...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ullrich, Arthur

* 26.3.1894 – ✝ 16.6.1969

Geboren am 26. März 1894 in Görlitz, Sohn eines Maurers, der 1897 tödlich verunglückte. Lernte Elektriker, ab 1915 Militärdienst, im Februar 1916 vor Verdun verwundet, anschließend zum Funker ausgebildet. Im November 1918 Mitglied eines Soldatenrates, ab Dezember in Görlitz wieder Elektriker. Er trat in die USPD ein und wurde DMV-Branchenleiter. Ende 1919 Redakteur der USPD-Wochenzeitung »Freies Wort« in Görlitz, ab 1920 in der KPD. 1922 UB-Leiter für die Kreise Görlitz u. a. Von Oktober 1923 bis Januar 1924 in »Schutzhaft«, bis 1929 Stadtverordneter in Görlitz, gehörte Ullrich bis 1925 der BL Lausitz und ab 1925 der erweiterten BL Schlesien an. Auf dem XI. Essener Parteitag 1927 zum Mitglied der Zentralen Beschwerdekommission gewählt, nach dem XII. Weddinger Parteitag im Juni 1929 Kandidat des ZK. Von Juli 1929 bis Juni 1931 Orgleiter der KPD Schlesien, wo er die starke KPO-Minderheit bekämpfte. Ab Juli 1931 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, kehrte im Oktober 1932 nach Deutschland zurück und wurde RGO-Sekretär für Schlesien. Ullrich wurde am 5. März 1933 in den Reichstag gewählt, konnte aber wegen des einsetzenden NS-Terrors sein Mandat nicht wahrnehmen. Am 28.April 1933 in Breslau festgenommen, bis August 1934 »Schutzhaft«, danach bis 1937 Elektriker in Görlitz. Im Juni 1937 erneut verhaftet, saß er bis 1945 in den KZs Dachau und Buchenwald. Von Juni bis August 1945 Angestellter der Stadtverwaltung Görlitz, 1945/46 Vorsitzender der KPD in Görlitz und anschließend bis Anfang 1949 paritätischer, ab 1949 alleiniger Vorsitzender der SED. Seit 1952 in der BPKK Dresden und von 1958 bis 1960 Vorsitzender der Revisionskommission der SED-BL Dresden, er erhielt im Februar 1969 den Karl-Marx-Orden. Arthur Ullrich starb am 16. Juni 1969 in Dresden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ulrich, Karl

* 18.12.1883 – ✝ 29.4.1962

Geboren am 18. Dezember 1883 in Ludweiler/ Saar; Bergmann auf der Grube »Luisenthal«. Während des Weltkrieges Unteroffizier, später trat er der USPD, 1920 der KPD bei und gehörte von 1924 bis 1928 dem Landesrat der Saar an. Als Leiter der KPD-Zelle auf der Grube »Luisenthal« ab 1929 Mitglied der erweiterten BL Saar, von 1929 bis 1932 Gemeinderats- und Kreistagsmitglied, 1933 Polleiter der Ortsgruppe in Ludweiler. Im Herbst 1933 kam es zu Verfallserscheinungen innerhalb der saarländischen Parteien, u. a. auch in der KPD. Karl Ulrich flog mit den KPO-Funktionären Philipp Reinhardt und Ernst Becker im November 1933 auf Einladung der NSDAP nach Berlin, um sich »nähere Eindrücke über die Verhältnisse« zu verschaffen. Alle drei traten zur pronazistischen »Deutschen Front« über. Zuvor waren sie aus ihren Parteien wegen »Korruption und Verrats« ausgeschlossen worden, doch bis auf eine Ausnahme solidarisierte sich die gesamte KPD-Fraktion im Ludweilerer Gemeindeparlament mit Ulrich. Nach der Rückkehr aus Berlin engagierten sie sich in der »Deutschen Front« und gründeten mit deren finanzieller Unterstützung die Zeitschrift »Rufer im Warndt«. Dort konnte Ulrich seine Fortsetzungsserie »Mit dem Flugzeug nach Deutschland« veröffentlichen, in der er den NS-»Sozialismus der Tat« pries. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Karl Ulrich starb am 29.April 1962.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ungar, Hermann

* 7.9.1886 – ✝ 10.8.1937

Geboren am 7. September 1886 in Kassel, Sohn eines Schneiders; lernte Lithograph, später Techniker und Ingenieur. 1914 heiratete er die Schneiderin Elfriede Roesener (* 14. 8. 1892) und zog mit ihr nach Königsberg, kam 1915 nach Berlin und arbeitete bis 1929 als Ingenieur. Seit 1918 Mitglied der SPD, 1919 der USPD, ab August 1923 der KPD, gehörte er 1920/21 kurzzeitig der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Ab 1929 offiziell Oberingenieur bei der sowjetischen Handelsvertretung, war aber für den Nachrichtendienst der KPD tätig. Als Anfang 1934 mehrere deutsche Mitarbeiter beim Verlassen der sowjetischen Handelsvertretung in der Berliner Lindenstraße von der Gestapo verhaftet wurden, entkam Ungar in die Sowjetunion. Dort bei der Eisenbahn beschäftigt, folgten ihm Frau und Sohn im April 1934. Hermann Ungar wurde am 10. August 1937 vom NKWD verhaftet, wegen angeblicher »Spionage für Deutschland und Mitgliedschaft in einer rechtstrotzkistischen terroristischen Organisation« angeklagt, am 16. November 1937 zum Tode verurteilt und am selben Tag erschossen. Elfriede Ungar wurde am 2. Dezember 1937 in Moskau festgenommen, im Juni 1938 nach Deutschland ausgewiesen und kam in Berlin bis Ende 1938 in Gestapohaft. Sie wohnte bis zu ihrer Evakuierung 1944 nach Sachsen-Anhalt in Berlin-Steglitz. Aus Furcht vor erneuter Verhaftung durch das NKWD, das sich nach ihr in Halle/Saale erkundigte, verließ sie im Sommer 1948 die SBZ und ging zu ihrem Sohn nach West-Berlin, wo sie am 27. September 1967 starb. Der Sohn Kurt Ungar (* 3. 9. 1915) besuchte das Gymnasium in Berlin, machte 1932 das Abitur, trat in den KJVD ein, wurde im April 1933 von der SA verhaftet und schwer mißhandelt. In Moskau lernte er den Regisseur Gustav von Wangenheim kennen und erhielt in dessen antifaschistischem Film über den Reichstagsbrand (»Kämpfer«) eine Rolle. Anfang 1936 versuchte er nach Frankreich zu kommen, um in Paris zu studieren. Er gelangte über Warschau und Prag nach Deutschland, wurde hier verhaftet und sollte wegen seiner Teilnahme am Film »Kämpfer« vor den VGH gestellt werden, der Prozeß fand jedoch nicht statt. Kurt Ungar kam in das KZ Sachsenburg, dann nach Buchenwald und wurde im April 1939 entlassen. Im Dezember 1939 zur Wehrmacht eingezogen, geriet er Ende April 1945 noch kurz in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Er begann 1946 an der Berliner Universität ein Medizinstudium, ab 1950 an der FU Berlin, promovierte und praktizierte als Arzt in West-Berlin. Kurt Ungar lebte 2008 in Berlin-Zehlendorf.

Wer war wer in DDR

Unverricht, Siegfried

* 25.2.1928

Geb. in Dresden; Vater selbständiger Xylograph, Mutter Kassiererin; Volks- u. Berufsschule; Lehre als Chemigraph in Dresden; 1946 KPD / SED; 1947 – 52 Ressortltr. für Information u. Statistik, danach Ltr. des Büros des Sekretariats des FDGB-LV Sachsen; Sonderabitur; 1952 – 59 Redaktionsass., Hilfsred., Red. bzw. Ltr. der Abt. Volkskorrespondenten bzw. Wirtschaft, stellv. Chefred. der »Sächsischen Zeitung« in Dresden; FS-Abschluß für Journalistik sowie Fernstudium an der KMU Leipzig, 1964 Dipl.-Journalist; 1959 stellv. Chefred., 1961 – 67 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Ostsee-Zeitung« in Rostock (Nachf. von  Kurt Heiß); 1967 – 2.11.1989 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Rostock; 1968 – 89 Abg. des Bezirkstags Rostock; 1971 / 72 Besuch der PHS des ZK der KPdSU in Moskau. 1990 Invalidenrentner; Mitglied der PDS bzw. der Linkspartei; ehrenamtl. Funktion im Wohlfahrtsverband Volkssolidarität e. V.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Urbschat, Gustav

* 20.5.1901 – ✝ 16.4.1982

Geb. in Berlin; Volkschule; 1919 KPD; bis 1933 in der Internat. Arbeiterhilfe (IAH) tätig; 1933 Emigr. in die Niederlande, 1934 illeg. Rückkehr nach Berlin; 1936 – 44 Zuchthaus Brandenburg; 1944 – 46 Soldat u. Kriegsgefangenschaft. 1946 – 47 Sekr. im KPD-KV Berlin-Wilmersdorf; 1948/49 Studium an der PHS der SED »Karl Marx« in Kleinmachnow; 1949 – 51 Abt.-Ltr. Kultur in der SED-LL Berlin; 1951 Prof. für Grundlagen des Marxismus-Leninismus, stellv. Dir., 1957 – 61 Rektor u. 1961 – 69 Prorektor der HS für angew. Kunst in Berlin-Weißensee.Ebert, H. (Hrsg.): Drei Kapitel Weißensee. Dokumente zur Geschichte der Kunst-HS Berlin-Weißensee 1946 bis 1957. Berlin 1996; Weber, H.: Damals, als ich Wunderlich hieß. Vom Parteihochschüler zum krit. Sozialisten. Die SED-PHS »Karl Marx« bis 1949. Berlin 2002.Beatrice Vierneisel

Wer war wer in DDR

Vaatz, Arnold

* 9.8.1955

Geb. in Weida (b. Gera); Vater Landwirt; Abitur; 1974 – 76 NVA; 1976 – 81 Studium der Mathematik in Dresden, Dipl.-Math.; 1976 – 80 Fernstudium der Theol. (mit dem »Befähigungsnachweis zur freien Wortverkündung«); 1981 – 90 Tätigkeit beim VEB Komplette Chemieanlagen Dresden, ab 1987 als Gruppenltr. für Computertechnik; 1982/83 sechsmonatige Haft wegen Verweigerung des Reservedienstes; seit den 1970er Jahren staatskrit. Aktivitäten, enge Kontakte zu  Reiner Kunze u.  Ibrahim Böhme, Beiträge in Samizdat-Publ.; Okt. 1989 Gründungsmitgl. des Neuen Forums in Dresden, Dez. 1989 Wahl in die Gruppe der 20; Febr. 1990 CDU; Mai – Okt. 1990 Stellv. des Regierungsbevollm. für den Bez. Dresden mit dem Aufgabenbereich »Länderbildung«. Nov. 1990 – Dez. 1991 Staatsmin. als Chef der Sächs. Staatskanzlei; 1992 – 98 Sächs. Staatsmin. für Umwelt u. Landesentw.; 1996 – 2000 Mitgl. des CDU-Bundesvorst., 1998 – 2000 Mitgl. des Präsidiums der CDU; seit 1998 MdB, seit 2002 Sprecher der ostdt. Abg. u. stellv. Vors. der CDU/CSU-Fraktion; 2009 Sächs. Verdienstorden.Die friedl. Rev. war ein guter Anfang. Fürstenfeldbruck 1997; »An diesem Tag schloß die letzte Diktatur auf dt. Boden ihre Augen«. In: Jesse, E. (Hrsg.): Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006. Kuhrt, E. (Hrsg.): Opposition in der DDR von den 70er Jahren bis zum Zusammenbruch der SED-Herrschaft. Opladen 1999; Richter, M.: Die Bildung des Freistaates Sachsen. Göttingen 2004.Eckhard Jesse

Handbuch Deutsche Kommunisten

Vehlow, Franz

* 24.10.1895 – ✝ 1.12.1936

Geboren am 24. Oktober 1895 in Köln-Kalk, Sohn eines Fabrikarbeiters; lernte Dreher. Mitglied der KPD und Betriebsrat, sein Mandat für den Anfang September 1928 in Leipzig tagenden ADGB-Kongreß wurde für ungültig erklärt. Wegen einer Unterschriftensammlung gegen seinen Ausschluß vom ADGB-Kongreß dann aus dem Betrieb entlassen, wurde er im März 1929 hauptamtlicher Funktionär der KPD-BL Mittelrhein. 1929/30 hielt er sich in Ostpreußen auf, war Redakteur am KPD-Blatt »Echo des Ostens« bzw. wirkte als Orgleiter der KPD Ostpreußen, dann zeitweise Sekretär des KPD-Reichstagsabgeordneten Fritz Selbmann. Vehlow absolvierte 1931 den V. deutschen Lehrgang an der M-Schule der Komintern in Moskau und gehörte vor 1933 unter dem Decknamen Louis Schuster dem AM-Apparat der KPD an. Im Frühjahr 1933 wurde er vom ZK beauftragt, die interne Überprüfung von »Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Verhaftung von Ernst Thälmann« zu leiten. Er emigrierte 1934 ins Saargebiet, anschließend in die Schweiz, dort Leiter der Roten Hilfe und zugleich für den Komintern-Nachrichtendienst OMS tätig. Deshalb festgenommen, nach Frankreich ausgewiesen, hier gehörte er der KPD-Emigrationsleitung an. 1936 ging er nach Spanien, war u. a. Politkommissar des »Thälmann-Bataillons«. Franz Vehlow ist am 1. Dezember 1936 vor Madrid gefallen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Verner, Wenzel

* 4.4.1887 – ✝ 1938

Geboren am 4. April 1887 in Prag; lernte Horizontalbohrer und ging auf Wanderschaft. Er ließ sich 1906 in Chemnitz nieder und wurde 1909 Mitglied der SPD. 1914 Soldat an der Ostfront, geriet in russische Gefangenschaft. Im Juli 1918 zurückgekehrt, schloß er sich der USPD an und wurde 1919 einer der Mitbegründer der KPD in Chemnitz. Verner arbeitete dort in seinem Beruf, zeitweise Betriebsratsvorsitzender, bis er 1924 in der BL Erzgebirge-Vogtland als Agitpropsekretär eingesetzt wurde. In den Auseinandersetzungen der zwanziger Jahre treuer Anhänger von Ernst Thälmann, 1930 wurde er Polleiter im UB Plauen, ab 1932 in Dresden aktiv, zuletzt im UB Bautzen. 1933 verhaftet und zu acht Monaten (nach anderen Angaben zwei Jahren) Gefängnis verurteilt, Verner und seiner Familie wurde die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Nach der Ausweisung im Oktober 1934 konnte er zunächst in die âSR, dann in die Sowjetunion emigrieren. Dort im Oktober 1937 vom NKWD verhaftet, am 27. Oktober aus der Partei ausgeschlossen, soll Wenzel Verner 1938 im Gulag umgekommen sein. Seine Söhne Paul (* 26. 4. 1911 – † 12. 12. 1986) und Waldemar (* 27. 8. 1914 – † 15. 2. 1982) waren bereits vor 1933 Funktionäre des KJVD, nach 1933 im Widerstand. Paul Verner war Soldat der Internationalen Brigaden in Spanien, anschließend in schwedischer Emigration. Nach 1945 Mitbegründer der FDJ, von 1963 bis 1984 Mitglied des Politbüros der SED. Waldemar Verner besuchte die Leninschule in Moskau, anschließend Instrukteur der AL Nord in Kopenhagen. Nach 1945 SED-Funktionär, später Admiral der Volksmarine.

Wer war wer in DDR

Vesper, Walter

* 26.6.1897 – ✝ 17.12.1978

Geb. in Wuppertal-Barmen; Eltern Fabrikarb.; 1903 – 11 kath. Volksschule; 1911 Hilfsarb.; 1911 – 14 Ausbildung zum Maurer in Wuppertal; 1912 SAJ u. 1915 Bauarbeiterverb.; 1915 – 18 Militärdienst (Infantrie), 1916 an der Ostfront, 1917 Italien, verwundet; Jan. 1918 Teiln. an Munitionsarbeiterstreik in Jena, Febr. 1918 verhaftet, bis Mai 1918 U-Haft in Halle; anschl. Frontdienst, desertiert; Nov. 1918 in Wuppertal Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats; 1918 Spartakusbund; Dez. 1918/Jan. 1919 Teiln. an den Kämpfen in Berlin, verwundet; 1919 KPD-Gründungsmitgl.; 1919/20 Maurer in Dortmund; März 1920 aktiv gegen Freikorps in Wuppertal, Remscheid, Essen-Wasserturm, Lippe u. an der Ruhr; ab 1921 Seemann bei versch. Reedereien; 1922 Arbeiter im Hamburger Hafen; Heizer bei der Stinnes-Reederei; nach Beteiligung an einer Meuterei nach Leningrad; dort im Klub der Internationale der Seeleute u. Hafenarbeiter (ISH) tätig; Mai 1924 Rückkehr nach Hamburg; ab 1925 in Düsseldorf; 1928 BPS der KPD in Leichlingen (Rheinl.); 1928 – 33 Sekr. u. Kassierer im KPD-Bez. Niederrhein; 1930 Reichsparteischule »Rosa Luxemburg« Berlin-Fichtenau; März 1933 in Siegen (Westf.) verhaftet, U-Haft in Bonn, Haft in Köln, Düsseldorf u. im KZ Börgermoor (b. Papenburg); hier Ltr. der KPD-Gruppe (»Moritz«); Ostern 1934 entlassen, anschl. Illegalität; 1934/35 zentr. Funktion im M-Apparat der KPD in Berlin; 1935 nach Prag; erneut illeg. Einsatz in Berlin u. Hamburg, dann nach Moskau, Teiln. am VII. Weltkongreß der KI u. der »Brüsseler Konferenz« der KPD; 1935/36 Arbeit für die ISH im Internat. Seemannsklub in Leningrad, 1936/37 ISH-Sekretär; 1937 – 39 in Spanien; Angeh. des Thälmann-Btl. der Internat. Brigaden; kurzztg. Pol.-Kommissar in Pozo Rubio (Offiziersschule); dann nachrichtendienstl. Arbeit für den NKWD in Barcelona, der auch für »Säuberungen« zuständig war; 1939 illeg. in Paris, im Sept. verhaftet, Verhöre durch die französ. Spionageabwehr; ab Dez. interniert, im Mai 1940 aus dem Lager Marolles (Loir-et-Cher) geflohen; ab Dez. 1940 »Zersetzungsarbeit« (TA-Arbeit) in der dt. Wehrmacht; ab 1941 Mitgl. der Ltg. der KPD Toulouse (»Peter«); ab 1942 in der frz. Résistance Ltr. der TA-Arbeit für das Gebiet Lyon; ab 1943 Mitgl. des »Komitee Freies Dtl. des Westens«, zeitw. in Marseille; 1944 Mitarb. der Ltg. der KPD in Paris; anschl. Ltr. der dt. Gewerkschaftsgr. der CGT in Paris, organisierte die Rückführung der KPD-Kader nach Dtl. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl.; Juni Mitbegr. der KPD in Kusel, Birkenfeld u. Düsseldorf; 1945 – 48 1. Sekr. u. Kadersekr. des KPD-Bez. Niederrhein; 1946/47 Abg. des NRW Landtags, Mitgl. des KPD-Fraktionsvorst.; 1948 –51 Vors. des KPD-Bez. Niederrhein; Mitgl. des KPD-LV NRW u. des KPD-PV in Frankfurt (Main); 1949 – 52 Abg. des Dt. Bundestags; ab 1948 maßgebl. an der Arbeit des KPD/SED-Nachrichtendienstes (»Parteiaufklärung«) beteiligt, dessen Quellen später teilw. vom MfS übernommen wurden (»Peter«); Okt. 1951 illeg. Übersiedl. in die DDR; Dez. 1951 – 59 Ltr. der Westabt. des NR der NF u. stellv. Vors. des Büros des Präs. des NR der NF; 1957 Banner der Arbeit; 1959 – 61 Botschafter in Ungarn (Nachf. von  Rudolf Helmer); 1961 – 65 Botschafter in der ČSSR; Rentner; 1962 VVO; 1967 u. 1972 KMO; 1968 sowj. Medaille 50 Jahre Rote Armee; 1977 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Krohn, B.: Vom »Karabinerkommunisten« zum Botschafter: W. V. In: »... Se krije us nit kaputt.« Geschichte des Wuppertaler Widerstands. Essen 1994 (hrsg. von der Forschungsgr. des Wuppertaler Widerstands); Müller-Enbergs, H. (Hrsg.): Inoffiz. Mitarb. des Min. für Staatssicherheit. Teil 2. Berlin 1998; Uhl, M.: Die internat. Brigaden im Spiegel neuer Dokumente. In: Internat. Wiss. Korresp. Nr. 4/1999.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Viehweger, Axel

* 27.11.1952

Geb. in Waldenburg (Krs. Glauchau); EOS, Abitur; 1970 LDPD; 1973 – 78 Studium der Energietechnik u. Kernphysik an der TU Dresden, Dipl.-Physiker; danach wiss. Assistent am Inst. für Energetik an der TU Dresden; 1985 Prom. zum Dr.-Ing. über Fernwärmeversorgung; 1979 – 85 Abg. der Stadtbez.-Vers. Dresden-West; 1981 – 85 dort Vors. des Stadtbez.-Verb., 1986 – 90 Vors. des Krs.-Verb. Dresden-Stadt der LDPD; 1985 – 90 Stadtrat für Energie in Dresden; 12.2.1990 Mitgl. des Präs. des Bunds Freier Demokraten, später Mitgl. der FDP; April – Juli 1990 Min. für Bauwesen, Städtebau u. Wohnungswirtschaft (Nachf. von  Gerhard Baumgärtel); trat nach Vorwürfen der Zusammenarb. mit dem MfS zurück; Geschäftsf. der Kracon Engineering Consultation. Okt. 1990 – März 1991 Abg. des Sächs. Landtags; seit 1992 freiberufl. tätig; seit 2000 Ltr. der Arbeitsgr. Mittel- u. Osteuropa der Cecodhas (Verb. der Europ. Sozialen Wohnungswirtsch.); seit 1.1.2002 Verbandsdir. u. Vorst. der Sächs. Wohnungsgenossenschaften; lebt in Berlin-Wilhelmsruh.Ein Beitrag zur Ermittl. »günstiger« hydraul. Betriebsregime für Heißwasser-Fernheiznetze. Dresden 1985.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Vieweg, Kurt

* 29.10.1911 – ✝ 2.12.1976

Geb. in Göttingen; Vater Bankangest.; Realgymnasium; Mitgl. der Wandervogel- u. der Landvolkbew. in Itzehoe; bis 1933 als Industrie- u. Landarb. tätig; 1930/31 Besuch der Landw.-Schule in Eisleben (Freistelle), landw. Gehilfe; 1930 – 32 HJ, stellv. Jungbannführer; ab 1931 für den KJVD tätig; Kontakte zum »Aufbruchkrs.«; 1932 Mitgl. des KJVD Weißenfels; KPD; Mitarb. der KJVD Sachsen-Anh.; 1933 Emigr. nach Dänemark; in Lyngby u. Gentofte für die RH tätig; 1935 – 40 Gasthörer der Landw. HS Kopenhagen; zus. mit  Hans Klein Aufbau eines Hilfskomitees in Aarhus; 1936 – 40 Mitarb. der illeg. KPD-Abschnittsltg. Nord, enge Zusammenarbeit mit dem Abwehrltr. der KPD, Kurt Granzow; Teiln. an kommunist. Emigr.-Arbeit (»Kurt Stein«); Red. der illeg. Ztschr. Bauernbriefe (»Oswald«); landw. Studien für die KPD; nach der Okkupation Dänemarks illeg.; in der KPD-Widerstandsgr. u. dän. Widerstandsbew. Frit Danmark; 1943 nach Schweden; kurze Internierung in Tyllesand; dann Wald- u. Fabrikarb.; 1943 Pol.-Ltr. der KPD Göteborg-Borås; 1944/45 Studium an der landw. HS Ultuna (Uppsala); Frühj. 1945 Rückkehr nach Dänemark; Sekr. des antifa. Flüchtlingsaussch. in Kopenhagen; Mitarb. des dän. Sozialmin.; zul. Pol.-Ltr. der KPD-Gruppe. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946/47 Landesbauernsekr. der VdgB Sachsen-Anh.; 1947 – 52 Gen.-Sekr. der VdgB (Nachf. von  Anton Jadasch); 1947 – 57 Mitgl. des ZV der VdgB (BHG); 1948 – 51 Mitgl. des Vorst. des Zentralverb. der landw. Genossenschaften; 1948 Mitgl. des Sekr. der DWK; 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 54 Mitgl. des ZK der SED, 1950 – 53 auch des Sekr.; Sekr. für Landw.; 1950 – 54 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1951 Ord. Mitgl. der DAL; ab 1954 Sekretar der Sekt. Agrarökonomik; im Rahmen des Gesamtdt. Arbeitskrs. für Land- u. Forstw. Entw. eines »Dt. Agrarplans« sowie Aufbau u. Ltg. mehrerer illeg. Apparate in der Bundesrep. Dtl.; nach seiner Enttarnung u. Öffentlichmachung betrieb die ZPKK der SED seine Absetzung aus allen Ämtern; 1953 – 57 Dir. des Inst. für Agrarökonomik; 1954 Mitgl. der Sekt. Wirtschaftswiss. der DAW; 1955 Prom. an der HU Berlin zum Dr. agr.; Habil. u. Ernennung zum Prof. der DAL; Hrsg. des »Handbuchs des Genossenschaftsbauern« (mit  Otto Rosenkranz); 1955 NP; Nov. 1955 Studienreise nach Schweden u. Dänemark; interne Ausarbeitung eines »Neuen Agrarprogramms für die Entw. der Landw. beim Aufbau des Soz. in der DDR«, im Febr. 1957 von der 30. Tagung des ZK der SED als revisionist. zurückgewiesen; März 1957 erzwungener Rücktritt von allen Ämtern bzw. Ausschl. von den Wahlfunktionen; 27.3. 1957 Flucht über Berlin (West) in die Bundesrep. Dtl., Kontakt mit Herbert Wehner; 19.10. 1957 Rückkehr in die DDR, sofort in »Schutzhaft«, 27.3.1958 Haftbefehl; Okt. 1959 durch das Oberste Gericht der DDR wegen »Staatsverrats« zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt (27.12.1990 Aufhebung des Urteils durch das LG Berlin), Aberkennung aller Titel u. Ansprüche; Dez. 1964 Gnadenerlaß des Vors. des Staatsrats u. Entlassung aus dem Zuchthaus Bautzen II; ab 1965 wiss. Mitarb. am Nord. Inst. in Greifswald; ab 1969 dort Forschungsgr.-Ltg. u. Lehrtätigkeit, Forschungstätigkeit u. a. Aktivitäten für die Hauptverw. Aufklärung des MfS; 1971 a. o. Prof.; 1974 Ruhestand; gest. in Greifswald.Die Bauern u. die kommende demokrat. Rep. In: Pol. Info. (1944) 13; Agrarprobleme des neuen Dtl. In: Ebd. (1944) 21 u. 22; Zur Theorie der Standortverteilung der landw. Prod. Berlin 1954; Zu Fragen des landw. Bauwesens. In: Die Dt. Landw. (1956) Sondernr.; Zu den neuen Aspekten der gegenwärt. ideolog. Diskussion in der dän. Sozialdemokratie; In: Nordeuropa Studien (1966) 1; Zu einigen theoret. Aspekten der Diskussion über europ. Sicherheitsfragen in Skandinavien. In: Ebd. (1969) 3. Rehabil. von Prof. K. V. u. M. Langendorf. In: Neue Justiz (1991) 3; Scholz, M. F.: Bauernopfer der dt. Frage. Der Kommunist K. V. im Dschungel der Geheimdienste. Berlin 1997.Siegfried Kuntsche / Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Voelkner, Hans

* 21.8.1928 – ✝ 15.11.2002

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen), Eltern Zirkusartisten; 1935 Emigr. nach Frankreich; in Paris Mitgl. der »Roten Kapelle«; seit 1932 als Zirkusartist tätig; 1937 – 41 Schulbesuch in Paris; 1941 – 43 »Umschulungslager für auslandsdt. Jugendl.« in Hohenelse (b. Rheinsberg); 1943/44 Ausbildung zum Buchhändler; 1944 RAD, desertiert; aufgegriffen u. inhaftiert in Stettin, »Todesmarsch« zum Zuchthaus »Dreibergen«, am 3.5.1945 befreit. Juni 1945 Rückkehr nach Frankreich; 1946/47 Maschinenschlosserlehre; Mai – Okt. 1947 Collège Cévenol in Chambon sur Lignon; Okt. 1947 nach Teiln. an einer Demonstration Ausweisung nach Mainz; 1947 – 49 Dolmetscher; 1949 Festnahme bei einem Versuch, illeg. in die SBZ zu gelangen, Verurteilung wegen »Spionage« zu 25 Jahren Arbeitslager, 1949 – Mai 1955 Haftstrafe in Bautzen; nach Schwerin entlassen, wohnte dort beim Schriftsteller Benno Voelkner; 1955 – 57 Bibliothekar in Schwerin; SED; Fernstudium, 1960 Dipl.-Bibliothekar; 1957 – 60 Ltr. eines Kulturhauses; 1960 – 64 Ltr. der Abt. Kultur beim Rat des Krs. Lübz; 1961 gepr. Dolmetscher u. Übersetzer für die französ. Sprache; 1962/63 Studium an der ASR in Potsdam-Babelsberg; Febr. 1956 – 62 für die MfS-Kreisdienststelle Lübz u. ab Juli 1962 für die HV A als »Janek« erf.; 1964 – 69 wiss. Mitarb. in der Generaldir. des Dt. Reisebüros u. Instrukteur der HV A; 1969 in Paris verhaftet u. zu 12 Jahren Haft verurteilt; 1969 – 74 Haft in Santé u. Melun, 6.9.1974 durch Häftlingsaustausch Rückkehr in die DDR; 1975 – 87 wiss. Mitarb. im IPW; 1987 Invalidenrentner. Mai 1992 Mitbegr. u. Mitgl. des Sprecherrats des Insider-Komitees zur Förderung der krit. Aneignung der MfS-Geschichte. V. betreute von 1962 – 69 wichtige Quellen der HV A in Frankreich, deren Informationen bedeutenden Aufschluß über die NATO erlaubten.Salto mortale. Berlin 1989.Wolfgang Hartmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ullrich, Ferdinand

* 22.6.1902 – ✝ 28.8.2001

Geboren am 22. Juni 1902 in Odessa, Sohn österreichischer Eltern, Bruder von Lisa Ullrich – der Vater war Schriftsetzer. Er besuchte von 1909 bis 1911 die deutsche Schule in Odessa und von 1911 bis 1914 die Elementarschule in Riga. 1915 wurde die Familie aus Rußland ausgewiesen, er lernte in Berlin Schlosser. Von 1917 bis 1921 Verlagsgehilfe, schloß sich 1919 der FSJ an. Ab 1921 Sekretär der KJD für den Bezirk Magdeburg, trat 1922 in die KPD ein, war bis 1923 hauptamtlicher Leiter der Literaturvertriebsstelle in Bielefeld, anschließend Sekretär der BL Magdeburg. 1923 aus Deutschland ausgewiesen, ging er in die ?CSR und schlug sich als Hilfsarbeiter durch. Ullrich kam 1924 zurück, wurde Leiter des Literaturvertriebs der KPD-BL Württemberg in Stuttgart. Im Januar 1925 verurteilte ihn der Staatsgerichtshof in Leipzig im sogenannten Buchhändler-Prozeß zu drei Jahren Gefängnis, wegen der »Hindenburg-Amnestie« nur bis Ende 1925 inhaftiert. 1926 Leiter des Literaturvertriebs der KPD-BL Pfalz in Mannheim. Als nichtdeutscher Staatsangehöriger 1926 erneut ausgewiesen, hielt er sich in Frankreich auf. Er wurde 1927 zunächst Mitarbeiter, dann als Nachfolger von Hans Holm Leiter des Parteiverlags der KPD VIVA in Berlin. Von 1928 bis 1931 im Apparat der Komintern in Moskau, dort von 1931 bis 1935 Aspirant am Institut der Roten Professur. Ullrich gehörte 1935 dem Orgbüro des VII. Weltkongresses an, war bis 1938 Mitarbeiter des Gebietskomitees der KPdSU und Lehrer am Parteiinstitut in Saratow. Dort am 18. Januar 1938 verhaftet und am 14. Oktober 1938 durch ein Sondergericht des NKWD zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, die er bis 1946 u. a. einem Gulag in der ASSR der Komi verbrachte. Seine Schwester Lisa setzte sich in Briefen an Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht wiederholt für seine Freilassung und ab 1945 für seine Rückkehr nach Deutschland ein. Nach der Entlassung aus dem Lager blieb er bis 1955 als Lehrer an Mittelschulen im Altaigebiet und wurde am 6. August 1955 durch das Oberste Gericht der UdSSR »strafrechtlich rehabilitiert«. Ende Juni 1956 kam Ullrich in die DDR und begann als Übersetzer bzw. Redakteur in der Leninabteilung des IML, wechselte 1958 an das Institut für Gesellschaftswissenschaften und arbeitete als Dozent in der Abteilung Information/Dokumentation. Er erhielt 1972 die Ehrendoktorwürde, 1977 die Ehrenspange zum VVO in Gold. Ferdinand Ullrich starb am 28.August 2001 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Umann, Joachim

* 13.7.1922 – ✝ 5.5.2002

Geb. in Dresden; Vater Handlungsgehilfe, Mutter Krankenschwester; Volks- u. Oberschule, Abitur; Wehrmacht; 1940 NSDAP; 1944 Oltn., 1944 – 49 sowj. Kriegsgef.; 1948 / 49 Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Werkstattschreiber im VEB Edelstahlwerk Döhlen (b. Freital); 1951 SED; 1951 / 52 Sekr. des DSF-KV Bautzen; 1952 – 55 Hauptred. bei der Ztg. »Tägliche Rundschau«; 1953 – 57 Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1955 – 62 Abt.-Ltr., Redaktionssekr., stellv. Chefred. der Auslandsillustrierten »Freie Welt«; 1962 – 65 stellv. u. amt. Chefred. der NBI; 1965 – 71 stellv. u. amt. Chefred., 1971 – 87 Chefred. der »Freien Welt« (Nachf. von  Sepp Horlamus); 1974 – 87 Mitgl. des DSF-ZV; 1966 Präs. der Fotosektion der Internat. Org. der Journalisten (IOJ); 1972 – 87 Mitgl. des Präs. des VDJ-ZV; Rentner; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Unger, Otto

* 5.9.1893 – ✝ 19.3.1938

Geboren am 5. September 1893 in Böllberg/Krs. Halle als Sohn des Tischlers Traugott Unger; lernte auch Tischler und besuchte die Tischlerfachschule in Leipzig. Mitglied im Leipziger Jugendbildungsverein, war er bald 2., dann 1. Vorsitzender. Seit 1911 Mitglied der SPD, dem Holzarbeiterverband war er bereits zwei Jahre vorher beigetreten. 1912 Wanderschaft durch ganz Deutschland, danach in Stuttgart aktiv in der Jugendarbeit, er schloß sich den Stuttgarter Linken um Edwin Hoernle, Clara Zetkin und Friedrich Westmeyer an. Er mußte im September 1914 zum Militär und im November an die Front nach Frankreich, blieb mit geringen Unterbrechungen durch Verwundung und Krankheit bis Kriegsende Soldat. Als Anhänger der Spartakusgruppe seit 1917 Mitglied der USPD, er lebte 1918/19 in Leipzig. Seit März 1919 Mitglied der KPD, vor allem in der Jugendarbeit aktiv. Er gehörte der BL der FSJ Leipzig an, kam im Herbst 1920 nach Berlin, wurde Geschäftsführer des Verlags »Junge Garde«, des Organs der kommunistischen Jugend. Seit Dezember 1920 Mitglied des ZK der KJD, u. a. für die Schulung der KJD verantwortlich, nun unter dem Parteinamen Bork. Im April 1921 Delegierter des 2. Kongresses der KJI in Moskau, dort in das EK gewählt und zum Sekretär berufen, gleichzeitig war er Vertreter der KJI bei der Komintern. Auf dem V. Weltkongreß der Komintern im Juli 1924 referierte Unger über Jugendfragen, schied aber im gleichen Jahr aus seinen Funktionen aus. Dann studierte er bis 1925 an der KUNMS, kam im Herbst 1925 als Referent in die Orgabteilung der Komintern. Er war auch schriftstellerisch tätig, schrieb Gedichte und Broschüren, von ihm stammt z. B. der Beitrag über die Kommunistische Jugendinternationale im »Jahrbuch für Wirtschaft, Politik und Arbeiterbewegung« 1923/24. Im Frühjahr 1926 kehrte Unger nach Deutschland zurück und wurde als Instrukteur des ZK in den Bezirken Wasserkante, Nordwest und Niedersachsen eingesetzt. Auf Vorschlag Ernst Thälmanns im Herbst 1926 zum Orgleiter der BL Wasserkante gewählt und nach Reorganisation des Bezirks Agitpropsekretär. Er gehörte zu den Versöhnlern und wurde während der Auseinandersetzungen im Herbst 1928 nach der Wittorf-Affäre aus seiner Funktion entlassen. Von Hamburg nach Berlin übergesiedelt, trennte sich Unger 1930 von den Versöhnlern, war zunächst Parteifunktionär in Wilmersdorf und Wedding. Anschließend im AM-Apparat der KPD tätig (»Spezialarbeit« unter der Berliner Schutzpolizei). Ende 1931 übertrug ihm das ZK die Leitung des Zeitungsverlages »Die Nachrichten«. Ab Frühjahr 1932 Prokurist der Verlagszentrale AG, der Dachgesellschaft sämtlicher Zeitungsverlage der KPD, er begann Anfang 1933 in Zusammenarbeit mit Willy Reimers den illegalen Literatur- und Zeitungsvertrieb aufzubauen. Durch Verrat am 12. April 1933 festgenommen, mißhandelt und ins KZ eingeliefert. Ende Oktober 1933 entlassen, emigrierte Unger Anfang 1934 in die Sowjetunion und kam in die Moskauer VAA. Vom NKWD im November 1937 verhaftet und am 19. März 1938 durch das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR zum Tode verurteilt, wurde Otto Unger noch am selben Tag erschossen. Seine Frau Rosi, geborene Rosenbaum (* 22. 1. 1905 – † 20. 11. 1997), war Stenotypistin, trat 1918 der FSJ und 1919 der KPD bei. Zunächst in Hamburg und Bremen, kam sie 1923 nach Moskau, als Stenografin in der deutschen Sektion der Komintern tätig. Heirat mit Otto Unger, mit ihm nach Hamburg zurück, arbeitete sie in der Frauenabteilung der BL Wasserkante. 1934 Emigration in die Sowjetunion, Redakteurin bei der DZZ. Nach Verhaftung Otto Ungers entlassen, Deutschlehrerin an einer Moskauer Mittelschule. Nach Kriegsbeginn verhaftet und bis 1955 in Kasachstan, dann Lehrerin in Moskau. Im Frühjahr 1977 kam sie in die DDR, kehrte jedoch im Herbst 1977 wieder zu ihren Söhnen nach Moskau zurück.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Urbahns, Hugo

* 18.2.1890 – ✝ 16.11.1946

Geboren am 18. Februar 1890 in Lieth/Süder-Dithmarschen, Sohn einer Bauernfamilie; besuchte die Mittelschule in Heide/Holstein, eine Präparandenanstalt und das Lehrerseminar in Segeberg und Tondern. Seit Februar 1910 Volksschullehrer im Kreis Hadersieben, Wesselburen und in Hamburg. Bei Kriegsausbruch meldete er sich freiwillig und kam an die Front. Als Tbc-Kranker noch vor Kriegsende entlassen, wieder Oberlehrer in Hamburg. Hier seit 1912 Verbindung zu sozialistischen Kreisen, aber nicht Mitglied der SPD. Nach der Revolution trat er dem Spartakusbund und nach ihrer Gründung der KPD bei, übernahm zunächst verschiedene ehrenamtliche Funktionen und blieb bis 1921 Lehrer. Anfang 1920 in die KPD-BL Wasserkante aufgenommen und KPD-Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag mit der USPD im Dezember 1920. Urbahns, als »blonder Recke« der typische Friese, war nun neben Ernst Thälmann, der erst mit der USPD zur KPD gekommen war, Führer der Partei an der Wasserkante. Zwischen diesen zwei so verschiedenen Personen gab es zwar manche eifersüchtige Reiberei, aber beide gehörten in der KPD zum linken Flügel. Urbahns wurde 1921 Parteisekretär des Bezirks Wasserkante und blieb bis 1923 Polleiter dieses Bezirks. Von 1921 bis 1924 saßen er und Thälmannn als dessen Vertreter im ZA der KPD. Ab 1921 war Urbahns Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, 1922 deren Schriftführer und bis 1927 in diesem Parlament. Als Parteisekretär spielte Urbahns während des Hamburger Oktoberaufstands 1923 eine wichtige Rolle. Er kam von der Chemnitzer Konferenz zurück und mußte feststellen, daß der Aufstand hier durch ein Mißverständnis begonnen worden war, er sorgte nun für einen geordneten Rückzug. Am 13. Januar 1924 verhaftet und als Leiter des Aufstandes festgehalten, obwohl er im Mai 1924 (und wieder im Dezember 1924) als Abgeordneter in den Reichstag gewählt wurde. Nach einem Jahr Untersuchungshaft stand Urbahns im Januar 1925 als Hauptangeklagter wegen des Hamburger Aufstands vor Gericht und erklärte, daß er als damaliger Polleiter des Bezirks Wasserkante verantwortlich sei: »Ich übernehme die volle politische Verantwortung.« Urbahns verteidigte sich mutig, machte vor dem Gericht Propaganda für die KPD und schloß mit dem Ruf: »Lieber im Feuer der Revolution verbrennen, als auf dem Misthaufen der Demokratie verfaulen!« Die KPD feierte ihn und sein Auftreten. Selbst Stalin sagte später, als er Urbahns schon als »Feind« bekämpfte: »Ich habe für Genossen Urbahns als Revolutionär größte Achtung. Ich bin bereit, ihm für seine gute Haltung vor Gericht meine Hochachtung zu bekunden.« Urbahns wurde im Prozeß zu zehn Jahren Festung verurteilt, kam aber schon am 26. Oktober 1925 frei, da der Reichstag auf seiner Abgeordneten-Immunität bestanden hatte. Auf dem X. Parteitag im Juli 1925 war Urbahns in Abwesenheit als Linker in das ZK der KPD gewählt worden. Bei der Veröffentlichung des »Offenen Briefs« im August 1925 noch in Haft, hielt er zur Führung unter Ruth Fischer. Auf der 1. Parteikonferenz im Oktober 1925 in Berlin – nun frei – jubelnd begrüßt, obwohl er von Anfang an den Standpunkt der linken Opposition vertrat. Urbahns nahm im März 1926 am erweiterten EKKI teil (wo ihm Stalin das oben erwähnte Lob aussprach). Beim ersten Versuch, die Reichsgrenze zu überschreiten, war er verhaftet worden, denn kurz vor seiner Abfahrt nach Moskau soll das Berliner Polizeipräsidium durch einen anonymen Anruf aus dem ZK der KPD erfahren haben, daß und mit welchem (falschen) Paß Urbahns unterwegs war. Angeblich hatten nur Franz Dahlem, Walter Ulbricht und Ernst Schneller Kenntnis von seiner Reiseroute. Dieser Vorfall erhitzte die innerparteiliche Diskussion. Im August 1926 stimmte Urbahns gegen den Ausschluß von Ruth Fischer und Arkadi Maslow und unterschrieb im September des gleichen Jahres den »Brief der 700«. Am 5. November 1926 schloß die KPD Urbahns aus ihren Reihen aus. Er war die treibende Kraft bei der Organisierung der linken Opposition und wurde 1928 Führer und Mitbegründer des Leninbundes, den er auch nach dem Ausscheiden von Ruth Fischer, Maslow und Werner Scholem als politischer Kopf bis 1933 weiter leitete. Zunächst griff er die KPD von links an, nach der ultralinken Wendung der Partei 1929 setzte er sich vor allem für eine Einheitsfront gegen den Faschismus ein. Da Urbahns besonders scharf gegen die Nazis aufgetreten war, mußte er 1933 sofort emigrieren, kam zuerst in die Tschechoslowakei, dann nach Schweden. Dort lebte er unter sehr kümmerlichen Verhältnissen, hungerte sich die erste Zeit durch, bastelte dann eine Sägemaschine, um den Bauern das Holz zu zerkleinern. Während der Moskauer Schauprozesse 1936, 1937 und 1938 setzte die sowjetische Regierung Schweden unter Druck, um Urbahns auszuweisen, doch wollte ihn kein Land aufnehmen. Nach Kriegsende lehnte er die Rückkehr nach Deutschland ab. Hugo Urbahns starb am 16. November 1946 bei Stockholm. Seine Freunde veröffentlichten im SED-Organ »Neues Deutschland« eine Todesanzeige, in der es hieß: »Sein gerader und aufrechter Charakter, sein aufrechtes Streben für die Arbeiterklasse lassen ihn uns unvergessen sein ... Arbeiten wir weiter in seinem Sinne.«

Wer war wer in DDR

Uschkamp, Irma

* 3.6.1929 – ✝ 17.9.2014

Geb. in Treuburg (Krs. Oletzko, Ostpr. / Olekko, Polen); Vater Gutsgärtner, Mutter Bibliothekarin; Volks- u. Mittelschule; 1947 SED; 1947 – 52 Arbeiterin, Angest. u. Betriebsass. in Mügeln, Colditz u. Meißen; 1952 Referentin für Berufsausbildung bei der VVB Keramik in Erfurt; 1953 – 60 Werkltr. im VEB Steingutwerk Elsterwerda; 1953 – 59 Fernstud. der Industrieök. an der KMU Leipzig, Dipl.-Industrieök.; 1954 – 63 Abg. der Volkskammer; 1960 / 61 Teiln. am Sonderlehrgang des ZK der SED; 1961 – 64 polit. Mitarb.; 1964 – 66 Sektorenltr., 1966 / 67 stellv. Abt.-Ltr. in der SED-BL Cottbus; 1967 – 70 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. u. Vors. der Bezirksplankomm. Cottbus; 1970 / 71 Stud. an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1971 – 89 Vors. des Rats des Bez. Cottbus, auf eigenen Wunsch aus der Funktion ausgeschieden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Vallentin, Maxim

* 9.10.1904 – ✝ 2.9.1987

Geb. in Berlin; Vater Regisseur Richard V., Mutter Schauspielerin; 1911 – 19 Goethe-Schule Berlin, 1919/20 Berthold-Otto-Schule Berlin; 1920 Ausbildung an der Marie-Seebach-Schule des Staatl. Schauspielhauses; 1921 – 26 Engagements als Schauspieler an versch. Bühnen in Berlin u. am Schauspielhaus Zürich; 1926 KPD; 1927 Gründung u. Ltg. der Agit.-Prop.-Truppe des KJVD; Ende 1927 Umwandlung in die Agit.-Prop.-Truppe »Das Rote Sprachrohr«, Ltg. der Truppe; 1933 Emigr. in die ČSR; Mai 1935 Emigr. in die UdSSR; 1935 – 37 Oberspielltr. am Dt. Gebietstheater Dnepropetrowsk; 1936 dort Inszenierung von Kleists »Der zerbrochene Krug«; 1937/38 Regisseur am Staatstheater Engels; 1938 Denunziation, Ausschl. aus der KPD, im glei- chen Jahr Rehabil., Wiederaufn. in die KPD; 1938 – 45 Mitarb. der dt.-spr Red. des Moskauer Rundfunks. 1945 Rückkehr nach Dtl., Weimar; nach 1946 KPD/SED; Mitbegr. der Abt. Schauspiel an der Musikschule Weimar; 1947 – 52 Intendant des Dt. Theaterinst. Weimar; Ltr. des Jungen Ensembles Weimar; Verbreitung der Methode von Konstantin Stanislawski, Hrsg. von dessen Werken in Dtl.; Inszenierung von Alexander Surows »Das grüne Signal«; 1947 Ernennung zum Prof.; 1952 – 68 Intendant des Maxim-Gorki-Theaters Berlin; 1952 dort Inszenierung von Boris A. Lawrenjows »Für die auf See«, 1954  Friedrich Wolfs »Das Schiff auf der Donau«, 1954 Maxim Gorkis »Dostigajew u. die anderen«, 1956  Johannes R. Bechers »Der Weg nach Füssen«, 1957 Maxim Gorkis »Nachtasyl«; 1955 u. 1962 NP; 1964/65 Intendant der Volksbühne Berlin; 1965 Ord. Mitgl. der AdK; 1967 Inszenierung von Maxim Gorkis »Wassa Shelesnowa«; 1976 u. 1984 VVO; gest. in Berlin.Das Rote Sprachrohr. Berlin 1929; Vom Stegreif zum Stück. Berlin 1949; Schriftenreihe »Bühne der Wahrheit« (Stanislawski-Schriften). Weimar 1949 ff. (Hrsg.).Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Vehmeier, Wilhelm

* 16.1.1893 – ✝ 1.11.1989

Geboren am 16. Januar 1893 in Detmold; Schlosser in Nienhagen, dort auch Gemeindevertreter. Mitglied der SPD, zeitweise Bevollmächtigter des DMV für Lippe. In den zwanziger Jahren Mitglied der KPD. Seit September 1932 Leiter des KPD-UB Lippe und Mitglied der erweiterten BL Ruhr. Am 15. Januar 1933 gemeinsam mit Adolf Scholz in den Lippischen Landtag gewählt. Bereits am 15. März 1933 in Osnabrück verhaftet und am 22. Juli 1933 vom OLG Hamm zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Am 22. Juni 1934 entlassen, im Juli erneut festgenommen, anschließend drei Monate »Schutzhaft«. Danach selbständiger Händler, kaufte Backwaren auf und vertrieb diese im einsamen nordlippischen Bergland. 1945 wieder Mitglied der KPD, bis 1947 Landtagsabgeordneter in Lippe und Vorsitzender der KPD in Lemgo. Nach dem KPD-Verbot kandidierte er auf einer eigenen Liste für einen Sitz im Gemeinderat. Er soll in den fünfziger Jahren beim Straßenverkehrsamt Detmold tätig gewesen sein. Wilhelm Vehmeier starb am 1.November 1989 in Detmold.

Wer war wer in DDR

Verner, Paul

* 26.4.1911 – ✝ 12.12.1986

Geb. in Chemnitz; Vater Metallarb., Mutter Textilarb., beide frühzeitig KPD, 1937 in der UdSSR verhaftet, 1956 rehabil.; Bruder  Waldemar V.; Volksschule; Lehre als Maschinenschlosser; Mitgl. der kommunist. Kindergr.; Jungspartakusbund; 1925 KJVD; 1929 KPD; Volontär im kommunist. Kämpfer-Verlag in Chemnitz; Jugendfunktionär, u. a. Mitgl. der BL des KJVD Sachsen, Instrukteurtätigkeit; Red. der »Jungen Garde«; 1932 – Aug. 1934 in Moskau Korrespondent bei der Ztg. »Komsomolskaja Prawda«; anschl. Werkzeugschlosser in Magnitogorsk; seit Ende 1933 im skandinav. Büro der KJI, Red. der dt. Ausgabe der »Jugendinternationale«; 1934 in Paris Chefred. der »Jungen Garde« bis Frühjahr 1935; dann zur Reorganisierung des KJVD nach Amsterdam; anschl. nach Belgien; Ende 1936 nach Spanien; Gehilfe des Kriegskdo. der 15. Internat. Brigade; Red. bei »El Voluntario«; Febr. 1939 im Parteiauftrag über Frankreich, Amsterdam, Kopenhagen, im März 1939 nach Schweden; 18.10.1939 verhaftet; März 1940 – 42 Internierung in Smedsbo u. Gefängnis; ab Aug. 1943 Arbeit als Metallarb. mit Aufenthaltsbeschränkung außerhalb von Großstädten. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Chefred. im Verlag Neues Leben; Mitbegr. der FDJ; 1946 KPD/SED; 1946 – 49 im PV der SED verantw. für Jugendfragen; Mitgl. des ZR der FDJ; Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Neuer Weg«; 1948 Dt. Volksrat; 1949 Ltr. der Org.-Abt. im ZK der SED; seit 1950 ZK-Mitgl.; 1950 – 53 ZK-Sekr. für gesamtdt. Fragen; 1953 – 58 Ltr. der ZK-Abt. für gesamtdt. Fragen (Westabt.), verantw. für konsp. Arbeit in der Bundesrep. Dtl.; ab 1958 wieder Mitgl. des ZK-Sekr.; Kand. des PB, verantw. für Westprop.; 1961 VVO; seit 1963 Mitgl. des PB; ab 1958 Abg. der Volkskammer; 1959 – 71 1. Sekr. der SED-BL Berlin (Nachf. von  Hans Kiefert); 1963 – 71 Stadtverordn. in Berlin; 1969 u. 1976 KMO; 1971 Ehrenspange zum VVO; 1971 – 86 Mitgl. des Staatsrats u. Vors. des Volkskammer-Aussch. für Nat. Sicherheit (Nachf. von  Paul Fröhlich); Nachf.  Erich Honeckers als ZK-Sekr. für Sicherheit; 1971 – 83 Ltr. der Jugendkommission beim PB; 1972 – 76 Vors. der Kommission zur Überarbeitung des SED-Statuts; 1981 – 84 stellv. Vors. des Staatsrats; 1984 aus gesundheitl. Gründen Rücktritt von allen Ämtern; 1986 Großer Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Auf bewährtem Kurs für Soz. u. Frieden. Ausgew. Reden u. Aufsätze. Berlin 1981.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Vesper, Walter

* 26.6.1897 – ✝ 17.12.1978

Geboren am 26. Juni 1897 in Wuppertal, Sohn einer Arbeiterfamilie; zunächst Hilfsarbeiter, dann Maurerlehre. Im Herbst 1915 Soldat, wurde verwundet und schloß sich während eines Fronturlaubes 1917 der Spartakusgruppe an. Im Sommer 1918 desertiert, lebte er illegal im Bergischen Land. Da er sich gerade in Berlin aufhielt, nahm Vesper Ende 1918 als Gast am Gründungsparteitag der KPD und an den Januarkämpfen 1919 teil. Während des Kapp-Putsches Führer einer MG-Abteilung der Roten Ruhrarmee, gehörte der KAPD an, übernahm jedoch Ende 1920 den Vorsitz der VKPD Wuppertal. Von 1921 bis 1924 in Hamburg Seemann und Schiffsheizer, er schleuste kommunistische Kader in Deutschland ein. Nach der »Hindenburg-Amnestie« 1925 wieder in Wuppertal, Ende 1928 hauptamtlicher Bezirkskassierer und Mitglied des Sekretariats der BL Niederrhein. Am 11. März 1933 in Siegen festgenommen. Nach seiner Freilassung Pfingsten 1934 aus dem KZ Papenburg Leiter der »Reichstechnik« (Koordination der technischen Apparate der KPD im Inland). Im Sommer 1934 emigrierte Vesper in die ?CSR, 1935 in die Sowjetunion, wo er am VII. Weltkongreß und an der »Brüsseler Konferenz« teilnahm. Bis 1937 Leiter des Internationalen Klubs der Seeleute in Leningrad, 1937 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, u.a. Politkommissar. Dann in Paris, bei Kriegsausbruch, interniert. Von Juni 1940 bis zur Befreiung in Frankreich Mitglied der KPD-Leitung in Toulouse und Kämpfer im Maquis, organisierte später die Rückführung der KPD-Emigranten nach Deutschland. Ab Mai 1945 2. Vorsitzender, 1946 1. Vorsitzender des KPD-Bezirks Niederrhein. Von 1946 bis 1949 Abgeordneter des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Ab Oktober 1948 Mitarbeiter im KPD-PV, im August 1949 als Abgeordneter in den ersten Deutschen Bundestag gewählt. Vesper mußte aber auf Parteibeschluß im Oktober 1951 in die DDR übersiedeln, wurde 1952 Leiter der Westabteilung der Nationalen Front, dann in deren Präsidiums-Büro. 1959 DDR-Botschafter in Ungarn und von 1961 bis 1965 Botschafter in der ?CSSR. Zuletzt arbeitete er im IML, er erhielt 1972 den Karl-Marx-Orden. Walter Vesper starb am 17.Dezember 1978 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Vierath, Karl

* 29.2.1884 – ✝ 7.3.1951

Geboren am 29. Februar 1884 in Berlin; lernte Buchdrucker und fand in Berlin eine Anstellung. 1906 SPD-Mitglied, er trat während des Krieges zur USPD über. Er kam mit der USPD-Mehrheit 1920 zur KPD, wo er zum Berliner linken Flügel zählte. Seit 1922 ehrenamtliches Mitglied der BL, spielte er bei den Aufstandsvorbereitungen 1923 eine große Rolle. Vierath wurde auf Vorschlag Sinowjews am 5. Oktober (neben Arthur Rosenberg und Paul Schlecht) in die KPD-Zentrale gewählt. Im November 1923 stimmte er mit Ruth Fischer, Ernst Thälmann und Rosenberg in der Zentrale-Sitzung gegen die Thesen der Mehrheit und stand auch im Dezember 1923 fest zu Ruth Fischer. Vierath zog im Mai 1924 als Abgeordneter in den Reichstag ein und wurde auch im Dezember wiedergewählt. Zwischen den Sitzungspausen des Parlaments polizeilich gesucht (Steckbrief: »Volles Gesicht, Hornbrille«), lebte er illegal. 1924/25 arbeitete er hauptamtlich in der Berliner BL, schloß sich 1925 nach dem »Offenen Brief« der linken Opposition an. Vierath unterschrieb den »Brief der 700«, protestierte im März 1927 gemeinsam mit Hans Bohla und Wilhelm Obendiek gegen die Ausschlüsse von Linken: »Über tausend Funktionäre habt Ihr kaltlächelnd aus der Partei hinausgeworfen.« Nach dem Ausschluß von Jakob Ritter und Georg Kenzler aus der Partei, trat Vierath am 4. August 1927 unter Protest demonstrativ aus der KPD aus. Im Reichstag gehörte er zur »Gruppe der linken Kommunisten«. Als sein Mandat 1928 erlosch, trat er politisch nicht mehr hervor, war als Vertreter einer Sterbekasse tätig. Er war nach 1933 mehrmals kurz inhaftiert, auch nach 1945 nicht politisch aktiv. Karl Vierath starb am 7.März 1951 in Miersdorf (DDR).

Handbuch Deutsche Kommunisten

Vieweg, Kurt

* 29.10.1911 – ✝ 2.12.1976

Geboren am 29. Oktober 1911 in Göttingen, Sohn eines Angestellten; Landarbeiter, Mitglied der Landvolkbewegung, 1930 der HJ, seit 1931 für den KJVD tätig, ging 1932 offiziell zum KJVD in Weißenfels. Im Oktober 1933 Emigration nach Dänemark, dort ab 1936 Mitarbeiter und Kurier der KPD-AL Nord. Vieweg war ab Oktober 1944 illegal in Schweden, zeitweise interniert, 1945 Studium an der landwirtschaftlichen Hochschule in Uppsala. 1946 Rückkehr nach Deutschland. Mitbegründer und Funktionär der VdgB in Sachsen-Anhalt, von 1947 bis 1953 Generalsekretär der VdgB der SBZ/DDR, Mitglied des DWK-Sekretariats. Er wurde 1949 in den SED-PV kooptiert, dem er bis 1954 angehörte. Von 1950 bis 1953 Sekretär für Landwirtschaft im ZK der SED. Wegen seiner Kritik an der SED-Agrarpolitik vom Politbüro gemaßregelt und am 18. März 1957 aus der SED ausgeschlossen. Er floh in die Bundesrepublik, kehrte am 19.Oktober 1957 aber in die DDR zurück und stand zunächst unter MfS-Hausarrest. Vieweg wurde im März 1958 verhaftet und im Oktober 1959 zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Durch eine Amnestie 1964 vorzeitig entlassen, fertigte er für die HV A des MfS Gutachten an. Seit 1965 wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab 1971 als außerordentlicher Professor an der Sektion Nordeuropa-Wissenschaften der Universität Greifswald. Kurt Vieweg starb am 2. Dezember 1976 in Greifswald. Die Revision des Urteils von 1959 erfolgte posthum im Dezember 1990. Eine Biographie über Kurt Vieweg (Bauernopfer der deutschen Frage) veröffentlichte Michael F. Scholz 1997.Siegfried Kuntsche / Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Vogel, Eberhard

* 8.4.1943

Geb. in Altenhain (b. Chemnitz); 1959 – 70 Fußballer beim FC Karl-Marx-Stadt, 1967 DDR-Mstr., 1969 DDR-Fußballer des Jahres; 1970 – 82 Spieler beim FC Carl Zeiss Jena, 1972, 1974 u. 1980 FDGB-Pokalsieger, 1981 im Finale des Europapokals der Pokalsieger; 1962 – 76 Nationalspieler, 1964 u. 1972 Olympiadritter, 1974 6. Platz bei der WM, 25 Tore in 74 Länderspielen; 1983 – 89 Nachwuchstrainer des Dt. Fußballverb., mit der DDR-Juniorenauswahl 1986 Europameister u. 1987 WM-Dritter; 1989/90 Co-Trainer der DDR-Nationalmannschaft. 1990 – 2003 Trainer versch. Amateur- u. Zweitligamannschaften, u. a. 1992 – 94 bei Hannover 96, 1995 – 97 beim FC Carl Zeiss Jena, 2000/01 beim 1. FC Magdeburg, 2002/ 03 beim Dresdner SC; 2004 – 06 beim VfB Sangerhausen; 1997/98 Nationaltrainer von Togo. V. ist mit 440 Einsätzen der Spieler mit den meisten Oberligaspielen in der Geschichte des DDR-Fußballs.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ullrich, Lisa

* 12.8.1900 – ✝ 5.6.1986

Geboren am 12. August 1900 in Odessa, Tochter österreichischer Eltern – der Vater war Schriftsetzer (Schwester von Ferdinand Ullrich). Sie kam schon mit 11 Jahren in einen Textilbetrieb in Riga. Bei Ausbruch des Weltkrieges wurde der Vater interniert, dann die Eltern mit vier Kindern nach Deutschland ausgewiesen. Lisa Ullrich lernte Schneiderin und arbeitete ab 1918 in der Bekleidungs-, Metall- und Elektroindustrie. Im März 1920 Mitglied der USPD, im Dezember 1920 der KPD, zunächst ehrenamtliche Funktionen in der Frauenarbeit. Um die deutsche Staatsangehörigkeit zu erhalten, heiratete Lisa Ullrich 1924 den Dreher und Kommunisten Adolf Dressler, die Ehe wurde 1927 geschieden. Sie war Delegierte zum V.Weltkongreß der Komintern 1924 in Moskau, danach bis August 1925 deutsche Vertreterin im Internationalen Frauensekretariat der Internationale. Anschließend bis 1927 Arbeiterin in Deutschland, ehrenamtlich im RFMB, dann hauptamtliche Mitarbeiterin der Frauenabteilung des ZK. Von Januar 1931 bis August 1932 war sie im Auftrag der Profintern in Prag, Amsterdam und in Frankreich. Lisa Ullrich wurde im Juli 1932 und erneut im November im Wahlkreis Köln-Aachen in den Reichstag gewählt. 1933 unter dem Decknamen Marga Instrukteurin der BL Magdeburg. Am 17.November 1933 festgenommen und am 20.Januar 1935 vom Kammergericht Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, kam dann in KZs. Infolge eines Unfalls im KZ wurde Lisa Ullrich auf persönliche Anordnung des Reichsführers SS Himmler im Frühjahr 1939 freigelassen, war Näherin und Lageristin in Berlin, später Kontoristin und Dolmetscherin. Am 22. August 1944 erneut verhaftet, saß sie bis zur Befreiung im KZ Ravensbrück. 1945 wieder in der KPD, ab Mitte September in der Deutschen Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge. Ende Juli 1946 wechselte Lisa Ullrich als Hauptreferentin in die Frauenabteilung des ZS der SED. Sie besuchte 1948 einen Halbjahreskurs der SED-Parteihochschule »Karl Marx«, war zunächst wieder im Parteiapparat, dann bis 1964 in der Schulungsabteilung der Zentralverwaltung für MAS des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft tätig. Sie erhielt 1980 die Ehrenspange zum VVO in Gold. Lisa Ullrich starb am 5. Juni 1986 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Umland, Peter

* 20.2.1895 – ✝ 5.10.1968

Geboren am 20. Februar 1895 in Brunsbüttelkoog/Krs. Dithmarschen, Sohn einer Arbeiterfamilie. Arbeiter, anschließend fuhr er für die Hapag zur See. Seit 1912 Mitglied der SPD. Im Oktober 1915 zum Militär eingezogen, kam er in Wilhelmshaven zu einer Torpedo-Division. 1917 Mitglied der USPD, ging mit deren linkem Flügel Ende 1920 zur KPD und gehörte der BL Wasserkante an. Zeitweise war er Ersatzmitglied des ZA. Er unterschrieb als Anhänger Hugo Urbahns 1926 den »Brief der 700«. Nach einer persönlichen Aussprache mit Ernst Thälmann trennte sich Umland Ende 1926 von der Urbahnsgruppe. Von März 1933 bis Oktober 1934 im KZ Esterwegen. Ab 1945 Mitglied und Funktionär der KPD, u. a. Sekretär in Süderdithmarschen und Mitglied des LV Hamburg. Peter Umland starb am 5. Oktober 1968 in Brunsbüttelkoog.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Unger, Frieda

* 9.7.1888 – ✝ 13.4.1975

Geboren am 9. Juli 1888 in Schopfheim/Baden als Frieda Eckert, Tochter eines Kleinbauern; war Dienstmädchen und Verkäuferin. 1910 heiratete sie den Maurer und aktiven Sozialdemokraten Karl Unger. Von 1908 bis 1914 lebte sie in Basel, von 1915 bis 1928 in Lahr. 1911 Mitglied der SPD, 1917 der USPD, war sie eine der Führerinnen der USPD in Südbaden und Stadtverordnete in Lahr. Frieda Unger wurde 1921 für die USPD in den Badischen Landtag gewählt. 1922 Übertritt zur KPD. Im September/Oktober 1923 spielte sie bei den Aufstandsversuchen in Mittelbaden eine führende Rolle. Sie wurde verhaftet und konnte im November mit Hilfe ihres Mannes, Karl Unger, fliehen, der nun ebenfalls in der KPD wirkte. Kurz darauf wieder festgenommen, saß sie bis Mai 1924 in Untersuchungshaft, obwohl sie dem Landtag angehörte, 1925 nicht mehr als Abgeordnete gewählt. Im Mai 1926 vom Reichsgericht in Leipzig wegen ihrer Tätigkeit beim Aufstand 1923 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. »Hartes Urteil – natürlich gegen eine Kommunistin«, kommentierte der sozialdemokratische »Vorwärts«. 1927 aus dem Zuchthaus entlassen, bekam sie in der KPD keine Funktion. Sie übersiedelte 1930 – inzwischen von Unger geschieden und als Frieda Haas wieder verheiratet – nach Berlin, arbeitete im Zentralverband der Arbeitsinvaliden. Nach 1933 hatte sie Verbindung zu Widerstandsgruppen, wurde 1937 verhaftet und kam für acht Monate in U-Haft. Ihr Mann wurde noch zur Wehrmacht eingezogen. 1945 erhielt Frieda Unger durch Vermittlung von Edwin Hoernle eine Stelle als Instrukteurin und später als Abteilungsleiterin in der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft bzw. des ZV der VdgB. Ab 1950 Rentnerin, gehörte sie zeitweise dem DFD-Bundesvorstand an, sie erhielt 1968 den VVO in Silber. Frieda Unger-Haas starb am 13. April 1975 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Urban, Hans

* 1895 – ✝ 13.5.1925

1895 in Mitteldeutschland geboren; lernte Schlosser. Nahm als Soldat am Krieg teil. 1917 Mitglied der USPD, ging mit der USPD-Mehrheit 1920 zur KPD und arbeitete in Halle-Merseburg. Delegierter des VII. Jenaer Parteitags 1921. Urban gehörte 1922/23 zur linken Opposition gegen die Brandler-Zentrale. Nachdem die Linken 1924 die Parteiführung übernommen hatten, wurde Urban Mitte 1924 hauptamtlicher Funktionär, Sekretär für Gewerkschaftsfragen in der KPD-BL Halle-Merseburg. Anfang 1925 kam er als Redakteur an den »Klassenkampf«. Im April 1925 mußte er, schwer erkrankt, eine längere Festungshaft antreten. Bereits am 13. Mai 1925 starb Hans Urban in der Festung Gollnow.

Wer war wer in DDR

Uschmann, Georg

* 18.10.1913 – ✝ 23.9.1986

Geb. in Naumburg (Saale); Vater Schneidermstr.; Realgymnasium, Reifeprüfung; 1933 – 39 Studium der Zool. u. Botanik sowie Geschichte, Philos. u. Leibesübungen; 1939 Prom. an der Univ. Jena; 1938 Assistent am Ernst-Haeckel-Haus (EHH), dem Inst. für Geschichte der Zool., insbes. Entw.-Lehre; ab 1940 Wehrdienst, zul. Hptm.; sowj. Kriegsgefangenschaft bis 1950. 1950 Rückkehr ans EHH; ab 1952 Oberassistent; 1959 Habil. u. Doz. für Geschichte der Biol.; 1959 – 79 Dir. des EHH; ab 1962 zugl. Prof. mit Lehrauftrag u. 1965 ord. Prof. für Geschichte der Naturwiss. an der FSU Jena; 1963 Prodekan der Mathemat.-Naturwiss. Fak.; 1964 Mitgl. der Leopoldina; 1967 Dir. des Archivs der Leopoldina; Korr. Mitgl. der Académie Internationale d’Histoire des Sciences; gest. in Jena. Arbeitsgebiete: Werk von Ernst Haeckel, Charles Darwin, Jean B. Lamarck, Carl Gegenbaur, Friedrich Rolle, Daniel G. Messerschmidt u. Christian F. Wolff; Biol. der Goethe-Zeit; Geschichte der Zool., insbes. der Phylogenetik u. Entw.-Lehre.E. Haeckel – Forscher, Künstler, Mensch. Briefe, ausgewählt u. erläutert. Jena 1954; Geschichte der Zool. u. der zoolog. Anstalten in Jena 1779 – 1919. Jena 1959. Berg, W.: G. U. Schriftenverz. u. Bibl. seiner Vorträge. Leopoldina. Jb. 1993. Leopoldina (Reihe 3) (1994) 39; Jahn, I.: Zu Leben und Werk von G. U. (1913 – 86) im Spanungsfeld pol. Umbrüche. In: Nachrichtenblatt der Dt. Ges. für Geschichte der Med., Naturwissenschaft und Technik (1999) 3. JoK

Handbuch Deutsche Kommunisten

Valtin, Jan (Krebs

* 17.12.1905 – ✝ 1.1.1951

(* 1905 – † 1951) Geboren am 17. Dezember 1905 in Darmstadt als Richard Krebs, Sohn eines Kapitäns des Norddeutschen Lloyd in Asien. Nach dem Realgymnasium 1921 Schiffsjunge auf einem Segelschiff, im Frühjahr 1923 Rückkehr. In Bremen Mitglied der KPD, dann wegen Teilnahme am Hamburger Aufstand Flucht nach Antwerpen. Dort als Matrose angeheuert, ab 1924 gehörte er dem Internationalen Propagandakomitee »Transport«, einer Komintern-Abteilung, an und war zugleich Mitarbeiter der OMS. Nach mehrmonatiger Ausbildung in Leningrad in die USA entsandt, am 16. August 1926 in Los Angeles verhaftet und wegen »Angriffs mit einer tödlichen Waffe« zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, jedoch am 5. Dezember 1929 vorzeitig aus dem Zuchthaus San Quentin entlassen, kam Valtin Anfang 1930 nach Le Havre, fuhr nach Bremen weiter und erwarb an der Seefahrtschule 1931 sein Steuermannspatent. Anschließend Leiter des Bremer Internationalen Seemannsklubs (Interklub) und des dortigen kommunistischen Einheitsverbands der Seeleute und Hafenarbeiter, wieder für den Geheimapparat tätig. Ab Sommer 1932 Instrukteur der Komintern in Großbritannien und dann in Norwegen zur Reorganisation der dortigen Seeleutegewerkschaft. Nach 1933 illegale Arbeit in Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen. Am 7.November 1933 festgenommen, nach schweren Folterungen im KZ Fuhlsbüttel im Juli 1934 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Valtin ließ sich (wohl im Auftrag der Komintern) auf eine Mitarbeit für die Gestapo ein, ging nach Kopenhagen, angeblich um das Westbüro der Komintern auszuspionieren. Da die verantwortlichen Komintern-Stellen nichts unternahmen, seine Frau aus Deutschland herauszuholen und er außerdem seit Jahren Auseinandersetzungen mit Ernst Wollweber hatte, trennte er sich von der Komintern und »schaltete« sich nach eigenen Angaben selbst als »Gestapo-Spion« ab. Ende November 1937 wurde Valtin in der dänischen KP-Zeitung »Arbeiterbladet« erstmalig als ein auf der Flucht befindlicher Gestapoagent angeprangert. Daraufhin floh er, gejagt von GPU und Gestapo, in die USA. Hier veröffentlichte er sein Buch »Out of the Night« (deutsch »Tagebuch der Hölle«), welches die »Times« 1941 Buch des Jahres nannte und von dem kurz nach Erscheinen schon über eine Million Exemplare verkauft wurden. Später Freiwilliger bei der US-Army, weilte er im Frühjahr 1950 auf Einladung des CIC in der Bundesrepublik. Jan Valtin/ Richard Krebs starb am 1. Januar 1951 an einer Lungenentzündung. Eine Biographie über Valtin/Krebs veröffentlichte Ernst von Waldenfels 2002.

Wer war wer in DDR

Velhagen, Karl

* 22.9.1897 – ✝ 19.12.1990

Geb. in Chemnitz; Vater Augenarzt; Gymnasium in Chemnitz; 1916 – 18 Kriegsdienst; 1918 – 22 Med.-Studium in München, Freiburg i. Br. u. Leipzig; 1922 Prom. in Halle; 1923/24 Volontärassistent in Chemnitz; 1924 – 27 Assistenzarzt an der Univ.-Augenklinik in Freiburg i. B., 1927 – 29 Assistent an Pharmakolog. Inst. in Freiburg u. Berlin; 1929 – 37 Univ.-Augenklinik Halle; dort 1930 Habil.; 1937/38 stellv. Dir. der Univ.-Augenklinik in Köln; 1938 – 46 Ordinarius u. Dir. der Univ.-Augenklinik in Greifswald. 1946/47 augenärztl. Praxis in Chemnitz; 1947 – 50 Chefarzt der Städt. Augenklinik in Chemnitz; 1950 – 58 Ordinarius u. Dir. der Univ.-Augenklinik Leipzig; hier 1955 – 57 Dekan der Med. Fak.; 1953 Mitgl. der Leopoldina; 1958 – 67 Ordinarius u. Dir. der Augenklinik der HU Berlin; 1962 – 69 Prorektor der Akad. für ärztl. Fortbildung in Berlin; wiss. Arbeiten vor allem auf pharmakotherapeut. u. endokrinolog. Gebiet der Augenheilkunde sowie Prüfung des Farbsinns; 1967 em.; 1960 NP; 1977 VVO; gest. in Berlin.Tafeln zur Prüfung des Farbsinns. Leipzig 1952; Der Augenarzt. 7 Bde. Leipzig 1958 – 67 (Hrsg., 2. Aufl. in 12 Bdn. Leipzig 1969 – 87).Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Verner, Waldemar

* 27.8.1914 – ✝ 15.2.1982

Geb. in Chemnitz; Vater Metallarb., Mutter Strumpfformerin, beide in der UdSSR 1937 verhaftet, 1956 nach mutmaßl. Tod rehabil.; Bruder  Paul V.; 1920 – 28 Volksschule; Lehre als Dekorateur; 1923 kommunist. Kindergr. Chemnitz; 1929 KJVD; 1929 – 33 Dekorateur in Chemnitz u. Leipzig; 1930 KPD; 1933 Haft, März 1934 Anklage wegen »Vorber. zum Hochverrat«; auf Beschluß des ZK des KJVD in die Illegalität; als Instrukteur in Berlin u. Magdeburg; 1935 UdSSR; 1935 – 37 Lenin-Schule in Moskau (»Erich Benkert«, »Rudi«); Frühjahr 1938 nach Kopenhagen, u. a. Instrukteur für Hamburg; Mitgl. der KPD-Abschnittsltg. Nord aktiver Widerstand; Mai – Dez. 1945 Red. der »Dt. Nachrichten«; pol. Betreuung in Flüchtlingslagern. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); 1946/47 1. SED-Krs.-Sekr. in Hagenow; 1947 – 49 in Stralsund; 1947 – 50 Mitgl. der LL der SED; 1950 Ltr. des Amts für Information; 1950 mit deren Gründung Chef der Seepolizei bzw. der Seestreitkräfte; 1955/56 Besuch der Seekriegsakad. in Leningrad; 1957 – 59 Chef der Seestreitkräfte der NVA (Nachf. von  Felix Scheffler); 1959 gegen seinen Willen abgelöst; 1959 – 79 Stellv. des Min. u. Chef der Pol. HV der NVA (Nachf. von  Rudolf Dölling); 1961 Admiral; 1954 Kand. des ZK; 1963 Mitgl., 1974 – 78 Vors. des ASV »Vorwärts« (Nachf. von Arno Mücke); 1966 Scharnhorstorden; 1969 VVO; 1970 Kampforden; 1974 KMO; 1978 aus dem aktiven Wehrdienst entlassen; 1979 Gen.-Sekr. des DDR-Komitees für die KSZE; Ehrenspange zum VVO; 1981 Abg. der Volkskammer; gest. in Berlin.Hagemann, F.: W. V. – »Der Rote Admiral«. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Vettermann, Max

* 11.10.1878 – ✝ 20.7.1937

Geboren am 11. Oktober 1878 in Schönau bei Chemnitz, lernte Schlosser und trat 1901 in die SPD ein. Im Weltkrieg zusammen mit Heinrich Brandler und Fritz Heckert in Chemnitz führend in der Spartakusgruppe tätig, Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD, einer der Mitbegründer der KPD im Erzgebirge, 1919 Sekretär der KPD in Chemnitz. Mehrere Jahre Orgleiter des Bezirks Erzgebirge-Vogtland. Vom VII. Jenaer Parteitag 1921 in den ZA der KPD und vom VIII. Leipziger Parteitag 1923 in die Beschwerde- und Revisionskommission gewählt. Vettermann gehörte zum rechten Parteiflügel, deswegen wurde er Mitte 1924 als Orgleiter abgelöst, blieb noch einige Wochen Sekretär für Gewerkschaftsfragen und kam dann in untergeordnete Positionen (Rote Hilfe usw.). Anfang 1929 aus der KPD ausgeschlossen, trat er der KPO bei und wurde deren Geschäftsführer im Bezirk Erzgebirge. Große Aufregung gab es im April 1929, als Vettermann, einer der alten KPD-Kämpfer, von KPD(RFB)-Anhängern und -Mitgliedern in einer Versammlung zusammengeschlagen und schwer verletzt wurde. Bis 1933 war er in der KPO aktiv, danach im Widerstand gegen das NS-Regime. Max Vettermann starb am 20. Juli 1937 im Krankenhaus in Rabenstein. Sein Sohn Primus Vettermann (*6.1.1904 – †9.3.1982), Werkzeugmaschinendreher, ab 1923 Mitglied der KPD, ging wie sein Vater 1929 zur KPO. Nach 1933 am Widerstandskampf gegen die Nazis beteiligt. 1945 in Rabenstein Mitbegründer der KPD, war zeitweilig Mitarbeiter der Chemnitzer Sozialversicherung, später wieder Dreher. Im Zusammenhang mit den Parteiüberprüfungen 1951 verweigerte Primus Vettermann, sich vom eigenen Vater zu distanzieren, der laut Überprüfungskommission als KPO-Mitglied »Verbrechen an der Partei« begangen hatte. Deshalb aus der SED ausgeschlossen, erst 1958 wurde dieser Beschluß aufgehoben.

Wer war wer in DDR

Viete, Günter Werner Georg

* 24.5.1920 – ✝ 27.7.1974

Geb. in Berlin; Vater Bankangest.; 1938 Abitur; 1938 – 41 Wehrmacht; ab 1941 Studium der Meteorologie u. Geophysik an den Univ. Breslau u. Berlin, dort 1943 Dipl.-Meteorologe; 1944 / 45 Reichswetterdienst. Ab 1946 wiss. Ass. im Inst. für Meereskunde u. im Inst. für Meteorologie u. Geophysik der Univ. Berlin, dort 1947 Prom.; 1952 – 56 wiss. Ass. im Inst. der Brennstoffgeologie u. 1957 – 59 Oberass. im Geolog. Inst. der Bergakad. Freiberg, dort 1959 Habil. u. Berufung zum Doz. für Allg. Geologie u. Quartärgeologie; 1960 Mitgl. der Dt.-Arab. Gesell., ab 1964 Präsidiumsmitgl.; 1963 SED; 1968 Professor mit Lehrauftrag an der Bergakad. Freiberg; 1968 – 70 Vors. der Geolog. Gesell. der DDR; 1973 aus disziplinar. Gründen als Prof. abberufen. Forschungsschwerpunkte: Quartärgeologie, Allg. Geologie, Paläoklimatologie, Braunkohlengeologie u. Neotektonik; ca. 50 wiss. Veröff.Allg. Geologie. Berlin 1960 (Lehrbuch).Martin Guntau

Wer war wer in DDR

Villain, Jean

* 13.6.1928 – ✝ 8.9.2006

Geb. in Zürich (Schweiz); Vater Neurologe u. Psychoanalytiker, Mutter Kunstmalerin; nach dem Abitur 1946 Journalistenschule; Volontariat beim sozialdemokr. »Volksrecht«; Militärdienst; 1949 Mitglied der sozialist. Partei der Arbeit der Schweiz (PdA), Sekr. der Parteiltg., später Sekr. der DDR-Sektion der PdA; Aufenthalt in einem Kibbuz, dort Ausbildung zum Tischler u. Arbeit für die Tageszeitung »Al Hamishmar« in Tel Aviv; Mitarb. der PdA-Ztg. »Vorwärts« u. der Berliner »Weltbühne«; 1950 erste Buchveröff. (»Der Kibbuz – Verwirklichung einer Illusion?«); 1951 – 61 Reisereportagen für die »Weltbühne« aus Westeuropa, ab 1957 v. a. aus Afrika; kurz vor dem Mauerbau 1961 Übersiedl. in die DDR; Korresp. des »Vorwärts« in Ost-Berlin u. Mitarb. der »Neuen Berliner Illustrierten« (NBI); 1963 / 64 maßgebl. beteiligt an der Konzipierung des DDR-Nachrichtenmagazins »Profil« nach Vorbild des »Spiegel«, das jedoch nicht über eine Nullnummer hinauskam; leitete für die NBI 1964 / 65 Kurs für Nachwuchsreporter (Teilnehmer u. a.  Klaus Schlesinger, Landolf Scherzer), der ihm nach dem 11. SED-Plenum 1965 ein partielles Schreibverbot einbrachte, da er Texte des »Spiegel« u. des amerik. Wirtschaftswiss. Paul Sweezy behandelte; Reportagereisen nach Afrika, Indien u. Kuba; 1971 / 72 Vorlesungen u. Seminare an der HU Berlin; lebte seit 1974 in Dreesch bei Prenzlau; seit 1978 vom MfS als IM »Erwin« geführt; Verfasser autobiogr. Romane (»Damals in Allenwinden«, 1978; »Junger Mann aus gutem Hause«, 1987); 1975 Heinrich-Heine-Preis des MfK der DDR; 1988 VVO. Nach 1990 breitere Anerkennung auch in der Schweiz, v. a. durch eine Biographie über die Kinderbuchautorin Johanna Spyri (»Heidi«), seine Urgroßtante (»Der erschriebene Himmel – Johanna Spyri u. ihre Zeit«, 1997); 1994 Fritz-Hüser-Peis; 1997 Ehrengabe der Stadt Zürich; 2007 Autobiogr. »Reisen ohne Rückfahrkarte. Ein Reporterleben« (posthum); gest. in Dreesch.Und so schuf Gott die Apartheid. Berlin 1961; Frühling auf Kuba. Berlin 1971; Die Revolution verstößt ihre Väter. Aussagen u. Gespräche zum Untergang der DDR. Bern 1990; Vineta 89 – Tagebuch einer Wende. Rostock 2002; Bitte nicht stürzen. Wie der DDR Profil abhanden kam u. weitere Zeitungsmacher-Geschichten aus Deutsch-Fernost. Rostock 2004. Knellwolf, T.: Der rasende Rapporteur. In: Die Weltwoche (2006) 23.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Vogel, Heinrich

* 11.9.1932 – ✝ 14.11.1977

Geb. in Zwickau (Cvikov, Bez. Česká Lípa, ČSR); Vater Gewerbetreibender; 1946 Umsiedl. in die SBZ; 1947 – 51 Oberschule u. Abitur in Langensalza; 1949 SED; 1951 – 1955 Studium der Journalistik, später des Marxismus-Leninismus am Franz-Mehring-Inst. der KMU Leipzig, anschl. Einsatz im marxist.-leninist. Grundlagenstudium u. Lehrtätigkeit im dialekt. u. histor. Materialismus an der Math.-Naturwiss. Fak. der Univ. Rostock, dort 1959 Prom. mit der Arbeit »Kritik Max Plancks am Positivismus«, 1959 Berufung zum Doz. für dialekt. u. histor. Materialismus; 1962 – 64 SED-Parteisekretär der WPU u. 1964 – 66 Einsatz in der SED-BL Rostock, Sektor Wiss.; ab 1964 Aufbau der Abt. bzw. eines interdiszipl. Arbeitskreises für Philosoph. Probleme der Naturwiss. an der WPU Rostock; 1966 Habil. mit der Arbeit »Zum philosoph. Schaffen von Max Born« an der EMAU Greifswald; 1972 ord. Prof. für Dialekt. u. Histor. Materialismus an der Sektion Marxismus-Leninismus der WPU Rostock; 1977 VVO; gest. in Rostock. V. gehörte in der DDR zu den Pionieren des Gebietes Philosophische Probleme der Naturwissenschaften und der marxistischen Auseinandersetzung mit den philosophisch-erkenntnistheoretischen Positionen der Begründer der modernen Physik; Begr. u. 1964 – 77 Hrsg. der Schriftenreihe Rostocker Philosoph. Manuskripte.Zum philosoph. Wirken von Max Planck. Berlin 1961; Physik u. Philosophie bei Max Born. Berlin 1968. In memoriam Prof. Dr. H. V. (1932 – 1977): Gedenkreden zum 50. Geburtstag 1982 u. vollständige Bibl. In: Rostocker Philosoph. Manuskripte WPU Rostock (1983) 24/2.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Ulrich, Manfred

* 18.7.1928 – ✝ 29.3.1997

Geb. in Suhl-Heinrichs; Vater Werkzeugmacher; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Verwaltungsangest. beim Landratsamt Suhl; 1946 SED; 1948 – 51 Prüfer der Finanzkontrolle des Landratsamts Suhl; 1952 – 55 Ltr. der Org-Instrukteur-Abt., 1956 Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Suhl; 1959 – 63 Direkt- u. Fernstud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staats- u. Rechtswiss.; 1957 – 63 Bürgermeister von Zella-Mehlis; 1963 – 67 Bürgermeister, 1967 – 69 OB von Suhl (Nachf. von Manfred Schünke); Juni 1969 »Abberufung wg. nicht ausreichender Qualifikation«; anschl. Einsatz als Ltr. der Arbeitsgr. marxist.-leninist. Organisationswiss. beim Rat des Bez. Suhl; gest. in Suhl.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Unfried, Emil

* 21.4.1892 – ✝ 16.6.1949

Geboren am 21. April 1892 in Untergrönningen/Württemberg, Sohn eines Konditors; lernte Mechaniker, kam nach Stuttgart, wo er sich 1912 der SPD anschloß und während des Krieges, den er zeitweise als Soldat mitmachte, zur Spartakusgruppe stieß. Im November 1918 zeitweilig Vorsitzender des Aktions- und Vollzugsausschusses des provisorischen Arbeiterrates in Stuttgart, nahm Unfried als Delegierter Württembergs am 1. Reichsrätekongreß in Berlin teil. Im Januar 1919 trat er der KPD bei, war in Stuttgart ihr 2. Vorsitzender und wirkte bis 1921 als hauptamtlicher Sekretär für die Landarbeit der KPD-BL Württemberg. Seit 1920 auch Wanderredner der KPD, nahm er bis 1923 an fast allen Parteitagen teil. Von 1921 bis 1924 Sekretär für Landarbeit in die Zentrale der KPD in Berlin. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte ihn in die Gewerkschaftskommission. Da er zum rechten Parteiflügel zählte, wurde er im August 1924 abgelöst. Er kam kurze Zeit darauf in den »Münzenberg-Konzern«, wo er die Filmabteilung übernahm und bis 1933 als Fachmann für Filmangelegenheiten wirkte. 1926 Mitbegründer und Direktor der »Prometheus – Film-Verleih und Vertriebsgesellschaft mbH« und später der »Weltfilm«. Es gelang ihm 1933, eine eigene Filmfirma, die »Forum-Film«, aufzubauen, und er produzierte später solche Unterhaltungsfilme wie z. B. »Der Etappenhase«, »Musketier Meier III«, »Das Gewehr über!« Der Schriftsteller Axel Eggebrecht berichtete in seinen Erinnerungen »Der halbe Weg« über Filme, die er mit Unfried schuf: »...Unfried führte die Prometheus unter anderem Namen weiter, seine Gesinnung war unverändert. Die Absicht bestand, mit dem Film ?Musketier Meier III? die Wehrpflicht madig zu machen. Die Absicht mißlang, da sich das Publikum köstlich amüsierte. Mit Nadelstichen war nichts auszurichten gegen ein Regime, dem die Mehrheit sich begeistert unterwarf.« Bis 1945 lebte er in Berlin, er hatte sich – wie seine Frau Lina Becker – von der Politik zurückgezogen und war keinen Verfolgungen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Anläßlich seines 50.Geburtstages im April 1942 gratulierte ihm die Zeitschrift »Der Film – Die illustrierte Wochenschrift«: »Am vergangenen Dienstag, dem 21.April wurde der bekannte Filmverleiher und Filmtheaterbesitzer Emil Unfried 50 Jahre. Seine Firma, die Forum-Film, brachte als erste nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus das gute deutsche Soldatenlustspiel heraus, das im Gegensatz zu den berüchtigten Militärschwänken der Systemzeit den deutschen Soldaten zwar humorvoll, aber unverzerrt und mit Respekt vor der soldatischen Leistung darstellte. Filme wie ?Der Etappenhase? und ?Musketier Meier III?, aber auch der heitere Film vom neuen deutschen Volksheer ?Das Gewehr über!? waren unbestrittene und große Erfolge, an deren Zustandekommen Emil Unfried großen Anteil hatte. Als Filmtheaterbesitzer in Hannover und Minden stellte er zwei vorbildlich geführte Häuser dem Publikum vor. Aus allen Kreisen des Films wurde Emil Unfrieds an seinem Geburtstag mit größter Herzlichkeit gedacht.« 1945 wurde Unfried wieder Mitglied der KPD und trat in Versammlungen für die Bodenreform ein. Dann aber Ende 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet und ins »Spezial-Lager« Sachsenhausen gebracht. Dort kam Emil Unfried am 16. Juni 1949 ums Leben.

Wer war wer in DDR

Unruh, Konrad von

* 1.8.1920 – ✝ 12.9.2001

Geb. in Eisenach; Vater Eisenbahndir. Hans Curt v. U.; Volksschule u. Gymn.; Lehre u. Beruf als kaufm. Angest.; Wehrmacht, Kriegsgef. Nach 1945 als Lehrer tätig, 1948 NDPD, Mitgl. NDPD-LV Thüringen, Ltr. der Abt. Org. u. Werbung des NDPD-LV Thüringen; 1950 – 52 Polit. Geschäftsf. der NDPD-LV Sachsen; 1951 / 52 MdL Sachsen; 1949 – 52 Mitgl. des FDJ-ZR; 1954 Staatsexamen als Dipl.-Staatswiss.; 1952 – 55 Vors. des NDPD-BV Suhl u. Mitgl. des NDPD-HA; 1952 – 55 Vors. des DSF-Bezirksvorst. Suhl; 1958 – 82 Chefred. der Zeitung »Thüringische Neueste Nachrichten«, anschl. Ltr. des Verlages der »Thüringischen Neuesten Nachrichten«; ab 1963 stellv. Vors. des NDPD-BV Erfurt; ab 1966 Mitgl. des Präs. der Liga der Vereinten Nationen; 1962 – 82 Mitgl. des VdJ-ZV; zeitw. Vors. der Stadtltg. des KB Weimar; gest. in Gotha.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Urbanski, Wolfgang

* 14.11.1928 – ✝ 21.10.1998

Geb. in Lößnitz (Krs. Aue-Schwarzenberg, Erzgeb.); 1934 – 48 Volks- u. Mittelschule; 1946 – 48 Maurerpraktikum; 1946 SED u. FDGB; 1948 Abitur; 1948 – 54 Studium an der TU Dresden, Dipl.-Ing; 1950 DSF; 1955 Stellv. Ltr. des Büros für Stadtplanung Rostock; 1957 kommissar. Chefarchitekt; 1958 stellv. Stadtbaudir.; 1958, 1959 u. 1966 Verdienter Aktivist; 1961 Prom. zum Dr.-Ing.; 1961 – 63 Sekr. für Bauwesen in der Stadtverordnetenvers. Rostock; 1961 – 65 Abg. für die SED u. Mitgl. des Vorst. Stadtverordnetenvers. Rostock; 1963 Studienaufenthalt in Finnland; 1969 – 72 Chefarchitekt u. Ltr. des Büro für Stadtplanung Rostock; 1969 Kulturpreis der Stadt Rostock; 1969 Banner der Arbeit; 1969 Reise nach Argentinien; 1972 ord. Prof. für Funktion u. Konstruktion der Bauwerke an der Ing.-HS Wismar; 1973 NP; 1975 – 82 Präsident des BDA (Nachf. von  Edmund Collein); 1975 – 79 Ord. Mitgl. der DBA; 1979 VVO; 1982 – 90 ord. Prof. für Architektur u. Städtebau an der HS für Bauwesen Cottbus; 1990 Erkrankung u. vorzeitiger Ruhestand; gest. in Berlin. U. gilt als einer der Wegbereiter der komplexen Großsiedlungen in der trad. Plattenbauweise. In Rostock entstanden von 1953 bis 1979 insgesamt sechs Neubaugebiete, an deren Entwürfen, Planung und Ausführung U. 1969 – 72 als Chefarchitekt beteiligt war, darunter Reutershagen II, Südstadt, Lütten-Klein u. Evershagen.Neue sozialist. Wohnkomplexe in Rostock. In: Dt. Architektur (1958) 8; Bebauungskonzeption für das Stadtzentrum Rostock. In: Dt. Architektur (1970) 2. Topfstedt, T., Barth, H.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Berlin 2000.Volker Wagner

Handbuch Deutsche Kommunisten

Utzelmann, Peter

* 1.5.1896 – ✝ 8.5.1972

Geboren am 1. Mai 1896 in Berlin; Tischler, seit 1913 in der SPD. 1915 zur Kriegsmarine einberufen, kam zur Matrosendivision in Wilhelmshaven, im März 1917 nach Flandern, 1918 wegen »nicht einwandfreier Gesinnung« nach Kiel. Im November 1918 aktive Teilnahme am Matrosenaufstand, Mitte November bei der Volksmarinedivision in Berlin. Mitglied des Spartakusbundes und der KPD, an den Januarkämpfen 1919 beteiligt. Mit der Mehrheit der Berliner Kommunisten gehörte er zum linken Parteiflügel und wurde 1920 einer der Mitbegründer der KAPD, in der er führende Funktionen ausübte. Redakteur in Halle, in Mitteldeutschland beim Aufbau der KAPD und der AAU tätig, war er unter dem Pseudonym Kempin KAPD-Leiter bei der März-Aktion in den Leuna-Werken. Deshalb am 21.Juni 1921 vom Sondergericht Halle wegen »Hochverrates und Rädelsführerschaft« zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Durch eine Amnestie 1922 freigelassen, trennte er sich von der KAPD und schloß sich der KPD an, bis 1924 Angestellter in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. 1926 trat er aus Protest gegen die Politik der Partei aus der KPD aus und schloß sich 1928 der von Paul Levi geführten Sozialwissenschaftlichen Vereinigung (SWV) an, er trat in die SPD ein, wurde 1932 aber wieder ausgeschlossen, da er am Aufbau der »Roten Kämpfer« beteiligt war. Ab 1930 war er Handelsvertreter. Nach 1933 illegale Arbeit für die SWV und für die »Roten Kämpfer«. Am 26. November 1936 verhaftet und am 7. März 1938 vom Kammergericht Berlin zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis Juni 1940 im Zuchthaus Brandenburg, nach seiner Freilassung arbeitete er als Betriebsführer. 1945 Abteilungsleiter im Haupt-Berufsamt des Magistrats von Groß-Berlin. Mitglied der KPD/SED, im Dezember 1945 Redakteur beim Berliner Rundfunk. Utzelmann hatte enge Kontakte zur SMAD, kritisierte aber offen die Politik der Sowjetunion und der SED-Führung. Im Sommer 1948 Mitarbeiter der DWK, als Hauptdirektor Kontrolle der Holzindustrie für die Länder Brandenburg und Mecklenburg wurden ihm wegen seiner SED-Feindschaft Korruption und Amtsmißbrauch vorgeworfen. Aus der SED ausgeschlossen, war er von Mai bis November 1949 in Untersuchungshaft, dann flüchtete er im März 1950 nach West-Berlin. Im Oktober 1950 in Abwesenheit vom Landgericht Eberswalde wegen »Devisenvergehens« zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er engagierte sich in West-Berlin in der neugegründeten SWV und dem »Bund Freiheit und Recht«. Peter Utzelmann starb am 8. Mai 1972 in West-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Vater, Albert

* 17.3.1859 – ✝ 8.2.1923

Geboren am 17. März 1859 in Soldin in der Neumark, Sohn eines Nagelschmieds; erlernte den Beruf des Vaters, übersiedelte Ende der achtziger Jahre nach Magdeburg und arbeitete als Schmied. Während des Sozialistengesetzes gehörte er der illegalen sozialdemokratischen Organisation »Copra« an, erwarb im Jahre 1900 die Gastwirtschaft »Bürgerhalle« und gründete in Magdeburg-Buckau zunächst eine eigene Partei, schloß sich aber bald wieder der SPD an. Er stellte der Partei und den Gewerkschaften seine Lokale zur Verfügung. Durch vorteilhafte Grundstückskäufe kam er (bis zur Inflation) zu einigem Wohlstand. Vater war ab 1909 Stadtverordneter in Magdeburg-Sudenburg, in der Magdeburger SPD zählte er zu den Linken und wandte sich während des Weltkrieges gegen die Mehrheitssozialdemokraten. 1917 trat er der USPD bei, gehörte im November 1918 dem Arbeiter- und Soldatenrat in Magdeburg an. Bis April 1919 Polizeipräsident von Magdeburg, wurde Vater im Februar 1919 Mitbegründer der KPD und war erster Bezirksleiter von Magdeburg-Anhalt. Auf seinem Grundstück befanden sich die Geschäftsräume der BL. Nach Einmarsch der General-Maercker-Truppen im April 1919 tauchte Albert Vater unter, gehörte vorübergehend wie die Mehrheit der Magdeburger Partei der KAPD an. Er wurde im Februar 1921 verhaftet und wegen Hochverrats (»Bildung bewaffneter Banden«) angeklagt. Der Prozeß endete mit einem Freispruch. In seinen letzten Lebensjahren sehr krank und schwerhörig, trat er im Mai 1921 als Parteisekretär und Bezirksleiter des VKPD-Bezirks Magdeburg zurück. Zunehmende Existenzsorgen und eine weitere Verschlechterung seiner Gesundheit veranlaßten Albert Vater dazu, sich in der Nacht vom 7. zum 8. Februar 1923 im Bahnhof von Halle zu erschießen. Seine Tochter Cläre Vater war Lebensgefährtin des während der stalinistischen Säuberungen in der UdSSR erschossenen KPD-Spitzenfunktionärs August Creutzburg.

Wer war wer in DDR

Vent, Hans

* 13.12.1934

Geb. in Weimar; Vater Landschaftsmaler; 1940 – 48 Volksschule; 1948 – 51 Lehre als Baumaler; 1951/52 Studium an der FS für Ausbautechnik in Weimar, Mstr.; 1953 Restaurationsvolontariat in Gotha; 1953 – 58 Studium an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee, Lehrer Toni Mau,  Kurt Robbel,  Bert Heller,  Gabriele Mucchi; seit 1958 freischaff. in Berlin; 1958 VBKD; 1958 Wandbild im VEB Stern-Radio; 1961/62 Mitarb. an der bildkünstler. Konzeption für Hoyerswerda; 1966/67 Wandbild »Poet. Version des Kosmos« in der Gaststätte Storkower Straße; 1967/68 Mitarbeit bei der künstler. Konzeption für das Gebiet Rathaus-/ Liebknechtstraße in Berlin-Mitte; 1969 Mitw. an der Außenwandgestaltung der Berliner Markthalle; 1972 Mitgestaltung der Betonglasfenster im Restaurant »Gastmahl des Meeres« in Berlin; 1973 Erarbeitung der bildkünstler. Konzeption für den Palast der Rep.; 1976 – 81 Lehrauftrag, später Honorardoz. für Malerei an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1977 Kunstpreis der DDR; 1982 Kollwitzpreis der AdK; 1988 Teiln. an der Biennale Venedig; Studienreisen u. a. nach Indien u. in die Bundesrep. Dtl.; 1990 Mitgl. der AdK. 1990 Mitinitiator der ersten unabh. Ausstellung Berliner Malerei im »1. Berliner Maisalon«, 1991 Beteiligung am »2. Maisalon« in Frankfurt (Main) u. Berlin; 2000 Retrosp. Ausstellung im Kunsthaus Apolda; 2004 Ausstellung zum 70. Geb. in der Graphikpresse; lebt in Berlin. Werke: Tangenten – graf. Blätter zu Lit. (1966), Doppelbildnis des Ehepaars Z. (1971), Strandszenen (1974 ff.), Menschen am Strand (1977), Drei Frauen I – III (1979/80/81), Paar I (Erwartung) (1986), Ebenen (2000), Köpfe (2007).Förster, A.: H. V. Maler u. Werk. Dresden 1976; Kat. Galerie Arkade. Berlin 1974, Galerie am Hansering Halle 1979, Galerie Mitte. Berlin 1994.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Vesper, Rudolf

* 3.4.1939

Geb. in Niehmen (Krs. Ohlau, Oberschles./ Niemil, Polen); 1949 mit dem Ringtraining in Ramsin (Sachsen-Anh.) begonnen; 1959 zum ASK Vorwärts Rostock (Trainer: Heinz Weinhold) gewechselt; Spezialisierung im klass. Stil; 1960 – 90 SED; NVA (Volksmarine), Obltn.; sechsfacher DDR-Mstr.; 1968 Olymp. Spiele: Sieger (Weltergewicht); VVO; 1968 endete seine sportl. Laufbahn; ab 1974 Sportlehrer an einer Rostocker Berufsschule; lebt in Rostock.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Victor, Walther

* 21.4.1895 – ✝ 19.8.1971

Geb. in Bad Oeynhausen (Westf.) in einer jüd. Fam, ab 1901 aufgew. in Posen; Vater Besitzer einer Ziegelei u. Fabrikdir.; 1901 – 03 Volksschule, 1904 – 13 Gymnasium in Posen, Abitur; Wandervogelbew.; 1913 Teiln. an der Gründung der Freidt. Jugend auf dem Hohen Meißner; 1913/14 Studium der Rechtswiss. u. Lit.-Geschichte in Freiburg i. Br.; 1914 – 18 Militärdienst; 1918 Mitgl. eines Soldatenrats; ab 1918 Forts. des Studium in Halle; 1919 Mitbegr. u. Vors. der Soz. Studentengr. Halle; 1919 SPD, Mitarb. an der SPD-Ztg. »Volksstimme«; 1919 – 23 Red. am »Hamburger Echo«; 1923 – 31 Red. am »Sächs. Volksblatt« (Zwickau), 1924 – 31 dessen Feuilletonred.; 1923 – 31 Stadtverordneter, -rat u. Vors. der IAH in Zwickau; Mitarb. an der »Weltbühne«; 1930 wegen angebl. Gotteslästerung zu vier Mon. Gefängnis verurteilt, nach Intervention von Kurt Tucholsky amnestiert; 1931 wg. antisemit. Bedrohung Wegzug aus Zwickau; 1932/ 33 Feuilletonchef am »8-Uhr-Abendblatt« (Berlin); lebte 1933/34 illeg. in Berlin (»Werner Voigt«), dann auf der Bodenseeinsel Reichenau; 1935 Ausschluß aus der Reichsschriftumskammer, Flucht in die Schweiz; 1936 Red. der Ztschr. »Die Naturfreunde«, Gründer des Verbano-Verlags; publizierte in der Schweizer Arbeiterpresse, der »Volksillustrierten« (Prag) u. der Ztschr. »Das Wort« (Moskau); 1938 wegen pol. Betätigung aus der Schweiz ausgewiesen, Umzug nach Luxemburg, dort Mitarb. am »Escher Tageblatt«; Juli 1939 Frankreich; Jan. 1940 in Paris verhaftet, interniert in versch. Lagern; nach Entlassung Flucht nach Portugal; ab Okt. 1940 Exil in den USA, in New York zwitw. ungelernter Arbeiter; dort schrieb er die Autobiogr. »Kehre wieder über die Berge« (New York 1945, Neuausg. 1982); 1941 angestellt bei der American Book and Stratford Press, New York; 1943 – 45 Prod.-Ltr. des Alfred A. Knopf Verlags (New York); Mitarb. bzw. Korresp. von Ztgn. u. Ztschr. der Schweiz, Luxemburgs, der UdSSR, USA (»The German American«) u. Mexikos; 1943 – 46 Mitgl. der Ltg. des Komitees Freies Dtl. in den USA; ab 1946 UNO-Korresp. für Schweizer u. niederländ. Ztgn.; Febr. 1947 Rückkehr nach Eruopa, Aufenthalt in Luxemburg. Juni 1947 Rückkehr nach Dtl., zunächst Hamburg; Arbeit in der Landesreg. Sachsen, später Pressechef bei Ministerpräs.  Max Seydewitz; 1947 Mitgl. der SED; freier Schriftst.; 1948 Mitbegr. u. 2. Vors. des Schutzverb. Dt. Autoren Zone; 1949 »Goethe-Lesebuch«; 1949/50 liter. Ltr. der Büchergilde Gutenberg Berlin; 1950 »Heinrich Heine. Ein Lesebuch für unsere Zeit«; 1950 Geschäftsf. Vors. des SV im KB; lebte ab 1951 in Kleinmachnow u. Berlin; 1951 – 54 Hrsg. der »Lesebücher für unsere Zeit« (1949 ff., Gesamtaufl. über vier Mio. Expl.), eröffnete u. a. mit Bänden zu Gotthold E. Lessing, Heinrich v. Kleist, Kurt Tucholsky, William Shakespeare eine auf breite Leserschaft gerichtete Erberezeption; 1952 Vorstandsmitgl. im DSV, Arbeit mit jungen Autoren; 1957 Heinrich-Heine-Preis (zus. mit Karl Schnog); 1957 – 59 Sekr. des DSV; 1960 Dr. h. c. der EMAU Greifswald; 1961 Umzug nach Weimar; 1961 Ehrenmitgl. des Vorst. des DSV; 1961 NP; Heinrich-Heine-Preis; 1965 Banner der Arbeit; 1969 VVO; gest. in Bad Berka.Zwischen Himmel u. Hölle. Jack London. Der Roman meines Lebens. Zürich 1937; Ausgew. Schriften. Berlin 1960/62; Freund u. Feind. Kritiken aus fünf Jahrzehnten. Berlin 1980 (Hrsg. H. Greiner-Mai); Kehre wieder über die Berge. Eine Autobiogr. Berlin u. Weimar 1982 (Erstausg. New York 1945). Fritsch, H.: Bibliogr. der selbständig erschienenen Veröff. W. V.s aus den Jahren 1921 – 1982. Jena 1984; Sowa, C.: Maria Gleit u. W. V. Ein Schriftstellerehepaar auf Zwischenstation in Luxemburg. In Galerie (1991) 3; Voigt, W..: W. V. – Ein Weg nach Weimar. Berlin 1998; Goetzinger, G., Conter, C. D.: Luxemburger Autorenlexikon. Mersch, Luxembourg 2007.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Vietze, Heinz

* 19.9.1948

Geb. in Zeitz; Vater Arbeiter; 1961 FDJ; POS, 1964 – 67 Abitur mit Berufsausb. zum Dreher; 1967/68 Einjahreslehrgang an der Jugend-HS der FDJ »Wilhelm Pieck«; 1966 SED; 1968 – 70 Mitarb. der FDJ-BL Potsdam; 1970 – 74 2., dann 1. Sekr. der FDJ-KL Potsdam; 1974 – 77 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; als GMS des MfS erf.; 1977 – 83 1. Sekr. der FDJ-BL Potsdam; 1984 – 88 1. Sekr. der SED-KL Oranienburg; 1988/89 1. Sekr. der SED-KL Potsdam-Stadt (Nachf. von Gerhard Pannhausen); Nov. 1989/90 1. Sekr. der SED-BL Potsdam (Nachf. von  Günther Jahn); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorbereitung des außerord. SED-Parteitags. 1990/91 Vors. des PDS-Landesverb. Brandenb.; seit Okt. 1990 MdL Brandenb., 1990 – 2007 stellv. Vors. u. parl. Geschäftsf. der PDS-Fraktion; seit Okt. 2004 Mitgl. des Präs. des Landtags Brandenb. seit 2007 Vorstandsvors. der Rosa-Luxemburg-Stiftung.Knabe, H.: Die Täter sind unter uns. Berlin 2007.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Vödisch, Rudolf

* 9.12.1910 – ✝ 16.10.1989

Geb. in Zwickau; Vater Bergarb.; Volksschule; 1925 – 29 Lehre u. Arbeit als Steindrucker; 1929 KPD; 1929 – 33 arbeitslos; 1933 mehrmals inhaftiert; 1933 – 39 Hilfsarb.; 1939 – 43 Wagenputzer bei der Reichsbahn; 1943/44 Wehrmacht; 1944 – 47 sowj. Gefangenschaft. 1947 SED; Einstellung bei der VP in Zwickau; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab Febr. 1950 Länderverw. Sachsen des MfS), stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle Zwickau; 1950 Stellv. Operativ des Ltr. der Länderverw. Sachsen; 1952 Ltr. der BV Halle (Nachf. von  Martin Weikert); 1953 Oberst; 1955 Ltr. der BV Schwerin; 1968 Entlassung, Rentner; 1976 VVO.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Vogel, Heinz

* 10.12.1919 – ✝ 19.8.1985

Geb. in Magdeburg; Vater selbst. Böttchermstr.; Volksschule; 1934 – 36 Lehre als Maschinenschlosser; 1936 – 38 Lehre u. anschl. Arbeit als Reparaturschlosser; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945 / 46 amerikan. Kriegsgef. 1946 – 48 Arbeit als Schlosser in einer sowj. Militärdienststelle in Magdeburg; 1946 SPD / SED; 1948 Lehrgang an der SED-LPS Wettin; 1948 – 50 Ltr. der SED-KPS Magdeburg; 1950 / 51 1. Sekr. der SED-BPO im VEB Gerätewerk Magdeburg; 1950 / 51 Besuch eines Ökon.-Lehrgangs an der Sonderschule des ZK der SED in Mittweida; 1951 – 54 1. Sekr. der SED-BPO im VEB Maschinenfabrik u. Eisengießerei Dessau; 1954 / 55 1. Sekr. der SED-KL Dessau; 1955 / 56 Instrukteur des ZK der SED; 1956 – 59 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1959 – 65 erneut Instrukteur des ZK; 1965 – 68 2. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1968 / 69 Instrukteur der SED-BL Magdeburg; ab 1969 2. Sekr. der SED-KL Stendal; gest. in Magdeburg.Mario Niemann