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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Wehmer, Friedrich

* 25.12.1885 – ✝ 7.2.1964

Geb. in Plate (b. Schwerin); Vater Wald- u. Ziegeleiarb.; Volksschule; 1900 – 03 Landarb.; 1903 – 12 Waldarb. (Unterbrechung durch Militärdienst); seit 1912 Pächter einer Kleinbauernwirtschaft; 1914 – 18 Kriegsdienst; 1918 Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats; 1919 Dt. Landarbeiterverb.; SPD; 1923 – 33 Vors. der SPD-Ortsgr. Plate; 1920 – 33 hier Vorsteher, aus dem Amt entlassen; 1920 – 33 Mitgl. des Landtags von Mecklenb.-Schwerin u. des Landesverw.-Gerichts; 1941 – 44 Geschäftsf. der Raiffeisengenossenschaft in Plate; 1944/45 Haft. 1945 Wiederbegr. der SPD-Ortsgr. u. ihr Vors.; 1945/46 Bürgermstr. in Plate; weiterhin als Landwirt tätig; 1951 »Meisterbauer«; 1945 Mitgl. der Landeskommission für Bodenreform; 1946 SED; Mitgl. des Landesvorst. Mecklenb.; 1946 – 50 Abg. des Mecklenb. Landtags, Mitgl. der Kommission für Haushalt u. Finanzen; 1946 Mitgl. des Vorst. des Landesverb. der landw. Genossenschaften; 1946/ 47 Landesbauernsekr. u. 1947 – 50 Landesvors. der VdgB; 1947 stellv. Vors. des Zentralvorst. der VdgB, 1950 – 64 Vors.; 1949 DSF; 1949 – 63 Abg. der (Prov.) Volkskammer, stellv. Vors. des Gnadenaussch.; 1954 – 64 Mitgl. des ZK der SED; 1960 KMO; gest. in Schwerin.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Weichelt, Wolfgang

* 9.4.1929 – ✝ 25.6.1993

Geb. in Chemnitz in einer Arbeiterfamilie; nach dem Schulabschl. Landarb.; 1946 SED; 1946 Verw.-Ausbildung; anschl. Sachbearb. beim Rat der Stadt Chemnitz; 1950 – 53 Studium an der DVA bzw. DASR Potsdam mit Abschl. als Dipl.-Staatswiss.; anschl. Aspirantur an der Staatl. Moskauer Univ., 1956 Prom.; 1956 – 59 wiss. Mitarb. am Inst. für Rechtswiss. in Potsdam-Babelsberg; danach wiss. Mitarb. beim ZK der SED, Abt. Staats- u. Rechtsfragen; 1964 Prof. mit Lehrauftrag für Staats- u. Rechtstheorie sowie Staatsrecht an der DASR Potsdam; bis 1966 Dir. des dortigen Inst. für rechtswiss. Forschung; 1966 – 72 erneut Mitarb. in der o. g. Abt. des ZK der SED; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer u. Vors. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1968 maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung der neuen Verfassung der DDR; 1971 Mitgl. des DDR-Komitees für europ. Sicherheit; ab 1972 Dir. des neugegr. Inst. für Theorie des Staats u. des Rechts der AdW; 1977 Korr. Mitgl. der AdW; stellv. Vors. des Aussch. für parl., jur. u. Menschenrechtsfragen bei der Interparl. Union; 1978 Vors. des Nat.-Komitees für Pol. Wiss. bei der AdW; 1979 Mitgl. der Akad. für Vergleichendes Recht Paris; Auswärt. Mitgl. der Ungar. AdW; 1985 Ord. Mitgl. der AdW; 1985 Vors. des Rats für staats- u. rechtswiss. Forschung bei der AdW; 1974 VVO; 1988 Dr. h. c. der ASR Potsdam; 1990 invalidisiert.Verfassung der DDR: Dokumente, Kommentar. Berlin 1969 (Mithrsg.); Marxist.-leninist. Staats- u. Rechtstheorie. Berlin 1980 (Mithrsg.); Der Staat im pol. System der DDR. Berlin 1986.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weidauer, Walter

* 28.7.1899 – ✝ 13.3.1986

Geboren am 28. Juli 1899 in Lauter/Sachsen, Sohn eines Korbmachers; lernte Zimmermann. 1916 Mitglied der sozialistischen Arbeiterjugend. 1918 zum Pionierbataillon nach Riesa eingezogen, nach der Demobilisierung ging er auf Wanderschaft. Er trat 1919 in die USPD ein, wurde 1922 Mitglied der KPD, 1923/24 Agitpropleiter der UB-Leitung in Zwickau, dort von 1925 bis 1929 auch Stadtverordneter. 1929 wegen »kommunistischer Fraktionstätigkeit« aus dem Zentralverband der Zimmerer ausgeschlossen, begann 1929 seine hauptamtliche Arbeit für die KPD. Bis März 1932 Geschäftsführer des KPD-Verlags in Essen, anschließend Polleiter des kommunistischen Proletarischen Freidenkerverbandes in Sachsen, ab Juli 1932 dessen Reichs-Polleiter. Im Juli 1932 wurde Weidauer in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. In der Nacht des Reichstagsbrandes festgenommen, bis Dezember 1933 in »Schutzhaft«. Weidauer setzte die illegale Arbeit fort, war Oberbezirks-Orgleiter für Sachsen und Thüringen, wurde am 19. April 1934 erneut festgenommen und im November 1934 vor dem OLG Dresden angeklagt, jedoch am 28. Februar 1935 überraschend freigesprochen. Er floh im September 1935 in die ?CSR, wurde Polleiter für Westsachsen mit Sitz in Karlsbad und emigrierte 1936 nach Dänemark. Dort gehörte er zur KPD-AL Nord. Weidauer wurde nach der Besetzung Dänemarks am 26. Juli 1940 durch die dänische Polizei verhaftet und Ende Januar 1941 an die Gestapo nach Hamburg übergeben. Am 3. Juni 1942 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1945 zunächst Leiter der Verwaltung des 7. Dresdener Stadtbezirks, ab 5. Juli 1945 1. Bürgermeister, ab 1. Mai 1946 Oberbürgermeister von Dresden. Weidauer war von 1958 bis zu seiner Pensionierung im Januar 1961 Vorsitzender des Rates des Bezirks Dresden. Von 1955 bis 1957 Vorsitzender des ostdeutschen Präsidiums des Deutschen Städte- und Gemeindetages, anschließend Vizepräsident. Er erhielt 1969 den Karl-Marx-Orden. Walter Weidauer starb am 13. März 1986 in Dresden.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Weigel, Hansjörg

* 15.3.1943

Geb. in Chemnitz; Vater Beamter im Strafvollzug; 1949 – 57 Grundschule in Königswalde, 1957 – 59 Mittelschule in Werdau, Mittl. Reife; 1959 – 61 Ausbildung zum Kfz-Elektriker, FDJ-Gruppensekr. im Ausbildungsbetrieb; 1961 – 90 berufstätig in einer PGH in Werdau; 1963 Verweigerung des Wehrdienstes, 1966/ 67 Bausoldat; ehrenamtl. Gemeindearbeit im Sinne christl. Friedenserziehung; 1973 maßgebl. Gründungsinitiator des Christl. Friedensseminars Königswalde, das zweimal jährl. Veranstaltungen mit krit. Diskussionen zu spezifischen polit. Themen durchführte u. für die DDR-Friedensbewegung eine Vorreiterfunktion besaß; intensive Bearbeitung durch das MfS (OV »Spaten II«), 1980 drei Monate U-Haft wegen »staatsfeindl. Hetze«, Verurteilung zu 18 Mon. Gefängnis, nach Protesten der Kirchenltg. Aussetzung der Strafe zur Bewährung, Verzicht auf das Angebot der staatl. Behörden, in die Bundesrep. Dtl. überzusiedeln; 1984 – 96 Mitgl. der Sächs. Landessynode. Seit 1990 Stadtrat in Werdau, zunächst für einen parteipolit. unabh. »Bürgerrat«, seit 1999 für die SPD; seit 1992 Geschäftsf. im alten Betrieb; 1999 Bundesverdienstkreuz.»Man wandelt nur das, was man annimmt«. In: Jesse, E. (Hrsg.), Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006. Kluge, M.: Das Christl. Friedensseminar Königswalde bei Werdau. Leipzig 2004; Jesse, E. (Hrsg.): Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006; Jander, M.: H. W. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opp. u. Widerstand in Biogr. u. Fotos. Berlin 2006.Eckhard Jesse

Wer war wer in DDR

Weihs, Rolf

* 6.4.1920 – ✝ 27.11.2000

Geb. in Goldlauter (Krs. Suhl); Volksschule; Metallformer; Mitgl. der Jungen Pioniere; Wehrmacht. Eintritt in die SED; 1954 – 58 2. Sekr. (Nachf. von  Horst Dohlus), 1958 – 60 1. Sekr. der SED-Gebietsltg. Wismut (Nachf. von  Alois Bräutigam); 1958 – 60 Kand., 1960 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1960 – 63 1. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Walter Buchheim); 1963 – 70 1. Sekr. der SED-KL Potsdam (Nachf. von Herbert Puchert); 1963 – 71 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1970 – 86 stellv. Vors. der BPKK der SED Erfurt; 1980 VVO; gest. in Erfurt.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Weimann, Richard

* 16.4.1890 – ✝ 2.7.1976

Geb. in Wilthen (b. Bautzen); Vater Klempner; Volks-, Fortbildungs- u. Handelsschule in Dresden; kfm. Angest., Bürovorsteher bei einem Rechtsanwalt in Dresden, Versicherungsangest. in Frankfurt (Main); 1908 SPD; 1911 Mitarb. in einem Rechtsanwaltsbüro in Greiz; 1913 – 16 hauptamtl. Sekr. der Arbeiterjugend in Groß-Berlin; 1916 – 19 Redaktionssekr. bei der Ztg. »Vorwärts«; 1920 – 33 Angest. bzw. Geschäftsf. im Reichsaussch. für soz. Bildungsarbeit u. des Soz. KB; 1933 Mitgl. des illeg. SPD-PV; 1934 – 45 Reisebüroinhaber bzw. Vertreter im Jugendfilm-Verleih; illeg. Arbeit in der sozialdemokrat. Widerstandsgr. um Franz Klühs u.  Max Fechner; Mitarb. bei den Quäkern zur Unterstützung der Angehörigen von Inhaftierten. 1945 Mitgl. des SPD-ZA; Ltr. der Kulturarbeit; 1946 SED; 1946 – 50 Mitgl. des SED-PV; zeitw. Chefred. des theoret. SED-Organs »Einheit«; 1946 parität. Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung bzw. ab 1947 Parteischulung, Kultur u. Erziehung des ZS des SED-PV (gem. mit  Fred Oelßner); Jan. 1949 auf eigenen Antrag Entbindung von der Funktion; anschl. Filialltr. des DEFA-Filmvertriebs für Sachsen u. Sachsen-Anh. in Leipzig; ab Jan. 1950 Aufbau u. Ltr. der Kulturfilmabt. der DEFA; 1952 Austritt aus der SED u. Wiedereintritt in die SPD; Übersiedl. nach Berlin (West) u. Mitgl. der SPD in Berlin-Neukölln; Rentner; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weinert, Erich

* 4.8.1890 – ✝ 20.4.1953

Geboren am 4. August 1890 in Magdeburg, Sohn eines Ingenieurs. Maschinenbauerlehre, von 1908 bis 1910 an der Kunstgewerbeschule in Magdeburg, bis 1912 Studium an der Königlichen Kunst-Hochschule in Berlin; 1912/13 freischaffender Maler, Graphiker und Buchillustrator. Von 1913 bis 1919 Soldat, Infanterieoffizier. Danach Kunstgewerbelehrer in Magdeburg und Schauspieler in Kissingen. Nach 1921 Veröffentlichung satirischer Gedichte und Auftritte in politischen Kabaretts in Berlin und Leipzig. Mitarbeit an linken Presseorganen, 1928 Mitbegründer und Vorstandsmitglied des BPRS sowie Redaktionsmitglied der »Linkskurve«. Weinert verfaßte Szenen, Lieder und Gedichte für die Agitpropgruppen, trat 1929 in die KPD ein und erhielt 1931 wegen »Gotteslästerung, Aufreizung zum Klassenhaß, Aufforderung zum bewaffneten Aufstand« sieben Monate Redeverbot. 1933 emigrierte er in die Schweiz, nach Frankreich, 1935 in die Sowjetunion. In Moskau Redaktionsmitglied der Zeitschrift »Internationale Literatur – Deutsche Blätter«. Ab 1937 Soldat im Bürgerkrieg in Spanien, Mitarbeiter des Kommissars der XI. Internationalen Brigade. 1939 Internierung in Südfrankreich, nach Entlassung Rückkehr in die Sowjetunion, dort in verschiedenen Archiven und als Übersetzer tätig, ab Juni 1941 Mitarbeiter am Moskauer Rundfunk und am Deutschen Volkssender. Von 1943 bis 1945 Präsident des NKFD. Im Januar 1946 nach Deutschland, bis 1948 Vizepräsident der Zentralverwaltung für Volksbildung (Stellvertreter von Paul Wandel). Anschließend einer der Leiter der Hauptabteilung Allgemeine Kunst und Literatur. Weinert erhielt 1949 und 1952 den Nationalpreis, war 1950 Gründungsmitglied der AdK und seit 1951 Mitglied des PEN-Zentrum Deutschland sowie seit 1953 Mitglied des Komitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer. Erich Weinert starb am 20. April 1953 in Ost-Berlin. Seine »Gesammelten Werke« wurden in neun Bänden zwischen 1955 und 1960 von seiner Witwe Li Weinert (*31.12. 1899 – †23. 5. 1983) in der DDR herausgegeben.Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weis, Albin

* 12.8.1897 – ✝ 17.9.1970

Geboren am 12. August 1897 in Heidersbach bei Suhl; lernte Büchsenmacher, bewarb sich im Herbst 1920 auf eine Ausschreibung des DMV und wurde Sekretär der Ortsverwaltung von Völklingen/Saar. Er gehörte von 1920 bis 1929 der KPD an, war Mitglied des Gemeinderats von Völklingen und kam im Jahre 1928 als Abgeordneter der KPD in den Landesrat, den Saarländischen Landtag. Ende 1928 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, wurde er Mitglied der KPO. Weis kämpfte bis 1935 gegen den Anschluß des Saargebietes an Deutschland, war 1934 Mitorganisator eines großen internationalen antifaschistischen Arbeitersportfestes in Völklingen. 1935 emigrierte er nach Frankreich, bis 1941 in einem kleinen Betrieb beschäftigt. 1939/40 zeitweise interniert, gelang Weis im Spätsommer 1941 mit Hilfe eines US-Hilfskomitees die Ausreise über Spanien und Portugal in die USA. Weis arbeitete als Werkzeugmacher in Cambridge/Massachusetts und war Mitglied der AFL. Albin Weis starb am 17. September 1970.

Wer war wer in DDR

Weiß, Ulrich

* 2.4.1942

Geb. in Wernigerode, aufgew. in Klingenthal; 1960 Abitur; danach Lehre als Fotograf; 1963/64 Betriebsfotograf bei der SDAG Wismut; 1965 – 68 Kamera- u. Regiestudium an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; 1970 Diplomfilme »Paragraph 14« u. »Auftrag für morgen«; 1971 – 81 Regisseur im DEFA-Studio für Kurzfilme, u. a. 1971 »Montage ade ...«, 1972 »Zum achtenmal«, 1972 »Meine Waffen sind nicht gebrochen – nur mein Herze brach« zum 175. Geb. von Heinrich Heine, 1974 »Potemkin frei« über die dt. Zensur an Sergej Eisensteins »Panzerkreuzer Potemkin«; ab 1976 Gastregisseur, 1982 – 90 festangest. Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme; Spielfilmdebüt 1977 »Tambari« (nach  Benno Pludra), danach u. a. 1979 »Blauvogel«, 1981 »Dein unbekannter Bruder« (nach  Willi Bredel) über Angst u. Verrat im antifa. Widerstand, gegen den stark stilisierten Film wurde eine Pressekampagne inszeniert, daraufhin nur noch eine Regie, 1983 »Olle Henry«, u. verdecktes Berufsverbot. 1991 »Miraculi«, Spielfilmparabel über den Untergang eines Lands; 1992 Dok.-Film »Der Abstecher«; 1993 – 96 Prof. für Regie an der HS für Film u. Fernsehen Potsdam-Babelsberg; lebt in Ferch (b. Potsdam).Ralf Schenk

Wer war wer in DDR

Weißflog, Jens

* 21.7.1964

Geb. in Erlabrunn-Steinheidel; Vater Agrar-Ing.-Ökonom; 1971 – 81 POS, KJS; seit 1971 aktiver Skispringer; ab 1974 Mitgl. beim SC Traktor Oberwiesenthal; 1981 – 85 Ausbildung zum Elektroinstallateur u. im Beruf tätig; wiederholter Sieger der Vierschanzentournee Oberstdorf/Garmisch-Partenkirchen/Innsbruck/ Bischofshofen; bei den Weltmeisterschaften 1984 2. Platz (mit der Mannschaft), 1985 Sieger (von der Normalschanze), 2. Platz (beim Skifliegen), 3. Platz (mit der Mannschaft) u. 9. Platz (von der Großschanze), 1987 5. Platz (von der Normalschanze u. mit der Mannschaft), 15. Platz (von der Großschanze), 1989 Sieger (von der Normalschanze), 2. Platz (von der Großschanze) u. 7. Platz (mit der Mannschaft), 1990 3. Platz (beim Skifliegen); Abg. der Volkskammer; 1984 Olymp. Spiele: Sieger (von der Normalschanze), 2. Platz (von der Großschanze); 1988 Olymp. Spiele: 9. Platz (von der Normalschanze), 31. Platz (von der Großschanze). 1994 Olymp. Spiele: Sieger (von der Großschanze u. mit der Mannschaft), 4. Platz (von der kleinen Schanze); Febr. 1994 Ehrenbürger von Oberwiesenthal; März 1996 endete seine sportl. Laufbahn; Okt. 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgez.; 1996 »Goldene Henne«; lebt in Oberwiesenthal; dort im Nov. 1996 ein Hotel eröffnet; Nov. 1996 mit dem »Goldenen Ski« ausgez.; ZDF-Experte Skisprung.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Weißig, Roland

* 21.7.1918 – ✝ 12.4.2000

Geb. in Chemnitz; Vater Teppichweber; Rote Jungpioniere; Lehre als Werkzeugschlosser; als solcher in den Junkers-Flugzeugwerken Dessau; 1939 RAD; 1940 – 45 Wehrdienst; engl. Kriegsgefangenschaft. Sommer 1945 Rückkehr nach Scheibenberg (Erzgeb.); DVP Annaberg; 1945 KPD, 1946 – 90 SED; 1947 – 49 PHS; 1949/50 Ltr. der Dt. Sportschule in Leipzig; 1950 – 52 Sekr. des Dt. Sportaussch.; 1952 – 57 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport; 1957 – 61 Sekr. des DTSB-Bundesvorst.; 1961 Lehrgang an der PHS der KPdSU in Moskau; 1962 – 66 Vors. des DTSB-BV Karl-Marx-Stadt; 1966 – 68 Vizepräs. des DTSB; 1968 – 74 Vors. des Staatl. Komitees bzw. ab 1970 Staatssekr. für Körperkultur u. Sport (Nachf. von  Alfred Bruno Neumann); 1974 – 83 1. Stellv. Dir. im Palast der Republik; 1951 Mitbegr., 1953 – 57 u. 1985 – 90 persönl. Mitgl., 1959 – 64 u. 1970 – 85 ord. Mitgl. des NOK; 1970 – 84 Präs. des DDR-Handballverb.; 1984 Rentner; KMO; 1990 – 2000 Mitgl. der KPD; gest. in Schwanebeck (b. Berlin).Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weiss, Ali

* 1899 – ✝ 7.9.1936

Geboren 1899 in Berlin; von Beruf Zeichner. Ab 1923 Mitglied der KPD. Seit 1926 in der »Roten Fahne« (auch als Zeichner) beschäftigt, war er eng mit Fritz David befreundet, der ihn 1930 in die Zentrale der RGO holte. Dort in der Gruppe Bau angestellt, soll er vorübergehend wegen angeblicher Unterschlagung ausgeschlossen worden sein, wurde aber rehabilitiert. Weiss wurde 1931 Orgleiter der Berliner RGO, 1933 in der illegalen RGO kurze Zeit Bezirksleiter sowie in deren Reichsleitung aktiv. Er wurde 1934 in die UdSSR geschickt und kam als Zeichner zur »Deutschen Zentral-Zeitung« in Moskau. Nach der Verhaftung von David ebenfalls 1936 vom NKWD festgenommen, gehörte Weiss zu den KPD-Mitgliedern, die vom Politbüro am 7.September 1936 als erste aus der Partei ausgeschlossen wurden. Die Liste mit 55 Funktionären trug bei ihm den Vermerk: »Er wurde als Trotzkist verhaftet und abgeurteilt.« Sein Name stand in der Liste »Ausschlüsse aus der KPD«, die das ZK am 11.Oktober 1936 in der »Deutschen Volkszeitung« veröffentlichte. Die Funktionäre waren »wegen trotzkistisch-sinowjewistischer und anderer konterrevolutionärer Verbrechen« der »trotzkistischen Mördergruppe« aus der KPD ausgeschlossen worden. Ali Weiss wurde noch 1936 erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wehner, Herbert (Funk

* 11.7.1906 – ✝ 19.1.1990

(* 1906 – † 1990) Geboren am 11. Juli 1906 in Dresden, erster (von zwei Söhnen) des Facharbeiters Richard Wehner und seiner Frau Antonie, geborene Diener. Da der Vater 1914 Soldat wurde, die Mutter mit Näharbeiten nur wenig verdiente, mußte Herbert Wehner bereits früh zum Unterhalt der Familie beitragen. Ein 1921 gewährtes Stipendium ermöglichte ihm eine dreijährige Ausbildung zum Verwaltungsdienst, anschließend kaufmännische Lehre. 1923 trat er in die SAJ ein, zunächst von Otto Rühle beeinflußt, wurde Wehner Anarchist, war in Dresden zeitweise in einer »Anarchistischen Tatgemeinschaft« jugendlicher Rebellen aktiv. Er schloß sich dann Erich Mühsam an, als dessen Privatsekretär er für kurze Zeit fungierte. 1925/26 gab Wehner die Zeitschrift »Revolutionäre Tat« heraus und publizierte in Mühsams Zeitung »Fanal«. Er überwarf sich aber dann mit Mühsam, trennte sich von den Anarchisten und wurde 1927 Mitglied der KPD. Wehner heiratete die junge Schauspielerin Lotte Loebinger (* 10. 10. 1905 – † 9. 2. 1999), die Ehe ging auseinander, wurde offiziell aber erst später geschieden. Um die Jahreswende 1927/28 begann Wehners hauptamtliche Parteikarriere: Zunächst Bezirkssekretär der RHD für Ostsachsen, ein Jahr später RGO-Sekretär im Bezirk, seit dem Zusammenschluß dieses Bezirks zum Parteibezirk Sachsen Ende 1929 gehörte er als Orgleiter unter Rudolf Renner dem Sekretariat der neugeschaffenen KPD-BL an. Im Juni 1930 wurde Wehner in den Sächsischen Landtag gewählt, war stellvertretender Vorsitzender der KPD-Fraktion und Mitglied im Ältestenrat. Wegen der schwachen Verankerung der KPD in den sächsischen Betrieben wurde Anfang 1931 die BL unter Heinz Renner, vor allem aber Wehner kritisiert. Fritz Selbmann trat an Renners Stelle, Karl Ferlemann löste Wehner ab, der nach Berlin in das ZK im Karl-Liebknecht-Haus geholt wurde. Hier war er zunächst Mitarbeiter der von August Creutzburg geleiteten Orgabteilung, erlebte die innerparteilichen Rivalitäten zwischen Neumann/Remmele und Ernst Thälmann, der ihn im Frühsommer 1932 zum Technischen Sekretär des Polbüros berief. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Überführung des Apparats in die Illegalität beteiligt und bildete bis Frühjahr 1934 mit Wilhelm Kox und Siegfried Rädel die Inlandsleitung der KPD. Im Widerstand der Kommunisten gegen die NS-Diktatur spielte Wehner eine zentrale Rolle, er stieg zu einem der wichtigen Parteiführer in der KPD auf. Er war der Verhaftung wiederholt nur knapp entgangen, emigrierte im Juni 1934 mit seiner (seit 1929) neuen Lebensgefährtin Charlotte Treuber (* 24. 1. 1907 – † 21. 10. 1999), zunächst nach Saarbrücken. Dort Oberberater, koordinierte er unter dem Parteinamen Kurt Funk dann auch von Prag und Paris aus den Widerstand gegen das NS-Regime. Während der Auseinandersetzungen 1934/35 innerhalb des Politbüros unterstützte Wehner Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht. Zeitweilig war er Lehrer an der Internationalen Leninschule in Moskau und nahm im Sommer 1935 am VII. Weltkongreß und im Oktober an der »Brüsseler Konferenz« teil. Wehner wurde hier in das ZK gewählt und zum Kandidaten des Politbüros berufen, war damals das jüngste Mitglied im obersten Führungsgremium der KPD. Er gehörte unter Ulbricht mit Anton Ackermann, Franz Dahlem und Paul Merker zur »operativen Leitung« des Politbüros zur Anleitung der illegalen Organisationen im Reich. Nach Auseinandersetzungen mit Ulbricht in Paris reiste Wehner Ende 1936 zur Berichterstattung nach Moskau, Referent für deutsche Fragen im Sekretariat der Komintern. Auch er geriet in die »Säuberungen« und wurde in einem »Untersuchungsverfahren« mehrfach vom NKWD verhört. Noch im September 1937 beschloß die Moskauer Parteiführung, in der »Angelegenheit Funk« die Kaderabteilung zu beauftragen, »gegen Funk wegen Verletzung der Konspiration« eine Untersuchung vorzunehmen und ihn »zur Verantwortung zu ziehen«. In der damaligen Situation bedeutete dies, daß Wehner in der UdSSR mit seiner Verhaftung und Liquidierung durch das NKWD rechnen mußte. Selbst gefährdet, schrieb er nun – wie alle Emigranten – zahllose Berichte. Seine Dossiers für die IKK belasteten Mitgenossen, deren vorherige Berichte ihn ebenfalls belasteten. Ob alte Fraktionskämpfe, ob Revanche bei persönlichen Differenzen oder einfach als Schutz im Untersuchungsverfahren der Komintern für die Angaben ausschlaggebend waren, ist schwer auszumachen. Das Parteiverfahren in Moskau gegen ihn wurde schließlich 1939 eingestellt. Wehner hat in seinen 1946 geschriebenen (1982 dann von Gerhard Jahn herausgegeben) »Notizen« klargestellt, wie er in jenes zum Inquisitionsritual gehörende Netz von Anklagen, Gegenanklagen, Denunziationen und Selbstbezichtigungen geraten und dadurch zum Mittäter geworden war. Im Auftrag der Komintern fuhr Wehner Ende Januar 1941 nach Schweden, um hier die Arbeit der AL Mitte zu reorganisieren. Von Stockholm aus sollte er gemeinsam mit Karl Mewis und Richard Stahlmann nach Deutschland reisen, um die Arbeit illegaler kommunistischer Gruppen im Reich zu koordinieren. Am 18. Februar 1942 in Stockholm festgenommen, wurde Wehner im April wegen »Gefährdung der schwedischen Freiheit und Neutralität« zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, im November in ein Jahr Zwangsarbeit verschärft. Über Wehners Verhaftung und Verhalten gegenüber den schwedischen Ermittlungsbehörden wurde das Politbüro in Moskau vor allem durch Mewis und Stahlmann verzerrt informiert. Danach wurde Wehner unter dem Vorwurf des Verrats am 6. Juni 1942 aus der KPD ausgeschlossen. Nach der Entlassung aus der Haft war Wehner zunächst in einer Viskosefabrik beschäftigt, anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Archiv. 1944 heiratete er Charlotte Burmester, geborene Clausen (†1979), die Witwe eines von den Nazis ermordeten Hamburger Kommunisten. Bei ihr und ihren beiden Kindern fand er private Geborgenheit. Er wurde von früheren Genossen gemieden, isoliert und erkannte, die kommunistische Bewegung, von der er sich während seiner Einzelhaft 1942/43 nach langen innerlichen Kämpfen zu lösen begann, hatte ihn fallengelassen. Der Briefwechsel mit Günter Reimann von 1946 (1998 veröffentlicht) und vor allem seine »Notizen« (in Schweden niedergeschrieben) zeigen Wehners endgültige Trennung vom »totalitären Kommunismus«. Er benannte Mechanismen der Kaderpolitik, zeigte, daß der Stalinismus die Idee des Sozialismus diskreditiert hatte. Aber deswegen wollte er die Tradition der Arbeiterbewegung keineswegs über Bord werfen, sondern wurde Sozialdemokrat. Im September 1946 kehrte Wehner nach Deutschland zurück, trat einen Monat später der SPD bei und arbeitete als außenpolitischer Journalist bei der SPD-Zeitung »Hamburger Echo«. Von Kurt Schumacher unterstützt, kandidierte Wehner im August 1949 erfolgreich für den ersten Deutschen Bundestag, dem er ununterbrochen bis 1983 angehörte. Als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für gesamtdeutsche und Berliner Fragen von 1949 bis 1966 setzte er sich insbesondere für die Wiedervereinigung Deutschlands ein. Von 1952 bis 1982 war er Mitglied des SPD-Parteivorstandes und des SPD-Präsidiums sowie von 1958 bis 1973 Stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. In der Großen Koalition unter Kiesinger/Brandt wirkte er von 1966 bis 1969 als Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und war von 1969 bis 1983 Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag. Seine Strenge und sein Pflichtbewußtsein brachten ihm den Ruf eines »Zuchtmeisters« und »Kärrners« in der SPD ein. Nach dem Scheitern der sozial-liberalen Koalition im Herbst 1982 trat Wehner den Rückzug aus der aktiven Politik an. Um Greta Burmester (* 1924), seine Pflegetochter und langjährige vertraute Mitarbeiterin, sozial abzusichern, heiratete er sie 1983. Unter dem Titel »Zeugnis« wurden 1982 seine »Notizen« veröffentlicht. Neben anderen Auszeichnungen erhielt er 1984 die Ehrendoktorwürde der Universität Jerusalem. Die Freie und Hansestadt Hamburg nahm Wehner 1986 in die Reihe der Ehrenbürger auf. Herbert Wehner, zuletzt schwer an Alzheimer erkrankt, starb am 19.Januar 1990 in Bonn. Seinem Andenken gilt z. B. das im September 1992 in Dresden gegründete »Herbert-Wehner-Bildungswerk«, und die 2004 geschaffene »Herbert und Greta-Wehner-Stiftung«, die in seinem Sinne zur Stärkung der Demokratie beitragen wollen. Herbert Wehner bleibt auch nach seinem Tod eine der umstrittenen Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte. Schon zu Lebzeiten wurde der Sozialdemokrat von politischen Gegnern verunglimpft, »immer noch Kommunist« zu sein. Selbst nach seinem Tod sollte Wehner 1993/94 in einer Medien-Schlammschlacht im Wahlkampf instrumentalisiert werden, bis hin zu Verdächtigungen, er habe die »Sache der anderen Seite« vertreten. Die Schmähungen mißlangen, doch wird nun seine Rolle als führender Kommunist und seine Tätigkeit während der stalinistischen Säuberungen zu Verleumdungen benutzt. Daß die vor Hitler nach Moskau geflüchteten KPD-Führer – und damit bis 1940 auch Wehner – Schuld auf sich luden, bleibt eine tragische Erkenntnis, ist aber nicht neu. Wehner war zwar ein »Schräubchen« in diesem terroristischen Räderwerk, doch natürlich nicht dessen Antreiber oder gar Initiator, er war selbst bedroht. Vor allem aber hat er als einer der ganz wenigen kommunistischen Führer aus den Schrecken des Stalinismus und seinen Irrtümern Lehren gezogen und wurde Demokrat. Herbert Wehners Persönlichkeit ist historisch gesehen geprägt als die eines mutigen Kämpfers gegen die NS-Diktatur und danach als eines aktiven Erbauers der freiheitlichen Demokratie in Deutschland. Diese Probleme werden in der inzwischen breiten Literatur über Wehner thematisiert, hier sei nur verwiesen auf Hartmut Soell: Der junge Wehner, Stuttgart 1991; Reinhard Müller: Die Akte Wehner, Berlin 1993; Michael F. Scholz: Herbert Wehner in Schweden 1941-1946, Berlin 1997.

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Weidanz, Gustav

* 9.12.1889 – ✝ 25.8.1970

Geb. in Hamburg; 1905 – 08 Lehre als Ziseleur; 1908 – 10 Studium der Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Hamburg; 1910 – 11 Schüler von I. Taschner u. F. Metzner; 1911 – 16 Studium an der Unterrichtsanstalt am Königl. Kunstgewerbemuseum Berlin bei J. Wackerle, Auseinandersetzung mit Medaillengestaltung; 1916 – 58 Ltr. einer Fachkl. für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Halle (später HS Burg Giebichenstein); seit 1920 dort Prof. u. Ltr. der Keram. Werkstatt; 1926 Studienreise nach Italien, 1927 in die Niederlande. 1958 em.; dann freischaff. in Halle; 1970 Mitgl. der AdK; gest. in Halle. Ausstellungen: 1954 Staatl. Galerie Moritzburg Halle; 1955 Kunsthalle Bremen u. Landesmuseum für Kunst- u. Kulturgeschichte Oldenburg; 1956 Kunsthalle Hamburg u. Kunstverein Kassel; 1957 Lindenau-Museum Altenburg, Freiberg u. Karl-Marx-Stadt; 1964 Halle u. Eisenach; 1969 Retrospektive in der Staatl. Galerie Moritzburg Halle u. im Staatl. Museum Schloß Mosigkau. Werke: Bronzefiguren des Ratshofs in Halle, 1926 (zerstört); Mahnmale für die OdF in Zerbst, 1950, u. Apolda, 1951; Sitzender männlicher Akt. 1961; Weiblicher Torso. 1966. Sek.-Lit.: G. W. zum 80. Geb. Kat. Museum Schloß Mosigkau u. Galerie Moritzburg Halle, 1969; Lang, L.: G. W. In: Begegnungen im Atelier. Berlin 1975; Schönemann, H.: Zum Werk von G. W. In: Plastik – Kolloquium ’79. Protokollband. Magdeburg 1980.Anke Scharnhorst

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Weidig, Rudi

* 5.1.1931 – ✝ 26.2.2012

Geb. in Schnellroda (Sachsen-Anh.); Eltern Landarb.; ab 1952 Ausbildung an gewerkschaftl. Bildungseinrichtungen; 1953 SED; 1955 – 59 Lehrer für Geschichte u. Philos. an versch. Gewerkschaftsschulen der DDR; ab 1960 Aspirant am IfG in Berlin; 1964 Prom. mit der Diss. »Probleme der weiteren Entfaltung des Schöpfertums der Industriearb. zur Durchsetzung des wiss.-techn. Fortschritts in der soz. Prod.« (veröff. Berlin 1965); anschl. Assistent bzw. Doz. an der neugegr. Abt. für Soziol. des IfG; 1970 Prom. B mit einer Arbeit zum Thema »Soz. Gemeinschaftsarbeit – eine soziolog. Studie zur Entw. von Gemeinschaftsarbeit, Arbeitskoll. u. Persönlichkeit« (veröff. Berlin 1969); 1970 Berufung zum Prof. u. ab 1971 Ltr. der Abt. bzw. des Lehrstuhls für marxist.-leninist. Soziol.; später bis 1990 Dir. des daraus hervorgegangenen Inst. der AfG; zugl. Vors. des Nat.-Komitees für soziolog. Forschung sowie des Wiss. Rats für soziolog. Forschung in der DDR (Nachf. von  Erich Hahn), in dieser Funktion verantw. für die Planung u. Koordinierung der soziolog. Forschung; 1976 – 89 Vertreter der DDR im Council of International Sociological Association; bis 1988 im Direktorium des Wiener Zentrums für Forschung, Information u. Dokumentation in den Sozialwiss. sowie bis 1989 Mitgl. der Multilateralen Problemkommission der Soziologen soz. Länder; 1985 NP (im Koll.); seit 1990 Mitgl. des Inst. für Sozialdatenanalyse e. V. Berlin. Nach Auflösung der AfG 1991 Altersübergang; seit 1994 Rentner; gestorben in Petershagen (Landkrs. Märkisch Oderland). Arbeitsgebiete: Industriesoziol., Sozialstrukturentw. in der DDR, insbes. soziale Gleichheit u. Ungleichheit sowie soziale Lage der Arbeiterschaft; 1986 – 89 ltd. DDR-Vertreter im bilateralen Forschungsprojekt »Soziale u. ideolog. Prozesse u. Probleme der Anwendung flexibler Automatisierung in Industriebetrieben der UdSSR u. der DDR«.Zur Entw. der Arbeiterkl. u. ihrer Struktur in der DDR. Berlin 1976 (Hrsg.); Wörterbuch der marxist.-leninist. Soziol. Berlin 1977 (Ltr. des Hrsg.-Koll.); Sozialstruktur der DDR. Berlin 1988 (Hrsg.).Jan Wielgohs

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Weigel, Helene

* 12.5.1900 – ✝ 6.5.1971

Geb. in Wien in einer jüd. Fam., Vater Prokurist einer Textilfirma, Mutter Inh. eines Spielwarengeschäfts; 1907 – 15 Volksschule, 1915 – 18 Lyzeum / Gymnasium; künstler. Ausbildung in Wien; 1918 – 33 Engagements an versch. dt. Theatern, u. a. 1919 am Neuen Theater in Frankfurt (Main), 1921 – 30 Staatstheater, 1924/25 am Dt. Theater in Berlin; wirkte an Aufführungen der Gruppe Junger Schauspieler mit (1927 u. 1931 in  Bertolt Brechts »Mann ist Mann«, 1930 in »Die Maßnahme«, 1932 »Die Mutter«); 1929 Ehe mit Bertolt Brecht; 1930 KPD in Berlin; März 1933 nach dem Reichstagsbrand emigriert nach Dänemark, Schweden, Finnland u. USA; 1933 Ausbürgerung; Rollen in UA von Bertolt Brecht »Die Gewehre der Frau Carrar« (1937) u. »Furcht u. Elend des Dritten Reiches« (1938); 1946 Mitgl. der Screen Actors Guild. Rückkehr nach Europa; 1947 Schweiz; 1948 UA der »Antigone« von Bertolt Brecht in Chur, erster Auftritt nach der Emigr. in dt. Sprache; Okt. 1948 Rückkehr nach Berlin; 1949 Intendantin des neugegr. Berliner Ensembles; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1956 SED-Austritt nach dem XX. Parteitag der KPdSU; 1960 Prof.; 1949, 1953 u. 1960 NP; 1964 Mitgl. des Komitees der antifa. Widerstandskämpfer; 1965 VVO; 1970 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. Rollen u. a. in: 1949 »Mutter Courage u. ihre Kinder«, 1951 »Die Mutter«, 1953 »Katzgraben« von  Erwin Strittmatter, 1954 »Der kaukas. Kreidekrs.«, 1955 »Die Ziehtochter«, 1961 »Frau Flinz« von  Helmut Baierl, 1965 Bertolt Brechts »Coriolan«, 1968 »Die Geschichte der Simon Machard«. Sek.-Lit.: Pintzka, W.: Die Schauspielerin H. W. Berlin 1959; H. W. zum 70. Geb. Berlin 1970; Hecht, W.: H. W. Eine große Frau des 20. Jh. Frankfurt (Main) 2000; Kebir, S.: Abstieg in den Ruhm. Eine Biogr. Berlin 2000.Bernd-Rainer Barth

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Weikert, Martin

* 29.7.1914 – ✝ 28.4.1997

Geb. in Spittelgrund (Krs. Reichenberg, Ostböhmen / Dolní Sedlo, Tschechien); Vater Schuhmacher, Mutter Textilverarb.; Volks- u. Gewerbl. Fortbildungsschule; 1929 – 32 Ausbildung u. Arbeit als Zimmermann; KJVC-Sekr. in Grottau-Kratzau; 1933 arbeitslos; illeg. Grenzarbeit; 1934/35 Internat. Lenin-Schule in Moskau; 1935 KPČ; KJVČ-Sekr. für Nord- u. Ostböhmen; 1937/38 Soldat; 1939 Flucht in die UdSSR; Lehre u. Arbeit als Schlosser in Stalingrad, ab 1941 in Kasachstan; 1942 – 44 Speziallehrgang in Ufa u. Moskau; ab Sept. 1944 Funker des Hauptstabs der Partisanen in der Slowakei; 1945/46 Mitarb. des ZK der KPČ in Prag. 1946 Umsiedl. nach Halle; 1946 Personalltr., 1947 Ltr. des Dezernats K 5 (Pol. Polizei); 1949 wieder Personalltr. der Polizei Sachsen-Anh.; 1949 Ltr. der Länderverw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen-Anh. (ab Feb. 1950 Länderverw. für Staatssicherheit); 1952 Gruppenltr. im MfS Berlin; 1.1.1953 Stellv. des Ministers für Staatssicherheit (Juli 1953 bis Nov. 1955 des Staatssekr.); dazw. April – Juni 1955 kommissar. Ltr. der HA I (Abwehr in der KVP); 1956/57 zugl. Ltr. der BV Groß-Berlin; 1.11.1957 Ltr. der BV Erfurt (Nachf. von  Wilhelm Gaida); 1963 – 82 Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1974 VVO; 1976 Gen.-Ltn.; 1982 Rentner; 1984 KMO; 1989 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Erfurt.Thürk, H.: Das Leben eines Kämpfers. M. W. erinnert sich. Leipzig 1988.Jens Gieseke

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Weimann, Robert

* 18.11.1928

Geb. in Magdeburg; Vater Elektriker; 1947 – 51 Philologiestudium an der MLU Halle; 1951 St.-Ex. in Engl. u. Russ., Pädagoge; 1955 Prom. zum Dr. phil. an der HU Berlin; 1955 – 58 wiss. Mitarb. u. Aspirant an der FSU Jena; 1960 Habil. an der HU Berlin mit einer Arbeit über den New Criticism; 1963 – 95 Prof. für Lit.-Theorie u. engl. Lit.-Geschichte an der PH Potsdam, ab 1965 an der HU; 1968 Mitarb. in der Arbeitsstelle für Lit.-Theorie an der DAW; hier 1969 – 91 Forschungsgr.-Ltr. im ZI für Lit.-Geschichte; 1969 Ord. Mitgl. der DAK, 1978 – 90 1. Vizepräs.; seit 1972 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann Dtl.; 1984 Lessing-Preis; 1985 – 93 Präs. der Dt. Shakespeare-Ges. u. Ehrenmitgl. der Modern Language Ass. of America; Gastprof. in Charlotteville / Virginia, in Toronto, Berkeley, Harvard u. Irvine/California; 1984 u. 1989 NP; 1987 Mitgl. der New York Academy of Sciences. 1991 – 94 Kommissar. Ltr. des Forschungsschwerpunktes Lit.-Wiss.; 1991 – 94 Ltr. des Zentrums für Literaturforschung Berlin / München; seit 1990 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; lebt in Basdorf (b. Berlin) u. Irvine (Kalifornien, USA).Die Bedeutung des engl. Absolutismus für die Entwicklung des elisabethanischen Dramas. Berlin 1955. Drama u. Wirklichkeit in der Shakespeare-Zeit. Berlin 1958; Shakespeare u. die Tradition des Volkstheaters. Berlin 1967; Shakespeare u. die Macht der Mimesis. Berlin 1988; Der nordamerik. Roman 1880 – 1940. Berlin 1989 (Hrsg.); Postmoderne – globale Differenz. Frankfurt (Main) 1991 (Hrsg. zus. mit. U. Gumbrecht); Wert, Repräsentation, Geschichte. Braunschweig 1992; Authority and representation in early modern discourse. Baltimore u. a. 1996; Zw. Performanz u. Repräsentation: Shakespeare u. die Macht des Theaters. Aufsätze von 1959 – 1995. Heidelberg 2000. Boden, P., Böck, D. (Hrsg.): Modernisierung ohne Moderne. Das ZI für Lit.-Geschichte an der AdW der DDR. Heidelberg 2004.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weingärtner, Heinrich

* 24.5.1902 – ✝ 25.8.1977

Geboren am 24. Mai 1902 in Karlsruhe; Buchdrucker, seit 1925 Mitglied und Funktionär der KPD. Im Februar 1933 Flucht nach Utrecht, im April 1933 in das Saargebiet. Anschließend Einsatz in Deutschland, illegaler Leiter der BL Hessen-Frankfurt. Bereits am 21. Dezember 1933 in Frankfurt/M. festgenommen und am 11. Mai 1934 vom OLG Kassel zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend bis 1945 Haft im KZ Buchenwald, dort 1941/42 Kapo im Krankenbau (Vorgänger von Ernst Busse), 1942 in das Arbeitserziehungslager Hallendorf, ein Zwangsarbeitslager der Reichswerke Hermann Göring verschleppt, Frühjahr 1945 Flucht aus dem Lager. April 1945 Eintritt in den Polizeidienst in Braunschweig, zuletzt Leiter der Fahndungsabteilung der Braunschweiger Kriminalpolizei. Gegen Weingärtner gab es Ende der vierziger Jahre ein Dienststrafverfahren wegen Spionage (es ging um Kontakte zu Polizeidienststellen in der SBZ/DDR). 1953 erfolgte seine Versetzung nach Stade. Im Februar 1955 zog er nach Cloppenburg, politisch trat er nicht mehr hervor. Heinrich Weingärtner starb am 25. August 1977 in Ratingen.

Wer war wer in DDR

Weiß, Hilmar

* 11.3.1928

Geb. in Suhl; Vater techn. Angest.; 1934 – 44 Volks- u. Handelsschule; 1944 – 46 Ausbildung zum Kfm., 1944/45 RAD. 1945/46 SPD/SED; seit 1946 Buchhalter u. Ltr. des Rechnungswesens im Verb. der Konsumgenossenschaften (VDK) Suhl u. Meiningen; 1952 Hauptbuchhalter; 1953 Zentralschule des ZK der SED in Ballenstedt; 1954 – 58 Vors. des Konsumbez.-Verb. Suhl; 1954 – 58 Abg. des Bez.-Tags u. Mitgl. des Rats des Bez. Suhl; 1959 – 63 Vors. der ZRK des VDK; 1959/60 Fernstudium an der HS für Binnenhandel Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1963 – 67 Präs. des VDK; 1967 – 89 Ltr. der Abt. Handel, Versorgung u. Außenhandel des ZK der SED; 1969 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HfÖ Berlin, Diss. zu Planung u. Ltg. der Außenwirtschaft; 1978 u. 1988 VVO; 1981 – 83 Kand., 1983 – 89 Mitgl. der ZRK der SED; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1990 Vorruhestand.Die Planung u. Ltg. der Außenwirtsch. Berlin 1969.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weißberg-Cybulski, Alexander

* 1901 – ✝ 1964

(* 1901 – † 1964) Geboren 1901 in Krakau, damals Österreich-Ungarn, Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns. Die Familie zog nach Wien, wo er technische Physik studierte und dann als Physiker arbeitete. Seit 1920 in der SPÖ, trat er 1927 der KPÖ bei und seit der Übersiedlung nach Deutschland 1929 der KPD. Als inzwischen weithin bekannter Physiker war er u. a. für deren Geheimapparat tätig (Pseudonym Peter Warbeck), was die Kaderabteilung der Komintern am 4. April 1937 bestätigte: »Er hat für den illegalen Parteiapparat der KPD gearbeitet.« Im März 1931 kam Weißberg in die Sowjetunion, er war einem Ruf an das Ukrainische Physikalisch-Technische Institut in Charkow, eine der damals größten Forschungsstätten Europas, gefolgt und bekam dort eine führende Stellung. Am 20.März 1937 wurde Weißberg vom NKWD festgenommen, doch die Inhaftierung des berühmten österreichischen Wissenschaftlers löste eine Welle weltweiter Empörung aus. Albert Einstein schrieb im Mai 1938 wegen Weißbergs Freilassung sogar an »Herrn Stalin«; die französische Trägerin des Nobelpreises und später bekannte Kommunistin Irene Joliot Curie u. a. verlangten vom Generalstaatsanwalt Wyschinski, die »erforderlichen Schritte zur sofortigen Freilassung zu tun«. Doch Weißberg blieb in NKWD-Haft, im September 1939 unterschrieb er nach Folterungen das übliche »Geständnis«. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt im Januar 1940 vom NKWD der Gestapo übergeben, war er drei Monate in deren Gewahrsam und wurde dann ins Ghetto Krakau abgeschoben. Er konnte im Frühjahr 1942 flüchten, schloß sich dem polnischen Widerstand an, war in Warschau, wo er den Aufstand im jüdischen Ghetto (Mai 1943) sowie den Nationalaufstand (Herbst 1944) überlebte. Bis Ende der vierziger Jahre wohnte er unter dem Namen seiner Frau, Cybulski, als Geschäftsmann in Krakau, dann kam er nach Schweden, übersiedelte Anfang der fünfziger Jahre nach Frankreich. Alexander Weißberg-Cybulski starb im Frühjahr 1964 in Paris. Er hatte sich nach 1945 gründlich mit den Stalinschen Säuberungen auseinandergesetzt, sein mehrfach veröffentlichtes, 1951 in Deutschland erschienenes Buch »Hexensabbat« gehört zu den frühen Standardwerken über den stalinistischen Terror. In der Einleitung dazu hatte Arthur Koestler Weißbergs außerordentliche Persönlichkeit ebenso gewürdigt wie seinen erstaunlichen Lebensweg und seine Haltung. »Ich kenne keinen einzigen, der nach drei Jahren GPU-Haft und fünf Jahren Gestapo-Verfolgung physisch und geistig so unversehrt, so zufrieden mit dieser besten aller möglichen Welten wieder aufgetaucht wäre wie Alexander Weißberg-Cybulski. Er sah wie ein wohlhabender Kaufmann aus ... mit runden, ausgeglichenen Bewegungen, mit einer Vorliebe für Wiener Kaffeehausgeschichten, Pralinés kauend oder seinen vielgeliebten türkischen Honig.« Wichtig bleibt, daß Weißberg aus eigener Erfahrung, lange vor Öffnung der Archive mit seinem berühmten Gedächtnis die Praxis und die Hintergründe des stalinistischen Terrors geschildert und analysiert hat.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weisheit, August

* 9.10.1898 – ✝ 5.8.1985

Geboren am 9. Oktober 1898 in Bielefeld; Mittelschule, Maurerlehre, 1917 Einberufung zum Militärdienst. Nach dem Krieg Gelegenheitsarbeiter, Maurer und Stahlarbeiter im Ruhrgebiet und Rheinland sowie im Raum Magdeburg. 1920/21 löste er sich aus dem sozialdemokratischen Milieu seines Elternhauses und trat der KPD bei. Seit 1923 UB-Sekretär der Bielefelder KPD, wurde er einer von drei M-Leitern des Bezirks Niedersachsen. Als solcher ließ er im Herbst 1923 aus Steinbrüchen bei Steinhagen geraubten Sprengstoff und von Genossen aus Lippe gestohlene Munition nach Bielefeld und dann nach Hannover bringen und verübte im Dezember 1923 einen Anschlag auf das Gebäude des Oberpräsidenten Gustav Noske. Steckbrieflich gesucht, flüchtete Weisheit dann mit einem gefälschten französischen Reisepaß 1924 nach Marseille und Paris. Dort blieb er sieben Jahre, war aktiv in der CGT und KPF. Im Sommer 1931 kehrte er nach Bielefeld bzw. Oerlinghausen/Lippe zurück, Funktionär im UB Bielefeld, Redakteur beim »Kämpfer« und Leiter einer illegalen RFB-Zelle, im Januar 1932 in den Kreistag Lemgo gewählt. Im Februar/März 1933 verhaftet, irrtümlich auf freien Fuß gesetzt, versteckte er sich in der Osnabrücker Gegend. Am 1.Mai 1933 wieder festgenommen, vom OLG Hamm Anfang 1934 zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt. Anschließend floh er zu seiner französischen Lebensgefährtin und seiner Tochter nach Paris, wurde im April 1937 Sekretär des von der KPD initiierten Koordinationsausschusses Deutscher Gewerkschafter. 1938 oder 1939 als Anhänger von Willi Münzenberg aus der KPD ausgeschlossen, im September 1939 interniert. Er verpflichtete sich für die Fremdenlegion, kam im Frühjahr 1940 nach Nordafrika zum Gleisbau und überlebte den Krieg, kehrte aber nicht nach Deutschland zurück. August Weisheit starb am 5.August 1985 in Annonay in Südfrankreich.

Wer war wer in DDR

Weiskopf, F. C. (Franz Carl)

* 3.4.1900 – ✝ 14.9.1955

Geb. in Prag in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Bankbeamter; dt. Volksschule u. Altstädter Realgymnasium in Prag, 1918 Abitur; 1918 Militärdienst; Studium der Germanistik u. Geschichte an der Dt. Univ. Prag; 1919 – 21 Mitgl. der SPD in der ČSR; Übertritt zur KPČ; 1920 Austritt aus der jüd. Gemeinde; ab 1920 journalist. Tätigkeit für die soz. Ztg.; 1923 Prom. zum Dr. phil.; Mitgl. der tschech. Dichtergr. »Devetsil«; 1924 – 28 neben schriftsteller. Betätigung u. a. TASS-Auslandskorrespondent; 1926 Reise in die UdSSR; 1928 – 33 in Berlin Lektor, Red. u. Journalist, u. a. 1928 – 31 im Feuilleton von »Berlin am Morgen«; BPRS u. Ltg.-Mitgl. im SDS; 1931 Heirat mit  Alex Wedding; 1933 aus Dtl. ausgewiesen; Febr. 1933 Emigr. in die ČSR; 1933 – 37 Chefred. der »AIZ«, dann der »Volks-Illustrierten« in Prag; 1934 Deleg. zum 1. Allunionskongr. der Sowjetschriftst. in Moskau; 1937 Herder-Preis der ČSR; 1938 Emigr. nach Paris, Mitarb. im dortigen »Schutzverband Dt. Schriftsteller«; Juni 1939 Teiln. am Kongreß der League of American Writers in New York, kehrte infolge Kriegsbeginns nicht nach Europa zurück; in den USA erfolgr. Einsatz für die Freilassung in Frankreich internierter Schriftsteller; Mitarb. im Komitee für exilierte Schriftst. Nach 1945 diplomat. Dienste für die Reg. der ČSR, 1946 / 47 Presseattaché beim Generalkonsulat der ČSR in New York, 1948 / 49 Botschaftsrat in den USA (Washington D.C.), 1949 Botschafter in Schweden u. 1950 – 52 in China; Juli 1952 Rückruf nach Prag, kurztg. Verhaftung u. Vernehmungen durch die tschech. Staatssicherheit im Kontext des Slánský-Prozesses; Nov. 1953 Übersiedl. in die DDR (Berlin); 1953 Mitbegr. der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«, zus. mit  Willi Bredel deren Chefred.; Mitgl. des Präs. des DSV, um den schriftsteller. Nachwuchs bemüht; 1954 DDR-Staatsbürgerschaft; 1954 Mitgl. der DAK u. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; gest. in Berlin; 1969 von der KPČ wg. der Verfolgung 1952 / 53 posthum rehabil.Es geht eine Trommel. Berlin 1923; Die Versuchung. Zürich 1937 (neuer Titel: Lissy oder Die Versuchung. Berlin 1954); Unter fremden Himmeln. Abriß der Lit. im Exil 1933 – 47. Berlin 1948; Abschied vom Frieden. Frankfurt (Main) 1950; Das Anekdotenbuch. Berlin 1954; Verteidigung der dt. Sprache. Berlin 1955. Erinnerungen an einen Freund. Ein Gedenkbuch für F. C. W. Berlin 1963; Arndt, F.: F. C. W. Leipzig 1965 (Bildband); Hiebel, I.: F. C. W. Schriftsteller u. Kritiker. Berlin, Weimar 1973; Stephan, A.: Im Visier des FBI. Dt. Exilschriftsteller in den Akten amerikan. Geheimdienste. Stuttgart 1995.Jürgen Kaulfuß / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Weiss, Cornelius

* 14.3.1933

Geb. in Berlin; Vater Kernphysiker Christian W.; ab 1945 wegen Dienstverpflichtung des Vaters Schulbesuch in der UdSSR; 1953 – 55 Studium der Chemie in Minsk u. Rostow am Don, anschl. an der KMU Leipzig; 1960 Dipl. bei Wilhelm Treibs; 1964 Prom.; 1970 Doz. für Theoret. Chemie; 1973 Prom. B; 1975 – 89 stellv. Ltr. der Problemgr. Theoret. Chemie der DDR; 1989 Prof.; 1990 Dir. der Sekt. Chemie der Univ. Leipzig; Mitbegr. der Initiativgr. zur demokrat. Erneuerung der Univ. 1991 – 98 Rektor der Univ. Leipzig; 1996 Mitgl. der Sächs. AdW; 1997 SPD; 1999 Bundesverdienstkreuz; Sept. 1999 – 2009 MdL Sachsen, 2004 – 07 Vors. der SPD-Fraktion. Mitbegr. der theoret.-chem. Forschung in der DDR durch wiss. u. org. Leistungen sowie als akadem. Lehrer u. Buchautor; spez. Arbeitsgebiet: quantenchem. Behandlung des Reaktionsverhaltens u. der Kinetik organ. Verbindungen.Hans-Georg Bartel

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Wehrli, Hans

* 29.6.1902 – ✝ 17.1.1978

Geb. in Winterthur (Schweiz); Vater Lehrer; 1909 – 21 Kantonschule, Reifeprüfung; danach Studium der Geol. in Zürich, Göttingen, Würzburg, Wien u. Leipzig; 1928 wiss. Assistent am Mineralog.-geolog. Inst. der Univ. Köln; 1929 Prom. in Leipzig; 1929 Erlangung der dt. Staatsbürgerschaft; 1930 Habil. am Mineralog.-geolog. Inst. der Univ. Köln, anschl. dort bis 1937 Privatdoz.; 1933 NSDAP u. SA; 1937 – 46 Kustos u. außerplanm. Prof. für Geolog. u. Paläontol. an der Univ. Münster. 1946 – 51 im Zuge der Entnazifizierung entlassen u. bis 1951 arbeitslos; 1951 Wiedereinstellung als Kustos an der Univ. Münster ohne Zulassung zur Lehre; 1954 Übersiedl. in die DDR u. Berufung als Prof. an die EMAU Greifswald, 1955 – 57 Vors. der Gewerkschaft Wiss. an der EMAU, 1956 Ernennung zum Dir. des Geolog.-Paläontolog. Inst., 1957 Lehrstuhl für Paläontol.; ab 1961 Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Wiss.; 1959 VVO; 1959 – 65 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von  Heinrich Borriss); zeitw. 1. Vors. der Geolog. Ges. in der DDR; 1967 em.; Mithrsg. der Ztschr. für Paläontol.Paläontol. heute. Greifswalder Universitätsreden NF (1959) 10.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Weidauer, Herbert

* 28.6.1909 – ✝ 3.3.1975

Geb. in Wilkau (Krs. Zwickau); Vater Bergarb.; Volksschule; 1923 – 27 Ausbildung u. Arbeit als Maurer; 1927 – 39 Ein- u. Verkäufer in einer Fischwarenhandlung; 1928 KPD; 1939 – 45 Soldat in der Wehrmacht; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 Oberbotenmstr.; 1949 Ltr. der Abt. Org. beim Rat der Stadt Zwickau; 1951 Einstellung beim MfS, stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle Zwickau; 1952 der Krs.-Dienststelle Leipzig; dann stellv. Operativ des Ltr. der BV Leipzig; 1953 Versetzung zur BV Rostock, Abt. VI (Abwehr MdI/DVP); 1954 Abt.-Ltr., dann stellv. Operativ des Ltr. der BV Rostock; 1955 stellv. Ltr., 1957 Ltr. der HA III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1960 Oberst; 1963 Ltr. der Abt. F (Funk); 1969 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Weidling, O. F. (Otto Franz)

* 2.8.1924 – ✝ 6.1.1985

Geb. in Piesau; Jurastudium wegen Einberufung zur Wehrmacht abgebrochen; Kriegsgefangenschaft; dort erste Auftritte in Kulturprogrammen. NDPD; ab 1955 Berufsausweis als Conférencier, Auftritte in Bühnenprogrammen, Varietés, Rundfunk u. Fernsehen (»Kessel Buntes«), eigene Sendereihe im DFF »Treff mit O. F.«; Mitgl. des NR der NF; Vors. der Sekt. Wortkunst beim Komitee für Unterhaltungskunst u. Präsidiumsmitgl. des Komitees; 1981 NP; populär durch seine Conférencen mit Bezügen auf aktuelle Alltagsprobleme; nach Auftritt in der Eröffnungsveranstaltung des neuen Friedrichstadtpalastes am 27.4.1984 wegen seiner Conférence Auftrittsverbot in den Medien u. z. T. auch in Veranstaltungen; gest. in Dresden.Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Weihmann, Manfred

* 16.4.1938 – ✝ 24.3.2006

Geb. in Halle, Vater Schriftsetzer, Mutter Schneiderin; Volksschule; 1952 – 56 Ausbildung, dann Arbeit als Hauer; 1954 SED; 1956 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Halle-Saalkrs.; dann Zweijahreslehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; 1958 Krs.-Dienststelle Bitterfeld; 1961 Krs.-Dienststelle Merseburg; 1966 Versetzung zur Abt. XVIII (Volkswirtschaft) der BV Halle; 1966 – 72 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1969 stellv. Ltr. der BV Halle; 1971 persönl. Beauftragter des Ltr. der Verw. Rückwärt. Dienste (VRD) des MfS Berlin; 1974 stellv. Ltr. der Abt.; 1989 Ltr. der VRD; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Weiland, Alfred

* 7.8.1906 – ✝ 18.9.1978

Geb. in Berlin-Neukölln; Vater Zimmerer; 1912 – 20 Volksschule in Berlin; 1920 – 24 Ausb. zum Schlosser bei der Fa. Sydow in Berlin, anschl. Geselle u. Gelegenheitsarbeiten; Mitgl. der Bünd. Jugend, Kontakte zur KPD; Juli – Dez. 1925 NSDAP; 1925 – 31 Telegraphenarbeiter beim Telegraphenbauamt Berlin; Mitgl. der KAPD u. Führungsfunktionär in der rätekommunist. Allg. Arbeiter-Union (AAU), ab Ende der 1920er Jahre internat. Verbindungsmann der AAU, journalist. Arbeit für die rätekommunist. Presse; 1929 Org.-Sekr. u. Mitgl. des Geschäftsf. Hauptaussch. der KAPD; 1931 Entlassung aus dem Telegraphenbauamt wg. Streikagitation; anschl. Technikerausbildung; ab Jan. 1933 illeg. polit. Arbeit; Frühjahr 1933 in die ČSR, Herbst 1933 Rückkehr nach Dtl.; Nov. 1933 verhaftet, KZ Hohenstein, Juni 1934 Entlassung; weiter illeg. tätig, führender Kopf der Kommunist. Arbeiter-Union (KAU, Bündnis versch. rätekommunist. Gruppen); in den 1940er Jahren Kontakte zu Widerstandskreisen um Carl Goerdeler u. Julius Leber, auf Betriebsebene Kontakte zur Gruppe um Anton Saefkow; entging durch Meldung zur Wehrmacht den Verhaftungsaktionen 1944. Mai 1945 in Berlin-Schöneberg; Reorganisation der versprengten rätekommunist. Gruppen, Aufbau der illeg. »Gruppe Internat. Sozialisten« (GIS) in der SBZ, zugl. Eintritt in die KPD / SED; ab 1948 Aufbau der halblegalen Org. »Sozialwiss. Vereinigung« (SWV) in West-Berlin; die GIS bzw. SWV standen seit 1945 unter Beobachtung des sowj. Geheimdienstes u. des SED-Abwehrapparates; 11. Nov. 1950 vom sowj. Geheimdienst aus West-Berlin entführt, Haft im sowj. MGB-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen u. ab März 1951 im MGB-Gefängnis in Berlin-Karlshorst, Dez. 1951 Übergabe an das MfS, Haft in der MfS-U-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen; trotz Widerrufs unter Folter erpreßter »Geständnisse über Spionagetätigkeit« in einem Geheimprozeß vom Landesgericht Greifswald im Aug. 1952 zus. mit anderen GIS-Aktivisten wg. »Boykott- u. Kriegshetze« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Bützow-Dreibergen (Mecklenb.), Anführer eines Hungerstreiks der Häftlinge, deshalb ab Ende 1955 im Zuchthaus Brandenburg-Görden; Nov. 1958 nach West-Berlin entlassen; SPD; weiter aktiv in versch. Org.; bis in die 1970er Jahre Zersetzungsmaßnahmen des MfS ausgesetzt; gest. in West-Berlin.Partisan der Freiheit. Ein Tatsachenbericht über das Kapitel Menschenraub aus der Geschichte des Kalten Krieges. Berlin 1959 (Manuskriptdruck). Buber-Neumann, M. (Hrsg.): Ein Leben für die Freiheit. Der Menschenraub an A. W. o. O., o. J. (1951); Bundesmin. für Gesamtdt. Fragen (Hrsg.): Der Staatssicherheitdienst. Ein Instrument der polit. Verfolgung in der SBZ Deutschlands. Bonn, Berlin 1962; Kubina, S.: Die Bibliothek des Berliner Rätekommunisten A. W. (1906 – 1978). Berlin 1995; Kubina, M.: Von Utopie, Widerstand u. Kaltem Krieg. Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten A. W. (1906 – 1978). Hamburg 2001.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weimer, Gottfried

* 13.9.1890 – ✝ 29.7.1957

Geboren am 13. September 1890 in Esslingen, Sohn eines Postschaffners. Das sechste von elf Kindern erhielt eine Ausbildung als Lehrer. Vor dem Weltkrieg Lehrer im württembergischen Volksschuldienst. 1917 Mitglied der USPD, Ende 1919 der KPD. Im April 1920 Übersiedlung nach Chemnitz, Redakteur und kurz Chefredakteur beim »Kämpfer«. Im Dezember 1920 Delegierter für den Bezirk Erzgebirge-Vogtland zum Vereinigungsparteitag USPD (Linke) mit der KPD zur VKPD in Berlin. Im April 1921 von einem Gericht in Dresden wegen »Hochverrats« angeklagt, weil er als verantwortlicher Redakteur Artikel aus der »Roten Fahne« übernommen habe. Als Anhänger Paul Levis verteidigte er auf dem Bezirksparteitag im März 1921 dessen Kritik an der KPD-Politik. Er schied am 23.März 1921 aus der Redaktion des »Kämpfers« aus, legte alle politischen Funktionen nieder. Weimer entzog sich der Vorladung zum Prozeß in Dresden durch Umzug nach Altburg/ Württemberg, wurde dort verhaftet und nach Dresden gebracht. Paul Levi vertrat ihn vor Gericht, die Anklage wurde niedergeschlagen, da die besagten Artikel erst nach Ausscheiden Weimers aus der Redaktion erschienen waren. Im Juni 1921 kehrte er nach Württemberg zurück, war ab 1922 wieder als Lehrer tätig. Später Mitglied der SPD, wohnte in Esslingen, dann in Altburg/Calw, wo Gottfried Weimer am 29.Juli 1957 starb.

Wer war wer in DDR

Weingärtner, Stefan

* 22.2.1933 – ✝ 1977

Geb. in Görlitz; Mutter Krankenschwester, Vater 1950 nach Hannover geflohen; Ausbildung zum Autoschlosser, anschl. Arbeit als Autoschlosser in Görlitz; engagiert in der Jungen Gemeinde, FDJ u. GST; am 17. Juni 1953 Teiln. an Streiks, Demonstrationen, der Belagerung öff. Gebäude u. der Erstürmung der MfS-Kreisdirektion in Görlitz; half u. a. auch verwundete SED-Funktionäre u. MfS-Mitarb. zu versorgen; am Nachmittag Festnahme durch die sowj. Armee; am 19.6.1953 durch ein Sowj. Militärtribunal als ein »Haupträdelsführer« zum Tode durch Erschießen verurteilt, 5.10.1953 Begnadigung u. Umwandl. der Strafe in 25 Jahre Arbeitslager, 4.10.1956 Herabsetzung der Strafe auf 10 Jahre durch einen präsidialen Gnadenerlaß, Haft in Bautzen, Luckau u. Torgau; Entlassung am 25.1.1963; anschl. wg. renitenten Verhaltens in der Haft unter ständiger MfS- u. VP-Beobachtung; Ablehnung von Anwerbeversuchen des MfS; 1964 / 65 Flucht nach West-Berlin; bis 1970 vom MfS im OV »Schleuse« bearbeitet; gest. in Hannover.Roth, H.: S. W. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006; Dies.: Der 17. Juni 1953 in Görlitz. Bautzen 2003.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Weiß, Horst

* 21.12.1926 – ✝ 17.5.2005

Geb. in Halle; 1941 – 44 Chemiejungwerker in den Leunawerken; 1944 – 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 KPD/SED; 1945 – 46 Chemiefacharb. in den Leunawerken; 1946/47 Jugendfunktionär, 1947 – 50 Abt.-Ltr. im FDGB-LV Sachsen-Anh. in Halle; 1947 Besuch der Antifa-Schule Königs Wusterhausen; 1947 – 50 Mitgl. der LL Sachsen-Anh. der Dt.-Poln. Ges.; 1949 Lehrgang an der LPS der SED; 1950/51 Mitarb. der SED-LL Sachsen-Anh. in Halle; 1951 – 55 Aspirant am IfG in Berlin; 1956 – 60 Sektorltr. Kunst u. Lit. in der Abt. Kultur des ZK der SED; 1960 – 62 wiss. Mitarb., 1962 – 64 Sekr. (Nachf. von Friedel Desise) u. 1964 – 76 1. Sekr. im ZV des VBKD; 1968 u. 1970 Sonderlehrgänge am IfG; 1973 Mitgl. der SED-Ltg. im VBK; 1976/77 Lehrgang an der PHS der KPdSU in Moskau; 1977 – 90 GD des Staatl. Kunsthandels der DDR; 1969 VVO.Beatrice Vierneisel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weise, Kurt

* 30.1.1900 – ✝ 14.7.1978

Geboren am 30. Januar 1900 in Halle; lernte Kesselschmied, bis 1924 in seinem Beruf in Halle, später als Expedient tätig. Seit 1914 in der Arbeiterjugend, trat er 1921 in die KPD ein. Im April 1921 von einem Gericht in Halle wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren und zehn Monaten Zuchthaus verurteilt. Durch Amnestie im Juli 1922 freigelassen, Instrukteur bzw. Bezirkssekretär der RHD. Er kam im August 1927 als Expedient in den Zentralvorstand der RHD, gehörte zuletzt dem Sekretariat an. Da Weise für die Überparteilichkeit der RHD eintrat, Anfang 1929 aus der RHD und der KPD ausgeschlossen. Er trat der KPO bei, lebte zunächst von einem kleinen Buchvertrieb, 1931 als Expedient der Tageszeitung »Arpo«. Seit Februar 1932 erwerbslos, aktiv in der KPO und in der Hauptverwaltung der Internationalen Hilfsvereinigung (IHV). Nach dem Reichstagsbrand kurz inhaftiert, organisierte er vor allem in der IHV die Solidaritätsarbeit für die Familien verhafteter Genossen. Ab März 1935 Mitglied des Berliner Komitees der KPO (BK), am 22. Februar 1937 wurde Weise mit den anderen BK-Mitgliedern verhaftet. Der VGH verurteilte ihn im Verfahren mit Walter Uhlmann u. a. am 24. November 1937 zu 15 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Nach der Befreiung Angestellter in Bezirksamt Neukölln, im September 1948 als SED-Mitglied vom Bezirksamt entlassen, übersiedelte er nach Ost-Berlin und arbeitete als Werkschutzleiter im Kaufhaus am Alexanderplatz. Kurt Weise starb am 14. Juli 1978 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Weisheit, Rudolf

* 14.10.1942

Geb. in Leipzig in einer traditionsreichen Artistenfamilie; schon als Kind artist. tätig; Vater Lorenz W. betrieb mit seinen Kindern seit 1939 eine Hochseilschau. 1945 Neubeginn; 1973 Übernahme der Truppe durch R. W.; künstler. bedeutendste Hochseiltruppe der DDR, auch internat. anerkannt; Familienunternehmen mit 12 – 15 Mitwirkenden; Spitzenleistungen u. a. die Sieben-Mann-Pyramide auf dem Hochseil, Arbeit am 60 m hohen Mast; bis zur Auflösung des Komitees für Unterhaltungskunst 1990 Ltg.-Mitgl. der Sekt. Artistik; 2001 Ehrenmed. der Artistik.Winkler, D.: Auf dem Seil – die Geschwister Weisheit. In: Menschen zw. Himmel u. Erde. Berlin 1988.Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Weiskopf, Joachim

* 5.11.1927

Geb. in Leipzig; 1934 – 46 Gymnasium, Abitur; 1946 – 50 Studium der Zahnmedizin an der Univ. Leipzig; 1950 Prom. zum Dr. med. dent.; 1950 – 52 Assistenzarzt; 1953 – 56 Studium der Medizin; 1952 – 1962 Oberarzt an der Univ.-Klinik Leipzig; 1957 Prom. zum Dr. med.; 1961 Habil.; 1962 Doz.; 1962 – 92 Dir. der Poliklinik für Prothet. u. Orthopäd. Stomatol. der KMU Leipzig; 1964 Prof.; 1972 – 79 Dekan der Med. Fak. der KMU; 1981 Verdienter Arzt des Volkes; 1986/87 Präs. der Europ. Prothet.-Ges.; 1990 Sprecher des Arbeitsaussch. der Stomatolog. Ges. der DDR; ca. 100 Veröff. zur Stomatol.; 1962 – 90 Chefred. der Ztschr. »Dt. Stomatol.«; mehrere Patente auf dem Gebiet der zahnärztl. Werkstoffkunde. 1950 – 59 Hockeynationalspieler (19 Länderspiele); 1964 ärztl. Betreuer der gesamtdt. Olympiamannschaft in Tokio; 1965 – 70 Vizepräs. des DDR-Hockeyverb.; 1966 – 71 Mitgl. d. Exekutivkomitees der Internat. Hockey-Föderation; 1970 – 90 Präs. des DDR-Kanuverb.; 1970 – 90 Mitgl. des Exekutivkomitees der Intern. Kanu-Föderation (ICF); 1990 Ehrenmitglied des ICF; 1978 – 89 Mitgl. des Präs. des DTSB; 1970 – 90 ord. Mitgl., ab 1973 Mitgl. des Präs., Juni – Nov. 1990 Präs. des. NOK der DDR (Nachf. von  Günther Heinze); 17.11.1990 – 93 Vizepräs. des. NOK für Dtl., 1993 – 97 Mitgl. des Präs., seit 1997 Ehrenmitgl.; seit 1992 Ehrenmitgl. des Dt. Kanuverb.; 1992 Delegationsltr. der dt. Olympiamannschaft f. Barcelona; 1997 – 2006 Ehrenmitgl. NOK; lebt in Leipzig.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Weiss, Gerhard

* 30.7.1919 – ✝ 7.1.1986

Geb. in Erfurt; Vater Justizangest.; Volksschule, Oberrealschule; 1933 – 35 Dt. Jungvolk der HJ, Jungenschaftsführer; 1935 – 37 Ausbildung zum kfm. Angest. in Erfurt; 1937 – 39 im Beruf tätig; 1935 – 39 DAF; 1939 RAD, Arbeitsmann; 1939 – 43 Wehrmacht, Uffz.; Juli 1943 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1945/46 Antifa-Schule 165, 1947/48 Ltr. des Antifa-Aktivs im Lager 7027. März 1948 Rückkehr nach Dtl.; Angest. der VEB Hauptverw. Thür. in Erfurt; SED; 1949 – 51 Hauptsachbearb., HA-Ltr. im Min. für Wirtschaft Thür.; 1950 – 54 Fernstudium an der ASR Potsdam; 1951 – 54 HA-Ltr. im Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel; 1954 – 65 stellv. Minister; 1958 – 70 Vizepräs. der Dt. – Arabischen Ges.; 1959 VVO; 1965 Prom. an der HU Berlin; 1965 – 86 stellv. Vors. u. Mitgl. des Präs. des Min.-Rats der DDR; 1967 – 86 Abg. der Volkskammer; 1967 Kand., 1976 – 86 Mitgl. des ZK der SED; 1967 – 86 Ständ. Vertreter der DDR im RGW; 1969 Banner der Arbeit; 1971 – 86 Mitgl. der Außenpol. Kommission des ZK der SED; 1976 VVO; 1984 KMO.Der objektive Charakter der soz. ökon. Integration. Berlin 1972.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Weiberg, Heinrich

* 20.1.1911 – ✝ 30.5.1984

Geb. in Berlin; Vater Buchbinder; Abitur; 1925 – 37 Kohlenarb. u. 1931 – 34 Werkstudent (Chemie / Physik) an der Friedrich-Wilhelm-Univ. Berlin, ohne Abschl.; 1937 Teilhaber eines Kohlengeschäfts; 1940 Wehrmacht; 1945 –49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schüler. 1949 SED; Chemiker in Heinrichshall / Bad Köstritz; dann Personalltr. in der HV Chemie des Min. für Schwerindustrie; 1951 Einstellung beim APN (ab 1953 HA XV, ab 1956 HV A des MfS), Abt.-Ltr. in der HA II (Wirtschaftsspionage); 1954 stellv. Ltr. der HVA-HA IV; 1959 Ltr. der HVA-Abt. V (Wirtschafts- u. Technologiespionage); 1960/61 Lehrgang an der BPS Erfurt; 1971 Ltr. des Sektors Wissenschaft u. Technik; 1971 VVO; 1974 Gen.-Major; 1975 Offizier für Sonderaufg. bei der HVA-Ltg.; 1980 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Weidauer, Walter

* 28.7.1899 – ✝ 13.3.1986

Geb. in Lauter (Sachsen); Vater heimarbeitender Spankorbmacher; Volksschule; 1914 – 17 Ausbildung zum Zimmermann; 1916 Arbeiterjugendbew.; 1919 USPD u. Zentralverb. der Zimmerer; 1922 KPD; 1924 – 28 Stadtverordn. in Zwickau; 1929 – 32 Geschäftsf. eines KPD-Verlags in Essen; 1930 aus dem Zimmermannsverb. wegen kommunist. Fraktionstätigkeit ausgeschl.; weitere pol. Arbeit u. a. in der Reichsltg. des proletar. Freidenkerverb.; 1932/ 33 Abg. des Dt. Reichstags; 1933 KZ Sonnenburg; 1934 illeg. Arbeit als KPD-Oberbez.-Ltr. für Mitteldtl.; U-Haft in Schwarzenberg u. Dresden; 1935 Emigr. in die ČSR, 1936 nach Dänemark; hier Mitgl. der KPD-Abschnittsltg. Nord; 1940 in Kopenhagen verhaftet u. 1941 nach Dtl. ausgeliefert, 1942 wegen »Vorber. zum Hochverrrat« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 Ltr. der Verw. im Dresdener Stadtbez. VII; Stadtrat für Allg. Verw. u. Personalfragen; 1. Bürgermstr., ab 1945 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des OB beauftragt; 1946 SED; 1946 – 58 OB von Dresden (Nachf. von Gustav Leissner); Mitgl. der Stadtverordnetenvers.; 1946 – 52 Abg. des Sächs. Landtags u. Vors. seines Gemeindeaussch.; 1949 – 58 Abg. der (Prov.) Länderkammer; ab 1952 Abg. des Bez.-Tags Dresden; Mitgl. der SED-BL; 1955 Vors. des Präs. des Dt. Städtetags der DDR; ab 1957 Vizepräs. des Dt. Städte- u. Gemeindetags; 1958 bis zu seiner Pensionierung am 21.1.1961 Vors. des Rats des Bez. Dresden (Nachf. von  Rudolf Jahn); Mitgl. der Ltg. des Bez.-Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1964 VVO; 1969 KMO; 1969 Ehrenbürger von Dresden.Die Verwirklichung des großen Dresdner Aufbauplans für das Jahr 1946. Dresden 1946; Probleme des Neuaufbaus. Dresden 1948; Neue Wege der Kommunalpol. Dresden 1948; Inferno Dresden. Über Lügen u. Legenden um die Aktion »Donnerstag«. Dresden 1965 (8. Aufl.). Widera, T.: Dresden 1945 – 1948. Göttingen 2004; Weber, H., Herbst, A.: Dt. Kommunisten. Berlin 2004.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weidmüller, Walter

* 1891 – ✝ 1939

Geboren 1891 in Eilenburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schriftsetzer. Er gehörte von 1911 bis 1919 der SPD an, trat dann in die KPD über. Funktionär in Sachsen, Mitte der zwanziger Jahre Mitglied der BL Leipzig, zeitweise Agitpropsekretär. 1933 flüchtete Weidmüller in die Tschechoslowakei, da er aber von der Parteiführung keine Genehmigung zur Emigration hatte, wurde er aus der KPD ausgeschlossen, dann jedoch wieder aufgenommen. Im November 1934 kam er als offizieller deutscher Politemigrant in die Sowjetunion. Er wurde im September 1937 vom NKWD verhaftet und wegen »Verdachts der Verbindung zu Agenten« sofort aus der Emigrations-KPD entfernt. Walter Weidmüller soll 1939 im Gulag ums Leben gekommen sein.

Wer war wer in DDR

Weihrauch, Otto

* 14.2.1898 – ✝ 5.3.1966

Geb. in Oberaltstadt (Krs. Trautenau, Österr. / Horní Staré Město, Tschechien); Vater Schneider; Volksschule; Lehre als Buchdrucker; 1917 Militärdienst in der österr. Armee; 1919 Dt. Sozialdemokrat. Arbeiterpartei in der ČSR; 1920 wg. »linker Abweichungen« ausgeschlossen; Mitbegr. der KPČ-Ortsorg. in Gartitz (Krs. Aussig), 1921 Mitgl. der KPČ-BL Aussig (Ústí nad Labem); 1926 Red. des komm. Tageblatts »Internationale« in Aussig; vier Monate Kerker wg. »Organisierung bewaffn. Ordnerformationen«; 1928 Teiln. am 6. Weltkongreß der KI in Moskau; 1934 Buchdrucker u. Korrektor in der Arbeiterdruckerei »Grafia« in Prag; 1938 Oberbuchhalter im E-Werk Trautenau, nach der Besetzung der ČSR antifasch. Widerstand (Sabotageakte am Nieder- u. Hochspannungsnetz). 1945 Ltr. des E-Werkes Trautenau; Ende 1945 Umsiedl. nach Luckenwalde; Mitarb. in der KPD-KL, Abt. Wirtschaft; anschl. Geschäftsf. der Gesell. für Spinnstoffe in Luckenwalde; April 46 amt. OB von Cottbus, 1946 – 49 OB von Cottbus; Anfang Dez. 1949 in Potsdam verhaftet u. am 19.6.1950 wg. »Finanzmanipulationen, unterlassener Meldepflicht u. persönl. Bereicherung« zu 10 Jahren Zuchthaus und 10.000 Mark Geldstrafe verurteilt, 31.3.1956 aus der Haft entlassen; gest. in Bad Doberan.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weiland, Alfred

* 7.8.1906 – ✝ 18.9.1978

Geboren am 7. August 1906 in Berlin, Sohn eines Zimmerers; Schlosserlehre, Anschluß an die sozialistische Jugendbewegung und frühe Verbindung zur KPD, ging Mitte der zwanziger Jahre zur KAPD und AAU. Ende der zwanziger Jahre übernahm Weiland ehrenamtliche Führungspositionen in diesen Organisationen. Für verschiedene Zeitungen journalistisch tätig, organisierte er die internationale Arbeit der AAU. 1931 als Telegraphenarbeiter wegen Streikagitation entlassen, Technikerausbildung. 1933 zunächst in die ?CSR emigriert, noch im gleichen Jahr nach Deutschland zurück, hier im November 1933 festgenommen. Er kam in das KZ Hohnstein, aus dem er im Juni 1934 entlassen wurde. Weiland war führender Kopf der Kommunistischen Arbeiter-Union, einem Bündnis verschiedener kleiner rätekommunistischer Gruppen. Im Zentrum deren illegaler Arbeit stand die Diskussion über die aus ihrer Sicht verheerende Rolle des Bolschewismus und das Versagen der »alten« Arbeiterbewegung. In den vierziger Jahren hatte er Kontakte zu Widerstandskreisen um Carl Goerdeler und Julius Leber sowie Anton Saefkow. Der Verhaftungswelle nach dem 20. Juli 1944 entging Weiland nur dadurch, daß er sich zur Wehrmacht gemeldet hatte. Im Mai 1945 wieder in Berlin, bemühte sich Weiland um die Reorganisation der versprengten rätekommunistischen Gruppen, baute die Gruppe Internationaler Sozialisten auf. Er trat offiziell der KPD/SED bei, arbeitete journalistisch und beteiligte sich Ende 1946 am Aufbau des Instituts für Publizistik in Ost-Berlin. Seit 1947 gab er in Berlin die hektographierte illegale Zeitschrift »Neues Beginnen« heraus. Nach Eröffnung des Instituts für Publizistik im Frühjahr 1947 entlassen, setzte er sich nach West-Berlin ab, war erwerbslos und leitete Volkshochschulkurse. Die Gruppe um Weiland stand seit Sommer 1946 unter Beobachtung der sowjetischen Geheimpolizei und des Abwehrapparates der SED. Am 11.November 1950 wurde Weiland vom MfS aus West-Berlin entführt, sein unter Folter erpreßtes Geständnis widerrief er später, das Verfahren wegen Spionage wurde eingestellt. Trotzdem verurteilte ihn das Landgericht Greifswald am 27.August 1952 zu 15 Jahren Zuchthaus. Im November 1958 entlassen, ging er nach West-Berlin, trat in die SPD ein und engagierte sich in verschiedenen antikommunistischen Organisationen. Alfred Weiland starb am 18.September 1978 in Berlin. Von Michael Kubina erschien 2001 das Buch: »Von Utopie, Widerstand und Kaltem Krieg. Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten Alfred Weiland (1906-1978)«.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Weinert, Erich

* 4.8.1890 – ✝ 20.4.1953

Geb. in Magdeburg; Vater Ing.; 1896 – 1904 Bürgerschule, 1904/05 u. 1908 – 10 Kunstgewerbeschule in Magdeburg; 1905 – 08 Lehre als Maschinenbauer; 1910 – 12 Studium an der Königl. Kunst-HS in Berlin, St.-Ex. als akadem. Zeichenlehrer; 1912/1913 freischaff. als Maler, Grafiker u. Buchillustrator; 1913 – 19 Militärdienst, Infanterieoffz.; 1919 – 21 Kunstgewerbelehrer in Magdeburg; erwerbslos; 1921 Veröff. satir. Gedichte u. Auftritte in pol. Kabaretts in Berlin u. Leipzig; Beiträge in den Ztschr. »Weltbühne« u. »Simplizissimus«; ab 1924 Mitarb. an der »Roten Fahne« u. anderen linken Presseorganen; Rezitator bei Veranstaltungen der KPD, SPD, Gewerkschaften u. RHD; seit 26.2.1926 in zweiter Ehe mit Elisabeth Pitschmann verh.; 1928 Mitbegr. u. Vorstandsmitgl. des BPRS; Autor von Szenen, Liedern u. Gedichten für Agitpropgr.; 1929 KPD; 1929 – 32 Mithrsg. u. Red. der »Linkskurve«; 1931 Prozeß wegen »Gotteslästerung, Aufreizung zum Klassenhaß, Aufforderung zum bewaffneten Aufstand«, sieben Mon. Redeverbot; Nov. 1932 Reichstagskand. u. März 1933 Reichstags- u. preuß. Landtagskand. der KPD; Febr. 1933 Vortragsreise in die Schweiz; nach Erlaß eines Haftbefehls keine Rückkehr nach Dtl.; Emigr. nach Frankreich u. ins Saargeb.; Nov. 1934 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Aug. 1935 Emigr. in die UdSSR; Red.-Mitgl. der Ztschr. »Internat. Lit./Dt. Blätter«; Mitgl. der dt. Sekt. des sowj. Schriftst.-Verb.; 1937 – 39 Teiln. am Bürgerkrieg in Spanien, Mitarb. des Kommissars der XI. Internat. Brigade; Febr. – Herbst 1939 Internierungslager St. Cyprien in Südfrankreich; Rückkehr in die Sowjetunion; Arbeit in versch. Archiven; 1940 sowj. Staatsbürgerschaft; Übers. von russ. u. ukrain. Klassikern u. sowj. Dichtern; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; ab Juni 1941 Mitarb. in der GlavPURKKA, am Moskauer Rundfunk u. am Dt. Volkssender; kurzz. Evakuierung nach Kasan; Ende Nov. 1942 – Ende Jan. 1943 mit  Walter Ulbricht Propagandaeinsatz an der Stalingrader Front; 1943 – 45 Mitbegr. u. Präs. des NKFD; vom RKG wegen »Hochverrats« in Abwesenheit zum Tode verurteilt; Febr. – Aug. 1944 Mitarb. in einer Arbeitskommission zur Ausarbeitung des Nachkriegsprogramms der KPD in Moskau; 1945 Arbeit an einem Manuskript über die Geschichte des NKFD. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; März 1946 – 48 Vizepräs. der Dt. ZV für Volksbildung (Stellv. von  Paul Wandel); anschl. einer der Ltr. der HA Allg. Kunst u. Lit.; 1949 u. 1952 NP; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1951 PEN-Zentrum Dtl.; Febr. 1953 Mitgl. des Komitees der antifa. Widerstandskämpfer; Ehrenbürger von Magdeburg; gest. in Berlin.Ges. Werke. 10 Bde. Berlin 1955 – 60 (Hrsg. L. Weinert); Ges. Gedichte 8 Bde. Berlin, Weimar 1970 – 87. Preuß, W.: E. W. Berlin 1970; ders.: E. W. Bildbiogr. Berlin 1970.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Weinhold, Werner

* 8.8.1949

Geb. in Dresden; Schulbesuch; Ausbildung zum Dreher; mehrere Jugendstraftaten, 1966 – 75 viermal rechtskräftig verurteilt (unbefugte Kfz-Benutzung in 60 Fällen, Herbeiführung eines schweren Verkehrsunfalls, mehrf. schwerer Diebstahl); insges. zu sechs Jahren u. neun Mon. Haft verurteilt; am 6.10.1972 nach einer Amnestie aus der Haft entlassen; 1975 während der Bewährungszeit erneute Straftat (Sittlichkeitsdelikt); entzog sich dem Ermittlungsverfahren durch Flucht, nach Pkw- u. Waffendiebstahl gewaltsamer Grenzdurchbruch zur Bundesrep. Dtl. am 19.12.1975 bei Veilsdorf (Krs. Hildburghausen), erschoß dabei mit einer Pistole den Gefr. Klaus-Peter Seidel u. den Soldaten Jürgen Lange; zweimaliges Auslieferungsersuchen der DDR wurde vom Bundesjustizmin. abgelehnt; 1976 vom Essener LG freigesprochen (Notwehrrecht) u. mit 15.000 DM entschädigt; am 1.12.1978 in einem zweiten Prozeß in Hagen zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren wegen zweifachen Totschlags verurteilt, 1982 vorzeitig aus der Haft entlassen, lebt in Marl. 1993 Vorwürfe an MfS-Gen.  Gerhard Neiber wegen »Mordplanung« gegen ihn, jedoch wegen unklarer Beweislage keine Anklageerhebung; 2005 Verurteilung von W. wegen gefährl. Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft, da er mit der Pistole von 1975 in seiner Stammkneipe auf einen Bekannten geschossen hatte.Köhler, H.: Doppelmord im Niemandsland? Der Fall Weinhold. Dok.-Film, Spiegel-TV 2002.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Weiß, Konrad

* 17.2.1942

Geb. in Lauban (Niederschles. / Lubań, Polen); 1945 Umsiedl. nach Genthin; nach der Mittelschule wegen Bekenntnis zum Katholizismus nicht zur EOS zugelassen; 1958 – 62 Ausbildung zum Elektromonteur in Genthin; 1962 Laienausbildung am Katechetenseminar in Görlitz; 1963 – 65 Mitarb. beim kath. Seelsorgeamt in Magdeburg; 1964 Abitur an der VHS; 1966 – 69 Studium der Fächer Regie u. Kamera an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg; Student in der von  Karl Gass geleiteten Spezialkl. für Dok.-Film; 1969 – 89 Regisseur beim DEFA-Dok.-Filmstudio; mehr als 50 Dok.-Filme vorwiegend für Kinder u. Jugendl., u. a. »Dawids Tagebuch« (1980), »Erste Liebe« (1984), »Ich bin klein, aber wichtig« über Janusz Korczak (1988); Mitgl. der Kommission Kinderfilm u. der Sektionsltg. Dok.-Film u. Fernsehpubl. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; Artikel in offiz. u. Samizdat-Ztschr., u. a. über Rechtsradikalismus in der DDR (»Die neue alte Gefahr«, Kontext 1989); seit Mitte der 60er Jahre Mitgl., 1988 – 91 Mitgl. der Ltg. der Aktion Sühnezeichen; 1988 – 90 Mitgl. des Beirats für kirchl. Rundfunk beim Bund der Ev. Kirchen in der DDR; Sept. 1989 Erstunterz. des Gründungsaufrufs der Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ); 1989 – 91 Mitgl. des DJ-Sprecherrats; Dez. 1989 Initiator des »Drei-Stufen-Plans der nat. Einigung«; Dez. 1989 – März 1990 DJ-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; April – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammerfraktion Bündnis 90 / Grüne; Mitarb. im Aussch. Dt. Einheit u. im Medienaussch.; Mitgl. der Regierungskommission für ein neues Mediengesetz; Gründungsmitgl. der Dt. Ges.; Carl-von-Ossietzky-Medaille d. Internat. Ges. für Menschenrechte. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags, Vertreter der Abgeordnetengr. Bündnis 90 / Die Grünen im Aussch. Wirtschaftl. Zusammenarbeit u. im Petitionsaussch.; seitdem freiberufl. Publizist; 1991 Vizepräs. der Dt.-Israel. Ges. u. Vorstandsmitgl. der Dt. Flüchtlingshilfe; 1996 Gründungsmitgl. u. bis 2006 Vorstandsmitgl. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur; Mitgl. des Beirats der Kath. Akad. Berlin; lebt in Berlin.Neuland. Ein Dialog in Dtl. Köln 1991 (mit R. Süssmuth); Von Erblasten u. Seilschaften. Landsberg 1996 (Mithrsg.); Lothar Kreyssig. Prophet der Versöhnung. Gerlingen 1998.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weise, Martin

* 12.5.1903 – ✝ 8.10.1943

Geboren am 12. Mai 1903 in Torgau, Sohn eines Lehrers, wuchs in Berlin auf und schloß sich als Realschüler zunächst der Wandervogel-Bewegung, 1921 der FSJ und 1927 der KPD an. Nach dem Abitur 1921 studierte er Geschichte und Philologie, brach 1924 aus finanziellen Gründen das Studium ab und wurde Verlagsangestellter. Am 20. September 1929 wegen schweren Landfriedensbruchs zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, er begann für die »Rote Fahne« zu arbeiten und war zuletzt Redakteur. Nach 1933 gab er mit anderen die »Rote Fahne« illegal weiter heraus. Am 5. April 1934 vom Kammergericht Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend in das KZ Sachsenhausen gebracht, aus dem er im April 1939 entlassen wurde. Weise baute im Berliner Betrieb »Nordland« eine Widerstandsgruppe auf, die die Kriegsproduktion störte. Über den ehemaligen »Rote Fahne«-Redakteur 4 Wilhelm Guddorf u. a. kam Weise in Verbindung mit der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack (»Rote Kapelle«). Er verfaßte Beiträge für die illegale Druckschrift »Die innere Front« und nahm an Beratungen teil. Er wurde am 1. Dezember 1942 festgenommen, vom VGH zusammen mit Fritz Lange angeklagt. Am 8.Oktober 1943 zum Tode verurteilt, wurde Martin Weise am 15.November 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Weißhuhn, Reinhard

* 4.4.1951

Geb. in Dresden; Vater Journalist, Mutter Bibliothekarin; 1969 Abitur in Weimar; 1969 – 73 Studium der Architektur u. Stadtplanung in Weimar; 1973 – 78 Stadtplaner im Rat des Stadtbez. Berlin-Prenzlauer Berg; seit 1975 in opp. Zirkeln engagiert, Versuch öffentl. Wirksamkeit in Kulturarbeit u. Wohngebiet; nach Ablehnung einer mit SED-Eintritt verbundenen Beförderung bis 1984 Dokumentarist bei der Bauakad. der DDR; seit 1980 wiederholte mehrj. Ausreiseverbote; ab 1983 Übers. opp. ungar. Lit. für westdt. Verlage; 1985 – 89 Architekt beim Diakon. Werk; 1985/86 Mitbegr. der IFM; seit 1987 Autor u. Mithrsg. versch. illeg. Publ. bzw. Ztgn. (»Grenzfall«, »Fußnote 3«, »Ostkreuz«, »Urkunde«); ab Jan. 1990 Vertreter der IFM am Zentr. Runden Tisch u. Mitgl. der Arbeitsgr. »Parteien- u. Vereinigungsgesetz«; 1990/91 Vorstandsmitgl. u. Pressesprecher der IFM; Sommer 1990 Mitarb. der Volkskammerfraktion Bündnis 90 / Grüne. 1991 – 98 Mitarb. des Abg. des Dt. Bundestags  Gerd Poppe; 1991 Mitgl. der Partei Bündnis 90; 1992 Mitgl. der Verhandlungsgr. des Bündnis 90 zur Vorber. des Assoziationsvertrags mit den Grünen; außenpol. Referent der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen; Mitgl. des Stiftungsrats der Bundesstiftung zur Aufarb. der SED-Diktatur; versch. Veröff.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Weißmantel, Christian

* 9.12.1931 – ✝ 16.9.1987

Geb. in Kamenz; Vater Lehrer; OS, Abitur; 1950 – 55 Physikstudium an der TH Dresden, Dipl.; 1958 Prom.; 1963 Habil.; danach Doz. an der HS für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt; 1963 Prof. mit Lehrauftrag; 1968 Prof. mit Lehrstuhl für Festkörperphysik u. Ltr. des Wiss.-Bereichs für experiment. Physik an der Sekt. Physik / Elektron. Bauelemente der TH Karl-Marx-Stadt; 1965 – 69 Prorektor für Forschung (ab 1968 für Prognose); 1968 SED; 1969 – 73 Rektor der TH; 1969 – 84 Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1970 NP; 1973 Korr. u. 1976 Ord. Mitgl. der AdW; Mitgl. des Forschungsrats; 1982 – 87 Vizepräs. der Urania; gest. in Karl-Marx-Stadt. Hauptarbeitsgebiete: Physik von Grenzflächen u. dünnen Schichten.Horst Kant

Wer war wer in DDR

Weiss, Walter

* 8.11.1919 – ✝ 2.7.1997

Geb. in Steinschönau (Kamenický Šenov, Böhmen, ČSR); Vater Glasbläser u. Glasgraveur; 1926 – 34 Volksschule u. Bürgerschule; 1934 – 37 Berufsschule u. Lehre als Autoschlosser; 1934 – 38 KJV; Bez.-Ltr. Tannwald des KJV; seit 1936 Mitgl. des Dt. Jugendbundes, hier Funktionen als Bezirksobmann, Mitgl. im Vorst. Nordböhmen u. bis 1938 Vors. einer Ortsgr.; 1937 / 38 KPČ; 1937 – 39 Autoschlossergeselle; Okt. 1938 Verhaftung durch die SS, drei Tage in »Schutzhaft«; 1939 – 44 Wehrmacht, dort Ausbildung als Flugmotorenschlosser u. ständige Tätigkeit als Autoschlosser; 1944 an der Ostfront zur Roten Armee übergelaufen u. bis 1949 in sowj. Kriegsgef., Tätigkeit im Antifa-Aktiv, später Mitgl. u. Vors. des Antifa-Komitees in Nowgorod; 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 FDJ, SED; 1949 / 50 Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. der SED-KL Arnstadt; 1950 Lehrgang an der SED-LPS in Bad Blankenburg; 1951 Vors. der Überprüfungskomm. der Parteidokumente der KL Gotha; 1951 / 52 Sekr. für Agit. u. Prop. bzw. 2. Sekr. der SED-KL Arnstadt; 1952 – 55 1. Sekr. der SED-KL Ilmenau; 1955 / 56 Lehrgang, anschl. bis 1965 Fernstudium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1956 – 60 1. Sekr. der SED-KL Meiningen; 1960 / 61 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1961 1. Sekr. der SED-KL Meiningen; 1961 – 70 2. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1971 – 81 2. Sekr. der SED-BL Suhl; 1981 – 89 Vors. des DSF-BV Suhl; 1983 Mitgl. des ZV der DSF; VVO; gest. in Suhl.Mario Niemann