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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Borde, Waldemar

* 23.7.1912 – ✝ 29.7.1971

Geb. in Berlin; Vater Postbeamter u. SPD-Mitgl.; Oberrealschule; Schriftsetzerlehre; SAJ, Ltr. der Gruppe Berlin-Wilmersdorf; SAPD; 1931 – 33 arbeitslos; 1933 Buchdruckerlehre; 15.7.1936 in Vorbereitung auf die Olymp. Spiele in Berlin Verhaftung durch die Gestapo u. Verurteilung zu 5 Monaten Gefängnis »wg. Vorbereitung zum Hochverrat«; 1938 Eröffn. einer eigenen Druckerei, die 1940 zwangsweise geschlossen wurde; 1940 Wehrmacht; 1942 Heirat mit der späteren Puppenspielerin u. Kinderbuchautorin Ingeborg Borde-Klein (1917 – 2006); Strafbat. 333 an der Ostfront u. in Ungarn als Kurierfahrer. 1945 Ltr. des Amtes für Kultur u. Volksbildung u. des antifasch. Jugendaussch. in Ludwigslust; 1946 SED; 1946 Ltr. des Landesjugendaussch. Mecklenburg-Vorpommern; 5.3. 1946 »Aufruf an die Jugend« mit weiteren 6 Mitgl. zur Gründung der FDJ durch den Landesjugendaussch. (7.3.1946 Genehmigung der SMAD für die SBZ); 1946 – 50 Abg. des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, Vors. der FDJ-Fraktion; 1947 / 48 Ltr. der Abt. Jugend u. Sekr. des LV der SED; 1.10.1948 Mitbegr. u. erster Ltr. des DS; 23.3.1949 Absetzung nach Differenzen mit  Erich Honecker; 1950 Ltr. der MAS-Landesverw. Brandenburg, Aktion »1000 Traktoren für die DDR«, Verhaftung wg. »Sabotage« u. anschließende Rehabilitierung; 1951 – 55 Stellv. Ltr. der Abt. Werbung Progress-Film-Verleih; danach Fernstudium als Ingenieurökonom für Polygrafie; 1955 – 71 Betriebsltr. im VEB Graph. Werkstätten Berlin; gest. in Berlin.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Borkowski, Dieter

* 1.11.1928 – ✝ 22.2.2000

Geb. in Berlin; Vater Theologe, Mutter Lehrerin; 1945 Flakhelfer; sowj. Kriegsgefangenschaft. Nach 1945 Geschichtsstudium u. Volontariat beim Berliner Rundfunk u. im DIZ; 1947 Mitarb. von  Erich Honecker; nach 17.6.1953 Ausschl. aus der SED, danach Kulturredaktion der Ztschr. »Unser Rundfunk« beim Henschel Verlag; 1960 – 62 wegen seiner Verbindung zur parteiopp.  Schirdewan- Wollweber-Gruppe Einzelhaft in Berlin-Hohenschönhausen; schrieb 1966 – 71 unter dem Ps. Arno Hahnert illeg. für die Wochenztg. »Die Zeit«, dafür als »Agent der kap. Brandt-Scheel-Clique« erneut inhaftiert; 1972 gegen DDR-Spione in der Bundesrep. Dtl. ausgetauscht; Studium der Geschichte in Hannover; 1987 Veröff. der ersten Honecker-Biogr. in der Bundesrep. Dtl.; half bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, sichtete Partei- u. Stasi-Akten insbesondere zu Funktionären; Mitgl. des Freien Dt. Autorenverb. (FDA); gest. in Raddestorf.Wer weiß, ob wir uns wiedersehen. Frankfurt (Main) 1980; Für jeden kommt der Tag. Frankfurt (Main) 1981; In der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn. Frankfurt (Main) 1984; Lily Braun – Rebellin gegen Preußen. Frankfurt (Main) 1984; Erich Honecker. Statthalter Moskaus oder dt. Patriot? Eine Biogr. München 1984; Verratene Treue. Die SPD u. die Opfer des Kommunismus. Köln 1994 (Mitautor); Die Revolte der Schriftsteller? Die Verbrechen des Markus Wolf. Berlin 1997.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Borning, Walter

* 13.4.1920 – ✝ 25.8.1983

Geb. in Neubrandenb.; Vater Elektromonteur; Grund- u. Oberschule, 1936 mittlere Reife; Ausbildung u. 1938/39 Angest. der Sparkasse Neubrandenb.; April 1939 RAD; Aug. 1939 freiw. zur Wehrmacht, Flakartillerie, Einsatz bei der V 1-Waffe in Frankreich, Uffz.; März 1945 vom Kriegsgericht Sondershausen wegen »Landesverrat« zu zwei Jahren Haft verurteilt, Strafe nicht verbüßt, Mai/Juni 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft in Melk (Österreich). Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; Hilfsarbeiter in Schlesw.-Holstein, 1946 – 50 Buchhalter, Krs.-Rat, Ltr. der Finanzabt. im Krs. Neubrandenb.; 1946 SED; 1947 KB; 1949 Landesverw.-Schule Mecklenb.; 1950 Mitarb. des Min. des Innern; Arbeit als Org.-Instrukteur; 1950/51 Studium an der PHS; Nov. 1951 Mitarb. im Min. für Finanzen, HA Staatshaushalt, Aufbau der Abt. Investitionskontrolle; seit 1952 KVP/ NVA; Mai 1952 Instrukteur einer Sonderkommission zur VP-Werbung in Sachsen-Anh.; ab Nov. 1952 Instrukteur in der Abt. Sicherheit des ZK; 1954/55 Sektorenltr. in der Abt. Sicherheit; Nov. 1956 kommissar. Ltr. der Abt. Sicherheit des ZK der SED (Nachf. von  Gustav Röbelen), ab Mai 1957 stellv. Ltr.; Dez. 1959 Einjahreslehrgang an der Militärakad. Dresden; ab Okt. 1960 Ltr. der ZK-Abt. für Sicherheitsfragen; 1963 Gen.-Maj.; 1968 Weiterbildungslehrgang für ltd. Kader der NVA an der Militärakad. Dresden; 1969 VVO; 1971 Mitgl. des Beirats für Soz. Wehrerziehung beim ZK; Febr. 1972 Parteistrafe u. Abberufung als Abt.-Ltr. wegen »unparteimäßigen Verhaltens«; 31.3.1972 als Gen.-Ltn. vom Dienst entbunden u. in den Ruhestand versetzt; 1972 – 79 GD der Häuser der DSF; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Borrmann, Gustav

* 25.9.1895 – ✝ 7.6.1975

Geb. in Halle; Mutter Arbeiterin; Volksschule; 1911 SAJ; 1913 – 20 Ausbildung zum u. Arbeit als Steindrucker; 1914 – 18 Militärdienst; 1916 Spartakusgr.; 1919 Mitbegr. der KPD Halle; 1920 18 Mon. Haft wegen Mitgl. in der Militärkommission der KPD Halle während des Kapp-Putsches; Haft im Zuchthaus Coswig; 1923 Sekr. der KPD Essen; Teiln. am Ruhrkampf; Sekr. des KPD-Bez. Hessen-Waldeck; 1924 Geschäftsf. der KPD-Bez.-Buchhandlung Halle-Merseburg; 1929 Ltr. der Vertriebsstelle Halle des Neuen Dt. Verlags u. der »AIZ«; 1924 – 33 Vors. des RFB Halle u. stellv. Vors. des RFB Gau Halle-Merseburg; 1933 verhaftet, März 1933 – März 1934 Haft im KZ Lichtenburg, dann KZ Papenburg, 1934 Entlassung; illeg. pol. Arbeit; 1935 Emigr. in die ČSR, dann in die UdSSR, Aufenthalt in Moskau; ab 1936 schwer erkrankt; 1937 Arbeit als Steindrucker; 1939 Korrektor in einer Druckerei; 1940/41 Korrektor im Verlag für fremdsprachige Lit.; Febr. 1941 sowj. Staatsbürgerschaft; Juli 1941 Evakuierung nach Karaganda (Kasachische SSR), Ltr. der Politemigranten; 1944 Sekr., 1945/46 Präs. des Gebietskomitees Karaganda der RH. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; stellv. Ltr. der Landespolizeibehörde Sachsen-Anh.; 1950 Einstellung beim MfS, Ltr. der HA I (Allgemeines/Personal); 1951 Ltr. der Abt. Allgemeines; 1953 Oberst; 1955 Ltr. der Abt. Agit.; 1958 Entlassung, Rentner; 1965 VVO; 1970 KMO; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Borufka, Helmut

* 26.10.1918 – ✝ Herbst 200

Geb. in Tannwald (Krs. Gablonz, Nordböhmen / Tanvald, Tschechien); Vater Bäcker u. kfm. Angest., Mutter Weberin; Grund- u. Bürgerschule; 1933 – 37 Handelsakad. in Gablonz; 1937 kfm. Angest., Volontär für Landmaschinen in Sedlčany (ČSR); 1937/38 Militärdienst in der ČSR-Armee (Kavallerie), Offz.-Schüler; 1938 arbeitslos u. Gelegenheitsarb.; 1939 – 43 Wehrmacht, Panzergrenadier, zul. Kompanieführer (Funktrupp), seit Juni 1941 Ltn. der Reserve, EK I u. II; 1943 – 49 sowj. Kriegsgefangennahme als Parlamentär b. Stalingrad; 1943 NKFD; 1945/46 Antifa-Zentralschule Krasnogorsk (Spezialobjekt 40), dort anschl. Assistent, 1948 ltd. Asistent u. 1948/49 Schulältester. Juli 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 Mitarb., dann Ltr. der Abt. Ausbildung der HV Ausbildung Berlin, VP-Inspekteur, 1950 Chefinspekteur; 1949 SED; 1951 Ltr. der 1. Abt. des Stabes der HV Ausbildung; 1951/52 Sonderlehrgang der HV Ausbildung in der UdSSR; 1952 Gen.-Major; 1952 – 55 Chef Verw. Ausbildung u. Inspekteur der KVP im MdI; 1955/ 56 stellv. Chef der KVP für Ausbildung u. Lehranstalten (Nachf. von  Heinrich Dollwetzel); 1956/57 Chef für Ausbildung der NVA im Min. für Nat. Verteidigung; 1957 Chef des Stabes der Dt. Grenzpolizei (DGP), maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung von Grundsatzdok. der DGP; Jan. – Mai 1960 Chef der Dt. Grenzpolizei; 1962 – 64 Ausbildung an der Militärakad. des Gen.-Stabs der Streitkräfte der UdSSR, Dipl.-Militärwiss.; 1964/65 Chef des Stabes u. stellv. Chef der Grenztruppen (Nachf. von Ernst Greiner-Mai); 1965 – 74 Chef der Verw. Schulen u. Weiterbildung im Min. für Nat. Verteidigung; 1969 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1970 Lehrgang an der MA des Gen.-Stabs der Streitkräfte der UdSSR; 1971 Gen.-Ltn.; 1974 – 82 Hauptinspekteur der NVA (Nachf. von Siegfried Weiß); 1974 Banner der Arbeit; 1978 VVO; 1981 Scharnhorst-Orden; 31.12.1982 entlassen, Rentner; Mitgl. des Büros der Urania, dort Vors. der Sekt. Militärpol.; 1985 Jubiläumsmedaille der UdSSR; gest. in Berlin-Köpenick.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böse, Hermann

* 4.5.1871 – ✝ 17.7.1943

Geboren am 4. Mai 1871 in Hildesheim; arbeitete nach der Ausbildung zum Lehrer von 1897 bis 1907 an der Bremer Taubstummenanstalt. Um 1900 trat der Schulreformer der SPD bei und beteiligte sich am schulpolitischen Kampf der deutschen Sozialdemokratie. Er war auch langjähriger Leiter der Bremer Arbeitersängerbewegung. Böse schloß sich während des Weltkrieges den Bremer Linksradikalen an und trat im Januar 1919 der KPD bei. 1919/20 Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft. 1933 aus dem Schuldienst entlassen, unterstützte Böse später die Widerstandsgruppe um Bernhard Bästlein und Franz Jacob. Im November 1942 verhaftet, wurde er in das Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel eingeliefert. Zwei Tage nach seiner Freilassung starb Hermann Böse am 17. Juli 1943 an den Folgen der Haft. In Bremen wurde nach 1945 eine Hauptstraße nach ihm benannt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böttcher, Paul Herbert

* 2.5.1891 – ✝ 17.2.1975

(* 1891 – † 1975) Geboren am 2. Mai 1891 in Leipzig, Sohn eines Schmieds; gelernter Schriftsetzer. 1907 trat er in die sozialistische Jugendbewegung ein, leitete 1908 als Vorsitzender die Leipziger Gruppe dieser Organisation (der auch Walter Ulbricht angehörte) und wurde 1908 Mitglied der SPD. Nach der Lehre von 1909 bis 1913 arbeitete er als Setzer und bereiste als Wandergeselle Europa. 1914 hauptamtlicher Jugendsekretär der Gewerkschaft. Böttcher stand auf dem linken Flügel der SPD und schloß sich 1917 der USPD an. Im November 1918 Redakteur der »Leipziger Volkszeitung«, 1920 übersiedelte er nach Stuttgart und wurde Chefredakteur des »Sozialdemokraten« (Organ der linken USPD – nach dem Zusammenschluß mit der KPD in »Kommunist« umbenannt). Delegierter des Spaltungsparteitages der USPD im Oktober und des Vereinigungsparteitages mit der KPD im Dezember 1920, dort in den ZA der VKPD gewählt. Ab Februar 1921 Chefredakteur des Zentralorgans der KPD »Die Rote Fahne«. Auf dem VII. Parteitag 1921 als Mitglied in die Zentrale der KPD berufen, übernahm Böttcher im Oktober 1921 die Redaktion des »Roten Kuriers« bzw. 1922/23 der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig, im November 1922 wurde er Abgeordneter im Sächsischen Landtag. Zeitweilig jedoch wieder in die Zentrale beordert, bis er 1923 Vorsitzender der Sächsischen Landtagsfraktion und Leiter des Bezirks Westsachsen wurde. Auch der VIII. Parteitag 1923 wählte ihn in die Zentrale. Im Oktober 1923 vertrat er die KPD als Finanzminister in der sächsischen Regierung unter Erich Zeigner. Böttcher war Mitglied des Erweiterten EKKI. Als prominenter Vertreter der Rechten in der KPD verlor er nach dem IX. Parteitag 1924 seine Funktionen, blieb aber einer der Wortführer der rechten Opposition und weiterhin Mitglied und Sekretär der KPD-Fraktion im Landtag von Sachsen. Ab 1924 Redakteur der von der RGI in Berlin herausgegebenen Zeitschrift »Der Metallarbeiter«, arbeitete dann bis 1926 als Redakteur an der »Roten Fahne«. Zwar auf dem XI.Parteitag 1927 wegen des Widerstands der Leipziger Linken nicht ins ZK gewählt, aber bis 1928 sowohl Vorsitzender der sächsischen Landtagsfraktion als auch Mitglied der BL Westsachsen. Ab Januar 1928 erneut Chefredakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig, kündigte ihm die KPD als »führendem Rechten« am 7.November 1928. Noch am gleichen Tag brachte die sozialdemokratische »Leipziger Volkszeitung« den Artikel: »Bravo Paul«, mit einem Briefauszug von Clara Zetkin an Paul Böttcher, die ihn in seinem Kampf gegen Ernst Thälmann unterstützte. Am 4. Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen, gehörte er bis 1933 zur Führung der KPO. Er war Polsekretär der KPO-BL Westsachsen, Mitglied der Reichsleitung der KPO und vorübergehend Redakteur ihres Organs »Arbeiterpolitik«. Böttcher emigrierte am 28.Februar 1933 nach Schaffhausen, einer Hochburg der Schweizer KPO unter Walther Bringolf. Schon im Juni 1934 wegen politischer Betätigung ausgewiesen, lebte er aber bis 1944 illegal in Genf. Dort war Böttcher Journalist, unter Sándor Radó aber auch für den sowjetischen Nachrichtendienst GRU (dem er wahrscheinlich schon seit 1927 angehört hatte) tätig. Am 12.April 1944 von der schweizerischen Bundespolizei verhaftet, konnte er im Juli 1945 aus dem Gefängnis Siewen nach Paris flüchten. In der Schweiz wurde er in Abwesenheit (am 23.Oktober 1945) zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Böttcher kehrte im September 1945 nach Deutschland zurück. In Berlin bat er Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck sich dafür einzusetzen, ihn von der Arbeit für den sowjetischen Nachrichtendienst zu entbinden. Doch wurde er zusammen mit Sándor Radó und dessen Frau, angeblich zur Klärung seiner Arbeit in der Schweiz, am 23. Februar 1946 vom Flugplatz Berlin-Schönefeld nach Moskau geflogen. Dort sofort verhaftet und am 12. Februar 1947 mit Leopold Trepper, dem »Grand Chef der Roten Kapelle« u. a. ohne Gerichtsverhandlung wegen »passiver Spionage« zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt, die er im Gulag verbringen mußte. Als Schwerkranker durfte Böttcher im März 1956 nach Ost-Berlin und dann zu seiner Familie nach Leipzig. Hier im September 1956 »rehabilitiert« und in die SED aufgenommen. Noch 1956 zum stellvertretenden Chefredakteur der »Leipziger Volkszeitung« berufen, blieb er bis 1974 in dieser Funktion. Doch seine frühere Zugehörigkeit zur KPO sowie seine lange Haft in der Sowjetunion wurden in offiziellen Verlautbarungen unterschlagen. Böttcher erhielt 1966 den Karl-Marx-Orden. Er hatte etliche Broschüren veröffentlicht, darunter 1927 »Der Arbeiter-Korrespondent«. Paul Herbert Böttcher starb am 17. Februar 1975.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bottin, Otto Gustav

* 2.3.1884

Geboren am 2. März 1884 in Rügenwalde; lernte Maurer und übersiedelte nach Hamburg. 1910 der SPD beigetreten, war er 1919/20 in der USPD und kam 1920 in die KPD. Als Arbeiter am Staatskai beschäftigt, wurde er Betriebsrat. 1929 Mitglied der KPD-BL Wasserkante und Delegierter auf dem XII. Parteitag. Von 1931 bis 1933 gehörte er der Hamburger Bürgerschaft an. Sein weiterer Lebensweg konnte nicht ermittelt werden.

Wer war wer in DDR

Böwe, Kurt

* 29.4.1929 – ✝ 14.6.2000

Geb. in Reetz (Krs. Belzig, Brandenb.); Vater Bauer; Abitur in Kyritz; 1950 – 54 Studium der Germanistik u. Theaterwiss. am Inst. für Theaterwiss. der HU Berlin; 1954 – 60 Assistent an der HU Berlin, Ltr. der Studentenbühne; 1960 Debüt als Schauspieler am Maxim-Gorki-Theater Berlin, später Engagements an der Volksbühne Berlin, 1967 – 73 am Landestheater Halle, seit 1973 am Dt. Theater Berlin (DT); 1969 Kunstpreis der DDR; 1971 NP. Haupt- bzw. tragende Rollen u. a. in Gorkis »Die Kleinbürger«,  Bertolt Brechts »Herr Puntila u. sein Knecht Matti«, »Die Aula« (nach  Hermann Kant), Gorkis »Nachtasyl« u. »Jegor Bulytschow u. die anderen«, Goethes »Faust«, Kleists »Michael Kohlhaas«, Barlachs »Der blaue Boll«; Film- u. Fernsehrollen u. a. in »Die Toten bleiben jung« (nach  Anna Seghers), »Ich war neunzehn« u. »Der nackte Mann auf dem Sportplatz« (R:  Konrad Wolf), »Ich – Axel Cäsar Springer« (TV, R:  Karl Georg Egel), »Pinselheinrich« (über Heinrich Zille, TV), »Levins Mühle« (nach  Johannes Bobrowski), »Märk. Forschungen« (nach  Günter de Bruyn, TV), »Das Buschgespenst« (nach Karl May, TV); »Jadup u. Boel« (1981, erst 1988 aufgeführt, R: Rainer Simon). Gehörte auch nach 1990 zu den populären Protagonisten des DT, u. a. in Kleists »Käthchen von Heilbronn« (1991, R:  Thomas Langhoff), in Hugo von Hofmannsthals »Der Turm« (1992, R: Th. Langhoff), in Pierre Corneilles »Der Cid« (1993, R:  Alexander Lang), Tankred Dorsts »Herr Paul« (1994, R: Michael Gruner), in William Shakespeares »Heinrich IV.« (1996, R: Th. Langhoff); erfolgr. auch als Kommissar Groth in der TV-Reihe »Polizeiruf 110« (NDR, ab 1994), weitere Rollen in »Die Sprache der Vögel« (1991, TV), »Die Spur des Bernsteinzimmers« u. »Stilles Land« (beide 1992, TV); 1997 offiz. Verabschiedung als festes Ensemblemitgl. des DT, danach als Gast des DT in Friedrich Dürrenmatts »Der Besuch der alten Dame« (1997, R: Th. Langhoff).B.s Fontane. Berlin 1997 (bearb. von H.-D. Schütt); Theodor Fontane. Meine Kinderjahre. Berlin 1998 (CD); Der Unfugladen. Oder: Endlich Schluß mit dem Theater? Berlin 1999 (mit H.-D. Schütt). Schütt, H.-D.: K. B. Der lange kurze Atem. Berlin 1995; Gaus, G.: Zur Person 3. Berlin 1998.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Braecklein, Ingo

* 29.8.1906 – ✝ 5.8.2001

Geb. in Eisenach; Vater Zweiter Bürgermstr. der Stadt; Abitur am Karl-Friedrich-Gymn. Eisenach; ab 1927 Studium in Jena, Marburg, Tübingen; 1031 Pfarrstelle in Esperstedt/Kyffhäuser; ab 1933 Pfarrer in Allendorf (Schwarzburg, Thür.); 1933 NSDAP; Mitunterz. des »Wittenberger Bundes«, der sich in einer Proklamation gegen das nat.-soz. Dt.-Christentum wandte; 1939 – 45 Wehrmacht (Kriegsfreiw.), zul. Obltn; brit. Kriegsgefangenschaft. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Pfarrer in Allendorf u. Saalfeld; 1950 – 59 Superintendent in Weimar; ab 1959 Mitgl. des Thür. Landeskirchenrats, Stellv. u. Vertrauter des Landesbischofs  Moritz Mitzenheim; trat bereits frühzeitig für eine org. Verselbständigung der ev. Kirchen in der DDR ein; führendes Mitgl. des »Weimarer Arbeitskrs.«, in dem sich staatsloyale Thür. Theologen sammelten u. auf die Thür. Kirchenpol. Einfluß nahmen; 1968 – 70 Präses der Gen.-Synode der Vereinigten Ev.-Luth. Kirche der DDR (VELK); 1969 Präses der Synode des Bunds der Ev. Kirchen; 1970 Wahl zum thür. Landesbischof (Nachf. von  Moritz Mitzenheim), galt im Gegensatz zu seinem Vorgänger gegenüber den anderen Landeskirchen als kooperationsbereit, setzte aber gleichz. den »Thür. Weg« fort, der die bes. Staatsnähe der Thür. Kirche bezeichnete; 1970 Dr. h. c. der FSU Jena; Mitgl. des EK des Luth. Weltbundes; 1971 VVO; 1971 – 77 Ltd. Bischof der VELK (Nachf. von  Niklot Beste), engagiert für ein konstruktives »Miteinander von Christen u. Marxisten« in der DDR; 1978 Ruhestand. 1991 durch die Thür. Landeskirche beauftragt mit der Ltg. des Vertrauensaussch. zur Aufarbeitung von MfS-Kontakten kirchl. Mitarb.; im Mai 1992 wurde er vom Brandenb. Min.-Präs.  Manfred Stolpe als einer der von ihm eingeweihten Mitwisser seiner früheren konsp. Kontakte zum MfS präsentiert; nach einer 1996 veröff. Dok. war B. seit 1959 beim MfS als IM »Ingo« erf.; gest. in Triptis.Findeis, H., Pollack, D.: Selbstbewahrung oder Selbstverlust. Berlin 1999.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Brandt, Hans

* 19.2.1928

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater kaufm. Angest.; Volks- u. Handelsschule; 1944 / 45 Luftwaffenhelfer, April – Dez. 1945 amerikan. Kriegsgef. Jan. – Okt. 1946 mithelfendes Familienmitgl. in der Neubauernwirtschaft der Eltern in Mustin; 1946 SED; 1946 / 47 Telefonist bei der SED-LL Mecklenb.; 1948 – 50 Instrukteur des SED-LV Mecklenb.; 1951 Abt.-Ltr. in der SED-KL Schwerin; Jan. – März 1952 Betriebsass. in der Filiale der Dt. Notenbank in Schwerin; Apr. – Juli 1952 Sekr. der SED-BPO am Landessender Schwerin; ab 1952 Mitgl. der Red. des SED-Bezirksorgans »Schweriner Volkszeitung« (SVZ), Abt.-Ltr. u. Mitgl. des Red.-Koll.; Fernstud. an der Fak. für Journalistik der KMU Leipzig, 1960 Dipl.-Journalist; 1961 – 68 u. 1969 – 71 stellv. Chefred. der SVZ; 1968 / 69 Stud. an der SED-PHS; 1971 – 89 Chefred. der SVZ (Nachf. von  Ernst Parchmann); 1971 – 89 Mitgl. der SED-BL Schwerin; 1972 – 89 Vors. des BV Schwerin u. Mitgl. des ZV des VDJ.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brandt, Ernst

* 19.11.1896 – ✝ 17.12.1956

Geboren am 19. November 1896 in Magdeburg, Sohn eines Schlossers. Schlosserlehre, Mitglied des DMV. Ab 1915 Soldat, geriet Brandt 1916 in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1919 entlassen wurde. Während des Kapp-Putsches Mitglied der USPD, im Mai 1920 der KPD. 1927 Kassierer des RFB Gau Magdeburg, er gehörte von 1928 bis 1931 als Sekretär für Gewerkschaftsarbeit der BL Magdeburg-Anhalt an. Von 1931 bis 1933 arbeitete er hauptamtlich als Sekretär der RGO im Bezirk Magdeburg, dort von 1929 bis 1933 Stadtverordneter. Im Juli 1932 wurde Brandt im Wahlkreis Magdeburg in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Im Mai 1933 inhaftiert, am 29. Mai 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, bis 1937 saß er im KZ Lichtenburg. Danach arbeitete er als Schlosser, wurde im September 1939 erneut festgenommen und bis 1943 im KZ Buchenwald inhaftiert. Nach seiner Freilassung Schlosser in Magdeburg, er hatte Kontakte zur Widerstandsgruppe um Martin Schwantes und wurde im März 1944 abermals verhaftet und in das KZ Neuengamme gebracht. Nach der Befreiung wurde Brandt 1945 Bezirksleiter der KPD Magdeburg, von 1946 bis 1948 im SED-LV Sachsen-Anhalt und 1946/47 Vorsitzender des Bezirksverbandes Magdeburg. 1948 Minister für Land- und Forstwirtschaft der Landesregierung Sachsen-Anhalt und 1949 Mitglied der DWK. Im November 1950 nicht wieder für ein Ministeramt benannt, dann von April bis Juni 1951 Kulturdirektor im VEB Dampfkesselbau Hohenthurm. Er wurde von Juli 1951 bis November 1951 wegen angeblichen Verstoßes gegen Gesetze und Verordnungen der Volkskammer und der DDR-Regierung inhaftiert. Anfang 1952 als Assistent des Werkleiters in der Maschinenfabrik Halle eingesetzt, war Brandt ab Juli 1952 Direktor für Arbeit, ab September 1954 Parteiorganisator des ZK im VEB Waggonbau Ammendorf, später Werkleiter in der VEB Maschinenfabrik Halle. Er blieb jedoch ständigen Nachforschungen der ZPKK ausgesetzt. Vorwürfe, er hätte Verrat geübt und Schwantes und Genossen der Gestapo ausgeliefert, erwiesen sich als haltlos. Ernst Brandt starb am 17.Dezember 1956.

Wer war wer in DDR

Borgelt, Peter

* 20.9.1927 – ✝ 18.3.1994

Geb. in Rostock in einer Schauspielerfamilie; 1945 Beginn einer Bauarbeiterlehre, dann Studium am Konservatorium in Kamenz, privater Schauspielunterricht, 1950 Prüfung; anschl. Engagement am Kreistheater Burgstädt, danach in Halberstadt, Magdeburg, Leipzig u. Schwerin; 1967 – 94 Mitgl. des Ensembles des Dt. Theaters Berlin; erster Fernsehauftritt in der Musiksendung »Klock 8 achtern Strom«, die B. dann mehrere Jahre lang moderierte; ab 1961 zahlr. Filmrollen beim DFF, u. a. in »Die Abenteuer des Werner Holt« (1965), »Die Toten bleiben jung« (1968), »Schulmeister Spitzbart« (1969) u. den westdt. TV-Serien »Spreepiraten« (1989) u. »Tatort« (1990); berühmt in der Rolle des Hptm. Peter Fuchs in der TV-Serie »Polizeiruf 110« (1971 – 92, 83 Folgen); wiederholte Wahl zum »Fernsehliebling« der Wochenztg. »FF dabei«; UNICEF-Botschafter; gest. in Berlin.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Born, Hendrik

* 5.7.1944

Geb. in Loitz (Krs. Demmin); Vater Eisenbahner; Grund- u. OS, 1959 FDJ, 1963 Abitur; Eintritt in die Volksmarine, 1963 – 67 Studium an der Offiziersschule der Volksmarine in Stralsund, Ltn., anschl. versch. Bordfunktionen, u. a. Feuerleitoffizier auf dem Küstenschiff »Friedrich Engels« u. Kommandant eines Mienenabwehrschiffes; 1964 SED; 1967/ 68 Feuerleitoffizier des Küstenschutzschiffs (KSS) 124 u. 1968 – 70 des KSS 122 der 4. Flottille, 1970 – 72 Kommandant des Hochsee- Minensuch- u. Räumschiffs 345 der 4. Sicherungsbrigade; 1972 – 76 Studium an der Militärakad. der sowj. Seestreitkräfte in Leningrad, Dipl. rer. mil.; 1976 – 78 Kommandant des KSS 142 der 4. Flottille, 1978 – 81 Ltr. AG operative Arbeit, Unterabt. Operativ, 4. Flottille; 1981 – 83 Stellv. u. Stabschef der 4. Sicherungsbrigade; 1983/84 Stellv. u. Stabschef der 1. Flottille, ab 1984 Chef der 1. Flottille (Nachf. von Werner Kotte); 1988 Konteradmiral, Dez. 1989 – Sept. 1990 Chef der Volksmarine (Nachf. von  Theodor Hoffmann). Nach 1990 ziviler Berater des ersten Kdr. des neu eingerichteten Marinekommandos Rostock, Flotillenadmiral Dirk Horten; anschl. angestellt bei der Großwerft »Bremer Vulkan«; später Verkaufsltr. der MAN Turbo im Gebiet Kasp. Meer u. Türkei.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borochowicz, Leo

* 1900 – ✝ 1953

Geboren etwa 1900 in Polen, kam er Ende 1918 zum Studium nach Deutschland. Er schloß sich der KPD an und wurde (von August Thalheimer gefördert) Redakteur der »Roten Fahne«. Ab 1923 stand Borochowicz auf dem rechten Parteiflügel und war vor allem auf theoretischem Gebiet tätig. 1929 ging er zur KPO und war als Leo ein wichtiger Funktionär im Hintergrund, neben Heinrich Brandler und August Thalheimer Führer dieser Organisation. 1933 emigrierte er über Straßburg nach Paris und gehörte der Auslandsleitung der KPO an. Nach Differenzen mit Thalheimer und Brandler schied er aus der KPO aus. Borochowicz emigrierte 1939 in die USA und hatte sich völlig vom stalinistischen Kommunismus getrennt. Um seine Umsiedlung vorzubereiten, traf er 1953 in Deutschland ein. Dabei ist Leo Borochowicz im Februar 1953 in Frankfurt/M. an einem Herzinfarkt gestorben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borrmann, Gustav

* 25.9.1895 – ✝ 7.6.1975

Geboren am 25. September 1895 in Halle/Saale, Sohn einer Arbeiterfamilie; Steindrucker. 1911 Mitglied der SAJ. 1914 Soldat, schloß sich im Krieg der Spartakusgruppe an und wurde Anfang 1919 Mitbegründer der KPD in Halle. Wegen seiner Mitgliedschaft in der sogenannten Militärkommission der KPD während des Kapp-Putsches im August 1920 verhaftet und im Oktober 1920 zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. 1922 Orgsekretär des Bezirks Halle-Merseburg, 1923 Sekretär der KPD in Essen und 1923/24 im Bezirk Hessen-Waldeck, 1924 wurde er Geschäftsführer der KPD-Bezirksbuchhandlung Halle-Merseburg. Borrmann war 1924 Mitbegründer und bis 1933 Vorsitzender des RFB in Halle und stellvertretender Vorsitzender der RFB-Gauleitung Halle-Merseburg. Von 1929 bis 1933 leitete er den Vertrieb der AIZ, der von Willi Münzenberg herausgegebenen »Arbeiter-Illustrierten Zeitung«, für Sachsen-Anhalt. Im März 1933 wurde er verhaftet, bis März 1934 im KZ. Im Februar 1935 Emigration in die âSR, im August 1935 in die UdSSR, wo er als Steindruckmaschinenmeister und Korrektor im Verlag für fremdsprachige Literatur in Moskau arbeitete. Von 1936 bis 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, danach wieder in die UdSSR. Borrmann wurde 1941 nach Karaganda evakuiert und dort 1944/45 im Gebietskomitee der Roten Hilfe eingesetzt. 1946 kam er nach Deutschland zurück, trat der SED bei und wurde im Rang eines Ministerialrats stellvertretender Chef der DVP-Landesbehörde Sachsen-Anhalt. 1950 wechselte er zum MfS und wurde in Ost-Berlin Leiter der Hauptabteilung I (Allgemeines/Personal), 1951 Leiter der Presse- und Informationsabteilung. 1953 zum Oberst befördert, leitete Borrmann bis zu seinem Ausscheiden 1958 die Abteilung Agitation im MfS. 1970 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Gustav Borrmann starb am 7.Juni 1975.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Borusewicz, Bogdan

* 1949

Historiker; Mitglied des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (*KOR), des Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (*KSS „KOR“) und der *Freien Gewerkschaften der Küste; Redaktionsmitglied der unabhängigen Zeitung *„Robotnik“ und „Robotnik Wybrzeża“, Pseudonyme: „Rafał“, „Tomek“; Mitwirkung an der Vorbereitung des Streiks in der Danziger Lenin-Werft im August 1980; Führungspersönlichkeit der *Solidarność.Bogdan Borusewicz wurde 1949 im ermländischen Lidzbark Warmiński (Heilsberg) geboren. Als er 1968 in der vierten Klasse des Lyzeums für Bildende Kunst in Gdynia (Gdingen) war, verfasste er ein Flugblatt, das zu Demonstrationen am 1. und 3. Mai aufrief, um die nach dem *März 1968 verfolgten Studenten zu verteidigen. Von dem Text fertigte er 110 Exemplare an, die er gemeinsam mit Kommilitonen am 28. April in der Regionalbahn und am Polytechnikum in Danzig (Gdańsk) verteilte. Als ihn ein Lehrer denunzierte, wurde er am 5. Mai 1968 verhaftet. Auf seinem Transport von der Polizeistation flüchtete er jedoch und versteckte sich fünf Tage im Wald, während steckbrieflich nach ihm gesucht wurde. Im April 1969 bekam er für die Herstellung und Verteilung der Flugblätter eine Strafe von drei Jahren Gefängnis. Krysztof Włodarski, der im Oktober 1968 aufgrund der Denunziation eines Mitschülers inhaftiert wurde, erhielt für sogenannte „Flüsterpropaganda“ zehn Monate. Während Borusewicz im Gefängnis saß, konnte er sich dank seiner Lehrer Adolf Popławski, Olga Janiak und Maria Morawska auf die Abiturklasse vorbereiten. Nach einer Amnestie im Juli, die seine Strafe auf anderthalb Jahre verkürzte, kehrte er zur Schule zurück. Um sein Urteil vollständig zu vollstrecken, wurde er im Oktober 1969 noch einmal für 14 Tage ins Gefängnis gesteckt. Im Herbst 1970 begann Borusewicz ein Geschichtsstudium an der Katholischen Universität Lublin (KUL). Gemeinsam mit Marian Piłka, Janusz Krupski und Piotr Jegliński vervielfältigte er Exemplare der Pariser Exilzeitschrift *„Kultura“. Auf Vermittlung von Janusz Bazydła gelangte die Gruppe zur katholischen Vereinigung „Więź“ (Band, Bindung), die von Zdzisław Szpakowski organisiert wurde, und war im Historikerkreis der KUL aktiv. 1973 widersetzten sich Bogdan Borusewicz, Janusz Krupski und Piotr Jegliński der Zwangsvereinigung aller studentischen Organisationen im ideologisierten Sozialistischen Polnischen Studentenverband. Sie organisierten Versammlungen und Plakataktionen und trafen sich mit dem Rektor der Hochschule. Borusewicz gehörte einer Studentendelegation an, die vom Primas von Polen, Kardinal Stefan Wyszyński, empfangen wurde. Im Ergebnis setzte sich der Primas gegen die Gründung des Sozialistischen Studentenverbandes an der KUL ein und das polnische Episkopat verfasste ein Protestschreiben gegen die Zwangsvereinigung der Jugendorganisationen. Borusewicz beteiligte sich an der seelsorgerischen Arbeit an der Hochschule, die von Dominikanerpater Ludwig Wiśniewski geleitet wurde. Er gehörte zu den Initiatoren von Treffen, bei denen Emigrationsliteratur gelesen und frei über die polnische Geschichte diskutiert wurde. In Danzig lernte er eine Gruppe jüngerer Oppositioneller kennen, die früher mit Pater Wiśniewski verbunden gewesen war (darunter Aleksander Hall, Arkadiusz Rybicki, Wojciech Samoliński und Jan Samsonowicz). Mitte 1975 kehrte Borusewicz nach Danzig zurück, wo er in der Seelsorgearbeit des Jesuitenpaters Bronisław Sroka mitwirkte. Dort verkehrte auch der Kreis um Aleksander Hall, der Weiterbildungen für Studenten und Jugendliche organisierte. Gleichzeitig hielt er seine Verbindung nach Lublin aufrecht. Die Danziger Gruppe organisierte 1975/76 materielle und juristische Hilfe für Stanisław Kruszyński, einen KUL-Studenten, der für seine in privaten Briefen an die Familie geäußerte Kritik am politischen System zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Borusewicz beteiligte sich im Frühjahr 1976 in Danzig und Lublin an Unterschriftensammlungen gegen eine geplante Verfassungsänderung sowie an einem Protestbrief zur Verteidigung von Jacek Smykała, der als Student der Pommerschen Medizinischen Akademie wegen kritischer Äußerungen von der Hochschule relegiert worden war. (Dieser Brief wurde dann jedoch nicht an die staatlichen Behörden geschickt, weil zu wenig Unterschriften zusammengekommen waren.) Nach den Streiks und Demonstrationen im *Juni 1976 schloss sich Borusewicz den Hilfsaktionen für die verfolgten Arbeiter an. Dank einer von Arkadiusz Rybicki aus dem Danziger Gericht gestohlenen Liste konnten sie Kontakt zu einer größeren Gruppe von Entlassenen aufnehmen, unter anderem aus der Danziger Lenin-Werft. Im August 1976 brachte Borusewicz in Danzig gesammeltes Geld zu den Arbeitern, die in Radom verfolgt wurden. Dabei arbeitete er mit Mirosław Chojecki zusammen, der die dortige Hilfe organisierte. Von ihm erfuhr er auch von der Idee, das Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) ins Leben zu rufen. Borusewicz beschrieb das Entstehen des *KOR wie folgt: „Mir erschien es als eine Verrücktheit, die alle Beteiligten schnurstracks ins Gefängnis führen musste. Es kam der Vorschlag auf, jemand von uns solle sich an dem Komitee beteiligen. Wir begannen in den Lubliner und Danziger Kreisen einen passenden Vertreter zu suchen. Niemand war bereit. Ich war der Älteste, rauchte nicht, weil ich meine Diplomarbeit abschließen wollte, und rechnete damit, eingesperrt zu werden, wenn ich mich beteiligte. Schließlich merkte ich aber, dass ich es machen musste und mich nicht länger drücken konnte.“ Borusewicz wurde im November 1976 Mitglied des *KOR. 1977 trat er in die Redaktion des unter Umgehung der Zensur erscheinenden Blattes *„Robotnik“ (Arbeiter) ein, in der er gemeinsam mit Jan Lityński, Henryk Wujec und seiner Frau Ludwika, Witold und Helena Łuczywo sowie Teodor Klincewicz arbeitete. Ab der zweiten Ausgabe stand auch seine Adresse in der Redaktionszeile. Er schrieb Texte, verteilte einige hundert bis viele tausend Exemplare der Zeitung in der Dreistadt (vor allem auf der Danziger Werft) und schuf sich mit der Zeit eine Gruppe ständiger Unterstützer. Zu dieser gehörten Andrzej Gwiazda, Bogdan Lis, Mariusz Muskat, Alina Pieńkowska (später Borusewiczs Ehefrau), Anna Walentynowicz, Błazej und Krzysztof Wyszkowski. Borusewicz unterschrieb die „Erklärung der Demokratischen Bewegung“ (Deklaracja Ruchu Demokratycznego) vom 18. September 1977, das Programmdokument des *KOR und trat dem Komitee für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (*KSS „KOR“) bei. Anfang 1978 beteiligte er sich an der vom *KSS „KOR“ organisierten Aktion zur Verteidigung von Kazimierz Świtoń. „Unsere Taktik war, den Mächtigen klarzumachen, dass wir so laut schreien, wenn sie jemanden einsperren, dass es sich für sie nicht auszahlt“, sagte er Jahre später. Im Februar 1978, als die Staatssicherheit das Treffen eines Weiterbildungskreises in seiner Wohnung auffliegen ließ, wurde er zu drei Wochen Arrest verurteilt. Trotz anfänglicher Skepsis trat Bogdan Borusewicz den *Freien Gewerkschaften der Küste (Wolne Związki Zawodowe Wybrzeża; WZZ) bei, die am 29. April 1978 von Andrzej Gwiazda, Antoni Sokołowski und Krzysztof Wyszkowski gegründet worden waren: „In den *Freien Gewerkschaften definierten wir als unser allgemeines Ziel, eine Bewegung zu schaffen, die das kommunistische in ein demokratisches System verwandelt. Unsere Aufgabe bestand darin, die Fremdheit des uns aufgezwungenen Systems hervorzuheben und Strukturen zu schaffen, mit denen wir Druck auf dieses System ausüben konnten. Also der Aufbau einer alternativen Gesellschaft, wie sie Jacek Kuroń vorgeschlagen hatte.“ Gemeinsam mit Andrzej Bulc, Joanna Duda-Gwiazda und Andrzej Gwiazda gab er am 1. August 1978 die erste Ausgabe des „Robotnik Wybrzeża“ (Arbeiter der Küste), der Zeitung der *Freien Gewerkschaften, heraus; später schlossen sich noch Alina Pieńkowska, Anna Walentynowicz, Lech Wałęsa und 1979 Maryla Płońska der Redaktion an. Insgesamt erschienen sieben Ausgaben. Mit Joanna Duda-Gwiazda und Lech Kaczyński organisierte er unabhängige Gewerkschaftsschulungen und für die Arbeiter Vorlesungen zur neuesten polnischen Geschichte. Er verteilte unzensierte Zeitungen und Bücher, druckte Flugblätter.Borusewicz trat im Juni 1978 gemeinsam mit Krzysztof Wyszkowski in dessen Wohnung in einen zehntägigen Hungerstreik, um sich solidarisch mit dem inhaftierten Blażej Wyszkowski zu zeigen, der im Gefängnis in den Hungerstreik getreten war (dieser war am 28. Mai während eines Treffens mit der „Robotnik“-Redaktion verhaftet und zu zwei Monaten Arrest verurteilt worden). 1979 formulierte er gemeinsam mit Kollegen vom „Robotnik“ die „Charta der Arbeiterrechte“ (Karta Praw Robotniczych), die das Programm der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung enthielt. Auch mit dem Kreis um die *Bewegung Junges Polen (Ruch Młodej Polski; RMP) arbeitete Borusewicz zusammen. Ab 1977 war er der Hauptorganisator der Gedenkfeiern an die blutige Niederschlagung der Streiks und Demonstrationen im *Dezember 1970 (vor der Gedenkveranstaltung 1979 wurde er verhaftet und für zwei Woche nach Warschau verbracht). Außerdem nahm er an von der *Bewegung Junges Polen organisierten inoffiziellen patriotischen Veranstaltungen teil. Im Frühjahr 1980 organisierte er in Danzig eine Flugblattaktion, in der zum Boykott der Sejmwahlen aufgerufen wurde; es wurden ungefähr 30.000 Flugblätter verteilt, vor allem vor Kirchen. Borusewicz war mitbeteiligt an der Vorbereitung des Streiks in der Danziger Lenin-Werft, der am 14. August 1980 begann; unter anderem verfasste er das Flugblatt (und druckte es gemeinsam mit Piotr Kapczyński) in dem zur Solidarität mit Anna Walentynowicz aufgerufen wurde, die ihren Arbeitsplatz verloren hatte. Er bestimmte aus den Reihen der mit den *Freien Gewerkschaften verbundenen Arbeitern eine sogenannte Initiativgruppe mit Jerzy Borowczak, Bogdan Felski, Ludwik Prądzyński und Lech Wałęsa. Außerdem rief er drei Gruppen unter Jan Karandziej, Mieczysław Klamrowski und Tomasz Wojdakowski ins Leben, die Flugblätter zur Unterstützung von Anna Walentynowicz verteilten. Als sich der Streik auf der Werft am 16. August zu Solidarisierungsprotesten riesigen Ausmaßes auswuchs, kam Borusewicz bedeutender Einfluss auf die Entwicklung der Proteste, die Zusammensetzung des Präsidiums des Überbetrieblichen Streikkomitees (Międzykładowy Komitet Strajkowy, MKS) und die Formulierung der „21 Forderungen“ der Streikenden zu. Selbst ging er nicht in das Überbetriebliche Streikkomitee, um – wie er sich später erinnerte – die Verhandlungen mit den Machthabern nicht zu erschweren: „Am Sonntag [17. August] holte ich früh die Forderungen. Ich sortierte sie neu, denn ihre Reihenfolge war eine taktische Frage. Die erste Forderung betraf die unabhängigen Gewerkschaften, die Aufhebung der Zensur, Sicherheit für die Streikenden. Ich strich die freien Wahlen, die Tadeusz Szczudłowski eingefügt hatte, hinaus. Ich strich auch die Forderung nach Aufhebung der Zensur, ersetzte sie durch ‚Begrenzung der Zensur‘ und fügte die Übertragung von Gottesdiensten im Rundfunk hinzu. Ich wusste, dass es auch in der DDR Gottesdienste im Radio gab, die Forderung also real war. Diese Forderung zielte auch in Richtung der Unterstützung durch die Kirche“ (aus „Dzień jedności“/Tag der Einheit, in: „Gazeta Wyborcza“ vom 19/20. August 2000). Am 2. Oktober 1980 war er Mitglied des Präsidiums des Danziger Überbetrieblichen Gründungskomitees der *Solidarność (Międzyzakłodowy Komitet Założycielski NSZZ „Solidarność“ Gdańsk), wo er sich mit der Organisationsfragen und Strategie der Gewerkschaft beschäftigte. Im Dezember 1980 und im März 1981 bereitete er eine Konzeption für den Fall einer Intervention von außen oder für die Ausrufung Ausnahmezustandes vor, und kümmerte sich um Verstecke für die Druckgeräte.Bei den Wahlen zur Danziger Gewerkschaftsleitung im Juli 1981 kandidierte Borusewicz nicht und zog sich anschließend sogar völlig aus der Arbeit der *Solidarność zurück. Der Grund hierfür war, dass er nicht mit dem immer autokratischeren Führungsstil Lech Wałęsas einverstanden war. Stattdessen nahm er an Treffen einer wałęsakritischen Fraktion teil, die sich um Joanna und Andrzej Gwiazda sammelte. Als Borusewicz nach Ausrufung des *Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 interniert werden sollte, konnte er dem Verhaftungskommando der Staatssicherheit noch rechtzeitig entkommen. Am 15. Dezember hielt er sich auf der noch bestreikten Danziger Werft auf, führte die streikenden Studenten der Danziger Hochschulen dorthin und bereitete die Verteidigung der Werft vor. Borusewicz rechnete damit, den Streik bis zum 16. Dezember durchhalten zu können, an dem eine Großdemonstration gegen das *Kriegsrecht vor der Werft angekündigt war. Als die Werft am Morgen des 16. Dezember von der Motorisierten Bürgermiliz ZOMO und vom Militär gestürmt wurde, konnte er entkommen. Mithilfe alter Kontakte begann Borusewicz daraufhin, die Arbeit der *Solidarność im Untergrund aufzubauen. Am 24. Dezember tauchten in Danzig seine ersten Flugblätter auf, die zum Widerstand aufriefen. Die Auflage betrug 40.000 Stück. Auch das von Piotr Kapczyński bis Ende Dezember 1981 herausgegebene „Biuletyn Informacyjny“ (Informationsbulletin) trug seinen Namen.Anfang Februar 1982 nahm Borusewicz mit Aleksander Hall und Bogdan Lis Kontakt auf, die ebenfalls untergetaucht waren. Sie beschlossen, das *Solidarność- Bulletins für die Region Danzig künftig im Untergrund herauszugeben und Vertriebsstrukturen neu aufzubauen. Über Aleksander Hall bekam Borusewicz Kontakt zu Adam Hodysz, einem Offizier der Staatssicherheit, der mit der Danziger Opposition kooperierte. Am 16. März 1982 veröffentlichten Borusewicz, Aleksander Hall, Stanisław Jarosz, Bogdan Lis und Marian Świtek eine Erklärung über ihre Zusammenarbeit und gründeten kurze Zeit später, am 6. Mai, gemeinsam die Regionale Koordinierungskommission der *Solidarność in Danzig (Regionalna Komisja Koordynacyjna NSZZ „Solidarność“ Gdańsk). In der Frage der Organisationsstruktur im Untergrund, die seit Anfang 1982 lebhaft geführt wurde, trat Borusewicz für die Schaffung provisorischer Gremien ein: „Unserer Meinung nach kommt es darauf an, dem eine allgemeine Form zu geben, was große Teile der Gesellschaft tun oder tun wollen. Nicht der Gesellschaft unsere Meinung aufzwingen, aber ihr dabei helfen, Konzeptionen aus dem zu formulieren, was schon irgendwo gärt. […] Der Untergrund, das sind nicht nur irgendwelche Männer, die Appelle unterschreiben. Überhaupt macht die Trennung von Untergrund und Massen keinen Sinn. Aber wieso agieren wir dann im Untergrund? Deswegen, weil die Gesellschaft es so will. Wenn der gesellschaftliche Widerstand schwächer wird oder ganz versiegt, werden auch wir aufhören, unsere Arbeit zu tun.“ Als Bogdan Lis im Juni 1984 verhaftet wurde, vertrat fortan Bogdan Borusewicz den Bezirk Danzig in der landesweiten Führung der Untergrund-*Solidarność, dem sogenannten *Provisorischen Koordinierungsausschuss (Tymczasowa Komisja Koordynacyjna; TKK). „Nach der TKK-Sitzung ging er los, um mit eigenen Händen Flugblätter zu verteilen. Das ist so seine Art: er ist ein echter Kämpfer“, urteilte Jarosław Kaczyński später.Als Borusewicz am 8. Januar 1986 eine konspirative Druckerei aufsuchte, wo eine Ausgabe des *Solidarność-Bulletins hergestellt wurde, geriet er in eine Falle der Staatssicherheit. Erst im September desselben Jahres kam er dank einer Amnestie wieder frei. Am 29. November 1986 wurde er Mitglied des von Lech Wałęsa einberufenen, offen agierenden Provisorischen Rates der *Solidarność (Tymczasowa Rada NSZZ „Solidarność“) und arbeitete zugleich mit Krzysztof Dowgiałła, Lech Kaczyński und Bogdan Lis in der geheim tagenden Regionalkommission RKK. Während der Streiks im Mai und August 1987 hielt er sich als Berater des Streikkomitees auf der Danziger Werft auf und wurde anschließend Vorsitzender des Provisorischen Vorstands der Region Danzig der *Solidarność (Tymczasowy Zarząd Regionu Gdańskiego NSZZ „Solidarność“). Am 12. November 1988 wurde er Mitglied des vom *Landesexekutivausschuss (Krajowa Komisja Wykonawcza; KKW) einberufenen Rates des *Solidarność-Fonds für Presseinitiativen (Fundusz Inicjatyw Pracowych „Solidarność“). In den *Landesexekutivausschuss wurde er am 29. April 1989 aufgenommen sowie in das neu geschaffene Präsidium gewählt.Eine Teilnahme an den Gesprächen am *Runden Tisch sagte er ab, da er Verhandlungen mit den Machthabern für verfrüht hielt. Er setzte auf eine dritte Streikwelle, dank derer die *Solidarność noch bessere Verhandlungspositionen erreichen würde. Nach dem Regimewechsel war Borusewicz ab 1990 Vorsitzender der Region Danzig der *Solidarność, Präsidiumsmitglied in der Landeskommission und 1991 erster stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft. 1991–93 saß er als Fraktionsvorsitzender für die *Solidarność im polnischen Parlament, wo er der außerordentlichen Kommission zur Untersuchung der Folgen des Kriegszustands angehörte. Borusewicz trat 1993 aus der *Solidarność aus. 1993–2001 saß er als Abgeordneter zunächst für die Demokratische Union (Unia Demokratyczna), dann für die Freiheitsunion (Unia Wolności, der er bis 2005 angehörte) im Sejm. In dieser Zeit war er 1991–93 stellvertretender Vorsitzender und 1993–97 Vorsitzender der Polnisch-Ukrainischen Parlamentariergruppe, 1993–97 Vorsitzender der parlamentarischen Kommission für die Geheimdienste. Zwischen 1997 und 2000 hatte er den Posten des stellvertretenden Innenministers inne, ab 2001 war er Mitglied der Woiwodschaftsverwaltung Pommern. 2005 errang er als unabhängiger Kandidat einen Sitz im Polnischen Senat und wurde Senatsmarschall. Bogdan Borusewicz wurde zwei Mal wiedergewählt und übt dieses Amt – mittlerweile als Mitglied der liberal-konservativen Bürgerplattform (Platforma Obywatelska; PO) – bis heute aus.Małgorzata Strasz, Piotr Adamowicz Aus dem Polnischen von Markus Pieper Letzte Aktualisierung: 09/15

Wer war wer in DDR

Böttcher, Jürgen

* 8.7.1931

Geb. in Frankenberg (Sachsen); aufgew. in Strahwalde (Oberlausitz). 1949 – 53 Studium der Malerei an der HS für bildende Künste Dresden, 1951 – 53 bei  Wilhelm Lachnit; 1953 – 55 freischaff. in Dresden; Lehrer an der VHS in Dresden; an seinen Zeichenkursen nahmen u. a.  A. R. Penck, Peter Graf u. Peter Herrmann teil; 1955 – 60 Regiestudium an der HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; 1960 – 91 Regisseur im DEFA-Studio für Dok.-Filme Berlin; 1975 erste Personalausstellung Ateliergemeinschaft Erfurt, in den nächsten Jahren Ausstellungen in Berlin, Dresden u. Karl-Marx-Stadt; 1974 Kunstpreis der DDR; 1975 Kunstpreis des FDGB; 1979 NP; Filmretrospektiven 1986 in Paris (Centre Pompidou), 1988 Edinburgh 42nd Internat. Filmfestival, 1989 Frankfurt (Main), Filmmuseum; 1989 Mitgl. der AdK (West). Als Regisseur genauer Beobachter des Unspektakulären u. Alltägl., Thema ist der arbeitende Mensch; 2001 Verdienstkreuz 1. Kl.; 2006 Berlinale Kamera-Preis. Filme: Drei von vielen (1961, verboten), Ofenbauer (1962), Stars (1963), Barfuß u. ohne Hut (1964), Jahrgang 45 (1965, 1966 verboten), Der Sekretär (1967), Wäscherinnen (1972), Martha (1978), Potters Stier/Venus nach Giorgione/Frau am Klavichord (1981), Rangierer (1984), Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner (1984), Die Küche (1987), In Georgien (1987), Die Mauer (1990); Konzert im Freien (2001).Muschter, G.: Strawalde. In: Sybille (1989) 3; Kat. Strawalde. Festspielgalerie. Berlin 1990; Kat. Strawalde. Galerie im Kabinett. Berlin 1992; Gebrochene Glut (Film, 2005); Joch P. (Hrsg.): St. – Bilder bis heute. Kat. Darmstadt 2007.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Böttcher, Ursula

* 6.6.1927 – ✝ 3.3.2010

Geb. in Dresden; Volksschule; Fabrikarb. 1952 Putzfrau beim Zirkus Busch; 1955 bei Zirkus Barlay erste Auftritte mit Löwengr., Vorführungen von Raubtiergr. (Lehrer: Gaston Bosman), ab 1960 beim Staatszirkus der DDR (seit 1991 Berliner Circus Union), seit 1964 internat. einmalige Eisbärendressur (bis zu 12 Tiere), in die sie junge Tiere einarbeitete (bis 1990 mit Partner Manfred Horn); zahlr. Gastspiele im Ausland, u. a. in Japan u. fünf Jahre in den USA; 1976 Auszeichnung mit dem Circus-Oscar in Spanien u. 1983 mit dem Price Nice-Martin beim 9. Internat. Circusfestival Monte Carlo; 1980 NP; 1999 Entlassung u. Auflösung der Dressur durch den Liquidator der Berliner Circus Union; die Tiere wurden an mehrere Zoos abgegeben. Gest. in Dresden.Winkler, G. u. D.: Biogr. In: Die große Raubtierschau. Berlin 1978; Blütchen, S.: Kleine Frau, bärenstark. Berlin 1999.Dietmar Winkler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bottländer, Theodor

* 18.11.1904

Geboren am 18. November 1904 in Schwartau bei Lübeck; Kesselschmied, schloß sich 1921 dem KJVD und 1926 der KPD an. Wegen Teilnahme an Sprengstoffanschlägen in Osnabrück und Einbeck flüchtete er in die Sowjetunion, arbeitete zunächst in Leningrad und war ab Frühjahr 1925 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Im Sommer 1926 kehrte Bottländer nach Deutschland zurück, wurde verhaftet und im Dezember 1927 vom Reichsgerichts wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Zuge der Reichsamnestie vom Sommer 1928 entlassen, wirkte er ab 1928 als Ressortleiter Reichswehr in der AM-Abteilung des ZK der KPD. Er löste hier Arthur Heimburger ab, der als Rechter aus dem Apparat ausschied. 1929/30 absolvierte Bottländer unter dem Decknamen Fritz u. a. mit Hermann Dünow die M-Schule der Komintern in Moskau. Nach seiner Rückkehr arbeitete er erneut im AM-Apparat der KPD, wo er die Zersetzungsarbeit in der Schutzpolizei und der Reichswehr leitete. Von 1931 bis Mitte 1933 war er für das Ressort Faschistische Organisationen zuständig und wurde von Hans Kippenberger 1932 als Leiter des »Aufbruch-Arbeits-Kreises« eingesetzt (Deckname Arthur). Im März 1933 kurzzeitig inhaftiert, wurde er nach der Verhaftung Ernst Thälmanns mit der Sondierung von Befreiungsaktionen beauftragt, fuhr im Auftrage von Kippenberger in die Niederlande und untersuchte die Herkunft van der Lubbes und seine Verbindung zu links- und rechtsgerichteten Kreisen. Im September 1933 verhaftet und am 15. Juni 1935 vom 1.Senat des VGH zu drei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Die weitere Rolle Bottländers ist umstritten. Vermutlich ist er nur zum Schein auf das Anerbieten der Gestapo eingegangen. Bottländer fuhr u. a. nach Paris, konnte aber keine Kontakte zum Sekretariat des ZK herstellen. In der Zeitschrift »Internationale« erschienen 1938 zwei Artikel, die vor Bottländer warnten. Nach Erinnerungen Hermann Dünows soll Theodor Bottländer angeblich 1945 in Berlin in britischer Uniform aufgetaucht sein. Andere Quellen berichten, daß er nach der Besetzung Frankreichs nach Kanada gegangen ist. Näheres war nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Brĕzan, Jurij

* 9.6.1916 – ✝ 12.3.2006

Geb. in Räckelwitz/sorb. Worklecy (Krs. Kamenz); Vater Steinbrucharb. u. Kleinbauer; ab 1928 Gymnasium in Bautzen; später Studium der Volkswirtschaft, 1936 relegiert; nach 1933 illeg. pol. Arbeit in der Domowina, Mitgl. einer sorb. Widerstandsgr., 1937/38 Emigr. in die ČSR u. nach Polen; nach Rückkehr verhaftet, 1938/39 Gefängnis in Dresden; anschl. in der Landw. tätig; 1942 – 45 Wehrmacht, amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 48 ltd. sorb. Jugendfunktionär in der Domowina; 1946 SED; ab 1949 freischaff. Schriftst.; 1951, 1964 u. 1976 NP; 1964 Dt. PEN-Zentrum Ost u. West; 1965 Mitgl. der DAK; 1969 – 89 Vizepräs. des SV; 1973 Lit.- u. Kunstpreis der Domowina; 1974 KMO; 1981 VVO. 1990 Dt. PEN-Zentrum (Ost); Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; gest. in Kamenz. B. gehörte als dt. schreibender sorb. Schriftst. zu den bedeutenden Erzählern der DDR, versuchte zwischen sorb. Traditionen u. der DDR-Realität zu vermitteln; Debüt mit Erzählungsb. »Auf dem Hain wächst Korn« 1951; Felix-Hanusch-Roman-Trilogie mit autobiogr. Zügen 1958 – 64; sein »Krabat«-Roman 1976, aus sorb. Mythol. gespeist, gehört zu den ersten Werken der DDR-Lit., die Gefahren der Technikentw. thematisierten; trug als Übersetzer u. Hrsg. zur Popularisierung auch älterer sorb. Lit. bei.Ges. Werke. 9 Bde. (in sorb. Sprache). Bautzen 1965 – 1980; Die schwarze Mühle. Berlin 1968; Ausgew. Werke in Einzelbänden. Berlin 1986 ff.; Mein Stück Zeit. Autobiogr. Berlin 1989 u. 1998; Die Leute von Salow. Leipzig 1997; Ohne Paß u. Zoll. Memoiren. Leipzig 1999. Scholze, D.: Zur Entfaltung des sorb. Dramas. Jakub Bart-Ćišinski – J. B. – Jurij Koch. In: Koschmal, W. (Hrsg.): Perspektiven sorb. Lit. Köln u. a. 1993; Scholze, D.: Der sorb. Romancier J. B. (1916 – 2006). In: Sinn u. Form (2006) 6.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Bramke, Werner

* 8.7.1938 – ✝ 24.1.2011

Geb. in Cottbus; Vater staatl. gepr. Landwirt, Mutter Hebamme; 1956 Abitur in Cottbus; 1956 – 90 SED; 1956/57 Unterstufenlehrer, 1957 – 62 Studium der Geschichte u. Germanistik an der PH Potsdam, 1962 – 69 Lehrer für Geschichte, Dt., Staatsbürgerkunde u. Latein; 1969 Prom. mit einer Arbeit über Kriegervereine in der Weimarer Rep.; 1969 – 72 wiss. Mitarb. am Militärhist. Inst. Potsdam; seit 1972 tätig an der Univ. Leipzig; 1976 Dr. sc. mit einer Arbeit über Traditionsbild u. Traditionspflege in der KPD; 1979 Berufung zum ord. Prof.; 1987 – 90 Dir. der Sekt. Geschichte, Gastprofessuren in Bielefeld u. Chapell Hill; 1987 – 90 Mitgl. des Rats für Geschichtswiss. 1992 Prof. alten Rechts an der Univ. Leipzig, 2003 em.; 1994 – 2003 als Parteiloser Mitgl. des Sächs. Landtages für die PDS, Vors. des Aussch. für Wiss. u. Hochschulen, Kultur u. Medien; gest. in Leipzig. B. legte Arbeiten zur Geschichte des Militarismus, zur KPD, zur Sozialgeschichte der Mittelschichten, zum Widerstand gegen die NS-Diktatur u. zur sächs. Landesgeschichte im 19./20. Jh. vor. Er zählte zu jenen ostdt. Hist., die vor 1989 die offiziellen SED-Geschichtsbilder vorsichtig differenzierten.Region u. Regionalität in der Sozialgeschichte des 20. Jh. Leipzig 1995 (Hrsg. mit U. Heß); Sachsen u. Mitteldtl. Weimar 1995 (Hrsg. mit U. Heß); Jb. zur sächs. Geschichte (Hrsg.); Freiräume u. Grenzen eines Hist. Leipzig 1998 (mit Bibl.); Die Krise der Demokratie. Erfahrungen aus einem ostdeutschen Landtag. Leipzig 2006.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Brandt, Heinz

* 16.8.1909 – ✝ 8.1.1986

Geb. in Posen (Poznań, Polen); Vater Schriftsteller, Mutter Lehrerin; Volksschule u. Gymnasium in Posen u. Berlin; 1926 Soz. Schülerbund; 1927 Arbeitersportverein Fichte; 1928 Abitur; 1928 KJVD u. Rote Studentengr., Spieltruppe Roter Wedding; 1928 – 30 Studium der Volkswirtschaft an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Univ. (Werkstudent), aus pol. Gründen relegiert; 1931 KPD u. erster Funktionsentzug wegen Ablehnung des sog. roten Volksentscheids gegen die sozialdemokratische Preußenreg. im Aug. 1931; Anhänger der »Versöhnler« in der KPD; freier Journalist für die »Weltbühne« u. gelegentl. für die »Welt am Abend«; März 1933 kurzz. verhaftet; seit Febr. 1934 Mithrsg. der illeg. kommunist. Werkztg. »Siemens-Lautsprecher« in Berlin; 4.12.1934 Verhaftung u. 15.3.1935 Verurteilung durch das Berliner Kammergericht zu sechs Jahren Zuchthaus wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1934/35 Haft in Luckau, 1935 – 41 in Brandenb.-Görden; 1941 – 45 »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen, 1942 – 45 KZ Auschwitz (Budy); 1945 KZ Buchenwald (dort illeg. Widerstandstätigkeit). 1945 Angest. beim Magistrat von Groß-Berlin, Abt. OdF; ab Herbst 1945 Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. der KPD-BL Berlin; später Abt.-Ltr. der Presseabt. des SED-LV Berlin; 1948 Mitarb. der SED-LL Groß-Berlin (b. 1. Sekr.  Hans Jendretzky); 1948/49 PHS; 23.11. 1950 in die SED-LL Groß-Berlin koopt. u. Sekr. für Agit. (später der SED-BL Groß-Berlin); 1952 Mitgl. des Sekr. der SED-BL Groß-Berlin; Aug. 1953 Ablösung aus der Funktion als Sekr.; 4.8.1954 strenge Rüge wegen angebl. »unmoral. Verhaltens«, ein Jahr Funktionsverbot u. entlassen; ab 25.8.1954 im Verlag »Die Wirtschaft« Archivar, dann Chefred. für die Gruppe Metall u. zul. Werbeltr. für die Veröff. des Buchs »Zur ökon. Theorie u. ökon. Pol. in der Übergangsperiode« ( Friedrich Behrens) Aug. 1957 wegen »parteifeindl. Verhaltens« eine strenge Rüge mit zwei Jahren Funktionsentzug in leitenden Funktionen; ab 1958 vom MfS im OV »Rüssel« bearbeitet; 14.9.1958 mit Frau u. drei Kindern Flucht nach Berlin (West), um einer vermuteten Verhaftung zu entgehen; »Ostbüro« der SPD; seit April 1959 Frankfurt (Main), Red. der Gewerkschaftsztg. »Metall« in Frankfurt (Main); Übertritt in die SPD; 16.6.1961 vom MfS aus Berlin (West) entführt u. verhaftet, trotz starker dt. u. internat. Proteste am 10.5.1962 wegen »schwerer Spionage in Tateinheit mit staatsgefährdender Prop. u. Hetze im schweren Fall« vom Obersten Gericht der DDR gem. mit Wilhelm Fickenscher u.  Karl Raddatz zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt; inhaftiert in Hohenschönhausen u. ab Juli 1962 in Bautzen; zweimalige Ablehnung eines Angebots auf Freilassung, sofern er »ein öffentl. Reuebekenntis abgeben u. seine republikflüchtige Familie in die DDR zurückrufen würde«; 1963 Protest von Lord Bertrand Russell durch Rückgabe der Carl von Ossietzky-Friedensmedaille an  Walter Ulbricht; nach internat. Protesten im Mai 1964 begnadigt u. am 23.5.1964 freigelassen; Arbeit als Journalist in der Bundesrep. Dtl., bis 1974 Red. der Gewerkschaftsztg. »Metall«; 1968 SPD-Austritt aus Protest gegen die Atomenergie-u. NATO-Pol.; Übertritt zu den Grünen; 1974 Ruhestand; 1979 Parteiaustritt bei den Grünen; 1985 Dr. h. c. der Univ. Osnabrück. 18.1.1993 posthum vom Berliner LG rehabil., Urteil aufgehoben.Ein Traum, der nicht entführbar ist. Mein Weg zwischen Ost u. West. München 1967; Die soziale Rev. des N. S. Chruschtschow. Frankfurt (Main) 1977; Wir spielen nicht mit im Atomverein. Frankfurt (Main) 1977. Posser, D.: Anwalt im kalten Krieg. Ein Stück dt. Geschichte in pol. Prozessen 1951 – 1968. München 1991; Wolff, F.: Verlorene Prozesse 1953 – 98. Meine Verteidigungen in pol. Verfahren. Baden-Baden 1999; Andresen, K.: Widerspruch als Lebensprinzip. Der undogmatische Sozialist H. B. (1909 – 1986). Bonn 2007.Wilfriede Otto / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brandt, Gustav

* 4.4.1894 – ✝ 1945

Geboren am 4. April 1894 in Wolfsdorf/Krs. Elbing in Ostpreußen. Ab 1908 Angehöriger der Handelsmarine, 1910 Mitglied der SPD. 1914 Einberufung zur kaiserlichen Marine, während des Weltkrieges Anhänger der Spartakusgruppe. Im Dezember 1918 kam er nach Berlin und wurde dort Mitglied der Volksmarinedivision. 1919 trat er der KPD bei und arbeitete zunächst erneut als Seemann, anschließend auf Hamburger Werften, später als Wohlfahrtspfleger und Magazinverwalter tätig. Brandt leitete ab 1924 die Sektion der »Roten Marine« im RFB-Gau Wasserkante. Hier wirkte er als Instrukteur. Von 1931 bis 1933 gehörte Brandt der Hamburger Bürgerschaft an, ohne aber nennenswert hervorzutreten. 1933 verhaftet, im Zusammenhang mit den Ereignissen am »Altonaer Blutsonntag« vom Juli 1932 wurde er zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Münster verbrachte. Als er im Frühjahr 1945 mit anderen Häftlingen von Münster nach Werl überführt werden sollte, wurde der Transport nach Celle umgeleitet. Da er nie angekommen ist, liegt die Vermutung nahe, daß Gustav Brandt beim Evakuierungsmarsch im April 1945 von der SS erschossen wurde.

Wer war wer in DDR

Bork, Kurt

* 27.8.1906 – ✝ 25.9.1975

Geb. in Berlin; Vater Straßenbahnschaffner, Mutter Plätterin; 1920 – 23 Ausbildung zum Kfm. in Berlin; seit 1920 in der kommunist. Jugendbew. aktiv; 1921 Mitgl. der Volks- bühne u. einer kommunist. Agitprop-Truppe; 1923 – 40 kfm. Angest. bei der Lagerhaus Spreehof GmbH, 1940 – 45 dort Geschäftsf.; 1932 KPD. 1945/46 Ltr. des Kulturamts Berlin-Lichtenberg; 1946 KPD/SED; 1946 – 49 Mitarb. der Abt. Volksbildung beim Magistrat von Groß-Berlin, zunächst im Referat Theater, dann Hauptamtsltr. Darstellende Kunst; 1949 – 51 Hauptref. für Theater im Min. für Volksbildung (Kommission für Theaterfragen); 1951 – 54 Ltr. der Abt. Darstellende Kunst in der staatl. Kommission für Kunstangelegenh.; Doz. an der Film-HS Babelsberg; 1952 Lehrgang an der DVA; 1954 – 58 Ltr. der HA Darstellende Kunst, 1959 – 62 Abt.-Ltr. im Min. für Kultur, dort Mitgl. der ZPL; 1962 – 73 stellv. Min. für Kultur, bis 1969 zuständig für Theater, Musik, Bildung, Kunst, schul. Einrichtungen u. Veranstaltungswesen; 1962 – 68 Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Kunst; 1966 – 71 Vorst.-Mitgl. des Verb. der Theaterschaffenden; 1968 Weiterbildungslehrgang am IfG; wichtiger Förderer v. a. der Berliner u. Leipziger Theater, insbes. des Berliner Ensembles u. der Komischen Oper; in einer zunehmend restriktiveren Phase der Kulturpol., nach Ablehnung seiner beabsichtigten Theaterreform durch das PB der SED u. im Ergebnis kulturpol. Diskussionen nach dem Prager Frühling verlor er das Theaterressort; ab Febr. 1969 Übernahme des Ressorts Bildende Kunst, Denkmalspflege u. Internat. Beziehungen im Min. für Kultur; Jan. 1973 als stellv. Kulturminister abgelöst (offiz. aus Altersgründen); Vors. des Kuratoriums des Kulturfonds der DDR; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Börner, Jacqueline

* 30.3.1965

Geb. in Wismar; Mutter Stewardess auf MS »Fritz Heckert«, Vater Borddrucker; nachdem die Eltern abgemustert hatten, Umzug nach Berlin; begann bei SG Dynamo Südost mit dem Eislauf (Trainer Rainer Klehr); KJS, TSC Berlin (Trainer Werner Unterdörfel); 1981 Spartakiade AK 16 1.500 m (Silber); DDR-Meisterschaften: 1984 1.000 m (Silber), 1985 (Bronze), 1986 1.500 m (Silber), 1988 1.500 m (Bronze), 1990 1.500 m (Bronze); 1987 u. 1989 Bronze bei der EM im Mehrkampf; 1990 Vizeeuropameisterin u. WM im Mehrkampf; Studium der Pädagogik u. Geschichte an der HU Berlin. Dt. Meisterschaften: 1992 1.500 u. 3.000 m (Silber), 1994 Mehrkampf (Bronze); Aug.1990 beim Radtraining nahe Wandlitz (b. Berlin) von einem Pkw angefahren; 1992 Olympiasiegerin über 1.500 m; 1990 Ausbildung zur Bankkffr.; danach Angest. beim Berliner Eislauf-Verb.; 1992 Silbernes Lorbeerblatt; seit 1998 Abt.-Ltr. Eislauf Berliner TSC.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borowski, Noah (August)

* 1.10.1885 – ✝ 8.4.1944

(* 1885 – † 1944) Geboren am 1. Oktober 1885 in Peski im Gouvernement Grodno/Rußland, Sohn einer armen jüdischen Familie. Als Mitglied des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes 1905 Teilnahme an der russischen Revolution. Anfang 1906 verhaftet und nach Tobolsk in Sibirien verbannt, erhielt im Sommer 1907 die Genehmigung, wegen Krankheit nach Königsberg auszureisen. Hier fand er Arbeit als Buchhalter und Russisch-Korrespondent. Bei Kriegsbeginn Ausweisung als »feindlicher Ausländer« und Übersiedlung nach Chemnitz, wo er sich 1915 der SPD anschloß und als kaufmännischer Angestellter arbeitete. Während des Krieges trat er der USPD bei und gehörte dem Spartakusbund an. Borowski schrieb für die »Leipziger Volkszeitung«. Mit Fritz Heckert war er Mitbegründer der KPD in Chemnitz und nahm an einigen Parteitagen der KPD teil, darunter dem III. Parteitag im Februar 1920. Der VII. Parteitag 1921 wählte ihn in den ZA, auf dem VIII. Parteitag 1923 kam er in die Redaktionskommission. Borowski arbeitete als Redakteur am Chemnitzer »Kämpfer« und war 1923/24 dessen Chefredakteur. Als Anhänger Heinrich Brandlers im Herbst 1924 entlassen, wurde er Anfang 1925 aus der KPD ausgeschlossen. Nach der Ruth-Fischer-Ära wieder in die KPD aufgenommen, übersiedelte Borowski im Frühjahr 1926 nach Berlin und war dort Dolmetscher und Übersetzer im Verlag für Literatur und Politik. Da er weiter zu Brandler hielt, wurde er im Frühjahr 1929 aus der KPD ausgeschlossen, gehörte nun der KPO-Führung an. Weil er gegen die Aufstellung eigener Kandidaten bei Wahlen durch die KPO war, verließ er 1930 die Organisation. Im Herbst 1931 Übersiedlung in die UdSSR, dort zunächst Übersetzer und Redakteur bei der RGI. Bis 1935 im Verlag Literatur und Politik Übersetzer von Leninwerken. Anschließend im Trust Turkstroi beschäftigt, im Dezember 1941 nach Alma-Ata evakuiert. Noah Borowski starb am 8.April 1944 im Alma-Ata.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borstel, Hans von

* 3.3.1888 – ✝ 6.10.1962

Geboren am 3. März 1888 in Stade; Eisenbahnarbeiter. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD und 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. 1921 gemeinsam mit Ernst Thälmann Vorsitzender der KPD in Hamburg, von 1921 bis 1927 in der Beschwerde- und Revisionskommission der BL. Als Anhänger Thälmanns nahm er am VIII. KPD-Parteitag 1923 bzw. am IX. Parteitag 1924 teil, auf denen er in die Gewerkschaftskommission delegiert wurde. Von 1923 bis 1926 Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«. Borstel brach im November 1926 mit der KPD. Weil er sich weigerte, die Trennung Thälmanns von Ruth Fischer mitzumachen, wurde er wegen angeblicher »Intrigen« ausgeschlossen. Später arbeitete er bei der Hamburger Wohlfahrtsbehörde, war ein Anhänger der Korsch-Gruppe. Von 1928 bis 1933 Mitglied der SPD, deshalb nach 1933 einige Zeit inhaftiert. Er schloß sich nach 1945 kommunistischen Oppositionsgruppen an. Hans von Borstel starb am 6.Oktober 1962 in Hamburg an Kehlkopfkrebs.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böschen, Heinrich

* 27.10.1887 – ✝ 31.12.1945

Geboren am 27. Oktober 1887 in Bremen, Sohn eines Maurers; lernte ebenfalls Maurer. 1906 trat er dem Baugewerksbund bei und wurde Mitglied der SPD, 1917 der USPD. Als Vertreter der Danziger USPD Delegierter des Vereinigungsparteitages KPD-USPD im Dezember 1920. Böschen übersiedelte ins Rheinland, er war dort von 1920 bis 1926 Fraktionsleiter für das Baugewerbe Rheinland-Westfalen des DMV. Von 1920 bis 1926 Mitglied der Leitung des KPD-UB Solingen und auf dem VII. Parteitag 1921 und dem VIII. Parteitag 1923 für den Parteibezirk Rheinland-Süd in den ZA berufen. Ab 1926 Sekretär für Gewerkschaftsfragen bei der KPD-BL Niederrhein. 1928 als KPD-Abgeordneter (Wahlkreis Düsseldorf-Ost) in den Preußischen Landtag gewählt. Er wurde 1929 Orgleiter des Bezirks Niederrhein, Delegierter des XII. Parteitags 1929. 1930 legte er seine Funktion als Orgleiter nieder und wurde 1931 Polleiter des Einheitsverbandes der Bauarbeiter in der RGO. 1932 nicht mehr als Landtagskandidat aufgestellt, war aber weiter in der RGO tätig. Böschen wurde 1933 in Berlin verhaftet und noch im gleichen Jahr zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt, danach längere KZ-Haft. Während des Krieges zur Organisation »Todt« eingezogen, ist er bei Kriegsende verschollen. Heinrich Böschen wurde 1959 mit dem Zeitpunkt des 31. Dezember 1945 für tot erklärt.

Wer war wer in DDR

Böttcher, Manfred

* 14.3.1928

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1944 – 46 Finanzanwärter beim Finanzamt Leipzig-Ost. 1946 – 50 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Jurist; 1946 – 48 LDPD, 1948 FDJ, 1950 Kand., 1954 Mitgl. der SED; 1950/51 Hauptsachbearb. beim Zentralen Finanzamt Leipzig, 1951 – 57 Hauptreferent beim Min. der Finanzen, 1958 wiss. Aspirant an der HU Berlin, 1957 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1957 – 68 Red. bzw. später stellv. Chefred. im Verlag »Die Wirtschaft« u. der Ztschr. »Die Wirtschaft«, 1968/69 Abt.-Ltr. im Min. für Wiss. u. Technik, 1969 – 71 stellv. Dir. der Akad. der Marxist. Leninist. Organisationswiss.; 1971 – 73 Ltr. des Arbeitsstabes X. Weltfestspiele beim DEWAG-Betrieb Werbung, Projektierung u. Werbebau Leipzig, 1973 Stellv. des GD, 1974 – 90 GD der DEWAG (Nachf. von  Ulrich Osche).Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böttge, Bruno

* 29.8.1891 – ✝ 7.1.1967

Geboren am 29. August 1891 in Halle/Saale, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosser. 1908 Mitglied der Arbeiterjugend und der SPD in Bernburg. Von 1911 bis 1917 zum Militärdienst bei der Marine eingezogen, wurde er 1917 wegen »Zersetzung der kaiserlichen Armee« zu drei Jahren Festungshaft verurteilt. Nach der Revolution im November 1918 Entlassung und Rückkehr nach Bernburg, wo er den USPD-Kreisverband Bernburg führte und Stadtverordneter war. Als Vertreter der Linken in der USPD plädierte er für die Annahme der 21 Bedingungen der KI. Auf dem Vereinigungsparteitag von KPD und USPD-Linke zur VKPD 1920 in Berlin wurde er für den Bezirk Magdeburg-Anhalt in den ZA gewählt. Von 1920 bis 1922 vertrat er die USPD bzw. die VKPD als Abgeordneter im Anhaltinischen Landtag. 1922 trennte sich Böttge von der KPD und wurde erneut Mitglied der SPD. 1923/24 Lokalredakteur der sozialdemokratischen »Mansfelder Volkszeitung« und anschließend UB-Sekretär der SPD in Eisleben, war er dann von 1924 bis 1933 Bürgermeister in Teutschenreuth bei Halle. Er wurde im Februar 1933 verhaftet und im KZ Lichtenburg schwer mißhandelt. 1934 freigelassen, von 1935 bis 1940 Handelsvertreter und von 1940 bis 1945 zur Luftschutzpolizei eingezogen, leistete Böttge Widerstand gegen die NS-Diktatur. Im Juni 1945 wurde er Bezirksleiter, später Provinzialsekretär der SPD für Sachsen-Anhalt. Er war für die Vereinigung mit der KPD und war von 1946 bis 1948 Mitglied des SED-Parteivorstands. Gemeinsam mit Bernhard Koenen war Böttge Vorsitzender der SED in Sachsen-Anhalt und ab Herbst 1946 Abgeordneter und Präsident des Landtages Sachsen-Anhalt. Im Spätsommer 1948 geriet er in die beginnenden Parteisäuberungen der SED. Wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von Parteifinanzen (er soll frühere SPD-Gelder nicht der Einheitspartei zugeführt, sondern für Schulungen verwendet haben) unter Druck gesetzt, legte Böttge seine Funktion als SED-Landesvorsitzender von Sachsen-Anhalt und am 20.September 1948 auch als Parteivorstandsmitglied nieder. Eine Woche später erfolgte seine Demission als Landtagspräsident. 1949 wegen »Unterschlagung« aus der SED ausgeschlossen, wurde Böttge im März 1954 verhaftet und am 14. Mai 1955 vom Bezirksgericht Halle/S. zu acht Jahren Gefängnis wegen »Vergehens gegen die Kontrollratsdirektive 38« verurteilt. Er war bis zu seiner Begnadigung im April 1956 in der Strafvollzugsanstalt Naumburg inhaftiert. Böttge wurde später wieder in die SED aufgenommen und danach Instrukteur der Abteilung Feriendienst des FDGB-Bezirksvorstand Rostock. Bruno Böttge starb am 7.Januar 1967.

Wer war wer in DDR

Boulanger, Jakob

* 8.1.1897 – ✝ 16.3.1968

Geb. in Köln; Vater Schuhmacher; Volksschule; 1912 – 15 Ausbildung zum Kunstschmied; 1915 Mitgl. des DMV; 1916 – 18 Militärdienst; 1917 an Verbrüderungsakt. mit russ. Soldaten beteiligt; Nov. 1918 USPD, dann Spartakusbund in Nürnberg, 1920 VKPD; Betriebsratsvors.; 1923 Teiln. an bewaffneten Kämpfen gegen Separatisten im Rheinl.; 1924/25 Besuch der »Spezialschule«/ M-Schule in Moskau, Teiln. am 2. Lehrgang zur Ausbildung von Militärkadern für den »bewaffneten Aufstand« (zus. mit  Richard Stahlmann, Gustav König, Klaus Überbrück u. a.); 1925 Schmied in einem Moskauer Apparatewerk; 1926 – 33 hauptamtl. KPD-Funktionär in Köln u. Mitarb. im M-Apparat; ab 1927 RFB-Gaultr. Mittelrhein u. Org.-Sekr. des KPD-UB Mittelrhein; 1927 – 33 Pol.-Ltr. der KPD-BL Nordbayern; 1932 / 33 Abg. der KPD im bayr. Landtag; ab 1933 illeg. pol. Arbeit, kurzz. Pol.-Ltr. in Thür. (»Ewald Rüdiger«); Juli 1933 verhaftet u. 1935 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; 1935 u. 1946 Haft im Zuchthaus Amberg (Bayern), 1936 – 39 KZ Dachau (Einzelhaft), 1939 –42 KZ Buchenwald (Einzelhaft) u. 1942 – 45 KZ Mauthausen, dort Mitgl. der illeg. KPD-Lagerltg. u. stellv. Ltr. des Hauptmagazins; Teiln. am bewaffneten Häflingsaufstand. 1945 Mitaufbau der KPÖ in Wien, Kurier zwischen KPD u. KPÖ; ab 1945 Mitgl. im Aussch. für Wirtschaftsfragen der KPD in Berlin; 1946/47 Vizepräs. der Dt. ZV für Industrie (DZVI), gerügt; Nov. 1947 Absetzung wg. »grober Verfehlung in seinem persönl. Verhalten im Amte«; 1948/49 Kulturdir., dann Dir. des Stahl- u. Walzwerk Hennigsdorf; 1949 – 51 Kulturdir., später Werkltr. des VEB Lowa Lokomotivbau »Karl-Marx« Babelsberg, SED-Betriebsgr. fordert erfolgr. seine Ablösung; 1950 KPS; 1951 – 56 Werkltr. im VEB Straßenbahn- u. Waggonreparatur Berlin-Johannisthal; 1956 Ing.-Examen; 1956 – 63 GD des VEH DIA bzw. AHB Invest-Export; 1957 VVO; danach Mitarb. im FDGB-BV; 1965 Medaille für vorbildlichen Grenzdienst; 1967 VVO; gest. in Berlin.Eine Ziffer über dem Herzen. Erlebnisbericht aus 12 Jahren Haft. Aufgezeichn. von M. Tschesno-Hell. Berlin 1957.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Braband, Jutta (Judith)

* 13.3.1949

Geb. in Barth, aufgew. in Stralsund; Vater Bauing., Mutter Polizeioffz; 1965 – 67 Berufsausbildung zum Industriekfm.; 1967 Abitur an der VHS, anschl. Sachbearb. in einem Stralsunder, dann Berliner Betrieb; 1967 SED; 1969 Studienbeginn an der FS für Außenwirtschaft in Berlin, 1972 Exmatrikulation aus pol. Gründen unter dem Vorwand mangelnder Studienintensität, 1972 – 75 »Bewährung in der Prod.« als Sachbearb., später wiss. Mitarb. in einem Berliner Betrieb; 1975 externer Studienabschl.; 1971 – 75 vom MfS als IM erf., selbst beendet, Sept. 1991 freiw. offengelegt; 1975 autodidakt. Ausbildung u. freiberufl. Tätigkeit als Textil- u. Modedesignerin; seit 1975 Kontakte zu opp. Gruppen, 1979 Austritt aus der SED; Verhaftung nach einer Unterschriftensammlung gegen den Ausschl. krit. Autoren aus dem SV, April 1980 Verurteilung zu neun Mon. Freiheitsstrafe wegen »ungesetzlicher Verbindungsaufnahme« zum Soz. Osteuropakomitee u. zur Initiative gegen Berufsverbote in beiden Teilen Dtl.; 1982 Mitgl. des VBK; Dez. 1989 Mitgl. der Vereinigten Linken (VL) u. des Unabh. Frauenverb. (UFV), erste Geschäftsf. (bis März 1990) u. Vertreterin der VL am Zentr. u. am Berliner Runden Tisch. Dez. 1990 – April 1992 Abg. des Dt. Bundestags, auf der Liste der PDS, das Mandat infolge der Diskussion um ihre frühere Tätigkeit für das MfS zurückgegeben; seit 1993 Mitgl., 1997 – 2003 Vors. des Kuratoriums der Stiftung Haus der Demokratie; 1994 – 95 als Kleidermacherin tätig; seit 1995 Geschäftsf. des Kunstvereins »Acud« in Berlin; 2002 Wechsel des Vornamens zu Judith.Silvia Müller

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brandler, Heinrich

* 3.7.1881 – ✝ 26.9.1967

Geboren am 3. Juli 1881 in Warnsdorf/Böhmen. Sein Vater, Joseph Brandler, der zur Zeit des Sozialistengesetzes verbotene Literatur geschmuggelt hatte und die örtliche Maurer-Gewerkschaft begründete, starb, als Brandler neun Jahre alt war. Brandler erlernte das Maurerhandwerk und arbeitete als Fliesenleger, er wurde bereits mit 16 Jahren Schriftführer des Bauarbeiterverbandes. Drei Jahre lang durchwanderte er Europa bis nach Italien. 1901 kam er nach Hamburg, wurde Mitglied der SPD und Vorsitzender des Arbeiterbildungsvereins. 1904 aus Hamburg ausgewiesen, übersiedelte er nach Bremen. Auch dort vor allem im sozialdemokratischen Bildungsverein aktiv. Delegierter auf dem SPD-Parteitag 1908 in Nürnberg. 1909 zog Brandler in die Schweiz, wo er im Sommer als Fliesenleger arbeitete und im Winter als Wanderlehrer für die Sozialdemokratie warb, er vertrat linksradikale Positionen. Im Juni 1914 Übersiedlung nach Chemnitz, dort 1914 hauptamtlicher Sekretär im Bauarbeiterverband. 1915 wurde Brandler als Anhänger Karl Liebknechts aus der SPD ausgeschlossen. Während des Krieges leitete er gemeinsam mit Fritz Heckert (beide waren nicht zum Militär eingezogen worden) die illegale Arbeit der Spartakusgruppe in Chemnitz. Brandler nahm an fast allen Konferenzen der Spartakusgruppe in Berlin teil. Im Oktober 1918 von der Regierung aus Deutschland ausgewiesen, erlebte er die Revolution in Wien. Ende 1918 kam Brandler nach Bayern, hier wollte Kurt Eisner ihn zum Staatssekretär für Äußeres ernennen. Doch er lehnte ab und kehrte nach Chemnitz zurück, wo er die Zeitung »Kämpfer« begründete und in der damals stärksten KP-Organisation Deutschlands tätig war. Als Delegierter des II. Parteitages der KPD im Oktober 1919 in die Zentrale der Partei gewählt. In der Folgezeit mehrmals verhaftet, wurde Brandler nach dem Rücktritt Paul Levis im Februar 1921 Mitvorsitzender der KPD. Wegen seines maßgebenden Anteils an der März-Aktion im April 1921 verhaftet und zu fünf Jahren Festung verurteilt. Über seine Verteidigung vor Gericht kam es in der KPD zu kritischen Diskussionen, da er »nicht kämpferisch genug« aufgetreten sei; dagegen hatte z. B. der Bezirksausschuß Erzgebirge »einmütig bekundet, daß die Organisation volles Vertrauen zum Genossen Brandler« habe. Der III. Weltkongreß der Komintern 1921 wählte ihn zu seinem Ehrenpräsidenten. Im November 1921 floh er aus der Festung Gollnow nach Sowjetrußland und wurde in Moskau stellvertretender Generalsekretär des Vollzugsbüros der RGI. Nach der »Rathenau-Amnestie« kehrte Brandler nach Deutschland zurück, nachdem er zuvor bis September 1922 in der KP der âSR gearbeitet hatte. In Berlin übernahm er nun als Sekretär des Polbüros die Führung der KPD und hatte auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 eine starke Mehrheit hinter sich. Unter seiner Leitung bereitete sich die KPD im Sommer 1923 auf einen Umsturz in Deutschland vor. Vom 10. bis 29.Oktober 1923 gehörte Brandler als Leiter der Staatskanzlei der sozialdemokratisch/kommunistischen sächsischen Regierung an. Er wollte die Einheitsfrontpolitik mit der SPD. Als die linke SPD auf der Chemnitzer Betriebsrätekonferenz 1923 die Teilnahme am Generalstreik ablehnte, entschloß sich die KPD unter Brandlers Führung, den Aufstand abzusagen, der nur isoliert in Hamburg ausbrach und scheiterte. Nach dem KPD-Verbot billigte die Mehrheit der Führung zwar zunächst noch Brandlers Linie, doch rasch war die übergroße Zahl der Parteimitglieder gegen ihn und seine »rechte Politik«. Er wurde – besonders nach dem Eingreifen Sinowjews und der Komintern – zum »Hauptschuldigen« am Fehlschlag erklärt, im Januar 1924 abgesetzt und nach Moskau befohlen. Von der deutschen Polizei gesucht (unter dem falschen Namen Otto Ilgner und dem Steckbrief: »1,62 groß, hohe Stirn, braune Augen, breiter Mund, volles Gesicht, linksseitig Buckel, sächsischer Dialekt«), befand er sich bereits in der UdSSR. Auf dem IX. Parteitag im April 1924 erlitten er und August Thalheimer eine vollständige Niederlage. Versuche seiner Freunde, ihn zur Parteispaltung zu überreden, lehnte er ab, weil er befürchtete, daß von den 27 Zeitungen nicht einmal vier zu halten seien, daß es unmöglich sein würde, die Parteiangestellten zu bezahlen usw. Brandler arbeitete – nunmehr Mitglied der russischen KP – in Moskau zunächst im Obersten Volkswirtschaftsrat. Nach dem Ende des ultralinken Kurses in Deutschland wurde er 2. Vorsitzender der Roten Bauerninternationale. Da schon in der Ruth-Fischer-Ära sein Ausschluß aus der KPD nicht durchgesetzt werden konnte, beschloß das neue ZK 1927, ihn wieder zur Parteiarbeit in Deutschland heranzuziehen. Doch durfte er auch 1928 sein unfreiwilliges Exil nicht verlassen, obwohl seine Frau bereits ein Jahr zuvor nach Deutschland zurückgekehrt war. Nach der Wittorf-Affäre reiste er – entgegen dem Parteibeschluß – nach Deutschland. Am 28.Oktober 1928 in Berlin eingetroffen, übernahm er zusammen mit Thalheimer die Leitung der oppositionellen rechten Kommunisten. Brandler wurde im Januar 1929 aus der KPdSU und damit aus der Komintern ausgeschlossen. Seit Dezember 1929 Mitglied der Reichsleitung der KPO und deren eigentlicher Führer. Er war 1931 gemeinsam mit Thalheimer Hauptrepräsentant der Mehrheitsgruppe der KPO, die 1932 einen Zusammenschluß mit der SAP ablehnte. 1933 Emigration nach Frankreich, 1941 nach Kuba, wo er mit Thalheimer (der dort starb) blieb, bis er 1947 die Erlaubnis zur Übersiedlung nach England und 1949 zur Rückkehr nach Deutschland erhielt. Anfangs noch in der Gruppe Arbeiterpolitik tätig (die er schon von Kuba aus mit den »Briefen aus der Ferne« politisch zu orientieren suchte), zog er sich später von der aktiven Politik zurück. Heinrich Brandler lebte zuletzt in Hamburg, er starb dort am 26. September 1967. Jens Becker veröffentlichte 2001 eine umfangreiche Arbeit: »Heinrich Brandler. Eine politische Biographie«.

Wer war wer in DDR

Brandt, Helmut

* 16.7.1911 – ✝ 31.10.1998

Geb. in Berlin-Spandau; Abitur; 1929 – 36 Studium der Rechts- u. Staatswiss. sowie Nationalökon. an der Univ. Berlin; 1932 Dipl.-Volkswirt; Prom. zum Dr. rer. pol. u. Dr. jur.; als Assessor Ref. für internat. Wirtschaftsrecht am Kaiser-Wilhelm-Inst. für ausländ. Recht u. Völkerrecht; seit 1938 als Rechtsanwalt tätig; im 2. Weltkrieg zeitw. Wehrmacht. 1945 Lehrauftrag für Völkerrecht u. Öffentl. Recht an der Univ. Berlin; Mitbegr. der CDU Berlin; 1946 – 48 Abg. der Berliner Stadtverordnetenvers.; 1948/49 koopt. Mitgl. des Verfassungsaussch. im Dt. Volksrat; 1949/50 Staatssekr. im Min. der Justiz; 1950 Verhaftung im Zusammenhang mit den Waldheimer Prozessen, wegen »staatsfeindl. Arbeit« zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, später auf acht Jahre reduziert; Haft in Berlin, Brandenb. u. Bautzen; 1958 entlassen u. wegen »Republikflucht« erneut verhaftet; in Frankfurt (Oder) zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in Bautzen; 1964 Freikauf u. Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; lebte im Rheinl.; Mitgl. der CDU, später der CSU; gest. in Königswinter (b. Bonn).Die Durchbrechung der Meistbegünstigung. Berlin 1933; Übersichtliches Devisenrecht. Berlin 1936 (zus. mit F. Kaiser). Wentker, H.: H. B. In: Fricke, K.-W. u. a. (Hrsg.): Opposition u. Widerstand in der DDR. Politsiche Lebensbilder. München 2002.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brandt, (Max) Karl

* 16.9.1891 – ✝ 1957

Geboren am 16. September 1891 in Langensalza als Sohn der Fabrikarbeiterin Minna Wode, der Vater Otto Brandt heiratete die Mutter 1893. Max Karl Brandt lernte Möbeltischler und übersiedelte nach Hannover. Er trat 1911 der SPD bei und war während des Krieges in der Spartakusgruppe aktiv, die er in Hannover begründete. 1920 hielt er sich in Schlesien auf und wurde auf den Parteitagen der KPD 1920 in den Zentralausschuß gewählt. Nach Hannover zurückgekehrt, wurde Brandt 1921 Sekretär der KPD, 1923 in der BL Sekretär für Gewerkschaftsfragen. Ende 1923 als Rechter entlassen, blieb er in der KPD zunächst Redakteur und wurde deswegen im März 1925 zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Brandt machte den ultralinken Kurs ab Ende 1928 nicht mit, trennte sich 1929 von der KPD und trat politisch nicht mehr hervor. Karl Brandt starb 1957 in Hannover.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Borkenau, Franz

* 15.12.1900 – ✝ 22.5.1957

(* 1900 – † 1957) Geboren am 15. Dezember 1900 in Wien als Sohn des Universitätsprofessors Rudolf Pollack. 1918 Soldat, von 1919 bis 1924 Studium in Wien und Leipzig, 1924 Promotion. Ab 1921 Mitglied der KPD, Leiter des Roten Studentenbundes. Bis 1929 Mitarbeiter des Westeuropäischen Büros in Berlin sowie bei Eugen Varga. Als Rechter 1929 ausgeschlossen, war Borkenau kurze Zeit in der KPO aktiv. 1933 Emigration über Wien und Frankreich nach Großbritannien. Seine in London veröffentlichten Bücher über den Spanischen Bürgerkrieg bzw. die Kommunistische Internationale (1936 bzw. 1938) waren eine scharfe Absage an den Kommunismus. 1940 interniert, arbeitete Borkenau 1943/44 bei der BBC in London. 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, lehrte er von 1946 bis 1948 als außerplanmäßiger Professor in Marburg und war dann Chefredakteur der »Ostprobleme«. 1952 erschien sein Buch »Der europäische Kommunismus«. Franz Borkenau starb am 22. Mai 1957 in Zürich.

Wer war wer in DDR

Börner, Rainer

* 16.6.1956

Geb. in Nordhausen; Vater Landwirt; 1963 – 75 POS u. EOS in Nordhausen; 1971 FDJ; 1975/76 Traktorist, 1976/77 NVA; 1977 SED; 1977 – 81 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1978 – 84 ehrenamtl. u. hauptamtl. in der FDJ-Ltg. der HfÖ Berlin, 1984 – 90 Mitarb. der FDJ-BL Berlin, u. a. Abt.-Ltr. u. Sekr. für Kultur; Dez. 1989 Mitbegr. u. Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Junger GenossInnen der SED-PDS; Febr. 1990 Mitgl. des Präs. des PV bzw. Bundesvorst. der PDS, Ltr. der Kommission Parteienpluralismus u. Bürgerbew., Jan. – März 1990 Vertreter der PDS am Zentr. Runden Tisch; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Sept. erster Abg., der sich öffentl. u. vor der Volkskammer zu zeitw. inoffiz. MfS-Mitarbeit bekannte. 1990 – 92 Mitgl. des PDS-Präs., Austritt; Mai 1995 Ablehnung einer Kand. auf der Liste von Bündnis 90/Die Grünen für das Berliner Abgeordnetenhaus; 1993 arbeitslos; 1994 – 97 Plattenladen in Berlin-Prenzlauer Berg; 1997/ 98 Jungendsozalarb.; seit 2000 Mitarb. im Rio-Reiser-Archiv.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Borriss, Heinrich

* 10.9.1909 – ✝ 4.9.1985

Geb. in Vandsburg (Krs. Flatow, Westpr./ Więcbork, Polen); Vater Lehrer; ab 1919 in Schwedt, dort Besuch des humanist. Gymnasiums, 1928 Abitur; 1928 – 34 Studium der Naturwiss., insbes. Botanik, an den Univ. Kiel, München, Wien u. Greifswald, 1934 Dr. phil.; 1934 St.-Ex. für das Höhere Lehramt, anschl. Forschungsstipendiat am Botan. Inst. der Univ. Greifswald; 1936 – 40 Assistent am Botan. Inst. der Univ. Bonn, 1939 Habil.; 1940 Doz. für Botanik; 1940 – 42 Mitarb. der Landesforschungsanstalt für Pflanzenphysiologie in Posen, 1942 – 45 Oberassistent am Inst. für Allg. Botanik u. Doz. für Botanik/Pflanzenphysiologie der 1941 gegr. »Reichsuniv.« Posen; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Verbindungen zum NKFD, zul. 1947/48 Laborant am Nikita-Garten bei Jalta (Krim). Dez. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1949 SED, Mitgl. des ZV der DSF; 1949 Prof. mit Lehrauftrag, 1950 Prof. mit vollem Lehrauftrag, 1951 – 73 Prof. mit Lehrstuhl für Botanik der EMAU Greifswald; 1949 – 68 Dir. des Botan. Inst. u. bis 1972 Dir. des Botan. Gartens; 1950 – 52 Aufbau u. 1952 – 55 Dir. des Inst. für Agrobiol. (1963 in das Botan. Inst. eingegliedert); 1951 – 54 Prorektor für Forschung u. stellv. Rektor; 1954 – 57 Vors. des Wiss. Beirats für Biol. beim Staatssekr. für HS-Wesen; 1956 VVO; 1957 – 59 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von  Gerhardt Katsch); 1957/58 Dir. des Inst. für Pflanzenökologie (1958 mit dem Botan. Inst. vereinigt); 1968 – 73 Ltr. des Fachgebiets Allg. Botanik u. Pflanzenphysiologie der Sekt. Biol.; 1971/72 Dekan der Fak. für Mathematik / Naturwiss.; 1973 em.; 1959 – 67 Mitgl. des Präs. u. 1980 Ehrenmitgl. der Biol. Ges. der DDR; 1969 Mitgl. der Leopoldina; 1975 Gastprof. an der Univ. Nijmegen (Niederl.); gest. in Greifswald. Hauptarbeitsgebiete: Pflanzenphysiologie, insbes. Zellphysiologie u. Physiologie des Wachstums u. der Entw., Mikrobiol.; B. schuf in Greifswald eines der führenden botan. Univ.-Inst. der DDR.Wörterbücher der Biologie: Pflanzenphysiologie. Jena 1984 (Hrsg., mit E. Libbert). H. B.: Die Entw. der Botanik u. der botan. Einrichtungen an der Univ. Greifswald. In: Fs. zur 500-Jahrfeier der Univ. Greifswald. Greifswald 1956, Bd. 2; ders.: Die Begründung des Agrobiol. Inst. Ebd.; Nachrufe: Libbert, E.: Mitteilungen der Biolog. Ges. der DDR (1985) 3; Günther, G.: In: Biolog. Rundschau (1986) 24; Linskens, H. F. In: Berichte der Dt. Botan. Ges. (1986) 99 (mit Schriftenverzeichnis).Ekkehard Höxtermann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bortfeldt, Hermann

* 2.6.1911 – ✝ 22.5.1985

Geboren am 2. Juni 1911 in Magdeburg, Sohn eines Kutschers und Fabrikarbeiters. Nach der Lehre kaufmännischer Angestellter, dann Journalist. Er gehörte seit 1930 in Magdeburg einer trotzkistischen Gruppe an, war ab 1933 konspirativ (in Zusammenarbeit mit der SAP) in Magdeburg im Widerstand aktiv, wo er sich an der Herausgabe der Zeitschrift »Der rote Kurier« beteiligte. Im Sommer 1936 zerschlug die Gestapo die Gruppe, Bortfeldt wurde verhaftet. Noch 1936 freigelassen, übersiedelte er nach Essen, lebte dort illegal. Im November 1938 erneut verhaftet, konnte er bei der Überstellung nach Magdeburg im Januar 1939 fliehen und wurde von Trotzkisten nach Belgien geschleust. Bis Mai 1940 hielt er sich in Antwerpen, dann in Südfrankreich auf. Zeitweise hatte er in der trotzkistischen IKD wichtige Funktionen inne, ging 1942 während der trotzkistischen Spaltungsprozesse zu einer anderen Gruppe, der RKD, und wandte sich 1943 vom Trotzkismus ab. Bis Kriegsende in einer französischen Widerstandsgruppe in Lyon, blieb er als Journalist weiterhin in Frankreich und studierte 1948 bis 1950 in Paris. 1952 Rückkehr nach Deutschland, Eintritt in die SPD und Redakteur in Goslar. Von 1953 bis 1966 Referent im SPD-Parteivorstand in Bonn, war er dort Leiter der Abteilung Selbständige bzw. Kultur, von 1966 bis 1977 Abteilungsleiter der Deutschen Welle. Bortfeldt hatte (unter Pseudonym) bereits 1952 Trotzkis Werk »Stalin« ins Deutsche übersetzt, sein viel beachtetes Buch über die französische Revolution von 1789 »Die unvergleichliche Revolution« erschien 1980. Er war 1961 Mitbegründer von »amnesty international« in Deutschland und erhielt 1977 das Bundesverdienstkreuz. Hermann Bortfeldt starb am 22. Mai 1985 in Bonn.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böse, Ernst

* 1.3.1901 – ✝ 12.9.1962

Geboren am 1. März 1901 in Oebisfelde; nach dem Besuch des Lehrerseminars Volksschullehrer in Neuhaldensleben. Seit 1919 in der KPD aktiv, im Prozeß gegen Kommunisten vor dem Landgericht Magdeburg im April 1921 wurde er freigesprochen. Auf dem VIII. Parteitag der KPD 1923 als Anhänger der rechten Kommunisten zum Ersatzmitglied des ZA für den Bezirk Magdeburg-Anhalt gewählt, arbeitete als Redakteur für die KPD-Zeitung in Bernburg. 1924 zog Böse für die KPD als Abgeordneter in den Landtag von Anhalt ein. Aus Protest gegen den ultralinken Kurs der Partei trat er noch 1924 gemeinsam mit weiteren Kommunisten aus der KPD aus. Bekannt wurde er durch seine gegen die Führung gerichtete Schrift »Wahnsinn oder Verbrechen? Am Grabe des Kommunismus« (Bernburg, März 1925). Er griff die neue linke Führung, namentlich Arkadi Maslow, Arthur Rosenberg, Max Schütz u. a. an, denen er vorwarf, den Begriff der Disziplin bis »zum Kadavergehorsam« überspannt zu haben, die KPD leiste der »Reaktion Vorschub«. Böse trat zur SPD über und war auch nach 1945 für diese Partei in Hamburg aktiv. Hier war er vor allem in der Schulungsarbeit tätig und setzte sich mit dem Marxismus auseinander. Seine Schrift »Materialistische Geschichtsauffassung. Eine kritische Einführung« erschien 1947 (2. Aufl. 1948) im Hamburger SPD-Verlag, ebenso »Karl Marx. Sein Leben und Werk« (1948) und auch »Probleme der Marxistischen Gesellschaftslehre« (1948). Böse verteidigte den Marxismus, distanzierte sich aber scharf vom Leninismus. Zu seinen Arbeiten hatte Herbert Wehner 1947 positive Gutachten für den Verlag angefertigt. Ernst Böse starb am 12.September 1962 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Böttcher, Paul Herbert

* 2.5.1891 – ✝ 17.2.1975

Geb. in Leipzig; Vater Schmied, Mutter Köchin u. Wäscherin; Volksschule; 1905 – 09 Ausbildung zum Schriftsetzer, 1909 – 13 im Beruf tätig, Wanderschaft durch mehrere europ. Länder; 1907 – 19 Soz. Jugend Leipzig; 1908 Ltr. der Leipziger SJ-Gruppe, der auch  Walter Ulbricht angehörte; 1908 – 16 SPD; 1913 – 18 Militärdienst, Uffz.; 1916 – 20 USPD, Mitgl. deren ZL; Nov. 1918 Leipziger Arbeiter u. Soldatenrat; Nov. 1918/19 Red. »Leipziger Volksztg.«; 1919 »Schutzhaft« Festung Königstein; 1920 – 29 KPD, 1920 Mitgl. der BL u. des ZK; 1920/21 Red. des »Sozialdemokraten« / später umbenannt in »Kommunist« (Stuttgart), 1921/22 Chefred. u. 1924 – 26 Red. der »Roten Fahne« (Berlin); 1921 – 30 RH; 1922 – 24 u. 1926 – 29 Red.-Ltr. der »Sächs. Arbeiterztg.« (Leipzig), Mitgl. der erw. KI-Exekutive; 1922 – 29 Abg. des sächs. Landtags, KPD-Fraktionsvors.; Okt. 1923 kurzz. Finanzminister in Sachsen; verlor ab 1924 als Vertreter der »Rechten« in der KPD an Einfluß; ab Jan. 1928 erneut Chefred. der »Sächs. Arbeiterztg.«, Nov 1928 entlassen; Jan. 1929 mit der »Brandler-Gruppe« aus der KPD ausgeschl.; 1929 – 34 KPO, Pol.-Sekr. der KPO-BL Westsachsen; 1930 Red. der KPO-Ztg. »Arbeiterpol.« (Leipzig) u. 1931 in Berlin; Febr. 1933 Emigr. in die Schweiz; Juni 1934 wg. polit. Betätigung ausgewiesen; 1934 – 44 illeg. in Genf; 1934 KPdSU; 1934 – 44 Mitarb. des sowj. militär. Nachrichtendienstes GRU (»Paul«), gehörte zur »Roten Drei« (GRU-Residentur von Sándor Radó, Rachel Dübendorfer); 1940 »Spezialarbeit« in Frankreich; ab 1940 erneut in Genf, 1941 u. 1944 abermals aus der Schweiz ausgewiesen; verhaftet u. wegen Spionage angeklagt, U-Haft in Genf, 1944/45 Zwangsarbeitslager Siehen/ Eggiwill (b. Bern), Juli 1944 Flucht nach Frankreich; 1944/45 illeg. in der sowj. Botschaft in Paris. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl., vergebl. Versuch durch W. Ulbricht, B. von der GRU zu entpflichten; Okt. 1945 von einem Schweizer Militärgericht in Abwesenheit zu 2 Jahren Gefängnis, Geldstrafe u. 15 Jahren Ausweisung aus der Schweiz verurteilt; 23.2.1946 mit Rachel Dübendorfer von Berlin in die UdSSR gebracht, verhaftet u. am 12.2.1947 zus. mit Leopold Trepper ohne Verhandlung zu zehn Jahren Lager wegen »passiver Spionage« verurteilt; 1947 – 56 Haft in über 40 Lagern u. Gefängnissen des GULag; März 1956 Rückkehr nach Dtl.; rehabil.; OdF; Sept. 1956 parteiintern rehabil.; 1956 Red., dann bis 1974 stellv. Chefred. der »Leipziger Volksztg.«; 1957/58 Abenduniv.; 1958 Medaille für Teiln. an den bewaffneten Kämpfen 1918 – 23; Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; VVO; 1960 Mitgl. der BL der Pionierorg. u. des VDJ-BV Leipzig; Auftritte auf zahlr. Jugendforen als Widerstandskämpfer; Mitarb. des IML; 1965 KMO; 1970 Erinnerungszeichen »20 Jahre Min. für Staatssicherheit der DDR«; Orden des Großen Vaterländischen Krieges; 1971 VVO; 1974 Rentner; gest. in Leipzig.Radó, A.: Dora meldet. Berlin 1974; Sudholt, G.: Das Geheimnis der Roten Kapelle. Leoni 1978.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Böttger, Martin

* 14.5.1947

Geb. in Frankenhain (b. Geithain); Vater Pfarrer; 1965 Abitur; 1965 – 70 Studium der Physik in Dresden; 1970 – 72 Bausoldat; seit 1972 Teiln. an der kirchl. Friedensarbeit, u. a. am Friedensseminar Königswalde, an versch. Friedenswerkstätten u. der Aktion Fasten für den Frieden; 1972 – 76 Programmierer bei Robotron Karl-Marx-Stadt, anschl. bis 1979 beim Versorgungskontor Leder in Berlin; 1979 – 83 wiss. Mitarb. der DBA in Berlin; 1982 externe Prom. zum Dr.-Ing. an der TU Dresden; 1983 Hausmann; Beteiligung an der Mai-Demonstration mit selbstgefertigtem Transparent u. anschl. »Zuführung« durch das MfS; 1.9.1983 Verhaftung wegen »versuchter Teiln. an einer Menschenkette zum Weltfriedenstag«, 15.9. Freilassung nach Intervention Richard von Weizsäckers bei  Erich Honecker; ab 1985 Programmierer im Kombinat Minol in Berlin; 1985 Mitbegr. der IFM, Ltg. der Arbeitsgr. »Menschenrechte u. Justiz«, Beschäftigung mit Problemen des Strafrechts u. Rechtsberatung für Oppositionelle; Mithrsg. der Samizdat-Ztschr. »Kontext« u. beteiligt am Vertrieb weiterer opp. Blätter, u. a. »grenzfall«; 1989 – 90 Programmierer in Zwickau; Sept. 1989 Mitbegr. des Neuen Forums (NF), anschl. NF-Koordinator im Bez. Karl-Marx-Stadt, Dez. 1989 Wahl in den Bez.-Sprecherrat des NF Karl-Marx-Stadt; 18.3.1990 Wahl in die Volkskammer auf der Liste Bündnis 90, sofortige Weitergabe des Mandats an  Werner Schulz; April bis Aug. 1990 Mitarb. in der Arbeitsgr. »Landesverfassung für Sachsen«. 1990 – 94 Mitgl. des Sächs. Landtags u. Sprecher der Fraktion »Neues Forum-Bündnis 90-Die Grünen«; 1992/93 Mitgl. des Bundessprecherrats der Partei Bündnis 90; 1993 Mitgl. Bündnis 90/Die Grünen; 1994 – 2001 Geschäftsf. einer gemeinnützigen Seniorenpflegeeinrichtung in Kirchberg (Krs. Zwickau); 1995 Mitgl. des Sprecherrats des Regionalverb. Zwickau von Bündnis 90 / Die Grünen; seit 2001 Ltr. der Außenstelle Chemnitz der Bundesbeauftragten für die MfS-Unterlagen (BStU).Jesse, E. Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006; Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen.Berlin 2006; Baum, K.-H., Walter, R.: »ehrlich und gewissenhaft«. Berlin 2008.Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Boulanger, Jakob

* 8.1.1897 – ✝ 16.3.1968

Geboren am 8. Januar 1897 in Köln, durchlebte eine schwere Kindheit; nach dem frühen Tod des Vaters mußte die Mutter ihn und vier Geschwister allein ernähren. Nach der Schulentlassung arbeitete er zunächst als Schleifer in einer Aluminiumfabrik, mußte diese Tätigkeit aber einstellen, da er zu schwach und unterernährt war. Boulanger lernte das Kunstschmiedehandwerk und trat 1915 der Gewerkschaft bei. 1916 kam er an die Front und wurde dort zum Sozialisten. Nach dem Krieg übersiedelte er nach Nürnberg und schloß sich 1919 der KPD an. Boulanger besuchte 1924/25 die Parteischule in Moskau. 1927 Gauführer und Sekretär des RFB in Nordbayern, 1929 Orgleiter der KPD Nordbayern und 1930 Polleiter dieses KPD-Bezirks, dann 1932 auch in den Bayerischen Landtag gewählt. Im April 1933 kam er als Polleiter nach Thüringen, wo er am 29. Juli festgenommen und anschließend zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Am 12. September 1936 aus dem Zuchthaus Amberg ins KZ Dachau eingeliefert, begann für Boulanger, der nach den Worten Himmlers der »bestgehaßte Mann in Bayern« war, ein Martyrium. Er verbrachte drei Jahre im berüchtigten »Bunker«. Im September 1939 nach Buchenwald überführt, wurde er hier weitere drei Jahre im »Bunker« – einer Zelle von 2 Meter Länge und 1,20 Meter Breite – eingesperrt. Die anschließende Haft im Vernichtungslager Mauthausen endete für ihn erst am 5. Mai 1945. In seinem Erlebnisbericht (Jakob Boulanger/Michael Tschesno-Hell: »Eine Ziffer über dem Herzen«, Berlin 1957) ist das erschütternd dokumentiert. 1946 wurde Boulanger 1. Vizepräsident der Zentralverwaltung für Industrie in der SBZ. Dort »aufgrund eines in Gang befindlichen Parteiverfahrens wegen grober Verfehlungen in seinem persönlichen Verhalten im Amte« im November 1947 abgesetzt, später wurde er Kulturdirektor in Hennigsdorf und Potsdam-Babelsberg. Von 1951 bis 1956 war er Werkleiter des VEB Straßenbahn- und Waggonbau Berlin-Johannisthal bzw. des VEB LOWA Waggonbau Reparaturwerks, schließlich im Dezember 1956 Generaldirektor des Außenhandelsunternehmens Invest-Export, danach Parteiveteran. Zum 70. Geburtstag 1967 noch mit dem VVO in Gold ausgezeichnet, starb Jakob Boulanger am 16. März 1968 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brack, Fritz

* 24.4.1896

Geboren am 24. April 1896 in Hamburg; lebte als Landarbeiter in Mecklenburg. 1920 trat er der KPD bei und leitete die Ortsgruppe Schönberg. Von 1919 bis 1933 Abgeordneter des Landtages von Mecklenburg-Strelitz, kam Brack 1933 in »Schutzhaft« und saß bis November 1933 im KZ Oranienburg. Wegen illegaler Tätigkeit für die KPD im November 1934 erneut verhaftet, ist er im April 1935 zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sein weiteres Schicksal ließ sich nicht ermitteln.

dissidenten.eu

Brandt, Heinz

* 1909 – ✝ 1986

Nicht nur Sozialdemokraten, auch Kommunisten mussten die bittere Erfahrung machen, sowohl zu Zeiten der nationalsozialistischen als auch der kommunistischen Diktatur aus politischen Gründen in Zuchthäuser gesperrt worden zu sein. Beispielhaft ist das Schicksal von Heinz Brandt, der elf Jahre in nationalsozialistischen Haftanstalten und Lagern verbringen musste, gefolgt von drei Lebensjahren in Zuchthäusern der DDR.Heinz Brandt, Jahrgang 1909, wurde als Sohn eines jüdischen Schriftstellers und Kunstkritikers in Posen (Poznań) geboren und verlebte dort seine durch den Ersten Weltkrieg geprägte Kindheit. Die Eltern begrüßten hoffnungsvoll die Russische Revolution von 1917 und beeinflussten damit den künftigen politischen Lebensweg ihres Sohnes. Brandt begann 1926 das Studium der Volkswirtschaft an der Berliner Universität und wurde Mitglied der KPD. Nach Hitlers Machtübernahme 1933 wurde er von der SA festgenommen und verprügelt, aber wieder freigelassen. Bis zu seiner Verhaftung im Dezember 1934 organisierte er eine illegale Betriebszeitung in Berlin, den „Siemens-Lautsprecher“. Als ihn die Gestapo verhaftete, bereitete er sich gerade auf eine Reise nach Moskau vor, um dort die Lenin-Schule der Komintern zu besuchen. Die meisten Teilnehmer des Lehrgangs, für den er vorgesehen war, fielen später den stalinistischen Verfolgungen zum Opfer. In Moskau lebten bereits Brandts Geschwister Richard und Lili. Der Bruder kam im Terror um, die Schwester wurde für siebzehn Jahre nach Sibirien verbannt Brandt selbst wurde 1935 in Berlin zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, danach verschleppte man ihn in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Auschwitz. Hier beteiligte er sich an einer Dokumentation über die Todesfabrik, die von den Häftlingen erstellt, aus dem Lager geschmuggelt und über einen Sender der polnischen Widerstandsbewegung aus Krakau nach London gefunkt wurde. 1945 überlebt er den „Todesmarsch“ von Auschwitz nach Buchenwald, wo sich die Häftlinge im Angesicht amerikanischer Truppen befreiten. Im Sommer 1945 kehrte Brandt nach Berlin zurück und trat erneut in die KPD ein. Er arbeitete als Angestellter des Magistrats von Groß-Berlin und für den Hauptausschuss „Opfer des Faschismus“. Politisch dominierte die KPD diese Einrichtungen. An der Einstufung als „Kämpfer gegen den Faschismus“ oder „Opfer des Faschismus“ entzündete sich ein Streit, in dem Brandt gegen diese von der KPD vorgenommene Unterscheidung auftrat. Er erklärte im Oktober 1945 in Leipzig: „Es ist unmöglich, einerseits eine Aufklärungspolitik im deutschen Volk zu betreiben, die das verbrecherische Wesen der Nazi-Ideologie gerade auch an der Vernichtungspolitik gegenüber den Juden klarmachen will, während man andererseits erklärt, die Juden als Opfer des Faschismus nicht anerkennen zu wollen.“ 1946 zwang die KPD mit Hilfe der Besatzungsmacht die SPD in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zur Fusion in die „Sozialistische Einheitspartei Deutschlands“ (SED), deren Mitglied Brandt wurde. Mit dem Argument „Heinz, Du bist doch kein Stalinist“, versuchte Brandts Freund Siggi Neumann ihn davon zu überzeugen, diesen Schritt nicht zu tun, sondern sich im Westen der SPD anzuschließen. Brandt lehnte ab, blieb aber wie schon einmal 1933/34 mit Neumann in Verbindung, um ihn über die Vorgänge im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands zu unterrichten. Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs war Neumann Leiter des „Ostbüros“ beim Parteivorstand der SPD, das aus dem Westen Verbindungen zu Sozialdemokraten in und außerhalb der SED in der SBZ aufrechterhielt. Das SPD-Ostbüro wurde von den Kommunisten als geheimdienstliche Organisation eingestuft. 1952 wurde Brandt Mitglied des Sekretariats der SED-Landesleitung Berlin. In dieser Funktion erlebte er, wie kurz vor dem Tod Stalins die Kaderakten von SED-Funktionären jüdischer Herkunft eingesammelt wurden. Er hoffte mit anderen auf den „Neuen Kurs“, den die KPdSU Anfang Juni der SED verordnete, um die Lage in der DDR angesichts hoher Flüchtlingszahlen zu stabilisieren. Als verantwortlicher Sekretär für Agitation und Propaganda wurde er am 16. Juni mit einem Streik der Bauarbeiter in der Stalinallee konfrontiert, der sich gegen eine Normerhöhung richtete, die die Arbeiter als Lohnsenkung zu spüren bekamen. Brandt initiierte einen Antrag der Berliner Bezirksleitung an das Politbüro der SED, die Normerhöhungen sofort rückgängig zu machen. Das Politbüro folgte dem Antrag, aber es war zu spät, um die Bewegung zu stoppen, die über Nacht die gesamte DDR erfasste. In über 700 Städten und Gemeinden kam es zu Streiks und Demonstrationen, an denen sich etwa eine Million Menschen beteiligten. Mit der Forderung nach geheimen Wahlen, dem Sturz der Regierung sowie der deutschen Einheit stellte die Volksbewegung die Machtfrage, die nur durch das direkte Eingreifen der sowjetischen Besatzungsmacht zugunsten der SED entschieden wurde. Brandt wurde am 17. Juni in den Berliner Großbetrieb Bergmann-Borsig geschickt, um auf die Arbeiter einzuwirken. Das tat er, aber entgegen der Linie der Partei: Er solidarisierte sich mit den Streikenden und initiierte die Wahl eines Betriebsausschusses. Damit war seine Karriere als Parteifunktionär beendet. Über den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 urteilte Brandt später im Westen: „Der 17. Juni hatte vor aller Welt offenbart, dass die SED keine Basis im Volk hatte, sich nicht ohne den bewaffneten Schutz der Sowjettruppen an der Macht halten konnte. Er hatte gezeigt, dass die Partei hohl war: Sie barst, als das Volk sich erhob.“ Nach der auf dem XX. Parteitag der KPdSU eingeleiteten (teilweisen) Entstalinisierung fuhr Brandt 1956 nach Moskau, um nach Bruder und Schwester zu suchen. Erst durch die dortigen Erzählungen begriff er, „dass Stalinismus ein Millionen-Mord-Regime gewesen ist, und nicht das, was ich vorher angenommen hatte“. Er brach mit der SED, floh 1958 in den Westen und wagte Wandel und Neuanfang als Journalist der Gewerkschaftszeitung „metall“. Am 16. Juni 1961 wurde er im amerikanischen Sektor von Berlin von Agenten des DDR-Staatssicherheitsdienstes gekidnappt und in die Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen im Ostteil der Stadt gebracht; die Mauer war noch nicht gebaut. Im Februar 1962 beschloss das SED-Politbüro, gegen Brandt und seine Mitangeklagten Karl Raddatz und Wilhelm Fickenscher eine Anklageschrift ausarbeiten zu lassen, in deren Mittelpunkt die vermeintliche Tätigkeit der Angeklagten für westliche Agentenorganisationen stehen sollte. In einem Geheimprozess vor dem Obersten Gericht der DDR wurde Brandt zu dreizehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Drei Jahre blieb er inhaftiert, bis eine internationale Solidaritätskampagne 1964 dazu führte, dass er aus der Haft entlassen wurde. Zu den Organisatoren der Kampagne gehörten der Deutsche Gewerkschaftsbund und Amnesty International. Auch nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik blieb Brandt ein Streiter im Kampf um seinen Traum für eine gerechte Welt. Er blieb solidarisch mit allen Bewegungen gegen den sowjetischen Kommunismus, sei es der *Prager Frühling 1968, die *Solidarność in Polen oder die Opposition in der DDR. Heinz Brandt starb 1986 in Frankfurt am Main.Manfred Wilke Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Brandt, Horst E.

* 17.1.1923 – ✝ 22.8.2009

Geb. in Berlin; Eltern Arbeiter; Ausbildung zum Feinmechaniker; 1947 Kameraassistent im DEFA-Studio für Spielfilme; SED; seit 1955 selbst. Kameramann, u. a. 1955 »Ernst Thälmann – Führer seiner Kl.« (mit Karl Plintzner) u. 1961 »Gewissen in Aufruhr« (5 Teile, TV); 1966 Debüt als Regisseur »Irrlicht u. Feuer« (2 Teile, TV, gem. mit Heinz Thiel); 1966 NP; seine weiteren Filme behandeln vorw. pol. Themen: 1967 »Brot u. Rosen«, eine Arbeiterbiogr. zu Ehren des VII. Parteitags der SED, 1968 »Heroin«, 1969 »Krupp u. Krause/Krause u. Krupp« (5 Teile, TV, alle gem. mit Heinz Thiel); 1969 u. 1971 NP; 1971 »KLK an PTX – Die Rote Kapelle« über die Widerstandsgr. Schulze-Boysen/Harnack, 1973 »Eva u. Adam« (4 Teile, TV), 1975 »Zwischen Nacht u. Tag« über  Erich Weinert, 1977 »Brandstellen« (nach Franz Josef Degenhardt), 1981 »Die Kolonie« über Schlupfwinkel dt. Altnazis in Südamerika, 1982 »Familienbande«, 1984 »Der Lude« über Horst Wessel, 1986 »Der Hut des Brigadiers«, 1989 »Die Beteiligten«; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin).»Halbnah – Nah – Total« – Erinnerungen. Berlin 2003; Wir, die Bildermacher. Berlin 2007.Ralf Schenk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brandt, Rudolf

* 13.9.1905 – ✝ 13.6.1988

Geboren am 13. September 1905 in Oberhone/Bezirk Kassel, Sohn eines Gastwirts. 1912 Übersiedlung der Eltern nach Posen. 1919 Mitglied der SAJ, 1924 des KJVD. 1920 bis 1923 Lehre als Drucker, anschließend Wanderschaft, Tiefbauarbeiter, Hilfsdrucker, Metallhilfsarbeiter. 1924 wurde er Mitglied der KPD, zwei Jahre später bereits Leiter der Gewerkschaftsabteilung der KPD-BL Hessen-Waldeck und Lokalredakteur an der »Arbeiterzeitung«, 1927/28 Orgsekretär der BL unter Ernst Lohagen. 1928 bis 1930 politischer Redakteur an der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig, der »Tribüne« in Magdeburg und der »Arbeiter-Zeitung« in Breslau. Wegen eines Hochverratsverfahrens lebte Brandt bereits 1931 illegal, arbeitete unter falschen Namen bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und wurde Ende 1931 Agitpropleiter in der Reichsleitung der Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus. Er war verantwortlicher Redakteur der »Fanfare« und des Funktionärsorgans »Sturmbanner«. Ab Februar 1933 im Widerstand gegen das NS-Regime, wurde er im Oktober 1933 verhaftet und im Dezember 1934 durch das Kammergericht Berlin zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus Luckau zunächst noch »Schutzhaft« im KZ Lichtenburg. Er arbeitete dann bei Telefunken in Berlin-Zehlendorf und beteiligte sich am Widerstand. 1945 wieder Mitglied der KPD/SED, war zunächst Direktor bei der Firma Telefunken. Ende der vierziger Jahre dann Chefredakteur der Ostberliner Zeitung »Die Wirtschaft«. Brandt geriet Anfang der fünfziger Jahre in die stalinistischen Säuberungen, einer Verhaftung entzog er sich durch Flucht in die Bundesrepublik. Er lebte hier als freier Journalist und Referent und schrieb u. a. für die Zeitschriften »Der Monat« und »Das Parlament«. Rudolf Brandt starb am 13. Juni 1988 in Rommerskirchen.