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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Trepte, Curt

* 12.8.1902 – ✝ 19.4.1990

Geb. in Eisenberg (b. Dresden); Vater Zimmermann; Realschule bis Primarreife, 1920 – 23 Staatsbauschule; 1923/24 Schauspielstudium am Staatstheater Dresden; 1930 KPD; 1930 – 33 an der Piscator-Bühne in Berlin; Mitarb. am Aufbau der RGI, Industriegr. Film-Bühne-Musik; März 1933 »Schutzhaft«; Juni 1933 Emigr. nach Paris, 1934 nach Moskau; Schauspieler, Publizist, Programmgestalter am Moskauer Sender; 1937 im Zuge der Moskauer »Säuberungen« Parteiausschl.; 1938 auf Anraten von  Friedrich Wolf Ausreise nach Schweden; Publizist u. Schauspieler in Stockholm; wiederholte Festnahmen; 1943 Red. der »Pol. Information« bzw. von »Tyskland av idag«; Instrukteur am schwed. Arbeitertheater; Vorst.-Mitgl. des Freien Dt. KB; 1945 Red. beim schwed. Radio für dt.-spr. Flüchtlingssendungen. Mai 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Oberspielltr. beim Berliner Rundfunk; 1947 von der ZV für Volksbildung in eine Kommission zur Wiedereinrichtung der Volksbühne Berlin berufen; bis Aug. Schauspieler, Regisseur u. Vorst.-Mitgl.; 1948 – 50 Schauspieler am Theater der DSF; 1950/51 hauptamtl. Ltr. der Sekt. Theater der DSF; in deren Auftrag 1950 kommissar. Intendant der Schweriner Maxim-Gorki-Bühne; Mai 1951 Schauspieler u. Regisseur in Leipzig; 1953 Intendant der städt. Bühnen Quedlinburg u. am Harzer Bergtheater; seit 1953 Mitgl. der SED-KL; Nachfolgekand. der Volkskammer, 1961 – 63 deren Mitgl.; ab 1963 Mitgl. der Ltg. der DAK; als Theaterwissenschaftler widmete er sich der Erforschung der Exilzeit des dt. Theaters; die Anregung dazu war von ihm 1962 an  Alfred Kurella u.  Alexander Abusch gegangen; 1977 VVO; 1982 Ehrenprom. der EMAU Greifswald; gest. in Berlin.Von Brettern, die uns die Welt bedeuten. In: »... einer neuen Zeit Beginn« (Erinnerungen). Berlin 1980; Mitarbeit an: Kunst u. Lit. im antifa. Exil. Bd. 5. Leipzig 1980 (Exil in Skandinavien).Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Triebel, Gustav

* 10.2.1889 – ✝ 30.4.1968

Geboren am 10. Februar 1889 in Barmen, Sohn eines Webers (Bruder von Oskar Triebel); lernte Metallarbeiter und schloß sich mit 16 Jahren dem Christlichen Verein Junger Männer (CVJM) in Barmen an. 1906 trat er in den Metallarbeiterverband ein, zwei Jahre später wurde er Mitglied der SPD. Nach Ausbruch des Weltkrieges flüchtete er in die Niederlande und nach Frankreich, fand später Kontakt zur Spartakusgruppe in Düsseldorf, wurde kurz vor Kriegsende verhaftet und durch die Revolution befreit. Gemeinsam mit Rosi Wolfstein und Ernst Seidel nahm er als Düsseldorfer Delegierter am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. 1920 Parteisekretär in Ost- und Westpreußen, vom IV. und V. Parteitag 1920 für diesen Bezirk in den Zentralausschuß gewählt. Als Anhänger Paul Levis trat er 1921 zur KAG über, später zur USPD und 1922 wieder zur SPD. Von 1923 bis 1927 wirkte Triebel als 2.Bevollmächtigter des DMV in Barmen, zog 1929 nach Hagen und war dort bis 1933 Rechtsschutzsekretär des Metallarbeiterverbandes. Triebel, der als Arbeitsrechtler in Hagen anerkannt war, lehnte ein Angebot der Nazis ab, für ihre DAF tätig zu werden. Nach mehrjähriger Erwerbslosigkeit und zeitweiligen Verhaftungen fand er 1936 Arbeit als Monteur. 1945 gehörte Gustav Triebel zu den Mitbegründern der IG Metall und der SPD in Hagen, war von September 1946 bis Dezember 1957 1. Bevollmächtigter der Verwaltungsstelle Hagen. Im November 1945 in die erste Stadtverordnetenversammlung berufen, saß Triebel bis 1965 im Rat der Stadt Hagen und führte von 1952 bis 1961 die SPD-Fraktion. Gustav Triebel starb am 30. April 1968 in Hagen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Trillitzsch, Otto

* 16.10.1898 – ✝ 15.4.1974

Geboren am 16. Oktober 1898 in Gera, Sohn eines Webers; lernte Maschinenschlosser, trat 1916 in die SPD ein, von 1917 bis 1919 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der USPD, Ende 1920 der KPD, von 1924 bis 1930 Redakteur der »Neuen Zeitung« bzw. der »Ostthüringischen Arbeiterzeitung« in Gera, dann bis Anfang 1933 Redakteur des »Thüringer Volksblattes« in Erfurt. Ende Januar 1933 mit Hermann Grosse illegale Arbeit in Thüringen, Anfang Januar 1934 Instrukteur des ZK in Oberschlesien und später Rheinland/Westfalen. Trillitzsch wurde im Februar 1935 festgenommen, im August 1935 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt und saß bis 1945 in Zuchthäusern und KZs. Von 1945 bis 1950 Mitglied des Sekretariats der KPD- bzw. SED-Landesleitung Thüringen, Chefredakteur der »Thüringer Volkszeitung«, anschließend bis 1953 der »Sächsischen Zeitung« in Dresden. Von 1953 bis 1955 ND-Korrespondent in Moskau und von 1956 bis 1966 erneut stellvertretender Chefredakteur der »Sächsischen Zeitung«. 1973 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Otto Trillitzsch starb am 15. April 1974 in Dresden.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Trolle, Lothar

* 22.1.1944

Geb. in Brücken (b. Sangerhausen / Sachsen-Anh.); Mutter Hebamme; 1963 Abitur; Handelslehre; Arbeit als Handelskfm., Transport- u. Bühnenarb.; 1966 – 70 Studium der Philos. an der HU Berlin bei  Wolfgang Heise; 1968 erstes Stück »Papa Mama«; seit 1970 freischaff. Schriftst. in Berlin (Dramatik, Übers., Hörspiele, Prosa); 1983 – 87 Mithrsg. der Ztschr. »Mikado« (zus. mit  Uwe Kolbe u.  Bernd Wagner), wichtiges nichtoffiz. Periodikum für Texte »diesseits u. jenseits des Vokabulars der Macht u. der Anpassung« von Schriftst. versch. Generationen; 1987 Hörspielpreis »Terre des Hommes« für »Jozia, die Tochter des Delegierten oder Die heilige Johanna in der Wohnküche«; Verf. von grotesken, surrealen, clownesken, kleinbürgerl. Haltungen sezierenden Theaterstücken mit nur sporad. Aufnahme an Theatern der DDR (u. a. »Greikemeier. Szenen zw. Himmel u. Erde«, 1969 – 74; »Das beispielhafte Leben u. der Tod des Peter Göhring«, mit  Thomas Brasch, 1972; »Weltuntergang Berlin I u. II«, 1980/87; »Kasper-Trilogie«, 1985) u. karg-authent. Prosatexte, u. a. Auseinandersetzung mit den Abgründen des gewöhnl. Fasch. u. der Wende. 1991 PEN-Zentrum; 1991 Hörspielpreis für »Rubinowicz«; 1991 – 93 Hausautor am Schauspiel Frankfurt (Main).Mikado oder der Kaiser ist nackt. Selbstverlegte Lit. in der DDR. Darmstadt 1988 (Hrsg. zus. mit U. Kolbe u. B. Wagner); Hermes in der Stadt. Theatertexte. Berlin 1991; Das Klassenfenster. Dramolette, Prosa u. a. Texte. Freising 1991; Die Baugrube. Berlin 1996; Nach dem Besuch eines Toten. Berlin 1997; Les 81 minutes de mademoiselle A. Suivi de Berlin. Paris 1997; Berlin, fin du monde. Paris 1998; Nach der Sintflut. Gesammelte Werke. Berlin 2006. Mierau, F.: Der Dramatiker L. T. In: Spiele u. Spiegelungen. In: Jb. zur Lit. der DDR. Bd 7. Bonn 1990; Schalk A.: L. T. In: Krit. Lexikon zur dt.-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Trötscher, Otto

* 1.9.1918 – ✝ 17.6.2008

Geb. in Reichenberg (Nordböhmen / Liberec, Tschechien); Vater Schriftsetzer; Volks- u. Bürgerschule; Lehre u. Arbeit als Dentist (Zahntechniker); 1924 – 32 Mitgl. der Jungen Pioniere; 1932 – 36 KJV der ČSR; 1936 KPČ; 1939 illeg. Arbeit in Reichenberg; 1939 – 41 Wehrmacht, 29.12.1941 Desertion, übergelaufen zur Roten Armee bei Feodosija (Krim); 1941 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1942 Einsatz in der Roten Armee, 1942/43 Antifa-Schule Lager 74. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED (unter Anrechnung der Mitgliedschaft in der KPČ); 1947/48 Red. beim »Nacht-Express«; 1948/49 Ltr. der Lokalred. des »Neuen Dtl.«; 1949/50 Chef vom Dienst der Ztschr. »Friedenspost«; 1950/ 51 Chefred. der Ztschr. »Blick nach Polen«; 1952/53 Red. u. Ltr. der Abt. Außenpol. der »Berliner Ztg.«; 1953 – 57 stellv. Chefred. bzw. Chefred. der Ztschr. »Der Grenzpolizist«; ab 1957 Mitarb. bzw. später Sektorenltr. der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED u. Chefred. des Mitteilungsblatts der Kampfgr. »Der Kämpfer«; 1953 – 57 Fernstudium an der Fak. für Journalistik; Okt. 1960 Obltn.; 1961 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1968 u. 1978 VVO; 1988 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Tschapek, Gustav

* 7.9.1898 – ✝ 4.4.1968

Geb. in Wiese (Krs. Friedland, Böhmen/Lonka u Litvínova, Tschechien); Vater Arbeiter; Volksschule; 1912 – 14 Landarb.; 1915/16 Arbeiter; 1916 – 18 Soldat in der österr.-ungar. Armee; 1918 – 21 Landarb.; 1919 SPČ; 1921 KPČ; 1921 – 26 Farbkoch; 1926 – 28 Bauarb.; 1928 Sekr., 1930 Geschäftsf. im Roten Textilarbeiterverb.; 1931 vier Wochen Haft; 1938 Militärdienst; 1939 Emigr. in die UdSSR; Arbeit im Traktorenwerk in Stalingrad, ab 1941 Kasachstan; 1943 Pol.-Instrukteur in Kriegsgefangenenlagern. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Einstellung bei der VP, Landesverw. Sachsen, K 5 (Pol. Polizei); 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 MfS), Ltr. der Krs.-Dienststelle Bautzen; 1951 stellv. Ltr. der Abt. VI (Abwehr MdI/DVP), MfS Berlin; 1953 Oberst-Ltn.; 1954 Vors. der SED-KPKK im MfS; 1964 Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Tschuikow, Wassili Iwanowitsch

* 12.2.1900 – ✝ 8.3.1982

Geb. in Serebrjanyje Prudy (b. Moskau); Schlosser; 1917 Matrose; 1919 Mitgl. der KPR(B) bzw. KPdSU; 1919 Regt.-Kdr.; bis 1925 Militärakad. Frunse; 1927 Militärberater in China; danach versch. Kdo.-Stellungen in Infanterie- u. Panzerregt., Oberst; ab 1941 Oberbefehlshaber der 64. bzw. der 62. Armee, führend an der Stalingrad-Schlacht u. nach deren Umbildung zur 4. Gardearmee entscheidend an der Einnahme Berlins beteiligt; 1944 u. 1948 Held der Sowjetunion. 1945/46 Chef der SMA in Thür.; 1946 – 49 stellv. bzw. 1. stellv. Oberbefehlshaber u. März 1949 – 53 Oberbefehlshaber der Gruppe der sowj. Besatzungstruppen in Dtl.; 1949 Oberster Chef der SMAD (Nachf. von  Wassili D. Sokolowski); 1949 – 53 Vors. der SKK; er blieb profillos u. galt als »Fachmilitär«; 1952 – 61 Kand. u. ab 1961 Mitgl. des ZK der KPdSU; 1953 – 60 Chef des Militärbez. Kiew; 1960 – 64 Chef der Infanterietruppen der Sowj. Armee u. stellv. Verteidigungsmin. der UdSSR; 1955 Marschall der Sowjetunion; 1961 – 72 Chef der sowj. Zivilverteidigung; ab 1972 Gen.-Inspekteur des Verteidigungsmin. der UdSSR; Deputierter des Obersten Sowjets der UdSSR; gest. in Moskau.Konez tretego reicha. Moskwa 1973; Sraschenije weka. Moskwa 1975; Gardisten auf dem Weg nach Berlin. Berlin 1976; Od Stalingrada do Berlina. Moskwa 1980; Die Schlacht des Jahrhunderts. Berlin 1980; Missija w Kitaje – sapiski wojennogo sowetnika. Moskwa 1981. Foitzik, J.: Sowj. Militäradministration in Dtl. (SMAD) 1945 – 1949. Berlin 1999.Jan Foitzik

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tünnermann, August

* 18.8.1896 – ✝ 23.12.1982

Geboren am 18. August 1896 in Rolfshagen bei Obernkirchen/Krs. Rintelen, Sohn eines Korbmachers; lernte Schlosser, war anschließend Maschinist und Büromaschinenmechaniker. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, schwer verwundet, er verlor das rechte Bein. Erst 1920 aus dem Lazarett entlassen, dann Arbeiter auf dem Kalibergwerk Friedrichshall in Sehnde in Niedersachsen. 1921 trat er in die KPD ein, leitete die KPD-Ortsgruppe in Sehnde und wurde Mitglied der BL Niedersachsen, zeitweise Leiter der Abteilung Land und ab 1932 Mitglied des Sekretariats. Von 1925 bis 1933 Kreistagsabgeordneter und 1931/32 Abgeordneter des Provinziallandtags von Hannover. Tünnermann wurde im April 1932 in den Preußischen Landtag gewählt. Am 27. April 1933 festgenommen, saß er bis April 1934 in »Schutzhaft«. Danach in der Landwirtschaft tätig, im September 1939 erneut inhaftiert, 1940 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, Arbeiter. Von Mai bis November 1945 Landrat in Burgdorf, anschließend Sekretär der KPD Burgdorf, er gehörte von 1946 bis 1950 dem Sekretariat des KPD Niedersachsen an, bis zum Parteiverbot Mitarbeiter für Org. und Kader. Er war 1946 Abgeordneter und Vizepräsident des ernannten Hannoverschen Landtages, 1968 Mitglied der DKP. August Tünnermann starb am 23. Dezember 1982 in Sehnde.

Wer war wer in DDR

Turra, Mario

* 27.9.1920 – ✝ 16.6.2003

Geb. in Falkenstein (Vogtl.); Vater Deutsch-Italiener; aufgew. in Pulsnitz; Lehre als Dekorateur; danach Schauspielunterricht; 1969 Abschl. als Dipl.-Theaterwiss. an der Theater-HS Leipzig; erste Rollen in Zwickau u. Heidelberg; 1943 zwangsverpflichtet zur Arbeit bei der Reichsbahn. Ab 1945 wieder Schauspieler, 1948 Übersiedl. nach Wien, Rollen am Burgtheater u. an der Scala, polit. Kabarett; KPÖ; 1957 Übersiedl. in die DDR, ab 1960 DDR-Staatsbürgerschaft; SED; Schauspieler in Wittenberg, dann Kabarettist in Meiningen, zus. mit Ehefrau Hannelore Strick beteiligt am Aufbau des Arbeiter- u. Bauern-Theaters Bauerbach; danach Mitarb. im ZV der Gew. Kunst; ab 1964 künstler. Dir. u. stellv. GD des VEB Zentral-Zirkus (ab 1980 Staatszirkus der DDR); wesentl. Einfluß auf die Entw. der artist. Darbietungen des Staatszirkus der DDR; ab 1985 Ruhestand; zahlr. kleinere Rollen bei der DEFA u. im DFF; 1960 NP, 1973 Kunstpreis der DDR; gest. in Berlin.Das Lachen des Clowns. Berlin 1972. Hoffmann, K.: Vom Trentino nach Ost-Berlin. Stationen im Leben des M.T. In: Italiener im Prenzlauer Berg. Berlin 1997.Dietmar Winkler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tygör, Walter

* 11.3.1901 – ✝ 17.10.1981

Geboren am 11. März 1901 in Berlin, Sohn eines Ofensetzers. Schlosser, Fotograf und Chemiegraph. Seit 1919 Mitglied der KPD, gehörte 1926 zu den Mitbegründern des Arbeiter-Fotografen-Bundes, war zeitweise deren technischer Leiter. Ab 1928 arbeitete Tygör unter dem Parteinamen Ludwig Berger hauptamtlich in der von Richard Großkopf geleiteten Paßfälscher-Werkstatt des ZK der KPD. Er emigrierte 1933 ins Saargebiet, später nach Paris und Prag, im Frühjahr 1939 nach Großbritannien. Bis 1947 Maschinenbauer und Werkmeister, er gehörte der KPD-Gruppe an. 1947 Rückkehr nach Deutschland, Instrukteur im ZS der SED, von 1950 bis 1967 zunächst Fotograf in der Geschäftsabteilung, später in der Abteilung Verkehr des ZK der SED. Walter Tygör starb am 17.Oktober 1981 in Ost-Berlin. Seine erste Frau Elfriede Tygör, geborene Pilz (*10. 10. 1903 in Berlin), war Stenotypistin, Mitglied der KPD und arbeitete bis 1935 in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, ab 1935 bei der Preußischen Landespfandbriefanstalt. Sie gehörte der von Robert Uhrig geleiteten Widerstandsgruppe an. Am 4. Februar 1942 festgenommen und vom VGH am 6. Juli 1944 im Prozeß gegen Robert Uhrig u. a. zum Tode verurteilt. Elfriede Tygör wurde am 25.August 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ueberbrück, Klaus (Nikolaus)

* 13.1.1893 – ✝ 24.4.1957

(* 1893 – † 1957) Geboren am 13. Januar 1893 in Harburg, Sohn eines Eisenbahnschlossers. Werftarbeiter, ab 1911 Seemann und Heizer, 1911 Mitglied der SPD. 1914 zur Kriegsmarine, eingesetzt beim Marinekorps in Flandern. Im Juli 1918 Flug-Obermaat und Ausbildung als Jagdflieger in Celle. Hier im November 1918 Mitglied des Soldatenrates. 1919 Mitglied der USPD, 1921 der KPD, Mitarbeiter im AM-Apparat, u. a. AM-Leiter der BL Berlin-Brandenburg. Seit Mai 1923 Bote bei der sowjetischen Botschaft in Berlin, kam im Oktober 1924 in die Sowjetunion, wurde offiziell Arbeiter in einer Moskauer Radiofabrik, nahm aber am zweiten Lehrgang der M-Schule der Komintern teil. Nach Rückkehr Mitarbeiter im zentralen AM-Apparat, wurde am 23. Oktober 1931 in Berlin verhaftet, da er von einem AM-Mitarbeiter aus Breslau Sprengstoff entgegengenommen hatte. Zunächst befürchtete die KPD offenbar einen »zweiten Fall« Felix Neumann, sie nannte Ueberbrück in einem Artikel der »Roten Fahne« einen Provokateur, schickte ihm dann aber einen Anwalt. Nach achtmonatiger U-Haft wurde er vom Reichsgericht in Leipzig im Prozeß »Rabenmüller und Genossen« am 9.Juli 1932 zu acht Jahren Zuchthaus wegen »Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz und Vorbereitung zum Hochverrat« verurteilt. Bis 1938 im Zuchthaus Luckau inhaftiert, ab November 1939 im KZ Sachsenhausen, aus dem er Ende Januar 1940 entlassen wurde, Lagerarbeiter in Berlin. 1945/46 Mitglied der KPD/SED, beschäftigt bei der sowjetischen Zentralkommandantur von Groß-Berlin, später bei der Polizei. Klaus Ueberbrück starb am 24. April 1957 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhlhorn, Oskar

* 11.11.1907 – ✝ 29.1.1976

Geboren am 11. November 1907 in Uelzen; Packer. Mitglied und Funktionär der KPD in Bremen, 1931 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach seiner Rückkehr hauptamtlicher Funktionär der KPD-BL Nordwest. 1932/33 Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft, übernahm Uhlhorn im Februar 1933 die Orgleitung der illegalen BL. Am 30. Juni 1933 festgenommen und am 6. Februar 1934 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Oskar Uhlhorn starb am 29. Januar 1976 in Bremen.

Wer war wer in DDR

Trepte, Stefan

* 20.7.1950

Geb. in Biehla (b. Kamenz); Eltern Lehrer; 1957 – 69 Schule in Dresden, Abitur mit Berufsausb. als Maschinenbaufacharb.; ab 1960 priv. Klavierunterricht, 1965 – 69 klass. Klavierausb. in der Vorstudienklasse der Musik-HS »Carl Maria von Weber« in Dresden, autodidakt. Gitarrenausb., Pianist in versch. Amateurbands, u. a. »STC« u. »Quintanas« (Verbot der Band, Strafarbeit); 1969/70 Grundwehrdienst bei der VP in Dresden, Mitarb. in der Bereitschaftskapelle; 1970/71 Hilfsarb. im VEB Mühlenbau Radebeul, Mitgl. der Band »Crux«; Mai 1972 Einstieg als Sänger bei »Electra« mit dem Erfolgstitel »Tritt ein in den Dom« (1980 auf der LP »electra 3«), Berufsmusiker, Gesangsstudium an der Musik-HS »Carl Maria von Weber«, 1972 Abschluß als Kapellensänger; 1974 Wechsel zur Dresdener Band »Lift«, anfangs Duette mit Christiane Ufholz u. a. in »Komm doch einfach mit« u. »Jeder Tag ist eine lange Reise«, 1975 Berufsausweis als Gesangssolist, Rundfunkaufnahmen der Erfolgstitel »Mein Herz soll ein Wasser sein« (auch Komp.) u. »Soldat vom Don«, Konzerte in Rumänien u. der ČSSR; 1975/76 Tournee mit der  Klaus-Lenz-Band, Teiln. an deren Fusionskonzert mit Modern Soul u. namhaften ostdt. Soulinterpreten, darunter  Uschi Brüning,  Regine Dobberschütz,  Angelika Mann,  Holger Biege, Live-Mitschnitt aus dem Palast der Republik auf CD »Klaus Lenz Modern Soul Big Band«); 1976 – 86 Sänger, Keyboarder u. musikal. Ltr. der Magdeburger Band »Reform«, 1979 LP »Reform«, 1982 LP »Löwenzahn«, Goldmed. beim IV. DDR-Interpretenwettbewerb, 1985 LP »Uhren ohne Zeiger«, erfolgr. Eigenkomp.: »Wenn die Blätter fallen«, »Löwenzahn«, Kunstpreis des Bez. Magdeburg, Konzerte in mehreren osteurop. Ländern; 1986 – 89 Soloprogramme mit dem Projekt »T & W Music«; 1989 Rückkehr zu »Electra«, seitdem wieder Frontmann der Band im Wechsel mit Peter Ludewig. 1990 – 94 in der Kinderrevue »Der dumme August« des Rocktheaters »Die Gaukler«; 1991 – 93 ABM-Stelle im Theater am Park Berlin-Biesdorf (Nachfolgeeinrichtung des Erich-Weinert-Ensembles), Unterhaltungstourneen durch ganz Dtl., u. a. Auftritt beim Frankfurter Opernball; 1993 – 95 Engagement am Staatstheater Dresden, u. a. als »Eddie« in der »Rocky Horror Show«; Rolle der »Audrey II« im Musical »Der kleine Horrorladen« an versch. Theaterhäusern; seit 1998 Auftritte im gemeinsamen »Sachsendreier«-Programm von »Electra«, »Lift« u. »Stern Meißen«; 2004 Jubiläumskonzert 35 Jahre »Electra«; 2005 Solo-CD »Mein Herz soll ein Wasser sein. St. T. – Das andere Porträt«; »Sachsendreier«-Lesungen mit  Reinhard Fißler (Stern) u. Werther Lohse (Lift); lebt in Berlin; Sohn Ludwig T. (Jg. 1988) Schauspieler.Balitzki, J.: Geschichten vom Sachsendreier. Berlin 2001.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Triebel, Oskar

* 13.1.1891 – ✝ 24.5.1968

Geboren am 13. Januar 1891 in Barmen, Sohn eines Webers (Bruder von Gustav Triebel); lernte Schlosser, trat in den DMV und in die Arbeiterjugend ein. Auch er floh bei Kriegsausbruch in die Niederlande, um sich dem Militärdienst zu entziehen. 1918 Mitbegründer des Spartakusbundes in Barmen, war Ende 1918 dessen Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD. Triebel, seit Anfang 1919 Leiter der Ortsgruppe Barmen, unterzeichnete 1920 als Vertreter der aufständischen Ruhrarbeiter nach der Niederschlagung des Kapp-Putsches das Bielefelder Abkommen. Dafür drohte ihm die BL mit Ausschluß. 1923 wurde er von der belgischen Besatzung als Geisel festgenommen. Von 1923 bis 1929 Redakteur und Verlagsleiter der »Niederrheinischen Arbeiterzeitung« in Duisburg, zugleich dort Stadtverordneter und Vorsitzender der KPD-Fraktion, Mitglied des Provinzialrats. Triebel wurde 1929 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, woraufhin die gesamte Stadtratsfraktion (zwölf Personen) das Mandat niederlegte. Er wurde Mitglied der KPO und leitete deren Ortsgruppe Duisburg-Hamborn. Zuletzt städtischer Angestellter, im Juli 1933 wurde er entlassen. Illegal für die KPO tätig, hatte er enge Verbindungen zu Dagobert Lubinski in Düsseldorf sowie zu konspirativ arbeitenden SAP-Gruppen. Im März 1934 in Essen festgenommen, wurde er am 12. Oktober 1934 vom OLG Hamm zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Danach zwar freigelassen, aber 1937 erneut verhaftet, kam ins KZ Oranienburg. Während des Krieges im Bergbau und nach dem 20. Juli 1944 nochmals für kurze Zeit inhaftiert. Mitte Mai 1945 gründete Oskar Triebel den Kampfbund gegen den Faschismus in Duisburg, einen informellen Zusammenschluß von SPD-, SAP-, KPO- und KPD-Mitgliedern. Er trat 1946 in die SPD ein, hielt losen Kontakt mit der Gruppe Arbeiterpolitik. Bis 1954 Leiter des Arbeitsamts in Duisburg, wieder in den Stadtrat gewählt und dort SPD-Fraktionsvorsitzender. Wegen kommunalpolitischer Differenzen im Oktober 1959 zurückgetreten, verließ er die SPD bei Bildung der Großen Koalition 1966. Oskar Triebel starb am 24. Mai 1968 in Duisburg.

Wer war wer in DDR

Troegner, Franziska

* 18.7.1954

Geb. in Berlin; Vater Schauspieler u. Regisseur Werner T., Mutter Sängerin; Abitur; 1969 – 76 im Jugendstudio des Kabaretts »Die Distel« in Berlin; 1973 – 76 Ausbildung bei Doris Thalmer am Berliner Ensemble (BE); 1976 – 93 Engagement am BE unter  Ruth Berghaus, u. a. als Grusche in  Bertolt Brechts »Der kaukasische Kreidekreis« (auch Gastspiele in Athen, Edinburgh, Paris, Mailand, Moskau, Mexico-Stadt), die Polly in »Die Dreigroschenoper« u. die Kattrin in »Mutter Courage«; in Fernsehfilmen: u. a. in »Der zweite Mann« (1977), »Hochzeit in Welzow« (1979), in dem Vierteiler »Das Leben von Johann Sebastian Bach« (1985, an der Seite ihres Ehemannes, des Schauspielers  Ulrich Thein); bei der DEFA u. a. in »Der Baulöwe« (1979), »Die Gänse von Bützow« (1985), »Der Bruch« (1989); seit 1976 auch Arbeit für den Rundfunk in insg. etwa 500 Hörspielen, nebenbei Synchronarbeiten; 1981 Kritikerpreis der »Berliner Ztg.«; 1989 Kunstpreis der DDR. Seit 1993 freiberufl., vor allem im Fernsehen: in Comedy-Shows mit Diether Krebs u. Dieter Hallervorden, in Serien »Der Landarzt« (ZDF), »Mama ist unmöglich« (ARD); seit 1996 auch Soloabende, Lesungen u. Hörbücher; Theatergastrollen: 1993 / 94 am Theater am Kurfürstendamm u. am Friedrichstadtpalast in Berlin, 2000 am Staatstheater Schwerin; im Spielfilm u. a. 2001 in »Heidi M.« u. 2004 in dem Hollywood-Film von Tim Burton »Charlie and the Chocolate Factory«, lebt in Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Trommer, Peter

* 12.6.1939

Geb. in Stollberg (Erzgeb.); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule; 1957 / 58 Praktikant bei der »Volksstimme« in Karl-Marx-Stadt; 1958 – 62 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1959 SED; 1960 / 61 Praktikant bei der »Freiheit« in Halle; 1962 wiss. Ass. am Inst. für Marxismus-Leninismus der KMU Leipzig; 1962 – 64 Lokalred., 1965 – 72 Ltr. der Abt. Kultur, 1972 – 74 stellv. Chefred., 1974 – 87 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Märkische Volksstimme« in Potsdam (Nachf. von  Willi Siebenmorgen); 1969 Prom. zum Dr. rer. pol. an der Sektion Journalistik der KMU Leipzig mit einer Arbeit zum Thema »Anforderungen an die Bezirkspresse der SED aus der Entfaltung des geistigen Lebens bei der Schaffung des entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus in der DDR, dargestellt an Beispielen aus der ?Märkischen Volksstimme?, Potsdam«; 1974 Mitgl. des VDJ-ZV, 1974 – 87 Vors. des VDJ-BV Potsdam; 1974 – 89 Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1979 / 80 Studium an der PHS der SED; 1988 – 15.11.1989 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Potsdam. Nach 1990 wiss. Arbeiten u. verschied. ABM-Projekte; seit 2000 Rentner.Andreas Herbst

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Trottner, Anni

* 12.8.1902 – ✝ 7.7.1968

Geboren am 12. August 1902 in Berlin-Britz, Tochter einer Arbeiterfamilie; Arbeiterin in einer Bäckerei, später Stenotypistin. 1919 Mitglied der KJD, 1923 der KPD. 1924 einige Monate in der Zentrale der KPD beschäftigt, wurde sie im Herbst 1924 nach Moskau an die deutsche Sektion der Komintern delegiert. Dann von 1925 bis 1928 Stenotypistin und Sekretärin bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Sie lebte mit Nathan Landesmann (* 24. 5. 1905 – †?) zusammen, der für den AM-Apparat, für die Komintern und die GRU arbeitete. Beide übersiedelten Ende 1928 in die Sowjetunion, da gegen Landesmann in Deutschland ermittelt wurde. Sie arbeitete am Marx-Engels-Institut, anschließend im Büro der KJI in Moskau, während Landesmann in Moskau Mitarbeiter der OGPU wurde, beide wohnten zeitweise im Hotel »Lux«. 1931 Rückkehr nach Deutschland, Sekretärin im Westeuropäischen Büro der KJI in Berlin. Im April 1933 emigrierte sie in die Sowjetunion, kam unter dem Parteinamen Maria Schwab ins Sekretariat der KJI bzw. als Sekretärin von Arthur Pieck ins Büro des Internationalen Revolutionären Theaterbundes (IRTB) in Moskau. Ende 1935 wegen Kontakten zu Nathan Landesmann, der inzwischen als Verräter verdächtigt wurde, aus der Partei ausgeschlossen. Landesmann soll sich zunächst dem britischen Geheimdienst in Palästina angeboten haben und später in Berlin für die Gestapo als »Auskunftsperson« tätig geworden sein. Anni Trottner, in Moskau in der 2. Staatlichen Uhrenfabrik beschäftigt, wurde Anfang September 1937 vom NKWD festgenommen und im Februar 1938 wegen »konterrevolutionärer Gruppenbildung« vom Obersten Gerichtshof der UdSSR zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach ihrer Freilassung bis 1949 Kolchosarbeiterin in Kasachstan, durfte sie im Juni 1956 in die DDR ausreisen, wurde Sekretärin beim Dietz Verlag. Anni Trottner starb am 7. Juli 1968 in Ost-Berlin.

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Tscheschner, Dorothea

* 27.12.1928

Geb. in Brieg (Schles. / Brzeg, Polen); Vater Architekt; 1935 – 38 Volksschule, 1938 – 44 Oberschule Brieg; 1944 / 45 Panzergräbenbau für die Wehrmacht; 1946 / 47 in poln. u. sowj. Zwangsarbeiterlagern, anschl. bis 1948 im Flüchtlingslager Hoyerswerda u. Chemnitz. 1948 / 49 Ausbildung zur Bau- u. Möbeltischlerin; 1949 – 52 Studium an der Techn. Akad. Chemnitz u. ab 1952 an der FS für Bauwesen Görlitz (erste Frau im Studiengang), Ing. für Architektur; 1952 – 56 Studium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing. für Architektur; 1956 Architektin im Entwurfsbüro für Hochbau der Stadt Gera, Planungen für das zerstörte Zentrum; 1957 – 59 wiss. Mitarb. bei Georg Funk am Lehrstuhl. für Städtebau der TU Dresden; 1958 1. Preis beim Wettbewerb Magdeburg-Nord (im Kollektiv G. Funk); 1959 – 74 Mitarb. im Städtebaukollektiv der Abt. Städtebau u. Architektur des Magistrats von Berlin (bei  Erhardt Gißke); 1961 Goethe-Preis 1. Klasse; 1962 (mit  Peter Schweizer) Wettbewerb Thälmann-Platz Halle (Saale); 1963 Wettbewerb Stadtzentrum Sofia (im Kollektiv P. Schweizer); 1964 1. Preis beim Aufforderungswettbewerb Alexanderplatz; 1967 1. Preis beim Aufforderungswettbewerb Leninplatz, Berlin (Ltg.  Hermann Henselmann); 1966 – 71 Prom. zum Dr.-Ing an der HAB Weimar; 1974 – 90 Mitarb. im Bezirksbauamt Berlin mit Schwerpunkt Entw. Typengebäude für Wohngebiete; 1961 – 90 Korr. Mitgl. der DBA. 1990 – 99 Bauschätzerin für die Feuersozietät Berlin (Gutachten zur Bauschätzung Dom, Brandenburger Tor, Charitékliniken); freischaff. Bauhistorikerin, Publizistin; lebt in Berlin-Mitte.Die Kongreßhalle in Bad Orb / Spessart. In: Dt. Architektur (1956) 8; Der Wiederaufbau des hist. Zentrums in Ost-Berlin. In: Berlinische Galerie. Berlin 1990 (Hrsg.); Der Ideenwettbewerb zur soz. Umgestaltung des Zentrums der DDR. In: Engel, H., Ribbe, W. (Hrsg.): Hauptstadt Berlin: Wohin mit der Mitte? Berlin 1993; Das abgerissene Außenministerium der DDR in Berlin-Mitte. Planungs- u. Baugeschichte. Senatsverwaltung Bauen, Wohnen u. Verkehr. Berlin 1999; Die sechzehn Grundlagen des Städtebaus. In.: Scheerer, T., Kleihues, J. P.: Berlin – Stadt der Archi¬tektur. Berlin 2000; Das Stadthaus – Instandsetzung, Umbauten u. Umnutzung 1945 – 90. In: Schäche, W.: Das Stadthaus. Berlin 2001. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Müller, P.: Symbolsuche – Ostberlin. Berlin 2005; Urban, F.: Berlin / DDR – neohistorisch. Berlin 2007.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Tübke, Werner

* 30.7.1929 – ✝ 27.5.2004

Geb. in Schönebeck (Elbe); in der Schulzeit Zeichenunterricht bei Karl Friedrich in Magdeburg; 1945 – 47 Malerlehre in Schönebeck u. Besuch der Mstr.-Kl. für Handwerk in Magdeburg; 1948 – 50 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig, 1953/54 EMAU Greifswald (Kunsterziehung u. Psychol.); 1953/54 wiss. Mitarb. am Leipziger Zentralhaus für Volkskunst; 1954 freischaff.; 1955 – 57 Assistent an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig; seit 1963 dort Lehrtätigkeit; 1967 Doz.; 1972 Prof.; 1974 – 76 Rektor (Nachf. von  Albert Kapr); 1982 Mitgl. der Königl. Akad. der Schönen Künste Stockholm; 1983 AdK; 1985 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1989 Vizepräs. des VBK; 1974, 1982 u. 1987 NP; Studienreisen in viele Länder; gest. in Leipzig. Werke: Viehzuchtbrigadier Bodlenko (1962), Sieben Fassungen der Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze (1965 – 67), Am Strand (1967), Nat.-Komitee »Freies Dtl.« (1970/71), Wandbild »Arb.-Kl. u. Intelligenz« für die KMU Leipzig (1972/73), Sizilian. Großgrundbesitzer mit Marionetten (1973), Chilen. Requiem (1974), Ende der Narrengerichtsbarkeit (1978), Frühbürgerl. Rev. in Dtl. (1:10-Fassung 1979 – 81, Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen 1981 – 87), Selbstbildnis mit roter Kappe (1988).W. T. Reformation – Rev. Panorama Frankenhausen (einl. Text: K.-M. Kober). Dresden 1988; Meißner, G.: W. T. Leipzig 1989; Kat. W. T. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Lithogr. Nat.-Galerie der Staatl. Museen zu Berlin 1989.Anke Scharnhorst

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Turba, Kurt

* 1.4.1929 – ✝ 3.12.2007

Geb. in Leitmeritz (ČSR / Litoměřice, Tschechien); Vater Buchhalter u. Bankangest., Mutter Verkäuferin; 1935 – 39 Volksschule in Leitmeritz u. Prag; 1939 – 44 OS in Prag; 20.4. 1943 – 45 HJ, Sportwart, Kameradschaftsführer; 1945 HJ-Schanzeinsatz. Juni 1945 – Sept. 1946 Ausbildung zum Landwirt in Břežany (b. Brno, ČSR), ab 1946 in Gaschwitz (b. Gera); 1946 Dolmetscher im Lager für Umsiedler in Rouchnice; 1946 FDJ; 1947/48 OS in Gera, Abitur; 1948 SED; 1948 KPS Luisenthal; 1948 Instrukteur beim Rat des Krs. Gera; 1948/49 Studium der Geschichte, Staats- u. Rechtswiss. an der FSU Jena; 1949/ 50 Instrukteur für Hochschulfragen im FDJ-LV Thür.; Juli 1950 Abt.-Ltr. Hochschulen im ZR der FDJ; Jan. 1952 vom Sekr. des ZK der SED auf Vorschlag des ZR der FDJ als Studentensekr. bestätigt; Dez. 1952/Frühj. 1953 interne Auseinandersetzungen um die Studentenztschr. »Forum«, Parteiverfahren gegen K. T. als pol. Verantw. (Rüge); auf der 6. Tagung des ZR der FDJ am 16.8.1953 von  Erich Honecker als Studentensekr. abgesetzt; 1953 – 63 (bis 1961 ohne Namensnennung im Impressum) Chefred. des »Forums«, das sich unter K. T., vor allem in den 60er Jahren, zu einer vergleichsw. geistig offenen, problemorientierten u. typograph. modern aufgemachten Ztschr. mit starkem Leserzuspruch aus intellektuellen Krs. entwickelte, der auch außerhalb der DDR Aufmerksamkeit geschenkt wurde; K. T. konnte mit dem »Forum« red. Kontakte zur Hamburger »Zeit« aufnehmen (Besuch Marion Gräfin Dönhoffs in der DDR 1964, von Bedeutung im Vorfeld der neuen Ostpol. der SPD); Juli 1963 auf persönl. Initiative  Walter Ulbrichts als Vors. der Jugendkommission beim PB des ZK der SED eingesetzt, federführende Mitarb. am ZK-Beschluß »Der Jugend Verantwortung u. Vertrauen« (»Jugendkommuniqué«) vom 17.9. 1963, das als Zeichen für Wandlungs- u. Modernisierungsbestrebungen in der SED-Jugend-, Kultur- u. Wissenschaftspol. galt (unter Erich Honecker als »falsche Orientierung« u. »Revisionismus« verurteilt); nach Rücknahme der Reformpol. auf dem 11. Plenum des ZK u. im Jan. 1966 als Vors. der Jugendkommission beim PB u. Ltr. der Abt. Jugend des ZK der SED entlassen, 10.2.1990 von der PDS-Schiedskommission rehabilitiert; 1966 – 90 red. Mitarb. in der Nachrichtenagentur ADN; später stellv. Chefred. des Ressort Inland; gest. in Berlin.Die Arbeit der Freien Dt. Jugend an den Univ., Hoch- u. Fachschulen. Berlin 1953. Dönhoff, M., Leonhardt, R. W., Sommer, T.: Reise in ein fernes Land. Berichte über Kultur, Wirtschaft u. Pol. in der DDR. Hamburg 1964; Bresch, U.: FDJ-Studentensekr. (1946 – 1989.) In: Jahresbericht 1992 des Inst. für zeitgeschichtl. Jugendforschung. Berlin 1992; Schuster, U.: Seine Intelligenz führte zu einer für ihn ungesunden Entw. Bemerkungen anhand einer DDR-Biogr. In: Gotschlich, H. (Hrsg.): Links u. Links u. Schritt gehalten ... Die FDJ. Konzepte – Abläufe – Grenzen. Berlin 1994.Ulrike Schuster / Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Turtschin, Walentin

* 1931 – ✝ 2010

Mathematiker, Philosoph und Samisdat-Autor. Menschenrechtsaktivist und Gründer und Leiter der ersten *sowjetischen Sektion von Amnesty International.Walentin Turtschin wurde 1931 in Podolsk im Moskauer Gebiet als Sohn eines Pflanzenphysiologen und -chemikers geboren. 1952 beendete er sein Studium an der Fakultät für Physik der Moskauer Universität. 1953–64 arbeitete er am Institut für Physik und Energie in Obninsk im Gebiet Kaluga, einem der Zentren der sowjetischen Kernforschung. Nebenher schrieb Turtschin satirische Stücke, die von Amateurtheatergruppen aufgeführt wurden, und leitete ein Studentenkabarett. Die von ihm mitherausgegeben Witzesammlungen „Physiker machen Scherze“ (Fiziki šutjat, 1966) und „Physiker machen weiter Scherze“ (Fiziki prodolžajut šutit‘) erfreuten sich großer Beliebtheit. 1964 verteidigte Turtschin seine Doktorarbeit und zog nach Moskau. Er wurde Autor von etwa 60 wissenschaftlichen Arbeiten. Zwischen 1964 und 1974 war er leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für angewandte Mathematik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR und einer der Erfinder der Programmiersprache „Refal“, die er von 1967 bis 1977 und nach 1989 auch unterrichtete. Turtschins Unterstützung der Petitionskampagne für Alexander Ginsburg und Juri Galanskow (siehe *Prozess der Vier) 1967/68 markiert den Beginn seines Engagements in der Menschenrechtsbewegung. Am 28. Juni 1968 schrieb er darüber hinaus einen offenen Brief an den Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Literaturnaja Gazeta“ (Literaturzeitung), um sich für Alexander Solschenizyn einzusetzen. Im Herbst 1968 schloss Turtschin seine philosophisch-publizistische Abhandlung „Trägheit der Angst“ (Inercyja stracha) ab, die im Samisdat weite Verbreitung fand. Darin legte er die These dar, dass es für jeden denkenden Naturwissenschaftler unvermeidlich sei, sich der offiziellen sowjetischen Ideologie zu widersetzen: „Die einzige Alternative zur falschen Staatsideologie ist, diese aus der Position einer kritischen wissenschaftlichen Weltsicht zu analysieren und auf dieser Grundlage neue politische Ideen zu entwickeln.“ Am 19. März 1970 verfasste Turtschin gemeinsam mit Roi Medwedew und Andrei Sacharow einen Brief an die Partei- und Staatsführung, der ein Programm für liberale und demokratische Reformen der Sowjetunion unter Leitung der KPdSU enthielt. Die Verfasser erklärten darin, dass das Streben der Intelligenz nach mehr Freiheit rechtskonform und notwendig sei, während die administrative und gerichtliche Knebelung der Freiheit zur unvermeidlichen Spaltung von Intelligenz und herrschender Elite führen müsse: „Dieser Widerspruch kann nicht anders als selbstmörderisch bezeichnet werden.“ Der Brief wurde sowohl in der UdSSR als auch im Ausland bekannt und war einer der letzten Versuche eines direkten Dialoges der Dissidenten mit dem Staat. Am 1. September 1973 schrieb Turtschin einen offenen Brief zur Unterstützung von Andrei Sacharow, in dem er erklärte, dass die gegen diesen gerichtete Pressekampagne das internationale Ansehen der Sowjetunion beschädigt habe. Am 10. September 1973 wurde Turtschin daraufhin auf einer Mitarbeiterversammlung seines Institutes öffentlich kritisiert. Die Abteilung, die er leitete, wurde aufgelöst und seine bereits im Druck befindlichen Bücher eingestampft. Im Juli 1975 wurde Turtschin ganz entlassen, woraufhin er drei Jahre lang keine Anstellung in seinem Beruf finden konnte. Im Herbst 1973 beteiligte sich Turtschin an der Gründung der *sowjetischen Sektion von Amnesty International, deren Leiter er anschließend wurde. Zwischen 1974 bis 1977 erstellte und unterschrieb Turtschin Dutzende Dokumente zur Verteidigung der Menschenrechte. Er setzte sich für Juri Gastew, Wladimir Ossipow, Sergei Kowaljow, Andrei Twerdochleb, Alexander Ginsburg, Mykola Rudenka, Oleksy Tychy, Juri Orlow, Malwa Landa, Natan Scharansky und andere verfolgte Dissidenten ein. Als Leiter der *sowjetischen Sektion von Amnesty International engagierte er sich auch für politische Gefangene in Polen, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Spanien.Im Herbst 1976 erweiterte Turtschin seine Abhandlung „Die Trägheit der Angst. Sozialismus und Totalitarismus“ (Inercyja stracha. Socializm i totalitarizm) um weitere Passagen, in denen er die Gründe für die passive Haltung der Mehrheit der sowjetischen Intelligenz gegenüber Menschenrechtsfragen analysierte und seinen eigenen geistig-moralischen Standpunkte formulierte: „Es sind Menschen vonnöten, die sich anders als die Mehrheit verhalten und etwas wagen. Ohne sie gäbe es keinen Fortschritt und keine Entwicklung nach vorn. Alles, was neu ist, ist am Anfang in der Minderheit.“ Seine Überzeugungen bezeichnete Turtschin als „demokratischen Sozialismus“. Turtschin wurde die ganze Zeit über systematisch mit Hausdurchsuchungen, Verhören, Festnahmen, Telefonabschaltungen und der Androhung von Haft unter Druck gesetzt. Am 14. Oktober 1977 emigrierte er in die USA. Im selben Jahr erschienen in New York seine Bücher „Trägheit der Angst“ und „Das Phänomen Wissenschaft“ (Fenomen nauki) auf Englisch. 1978/79 arbeitete er am Courant-Institut für Mathematik in New York, ab 1979 war er Professor an der Fakultät für Computermathematik der New York City University und arbeitete an dem Projekt „Principia Cybernetica“, dessen Publikationen er bis 2005 mit herausgab. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt lag auf der Formalisierung der philosophischen Sprache. 1998 war er Mitgründer eines Softwareunternehmens, 1999 wurde er als Professor emeritiert. Nach Russland reiste Turtschin ab 1989 regelmäßig und nahm dort auch am wissenschaftlichen Leben teil. Bis zu seinem Tod 2010 lebte Walentin Turtschin in Oakland bei New York.Dmitri Subarew, Genadi Kusowkin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 03/16

Wer war wer in DDR

Tzschoppe, Herbert

* 2.7.1927

Geb. in Teuplitz (Krs. Sorau, Prov. Brandenb. / Tuplice, Polen); Vater Tafelglasmachermstr., Mutter Arbeiterin; Volksschule in Neupetershain (Krs. Calau, Niederlausitz); 1942 – 44 Lehre als Verwaltungsangest. beim Rat der Gemeinde Neupetershain; 1944 / 45 RAD. 1945 KPD, 1946 SED; April – Juni 1945 Gemeindearb., 1945 – 50 Angest. beim Rat der Gemeinde Neupetershain; 1949 / 50 Landesverwaltungsschule in Königs Wusterhausen; 1950 Org.-Instrukteur im Min. für Gesundheit u. Arbeit der brandenburg. Landesreg. in Potsdam; 1950 – 52 Referent der Abt. Staatl. Organe der SED-LL Brandenb.; 1953 1. Sekr. der SED-KL Königs Wusterhausen; 1953 – 63 Vors. des Rats des Krs. Potsdam-Land; 1956 – 62 Fernstud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1963 – 71 stellv. Ltr. des Büros für Landwirtschaft u. Ltr. der Abt. Landwirtschaft der SED-BL Potsdam; 1963 bis Mai 1990 Abg. des Bezirkstags Potsdam; 1964 – 89 Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1966 / 67 Fernstud. an der FS für Landwirtschaft, staatl. geprüfter Landwirt; 1967 – 69 Fernstud. an der Agraringenieurschule Oranienburg, Agraring.; 1971 – 77 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Potsdam, 1977 – Mai 1990 Vors. des Rats des Bez. Potsdam (Nachf. von  Werner Eidner); 1980 / 81 Stud. an der AfG des ZK der KPdSU in Moskau; 1983 Prom. an der PH Potsdam zum Dr. phil. mit einer Arbeit zum Thema »Die Aufgaben des Rates des Bezirkes Potsdam bei der Durchführung der Beschlüsse des X. Parteitages der SED, nachgewiesen insbesondere an der wirtschaftlich-organisatorischen Funktion des sozialistischen Staates«; 1985 – 90 Mitgl. des Wiss. Rats der ASR Potsdam-Babelsberg; ab Juli 1990 Vorruhestand, seit 1990 parteilos; seit 1992 Rentner. AnH U

Wer war wer in DDR

Ufholz, Christiane

* 1.9.1947

Geb. in Leipzig; Mutter Sekretärin des Leipziger OB, Vater Musiker; 1954 – 64 OS, daneben im Rundfunkkinderchor Leipzig; 1964 – 66 Berufsausb., danach Arbeit als Friseuse, 1970 Meisterabschluß; ab den frühen 1960er Jahren Sängerin in versch. Leipziger Amateurbands, zunächst vorwiegend Interpretationen internat. Beat- u. Soulgrößen; im März 1965 von  Klaus Renft entdeckt u. engagiert für »The Butlers« (verboten im Okt. 1965), 1969 – 71 bei »Studio-Team Leipzig« um Gerd Kolbe; 1972 Einstieg bei der Dresdner Gruppe »Lift«, Zulassung als Berufssängerin, 1973 – 75 Gesangsausb. an der Musikschule Berlin-Friedrichshain, Rundfunkaufnahmen u. 1973 erste Amiga-Singles mit Lift, u. a. »Wenn«, »Regentag« u. »Skandal«, 1974 auch Duette mit  Stefan Trepte, u. a. »Komm doch einfach mit« u. »Jeder Tag ist eine lange Reise«; Gastsängerin bei der  Theo-Schumann-Formation, Single »Nachtballade u. »Es ist vorbei«; 1974 Wechsel zum  Klaus-Lenz-Sextett, 1975 Live-LP »Klaus Lenz Big Band«, z. T. im Duett mit Klaus Nowodworski; danach beim  Günther-Fischer-Quintett, Auftritte u. Aufnahmen u. a. mit  Manfred Krug, 1975 auf der LP »Du bist heute wie neu – Krug 4«; Dez. 1976 Übersiedl. nach West-Berlin. 1979 dort Gründung der Gruppe »Windministers« mit Klaus Renft, Thomas »Monster« Schoppe u. anderen ehem. DDR-Musikern, spielte hier auch Schlagzeug, Jan. 1980 Debüt im Quartier Latin, bald darauf Auflösung des Projekts; danach neben der Arbeit als Friseuse bis Mitte der 1980er Jahre Gesang in versch. Gruppen, u. a. in einer Kreuzberger Punkband; ab 2000 im Friseurberuf selbständig, 2004 aus gesundheitl. Gründen berentet; seit 2002 wieder des öfteren auf der Bühne, insb. mit der »Jonathan Blues Band« von  Peter Pabst; lebt in Berlin. U. gehörte zu den ersten überregional bekannten Sängerinnen der DDR-Beatszene u. war eine der führenden Rock- u. Soulinterpretinnen der frühen 1970er Jahre.Hürtgen, A.: »nicht auf show«. In: Neues Leben (1975) 9.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Uhlich, Erich

* 13.12.1915 – ✝ 13.3.2007

Geb. in Rabenstein (Krs. Chemnitz); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Buchdrucker, 1930 SAJ; Wehrmacht. 1945 Buchdrucker in Chemnitz; 1945 SPD, 1946 SED; 1945 – 47 Angest. der Gemeinde Rabenstein; 1948 – 51 1. Sekr. der SED-KL Chemnitz, 1948 – 52 Mitgl. der SED-LL Sachsen; 1950 Stadtverordn. in Chemnitz; 1951 – 59 OB von Leipzig (Nachf. von  Max Opitz); Stud. an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1952 – 60 Mitgl. der SED-BL Leipzig, ab 1954 auch zeitw. Mitgl. des Büros der SED-BL Leipzig; später Dir. des Inst. für Kommunalwirtschaft in Dresden; 1952 – 54 Abg. des Bezirkstags Leipzig, 1954 – 68 Abg. der Volkskammer; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Treuber, Julius

* 13.6.1880 – ✝ 24.7.1955

Geboren am 13. Juni 1880 in Reutlingen, Sohn eines Mechanikers; lernte Buchhändler und arbeitete als Verlagsangestellter. 1905 Mitglied der SPD, 1908 Geschäftsführer der Buchhandlung Freie Presse in Elberfeld. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, er trat 1917 zur USPD über, gehörte im November 1918 dem Soldatenrat in Kiel bzw. dem Arbeiter- und Soldatenrat in Elberfeld an. Seit 1919 Mitglied der KPD, leitete Treuber seit Februar 1919 die KPD-Buchhandlung Volksfreund in Braunschweig, 1920 berief ihn die Zentrale zum Geschäftsführer des Verlages Carl Hoym Nachf. in Hamburg, von 1921 bis 1925 Leiter der Lessing-Buchhandlung in Berlin-Charlottenburg, einem illegalen Unternehmen der Komintern. Anschließend beim Verlag für Literatur und Politik beschäftigt, war er ab 1926 Einkäufer für wissenschaftliche und technische Literatur im Bist-Verlag, eine staatliche sowjetische Einkaufsstelle. 1927/28 Leiter des Element-Verlages und des Verlages Der Pfaffenspiegel. Seit 1929 Kassierer und Buchhändler des Proletarischen Freidenkerverbandes, 1932 wurde Treuber Geschäftsführer des Internationalen Arbeiter-Verlags in Berlin. Nach 1933 lange Jahre erwerbslos, ab 1938 Versicherungsangestellter. 1945 wieder Mitglied der KPD, im September 1945 Bibliotheksleiter im ZK der KPD bzw. ab April 1946 des SED-PV. Dann 1949 Referent in der Verschlußsachenabteilung in der Kanzlei beim Präsidenten der DDR. Julius Treuber starb am 24. Juli 1955 in Ost-Berlin. Treubers Tochter Charlotte (*24.1. 1907 – † 21. 10. 1999) war zeitweise Lebensgefährtin von Herbert Wehner und später Ehefrau von Erich Wendt.

Wer war wer in DDR

Trilling, Wolfgang

* 16.4.1925 – ✝ 1.8.1993

Geb. in Chemnitz; zwei Jahre Soldat im 2. Weltkrieg; Studium der Theol. u. Philos. in Paderborn u. München; 1949 Eintritt ins Oratorium des Hl. Philipp Neri in Leipzig; 1952 Priesterweihe in Leipzig; 1952 – 56 Vikar in Leipzig-Lindenau; 1957 Assistent am Regional-Priesterseminar / Studium Erfurt; 1958 stellv. Studentenpfarrer in Leipzig; zw. 1959 u. 1966 Studentenpfarrer sowie bis 1969 Akademikerseelsorger in Leipzig; 1959 Dr. theol. in München; Verw. des Lehrstuhls für Exegese des Alten Testaments sowie alttestamentl. Einleitungs- u. Hilfswiss. am Regional-Priesterseminar / Studium Erfurt; 1961 Beurlaubung sowie Entbindung von den Verpflichtungen des Lehrstuhls aus Krankheitsgründen; 1962 u. 1963 jeweils zweisemestrige Lehraufträge für Exegese des Neuen Testaments u. für Neutestamentl. Zeitgeschichte am Regional-Priesterseminar / Studium Erfurt; 1965 zweisemestriger Lehrauftrag für Bibelwiss. sowie Vertreter des Lehrstuhls für Exegese des Alten Testaments; 1966 kath. Vertreter im Auftrag der Bischöfe bei der Gründung des »Ökumen.-Theolog. Arbeitskrs. in der DDR«, dort langj. Mitarb.; 1968 Verwalter des Zweiten Lehrstuhls für Neutestamentl. Exegese am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; 1966 – 71 entscheidende Mitarb. bei der Vorber. u. Durchführung der Synode des Bistums Meißen; 1971 Ökumen. Gastdozentur am ev. Theol. Seminar in Leipzig; Dr. h. c.; gest. in Leipzig. Autor einer Vielzahl exeget. u. bibeltheolog. Beiträge u. Monogr., die oft mehrere Aufl. erlangten u. in versch. Sprachen übersetzt wurden.Christusgeheimnis – Glaubensgeheimnis. Mainz 1957; Das Evangelium nach Matthäus. Düsseldorf 1962 – 65; Im Anfang schuf Gott. Leipzig 1963; Fragen zur Geschichtlichkeit Jesu. Leipzig 1966; Schöpfung u. Fall. Nach Gen. 1 – 3. Leipzig 1973; Der 2. Brief an die Thessalonicher. Zürich, Neukirchen 1980; Mit Paulus im Gespräch. Graz 1983; Studien zur Jesusüberlieferung. Stuttgart 1988.Clemens Brodkorb

Wer war wer in DDR

Tröger, Hilmar

* 19.12.1929

Geb. in Hundshübel (Krs. Aue); Vater Maurer; Grund- u. FS; 1946 – 49 Grubenarbeiter, 1949 Bergvorschüler im »Karl-Liebknecht-Schacht«, 1949/50 Grubenarbeiter bzw. Grubensteiger im Bergwerk »Dtl.«; 1950 – 53 Studium an der FS für Bergbau Zwickau; 1953 – 55 Prod.-Ing. im VVB Steinkohle bzw. Ltr. der Abt. Prod. im Min. für Schwerindustrie; 1954 Mitgl. SED, Mitarb. in der SED-BL Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt; 1955 – 58 Ltr. der Hauptverw. Steinkohle im Min. für Kohle u. Energie; ab 1958 Bereichsltr., Sektorenltr. Kohle bzw. ab 1961 1. Stellv. des Ltr. der Abt. Kohle der SPK; stellv. Abt.-Ltr. bzw. 1965 – 69 Abt.-Ltr. Grundstoffindustrie im ZK der SED (Nachf. von  Karl-Heinz Schäfer); 1969 – 90 Ltr. der Obersten Bergbehörde der DDR (Nachf. von Heinz Dörfler); 1979 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Trommsdorff, Siegfried

* 3.6.1902 – ✝ 8.12.1975

Geb. in Erfurt; Vater Apotheker; Schulbesuch in Erfurt u. im Internat in Gumperda (Krs. Jena); Gärtnerlehre; danach jeweils mehrj. berufl. Aufenthalte in Ungarn, der Schweiz u. Schweden; 1933 Rückkehr nach Dtl.; ab 1936 Gartenbau- u. Samenzuchtunternehmer in Erfurt. Aug. 1945 CDU; 1945 – 52 Stadtverordn. in Erfurt; 1947 – 49 Ltg. u. Aufbau der dortigen CDU; ab April 1947 stellv., ab Okt. 1947 Vors. der CDU in Thür., loyale Haltung gegenüber der SMAD; ab Sept. 1948 Mitgl. im CDU-Hauptvorst.; 1949 – 52 Mitgl. der Volkskammer; Juni 1950 wegen Kritik am prokommunist. Kurs der CDU Abwahl als Landesvors.; 1952 in Reaktion auf nach den Volkskammerwahlen von 1950 zunehmende Repressionen gegen »bürgerl.« Politiker u. angesichts drohender Verhaftung wegen Westkontakten u. »Spionage« gem. mit sechs weiteren CDU-Volkskammerabg. Flucht in die Bundesrep. Dtl.; dort nicht mehr pol. aktiv; gest. in Heidelberg.Richter, M.: Die Ost-CDU 1948 – 1952. Zw. Widerstand u. Gleichschaltung. Düsseldorf 1991.Manfred Agethen

Wer war wer in DDR

Trumpold, Harry

* 23.7.1928 – ✝ 18.11.2012

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; OS in Dresden, Abitur; 1948 LDPD; 1948 – 52 Studium an der TH Dresden (Feinmeßtechnik), Dipl.-Ing.; 1952 – 57 wiss. Assistent bzw. Oberassistent am Inst. für Meßtechnik der TH Dresden; 1957 Prom. zum Dr.-Ing.; seit 1957 Lehrtätigkeit an der HS für Maschinenbau bzw. der TH Karl-Marx-Stadt; seit 1957 Mitgl. der KdT; 1964 Habil.; seit 1964 ord. Prof. mit Lehrstuhl für Meßtechnik u. Austauschbau; Ltr. des Wissenschaftsber. Fertigungsmeßtechnik an der TH Karl-Marx-Stadt; seit 1963 Abg. der Volkskammer; 1967 – 71 Mitgl. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; ab 1969 Vors. des Bez.-Aussch. Karl-Marx-Stadt der NF. Nach 1990 Mitgl. des Freundeskrs. Fertigungstechnik u. Qualitätssicherung der TU Chemnitz; Mitbegr. der Meß- u. Kommunikationstechnik GmbH in Chemnitz; 1998 Koordinator des EU-Projekts »Neue Kalibriernormale für Rauheitsmeßsysteme bis zum Nanometerbereich« an der TU Chemnitz.Einführung in die Längenmeßtechnik. Leipzig 1969; Längenprüftechnik. Leipzig 1980; Manufacturing Message Specification (MMS) in der Meßtechnik. Wiesbaden 1992 (mit B. Wenzel).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Tschesno-Hell, Michael

* 17.02.1902 – ✝ 24.02.1980

Geb. in Wilna (Rußland / Vilnius, Litauen) in einer jüd.-lit. Fam.; Vater Kfm.; 1914 Evakuierung der Fam. nach Nischni Nowgorod, 1921 Rückkehr nach Wilna; 1922 Trennung von der Fam., Übersiedl. nach Leipzig; 1922 KPD; 1923 – 25 Studium der Rechtswiss. u. Politökon. in Jena (ohne Abschluß), Mitarb. der Kostufra; 1925 – 29 in Leipzig, dort Markthelfer u. Werkstudent; verf. Diss. »Über das Erbbaurecht in der Sowjetunion«; Mitarb. in der kommunist. Presse; ferner tätig als Übersetzer (1929 – 33 unter dem Ps. Michail Swjetly vor allem für den Malik-Verl. u. den Agis-Verl.), Journalist, Landarb., Dreher, Lektor; 1929 Übersiedl. nach Berlin, dort Mitarb. der »Welt am Abend«, nach Differenzen mit Willi Münzenberg ausgeschieden; dann Pressechef in der Filmabt. der russ. Handelsvertretung in Berlin; 1932 – Jan. 1933 Ltr. des Korrespondenzbüros »Feuilletonbüro« in Berlin; Mitgl. im BPRS; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit in Berlin (»Paul Misch«), Aug. 1933 auf Parteibeschluß Emigr. nach Paris, dort u. a. Ltr. der KPD-Org. der emigr. dt. Schriftsteller; Dez. 1935 im Auftrag der RHD Org. der Rettungskampagne für 600 inhaftierte Wuppertaler Gewerkschafter in den Niederl. (»Paul«, »Piet«); ab 1936 wieder in Paris, hier weiter RHD-Arbeit, u. a. Ltr. der Kampagne zur Befreiung von Etkar André; seit Anfang der 1930er Jahre Arbeit für den sowj. Militär-Nachrichtendienst GRU (»Mischa«, »Swetly«); publiziert u. a. in der »Basler Rundschau«, »Pariser Tageszeitung« u. »Die Weltbühne«; 1936 Untersuchung der Moskauer KI-Zentrale wg. angebl. Unklarheiten in seiner Parteivergangenheit; Umschulung zum Metallarbeiter; Sept. 1939 interniert, kurzztg. entlassen (wg. französ. Staatsangehörigkeit der Tochter); Mai 1940 erneut interniert, Einsatz in versch. Arbeitskompanien, im Sept. 1942 mit der Fam. in die Schweiz geflüchtet (illegale Einreise); dort Mitarb. der KPD-Ltg. Süd; BFD; in versch. Lagern interniert; ab Nov. 1944 Chefred. bzw. Hrsg. (mit Hans Mayer u. Stephan Hermlin) der Emigr.-Ztschr. u. Schriftenreihe »Über die Grenzen«; Mai-Sept. 1945 BFD-Beauftr. für dt. Militärinternierte u. Flüchtlinge in der Schweiz (Nachf. von Walter Fisch), Mitgl. des BFD-Landesaussch. Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; anschl. bis 1947 Vizepräs. der ZV für Umsiedler; im GRU-Auftrag Aufbau eines Nachrichtennetzes unter den Umsiedlern; 1946 SED; Febr. 1947 Mitbegr. des Verlags Volk u. Welt in Berlin (zus. mit Wilhelm Beier), bis Febr. 1950 dessen Ltr.; Chefred. der Ztschr. »Die Neue Heimat«; 1948 dt. Staatsbürgerschaft; 1949 – 51 Mitgl. des Vorst. der DSF; 1950 Vors. des kulturellen Beirats bzw. Ltr. der HA Kultur im Min. für Volksbildung; ab Ende 1950 freiberufl. Schriftst.; Autor bzw. Mitautor der ersten Spielfilme über Ernst Thälmann (»Ernst Thälmann – Sohn seiner Kl.«, 1954; »Ernst Thälmann – Führer seiner Kl.«, 1955) u. Karl Liebknecht (»Solange Leben in mir ist«, 1966; »Trotz alledem!«, 1972); 1953 – 62 Kontakt- bzw. Auskunftsperson des MfS; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1958 – 69 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1962 VdN-Rentner, Banner der Arbeit; 1964 offizielle Namensänderung in Tschesno-Hell; 1967 – 72 Vizepräs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden u. des Vorst. des DSV; 1969 Mitgl. der DAK; 1954, 1957 u. 1966 NP; 1969 VVO; 1977 KMO; gest. in Berlin.Rußland antwortet (1949); Der Hauptmann von Köln (1956); Die Mutter u. das Schweigen (1965); Der Maler mit dem Stern (1969). Tschesno-Hell, U.: Übersicht über das literar. Werk MTH’s, Reden, Interviews. Berlin 1984; Schwartz, M.: Vertriebene u. »Umsiedlerpolitik«. München 2004; Barck, S., Lokatis, S. (Hrsg.): Fenster zur Welt. Berlin 2005.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tugend, Otto

* 7.4.1882

Geboren am 7. April 1882 in Berlin-Reinickendorf, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Filmvorführer. Er trat 1901 der SPD bei und war in Berlin Funktionär. Im Weltkrieg für die Spartakusgruppe aktiv, seit 1920 in der KPD. Ab 1925 war Tugend hauptamtlich im RFB tätig, sowohl in der Berliner BL aktiv als auch Mitglied der Reichsführung. Nach dem Verbot des RFB 1929 führend im Kampfbund gegen den Faschismus. Mit Frau und Tochter emigrierte er im September 1933 in die UdSSR. Dort wurde die ganze Familie im September 1937 vom NKWD verhaftet, das weitere Schicksal ist unbekannt.

Wer war wer in DDR

Turek, Ludwig (Andreas)

* 28.8.1898 – ✝ 9.11.1975

Geb. in Stendal (Altmark); Vater Schlosser; Volksschule; Arbeit als Kleinknecht; Schriftsetzerlehre; dann Arbeit als Buchdrucker, Konditor, Landarb., Zigarrenhändler, Bergmann, Seemann; SAJ; 1916 Soldat im 1. Weltkrieg, Desertion u. anschl. bis Nov. 1918 Festungshaft in Spandau; USPD; 1918 KPD; 1920 Freiw. in der Roten Ruhr-Armee, Beteiligung an der Niederschlagung des Kapp-Putsches; Gewerkschaftsfunktionär u. a. im Bergbau; 1928 BPRS; 1930 – 32 Aufenthalt in der Sowjetunion auf Einladung des sowj. Schriftst.-Verb.; Arbeit als Setzer u. Werftarb.; 1933 – 39 Exil in Frankreich; bei Kriegsausbruch Internierung; 1940 illeg. Rückkehr über Straßburg nach Dtl.; Kriegsdienstverpflichtung als Werkzeugfräser in einem Metallbetrieb; hier Organisierung einer Widerstandsgr. Ab 1945 freier Schriftst. in Berlin, auch Rundfunk- u. Fernsehtätigkeit; 1946 SED; KB; Mitgl. des SV seit dessen Gründung; 1958 u. 1973 VVO. Namhafter Vertreter der proletar.-rev. Lit., dessen Stärke im autobiogr. Erzählen lag; »Ein Prolet erzählt« (1929) gilt als ein zentr. Werk der Autobiographik in der Weimarer Rep.; bes. wichtig sind des weiteren die humorist. Exilerinnerungen »Klar zur Wende« (1949); gest. in Berlin.Leben und Tod meines Bruders Rudolf. Moskau 1932; Die Freunde. Berlin 1947; Unser täglich Brot (Film), 1947; Familie Siebenbrodt (Hörspielfolge). 1954; Die Flucht der Grüngesichtigen. Berlin 1959; Ich war kein Duckmäuser. Berlin 1961; Mein Freund Bruno. Berlin 1975. L. T. Bibl. In: Veröff. dt. soz. Schriftst. in der rev. u. demokrat. Presse 1918 – 45. Berlin, Weimar 1969; Morgner, I.: Bootskauf. In: Neue Dt. Lit. (1972) 2; Hammer, F.: L. T. In: Der Bibliothekar. Berlin (1973) 8.Maren Horn

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tuttas, Karl

* 24.10.1903 – ✝ 18.10.1978

Geboren am 24. Oktober 1903 in Horst-Emscher, Sohn einer Arbeiterfamilie. Landarbeiter, von Anfang 1920 bis April 1931 Bergmann auf verschiedenen Zechen in Deutschland. Seit 1921 in der KJD, seit 1928 Mitglied der KPD. 1931 Stadtteilleiter in Gelsenkirchen, hielt als Angehöriger des AM-Apparates auch Verbindung zu dem von Hans Ebeling (* 2. 9. 1897 – † 17. 5. 1968) geleiteten »Jungnationalen Bund«. 1933/34 Kursant an der M-Schule der Komintern, Schuldeckname Alber. Im August 1934 Rückkehr nach Deutschland, illegale Arbeit unter Heinrich Wiatrek als Leiter des Abwehrapparates (Deckname Ludwig) im Bezirk Niederrhein. Am 27. Mai 1935 in Düsseldorf festgenommen, unternahm Tuttas nach schweren Mißhandlungen im Polizeigefängnis einen Selbstmordversuch, er stürzte sich über das Treppengeländer hinab, erlitt schwere Kopfverletzungen und einen Unterschenkelbeinbruch. Am 7.September 1936 wurde er vom VGH im Verfahren mit Hans Israel u. a. zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in Lüttringhausen, Wolfenbüttel, Celle und Hameln. Im Juni 1945 Rückkehr nach Gelsenkirchen, später wohnte er in Herne, Mitglied und Funktionär der KPD, ab 1969 der DKP. Karl Tuttas starb am 18. Oktober 1978 in Fulda. 1980 veröffentlichte der Mitteldeutsche Verlag seine Lebenserinnerungen: »Einer von jenen. Erinnerungen.« Autobiographische Aufzeichnungen eines Ruhr-Kumpels an die NS-Zeit.

Wer war wer in DDR

Ubl, Günter

* 17.11.1936

Geb. in Bad Brambach (Vogtl.); Vater Lagerist, Mutter Hausfrau; Volks- u. OS; 1954 – 59 Studium an der Univ. Rostock, Dipl.-Ing. für Schiffbautechnik; 1958 SED; 1960 Investtechnologe auf der VEB Peenewerft Wolgast; 1960 – 63 Sektorenltr. im Inst. für Hochseefischerei Rostock; 1963 – 69 Fernstudium, Dipl.-Ing.-Ökonom; 1964 – 71 polit. Mitarb. der SED-BL Rostock, 1971 – 78 Sekr. der SED-GO im VEB Fischkombinat Rostock; 1975 / 76 Studium an der PHS; 1978 – 82 Sekr. für Wirtschaftspolitik der SED-KL Seeverkehr u. Hafenwirtschaft; 1978 Banner der Arbeit; 1983 –90 GD des VEB Fischkombinats Rostock (Nachf. von Alfred Hütte); Mitte 1990 bis Ende 1991 versch. Tätigkeiten bei der Entflechtung u. Privatisierung des Fischkombinats. 1993 Geschäftsf. der eigenen Fa. BALTIA Feinkost GmbH; nach Verkauf des Betriebs 1998 – 2000 stellv. GD des UAB (UZDAROJI AKCINE BENDROVE.) Ostseefisch Kretinga (Litauen); ab 2000 Rentner, lebt in Rostock.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Uhl, Petr

* 1941

Politiker, Journalist und Publizist. Mitbegründer des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten, der Bürgerrechtsbewegung *Charta 77 und der *Osteuropäischen Informationsagentur.Petr Uhl wurde 1941 in Prag geboren, wo seine Eltern als Handelsvertreter arbeiteten. 1958 schloss er die Schule mit der mittleren Reife ab und studierte bis 1963 Maschinenbau an einer Technischen Hochschule. Anschließend arbeitete er von 1965 bis 1969 als Konstrukteur und Patent-Sachbearbeiter und unterrichtete berufsbezogene Fächer an einer technischen Oberschule für Elektrotechnik. In den 60er Jahren knüpfte er Kontakte zu linken Intellektuellen aus Westeuropa, vor allem aus Frankreich und der Bundesrepublik und unterstützte 1967–69 die Studentenbewegung. Uhl gründete die illegale Bewegung der Revolutionären Jugend (Hnutí revoluční mládeže), die linksdemokratische Ziele verfolgte und einige Dutzend Mitglied besaß, vor allem Prager Studenten. Diese Gruppe richtete sich gegen die sogenannte *„Normalisierung“, jedoch ohne Gewalt anzuwenden. Petr Uhl wurde daraufhin Ende 1969 zusammen mit einem Dutzend anderer Mitglieder seiner Gruppe verhaftet und nach zwei Jahren in Untersuchungshaft wegen des angeblichen „Versuchs, die Republik zu stürzen“ zu weiteren vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die anderen Mitangeklagten, unter ihnen Petruška Šustrová, Jaroslav Baška und Ivan Dejmal, erhielten mildere Strafen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis engagierte er sich in der Opposition: Er knüpfte Kontakte ins Ausland, publizierte in westeuropäischen, linken Zeitschriften, insbesondere bei solchen mit einer trotzkistischen Ausrichtung. Beruflich war er 1974–77 als Projektant in Rohrleitungsfirmen beschäftigt. Im Dezember 1976 gehörte er zu den Gründern der bekanntesten Bürgerrechtsbewegung der Tschechoslowakei, der *Charta 77, und war einer der ersten Unterzeichner ihrer Petition. In den ersten Monaten nach ihrer Gründung sorgte er mit dafür, dass die *Charta 77 den Charakter einer unabhängigen Bürgerbewegung erhielt, die in Übereinstimmung mit geltendem Recht handelte. Von der Polizei wurde er fortan Tag und Nacht überwacht. Im September 1977 wurde er ihn von seiner Arbeit entlassen, weil er die Petition der Charta 77 unterschrieben hatte. Da er den Gerichtsprozess über seine Wiedereinstellung verlor, arbeitete er bis zu seiner nächsten Verhaftung im Mai 1979 als Mechaniker. Anfang 1978 gründete Petr Uhl die *„Informationen über die Charta 77“ (Informace o Chartě 77; INFOCH). Das Herausgeben dieses Informationsblattes half dabei, die Bürgerrechtsbewegung zu stärken, als sich ihr aktivster Kreis zahlreichen staatlichen Repressionen ausgesetzt sah. Die *„Informationen über die Charta 77“ erschienen bis Ende 1989 und wurden während Uhls Haft von seiner Ehefrau Anna Šabatová herausgegeben. Im Frühjahr 1978 gründete Petr Uhl gemeinsam mit anderen das *Komitee zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných; VONS) und war einer seiner aktivsten Mitglieder. Im Mai 1979 wurde er zusammen mit einem Dutzend anderer Mitglieder des Ausschusses, unter ihnen Václav Havel, Václav Benda, Dana Němcova, Otka Bednářová und Jiří Dienstbier, verhaftet. Für den angeblichen erneuten „Versuch, die Republik zu stürzen“ wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Den anderen erging es ähnlich. Seine Haftstrafe saß er in der Strafanstalt Mirov ab, die für ihre besonders harten Haftbedingungen bekannt war. Nach seiner Entlassung im Mai 1984 setzte er seine Herausgebertätigkeit sowie seine Arbeit in den oppositionellen Organisationen fort. Bis 1989 war er als Heizer im U-Bahn-Bauunternehmen Metrostav angestellt. Ab 1986 organisierte Uhl Treffen zwischen den polnischen und tschechischen Dissidenten sowie den Informationsaustausch mit der polnischen und ungarischen Opposition. Er unterstützte auch den Aufbau von Kontakten zwischen den tschechischen und slowakischen Dissidenten. 1987 war er Mitgründer der *Tschechoslowakisch-polnischen Solidarität (Československo-polská solidarita) und 1988 des *Tschechoslowakischen Helsinki-Komitees (Československý helsinský výbor). Ab Frühling 1988 gründete und leitete er gemeinsam mit Petr Pospíchal, Anna Šabatová und Jan Urban die *Osteuropäische Informationsagentur: Mehrmals in der Woche gaben sie Pressemeldungen heraus, um Oppositionsgruppen und westliche Medien mit Nachrichten aus der Sowjetunion, Polen, Ungarn, Jugoslawien und der Tschechoslowakei zu versorgen, so beispielsweise auch während der *Samtenen Revolution 1989. Uhl wurde vom 20. bis 26. November 1989 das letzte Mal inhaftiert. Er war angeklagt, „alarmistische Nachrichten zu verbreiten und den staatlichen Interessen im Ausland zu schaden“. Es ging um die Verbreitung von Informationen zum angeblichen Tod Martin Šmíds während der *Studentendemonstration am 17. November 1989. Von Dezember 1989 bis Februar 1990 war er Mitglied im Koordinationszentrum des *Bürgerforums (Občanské fórum; OF). Nach dem Sieg der *Samtenen Revolution war Petr Uhl 1990–92 Parlamentsabgeordneter und arbeitete in den Folgejahren journalistisch, unter anderem in der Leitung der Tschechoslowakischen Nachrichtenagentur ČTK. Im September 1998 wurde er zum Menschenrechtsbeauftragten der tschechischen Regierung ernannt und gehörte 1999–2001 einer Arbeitsgruppe des Menschenrechtsausschusses bei den Vereinten Nationen an. Uhl engagierte sich beruflich immer wieder für Menschenrechts- und Minderheitenfragen, so auch für die Rechte der Roma in Tschechien. Weiter war er lange Jahre für die Grüne Partei Tschechiens aktiv.Petr Pospíchal Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 05/15

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Uhlitzsch, Joachim

* 3.4.1919 – ✝ 11.2.1989

Geb. in Hoyerswerda; 1938 Abitur in Cottbus; 1938 – 41 Kaufmannslehre; ein Semester Philos. u. Kunstgesch. an der Univ. Würzburg; 1941 – 43 Kriegsdienst, Sommer 1943 Studienurlaub; 1945 Mitgl. der KPÖ. Nov. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Agitprop-Sekr. der KPD-KL Hoyerswerda; Stadtverordn.; Delegierter zum Vereinigungsparteitag von KPD u. SPD; 1946 / 47 Lehrer an einer OS in Hoyerswerda; 1948 in der SED-LL Sachsen, Referent für Kunst-, Intellektuellen- u. Kirchenfragen; 1949 Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung der SED-LL Sachsen; 1950 – 52 Ltr. des Sächs. Landesamts für Denkmalpflege; 1952 – 61 Doz. an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1960 Sekr. für ideolog.-wiss. Arbeit, Publikation u. Schulung im ZV des VBK, verantw. für »Das Blatt« (Mitgliederztg.), Mitgl. des Präsidiums; 1963 – 84 Dir. der Galerie Neue Meister der Staatl. Kunstsammlungen Dresden; gest. in Dresden.Wilhelm Lachnit. Leipzig 1968; Wilhelm Rudolph. Leipzig 1968; Kunst im Aufbruch. Dresden 1918 – 1933. Dresden 1980; Oskar Zwintscher. Leipzig 1984; Der Soldat in der bildenden Kunst des 15. – 20. Jh. Berlin 1987. Feist, G. u. a. (Hrsg.): Kunstdokumentation SBZ / DDR 1945 – 1990, Köln 1996.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

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Triebel, Hans

* 7.2.1936

Geb. in Dessau; nach dem Abitur 1954 – 59 Studium der Mathematik an der Univ. Jena, Dipl.-Mathematiker; 1959/60 Industrietätigkeit im VEB Carl Zeiss Jena; 1961 Assistent; 1962 Prom. mit der Arbeit »Über die Laméschen Differentialgleichungen« an der Univ. Jena; 1966 dort Habil. mit einer Arbeit über Untersuchungen von nichtlinearen Differentialoperatoren in Funktionenräumen; 1969 Doz. u. seit 1970 ord. Prof. für Analysis an der Univ. Jena; 1978 Korr. Mitgl., 1987 – 92 Ord. Mitgl. der AdW; 1983 NP; 1990 Dr. h. c. Univ. of Sussex Brighton (GB); 1993 Gründungsmitgl. der Berlin-Brandenburgischen Akad. der Wiss. Arbeitsgebiete: Analysis, mathemat. Physik, Funktionalanalysis.Fourieranalysis and function spaces. Leipzig 1977; Spaces of Besov-Hardy-Sobolev type. Leipzig 1978; Höhere Analysis. 2. verb. Aufl., Frankfurt (Main) 1980; Analysis u. mathemat. Physik. Leipzig 1981 (engl.: Leipzig 1986, 3. bearb. Aufl. Basel 1989); Theory of function spaces. Leipzig 1983; Theory of function spaces. Basel 1992.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Trillitzsch, Otto

* 16.10.1898 – ✝ 15.4.1974

Geb. in Gera; Vater Weber; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1916 SPD; 1917 – 19 Soldat; 1919 USPD, 1920 KPD; 1924 – 30 Red. der »Neuen Zeitung« bzw. der »Ostthüringischen Arbeiterzeitung« in Gera; 1929 / 30 KPD-Parteischule in Berlin-Fichtenau; 1930 – 33 Red. beim »Thüringer Volksblatt« in Erfurt (ehem. »Gothaer Tageblatt«); ab Jan. 1933 illeg. Arbeit im Auftrag der KPD-LL in Thüringen, ab 1934 in Oberschles. u. im Rheinland (Westfalen); Febr. 1935 Verhaftung, Aug. 1935 Verurteilung wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zehn Jahren Zuchthaus, bis 1945 Häftling in den Zuchthäusern Brandenburg, Sonnenburg u. KZ Börgermoor u. Buchenwald. 1945 / 46 Mitgl. des Sekr. der KPD-LL Thüringen, zunächst Abt.-Ltr. (Agit. u. Prop.) der KPD-BL Thüringen; Juli 1945 – 50 Chefred. der »Thüringer Volkszeitung« bzw. »Thüringer Volk«; 1946 SED; Sept. 1950 – 53 Chefred. der »Sächsischen Zeitung« Dresden (Nachf. von  Heinz Friedrich); Mitgl. der SED-LL Sachsen; zeitw. Vors. des Presseverb. Sachsen; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1953 – 55 Korresp. des SED-Zentralorgans »Neues Deutschland« in Moskau; 1955 / 56 Kaderltr. im »Berliner Verlag«; 1956 – 66 stellv. Chefred. der »Sächsischen Zeitung« in Dresden; 1973 KMO.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Trölitzsch, Gerhard

* 2.3.1926

Geb. in Limbach-Oberfrohna (Krs. Chemnitz); Vater Zimmermann, Mutter Näherin; 1932 – 40 Volksschule in Oberfrohna; 1936 – 40 Dt. Jugend; 1940 – 43 Ausbildung zum Maurer in Limbach (Sachsen); 1940 – 43 HJ; 1943 RAD, Arbeitsmann; 1943 – 3.3.1945 Wehrmacht, Gefr.; März 1945 – Jan. 1946 amerik. Kriegsgefangenschaft in Frankreich. 1946 SED; 1946 Maurer in Oberfrohna; 1946/ 47 ABF Chemnitz; 1947 – 53 Studium der Architektur an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1953 – 55 wiss. Mitarb. u. persönl. Ref. beim Präs. der DBA,  Kurt Liebknecht; Aug./Sept. 1953 während eines FDJ-Einsatzes in der Bundesrep. Dtl. kurzzeitig verhaftet; 1955 – 58 PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 Baultr. in der Aufbaultg. Kraftwerk Lübbenau; 1959 Mitarb., 1960 – 89 Ltr. der Abt. Bauwesen des ZK der SED (Nachf. von  Alfred Schwanz); 1959 – 64 Mitgl. des ZV der IG Bau/Holz; ab 1962 Mitgl. des Red.-Koll. »Neuer Weg«; 1974 VVO; ab 1976 Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED; 1976 Kand., 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1986 KMO; Dez. 1989 – Jan. 1990 Mitarb. bei der org. Auflösung des Apparats des ZK der SED.Über die Erfahrungen in der Parteiarbeit auf den Großbaustellen. Berlin 1963.Helmut Müller-Enbergs

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Trostorff, Klaus

* 12.11.1920 – ✝ 7.8.2015

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Zimmermann (später Opernsänger u. Gesangslehrer); Volks- u. Mittelschule; ab 1937 Ausbildung zum Kaufm.; anschl. im Beruf tätig, später Bauarbeiter bei der Reichsbahn, Orthopädiemechaniker; aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime; 28.10.1943 wegen »staatsfdl. u. sowjetfreundl. Einstellung« sowie »Verbreitung von Feindnachrichten« inhaftiert; Okt. 1943 – April 1944 Haft im Polizeigefängnis Breslau, 1944/45 KZ Buchenwald. Juni 1945 in Breslau, Aug. 1945 nach Erfurt; 1945/46 KPD/SED; Mitbegr. der FDJ Erfurt; Neulehrerkurs, 1947 Lehrerprüfung; 1948 – 50 Studium der Rechts- u. Gesellschaftswiss. an der FSU Jena, 1959 Dipl.-Jur.; 1950 – 56 Instrukteur bzw. polit. Mitarb. der SED-Landesltg. Thür. bzw. ab 1952 der SED-BL Erfurt; 1956 – 61 pers. Referent des OB von Erfurt; 1961 1. Stellv. des Bürgermeisters von Erfurt-Mitte, 1964 – 69 Bürgermeister; 1969 – 89 Dir. der Mahn- u. Gedenkstätte Buchenwald (Nachf. von Edwin Bergner); Mitgl. der Zentralen Ltg. des Komitees der Antifaschist. Widerstandskämpfer; 1979 u. 1985 VVO; Ruhestand; Juli 2006 Rede zur Einweihung der Gedenkstätte KZ-Außenlager »Schacht Burggraf« in Billroda; gest. in Erfurt.Menge, M.: Der Buchenwald-Direktor – K. T. In: Sommer, T. (Hrsg.): Reise ins andere Dtl. Reinbek 1989.Helmut Müller-Enbergs

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Tschalidse, Waleri

* 1938

Physiker, Menschenrechtler und Gründungsmitglied des „Komitees für Menschenrechte in der UdSSR“. Historiker, Rechtstheoretiker und Verleger.Waleri Tschalidse wurde 1938 in Moskau geboren. Sein Vater war Ingenieur, seine Mutter Architektin. Er ging zum Studium ins georgische Tiflis (Tbilissi), wo er 1965 seinen Universitätsabschluss in Physik machte. Nach der Rückkehr nach Moskau wurde er Mitarbeiter des Wissenschaftlichen Forschungsinstitutes für Plastische Chemie und veröffentlichte einige wissenschaftliche Artikel. Zusammen mit Alexander Jessenin-Wolpin und Boris Zukerman war er ein Pionier der juristischen Bildung unter der unabhängig denkenden Intelligenz. Tschalidse propagierte eine legalistische Herangehensweise an die Verteidigung der bürgerlichen Freiheitsrechte. Er forderte, das bestehende Recht solle trotz seiner ganzen Unvollkommenheit sowohl von den Bürgern als auch von der Regierung strikt eingehalten werden. Die Machthaber würden, so Alexander Jessenin-Wolpin, jedoch ständig gegen das Recht verstoßen, wobei sie ihre Maßnahmen mit außerrechtlichen Argumenten begründeten. Sie beriefen sich zum Beispiel auf „politische Gründe“ bzw. darauf, dass das Offenlegen von Menschenrechtsverstößen in der UdSSR von ausländischen Geheimdiensten zu feindlichen Zwecken missbraucht werden könne. Tschalidse argumentierte, dass es nicht rechtwidrig sei, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die freie Wahl des Wohnortes und andere Menschenrechte durch Aktionen zu verteidigen, solange man sich an die Buchstaben des Gesetzes halte. Diese Menschenrechte seien von der sowjetischen Verfassung und zahlreichen internationalen Abkommen garantiert. Vielmehr sei es der Staat, der rechtswidrig vorgehe, wenn er Menschen aufgrund ihrer Überzeugungen verfolge. Gegen Ende der 60er Jahre kursierten einige von Tschalidses Texten im Samisdat, darunter der Essay „Über die bürgerlichen Menschenrechte“ (O graždanskich pravach čeloveka) sowie seine „Gedanken über den Fortschritt, die friedliche Koexistenz und die intellektuelle Freiheit“ (Razmyšlenija o progresse, mirnom sosuščustvovanii i intellektualnoj svobode) als Antwort auf Andrei Sacharows Aufsatz mit dem gleichen Titel. Ab August 1969 gab Tschalidse die unabhängige Zeitschrift „Obššestvennyje problemy“ (Gesellschaftliche Probleme) heraus, von der bis Februar 1972 insgesamt 15 Ausgaben erschienen. Darin veröffentlichten Grigori Pomeranz, Roi Medwedew, Alexander Jessenin-Wolpin, Sofiya Kalistratowa in anonymer Form, Tschalidse selbst und andere Autoren; auch wurden Übersetzungen von Dokumenten internationaler Organisationen wie der UNO, UNESCO und IAO veröffentlicht. Im Herbst 1970 ergriff Tschalidse die Initiative und gründete das *Komitee für Menschenrechte in der UdSSR, dessen Satzung er ebenfalls schrieb. Gründungsmitglieder waren außerdem Alexander Jessenin-Wolpin und Boris Zukerman. Das Komitee war als Forschungsorganisation gedacht, jedoch meldeten sich viele Sowjetbürger, um Rechtsbeistand zu suchen. Tschalidse, der das sowjetische Straf-, Prozess- und Zivilrecht, aber auch die internationalen Menschenrechtsabkommen im Selbststudium durchgearbeitet hatte, trat nicht selten als Privatperson in der Rolle eines Bevollmächtigten für Bürgeranliegen wie Ausreisegenehmigung zum Verlassen der UdSSR, Revisionen ungerechtfertigter Gerichtsurteile und Registrierung religiöser Gemeinschaften auf. Tschalidses gesellschaftliches Engagement reizte die Behörden, obwohl er peinlichst genau darauf achtete, alle Rechtsvorschriften einzuhalten. So wurde beispielsweise der Versuch unternommen, seine Korrespondenz und Telefongespräche mit dem Ausland zu unterbinden. Nachdem ein Aktivist des Flämischen Menschenrechtskomitees ihn in seiner Wohnung besucht hatte, wurde die Wohnung einer Hausdurchsuchung unterzogen, bei der der KGB das Archiv des *Komitees für Menschenrechte in der UdSSR konfiszierte. Die Hausdurchsuchung und seinen Kampf um die Rückgabe der konfiszierten Materialien beschrieb Tschalidse in der im Mai 1971 im Samisdat herausgegebenen Broschüre „Ko mnie prišël inostranec“ (Ein Ausländer kam zu mir). Im Juli 1972 erhielt er von der Staatssicherheit eine Warnung wegen des angeblichen antisowjetischen Charakters der Arbeit des *Komitees für Menschenrechte in der UdSSR. Ab dem 4. September 1972 verzichtete Tschalidse auf die Mitgliedschaft im *Komitee für Menschenrechte in der UdSSR, blieb aber dessen Berater. Im November 1972 erhielt Tschalidse die Genehmigung für eine Reise in die USA, wo er Vorträge zur Verteidigung der Menschenrechte halten wollte. Dies war einer der ersten Fälle, bei denen eine Person, die für ihr unabhängiges zivilgesellschaftliches Engagement bekannt war, die Genehmigung für einen befristeten Auslandsaufenthalt erhielt. Die Quasi-Freiwilligkeit, in die – in diesem Fall westliche – Verbannung zu gehen, war damals vollkommen neu und rief kontroverse Reaktionen hervor: Einige Dissidenten bewerteten die Reise als Ausdruck von Tschalidses Bereitschaft, sich „fremden Spielregeln“ zu unterwerfen. Tatsächlich wurde ihm während seines Aufenthaltes in den USA die sowjetische Staatsbürgerschaft aufgrund von „für einen Sowjetbürger unwürdigen Verhaltens“ am 13. Dezember 1972 entzogen. Tschalidse war somit ausgebürgert. Die Mehrheit der Moskauer Menschenrechtsaktivisten teilte jedoch nicht die Ansicht, Tschalidse habe „dem Druck nachgegeben“. In dem im Januar 1973 verbreiteten offenen Brief Moskauer Dissidenten „Ob obščestvennoj dejatel‘nosti V. Čalidze“ (Über das gesellschaftliche Engagement W. Tschalidses) wurden seine publizistischen und verlegerischen Tätigkeiten, aber auch die Ausreise ins Ausland als „mutige Experimente im rechtlichen Bereich“ beurteilt, „die den Machthabern bewusst gemacht haben, dass sie rechtswidrig handeln“. Tschalidse ließ sich in New York nieder, wo er seine Forschungsarbeiten und Verlagstätigkeiten fortsetzte. Er veröffentlichte das Buch „Prava čeloveka i Sovetskij Sojuz“ (Menschenrechte und Sowjetunion) sowie mehrere Monographien zu Recht, Geschichte und Soziologie. Unter seiner Redaktion erschien der Sammelband „Otvetstvennost‘ pokolenija“ (Die Verantwortung einer Generation) mit Interviews sowjetischer Exil-Dissidenten. Als Tschalidse hörte, dass in Moskau die *„Chronik der laufenden Ereignisse“ eingestellt wurde, gab er 1973 in New York in russischer und englischer Sprache ein analoges Informationsbulletin unter dem Titel „Chronik der Verteidigung des Rechts in der UdSSR“ (Chronika zaščity prav v SSSR) heraus, das bis 1981 mit ihm als Chefredakteur erschien. Zusammen mit Peter Reddaway, der zur sowjetischen Menschenrechtsbewegung forschte, und Edward Klein, einem Verleger russischer Literatur, gründete Tschalidse den 1973–83 existierenden Verlag „Chronika“ Außer der „Chronik“ veröffentlichte der Verlag auch Materialien aus dem sowjetischen Samisdat auf Russisch. Als 1974 die *„Chronik der laufenden Ereignisse“ wieder erschien, wandte sich die Moskauer Redaktion mit dem Vorschlag an Tschalidse, ihre Interessen im Ausland zu vertreten. Fortan erschienen Reprints der *„Chronik der laufenden Ereignisse“ in Tschalidses New Yorker Verlag. Als die *„Chronik der laufenden Ereignisse“ Ende 1982 in der Sowjetunion eingestellt wurde, beendete auch Tschalidses Verlag seine Tätigkeit. Tschalidse gründete mit „Chalidze Publications“ ein neues Verlagshaus. 1981–89 war Tschalidse Chefredakteur des analytischen Periodikums „SSSR. Vnutrennije protivorečija” (UdSSR. Innere Widersprüche), in dem neben Emigranten auch Andrei Sacharow, Roi Medwedew, Michail Gefter und Gleb Jakunin veröffentlichten. Heute lebt Waleri Tschalidse als Pensionär im US-Bundesstaat Vermont.Dmitrij Zubariew, Giennadij Kuzkowkin Aus dem Russischen von Markus Pieper und Sonja Stankowski Letzte Aktualisierung: 03/16

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Tschiche, Hans-Jochen

* 10.11.1929 – ✝ 25.6.2015

Geb. in Kossa (Krs. Bitterfeld); Vater Bäckermstr.; 1946 – 48 FDJ; 1948 Abitur in Wittenberg; 1948/49 Studium der Theol. in Berlin (West); ab 1949 Neulehrerkurs, 1950 Ausschl. nach Weigerung, einer pol. Org. beizutreten; 1950 – 55 Forts. des Theol.-Studiums in Berlin (West u. Ost); 1956 – 58 Vikar in Hilmsen; 1958 Ordination; 1958 – 60 Hilfsprediger; 1958 – 75 Pfarrer in Meßdorf (Altmark, Kirchenkrs. Osterburg); 1968 öffentl. Stellungnahme gegen die Intervention der Warschauer-Vertrags-Staaten in der ČSSR; ab 1975 Studienltr. u. seit 1978 Ltr. der Ev. Akad. Magdeburg; März 1990 Versetzung in den Wartestand; seit 1980 Engagement in der kirchl. u. autonomen Friedensbew.; 1982 am »Berliner Appell 82« mitgewirkt; maßgebl. beteiligt an der Herausbildung überregionaler Netzwerke opp. Gruppen; 1986 – 88 Mitgl. des Fortsetzungsaussch. des Netzwerks »Frieden konkret«; Sept. 1989 Mitbegr. des Neuen Forums (NF), Dez. 1989 – März 1990 NF-Vertreter am Runden Tisch des Bez. Magdeburg; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Fraktion Bündnis 90 / Grüne; Mitgl. im Aussch. für Finanzen; Okt. – Dez. 1990 MdB. 1990 – 98 MdL Sachsen-Anh.; bis 1994 Vors. der Fraktion Grüne Liste / NF; 1992 Mitgl. des Bundes- u. des Landessprecherrats der Partei Bündnis 90; Mitgl. der Verhandlungsgr. des Bündnis 90 zum Abschl. des Assoziationsvertrags mit den Grünen; 1994 – 98 Vors. der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Landtag Sachsen-Anh., Vors. des Petitionsaussch., Mitgl. des Finanzaussch. u. des Ältestenrats; gilt als maßgebl. Promotor des »Magdeburger Modells«; 2004 Mitorg. der »Montagsdemonstr. gegen Hartz IV«; Ehrenvors. von Bündnis 90/ Die Grünen Sachsen-Anh.; lebte in Satuelle; gest. in Magdeburg.»Nun machen Sie man, Pastorche!« Halle 1999; Rotgrüne Reden. Göttingen 1998; Boykottnest. Die Ev. Akad. Sachsen-Anhalt im Visier der DDR-Staatsmacht. Halle 2008.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Tunkel, Rudolf

* 18.4.1898

Geboren am 18. April 1898 in Zülz/Oberschlesien; Landarbeiter, später Bergmann. 1922 Mitglied der KPD, für die er verschiedene Funktionen ausübte. 1927 Sekretär des »Bundes schaffender Landwirte« in Schlesien. 1929 in der zentralen Leitung dieses kommunistischen Bauernbundes in Berlin. Im Mai 1928 wurde Tunkel als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt. Er wurde Anfang 1932 aus der KPD ausgeschlossen, war deshalb seit dem 16. März 1932 im Preußischen Landtag fraktionslos und im April 1932 nicht wieder gewählt. Weitere Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

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Türkowsky, Frank

* 14.4.1959

Geb. in Görlitz; Vater Musiker; POS, EOS, 1977 Abitur; 1973 FDJ; 1977 – 80 NVA; 1978 SED; 1980/81 Instrukteur der FDJ-KL Görlitz; 1981/82 Lehrgang an der SED-BPS Dresden; 1982 – 85 1. Sekr. der FDJ-KL Görlitz; 1985 – 88 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1988 2. Sekr., Aug. – Nov. 1989 1. Sekr. der FDJ-BL Dresden (Nachf. von Christine Feiks); Nov. 1989/90 1. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Eberhard Aurich). Lebt in Görlitz u. arbeitet dort in der Versicherungs- u. Finanzbranche.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Tutzke, Dietrich

* 11.5.1920 – ✝ 26.12.1999

Geb. in Altdöbern (Niederlausitz); Vater Lehrer; Gymnasium; 1940 – 47 Studium der Medizin in Leipzig, Halle, Greifswald u. Berlin, unterbrochen von Kriegsdienst u. Einsatz als Unterarzt der Wehrmacht. 1947 – 52 Assistenzarzt am Patholog. Inst. des Stadtkrankenhauses Dresden-Friedrichstadt, Referent für Seuchenbekämpfung im Hauptgesundheitsamt Dresden, Abt.-Ltr. Hygiene u. Seuchenbekämpfung im Sächs. Min. für Gesundheitswesen; 1951 Diss. zur Seuchenbekämpfung in Sachsen; 1953 – 65 am Inst. für Sozialhygiene der Univ. Leipzig, zunächst Assistent bei Karl Gelbke; 1960 Habil. mit einer Arbeit über Alfred Grotjahn u. die Sozialhygiene; 1960 Prof. mit Lehrauftrag, 1963 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Sozialhygiene, 1965 – 85 ord. Prof. für Allg. Medizingeschichte an der HU Berlin; 1965 – 70 u. 1977 – 85 Dir. des Inst. für Geschichte der Medizin an der Charité; 1969 Mitbegr., 1969 – 71 u. 1975 – 82 Vors. der Ges. für Geschichte der Medizin in der DDR; 1981 – 90 Mithrsg. der Zeitschrift »NTM«.Der Dresdner Stadtphysikus Friedrich August Röber (1765 – 1827). Leipzig 1966 (mit -> R. Zaunick); Alfred Grotjahn. Leipzig 1979; Für das Wohl des Menschen. 30 Jahre Gesundheitswesen der DDR. Bd. 1 u. 2. Berlin 1979 (mit E. Fischer u. L. Rohland); Geschichte der Medizin. Berlin 1980 (mit Georg Harig); Zur gesellschaftl. Bedingtheit der Medizin in der Geschichte. Jena 1981; Charité 1710 – 1985. Berlin 1985.Hubert Laitko

dissidenten.eu

Udam, Erik

* 1938 – ✝ 1990

Mitglied der Untergrund-Jugendorganisation *Adler, Funktionär des *Estnischen Bundes der Nationalisten; Autor und Verbreiter des Samisdat, politischer Häftling und Mitgründer der „Estnischen Nationalen Partei der Unabhängigkeit“.Erik Udam wurde 1938 in Tallinn (Reval) geboren und besuchte dort die Höhere Schule. Als Schüler schloss er sich der von Taivo Uibo gegründeten konspirativen Jugendorganisation *Adler an. Am 18. Oktober 1955 wurde er wegen Verbreitung antisowjetischer Flugblätter in der Schule festgenommen und am 26. Dezember 1955 vom Obersten Gericht der Estnischen SSR nach *Artikel 58, Paragraf 10 Strafgesetzbuch der RSFSR zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Am 23. April 1956 wurde er jedoch auf Beschluss des Präsidiums des Obersten Sowjets der Sowjetunion begnadigt und wieder freigelassen. 1956–61 studierte er an der Technischen Hochschule in Tallinn und war danach als Elektroingenieur in einer Niederlassung der „Volta“-Betriebe in Türi tätig. Anschließend bemühte er sich vergeblich um Aufnahme an der Philosophischen Fakultät der Universität in Moskau. Am 14. Juli 1962 wurde Erik Udam wegen seiner Zugehörigkeit zum illegalen *Estnischen Bund der Nationalisten (Eesti Rahvuslaste Liit) zusammen mit weiteren Mitgliedern (Enn Tarto, Taivo Uibo, Jarmo Kiik, Priit Silla und Valdo Reinart) verhaftet und am 1. Dezember 1962 vom Obersten Gericht der Estnischen SSR nach Artikel 68, Paragraf 2 Strafgesetzbuch der ESSR (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) und nach Artikel 70 Strafgesetzbuch der ESSR („illegaler Waffenbesitz“) zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt, die er in den *mordwinischen Lagern verbüßen musste. Die Mitangeklagten erhielten drei bis sechs Jahre Freiheitsentzug. Auf Beschluss des Präsidiums des Obersten Gerichts der Sowjetunion wurde Udam am 14. November 1966 vorzeitig entlassen. Fortan lebte er wieder in Tallinn und war als Elektroingenieur im Institut „EKE Projekt“, aber zudem auch in der Denkmalpflege beschäftigt. Später wurde er Dozent am Technikum für Landwirtschaft in Jäneda. Gleichzeitig betätigte er sich weiter oppositionell. In den Jahren 1977 bis 1984 unterschrieb er zahlreiche von ihm mitverfasste Appelle: den *Baltischen Appell im August 1979, die *Petition gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan vom 17. Januar 1980, den *Appell an das Internationale Olympische Komitee vom 28. Januar 1980 und den Protest gegen die Verbannung von Andrei Sacharow vom 3. Februar 1980. Er setzte seine Unterschrift unter das Glückwunschtelegramm vom 11. November 1980 an Lech Wałęsa, den Anführer der *Solidarność, unter den *Appell an die Regierungschefs der UdSSR und der nordischen Ländern vom 10. Oktober 1981, unter den *Offenen Brief an die Bürger Finnlands vom 1. Oktober 1982 und unter den *Appell an den UNO-Generalsekretär und an die Regierungen der Atomwaffenstaaten vom 24. Dezember 1984. Er setzte sich aktiv für Viktoras Petkus (14. November 1977), Romualdas Ragaisis (Anfang 1979), Tatjana Wielikanowa, Gleb Jakunin, Antanas Terleckas (November 1979) und Mart-Olav Niklus (27. Juni 1980) ein. Nicht zuletzt stand er in Kontakt mit in Moskau akkreditierten westlichen Journalisten und versorgte diese mit Informationen über die Lage in Estland. Deswegen stand er unter permanentem Druck des KGB: Seine Wohnung wurde regelmäßig durchsucht und mit Abhörwanzen überwacht. Ständig wurde er zu Vernehmungen geladen. Am 16. Dezember 1983 erhielt er eine offizielle „Verwarnung“ wegen sogenannter „antisowjetischer Betätigung“. Im Juli 1987 gehörte er zu den Organisatoren der Gruppe zur Bekanntmachung des *Hitler-Stalin-Pakts in der Öffentlichkeit. Er nahm an der *Kundgebung im Hirve-Park am 23. August 1987 teil. Im Januar 1988 war er Mitgründer der „Estnischen Nationalen Partei der Unabhängigkeit“, in deren Parteivorstand er im August 1988 gewählt wurde. 1989 wurde er ihr stellvertretender Vorsitzender. Erik Udam starb im Februar 1990 in Tallinn.Viktor Niitsoo Aus dem Polnischen von Beata Kosmala Letzte Aktualisierung: 07/15

Wer war wer in DDR

Uhlendahl, Heinrich

* 4.3.1886 – ✝ 28.12.1954

Geb. in Essen-Borbeck; Vater Eisenbahnbeamter; 1905 – 12 Studium der Germanistik, Gesch. u. Philos. an den Univ. Berlin u. Münster, 1912 Prom. zum Dr. phil.; 1914 – 18 Sold. im Ersten Weltkrieg; 1919 Bibliotheksass., 1921 Bibliothekar, 1923 in der Generalverw. der Preuß. Staatsbibliothek in Berlin; 1924 Berufung zum Dir., 1938 GD der Dt. Bücherei in Leipzig; setzte sich vor allem für internat. Beziehungen zwischen den Bibliotheken, die Erwerbung auch von Exilliteratur u. den Ausbau als zentrale wiss. Bibliothek ein; außerdem 1924 – 28 stellv. Vors. des Vereins Dt. Bibliothekare, 1927 Mitbegr. des Internat. Verb. der Bibliothekarvereine; 1933 kurz inhaftiert, aber wg. seines internat. Ansehens entlassen u. in der Funktion des Bibliotheksdir. belassen. 1945 Vors. des Prüfungsaussch. für Bibliothekare in Sachsen, Sachsen-Anh. u. Thüringen; Nov. 1945 als GD der Dt. Bücherei von der SMA bestätigt; gest. in Leipzig.Rötzsch, H., Pleßke, H.-M.: Die Dt. Bücherei in Leipzig. Leipzig 1987; Dt. Bibliograph. Enzyklopädie. Bd. 10, München 1999.Ingrid Kirschey-Feix

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Uhlmann, Armin

* 19.2.1930

Geb. in Chemnitz; Vater Angestellter; 1936 / 45 Volksschule in Neukirchen / Erzgeb., ab 1945 OS Chemnitz, dort 1948 Abitur; 1948 SED; 1948 / 49 Instrukteur der FDJ-KL Chemnitz; 1949 – 54 Studium der Math. u. Physik an der Univ. Leipzig, Dipl.-Mathematiker; anschl. Aspirantur, 1957 Prom. (Normierte Divisorfunktionen) bei Erich Kähler; 1958 – 60 Ass. am Theoret.-Physikal. Inst. der FSU Jena; 1960 Habil. »Über den Begriff der Energie bei gekrümmter Raum-Zeit-Mannigfaltigkeit« an der KMU Leipzig, dort 1960 Doz., 1962 ord. Prof. für Theoret. Physik; 1965 – 67 u. 1973 – 75 Forschungsaufenthalt am Vereinigten Inst. für Kernforschung in Dubna; 1967 – 69 Dir. des Theoret.-Physikal. Inst., 1970 – 73 u. 1982 – 85 Dir. der Sektion Physik, 1976 – 85 Ltr. des naturwiss.-theoret. Zentrums der KMU; 1963 – 81 Nachfolgekand. für die Volkskammer (KB); ab 1967 Mitgl. des Präsidialrats des KB; ab 1971 Mitgl. der SED-KL an der KMU; 1970 Korr. Mitgl., 1972 Ord. Mitgl. der AdW; 1981 Mitgl. der Sächs. AdW; 1973 NP; 1979 Gustav-Hertz-Preis der KMU. 1995 Ruhestand; lebt in Leipzig. U. zählt zu den führenden theoret. Physikern der DDR, wirkte in Leipzig schulbildend. Seine Forschungen betreffen die Quantenelektrodynamik u. Elementarteilchenphysik sowie die Grundlagen der statist. Physik (Quantenstatistik, Ordnungsrelationen).Dissipative Motion in State Spaces. Leipzig 1981 (mit P. M. Alberti); Stochasticity and Partial Order. Berlin 1981 (mit P. M. Alberti); Mitarbeit am Lehrbuch der math. Physik (Hrsg. W. Thirring), Heidelberg, New York 1993.Dieter Hoffmann