); Ernst Bloch. Ein Zuhause für den Philosophen. In: Hauschild, V. (Hrsg.): Die großen Leipziger. Leipzig 1996; Hoffnung u. Gefahr. Essays, Aufsätze, Briefe 1954 – 1999. Frankfurt (Main) 2001 (Hrsg. von H. Witt). Irrlitz, G.: J.T., Hoffnung u. Gefahr. In: Berliner Debatte Initial (2002) 5/6.Hans-Christoph Rauh

Handbuch Deutsche Kommunisten

Suhr, Paul

* 6.9.1902 – ✝ 7.2.1933

Geboren am 6. September 1902 in Königsberg; besuchte die Mittelschule, lernte Kaufmann. 1920 Mitglied des KJD, 1922 der KPD, 1927 Leiter des KJVD in Ostpreußen. Ende 1928 Orgleiter der BL Ostpreußen, von Januar bis Juli 1929 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Nach seiner Rückkehr übernahm Suhr wieder verantwortliche Funktionen in der BL Ostpreußen, dann in der BL Wasserkante. Anfang 1932 RGO-Leiter im Bezirk Pommern. Auf dem Februarplenum 1932 als Kandidat ins ZK kooptiert, wurde Suhr Anfang 1932 Polleiter des wichtigen Bezirks Halle-Merseburg und im April 1932 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt. Er nahm am 7. Februar 1933 an der Funktionärstagung in Ziegenhals bei Berlin teil. Im Mai 1933 schickte ihn das ZK als Sekretär der BL Bayern nach München, wo Paul Suhr am 15.August 1933 verschwand und ermordet wurde. Seine Frau Margarete Frieda Suhr, geborene Noeppert (* 31. 7. 1903 – † 26. 4. 1980), berichtete später in ihrem OdF-Antrag: »Ich stand hier [in Berlin] in Verbindung mit dem Z.K. (Gen. Hermann Schubert, MdR) und sollte, als feststand, daß mein Mann am 15. 8. 1933 spurlos verschwunden war (von einem angeblichen Treff mit einem Berliner Kurier nicht zurückgekehrt, vermutlich von der SA erschlagen), nach Dänemark oder nach Moskau als Stenotypistin ... Dabei stellte ich folgendes fest: Am 15. 8. 1933 fuhr der Verschollene mit einem geliehenen Fahrrad nach einem von ihm genau bezeichneten (mir leider entfallenen) Ort vor München. Er bestellte sich zu seiner Rückkehr Essen zu gegen 6 Uhr. Die Wirtin und auch die für 6 Uhr von ihm bestellten Freunde warteten vergebens, er kehrte nicht zurück. Angeblich wollte er in der in München durch SA-Überfälle berüchtigten Gegend jemand aus Berlin treffen, der Geld für eine Reise bringen sollte. Wie die Freunde weiter erzählten, soll gerade an dem Tage die große Razzia der NSDAP über alle Landstraßen und Verkehrsmitteln stattgefunden haben.«

Wer war wer in DDR

Süß, Hans

* 20.4.1935 – ✝ 17.11.2009

Geb. in Buchholz (Krs. Annaberg); Vater Arbeiter; Grund- u. OS in Annaberg-Buchholz; 1949 FDJ; 1953 Eintritt in die KVP, Kursant bei der VP-Dienststelle Torgau; 1953 – 56 Studium an der HS der Offiziere in Dresden; 1955 SED; 1956 – 60 Offiziershörer an der Militärakad. der UdSSR, Dipl.-Militärwiss.; 1961 1. Stellv. des Kdr. des Funktechn. Regt. 4, 1961/62 dessen Stabschef; 1962 – 65 Stellv. des Chefs, 1965 – 75 Chef der Funktechn. Truppen der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV); 1972 Oberst; 1974 – 76 Studium an der Generalstabsakad. der UdSSR; Sept. 1976 – Okt. 1978 Stellv. des Kdr. u. Stabschef der 1. Luftverteidigungsdiv.; 1978 – 89 Kdr. der Offiziers-HS der LSK/LV »Franz Mehring« in Kamenz (Nachf. von Manfred Lange); 1979 Generalmajor, 1988 Generalltn.; Dez. 1989 – Jan. 1990 Hauptinspekteur der NVA (Nachf. von  Heinz Handke), März 1990 Kdr. der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden (Nachf. von  Manfred Gehmert), 30.9.1990 Entl; gest. in Dresden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Swatek, Arthur

* 20.8.1932 – ✝ 4.2.1990

Geb. in Neu Heiduk (Schles. / Nowe Hajduki, Polen); Vater Rohrleger, Mutter Hausfrau; Volksschule; 1947 – 52 Lehre u. Arbeit als Autoschlosser in Apolda; 1952 Kraftfahrer im VEB Baubetrieb Apolda; 1952 – 54 Kraftfahrer der SED-KL Apolda; 1954 SED, 1954 – 59 Instrukteur der SED-KL Apolda; 1959 Ltr. der Abt. Org. / Kader der SED-KL Apolda; 1959/ 60 Stud. an der BPS Erfurt; 1960 – 62 Abt.-Ltr. der SED-KL Apolda; 1962 / 63 Sekr. der SED-BPO im VEB Feuerlöschgerätewerk Apolda; 1963 – 65 Stud. an der Ingenieurschule für Anlagenbau Glauchau, Zweigstelle Karl-Marx-Stadt, Maschinenbau-Ing.; 1965 – 67 Ltr. der Abt. Wirtschaftspol. der SED-KL Apolda; 1967 / 68 Sekr. für Wirtschaft; 1968 – 70 2. Sekr. der SED-KL Apolda; 1970 – 73 Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1973 – 75 erneut 2. Sekr. der SED-KL Apolda; 1975 – 80 1. Sekr. der SED-KL Worbis; 1980 – 82 polit. Mitarb. der Abt. Parteiorgane des ZK der SED, Berater in Nikaragua; 1982 – 85 1. Sekr. der SED-KL Nordhausen; 1985 – 89 Vors. des Rats des Bez. Erfurt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Switalla, Eduard

* 27.11.1919 – ✝ 28.5.2004

Geb. in Billstedt bei Hamburg; Vater Parteiarb.  Anton S., Mutter Maschinenstrickerin; Volksschule; 1933 Emigr. nach Frankreich, 1935 in die UdSSR; 1935/36 Schlosser in Leningrad, 1936/37 in Woroschilowgrad; 1937 – 41 Dreher in Moskau; 1941 – 46 Dienst in der Roten Armee (Arbeitsarmee). 1946 SED; 1946/47 Instrukteur bei der SED-KL Schwerin; 1947 Einstellung bei der VP; 1948/49 Lehrgang an der BPS; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Mecklenb. (ab Febr. 1950 Länderverw. Mecklenb. des MfS), Ltr. Politkultur u. stellv. Operativ; Aug. 1952 Ltr. der BV Rostock; Okt. 1952 wegen »Verstoßes gegen die demokrat. Gesetzlichkeit« (Übergriffe auf Häftling) als BV-Ltr. abgesetzt u. vom Inspekteur zum Kdr. degradiert, Ltr. der Abt. VI (Rüstungsindustrie) der BV Halle; Jan. 1953 Ltr. der Krs.-Dienststelle Dessau; Nov. 1953 stellv. Ltr. der Abt./HA III (Volkswirtschaft), MfS Berlin; 1955 Ltr. der Abt. VI; 1962 BdL, Oberst; 1963 Ltr. der AG/HA Paßkontrolle/Fahndung; 1968 für Sonderaufg. zum Ltr. der AGM kommandiert; 1970 Ltr. der Fahndungsführungsgr.; 1971 Entlassung, Rentner; 1980 VVO; gest. in Berlin.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Szabó, Miklós

* 1935 – ✝ 2000

Historiker und Philologe, Teilnehmer an der *Ungarischen Revolution von 1956, Gründer der *Freien Montagsuniversität.Miklós Szabó wurde 1935 in Budapest geboren. Während der *Ungarischen Revolution von 1956 studierte er Geschichte und ungarische Philologie an der Loránd-Eötvös-Universität Budapest. Er war in der Leitung der revolutionären Jugendbewegung aktiv. Nach der blutigen Niederschlagung der Revolution hatte Szabó als ehemaliger Revolutionsteilnehmer nach seinem Universitätsabschluss keine Chance auf eine berufliche Karriere und arbeitete zunächst als Pädagoge an einer Berufsschule in Vác. Ab 1959 war er Bibliothekar im Historischen Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und wurde erst 1967 zum wissenschaftlichen Mitarbeiter ernannt.Szabó gehörte zu den wenigen Vertretern der demokratischen Opposition, für die das Erbe der Revolution von 1956 zu einer Quelle der intellektuellen Inspiration wurde. Lange Zeit äußerte er über legale Kanäle seine kritischen Ansichten und tat viel, um die Erinnerung der Gesellschaft an die Revolutionskämpfe wachzuhalten. In den 70er Jahren veranstaltete er in seiner Wohnung eine illegale Vorlesungsreihe. 1978 war er der Initiator der *Freien Montagsuniversität. Als die Ungarische Akademie der Wissenschaften ihm mit Kündigung drohte, übergab er die Leitung der *Freien Montagsuniversität an Sándor Szilágyi. Eine geplante Vorlesungsreihe zur Geschichte der kommunistischen Parteien in Ungarn und der Sowjetunion übernahmen seine Kollegen Péter Hanák und Tibor Hajdú. Ende der 70er Jahre war er an den Redaktionsarbeiten für die *Bibó-Festschrift (Bibó Emlékkönyv) beteiligt, die damals gerade für den Druck vorbereitet wurde. In der Untergrundzeitschrift *„Beszélő“ (Sprecher) publizierte er Aussagen von einer Reihe von Festschrift-Autoren, die „nicht dem Stalinismus das Wort redeten, aber zugleich Distanz zu den antidemokratischen Positionen der Rechten“ wahrten. Szabó strebte nach einer Verständigung zwischen verschiedenen oppositionellen Gruppierungen, die auch unterschiedliche politische Richtungen vertraten (die unmittelbar mit dem Kämpfen von 1956 verbundene Fraktion, Gruppierungen mit Bauern- und Agrarinteressen, ehemalige Mitglieder von Bauernparteien, religiöse Gemeinschaften).In den 80er Jahren hielt er Vorlesungen in den sogenannten Klubs (*Klub-Bewegung). In der Presse äußerte er sich – unter Pseudonym – kritisch zur ungarischen Wirklichkeit. 1983 schrieb er: „Obwohl die ungarische Opposition ein Phänomen subkulturellen Charakters ist, stellt sie ein wesentlicheres Element der ungarischen Wirklichkeit dar, als viele ihrer Vertreter, ja sogar ihre Feinde meinen.“ An anderer Stelle schrieb er: „Kádárs Ungarn war das einzige Land im Sowjetblock, in dem offiziell der Nationalismus nicht Fuß fasste. Die Revolution von 1956 war so sehr mit der Idee der nationalen Freiheit verbunden, dass die Staatsmacht in der Folge mit aller Macht versuchte, diese Idee rücksichtslos zu vernichten; zwanzig Jahre lang versuchte man, jegliche national-patriotischen Ideen aus der ungarischen politischen Kultur zu tilgen. Natürlich vergeblich.“ Er verwies darauf, dass in Ungarn ein demokratischer Nationalismus keine historischen Traditionen habe; nationalistisches Denken könne daher seine Wurzeln nur in dem rechtsgerichteten Nationalismus der Zwischenkriegszeit suchen. Als 1988 Vertreter der regierenden Parteiführung mit Losungen aus der rechten Ideologie den Schulterschluss (einen „heiligen Bund“) mit dem von Bauerninteressen geleiteten sogenannten Volkslager suchten, kritisierte Szabó dieses Phänomen nicht nur als Sprecher einer konkurrierenden politischen Kraft (dem Netz Freier Initiativen), sondern auch als Historiker. Im Herbst 1987 fand das *Treffen in Lakitelek statt, das *Ungarische Demokratische Forum (Magyar Demokrata Forum; MDF) entstand. Damit kam es zum Bruch innerhalb der ungarischen Opposition. Die Gründung des Netzes Freier Initiativen im Frühjahr 1988 war ein letzter, missglückter Versuch, die oppositionelle „Volksfront“ zu retten. Im Herbst desselben Jahres wurde aus dem Netzwerk die Partei *Bund Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ). Szabó spielte in all diesen Initiativen eine wesentliche Rolle. Er war Pressesprecher des Netzwerkes und dann im Weiteren Mitglied im Landesrat des *Bundes Freier Demokraten, an dessen programmatischer Arbeit er aktiv beteiligt war. Nach dem Ende des Kommunismus war er in den Jahren 1990–98 für den *Bund Freier Demokraten Abgeordneter im ungarischen Parlament. Ab 1998 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Budapester Archiv. Miklós Szabó starb 2000 in Budapest.András Pályi Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Szinda, Gustav

* 13.2.1897 – ✝ 23.9.1988

Geb. in Blindgallen (Ostpr. / Błąkały, Polen); Vater Zimmermann; Volksschule; Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1915 – 18 Soldat; 1918 Schlosser; 1920 Umzug nach Gelsenkirchen; Arbeit als Maschinenschlosser; 1920 – 24 Teiln. an den Kämpfen im Ruhrgeb.; 1924 KPD; 1925 RFB; ab 1931 arbeitslos; 1933 – 35 illeg. Tätigkeit; dann Emigr. nach Amsterdam; 1936 –38 Teiln. am span. Bürgerkrieg als Stabschef u. Kdr. der XI. Internat. Brigaden; 1937 Chef der Spionageabwehr der Interbrigaden; 1938 Mitarb. des ZK der KP Spaniens; 1939 Übersiedl. nach Moskau; Mitarb. der KI; 1941 ZK-Schule; 1943 – 45 Einsatz. bei sowj. Partisanen, dann in Dtl. zur Unterstützung des Widerstandskampfes; Sept. – Dez. 1945 Lehrer an der Antifa-Schule 12. Ende Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Sonderauftrag der Partei; Jan. 1946 Tätigkeit im Polizeipräs. Berlin; Aug. 1946 – 48 Ltr. der Personalabt. der VP-Behörde Mecklenb.; 1948/49 Ltr. der Personalabt. der Landesreg. Mecklenb.; 1949 Abt.-Ltr. für Polizeifragen des PV bzw. ZK der SED; ab 1951 Abt.-Ltr. im Außenpol. Nachrichtendienst (Auslandsspionage, ab 1953 HA XV des MfS Berlin); 1954 Ltr. der Abt. VII des MfS (Abwehr in MdI u. VP); 1957 KMO; 1958 Ltr. der BV Neubrandenb. (Nachf. von  Franz Schkopik) u. Mitgl. der SED-BL Neubrandenb.; 1964 Gen.-Major; 1965 Rentner; 1972 VVO; 1987 Stern der Völkerfreundschaft.Sakowski, H.: Das Leben eines Revolutionärs. Leipzig 1987. JeG

Wer war wer in DDR

Tannert, Christoph

* 28.12.1955

Geb. in Leipzig; Vater Theologe, Mutter Germanistin; Besuch der EOS u. Mitgl. des Dresdner Kreuzchors in Dresden; 1976 – 81 Studium der Kunstwiss. u. Archäol. an der HU Berlin; 1981 – 84 Sekr. der ZAG Junge Künstler beim Zentralvorst. des VBK der DDR; 1984 fristlose Entlassung wegen Engagements für junge, nichtkonforme Kunst; 1984 – 91 freiberuflich tätig als Kritiker u. Organisator von Ausstellungen (u. a. »Wort u. Werk« Samariterkirche Berlin 1986, »Permanente Kunstkonferenz« Weißer Elefant Berlin 1989, »L’autre Allemagne – hors les murs« La Villette Paris 1990, »Fontanelle« Potsdam 1993); Hrsg. von Grafikbüchern, Flugschriften u. Musikkassetten im Eigenverlag Ursus Press. Mithrsg. der Ztschr. »Schaden«; zahlr. Beiträge in nichtoffiz. Ztschr., u. a. »Anschlag«, »Ariadnefabrik«, »Kontext«, »Liane«, »Usw«; weiterhin zahlr. Katalogtexte u. Aufsätze, u. a. in: »Bildende Kunst«, »Kunstforum International«, »Niemandsland«, »Spex«. Seit 1991 Projektltr., seit 2000 Geschäftsf. am Künstlerhaus Bethanien Berlin.Zellinnendruck. Kat. zur Präsentation selbstverlegter Ztschr. u. Grafikbücher in Leipzig u. Berlin. Leipzig 1990 (Hrsg. mit E. Hesse); Mitarbeit am Titel von: Feist, G., Gillen, E.: Kunstkombinat DDR. Berlin 1990; Beiträge in: Gillen, E., Haarmann, R. (Hrsg.): Kunst in der DDR. Köln 1990; Muschter, G., Thomas, R. (Hrsg.): Jenseits der Staatskultur. Traditionen autonomer Kunst in der DDR. München 1992; New German Painting (Hrsg.). München 2006; Neue dt. Malerei. München 2007.Klaus Michael

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tastesen, Paul

* 5.3.1899 – ✝ 10.10.1974

Geboren am 5. März 1899 in Hambur; lernte Feinmechaniker. Von 1917 bis 1919 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Bis 1924 als Marmorschleifer, 1925/26 als Gürtler beschäftigt. Er saß 1927 sieben Monate in Untersuchungshaft, Mitte 1927 hauptamtlicher Sekretär des RFB. Im gleichen Jahr zog er als Abgeordneter in die Hamburger Bürgerschaft ein, blieb deren Mitglied bis 1931. Seit 1930 auch Mitarbeiter im AM-Apparat, absolvierte unter dem Decknamen Friedrich einen Lehrgang an der M-Schule der Komintern. Tastesen kam 1933 in das KZ Fuhlsbüttel. Er trat 1936 im Prozeß gegen Edgar André mutig als Entlastungszeuge auf und wurde deswegen nach dem Prozeß verhaftet. Im Verfahren gegen Anton Saefkow u. a. 1938 vom Hanseatischen OLG verurteilt, saß er für längere Zeit im KZ. 1945 wieder Mitglied der KPD, gehörte Tastesen zu deren Hamburger Leitung und unterschrieb im August 1945 den Aufruf zur Bildung einer gemeinsamen Sozialistischen Partei in Hamburg. 1946 Abgeordneter der Bürgerschaft, trat aber dann zurück. Seit Gründung der DKP 1968 Mitglied und Funktionär sowie in den sechziger Jahren Mitbegründer und Vorsitzender des Kuratoriums der »Ernst-Thälmann-Gedenkstätte« in Hamburg. Paul Tastesen starb am 10. Oktober 1974 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Taubenberger, Hermann

* 21.11.1895 – ✝ 29.5.1937

(* 1895 – † 1937) Geboren am 21. November 1895 in München; von Beruf Eisenbahningenieur, war als Einjährig-Freiwilliger im Weltkrieg, wurde verwundet und 1917 vor ein Kriegsgericht gestellt. Im November 1918 kehrte er nach München zurück, Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, als dessen Vertreter nahm er an den Waffenstillstandsverhandlungen in Spa teil. In München Elektrotechniker im Bayerischen Kriegsministerium. Er wurde 1919 Mitglied der KPD und während der Kämpfe der Bayerischen Räterepublik Befehlshaber der »Roten Armee« am Dachauer Frontabschnitt. Am 14. Mai 1919 zu drei Jahren Festungshaft verurteilt, die er in Niederschönenfeld verbüßte. Nach seiner Freilassung Mitarbeiter des AM-Apparats, 1923 von der Zentrale beauftragt, für den geplanten »deutschen Oktober« illegale Kampfformationen aufzustellen. Er wurde nach dem Scheitern des Aufstands im Februar 1924 in Stuttgart festgenommen, konnte jedoch im Herbst aus der Haft nach Paris fliehen und emigrierte in die Sowjetunion. Dort zunächst in einem Elektrowerk, dann in einer Stalingrader Kanonenfabrik tätig, er wurde Mitglied der KPdSU(B) und arbeitete als Ingenieur beim Volkskommissariat für Schwerindustrie. Taubenberger wollte – inzwischen amnestiert – nach Deutschland zurück, erhielt aber wegen seiner Beschäftigung in der sowjetischen Rüstungsindustrie keine Ausreisegenehmigung. Er blieb beim Obersten Volkswirtschaftsrat, Stellvertreter des Vorsitzenden des Rats für Flugzeugindustrie und Mitglied des Präsidiums des Technisch-Wissenschaftlichen Komitees für Maschinenbau. In der Moskauer Wohnung von Hermann und Else Taubenberger trafen sich am Abend des 5.März 1933 mehrere deutsche Emigranten, unter ihnen Erich Wollenberg, Werner Rakow, Hans Schiff, Karl Schmidt und Erich Tacke. Bei der Diskussion über die Reichstagswahlen übten sie scharfe Kritik an der deutschen Parteiführung. Dieser Gesprächskreis wurde von einem Teilnehmer denunziert und Rakow und Wollenberg aus der KPdSU ausgeschlossen. Taubenberger mußte sich ebenfalls vor der IKK rechtfertigen und erhielt eine Rüge. Im August 1936 wurde er wegen »trotzkistisch-sinowjewistischer und anderer konterrevolutionärer Verbrechen gegen die Arbeiterklasse« aus der Partei ausgeschlossen. Das ZK veröffentlichte (DVZ vom 11. Oktober 1936) den Ausschluß und die »Begründung«. Vom NKWD am 17.September 1936 verhaftet und vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 29. Mai 1937 wegen »Teilnahme an einer antisowjetischen terroristischen Organisation« zum Tode durch Erschießen verurteilt. Noch am gleichen Tag wurde Hermann Taubenberger erschossen. Am 21. Mai 1959 haben ihn sowjetische Justizorgane »posthum rehabilitiert«. Seine Frau Else Taubenberger (* 24. 7. 1898) wurde am 11. August 1936 in Moskau festgenommen und am 1. Juni 1937 zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Später in der Verbannung in Magadan, dann als Freigelassene mit »Zwangsaufenthalt« in Viljandi/Estland. 1972 konnte sie in die Bundesrepublik ausreisen, wo sie im selben Jahr in München starb. Ihr Sohn Heinz Taubenberger (* 1915), am 10. September 1937 vom NKWD verhaftet, wurde am 1. November wegen Verbindung zu Wollenberg zum Tode verurteilt und am 3. November 1937 in Butowo erschossen. Der Sohn Hermann Taubenberger jun. (* 1923) kam in ein NKWD-Kinderheim und ist verschollen. Die Taubenbergers hatten sich nach der Verhaftung von Anatol Becker und der bekannten Schauspielerin Carola Neher noch um deren Sohn Georg Becker (* 1934) gekümmert, der dann in ein NKWD-Lager für Waisenkinder kam und 1975 in die Bundesrepublik ausreisen konnte.

Wer war wer in DDR

Taubert, Heinrich

* 31.1.1929 – ✝ 18.5.2007

Geb. in Großensee (Krs. Eisenach); Vater Bergmann; Volksschule; Bauhilfsarbeiter; 1945 – 47 OS, Abitur; 1947 / 48 Fördermann u. Praktikant im VEB Steinkohlenwerk Deutschland in Oelsnitz, im Kaliwerk Heiligenrode sowie in Dorndorf u. im Werk Wintershall; 1948 – 53 Studium an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Berging.; 1949 SED; 1953 / 54 Ass., 1955 – 58 Techn. Ltr. des VEB Eisenerzgruben Saalfeld; 1958 – 60 Techn. Ltr. u. stellv. Grubendir. im VEB Maxhütte Unterwellenborn; 1960 – 63 Abt.-Ltr. Prod. u. Technik, 1963 – 65 Dir. Technik der VVB Eisenerz-Roheisen, Saalfeld; 1965 – 69 Grubendir. im VEB Maxhütte Unterwellenborn; 1969 / 70 Dir. für Prod. u. Technik der VVB Kali; Prom. zum Dr.-Ing; 1970 – 1990 GD des VEB Kalikombinat Sondershausen; gest. in Sondershausen.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Tegtmeier, Adolf

* 25.10.1894 – ✝ 14.3.1975

Geb. in Bielefeld; Studium der Med., Prom. zum Dr. med.; 1924 – 34 Oberarzt in Bad Berka; ab 1934 Chefarzt u. Ärztl. Dir. der Tbc-Heilstätten Bad Berka; 1954 – 57 Ärztl. Dir. u. Chefarzt an der Tbc-Heilstätte Bad Berka; ab 1954 Prof. u. zugl. Mitgl. der Med. Akad. Erfurt (Lungentuberkulose); 1957 – 59 Präs. der Tbc-Ges. der DDR; 1961 Obermedizinalrat; Mitgl. der LDPD; 1964 NP; 1956 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Tembrock, Günter

* 7.6.1918 – ✝ 26.1.2011

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; 1928 – 37 Reform-Realgymnasium; 1937 – 41 Studium der Paläontol., Zool. u. Anthropol. an der Univ. Berlin; 1941 Prom. an der Univ. Berlin; 1941 – 44 Hilfsassistent am Zoolog. Inst. Herbst 1945 Gründer des Arbeitskrs. Mensch u. Natur an der noch nicht eröffneten Berliner Univ.; 1946 erster Assistent am Zoolog. Inst. der Univ.; Lehrtätigkeit u. seit 1947 verhaltensbiolog. Untersuchungen; 1948 Gründung der Forschungsstätte für Tierpsychol. am Inst. mit Unterstützung der DAW; 1952 – 59 mit den Geschäften des Dir. des Zoolog. Inst. betraut u. nach Wiederbesetzung des Direktorats durch Kurt Erdmann 1959 – 68 Stellv. des Dir.; 1955 Habil. u. Berufung zum Doz.; 1961 Prof.; 1968 – 83 Ltr. des Bereichs Verhaltenswiss. der Sekt. Biol. der HU; 1965 Mitgl. der Leopoldina; 1975 Korr. u. 1990 Ord. Mitgl. der AdW; DDR-Fernsehsendung »Rendezvous mit Tieren«; lebt in Berlin. T. begründete an der HU Berlin eine der ersten Forschungsstätten für Ethologie, wo er das größte Tierstimmenarchiv Europas aufbaute; er prägte den Begriff Bioakustik u. gilt als der Pionier der Verhaltensforschung in der DDR. Hauptarbeitsgebiete: Zool., insbes. Verhaltensbiol., Tierpsychol., Bioakustik, Biokommunikation. Gest. in Berlin.Versuche der Darstellung der Verbreitungs- u. Stammesgeschichte des Carabus. o. O. 1942; Grundlagen der Schimpansenpsychol. Berlin 1949; Tierpsychologie. Wittenberg 1956; Tierstimmen. Wittenberg 1959; Grundriß der Verhaltenswiss. Jena 1968; Grundlagen des Tierverhaltens. Berlin 1977; Verhaltensbiol. Jena 1987; Akust. Kommunikation bei Säugetieren. Darmstadt 1996; Angst. Naturgeschichte eines Phänomens Darmstadt 2000. Kirsch, R.: Der Verhaltensforscher G. T. 1978; Bibl. In: Zoolog. Jb., Physiol. (1983) 87; Wessel, A.: Special Issue in Honor of G. T. Dt. Entomolog. Ztschr. 2004.Peter Nötzold