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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Weimann, Richard

* 16.4.1890 – ✝ 2.7.1976

Geb. in Wilthen (b. Bautzen); Vater Klempner; Volks-, Fortbildungs- u. Handelsschule in Dresden; kfm. Angest., Bürovorsteher bei einem Rechtsanwalt in Dresden, Versicherungsangest. in Frankfurt (Main); 1908 SPD; 1911 Mitarb. in einem Rechtsanwaltsbüro in Greiz; 1913 – 16 hauptamtl. Sekr. der Arbeiterjugend in Groß-Berlin; 1916 – 19 Redaktionssekr. bei der Ztg. »Vorwärts«; 1920 – 33 Angest. bzw. Geschäftsf. im Reichsaussch. für soz. Bildungsarbeit u. des Soz. KB; 1933 Mitgl. des illeg. SPD-PV; 1934 – 45 Reisebüroinhaber bzw. Vertreter im Jugendfilm-Verleih; illeg. Arbeit in der sozialdemokrat. Widerstandsgr. um Franz Klühs u.  Max Fechner; Mitarb. bei den Quäkern zur Unterstützung der Angehörigen von Inhaftierten. 1945 Mitgl. des SPD-ZA; Ltr. der Kulturarbeit; 1946 SED; 1946 – 50 Mitgl. des SED-PV; zeitw. Chefred. des theoret. SED-Organs »Einheit«; 1946 parität. Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung bzw. ab 1947 Parteischulung, Kultur u. Erziehung des ZS des SED-PV (gem. mit  Fred Oelßner); Jan. 1949 auf eigenen Antrag Entbindung von der Funktion; anschl. Filialltr. des DEFA-Filmvertriebs für Sachsen u. Sachsen-Anh. in Leipzig; ab Jan. 1950 Aufbau u. Ltr. der Kulturfilmabt. der DEFA; 1952 Austritt aus der SED u. Wiedereintritt in die SPD; Übersiedl. nach Berlin (West) u. Mitgl. der SPD in Berlin-Neukölln; Rentner; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weinert, Erich

* 4.8.1890 – ✝ 20.4.1953

Geboren am 4. August 1890 in Magdeburg, Sohn eines Ingenieurs. Maschinenbauerlehre, von 1908 bis 1910 an der Kunstgewerbeschule in Magdeburg, bis 1912 Studium an der Königlichen Kunst-Hochschule in Berlin; 1912/13 freischaffender Maler, Graphiker und Buchillustrator. Von 1913 bis 1919 Soldat, Infanterieoffizier. Danach Kunstgewerbelehrer in Magdeburg und Schauspieler in Kissingen. Nach 1921 Veröffentlichung satirischer Gedichte und Auftritte in politischen Kabaretts in Berlin und Leipzig. Mitarbeit an linken Presseorganen, 1928 Mitbegründer und Vorstandsmitglied des BPRS sowie Redaktionsmitglied der »Linkskurve«. Weinert verfaßte Szenen, Lieder und Gedichte für die Agitpropgruppen, trat 1929 in die KPD ein und erhielt 1931 wegen »Gotteslästerung, Aufreizung zum Klassenhaß, Aufforderung zum bewaffneten Aufstand« sieben Monate Redeverbot. 1933 emigrierte er in die Schweiz, nach Frankreich, 1935 in die Sowjetunion. In Moskau Redaktionsmitglied der Zeitschrift »Internationale Literatur – Deutsche Blätter«. Ab 1937 Soldat im Bürgerkrieg in Spanien, Mitarbeiter des Kommissars der XI. Internationalen Brigade. 1939 Internierung in Südfrankreich, nach Entlassung Rückkehr in die Sowjetunion, dort in verschiedenen Archiven und als Übersetzer tätig, ab Juni 1941 Mitarbeiter am Moskauer Rundfunk und am Deutschen Volkssender. Von 1943 bis 1945 Präsident des NKFD. Im Januar 1946 nach Deutschland, bis 1948 Vizepräsident der Zentralverwaltung für Volksbildung (Stellvertreter von Paul Wandel). Anschließend einer der Leiter der Hauptabteilung Allgemeine Kunst und Literatur. Weinert erhielt 1949 und 1952 den Nationalpreis, war 1950 Gründungsmitglied der AdK und seit 1951 Mitglied des PEN-Zentrum Deutschland sowie seit 1953 Mitglied des Komitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer. Erich Weinert starb am 20. April 1953 in Ost-Berlin. Seine »Gesammelten Werke« wurden in neun Bänden zwischen 1955 und 1960 von seiner Witwe Li Weinert (*31.12. 1899 – †23. 5. 1983) in der DDR herausgegeben.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Weinhold, Werner

* 8.8.1949

Geb. in Dresden; Schulbesuch; Ausbildung zum Dreher; mehrere Jugendstraftaten, 1966 – 75 viermal rechtskräftig verurteilt (unbefugte Kfz-Benutzung in 60 Fällen, Herbeiführung eines schweren Verkehrsunfalls, mehrf. schwerer Diebstahl); insges. zu sechs Jahren u. neun Mon. Haft verurteilt; am 6.10.1972 nach einer Amnestie aus der Haft entlassen; 1975 während der Bewährungszeit erneute Straftat (Sittlichkeitsdelikt); entzog sich dem Ermittlungsverfahren durch Flucht, nach Pkw- u. Waffendiebstahl gewaltsamer Grenzdurchbruch zur Bundesrep. Dtl. am 19.12.1975 bei Veilsdorf (Krs. Hildburghausen), erschoß dabei mit einer Pistole den Gefr. Klaus-Peter Seidel u. den Soldaten Jürgen Lange; zweimaliges Auslieferungsersuchen der DDR wurde vom Bundesjustizmin. abgelehnt; 1976 vom Essener LG freigesprochen (Notwehrrecht) u. mit 15.000 DM entschädigt; am 1.12.1978 in einem zweiten Prozeß in Hagen zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren wegen zweifachen Totschlags verurteilt, 1982 vorzeitig aus der Haft entlassen, lebt in Marl. 1993 Vorwürfe an MfS-Gen.  Gerhard Neiber wegen »Mordplanung« gegen ihn, jedoch wegen unklarer Beweislage keine Anklageerhebung; 2005 Verurteilung von W. wegen gefährl. Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft, da er mit der Pistole von 1975 in seiner Stammkneipe auf einen Bekannten geschossen hatte.Köhler, H.: Doppelmord im Niemandsland? Der Fall Weinhold. Dok.-Film, Spiegel-TV 2002.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Weiß, Konrad

* 17.2.1942

Geb. in Lauban (Niederschles. / Lubań, Polen); 1945 Umsiedl. nach Genthin; nach der Mittelschule wegen Bekenntnis zum Katholizismus nicht zur EOS zugelassen; 1958 – 62 Ausbildung zum Elektromonteur in Genthin; 1962 Laienausbildung am Katechetenseminar in Görlitz; 1963 – 65 Mitarb. beim kath. Seelsorgeamt in Magdeburg; 1964 Abitur an der VHS; 1966 – 69 Studium der Fächer Regie u. Kamera an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg; Student in der von  Karl Gass geleiteten Spezialkl. für Dok.-Film; 1969 – 89 Regisseur beim DEFA-Dok.-Filmstudio; mehr als 50 Dok.-Filme vorwiegend für Kinder u. Jugendl., u. a. »Dawids Tagebuch« (1980), »Erste Liebe« (1984), »Ich bin klein, aber wichtig« über Janusz Korczak (1988); Mitgl. der Kommission Kinderfilm u. der Sektionsltg. Dok.-Film u. Fernsehpubl. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; Artikel in offiz. u. Samizdat-Ztschr., u. a. über Rechtsradikalismus in der DDR (»Die neue alte Gefahr«, Kontext 1989); seit Mitte der 60er Jahre Mitgl., 1988 – 91 Mitgl. der Ltg. der Aktion Sühnezeichen; 1988 – 90 Mitgl. des Beirats für kirchl. Rundfunk beim Bund der Ev. Kirchen in der DDR; Sept. 1989 Erstunterz. des Gründungsaufrufs der Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ); 1989 – 91 Mitgl. des DJ-Sprecherrats; Dez. 1989 Initiator des »Drei-Stufen-Plans der nat. Einigung«; Dez. 1989 – März 1990 DJ-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; April – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammerfraktion Bündnis 90 / Grüne; Mitarb. im Aussch. Dt. Einheit u. im Medienaussch.; Mitgl. der Regierungskommission für ein neues Mediengesetz; Gründungsmitgl. der Dt. Ges.; Carl-von-Ossietzky-Medaille d. Internat. Ges. für Menschenrechte. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags, Vertreter der Abgeordnetengr. Bündnis 90 / Die Grünen im Aussch. Wirtschaftl. Zusammenarbeit u. im Petitionsaussch.; seitdem freiberufl. Publizist; 1991 Vizepräs. der Dt.-Israel. Ges. u. Vorstandsmitgl. der Dt. Flüchtlingshilfe; 1996 Gründungsmitgl. u. bis 2006 Vorstandsmitgl. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur; Mitgl. des Beirats der Kath. Akad. Berlin; lebt in Berlin.Neuland. Ein Dialog in Dtl. Köln 1991 (mit R. Süssmuth); Von Erblasten u. Seilschaften. Landsberg 1996 (Mithrsg.); Lothar Kreyssig. Prophet der Versöhnung. Gerlingen 1998.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weise, Martin

* 12.5.1903 – ✝ 8.10.1943

Geboren am 12. Mai 1903 in Torgau, Sohn eines Lehrers, wuchs in Berlin auf und schloß sich als Realschüler zunächst der Wandervogel-Bewegung, 1921 der FSJ und 1927 der KPD an. Nach dem Abitur 1921 studierte er Geschichte und Philologie, brach 1924 aus finanziellen Gründen das Studium ab und wurde Verlagsangestellter. Am 20. September 1929 wegen schweren Landfriedensbruchs zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, er begann für die »Rote Fahne« zu arbeiten und war zuletzt Redakteur. Nach 1933 gab er mit anderen die »Rote Fahne« illegal weiter heraus. Am 5. April 1934 vom Kammergericht Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend in das KZ Sachsenhausen gebracht, aus dem er im April 1939 entlassen wurde. Weise baute im Berliner Betrieb »Nordland« eine Widerstandsgruppe auf, die die Kriegsproduktion störte. Über den ehemaligen »Rote Fahne«-Redakteur 4 Wilhelm Guddorf u. a. kam Weise in Verbindung mit der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack (»Rote Kapelle«). Er verfaßte Beiträge für die illegale Druckschrift »Die innere Front« und nahm an Beratungen teil. Er wurde am 1. Dezember 1942 festgenommen, vom VGH zusammen mit Fritz Lange angeklagt. Am 8.Oktober 1943 zum Tode verurteilt, wurde Martin Weise am 15.November 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Weißhuhn, Reinhard

* 4.4.1951

Geb. in Dresden; Vater Journalist, Mutter Bibliothekarin; 1969 Abitur in Weimar; 1969 – 73 Studium der Architektur u. Stadtplanung in Weimar; 1973 – 78 Stadtplaner im Rat des Stadtbez. Berlin-Prenzlauer Berg; seit 1975 in opp. Zirkeln engagiert, Versuch öffentl. Wirksamkeit in Kulturarbeit u. Wohngebiet; nach Ablehnung einer mit SED-Eintritt verbundenen Beförderung bis 1984 Dokumentarist bei der Bauakad. der DDR; seit 1980 wiederholte mehrj. Ausreiseverbote; ab 1983 Übers. opp. ungar. Lit. für westdt. Verlage; 1985 – 89 Architekt beim Diakon. Werk; 1985/86 Mitbegr. der IFM; seit 1987 Autor u. Mithrsg. versch. illeg. Publ. bzw. Ztgn. (»Grenzfall«, »Fußnote 3«, »Ostkreuz«, »Urkunde«); ab Jan. 1990 Vertreter der IFM am Zentr. Runden Tisch u. Mitgl. der Arbeitsgr. »Parteien- u. Vereinigungsgesetz«; 1990/91 Vorstandsmitgl. u. Pressesprecher der IFM; Sommer 1990 Mitarb. der Volkskammerfraktion Bündnis 90 / Grüne. 1991 – 98 Mitarb. des Abg. des Dt. Bundestags  Gerd Poppe; 1991 Mitgl. der Partei Bündnis 90; 1992 Mitgl. der Verhandlungsgr. des Bündnis 90 zur Vorber. des Assoziationsvertrags mit den Grünen; außenpol. Referent der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen; Mitgl. des Stiftungsrats der Bundesstiftung zur Aufarb. der SED-Diktatur; versch. Veröff.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Weißmantel, Christian

* 9.12.1931 – ✝ 16.9.1987

Geb. in Kamenz; Vater Lehrer; OS, Abitur; 1950 – 55 Physikstudium an der TH Dresden, Dipl.; 1958 Prom.; 1963 Habil.; danach Doz. an der HS für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt; 1963 Prof. mit Lehrauftrag; 1968 Prof. mit Lehrstuhl für Festkörperphysik u. Ltr. des Wiss.-Bereichs für experiment. Physik an der Sekt. Physik / Elektron. Bauelemente der TH Karl-Marx-Stadt; 1965 – 69 Prorektor für Forschung (ab 1968 für Prognose); 1968 SED; 1969 – 73 Rektor der TH; 1969 – 84 Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1970 NP; 1973 Korr. u. 1976 Ord. Mitgl. der AdW; Mitgl. des Forschungsrats; 1982 – 87 Vizepräs. der Urania; gest. in Karl-Marx-Stadt. Hauptarbeitsgebiete: Physik von Grenzflächen u. dünnen Schichten.Horst Kant

Wer war wer in DDR

Weiss, Walter

* 8.11.1919 – ✝ 2.7.1997

Geb. in Steinschönau (Kamenický Šenov, Böhmen, ČSR); Vater Glasbläser u. Glasgraveur; 1926 – 34 Volksschule u. Bürgerschule; 1934 – 37 Berufsschule u. Lehre als Autoschlosser; 1934 – 38 KJV; Bez.-Ltr. Tannwald des KJV; seit 1936 Mitgl. des Dt. Jugendbundes, hier Funktionen als Bezirksobmann, Mitgl. im Vorst. Nordböhmen u. bis 1938 Vors. einer Ortsgr.; 1937 / 38 KPČ; 1937 – 39 Autoschlossergeselle; Okt. 1938 Verhaftung durch die SS, drei Tage in »Schutzhaft«; 1939 – 44 Wehrmacht, dort Ausbildung als Flugmotorenschlosser u. ständige Tätigkeit als Autoschlosser; 1944 an der Ostfront zur Roten Armee übergelaufen u. bis 1949 in sowj. Kriegsgef., Tätigkeit im Antifa-Aktiv, später Mitgl. u. Vors. des Antifa-Komitees in Nowgorod; 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 FDJ, SED; 1949 / 50 Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. der SED-KL Arnstadt; 1950 Lehrgang an der SED-LPS in Bad Blankenburg; 1951 Vors. der Überprüfungskomm. der Parteidokumente der KL Gotha; 1951 / 52 Sekr. für Agit. u. Prop. bzw. 2. Sekr. der SED-KL Arnstadt; 1952 – 55 1. Sekr. der SED-KL Ilmenau; 1955 / 56 Lehrgang, anschl. bis 1965 Fernstudium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1956 – 60 1. Sekr. der SED-KL Meiningen; 1960 / 61 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1961 1. Sekr. der SED-KL Meiningen; 1961 – 70 2. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1971 – 81 2. Sekr. der SED-BL Suhl; 1981 – 89 Vors. des DSF-BV Suhl; 1983 Mitgl. des ZV der DSF; VVO; gest. in Suhl.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Wekwerth, Manfred

* 3.12.1929 – ✝ 16.7.2014

Geb. in Köthen; 1950/51 Ausbildung als Neulehrer; Mitgl. u. Ltr. einer Laienspielgr., von  Bertolt Brecht entdeckt; 1951 Regieassistent u. Mstr.-Schüler am Berliner Ensemble (BE) bei Bertolt Brecht; 1953 erste selbst. Inszenierung »Die Mutter« am Neuen Theater in der Scala Wien; 1953 – 55 Regieassistent von Bertolt Brecht, u. a. 1953 bei »Katzgraben«, 1954 »Der kaukas. Kreidekrs.«; 1955 »Winterschlacht« (von  J. R. Becher); 1959 NP (im Koll.); 1960 – 69 Chefregisseur am BE; Inszenierungen in Zusammenarbeit mit Jochen Tenschert (J. T.) u.  Peter Palitzsch (P. P.), u. a. 1961 »Frau Flinz« von  Helmut Baierl (P. P.), 1962 »Die Tage der Commune« (J. T.), 1964 »Coriolan« (J. T.), 1965 »In der Sache J. Robert Oppenheimer« (J. T.), 1969 UA »Johanna von Döbeln« (J. T.); 1961 NP (im Koll.); 1965 Mitgl. der DAK, bis 1974 Sekretar der Sekt. Darstellende Kunst; 1970 Prom. an der HU Berlin (»Theater u. Wissenschaft«, publ. u. a. 1974 in München mit erw. Titel »Theater u. Wiss. – Überlegungen für das Theater von heute u. morgen«); 1970 nach Differenzen mit  Helene Weigel über die Entw. des BE Gastregisseur am Dt. Theater Berlin (u. a. 1972 »Leben u. Tod Richards des Dritten«), 1971 am National Theatre London (»Coriolan«), am Schauspielhaus Zürich (1972 »Jegor Bulytschow u. die anderen«, 1974 »Leben u. Tod Richards des Dritten«, 1990 »Der Prinz von Homburg«); 1974 Vizepräs. der DAK; 1974 – 77 erster Dir. des Inst. für Schauspielregie Berlin; 1975 Titularprof.; 1977 – 91 Intendant des BE (Nachf. von  Ruth Berghaus); 1979 VVO; 1982 – 90 Präs. der AdK (Nachf. von  Konrad Wolf); verh. mit Renate Richter, Schauspielerin; Inszenierungen am BE u. a. 1982 »Johann Faustus«, 1983 UA »Großer Friede« von  Volker Braun, 1989 »Der Selbstmörder«; Tourneen mit dem BE, u. a. 1981 Griechenland, 1986 Italien, 1989 Israel; zahlr. TV-Inszenierungen mit seiner Frau Renate Richter als Protagonistin, u. a. 1971 »Optimist. Tragödie« (Wsewolod Wischnewski), 1972 »Zement« (nach Fjodor Gladkow), 1975 »Die unheilige Sophia« (von Eberhard Panitz); 1984 KMO; 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1989 NP; 1955 u. 1969 – 89 als IM/GMS des MfS erf. (»Manfred«). 1992 am BE »Die Abenteuer des braven Soldaten Schweyk«; 1995 in Meiningen »Kleiner Mann, was nun?« von  Hans Fallada / Tankred Dorst; Gastinszenierungen am Burgtheater Wien; 1994 »Der Herr Puntila u. sein Knecht Matti« (neues theater halle), 1996 »Der gute Mensch von Sezuan« (Meiningen); 1998 – 2000 R. am Theater des Ostens Berlin: »Wie man sich bettet, so liegt man« oder »Was kostet die Welt?« (Brecht-Revue), »Iphigenie auf Tauris«, 1999 »Gefährliche Liebschaften« u. »Florentiner Strohhut« (neues theater halle); 2000 – 02 Westdt. Tourneetheater; gest. in Berlin.Schriften. Arbeit mit Brecht. Berlin 1973; Erinnern ist Leben. Eine dramat. Autobiogr. Leipzig 2000.Aune Renk

Wer war wer in DDR

Wellm, Alfred

* 22.8.1927 – ✝ 17.12.2001

Geb. in Neukrug (b. Elbing, Westpr. / Nowa Karczma, Polen); Vater Fischer; Besuch der Lehrerbildungsanstalt; 1944/45 Kriegsdienst. 1945 Landarb.; 1946 Neulehrer; danach bis 1962 versch. Funktionen im Schuldienst (u. a. Dir. einer OS, Krs.-Schulrat); ab 1963 freischaff. Schriftst.; 1978 Mitgl. der AdK; 1959, 1964 u. 1969 Fritz-Reuter-Preis; 1969 Heinrich-Mann-Preis; 1976 NP; sein vielgelesener Roman »Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar« (1968) brachte Probleme der Volksbildung zur Sprache; weitere bekannte Werke: »Pugowitza oder Die silberne Schlüsseluhr« (1975), »Morisco« (1987); gest. in Güstrow.Homann, H.: A. W. Greifswald 1981.Leonore Krenzlin

Wer war wer in DDR

Wempe, Johann

* 31.12.1906 – ✝ 29.5.1980

Geb. in Bremen in einer Kfm.-Familie; 1925 – 30 Studium der Mathematik, Physik u. Astronomie in Göttingen u. München; 1932 Prom. mit der Diss. »Beiträge zur fotograf. Spektralfotometrie«; 1932 – 36 Assistent an der Sternwarte Heidelberg; 1938 – 44 außerplanm. Assistent an der Univ.-Sternwarte Jena; 1944 Habil. mit der Arbeit »Die Wellenlängenabhängigkeit der atmosphär. Extinktion«; ab 1944 am Astrophysikal. Observatorium Potsdam. Teiln. am Wiederaufbau des o. g. Observatoriums, des späteren ZI für Astrophysik der AdW; 1946 hier Observator; 1950 stellv. Dir.; 1956 Dir.; 1947 Doz. u. 1958 – 71 Inhaber des Lehrstuhls für Astronomie an der HU Berlin; 1947 Schriftltr. u. 1951 – 73 Hrsg. der Ztschr. »Astronom. Nachrichten«; Mitgl. der Internat. Astronom. Union. Forschungen: zu Spektralfotometrie der Sterne, himmelsmechan. Problemen der Planetoiden u. zur atmosphär. u. physiolog. Optik; Ende der 50er Jahre führend beteiligt an der Planung u. Errichtung des 2-m-Spiegelteleskops im Karl-Schwarzschild-Observatorium Tautenburg (b. Jena); nach ihm wurde der Kleinplanet Nr. 1950 benannt.Jürgen Hamel

Wer war wer in DDR

Wendel, Otto

* 13.3.1926

Geb. in Latscha (Krs. Gleiwitz, Schles. / Lacza, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1941 – 44 Lehrerbildungsanstalt in Tarnowitz / Neisse; 1944 unwissentliche Aufn. in die NSDAP; 1944/45 Wehrmacht. 1945 – 48 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schüler; 1949 FDJ-Krs.-Vors. in Erfurt; 1949 SED; 1951/52 Lehrgang an der PHS; 1952 Instrukteur beim ZR der FDJ; dann Einstellung beim APN (ab 1953 HA XV, ab 1956 HV A des MfS); Lehrer für Geschichte der KPdSU an der APN-Schule; 1955 – 63 Fernstudium an der PHS, Dipl-Ges.-Wiss.; 1956 Versetzung zur HVA-HA I (pol. Spionage); 1959 Lehrstuhlltr. »Operativ« an der HVA-Schule; 1963 stellv. Schulltr.; 1966 Schulltr.; 1973 Oberst; 1974 Prom. zum Dr. jur.; 1975 Facultas docendi; 1982 Prom. B; 1986 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Weimann, Robert

* 18.11.1928

Geb. in Magdeburg; Vater Elektriker; 1947 – 51 Philologiestudium an der MLU Halle; 1951 St.-Ex. in Engl. u. Russ., Pädagoge; 1955 Prom. zum Dr. phil. an der HU Berlin; 1955 – 58 wiss. Mitarb. u. Aspirant an der FSU Jena; 1960 Habil. an der HU Berlin mit einer Arbeit über den New Criticism; 1963 – 95 Prof. für Lit.-Theorie u. engl. Lit.-Geschichte an der PH Potsdam, ab 1965 an der HU; 1968 Mitarb. in der Arbeitsstelle für Lit.-Theorie an der DAW; hier 1969 – 91 Forschungsgr.-Ltr. im ZI für Lit.-Geschichte; 1969 Ord. Mitgl. der DAK, 1978 – 90 1. Vizepräs.; seit 1972 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann Dtl.; 1984 Lessing-Preis; 1985 – 93 Präs. der Dt. Shakespeare-Ges. u. Ehrenmitgl. der Modern Language Ass. of America; Gastprof. in Charlotteville / Virginia, in Toronto, Berkeley, Harvard u. Irvine/California; 1984 u. 1989 NP; 1987 Mitgl. der New York Academy of Sciences. 1991 – 94 Kommissar. Ltr. des Forschungsschwerpunktes Lit.-Wiss.; 1991 – 94 Ltr. des Zentrums für Literaturforschung Berlin / München; seit 1990 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; lebt in Basdorf (b. Berlin) u. Irvine (Kalifornien, USA).Die Bedeutung des engl. Absolutismus für die Entwicklung des elisabethanischen Dramas. Berlin 1955. Drama u. Wirklichkeit in der Shakespeare-Zeit. Berlin 1958; Shakespeare u. die Tradition des Volkstheaters. Berlin 1967; Shakespeare u. die Macht der Mimesis. Berlin 1988; Der nordamerik. Roman 1880 – 1940. Berlin 1989 (Hrsg.); Postmoderne – globale Differenz. Frankfurt (Main) 1991 (Hrsg. zus. mit. U. Gumbrecht); Wert, Repräsentation, Geschichte. Braunschweig 1992; Authority and representation in early modern discourse. Baltimore u. a. 1996; Zw. Performanz u. Repräsentation: Shakespeare u. die Macht des Theaters. Aufsätze von 1959 – 1995. Heidelberg 2000. Boden, P., Böck, D. (Hrsg.): Modernisierung ohne Moderne. Das ZI für Lit.-Geschichte an der AdW der DDR. Heidelberg 2004.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Weingärtner, Stefan

* 1933 – ✝ 1977

Als Jugendlicher Demonstrant beim Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in Görlitz, Todesurteil durch ein sowjetisches Militärtribunal, zehn Jahre Zuchthaus in der DDR; nach seiner Entlassung Flucht nach West-Berlin.Der 20-jährige Stefan Weingärtner war bis zum 17. Juni 1953 noch ohne politische Vergangenheit. Er wurde am 22. Februar 1933 in Görlitz geboren und hatte noch zwei jüngere Geschwister. Seine Eltern waren geschieden. Die Mutter, eine Krankenschwester, zog die Kinder allein auf, der Vater lebte ab 1950 in Hannover. Stefan Weingärtner arbeitete bis zu seiner Verhaftung als Autoschlosser in der Firma Tesch in Görlitz. Der technikbegeisterte Weingärtner stammte aus einem christlichen Elternhaus und nahm an den Veranstaltungen der Jungen Gemeinde teil, war aber, wie die meisten seiner Alterskameraden, auch in die FDJ eingetreten und ging als Mitglied der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) im Klub junger Techniker seinem Hobby nach. Der 17. Juni 1953 sollte sein Leben und das seiner Angehörigen grundlegend verändern. Als Stefan Weingärtner und seine Kollegen am Vormittag des 17. Juni 1953 erfuhren, dass die Arbeiter der Lokomotiv- und Waggonbau-Betriebe (LOWA) demonstrieren, schlossen sie sich sofort an. Sie nahmen Schraubenschlüssel und Blechscheren mit. Weingärtner beteiligte sich später an der Belagerung der Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Er war auch dabei, als auf Anraten des SED-Kreissekretärs eine Delegation ins Gebäude gelassen wurde, um im Keller nach Gefangenen zu suchen. Der Kreissekretär sagte später aus, dass ihm ein Jugendlicher, den er nicht kannte und den er nur beschreiben konnte, Unterstützung leistete, als er ärztliche Hilfe benötigte. Weingärtner und andere Jugendliche brachten den verletzten SED-Kreissekretär und einen gleichfalls verletzten MfS-Mitarbeiter zum Arzt. Sowohl der Oberbürgermeister als auch der SED-Kreissekretär bestätigten die „guten Manieren“ der jungen Leute. Weingärtner gehörte auch zu den Demonstranten, welche die Kreisdienststelle des MfS stürmten, ohne dass er sich durch besondere Gewalttätigkeiten hervorgetan hätte. Sein Pech bestand offensichtlich darin, dass er durch sein markantes Aussehen aufgefallen war. Er war sehr groß, trug eine starke Brille und eine schwarze Baskenmütze. Dadurch ragte er buchstäblich aus der Menge heraus. Seine Festnahme erfolgte am Nachmittag während der Auflösung der Kundgebung auf dem Obermarkt. In einer Vernehmung durch die Staatssicherheit am gleichen Tag sagte er aus, dass ihn dort ein sowjetischer Offizier aufgefordert habe, mitzukommen. Offensichtlich hatte er zu jenen Jugendlichen gehört, die nach der Verkündung des Ausnahmezustandes den Platz nicht verlassen wollten und die sowjetischen Militärfahrzeuge mit ,,Johlen und Geheul“ empfingen. Er wurde zunächst ins Rathaus, dann zum Staatssicherheitsdienst und später zur sowjetischen Kommandantur gebracht. Am 19. Juni 1953 verurteilte ihn ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) als „einen der aktivsten Provokateure und Haupträdelsführer beim Putsch am 17. Juni 1953 in Görlitz“ zum Tode durch Erschießen. Doch Weingärtner und ein anderer; ebenfalls vom SMT zum Tode verurteilter junger Görlitzer, hatten „Glück im Unglück“. Die Todesurteile wurden nicht vollstreckt. Am 5. Oktober 1953 wurde er begnadigt und die Todesstrafe in 25 Jahre Arbeitslager umgewandelt. In einem „Auszug aus der Urteilsverkündung“ wurde als Grund festgehalten: „wegen der aktiven Beteiligung an den gegenrevolutionären Demonstrationen zum Sturz der DDR“. Am 4. Oktober 1956 wurde die Strafe „durch Gnadenentscheid des Präsidenten der DDR“ auf zehn Jahre herabgesetzt. Diese musste Weingärtner fast vollständig verbüßen. Er saß in Bautzen, Luckau und Torgau ein. Erst im Januar 1963 konnte er das Zuchthaus Torgau verlassen. Wenn Weingärtner vor seiner Verhaftung ganz offensichtlich noch kein ausgewiesener „Feind“ der DDR war; vielleicht auch mehr aus Neugierde und jugendlichem Übermut in die Görlitzer Stasi-Zentrale eingedrungen war – durch die Verurteilung und die Erfahrungen im Zuchthaus wurde er zu einem bewussten Gegner des DDR-Regimes. Er galt als rebellischer Gefangener, der nicht bereit war, sich um eventueller Vorteile willen anzupassen. In den entsprechenden Führungsberichten wurde wiederholt vermerkt, dass seine Einstellung zur DDR „negativ“ sei, dass er immer noch „den Juniputsch verherrlicht“. Mehrfach verhängte man über ihn „Hausstrafen“, darunter Post- und Besuchssperren und zudem tagelangen strengen Arrest. Weil er sich nicht fügte und aus seiner Haltung zur DDR kein Hehl machte, behandelten ihn vor allem seine Aufseher in Torgau besonders hart. Er, der von einem sowjetischen Militärgericht zum Tode verurteilt worden war, empfand die Behandlung durch sowjetische Soldaten und Offiziere menschlicher als im DDR-Strafvollzug. Die Konsequenz seiner Haltung war, dass er nach dem Tod des Staatspräsidenten der DDR Wilhelm Pieck im September 1960 im Unterschied zu vielen seiner Haftgefährten nicht begnadigt wurde. Als er schließlich am 25. Januar 1963 entlassen wurde, hatten sich die DDR und auch Weingärtner verändert. Die SED-Führung hatte ihre Bürger einmauern lassen, womit es kaum eine Chance für den entlassenen Weingärtner gab, das Land zu verlassen. Er kehrte zunächst zu seinen Angehörigen nach Görlitz zurück. Die Kirche ermöglichte ihm eine Kur. Er bekam eine Arbeit zugewiesen, konnte diese jedoch aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit nicht aufnehmen. Vom ersten Tag seines Lebens in Freiheit an stand Weingärtner unter der Beobachtung durch MfS und Volkspolizei. Man versuchte sogar, ihn für eine inoffizielle Tätigkeit zu gewinnen und nutzte sein Interesse für Technik für eine entsprechende Legende. Doch er durchschaute das Manöver, lehnte ab und bat darum, „von einer Zusammenarbeit abzusehen“. Die Staatssicherheit schloss die „Möglichkeit der Vorbereitung einer Republikflucht nicht aus“, denn Weingärtner war im Frühjahr 1963 unter anderem im Hafen von Rostock und in Thüringer Grenzregionen beobachtet worden. Die Stasispitzel registrierten auch, dass er Ende 1964 mehrere Male zur ärztlichen Behandlung in die Charité nach Berlin fuhr. Von einer solchen Reise kam er nicht wieder nach Görlitz zurück. Seinen Spitzeln war entgangen, dass er nach West-Berlin flüchten konnte. Bis zum Oktober 1970 versuchte das MfS vergeblich, unter dem Operativen Vorgang (OV) „Schleuse“ seinen Fluchtweg zu ermitteln. Im Abschlussbericht ist vermerkt: „Auf Grund seiner Vergangenheit und des Umstandes, dass sein Vater in Westdeutschland ist, kann angenommen werden, dass er nach West-Berlin geschleust wurde. In der Bearbeitung konnte der Fluchtweg und die Schleuserorganisation nicht ermittelt werden.“ Das MfS war außerdem darüber informiert, dass Weingärtner beim „Hilfskomitee für politische Häftlinge der sowjetischen Zone“ als politischer Häftling anerkannt worden war und wie viel Geld er als „Eingliederungshilfe“ erhalten hatte. Stefan Weingärtner starb 1977 im Alter von 44 Jahren in Hannover. Zur Beerdigung durfte lediglich seine Mutter fahren, Schwester und Bruder erhielten keine Reisegenehmigung.Heidi Roth Letzte Aktualisierung: 08/16

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Weis, Albin

* 12.8.1897 – ✝ 17.9.1970

Geboren am 12. August 1897 in Heidersbach bei Suhl; lernte Büchsenmacher, bewarb sich im Herbst 1920 auf eine Ausschreibung des DMV und wurde Sekretär der Ortsverwaltung von Völklingen/Saar. Er gehörte von 1920 bis 1929 der KPD an, war Mitglied des Gemeinderats von Völklingen und kam im Jahre 1928 als Abgeordneter der KPD in den Landesrat, den Saarländischen Landtag. Ende 1928 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, wurde er Mitglied der KPO. Weis kämpfte bis 1935 gegen den Anschluß des Saargebietes an Deutschland, war 1934 Mitorganisator eines großen internationalen antifaschistischen Arbeitersportfestes in Völklingen. 1935 emigrierte er nach Frankreich, bis 1941 in einem kleinen Betrieb beschäftigt. 1939/40 zeitweise interniert, gelang Weis im Spätsommer 1941 mit Hilfe eines US-Hilfskomitees die Ausreise über Spanien und Portugal in die USA. Weis arbeitete als Werkzeugmacher in Cambridge/Massachusetts und war Mitglied der AFL. Albin Weis starb am 17. September 1970.

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Weiß, Ulrich

* 2.4.1942

Geb. in Wernigerode, aufgew. in Klingenthal; 1960 Abitur; danach Lehre als Fotograf; 1963/64 Betriebsfotograf bei der SDAG Wismut; 1965 – 68 Kamera- u. Regiestudium an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg; 1970 Diplomfilme »Paragraph 14« u. »Auftrag für morgen«; 1971 – 81 Regisseur im DEFA-Studio für Kurzfilme, u. a. 1971 »Montage ade ...«, 1972 »Zum achtenmal«, 1972 »Meine Waffen sind nicht gebrochen – nur mein Herze brach« zum 175. Geb. von Heinrich Heine, 1974 »Potemkin frei« über die dt. Zensur an Sergej Eisensteins »Panzerkreuzer Potemkin«; ab 1976 Gastregisseur, 1982 – 90 festangest. Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme; Spielfilmdebüt 1977 »Tambari« (nach  Benno Pludra), danach u. a. 1979 »Blauvogel«, 1981 »Dein unbekannter Bruder« (nach  Willi Bredel) über Angst u. Verrat im antifa. Widerstand, gegen den stark stilisierten Film wurde eine Pressekampagne inszeniert, daraufhin nur noch eine Regie, 1983 »Olle Henry«, u. verdecktes Berufsverbot. 1991 »Miraculi«, Spielfilmparabel über den Untergang eines Lands; 1992 Dok.-Film »Der Abstecher«; 1993 – 96 Prof. für Regie an der HS für Film u. Fernsehen Potsdam-Babelsberg; lebt in Ferch (b. Potsdam).Ralf Schenk

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Weißflog, Jens

* 21.7.1964

Geb. in Erlabrunn-Steinheidel; Vater Agrar-Ing.-Ökonom; 1971 – 81 POS, KJS; seit 1971 aktiver Skispringer; ab 1974 Mitgl. beim SC Traktor Oberwiesenthal; 1981 – 85 Ausbildung zum Elektroinstallateur u. im Beruf tätig; wiederholter Sieger der Vierschanzentournee Oberstdorf/Garmisch-Partenkirchen/Innsbruck/ Bischofshofen; bei den Weltmeisterschaften 1984 2. Platz (mit der Mannschaft), 1985 Sieger (von der Normalschanze), 2. Platz (beim Skifliegen), 3. Platz (mit der Mannschaft) u. 9. Platz (von der Großschanze), 1987 5. Platz (von der Normalschanze u. mit der Mannschaft), 15. Platz (von der Großschanze), 1989 Sieger (von der Normalschanze), 2. Platz (von der Großschanze) u. 7. Platz (mit der Mannschaft), 1990 3. Platz (beim Skifliegen); Abg. der Volkskammer; 1984 Olymp. Spiele: Sieger (von der Normalschanze), 2. Platz (von der Großschanze); 1988 Olymp. Spiele: 9. Platz (von der Normalschanze), 31. Platz (von der Großschanze). 1994 Olymp. Spiele: Sieger (von der Großschanze u. mit der Mannschaft), 4. Platz (von der kleinen Schanze); Febr. 1994 Ehrenbürger von Oberwiesenthal; März 1996 endete seine sportl. Laufbahn; Okt. 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgez.; 1996 »Goldene Henne«; lebt in Oberwiesenthal; dort im Nov. 1996 ein Hotel eröffnet; Nov. 1996 mit dem »Goldenen Ski« ausgez.; ZDF-Experte Skisprung.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Weißig, Roland

* 21.7.1918 – ✝ 12.4.2000

Geb. in Chemnitz; Vater Teppichweber; Rote Jungpioniere; Lehre als Werkzeugschlosser; als solcher in den Junkers-Flugzeugwerken Dessau; 1939 RAD; 1940 – 45 Wehrdienst; engl. Kriegsgefangenschaft. Sommer 1945 Rückkehr nach Scheibenberg (Erzgeb.); DVP Annaberg; 1945 KPD, 1946 – 90 SED; 1947 – 49 PHS; 1949/50 Ltr. der Dt. Sportschule in Leipzig; 1950 – 52 Sekr. des Dt. Sportaussch.; 1952 – 57 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport; 1957 – 61 Sekr. des DTSB-Bundesvorst.; 1961 Lehrgang an der PHS der KPdSU in Moskau; 1962 – 66 Vors. des DTSB-BV Karl-Marx-Stadt; 1966 – 68 Vizepräs. des DTSB; 1968 – 74 Vors. des Staatl. Komitees bzw. ab 1970 Staatssekr. für Körperkultur u. Sport (Nachf. von  Alfred Bruno Neumann); 1974 – 83 1. Stellv. Dir. im Palast der Republik; 1951 Mitbegr., 1953 – 57 u. 1985 – 90 persönl. Mitgl., 1959 – 64 u. 1970 – 85 ord. Mitgl. des NOK; 1970 – 84 Präs. des DDR-Handballverb.; 1984 Rentner; KMO; 1990 – 2000 Mitgl. der KPD; gest. in Schwanebeck (b. Berlin).Volker Kluge

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Weiss, Ali

* 1899 – ✝ 7.9.1936

Geboren 1899 in Berlin; von Beruf Zeichner. Ab 1923 Mitglied der KPD. Seit 1926 in der »Roten Fahne« (auch als Zeichner) beschäftigt, war er eng mit Fritz David befreundet, der ihn 1930 in die Zentrale der RGO holte. Dort in der Gruppe Bau angestellt, soll er vorübergehend wegen angeblicher Unterschlagung ausgeschlossen worden sein, wurde aber rehabilitiert. Weiss wurde 1931 Orgleiter der Berliner RGO, 1933 in der illegalen RGO kurze Zeit Bezirksleiter sowie in deren Reichsleitung aktiv. Er wurde 1934 in die UdSSR geschickt und kam als Zeichner zur »Deutschen Zentral-Zeitung« in Moskau. Nach der Verhaftung von David ebenfalls 1936 vom NKWD festgenommen, gehörte Weiss zu den KPD-Mitgliedern, die vom Politbüro am 7.September 1936 als erste aus der Partei ausgeschlossen wurden. Die Liste mit 55 Funktionären trug bei ihm den Vermerk: »Er wurde als Trotzkist verhaftet und abgeurteilt.« Sein Name stand in der Liste »Ausschlüsse aus der KPD«, die das ZK am 11.Oktober 1936 in der »Deutschen Volkszeitung« veröffentlichte. Die Funktionäre waren »wegen trotzkistisch-sinowjewistischer und anderer konterrevolutionärer Verbrechen« der »trotzkistischen Mördergruppe« aus der KPD ausgeschlossen worden. Ali Weiss wurde noch 1936 erschossen.

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Weiterer, Maria

* 18.2.1899 – ✝ 1.12.1976

Geb. in Essen (Ruhr); Vater Buchhalter, Mutter Hebamme; 1906 – 15 Volksschule, Präparandaranstalt, ein halbes Jahr kfm. Schule; 1915/16 Arbeit in versch. Privatbetrieben; ab 1916 in der Kriegsführsorge der Stadtverw. Bochum; 1921 KPD Essen; Mitarb. der Red. »Ruhr-Echo«, Stenotypistin bei  Lex Ende; Funktionärin der KPD-BL Berlin u. im Ruhrgeb.; Roter Frauen- u. Mädchenbund (RFMB); bis 1928 Gaultr. des RFMB; 1928 Mitgl. der Bundesltg. des RFMB; 1928 Mitarb. der Abt. Gewerkschaften des ZK der KPD; Lebensgem. mit Siegfried Rädel; Mitarb. in der Reichsltg. der RGO; später in der Org.-Abt. des KPD-UB Berlin-Charlottenburg; anschl. Frauenltr. im KPD-UB Berlin-Prenzlauer Berg; zul. bis 1933 Pol.-Ltr.; 1933 illeg. pol. Arbeit; Sept. 1933 verhaftet, Sept. 1933 – März 1934 Haft im KZ Mohringen (Solling); 1934 illeg. in die ČSR (Prag); Grenzarbeit im tschech.-dt. Grenzgeb.; Okt. 1934 verhaftet u. U-Haft in Prag; Nov. 1934 in die UdSSR; 1934/35 Stenotypistin bei der Profintern in Moskau; Jan. 1936 in die Schweiz; dort Grenzarbeit; Mitarb. der KPD-Abschnittsltg. Süd; Okt. 1936 verhaftet u. nach Frankr. ausgewiesen; Ltr. des Sozialaussch. der KPD-Emigr.-Ltg. u. Ltr. d. Kaderarchivs d. dt.-spr. Spanienfreiwilligen; Jan. 1940 verhaftet u. im Lager Rieucros intern., ab 1941 im Auswanderungslager Bompard in Marseille; Kontakte zu Noel H. Field; aus dem Lager geflohen u. illeg. in Frankr.; ab Dez. 1941 illeg. in die Schweiz (Genf), dort zus. mit Leo Bauer Abwehrarbeit für die KPD-Emigration; Ende 1944 wieder in Paris, dort Mitarb. des Unitarian Service Committee (USC). Aug. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Gewerkschafts-Sekr., Ltr. des Frauensekr. des DGB-KV Heidelberg u. Mitgl. des Sekr. der KPD-KL Heidelberg; Juni 1946 Übersiedl. nach Berlin; 1946 Hauptref. im Frauensekr. der SED, zuständig für die Westzone; 1947 – 49 gemeinsam mit  Marie Hartung Ltr. der Frauenabt. des PV der SED (Nachf. von  Elli Schmidt u.  Käthe Kern); 1947 Mitbegr. u. Gen.-Sekr. des DFD, nach Konflikten mit der Vors.  Anne-Marie Durand-Wever zurückgetreten; 1949/50 Bundessekr. im Sekr. des DFD-BV; 24.8.1950 wegen ihrer Zusammenarbeit mit Noel H. Field aus SED u. VVN ausgeschl. u. von allen Funktionen entbunden; 1950 – 52 Buchhalterin bzw. Statistikerin in der Seidenweberei Novotex in Berga (Elster); 1952 – 55 Abt.-Ltr. des VEB Novotex in Berga (Elster); 1954 Wiederaufn. in die SED, parteiintern teilweise u. 1956 voll rehabil.; 1956 – 59 Sekr. der BPO im VEB Novotex; 1959 – 63 Hauptref. in der HV Verlage u. Buchhandel des Min. für Kultur, Ltr. des Ressorts private Verlage; Mitgl. der SED-Ltg. der VVB Verlage; 1962 Clara-Zetkin-Medaille; 1963 – 65 Hauptref. in der Kaderabt. der HV Verlage u. Buchhandel; 1964 VVO; April 1965 Rentnerin; 1967 Mitgl. der SED-KL Berlin-Köpenick; 1969 VVO; gest. in Berlin.Fölster, E. / M. W.: Siegfried Rädel. Berlin 1980. Lewis, F.: Bauer im roten Spiel. Berlin, Frankfurt (Main), Wien 1965; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Bart, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Schlüsselfigur der Schauprozesse in Osteuropa. 2 Bde. Berlin 2005 u. 2007.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Welikanowa, Tatjana

* 1932 – ✝ 2002

Mathematikerin, Programmiererin und politische Gefangene. Mitglied der *Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR und jahrelang Herausgeberin der *„Chronik der laufenden Ereignisse“.Tatjana Welikanowa wurde 1932 in Moskau als Tochter eines bekannten sowjetischen Hydrologen geboren, der seit 1939 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften war. Von ihren sieben Geschwistern engagierten sich fast alle mehr oder weniger intensiv in der Menschenrechtsbewegung. 1954 schloss Welikanowa ihr Studium an der Fakultät für Mechanik und Mathematik der Moskauer Universität ab. Anschließend arbeitete sie als Lehrerin im Nordural und ab 1957 als Programmiererin in Moskau. Welikanowa war am 25. August 1968 während der *Demonstration der Sieben auf dem Roten Platz anwesend, nahm aber im Unterschied zu ihrem Mann Konstatin Babizki an der Demonstration selbst nicht teil. Während des Prozesses gegen die Demonstranten trat Welikanowa als Zeugin der Verteidigung auf. Nachdem ihr Mann verhaftet worden war, engagierte sie sich in der zweiten Hälfte der 60er Jahre aktiv in der Menschenrechtsbewegung und unterzeichnete zahlreiche öffentliche Protesterklärungen. Ab Mai 1969 gehörte Welikanowa zur *Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR und arbeitete an der redaktionellen Bearbeitung der meisten Veröffentlichungen der Gruppe mit.Welikanowa war unmittelbar an der Herausgabe der *„Chronik der laufenden Ereignisse“ beteiligt. Nach der Verhaftung von Natalja Gorbanewskaja übernahm sie die Sammlung, Systematisierung und Archivierung eingehender Informationen, die Vervollständigung des Archivs, das Organisieren von Wohnungen für die redaktionelle Arbeit, die Aufgabenverteilung für die Mitarbeiter, die Vorbereitung von Redaktionstreffen, die Abschrift von Manuskripten, das Erstellen von Vorabfassungen des Bulletins und die Anfertigung und Verteilung der sogenannten Nullnummern, das heißt der ersten zehn bis zwölf Exemplare. Bis zu ihrer Verhaftung 1979 war Welikanowa damit die Hauptverantwortliche für die organisatorische Arbeit an der *„Chronik der laufenden Ereignisse“. Im Januar 1973 nahm Welikanowa an einem Treffen teil, bei dem auf Druck des KGB entschieden werden musste, die *„Chronik der laufenden Ereignisse“ einzustellen. Bereits im Herbst desselben Jahres gehörte Welikanowa zu denjenigen, die die Wiederbelebung der Zeitschrift unterstützten. Nach anderthalbjähriger Unterbrechung erschienen im Mai 1974 gleichzeitig die Nummern 28, 29 und 30 der *„Chronik der laufenden Ereignisse“. Welikanowa, Sergei Kowaljow und Tatjana Chodorowitsch erklärten öffentlich, dass sie die Verantwortung für die weitere Herausgabe des Bulletins tragen würden. Sie taten dies auch, um damit im Voraus etwaige Erpressungsversuche gegen andere Mitarbeiter abzuwehren. Am 30. Oktober 1974 nahm Welikanowa in der Wohnung von Andrei Sacharow an einer Pressekonferenz teil, auf der der 30. Oktober zum *Tag des politischen Häftlings in der UdSSR erklärte wurde. Gemeinsam mit Sergei Kowaljow präsentierte Welikanowa dort den westlichen Journalisten auch eine Sonderausgabe der *„Chronik der laufenden Ereignisse“ (Nr. 33), die ausschließlich Informationen über politische Gefangene sowie über diejenigen Straflager enthielt, in denen diese festgehalten wurden. In den 70er Jahren wurde Welikanowas Wohnung zu einem der wichtigsten Knotenpunkte, wo Informationen über politisch Verfolgte aus allen Teilen des Landes zusammenliefen. Darüber hinaus beteiligte sich Welikanowa an den Bemühungen von Mark Popowski, eine unabhängige Nachrichtenagentur zu Menschenrechtsfragen zu gründen. 1976 wurde Welikanowa aus ihrer Arbeit entlassen und es fanden bei ihr mehrfach Hausdurchsuchungen statt. Am 1. November 1979 wurde sie verhaftet und angeklagt, Texte der *Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR an die UNO verfasst, die *„Chronik der laufenden Ereignisse“ herausgegeben und mit ausländischen Herausgebern der Bulletins in Kontakt gestanden zu haben. Dies sollte vor Gericht durch einen an sie gerichteten Brief von Pawel Litwinow aus New York belegt werden. Das Moskauer Stadtgericht verurteilte sie dann am 29. August 1980 nach *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR zu vier Jahren Haft im *Lager mit besonderem Vollzug sowie zu fünf Jahren anschließender Verbannung. Noch vor der Gerichtsverhandlung wurde in Moskau ein Komitee zu Verteidigung Tatjana Welikanowas gegründet, dem unter anderem Leonard Ternowski, Alexander Lawut und Malwa Landa angehörten. Nach Ablauf ihrer Haft, die Welikanowa in einem Frauenlager in den *mordwinischen Lagern verbüßt hatte, wurde sie Ende 1983 in das Gebiet Mangyschlak in Westkasachstan verbannt. Im Mai 1987 wurde sie im Rahmen einer von Parteichef Michail Gorbatschow erlassenen Amnestie über ihre Begnadigung informiert, verweigerte jedoch bis Dezember die Anerkennung der Begnadigung und blieb am Ort ihrer Verbannung. Nach der Rückkehr aus Moskau arbeitete Welikanowa in einer Schule und unterrichtete jüngere Klassen in Mathematik und Russisch. Während ihres Wirkens in der Dissidentenbewegung hielt sich Welikanowa immer streng an die Regel, nicht mit den Strafverfolgungsorganen zusammenzuarbeiten. Sie verweigerte nicht nur Geständnisse, sondern auch die Mitwirkung an Prozessen und der Erstellung von Verhörprotokollen. Ihre Haltung begründete sie immer wieder damit, dass jedwede Handlung zur Unterdrückung des freien Denkens a priori unrechtmäßig sei. Sie war eine der wenigen Personen, denen es gelang, diesem Prinzip auch während des Untersuchungsverfahrens treu zu bleiben. Tatjana Welikanowa war eines der angesehensten Mitglieder der sowjetischen Menschenrechtsbewegung. Sie starb 2002 in Moskau.Alexander Daniel Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 03/16

Wer war wer in DDR

Welm, Charlotte

* 25.10.1923

Geb. in Nowawes (Krs. Teltow); Vater Maurer; Volksschule; 1938 – 41 Ausbildung zum Kfm.; 1941 – 47 Buchhalterin in Potsdam-Babelsberg. 1945/46 SPD/SED; FDGB; 1945 – 47 Betriebsratsvors. in der Märk. Knäckebrotfabrik; 1946 – 51 Mitgl. des Landesvorst. Brandenb. der IG Nahrung, Genuß u. Gaststätten, 1950/ 51 deren Vors.; seit 1946 Mitgl. des ZV; 1952 – 54 dort Abt.-Ltr.; 1952/53 FDGB-HS in Bernau; 1954 – 84 Vors. der IG Handel, Nahrung u. Genuß; 1954 – 87 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB, bis 1984 seines Präs.; 1960/ 61 PHS; 1965 – 67 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1971 – 81 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Handel u. Versorgung; 1974 VVO; 1984 Rentnerin.Aufgaben zur Entw. der schöpfer. Masseninitiative im soz. Wettbewerb. o. O. 1971.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Wend, Arno

* 3.8.1906 – ✝ 8.3.1980

Geb. in Zittau; Eltern Arbeiter; Ausbildung als Anwaltsgehilfe in Dresden; anschl. bis 1933 dort im Arbeitsamt tätig; 1925 SPD; Weiterbildungskurse an der Heimvolksschule Tinz u. der TH Dresden; 1929 – 31 Vors. der SAJ Ostsachsen; 1932 Stadtverordn. in Dresden, 1933 entlassen; im März 1933 inhaftiert, 23.6. – 30.7.1933 Haft im KZ Hohenheim; am 3.11.1933 verhaftet u. am 24.3.1934 zu drei Monaten Gefängnis wg. Tätigkeit für die SPD verurteilt; am 15.11.1938 erneut verhaftet, am 16.2.1939 wg. Mangels an Beweisen entlassen; Febr. 1940 Einberufung in die Wehrmacht; 1945 US-Kriegsgef., Entlassung in die SBZ. Juli 1945 Mitgl. des SPD-LV Sachsen, 7.4. 1946 Mitgl. des SED-LV Sachsen, 1.9.1946 Mitgl. der Stadtverordnetenversamml. Dresden, Sept. 1946 Entlassung als Parteiangest.; Geschäftsf. der landw. Zentralgenossenschaft Sachsen; Nov. 1947 Ausschluß aus der SED; wiederholte Treffen mit westdt. SPD-Politikern in West-Berlin; 7.7.1948 Verhaftung wg. Tätigkeit für das Ostbüro der SPD; 20.4.1950 durch das Sowj. Militärtribunal Berlin-Lichtenberg zum Tode verurteilt, Umwandl. der Strafe zu 25 Jahren Haft, deportiert u. a. nach Workuta u. Nowaja Semlja; Dez. 1955 in die DDR entlassen; Jan. 1956 Flucht in die Bundesrep.; Arbeit für das Ostbüro der SPD, Mitgl. im Häftlingsbeirat der SPD; Beamter in der Staatskanzlei u. im Innenmin. des Landes Hessen in Wiesbaden; Stadtverordn. in Wiesbaden; 1971 pensioniert.Schmeitzner, M.: Doppelt verfolgt. Das widerständige Leben des A.W. Berlin 2009.Bernd Florath

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Wendland, Günter

* 4.6.1931 – ✝ 9.3.2003

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Vater Sparkassenangest.; Mutter Verkäuferin; 1937 Grund-, ab 1941 Oberrealschule in Königsberg, dann 1945 – 48 in Grabow (Krs. Ludwigslust); 1941 – 45 Dt. Jungvolk der HJ, Jungenschaftsführer. 1948 – 57 FDJ; 1950/51 Instrukteur u. Abt.-Ltr. f. Agit. u. Prop. der FDJ-KL Ludwigslust; 1951 FDJ-Landesjugendschule in Dömitz; 1951 SED; 1951/52 Instrukteur u. Sektorenltr. der FDJ-LL Schwerin; 1952/53 Instrukteur der FDJ-BL Neubrandenb.; 1953 – 57 Jurastudium an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1957 Staatsanwalt des Bez. Schwerin; 1957 – 59 Staatsanwalt, 1959 – 62 Krs.-Staatsanwalt des Krs. Perleberg; 1957 – 62 Kampfgr.; 1962 stellv. Bez.-Staatsanwalt in Schwerin; 1964 – 86 stellv. Gen.-Staatsanwalt der DDR; 1972 – 75 Fernstudium an der PHS, ohne Abschl.; ab 1980 – Jan. 1990 Vizepräs. der Vereinigung der Juristen; Juni 1986 – Dez. 1989 Gen.-Staatsanwalt der DDR (Nachf. von  Josef Streit); 1986 – Dez. 1989 Kand. des ZK der SED; 1988 VVO; 1990 Zulassung als Rechtsanwalt.Helmut Müller-Enbergs

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Weimer, Gottfried

* 13.9.1890 – ✝ 29.7.1957

Geboren am 13. September 1890 in Esslingen, Sohn eines Postschaffners. Das sechste von elf Kindern erhielt eine Ausbildung als Lehrer. Vor dem Weltkrieg Lehrer im württembergischen Volksschuldienst. 1917 Mitglied der USPD, Ende 1919 der KPD. Im April 1920 Übersiedlung nach Chemnitz, Redakteur und kurz Chefredakteur beim »Kämpfer«. Im Dezember 1920 Delegierter für den Bezirk Erzgebirge-Vogtland zum Vereinigungsparteitag USPD (Linke) mit der KPD zur VKPD in Berlin. Im April 1921 von einem Gericht in Dresden wegen »Hochverrats« angeklagt, weil er als verantwortlicher Redakteur Artikel aus der »Roten Fahne« übernommen habe. Als Anhänger Paul Levis verteidigte er auf dem Bezirksparteitag im März 1921 dessen Kritik an der KPD-Politik. Er schied am 23.März 1921 aus der Redaktion des »Kämpfers« aus, legte alle politischen Funktionen nieder. Weimer entzog sich der Vorladung zum Prozeß in Dresden durch Umzug nach Altburg/ Württemberg, wurde dort verhaftet und nach Dresden gebracht. Paul Levi vertrat ihn vor Gericht, die Anklage wurde niedergeschlagen, da die besagten Artikel erst nach Ausscheiden Weimers aus der Redaktion erschienen waren. Im Juni 1921 kehrte er nach Württemberg zurück, war ab 1922 wieder als Lehrer tätig. Später Mitglied der SPD, wohnte in Esslingen, dann in Altburg/Calw, wo Gottfried Weimer am 29.Juli 1957 starb.

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Weingärtner, Heinrich

* 24.5.1902 – ✝ 25.8.1977

Geboren am 24. Mai 1902 in Karlsruhe; Buchdrucker, seit 1925 Mitglied und Funktionär der KPD. Im Februar 1933 Flucht nach Utrecht, im April 1933 in das Saargebiet. Anschließend Einsatz in Deutschland, illegaler Leiter der BL Hessen-Frankfurt. Bereits am 21. Dezember 1933 in Frankfurt/M. festgenommen und am 11. Mai 1934 vom OLG Kassel zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend bis 1945 Haft im KZ Buchenwald, dort 1941/42 Kapo im Krankenbau (Vorgänger von Ernst Busse), 1942 in das Arbeitserziehungslager Hallendorf, ein Zwangsarbeitslager der Reichswerke Hermann Göring verschleppt, Frühjahr 1945 Flucht aus dem Lager. April 1945 Eintritt in den Polizeidienst in Braunschweig, zuletzt Leiter der Fahndungsabteilung der Braunschweiger Kriminalpolizei. Gegen Weingärtner gab es Ende der vierziger Jahre ein Dienststrafverfahren wegen Spionage (es ging um Kontakte zu Polizeidienststellen in der SBZ/DDR). 1953 erfolgte seine Versetzung nach Stade. Im Februar 1955 zog er nach Cloppenburg, politisch trat er nicht mehr hervor. Heinrich Weingärtner starb am 25. August 1977 in Ratingen.

Wer war wer in DDR

Weiß, Hilmar

* 11.3.1928

Geb. in Suhl; Vater techn. Angest.; 1934 – 44 Volks- u. Handelsschule; 1944 – 46 Ausbildung zum Kfm., 1944/45 RAD. 1945/46 SPD/SED; seit 1946 Buchhalter u. Ltr. des Rechnungswesens im Verb. der Konsumgenossenschaften (VDK) Suhl u. Meiningen; 1952 Hauptbuchhalter; 1953 Zentralschule des ZK der SED in Ballenstedt; 1954 – 58 Vors. des Konsumbez.-Verb. Suhl; 1954 – 58 Abg. des Bez.-Tags u. Mitgl. des Rats des Bez. Suhl; 1959 – 63 Vors. der ZRK des VDK; 1959/60 Fernstudium an der HS für Binnenhandel Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1963 – 67 Präs. des VDK; 1967 – 89 Ltr. der Abt. Handel, Versorgung u. Außenhandel des ZK der SED; 1969 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HfÖ Berlin, Diss. zu Planung u. Ltg. der Außenwirtschaft; 1978 u. 1988 VVO; 1981 – 83 Kand., 1983 – 89 Mitgl. der ZRK der SED; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1990 Vorruhestand.Die Planung u. Ltg. der Außenwirtsch. Berlin 1969.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

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Weißberg-Cybulski, Alexander

* 1901 – ✝ 1964

(* 1901 – † 1964) Geboren 1901 in Krakau, damals Österreich-Ungarn, Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns. Die Familie zog nach Wien, wo er technische Physik studierte und dann als Physiker arbeitete. Seit 1920 in der SPÖ, trat er 1927 der KPÖ bei und seit der Übersiedlung nach Deutschland 1929 der KPD. Als inzwischen weithin bekannter Physiker war er u. a. für deren Geheimapparat tätig (Pseudonym Peter Warbeck), was die Kaderabteilung der Komintern am 4. April 1937 bestätigte: »Er hat für den illegalen Parteiapparat der KPD gearbeitet.« Im März 1931 kam Weißberg in die Sowjetunion, er war einem Ruf an das Ukrainische Physikalisch-Technische Institut in Charkow, eine der damals größten Forschungsstätten Europas, gefolgt und bekam dort eine führende Stellung. Am 20.März 1937 wurde Weißberg vom NKWD festgenommen, doch die Inhaftierung des berühmten österreichischen Wissenschaftlers löste eine Welle weltweiter Empörung aus. Albert Einstein schrieb im Mai 1938 wegen Weißbergs Freilassung sogar an »Herrn Stalin«; die französische Trägerin des Nobelpreises und später bekannte Kommunistin Irene Joliot Curie u. a. verlangten vom Generalstaatsanwalt Wyschinski, die »erforderlichen Schritte zur sofortigen Freilassung zu tun«. Doch Weißberg blieb in NKWD-Haft, im September 1939 unterschrieb er nach Folterungen das übliche »Geständnis«. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt im Januar 1940 vom NKWD der Gestapo übergeben, war er drei Monate in deren Gewahrsam und wurde dann ins Ghetto Krakau abgeschoben. Er konnte im Frühjahr 1942 flüchten, schloß sich dem polnischen Widerstand an, war in Warschau, wo er den Aufstand im jüdischen Ghetto (Mai 1943) sowie den Nationalaufstand (Herbst 1944) überlebte. Bis Ende der vierziger Jahre wohnte er unter dem Namen seiner Frau, Cybulski, als Geschäftsmann in Krakau, dann kam er nach Schweden, übersiedelte Anfang der fünfziger Jahre nach Frankreich. Alexander Weißberg-Cybulski starb im Frühjahr 1964 in Paris. Er hatte sich nach 1945 gründlich mit den Stalinschen Säuberungen auseinandergesetzt, sein mehrfach veröffentlichtes, 1951 in Deutschland erschienenes Buch »Hexensabbat« gehört zu den frühen Standardwerken über den stalinistischen Terror. In der Einleitung dazu hatte Arthur Koestler Weißbergs außerordentliche Persönlichkeit ebenso gewürdigt wie seinen erstaunlichen Lebensweg und seine Haltung. »Ich kenne keinen einzigen, der nach drei Jahren GPU-Haft und fünf Jahren Gestapo-Verfolgung physisch und geistig so unversehrt, so zufrieden mit dieser besten aller möglichen Welten wieder aufgetaucht wäre wie Alexander Weißberg-Cybulski. Er sah wie ein wohlhabender Kaufmann aus ... mit runden, ausgeglichenen Bewegungen, mit einer Vorliebe für Wiener Kaffeehausgeschichten, Pralinés kauend oder seinen vielgeliebten türkischen Honig.« Wichtig bleibt, daß Weißberg aus eigener Erfahrung, lange vor Öffnung der Archive mit seinem berühmten Gedächtnis die Praxis und die Hintergründe des stalinistischen Terrors geschildert und analysiert hat.

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Weisheit, August

* 9.10.1898 – ✝ 5.8.1985

Geboren am 9. Oktober 1898 in Bielefeld; Mittelschule, Maurerlehre, 1917 Einberufung zum Militärdienst. Nach dem Krieg Gelegenheitsarbeiter, Maurer und Stahlarbeiter im Ruhrgebiet und Rheinland sowie im Raum Magdeburg. 1920/21 löste er sich aus dem sozialdemokratischen Milieu seines Elternhauses und trat der KPD bei. Seit 1923 UB-Sekretär der Bielefelder KPD, wurde er einer von drei M-Leitern des Bezirks Niedersachsen. Als solcher ließ er im Herbst 1923 aus Steinbrüchen bei Steinhagen geraubten Sprengstoff und von Genossen aus Lippe gestohlene Munition nach Bielefeld und dann nach Hannover bringen und verübte im Dezember 1923 einen Anschlag auf das Gebäude des Oberpräsidenten Gustav Noske. Steckbrieflich gesucht, flüchtete Weisheit dann mit einem gefälschten französischen Reisepaß 1924 nach Marseille und Paris. Dort blieb er sieben Jahre, war aktiv in der CGT und KPF. Im Sommer 1931 kehrte er nach Bielefeld bzw. Oerlinghausen/Lippe zurück, Funktionär im UB Bielefeld, Redakteur beim »Kämpfer« und Leiter einer illegalen RFB-Zelle, im Januar 1932 in den Kreistag Lemgo gewählt. Im Februar/März 1933 verhaftet, irrtümlich auf freien Fuß gesetzt, versteckte er sich in der Osnabrücker Gegend. Am 1.Mai 1933 wieder festgenommen, vom OLG Hamm Anfang 1934 zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt. Anschließend floh er zu seiner französischen Lebensgefährtin und seiner Tochter nach Paris, wurde im April 1937 Sekretär des von der KPD initiierten Koordinationsausschusses Deutscher Gewerkschafter. 1938 oder 1939 als Anhänger von Willi Münzenberg aus der KPD ausgeschlossen, im September 1939 interniert. Er verpflichtete sich für die Fremdenlegion, kam im Frühjahr 1940 nach Nordafrika zum Gleisbau und überlebte den Krieg, kehrte aber nicht nach Deutschland zurück. August Weisheit starb am 5.August 1985 in Annonay in Südfrankreich.

Wer war wer in DDR

Weiskopf, F. C. (Franz Carl)

* 3.4.1900 – ✝ 14.9.1955

Geb. in Prag in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Bankbeamter; dt. Volksschule u. Altstädter Realgymnasium in Prag, 1918 Abitur; 1918 Militärdienst; Studium der Germanistik u. Geschichte an der Dt. Univ. Prag; 1919 – 21 Mitgl. der SPD in der ČSR; Übertritt zur KPČ; 1920 Austritt aus der jüd. Gemeinde; ab 1920 journalist. Tätigkeit für die soz. Ztg.; 1923 Prom. zum Dr. phil.; Mitgl. der tschech. Dichtergr. »Devetsil«; 1924 – 28 neben schriftsteller. Betätigung u. a. TASS-Auslandskorrespondent; 1926 Reise in die UdSSR; 1928 – 33 in Berlin Lektor, Red. u. Journalist, u. a. 1928 – 31 im Feuilleton von »Berlin am Morgen«; BPRS u. Ltg.-Mitgl. im SDS; 1931 Heirat mit  Alex Wedding; 1933 aus Dtl. ausgewiesen; Febr. 1933 Emigr. in die ČSR; 1933 – 37 Chefred. der »AIZ«, dann der »Volks-Illustrierten« in Prag; 1934 Deleg. zum 1. Allunionskongr. der Sowjetschriftst. in Moskau; 1937 Herder-Preis der ČSR; 1938 Emigr. nach Paris, Mitarb. im dortigen »Schutzverband Dt. Schriftsteller«; Juni 1939 Teiln. am Kongreß der League of American Writers in New York, kehrte infolge Kriegsbeginns nicht nach Europa zurück; in den USA erfolgr. Einsatz für die Freilassung in Frankreich internierter Schriftsteller; Mitarb. im Komitee für exilierte Schriftst. Nach 1945 diplomat. Dienste für die Reg. der ČSR, 1946 / 47 Presseattaché beim Generalkonsulat der ČSR in New York, 1948 / 49 Botschaftsrat in den USA (Washington D.C.), 1949 Botschafter in Schweden u. 1950 – 52 in China; Juli 1952 Rückruf nach Prag, kurztg. Verhaftung u. Vernehmungen durch die tschech. Staatssicherheit im Kontext des Slánský-Prozesses; Nov. 1953 Übersiedl. in die DDR (Berlin); 1953 Mitbegr. der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«, zus. mit  Willi Bredel deren Chefred.; Mitgl. des Präs. des DSV, um den schriftsteller. Nachwuchs bemüht; 1954 DDR-Staatsbürgerschaft; 1954 Mitgl. der DAK u. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; gest. in Berlin; 1969 von der KPČ wg. der Verfolgung 1952 / 53 posthum rehabil.Es geht eine Trommel. Berlin 1923; Die Versuchung. Zürich 1937 (neuer Titel: Lissy oder Die Versuchung. Berlin 1954); Unter fremden Himmeln. Abriß der Lit. im Exil 1933 – 47. Berlin 1948; Abschied vom Frieden. Frankfurt (Main) 1950; Das Anekdotenbuch. Berlin 1954; Verteidigung der dt. Sprache. Berlin 1955. Erinnerungen an einen Freund. Ein Gedenkbuch für F. C. W. Berlin 1963; Arndt, F.: F. C. W. Leipzig 1965 (Bildband); Hiebel, I.: F. C. W. Schriftsteller u. Kritiker. Berlin, Weimar 1973; Stephan, A.: Im Visier des FBI. Dt. Exilschriftsteller in den Akten amerikan. Geheimdienste. Stuttgart 1995.Jürgen Kaulfuß / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Weiss, Cornelius

* 14.3.1933

Geb. in Berlin; Vater Kernphysiker Christian W.; ab 1945 wegen Dienstverpflichtung des Vaters Schulbesuch in der UdSSR; 1953 – 55 Studium der Chemie in Minsk u. Rostow am Don, anschl. an der KMU Leipzig; 1960 Dipl. bei Wilhelm Treibs; 1964 Prom.; 1970 Doz. für Theoret. Chemie; 1973 Prom. B; 1975 – 89 stellv. Ltr. der Problemgr. Theoret. Chemie der DDR; 1989 Prof.; 1990 Dir. der Sekt. Chemie der Univ. Leipzig; Mitbegr. der Initiativgr. zur demokrat. Erneuerung der Univ. 1991 – 98 Rektor der Univ. Leipzig; 1996 Mitgl. der Sächs. AdW; 1997 SPD; 1999 Bundesverdienstkreuz; Sept. 1999 – 2009 MdL Sachsen, 2004 – 07 Vors. der SPD-Fraktion. Mitbegr. der theoret.-chem. Forschung in der DDR durch wiss. u. org. Leistungen sowie als akadem. Lehrer u. Buchautor; spez. Arbeitsgebiet: quantenchem. Behandlung des Reaktionsverhaltens u. der Kinetik organ. Verbindungen.Hans-Georg Bartel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Weiterer, Maria

* 18.2.1899 – ✝ 1.12.1976

Geboren am 18. Februar 1899 in Essen als Maria Tebbe, Tochter eines Buchhalters und einer Hebamme; kaufmännische Ausbildung. Nach dem Weltkrieg heiratete sie den Arbeiter Mathias Weiterer. Im April 1921 trat sie in die KPD ein und begann als Volontärin beim »Ruhr-Echo«, gehörte dem Frauensekretariat der BL Ruhrgebiet an und wurde Leiterin des RFMB Ruhr. Nach dem XI. Essener Parteitag 1927 nach Berlin berufen, Bundessekretärin des RFMB. Da sie sich gegen den von Helene Overlach propagierten paramilitärischen Charakter des RFMB aussprach und für eine Frauenorganisation eintrat, die vor allem politische Aufklärungsarbeit leisten sollte, mußte sie Ende 1928 ihre Funktion aufgeben. Anschließend in der Gewerkschaftsabteilung des ZK tätig, nach Gründung der RGO Mitarbeiterin in deren Reichsleitung. Seit 1928 lebte sie mit Siegfried Rädel zusammen. Ende Februar 1933 illegal, wurde sie am 1. September 1933 festgenommen, »Schutzhaft« im KZ Moringen. Im März 1934 entlassen, emigrierte sie in die ?CSR, Ende des Jahres in die Sowjetunion. Sie arbeitete bei der Profintern und kam im Dezember 1935 zusammen mit Siegfried Rädel in die Schweiz, der dort die Führung der AL Süd übernahm. Im Oktober 1936 nach Frankreich ausgewiesen, in der KPD-Emigrationsleitung aktiv. Am 27. Januar 1940 interniert, gelang ihr 1941 die Flucht in den noch unbesetzten Teil Frankreichs. Von Marseille aus reiste sie in die Schweiz, wo sie sich bis zum Herbst 1944 illegal aufhielt. Ab 1944 Angestellte der Hilfsorganisation »Unitarian Service Committee« und enge Zusammenarbeit mit Noel H. Field. Im August 1945 kehrte sie nach Deutschland zurück, Gewerkschaftssekretärin in Heidelberg und Mitglied der KPD-BL Baden. Sie übersiedelte im August 1946 in die SBZ, Hauptreferentin, dann Leiterin der Frauenabteilung des SED-PV. Von April bis November 1947 maßgeblich am Aufbau des DFD beteiligt, wurde sie erste Generalsekretärin der kommunistisch gelenkten Frauenorganisation, von Juli 1949 bis August 1950 Sekretärin des DFD-Bundesvorstandes, verantwortlich für Organisationsarbeit. Mit den 1950 einsetzenden »Säuberungen« und der Überprüfung aller Westemigranten in der SED wurde Maria Weiterer wegen ihrer engen Kontakte zu dem als amerikanischer Agent verleumdeten Noel H. Field Ende August 1950 mit Paul Merker u. a. aus der SED ausgeschlossen und aller Funktionen enthoben. Anfang Oktober 1950 zur »Bewährung« in den VEB Woll- und Seidenweberei »Novotex« nach Berga/Elster bei Greiz verbannt, mehrere Anträge auf Wiederaufnahme in die SED wurden abgewiesen. Anfang 1955 erhielt sie stillschweigend ihr Mitgliedsbuch zurück, eine von ihr geforderte öffentliche Rehabilitierung lehnte die ZPKK ab. Bis 1959 blieb sie in Berga, war dort zuletzt Schulungsleiterin und Parteisekretärin. Im Januar 1959 durfte sie nach Ost-Berlin zurückkehren und arbeitete bis April 1965 als Hauptreferentin im Kulturministerium, sie erhielt 1969 den VVO in Silber. Maria Weiterer starb am 1. Dezember 1976 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Welk, Ehm

* 29.8.1884 – ✝ 19.12.1966

Geb. in Biesenbrow (b. Angermünde); Vater Landwirt; 1903 Volontär u. Hilfsred. der »Stettiner Abendpost«; anschl. Seefahrt; danach journalist. tätig; 1922 aus dem Reichsverb. der Dt. Presse ausgeschlossen aufgrund seiner pazifist. Haltung; ab 1923 als Schriftst. in Berlin; 1926 aufsehenerregendes Drama »Gewitter über Gotland«; ab 1928 Chefred. der Ztg. »Grüne Post«; 1934 KZ (Oranienburg) Sachsenhausen wegen eines gegen Joseph Goebbels gerichteten Leitartikels; zeitw. Schreibverbot; 1937 Erfolgsroman »Die Heiden von Kummerow«; Übersiedl. nach Neukirchen (b. Stettin); 1938 »Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer«, 1943 »Die Gerechten von Kummerow«. 1945/46 KPD/SED; 1945 Begründ. des KB in Ueckermünde; Sachbearb. im Landratsamt; 1945 – 49 in Mecklenb. Mitarb. im Min. für Volksbildung; gründete sechs VHS in Mecklenb.; Dir. der VHS in Schwerin; ab 1949 PEN-Zentrum Dtl., dann PEN-Zentrum Ost-West; ab 1950 freischaff. in Bad Doberan; veröff. u. a. »Mein Land, das ferne leuchtet« (1952), »Mutafo oder das Ding, das durch den Wind geht« (1955); 1954 NP; 1954 Ehrenbürger von Bad Doberan u. Angermünde; Mitgl. der DAK; 1956 Dr. h. c. der EMAU Greifswald; 1959 VVO; Dt. Friedensmedaille; 1964 Prof.; Mitgl. des Wiss.-Künstler. Rats beim Min. für Kultur; gest. in Bad Doberan.Reich, K.: E. W. Stationen eines Lebens. Rostock 1976; Schürmann, M.: Der Hammer will gehandhabt sein. Untersuchungen zum literar. Nachkriegsschaffen E. W.s (1945 – 1966). Frankfurt (Main) u. a. 2001; Rösler, R.: »Ich bin ein politischer Mensch, aber keine Kämpfernatur?« E. W. u. sein Verhältnis zur Macht (1933 – 1953). In: Fallada-Jahrbuch, Bd. 5. Neubrandenburg 2006; Reich, K.: E. W. Der Heide von Kummerow. Die Zeit, das Leben. Rostock 2008.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Welskopf, Elisabeth Charlotte

* 15.9.1901 – ✝ 16.6.1979

Geb. in München; Vater Rechtsanwalt; Abitur am humanist. Gymnasium; 1921 – 25 Studium der Alten Geschichte, Rechtswiss., Ökon. u. Philos. an der Univ. Berlin; seit 1923 schriftsteller. tätig; 1925 Prom.; 1925 – 27 Betriebsstatistikerin; 1928 – 45 Ref. im Statist. Reichsamt; 1943 – 45 aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime. Mai 1945 – Juli 1946 Verw.-Referentin im Bez.-Amt Berlin-Charlottenburg; 1946/47 Handlungsbevollm. in der Baustoff-Beschaffung-GmbH; 1946 KPD / SED; 1949 – 52 Aspirantin an der HU Berlin; 1952 – 59 Doz.; 1959 Habil. mit einer Arbeit über Muße im alten Hellas; 1960 Prof. mit Lehrauftrag; 1961 Ltr. der Abt. Geschichte des Altertums am Inst. für Allg. Geschichte der HU Berlin; 1962 – 72 Mitgl. des Präs. der Historikerges. u. Ltr. der Fachgr. Alte Geschichte; 1964 als erste Frau Ord. Mitgl. der DAW; 1966 Em.; 1958 u. 1961 VVO; 1972 NP; gest. in Garmisch-Partenkirchen. L. W.-H. gehörte zu den ersten marxist. Altertumsforschern in der DDR, ihre vornehml. Forschungsthemen waren: Produktionsverhältnisse im Alten Orient u. in der griech.-röm. Antike, soziale Gruppen- u. Typenbegriffe, die hellen. Poleis; v. a. mit ihren Indianerbüchern (»Die Söhne der großen Bärin«; »Nacht über der Prärie«; »Licht über weißen Felsen« u. a.) wurde L. W.-H. auch als Kinder- u. Jugendbuchautorin internat. bekannt.Die Produktionsverhältnisse im Alten Orient. Berlin 1957; Die Muße als Problem Stark, I. (Hrsg.): E. Ch. W. u. die Alte Geschichte in der DDR. Stuttgart 2005.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Wend, Diethard

* 10.12.1932

Geb. in Leipzig; Vater Angest.; OS, Abitur; 1950 NDPD; Volontär bei der Leipziger Beilage der »National-Ztg.«; 1952 Volontär bei den »Sächs. Neuesten Nachrichten«; 1954 VDJ; 1956 Red. der »National-Ztg.«; 1961 – 66 Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1972 stellv. Chefred., 1982 – 90 Chefred. der »National-Ztg.« (Nachf. von  Horst Kreter); 1981 VVO; 1982 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD, 1985 – 90 seines Sekr.; 1982 Mitgl. des ZV des VDJ, 1987 – 90 seines Präs.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Wendt, Erich

* 29.8.1902 – ✝ 8.5.1965

Geb. in Leipzig; Vater Fleischermeister; 1908 – 16 Volksschule in Eisleben; 1916 – 20 Ausbildung zum Schriftsetzer bei Ullstein Berlin; 1920/21 dort im Beruf tätig; 1919 Freie Soz. Jugend; 1920 KJVD; 1922 KPD; 1921/22 Buchhändler »Die Junge Garde« Berlin; 1922/23 »Meshdunarodnaja Kniga« Berlin; gehörte 1923 innerhalb der KPD zur linken Opposition gegen Heinrich Brandler; 1923 wegen »Vorber. zum Hochverrat« verhaftet, U-Haft im Zuchthaus Cottbus, Dez. 1923 Verfahren eingestellt; 1923/24 Verlag der Jugendinternat. in Wien; 1925/26 Red. der KJI in Moskau; 1926 Mitgl. des ZK des KJVD; 1927/28 Red. beim ZK der KJVD in Berlin; 1928 – 31 Hersteller u. Red. im Verlag der Jugendinternat. Berlin; Juni 1931 nach Moskau emigriert, weil ein Gerichtsverfahren wegen »liter. Hochverrats« eingeleitet worden war; dort Herstellungsltr. u. stellv. Vors. der Verlagsgenossenschaft ausländ. Arbeiter in der UdSSR; Aug. 1936 in Moskau verhaftet u. aus der KPD ausgeschl.; 1936 – 38 U-Haft durch das NKWD in Saratow; 1939 KPD-Ausschl. zurückgenommen; 1938 – 40 Dt.-Lehrer in Engels; 1940/41 Übersetzer bei der Ztg. »Die Nachrichten« (Engels); 1941 mit Wolgadeutschen deportiert u. nach Kansk (Krasnojarsker Gebiet) verbannt; dort 1941/42 Arbeiter u. Hilfsbuchhalter im Sowchos »Majak«; 1942 – 47 Übersetzer in der dt. Red. von Radio Moskau. März 1947 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); SED; 1947 – 54 Ltr. des Aufbau-Verlags Berlin (Nachf. von Kurt Wilhelm); 1949 gleichz. Ltr. der Abt. Sowjetprop. im Berliner Rundfunk u. beim Dtl.-Sender; 1949 – 65 Präsidialratsmitgl. des KB; 1951 – 53 1. Bundessekr. des KB; seit 1958 Vizepräs. des KB; 1950 – 58 Abg. der Volkskammer, Vors. der KB-Fraktion; 1953 – 57 Ltr. der Leninabt. des IML; 1957 – 65 stellv. Minister für Kultur (im Rang eines Staatssekr.), verantw. für die Bereiche Org., Lit. u. Buchwesen; 1959 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 KMO; 1963 DDR-Beauftr. zur Verhandlung mit dem West-Berliner Senat über Privatbesuche in Berlin (Ost) (Passierscheinverhandlungen); 1964 VVO; war in erster Ehe (bis 1936) mit Lotte Kühn ( Lotte Ulbricht) verh.; seit 1950 verh. mit Charlotte Teuber (der ersten Ehefrau von Herbert Wehner); gest. in Berlin.E. W. zum Gedenken. Berlin, Weimar 1967; Wurm, C.: Der frühe Aufbau-Verlag 1945 – 61. Konzepte u. Kontroversen. Wiesbaden 1996.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Weinert, Erich

* 4.8.1890 – ✝ 20.4.1953

Geb. in Magdeburg; Vater Ing.; 1896 – 1904 Bürgerschule, 1904/05 u. 1908 – 10 Kunstgewerbeschule in Magdeburg; 1905 – 08 Lehre als Maschinenbauer; 1910 – 12 Studium an der Königl. Kunst-HS in Berlin, St.-Ex. als akadem. Zeichenlehrer; 1912/1913 freischaff. als Maler, Grafiker u. Buchillustrator; 1913 – 19 Militärdienst, Infanterieoffz.; 1919 – 21 Kunstgewerbelehrer in Magdeburg; erwerbslos; 1921 Veröff. satir. Gedichte u. Auftritte in pol. Kabaretts in Berlin u. Leipzig; Beiträge in den Ztschr. »Weltbühne« u. »Simplizissimus«; ab 1924 Mitarb. an der »Roten Fahne« u. anderen linken Presseorganen; Rezitator bei Veranstaltungen der KPD, SPD, Gewerkschaften u. RHD; seit 26.2.1926 in zweiter Ehe mit Elisabeth Pitschmann verh.; 1928 Mitbegr. u. Vorstandsmitgl. des BPRS; Autor von Szenen, Liedern u. Gedichten für Agitpropgr.; 1929 KPD; 1929 – 32 Mithrsg. u. Red. der »Linkskurve«; 1931 Prozeß wegen »Gotteslästerung, Aufreizung zum Klassenhaß, Aufforderung zum bewaffneten Aufstand«, sieben Mon. Redeverbot; Nov. 1932 Reichstagskand. u. März 1933 Reichstags- u. preuß. Landtagskand. der KPD; Febr. 1933 Vortragsreise in die Schweiz; nach Erlaß eines Haftbefehls keine Rückkehr nach Dtl.; Emigr. nach Frankreich u. ins Saargeb.; Nov. 1934 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Aug. 1935 Emigr. in die UdSSR; Red.-Mitgl. der Ztschr. »Internat. Lit./Dt. Blätter«; Mitgl. der dt. Sekt. des sowj. Schriftst.-Verb.; 1937 – 39 Teiln. am Bürgerkrieg in Spanien, Mitarb. des Kommissars der XI. Internat. Brigade; Febr. – Herbst 1939 Internierungslager St. Cyprien in Südfrankreich; Rückkehr in die Sowjetunion; Arbeit in versch. Archiven; 1940 sowj. Staatsbürgerschaft; Übers. von russ. u. ukrain. Klassikern u. sowj. Dichtern; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; ab Juni 1941 Mitarb. in der GlavPURKKA, am Moskauer Rundfunk u. am Dt. Volkssender; kurzz. Evakuierung nach Kasan; Ende Nov. 1942 – Ende Jan. 1943 mit  Walter Ulbricht Propagandaeinsatz an der Stalingrader Front; 1943 – 45 Mitbegr. u. Präs. des NKFD; vom RKG wegen »Hochverrats« in Abwesenheit zum Tode verurteilt; Febr. – Aug. 1944 Mitarb. in einer Arbeitskommission zur Ausarbeitung des Nachkriegsprogramms der KPD in Moskau; 1945 Arbeit an einem Manuskript über die Geschichte des NKFD. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; März 1946 – 48 Vizepräs. der Dt. ZV für Volksbildung (Stellv. von  Paul Wandel); anschl. einer der Ltr. der HA Allg. Kunst u. Lit.; 1949 u. 1952 NP; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1951 PEN-Zentrum Dtl.; Febr. 1953 Mitgl. des Komitees der antifa. Widerstandskämpfer; Ehrenbürger von Magdeburg; gest. in Berlin.Ges. Werke. 10 Bde. Berlin 1955 – 60 (Hrsg. L. Weinert); Ges. Gedichte 8 Bde. Berlin, Weimar 1970 – 87. Preuß, W.: E. W. Berlin 1970; ders.: E. W. Bildbiogr. Berlin 1970.Peter Erler

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Weingärtner, Stefan

* 22.2.1933 – ✝ 1977

Geb. in Görlitz; Mutter Krankenschwester, Vater 1950 nach Hannover geflohen; Ausbildung zum Autoschlosser, anschl. Arbeit als Autoschlosser in Görlitz; engagiert in der Jungen Gemeinde, FDJ u. GST; am 17. Juni 1953 Teiln. an Streiks, Demonstrationen, der Belagerung öff. Gebäude u. der Erstürmung der MfS-Kreisdirektion in Görlitz; half u. a. auch verwundete SED-Funktionäre u. MfS-Mitarb. zu versorgen; am Nachmittag Festnahme durch die sowj. Armee; am 19.6.1953 durch ein Sowj. Militärtribunal als ein »Haupträdelsführer« zum Tode durch Erschießen verurteilt, 5.10.1953 Begnadigung u. Umwandl. der Strafe in 25 Jahre Arbeitslager, 4.10.1956 Herabsetzung der Strafe auf 10 Jahre durch einen präsidialen Gnadenerlaß, Haft in Bautzen, Luckau u. Torgau; Entlassung am 25.1.1963; anschl. wg. renitenten Verhaltens in der Haft unter ständiger MfS- u. VP-Beobachtung; Ablehnung von Anwerbeversuchen des MfS; 1964 / 65 Flucht nach West-Berlin; bis 1970 vom MfS im OV »Schleuse« bearbeitet; gest. in Hannover.Roth, H.: S. W. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006; Dies.: Der 17. Juni 1953 in Görlitz. Bautzen 2003.Ilko-Sascha Kowalczuk

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Weiß, Horst

* 21.12.1926 – ✝ 17.5.2005

Geb. in Halle; 1941 – 44 Chemiejungwerker in den Leunawerken; 1944 – 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 KPD/SED; 1945 – 46 Chemiefacharb. in den Leunawerken; 1946/47 Jugendfunktionär, 1947 – 50 Abt.-Ltr. im FDGB-LV Sachsen-Anh. in Halle; 1947 Besuch der Antifa-Schule Königs Wusterhausen; 1947 – 50 Mitgl. der LL Sachsen-Anh. der Dt.-Poln. Ges.; 1949 Lehrgang an der LPS der SED; 1950/51 Mitarb. der SED-LL Sachsen-Anh. in Halle; 1951 – 55 Aspirant am IfG in Berlin; 1956 – 60 Sektorltr. Kunst u. Lit. in der Abt. Kultur des ZK der SED; 1960 – 62 wiss. Mitarb., 1962 – 64 Sekr. (Nachf. von Friedel Desise) u. 1964 – 76 1. Sekr. im ZV des VBKD; 1968 u. 1970 Sonderlehrgänge am IfG; 1973 Mitgl. der SED-Ltg. im VBK; 1976/77 Lehrgang an der PHS der KPdSU in Moskau; 1977 – 90 GD des Staatl. Kunsthandels der DDR; 1969 VVO.Beatrice Vierneisel

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Weise, Kurt

* 30.1.1900 – ✝ 14.7.1978

Geboren am 30. Januar 1900 in Halle; lernte Kesselschmied, bis 1924 in seinem Beruf in Halle, später als Expedient tätig. Seit 1914 in der Arbeiterjugend, trat er 1921 in die KPD ein. Im April 1921 von einem Gericht in Halle wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren und zehn Monaten Zuchthaus verurteilt. Durch Amnestie im Juli 1922 freigelassen, Instrukteur bzw. Bezirkssekretär der RHD. Er kam im August 1927 als Expedient in den Zentralvorstand der RHD, gehörte zuletzt dem Sekretariat an. Da Weise für die Überparteilichkeit der RHD eintrat, Anfang 1929 aus der RHD und der KPD ausgeschlossen. Er trat der KPO bei, lebte zunächst von einem kleinen Buchvertrieb, 1931 als Expedient der Tageszeitung »Arpo«. Seit Februar 1932 erwerbslos, aktiv in der KPO und in der Hauptverwaltung der Internationalen Hilfsvereinigung (IHV). Nach dem Reichstagsbrand kurz inhaftiert, organisierte er vor allem in der IHV die Solidaritätsarbeit für die Familien verhafteter Genossen. Ab März 1935 Mitglied des Berliner Komitees der KPO (BK), am 22. Februar 1937 wurde Weise mit den anderen BK-Mitgliedern verhaftet. Der VGH verurteilte ihn im Verfahren mit Walter Uhlmann u. a. am 24. November 1937 zu 15 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Nach der Befreiung Angestellter in Bezirksamt Neukölln, im September 1948 als SED-Mitglied vom Bezirksamt entlassen, übersiedelte er nach Ost-Berlin und arbeitete als Werkschutzleiter im Kaufhaus am Alexanderplatz. Kurt Weise starb am 14. Juli 1978 in Ost-Berlin.

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Weisheit, Rudolf

* 14.10.1942

Geb. in Leipzig in einer traditionsreichen Artistenfamilie; schon als Kind artist. tätig; Vater Lorenz W. betrieb mit seinen Kindern seit 1939 eine Hochseilschau. 1945 Neubeginn; 1973 Übernahme der Truppe durch R. W.; künstler. bedeutendste Hochseiltruppe der DDR, auch internat. anerkannt; Familienunternehmen mit 12 – 15 Mitwirkenden; Spitzenleistungen u. a. die Sieben-Mann-Pyramide auf dem Hochseil, Arbeit am 60 m hohen Mast; bis zur Auflösung des Komitees für Unterhaltungskunst 1990 Ltg.-Mitgl. der Sekt. Artistik; 2001 Ehrenmed. der Artistik.Winkler, D.: Auf dem Seil – die Geschwister Weisheit. In: Menschen zw. Himmel u. Erde. Berlin 1988.Dietmar Winkler

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Weiskopf, Joachim

* 5.11.1927

Geb. in Leipzig; 1934 – 46 Gymnasium, Abitur; 1946 – 50 Studium der Zahnmedizin an der Univ. Leipzig; 1950 Prom. zum Dr. med. dent.; 1950 – 52 Assistenzarzt; 1953 – 56 Studium der Medizin; 1952 – 1962 Oberarzt an der Univ.-Klinik Leipzig; 1957 Prom. zum Dr. med.; 1961 Habil.; 1962 Doz.; 1962 – 92 Dir. der Poliklinik für Prothet. u. Orthopäd. Stomatol. der KMU Leipzig; 1964 Prof.; 1972 – 79 Dekan der Med. Fak. der KMU; 1981 Verdienter Arzt des Volkes; 1986/87 Präs. der Europ. Prothet.-Ges.; 1990 Sprecher des Arbeitsaussch. der Stomatolog. Ges. der DDR; ca. 100 Veröff. zur Stomatol.; 1962 – 90 Chefred. der Ztschr. »Dt. Stomatol.«; mehrere Patente auf dem Gebiet der zahnärztl. Werkstoffkunde. 1950 – 59 Hockeynationalspieler (19 Länderspiele); 1964 ärztl. Betreuer der gesamtdt. Olympiamannschaft in Tokio; 1965 – 70 Vizepräs. des DDR-Hockeyverb.; 1966 – 71 Mitgl. d. Exekutivkomitees der Internat. Hockey-Föderation; 1970 – 90 Präs. des DDR-Kanuverb.; 1970 – 90 Mitgl. des Exekutivkomitees der Intern. Kanu-Föderation (ICF); 1990 Ehrenmitglied des ICF; 1978 – 89 Mitgl. des Präs. des DTSB; 1970 – 90 ord. Mitgl., ab 1973 Mitgl. des Präs., Juni – Nov. 1990 Präs. des. NOK der DDR (Nachf. von  Günther Heinze); 17.11.1990 – 93 Vizepräs. des. NOK für Dtl., 1993 – 97 Mitgl. des Präs., seit 1997 Ehrenmitgl.; seit 1992 Ehrenmitgl. des Dt. Kanuverb.; 1992 Delegationsltr. der dt. Olympiamannschaft f. Barcelona; 1997 – 2006 Ehrenmitgl. NOK; lebt in Leipzig.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Weiss, Gerhard

* 30.7.1919 – ✝ 7.1.1986

Geb. in Erfurt; Vater Justizangest.; Volksschule, Oberrealschule; 1933 – 35 Dt. Jungvolk der HJ, Jungenschaftsführer; 1935 – 37 Ausbildung zum kfm. Angest. in Erfurt; 1937 – 39 im Beruf tätig; 1935 – 39 DAF; 1939 RAD, Arbeitsmann; 1939 – 43 Wehrmacht, Uffz.; Juli 1943 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1945/46 Antifa-Schule 165, 1947/48 Ltr. des Antifa-Aktivs im Lager 7027. März 1948 Rückkehr nach Dtl.; Angest. der VEB Hauptverw. Thür. in Erfurt; SED; 1949 – 51 Hauptsachbearb., HA-Ltr. im Min. für Wirtschaft Thür.; 1950 – 54 Fernstudium an der ASR Potsdam; 1951 – 54 HA-Ltr. im Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel; 1954 – 65 stellv. Minister; 1958 – 70 Vizepräs. der Dt. – Arabischen Ges.; 1959 VVO; 1965 Prom. an der HU Berlin; 1965 – 86 stellv. Vors. u. Mitgl. des Präs. des Min.-Rats der DDR; 1967 – 86 Abg. der Volkskammer; 1967 Kand., 1976 – 86 Mitgl. des ZK der SED; 1967 – 86 Ständ. Vertreter der DDR im RGW; 1969 Banner der Arbeit; 1971 – 86 Mitgl. der Außenpol. Kommission des ZK der SED; 1976 VVO; 1984 KMO.Der objektive Charakter der soz. ökon. Integration. Berlin 1972.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Weiz, Herbert

* 27.6.1924

Geb. in Cumbach (b. Ernstroda, Krs. Gotha); Vater Schuhmacher; Volksschule; 1938 – 41 kfm. Ausbildung; 1941 – 43 Angest. in Sättelstadt (Thür.); 1.9.1942 NSDAP; 1943 Wehrmacht; 1943 – Dez. 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; 1946 – 49 Studium an der FSU Jena, Dipl. rer. pol.; 1949 – 51 dort Doktorant; gleichz. Mitarb. u. Oberref. im Min. für Wirtschaft u. Arbeit in Erfurt; 1951 – 55 Fernstudium an der TH Dresden, Ing.-Ökon.; 1951/ 52 Abt.-Ltr., Werkltr. des VEB »Optima« Büromaschinenwerk Erfurt; 1953 – 55 Ltr. der HV Leichtmaschinenbau im Min. für Maschinenbau; 1955 – 62 1. stellv. Werkltr. im VEB Carl Zeiss Jena; seit 1958 Mitgl. des ZK der SED; 1962 Prom. zum Dr. rer. oec. am IfG mit einer Diss. zur Mitrofanow-Methode; 1962 – 67 Staatssekr. für Forschung u. Technik (Nachf. von  Hans Frühauf); ab 1963 Mitgl. des Forschungsrats; 1963 – März 1990 Abg. der Volkskammer; ab 1967 stellv. Vors. des Min.-Rats; ab 1974 Minister für Wiss. u. Technik (Nachf. von  Günter Prey); stellv. Vors. des DDR-Parts der Reg.-Kommission für ökon. u. wiss.-techn. Zusammenarbeit DDR – UdSSR; 1976 VVO; ab 1982 fakt. Vors. des Forschungsrats; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1986 Dr.-Ing. h. c. der TU Karl-Marx-Stadt; 1989 KMO; Nov./Dez. 1989 Rücktritt von allen Ämtern mit der Reg.  Willi Stoph u. dem ZK der SED.Methoden u. ökonom. Nutzen der Gruppenbearbeitung. Berlin 1962.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Well, Roman (Sobolevicius

* 1900 – ✝ 1962

(* 1900 – † 1962) Geboren 1900 (1901?) in Litauen, Sohn einer Industriellen- bzw. Pelzhändlerfamilie. Ruvin Sobolevicius studierte in Leipzig, reiste für ein Jahr in die Sowjetunion, kehrte Ende 1927 zurück und wurde in Leipzig Mitglied der KPD. Sein Bruder Abraham (Adolf Senin) (* 15. 3. 1903 – † ?, ) kam 1921 nach Deutschland und trat 1922 als Student der KPD bei. Er war Korrespondent der kommunistischen »Sächsischen Arbeiterzeitung«. Roman Well und Adolf Senin gründeten 1928 mit Erwin Ackerknecht eine der ersten trotzkistischen Gruppen in Deutschland. Nach einem intensiven Briefwechsel mit Leo Trotzki besuchte Well ihn im Sommer 1931, zusammen mit seinem Bruder, der damals bei den französischen Trotzkisten Ansehen genoß und in Paris lebte. Beide hatten offensichtlich Trotzki sehr beeindruckt und konnten ihre Rolle in der trotzkistischen Bewegung ausbauen. Doch während Well starke Ausstrahlungskraft besaß, galt Senin als haltlos und als Alkoholiker. Beim Zusammenschluß der Minderheit des Leninbundes, eines Teils der Weddinger Opposition und der Leipziger Gruppe zur trotzkistischen Linken Opposition (LO) wurde Roman Well im März und im Oktober 1930 in die Reichsleitung (RL) gewählt. Nach dem Ausschluß Landaus im Frühjahr 1931, die Brüder hatten den Sturz Landaus geschickt betrieben, nahmen sie nun in der trotzkistischen Gruppe eine entscheidende Stellung ein. Die Auffassung, die Brüder seien 1927/28 als Agenten der sowjetischen Geheimpolizei Stalins in die trotzkistische Bewegung eingeschleust worden (Erwin Ackerknecht), ist zwar umstritten, doch wirkten sie dann in der trotzkistischen Bewegung als Agenten des NKWD. Im Januar 1933 provozierten sie durch die Herausgabe einer gefälschten Nummer der »Permanenten Revolution« eine Krise der LO. Sie behaupteten, die Mehrheit habe mit Trotzki gebrochen und der Trotzkismus sei »bankrott«. Diese Version übernahm (am 22.Januar) die »Rote Fahne«. Daraufhin wurde Well von Trotzki hart kritisiert (»Permanente Revolution«, Nr. 5/1933), für ihn waren jetzt »Well wie auch sein Doppelgänger Senin« »fremde Figuren in den Reihen der Opposition«, »Stalinsche Agenten, die sich für Oppositionelle ausgeben«. Well, Senin und einige Anhänger, darunter Joko ( Joseph Kohn), wurden ausgeschlossen. Well und Senin traten zur KPD über, Joko u. a. kehrten zu den Trotzkisten zurück. Die Brüder flüchteten in die Sowjetunion. Der sowjetische Geheimdienst schickte beide 1947 in die USA. Roman Well (jetzt Robert Soblen) machte Karriere als Psychiater und schuf zusammen mit seinem Bruder Adolf Senin (jetzt Jack Soble) eine Agentengruppe, die für die Sowjetunion spionierte und auch wieder über Trotzkisten nach Moskau berichtete. 1957 rollte das FBI die Gruppe auf, alle Mitglieder wurden festgenommen, Robert Soblen alias Roman Well zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Er konnte nach Israel fliehen, doch wurde ihm Asyl verweigert, über England sollte er an die USA überstellt werden. Roman Well beging im September 1962 in London Selbstmord. Jack Soble alias Adolf Senin machte umfassende Aussagen, gab zu, daß er ab 1931 sowjetischer Agent war, behauptete u. a., in Moskau habe Berija zu ihm gesagt: »Genosse Stalin erinnerte sich an Ihren Namen und die Dienste, die Sie gegen den feigen Staatsfeind Trotzki geleistet haben.«

Handbuch Deutsche Kommunisten

Welter, Jakob

* 31.8.1907 – ✝ 19.4.1944

Geboren am 31. August 1907 in Dudweiler/ Saar, Sohn eines Bergarbeiters; lernte Schlosser, trat dem KJVD und 1927 der KPD bei. Anfang der dreißiger Jahre Leiter der KPD-Ortsgruppe Dudweiler und Mitglied der BL Saargebiet. Nach 1933 übernahm Welter die Leitung der RH für das Saargebiet, im März 1935 Emigration nach Schweden, Mitarbeit in der AL Nord, vor allem als Instrukteur unter deutschen Seeleuten in Göteborg. Im April 1940 interniert, flüchtete er aus dem Lager Langmora in die Niederlande, reiste 1942 zur illegalen Arbeit nach Deutschland. Er sollte im Saargebiet die Tätigkeit verschiedener Widerstandsgruppen koordinieren, wurde aber im Januar 1943 verhaftet und vom VGH zum Tode verurteilt. Jakob Welter wurde am 19. April 1944 in Stuttgart hingerichtet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wendel, Friedrich

* 12.5.1886 – ✝ 8.3.1960

Geboren am 12. Mai 1886 als Sohn eines Tischlermeisters in Köslin/Pommern; lernte Buchdrukker. Aus Gesundheitsgründen mußte er den Beruf aufgeben und wurde Journalist. Von Lilly Braun 1907 für die SPD gewonnen, war er in deren Bildungsarbeit aktiv. Im Ersten Weltkrieg schloß er sich dem Spartakusbund an, dort eng mit Karl Schröder verbunden. Wendel wurde 1919 einer der Wortführer der linken Opposition in der Berliner KPD und 1920 Gründunsgmitglied der KAPD. Auf deren erstem ordentlichen Parteitag im August 1920 in Berlin hielt er das Referat zum Thema »Gewerkschaften und Arbeiterunion«. Als Redakteur der »Kommunistischen Arbeiterzeitung« sympathisierte er mit der Hamburger nationalbolschewistischen Richtung von Heinrich Laufenberg und Fritz Wolffheim. Deshalb im Juni 1920 aus der Redaktion der KAZ entfernt, trat Wendel noch 1920 aus der KAPD aus und kehrte zur SPD zurück. Da er sich schon immer für Satire interessierte, wurde diese nun sein Arbeitsfeld. Zunächst Redakteur von »Lachen Links«, übernahm er 1924 die Leitung der satirischen SPD-Zeitschrift »Der wahre Jakob« und gewann bedeutende Künstler wie Karl Holtz und E. O. Plauen als Mitarbeiter. Wendel veröffentlichte Bücher über die Rolle der Karikatur als Ausdruck geschichtlicher Zustände, z. B. »Das 19. Jahrhundert in der Karikatur« (1925) und »Der Sozialismus in der Karikatur«, er schrieb u. a. auch über die Mode oder Wilhelm II. in der Karikatur. 1933 ging er in die »innere Emigration«, lebte von Versicherungstätigkeiten und fotografischen Arbeiten. Nach 1945 wurde er Leiter des städtischen Presseamtes in Kiel und wieder Mitglied der SPD. Friedrich Wendel starb am 8.März 1960 in Kiel.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wendt, Erich

* 29.8.1902 – ✝ 8.5.1965

Geboren am 29. August 1902 in Leipzig, Sohn eines Fleischers; lernte Schriftsetzer, trat 1919 der FSJ bei und gehörte 1922 der KJD-BL Berlin-Brandenburg an. 1924 Leiter der Wiener Filiale des Verlages der Kommunistischen Jugendinternationale, von 1925 bis 1927 Redakteur der Zeitschrift »Die Jugendinternationale« in Moskau. Dann in Deutschland Mitglied des ZK des KJVD, bis 1931 Redakteur des KJVD-Organs »Junge Garde«. Der zu den Versöhnlern gerechnete Wendt entzog sich einem drohenden Verfahren wegen »literarischen Hochverrats« durch das Reichsgericht und übersiedelte 1931 in die Sowjetunion, dort bis 1936 zunächst Mitarbeiter, zeitweilig auch Leiter der deutschen Sektion der VAA in der UdSSR. Wendt war in erster Ehe mit Lotte Kühn, der späteren Frau von Walter Ulbricht verheiratet. Am 14. August 1936 im Moskauer Hotel »Lux« verhaftet, saß er bis 1938 im Gefängnis des NKWD, nach seiner Freilassung Deutschlehrer in Engels, wurde 1941 nach Sibirien verbannt. Buchhalter in einem Volksgut, ab 1942 Übersetzer in der deutschen Abteilung des Staatlichen Rundfunkkomitees. Im April 1947 wieder nach Deutschland, bis 1950 Leiter des Aufbau-Verlages, von 1951 bis 1953 1. Bundessekretär des Kulturbundes, seit 1957 Staatssekretär und 1. Stellvertreter des Ministers für Kultur, 1963/64 Beauftragter der DDR für die Verhandlungen mit dem West-Berliner Senat über die Passierscheinabkommen, er erhielt 1964 den Karl-Marx-Orden. Erich Wendt starb am 8. Mai 1965 in Ost-Berlin. Seine zweite Frau Charlotte Wendt, geborene Treuber (*24. 1. 1907 – † 27. 10. 1999), Tochter von Julius Treuber, war Stenotypistin, Kontoristin und Schneiderin. 1925 Mitglied der KPD. Ab 1929 zeitweise Lebensgefährtin von Herbert Wehner, betätigte sich bis zur gemeinsamen Emigration im Herbst 1933 illegal für den Apparat der KPD. Zunächst im Saargebiet, nach der Saarabstimmung über Frankreich in Prag. Sie lebte später wieder in der Sowjetunion, war seit 1945 in Deutschland, zeitweise Lektorin am Institut für Zeitgeschichte bzw. am DWI in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth