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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Walde, Werner

* 12.2.1926 – ✝ 26.6.2010

Geb. in Döbeln (Sachsen); Vater u. Mutter Arbeiter; 1932 – 40 Volksschule in Döbeln-Großbauchlitz; 1936 – 41 Dt. Jugend, Oberhordenführer; 1940 – 43 Ausbildung zum Verw.-Angest. in Döbeln; 1940 – 43 DAF; 1941 – 43 HJ, Oberrottenführer; 1943 – 45 RAD, Hauptvormann; April – 3.5.1945 Wehrmacht; amerik., Juni/Juli 1945 brit. Kriegsgefangenschaft in Eutin (Schlesw.); Juli/Aug. 1945 Landarb. in Westerode (Krs. Duderstadt). 1945 – 50 Angest. der Sozialversicherungskasse in Döbeln; dort 1946 – 50 Mitgl. der BGL; 1945 FDGB; 1946 SPD/SED; 1948 FDJ; 1950 LPS in Meißen; 1951 – 53 Assistent, Lehrer u. Parteisekr. der SED-LPS in Meißen; 1953 Mitarb. der SED-BL Leipzig; 1953 – 55 stellv. Schulltr. u. Schulltr. der SED-BPS Cottbus; 1954 – 60 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1955 – 61 Abt.-Ltr. der SED-BL Cottbus; 1961 – 64 1. Sekr. der SED-KL Senftenberg u. Abg. des Krs.-Tages; 1964 – 66 HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1966 – 69 2. Sekr. der SED-BL Cottbus (Nachf. von Otto Kruse); 1969 – 89 1. Sekr. der SED-BL Cottbus (Nachf. von  Albert Stief); 1971 – 89 Abg. des Bez.-Tags Cottbus; 1971 – 89 Abg. der Volkskammer der DDR; 1971 – 76 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1971 – 89 Mitgl. des ZK; 1976 – 10.11.1989 Kand. des PB des ZK der SED (am 8.11.1989 auf der 10. ZK-Tagung bestätigt); 1974 VVO; 1976 KMO; 20./21.1.1990 Ausschl. aus der SED/ PDS; Ruhestand.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Wales, Dieter

* 20.6.1930

Geb. in Leipzig; Vater Lehrer; Grund- u. OS; 1948 – 51 Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer; 1951 – 54 Red. beim Börsenblatt des Buchhandels in Leipzig; 1954 – 64 Red. der Ztg. »Neues Deutschland« in Berlin; 1957 SED; 1964 – 66 Red. der Ztg. »Märkische Volksstimme« in Potsdam; 1966 – 69 Red., dann stellv. Chefred. der Ztg. »Deutsches Sportecho« in Berlin; 1968 Verdienter Meister des Sports; 1975 Dr.-Theodor-Neubauer-Med.; Fernstudium an der DHfK, 1976 Dipl.-Sportlehrer; 1976 u. 1984 VVO; 1980 Banner der Arbeit; 1985 – 89 / 90 Chefred. der Ztg. »Deutsches Sportecho« (Nachf. von Werner Schreier).Kirsten Nies

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wallstab, Willi(y)

* 26.2.1888 – ✝ 15.12.1956

Geboren am 26. Februar 1888 in Leopoldshall/ Krs. Bernburg bei Staßfurt, Sohn eines Schneiders; in Berlin Friseurlehre, anschließend Friseurgeselle in Hannover. Von 1910 bis 1932 hatte er ein eigenes Friseurgeschäft in Leopoldshall. Wallstab schloß sich 1911 der SPD an und ging 1917 zur USPD. Im Januar 1917 wurde er als Rüstungsarbeiter nach Magdeburg dienstverpflichtet. Während der Novemberrevolution gehörte er dem Staßfurter Arbeiter- und Soldatenrat an und überführte Mitte 1919 die Mehrheit der USPD-Ortsgruppe in die KPD, deren Vorsitzender er bis 1933 blieb, von 1920 bis 1933 war er in der Staßfurter Stadtverordnetenversammlung. Er kam auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 in Leipzig als Vertreter für Magdeburg-Anhalt in den ZA, organisierte im Herbst 1923 in Staßfurt die militärischen Vorbereitungen für den Aufstand, von 1920 bis 1933 Abgeordneter des Provinziallandtages Anhalt. Am 17.März 1933 festgenommen, saß Wallstab bis Ende September 1933 in »Schutzhaft«. Am 29.April 1936 erneut verhaftet, am 22. März 1937 vom Kammergericht Berlin zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Coswig verbüßte. 1941 im »Arbeitserziehungslager« Süpplingen bei Haldensleben in den Steinbruch geschickt, nach Arbeitsverweigerung in seinem Beruf als Friseur beschäftigt. Anfang 1942 in das KZ Neuengamme eingeliefert. Von dort kehrte er im Juni 1945 nach Staßfurt zurück, war Leiter des KPD-UB und Polizeipräsident der Stadt Magdeburg. Im April 1949 seiner Funktion entbunden, da Vorwürfe laut wurden, er habe sich im KZ Neuengamme nicht kameradschaftlich verhalten, was aber nicht zutraf. Anschließend bis 1951 Oberreferent im Strafvollzug des Ministeriums für Justiz Sachsen-Anhalt, später stellvertretender Leiter der Justizhaftanstalt Magdeburg-Sudenburg. Willy Wallstab starb am 15.Dezember 1956 in Bahrendorf.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Margarete

* 22.3.1913 – ✝ 9.10.1935

Geboren am 22. März 1913 in Berlin, ihre Eltern waren Inhaber eines Molkereibetriebes in Neukölln. Handelsschule, lernte Kontoristin und trat 1928 in den KJVD, 1930 in die KPD ein. Sie war Leiterin einer Jugendgruppe des JSB in Berlin-Neukölln und wurde Anfang 1930 vom ZK des KJVD zum Studium an die Internationale Leninschule nach Moskau delegiert. Noch 1933 wurde sie als jüngstes Mitglied in das ZK des KJVD kooptiert und gab u. a. die illegalen Druckschriften »Die Kathreiner-Mühle« und »Rotes Kabel« heraus. Im März 1933 für kurze Zeit inhaftiert, danach zwei Jahre im Kabelwerk Oberspree beschäftigt. Im Frühjahr 1935 wieder festgenommen, anschließend als Landhelferin nach Pommern dienstverpflichtet. Auch hier betätigte sie sich gegen das NS-Regime. Deswegen am 9. Oktober 1935 erneut verhaftet. Nach ihrer Überstellung nach Berlin und schweren Mißhandlungen wählte Margarete Walter während einer Vernehmung am 21. Oktober 1935 den Freitod.

Wer war wer in DDR

Walter, Otto

* 2.10.1902 – ✝ 8.5.1983

Geb. in Tarnowitz (Oberschl.); Vater Zimmermann; Volksschule; 1916 – 28 Lehre u. Arbeit als Zimmermann; 1920 KPD; 1929/30 Org.-Sekr. u. Pol.-Ltr. in der KPD-BL Oberschles.; 1930 – Febr. 1933 Ltr. der KPD-UB Zeitz, Weißenfels, Naumburg (Saale); 1932/33 MdR; März – Juli 1933 illeg. Parteiarbeit im UB Bitterfeld / Wittenberg u. im Bez. Baden-Pfalz; Dez. 1933 Verhaftung, drei Jahre Gefängnis, 1937 – 45 KZ Sachsenhausen. 1945 – 49 Mitarb. der KPD / SED-LL Sachsen-Anh. in Halle; Mai 1949 – 50 Mitarb. in der HV zum Schutz der Volkswirtschaft; 1950 – 53 1. Sekr. der SED-PO im MfS; 1951 – 53 Ltr. der HA Politkultur u. stellv. Min. für Staatssicherheit; 1953 Stellv. des Ministers für Staatssicherheit (verantw. für Verw. u. Wirtschaft); Nov. 1957 1. Stellv. des Ministers; 1959 Gen.-Ltn.; 1962 VVO; Jan. 1964 nach Differenzen mit Minister  Erich Mielke von seiner Funktion entbunden u. entlassen, Rentner; 1977 KMO.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Walther, Herbert

* 1.3.1932

Geb. in Oelze (Krs. Neuhaus); Vater Maurer; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Sägewerker in Oelze u. Goldisthal; 1952 – 54 Werkltr.-Ass. im Sägewerk Weißwasser; 1954 SED; 1954 – 57 Stud. an der Ingenieurschule für Holztechnik in Dresden, Ing. für Holztechnik; 1957 – 59 Techn. Ltr. im VEB Holzind. Schwarzatal; 1959 – 61 Stud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1961 – 63 Unterabt.-Ltr. der Bezirksplankomm. beim Rat des Bez. Suhl; 1964 – 69 Abt.-Ltr. beim Wirtschaftsrat des Bez. Suhl; 1968 – 70 außerplanm. Asp., Prom. zum Dr. oec.; 1969 – 72 Stellv. des Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Suhl; 1972 – 76 zunächst Betriebsdir., dann GD des VEB Kombinat Sportgeräte Schmalkalden; 1976 – 78 OB von Suhl (Nachf. von  Günter Schnabel); 1978 Rücktritt als OB; Einsatz im Kreis Neuhaus.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Wambutt, Horst

* 6.2.1932

Geb. in Kriescht; Vater Schlosser; Volksschule; 1946 – 50 Lehre u. Arbeit als Schmied; 1950 FDJ; 1950/51 Instrukteur u. Abt.-Ltr. der FDJ-KL Bad Freienwalde; 1951/52 Lehrer an der Landesjugendschule Bärenklau; 1952 – 54 Abt.-Ltr. der FDJ-BL Cottbus; 1953 SED; 1956 – 61 Aspirant am IfG, Dipl.-Wirtsch.; 1956 – 61 Lehrstuhlltr. an der FDJ-HS »Wilhelm Pieck« Bogensee; 1964 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1964 Mitarb. der Abt. Maschinenbau u. Metallurgie des ZK der SED; 1965 Sektorenltr.; 1969 – 89 Ltr. der Abt. Grundstoffindustrie des ZK der SED (Nachf. von  Hilmar Tröger); 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1969 u. 1982 VVO; lebt als Rentner in Heidesee (Brandenb.).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Wander, Maxie

* 3.1.1933 – ✝ 20.11.1977

Geb. in Wien in einer kommunist. Fam., Vater Tankwart; OS, Abbruch kurz vor dem Abitur; Gelegenheitsarbeiten als Sekretärin, Fotografin u. Journalistin; Sekr. im Wiener Scala-Theater; 1956 Heirat mit  Fred W.; 1958 Übersiedl. in die DDR; Sekr., Fotografin u. Journalistin; veröff. zus. mit ihrem Mann Reisebücher; ihr aufsehenerregendes Buch »Guten Morgen, du Schöne. Protokolle nach Tonband« (1977, UA der Bühnenfassung im Dt. Theater Berlin 1978) steht (mit  Sarah Kirschs »Pantherfrau«) am Beginn einer über emanzipator. Werke von Schriftstellerinnen hinausgehenden krit. Dok.-Lit.; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin).Tagebücher u. Briefe. Berlin 1979 (Hrsg. F. W.); Leben wär’ eine prima Alternative. Berlin 1980 (Hrsg. F. W.); Wander, F. (Hrsg.): Ein Leben ist nicht genug. Tagebuchaufzeichnungen u. Briefe. München 1996. Schröder, H. J.: Zwei Klassikerinnen der Interviewlit.: Sarah Kirsch u. M. W. Bremen 1996; Zurmühl, S.: Das Leben, dieser Augenblick. Die Biogr. der M. W. Berlin 2001; Conrad, G., Denecke, G.: Warten auf das Wunder. M. W.: Guten Morgen Du Schöne. Dok.-Film, ORB 2002.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wangenheim, Gustav von

* 18.2.1895 – ✝ 5.8.1975

(* 1895 – † 1975) Geboren am 18. Februar 1895 in Wiesbaden, Sohn des Schauspielers Eduard von Winterstein. 1911/12 Landwirtschaftslehre, 1912/13 Militärdienst. 1913/14 Schauspielschüler bei Max Reinhardt; 1914/15 Soldat u. a. in Frankreich und Belgien, zuletzt Leutnant, wegen einer Augenverletzung entlassen. Danach Schauspieler am Burgtheater Wien und am Deutschen Theater in Berlin. 1918 Mitglied der USPD, während der Novemberrevolution Mitglied des Rats Geistiger Arbeiter, ging 1922 zur KPD. Seit 1928 Schauspieler in Berlin, künstlerischer Leiter des Arbeitertheater-Bunds Deutschland (ATBD), erprobte verschiedene Formen der Agitprop-Gruppenarbeit, um die politische Arbeit der KPD zu unterstützen. Regisseur und Autor des von ihm 1931 geleiteten Theaterkollektivs »Truppe 31«. 1933 emigrierte er mit seiner Frau, der Schauspielerin und späteren Schriftstellerin Ingeborg Franke (*1. 7. 1912 – † 6. 4. 1993) in die Sowjetunion, Leiter der deutschen Agitprop-Truppe »Kolonne Links«. Als Szenarist und Regisseur schuf er 1936 den Film »Kämpfer«, den einzigen Spielfilm mit ausschließlich exilierten deutschen Künstlern. Wangenheim war Mitglied der deutschen Sektion des sowjetischen Schriftstellerverbandes und lieferte der Kaderabteilung des EKKI und dem NKWD zahlreiche Berichte über Mitglieder der »Kolonne Links«, die verfolgt wurden, 1936 aber auch über Zensl Mühsam und Carola Neher. Von 1941 bis 1943 Evakuierung nach Kasan und Taschkent, 1943 im NKFD und Redakteur am Deutschen Volkssender. Anfang 1945 in einer Kommission der Moskauer KPD-Führung für Filmfragen, kehrte Wangenheim als einer der ersten exilierten Künstler im Juni 1945 nach Deutschland zurück, wurde Intendant des Theaters am Schiffbauerdamm, dann des Deutschen Theaters in Berlin. Mitglied der SED und der AdK, bekam 1950 den Nationalpreis. Er war 1952 Regisseur bei der DEFA, ab 1961 freischaffend, er erhielt die Ehrenspange zum VVO in Gold. Gustav von Wangenheim starb am 5.August 1975 in Ost-Berlin.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Wappler, Erich

* 17.5.1926 – ✝ 27.5.1974

Geb. in Bernsbach (Krs. Aue); Vater Fabrikationsklempner; 1940 – 42 Handelsschule; 1942 – 44 Ausbildung zum Bankkfm.; 1944 Wehrmacht; Nov.1944 – Dez. 1945 amerik. Gefangenschaft. 1946/47 Neulehrer in Carlsfeld; 1947 – 49 Bankkfm. in Aue; 1949 SED; 1950 – 53 Filialdir. der Dt. Notenbank in Aue; 1949/50 u. 1953 Studium an der Finanzschule in Radebeul; 1953 – 55 Parteisekr. in der SED-BL Berlin; 1955 – 58 PHS; 1958 – 60 Abt.-Ltr. der Dt. Notenbank; seit 1960 pol. Mitarb., Arbeitsgr.-Ltr., Sektionsltr., ab 1967 stellv. Abt.-Ltr. u. 1970 – 74 Ltr. der Abt. Planung u. Finanzen im ZK der SED (Nachf. von  Karl Hengst); 1969 VVO; 1971 – 74 Kand. des ZK der SED; gest. in Berlin.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Warnke, Herbert

* 24.2.1902 – ✝ 26.3.1975

Geb. in Hamburg; Vater Maurer; Volksschule; 1916 – 20 Bote; 1920 – 24 Lehre als Nieter; 1923 KPD, versch. Parteifunktionen; 1924 – 28 DMV (ausgeschl.); 1927 Mitgl. der KPD-BL Wasserkante; Ref. an der MASCH; 1929/30 Betriebsratsvors. bei Blohm & Voss in Hamburg; nach Arbeitslosigkeit hauptamtl. Funktionär; Sekr. des Bez.-Komitees der RGO in Bremen; Sekr. für Gewerkschaftsfragen bei der KPD-BL Weser-Ems; 1932/33 MdR; illeg. antifa. Tätigkeit; 1933 – 35 Sekr. der RGI in Saarbrücken u. Paris; Aufenthalt in Moskau; 1936 – 38 Mitgl. der Abschnittsltg. Nord der KPD in Kopenhagen; 1938 Ausbürgerung; anschl. in Schweden Ltr. der Parteiemigr.; 1939 – Nov. 1943 Haft u. Internierung in Långmora; hier Mitgl. der illeg. Parteiltg.; 1943 Mitgl. der Landesgr. der Dt. Gewerkschaften; Landesvorst. des Freien Dt. KB; Arbeit unter Militärflüchtlingen; Chefred. der Ztschr. »Der Weg ins Leben«. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Febr. 1946 Vors. des Landesvorst. des FDGB Mecklenb.-Vorpom., Mitgl. des Bundesvorst.; 1946/ 47 hier Ltr. der HA 7 (Betriebsräte); 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 25.10.1948 bis zu seinem Tode 1. Vors. des Bundesvorst. des FDGB (Nachf. von  Hans Jendretzky); 1949 – 75 Mitgl. des SED-PV bzw. des ZK; 1949 – 53 Mitgl. des EK des WGB; 1949 – 75 Abg. der Volkskammer; 1950 Mitgl. des NR der NF; 1950 – 53 Mitgl. des Sekr., Juli 1953 Kand.; 1958 Mitgl. des PB des ZK der SED; 1953 – 69 einer der Vizepräs. des WGB; seit 1969 Mitgl. des Büros des Gen.-Rats des WGB; Stern der Völkerfreundschaft; 1971 – 75 Mitgl. des Staatsrats; 1955 VVO; 1962 KMO; 1967 Lenin-Friedenspreis; 1972 Lenin-Orden; gest. in Berlin.Freiheitskämpfe in der dt. Geschichte. Stockholm 1945 u. Schwerin 1948; Arbeiterkl. u. Gewerkschaften. Aus Reden u. Schriften 1945 – 1952. Berlin 1953; Überblick über die Geschichte der dt. Gewerkschaftsbew. Berlin 1954; Gewerkschaften – Sachwalter der Arbeiterinteressen. Berlin 1977. Deutschland, H., Förster, A., Lange, E. E.: Vertrauensmann seiner Klasse – H. W. Berlin 1982; Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Nachexil u. Remigration. Stuttgart 2000; Hübner, P.: Im Parteiauftrag. H. W. an der Spitze des FDGB. In: Mitteilungsblatt des Inst. für soziale Beweg. (2006) 35.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wascher, Rudolf

* 2.4.1904 – ✝ 1.2.1956

Geboren am 2. April 1904 in Hirschburg/Krs. Ribnik in Mecklenburg, unehelicher Sohn einer Reinemachefrau. Laufbursche, Gärtner, ab 1922 im Baugewerksbund und in der SPD. Seit 1925 in der KPD, wurde 1928 Leiter des Arbeitsgebietes Bonn-Siebengebirge, 1931/32 UB-Leiter in Trier, anschließend UB-Leiter von Köln, schließlich Orgsekretär der BL Mittelrhein. Im März 1933 entging er der Verhaftung, flüchtete in die Niederlande, arbeitete dort mit August Creutzburg zusammen. Ab Januar 1935 in Paris, Anleitung von Kurieren, zunächst Grenzarbeit zum Saarland. Anfang September 1939 Internierung, im Juni 1940 Flucht nach Südfrankreich. In Toulouse war er gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria in der Bewegung Freies Deutschland und der Résistance. Im Juni 1945 kam er zunächst ins Saargebiet, dann nach Köln, wurde 1. Sekretär der KPD-BL Mittelrhein. Dann Sekretär für Wirtschaft und Arbeit bzw. Orgsekretär der KPD Nordrhein-Westfalens. Er war von Oktober 1946 bis Juni 1952 Abgeordneter des Landtages von NRW. Von Oktober 1950 bis Oktober 1951 unter dem Namen Rudi Winter Kursant am II. Einjahreslehrgang an der SED-PHS »Karl Marx« in Kleinmachnow. Danach Instrukteur des KPD-PV für Bayern, ab Dezember 1954 1. Sekretär der KPD-Landesleitung Bayern. Rudolf Wascher starb am 1. Februar 1956 in München.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walden, Herwarth

* 16.9.1878 – ✝ 31.10.1941

Geboren am 16. September 1878 in Berlin als Georg Levin. Er studierte zunächst erfolgreich Musik, wandte sein Interesse jedoch bald der bildenden Kunst und der Literatur zu. Den Namen Herwarth Walden gab ihm Else Lasker-Schüler, mit der er von 1901 bis 1911 verheiratet war. Während seine literarischen Werke heute fast vergessen sind, ist er als bedeutender Kritiker und Kunsttheoretiker weltweit bekannt sowie als Förderer moderner Kunst. 1904 gründete er den Verein für Kunst und begann mit der Unterstützung junger Autoren, die heute zur Weltliteratur zählen, wie Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin und Gottfried Benn. Mit seinen Schriften (»Expressionismus. Die Kunstwende«, 1918) und vor allem als Herausgeber der Zeitschrift »Der Sturm« (1910 bis 1932) wurde er zu einem Vorkämpfer des Expressionismus, Futurismus und Kubismus in Deutschland. Bis 1931 wirkte er als Galerist, Kunsthändler und Verleger in Berlin. Führendes Mitglied der Gesellschaft der Freunde des neuen Rußlands, 1932 übersiedelte er mit seiner Frau Ellen, geborene Bork, nach Moskau. Er war dort Lehrer am Fremdspracheninstitut und publizierte Literaturtexte für Schulen. Am 31.März 1941 vom NKWD verhaftet, kam Herwarth Walden am 31. Oktober 1941 in einem Gulag bei Saratow an der Wolga ums Leben. Seine junge Frau Ellen floh mit ihrem Kind in die deutsche Botschaft und kam nach Berlin zurück. Die Tochter erhielt erst nach einem Besuch in Moskau (1966) Informationen über ihren Vater, z. B. das Todesdatum. In einem Zusatz hieß es, daß er »rehabilitiert« sei. Weitere Nachfragen, was es mit dieser Rehabilitation auf sich habe und ob sie Aussicht hätte, das beschlagnahmte Eigentum ihres Vaters, d. h. seine Bibliothek und seinen schriftlichen Nachlaß zu erhalten, blieben unbeantwortet.

Wer war wer in DDR

Walk, Dietrich

* 25.7.1935

Geb. in Altbleyen (Brandenb.); Vater Landarbeiter; Grundschule, 1950/51 Berufsausbildung zum Stahlschiffbauer in der Roßlauer Schiffswerft; 1952 – 55 Studium an der Ing.-Schule für Schiffstechnik in Warnemünde; 1955 – 58 Obermstr. in der Volkswerft Stralsund; 1957 SED; 1958 – 63 Werkltr. in der Schiffswerft Oderberg u. 1963 – 66 in der Schiffswerft Magdeburg; 1966 – 72 Dir. der Peenewerft Wolgast (Hersteller von Kampfschiffen u. Küstenschutzbooten); 1972/73 Dir. der Volkswerft Stralsund; ab März 1973 GD der VVB Schiffbau Rostock u. 1979 – 88 des daraus hervorgegangenen VEB Kombinat Schiffbau Rostock, zu dem u. a. die Mathias-Thesen-Werft Wismar, die Neptun Werft Rostock sowie die Warnow-Werft Warnemünde gehörten; das Kombinat war weltgrößter Hersteller von Fischereifahrzeugen u. zählte auch im Frachtschiffbau zu den internat. führenden Produzenten; 1979 Mitgl. der SED-BL Rostock; Febr. 1988 aus gesundheitl. Gründen Entbindung als GD.Hagen Schwärzel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Albert Paul

* 22.9.1885 – ✝ 14.2.1980

Geboren am 22. September 1885 in Flatow/ Westpreußen, verlebte die Kindheit in der Neumark. Sein Vater war Kutscher, starb 1886. Walter wurde vom Großvater, einem Bauern, erzogen. Ab 1899 drei Jahre bei der Binnenschiffahrt auf der Oder und Elbe, Übersiedlung nach Hamburg. Seemann, von Juni 1905 bis November 1907 Dienst bei der Kriegsmarine. Von Juli 1914 bis 1917 lebte er in den USA, dort ab Ostern 1917 interniert; Vorsitzender des »Committee of Interned Seamen«, er führte im Juli 1919 die deutschen Seeleute zurück. Im Januar 1920 Leiter des »Deutschen Seemannsbundes«, einer syndikalistischen Organisation, 1922 schloß sich der nunmehrige »Deutsche Schifffahrtsbund« der Roten Gewerkschaftsinternationale an. Walter war dessen Führer bis zur Auflösung 1925. Dann organisierte er bis 1928 im Auftrag des RGI-Führers Solomon Losowski, die »Internationalen Hafenbüros«. Bis 1914 politisch nicht organisiert, 1919 trat er der USPD bei und kam 1921 zur KPD. 1924 zog er für die KPD in die Hamburger Bürgerschaft ein (Mitglied bis 1933), zeitweise Schriftführer der Bürgerschaft sowie Mitglied der KPD-BL Wasserkante. Als die RGI 1928 die Internationale der Seeleute und Hafenarbeiter (ISH) gründete, wurde Walter deren Generalsekretär (bis 1933). Im März 1933 verhaftet, saß er bis 1934 im KZ Fuhlsbüttel, bis 1938 erwerbslos, dann bis 1942 Akquisiteur. Von 1943 bis Kriegsende vom »Deutschen Fichtebund« als Übersetzer und Dolmetscher beschäftigt Nach Ausbruch der Krieges 1939 veröffentlichte Walter die NS-Propaganda-Schrift »Der englische Krieg und die deutschen Arbeiter«, laut seiner Version, »weil ich überzeugt war, in England den eigentlichen Urheber des Krieges zu sehen«. Der NSDAP gehörte er angeblich nicht an. Dennoch verbreitete die NSDAP seine im Hanseatischen Gildeverlag erschienene Schrift in einer Auflage von 120000 Exemplaren, schließlich kam darin auch der Satz vor: »Eine lügnerische Propaganda« wolle »jetzt die deutschen Arbeiter von ihrem Führer trennen«. Walter wurde 1948 von den Leitern der rechtsgerichteten »Deutschen Partei« in Hamburg aufgesucht, zur Mitarbeit gewonnen, und schloß sich Anfang 1948 dieser Partei an. 1949 wurde er als Spitzenkandidat der Deutschen Partei in Hamburg in den ersten Deutschen Bundestag gewählt und saß für diese auch im 1953 gewählten Bundestag. Im Handbuch des Parlaments verschwieg er freilich seine kommunistische Vergangenheit, gab nur an, Gewerkschaftsführer gewesen zu sein. Später betätigte er sich »nur noch gelegentlich politisch«, da sein Leben, wie er meinte, »reichlich stürmisch« gewesen war. Albert Paul Walter starb am 14. Februar 1980 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Maria

* 27.9.1895 – ✝ 1.5.1988

Geboren am 27. September 1895 in Stuttgart-Degerloch als Maria Harm; Fabrikarbeiterin bzw. Bürohilfsarbeiterin in Cannstatt und Stuttgart. Seit 1916 verheiratet mit Ludwig Walter, wurde 1920 Mitglied der KPD, gehörte der RFMB-Gauleitung an und war zeitweise auch Vorsitzende des RFMB Württemberg. Von 1928 bis 1933 Leiterin der Frauenabteilung der BL. Maria Walter wurde 1932 in den Landtag von Württemberg gewählt. 1930 Teilnahme an einem Kurs für Funktionärinnen an der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau. Nach dem Reichstagsbrand emigrierte sie in die Schweiz, kehrte aber Anfang September 1934 nach Stuttgart zurück, hier im November 1939 und im Juni 1944 für einige Wochen inhaftiert. Später trat sie politisch nicht mehr hervor. Maria Walter starb am 1. Mai 1988 in Stuttgart.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Otto

* 2.10.1902 – ✝ 8.5.1983

Geboren am 2. Oktober 1902 in Tarnowitz/ Oberschlesien, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte in Gleiwitz Zimmermann. 1919 schloß er sich dem »Bund der freien Jugend«, 1920 der FSJ und der KPD an. Von 1922 bis 1929 Vorsitzender der Zahlstelle des Zimmererverbandes in Gleiwitz, 1929 aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. 1928 Delegierter des IV. RGI-Kongresses in Moskau. 1929/30 Stadtverordneter in Gleiwitz, im Januar 1929 zunächst Orgleiter, dann Polleiter des Bezirks Oberschlesien. Im Juni 1930 vom ZK nach Halle-Merseburg geschickt, gehörte dort bis 1933 dem Sekretariat der BL an. Im Juli 1932 wurde Walter im Wahlkreis Merseburg in den Reichstag gewählt, bis März 1933 MdR. Ab Februar 1933 als Leiter des UB Bitterfeld/Wittenberg in der Illegalität, kam im Sommer 1933 als Polleiter der BL Baden nach Mannheim. Hier am 28. Dezember 1933 festgenommen, vom OLG Karlsruhe zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, danach bis 1945 im KZ Sachsenhausen. Nach der Befreiung Spitzenfunktionär der KPD in Sachsen-Anhalt, Abteilungsleiter für Kaderfragen und bis 1949 Mitglied des Sekretariats der SED-Landesleitung Sachsen-Anhalt. Walter wurde im Mai 1949 Chefinspekteur der Volkspolizei, kam zur »Hauptverwaltung zum Schutz des Volkseigentums«, von Mitte 1950 bis Sommer 1953 1. Sekretär der SED-Organisation im MfS. Im Januar 1953 zum Generalinspekteur ernannt. Nach der Ablösung Ernst Wollwebers und dem Aufstieg Mielkes zum Minister wurde Walter Anfang November 1957 1. Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit. Im Oktober 1959 zum Generalleutnant befördert, schied er Ende 1963 aus gesundheitlichen Gründen aus, er erhielt 1982 den Karl-Marx-Orden. Er war seit November 1949 mit Else Schreck, verwitwete Reinke, (*1901 – † 1988), einer Schwester des badischen KPD-Funktionärs Paul Schreck verheiratet. Otto Walter starb am 8. Mai 1983 in Ost-Berlin.Jens Gieseke

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Walther, Joachim

* 6.10.1943

Geb. in Chemnitz; Vater Beamter (starb 1944), Mutter Säuglingsschwester; 1962 Abitur mit Facharbeiterbrief (Maschinenschlosser); 1962/ 63 Bühnenarbeiter u. Reparaturschlosser in Karl-Marx-Stadt; 1963 – 67 Studium der Lit.-Wiss. u. Kunstgeschichte an der HU Berlin; 1967/68 Lehrer für Dt. u. Kunsterziehung; 1968 – 83 Lektor beim Buchverlag Der Morgen, erzwungene Kündigung wegen Problemen mit der Zensur; 1969 – 89 Überwachung durch das MfS (OV »Lektor«, OPK »Schmetterling«, OV »Verleger«); 1970 erster Roman »Sechs Tage Sylvester«; 1971 – 74 Arbeiten für die »Weltbühne«; 1972 Aufnahme in den DSV; 1974/75 Studienaufenthalt in Warschau; 1975 erfolgr. Jugendroman »Ich bin nun mal kein Yogi«; 1976 – 78 Red. der Literatur-Ztschr. »Temperamente«, 1978 aus pol. Gründen Entlassung der gesamten Red.; ab 1977 Vorlesungs- u. Studienreisen nach Norwegen, Dänemark, Frankreich, Österreich, in die Bundesrep. Dtl. u. in osteurop. Staaten; seit 1983 freischaff. Schriftst. (Prosa, Dramatik, Film-, Hörspiel- u. Kinderbuchautor, Hrsg.); 1983 – 87 Studienreisen in die USA u. nach England; 1984 – 89 Rückzug nach Mecklenb.; seit 1989 wieder in Berlin. 1990 bis zur Auflösung im Dez. stellv. Vors. des SV; 1990/91 koopt. Mitgl. des Bundesvorst. des VS; 1991 Hörspielpreis Funkhaus Berlin; 1991 Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl., ab 1995 im Präs.; erste dokumentar. Aufarbeitung von Akten des SV; seit 1992 Initiator u. Arbeit am Forschungsprojekt »Überwachung, Beeinflussung u. Unterwanderung der DDR-Lit. durch das MfS von 1969 – 89« beim Bundesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR; 1993 – 97 Kuratoriumsvors. der Literaturwerkstatt Berlin; 1996 Stipendium des Else-Heiliger-Fonds; 1996 Hörfunkpreis Goldenes Kabel; 1996 – 98 Vizepräs. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl. u. Beauftr. für die Writers-in-Prison-Arbeit des PEN; 1997 – 2002 Vors. des Autorenkrs. der Bundesrep. Dtl.; 1998 Amsterdam-Stipendium; 2004 Gründung des »Archivs unterdrückte Lit. in der DDR«; 2005 Burgschreiber in Beeskow; 2005 Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg; ab 2005 Hrsg. der Edition »Die Verschwiegene Bibliothek« in der Büchergilde Gutenberg (zus. mit Ines Geipel); lebt in Grünheide (b. Berlin); 2006/07 Stipendium Dt. Literaturfonds Darmstadt. Verf. v. a. krit., moral.-aufklärer. Texte u. a. über Verhaltensunterschiede in Zeiten der Individualitätsgefährdung; häufiger Rückgriff auf hist. Stoffe.Ruhe bewahren. München 1979; Bewerbung bei Hofe. Berlin 1982; Zw. den Stühlen. Berlin 1987; Risse im Eis. Heidelberg 1989; Protokoll eines Tribunals. Die Ausschlüsse aus dem DDR-Schriftst.-Verb. 1979. Hamburg 1991 (Hrsg.); Verlassenes Ufer. Leipzig 1993; Sicherungsber. Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996; Im Flug über die dt.Ostseeküste. Rostock 2005; Himmelsbrück. Halle 2009.Andreas Kölling / Helmut Müller-Enbergs

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Wandel, Paul

* 16.2.1905 – ✝ 3.6.1995

Geb. in Mannheim; Vater Arbeiter; Grundschule; ab 1919 Berufsschule, Maschinentechniker; 1919 SAJ; 1923 Verurteilung von einem Jugendgericht wegen »Verstoßes gegen die Verordnung des Belagerungszustands« zu 14 Tagen Gefängnis; Okt. 1923 – 27 KJVD; 1924 erwerbslos; 1925 – 29 Techniker in einem Mannheimer Betrieb; 1926 – 31 KPD; 1927 – 30 Mitgl. einer BL der KPD; 1929/30 Ing.-Schule Mannheim; 1930/31 Sekr. der BL Baden der KPD; Nov. 1930 – 32 Vors. der KPD-Fraktion im Stadtparl. Mannheim; Aug. 1931/ 32 Kursant u. 1932/33 Aspirant der Lenin-Schule in Moskau; dann dort bis 1936 Parteisekr. u. Lehrer; 1931 – 45 KPdSU; Tätigkeit im Marx-Engels-Inst.; persönl. Sekr. von  Wilhelm Pieck im Balkanländer-Sekr. des EKKI; Okt. 1941 Evakuierung aus Moskau; Ltr. der dt. Sekt. an der KI-Schule in Kuschnarenkowo; Anfang 1943 Mitgl. einer von der KPD-Führung initiierten Arbeitsgr. über Prop.-Fragen; ab 1943 Sprecher der sog. Geisterstimme im Dt. Volkssender; ab Aug. 1943 Mitgl. des Auslandsbüros der KPD in Moskau, Sekr. von Wilhelm Pieck; Febr. – Aug. 1944 Mitarb. in einer Arbeitskommission zur Ausarbeitung des Nachkriegsprogramms der KPD; Mitgl. der Unterkommission für Agrarfragen u. für Wirtschaftsfragen. Kehrte am 10.6.1945 nach Berlin zurück; Juni – Aug. 1945 Chefred. der »Dt. Volksztg.«; Aug. 1945 – Okt. 1949 Präs. der Dt. ZV für Volksbildung; April 1946 – Juli 1958 Mitgl. des PV bzw. des ZK der SED; Nov. 1947 Mitgl. der Filmkommission beim ZS der SED; ab 1948 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1949/50 u. 1954 – 58 Abg. der Volkskammer; Okt 1949 – Aug. 1952 Minister für Volksbildung, Nov. 1951 nichthauptamtl. Lehrstuhlltr. für Allg. Geschichte am IfG beim ZK der SED; 1952 Dr. h. c. der MLU Halle; 1952/53 Ltr. der Koordinierungsstelle für Kultur u. Volksbildung; Juli 1953 – Okt. 1957 Sekr. für Kultur u. Erziehung des ZK der SED; April 1953 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1955 VVO; 1955 – 65 Mitgl. des Weltfriedensrats; Okt. 1957 wegen ungenügender Härte bei der Durchsetzung der kulturpol. Linie der SED-Führung strenge Rüge; Apr. 1958 – Febr. 1961 Botschafter der DDR in China; 1961 – 64 stellv. Außenmin.; 1964 – 75 Präs. (Nachf. von  Philipp Daub) u. 1976 – 84 Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft; Mitgl. des NR der NF; Mitgl. des Präs. des Friedensrats; 1970 Orden des Vaterländ. Krieges (UdSSR); Stern der Völkerfreundschaft; 1975 KMO; 1985 Dr. h. c. an der HU Berlin; 1990 PDS; gest. in Berlin.u. a. Reden zur Kulturpol. Berlin 1955. Leonhard, W.: Spurensuche. 40 Jahre nach »Die Rev. entläßt ihre Kinder«. Köln 1992; Gespräch mit P. W. In: Hering, S., Lützenkirchen, H.-G. (Hrsg.): Anderswerden. Die Anfänge der pol. Erwachsenenbildung in der DDR. Berlin 1995.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

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Wandrey, Horst

* 22.8.1929 – ✝ 7.9.2012

Geb. in Nordhausen; Vater Autoschlosser, Mutter Kontoristin; Stud. der Journalistik an der KMU Leipzig; Tätigkeiten als Lehrer, Doz. u. Verwaltungsangest. im Kulturbereich; 1956 Mitarb. im Amt für Lit. u. Verlagswesen des MfK; 1958 mit 29 Jahren Cheflektor des Henschelverlags u. damit jüngster Cheflektor der DDR, bis 1992 verantw. für ca. 2.000 Titel, darunter die erfolgr. Reihen »Welt der Kunst«, »Internationale Dramatik« (80 Bd.) u. »Dialog« (150 Bd.); 1987 – 89 Ltr. der Literaturarbeitsgemeinschaft der Kunstbuchverlage, Mitgl. im Verlegeraussch. des Börsenvereins der Buchhändler zu Leipzig. 1993 – 96 Ltr. des Henschelverlags innerhalb der Dornier-Verlagsgruppe, 1997 – 2002 Verlagsltr. im neugegr. Parthas Verlag für Theater, Film, Musik u. Bildende Kunst, danach freiberufl. Verlags- u. Autorenberater; zahlr. Herausgaben; gest. in Berlin.Käthe Kollwitz. Aus Tagebüchern u. Briefen. Berlin 1964; Mozart-Briefe. Berlin 1970; Französische Künstlergeschichten von Balzac bis Camus. Berlin 1988.Christoph Links

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Wangenheim, Inge(borg) von

* 1.7.1912 – ✝ 6.4.1993

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Mutter Konfektionsarb.; Besuch des Lyzeums; anschl. Schauspielschule; Mitgl. des Schauspielkoll. »Gruppe junger Schauspieler«; kleine Rollen auch bei Erwin Piscator; 1930 KPD; 1931 – 33 Mitgl. des vom Ehemann  Gustav v. W. geleiteten Schauspielkoll. »Truppe 1931«; 1933 Emigr. über Brüssel zunächst nach Paris, dann nach Moskau; 1934 – 35 Mitgl. des dt.-spr. Theaterkoll. »Dt. Theater Kolonne Links« u. Tätigkeit als Journalistin; 1937 sowj. Staatsbürgerschaft; 1937/38 Mitarb. der Red. »Das Wort«; 1939 – 41 Sprecherin der dt. Red. eines Moskauer Radiosenders; 1941 Evakuierung nach Chistopol, Kasan u. Taschkent; 1943 – 45 erneut in Moskau; u. a. Red. für die BFD, Sender »Freies Dtl.« (»Institut 205«). Nov. 1945 Rückkehr nach Berlin; 1946 SED; 1947 Gründungsmitgl. des Bunds Dt. Volksbühnen; 1947 – 48 Hrsg. der Monatsschrift »Volksbühne«; Schauspielerin u. Regisseurin, u. a. am Dt. Theater Berlin; Filmtätigkeit; ab 1949 vor allem schriftsteller. Tätigkeit (Romane, Erzählungen, Essays, theoret. Schriften, Reportagen); lebte nach der Scheidung von ihrem Mann ab Dez. 1961 in Rudolstadt, ab 1974 in Weimar; Vorstandsmitgl. des SV; 1966 Kunstpreis des FDGB; 1968 Heinrich-Heine-Preis; 1972 VVO; 1977 NP; 1987 KMO (Rückgabe des Ordens u. Übergabe der damit verbundenen 20.000 Mark an die Volkssolid. Weimar im Dez. 1989); 1989 Dr. h. c. der FSU Jena; gest. in Weimar. Im autobiogr. Buch »Mein Haus Vaterland« (Berlin 1950) beschreibt I. v. W. ihre frühen Lebensjahre bis 1933; die Exiljahre mit einer relativ offenen Darstellung der Moskauer Schauprozesse – wenngleich aus dogmat. Sicht – sind Gegenstand des Buchs »Auf weitem Feld« (Berlin 1954); »Am Morgen ist der Tag ein Kind« (Berlin 1957) thematisiert die Ereignisse des 17. Juni 1953. Sek.-Lit.: Kahle, W.: Essayistik im liter. Ensemble. Zum Schaffen I. v. W. In: Weimarer Beiträge (1971) 10; Falk, C.: 70. Geb. der DDR-Schriftst. I. v. W. (Biobibl.). In: Bibliograph. Kalenderblätter (1982) 7; Schmidt, S.: I. v. W. In: Geerdts, H. J. (Hrsg.): Lit. der DDR. Bd. 3. Berlin 1987.Die hypnotisierte Kellnerin. Rudolstadt 1968; Kalkutta liegt nicht am Ganges. Rudolstadt 1970; Die tickende Bratpfanne. Rudolstadt 1974; Hamburgische Elegie. Halle 1977; Spaal. Rudolstadt 1979; Die Entgleisung. Halle 1980; Genosse Jemand u. die Klassik. Halle 1981; Deutsch u. Geschichte. Halle 1987; Der goldene Turm. Rudolstadt 1988.Maren Horn / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Warneke, Lothar

* 15.9.1936 – ✝ 5.6.2005

Geb. in Leipzig; Vater kfm. Angest.; Abitur; 1954 – 59 Theol.-Studium an der KMU Leipzig, anschl. Kirchenaustritt; SED; 1960 – 64 Regiestudium an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; 1968 – 90 Regisseur im DEFA-Spielfilmstudio; Debüt 1969 mit der »soz. Kriminalgroteske« »Mit mir nicht, Madam!« (Kor.: Roland Oehme); danach vorwiegend Gegenwartsspielfilme mit stark dokumentar. Duktus: 1970 »Dr. med. Sommer II«; 1971 Heinrich-Greif-Preis; 1972 »Es ist eine alte Geschichte ...«, 1973 »Leben mit Uwe«, 1976 »Die unverbesserl. Barbara«; 1977 NP; 1978 erster hist. Film »Addio, piccola mia« über Georg Büchner; 1980 »Unser kurzes Leben« nach dem Roman »Franziska Linkerhand« von  Brigitte Reimann, 1981 »Die Beunruhigung«; 1983 Heinrich-Greif-Preis; 1984 »Eine sonderbare Liebe«, 1987 »Blonder Tango«; 1987 NP; 1988 »Einer trage des anderen Last«; 1980 – 90 Vizepräs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden der DDR; Prof. an der Film-HS Potsdam-Babelsberg. 1991 Dok.-Film »Ich bin das achte Weltwunder – Marcello Cammi«; 1994 abendfüllender Dok.-Film »Zwei Schicksale oder Eine kleine Königstragödie«; gest. in Potsdam.Ralf Schenk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Warnke, Herbert

* 24.2.1902 – ✝ 26.3.1975

Geboren am 24. Februar 1902 in Hamburg als Sohn eines Maurers. Zunächst Bankbote, lernte Nieter und arbeitete auf der Hamburger Werft Blohm & Voss. 1923 trat er in die KPD ein, während der Wittorf-Affäre im Herbst 1928 gehörte er einige Zeit zur Versöhnlergruppe, brach aber, wie er 1945 schrieb, »freiwillig mit ihr, als ich ihren Weg erkannte, wobei ich eine freiwillige mündliche Erklärung auf der Stadtteildelegiertenkonferenz dazu abgab«. 1929 Betriebsratsvorsitzender bei Blohm & Voss, im Dezember 1930 entlassen, dann von 1931 bis 1933 Sekretär der RGO im Bezirk Bremen. Im November 1932 und im März 1933 wurde Warnke im Wahlkreis Ost-Hannover als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Bis Juni 1933 illegale Arbeit als RGO-Leiter Weser-Ems, anschließend RGI-Sekretär von Saarbrücken und Paris aus. 1936 ging er nach Dänemark, im Februar 1938 nach Schweden, gehörte zur AL Nord. Warnke wurde 1939 von den schwedischen Behörden interniert, im Sommer 1943 freigelassen, 1944 Mitglied des Freien Deutschen Kulturbundes in Schweden. Im Dezember 1945 kehrte Warnke nach Deutschland zurück, wurde im Januar 1946 Sekretär bzw. 1. Vorsitzender des FDGB-Landesverbandes Mecklenburg und war ab Februar 1946 Mitglied des Sekretariats des FDGB-Bundesvorstandes. Im Oktober 1948 löste er Hans Jendretzky als Vorsitzenden des FDGB ab und blieb dies bis 1975. Von 1949 bis 1975 gehörte Warnke dem PV bzw. dem ZK der SED an, kam 1953 zunächst als Kandidat und 1958 als Mitglied in das Politbüro, er erhielt 1962 den Karl-Marx-Orden. Herbert Warnke starb am 26.März 1975 in Ost-Berlin.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Waßmann, Robert

* 11.1.1915 – ✝ 20.11.2002

Geb. in Winz (Krs. Hattingen); Vater Angest.; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer; 1939 – 44 Wehrmacht, Jan. 1945 Desertion, illeg. Aufenthalt in Dresden. 1945 Gelegenheitsarbeiter; 1945 SPD, 1946 SED; 1946 – 51 Hilfsredakteur, Abt.-Ltr. (Wirtschaft), 1951 stellv. Chefred. der »Sächsischen Zeitung« Dresden; 1951 – 55 Chefred. der SED-Bezirksztg. »Lausitzer Rundschau« Cottbus (Nachf. von  Kurt Gentz); 1955 – 58 Studium an der PHS beim ZK der KPdSU; 1958 – 81 wieder Chefred. der »Lausitzer Rundschau« Cottbus (Nachf. von  Paula Acker); 1958 – 81 Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1961 – 88 VDJ-ZV u. zeitw. Vors. des VDJ-BV Cottbus.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Waldmann, Hans

* 31.10.1928

Geb. in Schilda (Krs. Finsterwalde); Landarb.; Berufsausbildung zum Bergarb.; 1949 – 51 Erwerb der Hochschulreife an der ABF; 1951 – 56 Studium an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Bergbauing.; Tagebaultr. im Braunkohlenbergbau Burghammer u. Welzow; Wirtschaftssekr. der SED-Industrie-KL »Schwarze Pumpe« in Hoyerswerda; Techn. Ltr. im Braunkohlentagebau Spreetal; 1962 – 66 Techn. Dir. der VVB Braunkohle Cottbus; 1966/67 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1970 NP; 1971 – 75 Nachfolgekand. u. ab 1975 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; 1967 – 73 Dir. für Plandurchführung u. 1. stellv. GD des Gaskombinats »Schwarze Pumpe« in Hoyerswerda; 1967/68 1. Stellv. des Kombinatsdir. des VEB Kombinat Schwarze Pumpe, 1968 – 73 Dir. für Gewinnung u. 1. Stellv. des GDu. amt. GD; 1973 – 80 GD der VVB Braunkohle Senftenberg; ab 1980 GD des VEB Braunkohlenkombinat Senftenberg (Nachf. von  Hans-Joachim Tomczak); Ruhestand.Hagen Schwärzel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wallach, Julius

* 22.9.1887

Geboren am 22. September 1887 in Neuss, Sohn von Issak Wallach; Lehre und Arbeit als Sattler, Tapezierer und Händler. Er zog 1915 nach Friedrichsort bei Kiel, war dort 1918 aktiv an der Novemberrevolution beteiligt, 1918/19 Vorsitzender der KPD in Kiel, er nahm wahrscheinlich als Delegierter am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Wallach wurde 1920 Mitglied der KAPD, kam später aber wieder zur KPD zurück. Seit 1925 verantwortlich für den Aufbau des RFB in Kiel, nach dem RFB-Verbot 1929 übernahm er den Aufbau der RFB-Ersatzorganisation »Rote Marine Reichspietsch-Köbis«, dann 1931 Leiter der KPD-Zelle Schifffahrt, einer Hochburg der Ultralinken. Weitere Lebensdaten waren nicht zu ermitteln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Hermann

* 16.1.1874 – ✝ 3.5.1964

Geboren am 16. Januar 1874 in Erfurt, Sohn eines Zimmermanns. Nach Schlachterlehre und Wanderschaft kam er 1890 nach Berlin, wurde Mitglied der SPD und der Gewerkschaften und arbeitete als Schlachter des Berliner Konsumvereins. 1893 wegen »Widerstandes gegen die Staatsgewalt«, »Einbruchs und Diebstahls« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Von 1896 bis 1899 Leiter der SPD in Wedding, wurde Leitergerüstbauer. 1914 verließ er die SPD, schloß sich der Spartakusgruppe und 1917 der USPD an. Er gehörte 1917/18 zu den Revolutionären Obleuten, organisierte Waffentransporte nach Berlin und war im Januar 1918 führend beim Generalstreik in den Lichtenberger Großbetrieben. Während der Novemberrevolution in Berlin an Kämpfen und Verhandlungen beteiligt, die zur Übergabe des Polizeipräsidiums führten. Als Vertreter der Revolutionären Obleute nahm er an den Vorbesprechungen und am KPD-Gründungsparteitag als Beobachter teil. Im April 1919 Delegierter der USPD zum 2. Reichsrätekongreß, ab Februar 1920 Mitglied der KPD. Walter saß im Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft Berlin und war Branchenleiter der Gerüstbauer. Er kam mehrmals in Konflikt mit der ultralinken Gewerkschaftspolitik der KPD. Im Sommer 1928 (und erneut im Februar 1931) aus der KPD ausgeschlossen, da er sich weigerte, die Gerüstbauer in die RGO zu überführen und es ablehnte, als Kandidat der »Roten Liste« gegen den ADGB bei den Betriebsrätewahlen in der Konsumgenossenschaft Berlin anzutreten; am 2. April 1932 wieder in die KPD aufgenommen. Im Mai 1933 verhaftet, in der »Schutzhaft« schwer mißhandelt. 1945 gehörte er gemeinsam mit Hans Pfeiffer zu den Mitbegründern der KPD in Zeuthen, wo er als Partei- und Gewerkschaftsveteran wohnte, er erhielt anläßlich seines 90. Geburtstages im Januar 1964 den VVO in Gold. Hermann Walter starb am 3.Mai 1964.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Walter, Paul

* 13.2.1891 – ✝ 1.12.1978

Geboren am 13. Februar 1891 in Viehhofen bei Nürnberg, Sohn eines Metzgergesellen. Lehre als Dreher und anschließend 1908 bis 1914 Wanderschaft durch Europa. Er gehörte 1911 in Zürich dem Internationalen Arbeiterverein an und wurde 1912 Mitglied der SPD. Bei Kriegsausbruch Marinesoldat auf dem Kreuzer »Kolberg« in Wilhelmshaven. Wegen antimilitaristischer Arbeit unter den Marineangehörigen im August 1916 inhaftiert und zu einem Jahr Festung verurteilt, anschließend als »wehrunwürdig« entlassen und zum Berliner Rüstungsbetrieb Schwartzkopf dienstverpflichtet. Ab 1917 Mitglied der USPD, schloß sich Walter während der Novemberrevolution der Spartakusgruppe an und wurde Mitglied der KPD. Beteiligt an der Besetzung der Vorwärts-Druckerei, deswegen Anfang Januar 1919 wegen »Aufruhrs und Landfriedensbruchs« zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Danach wieder Dreher und von 1924 bis 1932 beim AEG-Lokomotivbau in Hennigsdorf beschäftigt, gehörte er als Obmann der Funktionäre und Vorsitzender des Arbeiterrates zu den bekannten Kommunisten. Im September 1930 wurde Walter im Wahlkreis Berlin in den Reichstag gewählt, in dem er bis zum März 1933 blieb. Er war 1930 Reichsleiter der RGO Industriegruppe Metall. Anfang März 1933 festgenommen und am 7. November vom Reichsgericht zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend bis 1938 im KZ Sachsenhausen. Er wurde 1943 erneut verhaftet und kam wieder in das KZ Sachsenhausen. Im Mai 1945 führend am Aufbau der Einheitsgewerkschaften in Berlin beteiligt, Orgleiter des FDGB in Berlin, schied wegen Krankheit 1949 aus dem FDGB Groß-Berlin aus. 1951 übernahm er die Leitung des Vorbereitenden Ausschusses zur Bildung des Nationalen Aufbau-Werkes (NAW) in Ost-Berlin, später hauptamtlicher Mitarbeiter des Nationalrats der Nationalen Front, wo er die Westabteilung bzw. die Abteilung Agitation leitete. Er erhielt 1971 den Karl-Marx-Orden. Paul Walter starb am 1.Dezember 1978 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Walter, Steffi

* 17.9.1962

Geb. in Schlema (Erzgeb.), aufgew. in Lauter (Erzgeb.); Vater selbst. Konditormstr.; Leichtathletin in Lauter; ab 1977 Rennschlittensport beim SC Traktor Oberwiesenthal; KJS; Spezialdisz.: Damen-Einsitzer; 1979 Spartakiadesiegerin; 1983 u. 1985 WM; 1984 u. 1988 Olymp. Spiele: Siegerin; VVO; Studium der Staatswiss. an der ASR Potsdam; nach 1989 Ausbildung zur Verkehrskauffrau; lebt seit 1986 in Bautzen.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Walther, Rosel

* 12.1.1928 – ✝ 24.8.2006

Geb. in Landsberg (Warthe, Ostbrandenb./ Gorzów Wielkopolski, Polen); Vater Sattler; Volksschule, 1942 – 45 Lehrerbildungsanstalt; 1945 – 50 Lehrerin in Gransee; 1949 NDPD; 1950 – 52 Assistentin u. Lehrerin an NDPD-Parteischulen; 1950 – 58 Abg. der Volkskammer; 1951 – 55 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1952/53 Mitgl. des Landesvorst. Brandenb., dann des Bez.-Vorst. Potsdam der NDPD; 1953 – 61 Mitarb., dann Abt.-Ltr. beim PV; 1961 – 64 Lehrstuhlltr. an der HS für Nat. Pol. (Zentr. Parteischule der NDPD) in Waldsieversdorf (Krs. Strausberg); 1959 – 65 stellv. Vors. des ZA der Volkssolidarität; seit 1963 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1964 – 66 Abt.-Ltr. Pol. Studium (Prop.) in dessen Sekr.; 1964 – 66 Vors. der Frauenkommission der NDPD; 1964 – 69 Mitgl. des Bundesvorst. des DFD; 1966 – 72 Dir. der Zentr. Parteischule der NDPD; 1967 – Jan. 1990 Mitgl. des PV, dann Präs. ihres Hauptaussch.; 1967 – März 1990 erneut Abg. der Volkskammer; seit 1973 stellv. Vors. der NDPD-Fraktion; seit 1986 Mitgl. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; seit 1971 Mitgl. des Staatsrats; seit 1974 des Präs. des DDR-Friedensrats; 1974 – 86 des Weltfriedensrats; 1972 – Nov. 1989 Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; 1959 Verdienstmedaille der DDR; 1969 VVO; 1990 Rentnerin; Mitgl. der FDP; gest. in Berlin.Die Aufgaben u. Perpektiven der Angestellten aus dem Mittelstand beim Aufbau des Sozialismus. o. O. 1959.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wandel, Paul

* 16.2.1905 – ✝ 3.6.1995

Geboren am 16. Februar 1905 in Mannheim, Sohn einer Arbeiterfamilie. Der gelernte Maschinentechniker studierte 1929/30 an der Ingenieurschule in Mannheim. Zunächst Mitglied der christlichen Jugend, schloß er sich 1922 der SAJ und 1923 der KJD an, 1926 der KPD. Er wurde 1930/31 Mitglied des Sekretariats der KPD-BL Baden und Vorsitzender der KPD-Fraktion in der Mannheimer Stadtverordnetenversammlung. 1933/34 Kursant und Parteisekretär an der Internationalen Leninschule in Moskau. Wandel arbeitete am Marx-Engels-Institut und zeitweilig als persönlicher Sekretär von Wilhelm Pieck im EKKI. Im Oktober 1941 aus Moskau evakuiert, leitete er unter dem Parteinamen Klassner die deutsche Sektion an der Komintern-Schule in Kuschnarenkowo. Ab 1943 am Deutschen Volkssender tätig, wurde Wandel Mitglied einer vom ZK der KPD initiierten Arbeitsgruppe für Propagandafragen und Mitarbeiter in der Arbeitskommission des ZK der KPD, ab September 1944 im Auslandsbüro der KPD in Moskau. Am 10. Juni 1945 kehrte er nach Berlin zurück und wurde Chefredakteur des KPD-Zentralorgans »Deutsche Volkszeitung«. Anfang August 1945 von der SMAD zum Präsidenten der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung berufen. Von April 1946 bis Juli 1958 gehörte Wandel dem PV bzw. dem ZK der SED an, für Kultur- und Bildungsfragen zuständig. Im Oktober 1949 Minister für Volksbildung der ersten DDR-Regierung, dann von Else Zaisser abgelöst. Nach dem 17. Juni 1953 Sekretär für Kultur und Erziehung des ZK der SED, geriet Wandel 1956 in die Auseinandersetzung Walter Ulbrichts mit der Schirdewan-Wollweber-Gruppe. Im Oktober 1957 erhielt er wegen »ungenügender Härte bei der Durchsetzung der kulturpolitischen Linie« eine »strenge Rüge«. Als Sekretär des ZK abgelöst, im April 1958 als Botschafter nach China geschickt, wurde er 1961 einer der Stellvertreter des Außenministers. Seit 1964 Präsident der Liga für Völkerfreundschaft, mußte aber das Amt 1976 dem CDU-Vorsitzenden Gerald Götting überlassen und war bis 1984 Vizepräsident. Er erhielt 1975 den Karl-Marx-Orden, 1985 verlieh ihm die Humboldt-Universität die Ehrendoktorwürde. Nach 1989 gehörte er der PDS an und war Mitglied in deren »Rat der Alten«. Paul Wandel starb am 3. Juni 1995 in Berlin.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Wange, Udo-Dieter

* 31.10.1928 – ✝ 24.2.2005

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Musiker, Mutter Verkäuferin; 1935 – 44 Volks- u. Mittelschule in Berlin-Friedenau; 1939 – 45 Dt. Jugend, HJ, Hordenführer; 1944/45 Wehrmacht, Luftwaffenoberhelfer. 1945/46 KPD/SED; 1945 – 48 Angest. beim Bez.-Amt Berlin-Schöneberg; 1947/48 Mitgl. der FDJ-KL Berlin-Schöneberg; 1948/49 Sachbearb. in der HV Materialversorgung der DWK; 1949/50 Hauptsachbearb. im Min. für Innerdt. Handel; 1950 – 54 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Wirtsch.; 1951 Hauptref. Außenhandel u. Materialversorgung in Berlin; 1951/52 Abt.-Ltr., 1952/53 persönl. Ref. im Staatssekr. für Materialversorgung; 1953 kommissar. Ltr. Staatssekr. für Verw. der Staatsreserve; 1953 – 55 kommissar. Planungsltr. SPK; 1954 – 68 Bat.-Kdr. der Kampfgr.; 1955 – 59 Vors. der Schiedskommission, 1. stellv. Vors. des Zentr. Staatl. Vertragsgericht Berlin; Sept. – Dez. 1957 Lehrgang für Kampfgr.-Kommandeure an der Zentralschule der DVP; 1964 Prom. zum Dr. jur. an der KMU Leipzig; 1965/66 HA-Ltr. u. Volkswirtschaftsrat der DDR in der HA Materialwirtschaft u. Außenhandel; 1966 stellv. Minister, 1966 – 72 Staatssekr. für Bezirksgeleitete Industrie u. Lebensmittelindustrie; 1972/73 stellv. Vors. der SPK; 1974 – 89 Minister für Bezirksgeleitete Industrie u. Lebensmittelindustrie (Nachf. von  Erhard Krack); seit 1974 Leiter der DDR-Delegation in der Ständigen Kommission des RGW; ab 1976 Mitgl. des Min.-Rates u. Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED; 1977 VVO; 1981 –86 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED. Geb. in Wiesbaden; Vater Schauspieler ( Eduard v. Winterstein), Mutter Schauspielerin; 1909/10 Oberrealschule; 1911/12 Landw.-Lehrling; 1912/13 Militärdienst, Uffz.; 1913/14 Schauspielschüler bei Max Reinhardt; 1914/15 Soldat in Frankreich u. Belgien, Ltn., 1915 wegen Augenverletzung u. Ruhrerkrankung Entlassung aus dem Militärdienst; 1915/ 16 Schauspieler am Burgtheater Wien; 1916/ 17 am Dt. Theater Berlin (DT); 1917 erste eigene Stücke u. Sprechchöre; 1917/18 am Hoftheater in Darmstadt; 1918 USPD; während der Novemberrev. 1918 Mitgl. des Rates Geistiger Arbeiter; 1918/19 Schauspieler an der Berliner Volksbühne; ab 1921 auch Filmschauspieler, u. a. in »Kohliesels Töchter«, »Nosferatu«, »Schatten«, »Die Frau im Mond«, »Danton«; 1922 KPD; 1923 Ltr. des Zentr. Sprechchors der KPD in Berlin; 1924/25 Tätigkeit am DT in Berlin; 1926 – 28 Schauspieler am Dt. Schauspielhaus in Hamburg u. 1929/30 u. a. an der Piscator-Bühne in Leipzig; ab 1928 Mitarb., dann Ltr. des ATBD; 1928 – 30 Texter u. Regisseur der Agitproptruppe »Rote Blusen«; 1930 RGO; 1931 – 33 Kleines Theater Unter den Linden, Regisseur u. Autor der von ihm geleiteten professionellen Theatergr. »Truppe 1931«; nach Verbot der Gruppe im März 1933 Emigr. nach Paris; Mai – Juni 1933 zur Teiln. an der Ersten Internat. Olympiade des Rev. Theaters in Moskau; Juli 1933 Rückkehr nach Paris; Aug. 1933 Emigr. in die UdSSR; bis Ende 1934 künstl. Leiter des Dt. Theaters »Kolonne Links«; Nov. 1934 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Nov. 1934 Mitgl. des Präs. des IRTB; Regisseur bei Meshrabpom-Film in Moskau; Szenarium u. Regie für den Film »Der Kämpfer« (UA Mai 1936 in Moskau); Mitglied der dt. Sekt. des sowj. Schriftst.-Verb.; lieferte der Kaderabt. des EKKI zahlreiche Berichte über Mitgl. der »Kolonne Links«, wurde 1936 vom NKWD über Zenzl Mühsam u. Carola Neher verhört; 1940 sowj. Staatsbürgerschaft; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; Okt. 1941 Evakuierung über Kasan nach Taschkent; 1943 Mitgl. des NKFD; Red. des Senders »Freies Dtl.«; vom RKG wegen »Hochverrats« in Abwesenheit zum Tode verurteilt; Anf. 1945 Mitgl. einer Kommission der Moskauer KPD-Führung für Filmfragen. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1.8.1945 –1.9. 1947 Intendant des DT Berlin; Eröffnung mit der Neuinszenierung von Gotthold E. Lessings »Nathan der Weise« u. »Der Gerichtstag« von Julius Hay (u. a. auch Inszenierung des »Hamlet«); 1946 SED; Mitbegr. des KB; ab 1946 Vors. der Gewerkschaft der Bühnenangeh.; Nov. 1947 Mitgl. der Filmkommission beim ZS der SED; Korr. Mitgl. der ADK; mit seinem Stück »Du bist der Richtige« wird 1950 das neugegr. Theater der Freundschaft im Haus der Kultur der Sowjetunion in Berlin eröffnet; NP; ab 1.11.1952 Regisseur beim DEFA-Studio für Spielfilme; VdN; Mitte der 50er Jahre Regisseur u. Schauspieler in Altenburg u. Schauspieler an der Volksbühne; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; ab 1961 freischaff. Schriftst. u. Regisseur; Autor u. Regisseur der Filme: »Und wieder 1948«, »Der Fall Högler«, »Heimliche Ehen«; 1961 Ehrenmitgl. des Vorst. des DSV; 1966 Dr. phil. h. c. der HU Berlin; 1970 Mitgl. der Sektion Darstellende Künste der ADK; 1975 Ehrenspange zum VVO; verh. mit  Inge v. W.; gest. in Berlin.u. a. Die Maus in der Falle, Komödie, Berlin 1947; Du bist der Richtige, Berlin 1950; Auch in Amerika, Schauspiel, Berlin 1950 (Bühnenmanuskript); Die fromme Martha, Komödie, Berlin 1953; Die vertauschten Brüder, Schauspiel, Studentenkomödie, UA in Rostock 1959, Berlin 1959; Fährmann wohin? Berlin 1961; Im Kampf geschrieben. Berlin 1962; Da liegt der Hund begraben u. andere Stücke. Reinbek b. Hamburg 1974. Agde, G.: Kämpfer, Biogr. eines Films u. seiner Macher. Berlin 2001; Müller, R.: Menschenfalle Moskau. Hamburg 2001; Arnold, J.: Die Revolution frisst ihre Kinder. Marburg 2003.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Wanke, Joachim

* 4.5.1941

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Studium der Theol. u. Philos. in Erfurt; 1966 Priesterweihe; Vikar in Dingelstädt; 1969 Assistent u. Präfekt am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; Dr. theol.; 1974 Lehrbeauftr. für Exegese des Neuen Testaments einschließl. Einleitungswiss. am Regional-Priesterseminar/ Studium Erfurt; 1975 Doz. für Exegese des Neuen Testaments; 1975 – 80 Seelsorger in Ichtershausen; 1978 Verw. des Lehrstuhls für neutestamentl. Exegese sowie neutestamentl. Einleitungs- u. Hilfswiss.; 1980 ord. Prof. für Exegese des Neuen Testaments am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; Ernennung zum Titularbischof von Castello di Mauritania u. Weihbischof des Apostol. Administrators in Erfurt u. Meiningen; Dompropst des Marienstifts u. Dir. des Geistl. Gerichts in Erfurt; Bischofsweihe in Erfurt; 1981 Bischof u. Administrator Apostolicus permanenter constitutus in Erfurt-Meiningen; 1982 Mitgl. des Ständ. Rats der Berliner Bischofskonferenz (BBK); 1985 stellv. Vors. u. 1989 kommissar. Vors. der BBK; seit 1994 Bischof des neuerricht. Bistums Erfurt; 1995 – 2001 Vors. der Arbeitsgemeinschaft Christl. Kirchen in Dtl.; Vors. der Pastoralkommission der Dt. Bischofskonferenz.Beobachtungen zum Eucharistieverständnis des Lukas aufgrund der lukan. Mahlberichte. Leipzig 1973; Die Emmauserzählung. Leipzig 1973; Bezugs- u. Kommentarworte in den synopt. Evangelien. Leipzig 1981; Deine Auferstehung preisen wir. Freiburg, Basel, Wien 1990; Last u. Chance des Christseins (Vorträge, Hirtenbriefe u. Predigten 1980 –1990, Hrsg. K.-H. Ducke u. W. Weinrich). Leipzig 1991; Neue Herausforderungen – bleibende Aufgaben. Leipzig 1995; Sein Leben war das eines Menschen. Freiburg. i. Br. 1999; Christi Spuren im Umbruch der Zeiten. Leipzig 2006.Clemens Brodkorb

Wer war wer in DDR

Warnke, Hans (Johannes)

* 15.8.1896 – ✝ 9.1.1984

Geb. in Hamburg; Vater Sattler u. Hafenarb., Mutter Köchin; Volksschule in Hamburg; 1911 – 14 dort Ausbildung zum Dachdecker; 1912 – 14 SAJ; 1914 SPD; 1914/15, 1919 – 24, 1926 u. 1936 – 45 (mit Unterbrechungen) im Beruf tätig, meist in Güstrow; 1915 – 18 Wehrdienst; 1918 Vors. der USPD Güstrow; 1918/ 19 Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats Hamburg; 1920 – 24 u. 1927 – 30 Stadtverordn. in Güstrow; 1920 Mitgl. des LV der USPD; 1920 KPD; Sekr. in Güstrow; 1924 – 33 Abg. des Landtags Mecklenb. u. Vors. der KPD-Fraktion; 1924 – 26 Zuchthaus in Fuhlsbüttel wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1926 – 33 Pol.-Ltr., Org.-Ltr. der KPD-BL Mecklenb.; 1928 – 33 Mitgl. des ZK der KPD; 1933 – 45 illeg. pol. Tätigkeit; 1933 – 36 Zuchthaus Bützow-Dreibergen, 1937 u. 1938 Zuchthaus Bützow, 1939/40 u. 1944 KZ Sachsenhausen. 1945 OB von Güstrow; 1945/46 Mitgl. d. KPD-BL Mecklenb.-Vorpom.; 1945/46 1. Vizepräs., 1946 – 49 Innenmin. der Landesverw. Schwerin, Vors. der Landesbodenreformkommission; 1946 – 52 Mitgl. des SED-Landesvorst. Mecklenb. u. seines Sekr.; 1946 – 81 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949 – 59 Abg. der Volkskammer; 1949 – 52 Staatssekr. im MdI; 1952 – 74 Mitgl. der SED-BL Rostock; 1952 – 59 Vors. des Rats des Bez. Rostock; 1959 u. 1966 VVO; 1959 –63 Dir. der Hafenbehörde Rostock; 1961 KMO; 1963 – 66 Ltr. des Büros des Präs. des VEB See- u. Hafenwirtsch. Rostock; 1966 Rentner.Die Enkel fochten’s besser aus. Berlin 1955. Mühlstädt, H., Elsner, L.: H. W. Ein Kommunist. Rostock 1972; Jawinsky, J.: Persönlichkeiten unserer Stadtgeschichte. H. W. Rostock. o. J.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Wartenberg, Hans

* 18.9.1900 – ✝ 21.7.1972

Geb. in Straßburg (Elsaß / Strasbourg, Frankreich); Vater Architekt; Volksschule in Konstanz u. Münster; 1914 – 17 Maurerlehre; 1917/18 Landw. Winterschule des Landkreises Münster; 1918 Militärdienst in Oldenburg; anschl. Mitarb. der Saatgutstelle Münster; 1920 – 25 Bergarbeiter im Ruhrgebiet u. Bauarb. in Münster; daneben Besuch der VHS u. 1921 – 25 Gasthörer an der Univ. Münster; 1925 Begabtenprüfung in Berlin, Studienzulassung ohne Reifezeugnis; 1925 – 28 Studium der Botanik u. Genetik bei Wilhelm Benecke u. Alfred Heilbronn an der Univ. Münster, 1929 Prom.; 1928 – 31 Assistent an der Zweigstelle Stade der Biolog. Reichsanstalt für Land- u. Forstw. (BRA); 1929 – 32 nebenamtl. Aufsicht beim Obstbau-Versuchsring im Alten Land, Krs. Jork; 1931 Assistent, 1937 Ltr. des botan. Labors der BRA in Berlin-Dahlem; 1939 Einberufung zur Wehrmacht, zuletzt Oltn.; 1945 amerikan. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Ltr. der Zweigstelle Münster der BRA; 1946 Ltr. der Zweigstelle Naumburg der Biolog. Zentralanstalt für Land- u. Forstw. (BZA), 1951 – 55 Ltr. des Inst. für Phytopathol. Naumburg der DAL; 1951 – 54 zugl. Ltr. der Forschungsstelle für Kartoffelkäferbekämpfung Mühlhausen; 1949 – 65 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Allg. Botanik der FSU Jena, 1951 – 64 Fachrichtungsltr. Biologie; gest. in Naumburg. Arbeiten auf dem Gebiet der Resistenz- u. Streßphysiol., Zellbiophysik, Phytopathol. u. Mikrobiol.; Begründer einer bedeut. Jenenser Schule der allg. u. angew. Botanik; Wegbereiter der Mikrobiol. an der FSU Jena.Kälte u. Hitze als Todesursache der Pflanze u. als Ursache von Pflanzenkrankheiten. In: Sorauers Handbuch der Pflanzenkrankheiten 1.1 (1933); Das Redoxpotential des Gewebebreies. In: Planta (1936) 25 (mit A. Hey); Immunitäts- u. Resistenzforschung. In: Fs. Zum 50jährigen Bestehen der BZA. Berlin 1949. Arlt, K. et al.: 100 Jahre Pflanzenschutzforschung. Die Biol. Zentralanstalt in Kleinmachnow (1949 – 1991). In: Mitteilungen aus der Biolog. Bundesanstalt für Land- u. Forstw. Berlin-Dahlem (1998) 343; Braune, W., Liebert, H.-P. (Hrsg.): Das Inst. für Allg. Botanik der FSU Jena unter dem Direktorat von H. W. (1949 – 1965). Aachen 2001 (mit Schriftenverz.).Ekkehard Höxtermann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wastl, Karl

* 26.1.1889 – ✝ 7.3.1963

Geboren am 26. Januar 1889 in Dorfen/Landkrs. Erding, Sohn eines Braumeisters; lernte Kupferschmied. 1908 Mitglied der SPD. 1914 zum Militär einberufen, 1915 schwer verwundet, arbeitete ab 1919 bei der Bremer Vulkanwerft. 1918 USPD, Ende 1920 KPD. Zwischen 1923 und 1926 flüchtig, da er wegen der »Bildung Proletarischer Hundertschaften« polizeilich gesucht wurde. Wastl soll sich in der Sowjetunion aufgehalten und an militärischen Kursen teilgenommen haben. Nach einer Amnestie zurück, UB-Leiter in Aumund, dann Gauleiter des RFB Bremen, zwischen 1928 und 1931 erwerbslos. Im Sommer 1931 zog Wastl nach Oldenburg, wurde dort hauptamtlicher Sekretär und MdL. Von April bis Dezember 1933 »Schutzhaft«, am 1.September 1939 als ehemaliger KPD-Funktionär erneut festgenommen und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert; dann in das KZ Mauthausen gebracht, wo er am 5.Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Nach 1945 in Vegesack Mitglied der SPD und Gewerkschaftssekretär der IG Metall, schied er im November 1954 aus Altersgründen aus. Karl Wastl starb am 7.März 1963 in Löhnhorst, Landkreis Osterholz.

dissidenten.eu

Walentynowicz, Anna

* 1929 – ✝ 2010

Kranführerin auf der Danziger Lenin-Werft; Mitglied der *Freien Gewerkschaften der Küste; 1980/81 eine der bekanntesten Aktivistinnen der *Solidarność.Anna Walentynowicz wurde 1929 in Równe (heute ukrainisch Riwne) in Wolhynien geboren und verlor bereits im Alter von zehn Jahren beide Eltern. Fremde Leute nahmen sie bei sich auf und zogen mit ihr 1942 in die Nähe von Warschau. Sie besuchte lediglich vier Jahre die Grundschule. Nach dem Krieg arbeitete sie auf einem Bauernhof bei Danzig, dann in einer Bäckerei und in einer Margarinefabrik. Ihre Entscheidung, 1950 eine Arbeit in der Danziger Lenin-Werft aufzunehmen, schilderte sie folgendermaßen: „Mich beeindruckte die an der Mauer prangende Losung ‚Die Jugend baut Schiffe‘. Ich begann eine Schweißerausbildung, die ich begeistert absolvierte. Ich war der Volksrepublik Polen dankbar, dass sie es mir ermöglichte, zu arbeiten und zu leben.“ Walentynowicz war Vorzeigeaktivistin, sie schaffte 270 Prozent der vorgegebenen Norm, in den Zeitungen erschien ihr Foto. Später arbeitete sie als Kranführerin. 1951 fuhr Walentynowicz als Mitglied des polnisches Jugendverbandes „Bund der Polnischen Jugend“ (Związek Młodzieży Polskiej; ZMP) zu den Weltfestspielen der Jugend und Studenten nach Ost-Berlin. „Damals begegnete mir zum ersten Mal die Lüge. Erstmals sollte ich im Namen meiner Organisation andere anlügen“, erzählte sie. Sie trat daraufhin aus dem Jugendverband aus, aber dem Frauenbund (Liga Kobiet) bei, weil verlangt wurde, dass sie sich weiterhin gesellschaftlich engagiere. Durch ihr öffentliches Auftreten gegen alle Arten von Ungerechtigkeit erlangte sie Achtung und Anerkennung. Bereits in den 60er Jahren wurde sie vom Staatssicherheitsdienst vorgeladen und verwarnt. Sie wurde mehrfach festgenommen, aber gleichzeitig auch von der Staatsführung ausgezeichnet. Der erste Versuch, Walentynowicz aus der Danziger Lenin-Werft zu entlassen, erfolgte 1968, nachdem sie versucht hatte, einen Fall von Veruntreuung von Hilfsfondsgeldern aufzuklären. Die Proteste der Arbeiter der Werksabteilung W-3 bewirkte jedoch, dass Walentynowicz lediglich in eine andere Abteilung (W-2) versetzt wurde. Am 25. Januar 1971 gehörte sie zu einer Delegation von Werftarbeitern, die mit dem neuen Ersten Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, Edward Gierek, Gespräche führte. Im Mai desselben Jahres wurde Walentynowicz Mitglied der *Freien Gewerkschaften der Küste (Wolne Związki Zawodowe Wybrzeża; WZZ Wybrzeża) und wirkte in der Redaktion von deren Zeitschrift „Robotnik Wybrzeża“ (Arbeiter der Küste) mit. Sie beteiligte sich an der Weiterverbreitung illegaler Schriften und Flugblätter und organisierte Gedenkveranstaltungen zu den Jahrestagen der Ereignisse im *Dezember 1970. Ihre Wohnung wurde zu einer Anlaufstelle und zum Ort von Versammlungen von Mitgliedern der *Freien Gewerkschaften der Küste. Im Juli unterzeichnete sie die „Charta der Arbeiterrechte“ (Karta Praw Robotniczych), ein programmatisches Dokument der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung. Die Folge war, dass Walentynowicz immer wieder für 48 Stunden in Polizeigewahrsam genommen und schikaniert wurde. Man untersagte ihr, während der Arbeitspausen ihren Kran zu verlassen, sperrte sie im Umkleideraum ein, unterzog sie Leibesvisitationen, sprach Verwarnungen und Verweise aus. Eine der gegen sie verhängten Geldstrafen ließ sie auf gerichtlichem Wege annullieren. Mit ihrer Haltung wollte sie anderen ein Beispiel sein: „In Polen mag es arme Menschen geben, es darf aber keine eingeschüchterten Menschen geben.“ Im Dezember 1978 wurde sie für vier Monate in ein anderes Werk strafversetzt, das mit der Danziger Werft kooperierte. Am 31. Januar 1980 – nach einem weiteren Versuch, sie zu entlassen – traten die Arbeiter der Danziger Werft in einen dreiwöchigen Streik. Im Februar versetzte man sie in das Lager der Werft, woraufhin sie vor Gericht zog und nach einigen Monaten ein für sie günstiges Urteil erstritt. Am 7. August 1980 (fünf Monate vor ihrem Rentenbeginn) wurde der Arbeitsvertrag mit Anna Walentynowicz gekündigt. Sie selbst erfuhr erst einen Tag später von der Kündigung: Als sie ihren Lohn abholen wollte, wurde sie von der Werkwache ohne Umschweife des Werkgeländes verwiesen.Die Wiedereinstellung von Anna Walentynowicz war die erste Forderung der Streikenden in der Danziger Lenin-Werft, die – einem Aufruf von Bogdan Borusewicz und anderen Aktivisten der *Freien Gewerkschaften der Küste folgend – mit ihrem Ausstand am 14. August begannen. Auf Verlangen der Protestierenden wurde Walentynowicz schließlich mit dem Dienstwagen des Werftdirektors auf das Werksgelände gebracht. Nach dem erfolgreichen Streikende hielt sie am 16. August gemeinsam mit Alina Pieńkowska und anderen die Werftarbeiter zurück, die nach Hause zurückkehren wollten und bewegte diese dazu, weiter auf dem Werftgelände zu bleiben. Damit verstieß sie zwar gegen die vom Streikkomitee mit der Werftleitung ausgehandelte Vereinbarung, trug aber so zum Beginn eines Solidaritätsstreiks mit den anderen bestreikten Betrieben an der Ostseeküste bei. Später wurde sie Präsidiumsmitglied des Überbetrieblichen Streikkomitees (Międzyzakładowy Komitet Strajkowy; MKS), das unter Leitung von Lech Wałęsa die Verhandlungen mit der Regierungsseite führte. Am 1. September 1980 wurde Walentynowicz in Danzig Mitglied des Präsidiums des Überbetrieblichen Gründungskomitees (Międzyzakładowy Komitet Założycielski; MKZ) der Unabhängigen Selbstverwalteten Gewerkschaft (Niezależny Samorządny Związek Zawodowy; NSZZ), die fortan *Solidarność (Solidarität) genannt wurde. Ihr Zuständigkeitsbereich waren unter anderem die Finanzen, sie sammelte zum Beispiel Geld für den Bau eines Denkmals für Werftarbeiter, die während der Ereignisse im *Dezember 1970 ums Leben gekommen waren. Neben Lech Wałęsa wurde Walentynowicz zur populärsten und prägendsten Gestalt der neuen Gewerkschaft. Basierend auf ihrer Biografie sollte ein Spielfilm entstehen, sie ist auch in einer Szene in Andrzej Wajdas Film „Der Mann aus Eisen“ (Człowiek z żelaza) von 1981 zu sehen. In jener Zeit war sie im britischen Parlament und beim französischen Staatspräsidenten zu Gast, in den Niederlanden wurde sie zur Frau des Jahres gekürt.Dennoch zeichnete sich schon vor dem Herbst 1980 ein Konflikt mit Lech Wałęsa ab, der nicht nur Prestigegründe, sondern auch einen politischen Hintergrund hatte. Walentynowicz unterstützte Andrzej Gwiazda und kritisierte die „diktatorischen Züge“ Lech Wałęsas in seiner Eigenschaft als *Solidarność-Vorsitzender. Der Konflikt nahm nach der durch Polizeigewalt gegen Arbeiter hervorgerufenen sogenannten Bromberger Krise noch an Schärfe zu. Im Frühjahr 1981 versuchte der Betriebsausschuss, sie aus dem Präsidium des Überbetrieblichen Gründungskomitees zu entfernen. Eine eigens eingesetzte Kommission konnte die erhobenen Vorwürfe zwar nicht bestätigen, jedoch entzog die *Solidarność-Delegiertenversammlung der Werft Anna Walentynowicz in einer Abstimmung ihr Mandat für den Ersten Landeskongress der Gewerkschaft. Sie nahm daran folglich nur als Gast teil. Im Herbst unterzeichnete sie die Gründungserklärung der sogenannten Klubs der Selbstverwalteten Republik „Freiheit – Gerechtigkeit – Unabhängigkeit“ (Kluby Rzeczpospolitej Samorządnej „Wolność – Sprawiedliwość – Niepodległość“), die von Zbigniew Bujak, Jacek Kuroń, Adam Michnik und anderen ins Leben gerufen worden waren. Im Präsidium des *Solidarność-Betriebsausschusses der Danziger Werft war sie noch bis zum 7. Dezember 1981 vertreten.Nach Ausrufung des *Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 nahm sie auf der Danziger Werft an einer Protestaktion gegen den Kriegszustand teil. Am 18. Dezember wurde sie interniert und in das Frauengefängnis Fordon bei Bromberg (Bydgoszcz) gebracht. Anschließend verlegte man sie ins masurische Gołdap, wo man sie bis zum 24. Juli 1982 in Internierungshaft festhielt. Nach ihrer Freilassung erhielt sie ihr Gehalt weiter, ohne dafür arbeiten gehen zu müssen – so wollte man sie von der Werft fernhalten. In der Opposition stellte sie sich für konspirative Tätigkeiten nicht zur Verfügung, da sie für derartige Aktivitäten „nicht geeignet“ sei, wie sie selbst bekannte. Sie half jedoch bei der Organisierung von Hungerstreiks, nahm an verschiedenen Veranstaltungen in Kirchen teil, verfasste persönliche Protestschreiben und Erklärungen. Am 25. August 1982 gehörte Walentynowicz zu den Organisatorinnen eines Hungerstreiks in der St.-Barbara-Kirche in Tschenstochau, der später in die Danziger Wohnung von Walentynowicz verlagert wurde. Am 30. August brach der Staatssicherheitsdienst den Hungerstreik gewaltsam ab, Walentynowicz kam in Haft. Am 1. September wurde auch ihr Sohn Janusz interniert (er kam am 23. Dezember 1982 wieder auf freien Fuß). Während der Vorbereitungen auf ihren Prozess musste sich Walentynowicz psychiatrischen Untersuchungen unterziehen. Im Oktober 1982 verunglimpfte Vizepremier Mieczysław Rakowski sie als „unverantwortliche Krawallmacherin“ (seine Worte wurden vom Zentralorgan der Partei „Trybuna Ludu“ veröffentlicht). Am 1. Dezember verlor Walentynowicz ihre Arbeit auf der Danziger Werft. Der Gerichtsprozess gegen sie dauerte vom 9. bis 30. März 1983, an dessen Ende verurteilte man sie zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Walentynowicz wurde für schuldig befunden, „die Gewerkschaftsarbeit fortgeführt, Protestaktionen organisiert und am 14. und 15. Dezember 1981 die Arbeiter dazu aufgerufen zu haben, auf dem Werftgelände zu bleiben“. Das von beiden Seiten angefochtene Urteil wurde jedoch von der im Juli verkündeten Amnestie erfasst. (2003 rehabilitierte sie der Oberste Gerichtshof Polens, 2005 erstritt sie 70.000 Złoty Entschädigung.) Nach der Entlassung aus dem Gefängnis erhielt sie eine Anstellung in der römisch-katholischen Kirchengemeinde von Pfarrer Hilary Jastak, wo sie eine Abstinenzinitiative leitete. Als Walentynowicz versuchte, am 4. Dezember 1983 in der Kattowitzer Grube „Wujek“ gemeinsam mit Kazimierz Świtoń und anderen den Grundstein für eine Gedenktafel zu legen, die an die in den ersten Tagen des *Kriegsrechts ermordeten Bergarbeiter erinnern sollte, wurde sie verhaftet. Vorgeworfen wurden ihr die Teilnahme an einer illegalen Versammlung sowie das Leisten aktiven Widerstands (in den Akten hieß es, „sie hielt sich an Świtońs Schuh fest“). Walentynowicz verbrachte vier Monate in Untersuchungshaft und kam am 6. April 1984 aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands aus dem Gefängnis im oberschlesischen Lubliniec frei. Später wurde ihr eine bescheidene Invalidenrente zuerkannt. Im November 1984 gab sie als Zeichen des Protestes ihre Verdienstorden (zweimal Bronze, Silber, Gold) an die Staatsratskanzlei zurück. Vom 23. bis 26. Dezember 1984 nahm sie gemeinsam mit Joanna Duda-Gwiazda, Ewa Kubasiewicz, Andrzej Kołodziej, Wiesława Kwiatkowska und anderen an einem weiteren Hungerstreik teil. Der Protest in der Stanislaus-Kostka-Kirche in Danzig-Oliwa richtete sich gegen die Festnahme und Misshandlung von Andrzej Gwiazda durch die Miliz und war zugleich ein Zeichen der Solidarität mit anderen politischen Gefangenen. Am 18. Februar 1985 traten Walentynowicz und sieben weitere Personen in der Mariä-Heimsuchung-Kirche in Bieżanów Stary unweit von Krakau erneut in einen Hungerstreik und protestierten so gegen die Inhaftierungen von Andrzej Gwiazda, Władysław Frasyniuk, Bogdan Lis und Adam Michnik sowie gegen die Angriffe der Staatsmacht auf die Kirche. Der Protest weitete sich immer weiter aus, sodass an dem Hungerstreik schließlich 371 Personen an insgesamt 194 Tagen teilnahmen. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre sympathisierte Walentynowicz mit der Arbeitsgruppe des Landesausschusses (Grupa Robocza Komisji Krajowej) und mit der *Kämpfenden Solidarność (Solidarność Walcząca; SW). Sie gehörte zu den Gegnern des *Runden Tisches. Die dort getroffenen Vereinbarungen waren für sie ein Kompromiss der Kommunisten mit jenem Teil der Opposition, in dem Agenten des Staatssicherheitsdienstes eine bedeutsame Rolle spielen würden. Gemeinsam mit Andrzej Gwiazda versuchte sie die *Freien Gewerkschaften der Küste zu reaktivieren und kandidierte 1993 – allerdings erfolglos – für das polnische Parlament (Sejm). Auch in ihren letzten Lebensjahren hat sie sich immer wieder öffentlich geäußert und Lech Wałęsa beschuldigt, die Ideale der *Solidarność verraten zu haben. Zum 25. Jahrestag der *Solidarność organisierte sie im August 2005 zusammen mit Anhängern von Andrzej Gwiazda eigene alternative Jubiläumsfeierlichkeiten. Ende 2005 protestierte sie gegen einen von Volker Schlöndorff gedrehten biografischen Film über ihr politisches Leben. Der Film, so Walentynowicz, verunglimpfe sie, ihre Familie, das gesamte nationale Streben Polens und fälsche die polnische Geschichte. Im Mai 2006 erhielt sie aus den Händen von Staatspräsident Lech Kaczyński den Orden des Weißen Adlers, die höchste Auszeichnung der Republik Polen. Am 10. April 2010 kam Anna Walentynowicz beim Flugzeugabsturz der polnischen Präsidentenmaschine im westrussischen Smolensk ums Leben.Piotr Adamowicz Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 08/16

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wallendorf, Philipp

* 4.12.1899 – ✝ 11.3.1972

Geboren am 4. Dezember 1899 in Weinheim/ Bergstraße, Sohn einer Arbeiterfamilie. Lederarbeiter, 1918 zum Militärdienst eingezogen, gehörte bis 1920 der Reichswehr an. Anschließend in verschiedenen Lederfabriken beschäftigt. Seit Juni 1923 in der KPD, Vorsitzender des »Freien Sportkartells« von Weinheim, 1930 kam er für die KPD in den Stadtrat. Er gehörte im Bezirk Baden-Pfalz dem AM-Apparat an, Parteiname Hermann Sonntag. 1932/33 Teilnehmer am V. Kursus der M-Schule in Moskau (Schuldeckname Richard). Im Mai 1933 Rückkehr nach Deutschland, Mitarbeiter von Hans Kippenberger und u. a. für die Kontakte zu Rosa Thälmann zuständig. Mit seiner Lebensgefährtin Anna Wallendorf Emigration in die Niederlande, im Juni 1935 in die Sowjetunion. Kursant an der Leninschule in Moskau, später Lederarbeiter in einer Fabrik in der Nähe von Moskau. Im Februar 1937 erhielten beide Wallendorfs die sowjetische Staatsbürgerschaft. Er wurde zusammen mit seiner Frau am 6. November 1937 vom NKWD festgenommen und am 22. Januar 1939 wegen »Spionage« zu fünf Jahren Lager verurteilt. Bis 1943 in Sewscheldorlag (Archangelsk) in Haft, wurde nach der Freilassung aus dem Gulag als Invalide anerkannt und blieb mit seiner neuen Frau Marina Smirnowa im Hohen Norden, ab 1949 in Syktywkar, später im Gebiet Welikije Luki, arbeitete im Bergbau. Er schrieb 1956 einen Brief an Chruschtschow und erbat Hilfe in politischer und materieller Hinsicht, erhielt später eine Sonderrente und wurde am 23.März 1957 strafrechtlich rehabilitiert. Philipp Wallendorf blieb in der Sowjetunion, wo er starb. Ein Todesdatum konnte nicht ermittelt werden. Anna Wallendorf, geborene Faltermann (* 25. 1. 1904 in Viernheim), Tochter einer Fabrikarbeiterfamilie; Verkäuferin, gehörte seit 1928 der KPD an. Von 1925 bis 1933 war sie mit Otto Krüger (* 4. 12. 1899), einem Mitarbeiter des AM-Apparates verheiratet. Auch sie arbeitete für den AM-Apparat. Nach 1933 lebte sie als Hilde van den Burg zunächst in den Niederlanden, ab Juli 1935 in der Sowjetunion. Unter dem Namen Margarethe (Grete) Sonntag Lederarbeiterin. In der Untersuchungshaft war Margarete Buber-Neumann ( Heinz Neumann) mit Grete Sonntag zusammengetroffen. Später schilderte Buber-Neumann den Leidensweg von Grete Sonntag in ihrem autobiographischen Bericht »Als Gefangene bei Stalin und Hitler« (1949). Anna Wallendorf überlebte Lagerhaft und Verbannung in Karaganda und konnte im Februar 1957 als Margarete Krüger in die DDR ausreisen. Sie lebte zuletzt in Berlin-Pankow und starb am 11. März 1972 in einem Pflegeheim in Blankenburg b. Berlin.

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Walter, Johann Georg

* 5.4.1899 – ✝ 14.1.1990

Geboren am 5. April 1899 in Hamburg; dort Hafenarbeiter. Er trat 1921 der KPD bei, war 1926 Mitglied der erweiterten BL der KPD Wasserkante, von 1927 bis 1931 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft und 1927 Delegierter des XI. KPD-Parteitages. Nach 1933 war Walter längere Zeit inhaftiert. Im Krieg als Soldat eingezogen, geriet er in Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr 1945 wieder Mitglied der KPD, er saß als ihr Vertreter im Bezirksausschuß Bergedorf. Johann Georg Walter starb am 14. Januar 1990 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Walter, Jürgen

* 7.12.1943

Geb. in Fraureuth (Thür.); während der Schulzeit Mitgl. im Kirchenchor, Abitur u. Ausbildung zum Landwirtschaftskaufm., Studium der Germanistik u. Romanistik an der HU Berlin; Mitbegr. des »Hootenanny-Klubs«, des späteren Oktoberklubs; 1967 erste Single bei Amiga u. erster TV-Auftritt in »Schlager einer kleinen Stadt«, musikal. Ausbildung beim zentralen Studio für Unterhaltungskunst, seit 1969 Berufsmusiker, Zusammenarb. mit  Arndt Bause,  Thomas Natschinski u.  Gisela Steineckert; Durchbruch mit dem Titel »Schallali Schallala«, danach zahlr. Auftritte als Gesangssolist im In- u. Ausland, LPs »Jürgen Walter« (1978), »Ein bißchen du, ein bißchen ich« (1979), »Vor dem Wind sein« (1981); »Ich bin«; (1986) sowie 17 Titel auf Singles u. Samplers bei Amiga; ab 1980 auch als Moderator u. Showmaster tätig, u. a. in »Ein Kessel Buntes«, 1980 – 85 drei eigene Shows im Palast der Republik, 1983 Ausbildung als Artist für die Bühnenpräsentation des Titels »Der Clown«, Filmrollen in »Mensch, mein Papa« u. »Der Bruch«. 1992 Gründung der eigenen Plattenfirma »JPM – Jürgen-Pippig-Musikprod.« in Berlin; zahlr. Konzerte u. Tourneen in Ostdtl.; 2008 Neuaufl. aller Amiga-LPs auf CD; CDs: »Auch Männer sind schön« (1974), »Jung genug« (1996), »Lieder meines Lebens« (1998), »Liebesnacht« (2000), »Das Leben hat was« (2002); »Aus Liebe« (2005); lebt in Falkensee (Brandenb.).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Walther, Elisabeth

* 9.7.1926

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Kaufmann; Volksschule; Bürogehilfinnenlehre; RAD, Dienstverpflichtung bei der DR in Dresden, 1944 NSDAP. 1945 Übersiedl. nach Auerbach (Erzgeb.); Arbeit als Repassiererin, Qualifizierung zur Textiltechnikerin; 1946 SED, FDGB; später Mitarb. im LV Sachsen der IG Textil-Bekleidung-Leder; ab 1952 Mitarb. im VEB ESDA-Strumpfwerke in Thalheim (Sachsen); Studium der Wirtschaftswiss., Dipl.-Wirtsch.; 1962 – 80 Werkltr. bzw. GD des Strumpfkombinat ESDA in Thalheim; 1962 – 64 Kand. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1963 Kand., 1971 – 81 Mitgl. des ZK der SED.Andreas Herbst

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Waltz, Max

* 20.2.1889 – ✝ 21.6.1964

Geboren am 20. Februar 1889 in Schwenningen, Sohn eines Werkführers. Fürsorgezögling; lernte Heizungsmonteur, wurde Techniker, übersiedelte bereits vor dem Weltkrieg an die Saar, wo er 1910 Mitglied der SPD und 1918 der USPD wurde. Nach der Vereinigung von USPD und KPD zur VKPD wurde er Anfang 1921 Vorsitzender der KP Saar, im März 1922 Mitglied der BL in Köln und im April als Polleiter Saar bestätigt. Aber bereits im Mai 1922 wegen interner Streitigkeiten, es ging um »Kollaboration mit der französischen Besatzungsmacht«, aus der KPD ausgeschlossen. Seine Anträge auf Aufnahme in die SPD wurden abgewiesen. Waltz blieb politisch aktiv, war Leiter der Gesellschaft der Freunde der Sowjetunion. Anfang Mai 1933 Mitbegründer der frankophilen Saarländischen Sozialistischen Partei (SSP) und der Liga für Menschenrechte, aber schon Ende 1933 wurde er als Parteivorsitzender ausgeschlossen. Waltz emigrierte 1935 nach Frankreich, arbeitete dort als Heizungsunternehmer. 1940 interniert, flüchtete er Ende 1942 mit seinem Sohn in die Pyrenäen. Er war 1944/45 von der französischen Regierung mit der Überprüfung gefangener Saarländer beauftragt und kam im Oktober 1945 nach Saarbrücken. Der weitere politische Lebensweg von Max Waltz, der »eine charakterlich wie politisch recht umstrittene Persönlichkeit« gewesen sein soll, »die bei den meisten saarländischen Parteien auf Reserve stieß«, bleibt unklar. Max Waltz starb am 21. Juni 1964 in Saarbrücken.

Wer war wer in DDR

Wander, Fred

* 5.1.1917 – ✝ 10.7.2006

Geb. in Wien in einer jüd. Fam., Vater Handelsvertreter (1942 im KZ Auschwitz ermordet); Volks- u. Hauptschule in Wien; Lehrling im Textilhandel, Laufbursche u. Diener, dann arbeitslos; ab 1931 Gelegenheitsarb. in der Landw., im Straßenbau, als Hoteldiener, Zeichner u. Fotograf in Italien, Schweiz u. Dtl.; Mai 1938 Flucht aus Wien nach Paris, dort Unterstützung durch jüd. Hilfsorg., Gelegenheitsarbeiten; Sept. 1939 in Paris als »feindl. Ausländer« verhaftet, interniert im Lager Le Meslay-du-Maine (Mayene), Mai 1940 Flucht nach Marseille, anschl. in Südfrankreich interniert; Sept. 1942 bei der Flucht in die Schweiz von der Schweizer Bundespolizei festgenommen u. an die Gestapo ausgeliefert; Haft in den KZ Auschwitz, Groß-Rosen u. Buchenwald, Apr. 1945 Befreiung durch US-Truppen. 1945 Rückkehr nach Österreich (Wien); 1945 – 68 KPÖ; Reporter in Wien; brach ein Regiestudium am Max-Reinhardt-Seminar aus finanz. Gründen ab; 1950 offizielle Namensänderung in Fritz Wander; 1955 Teiln. am 1. Lehrgang des Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig; seit 1956 verh. mit  Maxie Wander; 1958 Übersiedl. in die DDR; als freischaff. Schriftst. in Kleinmachnow (b. Berlin); 1959 – 70 als Ermittler des militär. Nachrichtendiensts des MfNV tätig; 1974 – 77 vom MfS als IM »Skorpion« bzw. »Karl« erf.; 1966 Fontane-Preis; ab 1972 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1972 Heinrich-Mann-Preis für seine autobiogr. Lager-Erzählung »Der siebente Brunnen« (Berlin 1971); nach dem Tod von Frau u. Tochter 1983 Rückkehr nach Wien; ab 1983 wieder freischaff. Schriftst., 2003 Theodor-Kramer-Preis; 2006 Literaturpreis der Stadt Wien; gest. in Wien. Debütierte 1958 mit dem Jugendbuch über den Freiheitskampf der Philippinos »Taifun über den Inseln«; andere Arbeiten haben Grunderlebnisse des Autors, wie Emigr. u. KZ zum Thema, so z. B. der Reportageband »Doppeltes Antlitz. Pariser Impressionen« (mit Maxie W./ Berlin 1966); trat auch als Dramatiker hervor (»Der Bungalow«, UA 1978); größere Beachtung fand die Hrsg. der Tagebücher u. Briefe seiner Frau (1979).Ein Zimmer in Paris. Berlin 1976; Provenzalische Reise. Report. Berlin 1977; Hôtel Baalbeck. Berlin 1991; Das gute Leben. Erinnerungen. München, Wien 1996. Loebell, I.: Eine Reise nach Genf. Schweiz 1999 (Dok.-Film über F. W.); Grünzweig, W., Seeber, U. (Hrsg.): F. W. Leben u. Werk. Bonn 2005; Debazi, E.: Zeugnis – Erinnerung – Verfremdung: literar. Darstellung u. Reflexion von Holocausterfahrung bei F. W., Ruth Klüger u. Edgar Hilsenrath. Klagenfurt 2005; Sandberg, B.: Der Zeitzeuge F. W. Erinnerungen zwischen Authentizität u. Fiktionalität im Kontext der Holocaustliteratur. In: Parry, Ch., Breuer, U. (Hrsg.): Grenzen der Fiktionalität u. der Erinnerung. München 2007.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Wangenheim, Gustav von

* 18.2.1895 – ✝ 5.8.1975

Geb. in Wiesbaden; Vater Schauspieler (Eduard v. Winterstein), Mutter Schauspielerin; 1909/10 Oberrealschule; 1911/12 Landw.-Lehrling; 1912/13 Militärdienst, Uffz.; 1913/14 Schauspielschüler bei Max Reinhardt; 1914/15 Soldat in Frankreich u. Belgien, Ltn., 1915 wegen Augenverletzung u. Ruhrerkrankung Entlassung aus dem Militärdienst; 1915/ 16 Schauspieler am Burgtheater Wien; 1916/ 17 am Dt. Theater Berlin (DT); 1917 erste eigene Stücke u. Sprechchöre; 1917/18 am Hoftheater in Darmstadt; 1918 USPD; während der Novemberrev. 1918 Mitgl. des Rates Geistiger Arbeiter; 1918/19 Schauspieler an der Berliner Volksbühne; ab 1921 auch Filmschauspieler, u. a. in »Kohliesels Töchter«, »Nosferatu«, »Schatten«, »Die Frau im Mond«, »Danton«; 1922 KPD; 1923 Ltr. des Zentr. Sprechchors der KPD in Berlin; 1924/25 Tätigkeit am DT in Berlin; 1926 – 28 Schauspieler am Dt. Schauspielhaus in Hamburg u. 1929/30 u. a. an der Piscator-Bühne in Leipzig; ab 1928 Mitarb., dann Ltr. des ATBD; 1928 – 30 Texter u. Regisseur der Agitproptruppe »Rote Blusen«; 1930 RGO; 1931 – 33 Kleines Theater Unter den Linden, Regisseur u. Autor der von ihm geleiteten professionellen Theatergr. »Truppe 1931«; nach Verbot der Gruppe im März 1933 Emigr. nach Paris; Mai – Juni 1933 zur Teiln. an der Ersten Internat. Olympiade des Rev. Theaters in Moskau; Juli 1933 Rückkehr nach Paris; Aug. 1933 Emigr. in die UdSSR; bis Ende 1934 künstl. Leiter des Dt. Theaters »Kolonne Links«; Nov. 1934 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Nov. 1934 Mitgl. des Präs. des IRTB; Regisseur bei Meshrabpom-Film in Moskau; Szenarium u. Regie für den Film »Der Kämpfer« (UA Mai 1936 in Moskau); Mitglied der dt. Sekt. des sowj. Schriftst.-Verb.; lieferte der Kaderabt. des EKKI zahlreiche Berichte über Mitgl. der »Kolonne Links«, wurde 1936 vom NKWD über Zenzl Mühsam u. Carola Neher verhört; 1940 sowj. Staatsbürgerschaft; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; Okt. 1941 Evakuierung über Kasan nach Taschkent; 1943 Mitgl. des NKFD; Red. des Senders »Freies Dtl.«; vom RKG wegen »Hochverrats« in Abwesenheit zum Tode verurteilt; Anf. 1945 Mitgl. einer Kommission der Moskauer KPD-Führung für Filmfragen. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1.8.1945 –1.9. 1947 Intendant des DT Berlin; Eröffnung mit der Neuinszenierung von Gotthold E. Lessings »Nathan der Weise« u. »Der Gerichtstag« von Julius Hay (u. a. auch Inszenierung des »Hamlet«); 1946 SED; Mitbegr. des KB; ab 1946 Vors. der Gewerkschaft der Bühnenangeh.; Nov. 1947 Mitgl. der Filmkommission beim ZS der SED; Korr. Mitgl. der ADK; mit seinem Stück »Du bist der Richtige« wird 1950 das neugegr. Theater der Freundschaft im Haus der Kultur der Sowjetunion in Berlin eröffnet; NP; ab 1.11.1952 Regisseur beim DEFA-Studio für Spielfilme; VdN; Mitte der 50er Jahre Regisseur u. Schauspieler in Altenburg u. Schauspieler an der Volksbühne; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; ab 1961 freischaff. Schriftst. u. Regisseur; Autor u. Regisseur der Filme: »Und wieder 1948«, »Der Fall Högler«, »Heimliche Ehen«; 1961 Ehrenmitgl. des Vorst. des DSV; 1966 Dr. phil. h. c. der HU Berlin; 1970 Mitgl. der Sektion Darstellende Künste der ADK; 1975 Ehrenspange zum VVO; verh. mit Inge v. W.; gest. in Berlin.u. a. Die Maus in der Falle, Komödie, Berlin 1947; Du bist der Richtige, Berlin 1950; Auch in Amerika, Schauspiel, Berlin 1950 (Bühnenmanuskript); Die fromme Martha, Komödie, Berlin 1953; Die vertauschten Brüder, Schauspiel, Studentenkomödie, UA in Rostock 1959, Berlin 1959; Fährmann wohin? Berlin 1961; Im Kampf geschrieben. Berlin 1962; Da liegt der Hund begraben u. andere Stücke. Reinbek b. Hamburg 1974. Agde, G.: Kämpfer, Biogr. eines Films u. seiner Macher. Berlin 2001; Müller, R.: Menschenfalle Moskau. Hamburg 2001; Arnold, J.: Die Revolution frisst ihre Kinder. Marburg 2003.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Wansierski, Bruno

* 5.8.1904 – ✝ 30.7.1994

Geb. in Oliva (Krs. Danziger Höhe / Oliwa, Polen); Vater Arbeiter; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Tischler; 1922 KJVD; 1923 KPD; 1940 – 45 Wehrmacht; kurzz. sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Tischler bei der VdgB in Seehof; 1946 SED; 1946 – 49 Neubauer in Seehof; 1949/50 Kulturltr. der MAS in Wickendorf; 1950 Abt.-Ltr. der SED-KL Schwerin; 1950/ 51 Landrat in Ludwigslust; 1951/52 1. Sekr. der SED-KL Güstrow; 1952 Eintritt in die DVP/KVP, Instrukteur der Pol. HA der VP-See; 1952/53 Ltr. der Pol.-Abt. Baubelehrung Wolgast; 1953/54 Ltr. der Pol.-Abt. der Unteroffiziersschule der VP-See; 1954 Korv.-Kapitän; 1954/55 Ltr. der Pol.-Abt. der Seeoffizierslehranstalt der VP-See in Stralsund; 1955/ 56 Studium an der Politoffiziersschule der NVA in Berlin-Treptow; 1956 Instrukteur, 1957 – 60 kommissar. bzw. Ltr. der Abt. Sicherheitsfragen des ZK der SED (Nachf. von  Walter Borning) u. 1958 Ltr. des Sektors NVA; 1960 – 76 stellv. Ltr. dieser ZK-Abt.; 1959 Fregattenkapitän; Kapitän z. S.; 1963 Konteradmiral; 1971 Vizeadmiral; 1972 Mitgl. der Kontrollgruppe des NVR; 1969 VVO; 1974 KMO; 1976 Ruhestand; gest. in Klein Rogahn.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Warnke, Hans (Johannes)

* 15.8.1896 – ✝ 9.1.1984

Geboren am 15. August 1896 in Hamburg, Sohn eines Sattlers und Dachdeckers; lernte von 1911 bis 1914 ebenfalls Dachdecker. 1914 Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1918 Frontsoldat, danach Angehöriger der Volkswehr in Hamburg. Er trat 1919 in die USPD ein und flüchtete im Juni 1919 vor den Truppen des Generals von Lettow-Vorbeck nach Güstrow, wo er bis 1923 als Dachdecker arbeitete. Dort Mitbegründer der USPD, ging mit deren linkem Flügel Ende 1920 zur KPD. Von 1920 bis 1924 und von 1928 bis 1931 Stadtverordneter in Güstrow, seit 1923 hauptamtlicher Funktionär und aktiv an der Vorbereitung des Oktoberaufstandes 1923 beteiligt. Im Januar 1924 wurde Warnke in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt. Wegen der Aktionen von 1923 im August 1924 verhaftet, 1925 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, wodurch er sein Landtagsmandat verlor. Er wurde 1926 jedoch erneut gewählt, im Juli 1926 aus dem Zuchthaus Hamburg entlassen. Zunächst als Instrukteur tätig, dann ab 1. November 1926 Polleiter der BL Mecklenburg. Seit November 1931 schwer erkrankt, fuhr er im April 1932 zur Kur in die Sowjetunion. An seiner Stelle wurden zunächst Arthur Vogt und nach dessen Verhaftung Hans Sawadzki Polleiter. Warnke war dann ab Sommer 1932 Orgleiter der BL. Vom 13. April 1933 bis 1935 in »Schutzhaft«, danach wieder Dachdecker in Güstrow. Bei Kriegsausbruch als ehemaliger KPD-Funktionär erneut verhaftet, bis Ende 1939 im KZ Sachsenhausen, dort im Juli/August 1944 nochmals eingesperrt. Im Mai 1945 Oberbürgermeister von Güstrow. Von Juli 1945 bis Ende 1946 1. Vizepräsident der Landesverwaltung Mecklenburg, dann bis Oktober 1949 Innenminister der Landesregierung Mecklenburg und von 1949 bis 1952 Staatssekretär im DDR-Ministerium des Innern. Warnke gehörte von 1946 bis 1981 dem PV bzw. dem ZK der SED an. Ab August 1952 Vorsitzender des Rates des Bezirks Rostock, mehrmals wegen »Abweichungen« kritisiert, dann im Mai 1959 »wegen seines Gesundheitszustandes« als Vorsitzender des Rates abgelöst und zum Direktor des Hafenamtes von Rostock degradiert. Seit 1965 Mitarbeiter der Direktion des Seeverkehrs und der Hafenwirtschaft in Rostock, er erhielt zu seinem 65. Geburtstag 1971 den Karl-Marx-Orden. Hans Warnke starb am 9.Januar 1984.Helmut Müller-Enbergs

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Warzecha, Heinz

* 21.6.1930 – ✝ 27.1.2007

Geb. in Halberstadt; Vater Eisenbahner; Ausbildung als Bergmann; anschl. Bergarb. im Kali- u. Uranbergbau der SDAG Wismut; 1948 – 90 SED; Umschulung zum Härter im VEB Modul Karl-Marx-Stadt; 1959 Abitur; anschl. Studium der Wirtschaftswiss. an der KMU Leipzig; Planungsltr. u. wiss. Mitarb. im Forschungszentrum Werkzeugmaschinenbau Karl-Marx-Stadt; 1971 Prom. zum Dr. oec. an der TU Dresden; Dir. des Stammbetriebs u. stellv. GD des VEB Werkzeugmaschinenkombinat »Fritz Heckert« Karl-Marx-Stadt; Ende der 70er Jahre Sekr. für Wirtschaftspol. der SED-Stadtltg.; Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; stellv. Min. für Werkzeug- u. Verarbeitungsmaschinenbau; Sektorenltr. in der Abt. Maschinenbau u. Metallurgie des ZK der SED; April 1984 – 90 GD des VEB Werkzeugmaschinenkombinat »7. Okt.« Berlin – neben den Kombinaten »Fritz Heckert«, Umformtechnik Erfurt u. dem Werkzeugkombinat Schmalkalden eine der Säulen des Werkzeugmaschinenbaus der DDR, nach Japan u. der Bundesrep. Dtl. größter Exporteur von Werkzeugmaschinen in der Welt; 1987 – 90 Vizepräs. der KdT; Herbst 1989 früher Befürworter der Marktwirtschaft; Anf. 1990 führend bei der Auflösung des Kombinats. 1990 Geschäftsf. der Holding NILES-Industrie; geschäftsf. Gesellschafter der Treba Euroconsult M&A GmbH bis April 1992; anschl. Immobilienberater bei der Stuttgarter Bank AG; 1992 Ruhestand; gest. in Erkner (b. Berlin).»Eine Art sozialist. Schweiz«. N. Piper im Gespräch mit H. W. In: Die Zeit, 1.12. 1989; Gaus, G.: Porträts in Frage u. Antwort. Berlin 1991.Hagen Schwärzel

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Wattenberg, Diedrich

* 13.6.1909 – ✝ 26.11.1996

Geb. in Burgdamm (b. Bremen) in einer Handwerkerfamilie; Lehre als Kfm.; autodidakt. Ausbildung in Astronomie; seit 1930 populärwiss. Schriftst. in Berlin. 1945 – 48 ausgedehnte Vortragsreisen; 1948 Vors. der Olbers-Ges. Bremen; 1948 – 76 Dir. der Archenhold-Sternwarte Berlin, Ltg. der Reor. u. ab 1959 der Neuausstattung mit mod. Fernrohren u. einem Planetarium; 1954 Gründungsmitgl. der Urania; 1958 Ernennung zum Prof.; Mitgl. des Präs. des Friedensrats; maßgebl. an der Vorber. u. Einführung der Astronomie als Unterrichtsfach an den Schulen 1959 beteiligt u. Verf. erster Unterrichtsmaterialien; arbeitete wiss. auf dem Gebiet der Astronomiegeschichte (Ur- u. Frühgeschichte, 16. u. 19. Jh.); rund 2.800 wiss. u. populärwiss. Veröff., zahlr. Bücher; Mitw. in vielen Rundfunk- u. Fernsehsend.; gest. in Berlin.Gestirnter Himmel über mir. Unverlierbares aus meinem Leben. Berlin 1984 (Autobiogr.). Hamel, J.: D. W. Mitteilungen der Astronom. Ges. (1997) 80.Jürgen Hamel