...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Thomas, Heinrich

* 4.1.1914 – ✝ 23.10.1988

Geb. in Gröbern (Kr. Leipzig); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Buchhändler; Mitgl. der Jung-Spartakus-Pioniere u. des ASV; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 – 48 Verwaltungsangest.; 1945 KPD, 1946 SED; 1948 / 49 Mitarb. der SED-KL Leipzig; 1949 / 50 Mitarb. der SED-Landesleitung Sachsen; 1950 – 52 Redakteur bei der »Sächsischen Zeitung«; 1952 – 56 Instrukteur der Abt. Presse u. Rundfunk im ZK der SED; 1956 – 62 stellv. Chefred., 1962 – 64 Chefred. der Ztg. »Freie Erde« Neubrandenburg (Nachf. von  Horst Jonas); 1962 – 64 zeitw. Mitgl. der SED-BL Neubrandenburg; 1964 / 65 erneut stellv. Chefred., später Mitarb. in der SED-BL Neubrandenburg.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Thorndike, Andrew

* 30.8.1909 – ✝ 14.12.1979

Geb. in Frankfurt (Main); Vater GD u. Kommandantist des Scherl-Verlags; 1928 Abitur; 1928 – 30 kfm. Lehre im Scherl-Verlag Ber- lin; 1930/31 bei der »Württemberger Ztg.«; 1931 – 42 Angest. der UFA-Werbefilmabt.; später Gen.-Vertreter für Sachsen u. Schles.; 1940 Mitarb. an Prop.-Filmen für die Wehrmacht u. Regisseur von Lehrfilmen für die Marine Hauptfilm- u. Bildstelle sowie die Heeresfilmstelle; 1942 Verhaftung wegen »Verdachts der Wehrkraftzersetzung«, eingezogen zum Kriegsdienst als Sanitätsgefr.; 1944 weitere Filmarbeit für das Oberkdo. der Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Assistent der Zentr. Antifa-Schule Krasnogorsk. 1949 SED; 1949 – 53 Regisseur bei der DEFA; Apr. 1953 in West-Berlin im Kontext der sog. »Vulkan«-Affäre verhaftet wg. Spionageverdachts, nach Protesten entlassen; 1953 – 67 Dokumentarist beim DEFA-Studio für Wochenschau u. Dok.-Filme; 1952, 1956 u. 1963 NP (gem. mit  Ehefrau Annelie T.); 1967 Ltr. der DEFA-Gruppe 67; 1961 DAK/AdK; 1963 Internat. Weltfriedenspreis u. Leninpreis; 1967 Gründungsmitgl. u. Präs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1973 Banner der Arbeit; 1978 NP; 1978 Mitgl. des Präs. des Film- u. Fernsehrats der DDR; Mitgl. des NR der NF; 1979 KMO; zahlr. Filmpreise; gest. in Berlin. Seit 1952 gem. mit Annelie T. Gestalter von Kompilationsfilmen; in ihren Filmen mit hist.-pol. Thematik setzten sie sich insbes. mit der dt. Geschichte auseinander; die Filme fanden weltweit Anerkennung. Dok.-Filme: 1951 »Wilhelm Pieck – das Leben unseres Präs.«, 1956 »Du u. mancher Kamerad«, 1958 »Unternehmen Teutonenschwert«, 1963 »Das russ. Wunder«, 2 Teile, 1968 »Geheime Kommandosache«, siebentlg. Fernsehdokumentation, 1970 »Unter den Linden. Geschichte einer Straße«, dreitlg. Fernsehdok., 1977 »Die Alte Neue Welt«.Das russ. Wunder. Berlin 1963; Probleme der Massenwirksamkeit des Kinofilms in der DDR in den 70er Jahren. Arbeitsheft AdK der DDR. Berlin 1970; Die Alte Neue Welt. Leipzig 1979. Filmdokumentaristen der DDR. Berlin 1969; Film- u. Fernsehkunst der DDR (Hrsg. von der HS für Film u. Fernsehen der DDR). Berlin 1979; Wegbereiter (Hrsg. vom Staatl. Filmarchiv). Leipzig 1982; Michalski, J.: A. Th. u. der implodierte »Vulkan«. Berlin 2009.Renate Rätz / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Thun, Ferdinand

* 26.8.1921

Geb. in Tetschen (ČSR / Děčín, Tschechien); Vater Fürst Franz-Anton; 1940 Abitur; 1940 – 43 Wehrmacht, Ltn.; 1943 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Mitgl. des NKFD u. BDO, Antifa-Schule. 1948 Rückkehr nach Dtl.; NDPD; ab 1950 Mitgl. ihres Hauptaussch.; 1949 – 56 Chef des Protokolls im MfAA; Studium in Leipzig u. an der DASR Potsdam, 1954 Dipl.-Staatswiss.; 1956 – 61 Botschaftsrat in Moskau; 1961 – 68 Ltr. der Abt. für Internat. Org. im MfAA; 1964 – 68 Vors. des Krs.-Verb. Berlin-Pankow der NDPD; ab 1966 Mitgl. des Präs. der Liga für die Vereinten Nationen; 1969 – 73 erneut Botschaftsrat in Moskau; 1973 – 76 Botschafter im Iran u. in Afghanistan; ab 1976 wiss. Mitarb. im MfAA; 1980/81 DDR-Vertreter im Pol. Aussch. der Genfer Konferenz zur Überprüfung der Wirksamkeit des Vertrags über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen; 1981 VVO; 1982 – 87 Ständ. Vertreter bei der UNESCO in Paris (Nachf. von  Siegfried Kämpf); Mitgl. des Präs. der Liga für die Vereinten Nationen; verh. mit  Nyota Thun.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thunig, Rudolf

* 4.8.1899 – ✝ 24.10.1983

Geboren am 4. August 1899 in Dresden, Sohn eines Schneiders. Kaufmännische Lehre, arbeitete als Angestellter. Er wurde noch 1918 zum Kriegsdienst eingezogen, schloß sich während der Revolution der FSJ, dem Spartakusbund und 1919 der KPD an. Von 1920 bis 1922 Verlagsleiter der Zeitung »Junge Garde«, Thunig avancierte 1922/23 zum Orgsekretär und Finanzfachmann des Westeuropäischen Büros der KJI in Berlin. 1923/24 Mitarbeiter im Verlag der Jugendinternationale in Wien und erneut von 1924 bis 1932 Sekretär für »technische Angelegenheiten« im Westeuropäischen Büro der KJI in Berlin. Im Sommer 1932 im Zusammenhang mit dem Jugendplenum des EKKI in Moskau mit der Organisation der Übersiedlung des WEB der KJI nach Brüssel beauftragt. Von August bis Oktober 1933 wirkte er als Instrukteur beim ZK des KJV der Tschechoslowakei, kehrte im Oktober 1933 nach Moskau zurück und organisierte den Umzug des WEB von Brüssel nach Amsterdam. Bis Mai 1934 hielt sich Thunig in Amsterdam auf, wurde dann im April 1935 in Berlin verhaftet und 1937 vom VGH zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Im April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit, war er bis 1949 Haupt- bzw. Generalreferent in der Volksbildungsabteilung des Magistrats von Groß-Berlin, leitete ab März 1949 das Büro des Sekretariats des PV bzw. des ZK der SED. Von 1952 bis 1975 stellvertretender Abteilungsleiter im Büro des Politbüros, er erhielt 1959 den Karl-Marx-Orden. Rudolf Thunig starb am 24. Oktober 1983 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tichauer, Heinz

* 24.10.1901 – ✝ 14.4.1938

Geboren am 24. Oktober 1901 in Königshütte/ Oberschlesien, Sohn jüdischer Eltern, der Vater war Möbeltischler, die Mutter Hausfrau. Nach einer Palästinareise lernte er von 1923 bis 1925 in Wien Bildhauer, trat dort in die KPÖ ein. Anläßlich einer Ausstellung seiner Werke in Wien wurde die Büste Lenins von der sowjetischen Botschaft angekauft. Um 1926 übersiedelte er nach Berlin und wurde in die KPD übernommen. Zunächst freischaffend, 1927 an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin berufen, wegen seiner KPD-Mitgliedschaft bereits 1929 entlassen. Er arbeitete dann als Spezialist und Techniker, forschte insbesondere zum Korrosionsschutz von Alumetallen und entwikkelte später ein Verfahren zum Eloxieren von Aluminium. Tichauer war zusätzlich Referent der BL Berlin-Brandenburg und des ZK der KPD und wirkte zuletzt im UB Nord. 1928 gründete er im Auftrag des ZK der KPD gemeinsam mit Max Keilson, Otto Nagel und Heinrich Vogeler die Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands (ASSO oder ARBKD), die sich im Frühjahr 1931 in Bund revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (BRBKD) umbenannte. Tichauers Privatwohnung in Berlin-Heiligensee war zugleich Sitz des Vereins, und er firmierte offiziell als Vorsitzender. Ende der zwanziger Jahre arbeitete Tichauer an monumentalen, für den öffentlichen Freiraum bestimmten Werken, vor allem Skulpturen aus Stein, wie z.B. dem »Gedenkstein zu Ehren der gefallenen Leuna-Opfer im Jahre 1921«. Im Februar 1933 emigrierte Tichauer über Belgien nach Frankreich. Dort 1935 ausgewiesen, kam er über die Schweiz Anfang 1936 in die Sowjetunion. Er war Erfindungsingenieur an der Shukowski-Militärflugakademie in Moskau. Im September 1937 vom NKWD verhaftet, wurde Heinz Tichauer am 14.April 1938 erschossen. Seine Frau Mia Tichauer (* 9. 2. 1904 – † 1. 10. 1969) folgte ihm mit dem 1930 geborenen Sohn Peter in die UdSSR. Angestellte an der Flugakademie, verlor sie 1937 ihre Stellung, wurde aus der KPD ausgeschlossen, Schneiderin in einer Genossenschaft in Moskau. Im Sommer 1941 mit ihrem Sohn nach Sibirien evakuiert, zuletzt Deutschlehrerin an einer Mittelschule in Tscheljabinsk, beide durften im September 1956 in die DDR ausreisen. Sie wurde Leiterin des Pädagogischen Kabinetts für Russisch beim Magistrat in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Tiedtke, Ellen

* 16.3.1930

Geb. in Bischofsburg (Ostpr./Biskupiec, Polen); Schauspielausbildung; Engagements in Cottbus u. Frankfurt (Oder); in Cottbus neben der Theaterarbeit 1953 Auftritte mit dem Theaterkabarett »Die fünf Stichlinge«, das nur ein Jahr bestand; 1956/57 bei der »Leipziger Pfeffermühle«; dann Wechsel zur Berliner »Distel«, wo sie bis 1964 engagiert war; danach freiberufl. Tätigkeit, v. a. Vortrag volkstümlicher Lieder im Stile Claire Waldoffs; 1961 NP; 1963 »Es war kein schöner Mann« (Amiga); 1964 Darstellerin in »Doppelt oder nichts« (Regie u. Drehbuch Günter Stahnke); 1980 Darstellerin in »Die Verlobte« (Regie u. Drehbuch Günther Rücker u. Günter Reisch); Fernsehauftritte, 5.1.1983 – 1991 besonders beliebt als »Ellentie« im Kinderfernsehen des DFF; Moderatorin u. lustige Figur »Picke Puck«; mehrere Jahre Hauptrollen in den Weihnachtskinderrevuen des Berliner Friedrichstadtpalastes; 2008 CD »Mit Schalk im Nacken« (mit H. Rascher); lebt in Berlin-Lichtenberg.Gisela Winkler

Wer war wer in DDR

Tillich, Stanislaw

* 10.4.1959

Geb. in Neudörfel (Krs. Bautzen, sorb: Nowa Wjeska); Vater SED-Funktionär; 1977 Abitur an der Sorb. OS Bautzen; ab 1977 Wehrdienst bei den Grenztruppen; 1979 – 84 Studium an der TU Dresden, Dipl.-Ing. für Konstruktion u. Getriebetechnik; 1984 – 87 Konstrukteur in einem Elektronikbetrieb in Kamenz; 1987 CDU; 1987 – 89 Angestellter des Rats des Krs. bzw. der Kreisverwaltung Kamenz; seit 1989 Mitgl. des CDU-KV Kamenz.; Jan. – März 1989 Lehrgang an der ASR; ab Mai 1989 Stellv. Vors. des Rats des Krs. Kamenz u. zuständig für den Bereich Handel u. Versorgung; 1989 – 95 selbst. Unternehmer; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. 1991 – 94 Beobachter im Europ. Parlament; 1992 – 99 Mitgl. des Vorst. der Christdemokr. Parteien Europas (EVP); Juni 1994 – Okt. 1999 Mitgl. des Europ. Parlaments, dort stellv. Vors. des Haushaltsaussch. u. 1998 Generalberichterstatter für den Haushalt der EU; seit Okt. 1994 Mitgl. des Sächs. Landtags; Okt. 1999 – Apr. 2002 Sächs. Staatsminister für Bundes- u. Europaangelegenh.; Mai 2002 – Okt. 2004 Chef der Sächs. Staatskanzlei; Nov. 2004 –Sept. 2007 Sächs. Staatsminister für Umwelt u. Landw.; Sept. 2007 – Mai 2008 Sächs. Staatsminister der Finanzen (Nachf. von  Horst Metz); seit 2008 Vors. der CDU Sachsen (Nachf. von Georg Milbradt); seit 28.5.2008 Ministerpräs. des Freistaats Sachsen (Nachf. von Georg Milbradt).Nolle, K.: Sonate für Blockflöte u. Schalmeien. Dresden 2009.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Tischendorf, Gerhard

* 25.12.1927 – ✝ 10.12.2007

Geb. in Treuen (Vogtl.); Vater Metallarb., Mutter Stepperin; nach Volksschule 1940 – 45 Nationalpol. Erziehungsanstalt in Klotzsche bei Dresden; 1945 Soldat; bis 1947 Kriegsgefangener in der UdSSR u. Steinkohlenbergmann im Donezbecken. 1947 – 48 Oberrealschule u. Abitur; 1948 – 49 Bergbaupraktikant; 1949 SED; 1949 – 53 Studium des Bergbaus u. der Mineralogie an der Bergakad. Freiberg; 1954 – 58 Assistent am Mineralog. Inst. der Bergakad. bei  Friedrich Leutwein u.  Oskar Oelsner; 1958 Prom. zum Dr. rer. nat mit einer Diss. zur Genesis von Selenidvorkommen, insbes. von Tilkerode im Harz; 1965 Habil. zum Dr. rer. nat. habil. mit einer Diss. über die Verteilung des Selens in Sulfiden; 1963 – 89 Vorlesungen zur Geochemie u. Metallogenie an der Bergakad., ab 1973 als Honorardoz. für Geochemie; 1958 – 60 Arbeitsgr.-Ltr. u. stellv. Abt.-Ltr. für Geolog. Erkundung im Zentr. Geolog. Inst. (ZGI) Berlin; 1961 – 63 Dir.; anschl. bis 1981 Ltr. von Forschungsgr. im ZGI; 1969 – 77 Vors. des Nationalkomitees für Geolog. Wiss.; 1975 Mitgl. des Rats des Internat. Geolog. Korrelationsprogramms in der internat. Geolog. Union bei der UNESCO; ab 1978 Diskreditierung durch das MfS; 1980 Einstufung als »Sicherheitsrisiko« für das ZGI u. 1981 Abschiebung an den Betrieb Geolog. Erforschung u. Erkundung in Freiberg; 1983 – 92 Mitarb. im ZI für Physik der Erde der AdW u. im Geoforschungszentrum Potsdam; 1990 Koordinator des Zentr. Runden Tisches Geol. zur Vorber. des Aufbaus von Geolog. Ämtern in den neuen Bundesländern. 1990 – 91 (gem. mit Jürgen Wasternack) Ltr. der Rehabil.-Kommission des ZGI Berlin; 1990 Serge-von-Bubnoff-Medaille der Ges. für Geolog. Wiss. der DDR; 1993 Ehrenmitgl. der International Association of Ore Deposits; 2002 Benennung eines neuen Minerals nach T.: »Tischendorfite«. Gest. in Zittau. Forschungsschwerpunkte: Entstehung von Seleniden, Einfluß des Redoxpotentials auf die Mineralbildung, Entstehung von Zinnlagerstätten, Geochemie granitischer Gesteine, Mineralogie u. Geochemie von Glimmern; ca. 120 Veröff.Einführung in die Metallogenie / Mineralogie. Leipzig 1976 (mit L. Baumann); Grundlagen der Geochemie. Leipzig 1990 (mit R. Seim); Zw. Überzeugung und Aufbegehren. Biogr. Bericht eines Freiberger Mineralogen. Schkeuditz 1999.Martin Guntau

dissidenten.eu

Tőkés, László

* 1952

Pfarrer, Bischof der Evangelisch-Reformierten Kirche, einer der bedeutendsten Menschenrechtsaktivisten der ungarischen Minderheit in Rumänien. László Tőkés wurde 1952 in Klausenburg (Cluj, ungarisch Kolozsvár) geboren. Sein Vater, Dr. István Tőkés, war ebenfalls Pastor. 1975 absolvierte László Tőkés sein Studium an der Theologischen Hochschule Klausenburg. Anschließend war er 1975–84 Pastor in Zărnești (ungarisch Zernyest) unweit von Kronstadt (Brașov, ungarisch Brassó), anschließend in der Stadt Dej (ungarisch Dés). In Dej engagierte sich Tőkés für das Kultur- und Geistesleben der Stadt. Ihm ist es zu verdanken, dass auch die dortige reformierte Gemeinde wieder aktiver wurde. Insbesondere vermochte er es, Jugendliche für die Teilnahme an Gottesdiensten und Bibelabenden zu begeistern. Dies beunruhigte die staatlichen Behörden, die Bischof Gyula Nagy aufforderten, Tőkés zu versetzen. Tőkés war Mitglied der Redaktion der Untergrundschrift *„Ellenpontok“ (Kontrapunkte). In der Juni-Ausgabe 1982 veröffentlichte er einen umfangreichen Beitrag zur Situation der reformierten Kirche in Siebenbürgen. Er kritisierte unter anderem die Lehre an der Theologischen Fakultät der Universität Klausenburg sowie die Politik der Universitätsleitung, die – dem Pfarrermangel zum Trotz – eine Verringerung der Studentenzahlen zum Ziel hatte. Tőkés wandte sich auch in einem Schreiben an den Bischof von Oradea (ungarisch Nagyvárad) und forderte diesen auf, seine Kritik an dem Schriftsteller Gyula Illyés zurückzunehmen, der seinerseits Probleme der Siebenbürger Ungarn thematisiert hatte. Infolge dieser Aktivitäten wurde er von der dem Regime gegenüber loyal eingestellten kirchlichen Disziplinarkommission in Dej vorgeladen. Diese beschloss mit Stimmenmehrheit, Tőkés aus dem kirchlichen Dienst in der Stadt Dej zu entfernen. Gegen diese Entscheidung legte Tőkés bei der Bezirkskommission Widerspruch ein, wobei ihm Rechtsanwalt János Vásárhely zur Seite stand. Die Bezirkskommission wandelte den Verweis in einen Tadel um. Nur einige Tage später jedoch traf Bischof Nagy die endgültige Entscheidung über die unverzügliche Versetzung von Tőkés aus Dej nach Sânpetru de Câmpie (ungarisch Uzdiszentpéter). Tőkés widersetzte sich dieser Entscheidung und wurde im Endeffekt mit Berufsverbot belegt. Ab 1984 war er zwei Jahre ohne Arbeit. Als er 1986 wieder zum Pfarrdienst zugelassen wurde, begann er in der reformierten Gemeinde in Temeswar (Timișoara, ungarisch Temesvár) zu arbeiten. 1988 unterschrieb er, wie die meisten Pastoren aus dem Bezirk, ein Memorandum gegen das Programm zur sogenannten *Systematisierung der Dörfer. Als Pfarrer veranstaltete er auch ökumenische Begegnungen, darunter einen Lyrikabend mit Gedichten des katholischen, ungarisch-siebenbürgischen Dichters Jenő Dsida – eine Veranstaltung von großer Bedeutung für die Annäherung zwischen Protestanten und Katholiken. In Temeswar begann von neuem eine politische Hetzjagd gegen Tőkés, die bis zum *Umsturz im Dezember 1989 andauern sollte. 1988 gab es vonseiten des Bischofs László Pápp Bemühungen, Tőkés der Stadt zu verweisen. Im März 1989 wurde er von der Bistumsleitung vorgeladen und musste sich verschiedene Vorwürfe anhören: mangelnde Gewissenhaftigkeit bei der Erfüllung der ihm anvertrauten Aufgaben, Durchführung verbotener kirchlicher Veranstaltungen, mangelnder Respekt gegenüber der Kirchenleitung, unbefriedigende Kontakte mit den staatlichen Organen für Religionsfragen. Am 13. März 1989 wurde Tőkés während einer Reise zu seinem Bruder in Targu Mureș (Marosvásárhely / Neumarkt am Mieresch) auf dem Bahnhof unter dem Vorwand festgenommen, er habe er sich des Diebstahls schuldig gemacht. Die Polizei beschlagnahmte einige Manuskripte sowie Exemplare ausländischer Zeitungen, darunter ein auch von anderen Pfarrern unterzeichneter offener Brief an den Generalsekretär des Reformierten Weltbundes in Genf, in dem Tőkés die Situation der Kirche in Rumänien darstellte. Ebenfalls im März 1989 diskutierte eine Sondersitzung der reformierten Gemeinde in Temeswar darüber, ob Tőkés die Stadt verlassen müsse. Die Teilnehmer der Versammlung stellten sich jedoch hinter ihren Pastor. Dennoch wurde Tőkés am 1. April 1989 nach Oradea bestellt, wo ihm Dekan József Kovács offiziell mitteilte, dass er mit sofortiger Wirkung von seinen seelsorgerischen Pflichten als Pfarrer suspendiert und dass gegen ihn ein Disziplinarverfahren eröffnet worden sei. Am 2. April begab sich Dekan Kovács persönlich nach Temeswar, um Tőkés seines Amtes zu entheben. Die Gemeinde stellte sich jedoch erneut hinter ihn, und auch Tőkés selbst lehnte es ab, der Anordnung der Kirchenleitung zu folgen. Einen Tag später wurde dann beschlossen, Tőkés in Temeswar zu belassen. Am 7. April rief der Beauftragte für Religionsfragen Tőkés erneut auf, den Anordnungen des Bischofs Folge zu leisten. Am 17. April legte Tőkés schließlich selbst sein Pfarramt nieder. Der Budapester Rundfunksender „Kossuth Rádió“ verlas am 28. Mai 1989 einen Brief, in dem Tőkés den Bischof László Pápp darum gebeten hatte, sich für Jugendliche einzusetzen, die wegen der Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen verfolgt wurden. Verlesen wurde auch die Antwort des Bischofs, in der dieser Tőkés wegen der Organisierung solcher Veranstaltungen verurteilte. Am 2. Juli benachrichtigte Tőkés die Dekane in Oradea und Klausenburg brieflich, dass er seinen Dienst als Seelsorger wieder aufgenommen habe. Im Frühherbst 1989 begannen erneut zahlreiche Schikanen nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen seine Familie, seine Freunde sowie gegen die Gemeindeglieder. Tőkés wurde mit Verhaftung gedroht, sein Telefonanschluss funktionierte nur, wenn jemand anrief, um ihm zu drohen. Am 2. November versuchte ein maskierter Mann, Pfarrer Tőkés zu ermorden. Die Polizei lehnte es ab, das Aufenthaltsrecht von Tőkés und seiner Familie in Temeswar zu verlängern. Am 7. Dezember ordnete das Amtsgericht seine Zwangsumsiedlung an, am 8. Dezember wurden er und seine Frau mit Gewalt nach Mincea gebracht. Vor der Kirche protestierten Gemeindemitglieder, die Demonstrationen gingen auch nach dem Abtransport von Tőkés weiter, woraufhin die Staatsmacht Gewalt einsetzte, um die Proteste zu unterbinden. Über die Zahl der Todesopfer gibt es widersprüchliche Angaben. Weitere Demonstrationen im Dezember 1989 in Temeswar und anderen Städten in Rumänien begleiteten den Sturz des kommunistischen Regimes. Heute ist an der Kirche eine Gedenktafel mit folgender Inschrift angebracht: „Hier begann am 15. Dezember 1989 die Revolution, die zum Sturz der herrschenden Diktatur führte.“ Am 29. März 1990 wurde Tőkés Bischof der evangelisch-reformierten Superintendentur mit Sitz in Oradea. Auf dem ersten Kongress der Demokratischen Union der Ungarn in Rumänien wurde Tőkés 1990 zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Nach dem Ende des Kommunismus in Rumänien begann László Tőkés eine politische Karriere, die ihn 2007 als unabhängigen Kandidaten ins Europaparlament brachte. 2010 war er dessen Vizepräsident. Zur Europawahl 2014 trat er in Ungarn als Kandidat der Partei *Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán an und erlangte erneut ein Abgeordnetenmandat, das er bis heute in der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) ausübt.Éva Blénesi Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 05/17

Wer war wer in DDR

Töpfer, Johanna

* 3.4.1929 – ✝ 7.1.1990

Geb. in Schneidemühl (Westpr./Piła, Polen); Vater Heizungsmonteur, Mutter Arbeiterin; 1935 – 43 Grundschule in Schneidemühl; 1939 BDM; 1943/44 Handelsschule; 1944 Reichsbahnhelferin in Schneidemühl, 1945 – 48 in Engelsdorf (b. Leipzig). 1945 FDGB; 1949 Kontoristin in Leipzig; 1949/50 Wagenputzerin, 1950/51 Lohnbuchhalterin im Hauptbahnhof Leipzig; 1951/52 Lehrerseminar des FDGB in Dresden; 1952 SED; 1952/53 Lehrstuhlltr. an der Zentr. FDGB-Schule in Beesenstedt; 1953 Studium an der HU Berlin; 1954/55 stellv. Dir. an der Zentr. Schule des FDGB in Beesenstedt, ab 1955 in Grünheide; 1953 – 55 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1956 – 59 u. 1964/65 Sektorenltr. u. Mitarb. beim Bundesvorst. des FDGB; 1959 – 64 Aspirant am IfG beim ZK der SED, Dr. rer. oec.; 1965 – 70 Doz. u. stellv. Dir an der Gewerkschafts-HS in Bernau; 1968 Prof.; 1965 – 71 Mitgl. der Westkommission beim PB des ZK der SED; ab 1968 stellv. Bundesvors. des FDGB; 1972 – 81 Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1973 – 77 Vizepräs. des Friedensrats; 1976 – 90 Abg. der Volkskammer; 1976 – 81 Mitgl. ihres Präs.; 1981 – 89 Mitgl. des Staatsrats; 1982 NP; 1990 Suizid.Ausbeutung im Monopolbetrieb. Berlin 1966; Der Soz. auf dt. Boden u. die westdt. Gewerkschaften. Bernau 1969; Veröff. Auswahl 1964 – 1988. Bernau 1989 (Hrsg. Gewerkschafts-HS).Helmut Müller-Enbergs

Torsari,

* 19.5.1898 – ✝ 11.12.1967

Geb. in Wurzelsdorf (Böhmen / Kořenov, Tschechien) in einer Arbeiterfamilie; Schauspieler in Reiseensembles u. kleinen Theatern; Zirkusgeschäftsf.; ab 1924 Zauberkünstler; wurde bekannt durch Manipulationen mit einer Uhr, Zigaretten u. Fingerhüten; SPD; ab 1933 durch die nationalsoz. Rassenpol. in der Berufsausübung stark behindert; 1942 Kontakt zum poln. Widerstand in Warschau. Ab 1945 in Dresden aktiv beim Aufbau des Kulturlebens, u. a. künstler. Ltr. des IAL-Varietés; daneben bis ins Alter Auftritte als Zauberkünstler; SED; mehrere Jahre Vors. der Gewerkschaft Kunst im Bez. Dresden; ab 1959 Vors. des ZA des Magischen Zirkels der DDR, Träger des Ehrenrings des Magischen Zirkels; gest. in Dresden.

Wer war wer in DDR

Trautvetter, Andreas

* 21.9.1955

Geb. in Pappenheim (Krs. Schmalkalden); 1974 Abitur; 1974 – 77 Wehrdienst; 1977 – 82 Studium der Math. an der FSU Jena, Dipl.-Math.; 1979 CDU; 1982 – 87 Informatiker u. Programmierer im Forschungszentrum der Werkzeugindustrie Schmalkalden; 1984 – 93 Vors. des CDU-Ortsverb. u. seit 1985 Mitgl. des Gemeinderats Kleinschmalkalden; 1987 – 90 Hauptbuchhalter des VEB Elektroinstallation Kleinschmalkalden; 1990 Schatzmeister. des CDU-KV Schmalkalden; 1990 – 92 1. Beigeordn. beim Rat der Gemeinde Kleinschmalkalden; Juli – Okt. 1990 Geschäftsf. der Werkzeug- u. Formenbau GmbH Kleinschmalkalden. Okt. 1990 – 2008 MdL Thür.; 1992 – 94 Min. in der Staatskanzlei, Nov. 1994 – Nov. 2002 Min. der Finanzen (Nachf. von  Klaus Zeh), Nov. 2002 – Nov. 2004 Min. des Innern (Nachf. von  Christian Köckert), 2004 – 08 Min. für Bau u. Verkehr des Freistaats Thür.; 1992 – 96 Schatzmeister u. 1996 stellv. Landesvors. der CDU Thür.; 1996 – 99 Mitgl. des CDU-KV Schmalkalden-Meiningen; Präs. des Bob- u. Schlittenverbands für Dtl. e. V.; Mitarb. beim Hamburger Weltwirtschaftsinstitut, Außenstelle Erfurt.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Thomasius, Harald

* 5.8.1929

Geb. in Bräunsdorf (b. Chemnitz); Vater Textilarb.; Volksschule; 1944 – 47 Waldarb.- u. Forstlehre, Waldfacharb.; 1948/49 Forst-FS in Tharandt; 1949 SED; bis 1954 Revierförster bzw. Standortkartierer in Sachsen; nach Sonderreifeprüfung 1954 – 59 Studium der Forstwiss. an der TH Dresden; danach Assistent; 1962 Prom. zum Dr. forest. mit einer Arbeit zur quantitativen Standortbewertung mittels Wachstumsfaktoren; 1968 nach Habil. ord. Prof. u. Ltr. des Wissenschaftsber. Waldbau u. Forstschutz an der Sekt. Forstwiss. der TU Dresden in Tharandt; 1978 – 82 Dir. dieser Sekt.; seit 1962 wiederholt als Gastwissenschaftler im europ. u. außereurop. Ausland, u. a. am Internat. Inst. für angewandte Systemanalyse in Laxenburg u. beim Internat. Verb. forstl. Forschungsanstalten tätig; 1975 Wissenschaftspreis der TU Dresden; 1980 – 89 Vors. der Ges. für Natur u. Umwelt beim KB; Bemühungen, unter den Bedingungen der ökonomist. Staatspol. öffentl. Aufmerksamkeit für die Belange des Natur- u. Umweltschutzes zu gewinnen; 1982 Mitgl. des Präs. des KB; 1983 Dr. h. c. der Univ. für Forst- u. Holzwirtschaft Sopron, Ungarn; 1985 Mitgl. des wiss. Rats für Umweltschutz u. Umweltgestaltung der AdW. 1991 Verweigerung der Evaluierung der eigenen wiss. Arbeit; 1992 Aberkennung der Lehrbefugnis durch die TU Dresden, auf eigenen Antrag Abberufung als Prof. u. Bereichsltr.; danach in der GmbH Planungsbüro Steine u. Erden Dresden mit der Umweltbewertung u. Rekultivierung von Bergbaufolgeflächen befaßt; 1994 Altersrentner. Publ. zu Waldbau, Waldökologie sowie umweltwiss. Themen.Landeskultur u. Gesellschaft. 1972 (Hrsg.); Wald- u. Forstökosysteme auf Kippen des Braunkohlenbergbaus in Sachsen. Graupa 1999.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Thorndike, Annelie

* 17.4.1925 – ✝ 26.12.2012

Geb. in Klützow (Krs. Schivelbein, Pommern / Kluczewo, Polen); Vater Schlosser, Mutter Hausfrau; aufgew. bei Stargard in Pommern; Abitur; Stud. an der Päd. HS Hannover, 1944 Examen. 1945 – 48 Lehrerin; 1949 / 50 Schulltr. in Penzlin (Müritzkreis); 1946 SED, KB, DSF; 1947 FDGB; 1951 / 52 Red. im Verlag Volk u. Wissen; ab 1953 für die DEFA als Autorin u. Regisseurin tätig; 1955 Leitungsmitgl. der SED-BPO der DEFA; 1963 – 71 Abg. der Volkskammer; seit 1967 Vorstands- u. ab 1980 Präsidiumsmitgl. des Verb. der Film- u. Fernsehschaff. der DDR; 1973 – 89 Präsidentin des Komitees der Internat. Leipziger Woche für Dokumentar- u. Kurzfilm; drehte seit 1952 mit Ehemann  Andrew Thorndike zahlr. Dokumentarfilme, darunter polit.-propagandist. Dokumentationen wie »Du u. mancher Kamerad« (1955) u. »Das Teutonenschwert« (1958), v. a. der zweiteilige Dokumentarfilm »Das russische Wunder« (1963) verschaffte ihr auch internat. Aufmerksamkeit; seit Mitte der 1970er Jahre u. nach der Trennung von Andrew T. nur noch vereinzelte kleinere Filmarbeiten, wie die 1985 entstandene Dokumentation »Aufbruch« über Zerstörung u. Wiederaufbau Dresdens; 1956 u. 1963 NP (mit Andrew T.); 1963 Leninorden; 1969 VVO. Gest. in Wolgast.Jeder Tag war schön. Erlebnisse, Träume, Geständnisse notiert zwischen Antwerpen u. Bombay (mit Fotos von Andrew Thorndike). Rostock 1966. CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. hrsg. v. H.-M. Bock. München 1984ff.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Thun, Nyota

* 7.6.1925

Geb. in Nordhausen (Harz); Vater kfm. Angest., Mutter Krankenschwester; OS, 1943 Abitur; 1943/44 RAD; 1944 – 46 Studium der Romanistik in Leipzig; bis Kriegsende Arbeitseinsatz. 1945 – 47 gleichz. Lehrerin für russ. Kurzschrift u. Grammatik an der Fremdsprachenschule in Leipzig; 1947 – 50 Übersetzerin u. Red. am Leipziger u. Berliner Rundfunk; gleichz. Studium der Slawistik u. Romanistik; 1949 St.-Ex.; 1950 – 89 NDPD; 1950 – 56 Aspirantin u. Lehrbeauftr. für Geschichte der russ. Sowjetlit. an der HU Berlin; 1955 Dr. phil.; 1958 – 61 Auslandskorrespondentin der Wochenztg. »Sonntag« in Moskau; 1962 – 65 verantw. Lektor in den Verlagen Kultur u. Fortschritt u. Volk u. Welt; 1965 – 68 wiss. Mitarb. an der HU Berlin; 1969 – 85 wiss. Mitarb. am ZI für Lit.-Geschichte der DAW/AdW; 1973 Dr. sc.; 1977 Prof. an der AdW; langj. Aufenthalte in Moskau, Teheran, Paris; Forschungen u. a. zur russ. Lit. der 20er Jahre des 20. Jh.; Hrsg. u. a. der Werke von Alexej Tolstoi (10 Bde. 1975 – 85); verh. mit  Ferdinand Thun; lebt in Berlin.Das erste Jahrzehnt. Lit. u. Kulturrev. in der Sowjetunion. Berlin 1973, München 1974; Puschkinbilder. Bulgakow, Tynjanow, Platonow, Sostschenko, Zwetajewa. Berlin, Weimar 1984; Adressatenwechsel. Liter. Kommunikation in Sowjetrußland (1917 – 1930). Berlin 1987; Majakowski – Maler u. Dichter. Studien zur Werkbiogr. 1912 – 1922. Tübingen, Basel 1993; Ich – so groß u. überflüssig. W. Majakowski – Leben u. Werk. Düsseldorf 2000.Leonore Krenzlin

Wer war wer in DDR

Thürk, Harry

* 8.3.1927 – ✝ 24.11.2005

Geb. in Zülz (Krs. Neustadt, Oberschles. / Biała, Polen); ab 1934 aufgewachsen in Neustadt; Vater Gelegenheitsarb., Straßenmstr., Angest.; Volksschule; Handelsschule; 1943/44 Ausbild. u. Arbeit bei der DR; 1944 RAD; 1944/45 Soldat; 1945 desertiert, um sowj. Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Okt. 1945 in Weimar; FDJ; 1946 Angest. einer FDJ-Presseabt.; 1947 SED; Bildreporter im thür. Bilderdienst; 1949 Pressechef in der LL Thür. der HO u. Red. einer Betriebsztg.; 1950 erster Prosaband »Nacht u. Morgen«; 1953 Korrespondent im Korea-Krieg; 1956 – 58 Red. im Verlag für fremdsprachl. Lit. in Peking; 1957 erster, mehrf. übersetzter Romanerfolg »Die Stunde der toten Augen«, Antikriegsroman; seit 1958 freischaff. Schriftst. in Weimar (Prosa, Reportagen, Dok.-Lit., Fernsehspiele, Filmdrehbücher); 1964 NP (im Koll.) für das Drehbuch zu »For eyes only«, DDR-Agenten-Klassiker des kalten Kriegs; 1971 – 83 Vors. des SV der Bezirke Erfurt/Gera u. Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1972 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1977 NP; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; 1979 VVO (für »Der Gaukler«); gest. in Weimar. 1995 aus Dt. PEN-Zentrum (Ost) ausgeschieden nach Protesten wegen des Romans »Der Gaukler« (1978), eines fragwürdigen Kolportageromans über die angebl. CIA-Steuerung eines russ. Dissidenten (Alexander Solshenizyn), der die offiz. Vorstellung von einer westl. gesteuerten DDR-Opp. transportierte; gest. in Weimar. Verf. zahlr. Polit-Thriller u. Militärhistorien; mehrf. Darstellung südostasiat. antikolonialist. Befreiungskämpfe; als »Konsalik des Ostens« (Spiegel) einer der meistgelesenen Schriftst. der DDR mit einer Auflage von 3 Mio. Expl.; weiterhin umfgr. Publ. (v. a. Kriminalromane).Das Tal der sieben Monde. Berlin 1960; Der Tod u. der Regen. Berlin 1967; Amok. Berlin 1974; Der schwarze Monsun. Berlin 1986; Die Lagune. Halle 1991; Der goldene Traum Jugend. Berlin 1996; Hongkongs Leichen sind sehr tot. Berlin 1998 (Teil-Autobiogr.). Theml, W.: H. T. Literatur in der DDR. Berlin 1975; Töpelmann, S.: H. T. – Schriftsteller. Halle, Leipzig 1980; Hamann, H. et al. (Hrsg.): H. T. Sein Leben, seine Bücher, seine Freunde. Halle 2007.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Tiedemann, Paul

* 29.6.1935 – ✝ 21.9.2014

Geb. in Radeberg (b. Dresden); OS; 1948 – 51 aktiver Fußballspieler; 1951 – 68 aktiver Handballspieler; anfangs bei der BSG Traktor Radeburg, ab 1954 beim SC DHfK Leipzig; Dipl.-Sportlehrer; bei den Weltmeisterschaften 1958 3. Platz u. 1961 4. Platz (mit der gesamtdt. Mannschaft); 1963 WM; 1966 2. Platz mit der DDR-Mannschaft auf dem Großfeld; 1964 u. 1967 in der Halle (bereits in der Vorrunde ausgeschieden); 1958 – 76 wiss. Mitarb. u. Trainer an der DHfK Leipzig; 1976 – 88 Trainer der DDR-Auswahl (Nachf. von Heinz Seiler); 1988 Olympiasieger; 1988 – 92 Trainer der Auswahl Ägyptens; ab 1992 Trainer bei Askö Linde Linz (Österreich); bis 30.6.1997 Trainer der SG Hameln (Nachf. von Urs Mühletaler); seit 1998 im Ruhestand; lebte in Puchenau (b. Linz); gest. in Linz.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Tiefensee, Wolfgang

* 4.1.1955

Geb. in Gera; Vater Komponist; 1973 Abitur; bis 1974 Ausbildung zum Facharb. für Nachrichtentechnik; 1974 – 76 Bausoldat; 1976 – 79 Studium an einer Ing.-Schule für Industrielle Elektronik, Ing.; 1979 – 87 Entw.-Ing. in der Abt. Forsch. u. Entw. des VEB Fernmeldewerk Leipzig; 1982 Abschluß als Faching. für Informatik u. Bauwesen; 1986 – 90 Entw.-Ing. im Fachbereich Elektroenergieanlagen der TH Leipzig; 1988 Dipl.-Ing. für Elektrotechnik; 1989 Mitgl. der Bürgerbew. Demokratie Jetzt u. deren Vertreter am Runden Tisch in Leizpig; 1990 hauptamtl. Stadtrat in Leipzig; ab Mai 1990 kurzzeitig Stadtverordn. der Frakt. Bündnis 90 in der Leipziger Stadtverordnetenvers. 1990 – 92 Amtsltr. des Schulverwaltungsamts der Stadt Leipzig; ab 1992 Beigeordn. Stadtrat für Jugend, Schule u. Bildung; ab 1994 Bürgermstr.; 1995 SPD; 1998 – 2006 OB von Leipzig (Nachf. von Hinrich Lehmann-Grube); 1999 Ehrenprof. der Nanjing University of Technology; lehnte 2002 Angebot des Eintritts in die Reg. Gerhard Schröder ab; 2001 – 05 Vizepräs. des Sächs. Städte- u. Gemeindetags; 2002 – 04 Präs. des Europ. Städtenetzwerks Eurocities; 2003 Ritter der Ehrenlegion der Rep. Frankreich; 2003 Mitgl. der Kommission, die das Hartz-Konzept für die Agenda 2010 ausarbeitete; Beauftragter der Bundesreg. für die neuen Bundesländer; seit 2005 Mitgl. des SPD-Bundesvorst.; 2005 – 09 Bundesmin. für Verkehr, Bau u. Stadtentw. (Nachf. von  Manfred Stolpe); 2005 – 09 Bundesbeauftragter für die Neuen Bundesländer.Staat machen. Erfolgsgeschichten öffentl. Institutionen. München 2007 (mit R. Lindenau). H.-H. Heinker: W. T. Eine Biogr. Leipzig 2005.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Timm, Ernst (Otto)

* 16.10.1926 – ✝ 15.12.2005

Geb. in Brandenburg (Havel); Vater Fabrikarb., aufgew. bei den Großeltern; Volksschule; 1937 – 44 HJ; 1941 – 44 Ausbildung zum Metallflugzeugbauer in den Arado-Flugzeugwerken Brandenb.; 1943/44 RAD; 1944/45 Wehrdienst bei der Marine (Freiw.); 1945 – 49 Kriegsgefangenschaft in der UdSSR, Antifa-Gebiets- u. Zentralschule. 1950 SED; FDJ- u. SED-Funktionär; 1950/51 kurzz. Sekr. für Kultur u. Erziehung; später Krs.-Vors. der FDJ in Brandenb., 1951/52 Sekr. des Landesvorst. der FDJ in Potsdam; 1952/53 Abt.-Ltr. im ZR der FDJ; 1953 – 55 1. Sekr. der FDJ-Stadtltg. Rostock; 1955 – 58 Besuch der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 60 Sekr. der SED-KL Rostock-Stadt; 1960/61 Abt.-Ltr. in der SED-BL u. Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Rostock (Nachf. von  Werner Krolikowski); 1961 – 66 2. Sekr. (für Org. u. Kader) der SED-BL Rostock (Nachf. von Günter Rohloff); 1966/67 erneut Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Rostock (Nachf. von Herbert Luck); 1967 – 75 1. Sekr. der SED-Stadtltg. Rostock (Nachf. von Karl Zylla); seit 1963 Abg. des Bez.-Tags Rostock; 1970 – 75 Stadtverordn. in Rostock; 1975 – 89 1. Sekr. der SED-BL Rostock (Nachf. von  Harry Tisch); 1976 VVO; 1975 – 89 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; seit 1982 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1984 KMO; 1986 Ehrenspange zum VVO; am 16.11.1989 von seinen Funktionen entbunden, Ausschl. aus dem FDGB, Dez. 1989 aus der SED. 1990 zeitw. U-Haft, Sept. 1991 Verurteilung durch das Berliner LG wegen »Untreue« zu 18 Mon. Haft, ausgesetzt nach Anrechnung der U-Haft.Die Ausprägung der soz. Lebensweise, ein tiefgehender revol. Prozeß, die wechselseitige Bedingtheit von materiellem u. kulturellem Lebensniveau. Berlin 1979.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Titel, Werner

* 2.5.1931 – ✝ 25.12.1971

Geb. in Arnswalde (Hinterpom./Choszczno, Polen); Vater Arbeiter; OS; Zwangsumsiedl. der Familie in die SBZ; 1946 – 50 landw. Lehre u. Besuch der Landw.-Schule in Zossen; 1949/ 50 Landarb.; 1950/51 landw. Versuchstechniker in Frankfurt (Oder); 1949 FDGB u. FDJ; ab 1950 DBD; ab 1951 DBD-Funktionär, Jugendref. im DBD-LV Brandenb. u. im DBD-PV; 1953 – 55 Mitgl. des ZR der FDJ; 1956 – 61 Fernstudium am Inst. für Agrarökon. in Bernburg, Dipl.-Agrarökonom; 1965 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HU Berlin mit einer Diss. zu Agrarproblemen in RGW u. EWG; 1963 – 71 Mitgl. des Präs. des DBD-PV; 1963 – 66 Vors. des DBD-BV Frankfurt (Oder); Mitgl. des Bez.-Landw.-Rats; Abg. des Bez.-Tags u. 1966/67 Mitgl. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder); 1966/67 Sekr. des PV der DBD; ab 1966 Mitgl. des Präs. bzw. Vizepräs. der Liga für die Vereinten Nationen; ab 1967 – 71 Abg. der Volkskammer u. stellv. Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Paul Scholz); 1969 verantw. für die erste Komplexanalyse der Reg. zur Umweltgefährdung der DDR; Nov./ Dez. 1971 Minister für Umweltschutz u. Wasserwirtschaft; 1971 Vors. des Wirtschaftsaussch. DDR – Mongolei u. KVDR; VVO; gest. in Berlin.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tomarkin, Samuel

* 27.7.1884 – ✝ 30.4.1937

Geboren am 27. Juli 1884 in Königsberg, Sohn einer Buchhalterfamilie, die 1870 aus Rußland nach Deutschland emigriert war. Nach Selbstunterricht begann er im Alter von 14 Jahren als Lehrling im Getreide-Kommissionskontor seines Onkels, anschließend Angestellter in verschiedenen Getreidehandelsunternehmen. 1909 Mitglied eines von russischen revolutionären Emigranten in Königsberg gegründeten Kultur- und Bildungsvereins, nach Ausbruch des Krieges als »feindlicher Ausländer« nach Chemnitz verbannt. In der Zuschnittabteilung einer Trikotagenfabrik, später in Leipzig als Zuschneider in einer Pelzfabrik und Vertreter tätig. Tomarkin trat 1917 der USPD und 1919 der KPD bei. Innerhalb der Jüdischen Gemeinde Leipzigs bildete er eine Arbeitergemeinschaft unter Leitung des Spartakusbundes. Seit 1926 in Berlin, führend im AM-Apparat und im Verbindungsapparat der Komintern, war er bis 1933 in sowjetischen Handelseinrichtungen beschäftigt. Im Juni 1933 emigrierte er mit Frau und Tochter in die Sowjetunion und war bis 1937 in Moskau in der Handelsgesellschaft »Sojusmetimport«, zuletzt als Oberbuchhalter im Versandhandel. Am 30.April 1937 vom NKWD verhaftet, kam Samuel Tomarkin am 14.September 1937 im Butyrka-Gefängnis in Moskau ums Leben. Er wurde erst 1993 rehabilitiert. Seine Frau Rosa, geborene Landau (* 13. 2. 1897 in Tarnow), kam mit den Eltern 1904 nach Leipzig, besuchte dort die Schule für Frauenberufe. 1914 im Jüdischen Wanderbund »Blau Weiß«, 1917 Mitglied der USPD und 1918 der KPD. In Leipzig leitete sie die Kinderorganisation Jung-Spartakusbund und war Frauenleiterin. Ende der zwanziger Jahre bei der Filmverleihfirma Prometheus, einem Münzenberg-Betrieb. In Moskau ein Jahr für die OMS der Komintern tätig, anschließend Deutschlehrerin in einer Fachschule für Fremdsprachen, danach Dozentin am Fremdspracheninstitut. Sie wurde am 30. April 1937 vom NKWD verhaftet und wegen »konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit« zu acht Jahren Lager verurteilt, kam in das Nord-Ost-Lager des NKWD und war im Sowchos Elgen im Gebiet Magadan. Am 23. April 1938 erneut verhaftet und beschuldigt, einer »antisowjetischen trotzkistischen Organisation« im Sowchos Elgen anzugehören. Am 11. Mai 1938 wurde Rosa Tomarkin zum Tode verurteilt und zwischen dem 10. und 16. Juni 1938 erschossen. Beide Urteile wurden 1956 mangels Beweisen aufgehoben.

Wer war wer in DDR

Topfstedt, Thomas

* 18.2.1947

Geb. in Erfurt; Vater Arbeiter, Mutter Büroangest.; aufgew. in Erfurt; 1965 Abitur; 1965 – 70 Studium der Kunst-, Ur- u. Frühgeschichte an der KMU Leipzig; 1967 SED; 1970 – 75 wiss. Mitarb. am Inst. für Städtebau u. Architektur, Abt. Geschichte u. Theorie der Architektur der DBA; seit 1975 tätig am Fachber. Kunstwiss. / Inst. für Kunstgeschichte der KMU Leipzig; 1979 – 90 VBK; 1980 Prom.; 1985 – 90 Mitgl. der Ges. für Denkmalpflege des KB; 1985 Doz. für Geschichte u. Theorie der Architektur; 1988 Prof.; 1989 – 90 Mitgl. der Zentr. Arbeitsgr. Umweltgestaltung beim VBK u. Mitgl. der Sekt. Architektur u. Städtebau der Bauakad. der DDR; Jan. 1990 Austritt aus der SED. 1990 – 96 kommissar., ab 1993 geschäftsf. Ltr. des Inst. für Kunstgeschichte der Univ. Leipzig; 1993 Prof. für Kunstgeschichte; 1996 – 99 Dekan / Prodekan der Fak. für Geschichte, Kunst- u. Orientwiss. der Univ. Leipzig; seit 1994 Mitgl. der Dt. Akad. für Städtebau u. Landesplanung; seit 1995 Mitgl. der Hist. Kommission der Sächs. AdW zu Leipzig; seit 1998 Mitgl. des Denkmalrats im Freistaat Sachsen; seit 2006 Mitgl. der Kommission für die Kunstgeschichte Mitteldtl. der Sächs. AdW. Zahlr. Veröff. zur Architektur- u. Städtebaugeschichte, u. a. in »Geschichte der Dt. Kunst«, Bd. 1350 – 1470 u. 1470 – 1550. Leipzig 1981 u. 1984 (Hrsg. E. Ullmann).Städtebau in der DDR 1955 – 71. Leipzig 1988; Stadtdenkmale in Ostdtl. Leipzig 1994; Leipzigs Messen 1497 – 1997. Gestaltwandel – Umbrüche – Neubeginn. 2 Bde. Köln, Weimar, Wien 1999 (Hrsg. mit H. Zwahr u. G. Bentele); Wohnen u. Städtebau in der DDR. In: Geschichte des Wohnens. Bd. 5, hrsg. von I. Flagge. Stuttgart 1999.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Trabalski, Stanislaw

* 25.10.1896 – ✝ 12.11.1985

Geb. in Leipzig; Vater poln. Sozialist; Ausbildung zum Feinmechaniker; danach als Elektrotechniker u. Filmtechniker tätig; Mitgl. der Kattowitzer Arbeiterjugend; 1912 SPD; 1914 – 16 Militärdienst, in Verdun verwundet; 1916 Spartakusbund; 1917 USPD; 1918 Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats in Weimar u. 1919 in Leipzig; 1922 Wiedereintritt in die SPD; ehrenamtl. Mitarb. im Arbeiterbildungsinst.; 1928 – 33 Sekr. einer Konsumgenossenschaft; Mitgl. der Eisernen Front; 1933 Vertrauensmann der illeg. SPD für den Leipziger Süden; 1933 – 45 siebenmal verhaftet, 1937 Verfahren wegen »Hoch- u. Landesverrats« mangels hinreichender Beweise eingestellt; Ltr. der illeg. SPD in Westsachsen. 1945 Vors. eines inform. sozialdemokrat. Arbeitsaussch.; Vors. des SPD-Krs.-Vorst. Leipzig; 1946 SED; Mitgl. des SED-Bez.-Vorst. Westsachsen u. parität. 1. Vors. der SED-BL; bis 1948 Mitgl. des SED-Landessekr., zuständig für die Wirtschaftsbetriebe der Partei; 1948 im Zusammenhang mit der Flucht  Erich W. Gniffkes unter dem Vorwand der Veruntreuung von SED-Vermögen zugunsten der SPD verhaftet, 1950 aus der Haft entlassen; Ende 1950 unter dem Vorwand regelwidrigen Umgangs mit internem Parteimaterial erneut festgenommen; nach Ermittlungen durch das MfS 1954 vom Bez.-Gericht Rostock wegen Boykotthetze zu sechs Jahren Haft verurteilt, 1956 amnestiert; danach Mitarb. am Bibliograph. Inst. in Leipzig; bis 1961 wiederholt kurzz. durch das MfS inhaftiert; 1966 Aufhebung des Urteils von 1954; gest. in Leipzig.Rudloff, M., Schmeitzner, M. (Hrsg.): »Solche Schädlinge gibt es auch in Leipzig«. Sozialdemokraten u. die SED. Frankfurt (Main) 1997.Beatrix Bouvier

Wer war wer in DDR

Trautzsch, Walter Ehrengott

* 16.3.1903 – ✝ 23.9.1971

Geb. in Lengefeld (Erzgeb.); Vater Weber u. Maurer, Mutter Weberin; nach Abschl. der Volksschule Lehre als Metalldrücker; bis 1929 Arbeit in seinem Beruf in versch. Städten Dtl.; dann erwerbslos; 1923 KPD; Teiln. am Hamburger Aufstand, Okt. – Dez. 1923 in Haft; seit 1926 Verbindung zum Geheimapparat der KPD; 1929 Ltr. des Erwerbslosenaussch. in Lengefeld; 1931 Ltr. des örtl. Antifa. Kampfbunds; Reise in die Sowjetunion als Mitgl. einer Delegation der Universum-Bücherei; Nov. 1932 Wahl zum KPD-Stadtverordn. in Lengefeld; 1933 – 34 Inhaftierung im KZ Colditz / Leipzig u. KZ Sachsenburg / Frankenberg; nach der Entlassung Ltr. einer kommunist. Widerstandsgr. in Lengefeld u. Umgebung; 1935 Reise nach Moskau, Teiln. an der »Brüsseler Konferenz« der KPD (»Paul Wittig«); anschl. Emigr. in die ČSR, später Frankreich; 1936 – 39 hielt W. T. als Kurier »Edwin« die Verbindung zw. dem verhafteten Ernst Thälmann u. der Emigr.-Ltg. der KPD; seine unmittelbaren Vorgesetzten waren u. a.  Walter Ulbricht,  Franz Dahlem,  Anton Ackermann,  Hermann Nuding,  Paul Bertz; 1939 Verhaftung durch die Gestapo, Entlassung nach Verpflichtung zur Mitarbeit (zum Schein); nach dem Beginn des 2. Weltkriegs Internierung in versch. frz. Lagern; 1940 Flucht in die Schweiz; dort als »Kurt Schneider« Zusammenarbeit mit  Leo Bauer,  Maria Weiterer u.  Fritz Sperling. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Eheschließung mit der Schweizerin Rosemarie Müggli; Geburt des ersten Sohns; 1947/48 Vors. der SED, Krs. Glauchau; 1948 – 52 pol. Mitarb. der sächs LL der SED; 1952 – 53 Vors. der Stadt-PKK Leipzig; Mitgl. der BPKK Leipzig; 1954 nach einer Überprüfung durch die ZPKK aufgrund der Gestapoverpflichtung u. als ehem. Westemigrant aus dem Kontrollapparat der Partei entfernt u. als Kaderltr. des Betriebs »Kohle« Schwedt, Außenstelle Berlin-Weißensee, eingesetzt; nach häufigen Krankheiten 1959 Invalidenrentner; in den letzten Lebensjahren stundenweise Tätigkeiten als Gärtner u. Fahrstuhlführer; erste Veröff. über seine Tätigkeit als Thälmann-Kurier auf Initiative Franz Dahlems; 1964 VVO; gest. in Leipzig.Erxleben, Ch. (Hrsg.): Berichte des Thälmann-Kuriers W. T. In: BzG 1965. Leo, A. u. a. (Hrsg.): Helden, Täter u. Verräter. Berlin 2000.Anette Leo

Wer war wer in DDR

Thoms, Lothar

* 18.5.1956 – ✝ 5.11.2017

Geb. in Guben (Neiße); 1966 mit dem Radsport begonnen; Mitgl. des SC Cottbus (Trainer: Gerd Müller); Ausbildung zum Fahrzeugschlosser; ab 1975 Mitgl. des TSC Berlin; Spezialdisz.: 1.000 m Zeitfahren; 1977, 1978 u. 1979 WM; 1980 Olymp. Spiele: Sieger; 1981 Sportler des Jahres; 1979 – 84 Abg. des Bez.-Tags Cottbus; Fernstudium der Staats- u. Rechtswiss.; Mitarb. beim SC Cottbus; 1985 – 89 SED; 1986 – 90 Mitarb. im Bez.-Vorst. des DTSB in Berlin; 1988 Olymp. Spiele: 2. Platz; bei den Weltmeisterschaften 1989: 2. Platz. Verwaltungsangestellter der Stadt Cottbus; lebte in Cottbus., gest. in Forst (Lausitz).Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Thoss, Regina

* 10.7.1946

Geb. in Zwickau; 1964/65 Studium am Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau (klass. Gesang); 1965/66 beim Tanz-Schauorchester »Astoria«, von  Heinz Quermann für die Fernsehfolge »Herzklopfen kostenlos« entdeckt; 1966 im Fernsehfilm »Chansons von der Spree« (neben  Gisela May u.  Manfred Krug); 1. Preis beim Schlagerfestival der Ostseeländer in Rostock mit »Die erste Nacht am Meer« ( Gerhard Siebholz / Wolfgang Brandenstein); Förderung durch Prof.  Wolfram Heicking; 1968/69 im Erich-Weinert-Ensemble Gesangs- u. Tanzausbildung; 1970 – 78 Gesangsunterricht bei Christiane Kluge; 1973/74 externes Studium am Studio für Unterhaltungskunst Berlin; Mitgl. der NDPD. Erfolgstitel: »Die Liebe ist ein Haus« (Welkisch/ Klaus Schneider), »Rom-ta-rom« ( Gerd Natschinski /  Jürgen Hart), »Steig in den Vogel«, »Aus Liebe« (beide Ecke /  Gisela Steineckert), »Schenk uns noch einmal ein« (Kalogjera / Halbach), »Laß die Blumen blühn« (Welkisch / Fred Gertz); Gastspiele in über 30 Ländern Osteuropas, des Nahen Ostens u. Afrikas, in der Bundesrep. Dtl. u. den Niederl.; seit 1986 Stargast auf den MS »Berlin« u. »Europa«; Preisträgerin zahlr. Festivals, u. a. in Sopot, Slantschew Brjag, 1974 beim World Pop Song Festival in Tokio, in Villach, Castlebar; Goldmedaillen bei DDR-Wettbewerben; 1977 – 89 Shows mit eigener Band, den »Evergreen Juniors«, seit 1975 Personality-Shows im DDR-Fernsehen, u. a. »Denn all das bin doch ich« (1984), »Ein Star u. seine Stadt« (1988), »Schlager von gestern – Evergreens von heute« (1989); 1984 – 89 bei Radio DDR einmal monatl. Moderation von »Nimm das Lied als Souvenir«; über 100 Titel im DDR-Rundfunk, ca. 25 Singles u. fünf LPs bei Amiga. Seit 1990 neun CDs, u. a. 1995 »Best of R. T.« u. 2006 »Ihre größten Erfolge«; diverse TV-Auftritte; Entertainerin auf versch. Kreuzfahrtschiffen; 1998 Hauptrolle im Kindermusical »Eine Reise nach Lukanico«; 2008 Bühnenprogr. »Das Zickenkränzchen«.Am Ende zählt nur die Liebe. Meine Erinnerungen. Berlin 2006.Bernhard Hönig

Handbuch Deutsche Kommunisten

Thunig, Ewald

* 15.12.1897 – ✝ 26.7.1991

Geboren am 15. Dezember 1897 in Straubing, ältester Sohn von sieben Geschwistern einer Schneidermeisterfamilie; Schreinerlehre, 1915 freiwillig zum Militär, war als Soldat zuerst in Rußland, dann in den Stellungskriegen in Flandern eingesetzt und kehrte im Januar 1919 zurück. Er trat 1919 in die KPD ein, wurde im Juli 1924 verhaftet und saß fünf Monate im Gefängnis. Zeitweise UB-Leiter in Rosenheim, von Januar 1928 bis Mai 1929 als hauptamtlicher Angestellter im Bezirksbüro der KPD in München. Ab November 1930 Kursant (unter dem Namen German) an der Internationalen Leninschule in Moskau. Danach Lehrer an der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau, ab Oktober 1932 Redakteur bei der »Neuen Zeitung« in München, wo er gemeinsam mit Willy Grimm arbeitete und unter dem Pseudonym Otto Thomas (dieser war 1930 gestorben) schrieb. Am 20.März 1933 festgenommen, gehörte Thunig zu den ersten Häftlingen des KZ Dachau, aus dem er im Juli 1938 entlassen wurde. Von 1938 bis 1942 Schreiner in Rosenheim, dann dienstverpflichtet, stand er bis Kriegsende unter Gestapokontrolle. 1945 Wohnungsreferent in Kolbermoor, folgte er am 5. Januar 1946 Richard Scheringer als Staatssekretär ins Bayerische Staatsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Schon nach wenigen Wochen schied er dort aus (sprach von einem Vertrauensbruch der KPD-BL ihm gegenüber), arbeitete noch einige Monate in seinem Beruf. Im Oktober 1946 Kreisvorsitzender des Bayerischen Gewerkschaftsbundes in Rosenheim, diese Funktion übte er bis Juni 1963 als DGB-Vorsitzender aus. Bis zum Verbot im August 1956 in der KPD, ab September 1957 Mitglied der SPD. Ewald Thunig starb am 26. Juli 1991 in Rosenheim.

Wer war wer in DDR

Thyrolf, Heinz

* 6.8.1928

Geb. in Dorndorf (Saale) (Landkrs. Stadtroda); Vater Stellmacher; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Feinoptiker bei Carl Zeiss Jena, 1949 Facharbeiter; 1949 / 50 Sachbearbeiter bei der DWK bzw. im Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel in Berlin; 1950 / 51 Abt.-Ltr. im Staatssekr. für Materialversorgung; 1951 SED; 1952 – 60 Abt.-Ltr. im Staatl. Komitee für Materialversorgung, Fachgebietsltr. bei der SPK; Fernstudium an der HfÖ Berlin, 1959 Dipl.-Wirtschaftler; 1961 – 65 Ltr. der Vertretung der SPK der DDR in der UdSSR (Botschaftsrat); 1965 – 73 Ltr. der Abt. Koordinierung u. Bilanzierung der SPK; 1973 – 80 Hauptdir. des Staatl. Maschinenkontors, 1980 – 90 GD des VEB Kombinat Maschinenbauhandel Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Tiedke, Kurt

* 30.5.1924 – ✝ 15.4.2015

Geb. in Krebsfelde (Krs. Großes Werder b. Danzig / Rakowiska, Polen); Vater Zimmermann; 1930 – 38 Volksschule; 1936 – 42 HJ, Oberrottenführer; 1938 – 40 Land- u. Hilfsarb. in Halbstadt, Groß-Mausdorf u. Tiegenhof; 1940 – 42 Ausbildung zum Vermessungstechniker in Tiegenhof; DAF; April/Juni 1942 FS für Vermessungstechnik in Frankfurt (Oder); 1942 – 9.5.1945 RAD, Arbeitsmann u. Wehrmacht, OGfr.; EK; sowj. Kriegsgefangenschaft, Dez. 1947 – Jan. 1948 Antifa-Schule 2040. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Landarb. in Werbig; 1948 SED; 1948 – 50 Instrukteur, Ltr. der Abt. Kader u. 2. Sekr. der SED-KL Seelow; 1950/ 51 Student, 1951 – 54 Lehrer u. stellv. Ltr. des Lehrstuhls KPdSU, 1957 – 60 Ltr. des Lehrstuhls KPdSU u. Internat. Arbeiterbew. an der PHS; 1954 – 57 Student an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 61 Mitgl. des Präs. der Urania; 1961 stellv. Ltr. der Abt. Agit./Prop. des ZK der SED; 1961 – 79 Ltr. der Abt. Prop. des ZK der SED; 1963 Kand., 1967 – Dez. 1989 Mitgl. des ZK der SED; 1971 – 81 Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1974 VVO; 1976/77 Mitgl. u. 1. Sekr. der Ltg. der PO beim ZK der SED; 1976 – 81 Mitgl. der Kommission der Ltr. der gesellsch. Inst. beim PB des ZK der SED; 1979 – 83 1. Sekr. der SED-BL Magdeburg (Nachf. von  Alois Pisnik); 1979 – 83 Mitgl. des NVR; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1983 – 14.11.1989 Rektor der PHS (Nachf. von  Hanna Wolf), Abberufung; Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Einheit«; 1984 KMO; 1987 – 89 Mitgl. des HFS-Rats beim Min. für HFS-Wesen; 31.3.1990 Ausschl. aus der PDS. Nach 1990 Engagement im Umfeld der DKP u. publizist. Tätigkeit in der komm. Internetztg. »Kommunisten – online«.Denken – erste Bürgerpflicht. Berlin 1961. Alles für das Wohl u. Glück des Volkes. Berlin 1984; Arbeit, Brot u. Völkerfrieden, das ist unsere Welt. Berlin 1987; Alles dem Kampf der dt. Arbeiterkl. zur Verteidigung u. Unterstützung der Rev. in China. Berlin 1989.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tieke, Anna

* 11.11.1898 – ✝ 15.1.1938

Geboren am 11. November 1898 als Anna Wittenburg, Tochter eines Tischlers. Kontoristin, seit 1911 in der Arbeiterjugend, von 1917 bis 1922 Mitglied der USPD. Ab 1925 in der KPD, in der Frauenabteilung des Berliner UB Süd, im RFMB und im AM-Apparat der BL Berlin-Brandenburg eingesetzt. Im Oktober 1931 übersiedelte sie mit ihrem Mann Rudolf und den drei Kindern Rudolf (* 3. 10. 1916), Günter (* 22. 6. 1918) und Ursula (* 11. 1. 1921) in die Sowjetunion. Zunächst in Chosta/Kaukasus, seit 1935 in Leningrad, zuletzt Näherin in einem Kindergarten. Im Oktober 1937 wurde ihr von den Nazi-Behörden die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Sie wurde am 5. November 1937 gemeinsam mit ihrem Sohn Rudolf vom NKWD verhaftet ( mit dem üblichen Vorwurf, seit 1931 Gestapo-Agentin gewesen zu sein). Beide wurden dann beschuldigt, einer »faschistisch-terroristischen trotzkistischen konterrevolutionären Organisation« angehört sowie »konterrevolutionäre und faschistische Propaganda unter deutschen und österreichischen Emigranten betrieben zu haben«. Anna Tieke und ihr Sohn Rudolf wurden am 15. Januar 1938 in Leningrad erschossen. Die jüngeren Kinder Günter und Ursula durchlitten schwere Jahre der Verbannung. Ihr Mann Rudolf (* 19. 10. 1895 – † 8. 3. 1989) war Gärtner, später Chemiearbeiter, seit 1917 in der USPD, von 1920 bis 1922 in der SPD und ab 1925 Mitglied der KPD. Er war ebenfalls für den AM-Apparat der BL Berlin-Brandenburg tätig. Bereits am 3. September 1937 vom NKWD verhaftet, zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt und bis 1947 im Gulag in den Gebieten Kotlas, Workuta und Archangelsk. 1949 erneut festgenommen, Zwangsansiedlung im Gebiet Krasnojarsk, durfte er im März 1956 in die DDR ausreisen. Im Juni 1956 wurden Anna und ihr Sohn Rudolf Tieke posthum sowie ihr Mann Rudolf durch die SED »rehabilitiert«. Anja Schindler veröffentlichte 1997 eine biographische Skizze über Anna Tieke und ihre Familie.

Wer war wer in DDR

Timmermann, Ulf

* 1.11.1962

Geb. in Berlin; POS; seit 1975 Leichtathlet (Kugelstoßen); Mitgl. des TSC Berlin (Trainer: Werner Goldmann); Studium für Maschinenbau, abgebrochen; Ausbildung zum Bautischler; bei den Weltmeisterschaften 1983 2. Platz; 1985 Sieger beim Weltcup; 1985 u. 1988 WR; 1986 – 90 Studium der Ökonomie an der HfÖ Berlin, abgebrochen; bei den Europameisterschaften 1986: 2. Platz; bei den Weltmeisterschaften 1987: 5. Platz; bei den Halleneuropameisterschaften 1987: Sieger; Aktivensprecher der DDR-Athleten; 1988 Olymp. Spiele: Sieger; 1989 Sieger beim Weltcup; bei den Halleneuropameisterschaften 1989: Sieger; VVO; bei den Europameisterschaften 1990: Sieger. Nov. 1990 wechselte er zu einem Verein in Berlin (West); Mitarb. eines Reiseunternehmens; Gaststättenbetreiber in Berlin; Febr. 1999 Trainer des Kugelstoßers Ole Hertel (LAC Halensee Berlin).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tittel, Hans

* 1.9.1894 – ✝ 8.8.1983

Geboren am 1. September 1894 in Striesen bei Dresden, Sohn einer kinderreichen Arbeiterfamilie; lernte Steindrucker, trat 1909 der Gewerkschaft und der sozialistischen Jugend, 1912 der SPD bei. Er lebte in Stuttgart, gehörte zur radikalen Gruppe um Friedrich Westmeyer und wurde nach Kriegsausbruch aus der SPD ausgeschlossen. Ende 1914 wegen Antikriegspropaganda und Verbindung mit dem Internationalen Sozialistischen Jugendkongreß in Bern zusammen mit Clara Zetkin, Friedrich Westmeyer und Georg Dietrich festgenommen. Acht Monate inhaftiert, danach zum Militär eingezogen. Er hatte Kontakte zu den Bremer Linksradikalen und war Delegierter des Gründungsparteitages der KPD Ende 1918 sowie Teilnehmer der Parteitage 1919 und 1920, auf dem IV. Parteitag 1920 zum Schriftführer gewählt, vom V. bis VII. Parteitag 1920/23 zum Mitglied des ZA der KPD. Ab Ende 1919 Polleiter des KPD-Bezirks Württemberg. Auf dem V. Parteitag 1920 wandte er sich gegen den »bürokratischen Zentralismus«. Tittel stand auf dem rechten Parteiflügel, und die »Stuttgarter Forderungen« von 1922 (von den Berliner Linken als »rechte Schweinerei« bekämpft) waren von ihm inspiriert. Der VIII. Parteitag 1923 berief ihn in die Revisionskommission. Als die Zentrale 1923 ihre Position in den Bezirken Berlin und Thüringen verstärken wollte, wurde Tittel 1923 als Polleiter nach Thüringen entsandt und dort bestätigt. Nach der Oktoberniederlage am 23. November 1923 festgenommen, saß er bis Mitte 1924 in »Schutzhaft«, wurde dann als Kandidat zur Landtagswahl freigelassen. Nach dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 von Ruth Fischer politisch ausgeschaltet, kam Tittel als Redakteur an das »Rote Hilfe Bulletin« nach Berlin. Ende 1924 als Beobachter eines Prozesses gegen Kommunisten in Freiburg kurz verhaftet, ab 1926 leitete er das Pressebüro der KPD in Berlin. Er wurde Ende 1926 wieder als Polleiter nach Thüringen berufen, dort im Januar 1927 in den Landtag gewählt, nahm er im gleichen Jahr am XI. Parteitag teil. Auf dem VI. Weltkongreß der Komintern 1928 war Tittel der einzige Vertreter der Rechten. Als führender Rechter bereits Ende 1928 aus der KPD ausgeschlossen. Viele Personen und Gruppen in der KPD in Thüringen solidarisierten sich aber mit ihm. Die von Tittel mitbegründete KPO war dort relativ stark, er wurde zusammen mit Paul Böttcher Redakteur der »Arbeiterpolitik« und gehörte zur Reichsleitung der KPO, in der er bis 1933 aktiv war. Nach dem Reichstagsbrand blieb er als Leiter des Berliner Komitees der Opposition noch einige Zeit illegal in Deutschland, emigrierte in die ?CSR und wurde dort Redakteur der »Arbeiterpolitik«. 1938 Flucht nach Frankreich, schied er im Herbst 1939 aus der KPO aus. Bei Kriegsausbruch in Le Vernet interniert, erhielt er mit Hilfe amerikanischer Freunde ein Visum und gelangte in die USA, wo er in seinem Beruf als Lithograph arbeitete. 1962 kam Tittel als Rentner in die Bundesrepublik, lebte in Nürnberg, trat der SPD bei, stand aber ihrer Politik sehr kritisch gegenüber. Bis zuletzt hielt er freundschaftliche Kontakte zu alten KPO-Mitgliedern aufrecht, nahm an den politischen Entwicklungen regen Anteil und half dank seines hervorragenden Gedächtnisses vielen Historikern mit Auskünften. Hans Tittel starb am 8. August 1983 in Nürnberg.

Wer war wer in DDR

Tomczak, Hans-Joachim

* 6.2.1927 – ✝ 9.5.1973

Geb. in Dobristroh (Krs. Calau, Senftenberg); Vater Bergarb.; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Schlosser; 1944/45 Wehrmacht; Mai 1945 – Juli 1946 Lazarett u. amerik. Kriegsgefangenschaft in Bayern. 1946 Schlosser in der Brikettfabrik »Aufstieg« in Sedlitz; 1947/48 Lehrausbilder im Braunkohlenwerk Sedlitz; 1947 SED; 1948 – 51 Studium an der Berging.-Schule Senftenberg, 1951 Bergmaschinening.; 1951 – 60 Hauptdispatcher, Betriebs- bzw. Werkstattltr. sowie Produktionsdir. im VEB Braunkohlenwerk Sedlitz; 1960/61 Studium an der Sonderschule des ZK der SED; 1961 – 65 Produktionsdir. der VVB Braunkohle Halle; 1966 GD der VVB Braunkohle Leipzig; 1968 GD der VVB Braunkohle Senftenberg; 1969 GD der VVB Braunkohle Cottbus; ab 1969 Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1971 – 73 Mitgl. des ZK der SED.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Torgler, Ernst

* 25.4.1893 – ✝ 19.1.1963

Geboren am 25. April 1893 in Berlin, Sohn eines städtischen Arbeiters; nach der kaufmännischen Fachschule in Berlin kaufmännischer Angestellter. Die Not der Familie verhinderte die Erfüllung seines Wunsches, Lehrer zu werden. 1907 Mitglied der sozialistischen Jugend, 1910 der SPD und Gewerkschaft. 1914 Soldat, bis 1916 Infanterist, dann Fliegerfunker an der Front. Der Bildungshungrige verbrachte jede freie Minute mit Lesen, besuchte im Urlaub in Berlin Bildungskurse von Julian Borchardt und Vorträge von Ernst Däumig. 1917 Übertritt zur USPD, wurde er beim Ausbruch der Revolution in Neuruppin Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates. Nach Berlin zurückgekehrt, war Torgler wieder Angestellter. Aktiv in der USPD, ging er mit dem linken Flügel Ende 1920 zur KPD, Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag. 1920 in Berlin Bezirksverordneter und ehrenamtlicher Stadtrat, Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Seit 1922 hauptamtlicher Sekretär der KPD, 1923 Sekretär der BL, vorübergehend Schulungsleiter. Im Dezember 1924 als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, gehörte er dem Parlament ununterbrochen bis 1933 an, ab 1929 als Fraktionsvorsitzender. Torgler wirkte wie ein pedantischer, ernster Mensch, schien der typische deutsche Angestellte. Es charakterisierte Torgler, daß sich der Deutschnationale Vizepräsident des Reichstages, Walther Gräf, in der Sitzung vom 27. Januar 1928 mit der Bemerkung an ihn wandte: »Herr Abgeordneter Torgler, Sie sind doch ein besonnener Mann. Ich bitte Sie, doch Ihre Kollegen im Zaum zu halten.« Obwohl er innerhalb der Parteiorganisation keine überragende Rolle spielte und niemals Mitglied des ZK war, zählte er als Fraktionsführer doch zu den prominenten Kommunisten in Deutschland. Ursprünglich sympathisierte er mit der linken Opposition, blieb aber als »Parlaments-Fachmann« immer auf der Linie des ZK. Bis 1933 als KPD-Parlamentarier bekannt, rückte er nach dem Reichstagsbrand ins Licht der Öffentlichkeit. Als ihn die Nazis verdächtigten, an der Brandstiftung beteiligt gewesen zu sein, stellte er sich (nach einem Gespräch mit Wilhelm Koenen und Arthur Vogt) freiwillig der Polizei, um seine Unschuld zu beweisen. Torgler wurde einer der Hauptangeklagten im Reichstagsbrand-Prozeß. Im Gefängnis monatelang an Händen und Füßen gefesselt, verteidigte er vor Gericht sich, aber auch seine politischen Anschauungen, was der »Völkische Beobachter« der NSDAP als »unklug« bezeichnete, da er »besser seine Person verteidigt« hätte. Der Ankläger beantragte für Torgler die Todesstrafe. Das Leipziger Reichsgericht mußte ihn, trotz entgegengesetzter Versuche der NSDAP, mangels Beweisen am 23. Dezember 1933 freisprechen. Dennoch blieb er in »Schutzhaft« und saß bis November 1936 im KZ. Einige SA-Führer versuchten, ihn für die NSDAP zu gewinnen. Die KPD hatte Torgler 1935 aus der Partei ausgeschlossen und ihm vorgeworfen: 1. »sich gegen den Willen der Partei freiwillig dem Faschismus ausgeliefert« zu haben, weil er sich 1933 stellte; 2. vor Gericht nicht die Parteianweisungen durchgeführt und 3. den Nationalsozialisten Sack als Verteidiger gewählt zu haben. Auch habe er in dem Prozeß seine Person und nicht die KPD verteidigt. Torgler arbeitete dann als Vertreter der Firma »Electrolux«. Er war 1939/40 vermutlich in dem von Goebbels bezahlten deutschen Geheimsender »Humanité« gegen Frankreich beschäftigt. Bis 1945 Grundstückrevisor der Haupttreuhandstelle Ost in Bückeburg, nach Kriegsende dort beim Bürgermeister als Sachbearbeiter für die Sozialbetreuung angestellt. Er bemühte sich zunächst um Wiederaufnahme in die KPD und wandte sich deshalb im Februar 1946 auch an Arthur Vogt: »Ich habe im November, insbesondere auch auf Drängen der Bückeburger Genossen einen ausführlichen Brief, eine Art Rechtfertigungsschreiben über Karl Abel und die BL Hannover an Wilhelm Pieck gesandt mit der Bitte um Stellungnahme zu der Frage einer evtl. Rücknahme meines 1935 erfolgten Ausschlusses oder einer Art Amnestie. Die Genossen hier wollen mich gern wieder aufnehmen [...]. Könntest Du, lieber Arthur, nicht einmal mit Pieck sprechen, ihn fragen, ob er mein Schreiben bekommen hatte und wie er und die Parteileitung sich dazu stellen. Es ist bestimmt kein persönlicher Ehrgeiz oder irgendein Geltungsbedürfnis, die mich zu diesem Brief veranlaßt haben. Aber schließlich könnte ich so manches leisten und vielleicht auch manches gutmachen, was ich damals vielleicht falsch gemacht habe. Du weißt ja selbst am besten, lieber Arthur, in welcher verzwickten und belämmerten Lage wir drei, Willy [Koenen], Du und ich uns befunden haben. Du bist am ehesten in der Lage, mit Pieck über mich und mein Begehren zu sprechen.« Torgler trat dann 1949 der SPD bei und wurde Angestellter der Gewerkschaft ÖTV in Hannover. Seit Jahren durch einen Schlaganfall teilweise gelähmt und schwerkrank, starb Ernst Torgler am 19. Januar 1963 in Hannover. Sein Sohn Kurt Torgler (* 1919 – † 1943) hatte 1933 im Gegenprozeß zum Reichstagsbrand in London für den Vater ausgesagt, gelangte dann 1935 in die UdSSR. Dort wurde er im August 1937 vom NKWD verhaftet und zu zehn Jahren Lager verurteilt. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1940 an Deutschland ausgeliefert, kam Kurt Torgler als Dolmetscher zur Wehrmacht und ist in der Sowjetunion gefallen. Norbert Podewin und Lutz Heuer veröffentlichten 2006 eine Biographie über Ernst Torgler.

Wer war wer in DDR

Tragelehn, Bernhard Klaus

* 12.4.1936

Geb. in Dresden; 1955 – 58 Meisterschüler bei  Bertolt Brecht u.  Erich Engel an der AdK in Berlin, 1957 Inszenierung von Brechts »Die Ausnahme u. die Regel« in Wittenberg u. 1958 von  Heiner Müllers »Die Korrektur«; danach Regisseur am Theater in Senftenberg u. 1958 – 61 zugl. an der Studentenbühne der HfÖ Berlin, 1961 dort Inszenierung von Müllers »Die Umsiedlerin«, nach der Uraufführung Verbot des Stücks wegen »konterrev.« Charakters, Ausschluß aus der SED, »Bewährung« im Braunkohlentagebau Klettwitz (Niederlausitz); ab 1964 wieder Theaterarb.; 1967 – 69 Lehrer an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg; 1972 – 76 am Berliner Ensemble, enge Zusammenarb. mit  Einar Schleef bei der Insz. von »Katzgraben« ( Erwin Strittmatter, 1972), »Frühlingserwachen« (Frank Wedekind, 1974) u. »Fräulein Julie« (August Strindberg, 1975; 1976 Absetzung aus ideolog. Gründen); danach keine Aufträge mehr an Theatern der DDR, 1979 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. Inszenierungen insb. von Shakespeare-, Molière- u. Müller-Stücken in Stuttgart, Frankfurt (Main), Bochum u. Düsseldorf; 1981 Mitgl. der Dt. Akad. der Darstellenden Künste Frankfurt (Main); 1983 – 86 am Bayer. Staatsschauspiel München, dort 1984 »Philoktet« (Müller), 1985 »Hamlet« (Shakespeare); 1985 Insz. der »Umsiedlerin« in Dresden; 1987 Schauspieldir. in Düsseldorf; Okt. 1989 Rückkehr nach Berlin. Insz. der Müller-Stücke »Germania Tod in Berlin« (1990), »Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei« (1991) u. »Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten« (1995, Hamburg) sowie von Brechts »Leben des Galilei« 1997 am Berliner Ensemble; Übers. von Theaterstücken insb. von Shakespeare u. engl. Zeitgenossen sowie Molière; 1990 Fritz-Kortner-Preis für die »Radikalität, Genauigkeit u. Wahrheitsbessenheit in der Theaterarb.« (zus. mit Schleef); 1997 – 98 letzter Präs. des Dt. PEN-Zentrums (Ost); Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl.; 1998 Mitgl. der Sächs. AdK; Vors. der Internat. Heiner-Müller-Ges.; lebt in Berlin.»Nöspl.« Gedichte 1956 – 92. Frankfurt (Main) 1996; Schranzler Köder, Fischarping u. Co. 1999; Neue Xenien 1959 – 99. Frankfurt (Main) 2000; Das andere Ende der Geschichte. Aschersleben 2001; Roter Stern in den Wolken. Berlin 2006. Girshausen, T. (Hrsg.): B. K. T.: Theaterarbeiten. Shakespeare/Molière. Berlin 1988; Müller, H.: Krieg ohne Schlacht. Köln 1992 (Kap.: Die »Umsiedlerin«-Affäre); Adamski, H.: Geschichte u. Gegenwart auf dem Theater. B. K. T.s Inszenierungen von Shakespeares »Maß für Maß«. Köln 1999.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Trautzsch, Walter Ehrengott

* 16.3.1903 – ✝ 23.9.1971

Geboren am 16. März 1903 in Lengefeld/Erzgebirge, sechstes von sieben Kindern einer Weberfamilie; lernte Metalldrücker, ging 1920 auf Wanderschaft. Er trat im Juni 1923 in die KPD ein. Aktiver Teilnehmer am Hamburger Aufstand, deshalb inhaftiert, aber bereits im Dezember 1923 entlassen. Trautzsch hielt sich ein halbes Jahr in der Schweiz auf, fand 1926 schließlich Arbeit in Chemnitz und kam 1929 nach Lengefeld zurück. Er gehörte auch dem AM-Apparat an, wurde 1929 Leiter des Erwerbslosenausschusses und 1931 des örtlichen Kampfbundes gegen den Faschismus. Anfang März 1934 festgenommen, saß er bis August im KZ. Danach organisierte er den Transport von Informationsmaterialien über die tschechische Grenze. Im September 1935 emigrierte Trautzsch in die Sowjetunion und nahm unter dem Namen Paul Wittig an der »Brüsseler Konferenz« teil. Er kam in die ?CSR und erhielt von Hermann Nuding den Auftrag, künftig als Kurier über Rosa Thälmann die Verbindung zu Ernst Thälmann herzustellen. Von September 1936 bis Februar 1939 war Trautzsch unter dem Parteinamen Edwin »Thälmann-Kurier«, reiste zwischen Paris, Prag, Berlin und Hamburg. Seine diktierten Berichte erhielt Hermann Nuding, der sie redigiert nach Moskau weiterleitete. Als Walter Trautzsch am 16. Februar 1939 beim Grenzübertritt in Aachen festgenommen wurde, hatte er einen Schweizer Paß auf den Namen Wilhelm Bossard bei sich. Doch die Gestapo nahm ihm nicht ab, daß er zum französischen Geheimdienst gehöre. Nun gab er zu, Mitglied der illegalen KPD in Frankreich zu sein, was mit der Pariser Leitung abgesprochen war, um zu verhindern, daß seine Tätigkeit als »Thälmann-Kurier« bekannt wurde. Er ging auf das Angebot der Gestapo ein, als ihr V-Mann in Frankreich zu arbeiten, informierte darüber in Paris sofort die KPD-Leitung. Diese mißtraute Trautzsch und wollte ihn nach Moskau schicken, was der Kriegsausbruch verhinderte. In Frankreich zunächst interniert, flüchtete er beim Einmarsch der deutschen Truppen im Mai 1941 in die Schweiz. Hier arbeitete er als Tscheche Kurt Schneider u. a. mit Maria Weiterer, Leo Bauer und Fritz Sperling zusammen. Inzwischen hatte er die Schweizerin Rosemarie Müggeli geheiratet, beide gingen im August 1946 nach Deutschland. Trautzsch wurde 1946/47 Vorsitzender der SED Glauchau, von 1948 bis 1952 Mitarbeiter der SED-Landesleitung Sachsen in Dresden. 1952/53 Mitglied der Bezirks-PKK Leipzig, geriet aber selbst in die stalinistischen Säuberungen. 1954 abgesetzt, wurde er Kaderleiter des VEB Kohle Schwedt, Außenstelle Berlin-Weißensee. Zuletzt Invalidenrentner, er erhielt erst 1964 den VVO in Silber. Walter Trautzsch starb am 23. September 1971 in Leipzig. Über ihn hat Annette Leo 1999 eine biographische Skizze veröffentlicht.Anette Leo

Wer war wer in DDR

Thoms-Heinrich, Lieselotte

* 29.10.1920 – ✝ 14.7.1992

Geb. in Berlin; Vater Angest.; Mittelschule; 1937 – 39 Ausbildung zum Industriekfm. u. Stenotypistin; anschl. als Sekr. tätig. 1946 – 49 Red.-Vol. bzw. Red. bei der Wochenztg. »Sonntag«; 1947 SED; 1949 – 68 »Neues Dtl.«, dort Red., Ltr. der Abt. Staatl. Verw.; Juli 1953 durch die ZPKK wegen Veröff. des Interviews mit  Max Fechner am 30.6.1953 gerügt; Chefreporterin, Mitgl. des Red.-Kolleg.; Studium an der ASR Potsdam u. der FS für Journalistik Leipzig; 1956 – 90 Mitgl. des Zentralvorst. des VDP bzw. des VDJ; 1963 – 90 Berliner Vertreterin bzw. Abg. der Volkskammer; hier seit 1971 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1968 – 81 Chefred. der Frauenillustrierten »Für Dich« (Nachf. von  Yvonne Freyer); ab 1968 Mitgl. der Frauenkommission beim PB des ZK der SED; 1969 – 82 Mitgl. des DFD-Bundesvorst. u. seines Präs.; Mitarb. des IML beim ZK der SED; 1980 VVO; 1981 stellv. Vors. der Interparl. Gruppe der DDR; 1981 Rentnerin; Mitarb. des IML beim ZK der SED; freiberufl. Journalistin; gest. in Berlin.Ein guter Deutscher – W. Ulbricht. Berlin 1963 (zus. mit Vieillard, H.); Kreuzweg Ravensbrück. Lebensbilder antifa. Widerstandskämpferinnen. Leipzig 1987 (mit S. Jacobeit).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Thümer, Petra

* 29.1.1961

Geb. in Zwickau; 1971 erster Schwimmwettkampf; KJS; Mitgl. des SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Eberhard Mothes); 1976 Olymp. Spiele: Siegerin (400 m u. 800 m Freistil); 1977 EM (200 m, 400 m u. 800 m Freistil); 1979 Ende der sportl. Laufbahn, Ausbildung zur Fotografin; in der Fotobranche berufstätig; 1998 wurden beim DDR-Dopingprozeß vor dem LG Berlin Akten bekannt, die auf die Einnahme von anabolen Steroiden deuten.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Thunig, Rudolf

* 4.8.1899 – ✝ 24.10.1983

Geb. in Dresden; Vater Schneider; 1914 – 17 Ausbildung zum Kfm.; 1917/18 u. 1919/20 im Beruf tätig; 1916 Freie Soz. Jugend; 1918 Spartakusbund; danach KJVD u. KPD; 1918/ 19 Militärdienst; 1920 – 22 Ltr. des Verlags »Junge Garde« (Berlin); an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt; 1922 – 35 Mitarb. im Westeurop. Büro der KJI; 1923/24 Mitarb. in dessen Verlag; 1933 Instrukteur des KJV der ČSR; 1934 illeg. pol. Tätigkeit in Amsterdam; 1935 verhaftet, U-Haft in Berlin, zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, 1937 – 39 u. 1943 – 45 Haft im Zuchthaus Brandenb., 1939/40 KZ Börgermoor, 1941 – 43 Zuchthaus Sonnenburg. 1945 – 49 Gen.-Ref. im Magistrat von Groß-Berlin; 1946 KPD/SED; 1949 – 52 Stellv., dann bis 1975 Abt.-Ltr. des PB-Sekr. des ZK der SED; 1959 KMO; 1969 VVO; 1975 Rentner; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Ticha, Hans

* 2.9.1940

Geb. in Bodenbach (Sachsen); Vater kfm. Ang.; 1946 – 48 Schule in Schkeuditz, Abitur; 1958 – 62 Pädagogikstudium an der KMU Leipzig; 1962 – 64 Lehre in Lindenthal; 1965 – 70 Studium an der Kunst-HS Berlin-Wei-ßensee bei  Kurt Robbel,  Arno Mohr,  Werner Klemke u.  Klaus Wittkugel; ab 1970 freischaff. in Berlin; 1973 VBK; Ausstellungen u. a. 1976 in Berlin, 1984 in Karl-Marx-Stadt; 1989 Ehrendipl. der Internat. Buchausst. Leipzig. 1990 Ausstellungen in Mainz u. Berlin; Teiln. an der Biennale Venedig; 1990 Umzug nach Maintal (Hessen); Werkausstellungen u. a. 2004 in Frankfurt (Main), 2007 in Leipzig; Arbeiten für Büchergilde Gutenberg. Elemente der Pop-Art werden zur krit. Betrachtung der Entfremdung im Soz. eingesetzt, intensive Auseinanders. mit den Themen Sport u. Prop.; zahlr. Illustr., u. a. zu  Hans Fallada,  Peter Hacks,  Bertolt Brecht, Gerhard Branstner; mehrf. Auszeichnungen illustr. Bücher als »Schönste Bücher des Jahres«; 2000 3. Preis der Stiftung Buchkunst. Werke u. a.: Mannschaft (1975), Klatscher (1980), Hurra (1981).Werkverzeichnis III. Bücher, Einbände, Druckgr. 1969 – 2000. Maintal 2000; Werkverzeichnis 1967 – 2004. Maintal 2005. Kat. H. T. Galerie M. Berlin 1990; H. T. Anhaltender Beifall. Bilder aus der DDR. Berlin 1990; Frank, H.-E.: H. T. als Illustr. (mit Bibl.). In: Marginalien (1990) 119.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tiedt, Karl

* 23.6.1881 – ✝ 18.11.1938

Geboren am 23. Juni 1881 in Rostock, entstammte einer bürgerlichen Familie; besuchte das Gymnasium. 1897 trat er der Gewerkschaft und 1899 der SPD bei. Spätere Vorwürfe, zeitweise als Wanderredner des »Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie« tätig gewesen zu sein, wies er scharf zurück, doch seine Jugend blieb im dunkeln. Tiedt wurde als Kriegsteilnehmer schwer verwundet. 1917 ging er zur USPD und kam 1920 mit deren Mehrheit zur KPD. Seit 1919 Vorsitzender des von ihm ins Leben gerufenen »Internationalen Bundes der Kriegsbeschädigten und Körperbehinderten«, einer linken Gegenorganisation zum »Reichsbund der Kriegsbeschädigten«. Seit 1924 gab er auch das »Internationale Kriegsopfer-Bulletin« heraus. In der KPD gehörte er zum linken Flügel. Als Nachfolger des verstorbenen KPD-Abgeordneten Emil Eichhorn kam Tiedt im August 1925 in den Reichstag. Ab 1925 auch Herausgeber der Zeitschrift »Die Ehelosen«. Nach dem »Offenen Brief« im September 1925 agitierte er in seiner Kriegsopfer-Organisation gegen die neue Linie der KPD und vertrat den Standpunkt der linken Opposition. Das ZK forderte ihn im August 1926 auf, diese Fraktionsarbeit einzustellen und außerdem seine Zeitschrift »Die Ehelosen« aufzugeben, da sie amoralisch sei und die Anzeigen den Tatbestand der Kuppelei erfüllten. Tiedt bekam 48 Stunden Bedenkzeit, trat nach 24 Stunden aus der KPD aus und wurde formal am 19. August 1926 aus der Partei ausgeschlossen. Im Reichstag war er bei der Gruppe der linken Kommunisten und kritisierte, daß seltsamerweise die sich »Freiheitskämpfer von Beruf nennenden Kommunisten gegen seine freiheitlichen moralischen Ansichten« stünden. Er verließ dann auch die Gruppe der linken Kommunisten und blieb 1927/28 parteiloser Reichstagsabgeordneter. Als es der KPD gelang, 1927 die Mehrheit im Verband der Kriegsopfer zu gewinnen, trat Tiedt mit seiner Minderheit aus und gründete einen bedeutungslosen Sonderbund. In der Politik spielte er keine Rolle mehr. Karl Tiedt starb am 18. November 1938 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Tiemann, Walter

* 29.1.1876 – ✝ 12.9.1951

Geb. in Delitzsch; 1894 – 96 Studium der Malerei u. Zeichnung an der Leipziger Königl. Kunstakad. u. Kunstgewerbeschule, 1896 – 98 an der Kunstakad. Dresden, 1897 Studienaufenthalt in Paris; seit 1903 Lehrer, ab 1909 Prof. u. 1920 – 41 Dir. an der (umbenannten) Königl. Akad. für Graph. Künste u. Buchgewerbe Leipzig; 1907 mit Carl E. Poeschel Gründung der ersten dt. Privatpresse »Janus Presse«; 1910 – 25 Vors. des Vereins Dt. Buchkünstler; 1926 Dr. h. c. der Univ. Leipzig; 1940 Verlust des Direktorenamts, 1941 des Lehramts. Aug. 1945 – Frühjahr 1946 kommissar. Rektor der Akad. für Graph. Künste u. Buchgewerbe in Leipzig; 1946 em.; gest. in Leipzig. Internat. anerkannter Schriftkünstler u. Reformer des Buchgewerbes, tätig u. a. für den Zeitler-Verlag, Inselverlag, C. E. Poeschel Verlag.Kapr, A. (Hrsg.): Traditionen der Leipziger Buchkunst: Carl Ernst Poeschel, W. T., Hugo Steiner-Prag u. a. Leipzig 1989.Beatrice Vierneisel

Wer war wer in DDR

Tisch, Harry

* 28.3.1927 – ✝ 18.6.1995

Geb. in Heinrichswalde (Krs. Ueckermünde); Vater Steinsetzer, Mutter Arbeiterin; 1933 – 41 Volksschule in Heinrichswalde; Dt. Jugend, 1941 – 43 HJ, Kameradschaftsführer; 1941 Molkereihilfsarb. in Heinrichswalde; 1941 – 44 Ausbildung zum Bauschlosser in Pasewalk; Okt. 1943 – Jan. 1944 RAD, Arbeitsmann; April 1944 – Mai 1945 Wehrmacht (Marine), Gefr.; brit. Kriegsgefangenschaft in Neumünster, 28.11.1945 Flucht. Dez. 1945 Rückkehr nach Heinrichswalde; Schlosser in Ueckermünde; 1945/46 KPD/ SED; 1945 FDGB; 1946 FDJ; 1946 – 48 Betriebsschlosser; 1948 KPS; 1948/49 Krs.-Jugendsekr., 1949/50 1. Sekr. des FDGB-Krs.-Vorst. Ueckermünde; 1949/50 Gewerkschaftsschule Bernau; 1950 – 52 Landesvors. der IG Metall in Mecklenb., 1952/53 stellv. Bez.-Vors. des FDGB Rostock; 1950 – 52 Abg. des Landtags von Mecklenb.; 1953 – 55 PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1955 – 59 Sekr. für Wirtschaft in der SED-BL Rostock (Nachf. von  Karl Namokel); 1952 – 54 u. 1958 – 75 Abt. des Bez.-Tags Rostock; 1959 – 61 Vors. des Rats des Bez. Rostock (Nachf. von  Hans Warnke); 1961 – 75 1. Sekr. der SED-BL Rostock (Nachf. von  Karl Mewis); 1963 Mitgl. des ZK; 1971 – 75 Kand., 1975 Mitgl. des PB des ZK der SED; 1963 Abg. der Volkskammer; 1975 Mitgl. des Staatsrats u. Mitgl. des Präs. des NR der NF; 28.4.1975 – 2.11.1989 Vors. des Bundesvorst. des FDGB (Nachf. von  Herbert Warnke); 1970 VVO; ferner KMO; 1975 Mitgl. des Büros des Gen.-Rats des WGB; 8.11.1989 Rücktritt mit dem PB des ZK der SED; 19.11. vom Amt als Mitgl. des Staatsrats entbunden; 29.11. Ausschl. aus dem FDGB; 2.12. Gen.-Staatsanwalt erwirkt Haftbefehl; 3.12. Ausschl. aus der SED u. Verhaftung. Anklage wegen »Vertrauensmißbrauchs u. Untreue«, 29.1.1991 Prozeßbeginn, 19.5.1991 Haftverschonung, 6.6.1991 Urteil, 18 Mon. Haft wegen »Untreue«, nach Anrechnung der U-Haft u. Aussetzung der Haft freigelassen; Jan. 1995 Anklage wegen der »Todesschüsse an der Berliner Mauer u. der innerdt. Grenze«; gest. in Berlin.Die Prognose der gesellsch. Entw. Berlin 1968; Zur Gewerkschaftspol. der SED. Berlin 1979; Gewerkschaftsarbeit für Soz. u. Frieden. Ausgew. Reden u. Schriften. Berlin 1987.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Toeplitz, Heinrich

* 5.6.1914 – ✝ 22.11.1998

Geb. in Berlin; Vater Jurist; Gymnasium in Breslau, 1932 Abitur; 1932 – 36 Studium der Staats- u. Rechtswiss. an den Univ. Leipzig u. Breslau, Erste jur. Staatsprüfung; 1937 Prom. zum Dr. jur. in Breslau; aus »rass. Gründen« verfolgt; 1938/39 Auslandsaufenthalt; spä- ter Dienst in der Org. Fritz Todt; 1944/45 Zwangsarbeit in Frankreich u. den Niederlanden. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 – 47 Referendar u. Hilfsrichter in der Berliner Justiz; 1947 Zweite jur. Staatsprüfung; 1947 – 50 Hauptref. beim Stadtrat für Justiz im Magistrat von Groß-Berlin; 1949 – 90 CDU; 1950 stellv. Gen.-Sekr.; 1950 – 60 Staatssekr. im Min. für Justiz; 1951 – März 1990 Abg. der Volkskammer, seit 1986 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1951 – 53 stellv. Vors. der VVN Groß-Berlin; ab 1952 Mitgl. des Pol. Aussch. bzw. Präs. des CDU-Hauptvorst.; 1953 – 90 Mitbegr. u. Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer bzw. des Präs. seiner ZL; ab 1954 Mitgl. des Gen.-Rats der FIR; Mitgl. des NR der NF; 1955 – 87 Vors. des Zentr. Untersuchungsaussch. der CDU; 1960 – 86 Präs. des Obersten Gerichts (Nachf. von  Kurt Schumann); 1957 – 62 Vizepräs., 1962 – 85 Präs. der Vereinigung der Juristen (Nachf. von  Arthur Baumgarten), dann Ehrenpräs.; 1966 – 89 stellv. CDU-Vors.; 1970 VVO; ab 1971 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; seit 1975 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Italien; Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1979 Dr. jur. h. c. der KMU Leipzig; Nov. 1989 Vors. des Zeitweiligen Aussch. der Volkskammer zur Überprüfung von Fällen des Amtsmißbrauchs, der Korruption u. der persönl. Bereicherung; Proteste gegen den Einsatz H. T.s in dieser Funktion.Oberstes Gericht der DDR, höchstes Organ wahrhaft demokrat. Rechtssprechung. Berlin 1970; Aus Reden u. Aufsätzen 1952 – 1973. Berlin 1974; Der Bürger u. das Gericht. Berlin 1978.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Töpfer, Heinz

* 5.6.1930

Geb. in Neu-Dobra (b. Liebenwerda); Vater Elektriker; 1944 Feinmechanikerlehre, 1948 –51 Studium an den Techn. Lehranstalten Dresden, Ing. f. Feinmechanik; 1951 – 55 Studium an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1955 – 58 Assistent bei  Heinrich Kindler an der TH Dresden; 1958 – 67 Mitarb., Abt.-Ltr. u. stellv. Dir. der Arbeitsstelle bzw. des Inst. für Regelungs- u. Steuerungstechnik der DAW in Dresden, 1964 NP für Arbeiten auf dem Gebiet der Fluidtechnik; 1961 – 67 Lehrbeauftragter an der TH Magdeburg für Theorie u. Geräte der Regelungstechnik; 1963 Prom., 1983 Habil. an der TH/TU Dresden; 1967 – 78 ord. Prof. für Regelungstechnik an der TH Magdeburg, dort Gründungsdir. der Sektion Techn. Kybernertik u. Elektrotechnik, Ltr. des Wissenschaftsbereichs Prozeßsteuerung u. Regelungstechnik; 1973 – 83 Vors. der Wiss. Ges. für Meßtechnik u. Automatisierung in der KdT; 1974 – 90 Vors. des Zentralen Arbeitskreises Steuerungs- u. Regelungstechnik beim Min. für Wiss. u. Technik; 1987 Korr. Mitgl. der AdW; 1978 Umberufung an die TU Dresden, dort Ltr. des Wissenschaftsbereichs Regelungstechnik u. Prozeßsteuerung (später Automatisierungstechnik), 1989 – 92 Dekan der Fak. für Elektrotechnik. 1992 – 2004 Tätigkeit in der Industrie u. ehrenamtl. Arbeit im Verein Dt. Ingeniere (VDI); 2001 Otto-Winkler-Ehrenmed. des VDI; zahlr. Patente u. Veröff. in wiss. Zeitschriften.Funktionseinheiten der Automatisierungstechnik. Berlin 1977 (mit W. Kriesel); Grundlagen der Automatisierungstechnik. Berlin 1987 (mit P. Besch); Wissensspeicher Fluidtechnik. Leipzig 1988 (Hrsg. mit A. Schwarz); Automatisierungstechnik aus Herstellersicht – Rückblick, Stand, Trends. Dresden 1996.Günter Dörfel

Wer war wer in DDR

Torhorst, Marie

* 28.12.1888 – ✝ 7.5.1989

Geb. in Ledde (Krs. Tecklenburg, Westfalen); Vater Pfarrer; Schwester Adelheid T. (1884 – 1968) ebenfalls Mathematiklehrerin u. 1949 – 51 Ltr. des Goethe-Museums in Weimar; nach dem Abitur 1913 – 21 Studium der Math., Physik u. Geographie an den Univ. Göttingen u. Bonn, dort 1918 Prom. »Über die Randmenge einfach-zusammenhängender ebener Gebiete«, 1919 Lehramtsstaatsexamen u. 1920 päd. Examen; anschl. Lehrerin an einer kath. Mädchenschule sowie Bibliothekarin an der Univ. Bonn; zugl. Zusatzstudium an der Univ. Köln, hier 1923 Handelslehrer-Dipl.; 1923 – 29 Ltr. der Handelsschule des Frauenerwerbs- u. Ausbildungsvereins in Bremen; 1928 SPD; 1929 – 33 Lehrerin an der Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln, Entlassung aus polit. Gründen; anschl. bis 1945 diverse Tätigkeiten u. Hilfsarbeiten in Berlin; illeg. polit. Arbeit. August 1945 Fachreferentin für Lehrerbildung beim Magistrat von Berlin; 1946 KPD u. Ltr. der Abt. Schule u. Erziehung im ZK der SED; 1947 – 50 Ministerin für Volksbildung des Landes Thüringen – erste weibl. Ministerin in Thüringen; ab 1952 in versch. Funktionen tätig, u. a. 1950 / 51 Ltr. der Kunstausstellung der VR China in Berlin; 1951 / 52 Mitgl. des Sekretariats der IDFF; 1958 – 64 wiss. Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. Vergleichende Pädagogik am Dt. Päd. Zentralinst. in Berlin; 1962 Prof.-Titel; 1988 Ehrenprom. der APW; gest. in Berlin. T. war überzeugte Anhängerin der Schulreformen u. der weltl. Schule in der Weimarer Rep.; beteiligt an der bildungspolit. Umsetzung wesentl. Forderungen der soz. Arbeiterbew. in der SBZ / DDR.Über die Randmenge einfach-zusammenhängender ebener Gebiete. In: Math. Ztschr. Bd. 9, 1918; Schulentw. u. Schulreformen in einigen kapitalist. Ländern. Berlin 1962 (Hrsg.); Pfarrerstochter, Pädagogin, Kommunistin. Aus dem Leben der Schwestern Adelheid u. Marie Torhorst. Hrsg. von K.-H. Günther, Berlin 1986. R. Tobies: Biograph. Lexikon in Ma¬thematik promovierter Personen an dt. Univer¬sitäten u. Technischen Hochschulen WS 1907 / 08 bis WS 1944 / 45. Augsburg 2006.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Tralow, Johannes

* 2.8.1882 – ✝ 27.2.1968

Geb. in Lübeck; Vater Kfm. u. Kürschnermstr.; Realschule, Realgymnasium, Abitur; zur Behandlung einer Lungentuberkulose mehrj. Aufenthalt in Ägypten; Arbeit in einem Import-Exportgeschäft in Alexandria; kfm. Lehre; Reisen in den Orient; Chefred. des »Lübecker Tageblatts«; Chef des liter. Büros einer Berliner Versicherungsges.; 1910 Dir. des Berliner Theater-Verlags; ab 1914 Regisseur u. Theaterltr. u. a. in Halle, Berlin, Nürnberg, Köln (hier Gründung des »Theaters des werktätigen Volkes« am Friesenplatz), Frankfurt (Main) u. Hamburg; 1920 – 33 SDS; 1929 PEN; erste Romanveröff. in Berlin (»König Neuhoff«); lebte 1933 – 45 zurückgezogen als freier Schriftst. an der Mosel u. ab 1938 in Gauting (b. München); Kurzgeschichten u. Fortsetzungsromane u. a. für die »Frankfurter Illustrierte« u. die »Hamburger Illustrierte«. 1945 – 47 Oberster Richter der 1. Spruchkammer (zur Entnazifizierung) in Starnberg, Amtsniederlegung aus Protest gegen Eingriffe der amerik. Besatzungsmacht; ab 1946 zeitw. Mitgl. der CSU; 1951 – 57 Geschäftsf. Präs. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1956 Mitgl. des SV; Ehrenmitgl. des Dt. PEN-Zentrums; Mitgl. der dt.-türk. Ges. zu Bonn; da J. T. in der Bundesrep. Dtl. keinen Verleger fand, nahm er seinen zweiten Wohnsitz in der DDR (Berlin); 1967 Verleihung des Prof.-Titels durch den Kulturmin. der DDR u. Dt. Friedensmedaille; gest. in Berlin. J. T. begann seine liter. Laufbahn als Dramatiker, später folgten Nachdichtungen antiker Dramen; als bedeutendstes Erzählwerk gilt die Osman. Tetralogie mit den Romanen »Roxelane« (Zürich / Wien 1942), »Irene von Trapezunt« (Wiesentheid 1947), »Malachtun« (Berlin 1952) u. »Der Eunuch« (Berlin 1956), in denen Aufstieg u. beginnender Zerfall des Osman. Reichs vom 13. – 17. Jh. sachkundig u. facettenreich geschildert werden.Das Gastmahl in Pavia. Berlin 1907; Inge. Berlin 1912; Die Mutter. München 1914; Gewalt aus der Erde. Berlin 1933; Die verliebte Mosel. Hamburg 1936; Boykott. München 1950; Aufstand der Männer. Berlin 1953; Mohammed. Berlin 1967. J. T. Leben u. Werk. Hrsg. v. H. Stötzer. Berlin 1968; Diesner, H.-J.: Historie im Zeitverständnis. In: Neue Dt. Lit. (1972) 11; Der Nachlaß J. T. Bearb. v. H. Stötzer u. H. Döhn. Berlin 1977.Maren Horn

Wer war wer in DDR

Treder, Hans-Jürgen

* 4.9.1928 – ✝ 18.11.2006

Geb. in Berlin; Vater Magistratsdir.; 1933 – 46 Mommsen- u. Kant-Gymnasium in Berlin; 1944/45 Flakartillerie. 1946 Abitur; SED; Mitbegr. der FDJ in Berlin-Charlottenburg; 1947 – 49 Studium an der dortigen TH, 1949 – 56 Studium der Physik, Mathematik, Astronomie u. Philos. sowie Aspirantur an der HU Berlin; 1956 Prom. mit einer Diss. zur einheitl. Feldtheorie; in den 50er Jahren in Berlin (West) mehrmals festgenommen wegen Aktionen gegen die Atombombe; 1957 Assistent, 1959 Oberassistent am Inst. für reine Mathematik der DAW; 1961 Habil. u. Doz.; 1963 Prof. an der HU; 1963 – 66 Dir. des Inst. für reine Mathematik der DAW; 1966 Ord. Mitgl. der DAW; 1966 – 82 Dir. der Sternwarte Potsdam-Babelsberg; 1969 – 82 Dir. des ZI für Astrophysik u. 1969 – 72 Ltr. des Forschungsber. Kosm. Physik der DAW/ AdW; 1969 – 83 Mitgl. des Präs. der AdW; 1971 NP; 1982 – 91 Dir. des Einstein-Laboratoriums für Theoret. Physik; Mitgl. vieler nat. u. internat. wiss. Ges.; 1993 Ruhestand; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; gest. in Potsdam. Hauptarbeitsgebiete: Theoret. Physik, Astrophysik, Allg. Relativitätstheorie; Gravitations- u. allg. Feldtheorie; erkenntnistheoret. Probleme der Physik, Geschichte der Physik; Hrsg. der »Annalen der Physik« (1985 – 91), Mithrsg. weiterer Ztschr., Autor bzw. Mitautor von mehr als 20 Monogr. u. 500 Einzelbeiträgen. Sek.-Lit.: The Earth and the Universe – A Fs. in honour of H.-J. T. 1993 (hrsg. von der International Association of Geomagnetism and Aeronomy); Hamel, J. (Hrsg.): Wiss. Kolloquium zum 75. Geb. von H.-J. T. Berlin 2003; Schröder, W. (Hrsg.): Theoretical Physics and Geophysics. Berlin 2007; Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, Bd. 101 (2009).Relativität u. Kosmos. Berlin 1968; Gravitationstheorie und Äquivalenzprinzip. Berlin 1971; Elementare Kosmologie. Berlin 1975; Große Physiker. Berlin 1983 (mit R. Rompe); The Meaning of Quantum Gravity. Berlin 1987.Peter Nötzold