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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

dissidenten.eu

Templin, Wolfgang

* 1948

Für die SED war Wolfgang Templin in den 80er Jahren einer der gefährlichsten oppositionellen Aktivisten; die DDR-Staatssicherheit verfolgte ihn im Operativen Vorgang „Verräter“. Der ursprünglich eher marxistisch orientierte Philosoph – bis 1983 auch SED-Mitglied und in den 70er Jahren kurzzeitig Stasi-IM – war einer der wenigen intellektuellen Köpfe der späten DDR-Opposition. Er war Mitbegründer der Initiative Frieden und Menschenrechte, die Idee und Praxis der Menschenrechtsarbeit angelehnt an Vorbilder aus Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion in der DDR popularisierte.Geboren wurde Wolfgang Templin am 25. November 1948 in Jena. Seine Mutter, die 1944 als Luftwaffenhelferin aus Polen nach Jena kam und dort blieb, arbeitete als Raumpflegerin. Sein Vater war sowjetischer Offizier und musste 1950 in die Sowjetunion zurückkehren. Wolfgang Templin lernte ihn nie kennen. Als „Flüchtlings-“ und „Russenkind“ wurde er in der Schule zum Einzelgänger. Eine 1965 begonnene Lehre als Buchdrucker musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Auf die früh erfahrene Ablehnung reagierte er mit einer „Null-Bock-Haltung“, von der ihn erst „kritische Genossen“ abbrachten, die er während seiner 1966 begonnenen Ausbildung an der Universitätsbibliothek in Jena kennenlernte. Seine neuen Mentoren brachten ihn auch in die Freie Deutsche Jugend (FDJ). Templin sagte später, er habe in dieser Zeit begonnen, seine Umwelt zu „missionieren“. 1968 ging Templin nach Ost-Berlin, studierte dort an der Fachschule für Bibliothekswesen und erwarb 1970 eine bedingte Hochschulreife. Er entschied sich für ein Philosophiestudium an der Humboldt-Universität und wurde – er war bereits SED-Mitglied – Parteigruppenorganisator. Damals noch ganz „Provinzei“ und „wenig mobil“ fungierte er in dieser Rolle als ideologischer und sozialer Kontrolleur seiner Mitstudenten. Insofern erachtete er die Zustimmung zur Mitarbeit für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) 1971–75 unter dem Decknamen IM „Peter“ lediglich als geheimdienstliche Erweiterung seiner Parteifunktion. Probleme und Schwierigkeiten rechtfertigte er noch als Mängelerscheinungen eines insgesamt richtigen Wegs. Der Beginn der Honecker-Ära beförderte seinen Optimismus. 1974 beendete er sein Studium mit Diplom, arbeitete an der Humboldt-Universität weiter als Forschungsstudent und bereitete eine Dissertation über den Philosophen Edmund Husserl vor. Zweifel an Idee und Praxis des Sozialismus begannen für Templin nicht mit dem *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei zur Niederschlagung des *Prager Frühlings, sondern erst mit den Weltjugendfestspielen 1973, an denen er organisatorisch beteiligt war. Der Austausch mit anderen Studenten über die massiven Behinderungen – etwa des Kontaktes mit Jugendlichen aus anderen Ländern – gaben den Anstoß für die Gründung einer konspirativ tätigen, trotzkistisch orientierten Studentengruppe (mit Klaus Wolfram, Wolfgang Nitsche und anderen), vor deren Mitgliedern Templin seine MfS-Tätigkeit offenbarte. Auf gemeinsamen Beschluss – der dem MfS sogleich von einem anderen Gruppenmitglied hinterbracht wurde – ließ Templin die Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit auslaufen. In der Gruppe hatte man die Ausarbeitung einer marxistischen Kritik des Sozialismus im Sinn. Eine offen agierende Opposition strebte man nicht an. Seine 1974 geschlossene Ehe mit Renate Karrer, einer Enkelin von Jürgen Kuczynski, ließ Templin zunehmend weniger Zeit für Geheimpolizei, SED und die studentische Konspiration. Die Möglichkeit eines Auslandsstudiums 1976/77 in Warschau ergriff er sofort, um der Enge der ideologischen Debatten an der Universität und in der Familie Kuczynski zu entgehen. Der Aufenthalt in Warschau war über polnische Studenten aus dem kommunistischen Jugendverband organisiert worden, die auch zur polnisch-trotzkistischen Emigration im Westen Kontakte hielten. Diese polnische trotzkistische Gruppe hatte keine unmittelbare Verbindung zum „Komitee zur Verteidigung der Arbeiter“ (Komitet Obrony Robotników, *KOR), erstellte jedoch eigene kritisch-marxistische Analysen. Templin übersetzte sie in die deutsche Sprache und diskutierte sie in Berlin. Während Templins Abwesenheit aus Berlin waren seine Mitstreiter bei der Organisierung einer Bücherlieferung durch Freunde aus West-Berlin ertappt worden. Parteiausschluss und „Bewährung in der Produktion“ waren für sie die Folgen. Templins Verbindung zu den gemaßregelten Freunden wurde ihm unter Verweis auf eine Aussage seiner Frau vorgehalten. Scheidung und Bruch mit der Familie waren die Folge, Templin wurde an die Akademie der Wissenschaften (AdW) versetzt, wodurch sich der Abschluss der Dissertation verzögerte 1977–83 arbeitete Templin als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften, sah sich aber „als freier Vogel in Prenzlauer Berg“, lernte nicht parteigebundene linksorientierte Menschen kennen, die ihren intellektuellen Interessen in der Theologieausbildung nachgingen, nebenher in kleineren „Hauskreisen“ und in Seminaren unter dem Dach der Kirche diskutierten. Unter anderen begegnete Templin Reinhard Schult und arbeitete im Friedenskreis der Ost-Berliner Evangelischen Studentengemeinde und im Naumburger Friedenskreis um Edelbert Richter mit. Bei einer kleineren Fahrraddemonstration lernte er seine spätere Frau Regina kennen, die gerade in Potsdam eine Gemeindepädagogenausbildung absolvierte. Bald unterhielt er persönliche Freundschaften quer durch die DDR, nach Polen und in den Westen. In diesem Geflecht von Freundschaften, „Hauskreisen“ und kirchlichen Seminarveranstaltungen, die Templin meist als Referent besuchte, konnte er seinen intellektuellen und politischen Interessen weitaus besser nachgehen als in der SED. Er arbeitete sich in diesen Jahren aus dem teleologischen marxistischen Denken heraus, nannte sich 1991 in einem Vortrag einen „Grenzgänger zwischen Theorie und Politik“ und zog daraus unmittelbare Schlussfolgerungen: Im Gefolge der sich konstituierenden unabhängigen Friedensbewegung trat er aus der SED aus. Es folgten die Entlassung aus der Akademie der Wissenschaften und ein Berufsverbot. Templin musste seinen Lebensunterhalt fortan als Putzhilfe, Waldarbeiter, Übersetzer und Ähnliches verdienen. Wie aus den Stasi-Akten ersichtlich, wurde er jetzt verstärkt Maßnahmen der „Zersetzung“ unterworfen. Die Kontrolle, Unterwanderung und Zerstörung seines privaten und politischen Beziehungsgeflechts war das Ziel. Mit den Stationierungen von Atomwaffen 1983 und einer großen Ausreisewelle aus der DDR 1984 gerieten die Friedenskreise der DDR in eine Krise, verschiedene Versuche ihrer Vernetzung und Koordinierung entstanden. Um gemeinsames Handeln und notwendige Absprachen weiter möglich zu machen, bereitete Templin mit anderen zusammen Ende 1985 ein Menschenrechtsseminar vor. Etwa 200 Einladungen quer durch die ganze DDR waren bereits ausgesprochen, als die Kirchengemeinde unter Druck ihre Raumzusage zurückzog. Das Seminar musste abgesagt werden.Bereits während der Vorbereitung des Seminars war es zu schwerwiegenden Differenzen gekommen. Umstritten waren nicht nur die Behandlung des Themas, sondern auch die Durchführung des Seminars, die Einbeziehung westdeutscher Unterstützer, die Veröffentlichung von Arbeitsergebnissen und Erklärungen sowie das Verhältnis von konspirativer und öffentlicher Arbeit überhaupt. Über diese Fragen kam es zum Bruch innerhalb des Seminar-Vorbereitungskreises. Aus dem Streit entwickelte sich die Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) mit Wolfgang Templin, Bärbel Bohley, Gerd Poppe und anderen einerseits sowie die Gruppe „Gegenstimmen“ um Reinhard Schult, Thomas Klein und Silvia Müller andererseits. Das MfS schürte durch seine in den Gruppen mitarbeitenden inoffiziellen Mitarbeiter (IM) diesen Streit, um deren Aktivitäten zu behindern. Seine Ursachen hatte die Auseinandersetzung jedoch im unterschiedlichen Menschenrechtsverständnis der beteiligten Dissidenten. Während Reinhard Schult und andere das – aus ihrer Sicht – „bürgerliche Menschenrechtsverständnis“ der IFM kritisierten, bemängelte diese das Verharren Reinhard Schults und seiner Freunde in der konspirativ organisierten Zirkeltätigkeit. Das im Kern umstrittene Konzept fasste die IFM 1987 mit der Erklärung zusammen, man habe beschlossen, die in internationalen Abkommen garantierten Rechte wahrzunehmen. Die Initiative Frieden und Menschenrechte dokumentierte dies durch die Herausgabe der Zeitschrift „Grenzfall“, deren Autoren mit Namen und Kontaktadressen kenntlich waren. Darüber hinaus war das Blatt nicht durch die Anbindung an eine Kirchengemeinde geschützt – andere Samisdat-Blätter erschienen damals mit dem Verweis „nur zum innerkirchlichen Gebrauch“, mit dem die staatliche Zensur umgangen werden konnte. In der IFM umstritten blieb Templins Zusammenarbeit mit einer sich „AG-Staatsbürgerrechte“ nennenden Gruppe von Ausreisewilligen, die sich DDR-weit konstituierte und die Ausreisewünsche ihrer Mitglieder unter Berufung auf international garantierte und auch von der DDR unterschriebene Menschenrechtsvereinbarungen betrieb. Die Tätigkeiten der IFM – die Herausgabe der Zeitschrift, die Publikation von Erklärungen im Westen, die Erarbeitung von Arbeitsbeziehungen mit der westdeutschen Partei „Die Grünen“, die Zusammenarbeit mit Oppositionsgruppen in Osteuropa, die Herstellung vielfältiger Kontakte quer durch die DDR und die Einrichtung thematisch orientierter Arbeitsgruppen (für Bildung, Arbeit usw.) – sowie ihr zunehmender Einfluss auf Friedens- und Umweltgruppen in der DDR veranlassten SED und MfS im Winter 1987/88, die gewaltsame Zerschlagung der Gruppe zu versuchen. Trotz ausgedehnter Planungen misslang das Vorhaben jedoch, die Drucker der unter kirchlichem Schutz stehenden „Umweltblätter“ bei der tatsächlichen Herstellung des „Grenzfall“ auf frischer Tat zu überraschen. Dass das MfS zu diesem Zweck im November 1987 die Räume der Ost-Berliner Zionskirche überfiel, rief landesweite Proteste mit Mahnwachen und Gedenkgottesdiensten hervor. Eine weitere Solidarisierungswelle mit Oppositionellen, die im Zusammenhang mit der offiziellen Luxemburg-Liebknecht-Demonstration im Januar 1988 verhaftet worden waren, löste einen DDR-weiten Mobilisierungszyklus aus, der letztlich in der Konstituierung politischer Oppositionsgruppen und Oppositionsparteien im Sommer und Herbst 1989 mündete. Templin und seine Frau wurden zusammen mit anderen im Januar 1988 verhaftet, ihre Kinder brachte man in ein Heim, von der landesweiten Solidarisierungswelle erfuhren sie in der Haft nichts. Hinter den Kulissen einigten sich SED, Staatssicherheit und Kirche auf einen vorübergehenden – im Falle Templins auf zwei Jahre terminierten – „Studienaufenthalt“ des Paares mit Kindern in der Bundesrepublik, für den finanziell die evangelische Kirche aufkam. Templin war an dem Mobilisierungszyklus der Gruppen in den Jahren 1988/89 so nur aus der Ferne – er lebte derweil in Bochum – beteiligt. Unmittelbar nach der Maueröffnung am 9. November 1989 kehrte Templin in die DDR zurück. Er saß später für die IFM am Zentralen Runden Tisch, war 1989–91 Sprecher der IFM, ab den freien Volkskammerwahlen im März 1990 Mitarbeiter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und außerdem Mitglied des „Kuratoriums für einen demokratisch verfassten Bund Deutscher Länder“. Von September 1991 bis Mai 1992 war er hauptamtliches Mitglied des Gründungssprecherrates der Partei Bündnis ‘90, anschließend arbeitslos und Kritiker des 1992/93 abgeschlossenen Assoziationsvertrages zwischen Bündnis ‘90 und den Grünen. Er wirkte an der Gründung des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur in Berlin mit, arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Stasi-Unterlagen-Behörde und war 2010–13 Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Warschau. Bis heute lebt Wolfgang Templin als freier Publizist in Berlin, wobei sein Engagement neben der Aufarbeitung der kommunistischen Geschichte vor allem der Geschichte und Politik Ost- und Ostmitteleuropas gilt.Martin Jander Letzte Aktualisierung: 09/16

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tenner, Albin

* 27.2.1885 – ✝ 20.1.1967

Geboren am 27. Februar 1885 in Rauenstein/ Thüringen; aus Armut schon als Kind Porzellanmaler, dann Lehre als Porzellanarbeiter. Als er eine Freistelle im Lehrerseminar Hildburghausen bekam, konnte er 1905 Volksschullehrer werden. In Sonneberg holte er das Abitur nach und studierte bis 1915 Naturwissenschaften. Später Soldat, zunächst Dolmetscher in Ohrdruf/Thüringen, dann bis 1918 Leiter der Materialprüfstelle der Flugzeugwerft Gotha. 1918 trat Tenner der USPD bei und wurde bei Ausbruch der Revolution in die Regierung von Sachsen-Meiningen berufen. Anschließend Volksbeauftragter in Gotha und bis 1920 Mitglied der Gothaer Regierung, Landtagsabgeordneter der USPD. Mit der linken USPD kam er 1920 zur KPD. Wieder Lehrer, wurde er vom Schulreformer Greil als Kreisschulrat nach Weimar geholt. Er war führend in der Thüringer KPD, der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte ihn in den ZA. Im Oktober 1923 wurde Tenner in der sozialdemokratisch-kommunistischen Regierung Thüringens Wirtschaftsminister, dann Vorsitzender der Landtagsfraktion der KPD. Auf dem rechten Flügel stehend, wurde er während der linken Politik 1924/25 zurückgedrängt, im Januar 1925 legte er den Fraktionsvorsitz nieder. Er wurde aus der KPD ausgeschlossen, aber im Oktober 1925 wieder aufgenommen und 1926 erneut in den Landtag gewählt. Tenner war Schulrat in Gotha. Bei den Auseinandersetzungen zwischen dem ZK und den Rechten 1928/29 stellte er sich auf die Seite der Opposition. Am 1. März 1929 aus der Partei ausgeschlossen, ging er zur KPO, die er bis Ende 1929 im Landtag vertrat. Nach dem Ende der Legislaturperiode ausgeschieden, da die KPO kein Mandat erringen konnte. Er übersiedelte nach Birkenwerder bei Berlin in das Haus von Frieda Winkelmann. Mit der Minderheit der KPO trat er 1932 zur SAP über. Tenner befaßte sich weniger mit aktueller Politik, sondern hielt vor allem naturwissenschaftliche Vorträge und machte biologische Studien. 1933 festgenommen, nach einigen Monaten aus dem KZ entlassen, noch bevor das Thüringer Fahndungsersuchen bekannt war. Er entkam Ende 1933 nach Amsterdam, wohin ihm seine Frau Elly Janisch-Tenner mit dem Sohn 1934 folgte. In Amsterdam eröffnete Tenner eine Fabrik für kosmetische Artikel, seine Frau wirkte als Lehrerin und übersetzte u. a. das Buch von Henriette Roland-Holst über Rosa Luxemburg ins Deutsche. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande mußte Tenner illegal leben und sein Unternehmen aufgeben, das er nach dem Krieg nur schwer wieder einrichten konnte. 1952 setzte er sich wegen einer Herzkrankheit zur Ruhe. Sein Sohn wurde Physik-Professor in Amsterdam. Nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt, starb Albin Tenner am 20. Januar 1967 in Amsterdam.

Wer war wer in DDR

Tetzner, Gerti

* 29.11.1936

Geb. in Wiegleben (Thür.); 1951 – 55 Besuch der Oberschule in Gotha; 1955 – 59 Stud. der Rechtswiss. in Leipzig; arbeitete bis 1962 als Notarin, seitdem freiberufl. Schriftstellerin; Nebentätigkeiten in einer Spinnerei u. bei der Post; ab 1966 am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig, 1968 zwangsweise exmatrikuliert; Überwachung durch das MfS in der OPK »Karen«; bekannt durch den Roman »Karen W.« (1974), an dem sie seit Mitte der 1960er Jahre gearbeitet hatte, ähnlich wie zeitgleich  Christa Wolf,  Brigitte Reimann u.  Irmtraud Morgner macht sie darin eine Frau zur lit. Hauptfigur u. thematisiert den Konflikt zwischen weibl. Selbstverwirklichung u. gesellschaftl. Anspruch; griff in der 1980er Jahren ökolog. Themen auf, die sie in dokumentar. Texten verarbeitete; 1975 Förderpreis des Lit.-Inst. »Johannes R. Becher«. Nach 1990 zeitw. ABM-Kraft; Tätigkeit in der Schuldnerberatung, ab 1992 als Juristin tätig; Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl.Karen, W. Berlin 1974; Maxi. Berlin 1979; Das Verwandlungshaus. Berlin 1986; Im Lande der Fähren – Bilder aus Dänemark. Halle 1988 (mit Reiner Tetzner). Engler, J.: GT: »Karen W.«. In: Weltbühne (1975) 2; Walther, K.: Die Entdeckung des eigenen Ich. GT: »Karen W.«. In: Neue Dt. Lit. (1975) 8.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Tews, Andreas

* 11.09.1968

Geb. in Rostock; begann 1978 mit dem Boxsport bei der BSG Fischkombinat Rostock; KJS Schwerin; Lehre als Maschinen- u. Anlagenmonteur; ab 1984 beim SC Traktor Schwerin; 1985 Spartakiadesieger u. DDR-Juniorenmstr.; DDR-Mstr. 1985 im Halbfliegengewicht, 1987 im Fliegengewicht u. 1989 im Bantamgewicht, 1986 Silber im Halbfliegengewicht; 1986 Vize-EM der Junioren im Halbfliegengewicht; 1987 EM u. 2. Platz beim Weltcup im Fliegengewicht; 1988 Olympiazweiter im Fliegengewicht. 1990 – 93 Schweriner SC (Trainer: Otto Ramin); 1990 Sieger beim Dtl.-Pokal, 1991 beim TSC-Turnier; 1991 Dt. Mannschaftsmstr. mit dem Schweriner SC u. EM-Bronze im Bantamgewicht; 1991 u. 1992 Dt. Mstr. im Federgewicht; 1992 Olympiasieger im Federgewicht; 1993 Rücktritt vom Leistungssport, Umschulung zum Hotelkfm.; danach Geschäftsf. u. Mitinh. der Gaststätte »Pflaumenbaum« in Schwerin; seit Nov. 1999 Mitbetreiber des »Turm-Cafés« auf dem Schweriner Fernsehturm.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thalheimer, August

* 18.3.1884 – ✝ 19.9.1948

(* 1884 – † 1948) Über seine Jugend schrieb Thalheimer selbst: »Geb. am 18. März 1884 als Sohn des Moritz Thalheimer, Kaufmannes zu Affaltrach, Oberamt Weinsberg, Württemberg und im jüdischen Glauben erzogen, bezog ich nach Absolvierung des Realgymnasiums Stuttgart WS 1902/03 die Universität München, zunächst als Angehöriger der medizinischen Fakultät; vom 2. Semester (Sommersemester 1903) ab aber trat ich zur philosophischen Fakultät über, um mich der allgemeinen Sprachwissenschaft, der Völkerkunde und den neueren Sprachen zu widmen. Anfang August 1903 bis Ende März 1904 war ich in Oxford und London. Vom SS 1904 bis SS 1905 besuchte ich die Universität Berlin, wo ich am Kgl. Museum für Völkerkunde unter Leitung von Herrn Geheimrat Prof. Dr. von Luschan praktischen ethnographischen Übungen oblag und ethnographische und anthropologische Vorlesungen hörte, auch bei Herrn Privatdozent Dr. N. Finck, Steinthals Nachfolger, der in der allgemeinen Sprachwissenschaft beflissen war. Von SS 1905/06 bis WS 1906/07 besuchte ich die Universität Straßburg i. E.« Thalheimer promovierte 1907 zum Dr. phil. mit einem Beitrag zur »Kenntnis der Pronomina personalia und possessiva der Sprachen Mikronesiens«. 1904 Mitglied der SPD, 1909 Chefredakteur am radikalen Organ der SPD, der Göppinger »Freien Volkszeitung«. Danach kam er in Verbindung mit Karl Radek, der Mitarbeiter seiner Zeitung wurde. 1912 Austritt aus der Redaktion, da eine Zusammenlegung mit revisionistischen Zeitungen erfolgte. Dann gehörte er zum linksradikalen Flügel der SPD, er war nicht nur mit den Württemberger Linken ( Clara Zetkin, Friedrich Westmeyer usw.), sondern auch mit den Berlinern Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Karl Liebknecht u. a. politisch und persönlich eng befreundet. Am 20. März 1914 verschickte er einen Brief (Absender Dr. A. Thalheimer, Berlin NW 87, Wullenweberstraße 7) mit der Offerte, ab April »eine regelmäßige Korrespondenz über auswärtige Politik zu beziehen«. Er bot monatlich zwei Artikel »mit besonderer Berücksichtigung der sozialen und politischen Hintergründe« an, Abonnement »monatlich M 35,-«. Bei Kriegsausbruch schloß sich Thalheimer sofort der Gruppe Internationale an, arbeitete an der ersten Nummer der »Internationale« mit und war Teilnehmer der I. Reichskonferenz der Linken im Januar 1916 in Berlin. Ganz im Sinne der Spartakusgruppe leitete er 1915/16 als Chefredakteur das Braunschweiger SPD-Organ »Volksfreund«. Als Liebknecht zur Zuchthausstrafe verurteilt wurde und sein Reichstagsmandat verlor, erklärte dieser, als Nachfolger kämen nur Franz Mehring oder Thalheimer in Frage. Nach dem großen Streik im Mai 1916 wurde Thalheimer zum Militär eingezogen. Er kam an die Front, wurde verwundet und kehrte 1918 nach Stuttgart zurück. Kurz vor Kriegsende noch verhaftet, doch durch die Revolution befreit, übersiedelte er nach Berlin, wurde in die Zentrale des Spartakusbundes aufgenommen und auf dem Gründungsparteitag der KPD in die erste Zentrale der Partei gewählt. Dort für die theoretische Arbeit der Partei verantwortlich, wurde Thalheimer auf allen folgenden Parteitagen bis 1923 ununterbrochen in die Zentrale berufen. Nach der Ermordung Rosa Luxemburgs galt er (zunächst neben Paul Levi) als der theoretische Kopf der KPD, war Redakteur des Organs »Internationale« und zeitweise Chefredakteur der »Roten Fahne«. Thalheimer war 1921 einer der Begründer der »Offensivtheorie«, die von Lenin getadelt wurde. Nach dieser linken »Entgleisung« blieb er immer auf dem rechten Flügel der Partei. 1922 verfaßte er den Entwurf des Parteiprogramms der KPD, ging im Juni/Juli des gleichen Jahres als politischer Berater der KPF nach Frankreich. 1922/23 traten Heinrich Brandler als politischer und Thalheimer als theoretischer Kopf der KPD auf, so daß immer von der Brandler-Thalheimer-Führung gesprochen wird. Nach der Oktoberniederlage 1923 verteidigten beide die Taktik der Zentrale und Thalheimer rückte an die Spitze der Rechten, die auf dem IX. Parteitag 1924 keinen Anhang mehr hatten. Von der Polizei 1924 gesucht (Steckbrief: »1,70-1,75 groß, hohe Stirn, graue Augen, schwäbische Mundart«), mußte er wie Brandler nach Moskau, wo sie bis 1927 in einer Art »Verbannung« lebten. Thalheimer arbeitete am Marx-Engels-Institut, war Professor an der Sun Yat-sen Universität und veröffentlichte damals das Buch »Einführung in den dialektischen Materialismus« (Wien-Berlin 1928), eine Zusammenfassung von Vorträgen. Im gleichen Jahr erschien: Thalheimer-Deborin »Spinozas Stellung in der Vorgeschichte des dialektischen Materialismus«. Thalheimers Frau Cläre, geboren 1892 in Idar-Oberstein, Tochter eines reichen Juweliers, begleitete ihren Mann in das Moskauer Zwangsexil. Ende 1927 erkrankt, reiste sie zur Behandlung nach Deutschland. Da das ZK der KPD der Rückkehr Brandlers und Thalheimers nach Deutschland grundsätzlich zugestimmt hatte, durfte auch er im Mai 1928 nach Berlin. Schon zuvor hatte er insgeheim mit Bucharin ausgemacht, nicht mehr in die Sowjetunion zurückzukommen. In Deutschland sammelte Thalheimer wieder die rechte Gruppe in der KPD um sich und war vor allem nach der Wittorf-Affäre aktiv. Im Januar 1929 aus der Komintern und der KPdSU, der er seit 1924 angehörte, ausgeschlossen. 1928/29 Mitbegründer der KPO, in deren Reichsleitung er führend tätig war und für die er verschiedene Schriften, darunter »Das Jahr 1923«, herausgab. Zusammen mit Brandler leitete er die KPO auch, nachdem sich eine Minderheit unter Paul Frölich und Jacob Walcher von ihr getrennt hatte und zur SAP gegangen war. Nach der Machtübernahme Hitlers emigrier- te Thalheimer auf Beschluß der KPO-Leitung, von Robert Siewert noch mit Geld ausgestattet, nach Frankreich. Bis Kriegsausbruch leitete er mit Brandler die KPO in der französischen Emigration und in der deutschen Illegalität. Von den französischen Behörden 1939 interniert, konnte er 1941 nach Kuba entkommen. Er lebte in Havanna und verfaßte mehrere politische Werke. Die alliierten Besatzungsbehörden verweigerten ihm nach 1945 die Einreise nach Westdeutschland. Von Kuba aus gab Thalheimer der deutschen Gruppe Arbeiterpolitik, der Nachfolgeorganisation der KPO, in den »Briefen aus der Ferne« politische Empfehlungen. 1946 verbreiteten seine Anhänger in Deutschland eine Broschüre, in der er (unter dem Pseudonym Aldebaran) das Potsdamer Abkommen kritisch beleuchtete. August Thalheimer starb am 19.September 1948 in Havanna. Zu seinem 100. Geburtstag 1984 veröffentlichte die »Arbeiterpolitik« (Bremen) eine Sondernummer mit einer knappen Biographie. Thalheimers Anhänger hatten bereits 1982 das Grab auf dem jüdischen Friedhof bei Havanna restaurieren lassen. Cläre Thalheimer, 1933 nach Straßburg und Paris emigriert, wurde wie ihr Mann nach Kriegsausbruch interniert, gelangte 1941 ebenfalls nach Kuba. Nach Thalheimers Tod zog sie 1949 zu ihrem Sohn nach Australien, lebte in dem Bergarbeiterstädtchen Wandiligong und arbeitete als Lehrerin im nahen Bright (Ovens Valley, Victoria), wo sie am 6.Februar 1990 starb.

Wer war wer in DDR

Thate, Hilmar

* 17.4.1931 – ✝ 14.9.2016

Geb. in Dölau (b. Halle); Vater Maschinenschlosser; nach Abschl. der 10. Kl.; 1947 – 49 Ausbildung an der Staatl. HS für Theater u. Musik Halle; 1949 – 52 Engagement am Stadttheater Cottbus; 1952 am Theater der Freundschaft in Berlin; 1953 – 58 am Maxim-Gorki-Theater; 1958 – 70 am Berliner Ensemble (BE), herausragende Bühnenrollen in  Bertolt Brechts »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui«, »Die Mutter« u. »Coriolan«; 1970/71 Volksbühne Berlin; 1971 – 79 am Dt. Theater, hier u. a. in »Richard III.« (R:  Manfred Wekwerth); daneben zahlr. Filmrollen: u. a. 1954 »Leuchtfeuer« (R:  Wolfgang Staudte), 1955 »Robert Mayer – ein Arzt aus Heilbronn« (R: Helmut Spieß), 1956/57 »Einmal ist keinmal«, 1958 »Jahrgang 21« (R: Václav Gajer), »Das Lied der Matrosen« (R:  Kurt Maetzig) u. »Die Matrosen von Cattaro« (TV), 1960 »Leute mit Flügeln« (R:  Konrad Wolf), 1961 »Mutter Courage u. ihre Kinder« (R:  Peter Palitzsch / Manfred Wekwerth), »Der Fall Gleiwitz« (R:  Gerhard Klein) u. die Verfilmung von  Friedrich Wolfs »Prof. Mamlock«, 1964 »Der geteilte Himmel« nach dem Roman von  Christa Wolf (R: Konrad Wolf); ab 1966 neben der Theaterarbeit v. a. TV-Filme: 1966 »Die Tage der Commune«, 1967 »Die Geduld der Kühnen«, 1973 »Zement«, 1974 als Eduard in der Goethe-Verfilmung »Die Wahlverwandschaften« (R: Siegfried Kühn), 1976 die TR in dem fünftlg. TV-Film »Daniel Druskat« u. 1978 in »Fleur Lafontaine«; Kunstpreis der DDR; 1966 u. 1976 NP; 1974 Mitgl. der AdK; Auslandsgastspiele; Nov. 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1980 gem. mit seiner Frau  Angelica Domröse Ausreise aus der DDR; Engagements u. a. am Dt. Schauspielhaus Hamburg u. den Münchener Kammerspielen (u. a. in Molières »Don Juan« unter der Regie von Ingmar Bergmann); in der Bundesrep. Dtl. Rollen in zahlr. Filmen u. Fernsehfilmen, u. a. 1981 in »Engel aus Eisen«, 1982 »Die Sehnsucht der Veronika Voss«, 1985 »Die Hose« (TV), 1997 »Der König von St. Pauli« (TV); 1999 Darstellerpreis auf dem Filmfestival in Karlovy Vary für den Film »Wege in die Nacht« (R: Andreas Kleinert).Neulich, als ich noch ein Kind war. Autobiogr. Bergisch-Gladbach 2006.Monika Kaiser

Wer war wer in DDR

Theissing, Heinrich

* 11.12.1917 – ✝ 11.11.1988

Geb. in Neisse (Oberschlesien/Nysa, Polen); Vater Rechtsanwalt u. Zentrumspolitiker; Besuch des Gymnasiums Carolinum in Neisse; Studium der Theol. in Breslau u. Wien; 1940 Priesterweihe; Kaplan in Glogau (Schles.). Juli 1945 Umsiedl. nach Görlitz; 1946 – 55 Diozösanjugendseelsorger; 1951 Ordinariatsassessor; 1953 Ordinariatsrat; 1957 Vizeoffizial; 1960 Domkapitular; 1963 Weihbischof in Berlin; Titularbischof von Mina; 1967 Gen.-Vikar; 1970 Adjutorbischof; Commissarius in Schwerin; 1973 Apostol. Administrator des Bischöfl. Amtes Schwerin (Nachf. von  Bernhard Schräder); 1982 – 85 stellv. Vors. der Berliner Bischofskonferenz; 1987 Em.; gest. in Schwerin. Unter der Ltg. von H. T. erfolgte die Strukturierung u. pastorale Ausprägung der kath. Kirche in Mecklenb. zur weitgehend eigenständ. Ortskirche; Verf. rel. u. kirchengeschichtl. Arbeiten; Hrsg. christl. ErzählungenDie Äbte von Neuzelle, Leipzig 1968. Krüger, R.: Bischof H. T. Leipzig 1993.Renate Krüger

Wer war wer in DDR

Thiele, Ilse

* 4.11.1920 – ✝ 10.1.2010

Geb. in Berlin-Lichtenberg; Vater Lagerarb., später Angest., Mutter Putzmacherin, Bruder  Heinz N.; 1927 – 31 Grund- u. 1931 – 37 Mittelschule in Berlin-Lichtenberg; 1930 Arbeiter- u. Sportverein Fichte; 1937/38 Steno-Ausbildung; 1938 – 45 u. 1946 Stenokontoristin in Berlin; 1937 – 45 DAF. 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Hausfrau; 1945/ 46 Mitgl. der KPD-Ortsltg. Wietze (Krs. Celle); 1946 – 48 Mitgl. des Antifa-Frauenaussch. u. des Krs.-Frauenaktivs der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1946 – 52 Mitgl. der SED-KL Berlin-Lichtenberg, 1948 – 50 des Sekr.; 1948 – 50 Abg. des Rats des Stadtbez. Berlin-Lichtenberg; 1947 LPS; 1948 – 50 Sekr. für Sozialwesen im Bez.-Rat Berlin-Lichtenberg; 1950/51 PHS; 1951/52 1. Sekr. des DFD-BV Berlin (Nachf. von Roberta Gropper) u. Mitgl. der SED-BL Berlin; 1953 stellv., 1953 – 16.11. 1989 Vors. des DFD (Nachf. von  Elli Schmidt); 1954 – 89 Mitgl. des NR des NF; 1954 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1963 – 71 Mitgl. des Mandatsprüfungsaussch., Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1954 – 89 Mitgl. des ZK der SED; ab 1958 Mitgl. des Rates, des Büros u. 1964 – 89 Vizepräs. der IDFF; 1960 – 89 Mitgl. der Frauenkommission beim PB des ZK der SED; 1965 VVO; 1971 – Jan. 1990 Mitgl. des Staatsrats der DDR; 1985 KMO; Rentnerin; gest. in Berlin.Wir Frauen helfen das Nat. Programm verwirklichen. Berlin 1962; Material zur Geschichte des DFD. Berlin 1967; Unsere ganze Kraft für die Lösung der Aufgaben im Jahre 1973; Mit unserem Wissen u. unserer Tat für die DDR. Berlin 1974.Helmut Müller-Enbergs

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Thielen, Nikolaus

* 22.11.1901 – ✝ 6.1.1944

Geboren am 22. November 1901 in St. Sebastian bei Koblenz; lernte Maschinist in Vallendar, trat 1918 in die Gewerkschaft und 1919 in die SPD ein. Anfang 1924 wurde Thielen, seit 1923 KPD-Mitglied, 1. Bevollmächtigter des DMV in Bendorf/Rhein, seine Wahl war nach Darstellung der SPD-Presse unter zweifelhaften Umständen erfolgt. 1927 Delegierter zum XI. Parteitag der KPD, gehörte er ab Ende 1927 zur engeren BL Mittelrhein. Er kam 1929 in den Kreistag Koblenz, wurde im Juli 1932 im Wahlkreis Köln-Aachen in den Reichstag gewählt und blieb auch nach den Novemberwahlen Reichstagsabgeordneter. Thielen flüchtete 1933 nach Lothringen und wirkte ab April 1934 im Saargebiet. Nach Berlin geschickt, sollte er Oberberater in der Pfalz werden, wurde aber am 21. September 1934 bei seiner Ankunft in Berlin erkannt und festgenommen. Die Gestapo brachte ihn so weit, einen Treff preiszugeben, den er am Bahnhof in Weinheim mit Kurt Müller, dem Bezirksleiter Baden-Pfalz, und Fritz Bischoff, dem Oberinstrukteur, verabredet hatte. Thielen fuhr am 23.September nach Weinheim und diente der Gestapo dort als Lockvogel. Bereits vorher hatte er eine Zusammenkunft in Berlin, u. a. mit Georg Handke, hochgehen lassen. Er wurde am 2. Juli 1935 dennoch vom 1. Senat des VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, saß mehrere Jahre im Zuchthaus Siegburg und Waldheim, schließlich am 18. November 1943 ins KZ Mauthausen gebracht, wo Nikolaus Thielen am 6. Januar 1944 ums Leben kam.

Wer war wer in DDR

Thieme, Kurt

* 6.8.1922

Geb. in Berlin; Vater Maurer; Volksschule; 1937 – 39 Ausbildung zum Maurer in Berlin; bis 1941 im Beruf tätig; 1941/42 RAD, Untertruppführer; 1942 – 9.5.1945 Wehrmacht; bis Nov. 1949 sowj. Kriegsgefangenschaft; Dez. 1948 – März 1949 Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949/50 techn. Sekr. im Bez.-Amt Berlin-Lichtenberg; 1950 SED; 1950 1. Vors. des Krs.-Vorst. der IG Bau in Berlin-Lichtenberg; 1950 Instrukteur, 1950/51 Mitarb. der SED-LL Berlin; 1951 2. Sekr., 1952/53 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1952 2. Sekr. der SED-KL Berlin-Köpenick; 1952 – 69 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1953/54 PHS der KPdSU in Moskau; 1953 – 60 Abg. u. Mitgl. des Rats des Krs. Friedrichshain; 1958 – 86 Kand. des ZK der SED; 1963 – 67 stellv. OB von Groß-Berlin; 1963 – 81 Abg. der Volkskammer; 1967 – 82 Vors. des Sekr. des ZV, ab 1970 Gen.-Sekr. der DSF (Nachf. von Franz Fischer); 1968 – 72 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1983 – 87 Dir. des Kultur- u. Info.-Zentrums der DDR in Bulgarien; seit 1987 Rentner.Die pol.-ideolog. Hauptaufgaben der DSF. Berlin 1969; Die Sowjetunion, das fortschrittlichste Land u. die stärkste Macht der Welt. Berlin 1972; Freundschaft, Brüderlichkeit. Berlin 1977.Helmut Müller-Enbergs

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Thinius, Bert (Hubert)

* 19.7.1949

Geb. in Groß Pankow (Krs. Pritzwalk); Vater Fleischermstr., Mutter Verkäuferin; 1968 Abitur; Facharb. für Schweinezucht; 1968 – 72 Studium der Betriebswirtschaft; 1971 – 90 SED; 1972/73 Arbeit als Soziologe in den Chem. Werken Buna; 1973 – 76 Verw.-Angest. an der HU Berlin; 1975 – 77 Studium der Philos.; 1976 – 79 Aspirant u. 1979 – 90 wiss. Assistent an der Sekt. Marx.-Lenin. der HU Berlin; 1983 Dr. phil.; 1984 Mitbegr. der Interdisz. Arbeitsgr. Homosexualität. 1990 – 99 wiss. Assistent am Inst. für Kulturwiss. der HU Berlin; 1992 Beteiligung am gescheiterten Gründungsversuch eines eigenständ. Inst. für Geschlechts- u. Sexualforschung; Ltr. des Projekts Queer-Studie (Lesben. Schwule. Wissenschaft); 1999 – 2002 arbeitslos; 2002 – 08 Ltr. der Erzähl-Akad. bei der Firma Rohnstock-Biografien; 2009 Mitarb. der Rosa-Luxemburg-Stiftung.Aufsätze in: Psychosoziale Aspekte der Homosexualität I-III. Jena 1986/88/90 u. in: Die DDR, die Schwulen, der Aufbruch. Göttingen 1990; Geschlechterverhältnisse – Sexualität. Berlin 1992 (mit I. Dölling u. D. Mühlberg); Schwuler Osten. Berlin 1994 (mit K. Starke); Differente Sexualitäten. Berlin 1995 (mit D. Mühlberg); Vorwärts und nicht vergessen. Berlin 1996 (mit I. Dietrich, I. Dölling u. a.); Homosexualität in der DDR. Hamburg 2006 (Hg. W. Setz).Christoph Links

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Thomas, Kurt

* 25.2.1904 – ✝ 22.3.1938

Geboren am 25. Februar 1904 in Ottweiler/Saar; Bergarbeiter, schloß sich in den zwanziger Jahren der SPD an, war aber insgeheim bereits für die KPD tätig und wurde nach seinem offiziellen Übertritt 1932 im geheimen AM-Apparat eingesetzt. 1934 war Thomas in Saarbrücken im Thälmann-Befreiungskomitee, er gehörte einer Delegation an, die im Namen von 6000 saarländischen Bergarbeitern auftrat und am 13.Mai 1934 Ernst Thälmann im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit besuchen durfte. Er emigrierte 1937 über Paris in die Sowjetunion. Dort bereits am 30. Juni 1937 vom NKWD verhaftet und am 22. März 1938 vom MKOG wegen »Spionage und terroristischer Tätigkeit« zum Tode verurteilt, wurde Kurt Thomas noch am gleichen Tag erschossen.

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Templin, Wolfgang

* 25.11.1948

Geb. in Jena; Mutter Raumpflegerin; 1965/66 Lehre als Buchdrucker (abgebrochen); 1966 –68 Ausbildung zum Bibliotheksfacharbeiter; 1968 – 70 Studium an der FS für Bibliothekswesen in Berlin; ab 1970 Philosophiestudium an der HU Berlin; SED; 1971 – 75 inoffiz. Tätigkeit für das MfS, beendet durch vorsätzl. Dekonspiration; 1974 – 77 Forschungsstudent; Teiln. an einem illeg. trotzkist. Studentenzirkel; 1976/77 Studienaufenthalt an der Univ. Warschau; seitdem Kontakte zur poln. Opp.; 1977 – 83 wiss. Mitarb. am ZI für Philos. der AdW, behindert beim Abschl. der Prom., 1983 Entlassung im Kontext der Affäre um  Peter Ruben; Austritt aus der SED; Berufsverbot; anschl. Beschäftigung als Putzhilfe, Waldarb., Heizer; Ende der 70er Jahre bis 1988 Mitarb. in versch. unabh. Friedens- u. Menschenrechtsgr., u. a. im Friedenskrs. der ESG Berlin u. im Naumburger Friedenskrs.; 1985 Mitbegr. der IFM; Mithrsg. der Samizdat-Ztschr. »grenzfall«; 1987 Mitarb. in der Gruppe »Staatsbürgerschaftsrechte in der DDR«; Jan. 1988 Teiln. an Protestaktionen bei der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin, Verhaftung, Abschiebung für zwei Jahre; Studienaufenthalt in Bochum; Nov. 1989 Rückkehr nach Berlin; Vertreter der IFM am Zentr. Runden Tisch; 1989 – 91 Sprecher der IFM; 1990 Mitarbeiter der Volkskammerfraktion Bündnis 90 / Grüne; Mitgl. des Kuratoriums für einen demokrat. verfaßten Bund Dt. Länder. Sept. 1991 – Mai 1992 hauptamtl. Mitgl. des Gründungssprecherrats der Partei Bündnis 90; 1992/93 Kritiker des Assoziationsvertrags zw. Bündnis 90 u. den Grünen; 1993 Mitarb. in der Vorbereitungsgr. des Bündnis 90 Berlin für die Vereinigung mit den Grünen / AL; 1994 – 96 wiss. Mitarb. im Mauermuseum »Haus am Checkpoint Charlie« in Berlin; 1996 Gründungsmitgl. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur e. V.; Mitgl. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; 1997 - 2010 freier Publizist u. freier Mitarb. in der pol. Erwachsenenbildung; zahlr. publizist. Veröff.; seit Mai 2010 Ltr. des Landesbüros Polen der Heinrich-Böll-Stiftung in Warschau.Von der Wiederkunft des Soz. Berlin 1996 (Hrsg. mit C. Striefler); Ein Staat – zwei Gesellschaften. Opladen 2002; Auf dem Weg zur Friedl. Rev. in der DDR. Berlin 2008 (Hrsg. mit M. Gutzeit); Farbenspiele – Die Ukraine nach der Rev. in Orange. Bonn 2008. Stasi-Akte »Verräter«. Bürgerrechtler T.: Dokumente einer Verfolgung. Spiegel Spezial (1993) 1; Jesse, E. (Hrsg.): Eine Rev. u. ihre Folgen. Berlin 2000; Jander, M.: W. T. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opp. u. Widerstand in Biogr. u. Fotos. Berlin 2006.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Terpe, Frank

* 10.10.1929 – ✝ 8.4.2013

Geb. in Nünchritz (b. Riesa); Vater Kranfahrer; 1936 – 40 Volksschule in Nünchritz, 1942 – 45 Adolf-Hitler-Schule. 1945 – 48 OS in Riesa, Abitur; 1948 – 54 Studium der Math. u. Physik an der EMAU Greifswald; 1954 – 90 Assistent, dann Oberassistent an der EMAU, 1962 Prom. auf dem Gebiet der deskript. Theorie der Integration, 1967 Habil. mit einer Arbeit zur Theorie des maximalen Integrals, 1968/69 Doz., 1969 ord. Prof. für Analysis, 1971 – 80 Dir. der Sekt. Math. an der EMAU; Nov. 1989 SDP, dann SPD; Febr. 1990 Mitgl. des SDP/SPD-Parteivorst.; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer, stellv. Vors. der SPD-Fraktion; 12.4. – 20.8.1990 Min. für Forschung u. Technol. in der Reg.  de Maizière (Nachf. von  Peter-Klaus Budig). 1990 – 92 ord. Prof. für Analysis an der EMAU; 1993 Ruhestand; lebt in Rostock.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Teuber, Heinrich

* 23.2.1872 – ✝ 1.9.1927

Geboren am 23. Februar 1872 in Peterwitz/Krs. Frankenstein in Schlesien. Ziegelformer, Erd- und Bergarbeiter. Seit 1900 Mitglied der SPD, er berichtete von 1905 bis 1910 für die »Breslauer Volkswacht« aus Waldenburg. Von 1905 bis 1909 im Bergarbeiterverband in Waldenburg aktiv, von 1906 bis 1910 Vorsitzender der SPD-Wahlkreisorganisation Breslau. Teuber war 1910/11 Angestellter des Bergarbeiterverbandes in Senftenberg und ab Mai 1911 bis 1916 im Hauptbüro des Verbandes in Bochum. 1917 trat er in die USPD ein, war bis 1920 Vorsitzender der USPD in Bochum und 1919 Mitglied des Zentralzechenrates. Im Juni 1920 wurde Teuber im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt, dem er bis 1924 angehörte. Er trat für die Verschmelzung mit der KPD ein und war von Oktober bis Dezember 1920 Mitglied der Kontrollkommission der USPD-Linken. Mit mehreren USPD-Abgeordneten und mit den beiden KPD-Abgeordneten Clara Zetkin und Paul Levi bildete er im Dezember 1920 die gemein- same VKPD-Reichstagsfraktion. In der VKPD wurde er Sekretär des UB Bochum, Vorsitzen- der des Bezirks westliches Westfalen und Mitglied des ZA. Bereits am 27. Februar 1921 legte er sein Amt als Bezirksvorsitzender nieder und schied aus dem ZA aus. Teuber gehörte zu jenen VKPD-Reichstagsabgeordneten, die mit der Politik der Mehrheit der Zentrale, ihrer Unterwerfung unter die Komintern nicht einverstanden waren. Er schloß sich zunächst der KAG Paul Levis an, ging im April 1922 zur USPD zurück und wurde im Oktober 1922 wieder Mitglied der SPD. Nun lebte er als freier Publizist in Bochum, schrieb für die von Paul Levi redigierte Zeitschrift »Sozialistische Politik und Wirtschaft«, war vertretungsweise Redakteur an der »Leipziger Volkszeitung«. Bis 1927 war er auch Abgeordneter des Provinziallandtages Westfalen und Mitglied des SPD-Kreisvorstandes Bochum. Heinrich Teuber starb am 1. September 1927 in Leipzig.

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Thalbach, Katharina

* 19.01.1954

Geb. in Berlin; Tochter von Sabine T. (Schauspielerin am Berliner Ensemble/BE) u. Benno Besson; Abitur; Elevinnenvertrag am Berliner Ensemble unter Helene Weigel; 1970 Debüt als Polly (»Die Dreigroschenoper«) u. Eva (»Herr Puntila u. sein Knecht Matti«); 1969 – 75 Vertrag an der Volksbühne Berlin (VB), u. a. 1972 Desdemona (»Othello«, R: Manfred Karge/ Thomas Langhoff) u. Helena (»Die schöne Helena«, R: Benno Besson); 1971 – 76 Mitw. in DEFA-Filmen u. a. von Lothar Warneke (1972 »Es ist eine alte Geschichte«), Konrad Wolf (1974 »Der nackte Mann auf dem Sportplatz«), Egon Günther (1975 »Lotte in Weimar«, als Ottilie von Pogwisch, 1976 »Die Leiden des jungen Werther«, als Lotte, Co-Prod. mit dem DFF), Iris Gusner (1976 »Das blaue Licht«); Dez. 1976 mit Thomas Brasch u. Tochter Anna (geb. 1973) Ausreise aus der DDR; 1977/78 Mitgl. der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin (West), u. a. in: »Lovely Rita« (TR, UA 1977, R: Niels-Peter Rudolph); 1980 Dt. Darstellerpreis des Bundesverb. der Film- u. Fernsehregisseure; 1981 »Penthesilea« (als Protoe, R: Hans Neuenfels); seit 1987 auch als Regisseurin tätig; seit 1977 Filmrollen, u. a. mit Volker Schlöndorff (»Die Blechtrommel«, »Engel aus Eisen« mit Thomas Brasch, »Domino«), Alan J. Pakula, USA (1983 »Sophie’s Choice«), Siegfried Kühn (1992 »Die Lügnerin«); Fernseharbeiten u. a.: 1979 »Theodor Chindler« (R: Hans W. Geissendörfer), 1980 »Mosch« (ARD, R: Tankred Dorst), 1986 »Väter u. Söhne« (ARD, R: Bernhard Sinkel); 1987 Dt. Filmpreis. 1990 – 93 Schauspielerin u. Regisseurin am Schillertheater Berlin, u. a. 1991 »Minna von Barnhelm« (R.), »Macbeth« (R. u. Rolle: Königin, Werkstatt Schillertheater), »Hase, Hase« (TR, R: Benno Besson); 1991 Konrad-Wolf-Preis der AdK; 1993 Thalia Theater Hamburg (»Die Dreigroschenoper«, R.); Theaterrollen seit 1997 v. a. am Maxim-Gorki-Theater (MGTh) u. a. Frau John (»Die Ratten«, MGTh), Marie (»Der Hauptmann von Köpenick«, Fernsehfilm, R: Frank Beyer), »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, TR (Schauspielhaus Zürich, R: Benno Besson), 1998 »Der gute Mensch von Sezuan«, TR (MGTh); Regiearbeiten seit 1996 u. a. »Don Juan« (MGTh), »Lebenslänglich« (Wintergarten Berlin), »Der Hauptmann von Köpenick« (MGTh, nach der Premiere auch Übernahme der TR anstelle von Harald Juhnke), 1997 »Don Giovanni« (E-Werk Berlin); 1997 Carl-Zuckmayer-Medaille u. Kulturpreis von »Bild« für »Don Giovanni«; 1999 »Schade, daß sie eine Hure ist« (Studiobühne MGTh); 1999 Film »Sonnenallee« (R: Leander Haußmann); 2001 Film »Liebesau – die andere Heimat« (TV); 2002 R. »Orpheus in der Unterwelt«, Theater Basel; Film »Die Manns; 2004 R: »Salome«, Oper der Stadt Köln; 2005 Film »Edelweißpiraten«; 2005 Film »Kabale u. Liebe«; 2006 Film »Räuber Hotzenplotz«; 2007 die Filme »Hände weg vom Mississippi«, »Strajk – Die Heldin von Danzig« (Bayer. Filmpreis) u. »Du bist nicht allein«; Verdienstorden des Landes Berlin; 2008 Film »Der Mond u. andere Liebhaber«; 2009 Theater am Kurfürstendamm »Wie es euch gefällt« (auch R.); lebt in Berlin.Aune Renk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thalheimer, Bertha

* 17.3.1883 – ✝ 23.4.1959

Geboren am 17. März 1883 in Affaltrach/ Württemberg, Tochter des jüdischen Kaufmanns Moritz Thalheimer, Schwester von August Thalheimer. Nach Absolvierung eines Realgymnasiums für Knaben in Cannstatt studierte sie Nationalökonomie in Berlin. Als Mitglied der SPD trat sie aus der jüdischen Gemeinde aus und stand auf dem linken Flügel, war befreundet mit Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Franz und Eva Mehring, und hatte zu ihrem Bruder zeitlebens ein enges politisches Verhältnis. Mitarbeiterin an der von Clara Zetkin redigierten Frauenzeitschrift »Gleichheit« und an der Göppinger »Freien Volkszeitung«. Vor 1914 bereits Mitglied des SPD-Landesvorstandes, gehörte sie zur Linken um Friedrich Westmeyer, dann zur Spartakusgruppe. Als Vertreterin dieser Gruppe nahm Bertha Thalheimer mit Ernst Meyer im September 1915 und im April 1916 an den Konferenzen der Kriegsgegner im Schweizer Zimmerwald und Kienthal teil, ebenso an der 1.Spartakuskonferenz im Januar 1916 in Berlin, die sie organisatorisch vorbereitet hatte. Mit Lenin trat sie auf den Schweizer Tagungen für die Gründung einer neuen Internationale ein und wurde Mitglied des ständigen Ausschusses der Zimmerwalder Bewegung. Bertha und ihre Schwägerin Cläre Thalheimer waren enge Mitarbeiterinnen von Leo Jogiches. 1917 wegen antimilitaristischer Tätigkeit festgenommen und wegen Hochverrats in Stuttgart zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie bis zur Novemberrevolution in Delitzsch verbüßte. Ende 1918 nahm sie am Gründungsparteitag der KPD in Berlin teil und leitete in deren Zentrale die Frauenarbeit. Bertha Thalheimer hat 1920 den Mechaniker Karl Wilhelm Schöttle geheiratet, ihre Ehe wurde 1933 geschieden. 1925 war sie Mitbegründerin des RFMB, wurde Anfang 1929 aus der KPD ausgeschlossen und arbeitete bis 1933 aktiv in der KPO. Nach 1933 als Kommunistin und Jüdin gefährdet; zwar von Freunden unterstützt, mußte sie ihren Lebensunterhalt durch Hausverkauf von Kaffee verdienen. 1941 in einem »Judenhaus« interniert, wurde sie 1943 ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort 1945 von der Roten Armee befreit, kehrte Bertha Thalheimer nach Stuttgart zurück, trat zunächst der KPD bei, die sie 1948 wieder verließ. Sie unterstützte die Gruppe Arbeiterpolitik, zeichnete ab 1952 für deren Zeitschrift verantwortlich. Lange, aber vergeblich bemühte sie sich um ein Einreisevisum für ihren Bruder August. Bertha Schöttle-Thalheimer starb am 23. April 1959 in Stuttgart.

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Theek, Peter

* 28.10.1924 – ✝ 3.10.2002

Geb. in Berlin; Vater Jugendfürsorger; Volksschule, Realgymnasium; 1942 RAD; NSDAP; 1943 Wehrmacht, Ltn.; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 Mitarb. der Abt. Jugendgerichtshilfe in Berlin-Reinickendorf; Mitgl. im antifa. Jugendaussch.; 1946 KPD/SED; 1946 – 48 Jura- u. Philosophiestudium an der HU Berlin; zugl. Chefred. der Jugendztschr. »Junges Leben« (frz. Sektor); 1949 – 55 Red. u. Reporter am Berliner Rundfunk u. bei der Ztg. »Tägl. Rundschau«; 1955 – 57 stellv. Chefred. der Ztg. »BZ am Abend«; 1958/59 Chefred. beim DFF; 1959 – 71 stellv. Chefred. der SEW-Ztg. »Die Wahrheit« (West-Berlin); 1971 – 90 Chefred. der »Weltbühne« (Nachf. von  Hermann Budzislawski); seit Ende der 70er Jahre Mitgl. des Präs. des Friedensrats der DDR; 1990 Ruhestand; gest. in Alcúdia auf Mallorca.Die große Fahrt. Berlin 1954; Willi u. die Nachtgespenster. Berlin 1963; weitere Kinderbücher.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thesen, Matthias

* 29.4.1891 – ✝ 11.10.1944

Geboren am 29. April 1891 in Ehrang bei Trier, Sohn einer katholischen Arbeiterfamilie; lernte Dreher. 1910 wurde er Mitglied der SPD. Während des Krieges Soldat, trat er 1917 zur USPD über. Danach übersiedelte er ins Ruhrgebiet und war in verschiedenen Großbetrieben beschäftigt. Mit dem linken Flügel der USPD kam Thesen 1920 zur KPD. Ab 1924 hauptamtlicher UB-Sekretär in Duisburg-Hamborn, von 1924 bis 1928 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Hamborn. Im Mai 1928 zog Thesen im Wahlkreis Düsseldorf-West, im Juli 1932 im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Reichstag ein, dessen Abgeordneter er bis 1933 blieb. 1929 übernahm er die Leitung des UB Bochum und später des UB Essen. In der illegalen KPD 1933 Oberberater für den Bezirk Wasserkante. Am 14.September 1933 in Hamburg festgenommen, gefoltert, und am 26. Februar 1935 zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Als er nach der Haftzeit in Oslebshausen/Bremen und Brandenburg erklärte, daß er seine Weltanschauung nicht geändert habe, wurde er im April 1937 ins KZ gebracht, zuerst nach Papenburg, dann nach Sachsenhausen. Im Mai 1939 verurteilte ihn das Hanseatische OLG nochmals zu vier Jahren Zuchthaus, nach deren Verbüßung in Vechta und Hamburg-Fuhlsbüttel kam er wieder ins KZ Sachsenhausen. Zusammen mit 26 anderen Häftlingen, darunter Ernst Schneller und Augustin Sandtner, wurde Matthias Thesen am 11. Oktober 1944 von der SS erschossen.

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Thiele, Siegfried

* 28.3.1934

Geb. in Chemnitz; Vater Handwerker; 1952 Abitur; 1953 – 58 Studium der Fächer Komposition u. Dirigieren an der HS für Musik in Leipzig; 1958 – 62 Musiklehrer in Radeberg u. Wurzen; 1960 – 62 Mstr.-Schüler der DAK; 1962 Oberassistent für Musiktheorie u. Beginn der Lehrtätigkeit an der Leipziger HS für Musik »Felix Mendelssohn Bartholdy«, 1971 – 99 dort Doz., ab 1984 Prof. für Kompos.; 1963 – 78 Ltr. des Leipziger Jugendsinfonieorchester; 1979 Kunstpreis der Stadt Leipzig; 1983 Kunstpreis der DDR; schuf zwei Sinfonien u. Werke der Orchester- u. Kammermusik, sein Auftragswerk »Gesänge an die Sonne« kam 1981 zur Eröffnung des Neuen Gewandhauses zu Leipzig zur Aufführung. 1990 – 91 Mitgl. der AdK; 1990 – 97 Rektor der HS für Musik u. Theater Leipzig; seit 1992 Mitgl. der Freien AdK zu Leipzig u. seit 1996 der Sächs. AdK Dresden; 1999 em.; 2002 Verdienstorden des Freistaats Sachsen; lebt in Leipzig. Sek.-Lit.: Kneipel, E.: S. T. für Sie porträtiert. Leipzig 1990; Prof. S. T. zum 70. Geb. In: Journal (HS für Musik u. Theater Leipzig) (2004) 17.Bruckner u. die Musik des 20. Jh. In: Neue Ztschr. für Musik. Mainz 1978; Intention u. Methode einer Bearbeitung. Zur Einrichtung von Bachs Kunst der Fuge. Bulletin des Musikrates der DDR. Berlin 1985.Christiane Niklew / Ingrid Kirschey-Feix

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Thielmann, Klaus

* 29.10.1933

Geb. in Pulsnitz (Krs. Kamenz) in einer Arztfamilie; Grund- u. Oberschule, 1952 Abitur; 1950 Mitgl. der Domowina; 1952 – 57 Studium der Med. an der Univ. bzw. KMU Leipzig u. der Med. Akad. Erfurt, 1957 Prom.; anschl. Assistenzarzt am Bezirkskrankenhaus in Stralsund; 1958 – 59 Schiffsarzt der DSR; 1959 – 63 wiss. Ass. an der EMAU Greifswald u. der FSU Jena, 1964 Habil.; 1963 – 65 Oberarzt an der Universitätsklinik Jena; 1965 – 73 Doz. an der FSU; 1968 – 71 Gastprof. in Havanna; 1974 ord. Prof., 1976 – 82 Prorektor für Naturwiss. u. med. Forschung an der Med. Akad. Erfurt; 1978 SED; 1982 – 89 Stellv. des Ministers für Hoch- u. Fachschulwesen; Jan. 1989 – März 1990 Minister für Gesundheitswesen (Nachf. von  Ludwig Mecklinger); 1990 / 91 ord. Prof. am Inst. für Pathologie der Med. Fak. (Charité) der HU zu Berlin. 1992 – 94 im Auftrag der Europ. Bank für Wiederaufbau u. Entw. (EBRD, London) Managementberater an der Internat. Finanz- u. Bankschule in Moskau; 1994 – 97 in gleicher Mission am Regionalen Banktrainingszentrum für die zentralasiat. Region Usbekistan, Kirgistan u. Tadschikistan in Taschkent; 1998 – 2001 Ltr. eines EU-Projekts zur Unterstützung der Führung u. Ltg. des russ. Gesundheitswesens (Tacis-Projekt »Support to Health Care Management in the Russian Federation«) in Moskau; 2001 – 2004 beteiligt an der Durchführung mehrerer internat. Projekte zur Reformierung des russ. Gesundheitswesens.Andreas Herbst

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Thierse, Wolfgang

* 22.10.1943

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Rechtsanwalt, CDU-Krs.-Tagsabg.; Abitur; FDJ; Ausbildung zum Schriftsetzer beim »Thür. Tageblatt« in Weimar; ab 1964 Studium der Kulturwiss. u. Germanistik an der HU Berlin; Mitgl. der kath. Studentengemeinde; bis 1975 Assistent von  Wolfgang Heise an der Sekt. Kulturtheorie / Ästhetik der HU; seit Sept. 1975 Mitarb. der Abt. Bildende Kunst des Min. für Kultur, befaßt mit architekturbezogener Kunst, 1976 Entlassung nach Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; Jan. 1977 – 90 wiss. Mitarb. im ZI für Lit.-Geschichte der AdW, Arbeit zur »Krise des Werkbegriffs«; Mitarb. am »Hist. Wörterbuch ästhet. Grundbegriffe«; Anf. Okt. 1989 Neues Forum; ab Jan. 1990 Mitgl. der SPD (DDR), Vors. des Bez.-Parteirats in Berlin, Juni – Sept. Parteivors.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, stellv. Vors., Aug. – Okt. Vors. der SPD-Fraktion; Mitgl. im Kultur- u. Medienaussch.; seit Sept. 1990 mit Vereinigung von SPD u. SPD (Ost) stellv. Vors. der SPD. Seit Okt. 1990 Abg. des Dt. Bundestags, bis Okt. 1998 stellv. Vors. der SPD-Fraktion; 1990 – 2005 Stellv. SPD-Vors.; Okt. 1998 – Okt. 2005 Präs. des Dt. Bundestags (Nachf. von Rita Süßmuth); 2001 Ignatz-Bubis-Preis; Okt. 2005 Vizepräs. des Bundestags; lebt in Berlin.Künstl. Avantgarde. Berlin 1979 (zus. mit D. Schlenstedt u. K. Barck); Mit eigener Stimme sprechen. München 1992; Ein Manifest. Weil das Land sich ändern muß. Reinbek 1992 (Mitautor); Vor dem Aufschwung steht die Wahrheit. Bonn 1992; Ist die Pol. noch zu retten? Berlin 1996 (Hrsg.); Zukunft Ost. Perspektiven für Ostdtl. in der Mitte Europas. Berlin 2001. Grundwerte für eine gerechte Weltordnung. Frankfurt (Main) 2003. Elitz, E.: Sie waren dabei. Stuttgart 1991; Pforte, D. (Red.): Reden zum Moses-Mendelssohn-Preis 1992. Berlin 1992; Rieker, A. u. a.: Laienspieler. Leipzig 1992; Sommerfeld, F. (Hrsg.): Der Montagsmann. In: Pioniere im neuen Dtl. Reinbek 1993.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Thinius, Kurt

* 27.1.1903 – ✝ 6.7.1994

Geb. in Hertneck (Karpaten / Kárpátok, Ungarn); Besuch der Volksschule u. des Realgymnasiums in Dessau, Abitur; Chemiestudium an der Univ. Halle, Dipl.-Chemiker; 1927 Dr. nat.; wiss. Assistent u. Laborltr. in einem chem. Großbetrieb. 1946 LDPD; ab 1945 Vors. des Arbeitskrs. Plastwerkstoffe; Ltr. versch. wiss. Inst. u. Labors, HS-Lehrer u. Autor versch. Standardwerke; seit 1950 Dir. des Inst. für Chemie u. Technol. der Plaste des Min. für Schwerindustrie in Leipzig; 1954 – 58 Abg. der Volkskammer; 1962 Prof. an der Universität Leipzig (später KMU Leipzig); 1966 – 68 Dir. des Inst. für Chemie u. Technol. der Plaste der AdW; 200 Patente als Erfinder oder Miterfinder; seit 1963 Kand., 1972 – 77 Mitgl. des ZV der LDPD.Wiss.-Techn. Fortschrittsberichte auf dem Gebiet der nichthärtbaren Kunststoffe 1942 – 45. Berlin 1950; Hochpolymere. Leipzig 1952; Chemie, Physik u. Technol. der Weichmacher. Leipzig 1960; Stabilisierung u. Alterung von Plastwerkstoffen. Berlin 1969.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thomas, Otto

* 23.1.1886 – ✝ 19.10.1930

Geboren am 23. Januar 1886 in Heisterberg/ Hessen, Sohn eines Kleinbauern; lernte Dreher und arbeitete in einer Drahtstiftfabrik. 1906 Mitglied der SPD, Ende 1910 Gewerkschaftssekretär in Heidelberg, später in München. Dort während des Krieges Kontakt zu Kurt Eisner. Im März 1919 trat Thomas in die KPD ein. Ein Gerichtsverfahren gegen ihn wegen Beteiligung an der Münchner Räterepublik wurde im November 1919 eingestellt. Thomas wurde Redakteur, dann Chefredakteur des KPD-Organs »Neue Zeitung« in München. 1920/21 nahm er Verbindung zu rechtsgerichteten Kreisen auf, vor allem zum »Bund Oberland« und veröffentlichte in der »Neuen Zeitung« im Februar 1921 »nationalbolschewistische« Artikel, von denen sich die KPD offiziell distanzierte. Nach einer Selbstkritik blieb Thomas weiterhin Redakteur, behielt seine Verbindung zu den Rechtskreisen in Deutschland, diese wurden 1923 beim »Schlageter-Kurs« der KPD ausgenutzt. Ab 1924 lebte Thomas, in der KPD als Rechter verfemt, in Moskau. 1926 wurde er Chefredakteur der »Neuen Zeitung« in Jena und Mitglied der BL Thüringen. Seine Artikel wurden im Mai 1926 von linken Parteizeitungen (z. B. der HVZ) als reformistisch angegriffen. In den Parteidiskussionen 1928 gehörte er zu den Versöhnlern und wurde deswegen Anfang 1929 als Chefredakteur abgelöst. Thomas kam nach Berlin an die Zeitung des »Münzenberg-Konzerns« »Berlin am Morgen«, publizierte dort 1930 Artikel, die eine Annäherung von Nationalisten und Kommunisten empfahlen. In Erinnerung an den »Schlageter-Kurs« und die Radek-Rede lautete ein Beitrag »Der Wanderer ins Nichts«. Otto Thomas starb am 19. Oktober 1930. Nicht nur die KPD-Presse widmete ihm Nachrufe. Im »Sächsischen Beobachter«, dem Organ des Strasser-Flügels der Nationalsozialisten, schrieb Mossakowski: »... also stehen auch wir vor seiner Gruft und senken grüßend die Standarte«.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tennenbaum, Edda

* 24.12.1878 – ✝ 24.9.1952

Geboren am 24. Dezember 1878 in Mitau/Kurland (Lettland) als Edda Hirschfeld. Nach einem Buchhalterkurs Umzug nach ¸ód´z, Arbeit als Deutschlehrerin und Haushälterin. Wegen ihrer Zugehörigkeit zum Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund für Rußland, Polen und Litauen (»Bund«) verhaftet, trat sie 1903 in die Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauens (SDKPiL) ein und ging 1904 im Auftrag der Partei nach Berlin und Zürich. 1905 wieder in ¸ód´z, dort 1907 als Funktionärin der SDKPiL inhaftiert und zu zwei Jahren Verbannung verurteilt. Aus Sibirien geflohen, kehrte sie nach Warschau zurück und arbeitete später in Berlin und Stuttgart für die SPD, besonders in der Frauen- und Antikriegsbewegung aktiv. Von 1909 bis 1911 Mitarbeit an der von Clara Zetkin redigierten Zeitschrift »Gleichheit«, übersiedelte mit ihrem Mann Jan Tennenbaum nach Paris und wurde Mitglied der Französischen Sozialisten. 1919 in Moskau Funktionärin der Komintern, danach von 1920 bis 1924 in Berlin und Hamburg, Deckname Klara Klarowska, zunächst in der Redaktion der »Roten Fahne« und der Zeitschrift »Kommunistin«, zeitweise in der sowjetischen Botschaft in Berlin beschäftigt sowie ab 1925 wieder im Apparat der Komintern, u. a. im Frauensekretariat. Wegen ihrer Freundschaft mit Heinrich Brandler wurde 1926 ein Parteiverfahren eingeleitet, 1928 wurde sie wegen »rechter Abweichung« aller Funktionen enthoben und zu Archiv- und Bibliotheksarbeiten abgeschoben. Am 3. November 1937 wurde Edda Tennenbaum in Moskau vom NKWD verhaftet und zu acht Jahren Lager verurteilt, im Gulag in Kasachstan zusätzlich mit drei Jahren bestraft. Schon wenige Monate nach ihrer Freilassung kehrte sie 1948 in das kriegszerstörte Warschau zurück. Mit Karl Wloch u. a. organisierte sie auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos Erziehungsarbeit unter deutschen Kriegsgefangenen. Dafür hat ihr Hermann Kant in seinem Roman »Der Aufenthalt« ein literarisches Denkmal gesetzt. Edda Tennenbaum starb am 24. September 1952 in Warschau. Ihr Mann Jan Tennenbaum (* 1881 – † 1937), ebenfalls führender Funktionär der SDKPiL bzw. der Kommunistischen Arbeiterpartei Polens, starb 1937 in einem sowjetischen Lager, nachdem er unter den üblichen haltlosen Anschuldigen verhaftet worden war. Ihr gemeinsamer Sohn Kasimir Tennenbaum (* 1909 in Stuttgart) wurde 1922 Mitglied der KJD, studierte an der TH in Berlin, wurde 1928 wegen »Rechtsabweichung« aus dem KJVD ausgeschlossen und trat in die KPO ein. Später Emigration nach Moskau, dort am 4. November 1936 vom NKWD festgenommen und am 27.August 1937 zu acht Jahren (nach anderen Angaben zu zehn Jahren) Lagerhaft verurteilt. Kasimir Tennenbaum wurde am 8.Januar 1938 im Gulag Nordost in Karaganda ermordet. 2002 veröffentlichte Gerd Kaiser die von Stefan und Witold Leder aufgeschriebene Geschichte der Familien Leder, Hirschfeld und Tennenbaum.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Teschner, Anton

* 15.7.1899 – ✝ 22.9.1985

Geboren am 15. Juli 1899 in Kolbornow/Krs. Allenstein in Ostpreußen, Sohn einer Landarbeiterfamilie, 1908 nach Essen umgezogen; bis 1931 Bergmann (zuletzt Zimmerhauer). Von 1920 bis 1924 Mitglied der USPD/KPD, ab 1928 erneut Mitglied der KPD. Er wurde Anfang 1931 Mitarbeiter des AM-Apparates der BL Ruhr. Ende 1932 Kursant an der M-Schule der Komintern, Schuldeckname Friedrich. Nach Rückkehr im Sommer 1933 illegale Arbeit im Ruhrgebiet. Von November bis Dezember 1933 inhaftiert, am 23. Januar 1934 erneut festgenommen und am 21. Dezember 1934 vom OLG Hamm wegen »Vorbereitung zum Hochverrat und Sprengstoffverbrechen« zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt, danach von Juli 1943 bis April 1945 in den KZs Dachau und Flossenbürg. Durch die US-Armee am 23. April 1945 befreit, trat er wieder in die KPD ein und war ab März 1946 Expedient beim KPD-Organ »Westdeutsches Volksecho«. Anton Teschner starb am 22.September 1985 in Bonn-Duisdorf. Sein älterer Bruder Bernhard (* 1. 5. 1897 – †4.10.1967) war ebenfalls Bergmann, seit Januar 1920 in der USPD, wurde nach dem Kapp-Putsch vom Reichsgericht zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, jedoch im Oktober 1920 durch Amnestie entlassen. KPD-Funktionär der BL Ruhr, im AM-Apparat, zeitweise Leiter des AM-Apparates der BL Ruhrgebiet. 1935 im KZ Esterwegen, wurde er im Juli 1937 erneut festgenommen und 1938 vom OLG Hamm zu 21 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach Freilassung Angestellter einer Essener Maschinenfabrik, zog er später nach Ballenstedt, trat 1945/46 in die KPD/SED ein und wurde Angehöriger der Polizei.

Wer war wer in DDR

Teubner, Hans

* 25.4.1902 – ✝ 11.9.1992

Geb. in Aue (Sachsen); Vater Bergarb., Metallarb., später Bildhauer, Mutter Textil- u. Heimarb.; 1908 – 16 Volksschule; 1916 – 19 Zeichenschule für Textilindustrie u. Kunstgewerbe in Schneeberg; Glasmaler; 1919 KJVD; KPD; 1919 – 24 bei der Bahnpost u. als Kalkulator in Chemnitz, Aue u. Leipzig tätig, meist arbeitslos; Mitbegr. des KJVD im Erzgeb., Mitgl. der BL u. des Reichsaussch. der Jugend; 1922/23 KPD-Stadtverordn.; 1923 Arbeit für den Militär. Nachrichtendienst der KPD, zus. mit Ernst Schneller maßgebl. an der Aufstellung bewaffneter Proletar. Hundertschaften in Sachsen beteiligt; journalist. Beiträge in der Ztg. »Kämpfer« (Chemnitz); dort ab 1924 Red.; Flucht wegen drohender Verhaftung; 1924 – 27 Red. der Ztg. »Freiheit« (Düsseldorf), Ps. Ernst Rohde; Herbst 1927 kurzz. in Düsseldorf inhaftiert; 1927 Mitarb. der ZK-Abt. Agit.-Prop. in Berlin; Nov. 1928 – Frühj. 1930 Studium an der Internat. Lenin-Schule, Moskau, dort Ltr. der mitteleurop. Ländergr.; 1928 – 30 KPdSU; als GRU-Agent rekrutiert; bis Mitte 1930 illeg. Arbeit als Vertreter des EKKI in Rumänien; dort unter direkter Anleitung von Georgi Dimitroff »die KI-feindl. Fraktionen beseitigt«; 1930/31 Parteisekr. des KPD-UB Berlin NW; 1931/32 Agit.-Prop.-Ltr., Reichsltg. der RGO; 1932 für das westeurop. Sekr. der RGI Reisen nach Bulgarien, in die Türkei u. nach Griechenland; 1932/33 Red. der »Internat. Gewerkschaftspresse-Korrespondenz«; März – Okt. 1933 RGI-Arbeit in Kopenhagen; Okt./Nov 1933 illeg. RGO-Arbeit in Berlin; Nov. 1933 verhaftet u. gefoltert, Nov. 1934 vom 2. Senat des VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 18 Mon. Zuchthaus verurteilt, Haft in Berlin u. im Zuchthaus Luckau bis Nov. 1935; danach Wohlfahrtsarb. in Berlin; Herbst 1936 Flucht in die ČSR (Prag); Jan. – Aug. 1937 in Amsterdam Parteiarbeit zus. mit Erich Gentsch u.  Paul Bertz; Aug. 1937 – Jan. 1939 in Spanien; dort Mitarb. von  Franz Dahlem; zus. mit  Erich Glückauf Red. des Dt. Freiheitssenders 29,8 in Valencia u. Barcelona; daneben Lehrer für dt. Offz. der Internat. Brigaden in Benicasim; Jan. 1939 zus. mit Erich Glückauf Flucht nach Paris; ab März 1939 Ltr. der KPD-Abschnittsltg. Süd in der Schweiz; Sept. 1939 Verhaftung, Internierung in den Zuchthäusern Regensdorf, St. Gallen, ab Juli 1940 Zuchthaus Witzwil, Damin, Dez. 1940 Sonderlager Malvaglia, ab Dez. 1941 Lager Gordola (b. Locarno); Mitgl. u. Sekr. der dort gebildeten KPD-LL; 1943 im Lager Brissago (Tessin), 1944 Entlassung, ab Dez. offiz. Vertreter der KPD in der LL der Beweg. Freies Dtl. in der Schweiz; 1944/45 in der Schweiz Kontakt mit dem Unitarian Service Commitee durch Noel H. Field. Mai 1945 illeg. Rückkehr nach Süddtl.; Aug. 1945 Berlin; dort Chefred. der »Dt. Volksztg.«; 1945/46 KPD/SED; März 1946 Chefred. der »Sächs. Volksztg.«; Mitgl. des SED-LV Sachsen; Sept. 1947 – 50 Lehrer, dann stellv. Fak.-Ltr., Ltr. der Lehrabt. der PHS Kleinmachnow; 24.8.1950 von allen Funktionen wegen der Field-Affäre enthoben u. als zionist. imperialist. Agent beschuldigt; Sept. 1950 – Mai 1952 Statistiker im VEB Buntweberei Seifhennersdorf; 1952 – 54 Doz. für Ges.-Wiss. an der FS für Energie in Zittau; März 1956 Aufhebung der Funktionssperre; 1957 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Theorie u. Praxis der Pressearbeit an der KMU Leipzig; Dir. des Inst. für Theorie u. Praxis der Pressearbeit u. Prodekan der Fak. für Journalistik; 1959 – 63 Chefred. der »Leipziger Volksztg.«; 1959 – 63 Mitgl. der SED-BL Leipzig; 1960 1. Vors. des VDJ Leipzig; 1962 Banner der Arbeit; ab Okt. 1963 wiss. Mitarb. im IML; 1967 VVO; 1972 Prom. am IML mit der Arbeit »Exilland Schweiz«; 1972 Ehrenspange zum VVO; 1973 Ehrenbürger der Stadt Aue; 1977 KMO; 1982 aus gesundheitl. Gründen aus dem IML ausgeschieden; 1987 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Der dt. Freiheitssender 29,8 als Führungsorgan der KPD im antifa. Kampf. In: BzG 1964; Exilland Schweiz: Dok. Bericht über den Kampf emigrierter dt. Kommunisten 1933 – 1945. Berlin 1975. Fricke, K. W.: Warten auf Gerechtigkeit. Köln 1971; Bergmann, K.: Die Bew. »Freies Dtl.« in der Schweiz 1943 – 1945. München 1974; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Thalheim, Barbara

* 5.9.1948

Geb. in Leipzig; Vater Kulturfunktionär; 1955 – 65 POS; 1965 – 67 Lehre als Facharb. für Schreibtechnik; 1967 – 70 Mitarb. in kulturellen Institutionen; 1968 – 71 Mitgl. des Oktoberklubs; 1970 – 73 Studium an der FS für Unterhaltungskunst; Berufsausweis als Sängerin; 1973 – 76 Kompositionslehrgang an der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; 1974 – 81 Zusammenarbeit mit einem Streichquartett; 1974 erstes eigenes Konzertprogr.; 1975 SED; 1976 Programm »Lebenslauf« (1978 als erste LP); Texte bis 1995 größtenteils von ihrem damaligen Lebensgefährten, dem Journalisten Fritz-Jochen Kopka; zahlr. Gastspiele in der Bundesrep. Dtl.; 1972 – 79 vom MfS als IM »Elvira« geführt; 1980 Ausschl. aus der SED nach Kritik an zeitw. Einschränkungen des Kulturaustauschs mit der Bundesrep. Dtl.; ab 1981 Arbeit mit Band, wechselnde Besetzungen; wegen krit. Texte zunehmend Auseinandersetzungen mit den Behörden; Porträtreihe über in- u. ausländ. Liedermacher u. Interpreten im Rundfunk (DT 64); 1982 Programm »In der Macht, in der Nacht, in der Not ist der Mensch nicht gern alleine« (1985 auch als LP »Die Kinder der Nacht«); 1989 Kunstpreis der DDR, Prog. »Neue Reiche« (LP, CD 1990). 1990 Programm »Wie im Westen, also auch auf Erden« (1991 CD »Von der Westlichkeit der Welt«); 1992 Mitunterz. des Appells zur Gründung von Komitees für Gerechtigkeit; 1993 nach Frankreichaufenthalt Programm »Fremdegehen« (auch als CD); 1995 Abschiedstournee (CD »Abgesang«); Gründung eines Kleinkunstkulturbüros; 1998 Rückkehr auf die Bühne mit dem Programm »22 neue Lieder« (CD »In eigener Sache«); seitdem Konzerttourneen im In- u. Ausland (mehrmals Frankreich); 2004 CD »Insel sein«; 2007 CD »Immer noch immer«; 2008 CD »herverloren«.Höhlen-, Drachen- u. Trotzdem-Lieder. Fulda 1987 (zus. mit F.-J. Kopka); Mugge. Berlin 2000 (Autobiogr.).Lutz Kirchenwitz

Wer war wer in DDR

Thälmann, Rosa

* 27.3.1890 – ✝ 21.9.1962

Geb. in Bargfeld (Krs. Stormarn); Vater Schuhmacher; Volksschule, anschl. Haus- u. Landarb.; 1909 – 15 Arbeit in einem Wäschereibetrieb in Hamburg, danach in einer Gärtnerei; 1915 Eheschließung mit dem späteren KPD-Vors. Ernst Thälmann (1944 ermordet im KZ Buchenwald); ab 1919 Hausfrau; 1919 USPD; 1920 KPD; RH; IAH; auf Ortsebene aktiv; nach 1935 als Kurierin zum inhaftierten Ehemann; arbeitslos; am 5.5.1944 verhaftet, Haft zunächst im Polizeigefängnis Berlin Alexanderplatz, dann bis April 1945 KZ Ravensbrück. 1945 – 46 Aufenthalt in der UdSSR; ab 1947 Mitgl. des DFD-Bundesvorst., später seines Präs.; 1949 Mitgl. des VVN-Zentralvorst.; 1950 Abg. der Volkskammer; ab 1952 Mitgl. des Friedensrats; 1953 Mitgl. des Präs. des Komitees der antifa. Widerstandskämpfer; 1954 Mitgl. des NR der NF; 1952 KMO; 1957 VVO; gest. in Berlin.R. T.: Im Kampf gegen Fasch. u. Krieg. In: Lernen u. Handeln. Berlin 1985.Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Thein, Ulrich

* 7.4.1930 – ✝ 21.6.1995

Geb. in Braunschweig; Vater Kapellmstr.; nach dem Abitur Studium der Musik (Harfe); nebenbei Schauspielunterricht; Engagement am Staatstheater Braunschweig; 1951 Übersiedl. in die DDR; Engagement am Dt. Theater (bis 1963) u. am Theater der Freundschaft in Berlin; dann Darsteller u. Regisseur am Theater der Bergarb. in Senftenberg; spielte vorwiegend in Gegenwartsstücken, seit 1953 auch Rollen in vielen DEFA-Filmen, z. B. 1953 »Geheimakten Solvay« (R:  Martin Hellberg), 1954 »Alarm im Zirkus«, 1956 »Eine Berliner Romanze« (beide R:  Gerhard Klein) u. »Thomas Müntzer« (R: Martin Hellberg), 1957 »Schlösser u. Katen«, 1958 »Das Lied der Matrosen« (beide R:  Kurt Maetzig), 1960 »Fünf Patronenhülsen« (R:  Frank Beyer), 1961 »Professor Mamlock« (R:  Konrad Wolf), »Septemberliebe« (R: Kurt Maetzig), 1962 »Königskinder« (R: Frank Beyer); ab 1963 auch Regiearbeiten bei DEFA u. DFF, so inszenierte er u. a. 1963 »Der andere neben dir«, 1970 »Unbekannte Bürger«, 1975 »Broddi«; außerdem Regie in »Dach überm Kopf« u. »Romanze mit Amélie«; 1978 Hauptrolle in »Anton der Zauberer« (R:  Günter Reisch), wofür er den Schauspielerpreis bei den Internat. Filmfestspielen in Moskau erhielt; 1981 »Der Teufel hat den Schnaps gemacht« (TV), 1983 »Martin Luther« u. 1986 »Johann Sebastian Bach« (beides mehrt. TV-Filme); 1973 u. 1985 NP; 1986 Mitgl. der AdK; 1989 Doz. an der Schauspielschule »Ernst Busch« in Berlin; gest. in Berlin.Monika Kaiser

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thews, Wilhelm Richard Otto

* 10.6.1910 – ✝ 8.2.1943

(* 1910 – † 1943) Geboren am 10. Juni 1910 in Kiel; besuchte Gymnasien in Kiel und Berlin, Lehre als Zimmermann. Studium an der Baugewerbeschule, Tiefbautechniker. Mitglied im Jungnationalen Bund, 1931 des Stahlhelms, 1932 der SA. Thews hatte seit Sommer 1932 intensive Kontakte zu KPD-Mitgliedern, die ihn für den AM-Apparat gewannen. Seit 1933 Mitglied der illegalen KPD, 1934 reiste er nach Moskau und war unter dem Decknamen Friedrich Wehnert Kursant an der M-Schule der Komintern. Anfang Juni 1935 über Skandinavien Rückkehr nach Deutschland, wurde Bauleiter beim Reichsautobahnbau und leistete umfangreiche Arbeit für den Abwehrapparat der KPD. Im August 1936 Flucht über die ?CSR nach Spanien, dort Angehöriger der XI. Internationalen Brigade, später auch Ausbilder an einer Offiziersschule. 1939 Internierung in Frankreich, nach Kriegsausbruch Angehöriger einer Arbeitskompanie, hatte Kontakte zum französischen Nachrichtendienst. Nach dem Waffenstillstand in verschiedenen Lagern interniert, flüchtete Thews nach Spanien, wurde beim Grenzübertritt am 12. Juli 1941 verhaftet und in ein französisches Lager gesperrt. Am 25. Oktober 1941 Auslieferung an Deutschland, hier am 2.November 1942 vom VGH zum Tode verurteilt, wurde Wilhelm Thews am 8. Februar 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thiele, Paul

* 11.2.1898 – ✝ 3.4.1978

Geboren am 11. Februar 1898 in Leipzig, Sohn einer Weberfamilie; kaufmännische Lehre, seit 1912 in der Arbeiterjugend organisiert, wegen Einberufung zum Kriegsdienst Notreifezeugnis. Bis April 1919 Soldat, gehörte dem Spartakusbund in Leipzig an. Bis 1924 führender Funktionär der KJD und der KPD im Bezirk Leipzig, 1923 wegen »literarischen Hochverrates« zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, kam er nach Amnestie vorzeitig frei. Von 1921 bis 1923 Buchprüfer beim Finanzamt Leipzig, 1924 selbständiger Steuer- und Wirtschaftsberater. Ab 1925 in Berlin in der Geschäftsabteilung des ZK der KPD, Mitarbeiter von Hugo Eberlein. Als Teilhaber von Parteibetrieben der Peuvag mit den Druck- und Verlagsbetrieben sowie den Grundstücksgesellschaften der KPD und des RFB betraut, hatte er Einblick in die geheime Finanzierung der KPD und ihrer Nebenorganisationen durch die Komintern. 1933 vor allem damit beschäftigt, die noch nicht beschlagnahmten Konten der KPD ins Ausland zu transferieren. Er wurde im April 1935 festgenommen und war bis zum 8. Oktober 1936 im KZ Lichtenburg. Bereits im August 1936 war er aus der KPD ausgeschlossen worden, da er sich angeblich »freiwillig als Gestapo-Agent betätigt habe«. Bis 1940 Berufsverbot, dann wieder Wirtschafts- und Steuerberater. Ausgebombt wohnte Thiele in Annaberg/Erzgebirge, schlug sich nach Kriegsende nach Berlin durch. Am 10. August 1945 versuchte er im Sitz des ZK der KPD zum Parteivorsitzenden Wilhelm Pieck vorgelassen zu werden, um gegen sich ein Untersuchungsverfahren einzuleiten, statt dessen wurde er verhaftet und bis 1950 interniert. Am 27. Juni 1950 wurde er in Waldheim zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt, saß zunächst im Zuchthaus Waldheim, dann ab April 1954 in Bautzen. Ende 1955 amnestiert und am 2. Mai 1956 entlassen, übersiedelte er in die Bundesrepublik. Er lebte zunächst in München, zuletzt in Dachau. Paul Thiele starb dort am 3. April 1978. Seit 1926 war Thiele mit Charlotte Starke (*28.8. 1901 – † 25. 8. 1987) verheiratet, in Leipzig geboren, Tochter einer Arbeiterfamilie; Stenotypistin und Sekretärin. Seit 1922 Mitglied der KJD, 1923 der KPD, Stenotypistin bzw. Sekretärin in der Zentrale/ZK der KPD in Berlin, von 1922 bis 1926 im Nachrichtenapparat der KPD. Ab März 1933 an der Herstellung der Dimitroff-Prozeßberichte beteiligt. Im August 1934 in die Sowjetunion übergesiedelt, arbeitete sie unter dem Parteinamen Charlotte Templer in der Nachrichtenabteilung (OMS) der Komintern. Am 31. August 1936 durch die IKK wegen angeblicher Verbindungen zu ihrem Mann Paul Thiele aus der Partei ausgeschlossen. Der Ausschluß wurde im September 1939 aufgehoben und durch eine »Verwarnung« ersetzt. Danach arbeitete sie als Korrektorin bzw. Verlagsredakteurin im Verlag für fremdsprachige Literatur in Moskau. Nach zeitweiliger Evakuierung kehrte sie 1942 nach Moskau zurück und wurde Mitarbeiterin an der Zeitung des NKFD. Im Januar 1954 kam sie mit ihrem Sohn Alfred (* 4. 4. 1926) in die DDR, wurde Mitarbeiterin am IML.

Wer war wer in DDR

Thieme, Bernhard

* 25.6.1926 – ✝ 20.4.1982

Geb. in Neustadt (Sachsen); Vater kaufm. Angest.; Volks- u. Berufsschule; 1941 – 43 Industriekaufmannslehre bei der AG Hering Maschinenfabrik Neustadt, 1943 / 44 dort Ltr. der Betriebsbuchhaltung, anschl. Ltr. der Abt. Einkauf. 1945 – 48 kaufm. Ltr. der AG Hering; 1945 SPD, 1946 SED; 1948 / 49 kaufm. Ltr. des VEB Kombinat »Fortschritt« Neustadt; 1949 – 51 Betriebsltr., 1951 – 58 Kombinatsdir., 1958 – 63 Hauptdir. bzw. GD der VVB Landmaschinen u. Traktorenbau Leipzig / Neustadt; 1963 – 82 GD des VEB Kombinat Fortschritt – Landmaschinen; Fernstudium an der HfÖ Berlin Karlshorst, 1967 Dipl.-Ingenieurök.; wiss. Aspirantur am ZI für soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED, 1971 Prom. zum Dr. rer. oec.; ab 1971 Mitgl., 1980 Vors. des Gesellschaftl. Rats der TU Dresden; 1976 VVO; gest. in Neustadt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Thiessen, Peter Adolf

* 6.4.1899 – ✝ 5.3.1990

Geb. in Schweidnitz (Schles. / Świdnica, Polen); 1919 – 23 Chemiestudium in Breslau, Freiburg i. Br., Greifswald u. Göttingen; hier 1923 Prom.; 1926 Habil.; 1924 Assistent; 1926 Privatdoz. u. 1932 a. o. Prof. für physikal. Chemie; 1925 – 28 u. 1933 – 45 NSDAP; 1933 Abt.-Ltr. am Kaiser-Wilhelm-Inst. für physikal. Chemie; zugl. 1934 – 37 Berater des Reichserziehungsmin.; 1935 – 45 Dir. am Kaiser-Wilhelm-Inst. für physikal. Chemie in Berlin; 1937 Ltr. der Sparte Chemie des Reichsforschungsrats; 1939 Ord. Mitgl. der Preuß. AdW, 1945 Ausschl. 1945 – 56 als Spezialist in der UdSSR; Ltr. einer Gruppe dt. Forscher, die am sowj. Atomprogramm mitwirkten; 1956 Rückkehr; Wiederaufn. in die DAW u. bis 1964 Dir. des Inst. für physikal. Chemie; zugl. ord. Prof. an der HU Berlin; 1964 em.; 1957 – 65 Vors. des Forschungsrats der DDR, anschl. Ehrenvors.; Auswärt. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1958 NP; 1959 Dr. h. c. der EMAU Greifswald; 1960 – 63 Mitgl. des Staatsrats; VVO; 1969 Ehrenspange zum VVO; Großer Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. Hauptarbeitsgebiete: physikal. Chemie, Kolloid- u. Elektrochemie, physikal.-chem. Grundlagen der Verfahrenstechnik. Sek.-Lit.: Vorträge zum Festkolloquium anlässl. des 65. Geb. von P. A. Th. In: Abhandl. der DAW, Klasse Chemie (1966) 5; Eibel, Chr.: Der Physiochemiker P. A. T. als Wissenschaftsorganisator. Eine biogr. Studie. Stuttgart 1999; Kolditz, L.: P. A. Th. Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages. In: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät (1999) 3; Laitko, H.: Strategen, Organisatoren, Kritiker, Dissidenten – Verhaltensmuster prominenter Naturwissenschaftler der DDR in den 50er u. 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Berlin 2009.Dieter Hoffmann

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Thom, Andreas

* 7.9.1965

Geb. in Rüdersdorf; Vater Schlosser; 1971 – 87 POS, KJS, Abitur; 1971 – 74 mit dem Fußball bei TSG Herzfelde begonnen; 1974 – 90 aktiver Fußballspieler beim BFC Dynamo Berlin; SED; Angeh. der DVP; 1984 – 88 DDR-Mstr. u. zweimal DDR-Pokalsieger, 51 Länderspiele, 15 Länderspieltore für die DDR; 1987 – 90 Studium an der DHfK Leipzig, abgebrochen; 1988 DDR-Fußballer des Jahres. 1990 – Juli 1995 Profispieler bei Bayer Leverkusen; Dez. 1990 – 94 zehn Länderspiele für die Nationalmannschaft der Bundesrep. Dtl.; 1995 – Dez. 1998 Profispieler für Celtic Glasgow; seit Jan. 1998 Profispieler bei Hertha BSC Berlin, anschl. Ass.-Trainer bei Hertha BSC, 4.12. – 17.12.03 Cheftrainer der Bundesligamannschaft; 2001 Co-Trainer Holstein Kiel.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Thomas, Wendelin

* 21.6.1884

Geboren am 21. Juni 1884 im lothringischen Diedenhofen, dem heutigen Thionville; ging nach der Schulentlassung zunächst als Schiffsjunge, später als Matrose zur See. 1900 ließ er sich als Schiffsbauer in Hamburg nieder, im gleichen Jahr Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1918 Matrose bei der Kriegsmarine, zuletzt Signalmaat auf der »Wilhelmshaven«. 1918 im Ausschuß der revolutionären Matrosen, Thomas schloß sich der USPD an. Ab September 1919 Redakteur am USPD-Organ »Volkswillen« in Augsburg, im Juni 1920 zog er als Abgeordneter für die USPD in den Reichstag ein. Seine Gefährtin, die Schauspielerin Gabriele Mahnke, wurde im Sommer 1920 als Polizeispitzel und Provokateurin entlarvt. Die USPD sprach Thomas jedoch von jedem Verdacht frei und erklärte, er sei nicht kompromittiert. Ende 1920 ging er (Delegierter des Spaltungsparteitags) mit der linken USPD zur KPD. Obwohl als Reichstagsabgeordneter immun, verurteilte ihn ein bayerisches Gericht im April 1921 wegen »Anreizung zum Klassenkampf« zu zwei Jahren Gefängnis. Von April bis Oktober 1921 in Haft, mußte er auf Verlangen des Reichstages freigelassen werden und war 1923 aktiv an den Aufstandsvorbereitungen beteiligt. Im Mai 1924 kam Thomas nochmals für die KPD in den Reichstag, wurde aber im Dezember nicht mehr ins Parlament gewählt und mußte nunmehr illegal leben. Er übte verschiedene Parteifunktionen aus, war von 1925 bis 1928 u. a. für die Komintern im Ausland tätig, danach wieder in Deutschland, am 2.Oktober 1928 in Hamburg festgenommen, später amnestiert. Bereits vor 1933 trennte er sich von der KPD und trat politisch kaum noch hervor. Nach 1933 emigriert, lebte Thomas zuletzt in den USA. Dort setzte er sich Ende 1940 für die Einreise von Ruth Fischer und Arkadi Maslow in die USA ein und hatte Verbindung zu antistalinistischen Kreisen. Ein Todesdatum von Wendelin Thomas war nicht zu ermitteln.

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Tenner, Günther Fritz

* 25.2.1907 – ✝ 11.4.1989

Geb. in Berlin; Vater Bäcker u. Metallarb., Mutter Dienstmädchen; 1914 – 21 Volksschule in Berlin; ab 1921 Berliner Fabrikarbeiterverb.; 1921 – 25 Bürobote, danach Arbeiter in Berlin; 1925 Berliner DMV; 1927 KJVD; Jan. 1928 KPD in Berlin; Pol.-Ltr. des KJVD-UB Berlin-Zentrum, anschl. von den Antifa. Jungen Garden Berlin; Mitarb. der KJVD-BL Berlin-Brandenb.; 1930 verhafet u. U-Haft wegen »Fortführung einer illeg. Org.«, mangels Beweisen freigesprochen; 1930 – 32 Instrukteur des ZK der KJVD in Frankfurt (Main), Magdeburg, Saargeb. u. Oberschles.; 1932/33 Jugendsekr. des KJVD-UB Mittelrhein; 1933 – 35 illeg. pol. Arbeit für die KPD; 1935 nach Moskau über Prag (dort kurzz. verhaftet); 1935 – 37 Kursant der Internat. Lenin-Schule in Moskau (»Erich Lampe«); Jan./Febr. 1937 Lehrgang an der Militärschule in Rjasan; März 1937 nach Spanien; 1937 – 39 Kaderchef des »Hans-Beimler-Bat.«, dann Pol.-Kommissar der Batterie »Ernst Thälmann«; 1938 KP Spaniens; im 2. Einsatz Offz. der Spezialkomp. »André Marty«; ab Febr. 1939 in Frankreich interniert (Lager St. Cyprien, Gurs u. Vernet); 1941 – 43 in Djelfa (Nordafr.) interniert; dort Ltr. der KPD-Gruppe; April – Nov. 1943 bei der engl. Armee in Nordafr., dort ebenfalls Ltr. der KPD-Gruppe; 1943 – 45 UdSSR (»Grischa Teller«), dort für das NKWD eingesetzt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Bez.-Rat für Personal u. Verw. im Bez.-Amt Berlin-Charlottenburg; ab 1947 Hauptref. in der Abt. Personalpol., dann Kadermitarb. in der Abt. Landw. beim PV bzw. ZK der SED; 1950 – 71 Mitgl. der ZPKK der SED im Rang eines Abt.-Ltr. des ZK der SED u. maßgebl. an Parteisäuberungen u. Kaderüberprüfungen beteiligt (so gegen  Franz Dahlem); 1969 VVO; 1973 Ehrenspange zum VVO; 1977 KMO; Mitgl. der Zentr. Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitgl.; 1982 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Weber, H., Mählert, U. (Hrsg.): Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936 – 53. Paderborn u. a. 1998.Bernd-Rainer Barth

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Tetens, Fritz

* 19.2.1900

Geboren am 19. Februar 1900 in Berlin; Schmied. Bis 1917 in der sozialistischen Jugend in Berlin aktiv, er übersiedelte zunächst nach Süddeutschland und kam in Verbindung zu den Linksradikalen. 1918 schloß er sich in Wilhelmshaven den Internationalen Kommunisten Deutschlands an und war als deren Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin. Er kritisierte die Führung und in einer persönlichen Erklärung wandte er sich gegen Hugo Eberlein, von dem er sich wegen seiner Kritik an der Zentrale zu Unrecht angegriffen fühlte. Denn Eberlein hatte Tetens, »diesen jungen Genossen«, gefragt: »Was habt ihr geleistet in diesen vier Jahren?« Tetens verwies auf seine Aktivität in der Jugendorganisation. Im Januar 1919 war Tetens an einem Putsch in Wilhelmshaven beteiligt, wurde zu fünf Jahren Festung verurteilt, konnte aber nach Dänemark fliehen. Danach gab es Gerüchte, er habe im Herbst 1919 den Reichsbehörden seine Dienste gegen die KPD angeboten (was diese aber ablehnten). Daraufhin kehrte er nach Deutschland zurück und trat seine Strafe an, von der ihm später zwei Jahre erlassen wurden. Tetens soll 1927 Redakteur in Eberswalde gewesen sein. Es ließ sich nicht ermitteln, ob er noch für die KPD tätig war, denn politisch trat er nicht mehr hervor. Weitere Lebensdaten Fritz Tetens sind nicht bekannt.

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Teubner, Hans

* 25.4.1902 – ✝ 11.9.1992

Geboren am 25. April 1902 in Aue/Sachsen, Sohn eines Metallarbeiters und Holzbildhauers; war bis 1923 Glasmaler und Angestellter. 1919 trat er in die KJD und die KPD ein, wurde 1923 im Bezirk Sachsen unter Ernst Schneller Mitarbeiter im Nachrichtendienst der KPD und war dort an der Aufstellung bewaffneter Proletarischer Hundertschaften beteiligt. Seit 1924 Redakteur der Chemnitzer KPD-Zeitung »Kämpfer«, als Anhänger der Mittelgruppe dann der »Freiheit« in Düsseldorf, 1927 Mitarbeiter der ZK-Abteilung Agitation und Propaganda. Ende 1927 Kursant der Internationalen Leninschule Moskau, zusätzlich führte er bis Mitte 1930 auch illegale Aufträge für die Komintern aus. 1931/32 in Berlin Agitpropleiter in der Reichsleitung der RGO, anschließend Redakteur der »Internationalen Gewerkschafts-Korrespondenz«. Bis Ende 1933 illegal in Berlin, hier wurde er durch Verrat von Helmuth Lass verhaftet, nach brutalen Verhören am 8. November 1934 zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung im November 1935 Wohlfahrtsarbeiter in Berlin, im Juni 1936 emigrierte er nach Prag, dann nach Amsterdam. Bis Januar 1939 Mitarbeiter von Franz Dahlem in Spanien, dort Redakteur am Sender 29,8 in Valencia, später in Barcelona. Ab März 1939 in der Schweiz, wo er bis Mai 1945 in verschiedenen Lagern interniert war. Teubner gehörte zur illegalen Leitung der KPD-Gruppe und hatte 1944/45 engen Kontakt mit dem Vertreter des »Unitarien Service Committee«, Noel H. Field. Im Juli 1945 kam Teubner nach Berlin, wurde Chefredakteur der »Deutschen Volkszeitung«, ab März 1946 Chefredakteur der »Sächsischen Volkszeitung« in Dresden. Von Ende September 1947 bis August 1950 war er Lehrer und Leiter der Lehrmittelabteilung der Parteihochschule »Karl Marx« in Kleinmachnow. Das Sekretariat des SED-PV erteilte ihm am 23. März 1949 eine »Verwarnung wegen mangelnder ideologischer Wachsamkeit«. Teubner hatte es versäumt, im »Neuen Deutschland« den Namen Leo Trotzki aus einem Artikel der Kursantin des Zwei-Jahreslehrgangs der PHS, Erna Stracke, über den Brest-Litowsker Friedensvertrag zu entfernen. Im August 1950 im Zusammenhang mit dem ZK-Beschluß zu den Verbindungen deutscher Emigranten zu Noel H. Field aller Funktionen enthoben und zur »Bewährung« als Statistiker in den VEB Buntweberei nach Seifhennersdorf geschickt. Später Dozent an der Fachschule für Energie in Zittau, 1957 Professor an der Fakultät für Journalistik der Universität Leipzig. Nach Aufhebung der Funktionssperre ab September 1959 Chefredakteur der »Leipziger Volkszeitung«, zuletzt wissenschaftlicher Mitarbeiter am IML. 1975 veröffentlichte er sein Buch: »Exilland Schweiz«. Seit 1973 Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Aue, er erhielt 1977 den Karl-Marx-Orden. Hans Teubner starb am 11.September 1992 in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Thalheim, Hans-Günther

* 5.5.1924

Geb. in Chemnitz; Vater Beamter; OS, 1943 Abitur; 1944 Studium der Germanistik, Geschichte, Philos. u. Pädag. an der Univ. Freiburg i. Br.; Wehrdienst; Kriegsgefangenschaft. 1946 – 48 Neulehrer; 1948 – 51 Forts. des Studiums in Leipzig; gleichz. Lehrtätigkeit an der ABF; 1951 – 53 Oberassistent am Goethe-Schiller-Archiv in Weimar u. bis 1957 wiss. Aspirant an der FSU Jena; 1954 Dr. phil. mit einer Diss. über Johann J. Winckelmanns Griechenbild; 1961 Habil. über Friedrich Schiller; 1954 Mitbegr. der literaturwiss. Ztschr. »Weimarer Beiträge« (mit  Louis Fürnberg), 1955 – 63 deren Chefred.; ab 1957 HU Berlin, zunächst Wahrnehmung einer Professur, später Prof. mit vollem Lehrauftrag, dann Prof. mit Lehrstuhl; 1958 – 91 Mitgl. des Vorst. der Internat. Goethe-Ges. in Weimar; 1965 – 68 Dir. des Inst. für dt. Sprache u. Lit. an der DAW; ab 1969 am ZI für Lit.-Geschichte der AdW tätig, ab 1978 als Bereichsdir.; 1973 – 79 Ltr. des Hrsg.-Koll. der »Geschichte der dt. Lit.« Bde. 6 – 11 (1973 – 79); 1976 NP; 1989 em. Forschungen u. Veröff. zur dt. Aufklärung, Klassik u. Romantik (u. a. »Zur Lit. der Goethezeit« 1969); Hrsg. u. Mithrsg. zahlr. literaturwiss. Schriftenreihen u. Editionen, u. a. »Germanist. Studien«, »Dt. Bibliothek«, seit 1980 Berliner Studienausg. von Schillers Werken in zehn Bden.Leonore Krenzlin

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Thälmann, Ernst

* 16.4.1886 – ✝ 18.8.1944

Geboren am 16. April 1886 in Hamburg. Der Vater Jan, aus Holstein nach Hamburg übergesiedelt, betrieb bei der Geburt seines Sohnes Ernst Fritz Johannes eine Kutscherkneipe, saß aber wegen Hehlerei 1892/93 im Zuchthaus. Ernst Thälmann und seine Schwester Frieda lebten zunächst in einer Pflegefamilie. Als die Eltern Mitte der neunziger Jahre dann einen Kolonialwarenladen eröffneten, wurde er zur Mitarbeit herangezogen, mußte die Pferde versorgen und Waren austragen. Nach der Schulentlassung 1900 blieb Ernst Thälmann noch zwei Jahre als Rollkutscher im Familien-Geschäft. Wegen zahlreicher Streitigkeiten mit dem Vater verließ er das Elternhaus und arbeitete im Hafen. Dann versuchte er sein Glück: Er fuhr auf einem Kohlentrimmer nach Amerika. Das Seemannsleben sagte ihm nicht zu, er verdingte sich bei New York als Landarbeiter, kehrte noch 1907 nach Deutschland zurück und betätigte sich in den verschiedensten Berufen, u. a. als Transportarbeiter und Kutscher. Schon seit Mai 1903 Mitglied der SPD und 1904 des Transportarbeiterverbands. Als Soldat ins 9. Artillerieregiment in Köln eingezogen, wegen Krankheit vorzeitig entlassen, kehrte er nach Hamburg zurück. Seit 1909 ehrenamtlicher Funktionär der Gewerkschaft, stand er mit vielen anderen jungen Sozialisten und Hafenarbeiter-Kollegen auf dem linken Flügel der SPD. Er wurde in die Ortsverwaltung der Transportarbeiter-Gewerkschaft gewählt, protestierte oft in seiner ungehobelten Weise gegen die Saumseligkeit der »Bonzen«. Im Januar 1915 wurde er als Reservist eingezogen, Soldat an der Westfront, kämpfte an der Aisne, Somme und in der Champagne. Obwohl zweimal verwundet, nicht befördert, denn er revoltierte ständig. Einmal kam er vor ein Kriegsgericht, wurde aber freigesprochen. Im Herbst 1918 kehrte er von einem Urlaub in Hamburg nicht mehr zur Truppe zurück, sondern blieb bis zur Revolution in der Hansestadt. Thälmann wurde Arbeiter auf einer Abwrackwerft. Er schloß sich der USPD an, sein Einfluß in der Partei stieg in dieser revolutionären Situation rasch. 1919 wurde Thälmann für die USPD in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Mit seiner Frau Rosa und seiner 1919 geborenen Tochter Irma lebte er in Hamburg, noch immer als Arbeiter beschäftigt. Bald galt er als einer der örtlichen Führer der linken USPD und trat 1920 mit der großen Mehrheit der Hamburger USPD für den Anschluß an die Komintern ein. Er war Delegierter auf dem Spaltungsparteitag und schickte von Halle aus eine für ihn typische Nachricht: »Meine lieben Eltern. Sende Euch die herzlichsten Grüße. Hier in Halle ist gestern die Entscheidung gefallen. Wir sind die Ehrlichen, die Aufrichtigen, die Vorwärtstreibenden! Mit revolutionärem Gruß, Euer Ernst!« Der stimmungs- und gefühlsmäßig radikale Thälmann war auch Delegierter des Vereinigungsparteitags von USPD und KPD. Er stand in der KPD ebenfalls auf dem linken Parteiflügel. Seit 1921 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Hamburg sowie Mitglied der BL Wasserkante. Als Anhänger der »Offensivtheorie« Delegierter auf dem III. Weltkongreß der Komintern 1921. Dort kritisierte Thälmann Lenin und Trotzki und korrigierte sogar Lenin: »Man kann nicht sagen, wie Lenin gesagt hat, man soll den schärfsten Kampf denen ansagen, die die Abänderungsanträge gegen die russischen Thesen vorgelegt haben. In der Kommunistischen Partei ist es das gute Recht jedes Genossen, nach den ökonomischen Verhältnissen jeden Landes das in die Thesen hineinzubringen, was unbedingt hineingehört.« [Diese im Protokoll enthaltenen Sätze sind 1955 in der Ausgabe von Thälmanns Werken im Ostberliner Dietz Verlag, Bd. I, nicht enthalten.] Als Trotzki auf diesem Komintern-Kongreß bemerkte: »Genosse Thälmann ... muß eine sehr gute Fühlung mit den Massen haben«, bestätigte Thälmann stolz: »Jawohl, ausgezeichnete Fühlung.« In Hamburg populär, wurde Thälmann 1921 in der Hansestadt hauptamtlicher Sekretär. Mitglied der Hamburger Bürgerschaft war er ununterbrochen von 1919 bis 1933. Seit 1921 gehörte er dem ZA der KPD an und stieg 1922/23 neben Ruth Fischer und Arkadi Maslow zu einem Führer der linken Opposition in der KPD auf und vertrat auf dem VIII. Leipziger Parteitag im Januar 1923 die linke Opposition gegen die Brandler-Leitung. Er wurde nicht in die Zentrale gewählt, jedoch nach einem Kompromiß Heinrich Brandlers mit der Opposition im Mai 1923 vom ZA gemeinsam mit Ruth Fischer, Ottomar Geschke und Arthur König in die Zentrale der KPD kooptiert. Mitverantwortlich für den Hamburger Aufstand im Oktober 1923, doch spielte Thälmann bei dieser Revolte keineswegs die Rolle, die ihm später glorifizierend zugeschrieben wurde. Im Januar 1924 stellvertretender Parteivorsitzender unter Hermann Remmele, kam er auf dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 mit den Linken in die Spitze der KPD. In die Zentrale und dann auch ins Polbüro gewählt, berief ihn der V. Weltkongreß der Komintern 1924 als Kandidat ins EKKI und ins EKKI-Präsidium, diese wichtige Funktion behielt er bis 1933. Von 1924 bis 1933 vertrat er die KPD als Abgeordneter im Reichstag. Die sowjetischen Führer umwarben ihn, 1924 nannte Sinowjew die deutschen Kommunisten Thälmann und Remmele »das Gold der Arbeiterklasse«. Als Kandidat der KPD für die Reichspräsidentenwahl 1925 wurde Thälmann überall bekannt, da er Leiter des RFB war, wuchs sein Einfluß in der KPD. Bei der Reichspräsidentenwahl verhalfen freilich die 1,9 Millionen für ihn abgegebenen Stimmen dem Reaktionär Hindenburg (14,6 Millionen) gegen den Demokraten Marx (13,7 Millionen) in den Sattel. Thälmann verkörperte den ultralinken Kurs der KPD, was ein Brief zeigt, in dem er 1924 an Iwan Katz, den damaligen Vertreter der KPD bei der Komintern, schrieb: »Lieber Iwan! Anbei übersende ich Euch ein Memorandum, welches in je einem Exemplar abgeschickt ist an Genosse Sinowjew, Stalin, außerdem ans Sekretariat des EKKI. Hier versuchen die Rechten mit Bestimmtheit einen Laden aufzumachen und ich habe außerordentliches Material geschnappt, was Euch und der Delegation auch nützlich sein wird. Es kommt ferner hinzu, daß hier versucht wird, mit anonymen Briefen führende Persönlichkeiten zu desavouieren. Sowohl in Hamburg über mich wie auch über Dengel in Niederrhein, was mir soeben mitgeteilt wird, sind Beweise dafür. Keine, aber auch keine Konzessionen, sonst heißt es für mich, mit Lumpen, die die Partei zerschlagen wollen, nicht für die Revolution, sondern für die Evolution, arbeite ich nicht zusammen. Haltet Euch gesund und grüßt alle von Euerm immer derselbe bleibenden Teddy.« Teddy, wie Thälmann genannt wurde, war aber inzwischen ganz auf die Komintern eingeschworen und ging trotz solcher Töne im Frühjahr 1925 nicht mit den Ultralinken. Während die anderen »Renommier-Proletarier« in der Parteispitze ( Paul Schlecht, Wilhelm Schwan, Max Schütz) nach der Absetzung Ruth Fischers durch Moskau 1925 weiterhin fest zu ihr hielten, wurde Thälmann als kominterntreuer Linker nun Vorsitzender der KPD. In den folgenden Jahren wurde er auch zum Theoretiker des deutschen Kommunismus stilisiert. Wie Stalin in Rußland, so sollte Thälmann in Deutschland der bedeutende große Führer sein. Das mußte ihm, einem ehrlichen Arbeiter, der gefühlsmäßig zum Radikalismus neigte und der eher als Provinzpolitiker denn als Parteivorsitzender geeignet war, zu Kopfe steigen. Frühere linke Fraktionsfreunde kritisierten ihn nun als Held der linken Phrase, als Opportunist reinsten Wassers, der an einer an Größenwahn grenzenden Einbildung leide, unter Einfluß von Alkohol nicht die geringsten Hemmungen kenne und sich mit einem Stab politischer Chamäleons umgeben habe. Tatsächlich brachten ihn zwielichtige Freunde wie John Wittorf oder Willy Leow ja auch fast zu Fall. Thälmanns Absicht, Wittorfs Unterschlagungen zu vertuschen, führten im September 1928 zu dem ZK-Beschluß, seine Funktion als KPD-Vorsitzender ruhen zu lassen. Einstimmig hatte das ZK seine Absetzung verfügt, und Thälmann willigte in alles ein. Nachdem Stalin ihn im Oktober 1928 aber wieder einsetzte, verstärkte sich sein ehrgeiziger Wunsch, nunmehr der bestimmende Parteichef zu sein. Bis 1933 blieb er an der Spitze der KPD, selbst Heinz Neumann stolperte über den Versuch, gegen ihn zu intrigieren. Auch 1932 trat er wieder als Präsidentschaftskandidat der KPD an und erhielt im ersten Wahlgang 5 Millionen von 37 Millionen Stimmen, im zweiten Wahlgang votierten nur noch 3,7 Millionen Wähler für ihn (für Hindenburg 19,4, für Hitler 13,4 Mio.). Dennoch wurde er weiter als »der Führer« der deutschen Partei herausgestellt. Es war Thälmanns persönliche Tragödie, daß er von der Komintern in eine Funktion gehoben wurde, der er geistig und politisch nicht gewachsen war. Am 3. März 1933 festgenommen, blieb er im Gefängnis standhaft. Ein Plan, Thälmann 1936 aus der Haft in Moabit zu befreien, wurde vom ZK der KPD in letzter Minute abgesagt. Weil er sich entdeckt glaubte, verübte Thälmanns Bewacher Moritz, insgeheim Kommunist, Selbstmord. Nach dem Stalin-Hitler-Pakt 1939 hoffte Thälmann (wie Rákosi in Ungarn), nach Moskau ausgetauscht zu werden, und er schrieb entsprechende Briefe an Stalin, doch dieser ließ seinen getreuen Anhänger im Stich. Zwölf Jahre mußte Thälmann in Einzelhaft verbringen, zuerst in Moabit, dann in Hannover und in Bautzen. Ins KZ Buchenwald gebracht, wurde Ernst Thälmann dort am 18. August 1944 ermordet. Doch sein Märtyrertod kann nicht überdecken, daß Thälmann als Hauptverantwortlicher für die katastrophale ultralinke Politik der KPD von 1929 bis 1933 sowie die völlige Unterwerfung der KPD unter Stalin in der Arbeiterbewegung eine verhängnisvolle Rolle spielte. Inzwischen liegen einige Biographien über ihn vor. Thälmanns Frau Rosa, geb. Koch, am 27. März 1890 in Bargfeld/Kreis Storman als Tochter eines Schuhmachers geboren, war Landarbeiterin und Hausangestellte, von 1908 bis 1915 Arbeiterin in einer Hamburger Wäscherei. 1915 heiratete sie Ernst Thälmann, folgte ihrem Mann Ende 1920 in die KPD, blieb aber in Hamburg wohnhaft. Nach 1933 war sie viele Jahre lang die einzige Verbindung zwischen dem Inhaftierten und der KPD-Führung. 1944 wurden sie und ihre Tochter Irma ins KZ Ravensbrück gesperrt. Nach 1945 im Zentralvorstand der VVN, ab 1950 Volkskammerabgeordnete und nach Auflösung der VVN im Februar 1953 Präsidiumsmitglied der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR, sie erhielt 1952 den Karl-Marx-Orden. Rosa Thälmann starb am 21. September 1962 in Ost-Berlin. Thälmanns Tochter Irma, geboren am 6.November 1919 in Hamburg, wirkte in der DDR für die von der SED-Führung propagierte Thälmannlegende. Sie trennte sich 1990 von der PDS, der sie ein »sozialdemokratisches Programm« vorwarf, Neuinterpretationen der Rolle Ernst Thälmanns nannte sie »verleumderisch«. Zur Bundestagswahl 1998 war sie Kandidatin der DKP in Berlin-Lichtenberg. Irma Thälmann-Gabel starb am 10. Dezember 2000 in Berlin.

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Theissen, Karl Franz

* 12.10.1884 – ✝ 3.5.1972

Geboren am 12. Oktober 1884 in Höfen/Nordeifel, Sohn eines Landwirts, aufgewachsen in einer streng katholischen und kaisertreuen Familie; besuchte nach dem Gymnasium eine Landwirtschaftsschule. Er begann im Landratsamt von Malmedy und war ab 1910 bei der Stadtverwaltung von Essen beschäftigt. 1914 Mitglied der SPD, Theissen desertierte bei Kriegsausbruch, stellte sich dann und wurde zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Nach einem halben Jahr wegen guter Führung entlassen, kam er bis Kriegsende zur Marineküstenartillerie auf Wangerooge. Ab 1917 Mitglied der USPD, nahm er am Matrosenaufstand in Kiel teil und wurde 1920 Mitglied der KPD. Im August 1921 Delegierter des VII. Parteitages in Jena, zählte bald zu den führenden Funktionären seiner Partei in Essen. Im Mai 1924 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und dort ab 1925 Fraktionsvorsitzender, er gehörte der erweiterten BL Ruhr an. Von 1924 bis 1928 Redakteur beim »Ruhr-Echo«, Ende 1927 Chefredakteur der Zeitung »Der Abend« bzw. ab Mai 1928 der »Welt am Abend«. Da er den ultralinken RGO-Kurs ablehnte, wurde er Ende 1928 als Versöhnler entlassen, schloß sich der KPO an und wurde nach einjähriger Erwerbslosigkeit Redakteur bzw. Geschäftsführer des »Allgemeinen Bauvereins«, einer Wohnungsbaugenossenschaft. Nach 1933 entzog er sich der politischen Verfolgung, übersiedelte nach Breitbrunn in Bayern und lebte von den Einkünften seiner zweiten Frau. Theissen befaßte sich als Autodidakt auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der Abstammungslehre des Menschen, gegen Ende des Krieges wurde er von der Gestapo gesucht und tauchte in München unter. Nach 1945 nicht mehr parteipolitisch aktiv, starb Karl Theissen am 3. Mai 1972.

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Thiel, Wolfgang

* 14.3.1948

Geb. in Felchta (Thür.); 1962 – 66 Abitur mit Berufsausb. zum Betriebsschlosser; 1966 – 69 Studium der Physik an der Staatl. Univ. Leningrad; Dipl.-Ing. für Kraftwerkstechnik; 1967 SED; 1969 – 71 Studium an der KMU Leipzig; 1971 – 81 FS-Lehrer u. Doz. an der Ing.-Schule für Bergbau u. Energetik »Ernst Thälmann« in Senftenberg; 1981 – 85 Parteisekr. an der Ing.-Schule; 1985 – 87 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1987 – 89 Mitarb. der SED-BL Cottbus, 1988 Abt.-Ltr. Volksbildung; Nov. 1989/90 1. Sekr. der SED-BL Cottbus (Nachf. von  Werner Walde); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorbereitung des außerord. SED-Parteitags; 1989/90 Mitbegr. der PDS Brandenb. 1990/91 Stellv. Landesvors. der PDS Brandenb.; 1991/92 arbeitslos; 1992 – 95 selbständig, Trainerlizenz für Führungskräfte; 1995 – 99 Landesvors. der PDS Brandenb.; 1999 – 2004 MdL Brandenb.; 2005/06 Geschäftsf. der Fraktion der PDS im Landtag Brandenb., Aug. 2006 – Okt. 2009 MdL als Nachrücker (Nachf. von Christian Otto).Helmut Müller-Enbergs

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Thielemann, Karl

* 14.4.1901 – ✝ 26.12.1937

Geboren am 14. April 1901 in Limburg, Sohn eines Landgerichtsdirektors; studierte nach dem Abitur an verschiedenen Universitäten Philologie. Er trat 1928 in die KPD ein und war seit 1930 in der Kostufra-Führung aktiv. Thielemann kam als Redakteur zu KPD-nahen Zeitungen und ging im November 1932 in die Sowjetunion, um bei der VAA in Moskau zu arbeiten. Im September 1937 vom NKWD verhaftet, als »parteifremdes Element« aus der KPD ausgeschlossen, wurde Karl Thielemann am 26.Dezember 1937 vom Militärkollegium des Obersten Gerichts in Moskau zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen.

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Thieme, Herbert

* 7.4.1932 – ✝ 10.11.2015

Geb. in Schmalkalden (Thür.); Vater Kellner; Volksschule; Ausbildung zum Bäcker; 1949 FDJ; 1950 Eintritt in die DVP, Wachtmeister; 1951 / 52 Instrukteur der FDJ-LL Thüringen, 1952 – 55 Sektoren- bzw. Abt.-Ltr. der FDJ-BL Suhl; 1954 SED; 1955 / 56 Studium an der SED-BPS in Meiningen; 1957 – 61 Sekr. der FDJ-BL Suhl u. 1961 – 63 Vors. der Pionierorg. »Ernst Thälmann« im Bez. Suhl; 1963 – 67 Chefred. der Ztschr. »Der Pionierleiter«; 1967 – 70 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1970 stellv. Chefred., 1972 – 89 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Neuer Tag« Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Theo Fettin); 1972 – 89 Mitgl. der SED-BL u. Vors. des VDJ-BV Frankfurt (Oder).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Thilo, Erich

* 27.8.1898 – ✝ 25.6.1977

Geb. in Neubrandenb.; 1916 – 19 Studium an der Chemikerabt. der Techn. Staatsanstalt in Chemnitz, 1920 – 25 an der Univ. Berlin, 1925 Prom.; anschl. Assistent am Chem. Inst. der HU Berlin; 1932 dort Habil. u. Doz.; 1938 a. o. Prof.; 1943 ord. Prof. für anorgan. Chemie an der Univ. Graz. 1946 ord. Prof. mit Lehrstuhl für anorgan. Chemie an der Univ. Berlin; ab 1950 zugl. Dir. des Inst. für Anorgan. Chemie der DAW; 1949 Ord. Mitgl. der DAW; 1953 gem. mit  Heinrich Bertsch Gründung der Chem. Ges.; 1950 u. 1961 NP; 1967 em.; Mitgl. der Leopoldina, der Mineralogical Society of America (Cambridge, Mass.) sowie versch. nat. u. internat. Gremien; gest. in Berlin. E. T. gilt als Begr. der Silikatchemie, ist Verf. zahlr. Originalarbeiten u. Patente zur Konstitution u. Synthese von Silikaten u. kondensierten Phosphaten.Anorgan. Chemie in Frage u. Antwort. 15. Aufl. Leipzig 1976.Hans-Georg Bartel / Hubert Laitko

Wer war wer in DDR

Thom, Martina

* 23.4.1935

Geb. in Leipzig; Vater Lehrer, Mutter Sekr.; 1941 – 53 Grund- u. Oberschule; 1953 SED; 1954 – 59 Studium der Philos. an der KMU Leipzig; 1957 involviert in die Auseinandersetzungen um  Ernst Bloch; anschl. Assistentin am Inst. für Philos. u. 1963 Prom. zum neuhegelian. Revisionismus von Georg Lukács u. Karl Korsch; 1964 Aspirantur; 1969 Ernennung zur Hochschuldoz.; 1976 Habil. zur Entstehungsgeschichte der Philos. I. Kants; Prof. für Geschichte der marxist.-leninist. Philos. 1991 nach Abwicklung des Philosoph. Inst. vorzeitiger Ruhestand.Immanuel Kant. Leipzig 1976; Die materielle Determiniertheit der Erkenntnis. Berlin 1976 (mit K. Gößler); Ideologie u. Erkenntnistheorie. Untersuchungen am Beispiel der Entstehung des Kritizismus u. Transzendentalismus Immanuel Kants. Berlin 1980; Dr. K. Marx. Das Werden der neuen Weltanschauung. Berlin 1986; Naturzweckmäßigkeit u. ästhetische Kultur. Studien zu Kants Kritik der Urteilskraft. Sankt Augustin 1993 (mit K.-H. Schwabe).Hans-Christoph Rauh

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thomas, Willi

* 27.10.1903

Geboren am 27. Oktober 1903 in Volpersdorf/ Krs. Neurode in Schlesien, Sohn einer Kleinbauernfamilie; lernte Schlosser. Im Dezember 1918 Eintritt in die FSJ, 1919 in den DMV, seit Oktober 1928 gehörte er der KPD an. Zellen- bzw. Ortsgruppenleiter, später RGO-Fraktionsleiter im UB Waldenburg, von Juni 1931 bis Mai 1932 Agitpropleiter. Bereits ab 1930 Mitarbeiter, ab Mai 1932 Leiter des AM-Apparates der BL Schlesien. 1932/33 Kursant an der M-Schule der Komintern, Schuldeckname Erich Schulz. Nach seiner Rückkehr Ressortleiter des zentralen AM-Apparates in Deutschland, Decknamen Helmut Kuhnert und Erich Nettich. Aus Kaderunterlagen in Moskau geht lediglich hervor, daß sich Willi Thomas 1936 im Auslandseinsatz befand. Sein weiteres Schicksal konnte nicht ermittelt werden.