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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Böttcher, Jürgen

* 8.7.1931

Geb. in Frankenberg (Sachsen); aufgew. in Strahwalde (Oberlausitz). 1949 – 53 Studium der Malerei an der HS für bildende Künste Dresden, 1951 – 53 bei  Wilhelm Lachnit; 1953 – 55 freischaff. in Dresden; Lehrer an der VHS in Dresden; an seinen Zeichenkursen nahmen u. a.  A. R. Penck, Peter Graf u. Peter Herrmann teil; 1955 – 60 Regiestudium an der HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; 1960 – 91 Regisseur im DEFA-Studio für Dok.-Filme Berlin; 1975 erste Personalausstellung Ateliergemeinschaft Erfurt, in den nächsten Jahren Ausstellungen in Berlin, Dresden u. Karl-Marx-Stadt; 1974 Kunstpreis der DDR; 1975 Kunstpreis des FDGB; 1979 NP; Filmretrospektiven 1986 in Paris (Centre Pompidou), 1988 Edinburgh 42nd Internat. Filmfestival, 1989 Frankfurt (Main), Filmmuseum; 1989 Mitgl. der AdK (West). Als Regisseur genauer Beobachter des Unspektakulären u. Alltägl., Thema ist der arbeitende Mensch; 2001 Verdienstkreuz 1. Kl.; 2006 Berlinale Kamera-Preis. Filme: Drei von vielen (1961, verboten), Ofenbauer (1962), Stars (1963), Barfuß u. ohne Hut (1964), Jahrgang 45 (1965, 1966 verboten), Der Sekretär (1967), Wäscherinnen (1972), Martha (1978), Potters Stier/Venus nach Giorgione/Frau am Klavichord (1981), Rangierer (1984), Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner (1984), Die Küche (1987), In Georgien (1987), Die Mauer (1990); Konzert im Freien (2001).Muschter, G.: Strawalde. In: Sybille (1989) 3; Kat. Strawalde. Festspielgalerie. Berlin 1990; Kat. Strawalde. Galerie im Kabinett. Berlin 1992; Gebrochene Glut (Film, 2005); Joch P. (Hrsg.): St. – Bilder bis heute. Kat. Darmstadt 2007.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Böttcher, Ursula

* 6.6.1927 – ✝ 3.3.2010

Geb. in Dresden; Volksschule; Fabrikarb. 1952 Putzfrau beim Zirkus Busch; 1955 bei Zirkus Barlay erste Auftritte mit Löwengr., Vorführungen von Raubtiergr. (Lehrer: Gaston Bosman), ab 1960 beim Staatszirkus der DDR (seit 1991 Berliner Circus Union), seit 1964 internat. einmalige Eisbärendressur (bis zu 12 Tiere), in die sie junge Tiere einarbeitete (bis 1990 mit Partner Manfred Horn); zahlr. Gastspiele im Ausland, u. a. in Japan u. fünf Jahre in den USA; 1976 Auszeichnung mit dem Circus-Oscar in Spanien u. 1983 mit dem Price Nice-Martin beim 9. Internat. Circusfestival Monte Carlo; 1980 NP; 1999 Entlassung u. Auflösung der Dressur durch den Liquidator der Berliner Circus Union; die Tiere wurden an mehrere Zoos abgegeben. Gest. in Dresden.Winkler, G. u. D.: Biogr. In: Die große Raubtierschau. Berlin 1978; Blütchen, S.: Kleine Frau, bärenstark. Berlin 1999.Dietmar Winkler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bottländer, Theodor

* 18.11.1904

Geboren am 18. November 1904 in Schwartau bei Lübeck; Kesselschmied, schloß sich 1921 dem KJVD und 1926 der KPD an. Wegen Teilnahme an Sprengstoffanschlägen in Osnabrück und Einbeck flüchtete er in die Sowjetunion, arbeitete zunächst in Leningrad und war ab Frühjahr 1925 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Im Sommer 1926 kehrte Bottländer nach Deutschland zurück, wurde verhaftet und im Dezember 1927 vom Reichsgerichts wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Zuge der Reichsamnestie vom Sommer 1928 entlassen, wirkte er ab 1928 als Ressortleiter Reichswehr in der AM-Abteilung des ZK der KPD. Er löste hier Arthur Heimburger ab, der als Rechter aus dem Apparat ausschied. 1929/30 absolvierte Bottländer unter dem Decknamen Fritz u. a. mit Hermann Dünow die M-Schule der Komintern in Moskau. Nach seiner Rückkehr arbeitete er erneut im AM-Apparat der KPD, wo er die Zersetzungsarbeit in der Schutzpolizei und der Reichswehr leitete. Von 1931 bis Mitte 1933 war er für das Ressort Faschistische Organisationen zuständig und wurde von Hans Kippenberger 1932 als Leiter des »Aufbruch-Arbeits-Kreises« eingesetzt (Deckname Arthur). Im März 1933 kurzzeitig inhaftiert, wurde er nach der Verhaftung Ernst Thälmanns mit der Sondierung von Befreiungsaktionen beauftragt, fuhr im Auftrage von Kippenberger in die Niederlande und untersuchte die Herkunft van der Lubbes und seine Verbindung zu links- und rechtsgerichteten Kreisen. Im September 1933 verhaftet und am 15. Juni 1935 vom 1.Senat des VGH zu drei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Die weitere Rolle Bottländers ist umstritten. Vermutlich ist er nur zum Schein auf das Anerbieten der Gestapo eingegangen. Bottländer fuhr u. a. nach Paris, konnte aber keine Kontakte zum Sekretariat des ZK herstellen. In der Zeitschrift »Internationale« erschienen 1938 zwei Artikel, die vor Bottländer warnten. Nach Erinnerungen Hermann Dünows soll Theodor Bottländer angeblich 1945 in Berlin in britischer Uniform aufgetaucht sein. Andere Quellen berichten, daß er nach der Besetzung Frankreichs nach Kanada gegangen ist. Näheres war nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Brĕzan, Jurij

* 9.6.1916 – ✝ 12.3.2006

Geb. in Räckelwitz/sorb. Worklecy (Krs. Kamenz); Vater Steinbrucharb. u. Kleinbauer; ab 1928 Gymnasium in Bautzen; später Studium der Volkswirtschaft, 1936 relegiert; nach 1933 illeg. pol. Arbeit in der Domowina, Mitgl. einer sorb. Widerstandsgr., 1937/38 Emigr. in die ČSR u. nach Polen; nach Rückkehr verhaftet, 1938/39 Gefängnis in Dresden; anschl. in der Landw. tätig; 1942 – 45 Wehrmacht, amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 48 ltd. sorb. Jugendfunktionär in der Domowina; 1946 SED; ab 1949 freischaff. Schriftst.; 1951, 1964 u. 1976 NP; 1964 Dt. PEN-Zentrum Ost u. West; 1965 Mitgl. der DAK; 1969 – 89 Vizepräs. des SV; 1973 Lit.- u. Kunstpreis der Domowina; 1974 KMO; 1981 VVO. 1990 Dt. PEN-Zentrum (Ost); Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; gest. in Kamenz. B. gehörte als dt. schreibender sorb. Schriftst. zu den bedeutenden Erzählern der DDR, versuchte zwischen sorb. Traditionen u. der DDR-Realität zu vermitteln; Debüt mit Erzählungsb. »Auf dem Hain wächst Korn« 1951; Felix-Hanusch-Roman-Trilogie mit autobiogr. Zügen 1958 – 64; sein »Krabat«-Roman 1976, aus sorb. Mythol. gespeist, gehört zu den ersten Werken der DDR-Lit., die Gefahren der Technikentw. thematisierten; trug als Übersetzer u. Hrsg. zur Popularisierung auch älterer sorb. Lit. bei.Ges. Werke. 9 Bde. (in sorb. Sprache). Bautzen 1965 – 1980; Die schwarze Mühle. Berlin 1968; Ausgew. Werke in Einzelbänden. Berlin 1986 ff.; Mein Stück Zeit. Autobiogr. Berlin 1989 u. 1998; Die Leute von Salow. Leipzig 1997; Ohne Paß u. Zoll. Memoiren. Leipzig 1999. Scholze, D.: Zur Entfaltung des sorb. Dramas. Jakub Bart-Ćišinski – J. B. – Jurij Koch. In: Koschmal, W. (Hrsg.): Perspektiven sorb. Lit. Köln u. a. 1993; Scholze, D.: Der sorb. Romancier J. B. (1916 – 2006). In: Sinn u. Form (2006) 6.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Bramke, Werner

* 8.7.1938 – ✝ 24.1.2011

Geb. in Cottbus; Vater staatl. gepr. Landwirt, Mutter Hebamme; 1956 Abitur in Cottbus; 1956 – 90 SED; 1956/57 Unterstufenlehrer, 1957 – 62 Studium der Geschichte u. Germanistik an der PH Potsdam, 1962 – 69 Lehrer für Geschichte, Dt., Staatsbürgerkunde u. Latein; 1969 Prom. mit einer Arbeit über Kriegervereine in der Weimarer Rep.; 1969 – 72 wiss. Mitarb. am Militärhist. Inst. Potsdam; seit 1972 tätig an der Univ. Leipzig; 1976 Dr. sc. mit einer Arbeit über Traditionsbild u. Traditionspflege in der KPD; 1979 Berufung zum ord. Prof.; 1987 – 90 Dir. der Sekt. Geschichte, Gastprofessuren in Bielefeld u. Chapell Hill; 1987 – 90 Mitgl. des Rats für Geschichtswiss. 1992 Prof. alten Rechts an der Univ. Leipzig, 2003 em.; 1994 – 2003 als Parteiloser Mitgl. des Sächs. Landtages für die PDS, Vors. des Aussch. für Wiss. u. Hochschulen, Kultur u. Medien; gest. in Leipzig. B. legte Arbeiten zur Geschichte des Militarismus, zur KPD, zur Sozialgeschichte der Mittelschichten, zum Widerstand gegen die NS-Diktatur u. zur sächs. Landesgeschichte im 19./20. Jh. vor. Er zählte zu jenen ostdt. Hist., die vor 1989 die offiziellen SED-Geschichtsbilder vorsichtig differenzierten.Region u. Regionalität in der Sozialgeschichte des 20. Jh. Leipzig 1995 (Hrsg. mit U. Heß); Sachsen u. Mitteldtl. Weimar 1995 (Hrsg. mit U. Heß); Jb. zur sächs. Geschichte (Hrsg.); Freiräume u. Grenzen eines Hist. Leipzig 1998 (mit Bibl.); Die Krise der Demokratie. Erfahrungen aus einem ostdeutschen Landtag. Leipzig 2006.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Brandt, Helmut

* 16.7.1911 – ✝ 31.10.1998

Geb. in Berlin-Spandau; Abitur; 1929 – 36 Studium der Rechts- u. Staatswiss. sowie Nationalökon. an der Univ. Berlin; 1932 Dipl.-Volkswirt; Prom. zum Dr. rer. pol. u. Dr. jur.; als Assessor Ref. für internat. Wirtschaftsrecht am Kaiser-Wilhelm-Inst. für ausländ. Recht u. Völkerrecht; seit 1938 als Rechtsanwalt tätig; im 2. Weltkrieg zeitw. Wehrmacht. 1945 Lehrauftrag für Völkerrecht u. Öffentl. Recht an der Univ. Berlin; Mitbegr. der CDU Berlin; 1946 – 48 Abg. der Berliner Stadtverordnetenvers.; 1948/49 koopt. Mitgl. des Verfassungsaussch. im Dt. Volksrat; 1949/50 Staatssekr. im Min. der Justiz; 1950 Verhaftung im Zusammenhang mit den Waldheimer Prozessen, wegen »staatsfeindl. Arbeit« zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, später auf acht Jahre reduziert; Haft in Berlin, Brandenb. u. Bautzen; 1958 entlassen u. wegen »Republikflucht« erneut verhaftet; in Frankfurt (Oder) zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in Bautzen; 1964 Freikauf u. Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; lebte im Rheinl.; Mitgl. der CDU, später der CSU; gest. in Königswinter (b. Bonn).Die Durchbrechung der Meistbegünstigung. Berlin 1933; Übersichtliches Devisenrecht. Berlin 1936 (zus. mit F. Kaiser). Wentker, H.: H. B. In: Fricke, K.-W. u. a. (Hrsg.): Opposition u. Widerstand in der DDR. Politsiche Lebensbilder. München 2002.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brandt, (Max) Karl

* 16.9.1891 – ✝ 1957

Geboren am 16. September 1891 in Langensalza als Sohn der Fabrikarbeiterin Minna Wode, der Vater Otto Brandt heiratete die Mutter 1893. Max Karl Brandt lernte Möbeltischler und übersiedelte nach Hannover. Er trat 1911 der SPD bei und war während des Krieges in der Spartakusgruppe aktiv, die er in Hannover begründete. 1920 hielt er sich in Schlesien auf und wurde auf den Parteitagen der KPD 1920 in den Zentralausschuß gewählt. Nach Hannover zurückgekehrt, wurde Brandt 1921 Sekretär der KPD, 1923 in der BL Sekretär für Gewerkschaftsfragen. Ende 1923 als Rechter entlassen, blieb er in der KPD zunächst Redakteur und wurde deswegen im März 1925 zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Brandt machte den ultralinken Kurs ab Ende 1928 nicht mit, trennte sich 1929 von der KPD und trat politisch nicht mehr hervor. Karl Brandt starb 1957 in Hannover.

Wer war wer in DDR

Brasch, Peter

* 18.9.1955 – ✝ 28.6.2001

Geb. in Cottbus; Vater SED-Funktionär  Horst B., Bruder Schriftsteller  Thomas B.; 1974 Abitur in Berlin, anschl. Studium der Pädagogik u. später der Germanistik in Leipzig, 1976 Exmatrikulation aus pol. Gründen; 1977 Arbeit als Packer u. Buchhändler in Leipzig, Ltr. eines Zirkels schreibender Kinder u. Studenten; 1978 Rückkehr nach Berlin, Hilfsarbeiter, Kleindarsteller u. Regieassistent beim Rundfunk der DDR; 1980 Theaterarbeit mit Kindern in Kulturhäusern; 1980 – 89 zahlr. Hörspiele u. Schallplattentexte für Kinder; 1982 Inszenierung von Molières »Tartuffe« am Theater Anklam; 1984 Zusammenstellung u. Inszenierung der Lesung »Mein allerliebster Freund. Dt. Briefe« am Dt. Theater Berlin; 1985 Stud. am Literaturinst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; Übersetzung von Trevor Griffiths »Comedians«; 1986 – 89 Regisseur u. Dramaturg beim Rundfunk; Regiearbeiten bei Dt. Schallplatten Litera; 1988 Übersetzung von Michail Schatrows »Diktatur des Gewissens« (mit Andrea Czesienski), Übersetzerpreis des Min. für Kultur der DDR; 1989 Inszenierung des eigenen Werks »Santerre« im Studio des Renaissance Theaters Berlin u. von Michael Peschkes »Hauptbahnhof« am Städt. Theater Karl-Marx-Stadt; 1990 Inszenierung von Herbert Achternbuschs »Auf verlorenem Posten« (zus. mit Hermann Treusch) an der Freien Volksbühne Berlin, Mitbegr. der Kulturinitiative Förderband. 1991 Stipendiat des Französ. Kulturinst. am Théâtre Nationale Populaire in Paris, Hospitant bei Roger Planchon, Inszenierung des Stücks »Rudimentär« von August Stramm am Grips Theater Berlin; 1991 Publ. des ersten Bds. mit eigenen Prosatexten, Gedichten u. Stücken »Erinnerung an Morgen«; 1992 Auswahl u. Nachwort zu »August Stramm«, Inszenierung der Stücke »Savannah Bay« von Marguerite Duras am Theater Leipzig u. »Der Geizhals« von Molière am Neuen Theater Halle; 1998 Stadtschreiber in Rheinsberg, längerer Aufenthalt in Portugal, Vertretungsdoz. für Diktion an der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin, Doz. an der Schreibwerkstatt für Junge Autoren in Berlin, Inszenierung des Stücks »Der Menschenhasser« von Molière/P. B. am Neuen Theater Halle, Uraufführung der Übersetzung u. Bearbeitung von Molières »Le Misanthrope« – »Der Menschenhasser«; 1999 Debüt-Roman »Schön hausen«, Inszenierung des Stücks »Restwärme« von Eugen Ruge am Landestheater Sachsen Radebeul; 2000 freier Doz. für Verslehre u. Rhetorik am Inst. für Schauspielregie der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin; 2001 Inszenierung des Stücks »Wenn der Postmann nicht mehr klingelt« von August Stramm/P. B. am Theater der Stadt Brandenb.; gest. in Berlin.Status Quo. Essays, Skizzen u. Portraits. Aus dem Nachlass hrsg. von P. Böhtig u. P. Schramm. Berlin 2002.Martina Hanf

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brassat, Rudolf

* 31.7.1905 – ✝ 26.2.1983

Geboren am 31. Juli 1905 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosser, 1919 Mitglied der FSJ, 1924 der KPD. Zunächst ehrenamtliche Arbeit, ab 1931 Polleiter der RGO Thüringen und Instrukteur bzw. Referent des ZK für Süddeutschland. 1933 illegal in Berlin aktiv, u. a. verantwortlich für den KPD-UB Berlin-Nord. Am 13. Juni 1933 festgenommen, wurde Brassat vom VGH gemeinsam mit Karl Olbrysch am 20.November 1934 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Freilassung im Oktober 1936 ungelernter Arbeiter bei der Deutschen Fernkabel Gesellschaft Berlin. Mitte Februar 1943 zum Strafbataillon 999 eingezogen, war er 1945/46 in britischer Kriegsgefangenschaft in Ägypten und besuchte dann einen Antifa-Lehrgang in Wilton-Park bei London. Ende 1946 Rückkehr nach Deutschland. Als Mitglied der SED Referent im FDGB-Bundesvorstand bzw. kurzzeitig Redakteur beim »Neuen Deutschland«, anschließend Referent in der Orgabteilung im ZS der SED. Brassat mußte 1951 wegen »Westemigration« aus dem Apparat des ZK ausscheiden, wurde Kulturdirektor in Potsdam-Babelsberg, anschließend Werkdirektor im IFA-Motorenwerk Zschopau. 1952 und 1953 wegen »ungesetzlicher Verwendung von Betriebsgeldern« inhaftiert, 1954 auch aus der SED ausgeschlossen, im August 1956 jedoch wieder aufgenommen. Inzwischen als Abteilungsleiter im VEB Bremsenwerk in Ost-Berlin tätig, geriet er wegen seiner scharfen Kritik an der fehlenden Entstalinisierung und am Führungsstil Walter Ulbrichts und Hermann Materns ins Visier von ZPKK und MfS und wurde 1958 erneut aus der SED ausgeschlossen. Rudolf Brassat starb am 26. Februar 1983 in Bad Liebenstein. Ulrich Mählert veröffentlichte 2005 im Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung eine biographische Skizze über Rudolf Brassat.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Brauer, Karl

* 6.6.1909 – ✝ 27.3.1982

Geb. in Unterteutschenthal (Halle); Vater Friseur, Mutter Waschfrau; Volksschule; 1924 Mitgl. des KJVD; 1924 – 28 Ausbildung zum Kfm. in Halle; 1925 KPD, ab 1928 Mitgl. der IAH, RH u. RGO; 1928 – 32 Kassierer der KJVD-BL Halle-Merseburg; 1928 – 31 Lagerist der Konsum-Genossenschaft in Halle-Merseburg; 1931/32 arbeitslos; 1932/33 Angest. des ZK des KJVD in Berlin; 1933 illeg. pol. Arbeit, Kassierer der KJVD-BL Berlin; Aug. 1933 in Berlin verhaftet, wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Brandenb.; 1936 Emigr. nach Prag, kurzz. verhaftet, zur Jugendarbeit wieder nach Dtl. geschickt; 1936/37 Seifenvertreter in Halle, illeg. pol. Arbeit mit Kurt Möbius u.  Robert Mühlpforte; 1937 verhaftet, 1937/38 U-Haft in Halle, 1938 vom VGH angeklagt wegen »Vorber. zum Hochverrat«, freigesprochen; dennoch 1938 – 42 Haft im KZ Buchenwald, 1942 – 45 Arbeitsersatzlager Watenstedt. 1945/46 KPD/SED u. Funktionär in Halle; 1946 – 50 Ltr. der Abt. Parteikasse des SED-LV Sachsen-Anh.; 1950 LPS Sachsen-Anh.; 1950 – 79 stellv. Ltr. der Abt. Finanzverw. u. Parteibetriebe, Ltr. Sektor Haupt- bzw. Parteikasse; 1954 – 76 Vors. der Finanz-Kontrollkommission der FIR; 1954 Mitgl. der ZL des KdAW; 1954 – 59 Fernstudium an der HfÖ Berlin, 1959 Dipl.-Wirtsch.; 1958 Medaille Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 Banner der Arbeit; Mitgl. der Revisionskommission der ZPO des ZK der SED; 1965 Medaille der Kämpfer u. Partisanen der ČSR; 1969 VVO; Verdienstmedaille der Organe des MdI; 1974 Ehrenspange zum VVO; 1979 Rentner; 1979 KMO; Mitgl. der Zentr. Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitgl.; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Braun, Johannes

* 28.10.1919 – ✝ 17.7.2004

Geb. in Dortmund; Theol.-Studium in Paderborn, unterbrochen durch Wehrmacht. 1948 Priesterweihe in Paderborn, Übersiedl. in die SBZ; 1948 – 52 Vikar in Magdeburg; 1952 – 70 Aufbau u. Ltg. des Spätberufenenseminars »Norbertuswerk« für kath. Priesteramtskand. in Magdeburg; nach heftigen innerkirchl. Protesten am 3.3.1970 Ernennung zum Adjutorbischof in Magdeburg, Juli 1970 Bischöfl. Kommissarius in Magdeburg (Nachf. von  Friedrich Maria Rintelen); 1971 – 90 Protektor des Bischöfl. Werkes »Not in der Welt«, 1973 – 90 Apostol. Administrator in Magdeburg; Inspirator kirchl. Bautätigkeit u. Heiligenverehrung; 1988 vatikan. Visitation wegen »Mängeln in der bischöfl. Amtsführung«; 20.9.1989 Unterzeichner des einzigen kath. Hirtenbriefes in der DDR mit Infragestellung des SED-Machtmonopols; 12.2.1990 Amtsverzicht u. Versetzung in den Ruhestand durch den Vatikan, März 1990 Übersiedl. nach Paderborn; dort gest.Volk u. Kirche in der Dämmerung. Leipzig 1992; Im Schatten des Staatssicherheitsdienstes der DDR (1981 – 90). Duderstadt 1997.Bernd Schäfer

Handbuch Deutsche Kommunisten

Braun, Gertrud

* 19.4.1907 – ✝ 6.5.1976

Geboren am 19. April 1907 in Ostrowo/Provinz Posen, Tochter eines Kaufmanns. 1918 Übersiedlung nach Breslau, besuchte das Gymnasium, ab 1927 Studium der Philologie an der Universität Breslau. Eintritt in die SAJ, ab 1927 Mitglied des KJVD und der KPD. Von Ernst Wollweber als internationaler Kurier für die 4.Abteilung des sowjetischen militärischen Nachrichtendienstes geworben, zog sie 1928 nach Berlin. Ende 1928 Heirat mit Jan Basson (*1897), einem Mitarbeiter der GRU, mit dem sie 1930 nach Moskau übersiedelte. Zunächst in der Transportarbeitersektion der RGI beschäftigt, folgte sie ihrem Mann Anfang 1931 und unterstützte ihn bei seiner nachrichtendienstlichen Arbeit in Österreich. Gertrud Braun wurde im Dezember 1931 in Wien verhaftet, hochschwanger Anfang 1932 aus Österreich ausgewiesen. Sie kehrte im Mai 1932 über Breslau in die Sowjetunion zurück und begann am Marx-Engels-Lenin-Institut unter Karl Schmidt zu arbeiten. Wegen angeblicher »Herabwürdigung Stalins« erhielt sie eine Parteistrafe und wurde zur Bewährung in die Produktion geschickt, später Korrespondentin der DZZ. Am 2. Dezember 1937 wurde ihr Mann Jan Basson vom NKWD verhaftet und später erschossen. Gertrud Braun wurde am 15. April 1938 durch das NKWD verhaftet und zu acht Jahren Lager verurteilt. Sie kam nach Karaganda, war dort als Deutsch- und Englischlehrerin tätig. Seit Juni 1956 in der DDR, im Oktober 1956 durch die ZPKK nichtöffentlich »rehabilitiert«. Sie wurde Hochschullehrerin am Pädagogischen Institut für Fremdsprachen in Leipzig. Gertrud Braun starb am 6. Mai 1976 in Leipzig.

Wer war wer in DDR

Böttcher, Manfred

* 14.3.1928

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1944 – 46 Finanzanwärter beim Finanzamt Leipzig-Ost. 1946 – 50 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Jurist; 1946 – 48 LDPD, 1948 FDJ, 1950 Kand., 1954 Mitgl. der SED; 1950/51 Hauptsachbearb. beim Zentralen Finanzamt Leipzig, 1951 – 57 Hauptreferent beim Min. der Finanzen, 1958 wiss. Aspirant an der HU Berlin, 1957 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1957 – 68 Red. bzw. später stellv. Chefred. im Verlag »Die Wirtschaft« u. der Ztschr. »Die Wirtschaft«, 1968/69 Abt.-Ltr. im Min. für Wiss. u. Technik, 1969 – 71 stellv. Dir. der Akad. der Marxist. Leninist. Organisationswiss.; 1971 – 73 Ltr. des Arbeitsstabes X. Weltfestspiele beim DEWAG-Betrieb Werbung, Projektierung u. Werbebau Leipzig, 1973 Stellv. des GD, 1974 – 90 GD der DEWAG (Nachf. von  Ulrich Osche).Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böttge, Bruno

* 29.8.1891 – ✝ 7.1.1967

Geboren am 29. August 1891 in Halle/Saale, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosser. 1908 Mitglied der Arbeiterjugend und der SPD in Bernburg. Von 1911 bis 1917 zum Militärdienst bei der Marine eingezogen, wurde er 1917 wegen »Zersetzung der kaiserlichen Armee« zu drei Jahren Festungshaft verurteilt. Nach der Revolution im November 1918 Entlassung und Rückkehr nach Bernburg, wo er den USPD-Kreisverband Bernburg führte und Stadtverordneter war. Als Vertreter der Linken in der USPD plädierte er für die Annahme der 21 Bedingungen der KI. Auf dem Vereinigungsparteitag von KPD und USPD-Linke zur VKPD 1920 in Berlin wurde er für den Bezirk Magdeburg-Anhalt in den ZA gewählt. Von 1920 bis 1922 vertrat er die USPD bzw. die VKPD als Abgeordneter im Anhaltinischen Landtag. 1922 trennte sich Böttge von der KPD und wurde erneut Mitglied der SPD. 1923/24 Lokalredakteur der sozialdemokratischen »Mansfelder Volkszeitung« und anschließend UB-Sekretär der SPD in Eisleben, war er dann von 1924 bis 1933 Bürgermeister in Teutschenreuth bei Halle. Er wurde im Februar 1933 verhaftet und im KZ Lichtenburg schwer mißhandelt. 1934 freigelassen, von 1935 bis 1940 Handelsvertreter und von 1940 bis 1945 zur Luftschutzpolizei eingezogen, leistete Böttge Widerstand gegen die NS-Diktatur. Im Juni 1945 wurde er Bezirksleiter, später Provinzialsekretär der SPD für Sachsen-Anhalt. Er war für die Vereinigung mit der KPD und war von 1946 bis 1948 Mitglied des SED-Parteivorstands. Gemeinsam mit Bernhard Koenen war Böttge Vorsitzender der SED in Sachsen-Anhalt und ab Herbst 1946 Abgeordneter und Präsident des Landtages Sachsen-Anhalt. Im Spätsommer 1948 geriet er in die beginnenden Parteisäuberungen der SED. Wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von Parteifinanzen (er soll frühere SPD-Gelder nicht der Einheitspartei zugeführt, sondern für Schulungen verwendet haben) unter Druck gesetzt, legte Böttge seine Funktion als SED-Landesvorsitzender von Sachsen-Anhalt und am 20.September 1948 auch als Parteivorstandsmitglied nieder. Eine Woche später erfolgte seine Demission als Landtagspräsident. 1949 wegen »Unterschlagung« aus der SED ausgeschlossen, wurde Böttge im März 1954 verhaftet und am 14. Mai 1955 vom Bezirksgericht Halle/S. zu acht Jahren Gefängnis wegen »Vergehens gegen die Kontrollratsdirektive 38« verurteilt. Er war bis zu seiner Begnadigung im April 1956 in der Strafvollzugsanstalt Naumburg inhaftiert. Böttge wurde später wieder in die SED aufgenommen und danach Instrukteur der Abteilung Feriendienst des FDGB-Bezirksvorstand Rostock. Bruno Böttge starb am 7.Januar 1967.

Wer war wer in DDR

Boulanger, Jakob

* 8.1.1897 – ✝ 16.3.1968

Geb. in Köln; Vater Schuhmacher; Volksschule; 1912 – 15 Ausbildung zum Kunstschmied; 1915 Mitgl. des DMV; 1916 – 18 Militärdienst; 1917 an Verbrüderungsakt. mit russ. Soldaten beteiligt; Nov. 1918 USPD, dann Spartakusbund in Nürnberg, 1920 VKPD; Betriebsratsvors.; 1923 Teiln. an bewaffneten Kämpfen gegen Separatisten im Rheinl.; 1924/25 Besuch der »Spezialschule«/ M-Schule in Moskau, Teiln. am 2. Lehrgang zur Ausbildung von Militärkadern für den »bewaffneten Aufstand« (zus. mit  Richard Stahlmann, Gustav König, Klaus Überbrück u. a.); 1925 Schmied in einem Moskauer Apparatewerk; 1926 – 33 hauptamtl. KPD-Funktionär in Köln u. Mitarb. im M-Apparat; ab 1927 RFB-Gaultr. Mittelrhein u. Org.-Sekr. des KPD-UB Mittelrhein; 1927 – 33 Pol.-Ltr. der KPD-BL Nordbayern; 1932 / 33 Abg. der KPD im bayr. Landtag; ab 1933 illeg. pol. Arbeit, kurzz. Pol.-Ltr. in Thür. (»Ewald Rüdiger«); Juli 1933 verhaftet u. 1935 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; 1935 u. 1946 Haft im Zuchthaus Amberg (Bayern), 1936 – 39 KZ Dachau (Einzelhaft), 1939 –42 KZ Buchenwald (Einzelhaft) u. 1942 – 45 KZ Mauthausen, dort Mitgl. der illeg. KPD-Lagerltg. u. stellv. Ltr. des Hauptmagazins; Teiln. am bewaffneten Häflingsaufstand. 1945 Mitaufbau der KPÖ in Wien, Kurier zwischen KPD u. KPÖ; ab 1945 Mitgl. im Aussch. für Wirtschaftsfragen der KPD in Berlin; 1946/47 Vizepräs. der Dt. ZV für Industrie (DZVI), gerügt; Nov. 1947 Absetzung wg. »grober Verfehlung in seinem persönl. Verhalten im Amte«; 1948/49 Kulturdir., dann Dir. des Stahl- u. Walzwerk Hennigsdorf; 1949 – 51 Kulturdir., später Werkltr. des VEB Lowa Lokomotivbau »Karl-Marx« Babelsberg, SED-Betriebsgr. fordert erfolgr. seine Ablösung; 1950 KPS; 1951 – 56 Werkltr. im VEB Straßenbahn- u. Waggonreparatur Berlin-Johannisthal; 1956 Ing.-Examen; 1956 – 63 GD des VEH DIA bzw. AHB Invest-Export; 1957 VVO; danach Mitarb. im FDGB-BV; 1965 Medaille für vorbildlichen Grenzdienst; 1967 VVO; gest. in Berlin.Eine Ziffer über dem Herzen. Erlebnisbericht aus 12 Jahren Haft. Aufgezeichn. von M. Tschesno-Hell. Berlin 1957.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Braband, Jutta (Judith)

* 13.3.1949

Geb. in Barth, aufgew. in Stralsund; Vater Bauing., Mutter Polizeioffz; 1965 – 67 Berufsausbildung zum Industriekfm.; 1967 Abitur an der VHS, anschl. Sachbearb. in einem Stralsunder, dann Berliner Betrieb; 1967 SED; 1969 Studienbeginn an der FS für Außenwirtschaft in Berlin, 1972 Exmatrikulation aus pol. Gründen unter dem Vorwand mangelnder Studienintensität, 1972 – 75 »Bewährung in der Prod.« als Sachbearb., später wiss. Mitarb. in einem Berliner Betrieb; 1975 externer Studienabschl.; 1971 – 75 vom MfS als IM erf., selbst beendet, Sept. 1991 freiw. offengelegt; 1975 autodidakt. Ausbildung u. freiberufl. Tätigkeit als Textil- u. Modedesignerin; seit 1975 Kontakte zu opp. Gruppen, 1979 Austritt aus der SED; Verhaftung nach einer Unterschriftensammlung gegen den Ausschl. krit. Autoren aus dem SV, April 1980 Verurteilung zu neun Mon. Freiheitsstrafe wegen »ungesetzlicher Verbindungsaufnahme« zum Soz. Osteuropakomitee u. zur Initiative gegen Berufsverbote in beiden Teilen Dtl.; 1982 Mitgl. des VBK; Dez. 1989 Mitgl. der Vereinigten Linken (VL) u. des Unabh. Frauenverb. (UFV), erste Geschäftsf. (bis März 1990) u. Vertreterin der VL am Zentr. u. am Berliner Runden Tisch. Dez. 1990 – April 1992 Abg. des Dt. Bundestags, auf der Liste der PDS, das Mandat infolge der Diskussion um ihre frühere Tätigkeit für das MfS zurückgegeben; seit 1993 Mitgl., 1997 – 2003 Vors. des Kuratoriums der Stiftung Haus der Demokratie; 1994 – 95 als Kleidermacherin tätig; seit 1995 Geschäftsf. des Kunstvereins »Acud« in Berlin; 2002 Wechsel des Vornamens zu Judith.Silvia Müller

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Brandler, Heinrich

* 3.7.1881 – ✝ 26.9.1967

Geboren am 3. Juli 1881 in Warnsdorf/Böhmen. Sein Vater, Joseph Brandler, der zur Zeit des Sozialistengesetzes verbotene Literatur geschmuggelt hatte und die örtliche Maurer-Gewerkschaft begründete, starb, als Brandler neun Jahre alt war. Brandler erlernte das Maurerhandwerk und arbeitete als Fliesenleger, er wurde bereits mit 16 Jahren Schriftführer des Bauarbeiterverbandes. Drei Jahre lang durchwanderte er Europa bis nach Italien. 1901 kam er nach Hamburg, wurde Mitglied der SPD und Vorsitzender des Arbeiterbildungsvereins. 1904 aus Hamburg ausgewiesen, übersiedelte er nach Bremen. Auch dort vor allem im sozialdemokratischen Bildungsverein aktiv. Delegierter auf dem SPD-Parteitag 1908 in Nürnberg. 1909 zog Brandler in die Schweiz, wo er im Sommer als Fliesenleger arbeitete und im Winter als Wanderlehrer für die Sozialdemokratie warb, er vertrat linksradikale Positionen. Im Juni 1914 Übersiedlung nach Chemnitz, dort 1914 hauptamtlicher Sekretär im Bauarbeiterverband. 1915 wurde Brandler als Anhänger Karl Liebknechts aus der SPD ausgeschlossen. Während des Krieges leitete er gemeinsam mit Fritz Heckert (beide waren nicht zum Militär eingezogen worden) die illegale Arbeit der Spartakusgruppe in Chemnitz. Brandler nahm an fast allen Konferenzen der Spartakusgruppe in Berlin teil. Im Oktober 1918 von der Regierung aus Deutschland ausgewiesen, erlebte er die Revolution in Wien. Ende 1918 kam Brandler nach Bayern, hier wollte Kurt Eisner ihn zum Staatssekretär für Äußeres ernennen. Doch er lehnte ab und kehrte nach Chemnitz zurück, wo er die Zeitung »Kämpfer« begründete und in der damals stärksten KP-Organisation Deutschlands tätig war. Als Delegierter des II. Parteitages der KPD im Oktober 1919 in die Zentrale der Partei gewählt. In der Folgezeit mehrmals verhaftet, wurde Brandler nach dem Rücktritt Paul Levis im Februar 1921 Mitvorsitzender der KPD. Wegen seines maßgebenden Anteils an der März-Aktion im April 1921 verhaftet und zu fünf Jahren Festung verurteilt. Über seine Verteidigung vor Gericht kam es in der KPD zu kritischen Diskussionen, da er »nicht kämpferisch genug« aufgetreten sei; dagegen hatte z. B. der Bezirksausschuß Erzgebirge »einmütig bekundet, daß die Organisation volles Vertrauen zum Genossen Brandler« habe. Der III. Weltkongreß der Komintern 1921 wählte ihn zu seinem Ehrenpräsidenten. Im November 1921 floh er aus der Festung Gollnow nach Sowjetrußland und wurde in Moskau stellvertretender Generalsekretär des Vollzugsbüros der RGI. Nach der »Rathenau-Amnestie« kehrte Brandler nach Deutschland zurück, nachdem er zuvor bis September 1922 in der KP der âSR gearbeitet hatte. In Berlin übernahm er nun als Sekretär des Polbüros die Führung der KPD und hatte auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 eine starke Mehrheit hinter sich. Unter seiner Leitung bereitete sich die KPD im Sommer 1923 auf einen Umsturz in Deutschland vor. Vom 10. bis 29.Oktober 1923 gehörte Brandler als Leiter der Staatskanzlei der sozialdemokratisch/kommunistischen sächsischen Regierung an. Er wollte die Einheitsfrontpolitik mit der SPD. Als die linke SPD auf der Chemnitzer Betriebsrätekonferenz 1923 die Teilnahme am Generalstreik ablehnte, entschloß sich die KPD unter Brandlers Führung, den Aufstand abzusagen, der nur isoliert in Hamburg ausbrach und scheiterte. Nach dem KPD-Verbot billigte die Mehrheit der Führung zwar zunächst noch Brandlers Linie, doch rasch war die übergroße Zahl der Parteimitglieder gegen ihn und seine »rechte Politik«. Er wurde – besonders nach dem Eingreifen Sinowjews und der Komintern – zum »Hauptschuldigen« am Fehlschlag erklärt, im Januar 1924 abgesetzt und nach Moskau befohlen. Von der deutschen Polizei gesucht (unter dem falschen Namen Otto Ilgner und dem Steckbrief: »1,62 groß, hohe Stirn, braune Augen, breiter Mund, volles Gesicht, linksseitig Buckel, sächsischer Dialekt«), befand er sich bereits in der UdSSR. Auf dem IX. Parteitag im April 1924 erlitten er und August Thalheimer eine vollständige Niederlage. Versuche seiner Freunde, ihn zur Parteispaltung zu überreden, lehnte er ab, weil er befürchtete, daß von den 27 Zeitungen nicht einmal vier zu halten seien, daß es unmöglich sein würde, die Parteiangestellten zu bezahlen usw. Brandler arbeitete – nunmehr Mitglied der russischen KP – in Moskau zunächst im Obersten Volkswirtschaftsrat. Nach dem Ende des ultralinken Kurses in Deutschland wurde er 2. Vorsitzender der Roten Bauerninternationale. Da schon in der Ruth-Fischer-Ära sein Ausschluß aus der KPD nicht durchgesetzt werden konnte, beschloß das neue ZK 1927, ihn wieder zur Parteiarbeit in Deutschland heranzuziehen. Doch durfte er auch 1928 sein unfreiwilliges Exil nicht verlassen, obwohl seine Frau bereits ein Jahr zuvor nach Deutschland zurückgekehrt war. Nach der Wittorf-Affäre reiste er – entgegen dem Parteibeschluß – nach Deutschland. Am 28.Oktober 1928 in Berlin eingetroffen, übernahm er zusammen mit Thalheimer die Leitung der oppositionellen rechten Kommunisten. Brandler wurde im Januar 1929 aus der KPdSU und damit aus der Komintern ausgeschlossen. Seit Dezember 1929 Mitglied der Reichsleitung der KPO und deren eigentlicher Führer. Er war 1931 gemeinsam mit Thalheimer Hauptrepräsentant der Mehrheitsgruppe der KPO, die 1932 einen Zusammenschluß mit der SAP ablehnte. 1933 Emigration nach Frankreich, 1941 nach Kuba, wo er mit Thalheimer (der dort starb) blieb, bis er 1947 die Erlaubnis zur Übersiedlung nach England und 1949 zur Rückkehr nach Deutschland erhielt. Anfangs noch in der Gruppe Arbeiterpolitik tätig (die er schon von Kuba aus mit den »Briefen aus der Ferne« politisch zu orientieren suchte), zog er sich später von der aktiven Politik zurück. Heinrich Brandler lebte zuletzt in Hamburg, er starb dort am 26. September 1967. Jens Becker veröffentlichte 2001 eine umfangreiche Arbeit: »Heinrich Brandler. Eine politische Biographie«.

Wer war wer in DDR

Brandt, Horst E.

* 17.1.1923 – ✝ 22.8.2009

Geb. in Berlin; Eltern Arbeiter; Ausbildung zum Feinmechaniker; 1947 Kameraassistent im DEFA-Studio für Spielfilme; SED; seit 1955 selbst. Kameramann, u. a. 1955 »Ernst Thälmann – Führer seiner Kl.« (mit Karl Plintzner) u. 1961 »Gewissen in Aufruhr« (5 Teile, TV); 1966 Debüt als Regisseur »Irrlicht u. Feuer« (2 Teile, TV, gem. mit Heinz Thiel); 1966 NP; seine weiteren Filme behandeln vorw. pol. Themen: 1967 »Brot u. Rosen«, eine Arbeiterbiogr. zu Ehren des VII. Parteitags der SED, 1968 »Heroin«, 1969 »Krupp u. Krause/Krause u. Krupp« (5 Teile, TV, alle gem. mit Heinz Thiel); 1969 u. 1971 NP; 1971 »KLK an PTX – Die Rote Kapelle« über die Widerstandsgr. Schulze-Boysen/Harnack, 1973 »Eva u. Adam« (4 Teile, TV), 1975 »Zwischen Nacht u. Tag« über  Erich Weinert, 1977 »Brandstellen« (nach Franz Josef Degenhardt), 1981 »Die Kolonie« über Schlupfwinkel dt. Altnazis in Südamerika, 1982 »Familienbande«, 1984 »Der Lude« über Horst Wessel, 1986 »Der Hut des Brigadiers«, 1989 »Die Beteiligten«; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin).»Halbnah – Nah – Total« – Erinnerungen. Berlin 2003; Wir, die Bildermacher. Berlin 2007.Ralf Schenk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brandt, Rudolf

* 13.9.1905 – ✝ 13.6.1988

Geboren am 13. September 1905 in Oberhone/Bezirk Kassel, Sohn eines Gastwirts. 1912 Übersiedlung der Eltern nach Posen. 1919 Mitglied der SAJ, 1924 des KJVD. 1920 bis 1923 Lehre als Drucker, anschließend Wanderschaft, Tiefbauarbeiter, Hilfsdrucker, Metallhilfsarbeiter. 1924 wurde er Mitglied der KPD, zwei Jahre später bereits Leiter der Gewerkschaftsabteilung der KPD-BL Hessen-Waldeck und Lokalredakteur an der »Arbeiterzeitung«, 1927/28 Orgsekretär der BL unter Ernst Lohagen. 1928 bis 1930 politischer Redakteur an der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig, der »Tribüne« in Magdeburg und der »Arbeiter-Zeitung« in Breslau. Wegen eines Hochverratsverfahrens lebte Brandt bereits 1931 illegal, arbeitete unter falschen Namen bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und wurde Ende 1931 Agitpropleiter in der Reichsleitung der Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus. Er war verantwortlicher Redakteur der »Fanfare« und des Funktionärsorgans »Sturmbanner«. Ab Februar 1933 im Widerstand gegen das NS-Regime, wurde er im Oktober 1933 verhaftet und im Dezember 1934 durch das Kammergericht Berlin zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus Luckau zunächst noch »Schutzhaft« im KZ Lichtenburg. Er arbeitete dann bei Telefunken in Berlin-Zehlendorf und beteiligte sich am Widerstand. 1945 wieder Mitglied der KPD/SED, war zunächst Direktor bei der Firma Telefunken. Ende der vierziger Jahre dann Chefredakteur der Ostberliner Zeitung »Die Wirtschaft«. Brandt geriet Anfang der fünfziger Jahre in die stalinistischen Säuberungen, einer Verhaftung entzog er sich durch Flucht in die Bundesrepublik. Er lebte hier als freier Journalist und Referent und schrieb u. a. für die Zeitschriften »Der Monat« und »Das Parlament«. Rudolf Brandt starb am 13. Juni 1988 in Rommerskirchen.

Wer war wer in DDR

Brasch, Thomas

* 19.2.1945 – ✝ 3.11.2001

Geb. in Westow (Yorkshire, England); Vater  Horst B.; ab 1947 in Cottbus aufgew.; 1956 – 61 Kadettenschule der NVA in Naumburg (Saale); 1963 Abitur in Berlin; Arbeit als Schlosser, Meliorationsarb., Setzer; 1964/65 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig, Exmatrikulation u. a. wegen »Verunglimpfung führender Persönlichkeiten der DDR«; Arbeit als Packer, Kellner, Straßenbauarbeiter; 1966 Inszenierungsverbot für sein Vietnamprogramm »Seht auf dieses Land« an der Berliner Volksbühne; 1967/68 Fernstudium Dramaturgie an der HFF Babelsberg; 1968 anarchisch-romantischer Plan zur Besetzung u. Übernahme des Berliner Ensembles (mit Sanda Weigl), nach dem 21.8.1968 Verteilung von Flugblättern gegen die Okkupation der ČSSR, verurteilt zu 27 Mon. Haft wegen »staatsfeindl. Hetze«, 1969 vorzeitige Entlassung auf Bewährung, Zuweisung einer Arbeit als Fräser; durch Vermittlung von  Helene Weigel 1971/72 Arbeit im Brecht-Archiv; seit 1972 freischaff. Schriftst. in Berlin (Dramatik, Prosa, Lyrik, Filmszenarien, Übersetzungen); 1970 – 76 sieben Theaterstücke (u. a. »Sie geht, sie geht nicht«, 1970; »Das beispielhafte Leben u. der Tod des Peter Göhring«, 1972, mit  Lothar Trolle; »Herr Geiler«, 1974; »Lovely Rita«, 1974/75); wegen ihrer Themen (Mauer, Bürokratie u. Ohnmacht, Fortschrittsmüdigkeit), ihrer experiment. Form u. ihrer aggressiven Drastik in der DDR ungespielt oder abgesetzt; 1975 erste Gedichtauswahl »Poesiealbum 89«; 1976 Abbruch der Proben von »Lovely Rita« am BE; Mitunterz. der  »Biermann-Resolution«, Ausreiseantrag nach Publ.-Verweigerung von Prosatexten; Ausreise nach Berlin (West); 1978 Ernst-Reuter-Preis; 1979 Villa-Massimo-Stipendium; 1982 Bayr. Filmpreis für den Film »Engel aus Eisen«, Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl.; 1983 ein Jahr in Zürich, Occhio del Pardo d’argento für den Film »Domino«; 1987 Kleist-Preis für das Hörspiel »Robert, ich, Fastnacht u. die anderen«; gest. in Berlin. Umfgr. publizist. Tätigkeit, Übersetzungen u. Regie, häufige Inszenierung seiner Stücke.Vor den Vätern sterben die Söhne. Berlin 1977; Rotter. Frankfurt (Main) 1978; Lovely Rita. Lieber Georg. Mercedes: Drei Stücke. Berlin 1988; Drei Wünsche, sagte der Golem. Leipzig 1990. Mädchenmörder Brunke. Frankfurt (Main) 1999; Wer durch mein Leben will, muß durch mein Zimmer. Frankfurt (Main) 2002; Liebesgedichte. Frankfurt (Main) 2006; »Ich merke mich nur im Chaos«. Interviews 1976 – 2001. Frankfurt (Main) 2009. Häßel, M. (Hrsg.): Arbeitsbuch T. B. Frankfurt (Main) 1997; Frölich, M.: Between affluence and rebellion. New York 1996; Hanf, M., Schulz, K. (Hrsg.): Das blanke Wesen. Arbeitsbuch Th. B. Berlin 2004.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Brauchitsch, Manfred von

* 15.8.1905 – ✝ 5.2.2003

Geb. in Hamburg; Vater Gardeoffz.; 1913 – 23 Gymnasium in Berlin, Abitur; 1923 Frei- korps Brigade Erhardt; 1924 – 28 Reichswehr, Fähnr., nach Motorradunfall ausgeschieden; ab 1929 Privat-Rennfahrer, 1. Sieg auf Mercedes-Benz beim Gaisbergrennen (Österreich), 1932 Sieg auf der Berliner Avus mit Klassen-WR von 194,4 km/h auf Mercedes SSKL sowie Stunden-WR mit 198 km/h; 1934 – 39 Werksfahrer bei Mercedes-Benz, 1934 Sieger auf dem Nürburgring, 1937 beim Großen Preis von Monaco, 1938 beim Großen Preis von Frankreich; 1940 – 43 persönl. Ref. von Junkers-Chef Dr. Koppenberg; Sturmführer des NS-Kraftfahrerkorps; 1944/45 Ref. im Reichsmin. für Rüstung u. Kriegsprod. (Techn. Amt Panzerbeauftragter) unter Albert Speer. 1945 Umzug zum Starnberger See; 1948 – 50 erster Präs. des Automobilclubs von Dtl. (AvD); 1949/50 Auswanderung nach Argentinien; 1951 u. 1953 Präs. des Komitees zur Vorber. der Weltfestspiele in Berlin u. Bukarest, 1952 Präs. des Komitees für Einheit u. Freiheit im dt. Sport; Mai 1953 Verhaftung in der Bundesrep. Dtl. wegen »Vorber. zum Hochverrat, Geheimbündelei u. Staatsgefährdung«, acht Mon. Haft in Neudeck u. Stadelheim; 30./31.12.1954 Flucht in die DDR vor erneuter Inhaftierung; 1957 – 60 Sport-Präs. des Allg. Dt. Motorsportverb. (ADMV); 1960 – 90 Präs. der Ges. zur Förderung des olymp. Gedankens, 1988 »Olymp. Orden« des IOC; dreimal VVO; Rentner u. gest. in Gräfenwarth b. Schleiz (Thür.).Kampf mit 500 PS. Berlin 1939; Kampf um Meter u. Sekunden. Berlin 1953; Ohne Kampf kein Sieg. Berlin 1964. Landenberger, D.: M. v. B. Kampf u. Sieg im Silberpfeil. Stuttgart 2005; Reuß, E.: Hitlers Rennschlachten. Die Silberpfeile unterm Hakenkreuz. Berlin 2006; Hrachowy, F. O.: Stählerne Romantik. Automobilrennfahrer u. nationalsozialist. Moderne. Norderstedt 2008.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Brauer, Wolfgang

* 17.4.1925

Geb. in Callenberg, Krs. Glauchau; Vater Volksschullehrer; 1931 – 42 Schulbesuch mit Notabitur; 1942 – 45 Kriegsdienst bei der Marine. 1945 Ausb. u. Einsatz als Neulehrer in Russdorf (Krs. Crimmitschau); 1945/46 SPD/SED; 1948 erste Lehrerprüfung, Studium an der Univ. Leipzig, 1951 Staatsexamen in Pädagogik, Deutsch, Englisch u. Latein; 1951 Doz. u. 1952 – 56 Studiendir. der ABF an der Univ. Leipzig; 1956 – 63 Dir. der ABF an der Univ. Rostock; 1963 wiss. Mitarb. u. 1968 Doz. am Germanist. Inst. der WPU Rostock; 1967 Prom., 1974 Habil.; 1974 ord. Prof. für Methodik des Deutschunterrichts, 1976 – 89 Rektor der WPU (Nachf. von  Günter Heidorn); 1957 Verdienter Lehrer des Volkes, 1979 u. 1985 VVO, 1989 Held der Arbeit 1989; 1990 em.; 1990 Vors. des Dt. Freidenkerverb.; lebt in Admannshagen/Bargeshagen bei Rostock. Forschungsschwerpunkte: Literaturwiss.; Methodik des Literaturunterrichts; Fähigkeitsentw. im Literaturunterricht.Der Erkenntnisprozess im Unterricht der gesellschaftl. Fächer. Berlin 1954; Schulbücher in der BRD – Instrument der geistigen Manipulierung der Jugend. Berlin 1971; Tun u. Nichttun – zu L. Feuchtwangers Geschichtsbild. In: Neue Dt. Lit. 1999; Sprachspiegel für den muttersprachl. Unterricht (Unterrichtswerk f. Real- u. Hauptschulen). Hannover 2003 (Hrsg.).Martin Guntau

Wer war wer in DDR

Braun, Otto

* 28.9.1900 – ✝ 15.8.1974

Geb. in Ismaning (b. München); Vater Buchhalter, Mutter Lehrerin; 1906 – 13 Volksschule in Weyarn (Krs. Miesbach); 1913 – 19 Lehrerbildungsanstalt in Pasing (b. München), Lehrer; 1917 Hilfsarb. u. Schreiber beim Vaterländ. Hilfsdienst in München; 1918 Militärdienst; Dez. 1918 Mitgl. der Freien Soz. Jugend, bis 1919 Mitgl. der BL Bayern; April 1919 KPD; 1919 – 26 mit Unterbrechung Ltg.-Funktionen im Abwehr- u. Nachrichtendienst der KPD bzw. militär.-pol. Apparat der KPD; 1919 – 21 Gelegenheitsarb. in Hamburg; an der Errichtung der Bayr. Räterep. u. 1921 an den Mittelostdt. Aufständen beteiligt; 1922 wegen »Aktenraubs bei russ. Weißgardisten« zu sieben Mon. Gefängnis verurteilt; 1921 – 26 Red. der KPD-Presse, 1923 in Suhl; 1921 – 23 Mitarb. der Informations-Abt. des ZK der KPD; zeitw. Ortssekr. der KPD in Thür.; Anf. 1924 Org.-Sekr. der illeg. KPD-BL Thür., verantw. für die »Proletar. Hundertschaften« in Süd-thür.; Frühj. 1924/25 Abwehrltr. des zentr. M-Apparates der KPD in Berlin; 1925/26 Mitarb. der Auslandsabt. des sowj. Nachrichtendienstes GRU in Berlin (»Spezialaufträge«); bis 1926 Mitgl. der Nachrichtenzentr. (NZ) der KPD (»Karl O. Wagner«); 1926 – 28 wegen »Hochverrats« in U-Haft bzw. Gefängnis in Berlin-Moabit; April 1928 durch eine Spezial-Gruppe des M-Apparates (zu der auch Olga Benario gehörte) befreit u. nach Moskau geflohen; ab 1928 staatenlos; 1928/29 Proletar. Schützendiv. in Moskau; 1929 – 32 Hörer an der Frunse-Militärakad. in Moskau, Rgt.-Kdr., unterrichtete zeitw. parallel militär. Fächer an der Internat. Lenin-Schule in Moskau u. auf Spezialkursen (M-Schule); April – Dez. 1932 Resident der 4. HV des Gen.-Stabs der Roten Armee (militär. Nachrichtendienst GRU) in Charbin (China); 1932 – 39 im Auftrag der GRU militär. Berater der KI u. Offz. der Roten Bauernarmee in China (»Li De«, »Hua Fu«); ab 1933 in Schanghai, 1934 – 39 im Innern Chinas; Teiln. am »Langen Marsch« der chin. Roten Armee u. am antijapan. Krieg; in dieser Zeit umfgr. Publ. u. militärpol. Prop., die ins Chinesische übersetzt wurden; Ende 1939 nach Moskau; Dez. 1939 strenge Rüge mit Verwarnung für »militär. Fehler« während seines Einsatzes 1934 in China vor der IKK der KI; Dez. 1939 – 41 dt. Übersetzer u. Red. u. als engl. Kontrollred. im Verlag für fremdspr. Lit. in Moskau; 1941 – 46 Polit-Instrukteur des sowj. Innenmin. in versch. Kriegsgefangenenlagern (unter dt., später auch unter japan. Offz.), Mitgl. des NKFD; 1946 – 48 Lehrer an der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk; Sommer 1948 – 51 Übersetzer zahlr. russ. Bücher (z. B. Scholochow »Ein Menschenschicksal«) im Verlag für fremdspr. Lit. in Moskau u. Krasnogorsk; Nov. 1948 – 54 sowj. Staatsbürgerschaft; 1951 – 54 freier Schriftst. in Moskau u. Krasnogorsk; ab 1952 Mitgl. des sowj. Schriftst.-Verb. 1.6.1954 nach wiederholtem Bemühen Rückkehr in die DDR; SED; 1954 – 61 wiss. Mitarb. des späteren IML beim ZK der SED u. verantw. Red. für die dt. Ausgabe der Werke W. I. Lenins; Mitarb. des Vorst. der Ges. zur Verbreitung wiss. Kenntnisse, Mitgl. des Büros des Präs.; 1961 Mitgl. des Vorst. des DSV, 1961 – 63 dessen 1. Sekr. (Nachf. von  Erwin Strittmatter), nach internen Auseinandersetzungen im DSV abgesetzt; 1961 Ruhestand; schrieb anschl. seine Memoiren als wiss. Mitarb. des IML; 1967 VVO; 1969 NP (im Koll.), April 1970 sowj. Orden des Vaterländ. Krieges; 1970 KMO; Nov. 1970 Lenin-Erinnerungsmedaille; gest. in Warna (Bulgarien).In der Münchner Freien Soz. Jugend. Berlin 1959; Chinesische Aufzeichnungen (1932 – 1939). (Autobiogr.). Berlin 1973. Mader, J.: O. B. – leidenschaftlicher Internationalist. In: Horizont (1974) 38; Litten, F. S.: O. B. frühes Wirken in China (1932 – 1935). München 1988; ders.: O. B. in Dtl. In: IWK (1991) 2; ders.: O. B. Curriculum Vitae – Translation and Commentary. In: Twentieth-Century China, Nov. 1997.Bernd-Rainer Barth / Wilfriede Otto

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bräuner, Johann

* 13.5.1897 – ✝ 30.11.1944

Geboren am 13. Mai 1897 in Buer; von Beruf Bergmann und Schmied. Er gehörte seit 1924 der KPD an und leitete ab 1929 den UB Duisburg-Hamborn, von 1929 bis 1931 auch Stadtverordneter in Duisburg. Von September 1929 bis August 1930 Kursant an der Leninschule in Moskau. Nach seiner Rückkehr bis Januar 1933 Orgleiter der BL Ruhr, anschließend Orgleiter in Dortmund, ab August 1933 Orgleiter der illegalen BL Niederrhein. Nach mehreren Treffen mit Berta Karg und Kaplan Dr. Joseph Rossaint im Dezember 1933 in Hamburg festgenommen und am 14. November 1934 vom OLG Hamm wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« verurteilt. Anfang 1936 aus dem Zuchthaus Lüttringhausen freigelassen. Im März 1938 erneut festgenommen, kam er in das KZ Sachsenhausen, später nach Neuengamme, dort zur SS-Sonderformation Dirlewanger »entlassen«. Das Marschziel war Krakau, seit dem 30. November 1944 galt Bräuner als vermißt. Durch einen Beschluß des Amtsgerichtes Duisburg-Hamborn vom 12. Januar 1951 wurde Johann Bräuner für tot erklärt. Zeitpunkt des Todes: 30. November 1944.

Wer war wer in DDR

Böttcher, Paul Herbert

* 2.5.1891 – ✝ 17.2.1975

Geb. in Leipzig; Vater Schmied, Mutter Köchin u. Wäscherin; Volksschule; 1905 – 09 Ausbildung zum Schriftsetzer, 1909 – 13 im Beruf tätig, Wanderschaft durch mehrere europ. Länder; 1907 – 19 Soz. Jugend Leipzig; 1908 Ltr. der Leipziger SJ-Gruppe, der auch  Walter Ulbricht angehörte; 1908 – 16 SPD; 1913 – 18 Militärdienst, Uffz.; 1916 – 20 USPD, Mitgl. deren ZL; Nov. 1918 Leipziger Arbeiter u. Soldatenrat; Nov. 1918/19 Red. »Leipziger Volksztg.«; 1919 »Schutzhaft« Festung Königstein; 1920 – 29 KPD, 1920 Mitgl. der BL u. des ZK; 1920/21 Red. des »Sozialdemokraten« / später umbenannt in »Kommunist« (Stuttgart), 1921/22 Chefred. u. 1924 – 26 Red. der »Roten Fahne« (Berlin); 1921 – 30 RH; 1922 – 24 u. 1926 – 29 Red.-Ltr. der »Sächs. Arbeiterztg.« (Leipzig), Mitgl. der erw. KI-Exekutive; 1922 – 29 Abg. des sächs. Landtags, KPD-Fraktionsvors.; Okt. 1923 kurzz. Finanzminister in Sachsen; verlor ab 1924 als Vertreter der »Rechten« in der KPD an Einfluß; ab Jan. 1928 erneut Chefred. der »Sächs. Arbeiterztg.«, Nov 1928 entlassen; Jan. 1929 mit der »Brandler-Gruppe« aus der KPD ausgeschl.; 1929 – 34 KPO, Pol.-Sekr. der KPO-BL Westsachsen; 1930 Red. der KPO-Ztg. »Arbeiterpol.« (Leipzig) u. 1931 in Berlin; Febr. 1933 Emigr. in die Schweiz; Juni 1934 wg. polit. Betätigung ausgewiesen; 1934 – 44 illeg. in Genf; 1934 KPdSU; 1934 – 44 Mitarb. des sowj. militär. Nachrichtendienstes GRU (»Paul«), gehörte zur »Roten Drei« (GRU-Residentur von Sándor Radó, Rachel Dübendorfer); 1940 »Spezialarbeit« in Frankreich; ab 1940 erneut in Genf, 1941 u. 1944 abermals aus der Schweiz ausgewiesen; verhaftet u. wegen Spionage angeklagt, U-Haft in Genf, 1944/45 Zwangsarbeitslager Siehen/ Eggiwill (b. Bern), Juli 1944 Flucht nach Frankreich; 1944/45 illeg. in der sowj. Botschaft in Paris. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl., vergebl. Versuch durch W. Ulbricht, B. von der GRU zu entpflichten; Okt. 1945 von einem Schweizer Militärgericht in Abwesenheit zu 2 Jahren Gefängnis, Geldstrafe u. 15 Jahren Ausweisung aus der Schweiz verurteilt; 23.2.1946 mit Rachel Dübendorfer von Berlin in die UdSSR gebracht, verhaftet u. am 12.2.1947 zus. mit Leopold Trepper ohne Verhandlung zu zehn Jahren Lager wegen »passiver Spionage« verurteilt; 1947 – 56 Haft in über 40 Lagern u. Gefängnissen des GULag; März 1956 Rückkehr nach Dtl.; rehabil.; OdF; Sept. 1956 parteiintern rehabil.; 1956 Red., dann bis 1974 stellv. Chefred. der »Leipziger Volksztg.«; 1957/58 Abenduniv.; 1958 Medaille für Teiln. an den bewaffneten Kämpfen 1918 – 23; Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; VVO; 1960 Mitgl. der BL der Pionierorg. u. des VDJ-BV Leipzig; Auftritte auf zahlr. Jugendforen als Widerstandskämpfer; Mitarb. des IML; 1965 KMO; 1970 Erinnerungszeichen »20 Jahre Min. für Staatssicherheit der DDR«; Orden des Großen Vaterländischen Krieges; 1971 VVO; 1974 Rentner; gest. in Leipzig.Radó, A.: Dora meldet. Berlin 1974; Sudholt, G.: Das Geheimnis der Roten Kapelle. Leoni 1978.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Böttger, Martin

* 14.5.1947

Geb. in Frankenhain (b. Geithain); Vater Pfarrer; 1965 Abitur; 1965 – 70 Studium der Physik in Dresden; 1970 – 72 Bausoldat; seit 1972 Teiln. an der kirchl. Friedensarbeit, u. a. am Friedensseminar Königswalde, an versch. Friedenswerkstätten u. der Aktion Fasten für den Frieden; 1972 – 76 Programmierer bei Robotron Karl-Marx-Stadt, anschl. bis 1979 beim Versorgungskontor Leder in Berlin; 1979 – 83 wiss. Mitarb. der DBA in Berlin; 1982 externe Prom. zum Dr.-Ing. an der TU Dresden; 1983 Hausmann; Beteiligung an der Mai-Demonstration mit selbstgefertigtem Transparent u. anschl. »Zuführung« durch das MfS; 1.9.1983 Verhaftung wegen »versuchter Teiln. an einer Menschenkette zum Weltfriedenstag«, 15.9. Freilassung nach Intervention Richard von Weizsäckers bei  Erich Honecker; ab 1985 Programmierer im Kombinat Minol in Berlin; 1985 Mitbegr. der IFM, Ltg. der Arbeitsgr. »Menschenrechte u. Justiz«, Beschäftigung mit Problemen des Strafrechts u. Rechtsberatung für Oppositionelle; Mithrsg. der Samizdat-Ztschr. »Kontext« u. beteiligt am Vertrieb weiterer opp. Blätter, u. a. »grenzfall«; 1989 – 90 Programmierer in Zwickau; Sept. 1989 Mitbegr. des Neuen Forums (NF), anschl. NF-Koordinator im Bez. Karl-Marx-Stadt, Dez. 1989 Wahl in den Bez.-Sprecherrat des NF Karl-Marx-Stadt; 18.3.1990 Wahl in die Volkskammer auf der Liste Bündnis 90, sofortige Weitergabe des Mandats an  Werner Schulz; April bis Aug. 1990 Mitarb. in der Arbeitsgr. »Landesverfassung für Sachsen«. 1990 – 94 Mitgl. des Sächs. Landtags u. Sprecher der Fraktion »Neues Forum-Bündnis 90-Die Grünen«; 1992/93 Mitgl. des Bundessprecherrats der Partei Bündnis 90; 1993 Mitgl. Bündnis 90/Die Grünen; 1994 – 2001 Geschäftsf. einer gemeinnützigen Seniorenpflegeeinrichtung in Kirchberg (Krs. Zwickau); 1995 Mitgl. des Sprecherrats des Regionalverb. Zwickau von Bündnis 90 / Die Grünen; seit 2001 Ltr. der Außenstelle Chemnitz der Bundesbeauftragten für die MfS-Unterlagen (BStU).Jesse, E. Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006; Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen.Berlin 2006; Baum, K.-H., Walter, R.: »ehrlich und gewissenhaft«. Berlin 2008.Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Boulanger, Jakob

* 8.1.1897 – ✝ 16.3.1968

Geboren am 8. Januar 1897 in Köln, durchlebte eine schwere Kindheit; nach dem frühen Tod des Vaters mußte die Mutter ihn und vier Geschwister allein ernähren. Nach der Schulentlassung arbeitete er zunächst als Schleifer in einer Aluminiumfabrik, mußte diese Tätigkeit aber einstellen, da er zu schwach und unterernährt war. Boulanger lernte das Kunstschmiedehandwerk und trat 1915 der Gewerkschaft bei. 1916 kam er an die Front und wurde dort zum Sozialisten. Nach dem Krieg übersiedelte er nach Nürnberg und schloß sich 1919 der KPD an. Boulanger besuchte 1924/25 die Parteischule in Moskau. 1927 Gauführer und Sekretär des RFB in Nordbayern, 1929 Orgleiter der KPD Nordbayern und 1930 Polleiter dieses KPD-Bezirks, dann 1932 auch in den Bayerischen Landtag gewählt. Im April 1933 kam er als Polleiter nach Thüringen, wo er am 29. Juli festgenommen und anschließend zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Am 12. September 1936 aus dem Zuchthaus Amberg ins KZ Dachau eingeliefert, begann für Boulanger, der nach den Worten Himmlers der »bestgehaßte Mann in Bayern« war, ein Martyrium. Er verbrachte drei Jahre im berüchtigten »Bunker«. Im September 1939 nach Buchenwald überführt, wurde er hier weitere drei Jahre im »Bunker« – einer Zelle von 2 Meter Länge und 1,20 Meter Breite – eingesperrt. Die anschließende Haft im Vernichtungslager Mauthausen endete für ihn erst am 5. Mai 1945. In seinem Erlebnisbericht (Jakob Boulanger/Michael Tschesno-Hell: »Eine Ziffer über dem Herzen«, Berlin 1957) ist das erschütternd dokumentiert. 1946 wurde Boulanger 1. Vizepräsident der Zentralverwaltung für Industrie in der SBZ. Dort »aufgrund eines in Gang befindlichen Parteiverfahrens wegen grober Verfehlungen in seinem persönlichen Verhalten im Amte« im November 1947 abgesetzt, später wurde er Kulturdirektor in Hennigsdorf und Potsdam-Babelsberg. Von 1951 bis 1956 war er Werkleiter des VEB Straßenbahn- und Waggonbau Berlin-Johannisthal bzw. des VEB LOWA Waggonbau Reparaturwerks, schließlich im Dezember 1956 Generaldirektor des Außenhandelsunternehmens Invest-Export, danach Parteiveteran. Zum 70. Geburtstag 1967 noch mit dem VVO in Gold ausgezeichnet, starb Jakob Boulanger am 16. März 1968 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brack, Fritz

* 24.4.1896

Geboren am 24. April 1896 in Hamburg; lebte als Landarbeiter in Mecklenburg. 1920 trat er der KPD bei und leitete die Ortsgruppe Schönberg. Von 1919 bis 1933 Abgeordneter des Landtages von Mecklenburg-Strelitz, kam Brack 1933 in »Schutzhaft« und saß bis November 1933 im KZ Oranienburg. Wegen illegaler Tätigkeit für die KPD im November 1934 erneut verhaftet, ist er im April 1935 zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sein weiteres Schicksal ließ sich nicht ermitteln.

Wer war wer in DDR

Brandt, Hans

* 19.2.1928

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater kaufm. Angest.; Volks- u. Handelsschule; 1944 / 45 Luftwaffenhelfer, April – Dez. 1945 amerikan. Kriegsgef. Jan. – Okt. 1946 mithelfendes Familienmitgl. in der Neubauernwirtschaft der Eltern in Mustin; 1946 SED; 1946 / 47 Telefonist bei der SED-LL Mecklenb.; 1948 – 50 Instrukteur des SED-LV Mecklenb.; 1951 Abt.-Ltr. in der SED-KL Schwerin; Jan. – März 1952 Betriebsass. in der Filiale der Dt. Notenbank in Schwerin; Apr. – Juli 1952 Sekr. der SED-BPO am Landessender Schwerin; ab 1952 Mitgl. der Red. des SED-Bezirksorgans »Schweriner Volkszeitung« (SVZ), Abt.-Ltr. u. Mitgl. des Red.-Koll.; Fernstud. an der Fak. für Journalistik der KMU Leipzig, 1960 Dipl.-Journalist; 1961 – 68 u. 1969 – 71 stellv. Chefred. der SVZ; 1968 / 69 Stud. an der SED-PHS; 1971 – 89 Chefred. der SVZ (Nachf. von  Ernst Parchmann); 1971 – 89 Mitgl. der SED-BL Schwerin; 1972 – 89 Vors. des BV Schwerin u. Mitgl. des ZV des VDJ.Andreas Herbst

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Brandt, Ernst

* 19.11.1896 – ✝ 17.12.1956

Geboren am 19. November 1896 in Magdeburg, Sohn eines Schlossers. Schlosserlehre, Mitglied des DMV. Ab 1915 Soldat, geriet Brandt 1916 in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1919 entlassen wurde. Während des Kapp-Putsches Mitglied der USPD, im Mai 1920 der KPD. 1927 Kassierer des RFB Gau Magdeburg, er gehörte von 1928 bis 1931 als Sekretär für Gewerkschaftsarbeit der BL Magdeburg-Anhalt an. Von 1931 bis 1933 arbeitete er hauptamtlich als Sekretär der RGO im Bezirk Magdeburg, dort von 1929 bis 1933 Stadtverordneter. Im Juli 1932 wurde Brandt im Wahlkreis Magdeburg in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Im Mai 1933 inhaftiert, am 29. Mai 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, bis 1937 saß er im KZ Lichtenburg. Danach arbeitete er als Schlosser, wurde im September 1939 erneut festgenommen und bis 1943 im KZ Buchenwald inhaftiert. Nach seiner Freilassung Schlosser in Magdeburg, er hatte Kontakte zur Widerstandsgruppe um Martin Schwantes und wurde im März 1944 abermals verhaftet und in das KZ Neuengamme gebracht. Nach der Befreiung wurde Brandt 1945 Bezirksleiter der KPD Magdeburg, von 1946 bis 1948 im SED-LV Sachsen-Anhalt und 1946/47 Vorsitzender des Bezirksverbandes Magdeburg. 1948 Minister für Land- und Forstwirtschaft der Landesregierung Sachsen-Anhalt und 1949 Mitglied der DWK. Im November 1950 nicht wieder für ein Ministeramt benannt, dann von April bis Juni 1951 Kulturdirektor im VEB Dampfkesselbau Hohenthurm. Er wurde von Juli 1951 bis November 1951 wegen angeblichen Verstoßes gegen Gesetze und Verordnungen der Volkskammer und der DDR-Regierung inhaftiert. Anfang 1952 als Assistent des Werkleiters in der Maschinenfabrik Halle eingesetzt, war Brandt ab Juli 1952 Direktor für Arbeit, ab September 1954 Parteiorganisator des ZK im VEB Waggonbau Ammendorf, später Werkleiter in der VEB Maschinenfabrik Halle. Er blieb jedoch ständigen Nachforschungen der ZPKK ausgesetzt. Vorwürfe, er hätte Verrat geübt und Schwantes und Genossen der Gestapo ausgeliefert, erwiesen sich als haltlos. Ernst Brandt starb am 17.Dezember 1956.

Wer war wer in DDR

Branoner, Ingeburg

* 14.2.1934

Geb. in Berlin; Mutter Angest., Vater Handwerker; 1940 – 45 Volksschule, zeitw. nach Ostpr., Schles. u. Thür. evakuiert; 1946 – 51 an der Anna-Magdalena-Bach-OS in Berlin-Pankow, erste Gedichte u. Nachdichtungen aus dem Engl. für Schulaufführungen; neben der Schule im RIAS-Kinderchor u. im Kinderensemble der Volksbühne, priv. Musikunterricht, Synchron-Sprechrollen bei der DEFA; nach der 10. Klasse Ausbildung zur Facharb. für Verkehrswesen; diverse Jobs, 1959 – 62 Sachbearb. beim Dt. Modeinst.; ab 1962 beim DDR-Rundfunk, bis 1966 Sekretärin u. Sachbearb. in der Musikred., 1966 – 69 Sachbearb. im Lektorat Tanzmusik, 1970 – 73 Red.-Assistentin, dann bis 1977 Produzentin in der Abt. Musikprod., dort Gestaltung u. Prod. der monatl. Musiksendung STUDIO IV, Studioprod. mit Solisten u. Gruppen, u. a. Modern Soul, Lift, Reform, Schubert Band, Peter & Paul, Keks, Prinzip, Neue Generation,  Bettina Wegner, MTS u. Maryla Rodowicz, Rote Gitarren u. Zwei plus Eins, Olsen Brothers, Fonográf, Aniko; seit 1963 Textautorin, u. a. für die Schlagerinterpreten  Andreas Holm,  Thomas Lück,  Frank Schöbel, Ina Martell,  Bärbel Wachholz, Rica Deus; »Bis zur Hochzeit ist alles wieder gut« (voc.: Karin Prohaska) wird »Schlager des Jahres 1965«; ab 1971 verstärkt Texte für Rock- u. Popmusik, insb. für Modern Soul mit Klaus Nowodworski u.  Regine Dobberschütz,  Stefan Trepte u. Reform,  Klaus Lenz u.  Uschi Brüning, Lift, Kathrin Lindner u. Schubert Band, Electra,  Horst Krüger Band, Zöllner, Passion, Neue Generation, Keks, Metropol, Prinzip sowie Peter & Paul, Gaby Rückert,  Veronika Fischer, Dina Straat, Anke Lauterbach,  Holger Biege, Heinz-Jürgen Gottschalk; legendäre Titel: »Klavier im Fluß« (Veronika Fischer), »Eine Mütze voller Träume« ( Thomas Natschinski), »Wenn die Blätter fallen« (Stefan Trepte), »Wenn der Abend kommt« (Holger Biege); »Fluß der toten Fische« (Klaus Nowodworski/1974) gilt als »erster echter Öko-Rocksong der DDR« (Michael Rauhut) u. durfte in der DDR nicht veröff. werden; seit 1977 freiberufl. Autorin; 1980 1. Preis beim Schlagerfestival in Dresden mit »Berührung« (Gaby Rückert), 1. Preis beim Internat. Songcontest in Tokio mit »Eine Ewigkeit« (Uwe Jensen), 1981 »Goldene Lyra« in Bratislava für »Gut’ Nacht Amigo« (Silly); Liederserie für DFF-Kinderfernsehen (mit Th. Natschinski); Nachdichtungen für ungar., poln. u. tschech. Bands; Veröff. in der Reihe »Poesiealbum« u. im Feuilleton des »Sonntag« u. der »Wochenpost«. Nach 1990 Synchrondrehbücher für das Fernsehen; 1996 u. 1997 jeweils 4. Platz beim dt. Grand Prix-Vorausscheid mit den Natschinski-Kompos. »Für dich ... mein Kind« (Anett Kölpin) bzw. »Zwischen Himmel u. Erde« (A. Lauterbach); 1999 CD »Gefühle« (14 Texte für A. Lauterbach); insg. Texte für mehr als 1.000 Rundfunk- bzw. Schallplattentitel; lebt in Berlin. B. hat durch ihre zahlr. Texte u. langj. Studioarb. mit prominenten Gruppen die Entw. der DDR-Rockmusik mitgeprägt u. gilt als Pionierin dt.-sprachiger Rocklyrik.Oppel, M.: Text: Branoner. Sonntag (1982) 43; Hönig, B.: Das gute Wort zum guten Ton. Wochenpost, 9.1.1987.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brass, Otto

* 21.12.1875 – ✝ 13.11.1950

Geboren am 21. Dezember 1875 in Wermelskirchen, Sohn eines Webers. Feilenhauerlehre, von 1895 bis 1897 Militärdienst. Brass trat 1893 der Gewerkschaft und zwei Jahre später der SPD bei. Von 1897 bis 1903 war er selbständiger Feilenhauermeister in Remscheid, anschließend Krankenkassenangestellter. Ab 1898 Vorsitzender der Filiale des Feilenhauerverbandes und Vorstandsmitglied der SPD Remscheid, 1905 Geschäftsführer und Verleger der »Arbeiterzeitung« in Remscheid. 1914 Gegner der Politik des Parteivorstandes, wurde 1917 Mitglied der USPD und Vorsitzender der Bezirksorganisation Niederrhein sowie Geschäftsführer der »Bergischen Volksstimme«. Von 1917 bis 1920 gehörte er dem ZK der USPD an. Brass war für Düsseldorf Delegierter zum 1. und 2. Reichsrätekongreß, er trat für die Annahme der 21 Bedingungen zur Aufnahme in die Komintern ein. 1919 Abgeordneter der Nationalversammlung und von 1920 bis 1924 des Reichstags (Wahlkreis Düsseldorf-Ost). Im Dezember 1920 wurde er Mitglied der Zentrale der VKPD, schied aber bereits zwei Monate später aus diesem Gremium aus. Brass unterstützte die von Paul Levi eingebrachte Resolution gegen die Haltung der Komintern zur Gründung der KP Italiens. Im August 1921 nahm er noch am VII. Parteitag der KPD teil, wurde aber im Januar 1922 aus der KPD ausgeschlossen und trat der KAG bei. Anschließend ging er zur USPD und ab September 1922 zurück in die SPD. Brass gründete 1920 den Zentralvertrieb zeitgeschichtlicher Bücher und übernahm 1921 die Laubsche Verlagsbuchhandlung, beide Institutionen leitete er bis 1933. Im März 1933 von der SA verhaftet und im KZ Columbiahaus gefoltert. Nach seiner Freilassung suchte Brass Kontakt zu ehemaligen Mitgenossen und bildete mit Hermann Brill die Widerstandsgruppe Deutsche Volksfront, die Verbindung zur Gruppe »Neu Beginnen« hatte. 1935 verfaße er ein »10-Punkte-Programm für die Entwicklung nach dem Sturz Hitlers«. Im September 1938 wurde Brass mit der Mehrzahl der Mitglieder dieser Widerstandsgruppe Opfer einer Verhaftungswelle. In der Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße schwer gefoltert, im Juli 1939 vom VGH zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, saß er bis zur Befreiung im April 1945 in Brandenburg/Görden. Brass gehörte sofort dem Vorbereitenden Gewerkschaftsausschuß für Groß-Berlin an und war Mitunterzeichner des Aufrufs zur Schaffung freier Gewerkschaften vom 15. Juni 1945. Er arbeitete hauptamtlich im FDGB-Bundesvorstand und in der Versicherungsanstalt Groß-Berlin und war seit 1946 Mitglied der SED. Otto Brass starb am 13. November 1950 in Masserberg/Thüringen. Sein Sohn Otto Brass jun. (*11. 9. 1900 – † 23. 9. 1972), geboren in Remscheid, von Beruf Elektriker, war seit 1920 Mitglied der KPD und lebte ab 1932 mit der Familie in der UdSSR. Dort am 28. August 1937 vom NKWD verhaftet, wurde er am 16. Februar 1938 wegen »konterrevolutionärer Tätigkeit« zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Seine gesamte Familie, Frau und drei Kinder, wurde nach Sibirien verbannt. Otto Brass jun. war ununterbrochen bis 1954 im Gulag. Erst am 8.April 1954 wurde er entlassen und am 28.März 1955 durch die sowjetischen Behörden rehabilitiert. Er kehrte nicht nach Deutschland zurück und starb in Fergana/Usbekistan.

Wer war wer in DDR

Brauer, Fritz

* 18.10.1883 – ✝ 31.5.1970

Geb. in Buchen (Krs. Wirsitz, Westpr./Łuchowo, Polen); Volksschule u. Gymnasium in Bromberg; Ausbildung zum Forstwirt; bis 1918 Berufsoffz.; Mitgl. der Dt. Volkspartei; 1919 – 43 Geschäftsf. land- u. holzwirtschaftl.-techn. Fachorg.; 1943 – 45 freiberufl. tätig. 1945 Mitbegr. der CDU; Mitgl. der CDU-Krs.-Aussch. Potsdam; 1946 Ltr. des Aussch. für Forstw., Landeskultur u. Naturschutz beim LV Brandenb., zugl. Mitgl. des Aussch. Land- u. Forstw. beim CDU-HV; 1946 – 50 Abg. des Landtags Brandenb., Mitgl. des Präs.; 1947 – 51 Mitgl. des Hauptaussch. u. des HV der VdgB (einziger Vertreter einer »bürgerl. Partei« in diesem Gremium), ab 1948 einer der Vertreter der VdgB im DWK-Plenum; 1948 – 54 Beisitzer bzw. Mitgl. des HV der CDU; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer, ab 1950 auch Mitgl. der Länderkammer; 1950/51 als Vertrauter des VdgB-Gen.-Sekr.  Kurt Vieweg führend beteiligt am »Gesamtdt. Arbeitskrs. für Land- u. Forstw.«Scholz, M. F.: Bauernopfer der Dt. Frage. Der Kommunist Kurt Vieweg im Dschungel der Geheimdienste. Berlin 1997.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Braun, Edgar

* 9.6.1939

Geb. in Molbitz (Krs. Altenburg); Vater Dispatcher, Mutter Hausfrau; 1957 Abitur u. Eintritt in das MfS, Krs.-Dienststelle Altenburg, dann Zweijahreslehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; 1959 SED; operativer Mitarb. in der BV Leipzig, Abt. II (Spionageabwehr); 1961 Versetzung zur HA II, MfS Berlin; 1975 – 80 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1977 stellv. Abt.-Ltr., 1978 Abt.-Ltr.; 1982 Versetzung in die HA XIX (Verkehr, Post, Nachrichtenwesen), dort Ltr. der HA (Nachf. von Helmut Griebner); 1986 Gen.-Major; Nov. 1989 ltd. Mitarb. des AfNS, 1990 Berater des Staatl. Komitees zur Auflösung des AfNS, später Immobilienmakler.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Braun, Otto

* 28.9.1900 – ✝ 15.8.1974

Geboren am 28. September 1900 in Ismaning bei München, Sohn eines Buchhalters, der bereits 1901 verstarb. Er besuchte (Freistelle) die Lehrerbildungsanstalt Pasing. 1917 dem »Vaterländischen Hilfsverein« beigetreten, wurde er 1918 eingezogen und kam als Soldat an die Front. Im Dezember 1918 Mitglied der FSJ. Im April 1919 Mitglied der KPD. Wegen Teilnahme an den Kämpfen der Münchner Räterepublik flüchtete Braun und hielt sich bis Frühjahr 1921 in Norddeutschland auf, wirkte u. a. in Hamburg als Referent der BL Wasserkante. Nach dem Kapp-Putsch schloß sich Braun zeitweilig der KAPD an, kehrte im Herbst 1920 aber zur KPD zurück. Von Frühjahr 1921 bis 1923 im AM-Apparat der Zentrale der KPD angestellt. Braun wurde am 28. Juli 1921 wegen eines von ihm organisierten Aktenraubs bei dem weißgardistischen Oberst Freyberg in Untersuchungshaft genommen, aber auf Kaution freigelassen. Vor Gericht behauptete er, nur zum Schein mit Kommunisten zu verkehren, in Wirklichkeit sympathisiere er mit den Rechtsparteien. Am 9.Mai 1922 zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, ging auf Anweisung der KPD in die Illegalität. Volontär beim Pressedienst der KPD bzw. Redakteur der Parteizeitung »Volkswille« in Suhl. Anfang 1924 Orgsekretär für die illegale BL Thüringen. 1923/24 Anhänger der Mittelgruppe, nach dem IX. Parteitag 1924 wieder in den Apparat des ZK übernommen. Als Leiter der Abwehr führte er »Spezialaufträge« durch und schrieb Artikel in der militärpolitischen Zeitschrift »Oktober«. Am 10.September 1926 als sogenannter Reichsnachrichtenleiter der KPD in Berlin verhaftet, er blieb eineinhalb Jahre in Untersuchungshaft. Der Prozeß im Mai 1928 gegen Braun sollte die illegale Arbeit der KPD enthüllen. Doch am 11.April 1928 gelang es der KPD, ihn in einem Handstreich durch fünf Bewaffnete gewaltsam aus der Untersuchungshaft zu befreien, er floh mit seiner Freundin Olga Benario nach Moskau. Dort lebte er unter dem Decknamen Wagner. Ab Sommer 1928 in Moskau militärische Ausbildung, anschließend Kursant an der Frunse-Kriegsakademie, die er 1932 mit »Auszeichnung« und dem Dienstgrad Regimentskommandeur abschloß. Im April 1932 entsandte ihn die Komintern nach Charbin/China. Hier war Braun zunächst Resident der GRU, fungierte von Herbst 1932 bis 1939 als militärischer Berater des EKKI-Vertreters (1932–1934 war das Arthur Ewert) beim ZK der KP Chinas. Braun war der einzige deutsche Teilnehmer des legendären »langen Marsches« von Maos Armee. Ende 1939 nach Moskau zurückgekehrt, erhielt er durch die IKK eine strenge Rüge wegen angeblicher fachlicher und politischer Fehler 1934 in China. Er war bis Oktober 1941 Übersetzer und Redakteur im Moskauer Verlag für fremdsprachige Literatur. Bis Frühjahr 1946 Politinstrukteur in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern für deutsche und später auch japanische Offiziere. Von 1948 bis 1954 erneut im Verlag für fremdsprachige Literatur, wurde 1948 sowjetischer Staatsbürger. Im April 1952 in den sowjetischen Schriftstellerverband aufgenommen, lebte er bis Mai 1954 als freier Schriftsteller in Moskau. Nach wiederholten Bemühungen übersiedelte Otto Braun im Juni 1954 in die DDR und wurde Mitglied der SED. Mitarbeiter am IML, Übersetzer zahlreicher russischer Bücher und ein verantwortlicher Redakteur für die deutsche Ausgabe der Werke W. I. Lenins, von 1961 bis 1964 Erster Sekretär des Schriftstellerverbandes der DDR. Im »Neuen Deutschland« vom 27. Mai 1964 wandte er sich scharf gegen die chinesische Führung. Unter der Überschrift: »In wessen Namen spricht Mao Tse-tung?« griff er seine ehemaligen chinesischen Genossen an, deren Politik ihn »schmerzlich berühre«. 1970 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Otto Braun starb am 15. August 1974 während eines Erholungsaufenthalts in Warna/Bulgarien.Bernd-Rainer Barth / Wilfriede Otto

Wer war wer in DDR

Bräunig, Werner

* 12.5.1934 – ✝ 14.8.1976

Geb. in Chemnitz, Vater Hilfsarb., Mutter Näherin; Volksschule; nach 1945 Gelegenheitsarb. u. Schwarzmarktgeschäfte; Erziehungsheim, Schlosserlehre; wegen Schmuggels zu drei Jahren Haft verurteilt, beim Einsatz im Oelsnitzer Steinkohlenwerk u. der Schneeberger Papierfabrik auf zwei Jahre reduziert; 1954/55 Papiermaschinengehilfe im VEB Papier- u. Kartonfabrik Niederschlema; 1956 Instrukteur der FDJ-KL Schneeberg; 1956 – 58 Heizer in der Stadtwäscherei; erste Schreibversuche (ermutigt durch Rudolf Fischer), Volkskorrespondent für die Ztg. »Volksstimme« (Karl-Marx-Stadt); 1957 Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren der Wismut AG, Veröff. in den Ztschr. »Junge Kunst« u. »Neue Dt. Lit.«; 1958 SED; 1958 – 61 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig, Praktikum in der Wismut AG (mit Horst Salomon); verf. 1959 in Vorber. der 1. Bitterfelder Konferenz den Aufruf »Greif zur Feder, Kumpel«; zus. mit  Peter Gosse u.  Jan Koplowitz Mitgl. einer »Schriftst.-Brigade«, gem. Arbeit an einer Reportage über das Neubaugebiet Halle-Neustadt; 1961 – 67 Assistent für Fernstudium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig, Doz. des Prosaseminars; 1961 – 63 vom MfS im OV »Schriftsteller« wegen vermeintlich »feindl. Gruppenbildung« am Lit-Inst. erf.; 1960/61 Beginn der Arbeit am realitätsnahen Wismut-Roman »Rummelplatz«; 1965 Vorabdruck eines Kapitels in Heft 10 der »Neuen Dt. Lit.« im Vorfeld des 11. Plenums des ZK der SED, scharfe Kritik durch die Ztg. »Neues Dtl.« wegen angebl. »Beleidigung der Werktätigen u. der sowj. Partner«; 1966 Abbruch der Arbeit am Roman; 1968 Umzug nach Halle-Neustadt, Essay-Bd. »Prosa schreiben«; 1969 Erzählungsbd. »Gewöhnliche Leute«, dafür Lit.-Preis des FDGB; B. schrieb auch Filmszenarien, Reportagen, Porträts u. a.; seit 1970 zunehmende Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. B.s Tragik lag im Zwiespalt zw. seiner Nähe zum pol. u. liter. Normenkonzept u. der teilw. intensiven szenisch-naturalist. Wirklichkeitssuche.Städte machen Leute. Halle 1969; Ein Kranich am Himmel. Unbekanntes u. Bekanntes (Hrsg. Heinz Sachs, mit Bibl.). Halle, Leipzig 1981; Rummelplatz. Berlin 2007. Behn-Liebherz, M.: W. B. In: Krit. Lex. zur dt.-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.Leonore Krenzlin / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Böttcher, Paul Herbert

* 2.5.1891 – ✝ 17.2.1975

(* 1891 – † 1975) Geboren am 2. Mai 1891 in Leipzig, Sohn eines Schmieds; gelernter Schriftsetzer. 1907 trat er in die sozialistische Jugendbewegung ein, leitete 1908 als Vorsitzender die Leipziger Gruppe dieser Organisation (der auch Walter Ulbricht angehörte) und wurde 1908 Mitglied der SPD. Nach der Lehre von 1909 bis 1913 arbeitete er als Setzer und bereiste als Wandergeselle Europa. 1914 hauptamtlicher Jugendsekretär der Gewerkschaft. Böttcher stand auf dem linken Flügel der SPD und schloß sich 1917 der USPD an. Im November 1918 Redakteur der »Leipziger Volkszeitung«, 1920 übersiedelte er nach Stuttgart und wurde Chefredakteur des »Sozialdemokraten« (Organ der linken USPD – nach dem Zusammenschluß mit der KPD in »Kommunist« umbenannt). Delegierter des Spaltungsparteitages der USPD im Oktober und des Vereinigungsparteitages mit der KPD im Dezember 1920, dort in den ZA der VKPD gewählt. Ab Februar 1921 Chefredakteur des Zentralorgans der KPD »Die Rote Fahne«. Auf dem VII. Parteitag 1921 als Mitglied in die Zentrale der KPD berufen, übernahm Böttcher im Oktober 1921 die Redaktion des »Roten Kuriers« bzw. 1922/23 der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig, im November 1922 wurde er Abgeordneter im Sächsischen Landtag. Zeitweilig jedoch wieder in die Zentrale beordert, bis er 1923 Vorsitzender der Sächsischen Landtagsfraktion und Leiter des Bezirks Westsachsen wurde. Auch der VIII. Parteitag 1923 wählte ihn in die Zentrale. Im Oktober 1923 vertrat er die KPD als Finanzminister in der sächsischen Regierung unter Erich Zeigner. Böttcher war Mitglied des Erweiterten EKKI. Als prominenter Vertreter der Rechten in der KPD verlor er nach dem IX. Parteitag 1924 seine Funktionen, blieb aber einer der Wortführer der rechten Opposition und weiterhin Mitglied und Sekretär der KPD-Fraktion im Landtag von Sachsen. Ab 1924 Redakteur der von der RGI in Berlin herausgegebenen Zeitschrift »Der Metallarbeiter«, arbeitete dann bis 1926 als Redakteur an der »Roten Fahne«. Zwar auf dem XI.Parteitag 1927 wegen des Widerstands der Leipziger Linken nicht ins ZK gewählt, aber bis 1928 sowohl Vorsitzender der sächsischen Landtagsfraktion als auch Mitglied der BL Westsachsen. Ab Januar 1928 erneut Chefredakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig, kündigte ihm die KPD als »führendem Rechten« am 7.November 1928. Noch am gleichen Tag brachte die sozialdemokratische »Leipziger Volkszeitung« den Artikel: »Bravo Paul«, mit einem Briefauszug von Clara Zetkin an Paul Böttcher, die ihn in seinem Kampf gegen Ernst Thälmann unterstützte. Am 4. Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen, gehörte er bis 1933 zur Führung der KPO. Er war Polsekretär der KPO-BL Westsachsen, Mitglied der Reichsleitung der KPO und vorübergehend Redakteur ihres Organs »Arbeiterpolitik«. Böttcher emigrierte am 28.Februar 1933 nach Schaffhausen, einer Hochburg der Schweizer KPO unter Walther Bringolf. Schon im Juni 1934 wegen politischer Betätigung ausgewiesen, lebte er aber bis 1944 illegal in Genf. Dort war Böttcher Journalist, unter Sándor Radó aber auch für den sowjetischen Nachrichtendienst GRU (dem er wahrscheinlich schon seit 1927 angehört hatte) tätig. Am 12.April 1944 von der schweizerischen Bundespolizei verhaftet, konnte er im Juli 1945 aus dem Gefängnis Siewen nach Paris flüchten. In der Schweiz wurde er in Abwesenheit (am 23.Oktober 1945) zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Böttcher kehrte im September 1945 nach Deutschland zurück. In Berlin bat er Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck sich dafür einzusetzen, ihn von der Arbeit für den sowjetischen Nachrichtendienst zu entbinden. Doch wurde er zusammen mit Sándor Radó und dessen Frau, angeblich zur Klärung seiner Arbeit in der Schweiz, am 23. Februar 1946 vom Flugplatz Berlin-Schönefeld nach Moskau geflogen. Dort sofort verhaftet und am 12. Februar 1947 mit Leopold Trepper, dem »Grand Chef der Roten Kapelle« u. a. ohne Gerichtsverhandlung wegen »passiver Spionage« zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt, die er im Gulag verbringen mußte. Als Schwerkranker durfte Böttcher im März 1956 nach Ost-Berlin und dann zu seiner Familie nach Leipzig. Hier im September 1956 »rehabilitiert« und in die SED aufgenommen. Noch 1956 zum stellvertretenden Chefredakteur der »Leipziger Volkszeitung« berufen, blieb er bis 1974 in dieser Funktion. Doch seine frühere Zugehörigkeit zur KPO sowie seine lange Haft in der Sowjetunion wurden in offiziellen Verlautbarungen unterschlagen. Böttcher erhielt 1966 den Karl-Marx-Orden. Er hatte etliche Broschüren veröffentlicht, darunter 1927 »Der Arbeiter-Korrespondent«. Paul Herbert Böttcher starb am 17. Februar 1975.Bernd-Rainer Barth

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Bottin, Otto Gustav

* 2.3.1884

Geboren am 2. März 1884 in Rügenwalde; lernte Maurer und übersiedelte nach Hamburg. 1910 der SPD beigetreten, war er 1919/20 in der USPD und kam 1920 in die KPD. Als Arbeiter am Staatskai beschäftigt, wurde er Betriebsrat. 1929 Mitglied der KPD-BL Wasserkante und Delegierter auf dem XII. Parteitag. Von 1931 bis 1933 gehörte er der Hamburger Bürgerschaft an. Sein weiterer Lebensweg konnte nicht ermittelt werden.

Wer war wer in DDR

Böwe, Kurt

* 29.4.1929 – ✝ 14.6.2000

Geb. in Reetz (Krs. Belzig, Brandenb.); Vater Bauer; Abitur in Kyritz; 1950 – 54 Studium der Germanistik u. Theaterwiss. am Inst. für Theaterwiss. der HU Berlin; 1954 – 60 Assistent an der HU Berlin, Ltr. der Studentenbühne; 1960 Debüt als Schauspieler am Maxim-Gorki-Theater Berlin, später Engagements an der Volksbühne Berlin, 1967 – 73 am Landestheater Halle, seit 1973 am Dt. Theater Berlin (DT); 1969 Kunstpreis der DDR; 1971 NP. Haupt- bzw. tragende Rollen u. a. in Gorkis »Die Kleinbürger«,  Bertolt Brechts »Herr Puntila u. sein Knecht Matti«, »Die Aula« (nach  Hermann Kant), Gorkis »Nachtasyl« u. »Jegor Bulytschow u. die anderen«, Goethes »Faust«, Kleists »Michael Kohlhaas«, Barlachs »Der blaue Boll«; Film- u. Fernsehrollen u. a. in »Die Toten bleiben jung« (nach  Anna Seghers), »Ich war neunzehn« u. »Der nackte Mann auf dem Sportplatz« (R:  Konrad Wolf), »Ich – Axel Cäsar Springer« (TV, R:  Karl Georg Egel), »Pinselheinrich« (über Heinrich Zille, TV), »Levins Mühle« (nach  Johannes Bobrowski), »Märk. Forschungen« (nach  Günter de Bruyn, TV), »Das Buschgespenst« (nach Karl May, TV); »Jadup u. Boel« (1981, erst 1988 aufgeführt, R: Rainer Simon). Gehörte auch nach 1990 zu den populären Protagonisten des DT, u. a. in Kleists »Käthchen von Heilbronn« (1991, R:  Thomas Langhoff), in Hugo von Hofmannsthals »Der Turm« (1992, R: Th. Langhoff), in Pierre Corneilles »Der Cid« (1993, R:  Alexander Lang), Tankred Dorsts »Herr Paul« (1994, R: Michael Gruner), in William Shakespeares »Heinrich IV.« (1996, R: Th. Langhoff); erfolgr. auch als Kommissar Groth in der TV-Reihe »Polizeiruf 110« (NDR, ab 1994), weitere Rollen in »Die Sprache der Vögel« (1991, TV), »Die Spur des Bernsteinzimmers« u. »Stilles Land« (beide 1992, TV); 1997 offiz. Verabschiedung als festes Ensemblemitgl. des DT, danach als Gast des DT in Friedrich Dürrenmatts »Der Besuch der alten Dame« (1997, R: Th. Langhoff).B.s Fontane. Berlin 1997 (bearb. von H.-D. Schütt); Theodor Fontane. Meine Kinderjahre. Berlin 1998 (CD); Der Unfugladen. Oder: Endlich Schluß mit dem Theater? Berlin 1999 (mit H.-D. Schütt). Schütt, H.-D.: K. B. Der lange kurze Atem. Berlin 1995; Gaus, G.: Zur Person 3. Berlin 1998.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Braecklein, Ingo

* 29.8.1906 – ✝ 5.8.2001

Geb. in Eisenach; Vater Zweiter Bürgermstr. der Stadt; Abitur am Karl-Friedrich-Gymn. Eisenach; ab 1927 Studium in Jena, Marburg, Tübingen; 1031 Pfarrstelle in Esperstedt/Kyffhäuser; ab 1933 Pfarrer in Allendorf (Schwarzburg, Thür.); 1933 NSDAP; Mitunterz. des »Wittenberger Bundes«, der sich in einer Proklamation gegen das nat.-soz. Dt.-Christentum wandte; 1939 – 45 Wehrmacht (Kriegsfreiw.), zul. Obltn; brit. Kriegsgefangenschaft. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Pfarrer in Allendorf u. Saalfeld; 1950 – 59 Superintendent in Weimar; ab 1959 Mitgl. des Thür. Landeskirchenrats, Stellv. u. Vertrauter des Landesbischofs  Moritz Mitzenheim; trat bereits frühzeitig für eine org. Verselbständigung der ev. Kirchen in der DDR ein; führendes Mitgl. des »Weimarer Arbeitskrs.«, in dem sich staatsloyale Thür. Theologen sammelten u. auf die Thür. Kirchenpol. Einfluß nahmen; 1968 – 70 Präses der Gen.-Synode der Vereinigten Ev.-Luth. Kirche der DDR (VELK); 1969 Präses der Synode des Bunds der Ev. Kirchen; 1970 Wahl zum thür. Landesbischof (Nachf. von  Moritz Mitzenheim), galt im Gegensatz zu seinem Vorgänger gegenüber den anderen Landeskirchen als kooperationsbereit, setzte aber gleichz. den »Thür. Weg« fort, der die bes. Staatsnähe der Thür. Kirche bezeichnete; 1970 Dr. h. c. der FSU Jena; Mitgl. des EK des Luth. Weltbundes; 1971 VVO; 1971 – 77 Ltd. Bischof der VELK (Nachf. von  Niklot Beste), engagiert für ein konstruktives »Miteinander von Christen u. Marxisten« in der DDR; 1978 Ruhestand. 1991 durch die Thür. Landeskirche beauftragt mit der Ltg. des Vertrauensaussch. zur Aufarbeitung von MfS-Kontakten kirchl. Mitarb.; im Mai 1992 wurde er vom Brandenb. Min.-Präs.  Manfred Stolpe als einer der von ihm eingeweihten Mitwisser seiner früheren konsp. Kontakte zum MfS präsentiert; nach einer 1996 veröff. Dok. war B. seit 1959 beim MfS als IM »Ingo« erf.; gest. in Triptis.Findeis, H., Pollack, D.: Selbstbewahrung oder Selbstverlust. Berlin 1999.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Brandt, Heinz

* 16.8.1909 – ✝ 8.1.1986

Geb. in Posen (Poznań, Polen); Vater Schriftsteller, Mutter Lehrerin; Volksschule u. Gymnasium in Posen u. Berlin; 1926 Soz. Schülerbund; 1927 Arbeitersportverein Fichte; 1928 Abitur; 1928 KJVD u. Rote Studentengr., Spieltruppe Roter Wedding; 1928 – 30 Studium der Volkswirtschaft an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Univ. (Werkstudent), aus pol. Gründen relegiert; 1931 KPD u. erster Funktionsentzug wegen Ablehnung des sog. roten Volksentscheids gegen die sozialdemokratische Preußenreg. im Aug. 1931; Anhänger der »Versöhnler« in der KPD; freier Journalist für die »Weltbühne« u. gelegentl. für die »Welt am Abend«; März 1933 kurzz. verhaftet; seit Febr. 1934 Mithrsg. der illeg. kommunist. Werkztg. »Siemens-Lautsprecher« in Berlin; 4.12.1934 Verhaftung u. 15.3.1935 Verurteilung durch das Berliner Kammergericht zu sechs Jahren Zuchthaus wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1934/35 Haft in Luckau, 1935 – 41 in Brandenb.-Görden; 1941 – 45 »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen, 1942 – 45 KZ Auschwitz (Budy); 1945 KZ Buchenwald (dort illeg. Widerstandstätigkeit). 1945 Angest. beim Magistrat von Groß-Berlin, Abt. OdF; ab Herbst 1945 Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. der KPD-BL Berlin; später Abt.-Ltr. der Presseabt. des SED-LV Berlin; 1948 Mitarb. der SED-LL Groß-Berlin (b. 1. Sekr.  Hans Jendretzky); 1948/49 PHS; 23.11. 1950 in die SED-LL Groß-Berlin koopt. u. Sekr. für Agit. (später der SED-BL Groß-Berlin); 1952 Mitgl. des Sekr. der SED-BL Groß-Berlin; Aug. 1953 Ablösung aus der Funktion als Sekr.; 4.8.1954 strenge Rüge wegen angebl. »unmoral. Verhaltens«, ein Jahr Funktionsverbot u. entlassen; ab 25.8.1954 im Verlag »Die Wirtschaft« Archivar, dann Chefred. für die Gruppe Metall u. zul. Werbeltr. für die Veröff. des Buchs »Zur ökon. Theorie u. ökon. Pol. in der Übergangsperiode« ( Friedrich Behrens) Aug. 1957 wegen »parteifeindl. Verhaltens« eine strenge Rüge mit zwei Jahren Funktionsentzug in leitenden Funktionen; ab 1958 vom MfS im OV »Rüssel« bearbeitet; 14.9.1958 mit Frau u. drei Kindern Flucht nach Berlin (West), um einer vermuteten Verhaftung zu entgehen; »Ostbüro« der SPD; seit April 1959 Frankfurt (Main), Red. der Gewerkschaftsztg. »Metall« in Frankfurt (Main); Übertritt in die SPD; 16.6.1961 vom MfS aus Berlin (West) entführt u. verhaftet, trotz starker dt. u. internat. Proteste am 10.5.1962 wegen »schwerer Spionage in Tateinheit mit staatsgefährdender Prop. u. Hetze im schweren Fall« vom Obersten Gericht der DDR gem. mit Wilhelm Fickenscher u.  Karl Raddatz zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt; inhaftiert in Hohenschönhausen u. ab Juli 1962 in Bautzen; zweimalige Ablehnung eines Angebots auf Freilassung, sofern er »ein öffentl. Reuebekenntis abgeben u. seine republikflüchtige Familie in die DDR zurückrufen würde«; 1963 Protest von Lord Bertrand Russell durch Rückgabe der Carl von Ossietzky-Friedensmedaille an  Walter Ulbricht; nach internat. Protesten im Mai 1964 begnadigt u. am 23.5.1964 freigelassen; Arbeit als Journalist in der Bundesrep. Dtl., bis 1974 Red. der Gewerkschaftsztg. »Metall«; 1968 SPD-Austritt aus Protest gegen die Atomenergie-u. NATO-Pol.; Übertritt zu den Grünen; 1974 Ruhestand; 1979 Parteiaustritt bei den Grünen; 1985 Dr. h. c. der Univ. Osnabrück. 18.1.1993 posthum vom Berliner LG rehabil., Urteil aufgehoben.Ein Traum, der nicht entführbar ist. Mein Weg zwischen Ost u. West. München 1967; Die soziale Rev. des N. S. Chruschtschow. Frankfurt (Main) 1977; Wir spielen nicht mit im Atomverein. Frankfurt (Main) 1977. Posser, D.: Anwalt im kalten Krieg. Ein Stück dt. Geschichte in pol. Prozessen 1951 – 1968. München 1991; Wolff, F.: Verlorene Prozesse 1953 – 98. Meine Verteidigungen in pol. Verfahren. Baden-Baden 1999; Andresen, K.: Widerspruch als Lebensprinzip. Der undogmatische Sozialist H. B. (1909 – 1986). Bonn 2007.Wilfriede Otto / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brandt, Gustav

* 4.4.1894 – ✝ 1945

Geboren am 4. April 1894 in Wolfsdorf/Krs. Elbing in Ostpreußen. Ab 1908 Angehöriger der Handelsmarine, 1910 Mitglied der SPD. 1914 Einberufung zur kaiserlichen Marine, während des Weltkrieges Anhänger der Spartakusgruppe. Im Dezember 1918 kam er nach Berlin und wurde dort Mitglied der Volksmarinedivision. 1919 trat er der KPD bei und arbeitete zunächst erneut als Seemann, anschließend auf Hamburger Werften, später als Wohlfahrtspfleger und Magazinverwalter tätig. Brandt leitete ab 1924 die Sektion der »Roten Marine« im RFB-Gau Wasserkante. Hier wirkte er als Instrukteur. Von 1931 bis 1933 gehörte Brandt der Hamburger Bürgerschaft an, ohne aber nennenswert hervorzutreten. 1933 verhaftet, im Zusammenhang mit den Ereignissen am »Altonaer Blutsonntag« vom Juli 1932 wurde er zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Münster verbrachte. Als er im Frühjahr 1945 mit anderen Häftlingen von Münster nach Werl überführt werden sollte, wurde der Transport nach Celle umgeleitet. Da er nie angekommen ist, liegt die Vermutung nahe, daß Gustav Brandt beim Evakuierungsmarsch im April 1945 von der SS erschossen wurde.

Wer war wer in DDR

Brasch, Horst

* 23.12.1922 – ✝ 18.8.1989

Geb. in Berlin; Vater Textilfabrikant; Stiefvater Curt Thesing Schriftsteller u. Biologe; Volksschule; 1933 – 36 Realschule in Bichl (Oberbayern), 1936 – 38 Klosterschule in Ettal; 1939 nach Großbritannien emigriert; zeitw. in Kanada interniert; 1939/40 Besuch einer Techn. FS in Großbritannien; anschl. bis 1946 Werkzeugmacher, im Betrieb zeitw. Betriebsratsvors.; 1941 Mitbegr. der FDJ in London, ab 1942 ihr Vors.; Hauptmitarb. der FDJ-Ztg. »Freie Bühne«; 1943 Mitgl. des Initiativaussch. für die Einheit der dt. Emigr. in Großbritannien; 1944 KPD; 1945 Beobachter der FDJ auf der 1. Weltjugendkonferenz des WBDJ in London, 1946 Mitgl. dessen EK. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; Lizenzträ- ger der vier Besatzungsmächte für die FDJ; 1946 – 50 Mitgl. u. 1946/47 u. 1949/50 Sekr. des ZR der FDJ, ab 1947 Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Junge Generation« u. Aug. 1947 – Febr. 1948 Chefred. »Junge Welt« (Nachf. von  Adolf Buchholz); März 1948 Vors. der FDJ Brandenb.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats u. stellv. Aussch.-Vors.; 1950 – 52 Min. für Volksbildung, Wiss. u. Kunst im Land Brandenb. (Nachf. von Fritz Rücker); 1952 – 57 Sekr. des Rats des Bez. Neubrandenb. u. Abg. des Bez.-Tags Neubrandenb., zeitw. dessen amt. u. 1957 – 59 Vors. (Nachf. von  Hans Jendretzky); Mitgl. des Büros der SED-BL Neubrandenb.; 1959 – 66 Vizepräs. (Nachf. von  Hans Seigewasser), ab 1960 1. Sekr. bzw. Vors. des Büros des Präs. des NR der NF; 1960 – 64 Vors. des Komitees für die Solidarität mit den Völkern Afrikas; 1963 Vizepräs. der Dt.-Britischen Ges.; 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1963 – 89 Abg. der Volkskammer, 1971 – 86 1. Stellv. Vors. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; 1965 – 69 Staatssekr. u. 1. Stellv. Min. für Kultur; wegen der Teiln. seines Sohnes  Thomas B. an den Protesten gegen den Einmarsch in die ČSSR von allen Funktionen abgelöst; 1969/70 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau u. am Inst. für soz. Wirtsch.-Führung beim ZK der SED; 1970 – 75 2. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von Walter Weiss) u. Abg. des Bez.-Tags; 1973 VVO; 1975 – 87 1. Vizepräs. u. Gen.-Sekr. der Liga für Völkerfreundschaft (Nachf. von Herbert Schönfeld), anschl. als ehrenamtl. Vizepräs.; 1981 Vizepräs. des Kuratoriums DDR-Japan/Verein zur Förderung der kulturellen u. wiss. Zusammenarb.; KMO; gest. in Berlin.Weltbund demokrat. Jugend. Berlin 1947; Wie gestalte ich einen Heimatabend. Berlin 1947 (mit H. Oetke); Treffpunkt Budapest. Berlin 1949; Rings um Big Ben. Berlin 1960; Lebensdauer. Erinnerungen an Curt Thesing, einen dt. Patrioten u. Humanisten. Berlin 1987.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Brassat, Rudolf

* 31.7.1905 – ✝ 26.2.1983

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter, Mutter Fabrikarb.; Volksschule in Berlin; Ausbildung zum Schlosser; 1919 Mitgl. des FSJ, später KJV u. 1924 der KPD; ab 1931 Pol.-Ltr. der RGO Thür.; ab 1933 illeg. pol. Arbeit in Berlin für den UB Nord; Juni 1933 verhaftet, Nov. 1934 vom VGH zu zwei Jahren Zuchthaus veruteilt; Haft in Berlin-Moabit, KZ Lichtenburg, Zuchthaus Luckau; nach der Entlassung Okt. 1936 ungelernter Arb. in Berlin; Febr. 1943 zum Strafbat. 999 eingezogen; 1945/46 brit. Kriegsgef. in Ägypten; 1946 Besuch eines Antifa-Lehrgangs in Wilton-Park (b. London). Dez. 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Mitgl. der SED; kurzz. Red. beim »Neuen Dtl.«, ab 1947 Mitarb. der Abt. Org.-Instrukteur des ZS der SED; 1949 – 51 1. Sekr. der SED-PO im zentr. Apparat des PV bzw. ZK der SED; 1951 als »Westemigrant« Funktionsverbot; anschl. Kulturdir. im VEB »Karl-Marx-Werk« in Potsdam-Babelsberg; danach Werkdir. im VEB IFA-Motorenwerk Zschopau; 1952/53 inhaftiert wegen »ungesetzl. Verwendung von Betriebsgeldern«; 1952 SED-Ausschl.; später Abt.-Ltr. im VEB Bremsenwerk Berlin; 1956 Wiederaufn. in die SED; geriet wg. seiner scharfen Kritik an der fehlenden Entstalinisierung u. am Führungsstil von  Walter Ulbricht ins Visir von ZPKK u. MfS, deshalb 1958 erneut SED-Ausschluß; gest. in Bad Liebenstein.Mählert, U.: Wie beim unaufhaltsamen Vorwärtsschreiten so mancher auf der Strecke blieb. Der Berliner Kommunist R. B. In: JHK. Berlin 2005.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Brauer, Helga

* 2.5.1936 – ✝ 15.6.1991

Geb. in Leipzig; Ausbildung zur Zahntechnikerin; 1954 als Urlauberin zufällige Teiln. u. 1. Preis bei einem Sängerwettstreit in Sellin (Rügen), Beginn der Gesangskarriere als Begleitsängerin des Orchesters Helmut Opel, 1956 Mikrophonprobe bei Radio DDR, erste Auftritte mit dem Radiotanzorchester Leipzig u. erste Rundfunkaufnahmen, Ausbildungsvertrag mit Amiga, 1957 erste Single, 1958 mit »Heute spielt Konstantin Klavier« erstmals Nr. 1 in der DDR-Schlagerrangliste; 1959 wird B. ausgewählt, um mit dem Titel »Heute tanzen alle jungen Leute« den auf Beschluß der kulturpolit. Gremien kreierten DDR-Modetanz »Lipsi« populär zu machen; 1959 »Goldene Note« beim gleichnamigen Tanzmusikfestival mit »Mister Brown aus USA«; in den 1960er Jahren Auftritte in Ägypten, Österreich, Finnland, Schweden, Ungarn, der ČSSR u. der UdSSR, 1966 Gewinnerin des DDR-Schlagerwettbewerbs mit »Schlaf, mein kleiner Johnny«, in den 1970er u. 1980er Jahren zahlr. Bühnen- u. TV-Auftritte, u. a. in den Sendungen »Amiga-Cocktail«, »Ein Kessel Buntes« u. »Da liegt Musike drin«; mehr als 600 Titel im Repertoire; gest. in Leipzig. 1999 CD »Hör’ mein Herz. H. B. – Ihre größten Erfolge«.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Braun, Günter

* 8.1.1916 – ✝ 20.1.2004

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Eisenbahnarb.; Volks- u. Mittelschule in Schwerin, kaufm. Lehre u. Arbeit als Buchhalter; 1939 Wehrmacht; 1945 / 46 sowj. Kriegsgef. 1946 SED; 1946 / 47 Sekr. der Gemeindeverw. Mewegen; 1947 / 48 Angest. beim Rat des Krs. Löcknitz; 1948 – 50 Kreisrat in Randow; 1950 – 52 Vors. des Rats des Krs. Parchim; 1952 – 56 Vors. des Rats des Krs. Güstrow; Studium an der DASR Potsdam, Dipl.-Jurist; 1956 – 58 Mitgl. des Rats des Bez. Schwerin u. Bevollmächtigter für das ländl. Bauwesen; 1958 – 61 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Schwerin u. Vors. des Bezirkswirtschaftsrats, Mitgl. der SED-BL u. Kand. des Büros der SED-BL Schwerin, Abg. des Bezirkstags Schwerin; 1961 – 69 OB von Schwerin (Nachf. von  Gustav Schwantz); später Abt.-Ltr. für Berufsbildung- u. Berufsberatung beim Rat des Bez. Schwerin; 1966 VVO; gest. in Schwerin.Andreas Herbst / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Braun, Volker

* 7.5.1939

Geb. in Dresden-Rochwitz; OS, 1957 Abitur; 1957/58 Druckereiarb. in Dresden, 1958/59 Tiefbauarb. im Kombinat Schwarze Pumpe, Facharbeiterlehrgang als Maschinist für Tagebaugroßgeräte, dann 1959/60 Maschinist u. Schmierer im Tagebau Burghammer; Mitgl. der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren in Cottbus; Mitgl. der SED; 1960 – 65 Studium der Philos. an der KMU Leipzig; 1965 Debüt mit dem Gedichtband »Provokation für mich«; auf Einladung  Helene Weigels 1965/66 Dramaturg am Berliner Ensemble; 1967 – 71 freischaff. in Berlin; 1970 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1971 Heinrich-Heine-Preis; 1972 – 77 Mitarb. am Dt. Theater Berlin; ab 1973 Vorstandsmitgl. des SV; ab 1975 vom MfS im OV »Erbe« wegen »pol. Diversion« erf.; 1976 Mitunterz. der  »Biermann-Resolution; 1977 – 90 Dramaturg am Berliner Ensemble, korr. Mtgl. der AdW u. Lit. Mainz; 1980 Heinrich-Mann-Preis; 1981 Lessing-Preis; 1983 Mitgl. der AdK; 1986 Bremer Lit.-Preis; 1987 Mitgl. des Präsidiums des SV; 1988 NP. 1990 Mitgl. der AdK Berlin (West), Mitgl. der Dt. Akad. der darstellenden Künste Frankfurt (Main); Mitgl. des PEN-Zentrums (Ost); 1992 Schiller-Gedächtnis-Preis; 1993 Villa-Massimo-Stipendium, Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1994 Gast der Univ. Wales; 1996 Dt. Kritikerpreis; Mitgl. der Sächs. AdK, Mitgl. der Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt, Poetikvorlesungen an der Univ. Heidelberg; 1998 Erwin-Strittmatter-Preis, Hans-Erich-Nossack-Preis; 1999/2000 Brüder-Grimm-Prof. an der Univ. (Gesamthochschule) Kassel; 2000 Büchner-Preis; 2007 ver.di-Literaturpreis. Lyriker (u. a. »Wir u. nicht sie« 1970, »Gegen die symmetr. Welt« 1975, »Training des aufrechten Gangs« 1979), Dramatiker (u. a. »Die Kipper« UA 1965, »Lenins Tod« 1970, UA 1977, »Der große Frieden« 1979, »Die Übergangsges.« 1982, UA 1986, »Böhmen am Meer« 1992, »Iphigenie in Freiheit« 1992) u. Prosa-Autor, schrieb auch Essays (»Verheerende Folgen mangelnden Anscheins innerbetriebl. Demokratie« 1988). In unkonventioneller Parteinahme für den Soz. u. eigenwillig kraftvoller Sprache verbindet B. Kunst u. Pol., Ges.-Kritik u. Selbstkritik, Sinnlichkeit u. theoret. Reflexionen; sein »Hinze-Kunze-Roman« (1985) u. die »Unvollendete Geschichte« (1977) gehören zu den DDR-kritischsten Texten mit offiz. Veröff.; in der Aufführungs- u. Editionsgeschichte seiner Werke spiegelt sich die DDR-Zensurpraxis, fast alle Werke erschienen mit Schwierigkeiten u. z. T. großer Verzögerung.Stücke. Berlin 1983; Texte in zeitl. Folge. Halle, Leipzig 1989 – 93 (Werkausgabe, 10 Bde.); Der Stoff zum Leben. Gedichte. Frankfurt (Main) 1990; Der Wendehals. Frankfurt (Main) 1995; Lustgarten Preußen. Frankfurt (Main) 1996; Wir befinden uns soweit wohl. Wir sind erst einmal am Ende. Frankfurt (Main) 1998; Wie es gekommen ist. Ausgewählte Prosa. Frankfurt (Main) 2002; Das unbesetzte Gebiet. Frankfurt (Main) 2004; Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer. Frankfurt (Main) 2008. Rosselini, J.: V. B. München 1983; Grauert, W.: Ästhet. Modernisierung bei V. B. Würzburg 1995; Köhler, K.: V. B.s Hinze-Kunze-Texte. Würzburg 1996.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bräuning, Karl

* 5.1.1886 – ✝ 14.9.1962

Geboren am 5. Januar 1886 in Ilversgehofen bei Erfurt, Sohn eines Bergmanns, der später ein Milchgeschäft betrieb. Gelernter Metalldreher, 1903 Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Nach der Lehre ging Bräuning auf Wanderschaft und trat 1906 in Düsseldorf der SPD bei. Nach seiner Militärzeit 1906 bis 1908 arbeitete er in den Zeiss-Werken in Jena und wurde dort später Betriebsrat. 1917 Mitglied der USPD, 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Obwohl schon während des Krieges Mitglied der Spartakusgruppe, wollten er und seine Freunde erst die Mehrheit der USPD für die KPD gewinnen. Von 1923 bis Januar 1924 inhaftiert, wurde Bräuning 1928 Orgleiter der KPD Thüringen. Er gehörte zum rechten Parteiflügel. Auf dem Thüringer Bezirksparteitag im Januar 1929 vertrat er die Opposition, wurde deshalb aus der KPD ausgeschlossen und ging zur KPO. Als Sekretär in der Thüringer KPO-Organisation führend, arbeitete er für sie nach 1933 illegal, war dann Orgleiter des Berliner Komitees der KPO und für diese bis 1941 in der Emigration tätig. Bräuning nahm am Spanischen Bürgerkrieg teil. Weil er Verbindungen zur POUM hatte, wurde er in Spanien von den Stalinisten verhaftet und über ein Jahr im Gefängnis festgehalten. Er konnte nach Frankreich entkommen, flüchtete 1942 in die USA und kehrte erst 1955 nach Deutschland zurück. Hier trat er der SPD bei. Karl Bräuning starb am 14. September 1962 in Darmstadt.