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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Watzek, Hans

* 10.10.1932

Geb. in Niemes (ČSR / Mimoň, Tschechien), Vater Bauer; Mittelschule; 1945 Zwangsumsiedl. der Familie in die SBZ; Arbeit in der elterl. Neubauernwirtschaft in Könnern (Saalkrs.); 1946 – 49 landw. Lehre, Landw.-Gehilfe; 1949 – 52 Studium an der FS für Landw., staatl. geprüfter Landwirt; 1950 DBD; FDGB; 1952 – 55 Studium an der DASR Potsdam u. am Inst. für Agrarökon. in Potsdam, Dipl.-Wirtsch.; 1955 – 62 Assistent an der MTS Ivenack bzw. wiss. Mitarb. an der HS für Landw. Bernburg; 1962 Prom. zum Dr. rer. pol. mit einer Diss. zur leihweisen Übergabe der MTS-Technik an LPG; 1962 – 65 Vors. der LPG »12. Juli« in Brietzig (Krs. Pasewalk); 1963 – 90 Mitgl. des PV der DBD; 1963 – Okt. 1990. Abg. der Volkskammer; 1971 stellv. Vors. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; Vors. der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Belgien; ab 1963 Mitgl. des Bezirkslandw.-Rats Neubrandenb.; 1965 – 89 Dir. des Inst. bzw. Wiss.-techn. Zentrums für Landw. des Rats des Bez.; 1965 – 69 Vors. der Urania im Bez.; ab 1966 Mitgl. des Präs. der Urania; ab 1969 Vors. des Bez.-Aussch. der NF u. Mitgl. des NR; 18.11. 1989 – April 1990 Minister für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtsch. (Nachf. von  Bruno Lietz) in der Reg.  Hans Modrow, Vorber. einer umfass. Gesetzgebung zur Agrarreform sowie zum Bestandsschutz der DDR-Landw. im Vereinigungsprozeß, insbes. der Garantieerklärung der UdSSR für den Erhalt der Ergebnisse der Bodenreform; 27./28.1.1990 vom a. o. DBD-Parteitag erneut in den PV gewählt, auch Mitgl. des Präs.; März 1990 erneut Abg. der Volkskammer, Vors. ihres Ausschusses für Ernährung, Land- u. Forstw.; Ende Juli Übertritt zur SPD-Fraktion; seit Sept. 1990 parteilos. 1991 Vorruhestand, dann Rentner; Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Agrarpol. u. ländl. Raum beim PV der PDS; Mitgl. des Ältestenrates der Partei Die Linke.mehrere Veröff. zur Agrarrechtsreform 1990 in der DDR u. zur nachf. Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse, u. a.: Wie stand es um die Landw. in der DDR? In: Ansichten zur Geschichte der DDR, Bd. VI. Eggersdorf 1996.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weber, Hans

* 23.1.1895 – ✝ 15.1.1986

Geboren am 23. Januar 1895 in Mühldorf/Inn, Sohn eines Kachelofensetzers, der früh starb, Bruder von Joseph Weber. Er konnte wegen der ärmlichen Familienverhältnisse nur die Volksschule besuchen, wurde aber mit einer sehr guten Handschrift als Schreibgehilfe angestellt. In Speyer/Pfalz trat er 1913 der Arbeiterjugendbewegung bei und hielt bei den Arbeiterturnern Bildungsvorträge. Weber stand 1914 in Opposition zur die Politik der SPD-Führung, wechselte 1917 sofort zur USPD. Er gründete die Gesellschaft »Ideal«, eine »Tarnorganisation« der Spartakusgruppe. Bis 1920 blieb er mit dieser Gruppe in der USPD, war aber seit 1919 zugleich Mitglied der KPD. 1919 UB-Leiter in der Pfalz, 1920 in den ZA der KPD gewählt, dem er bis 1924 angehörte. Als kaufmännischer Angestellter qualifizierte er sich zum Buchhalter und war in Betrieben in Ludwigshafen und Mannheim beschäftigt. Anfang 1923 zum hauptamtlichen Sekretär des KPD-Bezirks Pfalz berufen. Weber stand auf dem linken Flügel der Partei, der Bezirk Pfalz war schon vor 1924 einer der linken KPD-Bezirke. 1925 schloß sich Weber den Ultralinken an und war auf dem X. Parteitag 1925 in Berlin (der Bezirk Pfalz stand fast geschlossen hinter ihm) einer der Sprecher der Ultralinken. Vom Parteitag zum Mitglied des ZK gewählt, nach dem »Offenen Brief« 1925 nach Berlin geholt, arbeitete er in der Gewerkschaftsabteilung des ZK. Weber blieb in der Opposition aktiv, er war einer der Mitunterzeichner des »Briefes der 700«. Beim Auseinanderfallen der Ultralinken trat er mit dem Bezirk Pfalz, in dem er auch von Berlin aus dominierte, der Weddinger Opposition bei. Er hatte seinen Wohnsitz in Berlin-Wedding und war der eigentliche Führer dieser linken Oppositionsgruppe. Im ZK stimmte er 1926 gegen die Ausschlüsse der Linken. Auf dem Parteitag 1927 nicht mehr ins ZK gewählt, aber zunächst noch Angestellter des ZK. Am 14. März 1928 aus der KPD ausgeschlossen, weil er an einer Konferenz der linken Opposition teilgenommen hatte, außerdem das Kopfblatt des linksoppositionellen Suhler »Volkswillen« in der Pfalz verbreitete und dort Sonderbeiträge für die Linken erhob. Einige Zeit Leiter der Weddinger Opposition (Linke Bolschewiki-Leninisten) in der Pfalz, zog er sich dann von der aktiven Politik zurück. Nach Speyer übergesiedelt, wurde er Anzeigenwerber für die IAH und ähnliche Organisationen. 1933 tauchte er unter, stand später unter Polizeiaufsicht, schließlich Anzeigenwerber für »Der Deutsche« (ein früheres Gewerkschaftsblatt, das die DAF übernommen hatte). Er ging nach Gleiwitz, kam dann nach Ludwigshafen/Rhein und machte sich hier als Kunstgewerbler selbständig. Im März 1943 als Angestellter zur BASF dienstverpflichtet, blieb er auch nach 1945 bis zu seiner Pensionierung in der Anilinfabrik. Er wohnte mit seiner Familie in Ludwigshafen. 1946 trat Hans Weber der SPD bei, die er später wieder verließ, da sie ihm zu »rechts« war. Er erklärte, »kein Renegat« zu sein und Sympathien für Josip B. Tito zu haben. Hans Weber starb am 15.Januar 1986.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weber, Joseph (Johre)

* 11.4.1901 – ✝ 16.7.1959

Geboren am 11. April 1901; nach dem Studium Musiker. Mitglied der KPD-UB-Leitung Gelsenkirchen, 1932 aus der KPD ausgeschlossen. Im gleichen Jahr wurde Weber als »Johre« einer der Führer und Theoretiker der trotzkistischen LO in Deutschland. Auf der Leipziger Konferenz der Trotzkisten im März 1933 in die illegale Leitung gewählt, mußte er im Dezember nach Amsterdam fliehen. Dann war er in Paris im Auslandskomitee der trotzkistischen IKD. Johre gewann das AK als Kontrahent Eugen Bauers ( Erwin Ackerknecht) für Trotzkis Politik des »Entrismus«, er wurde gemeinsam mit Oskar Fischer ( Otto Schüssler) Redakteur des IKD Organs »Unser Wort«. 1937 trennte er sich vom Trotzkismus, 1939 konnte er in die USA fliehen, nach dem Krieg lebte er in der Bundesrepublik. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter gab er (erst in London, dann in der Bundesrepublik) die Zeitschrift »Dinge der Zeit« heraus und trat für die Demokratie ein. Joseph Weber starb am 16. Juli 1959 in Köln.

Wer war wer in DDR

Weber, Erna

* 2.12.1897 – ✝ 19.5.1988

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; 1919 Abitur; anschl. Studium der Naturwiss., insbes. Mathematik u. Physik an der Univ. Berlin; hier 1925 Prom. mit der Arbeit »Auswahlprinzip u. Nadelstrahlung« (Physik) bei Max von Laue u. Max Planck; 1925 – 30 Statikerin im Bauwesen in Berlin; 1931 – 1.7.1935 als Statistikerin am Kaiser-Wilhelm-Inst. für Anthropol., menschl. Erblehre u. Eugenik in Berlin-Dahlem in der Abt. von Otmar v. Verschuer tätig; ab 1935 in Jena; zunächst Assistentin am Thüring. Landesamt für Rassewesen, Abt. Lehre u. Forschung; ab 1937 an der Univ. Jena, Lehrbeauftr. für Biolog. Statistik; dort am 10.2.1945 Habil. zu »Methodik der biolog. Statistik, insbes. die mathemat.-statist. Beurteilung von Stichprobenergebnissen« (siehe Veröff. 1948). 1945 – 51 versch. Anstellungen in Jena, in der Industrie u. in Ämtern; 1951 – 57 Doz., ab 1954 a. o. Prof. an der Univ. Jena; ab 1957 Prof. mit Lehrauftrag für mathemat. Statistik an der HU Berlin; ab 1960 auch am Inst. für angewandte Mathematik u. Mechanik der DAW zu Berlin, Ltr. der Abt. Statistik; von 1967 bis zu ihrem Tode Hrsg. des »Biometric Journal« (gegr. 1958); 1964 u. 1972 VVO; 1972 Ehrendoktor der Univ. Jena; 1978 Ehrenmitgl. der International Biometric Society (IBS); gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Statistik, mathemat. Statistik, Biometrie, Biomathematik.Einführung in die Variations- u. Erblichkeits-Statistik. München 1935; Grundriß der biolog. Statistik für Naturwissenschaftler u. Mediziner. Jena 1948 (7. Aufl. Jena 1972); Mathemat. Grundlagen der Genetik. Jena 1967; Einführung in die Faktorenanalyse. Stuttgart 1974. Nachruf von H. Ahrens, K. Bellmann. In: Biometric Journal (1988) 30.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Weck, Rudolf

* 3.5.1885 – ✝ 6.8.1951

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Vater Bäckermstr., SPD; Bürgerschule in Königsberg; danach in einem Anwaltsbüro tätig; 1901 – 03 Ausbildung zum Verw.-Angest. in Königsberg; 1902 SPD u. Mitgl. des ZdA; Ltg.-Mitgl. der SPD Königsberg u. Ostpr.; publ. 1910 das »Handbuch der Krankenversicherung«, 1911 die »Anleitung für Kassenärzte« u. später über »Die landw. Unfallversicherung«; 1915 – 21 SPD-Stadtverordn. von Königsberg; April 1917 Mitbegr. der USPD in Gotha, zeitw. deren Vors. für den Bez. Ostpr.; 1918 – 21 Stadtrat u. Abg. des Provinziallandtags; 1922 – 29 Abt.-Ltr. im HV des Verb. der Gemeinde- u. Staatsarb.; 1929 –33 Min.-Rat im Min. für Volkswohlfahrt, entlassen wegen »pol. Unzuverlässigkeit«; 1933 –46 Mitinhaber einer Hausverw. u. Grundstücksvermittlung in Berlin. 1946 SED; Apr. 1946 – Juni 1950 parität. Ltr. der Abt. Arbeit u. Sozialfürsorge des PV der SED (die Abt. wurde im Juni 1950 aufgelöst); gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Wedler, Heinz

* 9.5.1927

Geb. in Tilsit (Ostpr. / Sowjetsk, Rußland); Kriegsteiln. u. schwere Verwundung; Berufsausbildung zum Feinmechaniker. 1949 – 52 Ing.-Studium in Jena; 1953 – 56 Haupttechnologe im VEB Maßindustrie Werdau; 1956 – 59 Techn. Dir. im VEB Werkstoffprüfmaschinen Leipzig; 1959 – 62 Ltr. der Abt. Forschung u. Entw. in der VVB Mechanik Leipzig; Studium am Industrieinst. der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtsch., Prom. zum Dr. rer. oec.; 1963 Werkdir. des VEB Uhrenwerke Ruhla; 1964 NP; 1967 GD des VEB Uhrenkombinat Ruhla; Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1978 – 89 GD des VEB Kombinat Mikroelektronik Erfurt, zu dessen Leitbetrieb der VEB Uhrenwerke Ruhla wurde; 1984 Honorarprof. an der TH Leipzig; Ruhestand; 1987 KMO.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Wegner, Axel

* 3.6.1963

Geb. in Loitz (b. Demmin); 1979 mit dem Training beim Schießclub Loitz begonnen; 1981 Spartakiadesieger; zum GST-Klub nach Leipzig (Trainer: Rudolf Hager) delegiert; spezialisiert auf Skeetschießen; bei den Europameisterschaften 1984: 16. Platz; 1985 DDR-Mstr.; bei den Europameisterschaften 1985: 8. Platz; 1988 Olymp. Spiele: Sieger; Verdienter Mstr. des Sports; VVO; Ausbildung zum Kraftfahrer. Ab 1990 Mitgl. der Schützengilde Leipzig; 1991 EM; Taxifahrer; Fahrlehrer.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Wehmer, Friedrich

* 25.12.1885 – ✝ 7.2.1964

Geb. in Plate (b. Schwerin); Vater Wald- u. Ziegeleiarb.; Volksschule; 1900 – 03 Landarb.; 1903 – 12 Waldarb. (Unterbrechung durch Militärdienst); seit 1912 Pächter einer Kleinbauernwirtschaft; 1914 – 18 Kriegsdienst; 1918 Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats; 1919 Dt. Landarbeiterverb.; SPD; 1923 – 33 Vors. der SPD-Ortsgr. Plate; 1920 – 33 hier Vorsteher, aus dem Amt entlassen; 1920 – 33 Mitgl. des Landtags von Mecklenb.-Schwerin u. des Landesverw.-Gerichts; 1941 – 44 Geschäftsf. der Raiffeisengenossenschaft in Plate; 1944/45 Haft. 1945 Wiederbegr. der SPD-Ortsgr. u. ihr Vors.; 1945/46 Bürgermstr. in Plate; weiterhin als Landwirt tätig; 1951 »Meisterbauer«; 1945 Mitgl. der Landeskommission für Bodenreform; 1946 SED; Mitgl. des Landesvorst. Mecklenb.; 1946 – 50 Abg. des Mecklenb. Landtags, Mitgl. der Kommission für Haushalt u. Finanzen; 1946 Mitgl. des Vorst. des Landesverb. der landw. Genossenschaften; 1946/ 47 Landesbauernsekr. u. 1947 – 50 Landesvors. der VdgB; 1947 stellv. Vors. des Zentralvorst. der VdgB, 1950 – 64 Vors.; 1949 DSF; 1949 – 63 Abg. der (Prov.) Volkskammer, stellv. Vors. des Gnadenaussch.; 1954 – 64 Mitgl. des ZK der SED; 1960 KMO; gest. in Schwerin.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Weichelt, Wolfgang

* 9.4.1929 – ✝ 25.6.1993

Geb. in Chemnitz in einer Arbeiterfamilie; nach dem Schulabschl. Landarb.; 1946 SED; 1946 Verw.-Ausbildung; anschl. Sachbearb. beim Rat der Stadt Chemnitz; 1950 – 53 Studium an der DVA bzw. DASR Potsdam mit Abschl. als Dipl.-Staatswiss.; anschl. Aspirantur an der Staatl. Moskauer Univ., 1956 Prom.; 1956 – 59 wiss. Mitarb. am Inst. für Rechtswiss. in Potsdam-Babelsberg; danach wiss. Mitarb. beim ZK der SED, Abt. Staats- u. Rechtsfragen; 1964 Prof. mit Lehrauftrag für Staats- u. Rechtstheorie sowie Staatsrecht an der DASR Potsdam; bis 1966 Dir. des dortigen Inst. für rechtswiss. Forschung; 1966 – 72 erneut Mitarb. in der o. g. Abt. des ZK der SED; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer u. Vors. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1968 maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung der neuen Verfassung der DDR; 1971 Mitgl. des DDR-Komitees für europ. Sicherheit; ab 1972 Dir. des neugegr. Inst. für Theorie des Staats u. des Rechts der AdW; 1977 Korr. Mitgl. der AdW; stellv. Vors. des Aussch. für parl., jur. u. Menschenrechtsfragen bei der Interparl. Union; 1978 Vors. des Nat.-Komitees für Pol. Wiss. bei der AdW; 1979 Mitgl. der Akad. für Vergleichendes Recht Paris; Auswärt. Mitgl. der Ungar. AdW; 1985 Ord. Mitgl. der AdW; 1985 Vors. des Rats für staats- u. rechtswiss. Forschung bei der AdW; 1974 VVO; 1988 Dr. h. c. der ASR Potsdam; 1990 invalidisiert.Verfassung der DDR: Dokumente, Kommentar. Berlin 1969 (Mithrsg.); Marxist.-leninist. Staats- u. Rechtstheorie. Berlin 1980 (Mithrsg.); Der Staat im pol. System der DDR. Berlin 1986.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weidauer, Walter

* 28.7.1899 – ✝ 13.3.1986

Geboren am 28. Juli 1899 in Lauter/Sachsen, Sohn eines Korbmachers; lernte Zimmermann. 1916 Mitglied der sozialistischen Arbeiterjugend. 1918 zum Pionierbataillon nach Riesa eingezogen, nach der Demobilisierung ging er auf Wanderschaft. Er trat 1919 in die USPD ein, wurde 1922 Mitglied der KPD, 1923/24 Agitpropleiter der UB-Leitung in Zwickau, dort von 1925 bis 1929 auch Stadtverordneter. 1929 wegen »kommunistischer Fraktionstätigkeit« aus dem Zentralverband der Zimmerer ausgeschlossen, begann 1929 seine hauptamtliche Arbeit für die KPD. Bis März 1932 Geschäftsführer des KPD-Verlags in Essen, anschließend Polleiter des kommunistischen Proletarischen Freidenkerverbandes in Sachsen, ab Juli 1932 dessen Reichs-Polleiter. Im Juli 1932 wurde Weidauer in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. In der Nacht des Reichstagsbrandes festgenommen, bis Dezember 1933 in »Schutzhaft«. Weidauer setzte die illegale Arbeit fort, war Oberbezirks-Orgleiter für Sachsen und Thüringen, wurde am 19. April 1934 erneut festgenommen und im November 1934 vor dem OLG Dresden angeklagt, jedoch am 28. Februar 1935 überraschend freigesprochen. Er floh im September 1935 in die ?CSR, wurde Polleiter für Westsachsen mit Sitz in Karlsbad und emigrierte 1936 nach Dänemark. Dort gehörte er zur KPD-AL Nord. Weidauer wurde nach der Besetzung Dänemarks am 26. Juli 1940 durch die dänische Polizei verhaftet und Ende Januar 1941 an die Gestapo nach Hamburg übergeben. Am 3. Juni 1942 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1945 zunächst Leiter der Verwaltung des 7. Dresdener Stadtbezirks, ab 5. Juli 1945 1. Bürgermeister, ab 1. Mai 1946 Oberbürgermeister von Dresden. Weidauer war von 1958 bis zu seiner Pensionierung im Januar 1961 Vorsitzender des Rates des Bezirks Dresden. Von 1955 bis 1957 Vorsitzender des ostdeutschen Präsidiums des Deutschen Städte- und Gemeindetages, anschließend Vizepräsident. Er erhielt 1969 den Karl-Marx-Orden. Walter Weidauer starb am 13. März 1986 in Dresden.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Weigel, Hansjörg

* 15.3.1943

Geb. in Chemnitz; Vater Beamter im Strafvollzug; 1949 – 57 Grundschule in Königswalde, 1957 – 59 Mittelschule in Werdau, Mittl. Reife; 1959 – 61 Ausbildung zum Kfz-Elektriker, FDJ-Gruppensekr. im Ausbildungsbetrieb; 1961 – 90 berufstätig in einer PGH in Werdau; 1963 Verweigerung des Wehrdienstes, 1966/ 67 Bausoldat; ehrenamtl. Gemeindearbeit im Sinne christl. Friedenserziehung; 1973 maßgebl. Gründungsinitiator des Christl. Friedensseminars Königswalde, das zweimal jährl. Veranstaltungen mit krit. Diskussionen zu spezifischen polit. Themen durchführte u. für die DDR-Friedensbewegung eine Vorreiterfunktion besaß; intensive Bearbeitung durch das MfS (OV »Spaten II«), 1980 drei Monate U-Haft wegen »staatsfeindl. Hetze«, Verurteilung zu 18 Mon. Gefängnis, nach Protesten der Kirchenltg. Aussetzung der Strafe zur Bewährung, Verzicht auf das Angebot der staatl. Behörden, in die Bundesrep. Dtl. überzusiedeln; 1984 – 96 Mitgl. der Sächs. Landessynode. Seit 1990 Stadtrat in Werdau, zunächst für einen parteipolit. unabh. »Bürgerrat«, seit 1999 für die SPD; seit 1992 Geschäftsf. im alten Betrieb; 1999 Bundesverdienstkreuz.»Man wandelt nur das, was man annimmt«. In: Jesse, E. (Hrsg.), Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006. Kluge, M.: Das Christl. Friedensseminar Königswalde bei Werdau. Leipzig 2004; Jesse, E. (Hrsg.): Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006; Jander, M.: H. W. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opp. u. Widerstand in Biogr. u. Fotos. Berlin 2006.Eckhard Jesse

Wer war wer in DDR

Weihs, Rolf

* 6.4.1920 – ✝ 27.11.2000

Geb. in Goldlauter (Krs. Suhl); Volksschule; Metallformer; Mitgl. der Jungen Pioniere; Wehrmacht. Eintritt in die SED; 1954 – 58 2. Sekr. (Nachf. von  Horst Dohlus), 1958 – 60 1. Sekr. der SED-Gebietsltg. Wismut (Nachf. von  Alois Bräutigam); 1958 – 60 Kand., 1960 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1960 – 63 1. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Walter Buchheim); 1963 – 70 1. Sekr. der SED-KL Potsdam (Nachf. von Herbert Puchert); 1963 – 71 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1970 – 86 stellv. Vors. der BPKK der SED Erfurt; 1980 VVO; gest. in Erfurt.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Watznauer, Adolf

* 29.4.1907 – ✝ 10.3.1990

Geb. in Reichenberg (Liberec / Tschechien); Vater Lehrer; 1925 / 26 Studium der Elektrotechnik u. ab 1926 der Geol. u. Naturwiss. an der Dt. Univ. Prag, dort 1929 Prom. mit einer petrograph.-mineralog. Arbeit, anschl. Militärdienst in der tschechoslowak. Armee; neben anderen Tätigkeiten 1932 – 36 Lehrer in Gablenz u. 1936 / 37 in Bratislava; 1938 – 44 wiss. Mitarbeiter in der Lagerstätten-Forschungsstelle des Reichsamtes für Bodenforsch. in Freiberg; 1944 / 45 Angeh. der Wehrgeologenstelle 2. 1945 – 47 Kriegsgef. in der UdSSR u. Überführung zur Wismut AG, dort bis 1958 Geologe; 1953 Prof. mit Lehrauftrag für Petrographie u. Mineral., 1956 Prof. für Geol. an der Bergakad. Freiberg, 1959 – 61 Dekan der Math.-Naturwiss. Fak.; 1954 Gründungsmitgl. der Geolog. Gesell. in der DDR, 1956 – 58 u.1968 – 70 deren Vors.; 1962 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina in Halle (Saale), 1957 Mitgl. der DAW zu Berlin, 1972 Mitgl. der Sächs. AdW zu Leipzig, 1957 Ehrenmitgl. der Tschechoslowak. Gesell. für Mineralogie in Prag; 1952 Hervorragender Wissenschaftler des Volkes; 1972 Fourmarier-Preis der Belg. AdW; 1982 Gustav-Steinmann-Med. der Geolog. Vereinigung; 1987 Cothenius-Med. der Leopoldina; gestorben in Leipzig. Forschungsschwerpunkte: Regionale Geol., Geotektonik, Petrol., geolog. Begriffe.Uranlagerstätten der Erde. 1957; Die wirtschaftl. Grundlagen der Energiegewinnung aus Uran als Spaltmaterie. 1960; Das Problem der Zwischengebirge im Saxo-Thuringikum. 1969; Die Bedeutung des Zeitbegriffs u. der Zeitvorstellung für das evolutionäre Denken. 1975; Wörterbuch Geowissenschaften, dt.-engl. u. engl.-dt. Berlin / Amsterdam 1973 / 89 (ca. 40.000 Begriffe). Nachruf. In: Jahrbuch der Sächs. AdW zu Leipzig 1989 / 90; H. Prescher, H., Hebig, Ch.: Lexikon der Geowissenschaftler in Sachsen 1494 – 1994. Dresden 1998.Martin Guntau

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weber, Hermann

* 15.2.1888 – ✝ 16.12.1937

Geboren am 15. Februar 1888 in Horn/Lippe, Bruder von Hanna Staubes bzw. Rautenbach; lernte Schlosser und kam vor dem Weltkrieg nach Barmen. 1906 Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Mit der linken USPD – Weber war Delegierter des Spaltungsparteitags in Halle – kam er 1920 zur KPD. Seit 1921 hauptamtlicher Sekretär der KPD, zunächst im UB Barmen. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte ihn in die Gewerkschaftskommission. 1923 wurde er KPD-Sekretär für Gewerkschaftsfragen im Bezirk Rheinland-Süd/Niederrhein und übernahm 1925 die gleiche Aufgabe in der BL Wasserkante in Hamburg und im Mai 1927 in der BL Baden in Mannheim. Anfang 1929 ins Rheinland zurückgerufen, wurde Weber UB-Sekretär in Solingen und Vorsitzender der dortigen Stadtratsfraktion. Am 22. Januar 1930 und am 25. März 1930 jeweils mit einer Mehrheit von 27 Stimmen der KPD, KPO und SPD gegen 25 bürgerliche Stimmen zum Oberbürgermeister von Solingen gewählt, aber von der vorgesetzten Behörde nicht bestätigt. Ab April 1930 wieder Parteisekretär in Hamburg, dann Mitte 1931 als Mitarbeiter zum ZK nach Berlin versetzt. Da Weber Anhänger der Neumann-Gruppe war, wurde er Mitte 1932 seiner Funktionen enthoben. Im August 1932 übersiedelte er in die Sowjetunion, seine Familie folgte ihm Mitte Januar 1933. Weber lebte in Odessa, nahm Anfang 1937 die sowjetische Staatsangehörigkeit an. Er wurde Mitte 1937 in Odessa vom NKWD festgenommen und wegen »faschistischer Agitation« angeklagt. Hermann Weber erklärte sich für »nicht schuldig«, wurde aber am 16. Dezember 1937 erschossen. Seine Frau Else Weber (*1898) wurde 1937 ebenfalls inhaftiert, danach mit dem in Odessa geborene Sohn Werner nach NS-Deutschland ausgewiesen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weber, Otto

* 23.10.1893 – ✝ 27.1.1961

Geboren am 23. Oktober 1893 in Witzhelden; lernte in Solingen Feilenhauer. 1913 Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Während des Krieges Soldat an der Front, kehrte schwerkriegsbeschädigt (der rechte Arm war verkrüppelt) zurück. Mitglied des DMV, 1920 hauptamtlicher Sekretär der Gewerkschaft in Solingen. Ende 1920 ging er mit der linken USPD zur KPD. Im Mai 1921 wies ihn die britische Besatzungsmacht aus dem Rheinland aus. Er arbeitete in verschiedenen Orten als Gewerkschaftssekretär und kam 1923 nach Remscheid, dort 1924 Anhänger der KPD-Linken, Vorsitzender und Sekretär der Partei. Im Dezember 1924 als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis 1928 angehörte. Schriftführer des XI. Parteitages 1927, bis Anfang 1928 UB-Leiter in Remscheid, dann nach Solingen versetzt, dort Sekretär und Leiter des UB. 1928 kandidierte Otto Weber wieder zum Reichstag, wurde aber nicht gewählt (bei späteren Wahlen nicht mehr aufgestellt). Er übernahm 1929 die Leitung der Roten Hilfe im Bezirk Niederrhein, wurde im Frühjahr 1931 in deren Zentralleitung nach Berlin berufen und 1932 Kassierer in der Zentrale. Schon 1933 entfernte er sich von der Partei und war nicht mehr aktiv. Im März 1935 kehrte er von Berlin nach Remscheid zurück. Nach dem Kriege trat er wieder der KPD bei, hatte aber keine Parteifunktion. Leiter der Ortskrankenkasse in Remscheid. Kurz vor dem Verbot der KPD in Westdeutschland 1956 soll er noch ausgeschlossen worden sein. Otto Weber starb am 27.Januar 1961 in Remscheid.

Wer war wer in DDR

Weber, Horst

* 4.9.1925

Geb. in Dresden; Vater Dreher; 1932 – 40 Volksschule; 1940 – 44 Lehre als Maschinenschlosser; 1943 NSDAP; Wehrmacht. Nach 1945 Abitur an der ABF Dresden, anschl. Studium an der TH Dresden, 1951 Dipl.-Ing.; SED; 1957 – 63 Lehrauftrag an der TH Dresden (Werkzeuge spanender Formung), 1958 Prom. zum Dr.-Ing.; 1959 – 63 Ing. u. Abt.-Ltr. im VEB »Germania« Chemieanlagenbau Karl-Marx-Stadt; 1963 Doz. an der TH Karl-Marx-Stadt, 1964 Prof., 1968 Habilitation (Abtrenntechnik); 1969 – 73 Prorektor, 1973 – 82 Rektor der TH Karl-Marx-Stadt; 1975 – 89 Korr. Mitgl. u. 1989 – 92 Ord. Mitgl. der AdW; 1989 Dr. h. c. an der TH Zwickau; 1990 em.Lamprecht, W.: Wissenschaftspolitik zwischen Ideologie u. Pragmatismus. Münster 2007.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wecker, Hans

* 17.3.1894 – ✝ 14.8.1980

Geboren am 17. März 1894 in Lockweiler/Saar, Sohn eines Bergmanns, sein Vater starb kurz zuvor bei einem Grubenunglück, seine Mutter mußte sich kümmerlich durchschlagen. Er besuchte ein Lehrerseminar, machte im Januar 1914 seine Abschlußprüfungen. Anschließend zum Militärdienst einberufen, kam er im August 1914 an die Front, dann zum Fliegerleutnant befördert und mit dem EK I ausgezeichnet. Von 1919 bis 1924 Volksschullehrer in Waldhölzbach/Krs. Wadern. Durch die Kriegserlebnisse wurde Wecker politisiert und schloß sich 1924 der KPD in Köln an, wo er seit Anfang April 1924 an der »Freien Schule« unterrichtete. Er gehörte ab März 1929 zur BL Mittelrhein, war dort für die Agitproparbeit zuständig und arbeitete auch in der RFB-Gauleitung. Im November 1929 in Köln zum Stadtverordneten gewählt, im März 1931 als Lehrer entlassen, wirkte Wecker seitdem hauptamtlich für die KPD. Im April 1932 wurde er im Wahlkreis Koblenz-Trier in den Preußischen Landtag gewählt und war noch Anfang März 1933 Spitzenkandidat der Kölner KPD zu den Kommunalwahlen. Wecker flüchtete in das Saargebiet, wurde nach der Rückgliederung 1935 verhaftet, nach der Untersuchungshaft in Berlin aber im Januar 1936 aus »Mangel an Beweisen« freigelassen. Später zog er in die Heimat seiner Frau nach Norddeutschland, wurde bei Kriegsausbruch 1939 erneut inhaftiert und kam in das KZ Sachsenhausen, aus dem er Ende Mai 1940 entlassen wurde. Nach 1945 wieder Lehrer in Köln, 1948 pensioniert, verzog er nach Eitorf/Sieg, wo er sich 1955 der SPD anschloß. Nach der Annahme des Godesberger Programms 1959 verließ er die SPD und gründete den Deutschen Arbeiter-Verlag, in dem bis 1965 u.a. die »Neuen Sozialistischen Hefte« erschienen. Er veröffentliche 1969 das Buch »40 Jahre Stalinismus 1929-1969«, in dem er scharfe Kritik an der KPdSU übte. 1970 verzog er nach Norddeutschland. Hans Wecker starb am 14.August 1980 in Bremen.

Wer war wer in DDR

Wegener, Oskar

* 18.11.1877 – ✝ 29.5.1962

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Lehre u. Arbeit als Steinmetz; 1896 Eintritt in die Gewerkschaft; 1900 SPD in Kassel; 1919 – 33 Vors. des SPD-Unterbez. Frankfurt (Oder) / Lebus; 1919 – 33 Stadtverordn. von Frankfurt (Oder), Vors. der SPD-Fraktion u. Abg. des Provinziallandtags sowie Mitgl. des Provinzialaussch. des Preuß. Landtags; 1926 – 33 Mitbegr. u. Geschäftsf. der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft »Gewoba«; Juni–Sept. 1933 Haft im Zuchthaus bzw. KZ Sonnenburg, 1935 erneute Verhaftung; seit 1939 dienstverpflichtet im Reservelazarett 101 in Frankfurt (Oder); Aug. 1944 – Jan. 1945 inhaftiert im KZ Schwetzig. 1945 Aufbau der Bezirksbürgermeisterei I von Frankfurt (Oder); 1945 SPD, 1946 SED; 1946 / 47 Mitgl. des SED-Parteivorst.; Sept. 1945 Stadtbaurat, 1946 – 48 OB von Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Ernst Ruge); 1948 / 49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1957 VVO; gest. in Eisenhüttenstadt.Targiell, R.-R.: Die Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zur Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1990. Frankfurt (Oder) 2000.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Wegner, Bettina

* 4.11.1947

Geb. in Berlin; Vater  Karl-Heinz W., Chefred. »Freie Welt«, Mutter Sachbearb.; 1964 – 66 Ausbildung zur Bibliotheksfacharb.; anschl. Studium an der Schauspielschule in Berlin; 1965 Teiln. am Wettbewerb junger Talente; 1966 Mitbegr. des »Hootenanny-Klubs«, aus dem der Oktoberklub hervorging, Mitgl. bis 1968; 1968 Flugblattaktion gegen die Intervention der Warschauer-Pakt-Staaten in der ČSSR, Exmatrikulation, Verurteilung zu 16 Mon. Haft auf Bewährung nach § 106 StGB (staatsfeindl. Hetze); 1968 – 70 »Bewährung in der Prod.« – Fabrikarb. in den Berliner Elektro-Apparate-Werken (EAW); 1970 – 72 Berliner Stadtbibliothek u. Abendschule; 1970 – 82 verh. mit  Klaus Schlesinger; 1972 Abitur; 1972/73 Ausbildung als Sängerin am Zentr. Studio für Unterhaltungskunst, Diplom; seit 1973 freischaff. Liedermacherin; Auftritte mit eigenen Liedern u. lyr. Texten, Moderation der Veranstaltungsreihen »Eintopp« (1973 – 75) im Berliner Haus der Jungen Talente u. »Kramladen« (1975/76) in Berlin-Weißensee, jeweils durch staatl. Organe verboten; Mai 1976 Kand. des SV; Nov. 1976 öffentl. Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns, zunehmende Einschränkung der Arbeitsmöglichkeiten u. Auftrittsverbote; 1978 Veröff. der LP »Sind so kleine Hände« in der Bundesrep. Dtl.; 1979 Austritt aus dem SV; 1983 Aufforderung zur Übersiedl. durch das Kulturmin. u. Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen »Verdachts auf Zoll- u. Devisenvergehen«; Juli 1983 Übersiedl. nach Berlin (West); Auftritte mit Joan Baez, Angelo Branduardi u. a.; am 2.12.1989 erster Auftritt nach der Wende in der DDR im Berliner »Haus der jungen Talente« (zus. mit anderen ausgebürgerten Liedermachern). 1992 Mitunterz. des Appells zur Gründung von Komitees für Gerechtigkeit; 1996 Thüring. Kleinkunstpreis; Benefizkonzerte für versch. soziale Projekte, 1998 Initiatorin einer Mahnwache für den inhaftierten Journalisten Mumia Abu-Jamal vor der US-Botschaft in Berlin; seit 2003 Benefizkonzerte für das Kinderhospiz »Sonnenhof« der Björn-Schulz-Stiftung; 22.1. 2005 Konzert zum 35. Bühnenjubiläum in der Berliner Passionskirche; Dez. 2007 offizieller Abschied von der Bühne. Jeweils als LP/CD u. z. T. als Buch erschienen u. a.: »Wenn meine Lieder nicht mehr stimmen« (1978); »Traurig bin ich sowieso« (1980); »Weine nicht – aber schrei« (1982); »Heimweh nach Heimat« (1995); »Von Dtl. nach Dtl.« (1985); »Sie hat’s gewußt« (1992); »Wege« (1998); »Mein Bruder« (2003); »Die Liebeslieder« (2004), »Die Abschiedstournee« (2007).Von Dtl. nach Dtl. ein Katzensprung. Reinbek 1986; Als ich gerade 20 war. Reinbek 1986; Im Niemandshaus habe ich ein Zimmer. Berlin 1997.Silvia Müller

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wehner, Herbert (Funk

* 11.7.1906 – ✝ 19.1.1990

(* 1906 – † 1990) Geboren am 11. Juli 1906 in Dresden, erster (von zwei Söhnen) des Facharbeiters Richard Wehner und seiner Frau Antonie, geborene Diener. Da der Vater 1914 Soldat wurde, die Mutter mit Näharbeiten nur wenig verdiente, mußte Herbert Wehner bereits früh zum Unterhalt der Familie beitragen. Ein 1921 gewährtes Stipendium ermöglichte ihm eine dreijährige Ausbildung zum Verwaltungsdienst, anschließend kaufmännische Lehre. 1923 trat er in die SAJ ein, zunächst von Otto Rühle beeinflußt, wurde Wehner Anarchist, war in Dresden zeitweise in einer »Anarchistischen Tatgemeinschaft« jugendlicher Rebellen aktiv. Er schloß sich dann Erich Mühsam an, als dessen Privatsekretär er für kurze Zeit fungierte. 1925/26 gab Wehner die Zeitschrift »Revolutionäre Tat« heraus und publizierte in Mühsams Zeitung »Fanal«. Er überwarf sich aber dann mit Mühsam, trennte sich von den Anarchisten und wurde 1927 Mitglied der KPD. Wehner heiratete die junge Schauspielerin Lotte Loebinger (* 10. 10. 1905 – † 9. 2. 1999), die Ehe ging auseinander, wurde offiziell aber erst später geschieden. Um die Jahreswende 1927/28 begann Wehners hauptamtliche Parteikarriere: Zunächst Bezirkssekretär der RHD für Ostsachsen, ein Jahr später RGO-Sekretär im Bezirk, seit dem Zusammenschluß dieses Bezirks zum Parteibezirk Sachsen Ende 1929 gehörte er als Orgleiter unter Rudolf Renner dem Sekretariat der neugeschaffenen KPD-BL an. Im Juni 1930 wurde Wehner in den Sächsischen Landtag gewählt, war stellvertretender Vorsitzender der KPD-Fraktion und Mitglied im Ältestenrat. Wegen der schwachen Verankerung der KPD in den sächsischen Betrieben wurde Anfang 1931 die BL unter Heinz Renner, vor allem aber Wehner kritisiert. Fritz Selbmann trat an Renners Stelle, Karl Ferlemann löste Wehner ab, der nach Berlin in das ZK im Karl-Liebknecht-Haus geholt wurde. Hier war er zunächst Mitarbeiter der von August Creutzburg geleiteten Orgabteilung, erlebte die innerparteilichen Rivalitäten zwischen Neumann/Remmele und Ernst Thälmann, der ihn im Frühsommer 1932 zum Technischen Sekretär des Polbüros berief. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Überführung des Apparats in die Illegalität beteiligt und bildete bis Frühjahr 1934 mit Wilhelm Kox und Siegfried Rädel die Inlandsleitung der KPD. Im Widerstand der Kommunisten gegen die NS-Diktatur spielte Wehner eine zentrale Rolle, er stieg zu einem der wichtigen Parteiführer in der KPD auf. Er war der Verhaftung wiederholt nur knapp entgangen, emigrierte im Juni 1934 mit seiner (seit 1929) neuen Lebensgefährtin Charlotte Treuber (* 24. 1. 1907 – † 21. 10. 1999), zunächst nach Saarbrücken. Dort Oberberater, koordinierte er unter dem Parteinamen Kurt Funk dann auch von Prag und Paris aus den Widerstand gegen das NS-Regime. Während der Auseinandersetzungen 1934/35 innerhalb des Politbüros unterstützte Wehner Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht. Zeitweilig war er Lehrer an der Internationalen Leninschule in Moskau und nahm im Sommer 1935 am VII. Weltkongreß und im Oktober an der »Brüsseler Konferenz« teil. Wehner wurde hier in das ZK gewählt und zum Kandidaten des Politbüros berufen, war damals das jüngste Mitglied im obersten Führungsgremium der KPD. Er gehörte unter Ulbricht mit Anton Ackermann, Franz Dahlem und Paul Merker zur »operativen Leitung« des Politbüros zur Anleitung der illegalen Organisationen im Reich. Nach Auseinandersetzungen mit Ulbricht in Paris reiste Wehner Ende 1936 zur Berichterstattung nach Moskau, Referent für deutsche Fragen im Sekretariat der Komintern. Auch er geriet in die »Säuberungen« und wurde in einem »Untersuchungsverfahren« mehrfach vom NKWD verhört. Noch im September 1937 beschloß die Moskauer Parteiführung, in der »Angelegenheit Funk« die Kaderabteilung zu beauftragen, »gegen Funk wegen Verletzung der Konspiration« eine Untersuchung vorzunehmen und ihn »zur Verantwortung zu ziehen«. In der damaligen Situation bedeutete dies, daß Wehner in der UdSSR mit seiner Verhaftung und Liquidierung durch das NKWD rechnen mußte. Selbst gefährdet, schrieb er nun – wie alle Emigranten – zahllose Berichte. Seine Dossiers für die IKK belasteten Mitgenossen, deren vorherige Berichte ihn ebenfalls belasteten. Ob alte Fraktionskämpfe, ob Revanche bei persönlichen Differenzen oder einfach als Schutz im Untersuchungsverfahren der Komintern für die Angaben ausschlaggebend waren, ist schwer auszumachen. Das Parteiverfahren in Moskau gegen ihn wurde schließlich 1939 eingestellt. Wehner hat in seinen 1946 geschriebenen (1982 dann von Gerhard Jahn herausgegeben) »Notizen« klargestellt, wie er in jenes zum Inquisitionsritual gehörende Netz von Anklagen, Gegenanklagen, Denunziationen und Selbstbezichtigungen geraten und dadurch zum Mittäter geworden war. Im Auftrag der Komintern fuhr Wehner Ende Januar 1941 nach Schweden, um hier die Arbeit der AL Mitte zu reorganisieren. Von Stockholm aus sollte er gemeinsam mit Karl Mewis und Richard Stahlmann nach Deutschland reisen, um die Arbeit illegaler kommunistischer Gruppen im Reich zu koordinieren. Am 18. Februar 1942 in Stockholm festgenommen, wurde Wehner im April wegen »Gefährdung der schwedischen Freiheit und Neutralität« zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, im November in ein Jahr Zwangsarbeit verschärft. Über Wehners Verhaftung und Verhalten gegenüber den schwedischen Ermittlungsbehörden wurde das Politbüro in Moskau vor allem durch Mewis und Stahlmann verzerrt informiert. Danach wurde Wehner unter dem Vorwurf des Verrats am 6. Juni 1942 aus der KPD ausgeschlossen. Nach der Entlassung aus der Haft war Wehner zunächst in einer Viskosefabrik beschäftigt, anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Archiv. 1944 heiratete er Charlotte Burmester, geborene Clausen (†1979), die Witwe eines von den Nazis ermordeten Hamburger Kommunisten. Bei ihr und ihren beiden Kindern fand er private Geborgenheit. Er wurde von früheren Genossen gemieden, isoliert und erkannte, die kommunistische Bewegung, von der er sich während seiner Einzelhaft 1942/43 nach langen innerlichen Kämpfen zu lösen begann, hatte ihn fallengelassen. Der Briefwechsel mit Günter Reimann von 1946 (1998 veröffentlicht) und vor allem seine »Notizen« (in Schweden niedergeschrieben) zeigen Wehners endgültige Trennung vom »totalitären Kommunismus«. Er benannte Mechanismen der Kaderpolitik, zeigte, daß der Stalinismus die Idee des Sozialismus diskreditiert hatte. Aber deswegen wollte er die Tradition der Arbeiterbewegung keineswegs über Bord werfen, sondern wurde Sozialdemokrat. Im September 1946 kehrte Wehner nach Deutschland zurück, trat einen Monat später der SPD bei und arbeitete als außenpolitischer Journalist bei der SPD-Zeitung »Hamburger Echo«. Von Kurt Schumacher unterstützt, kandidierte Wehner im August 1949 erfolgreich für den ersten Deutschen Bundestag, dem er ununterbrochen bis 1983 angehörte. Als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für gesamtdeutsche und Berliner Fragen von 1949 bis 1966 setzte er sich insbesondere für die Wiedervereinigung Deutschlands ein. Von 1952 bis 1982 war er Mitglied des SPD-Parteivorstandes und des SPD-Präsidiums sowie von 1958 bis 1973 Stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. In der Großen Koalition unter Kiesinger/Brandt wirkte er von 1966 bis 1969 als Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und war von 1969 bis 1983 Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag. Seine Strenge und sein Pflichtbewußtsein brachten ihm den Ruf eines »Zuchtmeisters« und »Kärrners« in der SPD ein. Nach dem Scheitern der sozial-liberalen Koalition im Herbst 1982 trat Wehner den Rückzug aus der aktiven Politik an. Um Greta Burmester (* 1924), seine Pflegetochter und langjährige vertraute Mitarbeiterin, sozial abzusichern, heiratete er sie 1983. Unter dem Titel »Zeugnis« wurden 1982 seine »Notizen« veröffentlicht. Neben anderen Auszeichnungen erhielt er 1984 die Ehrendoktorwürde der Universität Jerusalem. Die Freie und Hansestadt Hamburg nahm Wehner 1986 in die Reihe der Ehrenbürger auf. Herbert Wehner, zuletzt schwer an Alzheimer erkrankt, starb am 19.Januar 1990 in Bonn. Seinem Andenken gilt z. B. das im September 1992 in Dresden gegründete »Herbert-Wehner-Bildungswerk«, und die 2004 geschaffene »Herbert und Greta-Wehner-Stiftung«, die in seinem Sinne zur Stärkung der Demokratie beitragen wollen. Herbert Wehner bleibt auch nach seinem Tod eine der umstrittenen Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte. Schon zu Lebzeiten wurde der Sozialdemokrat von politischen Gegnern verunglimpft, »immer noch Kommunist« zu sein. Selbst nach seinem Tod sollte Wehner 1993/94 in einer Medien-Schlammschlacht im Wahlkampf instrumentalisiert werden, bis hin zu Verdächtigungen, er habe die »Sache der anderen Seite« vertreten. Die Schmähungen mißlangen, doch wird nun seine Rolle als führender Kommunist und seine Tätigkeit während der stalinistischen Säuberungen zu Verleumdungen benutzt. Daß die vor Hitler nach Moskau geflüchteten KPD-Führer – und damit bis 1940 auch Wehner – Schuld auf sich luden, bleibt eine tragische Erkenntnis, ist aber nicht neu. Wehner war zwar ein »Schräubchen« in diesem terroristischen Räderwerk, doch natürlich nicht dessen Antreiber oder gar Initiator, er war selbst bedroht. Vor allem aber hat er als einer der ganz wenigen kommunistischen Führer aus den Schrecken des Stalinismus und seinen Irrtümern Lehren gezogen und wurde Demokrat. Herbert Wehners Persönlichkeit ist historisch gesehen geprägt als die eines mutigen Kämpfers gegen die NS-Diktatur und danach als eines aktiven Erbauers der freiheitlichen Demokratie in Deutschland. Diese Probleme werden in der inzwischen breiten Literatur über Wehner thematisiert, hier sei nur verwiesen auf Hartmut Soell: Der junge Wehner, Stuttgart 1991; Reinhard Müller: Die Akte Wehner, Berlin 1993; Michael F. Scholz: Herbert Wehner in Schweden 1941-1946, Berlin 1997.

Wer war wer in DDR

Weidanz, Gustav

* 9.12.1889 – ✝ 25.8.1970

Geb. in Hamburg; 1905 – 08 Lehre als Ziseleur; 1908 – 10 Studium der Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Hamburg; 1910 – 11 Schüler von I. Taschner u. F. Metzner; 1911 – 16 Studium an der Unterrichtsanstalt am Königl. Kunstgewerbemuseum Berlin bei J. Wackerle, Auseinandersetzung mit Medaillengestaltung; 1916 – 58 Ltr. einer Fachkl. für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Halle (später HS Burg Giebichenstein); seit 1920 dort Prof. u. Ltr. der Keram. Werkstatt; 1926 Studienreise nach Italien, 1927 in die Niederlande. 1958 em.; dann freischaff. in Halle; 1970 Mitgl. der AdK; gest. in Halle. Ausstellungen: 1954 Staatl. Galerie Moritzburg Halle; 1955 Kunsthalle Bremen u. Landesmuseum für Kunst- u. Kulturgeschichte Oldenburg; 1956 Kunsthalle Hamburg u. Kunstverein Kassel; 1957 Lindenau-Museum Altenburg, Freiberg u. Karl-Marx-Stadt; 1964 Halle u. Eisenach; 1969 Retrospektive in der Staatl. Galerie Moritzburg Halle u. im Staatl. Museum Schloß Mosigkau. Werke: Bronzefiguren des Ratshofs in Halle, 1926 (zerstört); Mahnmale für die OdF in Zerbst, 1950, u. Apolda, 1951; Sitzender männlicher Akt. 1961; Weiblicher Torso. 1966. Sek.-Lit.: G. W. zum 80. Geb. Kat. Museum Schloß Mosigkau u. Galerie Moritzburg Halle, 1969; Lang, L.: G. W. In: Begegnungen im Atelier. Berlin 1975; Schönemann, H.: Zum Werk von G. W. In: Plastik – Kolloquium ’79. Protokollband. Magdeburg 1980.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Weidig, Rudi

* 5.1.1931 – ✝ 26.2.2012

Geb. in Schnellroda (Sachsen-Anh.); Eltern Landarb.; ab 1952 Ausbildung an gewerkschaftl. Bildungseinrichtungen; 1953 SED; 1955 – 59 Lehrer für Geschichte u. Philos. an versch. Gewerkschaftsschulen der DDR; ab 1960 Aspirant am IfG in Berlin; 1964 Prom. mit der Diss. »Probleme der weiteren Entfaltung des Schöpfertums der Industriearb. zur Durchsetzung des wiss.-techn. Fortschritts in der soz. Prod.« (veröff. Berlin 1965); anschl. Assistent bzw. Doz. an der neugegr. Abt. für Soziol. des IfG; 1970 Prom. B mit einer Arbeit zum Thema »Soz. Gemeinschaftsarbeit – eine soziolog. Studie zur Entw. von Gemeinschaftsarbeit, Arbeitskoll. u. Persönlichkeit« (veröff. Berlin 1969); 1970 Berufung zum Prof. u. ab 1971 Ltr. der Abt. bzw. des Lehrstuhls für marxist.-leninist. Soziol.; später bis 1990 Dir. des daraus hervorgegangenen Inst. der AfG; zugl. Vors. des Nat.-Komitees für soziolog. Forschung sowie des Wiss. Rats für soziolog. Forschung in der DDR (Nachf. von  Erich Hahn), in dieser Funktion verantw. für die Planung u. Koordinierung der soziolog. Forschung; 1976 – 89 Vertreter der DDR im Council of International Sociological Association; bis 1988 im Direktorium des Wiener Zentrums für Forschung, Information u. Dokumentation in den Sozialwiss. sowie bis 1989 Mitgl. der Multilateralen Problemkommission der Soziologen soz. Länder; 1985 NP (im Koll.); seit 1990 Mitgl. des Inst. für Sozialdatenanalyse e. V. Berlin. Nach Auflösung der AfG 1991 Altersübergang; seit 1994 Rentner; gestorben in Petershagen (Landkrs. Märkisch Oderland). Arbeitsgebiete: Industriesoziol., Sozialstrukturentw. in der DDR, insbes. soziale Gleichheit u. Ungleichheit sowie soziale Lage der Arbeiterschaft; 1986 – 89 ltd. DDR-Vertreter im bilateralen Forschungsprojekt »Soziale u. ideolog. Prozesse u. Probleme der Anwendung flexibler Automatisierung in Industriebetrieben der UdSSR u. der DDR«.Zur Entw. der Arbeiterkl. u. ihrer Struktur in der DDR. Berlin 1976 (Hrsg.); Wörterbuch der marxist.-leninist. Soziol. Berlin 1977 (Ltr. des Hrsg.-Koll.); Sozialstruktur der DDR. Berlin 1988 (Hrsg.).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Weigel, Helene

* 12.5.1900 – ✝ 6.5.1971

Geb. in Wien in einer jüd. Fam., Vater Prokurist einer Textilfirma, Mutter Inh. eines Spielwarengeschäfts; 1907 – 15 Volksschule, 1915 – 18 Lyzeum / Gymnasium; künstler. Ausbildung in Wien; 1918 – 33 Engagements an versch. dt. Theatern, u. a. 1919 am Neuen Theater in Frankfurt (Main), 1921 – 30 Staatstheater, 1924/25 am Dt. Theater in Berlin; wirkte an Aufführungen der Gruppe Junger Schauspieler mit (1927 u. 1931 in  Bertolt Brechts »Mann ist Mann«, 1930 in »Die Maßnahme«, 1932 »Die Mutter«); 1929 Ehe mit Bertolt Brecht; 1930 KPD in Berlin; März 1933 nach dem Reichstagsbrand emigriert nach Dänemark, Schweden, Finnland u. USA; 1933 Ausbürgerung; Rollen in UA von Bertolt Brecht »Die Gewehre der Frau Carrar« (1937) u. »Furcht u. Elend des Dritten Reiches« (1938); 1946 Mitgl. der Screen Actors Guild. Rückkehr nach Europa; 1947 Schweiz; 1948 UA der »Antigone« von Bertolt Brecht in Chur, erster Auftritt nach der Emigr. in dt. Sprache; Okt. 1948 Rückkehr nach Berlin; 1949 Intendantin des neugegr. Berliner Ensembles; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1956 SED-Austritt nach dem XX. Parteitag der KPdSU; 1960 Prof.; 1949, 1953 u. 1960 NP; 1964 Mitgl. des Komitees der antifa. Widerstandskämpfer; 1965 VVO; 1970 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. Rollen u. a. in: 1949 »Mutter Courage u. ihre Kinder«, 1951 »Die Mutter«, 1953 »Katzgraben« von  Erwin Strittmatter, 1954 »Der kaukas. Kreidekrs.«, 1955 »Die Ziehtochter«, 1961 »Frau Flinz« von  Helmut Baierl, 1965 Bertolt Brechts »Coriolan«, 1968 »Die Geschichte der Simon Machard«. Sek.-Lit.: Pintzka, W.: Die Schauspielerin H. W. Berlin 1959; H. W. zum 70. Geb. Berlin 1970; Hecht, W.: H. W. Eine große Frau des 20. Jh. Frankfurt (Main) 2000; Kebir, S.: Abstieg in den Ruhm. Eine Biogr. Berlin 2000.Bernd-Rainer Barth

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Weikert, Martin

* 29.7.1914 – ✝ 28.4.1997

Geb. in Spittelgrund (Krs. Reichenberg, Ostböhmen / Dolní Sedlo, Tschechien); Vater Schuhmacher, Mutter Textilverarb.; Volks- u. Gewerbl. Fortbildungsschule; 1929 – 32 Ausbildung u. Arbeit als Zimmermann; KJVC-Sekr. in Grottau-Kratzau; 1933 arbeitslos; illeg. Grenzarbeit; 1934/35 Internat. Lenin-Schule in Moskau; 1935 KPČ; KJVČ-Sekr. für Nord- u. Ostböhmen; 1937/38 Soldat; 1939 Flucht in die UdSSR; Lehre u. Arbeit als Schlosser in Stalingrad, ab 1941 in Kasachstan; 1942 – 44 Speziallehrgang in Ufa u. Moskau; ab Sept. 1944 Funker des Hauptstabs der Partisanen in der Slowakei; 1945/46 Mitarb. des ZK der KPČ in Prag. 1946 Umsiedl. nach Halle; 1946 Personalltr., 1947 Ltr. des Dezernats K 5 (Pol. Polizei); 1949 wieder Personalltr. der Polizei Sachsen-Anh.; 1949 Ltr. der Länderverw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen-Anh. (ab Feb. 1950 Länderverw. für Staatssicherheit); 1952 Gruppenltr. im MfS Berlin; 1.1.1953 Stellv. des Ministers für Staatssicherheit (Juli 1953 bis Nov. 1955 des Staatssekr.); dazw. April – Juni 1955 kommissar. Ltr. der HA I (Abwehr in der KVP); 1956/57 zugl. Ltr. der BV Groß-Berlin; 1.11.1957 Ltr. der BV Erfurt (Nachf. von  Wilhelm Gaida); 1963 – 82 Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1974 VVO; 1976 Gen.-Ltn.; 1982 Rentner; 1984 KMO; 1989 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Erfurt.Thürk, H.: Das Leben eines Kämpfers. M. W. erinnert sich. Leipzig 1988.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Wałęsa, Lech

* 1943

Elektriker, Arbeiterführer, Friedensnobelpreisträger, Staatspräsident; Teilnehmer an den Protesten im *Dezember 1970, ab August 1978 in den *Freien Gewerkschaften der Küste; im August 1980 Anführer des Streiks in der Danziger Lenin-Werft und Unterzeichner der *Danziger Vereinbarung; 1980–90 Vorsitzender der *Solidarność; 1990–95 Staatspräsident der Republik Polen.Lech Wałęsa wurde 1943 in Popowo bei Lipno in der heutigen Woiwodschaft Kujawien-Pommern geboren. Er machte eine Berufsausbildung und arbeitete ab 1961 als Elektromechaniker in der Staatlichen Maschinen-Traktoren-Station in dem ebenfalls unweit von Lipno gelegenen Łochocin. 1967–76 war er Elektriker in der Danziger Lenin-Werft. 1970 war Wałęsa einer der Anführer des Streiks, der am 14. Dezember in der Lenin-Werft ausbrach. Anlass der Arbeitsniederlegung waren von der Regierung angekündete Preiserhöhungen (siehe *Dezember 1970). Am 15. Dezember nahm er an einer Protestdemonstration teil und wurde am 16. Dezember nach Beendigung des Streiks verhaftet. Nachdem er vier Tage festgehalten worden war, ging er nicht näher bekannte Verpflichtungen gegenüber dem Staatssicherheitsdienst ein. In seinen Erinnerungen „Droga nadziei“ (Kraków 1990; Deutsch: „Ein Weg der Hoffnung“) schreibt er dazu: „Die Wahrheit ist, dass ich aus dieser Konfrontation nicht ganz unbefleckt hervorging. – Sie stellten die Bedingung: Unterschreiben! Und dann habe ich unterschrieben.“ Im Januar 1971 nahm er als Delegierter seiner Abteilung an einem Treffen mit dem neuen Ersten Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza; PZPR), Edward Gierek, teil, dem er gemeinsam mit anderen einen Vertrauensvorschuss erteilte.Anfang der 70er Jahre war Wałęsa für den offiziellen Arbeiterausschuss tätig. Als Arbeitsschutzbeauftragter der Gewerkschaft setzte er sich für die Bereitstellung von Arbeitsschutzbekleidung und für andere soziale Belange ein. Als er die Gewerkschaften und die Leitung der Werft kritisierte, wurde er 1976 entlassen. Von 1976 bis 1979 arbeitete er als Elektromechaniker im Reparaturwerk „Zremb“, anschließend bis Februar 1980 in dem Danziger Betrieb „Elektromontaż“. Bereits im März 1978 war Wałęsa den *Freien Gewerkschaften der Küste (Wolne Związki Zawodowe Wybrzeża; WZZ Wybrzeża) beigetreten. Am 9. Juli 1978 verhaftete ihn die Miliz zum ersten Mal, weil er vor Kirchen die unabhängige Zeitschrift *„Robotnik“ (Arbeiter) verteilt hatte. Im Dezember 1980 nahm er an einer Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer der Ereignisse im *Dezember 1970 teil. Daraufhin wurde er zu einer Geldstrafe von 5.000 Złoty verurteilt und verlor erneut seine Arbeit. Im Januar 1979 wurde er Mitglied der Redaktion der Zeitschrift „Robotnik Wybrzeża“ (Arbeiter der Küste) der *Freien Gewerkschaften. Er pflegte eine enge Zusammenarbeit mit den Aktivisten des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR), unter anderen mit Bogdan Borusewicz, Andrzej Gwiazda, Jacek Kuroń und Jan Lityński. Wałęsa verbreitete oppositionelle Schriften und trug zur Gründung von Ortsgruppen der *Freien Gewerkschaften der Küste bei. Im Juli 1979 unterschrieb er – zusammen mit ein paar Dutzend anderen Arbeiteraktivisten aus dem ganzen Land – die Charta der Arbeiterrechte (Karta Praw Robotniczych), eine Art Programm für eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung. Am Jahrestag der Ereignisse im *Dezember 1970 war Wałęsa Hauptredner einer Kundgebung, die am 18. Dezember 1979 vor dem Werktor II der Danziger Werft stattfand. Er gelobte damals, dass genau an diesem Ort schon ein Jahr später ein Denkmal an die 1970 ermordeten Arbeiter erinnern werde. Am 3. Mai 1980 trug er auf einer Demonstration der *Bewegung Junges Polen (Ruch Młodej Polski; RMP) ein Transparent mit der Aufschrift „Freiheit-Gleichheit-Unabhängigkeit“ (Wolność-Równość-Niepodległość). Wiederholt wurde er festgenommen, für 48 Stunden festgehalten und verlor immer wieder seine Arbeit. Als am 14. August auf der Danziger Lenin-Werft ein Streik ausbrach, wurde Wałęsa zu dessen Anführer. Er war zu dieser Zeit kein Werftangehöriger mehr, weshalb eine der Forderungen der Streikenden lautete, ihn wieder einzustellen. Als der Werftdirektor am 16. August alle Forderungen akzeptiert und auch der Arbeit freier Gewerkschaften zugestimmt hatte, brach Wałęsa den Streik ab. Angesichts der Ausweitung der Streikbewegung auf andere Betriebe änderte er jedoch nach Zureden von Bogdan Borusewicz, Alina Pieńkowska und Anna Walentynowicz seine Entscheidung und verkündete die Fortsetzung des Streiks als sogenannter Solidaritätsstreik. In der Nacht vom 16. zum 17. August formierte sich in der Werft das Überbetriebliche Streikkomitee (Międzyzakładowy Komitet Strajkowy; MKS) mit Lech Wałęsa an der Spitze. Formuliert wurde eine Liste mit 21 gemeinsamen Forderungen; an erster Stelle wurden von Partei und Arbeitgebern unabhängige Gewerkschaften verlangt.Während der Auguststreiks wurde Wałęsa zum unangefochtenen Streik- und Arbeiterführer. Er war es, der die wichtigsten Entscheidungen traf. So setzte er einen Expertenausschuss ein, dessen Vorsitz Tadeusz Mazowiecki hatte, er führte Gespräche mit der Regierungsseite. Es waren seine improvisierten Reden vom Werfttor Nr. II, die die Werftarbeiter ermutigten und dem Protest eine gesamtpolnische Dimension verliehen. Am 31. August unterzeichneten er und Vizepremier Mieczysław Jagielski die *Danziger Vereinbarung, in der die Staatsführung ihre Zustimmung zur Entstehung unabhängiger Gewerkschaften gab. Am 17. September gründeten die Vertreter der Überbetrieblichen Gründungskomitees aus dem ganzen Land die neue Gewerkschaft *Solidarność (Solidarität), Wałęsa wurde Vorsitzender von deren Landeskoordinierungsausschuss (Krajowa Komisja Porozumiewawcza; KKP). Den ganzen Herbst über war Wałęsa viel im Land unterwegs. Als charismatischer Arbeiterführer, der die Massen zu begeistern verstand, erlangte er schnell große Popularität. In weiteren Gesprächen mit der Staatsmacht bestätigte er seinen Führungsanspruch. Die Strategie für die von ihm geführten Verhandlungen waren Flexibilität und Pragmatismus gepaart mit Treue zu den wichtigsten Zielen der Bewegung. 1981 reiste er mehrfach ins Ausland; er war im Vatikan, wo er mit einer ganzen *Solidarność-Delegation von Papst Johannes Paul II. empfangen wurde, in Japan und Frankreich. Zu seinen wichtigsten Aktivitäten gehörte neben Gesprächen und Verhandlungen mit der Regierung die Schlichtung lokaler Streiks. Dabei musste er immer wieder versuchen, die heftig vorgetragenen Forderungen in den Rahmen einer sich selbst beschränkenden Revolution einzupassen.Entgegen den Propaganda-Attacken der Staatsführung war Wałęsa kein Radikaler. In seiner gemäßigten Einstellung wurde er von seinen engsten politischen Mitstreitern bestärkt: von Tadeusz Mazowiecki, Bronisław Geremek, Wiesław Chrzanowski, Władysław Siła-Nowicki und auch von Primas Stefan Wyszyński, der Umsichtigkeit und Mäßigung anmahnte. Wałęsa war zugleich ein sehr religiöser Mensch. Er besuchte jeden Tag die heilige Messe und demonstrierte seinen Glauben in aller Öffentlichkeit durch das Tragen eines Bildes der Schwarzen Madonna von Tschenstochau am Revers. In den Tagen der sogenannten Bromberger Krise, die im März 1981 durch das gewalttätige Vorgehen der Miliz gegen *Solidarność-Aktivisten ausgelöst worden war, stellte er sich gegen andere *Solidarność-Führer, als er einen Kompromiss mit der Staatsführung aushandeln und so einen Generalstreik abwenden konnte. Am 2. Oktober 1981 wurde er auf dem Ersten Landeskongress der Gewerkschaft trotz Gegenwinds vonseiten radikaler Aktivisten zum Vorsitzenden der *Solidarność gewählt. Am 4. November 1981 traf er sich mit dem Ersten ZK-Sekretär Wojciech Jaruzelski und dem neuen polnischen Primas Józef Glemp, in der Absicht, einen Kompromiss auszuhandeln. Die Begegnung verlief ergebnislos, da die kommunistische Führung bereits dazu entschlossen war, in Polen das *Kriegsrecht auszurufen. Kurz bevor dies geschah, attackierte Wałęsa die Kommunisten in den ersten Dezembertagen 1981 heftig und machte sie für die Konfrontation verantwortlich. In der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1981 wurde Wałęsa interniert. Man brachte ihn zunächst in ein Gästehaus der Regierung in Chylice unweit von Warschau, anschließend nach Otwock. Ihm stand ein Radio zur Verfügung, Frau und Kinder durften ihn besuchen. Die Machthaber hofften auf seine Mitwirkung bei der Etablierung einer neuen, staatlich kontrollierten *Solidarność. Wałęsa wies dieses Ansinnen zurück, er war nicht gewillt, zu diesen Bedingungen mit den Herrschenden zu kooperieren, obwohl er weiterhin einen Kompromiss nicht ablehnte. Im Mai 1982 verlegte man ihn nach Arłamów im Bieszczady-Gebirge im äußersten Südosten Polens. Im August informierte man ihn über die Pläne, die Gewerkschaft *Solidarność zu verbieten und bot ihm einen hohen staatlichen Posten an. Wałęsa wies auch diesen Vorschlag zurück. Zugleich war er weit davon entfernt, radikale Forderungen zu unterstützen. So reagierte er zurückhaltend auf den Aufruf der nun im Untergrund agierenden *Solidarność zu Streiks, Kundgebungen und Demonstrationen. „Ich hatte die Befürchtung, diese weiteren Proteste würden zu nichts außer zu Verhaftungen einer immer größeren Anzahl von Aktivisten führen. Dadurch wäre die Gefahr eines sinkenden Einflusses der *Solidarność auf die Gesellschaft entstanden“, schrieb er in seinen Erinnerungen. Das Regime wollte die Popularität und das Ansehen Wałęsas mit allen Mitteln zerstören, und verbreitete zu diesem Zweck fingierte Anschuldigungen, die nicht nur politischer, sondern auch krimineller und sittlicher Art waren. Mithilfe gefälschter Akten und Dokumente versuchte man ihn als Zuträger der Staatssicherheit zu diskreditieren. Diese Aktivitäten erzielten eine gewisse Wirkung und verhinderten beispielsweise 1982 die Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn. Am 14. November 1982 wurde Wałęsa aus der Internierungshaft entlassen. Die Polnische Presseagentur PAP meldete, der Vorsitzende der ehemaligen *Solidarność sei jetzt „Privatperson“. Einerseits hatte Wałęsa nicht vor, auf sein öffentliches Wirken zu verzichten und von den Zielen der *Solidarność abzurücken, andererseits wollte er aber auch weder in den Untergrund gehen noch die offene Konfrontation mit der Regierung suchen. In den folgenden Jahren balancierte er – wie er es ausdrückte – „auf dem schmalen Grat zwischen gesellschaftlicher Isolation und Untätigkeit und dem Gefängnis“. Er reiste durchs Land, traf sich in Kirchen mit *Solidarność-Aktivisten, leistete Unterstützung bei politischen Prozessen und erteilte ausländischen Medien Interviews. Die Machthaber versuchten, seine Aktivitäten so weit wie möglich zu stören, ließen ihn schikanieren und rund um die Uhr bespitzeln, aber sie konnten sich nicht dazu entschließen, ihn erneut zu inhaftieren.Im April 1983 traf sich Wałęsa mit dem im Untergrund agierenden *Provisorischen Koordinierungsausschuss (Tymczasowa Komisja Koordynacyjna; TKK) der *Solidarność, was wichtig für die Einheit der Gewerkschaft war. Ab Anfang Mai 1983 nahm er seine Arbeit in der Danziger Werft wieder auf. Im August fand in der Werft eine vom Fernsehen übertragene Diskussion von Vizepremier Mieczysław Rakowski mit Werftarbeitern statt, unter denen sich auch Wałęsa befand. Im Gegensatz zum hektisch agierenden Vizepremier punktete Wałęsa mit seiner besonnenen und versöhnlichen Haltung.Am 5. Oktober 1983 wurde Lech Wałęsa für seinen Beitrag zur Verteidigung der Arbeiterrechte und zur Gründung unabhängiger Gewerkschaftsorganisationen mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Wałęsa erklärte, der eigentliche Preisträger sei das polnische Volk. Der Preis wurde in Oslo von seiner Frau Danuta entgegengenommen, die seine Nobelpreisrede verließ. In dieser stellte Wałęsa fest: „Trotz allem, was in meinem Land seit zwei Jahren geschieht, bin ich weiterhin der Auffassung, dass wir auf Verständigung angewiesen sind, dass die schwierigen Probleme der Lage in Polen nur auf dem Wege eines wirklichen Dialogs zwischen den Herrschenden und der Gesellschaft gelöst werden können.“ Auf seiner Suche nach Verständigungsmöglichkeiten mit den Machthabern setzte Wałęsa im September 1986 nach der Amnestie für politische Gefangene auch den öffentlich agierenden Provisorischen Rat (Tymczasowa Rada) der *Solidarność ein. Bereits im Oktober führte er auch wieder Gespräche mit den im Untergrund abgetauchten *Solidarność-Führern. Im Januar 1987 traf sich Wałęsa in Danzig mit dem US-amerikanischen Vize-Außenminister John Whitehead und im September kam es in Warschau zu einer Begegnung mit US-Vizepräsident George Bush. Am 31. Mai 1987, unmittelbar vor dem Besuch von Papst Johannes Paul II. in Polen, versammelten sich in Warschau auf Einladung Lech Wałęsas 63 Persönlichkeiten, die eine Erklärung zu den Grundsätzen der polnischen Opposition verabschiedeten: Unabhängigkeit, Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit sowie freie Wirtschaftstätigkeit. Johannes Paul II. unterstützte während seines Polenbesuchs die Opposition, er ermunterte dazu, das „große Erbe der polnischen Solidarność“ zu verwirklichen, und er empfing den Vorsitzenden der Gewerkschaft zu einer speziellen Audienz. Am 25. Oktober 1987 übernahm Wałęsa den Vorsitz des *Landesexekutivausschusses (Krajowa Komisja Wykonawcza; KKW) der *Solidarność, der an die Stelle des *Provisorischen Koordinierungsausschusses und des Provisorischen Rates getreten war. Die Zeit der konspirativen Führung der Gewerkschaft im Untergrund war damit beendet. Im Mai 1988 schloss er sich einem Streik in der Danziger Werft an, der jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte. Er wurde am 10. Mai mit einem von Wałęsa und Tadeusz Mazowiecki geführten Demonstrationszug beendet. Erst der nächste Streik, zu dem der Gewerkschaftsvorsitzende Wałęsa für den 22. August 1988 aufgerufen hatte, führte dazu, dass wieder Gespräche zwischen Regierung und Opposition stattfanden. Am 31. August 1988 traf sich Wałęsa mit Innenminister General Czesław Kiszczak, dem er das Angebot unterbreitete, dass unter der Bedingung der Wiederzulassung der *Solidarność bestimmte Reformvorhaben der Regierung von der Opposition unterstützt werden könnten. Nach zwei weiteren Treffen zwischen General Kiszczak und Wałęsa wurde vereinbart, Gespräche an einem *Runden Tisch vorzubereiten, in denen Staatsreformen, die Modernisierung der Wirtschaft und ein Modell für die Gewerkschaftsbewegung erörtert werden sollten. Die Staats- und Parteiführung wollte sich jedoch nicht auf die Wiederzulassung der *Solidarność einlassen und versuchte mit der Schließung der Danziger Werft, die Gewerkschaft und ihren Vorsitzenden an den Rand zu drängen. Den Durchbruch brachte eine öffentliche Fernsehdebatte am 30. November 1988 zwischen Lech Wałęsa und dem Vorsitzenden des offiziellen Gewerkschaftsverbandes, Alfred Miodowicz, der zugleich Mitglied des Politbüros war. Dieses TV-Duell wurde für Wałęsa zum glänzenden Triumph. Im staatlichen Fernsehen präsentierte er sich einem Millionenpublikum als umsichtiger und zugleich entschlossener Gewerkschaftsführer. Allen staatlichen Widerständen zum Trotz stieg Wałęsas Popularität weiter, wovon nicht zuletzt auch seine internationalen Kontakte zeugten. Noch im November 1988 besuchte ihn die britische Premierministerin Margaret Thatcher. Im Dezember wurde er in Paris von Frankreichs Staatspräsident François Mitterand empfangen. Am 18. Dezember 1988 formierte sich in Warschau das *Bürgerkomitee beim Vorsitzenden der *Solidarność (Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“) als Vertretung verschiedener Oppositionskreise, die Wałęsa als Autorität und seine auf einen Kompromiss zielende Politik anerkannten. Zu den Komiteemitgliedern zählten viele herausragende polnische Intellektuelle und Wissenschaftler. Sie bildeten ein Expertenteam für die Verhandlungen mit den Kommunisten, und zwar nicht nur in Bezug auf die Wiederzulassung der *Solidarność, sondern auch in Bezug auf staatliche und wirtschaftliche Reformen. Die Gespräche am *Runden Tisch begannen am 6. Februar 1989 in Magdalenka bei Warschau. Zur Eröffnung sagte Wałęsa: „Die Zeit des Monopols […] geht ihrem Ende zu. Wir brauchen einen Umbauprozess, der aus dem Staat einer Partei einen Staat des Volkes und der Gesellschaft macht.“ Während der zwei Verhandlungsmonate war er nicht ununterbrochen dabei, sondern reiste quer durch Polen, um Streiks zu schlichten und Überzeugungsarbeit für einen Kompromiss mit den Kommunisten zu leisten. Die Verhandlungen in Magdalenka mied er und nahm lediglich an den wichtigsten, vertraulichen Zusammenkünften teil. An allen entscheidenden Beschlüssen war Wałęsa jedoch beteiligt. Am *Runden Tisch erklärte sich die Opposition zur Teilnahme an „halbfreien“ Parlamentswahlen mit zuvor festgelegtem Mandatsschlüssel bereit: Die *Solidarność durfte nur für ein Drittel der Sejm-Sitze Kandidaten aufstellen, der Rest war der PZPR und den mit ihr verbündeten Blockparteien vorbehalten; die Wahlen zur zweiten Parlamentskammer, dem Senat, waren hingegen völlig frei. Die Opposition erklärte sich zudem bereit, an einem allmählichen Systemwandel mitzuwirken. Im Gegenzug versprach die Regierung die Wiederzulassung der *Solidarność. Wałęsa sprach sich für eine „einheitliche Kandidatenliste“ aus, für jedes Mandat sollte genau ein zentral ausgewählter Kandidat aufgestellt werden. Er selbst wollte jedoch nicht für das Parlament kandidieren. In dieser Zeit reiste Wałęsa nach Rom, wo ihm Papst Johannes Paul II. eine Privataudienz gewährte. Auch der italienische Staatspräsident, der Premierminister und führende Politiker Italiens empfingen den *Solidarność-Vorsitzenden. Am 10. Mai wurde Wałęsa in Straßburg mit dem Europäischen Menschenrechtspreis des Europarates geehrt. Nach dem Wahltriumph der *Solidarność am 4. Juni 1989 war er ein Befürworter der Idee, das Präsidentenamt mit einem Kommunisten zu besetzen, wenn die *Solidarność den Regierungschef stellen könne („Euer Präsident, unser Premierminister“). Am 17. August 1989 ging die Opposition eine Koalition mit den früheren Blockparteien Vereinigte Bauernpartei (Zjednoczone Stronnictwo Ludowe; ZSL) und Demokratische Partei (Stronnictwo Demokratyczne; SD) ein, was den Weg zur Wahl von Tadeusz Mazowiecki zum Premierminister und damit zur Machtübernahme durch die Opposition ebnete. Am 9. Dezember 1990 gewann Wałęsa die Präsidentschaftswahlen und war bis 1995 Staatspräsident der Republik Polen. Den Kampf um die Wiederwahl verlor er 1995 gegen den postkommunistischen Präsidentschaftskandidaten Aleksander Kwaśniewski. Auch Wałęsas Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2000 blieb erfolglos. 1995 gründete die Stiftung „Lech-Wałęsa-Institut“ (Instytut Lecha Wałęsy). Im Herbst 2004 unterstützte er die Orangene Revolution und trug so zur Lösung der politischen Krise in der Ukraine bei. Bis in die Jetztzeit dauern in Polen die öffentlichen Kontroversen um eine Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit an. Immer wieder tauchen vermeintliche Beweisstücke auf, deren Echtheit jedoch bislang nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Wałęsa lebt bis heute als Alterspräsident in Danzig und ist ein gefragter Redner im In- und Ausland.Jan Skórzyński Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 07/16

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weber, Jakob

* 5.1.1892 – ✝ 7.3.1979

Geboren am 5. Januar 1892 in Köln-Mülheim, Sohn eines Seilermeisters. Schlosser, 1914/15 Soldat im Weltkrieg, wurde schwer verwundet. 1915 trat er in die SPD, 1917 in die USPD ein. Inzwischen nach Berlin übergesiedelt, während der Revolution Mitglied des Arbeiterrates, war er Ende 1918 Gast auf dem Gründungsparteitag der KPD und beteiligte sich an den Januarkämpfen. Weber wurde später Leiter der Arbeiterkorrespondenten-Bewegung der »Roten Fahne«, war in der BL Berlin-Brandenburg und gehörte dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller an. Im März 1933 zeitweilig in »Schutzhaft«, im Oktober 1935 erneut festgenommen und im Mai 1936 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Danach bis 1945 Sachbearbeiter bzw. Lohnbuchhalter. 1945/46 Bürgermeister der Gemeinde Rahnsdorf bei Berlin. Im Dezember 1946 wegen angeblichen Amtsmißbrauchs und Korruption aus der SED ausgeschlossen, aber 1947 in eine Rüge wegen »fahrlässiger Handhabung der Amtsgeschäfte und Verletzung der Parteidisziplin« umgewandelt. Weber lebte als freischaffender Schriftsteller in Wilhelmshagen, veröffentlichte u. a. seinen dokumentarischen Erlebnisbericht »Trotz alledem« (1960). In dem Buch »Der Unbeugsame« porträtierte er Otto Franke. Mitglied der ZRK des Schriftstellerverbandes der DDR, er erhielt 1972 den VVO in Gold. Jakob Weber starb am 7. März 1979.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weber, Otto

* 17.2.1889 – ✝ 7.12.1972

Geboren am 17. Februar 1889 in Rathenow, Sohn einer Arbeiterfamilie. Der gelernte Optiker arbeitete nach seiner Lehre bis 1914 in Berlin, anschließend für einige Zeit in Paris. Bei Kriegsausbruch interniert, wegen Krankheit in die Schweiz abgeschoben, kam er im Oktober 1917 im Rahmen eines Austausches nach Deutschland. Seit 1907 Mitglied der SPD, er schloß sich dem Spartakusbund an und gehörte im November 1918 zum Arbeiter- und Soldatenrat von Rathenow. Dort gemeinsam mit Karl Gehrmann Gründer und Leiter der KPD. Auf der Parteikonferenz in Frankfurt/M. 1919 vertrat er diese Gruppe. 1924 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, ab 1925 Mitglied des Brandenburgischen Provinziallandtages. Wie fast die gesamte Ortsgruppe Rathenow gehörte er nach dem »Offenen Brief« 1925 der linken Opposition an. Weber unterschrieb den »Brief der 700« und leitete nach dem Überschwenken Gehrmanns zur ZK-Mehrheit die linke Opposition in Rathenow und Brandenburg. Nach dem Tode Hans Bohlas kam Otto Weber im Januar 1928 als Abgeordneter in den Reichstag. Da er dem Ersuchen des ZK, sein Mandat niederzulegen, nicht folgte, wurde er am 3. Februar 1928 aus der KPD ausgeschlossen. Im Reichstag war er in der Gruppe der linken Kommunisten, im April 1928 einer der Mitbegründer des Leninbundes. Er leitete in den folgenden Jahren die starke Gruppe dieses Bundes in Rathenow. 1928 wegen Landfriedensbruchs zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die er aber wegen einer Amnestie nicht verbüßen mußte. Ende Februar 1933 kam er für zehn Tage in »Schutzhaft«, wurde am 17. April 1934 in Rathenow verhaftet und im August vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Danach bis 1945 in den Rathenower Optischen Werken beschäftigt, wo er französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter unterstützte. Am 10. Mai 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht zum Stadtrat und Leiter des Dezernats für Volksbildung ernannt, gleichzeitig Vorsitzender des Antifa-Ausschusses und nach Zulassung der Parteien Polleiter der KPD in Rathenow, im April 1946 Mitvorsitzender der SED. Er arbeitete unter dem populären Rathenower Oberbürgermeister Paul Szillat. Weber geriet schon früh in das Visier des Landesparteischiedsgerichts der SED Brandenburg. Da er sich zur Politik des Leninbundes von vor 1933 bekannte, wurde er am 30. Oktober 1948 »wegen starker sektiererischer Tendenzen« aus der SED ausgeschlossen. In der Begründung hieß es u. a.: »Eine Reihe von Äußerungen zeigen klar, daß er mit der Linie der Partei nicht einverstanden ist, vielmehr versucht er immer zu ?beweisen?, daß die Politik des Leninbundes vor 1933 die richtige war und zeigt somit seine Verbundenheit mit seiner alten arbeiterfeindlichen Einstellung der damaligen Zeit ... Weber unterstützt auch die Stimmung innerhalb der Partei, daß man nicht offen sprechen darf, jeder hat Angst (!) etwas zu sagen. In diesem Zusammenhang werden dann noch einige Genossen verleumdet und als Spitzel bezeichnet... Der Genosse Weber hat somit durch seine ganze Handlungsweise gezeigt, daß er nicht gewillt ist, mit der Partei zu marschieren, sondern gegen sie. Weber ist konsequent den Weg gegangen, den er als der frühere Trotzkist gehen mußte – ins opportunistische, sowjetfeindliche Lager. Weber ist damit zum Parteischädling geworden.« Sein Einspruch gegen den Parteiausschluß wurde von der ZPKK trotz einer positiven Stellungnahme seines Mitgenossen Karl Gehrmann abgelehnt. 1965 erhielt er die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus«. Otto Weber starb am 7. Dezember 1972 in Rathenow.

Wer war wer in DDR

Weber, Lothar

* 29.4.1926 – ✝ 5.4.1991

Geb. in Hockenheim (Krs. Schwetzingen, Baden); Vater Maler; 1932 – 40 Volksschule; 1940 – 43 landw. Lehre u. Besuch der Landwirtschaftssschule; 1943 / 44 Bürogehilfe; 1944 / 45 Wehrmacht. 1945 – 47 landw. Gehilfe; 1946 SED; 1947 / 48 Ass. auf einem Schulgut; 1948 Angest. im thür. Min. für Land- u. Forstw.; 1948 / 49 Instrukteur des VdgB-KV Greiz; 1949 Referent des VdgB-LV Thür. in Weimar; 1949 – 51 1. Sekr. des VdgB-KV Greiz; 1950 Besuch der Bauern-HS; 1951 / 52 Sekr. der SED-KL Greiz; 1952 – 54 1. Sekr. der SED-KL Zeulenroda; 1954 / 55 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1955 Instrukteur des ZK der SED; 1956 – 58 Mitarb. des SED-Politbüromitglieds  Fred Oelßner; 1958 – 60 1. Sekr. der SED-KL Lobenstein; 1960 – 66 1. Sekr. der SED-KL Jena-Stadt, Mitgl. der SED-BL Gera; 1966 – 68 Studium an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtsch.; 1969 – 77 1. Sekr. der SED-KL Zwickau-Stadt; 1977 – 89 2. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1979 VVO.Mario Niemann

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Wecker, Andreas

* 2.1.1970

Geb. in Staßfurt; begann 1977 als Turner bei der SG Dynamo Magdeburg; 1979 KJS Berlin; Lehre als Kraftfahrzeugelektromechaniker; SC Dynamo Berlin, 1990 1. PSC Berlin, TK Hannover, 1991 SC Berlin (Trainer: Lutz Landgraf, Rainer Hanschke, Siegfried Wüstemann); 1983 Spartakiadesieger Mehrkampf u. Ringe, 3. Platz Reck u. Pferd; 1986 DDR-Vizemstr. Boden u. Ringe bei den Junioren; 1988 Junioren-EM Reck, DDR-Vizemstr. Reck, 3. Platz Barren; 1988 Olympiasilber mit der Mannschaft; 1992 Olympiasilber Reck, Bronze Seitpferd u. Ringe; 1996 Olympiasieger am Reck; WM: 1989 Silber Mannschaft, Pferd u. Ringe, Bronze Barren, 1991 Silber Ringe, 1993 Silber Seitpferd u. Ringe, Bronze Mehrkampf, 1995 WM am Reck; 1989 u. 1992 EM am Reck; Vize-EM 1989 Seitpferd u. Barren, 1994 Ringe, 1994 EM Bronze Mannschaft; Dt. Mstr. 1991 Mehrkampf, Boden, Barren u. Reck, 1992 Mehrkampf u. Ringe, 1994 Ringe u. Barren, 1995 Reck, 1996 Seitpferd u. Reck, 1999 Mehrkampf; 1991 – 93 Banklehre; 1993 – 2000 Sportförderkompanie der Bundeswehr (Stabsuffz.); danach künstler. Showturner (Exhibition gymnast); 1988 VVO, 1989 DDR-Sportler des Jahres, 1992 Silbernes Lorbeerblatt; geschäftl. Mißerfolg mit Wellness-Center in Wandlitz; Hinwendung zur amerik. fundamentalistischen Freien Nazareth-Kirche in Berlin-Wedding u. Berufung zum »Wunderheiler«; lebt in Wandlitz (b. Berlin).Volker Kluge

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Wegewitz, Olaf

* 2.10.1949

Geb. in Schönebeck; Vater Gartenarchitekt, Mutter Gartengestalterin; 1966 – 71 Lehre u. Tätigkeit als Traktorenschlosser; 1971 – 75 Plakatkleber in Leipzig; 1974 / 75 Materialstudien bei Hans Schulze, Bekanntschaft mit dem Maler  Frieder Heinze; seit 1975 freiberufl. Maler u. Grafiker; seit 1978 Malerbücher; Verbot zweier Ausstellungen mit  H.-H. Grimmling 1981 in Halle, 1982 in Merseburg; seit 1983 Papierherstellung aus Pflanzenfasern, Aufbau einer Werkstatt u. Ausbau eines Bauernhofes; 1984 Mitinitiator des »1. Leipziger Herbstsalons«, einer außerhalb des VBK organisierten Ausstellung; 1983 – 86 Arbeit am Kunstbuchprojekt »unaulutu« (dt. Steinchen im Sand) mit F. Heinze; 1985 Vernichtung einer großen Gemeinschaftsarbeit mit F. Heinze (Flugobjekt) im Leipziger »Haus Auensee« durch die Auftraggeber; 1987 / 88 Mitbegr. des Kunstvereins Röderhof, der bis heute für die Gegenwartskunst aktiv ist; 1989 Beteiligung an der Biennale in São Paulo mit F. Heinze (»Ararat«). Seit Anfang der 1990er Jahre Studien zur Natursoziol., des Verhältnisses zw. Natur u. menschl. Kultur; Beginn der Arbeit »Skulptur Gewächshaus«, Zeichnungen zu Ablagerungen im Posidonienschiefer (zus. mit Johanna Bartl u. Wieland Krause); Arbeiten zur Bewegung in der Natur; 2000 Kunstpreis des Landes Sachsen-Anh.; 2001 Beginn der Arbeit am »Herbarium« (Zeichnungen zum Naturleben); zahlr. Ausstellungen u. a. 2005 / 06 »Klopstockquelle – Ein Spaziergang« im Gleimhaus Halberstadt; lebt in Huy-Neinstedt (b. Halberstadt). Arbeiten im öffentl. Raum: u. a. »Streuobstwiese-Symbiose« im Westhuy (seit 1990); Wandarbeit »Calcium« in der Halle des Kurhauses in Bad Suderode (1996); Altarbilder in der Johanniskirche in Halberstadt (1997); »Stein, Pflanze, Tier, Mensch, Land«, Fußbodenarbeit in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt in Berlin (2003); »Respektiertes Areal« auf der Halde Beerwalde bei Ronneburg (Begleitprojekt der BUGA, 2006 / 07); »Skulptur Gewächshaus« (zus. mit Johanna Bartl u. Wieland Krause) in Magdeburg, Skulpturenpark des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen (2005); »Denk Ort, und der Lebende nehme sich das zu Herzen«, Raumskulptur am Ort der zerstörten Halberstädter Synagoge (2006 – 08).u. a. Kat. Galerie St. Florian Halberstadt 1982; Kat. »Ulfilas«. Galerie Oben, Karl-Marx-Stadt 1987; Kat. 20. Biennale. São Paulo 1989; Kat. »Herbstzeitlose«. Lindenau-Museum Altenburg u. Schloss Philippsruhe Hanau 1990. Hüneke, A.: Vom Paradies u. dem Weg dorthin. In: Kat. Frieder Heinze / O. W. Dresden 1989.Doris Liebermann

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Wegner, Karl-Heinz Alfred Otto Ernst

* 16.1.1915 – ✝ 13.7.2009

Geb. in Jüterbog; Vater Polizeibeamter; Volks- u. Oberrealschule; 1928 – 32 Mitgl. der »Deutschen Freischar«; 1932 / 33 KJVD; 1934 landw. Lehre; 1934 / 35 RAD; 1935 – 38 Verwaltungslehre in der Stadtverw. Berlin-Steglitz, anschl. Stadtinspektor; 1938 – 44 Wehrmacht; 1944 – 47 brit. Kriegsgef. 1947 Reporter bei der KB-Ztg. »Sonntag« in Berlin; 1947 – 51 SED, 1951 »gestrichen«; 1947 – 55 Red. bei der Ztg. »Tägliche Rundschau«, Abt.-Ltr. u. Mitgl. des Red.-Kolleg.; 1948 – 50 Sekr. der SED-BPO bei der »Täglichen Rundschau«; 1955 Neuaufnahme in die SED; 1955 – 57 stellv. Chefred., 1957 – 67 Chefred. der Auslandsillustrierten »Freie Welt«; 1967 – 77 Chefred. u. stellv. Ltr. der DEFA-Gruppe 67 in Potsdam-Babelsberg; arbeitete ab 1977 bei der Staatlichen Filmdokumentation am Staatlichen Filmarchiv der DDR; Rentner; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Wehrli, Hans

* 29.6.1902 – ✝ 17.1.1978

Geb. in Winterthur (Schweiz); Vater Lehrer; 1909 – 21 Kantonschule, Reifeprüfung; danach Studium der Geol. in Zürich, Göttingen, Würzburg, Wien u. Leipzig; 1928 wiss. Assistent am Mineralog.-geolog. Inst. der Univ. Köln; 1929 Prom. in Leipzig; 1929 Erlangung der dt. Staatsbürgerschaft; 1930 Habil. am Mineralog.-geolog. Inst. der Univ. Köln, anschl. dort bis 1937 Privatdoz.; 1933 NSDAP u. SA; 1937 – 46 Kustos u. außerplanm. Prof. für Geolog. u. Paläontol. an der Univ. Münster. 1946 – 51 im Zuge der Entnazifizierung entlassen u. bis 1951 arbeitslos; 1951 Wiedereinstellung als Kustos an der Univ. Münster ohne Zulassung zur Lehre; 1954 Übersiedl. in die DDR u. Berufung als Prof. an die EMAU Greifswald, 1955 – 57 Vors. der Gewerkschaft Wiss. an der EMAU, 1956 Ernennung zum Dir. des Geolog.-Paläontolog. Inst., 1957 Lehrstuhl für Paläontol.; ab 1961 Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Wiss.; 1959 VVO; 1959 – 65 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von  Heinrich Borriss); zeitw. 1. Vors. der Geolog. Ges. in der DDR; 1967 em.; Mithrsg. der Ztschr. für Paläontol.Paläontol. heute. Greifswalder Universitätsreden NF (1959) 10.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Weidauer, Herbert

* 28.6.1909 – ✝ 3.3.1975

Geb. in Wilkau (Krs. Zwickau); Vater Bergarb.; Volksschule; 1923 – 27 Ausbildung u. Arbeit als Maurer; 1927 – 39 Ein- u. Verkäufer in einer Fischwarenhandlung; 1928 KPD; 1939 – 45 Soldat in der Wehrmacht; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 Oberbotenmstr.; 1949 Ltr. der Abt. Org. beim Rat der Stadt Zwickau; 1951 Einstellung beim MfS, stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle Zwickau; 1952 der Krs.-Dienststelle Leipzig; dann stellv. Operativ des Ltr. der BV Leipzig; 1953 Versetzung zur BV Rostock, Abt. VI (Abwehr MdI/DVP); 1954 Abt.-Ltr., dann stellv. Operativ des Ltr. der BV Rostock; 1955 stellv. Ltr., 1957 Ltr. der HA III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1960 Oberst; 1963 Ltr. der Abt. F (Funk); 1969 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Weidling, O. F. (Otto Franz)

* 2.8.1924 – ✝ 6.1.1985

Geb. in Piesau; Jurastudium wegen Einberufung zur Wehrmacht abgebrochen; Kriegsgefangenschaft; dort erste Auftritte in Kulturprogrammen. NDPD; ab 1955 Berufsausweis als Conférencier, Auftritte in Bühnenprogrammen, Varietés, Rundfunk u. Fernsehen (»Kessel Buntes«), eigene Sendereihe im DFF »Treff mit O. F.«; Mitgl. des NR der NF; Vors. der Sekt. Wortkunst beim Komitee für Unterhaltungskunst u. Präsidiumsmitgl. des Komitees; 1981 NP; populär durch seine Conférencen mit Bezügen auf aktuelle Alltagsprobleme; nach Auftritt in der Eröffnungsveranstaltung des neuen Friedrichstadtpalastes am 27.4.1984 wegen seiner Conférence Auftrittsverbot in den Medien u. z. T. auch in Veranstaltungen; gest. in Dresden.Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Weihmann, Manfred

* 16.4.1938 – ✝ 24.3.2006

Geb. in Halle, Vater Schriftsetzer, Mutter Schneiderin; Volksschule; 1952 – 56 Ausbildung, dann Arbeit als Hauer; 1954 SED; 1956 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Halle-Saalkrs.; dann Zweijahreslehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; 1958 Krs.-Dienststelle Bitterfeld; 1961 Krs.-Dienststelle Merseburg; 1966 Versetzung zur Abt. XVIII (Volkswirtschaft) der BV Halle; 1966 – 72 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1969 stellv. Ltr. der BV Halle; 1971 persönl. Beauftragter des Ltr. der Verw. Rückwärt. Dienste (VRD) des MfS Berlin; 1974 stellv. Ltr. der Abt.; 1989 Ltr. der VRD; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Weiland, Alfred

* 7.8.1906 – ✝ 18.9.1978

Geb. in Berlin-Neukölln; Vater Zimmerer; 1912 – 20 Volksschule in Berlin; 1920 – 24 Ausb. zum Schlosser bei der Fa. Sydow in Berlin, anschl. Geselle u. Gelegenheitsarbeiten; Mitgl. der Bünd. Jugend, Kontakte zur KPD; Juli – Dez. 1925 NSDAP; 1925 – 31 Telegraphenarbeiter beim Telegraphenbauamt Berlin; Mitgl. der KAPD u. Führungsfunktionär in der rätekommunist. Allg. Arbeiter-Union (AAU), ab Ende der 1920er Jahre internat. Verbindungsmann der AAU, journalist. Arbeit für die rätekommunist. Presse; 1929 Org.-Sekr. u. Mitgl. des Geschäftsf. Hauptaussch. der KAPD; 1931 Entlassung aus dem Telegraphenbauamt wg. Streikagitation; anschl. Technikerausbildung; ab Jan. 1933 illeg. polit. Arbeit; Frühjahr 1933 in die ČSR, Herbst 1933 Rückkehr nach Dtl.; Nov. 1933 verhaftet, KZ Hohenstein, Juni 1934 Entlassung; weiter illeg. tätig, führender Kopf der Kommunist. Arbeiter-Union (KAU, Bündnis versch. rätekommunist. Gruppen); in den 1940er Jahren Kontakte zu Widerstandskreisen um Carl Goerdeler u. Julius Leber, auf Betriebsebene Kontakte zur Gruppe um Anton Saefkow; entging durch Meldung zur Wehrmacht den Verhaftungsaktionen 1944. Mai 1945 in Berlin-Schöneberg; Reorganisation der versprengten rätekommunist. Gruppen, Aufbau der illeg. »Gruppe Internat. Sozialisten« (GIS) in der SBZ, zugl. Eintritt in die KPD / SED; ab 1948 Aufbau der halblegalen Org. »Sozialwiss. Vereinigung« (SWV) in West-Berlin; die GIS bzw. SWV standen seit 1945 unter Beobachtung des sowj. Geheimdienstes u. des SED-Abwehrapparates; 11. Nov. 1950 vom sowj. Geheimdienst aus West-Berlin entführt, Haft im sowj. MGB-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen u. ab März 1951 im MGB-Gefängnis in Berlin-Karlshorst, Dez. 1951 Übergabe an das MfS, Haft in der MfS-U-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen; trotz Widerrufs unter Folter erpreßter »Geständnisse über Spionagetätigkeit« in einem Geheimprozeß vom Landesgericht Greifswald im Aug. 1952 zus. mit anderen GIS-Aktivisten wg. »Boykott- u. Kriegshetze« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Bützow-Dreibergen (Mecklenb.), Anführer eines Hungerstreiks der Häftlinge, deshalb ab Ende 1955 im Zuchthaus Brandenburg-Görden; Nov. 1958 nach West-Berlin entlassen; SPD; weiter aktiv in versch. Org.; bis in die 1970er Jahre Zersetzungsmaßnahmen des MfS ausgesetzt; gest. in West-Berlin.Partisan der Freiheit. Ein Tatsachenbericht über das Kapitel Menschenraub aus der Geschichte des Kalten Krieges. Berlin 1959 (Manuskriptdruck). Buber-Neumann, M. (Hrsg.): Ein Leben für die Freiheit. Der Menschenraub an A. W. o. O., o. J. (1951); Bundesmin. für Gesamtdt. Fragen (Hrsg.): Der Staatssicherheitdienst. Ein Instrument der polit. Verfolgung in der SBZ Deutschlands. Bonn, Berlin 1962; Kubina, S.: Die Bibliothek des Berliner Rätekommunisten A. W. (1906 – 1978). Berlin 1995; Kubina, M.: Von Utopie, Widerstand u. Kaltem Krieg. Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten A. W. (1906 – 1978). Hamburg 2001.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weber, Erna

* 30.4.1910

Über die auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929 als Kandidat in das ZK gewählte Erna Weber waren keine eindeutigen biographischen Angaben zu ermitteln. Vermutlich handelt es sich um die am 30. April 1910 in Nürnberg als Tochter des Johann Weber geborene Erna Weber, von Beruf Kindergärtnerin. Sie war Ende der zwanziger Jahre in Berlin KPD-Funktionärin und wurde 1929 als junge Frau zur Kandidatin ins ZK berufen. Erna Weber nahm im Oktober 1932 an einer (von Walter Ulbricht geleiteten) Schulung in Brandenburg/Havel teil. Sie war nach 1933 für einige Jahre im Ausland, u. a. in Nordafrika und Schweden, kehrte später nach Deutschland zurück, wo sich ihre Spur verliert. Nach einer anderen Überlieferung kam Erna Weber 1929 als Delegierte Westssachsens zum XII. Weddinger Parteitag und ins ZK. Im März 1932 wurde Erna Weber vom Polbüro wegen »rechtsopportunistischen Verhaltens« aus der KPD ausgeschlossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weber, Joseph

* 19.2.1894 – ✝ 27.3.1932

Geboren am 19. Februar 1894 in Mühldorf/Inn, Bruder von Hans Weber. Lernte Schlosser, arbeitete als Kesselschmied und Schiffbauer in Speyer und Ludwigshafen/Rhein und wurde von seinem Bruder in die politische Bewegung eingeführt. Joseph Weber trat 1921 der KPD bei und wurde 1924 Sekretär des UB Pfalz (im Bezirk Rhein-Saar). Durch den Kampf gegen die Separatisten bekannt geworden, wurde er 1924 für die KPD in den Bayerischen Landtag gewählt. Wie sein Bruder stand auch er seit 1925 bei der ultralinken Opposition. Er verließ 1926 die KPD und war zunächst fraktionsloser Abgeordneter. 1928 trat er zur SPD über, für die er im selben Jahr in den Bayerischen Landtag wiedergewählt wurde. Der populäre Joseph Weber starb am 27. März 1932 in Speyer.

Wer war wer in DDR

Weber, Christine

* 1.12.1948

Geb. in Zschorlau (Sachsen); POS; 1965 – 68 Ausb. zur zahnärztl. Helferin; 1968 – 70 Zahnarzthelferin in der Poliklinik Aue; 1970 – 75 Sachbearb. beim Rat des Krs. Zschopau (Bez. Karl-Marx-Stadt), fristlose Entlass. wg. Nichtteilnahme an der Volkskammerwahl; 1976 – 85 Heimarb. für den Feingerätebau Drebach (Krs. Zschopau); 1985 – 90 Revisor bei der Sozialvers. 1990 – 94 Mitgl. des Kreistags Zschopau; 1990 – 94 Gesundheits- u. Sozialdezernentin, 1. Stellv. des Landrats im Landkrs. Zschopau; Nov. 1991 CDU; 1993 – 95 stellv. Vors., 1995 – 2002 Vors. des CDU-KV Mittleres Erzgebirge; Okt. 1993 Mitgl. des CDU-LV Sachsen, seit 1995 stellv. CDU-Landesvors.; seit 1994 Mitgl. des Kreistags Mittleres Erzgbirge, stellv. Fraktionsvors.; Okt. 1994 – 2003 MdL Sachsen; Okt. 1999 – Mai 2002 Staatsministerin für die Gleichstellung von Mann u. Frau in der Sächs. Staatskanzlei; Mai 2002 – 18.6. 2003 Staatsministerin für Gesundheit u. Soziales (Nachf. von Hans Geisler), Rücktritt im Zusammenhang mit »unrechtmäßig empfangenen« Fluchthilfegeldern.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Weber, Wilhelm

* 15.6.1914 – ✝ 3.5.1975

Geb. in Kaiserswalde (Krs. Habelschwerdt, Schles. / Lasówka, Polen); Vater Arbeiter; Volks- u. Bürgerschule; Lehre u. Arbeit als kaufm. Angest.; 1928 SAJ der ČSR; 1933 – 35 Arbeiter in der Holzwarenind.; 1935 – 37 Militärdienst; 1936 KPČ; 1937 – 39 Arbeiter in einer Filzfarbik; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 KPD, 1946 SED; 1945 / 46 2. Sekr. der KPD-KL Osterburg / Altmark; 1946 – 48 Sachbearb. in der Gemeindeverw. Germisch (b. Magdeburg); Stud. an der SED-LPS Wettin (Sachsen); 1948 / 49 Sekr. für Wirtschaftspol. der SED-KL Burg; 1949 / 50 1. Sekr. der SED-KL Salzwedel; 1950 »strenge Rüge« durch die LPKK Sachsen, zwei Jahre Funktionsverlust wg. Verletzung der polit. Wachsamkeit«; 1950 – 52 Fördermann, Hauer u. Schießmeister bei der SDAG Wismut, 1952 – 54 Schachtltr.-Helfer; 1954 / 55 hauptamtl. SED-Parteisekretär bei der SDAG Wismut; 1955 – 57 OB von Johanngeorgenstadt; 1957 erneut hauptamtl. Parteisekr. bei der SDAG Wismut; 1958 – 62 OB von Gera (Nachf. von  Otto Aßmann); gest. in Karl-Marx-Stadt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Wedding, Alex (eigtl. Grete Weiskopf

* 11.5.1905 – ✝ 15.3.1966

Geb. in Salzburg in einer verarmten jüd. Fam.; Vater kfm. Angest.; 1911 – 21 Volks- u. Mittelschule; ab 1921 Ausbildung zum Bankkfm., im Beruf tätig; 1923 Bruch mit der Fam.; Dolmetscherin in Innsbruck; 1925 Buchhandelsangest. in Berlin; KPD; Mitarb. im Malik-Verlag; Sekr. u. Stenotypistin in der Handelsvertr. der UdSSR in Berlin; erste journalist. Versuche; 1931 Heirat mit  F. C. Weiskopf; BPRS; 1931 unter dem Ps. Alex Wedding erste Buchveröff. »Ede u. Unku«; 1933 Emigr. nach Prag; red. Mitarb. an der »AIZ«; 1939 Emigr. nach Frankreich (Paris) u. in die USA (New York, Washington). 1948 – 52 Begleitung F. C. Weiskopfs im diplomat. Dienst der ČSR (USA, Schweden, China); 1952/53 in Prag; Nov. 1953 Übersiedl. des Ehepaars in die DDR; 1956 Mitgl. der DAK; 1965 VVO; NP; gest. in Saalfeld.Das Eismeer ruft. Die Abenteuer einer großen u. einer kleinen Mannschaft. London 1936; Die Fahne des Pfeiferhänsleins. Berlin 1948; Das große Abenteuer des Kaspar Schmeck. Berlin 1951; Das eiserne Büffelchen. Berlin 1952; Im Schatten des Baobab. Berlin 1965 (nacherzählte Fabeln u. Märchen aus Afrika); Lissy. Berlin 1965 (Drehbuch nach F. C. Weiskopf); Aus vier Jahrzehnten. Erinnerungen, Aufsätze, Fragmente. Berlin 1975 (hrsg. von G. Ebert). Wegehaupt, H.: Bibliographie der Werke A. W.s In: Marginalien (1966) 23G; Lange, M.: A. W. In: Beiträge zur Kinder- u. Jugendlit. (1975) 34; Scheibe, H.: A. W.s Beitrag zur soz. Kinderlit. Berlin 1976; Blumesberger, S., Seibert, E.: A. W. (1905 – 1966) u. die prolet. Kinder- u. Jugendlit. Wien 2007.Jürgen Kaulfuß / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wegmann, Paul

* 17.9.1889 – ✝ 17.2.1945

Geboren am 17. September 1889 in Ronsdorf im Rheinland, Sohn eines Bandwirkers. Da der Vater bereits früh starb, mußte Wegmann als Laufbursche zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Er lernte Schmied und arbeitete als Schlosser und Mechaniker in Berlin-Charlottenburg, wo er der SPD und der Gewerkschaft beitrat. Nach Kriegsausbruch gehörte er zu den Linken um 4 Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. 1916 zum Militärdienst eingezogen, wurde er 1917 Mitglied der USPD und kehrte nach einem Fronturlaub nicht zur Truppe zurück. Er lebte illegal in Berlin, war bei den Revolutionären Obleuten und von November 1918 bis September 1919 Mitglied des Berliner Vollzugausschusses der Arbeiter- und Soldatenräte. Anschließend Redakteur der »Freiheit« in Sachsen, Wegmann plädierte für den Anschluß an die Komintern und die Vereinigung mit der KPD. Anfang 1921 von der Zentrale als Bezirkssekretär der VKPD in Danzig vorgesehen, trat Wegmann aber bereits im Laufe des Jahres aus der VKPD aus und wurde nach einer kurzen Zugehörigkeit zur KAG wieder Mitglied der USPD. Nach dem Tode Ernst Däumigs 1922 wurde Wegmann (bis 1924) dessen Nachfolger als USPD-Abgeordneter im Reichstag. Er besuchte Kurse an der Hochschule für Politik in Berlin, 1927 Stadtjugendpfleger beim Bezirksamt Berlin-Weißensee. Er übersiedelte 1930 nach Zeitz, war dort Kreisjugendpfleger, in der SPD und auch der SAP aktiv. 1933 entlassen, im Februar 1934 erstmals festgenommen, wegen »Mangels an Beweisen« nach neun Monaten Untersuchungshaft freigelassen. Wegmann setzte seine illegale Arbeit mit SPD- (und SAP-) Mitgliedern in Zeitz fort, wurde Anfang Dezember 1935 erneut verhaftet. Am 29. Januar 1937 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, kam er anschließend in das KZ Sachsenhausen. Am 20.April 1940 entlassen, arbeitete er als Lagerverwalter bei einer Kohlehandlung. Er wurde im Zusammenhang mit der Gestapoaktion »Gewitter« nach dem 20. Juli 1944 als ehemaliger Reichstagsabgeordneter wieder festgenommen. Am 17.Februar 1945 in das KZ Bergen-Belsen eingeliefert, wo Paul Wegmann noch kurz vor Kriegsende am 4. April 1945 an Flecktyphus starb.

Wer war wer in DDR

Wehling, Ulrich

* 8.7.1952

Geb. in Halle; Vater Jurist, Mutter Apothekerin; KJS, 1972 Abitur; sportl. aktiv in der Nord. Kombination beim SC Traktor Oberwiesenthal; Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1971 Junioren-EM; 1972, 1976 u. 1980 Olympiasieger; 1972 u. 1974 WM, 1978 WM-Dritter; 1976 Heirat mit Rennrodlerin Eva-Maria Wernicke; 1976 – 81 Mitgl. des FDJ-ZR; SED; 1980/81 Mitarb. am Wiss. Zentrum des Dt. Skiläuferverb. in Leipzig; 1981 – 90 Mitgl., 1990 Vizepräs. des NOK; 1982 – 90 stellv. Gen.-Sekr., 1990 Präs. bzw. Gen.-Sekr. des Dt. Skiläuferverb. der DDR. 1990 – 92 Koordinator des Dt. Skiverb. in den neuen Bundesländern; seit 1992 Sportl. Direktor im Komitee für die Nord. Kombination des Internationalen Skiverbandes (FIS); lebt in Oberhofen (Schweiz).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Weiberg, Heinrich

* 20.1.1911 – ✝ 30.5.1984

Geb. in Berlin; Vater Buchbinder; Abitur; 1925 – 37 Kohlenarb. u. 1931 – 34 Werkstudent (Chemie / Physik) an der Friedrich-Wilhelm-Univ. Berlin, ohne Abschl.; 1937 Teilhaber eines Kohlengeschäfts; 1940 Wehrmacht; 1945 –49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schüler. 1949 SED; Chemiker in Heinrichshall / Bad Köstritz; dann Personalltr. in der HV Chemie des Min. für Schwerindustrie; 1951 Einstellung beim APN (ab 1953 HA XV, ab 1956 HV A des MfS), Abt.-Ltr. in der HA II (Wirtschaftsspionage); 1954 stellv. Ltr. der HVA-HA IV; 1959 Ltr. der HVA-Abt. V (Wirtschafts- u. Technologiespionage); 1960/61 Lehrgang an der BPS Erfurt; 1971 Ltr. des Sektors Wissenschaft u. Technik; 1971 VVO; 1974 Gen.-Major; 1975 Offizier für Sonderaufg. bei der HVA-Ltg.; 1980 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Weidauer, Walter

* 28.7.1899 – ✝ 13.3.1986

Geb. in Lauter (Sachsen); Vater heimarbeitender Spankorbmacher; Volksschule; 1914 – 17 Ausbildung zum Zimmermann; 1916 Arbeiterjugendbew.; 1919 USPD u. Zentralverb. der Zimmerer; 1922 KPD; 1924 – 28 Stadtverordn. in Zwickau; 1929 – 32 Geschäftsf. eines KPD-Verlags in Essen; 1930 aus dem Zimmermannsverb. wegen kommunist. Fraktionstätigkeit ausgeschl.; weitere pol. Arbeit u. a. in der Reichsltg. des proletar. Freidenkerverb.; 1932/ 33 Abg. des Dt. Reichstags; 1933 KZ Sonnenburg; 1934 illeg. Arbeit als KPD-Oberbez.-Ltr. für Mitteldtl.; U-Haft in Schwarzenberg u. Dresden; 1935 Emigr. in die ČSR, 1936 nach Dänemark; hier Mitgl. der KPD-Abschnittsltg. Nord; 1940 in Kopenhagen verhaftet u. 1941 nach Dtl. ausgeliefert, 1942 wegen »Vorber. zum Hochverrrat« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 Ltr. der Verw. im Dresdener Stadtbez. VII; Stadtrat für Allg. Verw. u. Personalfragen; 1. Bürgermstr., ab 1945 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des OB beauftragt; 1946 SED; 1946 – 58 OB von Dresden (Nachf. von Gustav Leissner); Mitgl. der Stadtverordnetenvers.; 1946 – 52 Abg. des Sächs. Landtags u. Vors. seines Gemeindeaussch.; 1949 – 58 Abg. der (Prov.) Länderkammer; ab 1952 Abg. des Bez.-Tags Dresden; Mitgl. der SED-BL; 1955 Vors. des Präs. des Dt. Städtetags der DDR; ab 1957 Vizepräs. des Dt. Städte- u. Gemeindetags; 1958 bis zu seiner Pensionierung am 21.1.1961 Vors. des Rats des Bez. Dresden (Nachf. von  Rudolf Jahn); Mitgl. der Ltg. des Bez.-Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1964 VVO; 1969 KMO; 1969 Ehrenbürger von Dresden.Die Verwirklichung des großen Dresdner Aufbauplans für das Jahr 1946. Dresden 1946; Probleme des Neuaufbaus. Dresden 1948; Neue Wege der Kommunalpol. Dresden 1948; Inferno Dresden. Über Lügen u. Legenden um die Aktion »Donnerstag«. Dresden 1965 (8. Aufl.). Widera, T.: Dresden 1945 – 1948. Göttingen 2004; Weber, H., Herbst, A.: Dt. Kommunisten. Berlin 2004.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weidmüller, Walter

* 1891 – ✝ 1939

Geboren 1891 in Eilenburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schriftsetzer. Er gehörte von 1911 bis 1919 der SPD an, trat dann in die KPD über. Funktionär in Sachsen, Mitte der zwanziger Jahre Mitglied der BL Leipzig, zeitweise Agitpropsekretär. 1933 flüchtete Weidmüller in die Tschechoslowakei, da er aber von der Parteiführung keine Genehmigung zur Emigration hatte, wurde er aus der KPD ausgeschlossen, dann jedoch wieder aufgenommen. Im November 1934 kam er als offizieller deutscher Politemigrant in die Sowjetunion. Er wurde im September 1937 vom NKWD verhaftet und wegen »Verdachts der Verbindung zu Agenten« sofort aus der Emigrations-KPD entfernt. Walter Weidmüller soll 1939 im Gulag ums Leben gekommen sein.

Wer war wer in DDR

Weihrauch, Otto

* 14.2.1898 – ✝ 5.3.1966

Geb. in Oberaltstadt (Krs. Trautenau, Österr. / Horní Staré Město, Tschechien); Vater Schneider; Volksschule; Lehre als Buchdrucker; 1917 Militärdienst in der österr. Armee; 1919 Dt. Sozialdemokrat. Arbeiterpartei in der ČSR; 1920 wg. »linker Abweichungen« ausgeschlossen; Mitbegr. der KPČ-Ortsorg. in Gartitz (Krs. Aussig), 1921 Mitgl. der KPČ-BL Aussig (Ústí nad Labem); 1926 Red. des komm. Tageblatts »Internationale« in Aussig; vier Monate Kerker wg. »Organisierung bewaffn. Ordnerformationen«; 1928 Teiln. am 6. Weltkongreß der KI in Moskau; 1934 Buchdrucker u. Korrektor in der Arbeiterdruckerei »Grafia« in Prag; 1938 Oberbuchhalter im E-Werk Trautenau, nach der Besetzung der ČSR antifasch. Widerstand (Sabotageakte am Nieder- u. Hochspannungsnetz). 1945 Ltr. des E-Werkes Trautenau; Ende 1945 Umsiedl. nach Luckenwalde; Mitarb. in der KPD-KL, Abt. Wirtschaft; anschl. Geschäftsf. der Gesell. für Spinnstoffe in Luckenwalde; April 46 amt. OB von Cottbus, 1946 – 49 OB von Cottbus; Anfang Dez. 1949 in Potsdam verhaftet u. am 19.6.1950 wg. »Finanzmanipulationen, unterlassener Meldepflicht u. persönl. Bereicherung« zu 10 Jahren Zuchthaus und 10.000 Mark Geldstrafe verurteilt, 31.3.1956 aus der Haft entlassen; gest. in Bad Doberan.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weiland, Alfred

* 7.8.1906 – ✝ 18.9.1978

Geboren am 7. August 1906 in Berlin, Sohn eines Zimmerers; Schlosserlehre, Anschluß an die sozialistische Jugendbewegung und frühe Verbindung zur KPD, ging Mitte der zwanziger Jahre zur KAPD und AAU. Ende der zwanziger Jahre übernahm Weiland ehrenamtliche Führungspositionen in diesen Organisationen. Für verschiedene Zeitungen journalistisch tätig, organisierte er die internationale Arbeit der AAU. 1931 als Telegraphenarbeiter wegen Streikagitation entlassen, Technikerausbildung. 1933 zunächst in die ?CSR emigriert, noch im gleichen Jahr nach Deutschland zurück, hier im November 1933 festgenommen. Er kam in das KZ Hohnstein, aus dem er im Juni 1934 entlassen wurde. Weiland war führender Kopf der Kommunistischen Arbeiter-Union, einem Bündnis verschiedener kleiner rätekommunistischer Gruppen. Im Zentrum deren illegaler Arbeit stand die Diskussion über die aus ihrer Sicht verheerende Rolle des Bolschewismus und das Versagen der »alten« Arbeiterbewegung. In den vierziger Jahren hatte er Kontakte zu Widerstandskreisen um Carl Goerdeler und Julius Leber sowie Anton Saefkow. Der Verhaftungswelle nach dem 20. Juli 1944 entging Weiland nur dadurch, daß er sich zur Wehrmacht gemeldet hatte. Im Mai 1945 wieder in Berlin, bemühte sich Weiland um die Reorganisation der versprengten rätekommunistischen Gruppen, baute die Gruppe Internationaler Sozialisten auf. Er trat offiziell der KPD/SED bei, arbeitete journalistisch und beteiligte sich Ende 1946 am Aufbau des Instituts für Publizistik in Ost-Berlin. Seit 1947 gab er in Berlin die hektographierte illegale Zeitschrift »Neues Beginnen« heraus. Nach Eröffnung des Instituts für Publizistik im Frühjahr 1947 entlassen, setzte er sich nach West-Berlin ab, war erwerbslos und leitete Volkshochschulkurse. Die Gruppe um Weiland stand seit Sommer 1946 unter Beobachtung der sowjetischen Geheimpolizei und des Abwehrapparates der SED. Am 11.November 1950 wurde Weiland vom MfS aus West-Berlin entführt, sein unter Folter erpreßtes Geständnis widerrief er später, das Verfahren wegen Spionage wurde eingestellt. Trotzdem verurteilte ihn das Landgericht Greifswald am 27.August 1952 zu 15 Jahren Zuchthaus. Im November 1958 entlassen, ging er nach West-Berlin, trat in die SPD ein und engagierte sich in verschiedenen antikommunistischen Organisationen. Alfred Weiland starb am 18.September 1978 in Berlin. Von Michael Kubina erschien 2001 das Buch: »Von Utopie, Widerstand und Kaltem Krieg. Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten Alfred Weiland (1906-1978)«.Bernd-Rainer Barth