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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wagner, Josef

* 13.4.1896 – ✝ 6.12.1946

Geboren am 13. April 1896 in Mallersdorf/ Niederbayern, Sohn einer kinderreichen Arbeiterfamilie; Maschinenarbeiter in Augsburg. Soldat im Weltkrieg, 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Im Januar 1924 wegen seiner Aktivitäten im »deutschen Oktober« 1923 verhaftet, anschließend Anklage und Verurteilung vor dem Reichsgericht. 1925 Freilassung durch die »Hindenburg-Amnestie«. Später war er wieder Maschinenarbeiter in Augsburg und Betriebsrat. Im April 1932 wurde Wagner in den Bayerischen Landtag gewählt. Ab Februar 1933 illegal tätig, am 20. April 1933 festgenommen und am 24. Juli 1933 vom OLG München zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt, danach verhängte die Gestapo »Schutzhaft«. Zunächst Häftling im KZ Dachau, ab Ende September 1939 im KZ Flossenbürg, von dort wieder zurück nach Dachau. Im November 1944 »entlassen«, mußte zur SS-Sondereinheit Dirlewanger, Fronteinsätze in Polen und Rumänien. Wagner desertierte am 15. Dezember 1944 zur Roten Armee, wurde Propagandist und Leiter des antifaschistischen Klubs in einem Kriegsgefangenenlager in den östlichen Karpaten. Hier erkrankte er an einer schweren Tbc, trotz einer Operation im Hospital starb Josef Wagner am 6.Dezember 1946 in Focsani.

Wer war wer in DDR

Wagner, Emil

* 6.12.1921

Geb. in Troppau (ČSR/Opava, Tschechien); Vater Bäcker, Mutter Holzarb.; Mittelschule; 1935 – 39 Lehre u. Arbeit als Schlosser; 1939 Wehrmacht; 1943/44 Gefangenschaft, Antifa-Schüler; 1944/45 Einsatz in der Partisanengr. Kaiser. 1945/46 KPD/SED; geheimdienstl. Einsatz in Berlin, offiz. Vertreter eines Reisebüros; 1947 Einstellung bei der DVdI, dann Landeskriminalamt Brandenb.; 1948 stellv. Ltr., dann Ltr. des Dezernats K 5 (pol. Polizei); 1949 Ltr. der Abt. Kriminalpolizei im Polizeipräs. Potsdam; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Brandenb. (ab Febr. 1950 Länderverw. Brandenb. des MfS), Ltr. der Abt. IX (Untersuchungsorgan); 1951 stellv. Operativ des Ltr. der Länderverw. Brandenb.; 1952 Ltr. der BV Potsdam (Nachf. von  Hermann Gartmann); Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1955 Ltr. der BV Halle (Nachf. von  Rudolf Vödisch); ab 1958 Mitgl. der SED-BL Halle; 1971/72 wegen Krankheit von seinen Funktionen entbunden; März 1972 Versetzung zur Objektverw. Wismut, MfS-OibE in der SDAG Wismut; Juli 1972 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Wagner, Herbert

* 21.9.1948

Geb. in Neustrelitz; Grund- u. Oberschule; Lehre als Heizungsinstallateur; Stud. an der TU Dresden, 1973 Elektroing.; 1973 – 1990 als Entwicklungsing. in der Dresdener Ind. tätig; ab 9.10.1989 Mitgl. der »Gruppe der 20«, die angesichts brutaler Übergriffe von Sicherheitskräften auf Protestdemonstrationen den friedl. Dialog mit der Dresdner SED-Führung unter dem damaligen OB  Wolfgang Berghofer suchte; ab Nov. 1989 Mitorg. der Montagsdemonstr. in Dresden; ab Jan. 1990 Fraktionsvors. der neugegr. Basisdemokrat. Fraktion in der Dresdener Stadtverordnetenvers.; Eintritt in die CDU. Mai 1990 – 2001 OB von Dresden (Nachf. von Wolfgang Berghofer); Präs. des Sächs. Städte- u. Gemeindetags; ab 2001 Geschäftsf. der KDN Kommunale Daten Netz GmbH Dresden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Wagner-Régeny, Rudolf

* 28.8.1903 – ✝ 18.9.1969

Geb. in Sächsisch Regen (Siebenbürgen / Reghin, Rumänien); Vater Kfm.; Gymnasium in Sighişoara; 1919/20 Studium am Konservatorium Leipzig, 1920 – 23 an der HS für Musik Berlin; 1923 – 25 Kino- u. Kaffeehauspianist; 1926 – 28 Kapellmstr. u. Komponist bei Rudolf von Laban; Beginn der Zusammenarbeit mit Caspar Neher; 1930 – 43 freischaff.; 1943 – 45 Schreiber u. Musiker in der Wehrmacht. 1946 am Güstrower Theater; 1947 – 50 Rektor der HS für Musik Rostock; 1950 – 67 Prof. für Komposition an der HS für Musik Berlin; 1950 DAK; 1955 NP; 1958 Mitgl. der AdK Berlin (West); 1964 Mitgl. der Bayr. Akad. der Schönen Künste; komponierte Orchester- u. Kammermusik, Ballette, u. a. »Der zerbrochene Krug«, »Tristan«, u. insbes. Opern, u. a. »Sganarelle«, »Esau u. Jacob«, »Der Günstling«, »Johanna Balk«, »Persische Episode«, »Prometheus«; gest. in Berlin.Begegnungen mit C. Neher. Berlin 1968 (Hrsg. Müller-Medek); An den Ufern der Zeit. Schriften, Briefe, Tagebücher. Leipzig 1989 (Hrsg. M. Becker). Härtwig, D.: R. W.-R. Der Opernkomponist. Berlin 1965.Torsten Musial

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wahls, Robert Otto

* 4.11.1907 – ✝ 2.4.1990

Geboren am 4. November 1907 in Hamburg, Sohn eines Bäckers; lernte Buchdrucker und trat 1921 zunächst in die SAJ, dann in die KJD ein. Im Oktober 1923 nahm er am Hamburger Aufstand teil, war 1925 Mitbegründer des RFB und deren Roter Jungfront in Hamburg-Barmbek. Von 1925 bis 1927 Gauführer der Roten Jungfront Wasserkante, 1927 auf dem RFB-Bundeskongreß in die Reichsführung gewählt, übernahm er die Leitung der Roten Jungfront in Berlin-Brandenburg und war zeitweise Reichsleiter. Während der Wittorf-Affäre stand Wahls hinter Ernst Thälmann und gegen Werner Jurr und andere kritische Jungfront-Funktionäre. 1929 für ein halbes Jahr Kursant an der Internationalen Leninschule, kehrte Ende des Jahres aus Moskau zurück und wurde Redakteur der Zeitung »Klassenkampf« in Halle, 1930/31 Redakteur am »Ruhr-Echo« in Essen. Im August 1931 wegen »literarischen Hochverrats« zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Ab November 1932 Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«, gehörte er im Februar 1933 dem illegalen Sekretariat der BL Wasserkante an, kam im September 1933 nach Berlin und wurde Polleiter für Berlin-Brandenburg. Von Anfang 1934 bis März 1935 Chef der Landesleitung der illegalen KPD im Reich in Berlin. Wahls war 1933 in das ZK kooptiert worden. Während der Auseinandersetzungen zwischen Franz Dahlem, Fritz Schulte und der Mehrheit des Politbüros gegen Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck gehörte er zu den »linkssektiererischen Thälmann-Anhängern«. Im März 1935 reiste er (Pseudonym Otto Börner) über Prag nach Moskau, war Delegierter des VII. Weltkongresses und nahm an der »Brüsseler Parteikonferenz« teil. Dort bei den heftigen Gruppenauseinandersetzungen wegen früherer kritischer Berichte über die Lage in Deutschland als Chef der Landesleitung des »Pessimimus« bezichtigt und wie Hermann Schubert und Fritz Schulte angegriffen. Wahls nicht genügend »selbstkritischer« Beitrag auf der Konferenz wurde vor allem von Wilhem Pieck vehement zurückgewiesen und er wurde nicht mehr ins ZK berufen. Anschließend Mitarbeiter bei der deutschen Redaktion von Radio Moskau. Im September 1936 durch die deutsche Vertretung bei der Komintern »überprüft«, seine Überführung in die KPdSU wurde »wegen gruppenmäßiger Tendenzen und Sektierertum vorläufig zurückgestellt«. Er meldete sich als Freiwilliger nach Spanien, durfte ausreisen und entging so der Liquidierung durch das NKWD. Als Angehöriger der Internationalen Brigaden wurde er für den von ihm organisierten Ausbruch von vierhundert eingekesselten Interbrigadisten bei Condezza mit der Medaille »Tapferkeit vor dem Feind« ausgezeichnet. Nach Kriegsausbruch in Frankreich interniert, flüchtete er und erhielt ein Visum für Mexiko, wo er am 16. Dezember 1941 eintraf. Als Otto Börner zunächst Orgleiter der Führungsgruppe der KPD, arbeitete im Bund Freies Deutschland mit. Nach Paul Merkers Ankunft im Juni 1942 wurden Börner/Wahls und Georg Stibi aus ihren Positionen entfernt. Börner gab noch am 6. April 1943 eine schriftliche Erklärung zu seinen »Fehlern« ab, zog sich von der aktiven KPD-Arbeit ohne öffentlichen Bruch zurück. Am 1. November 1945 beschloß dann die Leitung der KPD-Gruppe in Mexiko unter Paul Merker, »Otto Börner wegen gröblicher Vernachlässigung seiner Parteipflichten aus der Partei auszuschließen«. Dem Hamburger Historiker Fritz Pohle gegenüber äußerte Wahls 1977, seine Abkehr vom Kommunismus sei trotz der Erfahrungen in der Sowjetunion und in Spanien langsam erfolgt. Er arbeitete dann als Buchdrucker und Verkäufer, war zuletzt Kassierer in der Farbenfabrik des österreichischen Interbrigadisten Bruno Meier in Mexiko City, wo Otto Wahls am 2.April 1990 starb.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walcher, Jacob

* 7.5.1887 – ✝ 23.7.1970

Geboren am 7. Mai 1887 in Wain/Württemberg, Sohn eines Landwirts; lernte Dreher. Nach der Lehre 1906 in Stuttgart Mitglied der Gewerkschaft und der SPD. Als ehrenamtlicher Funktionär auf dem linken Flügel der SPD aktiv, u.a. Berichterstatter für SPD-Zeitungen. 1910/11 Teilnehmer eines Lehrgangs an der zentralen Parteischule in Berlin. Auf Vorschlag Rosa Luxemburgs kam er am 1.November 1911 in die Redaktion der »Schwäbischen Tagwacht«, des SPD-Organs in Stuttgart, Redakteur für Partei- und Gewerkschaftsfragen. Nach Kriegsausbruch wurden er, Arthur Crispien und Edwin Hoernle vom SPD-Landesvorstand Württemberg (der Ortsvorstand Stuttgart stand hinter den Redakteuren) wegen ihrer internationalistischen Haltung abgesetzt. Sie gaben dann im Auftrag der Stuttgarter Linken ein eigenes Blatt heraus. Walcher und Hoernle wurden Mitglieder der Spartakusgruppe. Nach Berlin übergesiedelt und inzwischen beim Militär ausgemustert, engagierte sich Walcher für die Spartakusgruppe, zeitweise verhaftet. Er erhielt 1916 erneut einen Gestellungsbefehl, konnte sich nach Einsätzen als Armierungssoldat, u. a. vor Verdun, wieder ausmustern lassen. Die Novemberrevolution 1918 erlebte er in Berlin, wurde von Rosa Luxemburg bereits am 10.November 1918 nach Stuttgart entsandt, wo er eine wichtige Rolle bei der Gründung der dortigen KPD übernahm. Ende Dezember 1918 war Walcher Delegierter und (mit Wilhelm Pieck) Vorsitzender des Gründungsparteitages der KPD in Berlin. Auf dem II. KPD-Parteitag im Oktober 1919 wurde er in die Zentrale der Partei gewählt, der er bis 1923 angehörte, verantwortlich für die Gewerkschaftsarbeit der KPD. Auch innerhalb der Gewerkschaften besaß er starke persönliche Sympathien (bei der Urwahl zum Deutschen Metallarbeiterverband 1923 erhielt er die meisten Stimmen). Als Typ eines erfahrenen und beweglichen Arbeiterfunktionärs gehörte Walcher in der Zentrale zu den Anhängern Heinrich Brandlers und blieb nach 1923 weiterhin bei den Rechten. 1924 nicht mehr in die Zentrale gewählt und auch nicht durch eine Abgeordnetenimmunität geschützt, flüchtete er nach Sowjetrußland (Steckbrief: »1,73, englischer Schnurrbart, abstehende Ohren, braune Augen, spricht schwäbische Mundart«). Von Moskau aus agierte er 1925 als einer der Führer der Opposition gegen Ruth Fischer und stand auch 1926 nach der Rückkehr nach Berlin in Opposition zur Parteilinie. 1927 Mitarbeiter der Gewerkschaftsabteilung des ZK, leitete gemeinsam mit Robert Siewert die Einheitsbewegung mit der SPD (Zeitschrift »Einheit« usw.). 1928 einer der Führer der Rechten, die besonders nach der Wittorf-Affäre hervortraten. Im Dezember 1928 aus der KPD ausgeschlossen, kam er als Mitbegründer und Führer der KPO in deren Reichsleitung. Bei den Auseinandersetzungen innerhalb der KPO 1931/32 leitete er mit Paul Frölich die Minderheit der KPO, die für eine Verschmelzung mit der SAP plädierte. Mit dieser Minderheit wechselte er 1932 zur SAP und wurde Mitglied des PV und hauptamtlicher Sekretär der SAP. 1933 nach Frankreich emigriert, war Walcher das einzige besoldete Mitglied in deren Auslandsleitung (Pseudonym Jim Schwab). Bei Kriegsausbruch interniert, konnte er 1941 in die USA entkommen, lebte in New York und war Mitarbeiter im »Council for a Democratic Germany«. Ende 1946 kehrte Walcher nach Deutschland zurück, schloß sich der KPD bzw. SED an. Um seine Freunde ebenfalls zu diesem Schritt zu bewegen, hat er sie überall – auch in West-Deutschland – aufgesucht. Ab 1. Juni 1947 Chefredakteur der Gewerkschaftszeitung »Tribüne« in Ost-Berlin, geriet Walcher im Herbst 1950 in das Visier der ZPKK, wurde im Februar 1951 als Chefredakteur entlassen und in das Archiv des Deutschen Instituts für Zeitgeschichte abgeschoben, im Mai 1951 aus der SED ausgeschlossen. Wie Robert Siewert, Max Seydewitz und Edith Baumann wurde auch Walcher aufgefordert, »selbstkritische« Artikel zu schreiben, doch das Urteil über ihn war längst gefällt, und es gab persönliche Angriffe (»verbrecherische Fraktionen und Cliquen der Brandler, Thalheimer und Walcher«, hieß es z. B. im »Neuen Deutschland« am 13. Januar 1952). Zu Walchers 65. Geburtstag im Mai 1952 fand – wie Zeitzeugen sich erinnern – an seiner Arbeitsstätte noch eine kleine Feier statt. Auf die Frage des Parteisekretärs nach einem besonderen Wunsch soll Walcher gesagt haben, er hätte gern sein Parteibuch zurück. Der Sekretär erwiderte, er habe es Walcher erst am nächsten Tage mitteilen wollen, daß er aus der SED ausgeschlossen bleibe und auch an seinen Arbeitsplatz brauche er nun nicht mehr zu kommen. Drei Jahre lang lebte Walcher von einer kleinen Rente, ständig von einer Verhaftung wegen angeblicher »Agententätigkeit« bedroht. Bertolt Brecht, mit dem die Walchers seit der Emigration in den USA befreundet waren, half ihm in dieser Zeit. Erst 1956 wurde er stillschweigend wieder in die SED aufgenommen. Walcher wehrte sich aber dagegen, daß als Datum seines Parteieintritts (als Mitbegründer der KPD 1918) das Jahr 1947 genannt wurde. 1962 wurde entschieden, daß er seit 1906 der »Partei der Arbeiterklasse« angehörte. Walcher erhielt einen Honorarvertrag am IML, durfte 1959 zu Forschungszwecken sogar nach Stuttgart reisen und schrieb von dort an seine Frau: »Mein altes geliebtes Stuttgart! – nein, es gefällt mir nicht mehr, das Stuttgart von heute.« Er arbeitete an einer Geschichte der Sozialdemokratie Stuttgarts von 1906 bis 1914. Offiziell galt er als »Gewerkschaftsveteran«, erhielt zunächst nur zweitrangige DDR-Auszeichnungen, wie die »Fritz-Heckert-Medaille« oder 1962 den VVO in Bronze. Zu Walchers 75. Geburtstag druckte »Neues Deutschland« auf der zweiten Seite eine nichtssagende Meldung, das wiederholte sich auch zum 80. Geburtstag, allerdings erhielt er am 15. September 1967 dann den VVO in Gold. Jacob Walcher starb am 27. März 1970 in Ost-Berlin. Der Nachruf des ZK war so formuliert, daß unschwer zu erkennen war, Walcher sei aus dem Partei-Gedächtnis zu streichen. Denn nicht nur sein Vorsitz beim Gründungsparteitag, sondern auch seine Wahl zum Mitglied der Zentrale auf dem II. Parteitag 1919 blieben unerwähnt. Gewürdigt wurde Walcher in einem kleinen Artikel in der »Weltbühne«. Walchers Frau Herta, geborene Gordon, am 9.August 1894 in Königsberg geboren, war gelernte Stenotypistin. Seit 1915 in engem Kontakt zu Clara Zetkin, wurde 1917 wegen »pazifistischer Propaganda« verhaftet und im Lager Holzminden interniert. Sie kam erst durch Vermittlung Zetkins und der sowjetrussischen Botschaft in Berlin auf dem Austauschwege frei. Mit einem Brief von Zetkin zu Lenin nach Moskau gereist, kehrte sie nach Ausbruch der Novemberrevolution nach Deutschland zurück. Von 1920 bis 1925 Sekretärin von Clara Zetkin, anschließend in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und im Malik-Verlag tätig. Wie ihr Mann ab 1929 Mitglied der KPO und ab 1932 der SAP, emigrierte sie im Mai 1933 nach Paris und arbeitete bis zum Kriegsausbruch in der SAP-Auslandsleitung. Im Juni 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs geflüchtet, dann im Dezember 1940 Emigration in die USA. Ende 1946 mit ihrem Mann nach Deutschland zurückgekehrt, trat sie 1947 der SED bei und arbeitete überwiegend als freischaffende Übersetzerin. 1958 erhielt sie die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus«, 1963 die »Clara-Zetkin-Medaille«. Sie hatte sich nach Jacob Walchers Tod geweigert, seinen gesamten Nachlaß an das IML zu geben. Herta Walcher starb am 27. Dezember 1990 in Berlin. Jacob Walcher hatte 1925 das Buch »Ford oder Marx« veröffentlicht. Eine Biographie über Jacob Walcher von Ernst Stock und Karl Walcher erschien 1998.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Waldmann, Hans

* 31.10.1928

Geb. in Schilda (Krs. Finsterwalde); Landarb.; Berufsausbildung zum Bergarb.; 1949 – 51 Erwerb der Hochschulreife an der ABF; 1951 – 56 Studium an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Bergbauing.; Tagebaultr. im Braunkohlenbergbau Burghammer u. Welzow; Wirtschaftssekr. der SED-Industrie-KL »Schwarze Pumpe« in Hoyerswerda; Techn. Ltr. im Braunkohlentagebau Spreetal; 1962 – 66 Techn. Dir. der VVB Braunkohle Cottbus; 1966/67 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1970 NP; 1971 – 75 Nachfolgekand. u. ab 1975 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; 1967 – 73 Dir. für Plandurchführung u. 1. stellv. GD des Gaskombinats »Schwarze Pumpe« in Hoyerswerda; 1967/68 1. Stellv. des Kombinatsdir. des VEB Kombinat Schwarze Pumpe, 1968 – 73 Dir. für Gewinnung u. 1. Stellv. des GDu. amt. GD; 1973 – 80 GD der VVB Braunkohle Senftenberg; ab 1980 GD des VEB Braunkohlenkombinat Senftenberg (Nachf. von  Hans-Joachim Tomczak); Ruhestand.Hagen Schwärzel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wallendorf, Philipp

* 4.12.1899 – ✝ 11.3.1972

Geboren am 4. Dezember 1899 in Weinheim/ Bergstraße, Sohn einer Arbeiterfamilie. Lederarbeiter, 1918 zum Militärdienst eingezogen, gehörte bis 1920 der Reichswehr an. Anschließend in verschiedenen Lederfabriken beschäftigt. Seit Juni 1923 in der KPD, Vorsitzender des »Freien Sportkartells« von Weinheim, 1930 kam er für die KPD in den Stadtrat. Er gehörte im Bezirk Baden-Pfalz dem AM-Apparat an, Parteiname Hermann Sonntag. 1932/33 Teilnehmer am V. Kursus der M-Schule in Moskau (Schuldeckname Richard). Im Mai 1933 Rückkehr nach Deutschland, Mitarbeiter von Hans Kippenberger und u. a. für die Kontakte zu Rosa Thälmann zuständig. Mit seiner Lebensgefährtin Anna Wallendorf Emigration in die Niederlande, im Juni 1935 in die Sowjetunion. Kursant an der Leninschule in Moskau, später Lederarbeiter in einer Fabrik in der Nähe von Moskau. Im Februar 1937 erhielten beide Wallendorfs die sowjetische Staatsbürgerschaft. Er wurde zusammen mit seiner Frau am 6. November 1937 vom NKWD festgenommen und am 22. Januar 1939 wegen »Spionage« zu fünf Jahren Lager verurteilt. Bis 1943 in Sewscheldorlag (Archangelsk) in Haft, wurde nach der Freilassung aus dem Gulag als Invalide anerkannt und blieb mit seiner neuen Frau Marina Smirnowa im Hohen Norden, ab 1949 in Syktywkar, später im Gebiet Welikije Luki, arbeitete im Bergbau. Er schrieb 1956 einen Brief an Chruschtschow und erbat Hilfe in politischer und materieller Hinsicht, erhielt später eine Sonderrente und wurde am 23.März 1957 strafrechtlich rehabilitiert. Philipp Wallendorf blieb in der Sowjetunion, wo er starb. Ein Todesdatum konnte nicht ermittelt werden. Anna Wallendorf, geborene Faltermann (* 25. 1. 1904 in Viernheim), Tochter einer Fabrikarbeiterfamilie; Verkäuferin, gehörte seit 1928 der KPD an. Von 1925 bis 1933 war sie mit Otto Krüger (* 4. 12. 1899), einem Mitarbeiter des AM-Apparates verheiratet. Auch sie arbeitete für den AM-Apparat. Nach 1933 lebte sie als Hilde van den Burg zunächst in den Niederlanden, ab Juli 1935 in der Sowjetunion. Unter dem Namen Margarethe (Grete) Sonntag Lederarbeiterin. In der Untersuchungshaft war Margarete Buber-Neumann ( Heinz Neumann) mit Grete Sonntag zusammengetroffen. Später schilderte Buber-Neumann den Leidensweg von Grete Sonntag in ihrem autobiographischen Bericht »Als Gefangene bei Stalin und Hitler« (1949). Anna Wallendorf überlebte Lagerhaft und Verbannung in Karaganda und konnte im Februar 1957 als Margarete Krüger in die DDR ausreisen. Sie lebte zuletzt in Berlin-Pankow und starb am 11. März 1972 in einem Pflegeheim in Blankenburg b. Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Johann Georg

* 5.4.1899 – ✝ 14.1.1990

Geboren am 5. April 1899 in Hamburg; dort Hafenarbeiter. Er trat 1921 der KPD bei, war 1926 Mitglied der erweiterten BL der KPD Wasserkante, von 1927 bis 1931 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft und 1927 Delegierter des XI. KPD-Parteitages. Nach 1933 war Walter längere Zeit inhaftiert. Im Krieg als Soldat eingezogen, geriet er in Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr 1945 wieder Mitglied der KPD, er saß als ihr Vertreter im Bezirksausschuß Bergedorf. Johann Georg Walter starb am 14. Januar 1990 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Walter, Jürgen

* 7.12.1943

Geb. in Fraureuth (Thür.); während der Schulzeit Mitgl. im Kirchenchor, Abitur u. Ausbildung zum Landwirtschaftskaufm., Studium der Germanistik u. Romanistik an der HU Berlin; Mitbegr. des »Hootenanny-Klubs«, des späteren Oktoberklubs; 1967 erste Single bei Amiga u. erster TV-Auftritt in »Schlager einer kleinen Stadt«, musikal. Ausbildung beim zentralen Studio für Unterhaltungskunst, seit 1969 Berufsmusiker, Zusammenarb. mit  Arndt Bause,  Thomas Natschinski u.  Gisela Steineckert; Durchbruch mit dem Titel »Schallali Schallala«, danach zahlr. Auftritte als Gesangssolist im In- u. Ausland, LPs »Jürgen Walter« (1978), »Ein bißchen du, ein bißchen ich« (1979), »Vor dem Wind sein« (1981); »Ich bin«; (1986) sowie 17 Titel auf Singles u. Samplers bei Amiga; ab 1980 auch als Moderator u. Showmaster tätig, u. a. in »Ein Kessel Buntes«, 1980 – 85 drei eigene Shows im Palast der Republik, 1983 Ausbildung als Artist für die Bühnenpräsentation des Titels »Der Clown«, Filmrollen in »Mensch, mein Papa« u. »Der Bruch«. 1992 Gründung der eigenen Plattenfirma »JPM – Jürgen-Pippig-Musikprod.« in Berlin; zahlr. Konzerte u. Tourneen in Ostdtl.; 2008 Neuaufl. aller Amiga-LPs auf CD; CDs: »Auch Männer sind schön« (1974), »Jung genug« (1996), »Lieder meines Lebens« (1998), »Liebesnacht« (2000), »Das Leben hat was« (2002); »Aus Liebe« (2005); lebt in Falkensee (Brandenb.).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Walther, Elisabeth

* 9.7.1926

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Kaufmann; Volksschule; Bürogehilfinnenlehre; RAD, Dienstverpflichtung bei der DR in Dresden, 1944 NSDAP. 1945 Übersiedl. nach Auerbach (Erzgeb.); Arbeit als Repassiererin, Qualifizierung zur Textiltechnikerin; 1946 SED, FDGB; später Mitarb. im LV Sachsen der IG Textil-Bekleidung-Leder; ab 1952 Mitarb. im VEB ESDA-Strumpfwerke in Thalheim (Sachsen); Studium der Wirtschaftswiss., Dipl.-Wirtsch.; 1962 – 80 Werkltr. bzw. GD des Strumpfkombinat ESDA in Thalheim; 1962 – 64 Kand. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1963 Kand., 1971 – 81 Mitgl. des ZK der SED.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Waltz, Max

* 20.2.1889 – ✝ 21.6.1964

Geboren am 20. Februar 1889 in Schwenningen, Sohn eines Werkführers. Fürsorgezögling; lernte Heizungsmonteur, wurde Techniker, übersiedelte bereits vor dem Weltkrieg an die Saar, wo er 1910 Mitglied der SPD und 1918 der USPD wurde. Nach der Vereinigung von USPD und KPD zur VKPD wurde er Anfang 1921 Vorsitzender der KP Saar, im März 1922 Mitglied der BL in Köln und im April als Polleiter Saar bestätigt. Aber bereits im Mai 1922 wegen interner Streitigkeiten, es ging um »Kollaboration mit der französischen Besatzungsmacht«, aus der KPD ausgeschlossen. Seine Anträge auf Aufnahme in die SPD wurden abgewiesen. Waltz blieb politisch aktiv, war Leiter der Gesellschaft der Freunde der Sowjetunion. Anfang Mai 1933 Mitbegründer der frankophilen Saarländischen Sozialistischen Partei (SSP) und der Liga für Menschenrechte, aber schon Ende 1933 wurde er als Parteivorsitzender ausgeschlossen. Waltz emigrierte 1935 nach Frankreich, arbeitete dort als Heizungsunternehmer. 1940 interniert, flüchtete er Ende 1942 mit seinem Sohn in die Pyrenäen. Er war 1944/45 von der französischen Regierung mit der Überprüfung gefangener Saarländer beauftragt und kam im Oktober 1945 nach Saarbrücken. Der weitere politische Lebensweg von Max Waltz, der »eine charakterlich wie politisch recht umstrittene Persönlichkeit« gewesen sein soll, »die bei den meisten saarländischen Parteien auf Reserve stieß«, bleibt unklar. Max Waltz starb am 21. Juni 1964 in Saarbrücken.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wagner, Josef

* 6.5.1897 – ✝ 1.9.1943

Geboren am 6. Mai 1897 in Lockweiler/Bezirk Trier, Sohn einer kinderreichen Arbeiterfamilie. Zunächst in der Landwirtschaft, dann im deutschen und französischen Bergbau tätig. Ab 1917 Soldat, geriet im März 1918 in französische Kriegsgefangenschaft. Aktiver Gewerkschafter, trat 1924 in die KPD ein. 1928 UB-Leiter und seit 1929 Gemeinde- und Kreistagsmitglied. 1932 kandidierte Wagner erfolglos für den Reichstag und den Preußischen Landtag. Ende 1932 nahm er noch an einem Lehrgang an der Reichsparteischule der KPD in Berlin-Fichtenau teil und ging im Frühjahr 1933 wieder in das Saargebiet. Parteiinstrukteur, organisierte den Schmuggel illegaler Druckschriften in das Reichsgebiet. Nach dem Anschluß des Saargebietes an Deutschland emigrierte er nach Frankreich und erhielt vom Auslandssekretariat des ZK in Paris den Auftrag, zusammen mit Otto Niebergall die AL Saargebiet im französischen Grenzort Forbach zu übernehmen, war ab Herbst 1937 Abschnittsleiter. Wagner koordinierte die Nachrichtenbeschaffung durch Kuriere und die Einfuhr von Druckschriften nach Deutschland. 1939 als »feindlicher Ausländer« ins französische Landesinnere abgeschoben, interniert und zeitweilig in Arbeitskompanien. Am 7. Oktober 1941 von der französischen Polizei festgenommen und am 16. Juni 1942 an die Gestapo ausgeliefert. Vom 1. Senat des VGH am 21. April 1943 zum Tode verurteilt, wurde Josef Wagner am 1. September 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Wagner, Hans

* 12.5.1927

Geb. in Neustadt (b. Coburg); Vater Handwerker; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Werkzeugmacher; 1949 Meister; 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 / 46 Kriegsgef. 1946 – 49 Arbeit als Werkzeugmacher bzw. selbst. Unternehmer; 1948 SED; 1949 – 51 Betriebsass. u. Techn. Ltr. im VEB Feinmechanik Sonneberg; 1951 – 53 Obermeister u. Werkltr. im VEB Oschatzer Wagenfabrik; 1953 – 59 Obermeister u. Haupttechnologe im VEB Montan Leipzig; Fernstudium an der Ingenieurschule für Maschinenbau, 1959 Abschluß als Ing. für Maschinenbau; 1959 / 60 Lehrgang an der SED-PHS; 1960 – 63 Instrukteur der Abt. Parteiorgane im ZK der SED; 1963 / 64 2. Sekr. der SED-BL Berlin, 1964 – 1971 dort Ltr. des Büros für Industrie u. Bauwesen bzw. Sekr. für Wirtschaft; 1972 kurzzeitig stellv. Vors. des Komitees der ABI Berlin; 1972 – 76 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Potsdam; danach bis 1989 Persönl. Referent des Ministers für Glas u. Keramik; März – Okt. 1990 leitender Mitarb. im neugegr. Min. für Wirtschaft der DDR; zeitw. stellv. Vors. des Fußballklubs »1. FC Union Berlin«.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Wagner, Kurt

* 31.7.1904 – ✝ 8.7.1989

Geb. in Chemnitz; Vater Klempner u Gasbeleuchter; Volksschule in Chemnitz, anschl. drei Jahre Fortbildungsschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Steinmetz in Chemnitz; 1919/20 Ausbildung zum Elektroinstallateur; 1920 – 22 Metallschleifer, Monteur u. Weber; 1923 Mitgl. der Gewerkschaft; 1925/26 Monteur in Chemnitz; 1926/27 arbeitslos; 1927 – 33 Arbeiter u. Steinsetzer bei der Straßenbahn in Chemnitz; Dez. 1932 KPD; ab April 1933 arbeitslos; illeg. Arbeit als Kurier; dann Pol.-Ltr. der KPD Chemnitz-Nord; später Org.-Sekr. der illeg. KPD-BL Chemnitz; März 1935 verhaftet, Juli 1935 vom VGH Berlin wegen »Hochverrats« zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, bis April 1945 Haft im Zuchthaus Waldheim, davon sechs Jahre Einzelhaft. Mai – Aug. 1945 Ltr. der Kriminalpolizei in Chemnitz; Aug. 1945 – Aug. 1946 Polizeipräs. von Leipzig; Aug. 1946 – Okt. 1949 Vize- präs. der DVdI; Okt. 1949 – Okt 1950 mili- tär. Sonderlehrgang in Privolsk (UdSSR); Okt. 1950 – Dez. 1951 Ltr. der Polizeibereitschaft Brandenb. (Havel), VP-Inspekteur; Dez. 1951 – Nov. 1955 u. a. Chef der Verw. Operativ im Stab der KVP, Chefinspekteur, 1952 Gen.-Major; Mitgl. der zentr. PKK der KVP; Nov. 1955 – Dez. 1957 sowj. Gen.-Stabsakad.; dort Abitur; dann Studium der Militärwiss., Dipl. rer. mil.; Dez. 1957 – Aug. 1959 Chef des Militärbez. Leipzig (Militärbez. III) (Nachf. von  Fritz Streletz); Aug. 1959 – Febr. 1967 stellv. Minister für Verteidigung (Nachf. von  Hermann Rentzsch); 1961 Gen.-Ltn.; 1966 Gen.-Oberst; 15.8. 1967 Ruhestand; 1967 – 89 Präs. des Sportverb. Moderner Fünfkampf; 1969 VVO; Scharnhorstorden u. KMO; gest. in Berlin.Drews, M., Stoll, M.: Soldaten der ersten Stunde. Fünf Lebensbilder. Berlin 1981; Rogg, M.: K. W. – Steinsetzer, Strafgefangener, Stellv. des Verteidigungsministers. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Wahl, Hugo

* 5.10.1884 – ✝ 2.11.1948

Geboren am 5. Oktober 1884 in Bremen; Maschinenarbeiter und Tischler, 1918/19 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates Bremen, Anfang 1919 besoldeter Parteisekretär der KPD in Bremen und Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft. Er lebte mit Käthe Ahrens (* 4. 11. 1877 in Emden) zusammen. Auch sie war während des Krieges Mitglied der Bremer Linksradikalen, hier verantwortlich für den Vertrieb der »Arbeiterpolitik«, gehörte ebenfalls dem Bremer Arbeiterrat an und war 1919 Parteisekretärin der KPD. Ende 1919/Anfang 1920 traten Hugo Wahl und Käthe Ahrens aus der KPD aus, beide wurden anschließend Mitglieder und Funktionäre der KAPD in Bremen. Hugo Wahl blieb in der KAPD aktiv, er starb am 2. November 1948 in Bremen. Über Käthe Ahrens weiteren Lebensweg ließen sich keine Daten ermitteln.

Wer war wer in DDR

Wahsner, Renate

* 25.3.1938

Geb. in Lausen (b. Leipzig); Vater Tischler; 1946 – 52 Grundschule in Leipzig u. Berlin, ab 1952 List-OS Berlin, dort 1956 Abitur; 1956 SED; 1956 – 61 Studium der Philos. mit Nebenfach Physik / Math. an der HU Berlin; 1961 – 63 Einsatz im gesellschaftswiss. Grundlagenstudium an der HfÖ Berlin-Karlshorst; 1963 – 66 Aspirantur am Lehrstuhl für philosoph. Probleme der Naturwiss. (Ltr.:  Hermann Ley) am Inst. für Philos. der HU Berlin, dort 1966 Prom. mit der Arbeit »Raum-Zeit-Struktur u. Kausalstruktur. Eine Untersuchung philosoph. Probleme der speziellen Relativitätstheorie« bei  Herbert Hörz u.  Hans-Jürgen Treder; 1966 – 70 geschäftsführende Oberass. im Bereich Dialekt. Materialismus der Sektion Philos.; 1970 – 74 Vizepräs. der Urania (Bereich Naturwiss.); 1974 – 82 wiss. Mitarb. am ZI für Astrophysik der AdW der DDR, dort 1978 Prom. B über die erkenntistheoret. Begründung der Physik; 1982 – 91 wiss. Mitarb. am Einstein-Laboratorium für Theoret. Physik der AdW in Potsdam, 1987 Prof. für Wissenschaftsgesch. an der AdW. 1992 – 95 wiss. Mitarb. am Forschungsschwerpunkt Wissenschaftsgesch. u. Wissenschaftstheorie der Max-Planck-Gesell. in Berlin, zugleich ab 1990 Lehrtätigkeit an der FU Berlin u. 1995 Gastprof. am Inst. für Philos. der Univ. Potsdam; 1995 – 2003 Senior Scientist am Max-Planck-Inst. für Wissenschaftsgesch. Berlin; 2003 Ruhestand; lebt in Berlin. Forschungen insb. zu hist. u. systemat. Fragen der klass. Naturphilos.; W. gehört zu den profiliertesten Philosophinnen auf dem Gebiet der philosoph. Probleme der mod. Naturwiss., speziell der Physik u. ihrer Geschichte.Mensch u. Kosmos – die copernicanische Wende. Berlin 1978; Newton u. Voltaire. Zur Begründung u. Interpretation der klass. Mechanik. Berlin 1980 (mit H.-H. v. Borzeszkowski); Das Aktive u. das Passive. Zur erkenntnistheoret. Begründung der Physik durch den Atomismus – dargestellt am Beispiel Newton u. Kant. Berlin 1981; Physikal. Dualismus u. dialekt. Widerspruch. Darmstadt 1989 (mit H.-H. v. Borzeszkowski); Die Wirklichkeit der Physik. Studien zu Idealität u. Realität in einer messenden Wissenschaft. Frankfurt (Main) 1992 (mit H.-H. v. Borzeszkowski); Der Widerstreit von Mechanismus u. Organismus. Kant u. Hegel im Widerstreit um das neuzeitl. Denkprinzip u. den Status der Naturwiss. Hürtgenwald 2006.Hans-Christoph Rauh

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wald, Eduard (Edu)

* 10.3.1905 – ✝ 5.11.1978

Geboren am 10. März 1905 in Kiel; lernte Gärtner. 1924 Mitglied der KPD, zunächst Funktionär der Ortsgruppe, gehörte der BL Niedersachsen an, übernahm die Agitpropleitung und war zusätzlich auch für den RFB zuständig. 1926/27 Bezirkskassierer. Seit 1926 bei der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung« als »Sitzredakteur« beschäftigt, (zwischen 1926 und 1929 zwölfmal vorbestraft); 1928/29 in Berlin Redakteur für Betriebs- und Gewerkschaftsfragen. Anfang 1929 wegen einer Lungenerkrankung Kuraufenthalt in der Sowjetunion, wieder in Deutschland zurück, war Wald zunächst Lehrer an Parteischulen. Da er sich gegen die ultralinke Wendung der KPD aussprach, noch 1929 als hauptamtlicher Funktionär entlassen, erhielt lediglich untergeordnete Parteifunktionen. Er war in der reichsweit tätigen Versöhnlergruppe aktiv, ein gegen Wald eingeleitetes Ausschlußverfahren wurde 1930 eingestellt. Bis Ende 1930 erwerbslos, dann bis Mai 1933 Fabrikarbeiter in Hannover. Seit Mai 1933 illegal, sicherte er zusammen mit KPO-, SAP- und ISK-Mitgliedern u. a. mit Otto Brenner die Herausgabe der illegalen Zeitung »Klassenkampf« und gründete in Hannover die bedeutende Widerstandsorganisation »Komitee für proletarische Einheit«. Wald hielt sich ab 1934 illegal in Hamburg auf und hatte dort Verbindung zu Hans Westermann. Ende 1934 zurück in Berlin, bemühte er sich als Reichssekretär der Versöhnlergruppe, das Widerstandsnetz auszubauen. Am 11. Mai 1936 in Berlin verhaftet und am 30. Juni 1937 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, inhaftiert im Emslandlager, zuletzt im Zuchthaus Brandenburg, aus dem er 1945 befreit wurde. 1945 Funktionär der KPD in Hannover, Redakteur am KPD-Organ »Niedersächsische Volksstimme« und 1946 Abgeordneter des damaligen Hannoverschen Landtags. 1948 Austritt aus der KPD, ab 1950 Sekretär und Redakteur beim DGB, Herausgeber des Informationsdienstes »Feinde der Demokratie« (ab 1960 »Für die Demokratie«) und Mitglied der SPD. Er gehörte dem »Zehnerkreis« an, einer Oppositionsgruppe im DGB. Auch nach der Pensionierung gegen Rechts- und Linksradikalismus aktiv. Eduard Wald starb am 5. November 1978 in Lachen bei Dießen am Ammersee. Seine zweite Frau Orli Wald-Reichert, geborene Aurelia Torgau (* 1. 7. 1914 – † 1. 1. 1962), gehörte dem KJVD an, 1936 vom OLG Hamm zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend in den KZs Ravensbrück und Auschwitz. Im Herbst 1942 kam sie in das Außenlager Birkenau, im Häftlingskrankenhaus wurde sie durch ihren selbstlosen Einsatz für ihre Mitgefangenen zur »Heldin von Auschwitz«, von einigen Leidensgenossinnen auch »Engel von Auschwitz« genannt. Sie überlebte, zog nach der Heirat mit Eduard Wald 1947 nach Hannover. Sie konnte die Erlebnisse in der Haftzeit nicht verarbeiten und verbrachte längere Zeit in der Psychiatrischen Anstalt bei Hannover. Ihr Stiefsohn Peter Wald veröffentlichte 1989 Erinnerungen an Orli Wald-Reichert. Die Stadt Hannover ehrte sie 2007 mit einer nach ihr benannten Straße.

Wer war wer in DDR

Wales, Dieter

* 20.6.1930

Geb. in Leipzig; Vater Lehrer; Grund- u. OS; 1948 – 51 Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer; 1951 – 54 Red. beim Börsenblatt des Buchhandels in Leipzig; 1954 – 64 Red. der Ztg. »Neues Deutschland« in Berlin; 1957 SED; 1964 – 66 Red. der Ztg. »Märkische Volksstimme« in Potsdam; 1966 – 69 Red., dann stellv. Chefred. der Ztg. »Deutsches Sportecho« in Berlin; 1968 Verdienter Meister des Sports; 1975 Dr.-Theodor-Neubauer-Med.; Fernstudium an der DHfK, 1976 Dipl.-Sportlehrer; 1976 u. 1984 VVO; 1980 Banner der Arbeit; 1985 – 89 / 90 Chefred. der Ztg. »Deutsches Sportecho« (Nachf. von Werner Schreier).Kirsten Nies

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Wallstab, Willi(y)

* 26.2.1888 – ✝ 15.12.1956

Geboren am 26. Februar 1888 in Leopoldshall/ Krs. Bernburg bei Staßfurt, Sohn eines Schneiders; in Berlin Friseurlehre, anschließend Friseurgeselle in Hannover. Von 1910 bis 1932 hatte er ein eigenes Friseurgeschäft in Leopoldshall. Wallstab schloß sich 1911 der SPD an und ging 1917 zur USPD. Im Januar 1917 wurde er als Rüstungsarbeiter nach Magdeburg dienstverpflichtet. Während der Novemberrevolution gehörte er dem Staßfurter Arbeiter- und Soldatenrat an und überführte Mitte 1919 die Mehrheit der USPD-Ortsgruppe in die KPD, deren Vorsitzender er bis 1933 blieb, von 1920 bis 1933 war er in der Staßfurter Stadtverordnetenversammlung. Er kam auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 in Leipzig als Vertreter für Magdeburg-Anhalt in den ZA, organisierte im Herbst 1923 in Staßfurt die militärischen Vorbereitungen für den Aufstand, von 1920 bis 1933 Abgeordneter des Provinziallandtages Anhalt. Am 17.März 1933 festgenommen, saß Wallstab bis Ende September 1933 in »Schutzhaft«. Am 29.April 1936 erneut verhaftet, am 22. März 1937 vom Kammergericht Berlin zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Coswig verbüßte. 1941 im »Arbeitserziehungslager« Süpplingen bei Haldensleben in den Steinbruch geschickt, nach Arbeitsverweigerung in seinem Beruf als Friseur beschäftigt. Anfang 1942 in das KZ Neuengamme eingeliefert. Von dort kehrte er im Juni 1945 nach Staßfurt zurück, war Leiter des KPD-UB und Polizeipräsident der Stadt Magdeburg. Im April 1949 seiner Funktion entbunden, da Vorwürfe laut wurden, er habe sich im KZ Neuengamme nicht kameradschaftlich verhalten, was aber nicht zutraf. Anschließend bis 1951 Oberreferent im Strafvollzug des Ministeriums für Justiz Sachsen-Anhalt, später stellvertretender Leiter der Justizhaftanstalt Magdeburg-Sudenburg. Willy Wallstab starb am 15.Dezember 1956 in Bahrendorf.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Margarete

* 22.3.1913 – ✝ 9.10.1935

Geboren am 22. März 1913 in Berlin, ihre Eltern waren Inhaber eines Molkereibetriebes in Neukölln. Handelsschule, lernte Kontoristin und trat 1928 in den KJVD, 1930 in die KPD ein. Sie war Leiterin einer Jugendgruppe des JSB in Berlin-Neukölln und wurde Anfang 1930 vom ZK des KJVD zum Studium an die Internationale Leninschule nach Moskau delegiert. Noch 1933 wurde sie als jüngstes Mitglied in das ZK des KJVD kooptiert und gab u. a. die illegalen Druckschriften »Die Kathreiner-Mühle« und »Rotes Kabel« heraus. Im März 1933 für kurze Zeit inhaftiert, danach zwei Jahre im Kabelwerk Oberspree beschäftigt. Im Frühjahr 1935 wieder festgenommen, anschließend als Landhelferin nach Pommern dienstverpflichtet. Auch hier betätigte sie sich gegen das NS-Regime. Deswegen am 9. Oktober 1935 erneut verhaftet. Nach ihrer Überstellung nach Berlin und schweren Mißhandlungen wählte Margarete Walter während einer Vernehmung am 21. Oktober 1935 den Freitod.

Wer war wer in DDR

Walter, Otto

* 2.10.1902 – ✝ 8.5.1983

Geb. in Tarnowitz (Oberschl.); Vater Zimmermann; Volksschule; 1916 – 28 Lehre u. Arbeit als Zimmermann; 1920 KPD; 1929/30 Org.-Sekr. u. Pol.-Ltr. in der KPD-BL Oberschles.; 1930 – Febr. 1933 Ltr. der KPD-UB Zeitz, Weißenfels, Naumburg (Saale); 1932/33 MdR; März – Juli 1933 illeg. Parteiarbeit im UB Bitterfeld / Wittenberg u. im Bez. Baden-Pfalz; Dez. 1933 Verhaftung, drei Jahre Gefängnis, 1937 – 45 KZ Sachsenhausen. 1945 – 49 Mitarb. der KPD / SED-LL Sachsen-Anh. in Halle; Mai 1949 – 50 Mitarb. in der HV zum Schutz der Volkswirtschaft; 1950 – 53 1. Sekr. der SED-PO im MfS; 1951 – 53 Ltr. der HA Politkultur u. stellv. Min. für Staatssicherheit; 1953 Stellv. des Ministers für Staatssicherheit (verantw. für Verw. u. Wirtschaft); Nov. 1957 1. Stellv. des Ministers; 1959 Gen.-Ltn.; 1962 VVO; Jan. 1964 nach Differenzen mit Minister  Erich Mielke von seiner Funktion entbunden u. entlassen, Rentner; 1977 KMO.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Walther, Herbert

* 1.3.1932

Geb. in Oelze (Krs. Neuhaus); Vater Maurer; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Sägewerker in Oelze u. Goldisthal; 1952 – 54 Werkltr.-Ass. im Sägewerk Weißwasser; 1954 SED; 1954 – 57 Stud. an der Ingenieurschule für Holztechnik in Dresden, Ing. für Holztechnik; 1957 – 59 Techn. Ltr. im VEB Holzind. Schwarzatal; 1959 – 61 Stud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1961 – 63 Unterabt.-Ltr. der Bezirksplankomm. beim Rat des Bez. Suhl; 1964 – 69 Abt.-Ltr. beim Wirtschaftsrat des Bez. Suhl; 1968 – 70 außerplanm. Asp., Prom. zum Dr. oec.; 1969 – 72 Stellv. des Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Suhl; 1972 – 76 zunächst Betriebsdir., dann GD des VEB Kombinat Sportgeräte Schmalkalden; 1976 – 78 OB von Suhl (Nachf. von  Günter Schnabel); 1978 Rücktritt als OB; Einsatz im Kreis Neuhaus.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Wambutt, Horst

* 6.2.1932

Geb. in Kriescht; Vater Schlosser; Volksschule; 1946 – 50 Lehre u. Arbeit als Schmied; 1950 FDJ; 1950/51 Instrukteur u. Abt.-Ltr. der FDJ-KL Bad Freienwalde; 1951/52 Lehrer an der Landesjugendschule Bärenklau; 1952 – 54 Abt.-Ltr. der FDJ-BL Cottbus; 1953 SED; 1956 – 61 Aspirant am IfG, Dipl.-Wirtsch.; 1956 – 61 Lehrstuhlltr. an der FDJ-HS »Wilhelm Pieck« Bogensee; 1964 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1964 Mitarb. der Abt. Maschinenbau u. Metallurgie des ZK der SED; 1965 Sektorenltr.; 1969 – 89 Ltr. der Abt. Grundstoffindustrie des ZK der SED (Nachf. von  Hilmar Tröger); 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1969 u. 1982 VVO; lebt als Rentner in Heidesee (Brandenb.).Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wagner, Josef

* 8.11.1898 – ✝ 6.8.1967

Geboren am 8. November 1898 in Irmtraut/ Westerwald, Sohn eines Hafenarbeiters, der 1906 nach Hamburg zog. Er besuchte die katholische Schule in Hamburg, anschließend die Jesuitenschule in Sterpenich in der Nähe der belgischen Stadt Arlon bzw. das Jesuitenkloster in Klein-Bettingen in Luxemburg. Dann brach er die Ausbildung ab, kam 1917 zum Militärdienst ins Elsaß, Einsatz an der Westfront. Im November 1919 aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen, besuchte er 1920 das Lehrerseminar in Hamburg. Nach dem Examen noch mehrere Jahre Industriearbeiter, 1925 bekam er eine Anstellung als Lehrer und gehörte von 1927 bis 1933 der Leitung der Allgemeinen Freien Lehrergewerkschaft Deutschlands an und organisierte die kommunistischen Lehrer. An der Hamburger Telemannschule, einer Versuchsschule im Arbeiterviertel Eimsbüttel, war Wagner so beliebt, daß die Elternschaft nach seiner Verhaftung (Beschuldigung des Hochverrats) 1931 einen Schulstreik durchführte. Seit 1928 Mitglied der KPD, engagierte er sich in der Roten Hilfe und gehörte als »SPD-Spezialist« einer Kommission der BL Wasserkante an. Nach schweren Auseinandersetzungen mit nationalsozialistischen Lehrern 1932 wurde er 1933 aus dem Schuldienst entlassen. Der nun in der Abwehrarbeit der KPD eingesetzte Wagner bekam nach Aussagen Herbert Wehners Differenzen mit der Leitung der illegalen BL Wasserkante (»forderte grundlegende Umstellungen, um aus dem Zirkel des Hochgehens herauszukommen«). Daraufhin 1935 nach Dänemark geschickt, im August 1936 übernahm er in Schweden die Emigrationsleitung. Im Februar 1938 dort von Herbert Warnke abgelöst, blieb zunächst in der Emigrationsleitung, reiste dann illegal nach Hamburg. Nach einem Kurs in Paris wurde ihm die Kaderschulung in Stockholm übertragen. Im Sommer 1941 ging Wagner im Auftrag Wehners als Instrukteur nach Deutschland, wurde nach seiner Rückkehr im Oktober 1941 in Schweden verhaftet und bis 1943 interniert. Die von Karl Mewis dominierte KPD-Leitung in Schweden verunglimpfte ihn als »englischen Agenten«. Wagner lebte dann in Uppsala, trennte sich von der KPD und kam 1945 nach Hamburg. Hier trat er in die SPD ein und arbeitete später als außenpolitischer bzw. wirtschaftspolitischer Redakteur am »Hamburger Echo«. Josef Wagner starb am 6. August 1967 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Wagner, Hans

* 22.2.1929 – ✝ 5.7.2012

Geb. in Dresden; Mutter kfm. Angest., Vater Feinmechaniker, Schriftst.; bis zur Schließung durch das NS-Regime Besuch der Waldorfschule, mittlere Reife; 1944 – 46 Maschinenschlosserlehre; anschl. Vorstudienanstalt Berlin, 1948 Abitur; 1945/46 SPD/SED; 1948 – 52 Studium der Wirtschaftswiss. an der HU Berlin; 1952 – 56 wiss. Assistent; 1956 – 60 postgraduales Studium der Wirtschaftsgeschichte bei  Jürgen Kuczynski an der HU Berlin; 1961 Prom. zum Dr. rer. oec. mit der Diss. »Vergleichende Analyse der Nachkriegszyklen des 1. u. 2. Weltkrieges in den USA« (veröff. im Jb. für Wirtschaftsgeschichte, Berlin 1962); 1960 – 65 wiss. Assistent u. Oberassistent an der wirtschaftswiss. Fak. der HU; 1965 Habil. zum Verhältnis von Ökon. u. Pol. im monopolist. Kap.; 1965 Doz. für pol. Ökon.; 1968 während der HS-Reform Wahl zum Dir. der Sekt. Wirtschaftswiss. der HU; 1969 Prof. für pol. Ökon. des Kap.; April 1972 auf Weisung des Hochschulmin. Ablösung als Dir. der Sekt. aufgrund der Befürwortung u. begonnenen Einführung neuer Studieninhalte u. -formen unter demokrat. Mitw. von Studenten u. wiss. Mitarb.; 1977 – 91 Ltg.-Mitgl. der auf Initiative von ihm u.  Peter Ruben gegr. interdisz. Forschungsgr. »Philosoph. u. methodolog. Probleme der pol. Ökon.«, die an drei Sekt. der HU Berlin verankert war u. versch. geistes- u. sozialwiss. Forschungsrichtungen unter Mitw. von Wiss. anderer Univ., der AdW u. der Praxis zusammenführte; 1977 – 92 Ltr. des Lehrstuhls pol. Ökon. des Kap. an der Sekt. Wirtschaftswiss. der HU Berlin; in den 70er u. 80er Jahren intensive Arbeit des Lehrstuhls an einer Modernisierung der Lehre auf der Grundlage empir. Forschung u. der Ergebnisse der interdisziplinären Forschungsgr.; 1980/81 geriet H. W. wegen des mit Peter Ruben veröff. Aufsatzes »Soz. Wertform u. dial. Widerspruch« (Dt. Ztschr. für Philos. (1980) 10) in eine Kritikkampagne, in deren Folge ein unter Teiln. von Wissenschaftlern der AdW geplantes Forschungsprojekt wegen Mitarbeitsverbot für Peter Ruben u. a. scheiterte; ab Juli 1992 nach Kündigung arbeitslos; 1994 Rentner; gest. in Berlin. H. W. gehörte zu den anerkanntesten Theoretikern der DDR auf dem Gebiet der pol. Ökon. des Kap., er war Mitautor u. später -hrsg. des Lehrbuchs »Pol. Ökon. des Kap.« (Berlin 1980 – 88) u. Autor zahlr. Lehrbriefe für das wirtschaftswiss. u. das jur. Fernstudium in der DDR sowie einer Vielzahl von Beiträgen in HS-Schriften der HU Berlin. Wiss. Arbeitsgebiete: Wirtschaftskrisen, pol. Ökon. u. Pol., Werttheorie u. handlungssteuernde Funktion von Lohn, Preis u. Profit gegenüber den ökonom. Subjekten in gesamtwirtsch. Kreislaufprozessen; erkenntnislog. u. methodolog. Fragen der pol. Ökon. sich wandelnder kap. u. soz. Ges.; seit 1992 Ausbau dieser Forschung in Richtung einer Evolutionstheorie für die industriellen Gesellschaften u. Erfassung der Struktur ihrer gegenwärt. Evolutionskrise.Das Geld im gegenw. Kap. Berlin 1989 (Mitautor).Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Wagner, Kurt

* 5.7.1908 – ✝ 7.9.1965

Geb. in Halle; Vater Tischlermeister; 1914 – 22 Volksschule; 1922 – 26 Malerlehre, anschl. bis 1929 Arbeit als Maler, zeitw. arbeitslos; 1922 KJVD, 1926 KPD; 1929 – 37 Zeitschriftenbote; 1930 – 32 polit. Ltr. der KPD für die Stadtteile Westen u. Zentrum in Halle; 1932 – 33 Instrukteur der KPD-BL Magdeburg; ab Feb. 1933 illeg. Arbeit als Ltr. des Literaturvertriebs für Halle-Merseburg; im Nov. 1937 festgenommen u. im Gefängnis Halle inhaftiert, im Dez. 1938 durch das Kammergericht Berlin wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu einem Jahr Gefängnis unter Anrechnung der U-Haft verurteilt; Dez.1938 aus der Haft entlassen; 1938 – 40 Zeitschriftenpacker; 1940 – 45 Wehrmacht; kurzzeitig in amerikan. Kriegsgef. 1945 / 46 selbst. Zeitungs- u. Buchhändler; 1946 Sekr. für Agit. u. Prop. der KPD-KL Halle; 1946 SED; 1946 / 47 Ltr. der Abt. Org. u. kurzzeitig Sekr. für Wirtschaft des SED-KV Halle; 1947 Ltr. des Literaturvertriebs des SED-LV Sachsen-Anhalt; 1948 – 50 2. Sekr. der SED-KL Halle; 1950 Lehrgang an der SED-LPS in Ballenstedt; 1951 / 52 1. Sekr. der SED-KL Merseburg; 1952 / 53 1. Sekr. der SED-KL Salzwedel; 1953 / 54 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; 1954 polit. Ltr. der MTS im Bez. Magdeburg; 1954 – 56 1. Sekr. der SED-KL Oschersleben; 1956 / 57 Lehrgang an der SED-PHS; 1957 – 60 1. Sekr. der SED-KL Salzwedel.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Wahl, Frank-Michael

* 24.8.1956

Geb. in Rostock; 1962 – 72 POS; 1968 – 72 aktiver Schwimmer; 1972 – 90 aktiver Handballspieler beim SC Empor Rostock; 1972 – 74 Lehre als Maschinen- u. Anlagenmonteur; 1974 – 90 in diesem Beruf tätig; 1982 Europacup-Sieger der Pokalsieger; 1982 EM der Klubmannschaften; 313 Länderspiele; dreimal Teiln. an Weltmeisterschaften: 1978 3., 1982 6. u. 1986 3. Platz; zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1980 Sieger, 1988 7. Platz; bei Umfragen nach der besten Mannschaft des Jahres 1980 Mitgl. der DDR-Auswahl; VVO. 1990 – 92 Profispieler bei der SG Hameln; ab 1994 Manager bei der SG Hameln; danach bis 2007 in Springe; lebt in Hessisch-Oldendorf.Klaus Gallinat

Handbuch Deutsche Kommunisten

Waibel, Toni

* 11.3.1889 – ✝ 12.2.1969

Geboren am 11. März 1889 in Dewangen bei Aalen, Sohn einer Handwerkerfamilie, die Eltern starben sehr früh. Er lernte Möbelschreiner, war später kaufmännischer Angestellter. 1906 Mitglied der Gewerkschaft und der Arbeiterjugend, trat 1907 in die SPD ein, Teilnehmer an den Internationalen Sozialisten-Kongressen 1907 und 1912 in Basel und Bern. Während des Weltkrieges zeitweise in der Schweiz. Er nahm dort an der Konferenz der Kriegsgegner in Zimmerwald (September 1915) teil, lernte Lenin kennen und schloß sich dessen »Zimmerwalder Linken« an. Später wegen »Meuterei« des Landes verwiesen und nach Deutschland zurückgeschickt. Seit 1919 Mitglied der KPD, proklamierte er am 7.April 1919 in Würzburg die Räterepublik. Wegen seiner aktiven Beteiligung an den Kämpfen der Bayerischen Räterepublik im Aktionsausschuß und in der Führung der »Roten Armee« zu 15 Jahren Festung verurteilt. Waibel floh 1921 aus der Festung Niederschönenfeld und hielt sich bis 1928 im Ausland auf. Zunächst in Moskau an der KUNMS, dann (als Mitglied der KP Rußlands) für die Komintern im Ausland, u. a. auf dem Balkan. Er nahm am III., IV., V. und VI. Weltkongreß der Komintern teil. Nach der »Hindenburg-Amnestie« 1928 wieder in Deutschland, er wurde Sekretär der RHD (mitverantwortlich für die Zeitschrift »Tribunal«) und Referent auf Parteischulen. Ende 1932 in Württemberg tätig, bereits am 30.Januar 1933 in Stuttgart festgenommen und am 16. Juni 1933 vom 5. Strafsenat des Reichsgerichts zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Zusätzlich erhielt er im Juli 1933 vom Landgericht Stuttgart eine Gefängnisstrafe von einem Jahr wegen »Meuterei«. Waibel saß bis 1945 ununterbrochen in Haft, zuletzt im KZ Buchenwald. Nach der Befreiung bis Juli 1945 schwer erkrankt im Lazarett, ging er nach Berlin und leitete bis 1947 die KPD/SED-Ortsgruppe in Berlin-Hermsdorf. Waibel, ein unorthodoxer Kommunist, wandte sich gegen die Stalinisierung der SED, wurde 1951/52 in einem Parteiverfahren als »Trotzkist« angeklagt und aus der SED ausgeschlossen. Er gehörte in West-Berlin zum Freundeskreis um Max Köhler und blieb ein kritischer, antistalinistischer Kommunist, hielt aber auch Kontakt zu seinen in der DDR lebenden einstigen Buchenwalder Mithäftlingen, wie z. B. zu Walter Bartel. Toni Waibel starb am 12.Februar 1969 in West-Berlin.

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Walde, Werner

* 12.2.1926 – ✝ 26.6.2010

Geb. in Döbeln (Sachsen); Vater u. Mutter Arbeiter; 1932 – 40 Volksschule in Döbeln-Großbauchlitz; 1936 – 41 Dt. Jugend, Oberhordenführer; 1940 – 43 Ausbildung zum Verw.-Angest. in Döbeln; 1940 – 43 DAF; 1941 – 43 HJ, Oberrottenführer; 1943 – 45 RAD, Hauptvormann; April – 3.5.1945 Wehrmacht; amerik., Juni/Juli 1945 brit. Kriegsgefangenschaft in Eutin (Schlesw.); Juli/Aug. 1945 Landarb. in Westerode (Krs. Duderstadt). 1945 – 50 Angest. der Sozialversicherungskasse in Döbeln; dort 1946 – 50 Mitgl. der BGL; 1945 FDGB; 1946 SPD/SED; 1948 FDJ; 1950 LPS in Meißen; 1951 – 53 Assistent, Lehrer u. Parteisekr. der SED-LPS in Meißen; 1953 Mitarb. der SED-BL Leipzig; 1953 – 55 stellv. Schulltr. u. Schulltr. der SED-BPS Cottbus; 1954 – 60 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1955 – 61 Abt.-Ltr. der SED-BL Cottbus; 1961 – 64 1. Sekr. der SED-KL Senftenberg u. Abg. des Krs.-Tages; 1964 – 66 HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1966 – 69 2. Sekr. der SED-BL Cottbus (Nachf. von Otto Kruse); 1969 – 89 1. Sekr. der SED-BL Cottbus (Nachf. von  Albert Stief); 1971 – 89 Abg. des Bez.-Tags Cottbus; 1971 – 89 Abg. der Volkskammer der DDR; 1971 – 76 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1971 – 89 Mitgl. des ZK; 1976 – 10.11.1989 Kand. des PB des ZK der SED (am 8.11.1989 auf der 10. ZK-Tagung bestätigt); 1974 VVO; 1976 KMO; 20./21.1.1990 Ausschl. aus der SED/ PDS; Ruhestand.Helmut Müller-Enbergs

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Walk, Dietrich

* 25.7.1935

Geb. in Altbleyen (Brandenb.); Vater Landarbeiter; Grundschule, 1950/51 Berufsausbildung zum Stahlschiffbauer in der Roßlauer Schiffswerft; 1952 – 55 Studium an der Ing.-Schule für Schiffstechnik in Warnemünde; 1955 – 58 Obermstr. in der Volkswerft Stralsund; 1957 SED; 1958 – 63 Werkltr. in der Schiffswerft Oderberg u. 1963 – 66 in der Schiffswerft Magdeburg; 1966 – 72 Dir. der Peenewerft Wolgast (Hersteller von Kampfschiffen u. Küstenschutzbooten); 1972/73 Dir. der Volkswerft Stralsund; ab März 1973 GD der VVB Schiffbau Rostock u. 1979 – 88 des daraus hervorgegangenen VEB Kombinat Schiffbau Rostock, zu dem u. a. die Mathias-Thesen-Werft Wismar, die Neptun Werft Rostock sowie die Warnow-Werft Warnemünde gehörten; das Kombinat war weltgrößter Hersteller von Fischereifahrzeugen u. zählte auch im Frachtschiffbau zu den internat. führenden Produzenten; 1979 Mitgl. der SED-BL Rostock; Febr. 1988 aus gesundheitl. Gründen Entbindung als GD.Hagen Schwärzel

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Walter, Albert Paul

* 22.9.1885 – ✝ 14.2.1980

Geboren am 22. September 1885 in Flatow/ Westpreußen, verlebte die Kindheit in der Neumark. Sein Vater war Kutscher, starb 1886. Walter wurde vom Großvater, einem Bauern, erzogen. Ab 1899 drei Jahre bei der Binnenschiffahrt auf der Oder und Elbe, Übersiedlung nach Hamburg. Seemann, von Juni 1905 bis November 1907 Dienst bei der Kriegsmarine. Von Juli 1914 bis 1917 lebte er in den USA, dort ab Ostern 1917 interniert; Vorsitzender des »Committee of Interned Seamen«, er führte im Juli 1919 die deutschen Seeleute zurück. Im Januar 1920 Leiter des »Deutschen Seemannsbundes«, einer syndikalistischen Organisation, 1922 schloß sich der nunmehrige »Deutsche Schifffahrtsbund« der Roten Gewerkschaftsinternationale an. Walter war dessen Führer bis zur Auflösung 1925. Dann organisierte er bis 1928 im Auftrag des RGI-Führers Solomon Losowski, die »Internationalen Hafenbüros«. Bis 1914 politisch nicht organisiert, 1919 trat er der USPD bei und kam 1921 zur KPD. 1924 zog er für die KPD in die Hamburger Bürgerschaft ein (Mitglied bis 1933), zeitweise Schriftführer der Bürgerschaft sowie Mitglied der KPD-BL Wasserkante. Als die RGI 1928 die Internationale der Seeleute und Hafenarbeiter (ISH) gründete, wurde Walter deren Generalsekretär (bis 1933). Im März 1933 verhaftet, saß er bis 1934 im KZ Fuhlsbüttel, bis 1938 erwerbslos, dann bis 1942 Akquisiteur. Von 1943 bis Kriegsende vom »Deutschen Fichtebund« als Übersetzer und Dolmetscher beschäftigt Nach Ausbruch der Krieges 1939 veröffentlichte Walter die NS-Propaganda-Schrift »Der englische Krieg und die deutschen Arbeiter«, laut seiner Version, »weil ich überzeugt war, in England den eigentlichen Urheber des Krieges zu sehen«. Der NSDAP gehörte er angeblich nicht an. Dennoch verbreitete die NSDAP seine im Hanseatischen Gildeverlag erschienene Schrift in einer Auflage von 120000 Exemplaren, schließlich kam darin auch der Satz vor: »Eine lügnerische Propaganda« wolle »jetzt die deutschen Arbeiter von ihrem Führer trennen«. Walter wurde 1948 von den Leitern der rechtsgerichteten »Deutschen Partei« in Hamburg aufgesucht, zur Mitarbeit gewonnen, und schloß sich Anfang 1948 dieser Partei an. 1949 wurde er als Spitzenkandidat der Deutschen Partei in Hamburg in den ersten Deutschen Bundestag gewählt und saß für diese auch im 1953 gewählten Bundestag. Im Handbuch des Parlaments verschwieg er freilich seine kommunistische Vergangenheit, gab nur an, Gewerkschaftsführer gewesen zu sein. Später betätigte er sich »nur noch gelegentlich politisch«, da sein Leben, wie er meinte, »reichlich stürmisch« gewesen war. Albert Paul Walter starb am 14. Februar 1980 in Hamburg.

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Walter, Maria

* 27.9.1895 – ✝ 1.5.1988

Geboren am 27. September 1895 in Stuttgart-Degerloch als Maria Harm; Fabrikarbeiterin bzw. Bürohilfsarbeiterin in Cannstatt und Stuttgart. Seit 1916 verheiratet mit Ludwig Walter, wurde 1920 Mitglied der KPD, gehörte der RFMB-Gauleitung an und war zeitweise auch Vorsitzende des RFMB Württemberg. Von 1928 bis 1933 Leiterin der Frauenabteilung der BL. Maria Walter wurde 1932 in den Landtag von Württemberg gewählt. 1930 Teilnahme an einem Kurs für Funktionärinnen an der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau. Nach dem Reichstagsbrand emigrierte sie in die Schweiz, kehrte aber Anfang September 1934 nach Stuttgart zurück, hier im November 1939 und im Juni 1944 für einige Wochen inhaftiert. Später trat sie politisch nicht mehr hervor. Maria Walter starb am 1. Mai 1988 in Stuttgart.

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Walter, Otto

* 2.10.1902 – ✝ 8.5.1983

Geboren am 2. Oktober 1902 in Tarnowitz/ Oberschlesien, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte in Gleiwitz Zimmermann. 1919 schloß er sich dem »Bund der freien Jugend«, 1920 der FSJ und der KPD an. Von 1922 bis 1929 Vorsitzender der Zahlstelle des Zimmererverbandes in Gleiwitz, 1929 aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. 1928 Delegierter des IV. RGI-Kongresses in Moskau. 1929/30 Stadtverordneter in Gleiwitz, im Januar 1929 zunächst Orgleiter, dann Polleiter des Bezirks Oberschlesien. Im Juni 1930 vom ZK nach Halle-Merseburg geschickt, gehörte dort bis 1933 dem Sekretariat der BL an. Im Juli 1932 wurde Walter im Wahlkreis Merseburg in den Reichstag gewählt, bis März 1933 MdR. Ab Februar 1933 als Leiter des UB Bitterfeld/Wittenberg in der Illegalität, kam im Sommer 1933 als Polleiter der BL Baden nach Mannheim. Hier am 28. Dezember 1933 festgenommen, vom OLG Karlsruhe zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, danach bis 1945 im KZ Sachsenhausen. Nach der Befreiung Spitzenfunktionär der KPD in Sachsen-Anhalt, Abteilungsleiter für Kaderfragen und bis 1949 Mitglied des Sekretariats der SED-Landesleitung Sachsen-Anhalt. Walter wurde im Mai 1949 Chefinspekteur der Volkspolizei, kam zur »Hauptverwaltung zum Schutz des Volkseigentums«, von Mitte 1950 bis Sommer 1953 1. Sekretär der SED-Organisation im MfS. Im Januar 1953 zum Generalinspekteur ernannt. Nach der Ablösung Ernst Wollwebers und dem Aufstieg Mielkes zum Minister wurde Walter Anfang November 1957 1. Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit. Im Oktober 1959 zum Generalleutnant befördert, schied er Ende 1963 aus gesundheitlichen Gründen aus, er erhielt 1982 den Karl-Marx-Orden. Er war seit November 1949 mit Else Schreck, verwitwete Reinke, (*1901 – † 1988), einer Schwester des badischen KPD-Funktionärs Paul Schreck verheiratet. Otto Walter starb am 8. Mai 1983 in Ost-Berlin.Jens Gieseke

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Walther, Joachim

* 6.10.1943

Geb. in Chemnitz; Vater Beamter (starb 1944), Mutter Säuglingsschwester; 1962 Abitur mit Facharbeiterbrief (Maschinenschlosser); 1962/ 63 Bühnenarbeiter u. Reparaturschlosser in Karl-Marx-Stadt; 1963 – 67 Studium der Lit.-Wiss. u. Kunstgeschichte an der HU Berlin; 1967/68 Lehrer für Dt. u. Kunsterziehung; 1968 – 83 Lektor beim Buchverlag Der Morgen, erzwungene Kündigung wegen Problemen mit der Zensur; 1969 – 89 Überwachung durch das MfS (OV »Lektor«, OPK »Schmetterling«, OV »Verleger«); 1970 erster Roman »Sechs Tage Sylvester«; 1971 – 74 Arbeiten für die »Weltbühne«; 1972 Aufnahme in den DSV; 1974/75 Studienaufenthalt in Warschau; 1975 erfolgr. Jugendroman »Ich bin nun mal kein Yogi«; 1976 – 78 Red. der Literatur-Ztschr. »Temperamente«, 1978 aus pol. Gründen Entlassung der gesamten Red.; ab 1977 Vorlesungs- u. Studienreisen nach Norwegen, Dänemark, Frankreich, Österreich, in die Bundesrep. Dtl. u. in osteurop. Staaten; seit 1983 freischaff. Schriftst. (Prosa, Dramatik, Film-, Hörspiel- u. Kinderbuchautor, Hrsg.); 1983 – 87 Studienreisen in die USA u. nach England; 1984 – 89 Rückzug nach Mecklenb.; seit 1989 wieder in Berlin. 1990 bis zur Auflösung im Dez. stellv. Vors. des SV; 1990/91 koopt. Mitgl. des Bundesvorst. des VS; 1991 Hörspielpreis Funkhaus Berlin; 1991 Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl., ab 1995 im Präs.; erste dokumentar. Aufarbeitung von Akten des SV; seit 1992 Initiator u. Arbeit am Forschungsprojekt »Überwachung, Beeinflussung u. Unterwanderung der DDR-Lit. durch das MfS von 1969 – 89« beim Bundesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR; 1993 – 97 Kuratoriumsvors. der Literaturwerkstatt Berlin; 1996 Stipendium des Else-Heiliger-Fonds; 1996 Hörfunkpreis Goldenes Kabel; 1996 – 98 Vizepräs. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl. u. Beauftr. für die Writers-in-Prison-Arbeit des PEN; 1997 – 2002 Vors. des Autorenkrs. der Bundesrep. Dtl.; 1998 Amsterdam-Stipendium; 2004 Gründung des »Archivs unterdrückte Lit. in der DDR«; 2005 Burgschreiber in Beeskow; 2005 Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg; ab 2005 Hrsg. der Edition »Die Verschwiegene Bibliothek« in der Büchergilde Gutenberg (zus. mit Ines Geipel); lebt in Grünheide (b. Berlin); 2006/07 Stipendium Dt. Literaturfonds Darmstadt. Verf. v. a. krit., moral.-aufklärer. Texte u. a. über Verhaltensunterschiede in Zeiten der Individualitätsgefährdung; häufiger Rückgriff auf hist. Stoffe.Ruhe bewahren. München 1979; Bewerbung bei Hofe. Berlin 1982; Zw. den Stühlen. Berlin 1987; Risse im Eis. Heidelberg 1989; Protokoll eines Tribunals. Die Ausschlüsse aus dem DDR-Schriftst.-Verb. 1979. Hamburg 1991 (Hrsg.); Verlassenes Ufer. Leipzig 1993; Sicherungsber. Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996; Im Flug über die dt.Ostseeküste. Rostock 2005; Himmelsbrück. Halle 2009.Andreas Kölling / Helmut Müller-Enbergs

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Wandel, Paul

* 16.2.1905 – ✝ 3.6.1995

Geb. in Mannheim; Vater Arbeiter; Grundschule; ab 1919 Berufsschule, Maschinentechniker; 1919 SAJ; 1923 Verurteilung von einem Jugendgericht wegen »Verstoßes gegen die Verordnung des Belagerungszustands« zu 14 Tagen Gefängnis; Okt. 1923 – 27 KJVD; 1924 erwerbslos; 1925 – 29 Techniker in einem Mannheimer Betrieb; 1926 – 31 KPD; 1927 – 30 Mitgl. einer BL der KPD; 1929/30 Ing.-Schule Mannheim; 1930/31 Sekr. der BL Baden der KPD; Nov. 1930 – 32 Vors. der KPD-Fraktion im Stadtparl. Mannheim; Aug. 1931/ 32 Kursant u. 1932/33 Aspirant der Lenin-Schule in Moskau; dann dort bis 1936 Parteisekr. u. Lehrer; 1931 – 45 KPdSU; Tätigkeit im Marx-Engels-Inst.; persönl. Sekr. von  Wilhelm Pieck im Balkanländer-Sekr. des EKKI; Okt. 1941 Evakuierung aus Moskau; Ltr. der dt. Sekt. an der KI-Schule in Kuschnarenkowo; Anfang 1943 Mitgl. einer von der KPD-Führung initiierten Arbeitsgr. über Prop.-Fragen; ab 1943 Sprecher der sog. Geisterstimme im Dt. Volkssender; ab Aug. 1943 Mitgl. des Auslandsbüros der KPD in Moskau, Sekr. von Wilhelm Pieck; Febr. – Aug. 1944 Mitarb. in einer Arbeitskommission zur Ausarbeitung des Nachkriegsprogramms der KPD; Mitgl. der Unterkommission für Agrarfragen u. für Wirtschaftsfragen. Kehrte am 10.6.1945 nach Berlin zurück; Juni – Aug. 1945 Chefred. der »Dt. Volksztg.«; Aug. 1945 – Okt. 1949 Präs. der Dt. ZV für Volksbildung; April 1946 – Juli 1958 Mitgl. des PV bzw. des ZK der SED; Nov. 1947 Mitgl. der Filmkommission beim ZS der SED; ab 1948 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1949/50 u. 1954 – 58 Abg. der Volkskammer; Okt 1949 – Aug. 1952 Minister für Volksbildung, Nov. 1951 nichthauptamtl. Lehrstuhlltr. für Allg. Geschichte am IfG beim ZK der SED; 1952 Dr. h. c. der MLU Halle; 1952/53 Ltr. der Koordinierungsstelle für Kultur u. Volksbildung; Juli 1953 – Okt. 1957 Sekr. für Kultur u. Erziehung des ZK der SED; April 1953 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1955 VVO; 1955 – 65 Mitgl. des Weltfriedensrats; Okt. 1957 wegen ungenügender Härte bei der Durchsetzung der kulturpol. Linie der SED-Führung strenge Rüge; Apr. 1958 – Febr. 1961 Botschafter der DDR in China; 1961 – 64 stellv. Außenmin.; 1964 – 75 Präs. (Nachf. von  Philipp Daub) u. 1976 – 84 Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft; Mitgl. des NR der NF; Mitgl. des Präs. des Friedensrats; 1970 Orden des Vaterländ. Krieges (UdSSR); Stern der Völkerfreundschaft; 1975 KMO; 1985 Dr. h. c. an der HU Berlin; 1990 PDS; gest. in Berlin.u. a. Reden zur Kulturpol. Berlin 1955. Leonhard, W.: Spurensuche. 40 Jahre nach »Die Rev. entläßt ihre Kinder«. Köln 1992; Gespräch mit P. W. In: Hering, S., Lützenkirchen, H.-G. (Hrsg.): Anderswerden. Die Anfänge der pol. Erwachsenenbildung in der DDR. Berlin 1995.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

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Wagner, Bernd

* 30.5.1948

Geb. in Wurzen (Sachsen); Vater Schmied; 1966 Abitur; anschl. bis 1970 Pädagogikstudium in Erfurt; seit 1970 Dorfschullehrer in Schmachtenhagen; ab 1976 freiberufl. Autor in Berlin; Mitunterz. der Petition gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns 1976; 1976 – 84 Mitgl. im DSV; seit 1983 mit  Uwe Kolbe u.  Lothar Trolle Hrsg. der Untergrundztschr. »Mikado«; Überwachung durch das MfS; 1985 Übersiedl. nach Berlin (West); freiberufl. tätig.Ich will nicht nach Österreich. Darmstadt 1987; Mein zu großes Auge. Darmstadt 1988; Die Wut im Koffer. Reinbek 1991 u. erw. Berlin 1993; Paradies. Berlin 1997; Club Oblomow. Berlin 1999; Wie ich nach Chihuahua kam. Göttingen 2003; Hel. Berlin. 2005; Berlin für Arme. Berlin 2008.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Wagner, Harald

* 3.3.1950

Geb. in Altenburg (Thür.) in einer Bauernfamilie, aufgew. im Altenburger Land; Ausbildung zum Landmaschinen- u. Traktorenschlosser in Waldenburg u. Abitur in Glauchau; 1968 – 70 Wehrdienst; 1970 – 75 Studium der Sportwiss. an der DHfK Leipzig; anschl. bis 1980 Lehrer im HS-Dienst an der KMU Leipzig; seit 1972 pol. aktiv in versch. opp. Gruppen, Kontakte zur ESG, zu illeg. marxist. u. trotzkist. Zirkeln, Beschaffung verbotener Lit.; seit 1978 intensive Überwachung durch das MfS; 1980 nach § 106 StGB (»staatsfeindl. Hetze«) zu einem Jahr Haft verurteilt, U-Haft in Leipzig u. Strafvollzug in Brandenb.; nach der Entlassung Berufsverbot, Heizer in der KMU; 1981 – 86 Studium der Theol. am Theolog. Seminar in Leipzig; anschl. Vikar, Katechet sowie Beginn einer Repetentur in »prakt. Theol.«; 1985 Mitbegr. des Arbeitskrs. »Solidar. Kirche«; 1987 – 90 Mitgl. in dessen Koordinierungsgr.; Mitbegr. der Zwei-Drittel-Welt-Gruppe »Ökumene u. Gerechtigkeit«; Mitgestalter der Leipziger »Friedensgebete«, zahlr. Veranstaltungen, Vorträge u. Publ. in illeg. u. kirchl. Rahmen, u. a. Zusammenarbeit mit Reformsozialisten ( Michael Brie,  Hans-Peter Krüger u. a.); ab 1988 Pfarrer in Holzhausen (b. Leipzig); 1989 Mitbegr. des DA; Dez. 1989 – Jan. 1990 Mitgl. im PV, Vors. der DA-Gruppe Leipzig; Jan. 1990 Wechsel zur Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ) u. Mitbegr. der Leipziger DJ-Gruppe. Ab 1991 Lehraufträge an der Ev. FH für Soziale Arbeit in Dresden; 1992 Prom. zum Thema »Glaube u. Lebenswelt. Kritik der Lebenswelttheorie u. der Gemeindeaufbau«; seit 1993 Prof. für Soziol. 1996 – 99 Studiendekan, seit 2000 Vorstandsvors. des »apfe«-Forschungsinst. an der o. g. Ev. FH; Mitgl. von Bündnis 90/Die Grünen; 1999 Gründungsmitgl. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; zahlr. Veröff. zum Kulturvergleich zwischen Dtl. u. Osteuropa.Lebenswelt u. Glaube. Frankfurt, New York 1996; Herausforderung neue Armut. Leipzig 1997 (Hrsg.).Ehrhart Neubert / Jan Wielgohs

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Wagner, Siegfried

* 3.3.1925 – ✝ 2.8.2002

Geb. in Hildesheim; Vater Orchestermusiker; Volksschule, 1943 Abitur; 1943/44 Wehrmacht; 1944 – 46 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 in Hildesheim u. Übersiedl. nach Greiz (Thür.); Bauhilfsarb.; 1946 1. Sekr. der FDJ-KL Greiz; SED; 1947 – 49 Studium der Ges.-Wiss. in Leipzig; zugl. Parteisekr. der Univ. Leipzig; 1950 – 52 Instrukteur für Volksbildung in der Abt. Kultur, Ltr. des Sektors Unterricht u. Erziehung; 1952 – 57 Sekr. für Kultur u. Volksbildung der SED-BL Leipzig; Abg. des Bez.-Tags Leipzig; 1953 – 56 Fernstudium an der PHS; ab 1958 Mitgl. des Präs.-Rates des KB; 1957 – 66 Ltr. der Abt. Kultur im ZK der SED (Nachf. von  Hans Riesner), abberufen wegen angebl. liberaler Haltung gegenüber Künstlern; 1966 – 69 Ltr. der HV Film im Min. für Kultur, abberufen aus angebl. ideolog. Gründen; 1969 – 84 stellv. Minister für Kultur, zuständig für kulturelle Massenarbeit, Museen u. Denkmalspflege; seit den 1970er Jahren beim MfS als IME »Meister« erf.; Mitgl. der Jugendkommission beim PB des ZK der SED; 1975 Med. für Waffenbrüderschaft u. »Erinnerungsabzeichen 25 Jahre MfS«; 1978 – 84 Vors. des Staatl. Komitees für Unterhaltungskunst; 1979 VVO; 1984 Ruhestand; 1984 – 89 Vors. der Wartburgstiftung; 1987 – 89 Mitgl. der Arbeitsgr. Kabarett beim Min. für Kultur (zus. mit  Gisela Oechelhaeuser,  Otto Stark, Matthias Wedel); Nov. 1989 Austritt aus der SED; Rentner; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Wahlgreen, Johann Friedolf

* 26.10.1855 – ✝ 15.11.1941

(* 1855 – † 1941) Geboren am 26. Oktober 1855 in Habe/Schweden, wuchs in großer Armut mit zehn Geschwistern auf. Seine Lehre in einer Schiffstisch- lerei in Göteborg führte er nicht zu Ende, sondern arbeitete in einer Zuckerfabrik. Mit 18 Jahren kam Wahlgreen 1873 nach Deutschland, zog mit mehreren Landsleuten nach Geesthacht und war in einer Pulverfabrik beschäftigt. Später gemaßregelt, verdiente er sich als Gelegenheitsarbeiter, Landarbeiter und Kohlenträger seinen Lebensunterhalt. Noch unter dem Sozialistengesetz bildete er 1886 in Geesthacht die erste illegale Organisation der SPD. Er war jahrelang Vorsitzender der örtlichen Partei und zu Beginn des Jahrhunderts auch der Gewerkschaft. 1908 nahm er als Delegierter am Kongreß des Fabrikarbeiterverbandes in München teil. Wahlgreen verlor die schwedische Staatsangehörigkeit, erst nach langem Ringen erhielt er die deutsche. Von seinen sieben Kindern fielen im Weltkrieg zwei Söhne. Nach dem Krieg war er Vorsitzender des ADGB Geesthacht. Er blieb bis 1920 in der SPD, trat nach dem Kapp-Putsch zur USPD über, ging 1921 zur KPD. Von 1924 bis 1933 gehörte er der Stadtvertretung und dem Rat in Geesthacht an und von 1927 bis 1933 saß Wahlgreen für die KPD in der Hamburger Bürgerschaft, 1931 und 1932 deren Alterspräsident. Der fast Achtzigjährige wurde 1933 nicht verhaftet, wohnte als Hitler-Gegner weiter in Geesthacht. Dort starb Johann Wahlgreen am 15.November 1941.

Wer war wer in DDR

Walcher, Jacob

* 7.5.1887 – ✝ 23.7.1970

Geb. in Bethlehain (b. Wain / Württemb.); Vater Landwirt; 1894 – 1901 Volksschule in Wain; Ausbildung zum u. Arbeit als Dreher; 1906 DMV; SPD; 1911 – 15 Red. des »Schwäb. Tagblattes« (Stuttgart), vom SPD-LV abgesetzt; 1918 Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats in Stuttgart u. Mitgl. der Spartakusggr.; Übersiedl. nach Berlin; Nov. 1918 erneut nach Stuttgart; Mitbegr. der KPD, 2. Vors. des Gründungsparteitags; 1920 Kand., ab 1921 Mitgl. des ZK der KPD, verantw. für Gewerkschaftsfragen; 1924 – 27 in der UdSSR (Moskau); dort Mitarb. der RGI-Zentr. u. Mitgl. von deren Exekutive; Rückkehr nach Dtl.; 1927/28 Mitarb. der Abt. für Gewerkschaftsfragen des ZK der KPD in Berlin, ausgeschl.; 1928 Mitbegr. der KPD-Opp. (KPO) u. 1928 – 31 Mitgl. von deren engerer Reichsltg.; 1928 – 32 Mithrsg. der Ztschr. »Gegen den Strom« (Berlin); 1929/30 hauptamtl. Sekr. der KPO-Reichsltg.; 1932 aus der KPO ausgeschl.; Mitgl. der SAP u. deren hauptamtl. Sekr. in der Reichsltg.; 1933 Emigr. nach Spanien u. Frankreich; dort interniert; 1941 Emigr. in die USA (New York); einer der Ltr. des »Council for a Democratic Germany«. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1947 – 51 SED; 1946 – 49 Chefred. der FDGB-Ztg. »Tribüne« bzw. Mitarb. im FDGB-Archiv; Jan. 1951 wird er im »Neuen Dtl.« wegen seiner Zugehörigkeit »zu verbrecherischen Fraktionen u. Cliquen der Heinrich Brandler, August Thalheimer u. Walcher« denunziert; Ende Febr. 1951 aus der Red. der »Tribüne« ausgeschieden; arbeitslos; 1951 Red. im DIZ; Mai 1951 aus der SED ausgeschl., 1956 wiederaufgenommen u. parteiintern rehabil.; 1962 u. 1967 VVO; gest. in Berlin.Ford oder Marx. Die praktische Lösung der sozialen Frage. Berlin 1925. Stock, E.: J. W. 1887 – 1970. Gewerkschafter u. Revolutionär zwischen Berlin, Paris u. New York. Berlin 1998.Bernd-Rainer Barth

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Walden, Herwarth

* 16.9.1878 – ✝ 31.10.1941

Geboren am 16. September 1878 in Berlin als Georg Levin. Er studierte zunächst erfolgreich Musik, wandte sein Interesse jedoch bald der bildenden Kunst und der Literatur zu. Den Namen Herwarth Walden gab ihm Else Lasker-Schüler, mit der er von 1901 bis 1911 verheiratet war. Während seine literarischen Werke heute fast vergessen sind, ist er als bedeutender Kritiker und Kunsttheoretiker weltweit bekannt sowie als Förderer moderner Kunst. 1904 gründete er den Verein für Kunst und begann mit der Unterstützung junger Autoren, die heute zur Weltliteratur zählen, wie Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin und Gottfried Benn. Mit seinen Schriften (»Expressionismus. Die Kunstwende«, 1918) und vor allem als Herausgeber der Zeitschrift »Der Sturm« (1910 bis 1932) wurde er zu einem Vorkämpfer des Expressionismus, Futurismus und Kubismus in Deutschland. Bis 1931 wirkte er als Galerist, Kunsthändler und Verleger in Berlin. Führendes Mitglied der Gesellschaft der Freunde des neuen Rußlands, 1932 übersiedelte er mit seiner Frau Ellen, geborene Bork, nach Moskau. Er war dort Lehrer am Fremdspracheninstitut und publizierte Literaturtexte für Schulen. Am 31.März 1941 vom NKWD verhaftet, kam Herwarth Walden am 31. Oktober 1941 in einem Gulag bei Saratow an der Wolga ums Leben. Seine junge Frau Ellen floh mit ihrem Kind in die deutsche Botschaft und kam nach Berlin zurück. Die Tochter erhielt erst nach einem Besuch in Moskau (1966) Informationen über ihren Vater, z. B. das Todesdatum. In einem Zusatz hieß es, daß er »rehabilitiert« sei. Weitere Nachfragen, was es mit dieser Rehabilitation auf sich habe und ob sie Aussicht hätte, das beschlagnahmte Eigentum ihres Vaters, d. h. seine Bibliothek und seinen schriftlichen Nachlaß zu erhalten, blieben unbeantwortet.

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Wallach, Julius

* 22.9.1887

Geboren am 22. September 1887 in Neuss, Sohn von Issak Wallach; Lehre und Arbeit als Sattler, Tapezierer und Händler. Er zog 1915 nach Friedrichsort bei Kiel, war dort 1918 aktiv an der Novemberrevolution beteiligt, 1918/19 Vorsitzender der KPD in Kiel, er nahm wahrscheinlich als Delegierter am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Wallach wurde 1920 Mitglied der KAPD, kam später aber wieder zur KPD zurück. Seit 1925 verantwortlich für den Aufbau des RFB in Kiel, nach dem RFB-Verbot 1929 übernahm er den Aufbau der RFB-Ersatzorganisation »Rote Marine Reichspietsch-Köbis«, dann 1931 Leiter der KPD-Zelle Schifffahrt, einer Hochburg der Ultralinken. Weitere Lebensdaten waren nicht zu ermitteln.

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Walter, Hermann

* 16.1.1874 – ✝ 3.5.1964

Geboren am 16. Januar 1874 in Erfurt, Sohn eines Zimmermanns. Nach Schlachterlehre und Wanderschaft kam er 1890 nach Berlin, wurde Mitglied der SPD und der Gewerkschaften und arbeitete als Schlachter des Berliner Konsumvereins. 1893 wegen »Widerstandes gegen die Staatsgewalt«, »Einbruchs und Diebstahls« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Von 1896 bis 1899 Leiter der SPD in Wedding, wurde Leitergerüstbauer. 1914 verließ er die SPD, schloß sich der Spartakusgruppe und 1917 der USPD an. Er gehörte 1917/18 zu den Revolutionären Obleuten, organisierte Waffentransporte nach Berlin und war im Januar 1918 führend beim Generalstreik in den Lichtenberger Großbetrieben. Während der Novemberrevolution in Berlin an Kämpfen und Verhandlungen beteiligt, die zur Übergabe des Polizeipräsidiums führten. Als Vertreter der Revolutionären Obleute nahm er an den Vorbesprechungen und am KPD-Gründungsparteitag als Beobachter teil. Im April 1919 Delegierter der USPD zum 2. Reichsrätekongreß, ab Februar 1920 Mitglied der KPD. Walter saß im Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft Berlin und war Branchenleiter der Gerüstbauer. Er kam mehrmals in Konflikt mit der ultralinken Gewerkschaftspolitik der KPD. Im Sommer 1928 (und erneut im Februar 1931) aus der KPD ausgeschlossen, da er sich weigerte, die Gerüstbauer in die RGO zu überführen und es ablehnte, als Kandidat der »Roten Liste« gegen den ADGB bei den Betriebsrätewahlen in der Konsumgenossenschaft Berlin anzutreten; am 2. April 1932 wieder in die KPD aufgenommen. Im Mai 1933 verhaftet, in der »Schutzhaft« schwer mißhandelt. 1945 gehörte er gemeinsam mit Hans Pfeiffer zu den Mitbegründern der KPD in Zeuthen, wo er als Partei- und Gewerkschaftsveteran wohnte, er erhielt anläßlich seines 90. Geburtstages im Januar 1964 den VVO in Gold. Hermann Walter starb am 3.Mai 1964.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Paul

* 13.2.1891 – ✝ 1.12.1978

Geboren am 13. Februar 1891 in Viehhofen bei Nürnberg, Sohn eines Metzgergesellen. Lehre als Dreher und anschließend 1908 bis 1914 Wanderschaft durch Europa. Er gehörte 1911 in Zürich dem Internationalen Arbeiterverein an und wurde 1912 Mitglied der SPD. Bei Kriegsausbruch Marinesoldat auf dem Kreuzer »Kolberg« in Wilhelmshaven. Wegen antimilitaristischer Arbeit unter den Marineangehörigen im August 1916 inhaftiert und zu einem Jahr Festung verurteilt, anschließend als »wehrunwürdig« entlassen und zum Berliner Rüstungsbetrieb Schwartzkopf dienstverpflichtet. Ab 1917 Mitglied der USPD, schloß sich Walter während der Novemberrevolution der Spartakusgruppe an und wurde Mitglied der KPD. Beteiligt an der Besetzung der Vorwärts-Druckerei, deswegen Anfang Januar 1919 wegen »Aufruhrs und Landfriedensbruchs« zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Danach wieder Dreher und von 1924 bis 1932 beim AEG-Lokomotivbau in Hennigsdorf beschäftigt, gehörte er als Obmann der Funktionäre und Vorsitzender des Arbeiterrates zu den bekannten Kommunisten. Im September 1930 wurde Walter im Wahlkreis Berlin in den Reichstag gewählt, in dem er bis zum März 1933 blieb. Er war 1930 Reichsleiter der RGO Industriegruppe Metall. Anfang März 1933 festgenommen und am 7. November vom Reichsgericht zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend bis 1938 im KZ Sachsenhausen. Er wurde 1943 erneut verhaftet und kam wieder in das KZ Sachsenhausen. Im Mai 1945 führend am Aufbau der Einheitsgewerkschaften in Berlin beteiligt, Orgleiter des FDGB in Berlin, schied wegen Krankheit 1949 aus dem FDGB Groß-Berlin aus. 1951 übernahm er die Leitung des Vorbereitenden Ausschusses zur Bildung des Nationalen Aufbau-Werkes (NAW) in Ost-Berlin, später hauptamtlicher Mitarbeiter des Nationalrats der Nationalen Front, wo er die Westabteilung bzw. die Abteilung Agitation leitete. Er erhielt 1971 den Karl-Marx-Orden. Paul Walter starb am 1.Dezember 1978 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Walter, Steffi

* 17.9.1962

Geb. in Schlema (Erzgeb.), aufgew. in Lauter (Erzgeb.); Vater selbst. Konditormstr.; Leichtathletin in Lauter; ab 1977 Rennschlittensport beim SC Traktor Oberwiesenthal; KJS; Spezialdisz.: Damen-Einsitzer; 1979 Spartakiadesiegerin; 1983 u. 1985 WM; 1984 u. 1988 Olymp. Spiele: Siegerin; VVO; Studium der Staatswiss. an der ASR Potsdam; nach 1989 Ausbildung zur Verkehrskauffrau; lebt seit 1986 in Bautzen.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Walther, Rosel

* 12.1.1928 – ✝ 24.8.2006

Geb. in Landsberg (Warthe, Ostbrandenb./ Gorzów Wielkopolski, Polen); Vater Sattler; Volksschule, 1942 – 45 Lehrerbildungsanstalt; 1945 – 50 Lehrerin in Gransee; 1949 NDPD; 1950 – 52 Assistentin u. Lehrerin an NDPD-Parteischulen; 1950 – 58 Abg. der Volkskammer; 1951 – 55 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1952/53 Mitgl. des Landesvorst. Brandenb., dann des Bez.-Vorst. Potsdam der NDPD; 1953 – 61 Mitarb., dann Abt.-Ltr. beim PV; 1961 – 64 Lehrstuhlltr. an der HS für Nat. Pol. (Zentr. Parteischule der NDPD) in Waldsieversdorf (Krs. Strausberg); 1959 – 65 stellv. Vors. des ZA der Volkssolidarität; seit 1963 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1964 – 66 Abt.-Ltr. Pol. Studium (Prop.) in dessen Sekr.; 1964 – 66 Vors. der Frauenkommission der NDPD; 1964 – 69 Mitgl. des Bundesvorst. des DFD; 1966 – 72 Dir. der Zentr. Parteischule der NDPD; 1967 – Jan. 1990 Mitgl. des PV, dann Präs. ihres Hauptaussch.; 1967 – März 1990 erneut Abg. der Volkskammer; seit 1973 stellv. Vors. der NDPD-Fraktion; seit 1986 Mitgl. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; seit 1971 Mitgl. des Staatsrats; seit 1974 des Präs. des DDR-Friedensrats; 1974 – 86 des Weltfriedensrats; 1972 – Nov. 1989 Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; 1959 Verdienstmedaille der DDR; 1969 VVO; 1990 Rentnerin; Mitgl. der FDP; gest. in Berlin.Die Aufgaben u. Perpektiven der Angestellten aus dem Mittelstand beim Aufbau des Sozialismus. o. O. 1959.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wandel, Paul

* 16.2.1905 – ✝ 3.6.1995

Geboren am 16. Februar 1905 in Mannheim, Sohn einer Arbeiterfamilie. Der gelernte Maschinentechniker studierte 1929/30 an der Ingenieurschule in Mannheim. Zunächst Mitglied der christlichen Jugend, schloß er sich 1922 der SAJ und 1923 der KJD an, 1926 der KPD. Er wurde 1930/31 Mitglied des Sekretariats der KPD-BL Baden und Vorsitzender der KPD-Fraktion in der Mannheimer Stadtverordnetenversammlung. 1933/34 Kursant und Parteisekretär an der Internationalen Leninschule in Moskau. Wandel arbeitete am Marx-Engels-Institut und zeitweilig als persönlicher Sekretär von Wilhelm Pieck im EKKI. Im Oktober 1941 aus Moskau evakuiert, leitete er unter dem Parteinamen Klassner die deutsche Sektion an der Komintern-Schule in Kuschnarenkowo. Ab 1943 am Deutschen Volkssender tätig, wurde Wandel Mitglied einer vom ZK der KPD initiierten Arbeitsgruppe für Propagandafragen und Mitarbeiter in der Arbeitskommission des ZK der KPD, ab September 1944 im Auslandsbüro der KPD in Moskau. Am 10. Juni 1945 kehrte er nach Berlin zurück und wurde Chefredakteur des KPD-Zentralorgans »Deutsche Volkszeitung«. Anfang August 1945 von der SMAD zum Präsidenten der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung berufen. Von April 1946 bis Juli 1958 gehörte Wandel dem PV bzw. dem ZK der SED an, für Kultur- und Bildungsfragen zuständig. Im Oktober 1949 Minister für Volksbildung der ersten DDR-Regierung, dann von Else Zaisser abgelöst. Nach dem 17. Juni 1953 Sekretär für Kultur und Erziehung des ZK der SED, geriet Wandel 1956 in die Auseinandersetzung Walter Ulbrichts mit der Schirdewan-Wollweber-Gruppe. Im Oktober 1957 erhielt er wegen »ungenügender Härte bei der Durchsetzung der kulturpolitischen Linie« eine »strenge Rüge«. Als Sekretär des ZK abgelöst, im April 1958 als Botschafter nach China geschickt, wurde er 1961 einer der Stellvertreter des Außenministers. Seit 1964 Präsident der Liga für Völkerfreundschaft, mußte aber das Amt 1976 dem CDU-Vorsitzenden Gerald Götting überlassen und war bis 1984 Vizepräsident. Er erhielt 1975 den Karl-Marx-Orden, 1985 verlieh ihm die Humboldt-Universität die Ehrendoktorwürde. Nach 1989 gehörte er der PDS an und war Mitglied in deren »Rat der Alten«. Paul Wandel starb am 3. Juni 1995 in Berlin.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs