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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Trumpold, Harry

* 23.7.1928 – ✝ 18.11.2012

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; OS in Dresden, Abitur; 1948 LDPD; 1948 – 52 Studium an der TH Dresden (Feinmeßtechnik), Dipl.-Ing.; 1952 – 57 wiss. Assistent bzw. Oberassistent am Inst. für Meßtechnik der TH Dresden; 1957 Prom. zum Dr.-Ing.; seit 1957 Lehrtätigkeit an der HS für Maschinenbau bzw. der TH Karl-Marx-Stadt; seit 1957 Mitgl. der KdT; 1964 Habil.; seit 1964 ord. Prof. mit Lehrstuhl für Meßtechnik u. Austauschbau; Ltr. des Wissenschaftsber. Fertigungsmeßtechnik an der TH Karl-Marx-Stadt; seit 1963 Abg. der Volkskammer; 1967 – 71 Mitgl. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; ab 1969 Vors. des Bez.-Aussch. Karl-Marx-Stadt der NF. Nach 1990 Mitgl. des Freundeskrs. Fertigungstechnik u. Qualitätssicherung der TU Chemnitz; Mitbegr. der Meß- u. Kommunikationstechnik GmbH in Chemnitz; 1998 Koordinator des EU-Projekts »Neue Kalibriernormale für Rauheitsmeßsysteme bis zum Nanometerbereich« an der TU Chemnitz.Einführung in die Längenmeßtechnik. Leipzig 1969; Längenprüftechnik. Leipzig 1980; Manufacturing Message Specification (MMS) in der Meßtechnik. Wiesbaden 1992 (mit B. Wenzel).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Tschiche, Hans-Jochen

* 10.11.1929 – ✝ 25.6.2015

Geb. in Kossa (Krs. Bitterfeld); Vater Bäckermstr.; 1946 – 48 FDJ; 1948 Abitur in Wittenberg; 1948/49 Studium der Theol. in Berlin (West); ab 1949 Neulehrerkurs, 1950 Ausschl. nach Weigerung, einer pol. Org. beizutreten; 1950 – 55 Forts. des Theol.-Studiums in Berlin (West u. Ost); 1956 – 58 Vikar in Hilmsen; 1958 Ordination; 1958 – 60 Hilfsprediger; 1958 – 75 Pfarrer in Meßdorf (Altmark, Kirchenkrs. Osterburg); 1968 öffentl. Stellungnahme gegen die Intervention der Warschauer-Vertrags-Staaten in der ČSSR; ab 1975 Studienltr. u. seit 1978 Ltr. der Ev. Akad. Magdeburg; März 1990 Versetzung in den Wartestand; seit 1980 Engagement in der kirchl. u. autonomen Friedensbew.; 1982 am »Berliner Appell 82« mitgewirkt; maßgebl. beteiligt an der Herausbildung überregionaler Netzwerke opp. Gruppen; 1986 – 88 Mitgl. des Fortsetzungsaussch. des Netzwerks »Frieden konkret«; Sept. 1989 Mitbegr. des Neuen Forums (NF), Dez. 1989 – März 1990 NF-Vertreter am Runden Tisch des Bez. Magdeburg; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Fraktion Bündnis 90 / Grüne; Mitgl. im Aussch. für Finanzen; Okt. – Dez. 1990 MdB. 1990 – 98 MdL Sachsen-Anh.; bis 1994 Vors. der Fraktion Grüne Liste / NF; 1992 Mitgl. des Bundes- u. des Landessprecherrats der Partei Bündnis 90; Mitgl. der Verhandlungsgr. des Bündnis 90 zum Abschl. des Assoziationsvertrags mit den Grünen; 1994 – 98 Vors. der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Landtag Sachsen-Anh., Vors. des Petitionsaussch., Mitgl. des Finanzaussch. u. des Ältestenrats; gilt als maßgebl. Promotor des »Magdeburger Modells«; 2004 Mitorg. der »Montagsdemonstr. gegen Hartz IV«; Ehrenvors. von Bündnis 90/ Die Grünen Sachsen-Anh.; lebte in Satuelle; gest. in Magdeburg.»Nun machen Sie man, Pastorche!« Halle 1999; Rotgrüne Reden. Göttingen 1998; Boykottnest. Die Ev. Akad. Sachsen-Anhalt im Visier der DDR-Staatsmacht. Halle 2008.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tunkel, Rudolf

* 18.4.1898

Geboren am 18. April 1898 in Zülz/Oberschlesien; Landarbeiter, später Bergmann. 1922 Mitglied der KPD, für die er verschiedene Funktionen ausübte. 1927 Sekretär des »Bundes schaffender Landwirte« in Schlesien. 1929 in der zentralen Leitung dieses kommunistischen Bauernbundes in Berlin. Im Mai 1928 wurde Tunkel als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt. Er wurde Anfang 1932 aus der KPD ausgeschlossen, war deshalb seit dem 16. März 1932 im Preußischen Landtag fraktionslos und im April 1932 nicht wieder gewählt. Weitere Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

Wer war wer in DDR

Türkowsky, Frank

* 14.4.1959

Geb. in Görlitz; Vater Musiker; POS, EOS, 1977 Abitur; 1973 FDJ; 1977 – 80 NVA; 1978 SED; 1980/81 Instrukteur der FDJ-KL Görlitz; 1981/82 Lehrgang an der SED-BPS Dresden; 1982 – 85 1. Sekr. der FDJ-KL Görlitz; 1985 – 88 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1988 2. Sekr., Aug. – Nov. 1989 1. Sekr. der FDJ-BL Dresden (Nachf. von Christine Feiks); Nov. 1989/90 1. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Eberhard Aurich). Lebt in Görlitz u. arbeitet dort in der Versicherungs- u. Finanzbranche.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tygör, Walter

* 11.3.1901 – ✝ 17.10.1981

Geboren am 11. März 1901 in Berlin, Sohn eines Ofensetzers. Schlosser, Fotograf und Chemiegraph. Seit 1919 Mitglied der KPD, gehörte 1926 zu den Mitbegründern des Arbeiter-Fotografen-Bundes, war zeitweise deren technischer Leiter. Ab 1928 arbeitete Tygör unter dem Parteinamen Ludwig Berger hauptamtlich in der von Richard Großkopf geleiteten Paßfälscher-Werkstatt des ZK der KPD. Er emigrierte 1933 ins Saargebiet, später nach Paris und Prag, im Frühjahr 1939 nach Großbritannien. Bis 1947 Maschinenbauer und Werkmeister, er gehörte der KPD-Gruppe an. 1947 Rückkehr nach Deutschland, Instrukteur im ZS der SED, von 1950 bis 1967 zunächst Fotograf in der Geschäftsabteilung, später in der Abteilung Verkehr des ZK der SED. Walter Tygör starb am 17.Oktober 1981 in Ost-Berlin. Seine erste Frau Elfriede Tygör, geborene Pilz (*10. 10. 1903 in Berlin), war Stenotypistin, Mitglied der KPD und arbeitete bis 1935 in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, ab 1935 bei der Preußischen Landespfandbriefanstalt. Sie gehörte der von Robert Uhrig geleiteten Widerstandsgruppe an. Am 4. Februar 1942 festgenommen und vom VGH am 6. Juli 1944 im Prozeß gegen Robert Uhrig u. a. zum Tode verurteilt. Elfriede Tygör wurde am 25.August 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Ufholz, Christiane

* 1.9.1947

Geb. in Leipzig; Mutter Sekretärin des Leipziger OB, Vater Musiker; 1954 – 64 OS, daneben im Rundfunkkinderchor Leipzig; 1964 – 66 Berufsausb., danach Arbeit als Friseuse, 1970 Meisterabschluß; ab den frühen 1960er Jahren Sängerin in versch. Leipziger Amateurbands, zunächst vorwiegend Interpretationen internat. Beat- u. Soulgrößen; im März 1965 von  Klaus Renft entdeckt u. engagiert für »The Butlers« (verboten im Okt. 1965), 1969 – 71 bei »Studio-Team Leipzig« um Gerd Kolbe; 1972 Einstieg bei der Dresdner Gruppe »Lift«, Zulassung als Berufssängerin, 1973 – 75 Gesangsausb. an der Musikschule Berlin-Friedrichshain, Rundfunkaufnahmen u. 1973 erste Amiga-Singles mit Lift, u. a. »Wenn«, »Regentag« u. »Skandal«, 1974 auch Duette mit  Stefan Trepte, u. a. »Komm doch einfach mit« u. »Jeder Tag ist eine lange Reise«; Gastsängerin bei der  Theo-Schumann-Formation, Single »Nachtballade u. »Es ist vorbei«; 1974 Wechsel zum  Klaus-Lenz-Sextett, 1975 Live-LP »Klaus Lenz Big Band«, z. T. im Duett mit Klaus Nowodworski; danach beim  Günther-Fischer-Quintett, Auftritte u. Aufnahmen u. a. mit  Manfred Krug, 1975 auf der LP »Du bist heute wie neu – Krug 4«; Dez. 1976 Übersiedl. nach West-Berlin. 1979 dort Gründung der Gruppe »Windministers« mit Klaus Renft, Thomas »Monster« Schoppe u. anderen ehem. DDR-Musikern, spielte hier auch Schlagzeug, Jan. 1980 Debüt im Quartier Latin, bald darauf Auflösung des Projekts; danach neben der Arbeit als Friseuse bis Mitte der 1980er Jahre Gesang in versch. Gruppen, u. a. in einer Kreuzberger Punkband; ab 2000 im Friseurberuf selbständig, 2004 aus gesundheitl. Gründen berentet; seit 2002 wieder des öfteren auf der Bühne, insb. mit der »Jonathan Blues Band« von  Peter Pabst; lebt in Berlin. U. gehörte zu den ersten überregional bekannten Sängerinnen der DDR-Beatszene u. war eine der führenden Rock- u. Soulinterpretinnen der frühen 1970er Jahre.Hürtgen, A.: »nicht auf show«. In: Neues Leben (1975) 9.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Uhlitzsch, Joachim

* 3.4.1919 – ✝ 11.2.1989

Geb. in Hoyerswerda; 1938 Abitur in Cottbus; 1938 – 41 Kaufmannslehre; ein Semester Philos. u. Kunstgesch. an der Univ. Würzburg; 1941 – 43 Kriegsdienst, Sommer 1943 Studienurlaub; 1945 Mitgl. der KPÖ. Nov. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Agitprop-Sekr. der KPD-KL Hoyerswerda; Stadtverordn.; Delegierter zum Vereinigungsparteitag von KPD u. SPD; 1946 / 47 Lehrer an einer OS in Hoyerswerda; 1948 in der SED-LL Sachsen, Referent für Kunst-, Intellektuellen- u. Kirchenfragen; 1949 Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung der SED-LL Sachsen; 1950 – 52 Ltr. des Sächs. Landesamts für Denkmalpflege; 1952 – 61 Doz. an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1960 Sekr. für ideolog.-wiss. Arbeit, Publikation u. Schulung im ZV des VBK, verantw. für »Das Blatt« (Mitgliederztg.), Mitgl. des Präsidiums; 1963 – 84 Dir. der Galerie Neue Meister der Staatl. Kunstsammlungen Dresden; gest. in Dresden.Wilhelm Lachnit. Leipzig 1968; Wilhelm Rudolph. Leipzig 1968; Kunst im Aufbruch. Dresden 1918 – 1933. Dresden 1980; Oskar Zwintscher. Leipzig 1984; Der Soldat in der bildenden Kunst des 15. – 20. Jh. Berlin 1987. Feist, G. u. a. (Hrsg.): Kunstdokumentation SBZ / DDR 1945 – 1990, Köln 1996.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhlmann, Walter

* 14.6.1904 – ✝ 11.6.1991

Geboren am 14. Juni 1904 in Leipzig, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Feinmechaniker. Er trat 1919 der FSJ bei und war seit 1923 Funktionär der KJD, zunächst Mitglied der BL Westsachsen. Uhlmann übersiedelte 1925 nach Köln und war Bezirksleiter des KJVD Mittelrhein. Danach kurze Zeit Mitarbeiter des ZK in Berlin, auch im AM-Apparat der KPD tätig, er kehrte 1928 nach Leipzig zurück. Als führender rechter Oppositioneller wurde er im Dezember 1928 aus der KPD ausgeschlossen und gehörte zu den Mitbegründern der KPO. In Berlin kam er in die Reichsleitung der Kommunistischen Jugend-Opposition und war deren Redakteur. Nach 1933 lebte Uhlmann illegal, war von 1934 bis 1937 Mitglied des Berliner Komitees der KPO. Am 22. Februar 1937 verhaftet, am 24. November 1937 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Brandenburg/Havel verbüßte. Darüber veröffentlichte er 1983 das Buch »Leben um zu sterben« und hat in dieser Sammlung von Erinnerungsberichten einige Legenden der SED-Geschichtsschreibung enthüllt. Nach 1945 lebte Uhlmann in Ost-Berlin, war Mitglied der SED und im FDGB aktiv. Wegen drohender Verhaftung flüchtete er 1953 in die Bundesrepublik, wurde später Redakteur bei der IG Metall, u. a. für die Zeitschrift »Der Gewerkschafter«. Walter Uhlmann starb am 11. Juni 1991 in Frankfurt/M. Seine Frau Margarete (Grete) Uhlmann, geb. Müller (* 1905 – † 1990), eine Schwester von Kurt Müller, war ebenfalls Mitglied der KPD und dann der KPO. Sie stammte aus der bekannten kommunistischen Familie Müller in Berlin, deren legendäre »Mutter Müller« wegen ihrer großen Hilfsbereitschaft damals in der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung beliebt war.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhse, Bodo

* 12.3.1904 – ✝ 2.7.1963

Geboren am 12. März 1904 in Rastatt, Sohn eines Offiziers. Nach Abschluß der Oberrealschule 1920 Zeitfreiwilliger bei der Reichswehr, beteiligte sich am Kapp-Putsch gegen die Republik. 1921 Angehöriger des militaristisch-nationalistischen Bundes »Oberland e.V.« und von 1927 bis 1930 Mitglied der NSDAP, bis 1928 Redakteur von NS-Zeitungen, 1928/29 deren Ortsgruppenleiter und Stadtverordneter in Itzehoe. Uhse war 1930 mit dem Führer der Landvolkbewegung Claus Heim verbunden, 1930 trat er zur KPD über und war Sekretär zur Vorbereitung des kommunistischen Reichsbauernkongresses vom Januar 1932, auf dem er referierte. 1933 emigrierte er nach Frankreich, 1935 erschien sein autobiographisches Buch »Söldner und Soldat«. Von 1936 bis 1938 war Uhse Offizier bei den Internationalen Brigaden in Spanien, flüchtete 1940 nach Mexiko, war dort u. a. Mitarbeiter der Zeitschrift »Freies Deutschland«. Er kehrte 1948 nach Berlin zurück, trat in die SED ein und war von 1949 bis 1963 im Präsidialrat des Kulturbundes, von 1949 bis 1958 Chefredakteur der kulturpolitischen Zeitschrift »Aufbau«. Im Vorstand des DDR-Schriftstellerverbandes aktiv, von 1959 an Vizepräsident der Gesellschaft für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland, 1963 wurde er noch Chefredakteur der Zeitschrift »Sinn und Form«. Bodo Uhse starb am 2. Juli 1963 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ulbricht, Walter Ernst Paul

* 30.6.1893 – ✝ 1.8.1973

Geboren am 30. Juni 1893 in Leipzig, Sohn eines Schneiders und sozialdemokratischen Funktionärs. Der damals zurückhaltende, fast scheue Walter Ernst Paul Ulbricht trat mit 15 Jahren der sozialistischen Jugend bei. Nach Abschluß der Tischlerlehre im Mai 1911 auf Wanderschaft, zunächst durch Sachsen, dann über Böhmen, Österreich nach Italien und in die Schweiz. Ein Jahr später kehrte er über Belgien, Holland und Norddeutschland nach Leipzig zurück. Hier 1912 Mitglied der SPD. Nach Kriegsausbruch Anhänger der Gruppe Internationale in Leipzig, die dort von Georg Schumann geleitet wurde. 1915 zur Infanterie eingezogen, kam Ulbricht nach Galizien und auf den Balkan, diente als Tischler in der Stellmacherei der Truppe. Im Frühjahr 1918 desertierte er bei der Fahrt vom Balkan an die Westfront. Er wurde in Sachsen gefaßt und zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, aber zur Bewährung nach Belgien versetzt. Im November 1918 wieder in Leipzig, schloß er sich nach ihrer Gründung der KPD an. Er arbeitete als Markthelfer, war aber die meiste Zeit für die Partei aktiv, bis er schließlich 1920 hauptamtlicher Funktionär wurde, Redakteur an der Parteizeitung in Halle. 1921 dann mit der Waffenbeschaffung für die März-Aktion beauftragt. Im April 1921 von der Zentrale als Parteisekretär nach Thüringen geschickt, im Juni 1921 zum Polleiter der BL Thüringen gewählt. Auf dem VII. Jenaer Parteitag der KPD 1921 erstmals Parteitagsdelegierter. Als Polleiter eines KPD-Bezirks war Ulbricht in die zweite Reihe der Funktionäre aufgerückt. Doch er gehörte im ersten Jahrzehnt des Bestehens der KPD noch keineswegs zur engeren Spitzenführung dieser Partei. Ulbricht war ein Funktionär des Apparats ohne Rednergabe und versuchte deshalb, auf organisatorischem Gebiet, seiner eigentlichen Stärke, voranzukommen. Er orientierte sich an der jeweils herrschenden Parteirichtung, zählte 1923 zu den Anhängern Heinrich Brandlers und wurde auf dem VIII. Parteitag 1923 erstmals in die Zentrale der KPD gewählt. Bei den Aufstandsvorbereitungen 1923 erhielt Ulbricht seine erste bedeutende Funktion, er wurde Orgleiter des »Revko«, des Revolutionskomitees, dort u. a. erneut mit der Waffenbeschaffung betraut. Nach dem Mißerfolg des »deutschen Oktober«, schwenkte Ulbricht zur Mittelgruppe über. Da er polizeilich gesucht wurde, mußte er illegal leben. Mit dem Umbau der Partei auf »Betriebszellen« beauftragt, wurde dies sein Hauptanliegen und trug ihm den Spitznamen »Genosse Zelle« ein. Inzwischen fest in der Mittelgruppe integriert, wurde er vom Sieg der Linken Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Ernst Thälmann auf dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 überrascht, dort nicht mehr in die Zentrale gewählt. Obwohl noch polizeilich gesucht, verweigerte ihm der Parteitag einen Platz auf der Liste der Reichstagskandidaten. Von der neuen Zentrale nach Moskau abgeschoben, dann nach einem kurzen Besuch der Komintern-Schule als Instrukteur der Komintern im September 1924 nach Wien geschickt. Mit einem falschen Paß (auf den Namen Stephan Subkowiak) am 24. September 1924 von der Fremdenpolizei festgenommen. Ein österreichisches Gericht verurteilte ihn am 4.November 1924 zu vier Wochen Kerker. Nach einer Revisionsverhandlung am 8. Dezember erhielt er sogar zwei Monate Kerker und wurde anschließend des Landes verwiesen. Von der Komintern dann als Instrukteur nach Prag entsandt. Nach dem »Offenen Brief« kam Ulbricht im Oktober 1925 zurück nach Berlin, übernahm hier Funktionen in der Gewerkschaftsabteilung, später in der Agitprop- und schließlich in der Orgabteilung des ZK. 1926 zog er als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag ein. Der XI. Parteitag 1927 wählte ihn zum Mitglied des ZK und der VI. Weltkongreß der Komintern 1928 als Kandidat ins EKKI-Präsidium. Während der Wittorf-Affäre im September 1928 befand sich Ulbricht als Vertreter der KPD beim EKKI in Moskau, er war einer der ersten, der die einmütige Absetzung Ernst Thälmanns durch das ZK kritisierte und sich hinter den Parteivorsitzenden stellte. Ab Februar 1929 wieder in Deutschland, wurde Ulbricht als Nachfolger des gemaßregelten Wilhelm Pieck Polleiter des Bezirks Berlin-Brandenburg. Von 1928 bis 1933 ununterbrochen Reichstagsabgeordneter. Der XII. Weddinger Parteitag 1929 berief Ulbricht wieder ins ZK und auch ins Polbüro. Er wurde zunächst Kandidat des Sekretariats und 1932 dann Mitglied dieses engsten Führungszirkels. Nach der Verhaftung Thälmanns 1933 zählte Ulbricht neben John Schehr und Hermann Schubert zu den Anwärtern auf den Parteivorsitz. Die Zerschlagung der KPD-Zentrale durch Hitler und dann durch Stalin begünstigte seinen Aufstieg. Im Politbüro trat er seit 1934 für eine Revision der ultralinken Politik ein (zusammen mit Pieck). Nach der Schwenkung der Komintern und der Änderung der Parteilinie gelang es ihm 1935, an die oberste Parteispitze zu kommen. Pieck fungierte zwar als Parteivorsitzender, doch der mächtigste Mann in der Emigrations-KPD war Ulbricht. Er lebte ab 1933 in Frankreich und übersiedelte 1937 in die Sowjetunion. Die stalinistischen Säuberungen der dreißiger Jahre überstand er persönlich und politisch unbeschadet in Moskau und organisierte während des Krieges die Schaffung des »Nationalkomitees Freies Deutschland«. Am 5. Mai 1945 traf er mit seiner »Initiativ-Gruppe Ulbricht« als erster deutscher Polit-Emigrant aus Moskau in Berlin ein und leitete den Wiederaufbau der KPD. Er gehörte nun ständig zur Spitzenführung der KPD bzw. der SED, war zunächst Generalsekretär, ab 1953 Erster Sekretär der SED und nach Piecks Tod im September 1960 zugleich Staatsratsvorsitzender der DDR. Bis zu seiner Absetzung im Frühjahr 1971 blieb er der bestimmende Politiker und Staatschef der DDR, mit sämtlichen Orden und Ehrenzeichen ausgezeichnet. Ulbricht wurde am 3. Mai 1971 im Politbüro durch den von ihm protegierten Erich Honecker offiziell als Erster Sekretär abgelöst und vom ZK zum einflußlosen Vorsitzenden der SED gewählt. Er hat sich bis zuletzt seiner Entmachtung, ja sogar der »Tilgung« aus der Partei- und DDR-Geschichte durch seinen Nachfolger widersetzt. Walter Ulbricht starb nach kurzer Krankheit am 1. August 1973 in Ost-Berlin. Über Ulbricht liegen inzwischen zahlreiche Biographien vor, u. a. von Carola Stern (1963), Norbert Podewin (1995), Mario Frank (2001). Seine zweite Frau Lotte Ulbricht, geborene Kühn (* 19. 4. 1903 in Berlin), Kontoristin, trat 1919 in die FSJ ein. 1921 Mitglied der KPD, Stenotypistin in der Parteizentrale in Berlin, von 1924 bis 1926 bei der KPD-Reichstagsfraktion. Zeitweilig Mitglied des ZK des KJVD. Von 1927 bis 1931 Angestellte bei der sowjetischen Handelsvertretung, übersiedelte 1931 mit ihrem Lebensgefährten Erich Wendt in die Sowjetunion. Dort bei der Komintern tätig, traf sie Walter Ulbricht, mit dem sie in einer Partnerschaft lebte, offiziell aber erst im Mai 1953 heiratete. Lotte Kühn wurde nach der Verhaftung Erich Wendts 1937 ebenfalls zu Verhören bei der IKK der Komintern vorgeladen. Von 1941 bis 1945 Hauptreferentin beim EKKI bzw. am Institut Nr. 99. 1945 wieder in Deutschland, Leiterin der Allgemeinen Abteilung des ZK der KPD. 1946/47 Redakteurin, anschließend bis 1954 persönliche Mitarbeiterin ihres Mannes, dann bis 1972 als Leiterin der Arbeitsgruppe »Walter Ulbricht« am IML. Obwohl ohne Partei- und Staatsfunktionen – sie gehörte lediglich der Frauenkommission beim Politbüro an – nahm sie als Ehefrau Ulbrichts Einfluß auf die Politik. Nach Ulbrichts Sturz wurde sie – wie dieser auf Anweisung Honeckers – in der Öffentlichkeit verdrängt. Sie erhielt zweimal den Karl-Marx-Orden. Lotte Ulbricht starb am 27. März 2002 in Berlin. 2003 erschienen ihre autobiographischen Erinnerungen unter dem Titel: »Lotte Ulbricht. Mein Leben«.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Ullmann, Hermann

* 19.1.1902 – ✝ 15.12.1981

Geb. in Raschwitz; Vater Zollbeamter; Volksschule; Schriftsetzerlehre; Tierpfleger beim Zirkus Straßburger, Reiter, Dresseur; nach Übernahme des jüd. Unternehmens durch Zirkus Busch Berlin dort bis 1940; dann bei Zirkus Jacob Busch. Ab 1960 Staatszirkus der DDR; 1970 Manegenabschied; danach noch Haustierdressuren für die DEFA; Altmstr. der Pferdedressur in der DDR, zahlr. Gruppen, u. a. Berberhengste, Brauereipferde, Pinzgauer, aber auch Dressur von Exoten, Elefanten; Hohe Schule gem. mit Ehefrau Hildegard Norris; Lehrmstr. für viele Pferde- u. Exotendresseure des Staatszirkus; gest. in Berlin.Gilsenbach, R.: Die Jacobsleiter. Berlin 1986.Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Ullrich, Klaus

* 24.2.1928 – ✝ 20.1.2017

Geb. in Berlin; Vater Angest.; Gymnasium in Berlin u. Saalfeld bis 10. Kl.; dann Luftwaffenhelfer; Juni 1945 Beginn der journalist. Tätigkeit als Volontär bei der »Dt. Volksztg.« in Berlin; 1945/46 KPD/SED; 1946 – 90 in der Red. »Neues Dtl.« zunächst Lokalreporter, dann Sportred.; ab 1946 Mitgl. des VDP bzw. VDJ; ab Konstituierung 1948 Mitgl. des DS; ab Gründung 1957 Mitgl. des DTSB u. bis 1989 des Bundesvorst.; ab 1952 Ltr. der Sportabt. des »Neuen Dtl.«; 1953 Mitgl. des Red.-Kolleg.; ab 1954 Org.-Ltr. (Directeur) der Internat. Radfernfahrt für den Frieden; 1954/55 Fernstudium an der Journalist. Fak. der KMU Leipzig; 1967 – 69 Präs. des Dt. Radsportverb.; 1978 – 88 Vors. der Sportjournalistenvereinigung im VDJ; ab 1979 Vorstandsmitgl., später Gen.-Sekr., dann Vizepräs. der Europ. Sportjournalisten-Union (UEPS); 1982 – 89 Mitgl. des ZV des VDJ; 1983 Prom. zum Dr. paed. an der DHfK Leipzig; 1990 Vorruhestand; 1991 – 2006 Ltr. des Spotless-Verlags; Halbbruder von  Werner Eberlein.Geschichte der Olymp. Spiele. Berlin 1975; Coubertin. Biogr. Berlin 1979; Befehdet seit dem ersten Tag. Der kalte Krieg gegen die DDR. Berlin, Frankfurt (Main) 1981 (mit E. Heinrich); Spurt durchs Leben. Versuch einer lückenfüllenden Bilanz. Berlin 2003; Wer ist, wer war Dtl.? Berlin 2005; Die kleine Troika. Berlin 2005; Margot Honecker die rote First Lady (K. Huhn). Berlin 2009; Raubzug Ost: Wie die Treuhand die DDR plünderte (K. Huhn). Berlin 2009.Klaus Gallinat

Wer war wer in DDR

Tschapek, Gustav

* 7.9.1898 – ✝ 4.4.1968

Geb. in Wiese (Krs. Friedland, Böhmen/Lonka u Litvínova, Tschechien); Vater Arbeiter; Volksschule; 1912 – 14 Landarb.; 1915/16 Arbeiter; 1916 – 18 Soldat in der österr.-ungar. Armee; 1918 – 21 Landarb.; 1919 SPČ; 1921 KPČ; 1921 – 26 Farbkoch; 1926 – 28 Bauarb.; 1928 Sekr., 1930 Geschäftsf. im Roten Textilarbeiterverb.; 1931 vier Wochen Haft; 1938 Militärdienst; 1939 Emigr. in die UdSSR; Arbeit im Traktorenwerk in Stalingrad, ab 1941 Kasachstan; 1943 Pol.-Instrukteur in Kriegsgefangenenlagern. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Einstellung bei der VP, Landesverw. Sachsen, K 5 (Pol. Polizei); 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 MfS), Ltr. der Krs.-Dienststelle Bautzen; 1951 stellv. Ltr. der Abt. VI (Abwehr MdI/DVP), MfS Berlin; 1953 Oberst-Ltn.; 1954 Vors. der SED-KPKK im MfS; 1964 Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Tschuikow, Wassili Iwanowitsch

* 12.2.1900 – ✝ 8.3.1982

Geb. in Serebrjanyje Prudy (b. Moskau); Schlosser; 1917 Matrose; 1919 Mitgl. der KPR(B) bzw. KPdSU; 1919 Regt.-Kdr.; bis 1925 Militärakad. Frunse; 1927 Militärberater in China; danach versch. Kdo.-Stellungen in Infanterie- u. Panzerregt., Oberst; ab 1941 Oberbefehlshaber der 64. bzw. der 62. Armee, führend an der Stalingrad-Schlacht u. nach deren Umbildung zur 4. Gardearmee entscheidend an der Einnahme Berlins beteiligt; 1944 u. 1948 Held der Sowjetunion. 1945/46 Chef der SMA in Thür.; 1946 – 49 stellv. bzw. 1. stellv. Oberbefehlshaber u. März 1949 – 53 Oberbefehlshaber der Gruppe der sowj. Besatzungstruppen in Dtl.; 1949 Oberster Chef der SMAD (Nachf. von  Wassili D. Sokolowski); 1949 – 53 Vors. der SKK; er blieb profillos u. galt als »Fachmilitär«; 1952 – 61 Kand. u. ab 1961 Mitgl. des ZK der KPdSU; 1953 – 60 Chef des Militärbez. Kiew; 1960 – 64 Chef der Infanterietruppen der Sowj. Armee u. stellv. Verteidigungsmin. der UdSSR; 1955 Marschall der Sowjetunion; 1961 – 72 Chef der sowj. Zivilverteidigung; ab 1972 Gen.-Inspekteur des Verteidigungsmin. der UdSSR; Deputierter des Obersten Sowjets der UdSSR; gest. in Moskau.Konez tretego reicha. Moskwa 1973; Sraschenije weka. Moskwa 1975; Gardisten auf dem Weg nach Berlin. Berlin 1976; Od Stalingrada do Berlina. Moskwa 1980; Die Schlacht des Jahrhunderts. Berlin 1980; Missija w Kitaje – sapiski wojennogo sowetnika. Moskwa 1981. Foitzik, J.: Sowj. Militäradministration in Dtl. (SMAD) 1945 – 1949. Berlin 1999.Jan Foitzik

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tünnermann, August

* 18.8.1896 – ✝ 23.12.1982

Geboren am 18. August 1896 in Rolfshagen bei Obernkirchen/Krs. Rintelen, Sohn eines Korbmachers; lernte Schlosser, war anschließend Maschinist und Büromaschinenmechaniker. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, schwer verwundet, er verlor das rechte Bein. Erst 1920 aus dem Lazarett entlassen, dann Arbeiter auf dem Kalibergwerk Friedrichshall in Sehnde in Niedersachsen. 1921 trat er in die KPD ein, leitete die KPD-Ortsgruppe in Sehnde und wurde Mitglied der BL Niedersachsen, zeitweise Leiter der Abteilung Land und ab 1932 Mitglied des Sekretariats. Von 1925 bis 1933 Kreistagsabgeordneter und 1931/32 Abgeordneter des Provinziallandtags von Hannover. Tünnermann wurde im April 1932 in den Preußischen Landtag gewählt. Am 27. April 1933 festgenommen, saß er bis April 1934 in »Schutzhaft«. Danach in der Landwirtschaft tätig, im September 1939 erneut inhaftiert, 1940 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, Arbeiter. Von Mai bis November 1945 Landrat in Burgdorf, anschließend Sekretär der KPD Burgdorf, er gehörte von 1946 bis 1950 dem Sekretariat des KPD Niedersachsen an, bis zum Parteiverbot Mitarbeiter für Org. und Kader. Er war 1946 Abgeordneter und Vizepräsident des ernannten Hannoverschen Landtages, 1968 Mitglied der DKP. August Tünnermann starb am 23. Dezember 1982 in Sehnde.

Wer war wer in DDR

Turra, Mario

* 27.9.1920 – ✝ 16.6.2003

Geb. in Falkenstein (Vogtl.); Vater Deutsch-Italiener; aufgew. in Pulsnitz; Lehre als Dekorateur; danach Schauspielunterricht; 1969 Abschl. als Dipl.-Theaterwiss. an der Theater-HS Leipzig; erste Rollen in Zwickau u. Heidelberg; 1943 zwangsverpflichtet zur Arbeit bei der Reichsbahn. Ab 1945 wieder Schauspieler, 1948 Übersiedl. nach Wien, Rollen am Burgtheater u. an der Scala, polit. Kabarett; KPÖ; 1957 Übersiedl. in die DDR, ab 1960 DDR-Staatsbürgerschaft; SED; Schauspieler in Wittenberg, dann Kabarettist in Meiningen, zus. mit Ehefrau Hannelore Strick beteiligt am Aufbau des Arbeiter- u. Bauern-Theaters Bauerbach; danach Mitarb. im ZV der Gew. Kunst; ab 1964 künstler. Dir. u. stellv. GD des VEB Zentral-Zirkus (ab 1980 Staatszirkus der DDR); wesentl. Einfluß auf die Entw. der artist. Darbietungen des Staatszirkus der DDR; ab 1985 Ruhestand; zahlr. kleinere Rollen bei der DEFA u. im DFF; 1960 NP, 1973 Kunstpreis der DDR; gest. in Berlin.Das Lachen des Clowns. Berlin 1972. Hoffmann, K.: Vom Trentino nach Ost-Berlin. Stationen im Leben des M.T. In: Italiener im Prenzlauer Berg. Berlin 1997.Dietmar Winkler

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Tzschoppe, Herbert

* 2.7.1927

Geb. in Teuplitz (Krs. Sorau, Prov. Brandenb. / Tuplice, Polen); Vater Tafelglasmachermstr., Mutter Arbeiterin; Volksschule in Neupetershain (Krs. Calau, Niederlausitz); 1942 – 44 Lehre als Verwaltungsangest. beim Rat der Gemeinde Neupetershain; 1944 / 45 RAD. 1945 KPD, 1946 SED; April – Juni 1945 Gemeindearb., 1945 – 50 Angest. beim Rat der Gemeinde Neupetershain; 1949 / 50 Landesverwaltungsschule in Königs Wusterhausen; 1950 Org.-Instrukteur im Min. für Gesundheit u. Arbeit der brandenburg. Landesreg. in Potsdam; 1950 – 52 Referent der Abt. Staatl. Organe der SED-LL Brandenb.; 1953 1. Sekr. der SED-KL Königs Wusterhausen; 1953 – 63 Vors. des Rats des Krs. Potsdam-Land; 1956 – 62 Fernstud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1963 – 71 stellv. Ltr. des Büros für Landwirtschaft u. Ltr. der Abt. Landwirtschaft der SED-BL Potsdam; 1963 bis Mai 1990 Abg. des Bezirkstags Potsdam; 1964 – 89 Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1966 / 67 Fernstud. an der FS für Landwirtschaft, staatl. geprüfter Landwirt; 1967 – 69 Fernstud. an der Agraringenieurschule Oranienburg, Agraring.; 1971 – 77 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Potsdam, 1977 – Mai 1990 Vors. des Rats des Bez. Potsdam (Nachf. von  Werner Eidner); 1980 / 81 Stud. an der AfG des ZK der KPdSU in Moskau; 1983 Prom. an der PH Potsdam zum Dr. phil. mit einer Arbeit zum Thema »Die Aufgaben des Rates des Bezirkes Potsdam bei der Durchführung der Beschlüsse des X. Parteitages der SED, nachgewiesen insbesondere an der wirtschaftlich-organisatorischen Funktion des sozialistischen Staates«; 1985 – 90 Mitgl. des Wiss. Rats der ASR Potsdam-Babelsberg; ab Juli 1990 Vorruhestand, seit 1990 parteilos; seit 1992 Rentner. AnH U

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Uhlendahl, Heinrich

* 4.3.1886 – ✝ 28.12.1954

Geb. in Essen-Borbeck; Vater Eisenbahnbeamter; 1905 – 12 Studium der Germanistik, Gesch. u. Philos. an den Univ. Berlin u. Münster, 1912 Prom. zum Dr. phil.; 1914 – 18 Sold. im Ersten Weltkrieg; 1919 Bibliotheksass., 1921 Bibliothekar, 1923 in der Generalverw. der Preuß. Staatsbibliothek in Berlin; 1924 Berufung zum Dir., 1938 GD der Dt. Bücherei in Leipzig; setzte sich vor allem für internat. Beziehungen zwischen den Bibliotheken, die Erwerbung auch von Exilliteratur u. den Ausbau als zentrale wiss. Bibliothek ein; außerdem 1924 – 28 stellv. Vors. des Vereins Dt. Bibliothekare, 1927 Mitbegr. des Internat. Verb. der Bibliothekarvereine; 1933 kurz inhaftiert, aber wg. seines internat. Ansehens entlassen u. in der Funktion des Bibliotheksdir. belassen. 1945 Vors. des Prüfungsaussch. für Bibliothekare in Sachsen, Sachsen-Anh. u. Thüringen; Nov. 1945 als GD der Dt. Bücherei von der SMA bestätigt; gest. in Leipzig.Rötzsch, H., Pleßke, H.-M.: Die Dt. Bücherei in Leipzig. Leipzig 1987; Dt. Bibliograph. Enzyklopädie. Bd. 10, München 1999.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Uhlmann, Armin

* 19.2.1930

Geb. in Chemnitz; Vater Angestellter; 1936 / 45 Volksschule in Neukirchen / Erzgeb., ab 1945 OS Chemnitz, dort 1948 Abitur; 1948 SED; 1948 / 49 Instrukteur der FDJ-KL Chemnitz; 1949 – 54 Studium der Math. u. Physik an der Univ. Leipzig, Dipl.-Mathematiker; anschl. Aspirantur, 1957 Prom. (Normierte Divisorfunktionen) bei Erich Kähler; 1958 – 60 Ass. am Theoret.-Physikal. Inst. der FSU Jena; 1960 Habil. »Über den Begriff der Energie bei gekrümmter Raum-Zeit-Mannigfaltigkeit« an der KMU Leipzig, dort 1960 Doz., 1962 ord. Prof. für Theoret. Physik; 1965 – 67 u. 1973 – 75 Forschungsaufenthalt am Vereinigten Inst. für Kernforschung in Dubna; 1967 – 69 Dir. des Theoret.-Physikal. Inst., 1970 – 73 u. 1982 – 85 Dir. der Sektion Physik, 1976 – 85 Ltr. des naturwiss.-theoret. Zentrums der KMU; 1963 – 81 Nachfolgekand. für die Volkskammer (KB); ab 1967 Mitgl. des Präsidialrats des KB; ab 1971 Mitgl. der SED-KL an der KMU; 1970 Korr. Mitgl., 1972 Ord. Mitgl. der AdW; 1981 Mitgl. der Sächs. AdW; 1973 NP; 1979 Gustav-Hertz-Preis der KMU. 1995 Ruhestand; lebt in Leipzig. U. zählt zu den führenden theoret. Physikern der DDR, wirkte in Leipzig schulbildend. Seine Forschungen betreffen die Quantenelektrodynamik u. Elementarteilchenphysik sowie die Grundlagen der statist. Physik (Quantenstatistik, Ordnungsrelationen).Dissipative Motion in State Spaces. Leipzig 1981 (mit P. M. Alberti); Stochasticity and Partial Order. Berlin 1981 (mit P. M. Alberti); Mitarbeit am Lehrbuch der math. Physik (Hrsg. W. Thirring), Heidelberg, New York 1993.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhrig, Pius

* 3.7.1896 – ✝ 10.1.1973

Geboren am 3. Juli 1896 in Plittersdorf/Rastatt, Sohn eines Landwirts. Bis 1915 auf dem väterlichen Hof tätig, dann bis 1918 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der SPD, 1922 der KPD. Er blieb bis 1922 als Landwirt in Plittersdorf, danach in der Rastatter Waggonfabrik beschäftigt, ab 1923 Betriebsrat. Seit 1922 für die KPD im Gemeinderat, übernahm Uhrig 1931 den Vorsitz des kommunistischen »Reichsbauern- und Pächterbundes«. Im Juli 1932 wurde er als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Herausgeber der »Roten Sturmfahne«, des Parteiblattes der Rastatter KPD. Am 1. März 1933 festgenommen, war er bis Ende 1933 im KZ Heuberg in »Schutzhaft«. Anschließend lebte er zurückgezogen in Plittersdorf als Landwirt. 1943 und 1944 erneut verhaftet, zuletzt kam er in das KZ Dachau. Zurückgekehrt, wurde Uhrig von den französischen Besatzungsbehörden am 1. Juni 1945 als Landrat des Kreises Rastatt eingesetzt. Nach der Wahl des Kreistages im Herbst 1946, die eine Mehrheit für die CDU brachte, lehnten deren Vertreter die Bestätigung Uhrigs auf diesem Posten ab. Offiziell blieb er noch bis März 1947 in Rastatt, ging dann für ein Jahr als Landrat nach Lahr. Danach wieder in Plittersdorf, ab 1949 betrieb er einen Großhandel von Landesprodukten, 1950 Handel mit Holz und Kohlen. Politisch zurückgezogen, starb Pius Uhrig am 10.Januar 1973 in Plittersdorf. An das Wirken Pius Uhrigs, des ersten Landrats des Kreises Rastatt nach dem Ende des Nationalsozialismus, erinnert eine dort im Jahre 2001 angebrachte Gedenktafel.

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Ukenings, Dieter

* 2.9.1943

Geb. in Memel (Ostpr. / Klaipeda, Litauen); Vater Schweißer; 1949 – 57 Grundschule; 1957 – 60 Lehre, 1960 – 65 Arbeit als Metallgewebemacher in Neustadt (Orla); 1965 / 66 Dreher im VEB Wema Saalfeld, 1966 – 69 dort FDJ-Sekr. u. Besuch der Volksschule, Abschluß der 10. Klasse; 1967 SED; 1969 / 70 Studium an der SED-BPS Bad Blankenburg; 1970 – 72 polit. Mitarb. der SED-KL Saalfeld; 1972 / 73 polit. Mitarb. der SED-BL Gera; 1973 – 1976 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1976 – 78 erneut polit. Mitarb. der SED-BL Gera; 1978 – 81 2. Sekr. der SED-KL Pößneck; 1981 – 86 1. Sekr. der SED-KL Schleiz; 1986 – 89 2. Sekr. der SED-BL Gera; 1990 Mitarb. im Bezirksvorst. Gera der SED-PDS, dann arbeitslos. Nach 1990 Mitarb. in einem Verlags- u. Werbebüro.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ulbricht, Richard

* 8.5.1873 – ✝ 20.9.1937

Geboren am 8. Mai 1873 in Altenburg; lernte Schlosser und Dreher, arbeitete später in München, von 1909 bis 1917 bei Zeiss in Jena und später bis 1930 bei verschiedenen Firmen in Berlin. 1913 trat er in die SPD, 1917 in die USPD ein. Als Spezialist in einem kriegswichtigen Betrieb vom Militärdienst befreit, gehörte er 1916 zu den Mitorganisatoren der Osterkonferenz der sozialistischen Arbeiterjugend in Jena. Seit 1919 Mitglied der KPD, Anfang der zwanziger Jahre übersiedelte Ulbricht nach Berlin. Er war 1920/21 Angehöriger der Wachmannschaft der KPD-Zentrale in der Rosenthaler Straße, er soll für den AM-Apparat tätig gewesen sein. Anfang 1930 meldete er sich für einen längeren Arbeitsaufenthalt in die Sowjetunion. Gemeinsam mit seiner Frau Marie Ulbricht, geborene Gestribow (* 28. 7. 1885 – † 31. 5. 1958), reiste er im September 1930 nach Moskau und arbeitete dort als Facharbeiter in der Nähe Moskaus im Werk Nr. 3 in Orechowo-Sujewo. Am 20.September 1937 vom NKWD verhaftet, wurde Richard Ulbricht bereits am 3. November 1937 in Butowo erschossen, Marie Ulbricht wurde 1940 nach NS-Deutschland ausgewiesen.

Wer war wer in DDR

Ullmann, Wolfgang

* 18.8.1929 – ✝ 30.7.2004

Geb. in Bad Gottleuba (Sachsen); Vater Steuerbeamter; 1938 Übersiedl. nach Dresden; 1948 Abitur; 1948 – 50 Theol.-Studium an der Kirchl. HS in Berlin (West), 1950 – 54 Studium der Theol. u. Philos. in Göttingen; kurze Zeit Mitgl. der Gesamtdt. Volkspartei; Prom. zum Dr. theol. mit einer Arbeit über Augustinus; 1954 Rückkehr in die DDR; anschl. bis 1963 Pfarrer in der Landgemeinde Kölpenitz (b. Freiberg, Sachsen); 1963 – 78 Doz. für Kirchengeschichte am Katechet. Oberseminar in Naumburg (Saale); 1978 – 90 Kirchenhistoriker am Sprachenkonvikt in Berlin, lehrte Kirchengeschichte sowie Welt- u. Rechtsgeschichte; seit 1975 Vortragsreisen nach Westeuropa u. in die USA; Delegierter der ev. Kirche der DDR zu Tagungen des Weltkirchenrats; 1986 – 89 Mitarb. im opp. Arbeitskrs. »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung«; Sept. 1989 Erstunterz. des Gründungsaufrufs der Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ); 1989 – 91 Mitgl. des DJ-Sprecherrats; Mitinitiator u. Teilnehmer des Zentr. Runden Tischs; Initiator der Arbeitsgr. »Wahlgesetz« u. Mitgl. der Arbeitsgr. »Neue Verfassung der DDR« des Runden Tischs; Febr. – April 1990 Minister ohne Geschäftsbereich in der zweiten Reg.  Hans Modrow, hier bes. Einsatz für die Auflösung des MfS; April – Okt. 1990 Mitgl. der Fraktion Bündnis 90 / Grüne u. Vizepräs. der letzten Volkskammer. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags für Bündnis 90 / Die Grünen, Mitarb. im Innen-, Rechts- u. im Verteidigungsaussch.; Sept. 1991 Mitgl. des Gründungssprecherrats u. Mai 1992 Wahl in den Bundessprecherrat der Partei Bündnis 90, 1992/93 prominenter Befürworter der Vereinigung zw. Bündnis 90 u. den Grünen; 1991 Mithrsg. des Verfassungsentwurfs des Kuratoriums für einen demokrat. verfaßten Bund Dt. Länder; 1991 – 93 Mitgl. der Gem. Verfassungskommission des Bunds u. der Länder, Austritt aus Protest gegen den Entwurf der Kommission; 1994 Theodor-Heuss-Med.; 1994 – 99 Mitgl. des Europ. Parl.; 1999 Gründungsmitgl. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; Mithrsg. der ost-westdt. Wochenztg. »Freitag«; gest. während eines Urlaubs in Adorf (Sachsen).Demokratie – jetzt oder nie! München 1990; Das Ende der Utopien. Berlin 1992; Verfassung u. Parlament. Berlin 1992 (hrsg. v. B. Maleck); Zukunft Aufklärung: eine Bestandsaufn. nach dem Ende der Utopien. Berlin 1995; Geduld, liebe Demut! Leipzig 1998. Maleck, B.: W. U.: »Ich werde nicht schweigen.« Berlin 1991; Nachrufe in »Freitag« 6.8.2004.Jan Wielgohs

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Ullrich, Lothar

* 31.3.1932

Geb. in Berlin; 1951 Abitur; 1951 – 56 Studium der Philos. u. Kath. Theol. in Fulda, Erfurt u. Neuzelle; 1956 Priesterweihe in Berlin-Reinickendorf; Kaplan in Prenzlau; 1958 Assistent am Lehrstuhl für Dogmatik des Regional-Priesterseminars / Studium Erfurt; 1962 Subregens am Priesterseminar Huysburg bei Halberstadt; 1965 Regens am Regional-Priesterseminar / Alumnat Erfurt; 1967 Dr. theol. mit der Arbeit »Fragen der Schöpfungslehre nach Jakob von Metz O. P.« (Leipzig 1966); 1967 Lehraufträge für Dogmatik u. Propädeutik am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; 1970 Doz. für Dogmatik; 1974 ord. Prof. für Dogmatik am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; 1976/77, 1983/84 u. 1988/89 Rektor des Philos.-theol. Studiums Erfurt; 1983 Gastprof. am Katechet. Oberseminar Naumburg (Saale); 1989 Dr. theol. h. c. der Akad. für Kath. Theol. in Warschau; Mitgl. u. Mitarb. in versch. theolog. Gremien: seit 1966 im Ökumen.-Theolog. Arbeitskrs. in der DDR bzw. den neuen Bundesländern; seit 1981 Mitgl. des internat. Wiss. Beirats des Johann-Adam-Möhler-Inst. in Paderborn; 1986 – 93 Mitgl. der Gem. Kath.-Luth. Dialogkommission; 1988/89 Berater bzw. Delegierter bei der Ökumen. Vers. in der DDR u. der Europ. Ökumen. Vers. in Basel; 1988 – 92 Mitarb. bei der Durchführung der 4. u. 5. Europ. Ökumen. Begeg. der Konferenz Europ. Kirchen u. des Rats der Europ. Bischofskonferenzen (CCEE) in Erfurt u. Santiago de Compostela; Dez. 1989 Gründungsmitgl. d. Europ. Ges. f. Kath. Theol. Seit 1991 Mitgl. des Ökumen. Arbeitskrs. ev. u. kath. Theologen in der Bundesrep. Dtl.; seit 1992 Fachgutachter der Dt. Forschungsgem.; Verf. von Aufsätzen u. Buchbeitr. zu Themen d. systemat. u. ökumen. Theol.; seit 1990 Mithrsg. der ökumen.-theolog. Zeitschr. »Catholica« u. »Ökumen. Rundschau«, Fachberater für Ökumen. Theol. bei der 3. Aufl. d. Lexikons f. Theol. u. Kirche (Freiburg 1993 ff.); 2001 em.Diasporakirche gestern u. morgen. In: Einheit in Vielheit. Leipzig 1974; Die ekklesiolog. Provokation ökumen. Erneuerung. In: Ökumen. Rundschau (1987) 36; Bewahrung der Schöpfung. In: Glauben u. Erkennen. Fs. der Ev. Forschungsakad. für J. Rogge. Berlin 1989; Zur Lage der kath. Theol. in der ehem. DDR. In: Bulletin der Europ. Ges. für Kath. Theol. (1991) 1; Kirche in säkularer Diaspora – Mittel- u. ostdt. Erfahrungen. In: Cartell Ruper, Mayer, Mitt.-Bl. 2 (Aug. 1993).Clemens Brodkorb

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Tscheschner, Dorothea

* 27.12.1928

Geb. in Brieg (Schles. / Brzeg, Polen); Vater Architekt; 1935 – 38 Volksschule, 1938 – 44 Oberschule Brieg; 1944 / 45 Panzergräbenbau für die Wehrmacht; 1946 / 47 in poln. u. sowj. Zwangsarbeiterlagern, anschl. bis 1948 im Flüchtlingslager Hoyerswerda u. Chemnitz. 1948 / 49 Ausbildung zur Bau- u. Möbeltischlerin; 1949 – 52 Studium an der Techn. Akad. Chemnitz u. ab 1952 an der FS für Bauwesen Görlitz (erste Frau im Studiengang), Ing. für Architektur; 1952 – 56 Studium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing. für Architektur; 1956 Architektin im Entwurfsbüro für Hochbau der Stadt Gera, Planungen für das zerstörte Zentrum; 1957 – 59 wiss. Mitarb. bei Georg Funk am Lehrstuhl. für Städtebau der TU Dresden; 1958 1. Preis beim Wettbewerb Magdeburg-Nord (im Kollektiv G. Funk); 1959 – 74 Mitarb. im Städtebaukollektiv der Abt. Städtebau u. Architektur des Magistrats von Berlin (bei  Erhardt Gißke); 1961 Goethe-Preis 1. Klasse; 1962 (mit  Peter Schweizer) Wettbewerb Thälmann-Platz Halle (Saale); 1963 Wettbewerb Stadtzentrum Sofia (im Kollektiv P. Schweizer); 1964 1. Preis beim Aufforderungswettbewerb Alexanderplatz; 1967 1. Preis beim Aufforderungswettbewerb Leninplatz, Berlin (Ltg.  Hermann Henselmann); 1966 – 71 Prom. zum Dr.-Ing an der HAB Weimar; 1974 – 90 Mitarb. im Bezirksbauamt Berlin mit Schwerpunkt Entw. Typengebäude für Wohngebiete; 1961 – 90 Korr. Mitgl. der DBA. 1990 – 99 Bauschätzerin für die Feuersozietät Berlin (Gutachten zur Bauschätzung Dom, Brandenburger Tor, Charitékliniken); freischaff. Bauhistorikerin, Publizistin; lebt in Berlin-Mitte.Die Kongreßhalle in Bad Orb / Spessart. In: Dt. Architektur (1956) 8; Der Wiederaufbau des hist. Zentrums in Ost-Berlin. In: Berlinische Galerie. Berlin 1990 (Hrsg.); Der Ideenwettbewerb zur soz. Umgestaltung des Zentrums der DDR. In: Engel, H., Ribbe, W. (Hrsg.): Hauptstadt Berlin: Wohin mit der Mitte? Berlin 1993; Das abgerissene Außenministerium der DDR in Berlin-Mitte. Planungs- u. Baugeschichte. Senatsverwaltung Bauen, Wohnen u. Verkehr. Berlin 1999; Die sechzehn Grundlagen des Städtebaus. In.: Scheerer, T., Kleihues, J. P.: Berlin – Stadt der Archi¬tektur. Berlin 2000; Das Stadthaus – Instandsetzung, Umbauten u. Umnutzung 1945 – 90. In: Schäche, W.: Das Stadthaus. Berlin 2001. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Müller, P.: Symbolsuche – Ostberlin. Berlin 2005; Urban, F.: Berlin / DDR – neohistorisch. Berlin 2007.Volker Wagner

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Tübke, Werner

* 30.7.1929 – ✝ 27.5.2004

Geb. in Schönebeck (Elbe); in der Schulzeit Zeichenunterricht bei Karl Friedrich in Magdeburg; 1945 – 47 Malerlehre in Schönebeck u. Besuch der Mstr.-Kl. für Handwerk in Magdeburg; 1948 – 50 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig, 1953/54 EMAU Greifswald (Kunsterziehung u. Psychol.); 1953/54 wiss. Mitarb. am Leipziger Zentralhaus für Volkskunst; 1954 freischaff.; 1955 – 57 Assistent an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig; seit 1963 dort Lehrtätigkeit; 1967 Doz.; 1972 Prof.; 1974 – 76 Rektor (Nachf. von  Albert Kapr); 1982 Mitgl. der Königl. Akad. der Schönen Künste Stockholm; 1983 AdK; 1985 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1989 Vizepräs. des VBK; 1974, 1982 u. 1987 NP; Studienreisen in viele Länder; gest. in Leipzig. Werke: Viehzuchtbrigadier Bodlenko (1962), Sieben Fassungen der Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze (1965 – 67), Am Strand (1967), Nat.-Komitee »Freies Dtl.« (1970/71), Wandbild »Arb.-Kl. u. Intelligenz« für die KMU Leipzig (1972/73), Sizilian. Großgrundbesitzer mit Marionetten (1973), Chilen. Requiem (1974), Ende der Narrengerichtsbarkeit (1978), Frühbürgerl. Rev. in Dtl. (1:10-Fassung 1979 – 81, Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen 1981 – 87), Selbstbildnis mit roter Kappe (1988).W. T. Reformation – Rev. Panorama Frankenhausen (einl. Text: K.-M. Kober). Dresden 1988; Meißner, G.: W. T. Leipzig 1989; Kat. W. T. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Lithogr. Nat.-Galerie der Staatl. Museen zu Berlin 1989.Anke Scharnhorst

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Turba, Kurt

* 1.4.1929 – ✝ 3.12.2007

Geb. in Leitmeritz (ČSR / Litoměřice, Tschechien); Vater Buchhalter u. Bankangest., Mutter Verkäuferin; 1935 – 39 Volksschule in Leitmeritz u. Prag; 1939 – 44 OS in Prag; 20.4. 1943 – 45 HJ, Sportwart, Kameradschaftsführer; 1945 HJ-Schanzeinsatz. Juni 1945 – Sept. 1946 Ausbildung zum Landwirt in Břežany (b. Brno, ČSR), ab 1946 in Gaschwitz (b. Gera); 1946 Dolmetscher im Lager für Umsiedler in Rouchnice; 1946 FDJ; 1947/48 OS in Gera, Abitur; 1948 SED; 1948 KPS Luisenthal; 1948 Instrukteur beim Rat des Krs. Gera; 1948/49 Studium der Geschichte, Staats- u. Rechtswiss. an der FSU Jena; 1949/ 50 Instrukteur für Hochschulfragen im FDJ-LV Thür.; Juli 1950 Abt.-Ltr. Hochschulen im ZR der FDJ; Jan. 1952 vom Sekr. des ZK der SED auf Vorschlag des ZR der FDJ als Studentensekr. bestätigt; Dez. 1952/Frühj. 1953 interne Auseinandersetzungen um die Studentenztschr. »Forum«, Parteiverfahren gegen K. T. als pol. Verantw. (Rüge); auf der 6. Tagung des ZR der FDJ am 16.8.1953 von  Erich Honecker als Studentensekr. abgesetzt; 1953 – 63 (bis 1961 ohne Namensnennung im Impressum) Chefred. des »Forums«, das sich unter K. T., vor allem in den 60er Jahren, zu einer vergleichsw. geistig offenen, problemorientierten u. typograph. modern aufgemachten Ztschr. mit starkem Leserzuspruch aus intellektuellen Krs. entwickelte, der auch außerhalb der DDR Aufmerksamkeit geschenkt wurde; K. T. konnte mit dem »Forum« red. Kontakte zur Hamburger »Zeit« aufnehmen (Besuch Marion Gräfin Dönhoffs in der DDR 1964, von Bedeutung im Vorfeld der neuen Ostpol. der SPD); Juli 1963 auf persönl. Initiative  Walter Ulbrichts als Vors. der Jugendkommission beim PB des ZK der SED eingesetzt, federführende Mitarb. am ZK-Beschluß »Der Jugend Verantwortung u. Vertrauen« (»Jugendkommuniqué«) vom 17.9. 1963, das als Zeichen für Wandlungs- u. Modernisierungsbestrebungen in der SED-Jugend-, Kultur- u. Wissenschaftspol. galt (unter Erich Honecker als »falsche Orientierung« u. »Revisionismus« verurteilt); nach Rücknahme der Reformpol. auf dem 11. Plenum des ZK u. im Jan. 1966 als Vors. der Jugendkommission beim PB u. Ltr. der Abt. Jugend des ZK der SED entlassen, 10.2.1990 von der PDS-Schiedskommission rehabilitiert; 1966 – 90 red. Mitarb. in der Nachrichtenagentur ADN; später stellv. Chefred. des Ressort Inland; gest. in Berlin.Die Arbeit der Freien Dt. Jugend an den Univ., Hoch- u. Fachschulen. Berlin 1953. Dönhoff, M., Leonhardt, R. W., Sommer, T.: Reise in ein fernes Land. Berichte über Kultur, Wirtschaft u. Pol. in der DDR. Hamburg 1964; Bresch, U.: FDJ-Studentensekr. (1946 – 1989.) In: Jahresbericht 1992 des Inst. für zeitgeschichtl. Jugendforschung. Berlin 1992; Schuster, U.: Seine Intelligenz führte zu einer für ihn ungesunden Entw. Bemerkungen anhand einer DDR-Biogr. In: Gotschlich, H. (Hrsg.): Links u. Links u. Schritt gehalten ... Die FDJ. Konzepte – Abläufe – Grenzen. Berlin 1994.Ulrike Schuster / Helmut Müller-Enbergs

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Tuttas, Karl

* 24.10.1903 – ✝ 18.10.1978

Geboren am 24. Oktober 1903 in Horst-Emscher, Sohn einer Arbeiterfamilie. Landarbeiter, von Anfang 1920 bis April 1931 Bergmann auf verschiedenen Zechen in Deutschland. Seit 1921 in der KJD, seit 1928 Mitglied der KPD. 1931 Stadtteilleiter in Gelsenkirchen, hielt als Angehöriger des AM-Apparates auch Verbindung zu dem von Hans Ebeling (* 2. 9. 1897 – † 17. 5. 1968) geleiteten »Jungnationalen Bund«. 1933/34 Kursant an der M-Schule der Komintern, Schuldeckname Alber. Im August 1934 Rückkehr nach Deutschland, illegale Arbeit unter Heinrich Wiatrek als Leiter des Abwehrapparates (Deckname Ludwig) im Bezirk Niederrhein. Am 27. Mai 1935 in Düsseldorf festgenommen, unternahm Tuttas nach schweren Mißhandlungen im Polizeigefängnis einen Selbstmordversuch, er stürzte sich über das Treppengeländer hinab, erlitt schwere Kopfverletzungen und einen Unterschenkelbeinbruch. Am 7.September 1936 wurde er vom VGH im Verfahren mit Hans Israel u. a. zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in Lüttringhausen, Wolfenbüttel, Celle und Hameln. Im Juni 1945 Rückkehr nach Gelsenkirchen, später wohnte er in Herne, Mitglied und Funktionär der KPD, ab 1969 der DKP. Karl Tuttas starb am 18. Oktober 1978 in Fulda. 1980 veröffentlichte der Mitteldeutsche Verlag seine Lebenserinnerungen: »Einer von jenen. Erinnerungen.« Autobiographische Aufzeichnungen eines Ruhr-Kumpels an die NS-Zeit.

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Ubl, Günter

* 17.11.1936

Geb. in Bad Brambach (Vogtl.); Vater Lagerist, Mutter Hausfrau; Volks- u. OS; 1954 – 59 Studium an der Univ. Rostock, Dipl.-Ing. für Schiffbautechnik; 1958 SED; 1960 Investtechnologe auf der VEB Peenewerft Wolgast; 1960 – 63 Sektorenltr. im Inst. für Hochseefischerei Rostock; 1963 – 69 Fernstudium, Dipl.-Ing.-Ökonom; 1964 – 71 polit. Mitarb. der SED-BL Rostock, 1971 – 78 Sekr. der SED-GO im VEB Fischkombinat Rostock; 1975 / 76 Studium an der PHS; 1978 – 82 Sekr. für Wirtschaftspolitik der SED-KL Seeverkehr u. Hafenwirtschaft; 1978 Banner der Arbeit; 1983 –90 GD des VEB Fischkombinats Rostock (Nachf. von Alfred Hütte); Mitte 1990 bis Ende 1991 versch. Tätigkeiten bei der Entflechtung u. Privatisierung des Fischkombinats. 1993 Geschäftsf. der eigenen Fa. BALTIA Feinkost GmbH; nach Verkauf des Betriebs 1998 – 2000 stellv. GD des UAB (UZDAROJI AKCINE BENDROVE.) Ostseefisch Kretinga (Litauen); ab 2000 Rentner, lebt in Rostock.Andreas Herbst

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Uhlhorn, Oskar

* 11.11.1907 – ✝ 29.1.1976

Geboren am 11. November 1907 in Uelzen; Packer. Mitglied und Funktionär der KPD in Bremen, 1931 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach seiner Rückkehr hauptamtlicher Funktionär der KPD-BL Nordwest. 1932/33 Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft, übernahm Uhlhorn im Februar 1933 die Orgleitung der illegalen BL. Am 30. Juni 1933 festgenommen und am 6. Februar 1934 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Oskar Uhlhorn starb am 29. Januar 1976 in Bremen.

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Uhlmann, Wolfgang

* 29.3.1935

Geb. in Dresden in einer Bäckersfamilie; nach dem Volksschulabschl. 1949 – 52 Berufsausbildung zum Buchdrucker; danach kfm. Lehre u. bis 1960 tätig als Industriekfm.; seit 1949 aktiver Schachspieler bei Post Dresden; 1956 Internat. Mstr.; 1959 Internat. Großmstr.; ab 1960 hauptberufl. Schachtrainer beim SC Einheit / Post Dresden. Teiln. an zehn Schacholympiaden; elfmaliger DDR-Mstr. u. dreimaliger Sieger des Turniers von Hastings; 1970 Teiln. an den Kand.-Wettkämpfen zur Ermittlung des WM-Herausforderers; 1970 Mitgl. der Weltauswahl. Autor mehrerer Schachbücher, vor allem zur »Französischen Verteidigung«, als deren Spezialist W. U. gilt; Mitgl. des dt. Schach-Seniorenteams; 2006 dt. Schach-Seniorenmstr.; lebt in Dresden.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Uhrig, Robert

* 8.3.1903 – ✝ 7.6.1944

Geboren am 8. März 1903 in Leipzig, Sohn eines Schlossers; lernte Dreher, ging auf Wanderschaft und legte in Berlin die Ingenieurprüfung ab. 1920 trat er in die KPD ein. Seit 1929 im Versuchslabor für Radioröhren bei der Osram GmbH in Berlin, übernahm er Anfang 1933 die Leitung einer illegalen Betriebszelle der KPD. Im Juni 1934 festgenommen und am 28.November 1934 zu 21 Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte. Nach seiner Entlassung erneut im Widerstandskampf gegen die NS-Diktatur, leitete Uhrig ab 1938 verschiedene illegale Gruppen aus über 20 Rüstungsbetrieben in Berlin. Er stand 1938 in Kontakt mit dem in Prag residierenden Auslandssekretariat des ZK der KPD. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges konnte er das Netz der Widerstandsorganisation erweitern, hatte Verbindung zu Kommunisten in mehreren deutschen Großstädten. 1940/41 arbeitete er mit der von Josef (Beppo) Römer geleiteten Gruppe zusammen. Das von Uhrig herausgegebene Untergrundmaterial »Informationsdienst« berichtete über örtliche Mißstände und Verflechtungen betrieblicher Produktionsabläufe mit der Rüstungs- und Kriegswirtschaft des NS-Staates und rief zur Sabotage auf. Im Februar 1942 wurde die Gruppe zerschlagen. Robert Uhrig wurde am 4. Februar festgenommen, am 7. Juni 1944 vom VGH zum Tode verurteilt und am 21.August 1944 im Zuchthaus Brandenburg ermordet. Uhrigs zweite Frau Charlotte, geborene Kirst (*26. 2. 1907 – † 17. 10. 1992), Kontoristin, 1926 Mitglied der SPD, war von 1928 bis 1933 Sekretärin der SPD-Reichstagsfraktion, u. a. für Rudolf Breitscheid. Seit 1940 verheiratet mit Robert Uhrig, beschaffte sie 1941 geheime Unterlagen über die Rüstungsproduktion, die er der sowjetischen Botschaft zustellen ließ. Charlotte Uhrig wurde am 3. September 1943 festgenommen, vom VGH zwar am 17. April 1944 freigesprochen, jedoch bis Ende April 1945 im KZ Ravensbrück festgehalten. 1945/46 Leiterin des Frauenausschusses beim Bezirksamt Berlin-Schöneberg, später in der Deutschen Verwaltung des Innern bzw. bei verschiedenen DDR-Ministerien tätig, sie erhielt 1972 den VVO in Gold.

Wer war wer in DDR

Ulbricht, Lotte (Charlotte)

* 19.4.1903 – ✝ 27.3.2002

Geb. in Berlin-Rixdorf; Vater Hilfsarb., Hausdiener, Mutter Heimarb., Kleinbäuerin; Volks- u. Mittelschule bis 1919; dann Büroangest.; 1919 – 21 Arbeit als Stenotypistin in einer Berliner Fa.; 1919 – 24 Freie Soz. Jugend / KJD; 1920 ZdA; seit 1921 KPD; 1921/22 Stenotypistin beim ZK der KPD in Berlin u. bei der ZK-Abt. Bergbau in Essen; danach bei der BL der KPD in Essen; 1922/23 als Stenotypistin / Sekretärin bei der KJI in Moskau u. 1923/24 beim ZK der KPD in Berlin; dann von 1924 – 26 Stenotypistin bei der KPD-Reichstagsfraktion in Berlin; 1926/27 Archivarin bei der KJI in Moskau; 1927 – 31 Sekr. u. Stenotypistin in der UdSSR-Handelsvertr. in Berlin; 1931 – 35 Ref. bei der KI in Moskau; 1931 – 35 KPdSU (B); 1932/33 Fernstudium an der Akad. für Marx.-Lenin., 1933 – 35 Abendstudium an der KUNMZ in Moskau (nicht beendet); gleichz. Kurier für die OMS (»Margret Welter«); 1935 – 38 ehrenamtl. Mitarb. im Auslandsapparat des ZK der KPD; nach der Verhaftung ihres früheren Lebenspartners  Erich Wendt 1936 (obwohl bereits von ihm getrennt u. in Lebensgem. mit  Walter Ulbricht) einer Untersuchung der IKK unterworfen, Mai 1939 Rüge der IKK wg. »Abstumpfung der Klassenwachsamkeit« (1940 aufgehoben); 1938 – 40 Setzerin in der Druckerei für ausländ. Lit. in Moskau; 1940/41 Deutschlehrerin an einer Abendschule in Moskau; 1941 – 45 Hauptref. der KI u. Instrukteurin in Moskau. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 FDBG u. KB; 1945/46 Ltr. der Allgem. Abt. im ZK der KPD; ab Aug. 1946 als Red. des »Informations-Bulletins« in der ZK-Abt. Presse u. Information, dort zeitw. Ltr. des Informationsdienstes; April 1947 – Juli 1953 persönl. Mitarb. von Walter U. im ZK der SED; 1950 Heirat mit Walter U.; 1953 zum Studium an das IfG beim ZK der SED delegiert; 1950 – 18.7. 1953 Mitgl. der Red.-Kommission der theoret. Ztschr. der SED »Einheit«; 1950 – 53 Mitgl. der Frauenkommission beim SED-PB; 1954 – 59 Studium am IfG (wiss. Aspirantur), Dipl.-Ges.-Wiss.; 1955 Clara-Zetkin-Medaille; 1959 VVO; 1959 – 73 wiss. Mitarb. am IML; dort von Nov. 1959 – Jan. 1961 in der Abt. Geschichte der Partei u. der dt. Arbeiterbew. Ltr. der neugebildeten Arbeitsgr. »Walter Ulbricht«; von 1961 – 73 als wiss. Mitarb. des IML für die pol. Red. aller vom Inst. hrsg. Reden u. Schriften Walter U.s verantw.; 1960 Banner der Arbeit; 1960 – 62 Mitgl. der Frauenkommission beim Sekr. des ZK, 1962 – 73 Mitgl. der neugebildeten Frauenkommission beim PB des ZK; 1963 VVO; 1965 Ehrenspange zum VVO; 1969 KMO; Juli 1973 Ruhestand; 1978 VVO; 1983 KMO; 1988 Großer Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin-Pankow.Eine unvergeßliche Reise. Leipzig 1965; Reden u. Aufsätze 1943 – 1967. Berlin 1968; Mein Leben. Selbstzeugnisse, Briefe u. Dokumente. Berlin 2003 (hrsg. von Frank Schumann). Schumann, F. (Hrsg.): Lotte u. Walter. Die Ulbrichts in Selbstzeugnissen, Briefen u. Dokumenten. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Monika Kaiser

Wer war wer in DDR

Ullmann, Ernst

* 19.12.1928 – ✝ 7.8.2008

Geb. in Reichenberg-Franzendorf (ČSR / Františkov u Liberce, Tschechien); Vater Bäckermstr., Mutter Schneiderin; nach der Aussiedl. zweijähriger Krankenhausaufenthalt; 1951 Abitur an der ABF Halle; ebd. Studium der Kunstgeschichte, Geschichte u. Archäologie; 1956 Dipl.; 1956 – 60 wiss. Aspirantur an der MLU Halle; 1960 Prom.; 1960 – 64 Oberassistent; 1964 – 68 Wahrnehmungsdoz. u. kommissar. Inst.-Dir.; 1964 – 89 Mitgl. des Beirats für Kunstwiss. beim Min. für HFS-Wesen; 1968 – 71 Doz.; 1968 – 74 Vors. der Sekt. Kunstwiss. u. Mitgl. des Bez.-Vorst. u. des Zentralvorst. des VBKD (später VBK); 1971 – 93 ord. Prof. für Kunstgeschichte an der KMU Leipzig; Mitgl. des Nationalkomitees für Kunstgeschichte der DDR; ab 1977 Mitgl. im Comité International d’Histoire de l’Art (C.I.H.A.); 1980 – 89 Vors. des Bez.-Vorst. Leipzig u. Mitgl. des Zentralvorst. der Ges. für Denkmalpflege im KB; Mitgl. der Verlagsbeiräte E. A. Seemann u. Edition Leipzig sowie des Beirats des Allg. Künstlerlexikons (Neuausg. Thieme-Becker-Vollmer); 1981 Mitgl. der Sächs. AdW; 1984 Fellowship am Institute for Advanced Study, Princeton, USA; 1985 NP. 1990 – 91 Vors. der Kommission für Kunstgeschichte u. Musikwiss. der Sächs. AdW; ab 1994 korr. Mitgl. der Braunschweig. Wiss. Ges.; 1994 – 96 Vors. der Kommission für Bau- u. Kunstgeschichte Niedersachsen; gest. in Leipzig. Zahlr. Editionen, u. a.: Geschichte der dt. Kunst 1350 – 1470. Leipzig 1981; Geschichte der dt. Kunst 1470 – 1550. 2 Bde. Leipzig 1984/85.Baudenkmäler in der DDR. 1961; Baukunst in Dtl.: Gotik. Leipzig 1969 (erw. u. völlig überarb. Aufl. 1994); Leonardo da Vinci. Leipzig 1980 (2. Aufl. 1998); Albrecht Dürer. 1982; Die Welt der gotischen Kathedrale. 1981; Raffael. Leipzig 1983 (Neuaufl. 1991 u. 1997); Der Magdeburger Dom – ottonische Gründung u. staufischer Neubau. 1989; Renaissance. Deutsche Baukunst 1520 – 1620. 1995; Halberstadt. Studien zu Dom und Liebfrauenkirche. Symposion Königtum u. Kirche als Kulturträger im östl. Harzvorland. 1997.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Ullrich, Frank

* 24.1.1958

Geb. in Trusetal (Thür.); Vater Werkzeugmacher; 1964 – 77 POS, KJS, Abitur; 1968 – 84 Biathlet erst beim BSG Stahl, dann beim ASK Vorwärts Oberhof (Trainer: Wido Kühne u. Horst Weisheit); 1972 Spartakiadesieger; bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1975: 3. Platz (10 km), Sieger (mit der Staffel); 1976 Olymp. Spiele: 3. Platz (mit der Staffel); ab 1976 NVA, zul. Major; 1977 bei den Junioren-Weltmeisterschaften: Sieger (15 km); bei den Weltmeisterschaften 1977: 3. Platz (mit der Staffel); bei den Weltmeisterschaften 1978: Sieger (10 km), 2. Platz (20 km u. mit der Staffel); 1978 – 88 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl-Sportlehrer; bei den Weltmeisterschaften 1979: Sieger (10 km u. mit der Staffel), 4. Platz (20 km); 1980 Olymp. Spiele: Sieger (20 km), 2. Platz (20 km u. mit der Staffel); 1981 u. 1982 DDR-Mstr. (20 km u. mit der Staffel); bei den Weltmeisterschaften 1981: Sieger (10 km u. mit der Staffel), 2. Platz (20 km); bei den Weltmeisterschaften 1982: Sieger (20 km u. mit der Staffel), 2. Platz (10 km); 1983 DDR-Mstr. (20 km); bei den Weltmeisterschaften 1983: Sieger (20 km), 2. Platz (mit der Staffel), 8. Platz (10 km); 1984 Olymp. Spiele: 4. Platz (mit der Staffel), 5. Platz (20 km) u. 17. Platz (10 km); 1986 – 90 Trainer beim ASK Vorwärts Oberhof u. der DDR-Auswahl; VVO; NVA, Hauptmann; dann Sportfördergr. Oberhof der Bundeswehr, Feldwebel. Bundestrainer für Biathlon; ab März 1998 verantw. Disziplintrainer Herren im Dt. Ski-Verb. (Nachf. von Norbert Baier); 2008 Ehrenbürger von Trusetal; Frühj. 2009 Überprüfung div. Dopingvorwürfe gegen ihn als Co-Trainer der DDR-Auswahl durch den Dt. Skiverband, Freispruch.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Ullrich, Werner

* 24.3.1928 – ✝ 12.5.1999

Geb. in Hohenleipisch (Krs. Bad Liebenwerda); Vater Fleischer u. Brennereiarb., Mutter Hausfrau; 1934 – 42 Volksschule; Lehre als Industriekaufm.; 1945 Luftwaffenhelfer. 1945 / 46 zu Reparationsarbeiten herangezogen; 1946 – 48 Arbeit als Heizer bei der sowj. Besatzungsmacht; 1948 – 53 Angeh. der DVP bzw. der KVP, zuletzt als Hptm.; 1949 SED; 1953 – 55 Oberreferent beim Rat des Bez. Gera, 1956 / 57 Sekretär beim Rat der Stadt Gera; 1957 – 64 stellv. Abt.-Ltr. bzw. Abt.-Ltr. beim Rat des Bez. Gera, während dieser Zeit für ein Jahr als Sekr. beim Rat der Stadt Gera eingesetzt; Fernstud. an der DASR in Potsdam, 1962 Dipl.-Staatswiss.; 1964 / 65 Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1965 – 83 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Gera u. Vors. der Bezirksplankommission; 1983 – Jan. 1990 Vors. des Rats des Bez. Gera. 16.11.1990 Anklage durch die Bezirksstaatsanwaltschaft Gera wegen Anstiftung zur Wahlfälschung als Vors. der Bezirkswahlkommission Gera während der Kommunalwahlen am 7.5.1989; am 15.1.1992 durch das Kreisgericht Gera-Stadt zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; gest. in Gera.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Tschesno-Hell, Michael

* 17.02.1902 – ✝ 24.02.1980

Geb. in Wilna (Rußland / Vilnius, Litauen) in einer jüd.-lit. Fam.; Vater Kfm.; 1914 Evakuierung der Fam. nach Nischni Nowgorod, 1921 Rückkehr nach Wilna; 1922 Trennung von der Fam., Übersiedl. nach Leipzig; 1922 KPD; 1923 – 25 Studium der Rechtswiss. u. Politökon. in Jena (ohne Abschluß), Mitarb. der Kostufra; 1925 – 29 in Leipzig, dort Markthelfer u. Werkstudent; verf. Diss. »Über das Erbbaurecht in der Sowjetunion«; Mitarb. in der kommunist. Presse; ferner tätig als Übersetzer (1929 – 33 unter dem Ps. Michail Swjetly vor allem für den Malik-Verl. u. den Agis-Verl.), Journalist, Landarb., Dreher, Lektor; 1929 Übersiedl. nach Berlin, dort Mitarb. der »Welt am Abend«, nach Differenzen mit Willi Münzenberg ausgeschieden; dann Pressechef in der Filmabt. der russ. Handelsvertretung in Berlin; 1932 – Jan. 1933 Ltr. des Korrespondenzbüros »Feuilletonbüro« in Berlin; Mitgl. im BPRS; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit in Berlin (»Paul Misch«), Aug. 1933 auf Parteibeschluß Emigr. nach Paris, dort u. a. Ltr. der KPD-Org. der emigr. dt. Schriftsteller; Dez. 1935 im Auftrag der RHD Org. der Rettungskampagne für 600 inhaftierte Wuppertaler Gewerkschafter in den Niederl. (»Paul«, »Piet«); ab 1936 wieder in Paris, hier weiter RHD-Arbeit, u. a. Ltr. der Kampagne zur Befreiung von Etkar André; seit Anfang der 1930er Jahre Arbeit für den sowj. Militär-Nachrichtendienst GRU (»Mischa«, »Swetly«); publiziert u. a. in der »Basler Rundschau«, »Pariser Tageszeitung« u. »Die Weltbühne«; 1936 Untersuchung der Moskauer KI-Zentrale wg. angebl. Unklarheiten in seiner Parteivergangenheit; Umschulung zum Metallarbeiter; Sept. 1939 interniert, kurzztg. entlassen (wg. französ. Staatsangehörigkeit der Tochter); Mai 1940 erneut interniert, Einsatz in versch. Arbeitskompanien, im Sept. 1942 mit der Fam. in die Schweiz geflüchtet (illegale Einreise); dort Mitarb. der KPD-Ltg. Süd; BFD; in versch. Lagern interniert; ab Nov. 1944 Chefred. bzw. Hrsg. (mit Hans Mayer u. Stephan Hermlin) der Emigr.-Ztschr. u. Schriftenreihe »Über die Grenzen«; Mai-Sept. 1945 BFD-Beauftr. für dt. Militärinternierte u. Flüchtlinge in der Schweiz (Nachf. von Walter Fisch), Mitgl. des BFD-Landesaussch. Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; anschl. bis 1947 Vizepräs. der ZV für Umsiedler; im GRU-Auftrag Aufbau eines Nachrichtennetzes unter den Umsiedlern; 1946 SED; Febr. 1947 Mitbegr. des Verlags Volk u. Welt in Berlin (zus. mit Wilhelm Beier), bis Febr. 1950 dessen Ltr.; Chefred. der Ztschr. »Die Neue Heimat«; 1948 dt. Staatsbürgerschaft; 1949 – 51 Mitgl. des Vorst. der DSF; 1950 Vors. des kulturellen Beirats bzw. Ltr. der HA Kultur im Min. für Volksbildung; ab Ende 1950 freiberufl. Schriftst.; Autor bzw. Mitautor der ersten Spielfilme über Ernst Thälmann (»Ernst Thälmann – Sohn seiner Kl.«, 1954; »Ernst Thälmann – Führer seiner Kl.«, 1955) u. Karl Liebknecht (»Solange Leben in mir ist«, 1966; »Trotz alledem!«, 1972); 1953 – 62 Kontakt- bzw. Auskunftsperson des MfS; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1958 – 69 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1962 VdN-Rentner, Banner der Arbeit; 1964 offizielle Namensänderung in Tschesno-Hell; 1967 – 72 Vizepräs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden u. des Vorst. des DSV; 1969 Mitgl. der DAK; 1954, 1957 u. 1966 NP; 1969 VVO; 1977 KMO; gest. in Berlin.Rußland antwortet (1949); Der Hauptmann von Köln (1956); Die Mutter u. das Schweigen (1965); Der Maler mit dem Stern (1969). Tschesno-Hell, U.: Übersicht über das literar. Werk MTH’s, Reden, Interviews. Berlin 1984; Schwartz, M.: Vertriebene u. »Umsiedlerpolitik«. München 2004; Barck, S., Lokatis, S. (Hrsg.): Fenster zur Welt. Berlin 2005.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tugend, Otto

* 7.4.1882

Geboren am 7. April 1882 in Berlin-Reinickendorf, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Filmvorführer. Er trat 1901 der SPD bei und war in Berlin Funktionär. Im Weltkrieg für die Spartakusgruppe aktiv, seit 1920 in der KPD. Ab 1925 war Tugend hauptamtlich im RFB tätig, sowohl in der Berliner BL aktiv als auch Mitglied der Reichsführung. Nach dem Verbot des RFB 1929 führend im Kampfbund gegen den Faschismus. Mit Frau und Tochter emigrierte er im September 1933 in die UdSSR. Dort wurde die ganze Familie im September 1937 vom NKWD verhaftet, das weitere Schicksal ist unbekannt.

Wer war wer in DDR

Turek, Ludwig (Andreas)

* 28.8.1898 – ✝ 9.11.1975

Geb. in Stendal (Altmark); Vater Schlosser; Volksschule; Arbeit als Kleinknecht; Schriftsetzerlehre; dann Arbeit als Buchdrucker, Konditor, Landarb., Zigarrenhändler, Bergmann, Seemann; SAJ; 1916 Soldat im 1. Weltkrieg, Desertion u. anschl. bis Nov. 1918 Festungshaft in Spandau; USPD; 1918 KPD; 1920 Freiw. in der Roten Ruhr-Armee, Beteiligung an der Niederschlagung des Kapp-Putsches; Gewerkschaftsfunktionär u. a. im Bergbau; 1928 BPRS; 1930 – 32 Aufenthalt in der Sowjetunion auf Einladung des sowj. Schriftst.-Verb.; Arbeit als Setzer u. Werftarb.; 1933 – 39 Exil in Frankreich; bei Kriegsausbruch Internierung; 1940 illeg. Rückkehr über Straßburg nach Dtl.; Kriegsdienstverpflichtung als Werkzeugfräser in einem Metallbetrieb; hier Organisierung einer Widerstandsgr. Ab 1945 freier Schriftst. in Berlin, auch Rundfunk- u. Fernsehtätigkeit; 1946 SED; KB; Mitgl. des SV seit dessen Gründung; 1958 u. 1973 VVO. Namhafter Vertreter der proletar.-rev. Lit., dessen Stärke im autobiogr. Erzählen lag; »Ein Prolet erzählt« (1929) gilt als ein zentr. Werk der Autobiographik in der Weimarer Rep.; bes. wichtig sind des weiteren die humorist. Exilerinnerungen »Klar zur Wende« (1949); gest. in Berlin.Leben und Tod meines Bruders Rudolf. Moskau 1932; Die Freunde. Berlin 1947; Unser täglich Brot (Film), 1947; Familie Siebenbrodt (Hörspielfolge). 1954; Die Flucht der Grüngesichtigen. Berlin 1959; Ich war kein Duckmäuser. Berlin 1961; Mein Freund Bruno. Berlin 1975. L. T. Bibl. In: Veröff. dt. soz. Schriftst. in der rev. u. demokrat. Presse 1918 – 45. Berlin, Weimar 1969; Morgner, I.: Bootskauf. In: Neue Dt. Lit. (1972) 2; Hammer, F.: L. T. In: Der Bibliothekar. Berlin (1973) 8.Maren Horn

Wer war wer in DDR

Tutzke, Dietrich

* 11.5.1920 – ✝ 26.12.1999

Geb. in Altdöbern (Niederlausitz); Vater Lehrer; Gymnasium; 1940 – 47 Studium der Medizin in Leipzig, Halle, Greifswald u. Berlin, unterbrochen von Kriegsdienst u. Einsatz als Unterarzt der Wehrmacht. 1947 – 52 Assistenzarzt am Patholog. Inst. des Stadtkrankenhauses Dresden-Friedrichstadt, Referent für Seuchenbekämpfung im Hauptgesundheitsamt Dresden, Abt.-Ltr. Hygiene u. Seuchenbekämpfung im Sächs. Min. für Gesundheitswesen; 1951 Diss. zur Seuchenbekämpfung in Sachsen; 1953 – 65 am Inst. für Sozialhygiene der Univ. Leipzig, zunächst Assistent bei Karl Gelbke; 1960 Habil. mit einer Arbeit über Alfred Grotjahn u. die Sozialhygiene; 1960 Prof. mit Lehrauftrag, 1963 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Sozialhygiene, 1965 – 85 ord. Prof. für Allg. Medizingeschichte an der HU Berlin; 1965 – 70 u. 1977 – 85 Dir. des Inst. für Geschichte der Medizin an der Charité; 1969 Mitbegr., 1969 – 71 u. 1975 – 82 Vors. der Ges. für Geschichte der Medizin in der DDR; 1981 – 90 Mithrsg. der Zeitschrift »NTM«.Der Dresdner Stadtphysikus Friedrich August Röber (1765 – 1827). Leipzig 1966 (mit -> R. Zaunick); Alfred Grotjahn. Leipzig 1979; Für das Wohl des Menschen. 30 Jahre Gesundheitswesen der DDR. Bd. 1 u. 2. Berlin 1979 (mit E. Fischer u. L. Rohland); Geschichte der Medizin. Berlin 1980 (mit Georg Harig); Zur gesellschaftl. Bedingtheit der Medizin in der Geschichte. Jena 1981; Charité 1710 – 1985. Berlin 1985.Hubert Laitko

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ueberbrück, Klaus (Nikolaus)

* 13.1.1893 – ✝ 24.4.1957

(* 1893 – † 1957) Geboren am 13. Januar 1893 in Harburg, Sohn eines Eisenbahnschlossers. Werftarbeiter, ab 1911 Seemann und Heizer, 1911 Mitglied der SPD. 1914 zur Kriegsmarine, eingesetzt beim Marinekorps in Flandern. Im Juli 1918 Flug-Obermaat und Ausbildung als Jagdflieger in Celle. Hier im November 1918 Mitglied des Soldatenrates. 1919 Mitglied der USPD, 1921 der KPD, Mitarbeiter im AM-Apparat, u. a. AM-Leiter der BL Berlin-Brandenburg. Seit Mai 1923 Bote bei der sowjetischen Botschaft in Berlin, kam im Oktober 1924 in die Sowjetunion, wurde offiziell Arbeiter in einer Moskauer Radiofabrik, nahm aber am zweiten Lehrgang der M-Schule der Komintern teil. Nach Rückkehr Mitarbeiter im zentralen AM-Apparat, wurde am 23. Oktober 1931 in Berlin verhaftet, da er von einem AM-Mitarbeiter aus Breslau Sprengstoff entgegengenommen hatte. Zunächst befürchtete die KPD offenbar einen »zweiten Fall« Felix Neumann, sie nannte Ueberbrück in einem Artikel der »Roten Fahne« einen Provokateur, schickte ihm dann aber einen Anwalt. Nach achtmonatiger U-Haft wurde er vom Reichsgericht in Leipzig im Prozeß »Rabenmüller und Genossen« am 9.Juli 1932 zu acht Jahren Zuchthaus wegen »Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz und Vorbereitung zum Hochverrat« verurteilt. Bis 1938 im Zuchthaus Luckau inhaftiert, ab November 1939 im KZ Sachsenhausen, aus dem er Ende Januar 1940 entlassen wurde, Lagerarbeiter in Berlin. 1945/46 Mitglied der KPD/SED, beschäftigt bei der sowjetischen Zentralkommandantur von Groß-Berlin, später bei der Polizei. Klaus Ueberbrück starb am 24. April 1957 in Ost-Berlin.

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Uhlich, Erich

* 13.12.1915 – ✝ 13.3.2007

Geb. in Rabenstein (Krs. Chemnitz); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Buchdrucker, 1930 SAJ; Wehrmacht. 1945 Buchdrucker in Chemnitz; 1945 SPD, 1946 SED; 1945 – 47 Angest. der Gemeinde Rabenstein; 1948 – 51 1. Sekr. der SED-KL Chemnitz, 1948 – 52 Mitgl. der SED-LL Sachsen; 1950 Stadtverordn. in Chemnitz; 1951 – 59 OB von Leipzig (Nachf. von  Max Opitz); Stud. an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1952 – 60 Mitgl. der SED-BL Leipzig, ab 1954 auch zeitw. Mitgl. des Büros der SED-BL Leipzig; später Dir. des Inst. für Kommunalwirtschaft in Dresden; 1952 – 54 Abg. des Bezirkstags Leipzig, 1954 – 68 Abg. der Volkskammer; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhlmann, Richard

* 12.1.1884 – ✝ 29.12.1962

Geboren am 12. Januar 1884 in Zschopau, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Eisendreher. 1908 Mitglied der SPD, aus der er 1914 austrat und sich 1917 der Spartakusgruppe anschloß. Seit 1919 Mitglied der KPD, 1921 als Betriebsrat der sächsischen Maschinenfabrik »Hartmann« in Chemnitz gemaßregelt. 1922 Besuch der KPD-Parteischule in Berlin. Uhlmann war Stadtverordneter in Chemnitz, im Frühjahr 1923 als Polleiter der BL Hessen nach Frankfurt/M. geschickt. Nach Aufhebung des KPD-Verbots im Frühjahr 1924 Rückkehr nach Chemnitz, dort bis 1928 Buchhändler verschiedener linker Verlage und Literaturobmann der BL Erzgebirge-Vogtland. Von 1929 bis 1932 Geschäftsführer des Verlages »Der Kämpfer« Chemnitz, 1932/33 Verlagsgeschäftsführer beim »Ruhr-Echo« in Essen. Ab Februar 1933 für die illegale BL Rheinland-Westfalen tätig, Ende März 1933 in Berlin verhaftet und schwer mißhandelt. Nach kurzzeitiger Entlassung erneut festgenommen und bis August 1934 im KZ Sachsenburg. Uhlmann arbeitete bis 1945 als Dreher in Leipzig und hatte hier Kontakt zur Widerstandsgruppe um Otto Engert. Von 1945 bis 1948 in der Stadtverwaltung Leipzig, ab Juni 1948 Leiter der Gemeindeabteilung des Innenministeriums der Landesregierung Sachsen. Seit 1949 Rentner in Dresden, er erhielt 1959 den VVO in Silber. Richard Uhlmann starb am 29. Dezember 1962 in Dresden.

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Uhse, Bodo

* 12.3.1904 – ✝ 2.7.1963

Geb. in Rastatt (Baden); Vater Berufsoffz.; aufgew. in Glogau, bei den Großeltern in Braunschweig u. Berlin; Volks- u. Oberrealschule in Berlin; im März 1920 Zeitfreiwilliger, Teiln. am Kapp-Putsch als Meldegänger; 1921 Volontär beim »Bamberger Tagblatt« u. Angeh. des nat.-soz. Bunds »Oberland e. V.«; 1927 – 29 NSDAP (Strasser-Flügel); 1927/28 Red. einer nat.-soz. Ztg. in Ingolstadt; ab 1928 (durch Protektion Gregor Strassers) Hauptschriftltr. der nat.-soz. »Schlesw.-Holstein. Tagesztg.« (Itzehohe); 1928/29 Ortsgr.-Ltr. u. Stadtverordn. der NSDAP in Itzehoe; Konflikte mit der NSDAP wegen seiner Zusammenarbeit mit der Landvolkbew. um Claus Heim; Juli 1930 Bruch mit der NSDAP-Führung; ab 1931 enger Kontakt zur KPD, ab 1932 KPD; Mitarb. des Vors. des Reichsbauernbunds Ernst Putz (Red. der »Bauernbriefe«); Jan. 1932 Hauptredner auf dem Dt. Reichsbauernkongreß in Berlin; Sekr. des antifa. Reichsbauernkomitees; Mitgl. des »Aufbruch-Krs.« u. Mitarb. an der gleichn. Ztschr.; Mitgl. des Berliner Scheringer-Komitees (mit Alexander Graf Stenbock-Fermor,  Ludwig Renn, Lion Feuchtwanger, Bruno von Salomon); Red. u. Verf. anonymer Publ. des Reichsbauernkomitees u. des Mitteilungsblatts »Bauernkampf in Dtl.«; April 1933 Flucht nach Paris; Mitarb. am »Braunbuch« (Basel 1933); 1934 Ausbürgerung aus Dtl.; 1935 Debüt mit dem autobiogr. Buch »Söldner u. Soldat« (Paris); Sept. 1936 – Jan. 1938 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg; ab Sept. 1936 Reporter, ab April 1937 Kriegskommissar im Stab der 17., dann der 45. Div.; Jan. 1938 nach Paris; Juni 1939 Teiln. am Kongreß der League of American Writers in den USA (New York); ab März 1940 Exil in Mexiko (Mexiko-Stadt); aktiv im Heinrich-Heine-Club u. in der Liga Pro-Cultura Alemana en México; Mitbegr. u. Red. für den liter. Teil der Ztschr. »Freies Dtl.«; ab 1942 Mitgl. im Arbeitsaussch. der BFD; verarbeitete sein Spanienerlebnis im Roman »Ltn. Bertram« (1944). Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; Jan. 1949 – 58 Chefred. der Ztschr. »Aufbau«; 1949 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1950 – 52 erster Vors. des DSV; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1951 Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl., dann Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1954 – 62 Mitgl. des PEN-Präs.; 1954 NP; 1955 Mitgl. der DAK, dort 1956 – 60 Ständ. Sekretar der Sekt. Dichtkunst u. Sprachpflege; 1961 Kubareise; 1963 Chefred. der Ztschr. »Sinn u. Form« (Nachf. von  Peter Huchel); arbeitete auch als Essayist, Hrsg. u. Filmautor, so für »China zw. gestern u. morgen« (1957); von seinem Romanwerk »Die Patrioten« erschien der erste Bd. 1954, der zweite als Fragment 1965; gest. in Berlin.Mexikan. Erzählungen. Berlin 1957; Die Aufgabe. Eine Kollwitz Erzählung. Dresden 1958; Gestalten u. Probleme. Berlin 1959; Gesammelte Werke in Einzelausg. Bd. 1 – 6. Berlin 1974 – 83 (Hrsg. G. Caspar); B. U. – F. C. Weiskopf: Briefwechsel 1942 – 48. Berlin, Weimar 1990. Kießling, W.: Alemania Libre in Mexiko. Berlin 1974; ders.: Exil in Lateinamerika. Leipzig 1980; Agee, J.: Twelve Years. New York 1981 (dt. Ausg.: Zwölf Jahre. Eine Jugend in Ostdtl. München, Wien 1982); Über B. U. Ein Almanach. Aufsätze u. Erinnerungen. Hrsg. von G. Caspar. Berlin, Weimar 1984; Walter, K.: B. U. Leben u. Werk. Berlin 1984; Neumann, A. (Alma Uhse): Always straight ahead. A Memoir. Baton Rouge 1993; von Hanfstengel, R.: Mexiko im Werk von B. U. New York u. a. 1995.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Ulbricht, Walter Ernst Paul

* 30.6.1893 – ✝ 1.8.1973

Geb. in Leipzig; Vater Ernst U. (1869 – 1943) Schneider, Mutter Pauline U. (1868 – 1926) Hausangest. / Schneiderin; 1899 – 1907 Volksschule; 1907 – 11 Tischlerlehre; 1908 SAJ; seit 1910 Dt. Holzarbeiterverb.; 1912 SPD; Okt. 1913 – März 1914 Besuch der SPD-BPS in Leipzig; seit Dez. 1914 Mitgl. der Karl-Liebknecht-Gruppe; 1915 – 18 Kriegsdienst in Mazedonien, Serbien, Belgien; Nov. 1918 Mitgl. des Soldatenrats des XIX. Armeekorps; 1917 – 20 USPD; Jan. 1919 Mitbegr. der KPD in Leipzig u. Mitgl. der BL Mitteldtl.; ab 4.12.1920 KPD; 1920/21 Lokalred. der Parteiztg. »Klasssenkampf«; Teiln. an den Kämpfen zur Niederschlagung des Kapp-Putsches; Jan. 1920 Heirat mit der Maschinennäherin Martha Schmellinsky (ebenf. KPD); 1921 – 23 Pol.-Ltr. der BL Groß-Thür.; Nov./Dez. 1922 Teiln. am IV. Weltkongreß des KI in Moskau; 1923 – März 1924 Mitgl. der KPD-Zentr.; Mai 1924 Besuch der Lenin-Schule in Moskau u. anschl. Tätigkeit als Instrukteur des EKKI; 1926 – 29 Landtagsabg. in Sachsen, seit 1928 MdR; 1927 Kand., 1929 – 46 Mitgl. des PB des ZK der KPD; 1928 – 43 Kand. des EKKI; ab Aug. 1928 Mitgl. der KPdSU; 1929 – 33 Pol.-Ltr. der KPD-Bez.-Org. Berlin-Brandenb.-Lausitz-Grenzmark; Okt. 1932 – April 1946 Mitgl. des Sekr. des ZK; seit Febr. 1933 wegen antifa. Tätigkeit mit Haftbefehl gesucht; Okt. 1933 auf Beschluß Emigr. nach Paris; dort 1933 – 35 Mitgl. der Auslandsltg. der KPD; 1935 Teiln. am VII. Weltkongreß der KI u. der Brüsseler Parteikonferenz der KPD in Moskau; 1935 – 38 Ltr. der Operativen Ltg. bzw. des Sekr. des ZK in Prag bzw. Paris; 1938 – 43 Vertreter des ZK der KPD beim EKKI in Moskau; 1943 – 45 Mitgl. des NKFD u. Ltr. deren operativer Abt.; Mitarb. an programmat. Dokumenten für die Nachkriegszeit. 30.4.1945 Rückkehr nach Dtl. als Ltr. der sog. Initiativgr. des ZK der KPD für Berlin (Gruppe Ulbricht); seit 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1946 – 50 Mitgl. des ZS des PV u. de facto stellv. Vors. der SED; 1949 – 73 Mitgl. des PB des ZK; 1946 – 51 Abg. des Landtags von Sachsen-Anh.; 1948/49 Mitgl. des Präs. des Dt. Volksrats, 1949/50 der Prov. Volkskammer u. von 1950 – 73 Abg. der Volkskammer; 1950 Heirat mit Lotte Kühn ( Lotte U.); 1949 – 55 Stellv., 1955 – 60 Erster Stellv. des Vors. des Min.-Rats; von Juli 1950 – Juli 1953 Gen.-Sekr. u. von 26.7.1953 – 3.5.1971 Erster Sekr. des ZK; ab 3.5.1971 Ehrenvors. der SED; 11.2.1960 – 3.5.1971 Vors. des Nat. Verteidigungsrats; vom 12.9.1960 bis zum Tod Vors. des Staatsrats; 1953, 1958 u. 1963 Held der Arbeit; 1953 u. 1968 KMO; 1954 VVO; 1960 Banner der Arbeit; 1963 Held der Sowjetunion; Lenin-Orden u. Medaille Goldener Stern; gest. am Döllnsee (b. Berlin).Zur Geschichte der dt. Arbeiterbew. Aus Reden u. Schriften. Bd. 1 – 10, Berlin 1953 – 66; Zur soz. Entw. der Volkswirtschaft seit 1945. Berlin 1959; Die Bauernbefreiung in der Dt. Demokrat. Rep. 2 Bde., Berlin 1962; Das ökon. System des Soz. in der Landw. der DDR 1961 – 1969. Berlin 1970. »Gruppe Ulbricht« in Berlin April bis Juni 1945. Eine Dokumentation von G. Keiderling. Berlin 1993; Erler, P., Laude, H., Wilke, M. (Hrsg.): Nach Hitler kommen wir. Dokumente zur Programmatik der Moskauer KPD-Führung 1944/45 für Nachkriegsdtl. Berlin 1994; Kaiser, M.: Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker. Funktionsmechanismen der SED-Diktatur in Konfliktsituationen 1962 bis 1972. Berlin 1997; Wilke, M. (Hrsg.): Anatomie der Parteizentr. Die KPD/SED auf dem Wege zur Macht. Berlin 1998; Dinkelmann, K.: W. U. u. seine dt.-dt. Revolutionstheorie. Aachen 2005.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Ullmann, Hans

* 28.7.1913 – ✝ 1.1.1989

Geb. in Kostenthal (Krs. Cosel, Oberschles./ Gościęcin, Polen); Vater Maurer; Volksschule; 1928 – 39 Lehre u. Arbeit als Fleischer; dazw. 1934/35 Wehrdienst; 1939 – 43 Wehrmacht; 1943 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, NKFD, Antifa-Schüler. 1949 SED; Einstellung bei der VP, Ltr. Politkultur im Krs.-Amt Perleberg; dann Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Brandenb. (ab Febr. 1950 Länderverw. Brandenb. des MfS), stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle Wittenberge; 1950 Ltr. der Krs.-Dienststelle Senftenberg; 1954 2. Stellv. Operativ des Ltr., 1955 Ltr. der BV Cottbus (Nachf. von  Fritz Schröder) u. Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1976 Gen.-Major; 1981 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Ullrich, Jan

* 2.12.1973

Geb. in Rostock; begann 1983 mit Radsport, 1987 SG Dynamo Rostock-West, DDR-Schülermstr. Bahnvierer; danach KJS Berlin, SC Dynamo bzw. SC Berlin (Trainer: Peter Becker); 1988 DDR-Jugendmstr. Straße; 1990 DDR-Jugendmstr. Punktefahren; 1991 Dt. Juniorenmstr. Punktefahren; 1992 Wechsel zur RG Hamburg; 1993 Amateur-WM Straße, Sieger Gesamt-Weltcup; 1994 WM-Einzelzeitfahren (3. Pl.); 1995 – 2002 Profi Team Telekom; Tour de France: 1997 Sieger, fünfmal Zweiter (1996, 1998, 2000, 2001, 2003), einmal Dritter (2005), einmal Vierter (2004), sieben Etappensiege; zweimal Olymp. Spiele: 2000: Straße (Gold), Einzelzeitfahren (Silber), 2004: Einzelzeitfahren (7. Pl.), Straße (19. Pl.); zweimal WM Einzelzeitfahren (1999, 2001), Dt. Mstr. Einzelzeitfahren (1995), Straße (1997, 2001); Sieger Vuelta (1999) u. Tour de Suisse (2004, 2006); 2002 Dopingsperre (Amphetamine); 2003 Wechsel zu Team Coast bzw. Team Bianchi; seit 2004 T-Mobile Team (suspendiert einen Tag vor dem Start der Tour de France 2006 wegen Dopingverdachts); 1993 u. 1996 Radsportler des Jahres, 1997 Sportler des Jahres, Velo d’Or (Weltradsportler des Jahres), Goldener Bambi, Fausto-Coppi-Trophäe, »Goldene Henne«, 1998 Silbernes Lorbeerblatt, 2003 Bambi (Comeback des Jahres).Ganz oder gar nicht – meine Geschichte. München 2004.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Ullrich, Wolfgang

* 20.6.1923 – ✝ 26.10.1973

Geb. in Dresden; Vater Kfm.; Wettiner-Realgymnasium, 1942 Abitur; anschl. Studium der Biol. an der TH Dresden; 1943 Wehrdienst; 1944 – 46 frz. Kriegsgefangenschaft. 1946 Jugendref. der CDU in Dresden; Lehrer im Jugendbildungswerk; Stadtverordn. in Dresden u. Abg. des Sächs. Landtags; 1947 – 50 Forts. des Studiums an der TH Dresden; 1949 Abg. der Prov. Volkskammer; 1951 – 73 Dir. des Zoolog. Gartens in Dresden; 1958 Prom. mit einer etholog. Studie an der TH Dresden; 1961 Prof.; Orden Banner der Arbeit; ab 1961 zeitw. Mitgl. des Hauptvorst. der CDU u. 1. Vors. des CDU-Stadtverb. Dresden; Abg. der Volkskammer; Mitgl. des gesamtdt. u. ab 1952 des internat. Verb. der Zoodir.; Mitgl. der Dt.-Afrikan. Ges.; Forschungsarbeiten bes. über Menschenaffen; Autor zahlr. populärer Bücher u. vieler TV-Tierfilme; gest. in Dresden.Und dann wurden Tiere unsere Gefährten. Leipzig 1953; Affen ernst genommen. Leipzig 1955; Afrika einmal nicht über Kimme u. Korn gesehen. Leipzig 1957; Wilde Tiere in Gefahr. Leipzig 1967; Kaziranga-Tierparadies am Brahmaputra. Leipzig 1971.Peter Nötzold