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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Uhlmann, Wolfgang

* 29.3.1935

Geb. in Dresden in einer Bäckersfamilie; nach dem Volksschulabschl. 1949 – 52 Berufsausbildung zum Buchdrucker; danach kfm. Lehre u. bis 1960 tätig als Industriekfm.; seit 1949 aktiver Schachspieler bei Post Dresden; 1956 Internat. Mstr.; 1959 Internat. Großmstr.; ab 1960 hauptberufl. Schachtrainer beim SC Einheit / Post Dresden. Teiln. an zehn Schacholympiaden; elfmaliger DDR-Mstr. u. dreimaliger Sieger des Turniers von Hastings; 1970 Teiln. an den Kand.-Wettkämpfen zur Ermittlung des WM-Herausforderers; 1970 Mitgl. der Weltauswahl. Autor mehrerer Schachbücher, vor allem zur »Französischen Verteidigung«, als deren Spezialist W. U. gilt; Mitgl. des dt. Schach-Seniorenteams; 2006 dt. Schach-Seniorenmstr.; lebt in Dresden.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhrig, Robert

* 8.3.1903 – ✝ 7.6.1944

Geboren am 8. März 1903 in Leipzig, Sohn eines Schlossers; lernte Dreher, ging auf Wanderschaft und legte in Berlin die Ingenieurprüfung ab. 1920 trat er in die KPD ein. Seit 1929 im Versuchslabor für Radioröhren bei der Osram GmbH in Berlin, übernahm er Anfang 1933 die Leitung einer illegalen Betriebszelle der KPD. Im Juni 1934 festgenommen und am 28.November 1934 zu 21 Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte. Nach seiner Entlassung erneut im Widerstandskampf gegen die NS-Diktatur, leitete Uhrig ab 1938 verschiedene illegale Gruppen aus über 20 Rüstungsbetrieben in Berlin. Er stand 1938 in Kontakt mit dem in Prag residierenden Auslandssekretariat des ZK der KPD. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges konnte er das Netz der Widerstandsorganisation erweitern, hatte Verbindung zu Kommunisten in mehreren deutschen Großstädten. 1940/41 arbeitete er mit der von Josef (Beppo) Römer geleiteten Gruppe zusammen. Das von Uhrig herausgegebene Untergrundmaterial »Informationsdienst« berichtete über örtliche Mißstände und Verflechtungen betrieblicher Produktionsabläufe mit der Rüstungs- und Kriegswirtschaft des NS-Staates und rief zur Sabotage auf. Im Februar 1942 wurde die Gruppe zerschlagen. Robert Uhrig wurde am 4. Februar festgenommen, am 7. Juni 1944 vom VGH zum Tode verurteilt und am 21.August 1944 im Zuchthaus Brandenburg ermordet. Uhrigs zweite Frau Charlotte, geborene Kirst (*26. 2. 1907 – † 17. 10. 1992), Kontoristin, 1926 Mitglied der SPD, war von 1928 bis 1933 Sekretärin der SPD-Reichstagsfraktion, u. a. für Rudolf Breitscheid. Seit 1940 verheiratet mit Robert Uhrig, beschaffte sie 1941 geheime Unterlagen über die Rüstungsproduktion, die er der sowjetischen Botschaft zustellen ließ. Charlotte Uhrig wurde am 3. September 1943 festgenommen, vom VGH zwar am 17. April 1944 freigesprochen, jedoch bis Ende April 1945 im KZ Ravensbrück festgehalten. 1945/46 Leiterin des Frauenausschusses beim Bezirksamt Berlin-Schöneberg, später in der Deutschen Verwaltung des Innern bzw. bei verschiedenen DDR-Ministerien tätig, sie erhielt 1972 den VVO in Gold.

Wer war wer in DDR

Ulbricht, Lotte (Charlotte)

* 19.4.1903 – ✝ 27.3.2002

Geb. in Berlin-Rixdorf; Vater Hilfsarb., Hausdiener, Mutter Heimarb., Kleinbäuerin; Volks- u. Mittelschule bis 1919; dann Büroangest.; 1919 – 21 Arbeit als Stenotypistin in einer Berliner Fa.; 1919 – 24 Freie Soz. Jugend / KJD; 1920 ZdA; seit 1921 KPD; 1921/22 Stenotypistin beim ZK der KPD in Berlin u. bei der ZK-Abt. Bergbau in Essen; danach bei der BL der KPD in Essen; 1922/23 als Stenotypistin / Sekretärin bei der KJI in Moskau u. 1923/24 beim ZK der KPD in Berlin; dann von 1924 – 26 Stenotypistin bei der KPD-Reichstagsfraktion in Berlin; 1926/27 Archivarin bei der KJI in Moskau; 1927 – 31 Sekr. u. Stenotypistin in der UdSSR-Handelsvertr. in Berlin; 1931 – 35 Ref. bei der KI in Moskau; 1931 – 35 KPdSU (B); 1932/33 Fernstudium an der Akad. für Marx.-Lenin., 1933 – 35 Abendstudium an der KUNMZ in Moskau (nicht beendet); gleichz. Kurier für die OMS (»Margret Welter«); 1935 – 38 ehrenamtl. Mitarb. im Auslandsapparat des ZK der KPD; nach der Verhaftung ihres früheren Lebenspartners  Erich Wendt 1936 (obwohl bereits von ihm getrennt u. in Lebensgem. mit  Walter Ulbricht) einer Untersuchung der IKK unterworfen, Mai 1939 Rüge der IKK wg. »Abstumpfung der Klassenwachsamkeit« (1940 aufgehoben); 1938 – 40 Setzerin in der Druckerei für ausländ. Lit. in Moskau; 1940/41 Deutschlehrerin an einer Abendschule in Moskau; 1941 – 45 Hauptref. der KI u. Instrukteurin in Moskau. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 FDBG u. KB; 1945/46 Ltr. der Allgem. Abt. im ZK der KPD; ab Aug. 1946 als Red. des »Informations-Bulletins« in der ZK-Abt. Presse u. Information, dort zeitw. Ltr. des Informationsdienstes; April 1947 – Juli 1953 persönl. Mitarb. von Walter U. im ZK der SED; 1950 Heirat mit Walter U.; 1953 zum Studium an das IfG beim ZK der SED delegiert; 1950 – 18.7. 1953 Mitgl. der Red.-Kommission der theoret. Ztschr. der SED »Einheit«; 1950 – 53 Mitgl. der Frauenkommission beim SED-PB; 1954 – 59 Studium am IfG (wiss. Aspirantur), Dipl.-Ges.-Wiss.; 1955 Clara-Zetkin-Medaille; 1959 VVO; 1959 – 73 wiss. Mitarb. am IML; dort von Nov. 1959 – Jan. 1961 in der Abt. Geschichte der Partei u. der dt. Arbeiterbew. Ltr. der neugebildeten Arbeitsgr. »Walter Ulbricht«; von 1961 – 73 als wiss. Mitarb. des IML für die pol. Red. aller vom Inst. hrsg. Reden u. Schriften Walter U.s verantw.; 1960 Banner der Arbeit; 1960 – 62 Mitgl. der Frauenkommission beim Sekr. des ZK, 1962 – 73 Mitgl. der neugebildeten Frauenkommission beim PB des ZK; 1963 VVO; 1965 Ehrenspange zum VVO; 1969 KMO; Juli 1973 Ruhestand; 1978 VVO; 1983 KMO; 1988 Großer Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin-Pankow.Eine unvergeßliche Reise. Leipzig 1965; Reden u. Aufsätze 1943 – 1967. Berlin 1968; Mein Leben. Selbstzeugnisse, Briefe u. Dokumente. Berlin 2003 (hrsg. von Frank Schumann). Schumann, F. (Hrsg.): Lotte u. Walter. Die Ulbrichts in Selbstzeugnissen, Briefen u. Dokumenten. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Monika Kaiser

Wer war wer in DDR

Ullmann, Ernst

* 19.12.1928 – ✝ 7.8.2008

Geb. in Reichenberg-Franzendorf (ČSR / Františkov u Liberce, Tschechien); Vater Bäckermstr., Mutter Schneiderin; nach der Aussiedl. zweijähriger Krankenhausaufenthalt; 1951 Abitur an der ABF Halle; ebd. Studium der Kunstgeschichte, Geschichte u. Archäologie; 1956 Dipl.; 1956 – 60 wiss. Aspirantur an der MLU Halle; 1960 Prom.; 1960 – 64 Oberassistent; 1964 – 68 Wahrnehmungsdoz. u. kommissar. Inst.-Dir.; 1964 – 89 Mitgl. des Beirats für Kunstwiss. beim Min. für HFS-Wesen; 1968 – 71 Doz.; 1968 – 74 Vors. der Sekt. Kunstwiss. u. Mitgl. des Bez.-Vorst. u. des Zentralvorst. des VBKD (später VBK); 1971 – 93 ord. Prof. für Kunstgeschichte an der KMU Leipzig; Mitgl. des Nationalkomitees für Kunstgeschichte der DDR; ab 1977 Mitgl. im Comité International d’Histoire de l’Art (C.I.H.A.); 1980 – 89 Vors. des Bez.-Vorst. Leipzig u. Mitgl. des Zentralvorst. der Ges. für Denkmalpflege im KB; Mitgl. der Verlagsbeiräte E. A. Seemann u. Edition Leipzig sowie des Beirats des Allg. Künstlerlexikons (Neuausg. Thieme-Becker-Vollmer); 1981 Mitgl. der Sächs. AdW; 1984 Fellowship am Institute for Advanced Study, Princeton, USA; 1985 NP. 1990 – 91 Vors. der Kommission für Kunstgeschichte u. Musikwiss. der Sächs. AdW; ab 1994 korr. Mitgl. der Braunschweig. Wiss. Ges.; 1994 – 96 Vors. der Kommission für Bau- u. Kunstgeschichte Niedersachsen; gest. in Leipzig. Zahlr. Editionen, u. a.: Geschichte der dt. Kunst 1350 – 1470. Leipzig 1981; Geschichte der dt. Kunst 1470 – 1550. 2 Bde. Leipzig 1984/85.Baudenkmäler in der DDR. 1961; Baukunst in Dtl.: Gotik. Leipzig 1969 (erw. u. völlig überarb. Aufl. 1994); Leonardo da Vinci. Leipzig 1980 (2. Aufl. 1998); Albrecht Dürer. 1982; Die Welt der gotischen Kathedrale. 1981; Raffael. Leipzig 1983 (Neuaufl. 1991 u. 1997); Der Magdeburger Dom – ottonische Gründung u. staufischer Neubau. 1989; Renaissance. Deutsche Baukunst 1520 – 1620. 1995; Halberstadt. Studien zu Dom und Liebfrauenkirche. Symposion Königtum u. Kirche als Kulturträger im östl. Harzvorland. 1997.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Ullrich, Frank

* 24.1.1958

Geb. in Trusetal (Thür.); Vater Werkzeugmacher; 1964 – 77 POS, KJS, Abitur; 1968 – 84 Biathlet erst beim BSG Stahl, dann beim ASK Vorwärts Oberhof (Trainer: Wido Kühne u. Horst Weisheit); 1972 Spartakiadesieger; bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1975: 3. Platz (10 km), Sieger (mit der Staffel); 1976 Olymp. Spiele: 3. Platz (mit der Staffel); ab 1976 NVA, zul. Major; 1977 bei den Junioren-Weltmeisterschaften: Sieger (15 km); bei den Weltmeisterschaften 1977: 3. Platz (mit der Staffel); bei den Weltmeisterschaften 1978: Sieger (10 km), 2. Platz (20 km u. mit der Staffel); 1978 – 88 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl-Sportlehrer; bei den Weltmeisterschaften 1979: Sieger (10 km u. mit der Staffel), 4. Platz (20 km); 1980 Olymp. Spiele: Sieger (20 km), 2. Platz (20 km u. mit der Staffel); 1981 u. 1982 DDR-Mstr. (20 km u. mit der Staffel); bei den Weltmeisterschaften 1981: Sieger (10 km u. mit der Staffel), 2. Platz (20 km); bei den Weltmeisterschaften 1982: Sieger (20 km u. mit der Staffel), 2. Platz (10 km); 1983 DDR-Mstr. (20 km); bei den Weltmeisterschaften 1983: Sieger (20 km), 2. Platz (mit der Staffel), 8. Platz (10 km); 1984 Olymp. Spiele: 4. Platz (mit der Staffel), 5. Platz (20 km) u. 17. Platz (10 km); 1986 – 90 Trainer beim ASK Vorwärts Oberhof u. der DDR-Auswahl; VVO; NVA, Hauptmann; dann Sportfördergr. Oberhof der Bundeswehr, Feldwebel. Bundestrainer für Biathlon; ab März 1998 verantw. Disziplintrainer Herren im Dt. Ski-Verb. (Nachf. von Norbert Baier); 2008 Ehrenbürger von Trusetal; Frühj. 2009 Überprüfung div. Dopingvorwürfe gegen ihn als Co-Trainer der DDR-Auswahl durch den Dt. Skiverband, Freispruch.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Ullrich, Werner

* 24.3.1928 – ✝ 12.5.1999

Geb. in Hohenleipisch (Krs. Bad Liebenwerda); Vater Fleischer u. Brennereiarb., Mutter Hausfrau; 1934 – 42 Volksschule; Lehre als Industriekaufm.; 1945 Luftwaffenhelfer. 1945 / 46 zu Reparationsarbeiten herangezogen; 1946 – 48 Arbeit als Heizer bei der sowj. Besatzungsmacht; 1948 – 53 Angeh. der DVP bzw. der KVP, zuletzt als Hptm.; 1949 SED; 1953 – 55 Oberreferent beim Rat des Bez. Gera, 1956 / 57 Sekretär beim Rat der Stadt Gera; 1957 – 64 stellv. Abt.-Ltr. bzw. Abt.-Ltr. beim Rat des Bez. Gera, während dieser Zeit für ein Jahr als Sekr. beim Rat der Stadt Gera eingesetzt; Fernstud. an der DASR in Potsdam, 1962 Dipl.-Staatswiss.; 1964 / 65 Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1965 – 83 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Gera u. Vors. der Bezirksplankommission; 1983 – Jan. 1990 Vors. des Rats des Bez. Gera. 16.11.1990 Anklage durch die Bezirksstaatsanwaltschaft Gera wegen Anstiftung zur Wahlfälschung als Vors. der Bezirkswahlkommission Gera während der Kommunalwahlen am 7.5.1989; am 15.1.1992 durch das Kreisgericht Gera-Stadt zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; gest. in Gera.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ullrich, Lisa

* 12.8.1900 – ✝ 5.6.1986

Geboren am 12. August 1900 in Odessa, Tochter österreichischer Eltern – der Vater war Schriftsetzer (Schwester von Ferdinand Ullrich). Sie kam schon mit 11 Jahren in einen Textilbetrieb in Riga. Bei Ausbruch des Weltkrieges wurde der Vater interniert, dann die Eltern mit vier Kindern nach Deutschland ausgewiesen. Lisa Ullrich lernte Schneiderin und arbeitete ab 1918 in der Bekleidungs-, Metall- und Elektroindustrie. Im März 1920 Mitglied der USPD, im Dezember 1920 der KPD, zunächst ehrenamtliche Funktionen in der Frauenarbeit. Um die deutsche Staatsangehörigkeit zu erhalten, heiratete Lisa Ullrich 1924 den Dreher und Kommunisten Adolf Dressler, die Ehe wurde 1927 geschieden. Sie war Delegierte zum V.Weltkongreß der Komintern 1924 in Moskau, danach bis August 1925 deutsche Vertreterin im Internationalen Frauensekretariat der Internationale. Anschließend bis 1927 Arbeiterin in Deutschland, ehrenamtlich im RFMB, dann hauptamtliche Mitarbeiterin der Frauenabteilung des ZK. Von Januar 1931 bis August 1932 war sie im Auftrag der Profintern in Prag, Amsterdam und in Frankreich. Lisa Ullrich wurde im Juli 1932 und erneut im November im Wahlkreis Köln-Aachen in den Reichstag gewählt. 1933 unter dem Decknamen Marga Instrukteurin der BL Magdeburg. Am 17.November 1933 festgenommen und am 20.Januar 1935 vom Kammergericht Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, kam dann in KZs. Infolge eines Unfalls im KZ wurde Lisa Ullrich auf persönliche Anordnung des Reichsführers SS Himmler im Frühjahr 1939 freigelassen, war Näherin und Lageristin in Berlin, später Kontoristin und Dolmetscherin. Am 22. August 1944 erneut verhaftet, saß sie bis zur Befreiung im KZ Ravensbrück. 1945 wieder in der KPD, ab Mitte September in der Deutschen Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge. Ende Juli 1946 wechselte Lisa Ullrich als Hauptreferentin in die Frauenabteilung des ZS der SED. Sie besuchte 1948 einen Halbjahreskurs der SED-Parteihochschule »Karl Marx«, war zunächst wieder im Parteiapparat, dann bis 1964 in der Schulungsabteilung der Zentralverwaltung für MAS des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft tätig. Sie erhielt 1980 die Ehrenspange zum VVO in Gold. Lisa Ullrich starb am 5. Juni 1986 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Umland, Peter

* 20.2.1895 – ✝ 5.10.1968

Geboren am 20. Februar 1895 in Brunsbüttelkoog/Krs. Dithmarschen, Sohn einer Arbeiterfamilie. Arbeiter, anschließend fuhr er für die Hapag zur See. Seit 1912 Mitglied der SPD. Im Oktober 1915 zum Militär eingezogen, kam er in Wilhelmshaven zu einer Torpedo-Division. 1917 Mitglied der USPD, ging mit deren linkem Flügel Ende 1920 zur KPD und gehörte der BL Wasserkante an. Zeitweise war er Ersatzmitglied des ZA. Er unterschrieb als Anhänger Hugo Urbahns 1926 den »Brief der 700«. Nach einer persönlichen Aussprache mit Ernst Thälmann trennte sich Umland Ende 1926 von der Urbahnsgruppe. Von März 1933 bis Oktober 1934 im KZ Esterwegen. Ab 1945 Mitglied und Funktionär der KPD, u. a. Sekretär in Süderdithmarschen und Mitglied des LV Hamburg. Peter Umland starb am 5. Oktober 1968 in Brunsbüttelkoog.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Unger, Frieda

* 9.7.1888 – ✝ 13.4.1975

Geboren am 9. Juli 1888 in Schopfheim/Baden als Frieda Eckert, Tochter eines Kleinbauern; war Dienstmädchen und Verkäuferin. 1910 heiratete sie den Maurer und aktiven Sozialdemokraten Karl Unger. Von 1908 bis 1914 lebte sie in Basel, von 1915 bis 1928 in Lahr. 1911 Mitglied der SPD, 1917 der USPD, war sie eine der Führerinnen der USPD in Südbaden und Stadtverordnete in Lahr. Frieda Unger wurde 1921 für die USPD in den Badischen Landtag gewählt. 1922 Übertritt zur KPD. Im September/Oktober 1923 spielte sie bei den Aufstandsversuchen in Mittelbaden eine führende Rolle. Sie wurde verhaftet und konnte im November mit Hilfe ihres Mannes, Karl Unger, fliehen, der nun ebenfalls in der KPD wirkte. Kurz darauf wieder festgenommen, saß sie bis Mai 1924 in Untersuchungshaft, obwohl sie dem Landtag angehörte, 1925 nicht mehr als Abgeordnete gewählt. Im Mai 1926 vom Reichsgericht in Leipzig wegen ihrer Tätigkeit beim Aufstand 1923 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. »Hartes Urteil – natürlich gegen eine Kommunistin«, kommentierte der sozialdemokratische »Vorwärts«. 1927 aus dem Zuchthaus entlassen, bekam sie in der KPD keine Funktion. Sie übersiedelte 1930 – inzwischen von Unger geschieden und als Frieda Haas wieder verheiratet – nach Berlin, arbeitete im Zentralverband der Arbeitsinvaliden. Nach 1933 hatte sie Verbindung zu Widerstandsgruppen, wurde 1937 verhaftet und kam für acht Monate in U-Haft. Ihr Mann wurde noch zur Wehrmacht eingezogen. 1945 erhielt Frieda Unger durch Vermittlung von Edwin Hoernle eine Stelle als Instrukteurin und später als Abteilungsleiterin in der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft bzw. des ZV der VdgB. Ab 1950 Rentnerin, gehörte sie zeitweise dem DFD-Bundesvorstand an, sie erhielt 1968 den VVO in Silber. Frieda Unger-Haas starb am 13. April 1975 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Urban, Hans

* 1895 – ✝ 13.5.1925

1895 in Mitteldeutschland geboren; lernte Schlosser. Nahm als Soldat am Krieg teil. 1917 Mitglied der USPD, ging mit der USPD-Mehrheit 1920 zur KPD und arbeitete in Halle-Merseburg. Delegierter des VII. Jenaer Parteitags 1921. Urban gehörte 1922/23 zur linken Opposition gegen die Brandler-Zentrale. Nachdem die Linken 1924 die Parteiführung übernommen hatten, wurde Urban Mitte 1924 hauptamtlicher Funktionär, Sekretär für Gewerkschaftsfragen in der KPD-BL Halle-Merseburg. Anfang 1925 kam er als Redakteur an den »Klassenkampf«. Im April 1925 mußte er, schwer erkrankt, eine längere Festungshaft antreten. Bereits am 13. Mai 1925 starb Hans Urban in der Festung Gollnow.

Wer war wer in DDR

Uschkamp, Irma

* 3.6.1929 – ✝ 17.9.2014

Geb. in Treuburg (Krs. Oletzko, Ostpr. / Olekko, Polen); Vater Gutsgärtner, Mutter Bibliothekarin; Volks- u. Mittelschule; 1947 SED; 1947 – 52 Arbeiterin, Angest. u. Betriebsass. in Mügeln, Colditz u. Meißen; 1952 Referentin für Berufsausbildung bei der VVB Keramik in Erfurt; 1953 – 60 Werkltr. im VEB Steingutwerk Elsterwerda; 1953 – 59 Fernstud. der Industrieök. an der KMU Leipzig, Dipl.-Industrieök.; 1954 – 63 Abg. der Volkskammer; 1960 / 61 Teiln. am Sonderlehrgang des ZK der SED; 1961 – 64 polit. Mitarb.; 1964 – 66 Sektorenltr., 1966 / 67 stellv. Abt.-Ltr. in der SED-BL Cottbus; 1967 – 70 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. u. Vors. der Bezirksplankomm. Cottbus; 1970 / 71 Stud. an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1971 – 89 Vors. des Rats des Bez. Cottbus, auf eigenen Wunsch aus der Funktion ausgeschieden.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Vaculík, Ludvík

* 1926 – ✝ 2015

Schriftsteller und Publizist. Verfasser des *„Manifests der 2.000 Worte“ und Gründer des größten tschechoslowakischen Untergrundverlages *Edice Petlice.Ludvík Vaculík wurde 1926 im mährischen Brumov (Brumow) geboren und entstammt einer Zimmermannsfamilie. 1941–46 arbeitete er in den Schuhfabriken von Tomáš Baťa in Zlín und Zruč nad Sázavou (Srutsch an der Sasau). 1943 schloss er seine zweijährige Berufsschulausbildung zum Schuster und 1946 seine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann ab. 1946–50 studierte er am Institut für Politikwissenschaft und Journalismus der Prager Hochschule für Politik- und Sozialwissenschaften. 1948–51 war er als Erzieher in Internaten in Benešov nad Ploučnicí und Prag angestellt. Die Erfahrungen aus dieser Zeit beschrieb er 1963 in seinem Debütroman „Rušný dům“ (Ein unruhiges Heim). Nach zweijähriger Wehrpflicht wurde er 1955 Redakteur in der Abteilung für politische Literatur bei der Parteizeitung „Rudé právo“ (Rotes Recht), anschließend bei einer Landwirtschaftszeitschrift und ab 1959 in der Programmredaktion für Kinder und Jugendliche des Tschechoslowakischen Rundfunks. Ab September 1965 schrieb er als Redakteur für die „Literární noviny“ (Literaturzeitung). 1966 veröffentlichte er den Roman „Sekyra“ (Das Beil), welcher in der tschechische Literaturszene einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Mit dem Erfolg dieses Buches wurde Vaculík zu einer der einflussreichsten und bekanntesten Persönlichkeit im tschechoslowakischen Kulturleben. In den 60er Jahren distanzierte er sich vom Kommunismus. Der Paukenschlag folgte im Juni 1967, als er mit einer harschen Rede auf dem IV. Kongress des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbands einen großen Teil der kommunistischen Parteiführung brüskierte: Vaculík stellte die These auf, dass die Gesellschaft von einer Handvoll Vermögender regiert werde, während die Bürger lernen sollten, Leibeigene zu sein. Für Vaculík war die Demokratie in der Tschechoslowakei unterdrückt. Die Reaktion auf diese Rede folgte umgehend: Vaculík wurde sofort aus der Partei ausgeschlossen und wegen Beleidigung des Staates angeklagt. Im Juni 1968 verfasste Vaculík den wohl berühmtesten Text des *Prager Frühlings, das *„Manifest der 2.000 Worte“ (Dva tisíce slov), in dem er das Reformtempo als zu langsam kritisierte und dazu aufrief, Bürgerkomitees zu gründen, die unabhängig von den offiziellen Regierungsorganen handeln sollten. Die Bedeutung dieses Manifests, das bereits kurz nach seiner Veröffentlichung in den „Literární listy“ von mehreren tausend Menschen unterschrieben wurde, war gewaltig. Am Ende sollten zirka 120.000 Personen den Text unterschrieben haben, darunter zahlreiche bekannte Vertreter aus Kultur, Wissenschaft und Sport. Das Manifest wurde von der Führung der Kommunistischen Partei (KPČ) mit Alexander Dubček an der Spitze zurückgewiesen. Trotzdem nahmen auch die Kommunisten den Erfolg des Manifestes zur Kenntnis – allerdings sahen sie darin die Bestätigung für den Beginn einer Konterrevolution in der Tschechoslowakei mit Vaculík als dem größten Konterrevolutionär. 1969 wurde die Wochenzeitschrift „Listy“ eingestellt. Vaculík verfasste gemeinsam mit Rudolf Battěk, Václav Havel, Karel Kyncl, Milan Lakatoš sowie dem ehemaligen Redakteur der Zeitschrift „Reporter“, Vladimír Nepraš, dem Journalisten und Schachmeister Luděk Pachman, dem Historiker Jan Tesař, dem Jugendaktivisten Jozef Wagner und Pavel Kohout am 21. August 1969 zum Jahrestag des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei den Appell „Zehn Punkte“ (Deset bodů). Darin lehnten sie die sogenannte *„Normalisierung“ ab und ermutigten die tschechoslowakischen Bürger dazu, sich in ihrem Leben nach ihren eigenen Grundsätzen und Werten zu richten. Im Herbst desselben Jahres wurden er und die anderen Verfasser dann wegen „Vorbereitung eines Verbrechens zum Schaden des Staates“ angeklagt. Vaculík wurde im Unterschied zu Pachman, Tesař und Battěk jedoch nicht verhaftet. Ab 1970 nahm er an den Schriftstellertreffen in der Wohnung von Ivan Klíma, dessen Texte verboten worden waren, teil. Ende 1972 gründete Vaculík den unabhängigen Verlag *Edice Petlice (Edition Türriegel). 1975 entschied er sich, gemeinsam mit Pavel Kohout monatliche Feuilletons zu schreiben. Diese jeweils dreiseitigen Texte waren von einem ganz speziellen Stil geprägt und verbanden Beschreibungen persönlicher Erlebnisse mit Reflexionen zur aktuellen politischen Situation. Die Autoren schrieben dazu: „Drei Seiten sind das Längste an Text, das zu ertragen ist, wenn wir wollen, dass die Menschen diese Texte abschreiben.“ Die Feuilletons wurden 1990 nach dem Ende des Kommunismus in den beiden Bänden „Jaro je tady“ (Der Frühling ist da) und „Srpnový rok“ (Augustjahr) veröffentlicht. Ende der 70er Jahre engagierte er sich in der Redaktion der Zeitschrift „Československý fejeton/fejtón“ (Tschechoslowakisches Feuilleton) und in der Sammlung „Hodina naděje – Almanach české literatury 1968–1978“ (Stunde namens Hoffnung – Ein tschechischer Literaturalmanach 1968–1978). Seit Ende der 60er Jahre war Vaculík nirgendwo mehr angestellt. In den 70er und 80er Jahren lebte er von den Auslandshonoraren für seine Romane und Feuilletonbeiträge und er erhielt finanzielle Unterstützung von der Stiftung der Charta 77. Die Arbeit in seinem Verlag *Edice Petlice setzte ihn der Verfolgung durch die Staatssicherheit aus: 1975 wurden während einer Hausdurchsuchung bei ihm neben Manuskripten auch intime Fotos beschlagnahmt, mit denen er später erpresst wurde. Im Frühjahr 1977 erschienen diese Bilder als Teil einer Propagandakampagne gegen die Bürgerbewegung *Charta 77 und deren Unterstützer öffentlich in der Wochenzeitschrift „Ahoj“ (Hallo). Vaculík wirkte bei der Entstehung der Bürgerbewegung *Charta 77 und bei der Herausgabe ihrer ersten Erklärung mit. Er gehörte zu den Erstunterzeichnern ihrer Petition, und nahm damit vielen anderen Menschen, die später hinzugekommen waren, die Angst vor Verfolgung. Er verteilte Texte zum Vervielfältigen durch Abschreiben und schrieb selbst zahlreiche Texte ab, die eine bedeutende Rolle für das Zusammenwachsen verschiedener Oppositionskreise spielten. Großes Aufsehen erregte sein Roman „Český snář“ (Tschechischer Traum), der 1981 erst im Samisdat und später im Ausland erschien. In der Bundesrepublik kam der Roman 1981 unter dem Titel „Tagträume – Alle Tage eines Jahres“ heraus. In der Form täglicher Einträge, die im Januar 1979 beginnen und Februar 1980 enden, beschrieb er darin die Situation der Mitglieder der *Charta 77 auf solch offene und psychologisch glaubwürdige Art, dass einige der Dargestellten sich daran störten. In den Kreisen der *Charta 77 befürchteten einige sogar, dass er damit der Staatssicherheit vertrauliche Informationen über vergangene Aktionen und zwischenmenschliche Verhältnisse zugespielt habe. 1981 gründete er mit anderen die Monatsschrift „Obsah“ (Inhalt), die zu Teilen an die Tradition der „Literární noviny“ anknüpfte. Ab Ende 1987 schrieb er in der Rubrik „Poslední slovo“ (Das letzte Wort) Artikel für *„Lidové noviny“ (Volkszeitung) und war darüber hinaus Mitglied im Rat der Gesellschaft zur Förderung der *„Lidové noviny“. Nach dem Sieg der Demokratie 1989 lehnte er jegliche öffentlichen Funktionen und Ämter ab und betätigte sich wieder publizistisch. Ludvík Vaculík starb 2015 in Prag.Petr Pospíchal Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 06/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhlmann, Richard

* 12.1.1884 – ✝ 29.12.1962

Geboren am 12. Januar 1884 in Zschopau, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Eisendreher. 1908 Mitglied der SPD, aus der er 1914 austrat und sich 1917 der Spartakusgruppe anschloß. Seit 1919 Mitglied der KPD, 1921 als Betriebsrat der sächsischen Maschinenfabrik »Hartmann« in Chemnitz gemaßregelt. 1922 Besuch der KPD-Parteischule in Berlin. Uhlmann war Stadtverordneter in Chemnitz, im Frühjahr 1923 als Polleiter der BL Hessen nach Frankfurt/M. geschickt. Nach Aufhebung des KPD-Verbots im Frühjahr 1924 Rückkehr nach Chemnitz, dort bis 1928 Buchhändler verschiedener linker Verlage und Literaturobmann der BL Erzgebirge-Vogtland. Von 1929 bis 1932 Geschäftsführer des Verlages »Der Kämpfer« Chemnitz, 1932/33 Verlagsgeschäftsführer beim »Ruhr-Echo« in Essen. Ab Februar 1933 für die illegale BL Rheinland-Westfalen tätig, Ende März 1933 in Berlin verhaftet und schwer mißhandelt. Nach kurzzeitiger Entlassung erneut festgenommen und bis August 1934 im KZ Sachsenburg. Uhlmann arbeitete bis 1945 als Dreher in Leipzig und hatte hier Kontakt zur Widerstandsgruppe um Otto Engert. Von 1945 bis 1948 in der Stadtverwaltung Leipzig, ab Juni 1948 Leiter der Gemeindeabteilung des Innenministeriums der Landesregierung Sachsen. Seit 1949 Rentner in Dresden, er erhielt 1959 den VVO in Silber. Richard Uhlmann starb am 29. Dezember 1962 in Dresden.

Wer war wer in DDR

Uhse, Bodo

* 12.3.1904 – ✝ 2.7.1963

Geb. in Rastatt (Baden); Vater Berufsoffz.; aufgew. in Glogau, bei den Großeltern in Braunschweig u. Berlin; Volks- u. Oberrealschule in Berlin; im März 1920 Zeitfreiwilliger, Teiln. am Kapp-Putsch als Meldegänger; 1921 Volontär beim »Bamberger Tagblatt« u. Angeh. des nat.-soz. Bunds »Oberland e. V.«; 1927 – 29 NSDAP (Strasser-Flügel); 1927/28 Red. einer nat.-soz. Ztg. in Ingolstadt; ab 1928 (durch Protektion Gregor Strassers) Hauptschriftltr. der nat.-soz. »Schlesw.-Holstein. Tagesztg.« (Itzehohe); 1928/29 Ortsgr.-Ltr. u. Stadtverordn. der NSDAP in Itzehoe; Konflikte mit der NSDAP wegen seiner Zusammenarbeit mit der Landvolkbew. um Claus Heim; Juli 1930 Bruch mit der NSDAP-Führung; ab 1931 enger Kontakt zur KPD, ab 1932 KPD; Mitarb. des Vors. des Reichsbauernbunds Ernst Putz (Red. der »Bauernbriefe«); Jan. 1932 Hauptredner auf dem Dt. Reichsbauernkongreß in Berlin; Sekr. des antifa. Reichsbauernkomitees; Mitgl. des »Aufbruch-Krs.« u. Mitarb. an der gleichn. Ztschr.; Mitgl. des Berliner Scheringer-Komitees (mit Alexander Graf Stenbock-Fermor,  Ludwig Renn, Lion Feuchtwanger, Bruno von Salomon); Red. u. Verf. anonymer Publ. des Reichsbauernkomitees u. des Mitteilungsblatts »Bauernkampf in Dtl.«; April 1933 Flucht nach Paris; Mitarb. am »Braunbuch« (Basel 1933); 1934 Ausbürgerung aus Dtl.; 1935 Debüt mit dem autobiogr. Buch »Söldner u. Soldat« (Paris); Sept. 1936 – Jan. 1938 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg; ab Sept. 1936 Reporter, ab April 1937 Kriegskommissar im Stab der 17., dann der 45. Div.; Jan. 1938 nach Paris; Juni 1939 Teiln. am Kongreß der League of American Writers in den USA (New York); ab März 1940 Exil in Mexiko (Mexiko-Stadt); aktiv im Heinrich-Heine-Club u. in der Liga Pro-Cultura Alemana en México; Mitbegr. u. Red. für den liter. Teil der Ztschr. »Freies Dtl.«; ab 1942 Mitgl. im Arbeitsaussch. der BFD; verarbeitete sein Spanienerlebnis im Roman »Ltn. Bertram« (1944). Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; Jan. 1949 – 58 Chefred. der Ztschr. »Aufbau«; 1949 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1950 – 52 erster Vors. des DSV; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1951 Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl., dann Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1954 – 62 Mitgl. des PEN-Präs.; 1954 NP; 1955 Mitgl. der DAK, dort 1956 – 60 Ständ. Sekretar der Sekt. Dichtkunst u. Sprachpflege; 1961 Kubareise; 1963 Chefred. der Ztschr. »Sinn u. Form« (Nachf. von  Peter Huchel); arbeitete auch als Essayist, Hrsg. u. Filmautor, so für »China zw. gestern u. morgen« (1957); von seinem Romanwerk »Die Patrioten« erschien der erste Bd. 1954, der zweite als Fragment 1965; gest. in Berlin.Mexikan. Erzählungen. Berlin 1957; Die Aufgabe. Eine Kollwitz Erzählung. Dresden 1958; Gestalten u. Probleme. Berlin 1959; Gesammelte Werke in Einzelausg. Bd. 1 – 6. Berlin 1974 – 83 (Hrsg. G. Caspar); B. U. – F. C. Weiskopf: Briefwechsel 1942 – 48. Berlin, Weimar 1990. Kießling, W.: Alemania Libre in Mexiko. Berlin 1974; ders.: Exil in Lateinamerika. Leipzig 1980; Agee, J.: Twelve Years. New York 1981 (dt. Ausg.: Zwölf Jahre. Eine Jugend in Ostdtl. München, Wien 1982); Über B. U. Ein Almanach. Aufsätze u. Erinnerungen. Hrsg. von G. Caspar. Berlin, Weimar 1984; Walter, K.: B. U. Leben u. Werk. Berlin 1984; Neumann, A. (Alma Uhse): Always straight ahead. A Memoir. Baton Rouge 1993; von Hanfstengel, R.: Mexiko im Werk von B. U. New York u. a. 1995.Bernd-Rainer Barth

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Ulbricht, Walter Ernst Paul

* 30.6.1893 – ✝ 1.8.1973

Geb. in Leipzig; Vater Ernst U. (1869 – 1943) Schneider, Mutter Pauline U. (1868 – 1926) Hausangest. / Schneiderin; 1899 – 1907 Volksschule; 1907 – 11 Tischlerlehre; 1908 SAJ; seit 1910 Dt. Holzarbeiterverb.; 1912 SPD; Okt. 1913 – März 1914 Besuch der SPD-BPS in Leipzig; seit Dez. 1914 Mitgl. der Karl-Liebknecht-Gruppe; 1915 – 18 Kriegsdienst in Mazedonien, Serbien, Belgien; Nov. 1918 Mitgl. des Soldatenrats des XIX. Armeekorps; 1917 – 20 USPD; Jan. 1919 Mitbegr. der KPD in Leipzig u. Mitgl. der BL Mitteldtl.; ab 4.12.1920 KPD; 1920/21 Lokalred. der Parteiztg. »Klasssenkampf«; Teiln. an den Kämpfen zur Niederschlagung des Kapp-Putsches; Jan. 1920 Heirat mit der Maschinennäherin Martha Schmellinsky (ebenf. KPD); 1921 – 23 Pol.-Ltr. der BL Groß-Thür.; Nov./Dez. 1922 Teiln. am IV. Weltkongreß des KI in Moskau; 1923 – März 1924 Mitgl. der KPD-Zentr.; Mai 1924 Besuch der Lenin-Schule in Moskau u. anschl. Tätigkeit als Instrukteur des EKKI; 1926 – 29 Landtagsabg. in Sachsen, seit 1928 MdR; 1927 Kand., 1929 – 46 Mitgl. des PB des ZK der KPD; 1928 – 43 Kand. des EKKI; ab Aug. 1928 Mitgl. der KPdSU; 1929 – 33 Pol.-Ltr. der KPD-Bez.-Org. Berlin-Brandenb.-Lausitz-Grenzmark; Okt. 1932 – April 1946 Mitgl. des Sekr. des ZK; seit Febr. 1933 wegen antifa. Tätigkeit mit Haftbefehl gesucht; Okt. 1933 auf Beschluß Emigr. nach Paris; dort 1933 – 35 Mitgl. der Auslandsltg. der KPD; 1935 Teiln. am VII. Weltkongreß der KI u. der Brüsseler Parteikonferenz der KPD in Moskau; 1935 – 38 Ltr. der Operativen Ltg. bzw. des Sekr. des ZK in Prag bzw. Paris; 1938 – 43 Vertreter des ZK der KPD beim EKKI in Moskau; 1943 – 45 Mitgl. des NKFD u. Ltr. deren operativer Abt.; Mitarb. an programmat. Dokumenten für die Nachkriegszeit. 30.4.1945 Rückkehr nach Dtl. als Ltr. der sog. Initiativgr. des ZK der KPD für Berlin (Gruppe Ulbricht); seit 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1946 – 50 Mitgl. des ZS des PV u. de facto stellv. Vors. der SED; 1949 – 73 Mitgl. des PB des ZK; 1946 – 51 Abg. des Landtags von Sachsen-Anh.; 1948/49 Mitgl. des Präs. des Dt. Volksrats, 1949/50 der Prov. Volkskammer u. von 1950 – 73 Abg. der Volkskammer; 1950 Heirat mit Lotte Kühn ( Lotte U.); 1949 – 55 Stellv., 1955 – 60 Erster Stellv. des Vors. des Min.-Rats; von Juli 1950 – Juli 1953 Gen.-Sekr. u. von 26.7.1953 – 3.5.1971 Erster Sekr. des ZK; ab 3.5.1971 Ehrenvors. der SED; 11.2.1960 – 3.5.1971 Vors. des Nat. Verteidigungsrats; vom 12.9.1960 bis zum Tod Vors. des Staatsrats; 1953, 1958 u. 1963 Held der Arbeit; 1953 u. 1968 KMO; 1954 VVO; 1960 Banner der Arbeit; 1963 Held der Sowjetunion; Lenin-Orden u. Medaille Goldener Stern; gest. am Döllnsee (b. Berlin).Zur Geschichte der dt. Arbeiterbew. Aus Reden u. Schriften. Bd. 1 – 10, Berlin 1953 – 66; Zur soz. Entw. der Volkswirtschaft seit 1945. Berlin 1959; Die Bauernbefreiung in der Dt. Demokrat. Rep. 2 Bde., Berlin 1962; Das ökon. System des Soz. in der Landw. der DDR 1961 – 1969. Berlin 1970. »Gruppe Ulbricht« in Berlin April bis Juni 1945. Eine Dokumentation von G. Keiderling. Berlin 1993; Erler, P., Laude, H., Wilke, M. (Hrsg.): Nach Hitler kommen wir. Dokumente zur Programmatik der Moskauer KPD-Führung 1944/45 für Nachkriegsdtl. Berlin 1994; Kaiser, M.: Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker. Funktionsmechanismen der SED-Diktatur in Konfliktsituationen 1962 bis 1972. Berlin 1997; Wilke, M. (Hrsg.): Anatomie der Parteizentr. Die KPD/SED auf dem Wege zur Macht. Berlin 1998; Dinkelmann, K.: W. U. u. seine dt.-dt. Revolutionstheorie. Aachen 2005.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

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Ullmann, Hans

* 28.7.1913 – ✝ 1.1.1989

Geb. in Kostenthal (Krs. Cosel, Oberschles./ Gościęcin, Polen); Vater Maurer; Volksschule; 1928 – 39 Lehre u. Arbeit als Fleischer; dazw. 1934/35 Wehrdienst; 1939 – 43 Wehrmacht; 1943 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, NKFD, Antifa-Schüler. 1949 SED; Einstellung bei der VP, Ltr. Politkultur im Krs.-Amt Perleberg; dann Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Brandenb. (ab Febr. 1950 Länderverw. Brandenb. des MfS), stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle Wittenberge; 1950 Ltr. der Krs.-Dienststelle Senftenberg; 1954 2. Stellv. Operativ des Ltr., 1955 Ltr. der BV Cottbus (Nachf. von  Fritz Schröder) u. Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1976 Gen.-Major; 1981 Entlassung.Jens Gieseke

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Ullrich, Jan

* 2.12.1973

Geb. in Rostock; begann 1983 mit Radsport, 1987 SG Dynamo Rostock-West, DDR-Schülermstr. Bahnvierer; danach KJS Berlin, SC Dynamo bzw. SC Berlin (Trainer: Peter Becker); 1988 DDR-Jugendmstr. Straße; 1990 DDR-Jugendmstr. Punktefahren; 1991 Dt. Juniorenmstr. Punktefahren; 1992 Wechsel zur RG Hamburg; 1993 Amateur-WM Straße, Sieger Gesamt-Weltcup; 1994 WM-Einzelzeitfahren (3. Pl.); 1995 – 2002 Profi Team Telekom; Tour de France: 1997 Sieger, fünfmal Zweiter (1996, 1998, 2000, 2001, 2003), einmal Dritter (2005), einmal Vierter (2004), sieben Etappensiege; zweimal Olymp. Spiele: 2000: Straße (Gold), Einzelzeitfahren (Silber), 2004: Einzelzeitfahren (7. Pl.), Straße (19. Pl.); zweimal WM Einzelzeitfahren (1999, 2001), Dt. Mstr. Einzelzeitfahren (1995), Straße (1997, 2001); Sieger Vuelta (1999) u. Tour de Suisse (2004, 2006); 2002 Dopingsperre (Amphetamine); 2003 Wechsel zu Team Coast bzw. Team Bianchi; seit 2004 T-Mobile Team (suspendiert einen Tag vor dem Start der Tour de France 2006 wegen Dopingverdachts); 1993 u. 1996 Radsportler des Jahres, 1997 Sportler des Jahres, Velo d’Or (Weltradsportler des Jahres), Goldener Bambi, Fausto-Coppi-Trophäe, »Goldene Henne«, 1998 Silbernes Lorbeerblatt, 2003 Bambi (Comeback des Jahres).Ganz oder gar nicht – meine Geschichte. München 2004.Volker Kluge

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Ullrich, Wolfgang

* 20.6.1923 – ✝ 26.10.1973

Geb. in Dresden; Vater Kfm.; Wettiner-Realgymnasium, 1942 Abitur; anschl. Studium der Biol. an der TH Dresden; 1943 Wehrdienst; 1944 – 46 frz. Kriegsgefangenschaft. 1946 Jugendref. der CDU in Dresden; Lehrer im Jugendbildungswerk; Stadtverordn. in Dresden u. Abg. des Sächs. Landtags; 1947 – 50 Forts. des Studiums an der TH Dresden; 1949 Abg. der Prov. Volkskammer; 1951 – 73 Dir. des Zoolog. Gartens in Dresden; 1958 Prom. mit einer etholog. Studie an der TH Dresden; 1961 Prof.; Orden Banner der Arbeit; ab 1961 zeitw. Mitgl. des Hauptvorst. der CDU u. 1. Vors. des CDU-Stadtverb. Dresden; Abg. der Volkskammer; Mitgl. des gesamtdt. u. ab 1952 des internat. Verb. der Zoodir.; Mitgl. der Dt.-Afrikan. Ges.; Forschungsarbeiten bes. über Menschenaffen; Autor zahlr. populärer Bücher u. vieler TV-Tierfilme; gest. in Dresden.Und dann wurden Tiere unsere Gefährten. Leipzig 1953; Affen ernst genommen. Leipzig 1955; Afrika einmal nicht über Kimme u. Korn gesehen. Leipzig 1957; Wilde Tiere in Gefahr. Leipzig 1967; Kaziranga-Tierparadies am Brahmaputra. Leipzig 1971.Peter Nötzold

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Ulrich, Manfred

* 18.7.1928 – ✝ 29.3.1997

Geb. in Suhl-Heinrichs; Vater Werkzeugmacher; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Verwaltungsangest. beim Landratsamt Suhl; 1946 SED; 1948 – 51 Prüfer der Finanzkontrolle des Landratsamts Suhl; 1952 – 55 Ltr. der Org-Instrukteur-Abt., 1956 Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Suhl; 1959 – 63 Direkt- u. Fernstud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staats- u. Rechtswiss.; 1957 – 63 Bürgermeister von Zella-Mehlis; 1963 – 67 Bürgermeister, 1967 – 69 OB von Suhl (Nachf. von Manfred Schünke); Juni 1969 »Abberufung wg. nicht ausreichender Qualifikation«; anschl. Einsatz als Ltr. der Arbeitsgr. marxist.-leninist. Organisationswiss. beim Rat des Bez. Suhl; gest. in Suhl.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Unfried, Emil

* 21.4.1892 – ✝ 16.6.1949

Geboren am 21. April 1892 in Untergrönningen/Württemberg, Sohn eines Konditors; lernte Mechaniker, kam nach Stuttgart, wo er sich 1912 der SPD anschloß und während des Krieges, den er zeitweise als Soldat mitmachte, zur Spartakusgruppe stieß. Im November 1918 zeitweilig Vorsitzender des Aktions- und Vollzugsausschusses des provisorischen Arbeiterrates in Stuttgart, nahm Unfried als Delegierter Württembergs am 1. Reichsrätekongreß in Berlin teil. Im Januar 1919 trat er der KPD bei, war in Stuttgart ihr 2. Vorsitzender und wirkte bis 1921 als hauptamtlicher Sekretär für die Landarbeit der KPD-BL Württemberg. Seit 1920 auch Wanderredner der KPD, nahm er bis 1923 an fast allen Parteitagen teil. Von 1921 bis 1924 Sekretär für Landarbeit in die Zentrale der KPD in Berlin. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte ihn in die Gewerkschaftskommission. Da er zum rechten Parteiflügel zählte, wurde er im August 1924 abgelöst. Er kam kurze Zeit darauf in den »Münzenberg-Konzern«, wo er die Filmabteilung übernahm und bis 1933 als Fachmann für Filmangelegenheiten wirkte. 1926 Mitbegründer und Direktor der »Prometheus – Film-Verleih und Vertriebsgesellschaft mbH« und später der »Weltfilm«. Es gelang ihm 1933, eine eigene Filmfirma, die »Forum-Film«, aufzubauen, und er produzierte später solche Unterhaltungsfilme wie z. B. »Der Etappenhase«, »Musketier Meier III«, »Das Gewehr über!« Der Schriftsteller Axel Eggebrecht berichtete in seinen Erinnerungen »Der halbe Weg« über Filme, die er mit Unfried schuf: »...Unfried führte die Prometheus unter anderem Namen weiter, seine Gesinnung war unverändert. Die Absicht bestand, mit dem Film ?Musketier Meier III? die Wehrpflicht madig zu machen. Die Absicht mißlang, da sich das Publikum köstlich amüsierte. Mit Nadelstichen war nichts auszurichten gegen ein Regime, dem die Mehrheit sich begeistert unterwarf.« Bis 1945 lebte er in Berlin, er hatte sich – wie seine Frau Lina Becker – von der Politik zurückgezogen und war keinen Verfolgungen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Anläßlich seines 50.Geburtstages im April 1942 gratulierte ihm die Zeitschrift »Der Film – Die illustrierte Wochenschrift«: »Am vergangenen Dienstag, dem 21.April wurde der bekannte Filmverleiher und Filmtheaterbesitzer Emil Unfried 50 Jahre. Seine Firma, die Forum-Film, brachte als erste nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus das gute deutsche Soldatenlustspiel heraus, das im Gegensatz zu den berüchtigten Militärschwänken der Systemzeit den deutschen Soldaten zwar humorvoll, aber unverzerrt und mit Respekt vor der soldatischen Leistung darstellte. Filme wie ?Der Etappenhase? und ?Musketier Meier III?, aber auch der heitere Film vom neuen deutschen Volksheer ?Das Gewehr über!? waren unbestrittene und große Erfolge, an deren Zustandekommen Emil Unfried großen Anteil hatte. Als Filmtheaterbesitzer in Hannover und Minden stellte er zwei vorbildlich geführte Häuser dem Publikum vor. Aus allen Kreisen des Films wurde Emil Unfrieds an seinem Geburtstag mit größter Herzlichkeit gedacht.« 1945 wurde Unfried wieder Mitglied der KPD und trat in Versammlungen für die Bodenreform ein. Dann aber Ende 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet und ins »Spezial-Lager« Sachsenhausen gebracht. Dort kam Emil Unfried am 16. Juni 1949 ums Leben.

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Unruh, Konrad von

* 1.8.1920 – ✝ 12.9.2001

Geb. in Eisenach; Vater Eisenbahndir. Hans Curt v. U.; Volksschule u. Gymn.; Lehre u. Beruf als kaufm. Angest.; Wehrmacht, Kriegsgef. Nach 1945 als Lehrer tätig, 1948 NDPD, Mitgl. NDPD-LV Thüringen, Ltr. der Abt. Org. u. Werbung des NDPD-LV Thüringen; 1950 – 52 Polit. Geschäftsf. der NDPD-LV Sachsen; 1951 / 52 MdL Sachsen; 1949 – 52 Mitgl. des FDJ-ZR; 1954 Staatsexamen als Dipl.-Staatswiss.; 1952 – 55 Vors. des NDPD-BV Suhl u. Mitgl. des NDPD-HA; 1952 – 55 Vors. des DSF-Bezirksvorst. Suhl; 1958 – 82 Chefred. der Zeitung »Thüringische Neueste Nachrichten«, anschl. Ltr. des Verlages der »Thüringischen Neuesten Nachrichten«; ab 1963 stellv. Vors. des NDPD-BV Erfurt; ab 1966 Mitgl. des Präs. der Liga der Vereinten Nationen; 1962 – 82 Mitgl. des VdJ-ZV; zeitw. Vors. der Stadtltg. des KB Weimar; gest. in Gotha.Andreas Herbst

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Urbanski, Wolfgang

* 14.11.1928 – ✝ 21.10.1998

Geb. in Lößnitz (Krs. Aue-Schwarzenberg, Erzgeb.); 1934 – 48 Volks- u. Mittelschule; 1946 – 48 Maurerpraktikum; 1946 SED u. FDGB; 1948 Abitur; 1948 – 54 Studium an der TU Dresden, Dipl.-Ing; 1950 DSF; 1955 Stellv. Ltr. des Büros für Stadtplanung Rostock; 1957 kommissar. Chefarchitekt; 1958 stellv. Stadtbaudir.; 1958, 1959 u. 1966 Verdienter Aktivist; 1961 Prom. zum Dr.-Ing.; 1961 – 63 Sekr. für Bauwesen in der Stadtverordnetenvers. Rostock; 1961 – 65 Abg. für die SED u. Mitgl. des Vorst. Stadtverordnetenvers. Rostock; 1963 Studienaufenthalt in Finnland; 1969 – 72 Chefarchitekt u. Ltr. des Büro für Stadtplanung Rostock; 1969 Kulturpreis der Stadt Rostock; 1969 Banner der Arbeit; 1969 Reise nach Argentinien; 1972 ord. Prof. für Funktion u. Konstruktion der Bauwerke an der Ing.-HS Wismar; 1973 NP; 1975 – 82 Präsident des BDA (Nachf. von  Edmund Collein); 1975 – 79 Ord. Mitgl. der DBA; 1979 VVO; 1982 – 90 ord. Prof. für Architektur u. Städtebau an der HS für Bauwesen Cottbus; 1990 Erkrankung u. vorzeitiger Ruhestand; gest. in Berlin. U. gilt als einer der Wegbereiter der komplexen Großsiedlungen in der trad. Plattenbauweise. In Rostock entstanden von 1953 bis 1979 insgesamt sechs Neubaugebiete, an deren Entwürfen, Planung und Ausführung U. 1969 – 72 als Chefarchitekt beteiligt war, darunter Reutershagen II, Südstadt, Lütten-Klein u. Evershagen.Neue sozialist. Wohnkomplexe in Rostock. In: Dt. Architektur (1958) 8; Bebauungskonzeption für das Stadtzentrum Rostock. In: Dt. Architektur (1970) 2. Topfstedt, T., Barth, H.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Berlin 2000.Volker Wagner

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Uschmann, Georg

* 18.10.1913 – ✝ 23.9.1986

Geb. in Naumburg (Saale); Vater Schneidermstr.; Realgymnasium, Reifeprüfung; 1933 – 39 Studium der Zool. u. Botanik sowie Geschichte, Philos. u. Leibesübungen; 1939 Prom. an der Univ. Jena; 1938 Assistent am Ernst-Haeckel-Haus (EHH), dem Inst. für Geschichte der Zool., insbes. Entw.-Lehre; ab 1940 Wehrdienst, zul. Hptm.; sowj. Kriegsgefangenschaft bis 1950. 1950 Rückkehr ans EHH; ab 1952 Oberassistent; 1959 Habil. u. Doz. für Geschichte der Biol.; 1959 – 79 Dir. des EHH; ab 1962 zugl. Prof. mit Lehrauftrag u. 1965 ord. Prof. für Geschichte der Naturwiss. an der FSU Jena; 1963 Prodekan der Mathemat.-Naturwiss. Fak.; 1964 Mitgl. der Leopoldina; 1967 Dir. des Archivs der Leopoldina; Korr. Mitgl. der Académie Internationale d’Histoire des Sciences; gest. in Jena. Arbeitsgebiete: Werk von Ernst Haeckel, Charles Darwin, Jean B. Lamarck, Carl Gegenbaur, Friedrich Rolle, Daniel G. Messerschmidt u. Christian F. Wolff; Biol. der Goethe-Zeit; Geschichte der Zool., insbes. der Phylogenetik u. Entw.-Lehre.E. Haeckel – Forscher, Künstler, Mensch. Briefe, ausgewählt u. erläutert. Jena 1954; Geschichte der Zool. u. der zoolog. Anstalten in Jena 1779 – 1919. Jena 1959. Berg, W.: G. U. Schriftenverz. u. Bibl. seiner Vorträge. Leopoldina. Jb. 1993. Leopoldina (Reihe 3) (1994) 39; Jahn, I.: Zu Leben und Werk von G. U. (1913 – 86) im Spanungsfeld pol. Umbrüche. In: Nachrichtenblatt der Dt. Ges. für Geschichte der Med., Naturwissenschaft und Technik (1999) 3. JoK

Wer war wer in DDR

Vallentin, Maxim

* 9.10.1904 – ✝ 2.9.1987

Geb. in Berlin; Vater Regisseur Richard V., Mutter Schauspielerin; 1911 – 19 Goethe-Schule Berlin, 1919/20 Berthold-Otto-Schule Berlin; 1920 Ausbildung an der Marie-Seebach-Schule des Staatl. Schauspielhauses; 1921 – 26 Engagements als Schauspieler an versch. Bühnen in Berlin u. am Schauspielhaus Zürich; 1926 KPD; 1927 Gründung u. Ltg. der Agit.-Prop.-Truppe des KJVD; Ende 1927 Umwandlung in die Agit.-Prop.-Truppe »Das Rote Sprachrohr«, Ltg. der Truppe; 1933 Emigr. in die ČSR; Mai 1935 Emigr. in die UdSSR; 1935 – 37 Oberspielltr. am Dt. Gebietstheater Dnepropetrowsk; 1936 dort Inszenierung von Kleists »Der zerbrochene Krug«; 1937/38 Regisseur am Staatstheater Engels; 1938 Denunziation, Ausschl. aus der KPD, im glei- chen Jahr Rehabil., Wiederaufn. in die KPD; 1938 – 45 Mitarb. der dt.-spr Red. des Moskauer Rundfunks. 1945 Rückkehr nach Dtl., Weimar; nach 1946 KPD/SED; Mitbegr. der Abt. Schauspiel an der Musikschule Weimar; 1947 – 52 Intendant des Dt. Theaterinst. Weimar; Ltr. des Jungen Ensembles Weimar; Verbreitung der Methode von Konstantin Stanislawski, Hrsg. von dessen Werken in Dtl.; Inszenierung von Alexander Surows »Das grüne Signal«; 1947 Ernennung zum Prof.; 1952 – 68 Intendant des Maxim-Gorki-Theaters Berlin; 1952 dort Inszenierung von Boris A. Lawrenjows »Für die auf See«, 1954  Friedrich Wolfs »Das Schiff auf der Donau«, 1954 Maxim Gorkis »Dostigajew u. die anderen«, 1956  Johannes R. Bechers »Der Weg nach Füssen«, 1957 Maxim Gorkis »Nachtasyl«; 1955 u. 1962 NP; 1964/65 Intendant der Volksbühne Berlin; 1965 Ord. Mitgl. der AdK; 1967 Inszenierung von Maxim Gorkis »Wassa Shelesnowa«; 1976 u. 1984 VVO; gest. in Berlin.Das Rote Sprachrohr. Berlin 1929; Vom Stegreif zum Stück. Berlin 1949; Schriftenreihe »Bühne der Wahrheit« (Stanislawski-Schriften). Weimar 1949 ff. (Hrsg.).Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhlmann, Walter

* 14.6.1904 – ✝ 11.6.1991

Geboren am 14. Juni 1904 in Leipzig, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Feinmechaniker. Er trat 1919 der FSJ bei und war seit 1923 Funktionär der KJD, zunächst Mitglied der BL Westsachsen. Uhlmann übersiedelte 1925 nach Köln und war Bezirksleiter des KJVD Mittelrhein. Danach kurze Zeit Mitarbeiter des ZK in Berlin, auch im AM-Apparat der KPD tätig, er kehrte 1928 nach Leipzig zurück. Als führender rechter Oppositioneller wurde er im Dezember 1928 aus der KPD ausgeschlossen und gehörte zu den Mitbegründern der KPO. In Berlin kam er in die Reichsleitung der Kommunistischen Jugend-Opposition und war deren Redakteur. Nach 1933 lebte Uhlmann illegal, war von 1934 bis 1937 Mitglied des Berliner Komitees der KPO. Am 22. Februar 1937 verhaftet, am 24. November 1937 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Brandenburg/Havel verbüßte. Darüber veröffentlichte er 1983 das Buch »Leben um zu sterben« und hat in dieser Sammlung von Erinnerungsberichten einige Legenden der SED-Geschichtsschreibung enthüllt. Nach 1945 lebte Uhlmann in Ost-Berlin, war Mitglied der SED und im FDGB aktiv. Wegen drohender Verhaftung flüchtete er 1953 in die Bundesrepublik, wurde später Redakteur bei der IG Metall, u. a. für die Zeitschrift »Der Gewerkschafter«. Walter Uhlmann starb am 11. Juni 1991 in Frankfurt/M. Seine Frau Margarete (Grete) Uhlmann, geb. Müller (* 1905 – † 1990), eine Schwester von Kurt Müller, war ebenfalls Mitglied der KPD und dann der KPO. Sie stammte aus der bekannten kommunistischen Familie Müller in Berlin, deren legendäre »Mutter Müller« wegen ihrer großen Hilfsbereitschaft damals in der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung beliebt war.

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Uhse, Bodo

* 12.3.1904 – ✝ 2.7.1963

Geboren am 12. März 1904 in Rastatt, Sohn eines Offiziers. Nach Abschluß der Oberrealschule 1920 Zeitfreiwilliger bei der Reichswehr, beteiligte sich am Kapp-Putsch gegen die Republik. 1921 Angehöriger des militaristisch-nationalistischen Bundes »Oberland e.V.« und von 1927 bis 1930 Mitglied der NSDAP, bis 1928 Redakteur von NS-Zeitungen, 1928/29 deren Ortsgruppenleiter und Stadtverordneter in Itzehoe. Uhse war 1930 mit dem Führer der Landvolkbewegung Claus Heim verbunden, 1930 trat er zur KPD über und war Sekretär zur Vorbereitung des kommunistischen Reichsbauernkongresses vom Januar 1932, auf dem er referierte. 1933 emigrierte er nach Frankreich, 1935 erschien sein autobiographisches Buch »Söldner und Soldat«. Von 1936 bis 1938 war Uhse Offizier bei den Internationalen Brigaden in Spanien, flüchtete 1940 nach Mexiko, war dort u. a. Mitarbeiter der Zeitschrift »Freies Deutschland«. Er kehrte 1948 nach Berlin zurück, trat in die SED ein und war von 1949 bis 1963 im Präsidialrat des Kulturbundes, von 1949 bis 1958 Chefredakteur der kulturpolitischen Zeitschrift »Aufbau«. Im Vorstand des DDR-Schriftstellerverbandes aktiv, von 1959 an Vizepräsident der Gesellschaft für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland, 1963 wurde er noch Chefredakteur der Zeitschrift »Sinn und Form«. Bodo Uhse starb am 2. Juli 1963 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Ulbricht, Walter Ernst Paul

* 30.6.1893 – ✝ 1.8.1973

Geboren am 30. Juni 1893 in Leipzig, Sohn eines Schneiders und sozialdemokratischen Funktionärs. Der damals zurückhaltende, fast scheue Walter Ernst Paul Ulbricht trat mit 15 Jahren der sozialistischen Jugend bei. Nach Abschluß der Tischlerlehre im Mai 1911 auf Wanderschaft, zunächst durch Sachsen, dann über Böhmen, Österreich nach Italien und in die Schweiz. Ein Jahr später kehrte er über Belgien, Holland und Norddeutschland nach Leipzig zurück. Hier 1912 Mitglied der SPD. Nach Kriegsausbruch Anhänger der Gruppe Internationale in Leipzig, die dort von Georg Schumann geleitet wurde. 1915 zur Infanterie eingezogen, kam Ulbricht nach Galizien und auf den Balkan, diente als Tischler in der Stellmacherei der Truppe. Im Frühjahr 1918 desertierte er bei der Fahrt vom Balkan an die Westfront. Er wurde in Sachsen gefaßt und zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, aber zur Bewährung nach Belgien versetzt. Im November 1918 wieder in Leipzig, schloß er sich nach ihrer Gründung der KPD an. Er arbeitete als Markthelfer, war aber die meiste Zeit für die Partei aktiv, bis er schließlich 1920 hauptamtlicher Funktionär wurde, Redakteur an der Parteizeitung in Halle. 1921 dann mit der Waffenbeschaffung für die März-Aktion beauftragt. Im April 1921 von der Zentrale als Parteisekretär nach Thüringen geschickt, im Juni 1921 zum Polleiter der BL Thüringen gewählt. Auf dem VII. Jenaer Parteitag der KPD 1921 erstmals Parteitagsdelegierter. Als Polleiter eines KPD-Bezirks war Ulbricht in die zweite Reihe der Funktionäre aufgerückt. Doch er gehörte im ersten Jahrzehnt des Bestehens der KPD noch keineswegs zur engeren Spitzenführung dieser Partei. Ulbricht war ein Funktionär des Apparats ohne Rednergabe und versuchte deshalb, auf organisatorischem Gebiet, seiner eigentlichen Stärke, voranzukommen. Er orientierte sich an der jeweils herrschenden Parteirichtung, zählte 1923 zu den Anhängern Heinrich Brandlers und wurde auf dem VIII. Parteitag 1923 erstmals in die Zentrale der KPD gewählt. Bei den Aufstandsvorbereitungen 1923 erhielt Ulbricht seine erste bedeutende Funktion, er wurde Orgleiter des »Revko«, des Revolutionskomitees, dort u. a. erneut mit der Waffenbeschaffung betraut. Nach dem Mißerfolg des »deutschen Oktober«, schwenkte Ulbricht zur Mittelgruppe über. Da er polizeilich gesucht wurde, mußte er illegal leben. Mit dem Umbau der Partei auf »Betriebszellen« beauftragt, wurde dies sein Hauptanliegen und trug ihm den Spitznamen »Genosse Zelle« ein. Inzwischen fest in der Mittelgruppe integriert, wurde er vom Sieg der Linken Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Ernst Thälmann auf dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 überrascht, dort nicht mehr in die Zentrale gewählt. Obwohl noch polizeilich gesucht, verweigerte ihm der Parteitag einen Platz auf der Liste der Reichstagskandidaten. Von der neuen Zentrale nach Moskau abgeschoben, dann nach einem kurzen Besuch der Komintern-Schule als Instrukteur der Komintern im September 1924 nach Wien geschickt. Mit einem falschen Paß (auf den Namen Stephan Subkowiak) am 24. September 1924 von der Fremdenpolizei festgenommen. Ein österreichisches Gericht verurteilte ihn am 4.November 1924 zu vier Wochen Kerker. Nach einer Revisionsverhandlung am 8. Dezember erhielt er sogar zwei Monate Kerker und wurde anschließend des Landes verwiesen. Von der Komintern dann als Instrukteur nach Prag entsandt. Nach dem »Offenen Brief« kam Ulbricht im Oktober 1925 zurück nach Berlin, übernahm hier Funktionen in der Gewerkschaftsabteilung, später in der Agitprop- und schließlich in der Orgabteilung des ZK. 1926 zog er als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag ein. Der XI. Parteitag 1927 wählte ihn zum Mitglied des ZK und der VI. Weltkongreß der Komintern 1928 als Kandidat ins EKKI-Präsidium. Während der Wittorf-Affäre im September 1928 befand sich Ulbricht als Vertreter der KPD beim EKKI in Moskau, er war einer der ersten, der die einmütige Absetzung Ernst Thälmanns durch das ZK kritisierte und sich hinter den Parteivorsitzenden stellte. Ab Februar 1929 wieder in Deutschland, wurde Ulbricht als Nachfolger des gemaßregelten Wilhelm Pieck Polleiter des Bezirks Berlin-Brandenburg. Von 1928 bis 1933 ununterbrochen Reichstagsabgeordneter. Der XII. Weddinger Parteitag 1929 berief Ulbricht wieder ins ZK und auch ins Polbüro. Er wurde zunächst Kandidat des Sekretariats und 1932 dann Mitglied dieses engsten Führungszirkels. Nach der Verhaftung Thälmanns 1933 zählte Ulbricht neben John Schehr und Hermann Schubert zu den Anwärtern auf den Parteivorsitz. Die Zerschlagung der KPD-Zentrale durch Hitler und dann durch Stalin begünstigte seinen Aufstieg. Im Politbüro trat er seit 1934 für eine Revision der ultralinken Politik ein (zusammen mit Pieck). Nach der Schwenkung der Komintern und der Änderung der Parteilinie gelang es ihm 1935, an die oberste Parteispitze zu kommen. Pieck fungierte zwar als Parteivorsitzender, doch der mächtigste Mann in der Emigrations-KPD war Ulbricht. Er lebte ab 1933 in Frankreich und übersiedelte 1937 in die Sowjetunion. Die stalinistischen Säuberungen der dreißiger Jahre überstand er persönlich und politisch unbeschadet in Moskau und organisierte während des Krieges die Schaffung des »Nationalkomitees Freies Deutschland«. Am 5. Mai 1945 traf er mit seiner »Initiativ-Gruppe Ulbricht« als erster deutscher Polit-Emigrant aus Moskau in Berlin ein und leitete den Wiederaufbau der KPD. Er gehörte nun ständig zur Spitzenführung der KPD bzw. der SED, war zunächst Generalsekretär, ab 1953 Erster Sekretär der SED und nach Piecks Tod im September 1960 zugleich Staatsratsvorsitzender der DDR. Bis zu seiner Absetzung im Frühjahr 1971 blieb er der bestimmende Politiker und Staatschef der DDR, mit sämtlichen Orden und Ehrenzeichen ausgezeichnet. Ulbricht wurde am 3. Mai 1971 im Politbüro durch den von ihm protegierten Erich Honecker offiziell als Erster Sekretär abgelöst und vom ZK zum einflußlosen Vorsitzenden der SED gewählt. Er hat sich bis zuletzt seiner Entmachtung, ja sogar der »Tilgung« aus der Partei- und DDR-Geschichte durch seinen Nachfolger widersetzt. Walter Ulbricht starb nach kurzer Krankheit am 1. August 1973 in Ost-Berlin. Über Ulbricht liegen inzwischen zahlreiche Biographien vor, u. a. von Carola Stern (1963), Norbert Podewin (1995), Mario Frank (2001). Seine zweite Frau Lotte Ulbricht, geborene Kühn (* 19. 4. 1903 in Berlin), Kontoristin, trat 1919 in die FSJ ein. 1921 Mitglied der KPD, Stenotypistin in der Parteizentrale in Berlin, von 1924 bis 1926 bei der KPD-Reichstagsfraktion. Zeitweilig Mitglied des ZK des KJVD. Von 1927 bis 1931 Angestellte bei der sowjetischen Handelsvertretung, übersiedelte 1931 mit ihrem Lebensgefährten Erich Wendt in die Sowjetunion. Dort bei der Komintern tätig, traf sie Walter Ulbricht, mit dem sie in einer Partnerschaft lebte, offiziell aber erst im Mai 1953 heiratete. Lotte Kühn wurde nach der Verhaftung Erich Wendts 1937 ebenfalls zu Verhören bei der IKK der Komintern vorgeladen. Von 1941 bis 1945 Hauptreferentin beim EKKI bzw. am Institut Nr. 99. 1945 wieder in Deutschland, Leiterin der Allgemeinen Abteilung des ZK der KPD. 1946/47 Redakteurin, anschließend bis 1954 persönliche Mitarbeiterin ihres Mannes, dann bis 1972 als Leiterin der Arbeitsgruppe »Walter Ulbricht« am IML. Obwohl ohne Partei- und Staatsfunktionen – sie gehörte lediglich der Frauenkommission beim Politbüro an – nahm sie als Ehefrau Ulbrichts Einfluß auf die Politik. Nach Ulbrichts Sturz wurde sie – wie dieser auf Anweisung Honeckers – in der Öffentlichkeit verdrängt. Sie erhielt zweimal den Karl-Marx-Orden. Lotte Ulbricht starb am 27. März 2002 in Berlin. 2003 erschienen ihre autobiographischen Erinnerungen unter dem Titel: »Lotte Ulbricht. Mein Leben«.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Ullmann, Hermann

* 19.1.1902 – ✝ 15.12.1981

Geb. in Raschwitz; Vater Zollbeamter; Volksschule; Schriftsetzerlehre; Tierpfleger beim Zirkus Straßburger, Reiter, Dresseur; nach Übernahme des jüd. Unternehmens durch Zirkus Busch Berlin dort bis 1940; dann bei Zirkus Jacob Busch. Ab 1960 Staatszirkus der DDR; 1970 Manegenabschied; danach noch Haustierdressuren für die DEFA; Altmstr. der Pferdedressur in der DDR, zahlr. Gruppen, u. a. Berberhengste, Brauereipferde, Pinzgauer, aber auch Dressur von Exoten, Elefanten; Hohe Schule gem. mit Ehefrau Hildegard Norris; Lehrmstr. für viele Pferde- u. Exotendresseure des Staatszirkus; gest. in Berlin.Gilsenbach, R.: Die Jacobsleiter. Berlin 1986.Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Ullrich, Klaus

* 24.2.1928 – ✝ 20.1.2017

Geb. in Berlin; Vater Angest.; Gymnasium in Berlin u. Saalfeld bis 10. Kl.; dann Luftwaffenhelfer; Juni 1945 Beginn der journalist. Tätigkeit als Volontär bei der »Dt. Volksztg.« in Berlin; 1945/46 KPD/SED; 1946 – 90 in der Red. »Neues Dtl.« zunächst Lokalreporter, dann Sportred.; ab 1946 Mitgl. des VDP bzw. VDJ; ab Konstituierung 1948 Mitgl. des DS; ab Gründung 1957 Mitgl. des DTSB u. bis 1989 des Bundesvorst.; ab 1952 Ltr. der Sportabt. des »Neuen Dtl.«; 1953 Mitgl. des Red.-Kolleg.; ab 1954 Org.-Ltr. (Directeur) der Internat. Radfernfahrt für den Frieden; 1954/55 Fernstudium an der Journalist. Fak. der KMU Leipzig; 1967 – 69 Präs. des Dt. Radsportverb.; 1978 – 88 Vors. der Sportjournalistenvereinigung im VDJ; ab 1979 Vorstandsmitgl., später Gen.-Sekr., dann Vizepräs. der Europ. Sportjournalisten-Union (UEPS); 1982 – 89 Mitgl. des ZV des VDJ; 1983 Prom. zum Dr. paed. an der DHfK Leipzig; 1990 Vorruhestand; 1991 – 2006 Ltr. des Spotless-Verlags; Halbbruder von  Werner Eberlein.Geschichte der Olymp. Spiele. Berlin 1975; Coubertin. Biogr. Berlin 1979; Befehdet seit dem ersten Tag. Der kalte Krieg gegen die DDR. Berlin, Frankfurt (Main) 1981 (mit E. Heinrich); Spurt durchs Leben. Versuch einer lückenfüllenden Bilanz. Berlin 2003; Wer ist, wer war Dtl.? Berlin 2005; Die kleine Troika. Berlin 2005; Margot Honecker die rote First Lady (K. Huhn). Berlin 2009; Raubzug Ost: Wie die Treuhand die DDR plünderte (K. Huhn). Berlin 2009.Klaus Gallinat

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ullrich, Arthur

* 26.3.1894 – ✝ 16.6.1969

Geboren am 26. März 1894 in Görlitz, Sohn eines Maurers, der 1897 tödlich verunglückte. Lernte Elektriker, ab 1915 Militärdienst, im Februar 1916 vor Verdun verwundet, anschließend zum Funker ausgebildet. Im November 1918 Mitglied eines Soldatenrates, ab Dezember in Görlitz wieder Elektriker. Er trat in die USPD ein und wurde DMV-Branchenleiter. Ende 1919 Redakteur der USPD-Wochenzeitung »Freies Wort« in Görlitz, ab 1920 in der KPD. 1922 UB-Leiter für die Kreise Görlitz u. a. Von Oktober 1923 bis Januar 1924 in »Schutzhaft«, bis 1929 Stadtverordneter in Görlitz, gehörte Ullrich bis 1925 der BL Lausitz und ab 1925 der erweiterten BL Schlesien an. Auf dem XI. Essener Parteitag 1927 zum Mitglied der Zentralen Beschwerdekommission gewählt, nach dem XII. Weddinger Parteitag im Juni 1929 Kandidat des ZK. Von Juli 1929 bis Juni 1931 Orgleiter der KPD Schlesien, wo er die starke KPO-Minderheit bekämpfte. Ab Juli 1931 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, kehrte im Oktober 1932 nach Deutschland zurück und wurde RGO-Sekretär für Schlesien. Ullrich wurde am 5. März 1933 in den Reichstag gewählt, konnte aber wegen des einsetzenden NS-Terrors sein Mandat nicht wahrnehmen. Am 28.April 1933 in Breslau festgenommen, bis August 1934 »Schutzhaft«, danach bis 1937 Elektriker in Görlitz. Im Juni 1937 erneut verhaftet, saß er bis 1945 in den KZs Dachau und Buchenwald. Von Juni bis August 1945 Angestellter der Stadtverwaltung Görlitz, 1945/46 Vorsitzender der KPD in Görlitz und anschließend bis Anfang 1949 paritätischer, ab 1949 alleiniger Vorsitzender der SED. Seit 1952 in der BPKK Dresden und von 1958 bis 1960 Vorsitzender der Revisionskommission der SED-BL Dresden, er erhielt im Februar 1969 den Karl-Marx-Orden. Arthur Ullrich starb am 16. Juni 1969 in Dresden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ulrich, Karl

* 18.12.1883 – ✝ 29.4.1962

Geboren am 18. Dezember 1883 in Ludweiler/ Saar; Bergmann auf der Grube »Luisenthal«. Während des Weltkrieges Unteroffizier, später trat er der USPD, 1920 der KPD bei und gehörte von 1924 bis 1928 dem Landesrat der Saar an. Als Leiter der KPD-Zelle auf der Grube »Luisenthal« ab 1929 Mitglied der erweiterten BL Saar, von 1929 bis 1932 Gemeinderats- und Kreistagsmitglied, 1933 Polleiter der Ortsgruppe in Ludweiler. Im Herbst 1933 kam es zu Verfallserscheinungen innerhalb der saarländischen Parteien, u. a. auch in der KPD. Karl Ulrich flog mit den KPO-Funktionären Philipp Reinhardt und Ernst Becker im November 1933 auf Einladung der NSDAP nach Berlin, um sich »nähere Eindrücke über die Verhältnisse« zu verschaffen. Alle drei traten zur pronazistischen »Deutschen Front« über. Zuvor waren sie aus ihren Parteien wegen »Korruption und Verrats« ausgeschlossen worden, doch bis auf eine Ausnahme solidarisierte sich die gesamte KPD-Fraktion im Ludweilerer Gemeindeparlament mit Ulrich. Nach der Rückkehr aus Berlin engagierten sie sich in der »Deutschen Front« und gründeten mit deren finanzieller Unterstützung die Zeitschrift »Rufer im Warndt«. Dort konnte Ulrich seine Fortsetzungsserie »Mit dem Flugzeug nach Deutschland« veröffentlichen, in der er den NS-»Sozialismus der Tat« pries. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Karl Ulrich starb am 29.April 1962.

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Ungar, Hermann

* 7.9.1886 – ✝ 10.8.1937

Geboren am 7. September 1886 in Kassel, Sohn eines Schneiders; lernte Lithograph, später Techniker und Ingenieur. 1914 heiratete er die Schneiderin Elfriede Roesener (* 14. 8. 1892) und zog mit ihr nach Königsberg, kam 1915 nach Berlin und arbeitete bis 1929 als Ingenieur. Seit 1918 Mitglied der SPD, 1919 der USPD, ab August 1923 der KPD, gehörte er 1920/21 kurzzeitig der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Ab 1929 offiziell Oberingenieur bei der sowjetischen Handelsvertretung, war aber für den Nachrichtendienst der KPD tätig. Als Anfang 1934 mehrere deutsche Mitarbeiter beim Verlassen der sowjetischen Handelsvertretung in der Berliner Lindenstraße von der Gestapo verhaftet wurden, entkam Ungar in die Sowjetunion. Dort bei der Eisenbahn beschäftigt, folgten ihm Frau und Sohn im April 1934. Hermann Ungar wurde am 10. August 1937 vom NKWD verhaftet, wegen angeblicher »Spionage für Deutschland und Mitgliedschaft in einer rechtstrotzkistischen terroristischen Organisation« angeklagt, am 16. November 1937 zum Tode verurteilt und am selben Tag erschossen. Elfriede Ungar wurde am 2. Dezember 1937 in Moskau festgenommen, im Juni 1938 nach Deutschland ausgewiesen und kam in Berlin bis Ende 1938 in Gestapohaft. Sie wohnte bis zu ihrer Evakuierung 1944 nach Sachsen-Anhalt in Berlin-Steglitz. Aus Furcht vor erneuter Verhaftung durch das NKWD, das sich nach ihr in Halle/Saale erkundigte, verließ sie im Sommer 1948 die SBZ und ging zu ihrem Sohn nach West-Berlin, wo sie am 27. September 1967 starb. Der Sohn Kurt Ungar (* 3. 9. 1915) besuchte das Gymnasium in Berlin, machte 1932 das Abitur, trat in den KJVD ein, wurde im April 1933 von der SA verhaftet und schwer mißhandelt. In Moskau lernte er den Regisseur Gustav von Wangenheim kennen und erhielt in dessen antifaschistischem Film über den Reichstagsbrand (»Kämpfer«) eine Rolle. Anfang 1936 versuchte er nach Frankreich zu kommen, um in Paris zu studieren. Er gelangte über Warschau und Prag nach Deutschland, wurde hier verhaftet und sollte wegen seiner Teilnahme am Film »Kämpfer« vor den VGH gestellt werden, der Prozeß fand jedoch nicht statt. Kurt Ungar kam in das KZ Sachsenburg, dann nach Buchenwald und wurde im April 1939 entlassen. Im Dezember 1939 zur Wehrmacht eingezogen, geriet er Ende April 1945 noch kurz in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Er begann 1946 an der Berliner Universität ein Medizinstudium, ab 1950 an der FU Berlin, promovierte und praktizierte als Arzt in West-Berlin. Kurt Ungar lebte 2008 in Berlin-Zehlendorf.

Wer war wer in DDR

Unverricht, Siegfried

* 25.2.1928

Geb. in Dresden; Vater selbständiger Xylograph, Mutter Kassiererin; Volks- u. Berufsschule; Lehre als Chemigraph in Dresden; 1946 KPD / SED; 1947 – 52 Ressortltr. für Information u. Statistik, danach Ltr. des Büros des Sekretariats des FDGB-LV Sachsen; Sonderabitur; 1952 – 59 Redaktionsass., Hilfsred., Red. bzw. Ltr. der Abt. Volkskorrespondenten bzw. Wirtschaft, stellv. Chefred. der »Sächsischen Zeitung« in Dresden; FS-Abschluß für Journalistik sowie Fernstudium an der KMU Leipzig, 1964 Dipl.-Journalist; 1959 stellv. Chefred., 1961 – 67 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Ostsee-Zeitung« in Rostock (Nachf. von  Kurt Heiß); 1967 – 2.11.1989 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Rostock; 1968 – 89 Abg. des Bezirkstags Rostock; 1971 / 72 Besuch der PHS des ZK der KPdSU in Moskau. 1990 Invalidenrentner; Mitglied der PDS bzw. der Linkspartei; ehrenamtl. Funktion im Wohlfahrtsverband Volkssolidarität e. V.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Urbschat, Gustav

* 20.5.1901 – ✝ 16.4.1982

Geb. in Berlin; Volkschule; 1919 KPD; bis 1933 in der Internat. Arbeiterhilfe (IAH) tätig; 1933 Emigr. in die Niederlande, 1934 illeg. Rückkehr nach Berlin; 1936 – 44 Zuchthaus Brandenburg; 1944 – 46 Soldat u. Kriegsgefangenschaft. 1946 – 47 Sekr. im KPD-KV Berlin-Wilmersdorf; 1948/49 Studium an der PHS der SED »Karl Marx« in Kleinmachnow; 1949 – 51 Abt.-Ltr. Kultur in der SED-LL Berlin; 1951 Prof. für Grundlagen des Marxismus-Leninismus, stellv. Dir., 1957 – 61 Rektor u. 1961 – 69 Prorektor der HS für angew. Kunst in Berlin-Weißensee.Ebert, H. (Hrsg.): Drei Kapitel Weißensee. Dokumente zur Geschichte der Kunst-HS Berlin-Weißensee 1946 bis 1957. Berlin 1996; Weber, H.: Damals, als ich Wunderlich hieß. Vom Parteihochschüler zum krit. Sozialisten. Die SED-PHS »Karl Marx« bis 1949. Berlin 2002.Beatrice Vierneisel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Utzelmann, Peter

* 1.5.1896 – ✝ 8.5.1972

Geboren am 1. Mai 1896 in Berlin; Tischler, seit 1913 in der SPD. 1915 zur Kriegsmarine einberufen, kam zur Matrosendivision in Wilhelmshaven, im März 1917 nach Flandern, 1918 wegen »nicht einwandfreier Gesinnung« nach Kiel. Im November 1918 aktive Teilnahme am Matrosenaufstand, Mitte November bei der Volksmarinedivision in Berlin. Mitglied des Spartakusbundes und der KPD, an den Januarkämpfen 1919 beteiligt. Mit der Mehrheit der Berliner Kommunisten gehörte er zum linken Parteiflügel und wurde 1920 einer der Mitbegründer der KAPD, in der er führende Funktionen ausübte. Redakteur in Halle, in Mitteldeutschland beim Aufbau der KAPD und der AAU tätig, war er unter dem Pseudonym Kempin KAPD-Leiter bei der März-Aktion in den Leuna-Werken. Deshalb am 21.Juni 1921 vom Sondergericht Halle wegen »Hochverrates und Rädelsführerschaft« zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Durch eine Amnestie 1922 freigelassen, trennte er sich von der KAPD und schloß sich der KPD an, bis 1924 Angestellter in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. 1926 trat er aus Protest gegen die Politik der Partei aus der KPD aus und schloß sich 1928 der von Paul Levi geführten Sozialwissenschaftlichen Vereinigung (SWV) an, er trat in die SPD ein, wurde 1932 aber wieder ausgeschlossen, da er am Aufbau der »Roten Kämpfer« beteiligt war. Ab 1930 war er Handelsvertreter. Nach 1933 illegale Arbeit für die SWV und für die »Roten Kämpfer«. Am 26. November 1936 verhaftet und am 7. März 1938 vom Kammergericht Berlin zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis Juni 1940 im Zuchthaus Brandenburg, nach seiner Freilassung arbeitete er als Betriebsführer. 1945 Abteilungsleiter im Haupt-Berufsamt des Magistrats von Groß-Berlin. Mitglied der KPD/SED, im Dezember 1945 Redakteur beim Berliner Rundfunk. Utzelmann hatte enge Kontakte zur SMAD, kritisierte aber offen die Politik der Sowjetunion und der SED-Führung. Im Sommer 1948 Mitarbeiter der DWK, als Hauptdirektor Kontrolle der Holzindustrie für die Länder Brandenburg und Mecklenburg wurden ihm wegen seiner SED-Feindschaft Korruption und Amtsmißbrauch vorgeworfen. Aus der SED ausgeschlossen, war er von Mai bis November 1949 in Untersuchungshaft, dann flüchtete er im März 1950 nach West-Berlin. Im Oktober 1950 in Abwesenheit vom Landgericht Eberswalde wegen »Devisenvergehens« zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er engagierte sich in West-Berlin in der neugegründeten SWV und dem »Bund Freiheit und Recht«. Peter Utzelmann starb am 8. Mai 1972 in West-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Valtin, Jan (Krebs

* 17.12.1905 – ✝ 1.1.1951

(* 1905 – † 1951) Geboren am 17. Dezember 1905 in Darmstadt als Richard Krebs, Sohn eines Kapitäns des Norddeutschen Lloyd in Asien. Nach dem Realgymnasium 1921 Schiffsjunge auf einem Segelschiff, im Frühjahr 1923 Rückkehr. In Bremen Mitglied der KPD, dann wegen Teilnahme am Hamburger Aufstand Flucht nach Antwerpen. Dort als Matrose angeheuert, ab 1924 gehörte er dem Internationalen Propagandakomitee »Transport«, einer Komintern-Abteilung, an und war zugleich Mitarbeiter der OMS. Nach mehrmonatiger Ausbildung in Leningrad in die USA entsandt, am 16. August 1926 in Los Angeles verhaftet und wegen »Angriffs mit einer tödlichen Waffe« zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, jedoch am 5. Dezember 1929 vorzeitig aus dem Zuchthaus San Quentin entlassen, kam Valtin Anfang 1930 nach Le Havre, fuhr nach Bremen weiter und erwarb an der Seefahrtschule 1931 sein Steuermannspatent. Anschließend Leiter des Bremer Internationalen Seemannsklubs (Interklub) und des dortigen kommunistischen Einheitsverbands der Seeleute und Hafenarbeiter, wieder für den Geheimapparat tätig. Ab Sommer 1932 Instrukteur der Komintern in Großbritannien und dann in Norwegen zur Reorganisation der dortigen Seeleutegewerkschaft. Nach 1933 illegale Arbeit in Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen. Am 7.November 1933 festgenommen, nach schweren Folterungen im KZ Fuhlsbüttel im Juli 1934 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Valtin ließ sich (wohl im Auftrag der Komintern) auf eine Mitarbeit für die Gestapo ein, ging nach Kopenhagen, angeblich um das Westbüro der Komintern auszuspionieren. Da die verantwortlichen Komintern-Stellen nichts unternahmen, seine Frau aus Deutschland herauszuholen und er außerdem seit Jahren Auseinandersetzungen mit Ernst Wollweber hatte, trennte er sich von der Komintern und »schaltete« sich nach eigenen Angaben selbst als »Gestapo-Spion« ab. Ende November 1937 wurde Valtin in der dänischen KP-Zeitung »Arbeiterbladet« erstmalig als ein auf der Flucht befindlicher Gestapoagent angeprangert. Daraufhin floh er, gejagt von GPU und Gestapo, in die USA. Hier veröffentlichte er sein Buch »Out of the Night« (deutsch »Tagebuch der Hölle«), welches die »Times« 1941 Buch des Jahres nannte und von dem kurz nach Erscheinen schon über eine Million Exemplare verkauft wurden. Später Freiwilliger bei der US-Army, weilte er im Frühjahr 1950 auf Einladung des CIC in der Bundesrepublik. Jan Valtin/ Richard Krebs starb am 1. Januar 1951 an einer Lungenentzündung. Eine Biographie über Valtin/Krebs veröffentlichte Ernst von Waldenfels 2002.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Uhrig, Pius

* 3.7.1896 – ✝ 10.1.1973

Geboren am 3. Juli 1896 in Plittersdorf/Rastatt, Sohn eines Landwirts. Bis 1915 auf dem väterlichen Hof tätig, dann bis 1918 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der SPD, 1922 der KPD. Er blieb bis 1922 als Landwirt in Plittersdorf, danach in der Rastatter Waggonfabrik beschäftigt, ab 1923 Betriebsrat. Seit 1922 für die KPD im Gemeinderat, übernahm Uhrig 1931 den Vorsitz des kommunistischen »Reichsbauern- und Pächterbundes«. Im Juli 1932 wurde er als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Herausgeber der »Roten Sturmfahne«, des Parteiblattes der Rastatter KPD. Am 1. März 1933 festgenommen, war er bis Ende 1933 im KZ Heuberg in »Schutzhaft«. Anschließend lebte er zurückgezogen in Plittersdorf als Landwirt. 1943 und 1944 erneut verhaftet, zuletzt kam er in das KZ Dachau. Zurückgekehrt, wurde Uhrig von den französischen Besatzungsbehörden am 1. Juni 1945 als Landrat des Kreises Rastatt eingesetzt. Nach der Wahl des Kreistages im Herbst 1946, die eine Mehrheit für die CDU brachte, lehnten deren Vertreter die Bestätigung Uhrigs auf diesem Posten ab. Offiziell blieb er noch bis März 1947 in Rastatt, ging dann für ein Jahr als Landrat nach Lahr. Danach wieder in Plittersdorf, ab 1949 betrieb er einen Großhandel von Landesprodukten, 1950 Handel mit Holz und Kohlen. Politisch zurückgezogen, starb Pius Uhrig am 10.Januar 1973 in Plittersdorf. An das Wirken Pius Uhrigs, des ersten Landrats des Kreises Rastatt nach dem Ende des Nationalsozialismus, erinnert eine dort im Jahre 2001 angebrachte Gedenktafel.

Wer war wer in DDR

Ukenings, Dieter

* 2.9.1943

Geb. in Memel (Ostpr. / Klaipeda, Litauen); Vater Schweißer; 1949 – 57 Grundschule; 1957 – 60 Lehre, 1960 – 65 Arbeit als Metallgewebemacher in Neustadt (Orla); 1965 / 66 Dreher im VEB Wema Saalfeld, 1966 – 69 dort FDJ-Sekr. u. Besuch der Volksschule, Abschluß der 10. Klasse; 1967 SED; 1969 / 70 Studium an der SED-BPS Bad Blankenburg; 1970 – 72 polit. Mitarb. der SED-KL Saalfeld; 1972 / 73 polit. Mitarb. der SED-BL Gera; 1973 – 1976 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1976 – 78 erneut polit. Mitarb. der SED-BL Gera; 1978 – 81 2. Sekr. der SED-KL Pößneck; 1981 – 86 1. Sekr. der SED-KL Schleiz; 1986 – 89 2. Sekr. der SED-BL Gera; 1990 Mitarb. im Bezirksvorst. Gera der SED-PDS, dann arbeitslos. Nach 1990 Mitarb. in einem Verlags- u. Werbebüro.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ulbricht, Richard

* 8.5.1873 – ✝ 20.9.1937

Geboren am 8. Mai 1873 in Altenburg; lernte Schlosser und Dreher, arbeitete später in München, von 1909 bis 1917 bei Zeiss in Jena und später bis 1930 bei verschiedenen Firmen in Berlin. 1913 trat er in die SPD, 1917 in die USPD ein. Als Spezialist in einem kriegswichtigen Betrieb vom Militärdienst befreit, gehörte er 1916 zu den Mitorganisatoren der Osterkonferenz der sozialistischen Arbeiterjugend in Jena. Seit 1919 Mitglied der KPD, Anfang der zwanziger Jahre übersiedelte Ulbricht nach Berlin. Er war 1920/21 Angehöriger der Wachmannschaft der KPD-Zentrale in der Rosenthaler Straße, er soll für den AM-Apparat tätig gewesen sein. Anfang 1930 meldete er sich für einen längeren Arbeitsaufenthalt in die Sowjetunion. Gemeinsam mit seiner Frau Marie Ulbricht, geborene Gestribow (* 28. 7. 1885 – † 31. 5. 1958), reiste er im September 1930 nach Moskau und arbeitete dort als Facharbeiter in der Nähe Moskaus im Werk Nr. 3 in Orechowo-Sujewo. Am 20.September 1937 vom NKWD verhaftet, wurde Richard Ulbricht bereits am 3. November 1937 in Butowo erschossen, Marie Ulbricht wurde 1940 nach NS-Deutschland ausgewiesen.

Wer war wer in DDR

Ullmann, Wolfgang

* 18.8.1929 – ✝ 30.7.2004

Geb. in Bad Gottleuba (Sachsen); Vater Steuerbeamter; 1938 Übersiedl. nach Dresden; 1948 Abitur; 1948 – 50 Theol.-Studium an der Kirchl. HS in Berlin (West), 1950 – 54 Studium der Theol. u. Philos. in Göttingen; kurze Zeit Mitgl. der Gesamtdt. Volkspartei; Prom. zum Dr. theol. mit einer Arbeit über Augustinus; 1954 Rückkehr in die DDR; anschl. bis 1963 Pfarrer in der Landgemeinde Kölpenitz (b. Freiberg, Sachsen); 1963 – 78 Doz. für Kirchengeschichte am Katechet. Oberseminar in Naumburg (Saale); 1978 – 90 Kirchenhistoriker am Sprachenkonvikt in Berlin, lehrte Kirchengeschichte sowie Welt- u. Rechtsgeschichte; seit 1975 Vortragsreisen nach Westeuropa u. in die USA; Delegierter der ev. Kirche der DDR zu Tagungen des Weltkirchenrats; 1986 – 89 Mitarb. im opp. Arbeitskrs. »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung«; Sept. 1989 Erstunterz. des Gründungsaufrufs der Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ); 1989 – 91 Mitgl. des DJ-Sprecherrats; Mitinitiator u. Teilnehmer des Zentr. Runden Tischs; Initiator der Arbeitsgr. »Wahlgesetz« u. Mitgl. der Arbeitsgr. »Neue Verfassung der DDR« des Runden Tischs; Febr. – April 1990 Minister ohne Geschäftsbereich in der zweiten Reg.  Hans Modrow, hier bes. Einsatz für die Auflösung des MfS; April – Okt. 1990 Mitgl. der Fraktion Bündnis 90 / Grüne u. Vizepräs. der letzten Volkskammer. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags für Bündnis 90 / Die Grünen, Mitarb. im Innen-, Rechts- u. im Verteidigungsaussch.; Sept. 1991 Mitgl. des Gründungssprecherrats u. Mai 1992 Wahl in den Bundessprecherrat der Partei Bündnis 90, 1992/93 prominenter Befürworter der Vereinigung zw. Bündnis 90 u. den Grünen; 1991 Mithrsg. des Verfassungsentwurfs des Kuratoriums für einen demokrat. verfaßten Bund Dt. Länder; 1991 – 93 Mitgl. der Gem. Verfassungskommission des Bunds u. der Länder, Austritt aus Protest gegen den Entwurf der Kommission; 1994 Theodor-Heuss-Med.; 1994 – 99 Mitgl. des Europ. Parl.; 1999 Gründungsmitgl. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; Mithrsg. der ost-westdt. Wochenztg. »Freitag«; gest. während eines Urlaubs in Adorf (Sachsen).Demokratie – jetzt oder nie! München 1990; Das Ende der Utopien. Berlin 1992; Verfassung u. Parlament. Berlin 1992 (hrsg. v. B. Maleck); Zukunft Aufklärung: eine Bestandsaufn. nach dem Ende der Utopien. Berlin 1995; Geduld, liebe Demut! Leipzig 1998. Maleck, B.: W. U.: »Ich werde nicht schweigen.« Berlin 1991; Nachrufe in »Freitag« 6.8.2004.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Ullrich, Lothar

* 31.3.1932

Geb. in Berlin; 1951 Abitur; 1951 – 56 Studium der Philos. u. Kath. Theol. in Fulda, Erfurt u. Neuzelle; 1956 Priesterweihe in Berlin-Reinickendorf; Kaplan in Prenzlau; 1958 Assistent am Lehrstuhl für Dogmatik des Regional-Priesterseminars / Studium Erfurt; 1962 Subregens am Priesterseminar Huysburg bei Halberstadt; 1965 Regens am Regional-Priesterseminar / Alumnat Erfurt; 1967 Dr. theol. mit der Arbeit »Fragen der Schöpfungslehre nach Jakob von Metz O. P.« (Leipzig 1966); 1967 Lehraufträge für Dogmatik u. Propädeutik am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; 1970 Doz. für Dogmatik; 1974 ord. Prof. für Dogmatik am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; 1976/77, 1983/84 u. 1988/89 Rektor des Philos.-theol. Studiums Erfurt; 1983 Gastprof. am Katechet. Oberseminar Naumburg (Saale); 1989 Dr. theol. h. c. der Akad. für Kath. Theol. in Warschau; Mitgl. u. Mitarb. in versch. theolog. Gremien: seit 1966 im Ökumen.-Theolog. Arbeitskrs. in der DDR bzw. den neuen Bundesländern; seit 1981 Mitgl. des internat. Wiss. Beirats des Johann-Adam-Möhler-Inst. in Paderborn; 1986 – 93 Mitgl. der Gem. Kath.-Luth. Dialogkommission; 1988/89 Berater bzw. Delegierter bei der Ökumen. Vers. in der DDR u. der Europ. Ökumen. Vers. in Basel; 1988 – 92 Mitarb. bei der Durchführung der 4. u. 5. Europ. Ökumen. Begeg. der Konferenz Europ. Kirchen u. des Rats der Europ. Bischofskonferenzen (CCEE) in Erfurt u. Santiago de Compostela; Dez. 1989 Gründungsmitgl. d. Europ. Ges. f. Kath. Theol. Seit 1991 Mitgl. des Ökumen. Arbeitskrs. ev. u. kath. Theologen in der Bundesrep. Dtl.; seit 1992 Fachgutachter der Dt. Forschungsgem.; Verf. von Aufsätzen u. Buchbeitr. zu Themen d. systemat. u. ökumen. Theol.; seit 1990 Mithrsg. der ökumen.-theolog. Zeitschr. »Catholica« u. »Ökumen. Rundschau«, Fachberater für Ökumen. Theol. bei der 3. Aufl. d. Lexikons f. Theol. u. Kirche (Freiburg 1993 ff.); 2001 em.Diasporakirche gestern u. morgen. In: Einheit in Vielheit. Leipzig 1974; Die ekklesiolog. Provokation ökumen. Erneuerung. In: Ökumen. Rundschau (1987) 36; Bewahrung der Schöpfung. In: Glauben u. Erkennen. Fs. der Ev. Forschungsakad. für J. Rogge. Berlin 1989; Zur Lage der kath. Theol. in der ehem. DDR. In: Bulletin der Europ. Ges. für Kath. Theol. (1991) 1; Kirche in säkularer Diaspora – Mittel- u. ostdt. Erfahrungen. In: Cartell Ruper, Mayer, Mitt.-Bl. 2 (Aug. 1993).Clemens Brodkorb

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ullrich, Ferdinand

* 22.6.1902 – ✝ 28.8.2001

Geboren am 22. Juni 1902 in Odessa, Sohn österreichischer Eltern, Bruder von Lisa Ullrich – der Vater war Schriftsetzer. Er besuchte von 1909 bis 1911 die deutsche Schule in Odessa und von 1911 bis 1914 die Elementarschule in Riga. 1915 wurde die Familie aus Rußland ausgewiesen, er lernte in Berlin Schlosser. Von 1917 bis 1921 Verlagsgehilfe, schloß sich 1919 der FSJ an. Ab 1921 Sekretär der KJD für den Bezirk Magdeburg, trat 1922 in die KPD ein, war bis 1923 hauptamtlicher Leiter der Literaturvertriebsstelle in Bielefeld, anschließend Sekretär der BL Magdeburg. 1923 aus Deutschland ausgewiesen, ging er in die ?CSR und schlug sich als Hilfsarbeiter durch. Ullrich kam 1924 zurück, wurde Leiter des Literaturvertriebs der KPD-BL Württemberg in Stuttgart. Im Januar 1925 verurteilte ihn der Staatsgerichtshof in Leipzig im sogenannten Buchhändler-Prozeß zu drei Jahren Gefängnis, wegen der »Hindenburg-Amnestie« nur bis Ende 1925 inhaftiert. 1926 Leiter des Literaturvertriebs der KPD-BL Pfalz in Mannheim. Als nichtdeutscher Staatsangehöriger 1926 erneut ausgewiesen, hielt er sich in Frankreich auf. Er wurde 1927 zunächst Mitarbeiter, dann als Nachfolger von Hans Holm Leiter des Parteiverlags der KPD VIVA in Berlin. Von 1928 bis 1931 im Apparat der Komintern in Moskau, dort von 1931 bis 1935 Aspirant am Institut der Roten Professur. Ullrich gehörte 1935 dem Orgbüro des VII. Weltkongresses an, war bis 1938 Mitarbeiter des Gebietskomitees der KPdSU und Lehrer am Parteiinstitut in Saratow. Dort am 18. Januar 1938 verhaftet und am 14. Oktober 1938 durch ein Sondergericht des NKWD zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, die er bis 1946 u. a. einem Gulag in der ASSR der Komi verbrachte. Seine Schwester Lisa setzte sich in Briefen an Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht wiederholt für seine Freilassung und ab 1945 für seine Rückkehr nach Deutschland ein. Nach der Entlassung aus dem Lager blieb er bis 1955 als Lehrer an Mittelschulen im Altaigebiet und wurde am 6. August 1955 durch das Oberste Gericht der UdSSR »strafrechtlich rehabilitiert«. Ende Juni 1956 kam Ullrich in die DDR und begann als Übersetzer bzw. Redakteur in der Leninabteilung des IML, wechselte 1958 an das Institut für Gesellschaftswissenschaften und arbeitete als Dozent in der Abteilung Information/Dokumentation. Er erhielt 1972 die Ehrendoktorwürde, 1977 die Ehrenspange zum VVO in Gold. Ferdinand Ullrich starb am 28.August 2001 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Umann, Joachim

* 13.7.1922 – ✝ 5.5.2002

Geb. in Dresden; Vater Handlungsgehilfe, Mutter Krankenschwester; Volks- u. Oberschule, Abitur; Wehrmacht; 1940 NSDAP; 1944 Oltn., 1944 – 49 sowj. Kriegsgef.; 1948 / 49 Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Werkstattschreiber im VEB Edelstahlwerk Döhlen (b. Freital); 1951 SED; 1951 / 52 Sekr. des DSF-KV Bautzen; 1952 – 55 Hauptred. bei der Ztg. »Tägliche Rundschau«; 1953 – 57 Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1955 – 62 Abt.-Ltr., Redaktionssekr., stellv. Chefred. der Auslandsillustrierten »Freie Welt«; 1962 – 65 stellv. u. amt. Chefred. der NBI; 1965 – 71 stellv. u. amt. Chefred., 1971 – 87 Chefred. der »Freien Welt« (Nachf. von  Sepp Horlamus); 1974 – 87 Mitgl. des DSF-ZV; 1966 Präs. der Fotosektion der Internat. Org. der Journalisten (IOJ); 1972 – 87 Mitgl. des Präs. des VDJ-ZV; Rentner; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Unger, Otto

* 5.9.1893 – ✝ 19.3.1938

Geboren am 5. September 1893 in Böllberg/Krs. Halle als Sohn des Tischlers Traugott Unger; lernte auch Tischler und besuchte die Tischlerfachschule in Leipzig. Mitglied im Leipziger Jugendbildungsverein, war er bald 2., dann 1. Vorsitzender. Seit 1911 Mitglied der SPD, dem Holzarbeiterverband war er bereits zwei Jahre vorher beigetreten. 1912 Wanderschaft durch ganz Deutschland, danach in Stuttgart aktiv in der Jugendarbeit, er schloß sich den Stuttgarter Linken um Edwin Hoernle, Clara Zetkin und Friedrich Westmeyer an. Er mußte im September 1914 zum Militär und im November an die Front nach Frankreich, blieb mit geringen Unterbrechungen durch Verwundung und Krankheit bis Kriegsende Soldat. Als Anhänger der Spartakusgruppe seit 1917 Mitglied der USPD, er lebte 1918/19 in Leipzig. Seit März 1919 Mitglied der KPD, vor allem in der Jugendarbeit aktiv. Er gehörte der BL der FSJ Leipzig an, kam im Herbst 1920 nach Berlin, wurde Geschäftsführer des Verlags »Junge Garde«, des Organs der kommunistischen Jugend. Seit Dezember 1920 Mitglied des ZK der KJD, u. a. für die Schulung der KJD verantwortlich, nun unter dem Parteinamen Bork. Im April 1921 Delegierter des 2. Kongresses der KJI in Moskau, dort in das EK gewählt und zum Sekretär berufen, gleichzeitig war er Vertreter der KJI bei der Komintern. Auf dem V. Weltkongreß der Komintern im Juli 1924 referierte Unger über Jugendfragen, schied aber im gleichen Jahr aus seinen Funktionen aus. Dann studierte er bis 1925 an der KUNMS, kam im Herbst 1925 als Referent in die Orgabteilung der Komintern. Er war auch schriftstellerisch tätig, schrieb Gedichte und Broschüren, von ihm stammt z. B. der Beitrag über die Kommunistische Jugendinternationale im »Jahrbuch für Wirtschaft, Politik und Arbeiterbewegung« 1923/24. Im Frühjahr 1926 kehrte Unger nach Deutschland zurück und wurde als Instrukteur des ZK in den Bezirken Wasserkante, Nordwest und Niedersachsen eingesetzt. Auf Vorschlag Ernst Thälmanns im Herbst 1926 zum Orgleiter der BL Wasserkante gewählt und nach Reorganisation des Bezirks Agitpropsekretär. Er gehörte zu den Versöhnlern und wurde während der Auseinandersetzungen im Herbst 1928 nach der Wittorf-Affäre aus seiner Funktion entlassen. Von Hamburg nach Berlin übergesiedelt, trennte sich Unger 1930 von den Versöhnlern, war zunächst Parteifunktionär in Wilmersdorf und Wedding. Anschließend im AM-Apparat der KPD tätig (»Spezialarbeit« unter der Berliner Schutzpolizei). Ende 1931 übertrug ihm das ZK die Leitung des Zeitungsverlages »Die Nachrichten«. Ab Frühjahr 1932 Prokurist der Verlagszentrale AG, der Dachgesellschaft sämtlicher Zeitungsverlage der KPD, er begann Anfang 1933 in Zusammenarbeit mit Willy Reimers den illegalen Literatur- und Zeitungsvertrieb aufzubauen. Durch Verrat am 12. April 1933 festgenommen, mißhandelt und ins KZ eingeliefert. Ende Oktober 1933 entlassen, emigrierte Unger Anfang 1934 in die Sowjetunion und kam in die Moskauer VAA. Vom NKWD im November 1937 verhaftet und am 19. März 1938 durch das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR zum Tode verurteilt, wurde Otto Unger noch am selben Tag erschossen. Seine Frau Rosi, geborene Rosenbaum (* 22. 1. 1905 – † 20. 11. 1997), war Stenotypistin, trat 1918 der FSJ und 1919 der KPD bei. Zunächst in Hamburg und Bremen, kam sie 1923 nach Moskau, als Stenografin in der deutschen Sektion der Komintern tätig. Heirat mit Otto Unger, mit ihm nach Hamburg zurück, arbeitete sie in der Frauenabteilung der BL Wasserkante. 1934 Emigration in die Sowjetunion, Redakteurin bei der DZZ. Nach Verhaftung Otto Ungers entlassen, Deutschlehrerin an einer Moskauer Mittelschule. Nach Kriegsbeginn verhaftet und bis 1955 in Kasachstan, dann Lehrerin in Moskau. Im Frühjahr 1977 kam sie in die DDR, kehrte jedoch im Herbst 1977 wieder zu ihren Söhnen nach Moskau zurück.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Urbahns, Hugo

* 18.2.1890 – ✝ 16.11.1946

Geboren am 18. Februar 1890 in Lieth/Süder-Dithmarschen, Sohn einer Bauernfamilie; besuchte die Mittelschule in Heide/Holstein, eine Präparandenanstalt und das Lehrerseminar in Segeberg und Tondern. Seit Februar 1910 Volksschullehrer im Kreis Hadersieben, Wesselburen und in Hamburg. Bei Kriegsausbruch meldete er sich freiwillig und kam an die Front. Als Tbc-Kranker noch vor Kriegsende entlassen, wieder Oberlehrer in Hamburg. Hier seit 1912 Verbindung zu sozialistischen Kreisen, aber nicht Mitglied der SPD. Nach der Revolution trat er dem Spartakusbund und nach ihrer Gründung der KPD bei, übernahm zunächst verschiedene ehrenamtliche Funktionen und blieb bis 1921 Lehrer. Anfang 1920 in die KPD-BL Wasserkante aufgenommen und KPD-Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag mit der USPD im Dezember 1920. Urbahns, als »blonder Recke« der typische Friese, war nun neben Ernst Thälmann, der erst mit der USPD zur KPD gekommen war, Führer der Partei an der Wasserkante. Zwischen diesen zwei so verschiedenen Personen gab es zwar manche eifersüchtige Reiberei, aber beide gehörten in der KPD zum linken Flügel. Urbahns wurde 1921 Parteisekretär des Bezirks Wasserkante und blieb bis 1923 Polleiter dieses Bezirks. Von 1921 bis 1924 saßen er und Thälmannn als dessen Vertreter im ZA der KPD. Ab 1921 war Urbahns Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, 1922 deren Schriftführer und bis 1927 in diesem Parlament. Als Parteisekretär spielte Urbahns während des Hamburger Oktoberaufstands 1923 eine wichtige Rolle. Er kam von der Chemnitzer Konferenz zurück und mußte feststellen, daß der Aufstand hier durch ein Mißverständnis begonnen worden war, er sorgte nun für einen geordneten Rückzug. Am 13. Januar 1924 verhaftet und als Leiter des Aufstandes festgehalten, obwohl er im Mai 1924 (und wieder im Dezember 1924) als Abgeordneter in den Reichstag gewählt wurde. Nach einem Jahr Untersuchungshaft stand Urbahns im Januar 1925 als Hauptangeklagter wegen des Hamburger Aufstands vor Gericht und erklärte, daß er als damaliger Polleiter des Bezirks Wasserkante verantwortlich sei: »Ich übernehme die volle politische Verantwortung.« Urbahns verteidigte sich mutig, machte vor dem Gericht Propaganda für die KPD und schloß mit dem Ruf: »Lieber im Feuer der Revolution verbrennen, als auf dem Misthaufen der Demokratie verfaulen!« Die KPD feierte ihn und sein Auftreten. Selbst Stalin sagte später, als er Urbahns schon als »Feind« bekämpfte: »Ich habe für Genossen Urbahns als Revolutionär größte Achtung. Ich bin bereit, ihm für seine gute Haltung vor Gericht meine Hochachtung zu bekunden.« Urbahns wurde im Prozeß zu zehn Jahren Festung verurteilt, kam aber schon am 26. Oktober 1925 frei, da der Reichstag auf seiner Abgeordneten-Immunität bestanden hatte. Auf dem X. Parteitag im Juli 1925 war Urbahns in Abwesenheit als Linker in das ZK der KPD gewählt worden. Bei der Veröffentlichung des »Offenen Briefs« im August 1925 noch in Haft, hielt er zur Führung unter Ruth Fischer. Auf der 1. Parteikonferenz im Oktober 1925 in Berlin – nun frei – jubelnd begrüßt, obwohl er von Anfang an den Standpunkt der linken Opposition vertrat. Urbahns nahm im März 1926 am erweiterten EKKI teil (wo ihm Stalin das oben erwähnte Lob aussprach). Beim ersten Versuch, die Reichsgrenze zu überschreiten, war er verhaftet worden, denn kurz vor seiner Abfahrt nach Moskau soll das Berliner Polizeipräsidium durch einen anonymen Anruf aus dem ZK der KPD erfahren haben, daß und mit welchem (falschen) Paß Urbahns unterwegs war. Angeblich hatten nur Franz Dahlem, Walter Ulbricht und Ernst Schneller Kenntnis von seiner Reiseroute. Dieser Vorfall erhitzte die innerparteiliche Diskussion. Im August 1926 stimmte Urbahns gegen den Ausschluß von Ruth Fischer und Arkadi Maslow und unterschrieb im September des gleichen Jahres den »Brief der 700«. Am 5. November 1926 schloß die KPD Urbahns aus ihren Reihen aus. Er war die treibende Kraft bei der Organisierung der linken Opposition und wurde 1928 Führer und Mitbegründer des Leninbundes, den er auch nach dem Ausscheiden von Ruth Fischer, Maslow und Werner Scholem als politischer Kopf bis 1933 weiter leitete. Zunächst griff er die KPD von links an, nach der ultralinken Wendung der Partei 1929 setzte er sich vor allem für eine Einheitsfront gegen den Faschismus ein. Da Urbahns besonders scharf gegen die Nazis aufgetreten war, mußte er 1933 sofort emigrieren, kam zuerst in die Tschechoslowakei, dann nach Schweden. Dort lebte er unter sehr kümmerlichen Verhältnissen, hungerte sich die erste Zeit durch, bastelte dann eine Sägemaschine, um den Bauern das Holz zu zerkleinern. Während der Moskauer Schauprozesse 1936, 1937 und 1938 setzte die sowjetische Regierung Schweden unter Druck, um Urbahns auszuweisen, doch wollte ihn kein Land aufnehmen. Nach Kriegsende lehnte er die Rückkehr nach Deutschland ab. Hugo Urbahns starb am 16. November 1946 bei Stockholm. Seine Freunde veröffentlichten im SED-Organ »Neues Deutschland« eine Todesanzeige, in der es hieß: »Sein gerader und aufrechter Charakter, sein aufrechtes Streben für die Arbeiterklasse lassen ihn uns unvergessen sein ... Arbeiten wir weiter in seinem Sinne.«

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Usatiuc, Alexandru

* 1915 – ✝ 2003

Warenkundler, Mitgründer der Untergrundorganisation National-Patriotische Front, politischer Häftling.Alexandru Usatiuc wurde 1915 im Dorf Ivancea im damals noch zum russischen Zarenreich gehörenden Bessarabien geboren. Während des Zweiten Weltkriegs – Bessarabien stand in jenen Jahren unter rumänischer Verwaltung – diente er 1941–44 in der mit Nazi-Deutschland verbündeten rumänischen Armee als Feldwebel. Nach Kriegsende fiel Bessarabien an die UdSSR und wurde Teil der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Als Sowjetbürger studierte Usatiuc am Moskauer Handelsinstitut und fand anschließend im moldauischen Handelsunternehmen Moldobuwtorg eine Anstellung als Warenkundler. Im Herbst 1967 arbeitete Usatiuc gemeinsam mit Gheorghe Ghimpu an der Gründung der National-Patriotischen Front (Frontul Național Patriotic din Basarabia și Nordul Bucovinei; FNP). Im Programm der im Untergrund agierenden Organisation wurde die Befreiung Bessarabiens und der Nordbukowina von sowjetischer Herrschaft gefordert, die Nationalitätenpolitik der KPdSU kritisiert sowie zum Kampf für den Austritt Moldaus aus der UdSSR und zur Vereinigung mit Rumänien aufgerufen. Usatiuc und Gheorghe Ghimpu verfassten im Namen der noch gar nicht existierenden National-Patriotischen Front einen Appell, um ihre Ideen zu verbreiten und Anhänger zu gewinnen, die den Kern der künftigen Organisation bilden sollten. Unabhängig voneinander rekrutierten beide neue Mitglieder; Usatiuc knüpfte vor allem Kontakte zu Vertretern älterer Generationen. Die erste Versammlung der National-Patriotischen Front bereiteten Usatiuc und Gheorghe Ghimpu gemeinsam vor und verfassten 1968/69 den „Bericht vom 1. Treffen der National-Patriotischen Front zur Befreiung Bessarabiens und der Bukowina vom russisch-sowjetischen Joch“ (Raport la Congresul I al Frontului national-patriotic pentru eliberaria Basarabiei si Bucovinei de sub jugul ruso-sovietic). Usatiuc formulierte die Resolution dieser ersten Versammlung, schmuggelte sie im März 1969 über die Grenze nach Rumänien und schickte sie dort an den Rumänischen Staatsrat. 1970 schrieb Usatiuc erneut in dieser Angelegenheit: zunächst im Mai an den rumänischen Staats- und Parteichef Nicolae Ceaușescu und im Juni an die Kanzlei des Rumänischen Staatsrats. Zwischen 1968 und 1971 bereitete er insgesamt 19 Dokumente zur späteren Veröffentlichung vor, die anhand historischer Akten aus den Jahren 1918–40 den staatsrechtlichen Status Bessarabiens, die ethnische Zusammensetzung von Regierung und Oberstem Sowjet der Moldauischen Sowjetrepublik sowie die Russifizierung der rumänischen Bevölkerung in Moldau belegten. Am 13. Dezember 1971 wurde Usatiuc verhaftet und nach Artikel 67, Paragraf 1 und 69 des Strafgesetzbuches der Moldauischen Sowjetrepublik angeklagt (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR und *Artikel 72 Strafgesetzbuch der RSFSR). Ihm wurde vorgeworfen, „antikommunistische, verleumderische und provokative“ Schriften verfasst, vervielfältigt, im In- und Ausland verbreitet zu haben und einer antisowjetischen Organisation anzugehören. Das Oberste Gericht der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik verurteilte ihn am 13. Juli 1972 zu sieben Jahren Gefängnis und zu fünf Jahren Verbannung. Im gleichen Prozess wurden auch Gheorghe Ghimpu und Valeriu Graur verurteilt. Seine Strafe verbüßte Usatiuc in den *Permer Lagern, die anschließende Verbannung im Gebiet Tjumen in Westsibirien. 1983 kehrte er nach Chișinău zurück. Während der Perestroika war Usatiuc in der Bewegung für nationale Befreiung und Demokratie aktiv. Später gründete er den Verband der Opfer der kommunistischen Okkupation und der Kriegsveteranen der rumänischen Armee. Als die Republik Moldau 1991 unabhängig wurde, bemühte er sich um die Anerkennung als Reserveoffizier der rumänischen Armee. Alexandru Usatiuc starb 2003. Für seinen Kampf gegen die sowjetische Diktatur wurde ihm posthum 2010 und 2013 der Orden der Republik Moldau verliehen. Ion Șișcanu Aus dem Polnischen von Beata Kosmala Letzte Aktualisierung: 06/17

Wer war wer in DDR

Vaatz, Arnold

* 9.8.1955

Geb. in Weida (b. Gera); Vater Landwirt; Abitur; 1974 – 76 NVA; 1976 – 81 Studium der Mathematik in Dresden, Dipl.-Math.; 1976 – 80 Fernstudium der Theol. (mit dem »Befähigungsnachweis zur freien Wortverkündung«); 1981 – 90 Tätigkeit beim VEB Komplette Chemieanlagen Dresden, ab 1987 als Gruppenltr. für Computertechnik; 1982/83 sechsmonatige Haft wegen Verweigerung des Reservedienstes; seit den 1970er Jahren staatskrit. Aktivitäten, enge Kontakte zu  Reiner Kunze u.  Ibrahim Böhme, Beiträge in Samizdat-Publ.; Okt. 1989 Gründungsmitgl. des Neuen Forums in Dresden, Dez. 1989 Wahl in die Gruppe der 20; Febr. 1990 CDU; Mai – Okt. 1990 Stellv. des Regierungsbevollm. für den Bez. Dresden mit dem Aufgabenbereich »Länderbildung«. Nov. 1990 – Dez. 1991 Staatsmin. als Chef der Sächs. Staatskanzlei; 1992 – 98 Sächs. Staatsmin. für Umwelt u. Landesentw.; 1996 – 2000 Mitgl. des CDU-Bundesvorst., 1998 – 2000 Mitgl. des Präsidiums der CDU; seit 1998 MdB, seit 2002 Sprecher der ostdt. Abg. u. stellv. Vors. der CDU/CSU-Fraktion; 2009 Sächs. Verdienstorden.Die friedl. Rev. war ein guter Anfang. Fürstenfeldbruck 1997; »An diesem Tag schloß die letzte Diktatur auf dt. Boden ihre Augen«. In: Jesse, E. (Hrsg.): Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006. Kuhrt, E. (Hrsg.): Opposition in der DDR von den 70er Jahren bis zum Zusammenbruch der SED-Herrschaft. Opladen 1999; Richter, M.: Die Bildung des Freistaates Sachsen. Göttingen 2004.Eckhard Jesse

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Vásárhelyi, Miklós

* 1917 – ✝ 2001

Jurist, Teilnehmer an der *Ungarischen Revolution von 1956, Pressesprecher von Imre Nagy, Gründungsmitglied des *Komitees für Historische Gerechtigkeit, Mitgründer des Netzes Freier Initiativen.Miklós Vásárhelyi wurde 1917 in Fiume (Rijeka) geboren, wo sein Vater Direktor der Englisch-Ungarischen Bank war. Dort absolvierte er auch die Grundschule. Als seine Eltern es 1929 ablehnten, die italienische Staatsbürgerschaft anzunehmen, kehrte die Familie nach Ungarn zurück. Das Abitur legte Vásárhelyi 1936 am Piaristen-Gymnasium in Debrecen ab. Die folgenden zwei Jahre verbrachte er in Rom, wo er Politikwissenschaften studierte, jedoch aus politischen Gründen nach Ungarn zurückkehrte und an der Universität Debrecen ein Jura-Studium absolvierte. Unter dem Einfluss von Freunden begann er sich in der Politik zu engagieren, unter anderem in der Märzfront. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei 1939 trat er der kommunistischen Partei bei, blieb jedoch auf Anweisung der Parteiführung bis 1944 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Um der Einberufung zu entgehen, arbeitete er ab 1942 in einer Rüstungsfabrik. Nach der Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen am 19. März 1944 beteiligte er sich am bewaffneten antifaschistischen Widerstandskampf. Im Januar 1945 begann Vásárhelyi als Journalist zu arbeiten, er gehörte zum Mitarbeiterstab der ersten ungarischen Nachkriegszeitung „Szabadság“ (Freiheit), später wurde er Redakteur und Korrespondent der Zeitung „Szabad Nép“ (Freies Volk). Als Vertreter dieser Zeitung war er bei den Pariser Friedensverhandlungen dabei und nahm auch am Parteitag der Italienischen Kommunistischen Partei teil. Bei dieser Gelegenheit lernte er die führenden ungarischen Kommunisten László Rajk, Ernő Gerő und Mátyás Rákosi kennen. Er befürwortete deren Politik aus vollster Überzeugung und glaubte an die von der Partei verkündete Ideologie. Trotz dieser Überzeugungen verlor er jedoch 1949 seine Position als Redakteur des Parteiorgans. In den Jahren stalinistischer Verfolgungen 1951 und 1952 war er zunächst für eine Zeitschrift tätig, musste sich dann aber mit einer Arbeit als Bibliothekar zufriedengeben. Er kam im Gegensatz zu vielen anderen Kommunisten nicht ins Gefängnis. Das Schicksal vieler seiner Freunde, die wie er Mitglieder der kommunistischen Partei waren, aber Repressalien ausgesetzt waren, erschütterte jedoch den Glauben Vásárhelyis an die Idee des Kommunismus. Er revidierte vorherige Überzeugungen und schloss sich dem Programm von Imre Nagy an. 1955 initiierte er ein Memorandum, in dem die Liberalisierung der Kulturpolitik gefordert wurde. Wegen seiner Teilnahme an dieser Aktion wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Erst nach dem Abtritt von Rákosi nahm ihn die Partei im Herbst 1956 wieder auf. Zu jener Zeit forderten er und seine Mitstreiter – unter dem Eindruck der Ereignisse in Polen (*Juni 1956, *Oktober 1956) – bereits Pluralismus und volle Demokratie. Während der *Ungarischen Revolution von 1956 wurde er Berater von Imre Nagy und war ab November 1956 Pressesprecher der Regierung. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen am 4. November 1956 versteckte er sich in der Wohnung des Militärattachés Jugoslawiens. Er flüchtete sich dann in das Gebäude der jugoslawischen Botschaft, wo sich auch seine Frau, seine Kinder sowie Imre Nagy und die anderen Regierungsmitglieder aufhielten. Von dort wurde er nach Rumänien deportiert. Am 10. April 1957 wurde er verhaftet und kam in das Gefängnis des Staatssicherheitsdienstes in der Budapester Fő utca. Im Juni 1958 wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt – wegen „des Versuchs des Sturzes der demokratischen Ordnung“. 1960 kam er im Rahmen einer Amnestie auf freien Fuß. Nach der Haftzeit fand er keine Arbeit und verdiente seinen Lebensunterhalt mit Übersetzungen. 1964–72 war er für die Beschaffungsabteilung einer Baugenossenschaft tätig.Anfang der 70er Jahre konnte er in seinen Beruf zurückkehren und arbeitete als Historiker am Literarischen Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften sowie als Dramaturg bei der Filmproduktionsgesellschaft Mafilm. Vásárhelyis politisches und bürgerrechtliches Engagement begann im Jahre 1979 wieder. Damals unterzeichnete er eine Solidaritätserklärung für die Unterstützer der *Charta 77 in der Tschechoslowakei und hielt eine Grabrede für Gábor Tánczos, einen Teilnehmer der *Ungarischen Revolution von 1956. 1982 nahm er an einer illegalen Konferenz teil, die der Geschichte der Revolution von 1956 gewidmet war. Ab den frühen 80er Jahren begann er wissenschaftlich zu publizieren. 1983/84 hielt er sich in den USA auf. 1984 wurde er Beauftragter von George Soros im Kuratorium der Soros-Stiftung und in der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (er hatte diese Funktion bis 1989 inne). Dank seiner Position hatte er die Möglichkeit, die ungarische Opposition bestmöglich zu unterstützen. Als seine oberste Aufgabe betrachtete er es, die wahre Geschichte der *Ungarischen Revolution von 1956 sowie die Repressalien bekannt zu machen, unter denen die Teilnehmer der Revolution zu leiden hatten. Vásárhelyi nahm an allen Aktionen und Veranstaltungen teil, die die Erinnerung an die Revolution zum Inhalt hatten. 1985–87 gab er dem im Entstehen begriffenen Archiv für Oral History mehrere Interviews, 1986 beteiligte er sich aktiv an der Organisation und Vorbereitung einer Konferenz aus Anlass des 30. Jahrestages der Revolution und sprach er auf der Beerdigung von Ferenc Donáth. Im Mai 1988 gehörte er zu den Gründern des *Komitees für Historische Gerechtigkeit (Történelmi Igazságtétel Bizottság; TIB), dessen Vorsitz er bis 1992 führte. Im Juni 1988 erteilte er der Zeitschrift *„Beszélő“ (Sprecher) zum ersten Mal ein Interview. 1989 war er einer der Organisatoren der symbolischen Begräbnisfeierlichkeiten für Imre Nagy. 1985 nahm Vásárhelyi an dem oppositionellen *Treffen in Monor teil, wirkte am Entstehen des Netzes Freier Initiativen und des *Bundes Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ) mit. Nach dem Ende des Kommunismus war er 1989–94 Mitglied des Landesrates der Partei, 1990–94 Parlamentsabgeordneter und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des ungarischen Parlaments. Seit 1989 war er außerdem Kuratoriumsvorsitzender der George-Soros-Stiftung. Miklós Vásárhelyi starb 2001 in Budapest.Fanny Havas Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15