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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zaisser, Wilhelm

* 20.6.1893 – ✝ 3.3.1958

Geboren am 20. Juni 1893 in Rotthausen bei Gelsenkirchen, Sohn eines Gendarmeriewachtmeisters. Von 1907 bis 1910 besuchte er die Evangelische Präparandenanstalt zu Essen, danach das Lehrerseminar. Zaisser war wie sein Vater deutsch-national, leistete 1913/14 seinen Militärdienst und begann ab 1. April 1914 als Volksschullehrer in Essen. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, 1917 zum Leutnant befördert, er erhielt das EK II. Klasse. Es war wie ein »Blutrausch«, meinte er später: »Ich habe im Nahkampf manchen Menschen getötet, und es erfüllte mich mit Befriedigung.« Im November 1918 verweigerten kriegsmüde Soldaten den Befehl, gegen die Rote Armee zu kämpfen. Zaisser erinnerte sich, man habe »mit der russischen Armee verhandeln müssen. Dabei habe ich gute Organisation, insbesondere bei der Verwaltung, wahrgenommen und bemerkt, daß man von seiten der russischen roten Armee (...) viel rigoroser vorging als es vordem von seiten der Deutschen der Fall war. Dadurch bin ich veranlaßt worden, den Bolschewismus anders zu beurteilen, als ich es vordem getan habe.« Nach dem Weltkrieg blieb er freiwillig zur »Abwicklung der Geschäfte« in Bialystok, wo er den revolutionären Umbruch vor Ort erlebte. Ein Pamphlet hat ihn nach seiner Rückkehr beeinflußt: Paul Eltzbachers »Der Bolschewismus und die deutsche Zukunft«. Der deutsch-nationale Bismarck-Anhänger schrieb, lediglich ein radikaler Bolschewismus und ein Bündnis mit Rußland, wie 1813, könne das Vaterland retten. Diese national-bolschewistischen Ideen beeindruckten Zaisser, für ihn war »der Bolschewismus die einzige Rettung«, und er befaßte sich mit linker Literatur. Seit April 1919 wieder Volksschullehrer in Essen, sympathisierte er mit der USPD. Im September 1919 Mitglied der KPD, wurde er im März 1920 einer der militärischen Führer der Roten Ruhrarmee, gehörte zur militärischen Zentralleitung in Essen (gemeinsam mit Viktor Stern). Deshalb im Januar 1921 festgenommen, stand mit Ernst Lohagen, Alfred Schroer u. a. im März 1921 in Kassel vor dem Sondergericht der Reichswehr, wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und aus dem Schuldienst entlassen. Zaisser begann 1921 als Redakteur des »Ruhr-Echos«, dann der Barmer Lokalausgabe der »Bergischen Volksstimme«. Ab April 1922 Mitglied der BL Essen und der Reichsleitung der Union der Hand- und Kopfarbeiter. 1922 heiratete er Else Knipp ( Else Zaisser). Er war ab Juli 1923 in der KPD-BL Ruhrgebiet und bis April 1926 in der Ober-BL West. Während des »deutschen Oktobers« auch M-Leiter für das Ruhrgebiet. Vom 1. März bis 15. Juni 1924 Kursant an einer Spezialschule der Komintern in Moskau, danach bis November 1925 M-Leiter für den KPD-Bezirk Ober-West (Rheinland und Westfalen). Anschließend wirkte er im Auftrag des Generalstabs der Roten Armee in Syrien, vermutlich als militärischer Berater beim Aufstand der Drusen gegen die französische Kolonialmacht sowie kurzzeitig als Berater des Präsidenten Abd-el-Krim, des Führers der Berberstämme beim Aufstand der Rifkabylen in Marokko. Zurück in Deutschland kam er in die Reichsleitung des AM-Apparates der KPD. Zaisser ging im Auftrag der Komintern und als Mitarbeiter des militärischen Nachrichtendienstes der Roten Armee von 1927 bis Anfang 1930 nach China, wo er neben Heinz Neumann u. a. Mitorganisator des Kantoner Aufstands war. Danach Orginstrukteur des EKKI in der CSR. 1932 als Mitglied in die KPdSU(B) übernommen, arbeitete Zaisser bis August 1936 unter dem Parteinamen Werner Reißner als Lehrer an der M-Schule der Komintern in Bakowka bei Moskau und an der Internationalen Leninschule. Anfang September 1936 reiste er nach Spanien, dort zunächst Berater für das 5. Regiment der spanischen Volksarmee. Im November 1936 zum Brigadegeneral befördert und berühmt als »General Gomez«, er übernahm das Kommando der XIII. Internationalen Brigade und war später verantwortlich für die Ausbildung aller Internationalen Brigadisten in Albacete. Nach der Demobilisierung im Sommer 1938 Rückkehr in die Sowjetunion, dort Chefredakteur der deutschen Sektion im Verlag für fremdsprachige Literatur. Im Auftrag der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee von 1943 bis 1946 Lehrer an Antifa-Schulen und Chef des deutschen Sektors für antifaschistische Schulung der Kriegsgefangenen. Als Leiter der Kaderabteilung des »Bundes Deutscher Offiziere« war er für die Sowjets so wichtig, daß sie ihn erst am 31.Dezember 1942 freigaben; er kehrte am 4.Februar 1946 nach Deutschland zurück. Zaisser wurde Mitglied der SED und löste Ende März 1947 Georg König als Chef der Landespolizeibehörde Sachsen-Anhalt ab. Im September 1948 folgte er Kurt Fischer als Innenminister und Vizeministerpräsident des Landes Sachsen. Im Juni 1949 Vizepräsident der Deutschen Verwaltung des Innern und Chef der Bereitschaftspolizei. Seit 1950 Mitglied des ZK der SED und des Politbüros, wurde er im Februar 1950 zum ersten DDR-Minister für Staatssicherheit berufen und erhielt noch anläßlich seines 60.Geburtstages am 20. Juni 1953 den Karl-Marx-Orden. Einen Monat später, am 26. Juli 1953, wurde er gemeinsam mit Rudolf Herrnstadt wegen »parteifeindlicher fraktioneller Tätigkeit« aus dem Politbüro und dem ZK der SED ausgestoßen und als Minister entlassen. Im Januar 1954 zum »Feind der Partei« erklärt und aus der SED ausgeschlossen. Mitarbeiter des Dietz Verlages und des IML sowie als Übersetzer tätig. Wilhelm Zaisser starb am 3. März 1958. Außer der Todesanzeige der Familie in der »Berliner Zeitung« veröffentlichte »Neues Deutschland« eine kleine Anzeige des IML: »In der Nacht vom 2.zum 3. März 1958 verstarb unser Mitarbeiter Wilhelm Zaisser im Alter von 63 Jahren. Ehre seinem Andenken! Dietz Verlag, Institut für Marxismus-Leninismus.« In der DDR war Zaisser fortan »Unperson«. Von Helmut Müller-Enbergs und Wilfriede Otto erscheint 2008 eine Biographie über Wilhelm Zaisser.Jens Gieseke / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Zechlin, Ruth

* 22.6.1926 – ✝ 4.8.2007

Geb. in Großhartmannsdorf; 1928 Übersiedl. nach Leipzig; 1943 – 45 u. 1946 – 49 Studium Klavier, Orgel, Komposition u. Musiktheorie an der HS für Musik Leipzig; 1950 – 91 Doz. für Tonsatz an der Dt. HS für Musik Berlin; NDPD; 1951 – 72 verh. mit  Dieter Zechlin; 1969 Prof.; 1970 DAK; 1975 u. 1982 NP; 1982 – 90 Mitgl. des Musikrats; 1984 ord. Prof. für Komposition in Berlin; 1986 em.; CDU; 28.10.1989 Beteiligung am Konzert »Gegen den Schlaf der Vernunft«. 1990 Mitg. im Dt. Musikrat; 1990 – 93 Vizepräs. der AdK; 1990 Rektorin der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; 1991 Übersiedl. nach Bayern; seit 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; seit 1997 Mitgl. der Freien AdK Mannheim; seit 1998 Ehrenmitgl. im Dt. Musikrat; gest. in München. Umfgr. kompos. Schaffen, ca. 260 Orchester-, Orgel- u. Vokalwerke, zahlr. Hörspiel-, Bühnen- u. Filmmusiken; erfolgr. Wirken als Cembalistin. Sek.-Lit.: Komponistenporträt R. Z. Tutzing 2001; Liber amicorum für R. Z. Persönlichkeiten gratulieren zum 80. Geb. Berlin 2006.Situationen – Reflexionen. Berlin 1986.Christiane Niklew / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Zeidler, Alfred

* 24.1.1904 – ✝ 18.7.1951

Geb. in Liegnitz (Niederschles. / Legnica, Polen); Volksschule in Liegnitz; Ausbildung zum Schlosser; als Werkzeugmaschinenschlosser u. Bergmann tätig; KPD; Ltr. des KPD-UB Hamm; 1933 illeg. pol. Arbeit; Haft; Mitte der 30er Jahre Emigr. nach Großbritannien; Mitgl. des Arbeitsaussch. freigewerksch. Bergarb.; Mitarb. an der Ztg. »Freie Tribüne« in London. 1946 Rückkehr nach Dtl.; KPD-Funkt. in Herne; später Übersiedl. in die SBZ; SED; zeitw. Ltr. der Westabt. des ZS des SED-PV.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zeiß, Jakob Franz

* 29.10.1886 – ✝ 2.3.1952

Geboren am 29. Oktober 1886 in Lambsheim; Lederarbeiter, Ende der zwanziger Jahre in einer Fabrik in Fürth/Odenwald. Von 1910 bis 1919 gehörte er der SPD an, von 1919 bis 1923 der USPD und ab 1923 der KPD. Ab Dezember 1931 Landtagsabgeordneter des Volksstaates Hessen, im November 1932 wurde Zeiß in den Reichstag gewählt. Am 13. März 1933 in Rheingönheim festgenommen, anschließend noch mehrmals verhaftet, scheiterte im April 1934 ein Verfahren gegen ihn wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« aus Mangel an Beweisen. Während der Haft im KZ Osthofen hatte Zeiß schwere körperliche Schäden davongetragen, nach der Freilassung stellte er einen Antrag auf Invalidisierung, wurde Rentner. Bei der Gestapoaktion »Gewitter« am 22. August 1944 erneut inhaftiert und bis Kriegsende im KZ Dachau festgehalten. Er war vom 26. Februar bis 14. Juli 1946 Mitglied des Beratenden Landesausschusses für Hessen. Jakob Zeiß starb am 2. März 1952 in Mannheim.

Wer war wer in DDR

Zelm, Jürgen

* 23.1.1953

Geb. in Anklam; Vater Arbeiter; POS; bis 1973 Studium am IfL, Unterstufenlehrer; 1971 SED; 1973 Freundschaftspionierltr. u. Mitgl. des Rats für Jugendfragen, Körperkultur u. Sport beim Rat des Krs. Anklam; 1974 – 79 Studium an der ASR Potsdam-Babelsberg, Dipl.-Staatswiss.; 1979 Mitgl. des Sekr., 1980 2. Sekr., 1984 – 89 1. Sekr. der FDJ-BL Neubrandenburg (Nachf. von Helmut Timm) u. Mitgl. des Sekr. der SED-Bez.-Ltg. Neubrandenb.; 1986 – 89 Mitgl. des ZR der FDJ; 1980 – 89 Abg. des Bez.-Tags Neubrandenb., Nov. 1989/90 1. Sekr. der SED-BL Neubrandenb. (Nachf. von  Wolfgang Herrmann); 1990 Mitgl. des PDS-Parteivorst. 1990/91 Vors. des PDS-Landesvorst. Mecklenb.-Vorp.; 1990/91 MdL Mecklenb.-Vorp.; 1991 – 94 selbst. Handelsvertreter; seit 1994 Fußballtrainer in Mecklenb.-Vorp., zunächst als Nachwuchstrainer bei Post Neubrandenburg, dann DFB-Landestrainer.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Zettler, Josef

* 21.9.1904 – ✝ 14.9.1974

Geb. in Wolferding (Krs. Vilsbiburg, Niederbayern); Stiefvater Maurer, Mutter Landarbeiterin; ab 1906 aufgew. in Holzkirchen, ab 1916 in Eschach; 1910 – 19 Volksschule in Reutin (b. Lindau), gleichzeitig Arbeit in der Landw.; 1919 / 20 Ausb. zum Dreher in Lindau (Bodensee); 1919 Spartakusbund, 1920 KJV, KPD, KPD-Funktionär in Lindau u. Kaufbeuren; 1920 – 26 Bergarbeiter in versch. Schachtanlagen, Mitgl. der Bergarbeitergewerkschaft; ab 1924 in Mariendorf (b. Aachen); 1925 / 26 Abendkurse an der TH Aachen; 1926 – 33 Mitgl. der KPD-Unterbez.-Ltg. Aachen; RFB; 1930 KPD-BPS Köln; 1930 – 33 arbeitslos; 1931 Absolvent der »M-Schule« der KI in Moskau (nachrichtendienstl. Spezialschule) (Deckn. »Josef Klein«); Ende 1931 Rückkehr nach Dtl., Ltr. des M-Apparats u. Lehrer für Militärpolitik im KPD-Unterbez. Aachen; 1933 Emigr. in die Niederlande, dort Grenzarbeit u. illeg. Arbeit im Aachener Kohlengebiet; Jan. 1934 in Amsterdam verhaftet, Ausweisung nach Belgien; dort im März 1934 verhaftet, Ausweisung in die Niederlande; in Amsterdam illeg. KPD-Arbeit (Deckn. »Sepp«); Sommer 1936 nach Spanien, Ltn. der XI. Brigade (»José«), schwere Verwundung, Lazarett; 1937 Politkommissar im Etgar-André-Bat.; nach Anwerbung durch die GRU im Mai 1937 in die UdSSR; 1937 – 40 bei der 4. Abt. des Generalstabs der Roten Armee, Agentenausbildung in versch. GRU-Spezialschulen bei Moskau; 1940 / 41 GRU-Einsätze in den USA, Rumänien, Italien, Bulgarien u. Jugoslawien; 1941/ 42 weitere nachrichtendienstl. Ausbildung, Wechsel zum NKWD, Einsätze in Großbritannien, 1943 / 44 in Österreich (Fallschirmagent, Deckn. »Nikolaus Kessler«); März 1944 Festnahme durch die Gestapo Wien, Haft in Wien, Prag u. ab Febr. 1945 im KZ Theresienstadt; Mai 1945 durch die Rote Armee befreit, 1945/ 1946 Sanatorium in Tomsk (UdSSR), anschl. dort GRU-Offiz.; Dez. 1946 demobilisiert. Juli 1947 Rückkehr nach Dtl.; Einsatz in der Dt. Verw. des Innern in Berlin-Wilhelmsruh; entscheidender Anteil am Aufbau der KVP / NVA; 1947 – 49 Politlehrer (Oberschulrat) bzw. Polizeifachlehrer an der VP-HS in Berlin-Wilhelmsruh; 1949 – 52 Polit-Stellv. an der Höheren Polizeischule der HV Aufklärung der KVP in Kochstedt; 1952 – 56 stellv. Ltr. der Politverw. beim Stab der KVP in Berlin; 1956 Oberst der NVA; 1956 Hans-Beimler-Med.; 1956 – 60 Ltr. der Politverw. des MfNV im Hauptstab der NVA; 1958 Med. Kämpfer gegen den Faschismus; 1960 Rentner; 1964 Banner der Arbeit; 1969 VVO; 1970 sowj. Orden des Vaterländischen Krieges 1. Grades; 1974 KMO; gest. in Saalow (Krs. Zossen).Leuschner, M.: J. Z. – ein Leben im Dienst der Arbeiterklasse. In: Militärgeschichte (1979) 6; Nollau, G. / Zindel, L.: Gestapo ruft Moskau. Sowj. Fallschirmagenten im 2. Weltkrieg. München 1979; Schafranek, H.: Im Hinterland des Feindes. Sowj. Fallschirmagenten im Dt. Reich 1942 – 1944. In: Dokumentationsarchiv Österreich. Widerstand (Hrsg.): Jahrbuch 1996; Diedrich, T. / Wenzke, R.: Die getarnte Armee. Gesch. der KVP der DDR 1952 – 1956. Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Ziebarth, Helmut

* 4.5.1929 – ✝ 1.11.2011

Geb. in Sławoszewo (Krs. Konin, Polen); Vater u. Mutter Landarb.; Grundschule; 1945/46 Ziegelarb. in Stalino, 1946 – 48 Landarb. bei poln. Bauern, 1948/49 Magazinarb. im Umsiedlerlager Gronowo. 1949/50 Fördermann bei der SAG Wismut; 1950 Landarb. beim Stiefvater; 1950 – 53 Abiturausb. an der ABF Greifswald; 1953 – 56 Studium am Inst. für Internat. Beziehungen der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1955 SED; ab Sept. 1956 Angeh. des MfAA, 1956 – 59 Referent bzw. Oberreferent in der Abt. UdSSR; 1959 – 61 pers. Referent des Stellv. des Min.; 1961 – 64 2. Sekr., 1964/65 1. Sekr. an der DDR-Botschaft in Moskau; 1965 – 67 stellv. Ltr. der Abt. UdSSR; 1967/68 Ltr. der Arbeitsgr. Warschauer Vertragsstaaten / RGW; 1968 stellv. Ltr., 1968 – 73 Ltr. der Abt. Südosteuropa; 1973 – 77 Botschafter in Jugoslawien; anschl. Ltr. der Abt. UdSSR des MfAA. 1990 Vorruhestand; seit 1994 Rentner; gest. in Zepernick.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ziegler, Paul

* 2.12.1865 – ✝ 20 bis 192

Geboren am 2. Dezember 1865 als Paulus Ziegler in Pretzdorf in Mittelfranken; von Beruf Schneider, auf Wanderschaft durch Deutschland kam er 1885 nach Hamburg. Von 1886 bis 1889 Militärdienst, von 1890 bis 1900 arbeitete er in Nürnberg. Ab 1902 wieder in Hamburg, er gehörte dort von 1909 bis 1914 als Altgeselle der Schneiderinnung an. Ziegler war bereits vor 1914 Mitglied der SPD, wechselte während des Krieges zur USPD und 1920 zur KPD. Von 1920 bis 1924 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Paul Ziegler starb am 17. Januar 1924 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Ziegner, Heinz

* 13.7.1928

Geb. in Annarode (b. Mansfeld); Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; kfm. Lehre; Verw.-Angest.; 1944/45 RAD; Mai – Juni 1945 brit. u. amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 SPD; 1946 SED; 1945 Landarb.; 1945 – 49 Mitarb. des RdK Hettstedt/Mansfeld, Ltr. des Statist. Krs.-Amts; 1949/50 Ltr. der Abt. Staatl. Verw., Wirtschaft u. Landw. der SED-KL Hettstedt; 1950/51 Ltr. der Abt. Staatl. Verw., Wirtschaft u. Landw. der SED-KL Salzwedel; ab Herbst 1951 Sekr. der SED-KL; von Juni 1952 – Juli 1953 2. Sekr. der SED-KL; 1953/54 1. Sekr. der SED-KL Salzwedel; 1.1.1954 – 16.3.1954 1. Sekr. der SED-KL Schönebeck; ab 17.3.1954 – 60 1. Sekr. der FDJ-BL Magdeburg; 1956/57 Studium an der Komsomol-HS Moskau; später auch Fernstudium an der Agrar-Ing.-Schule Haldensleben; 1968 Abschl. als Agrar-Ing.; 1959 Verdienstmedaille der DDR; 1955 – 60 Mitgl. des FDJ-ZR; 1957 – 60 Mitgl. des Büros des ZR der FDJ; 1960 – 69 Sekr. für Landw. der SED-BL Magdeburg; 1967 – 71 Kand., seit 1971 Mitgl. des ZK der SED; 1969 – 74 2. Sekr., 1974 – 89 1. Sekr. der SED-BL Schwerin (Nachf. von  Bernhard Quandt); seit 1971 Abg. des Bez.-Tags Schwerin; seit 1971 Abg. der Volkskammer; 1976 – 82 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1982 – 86 Mitgl. des Aussch. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtschaft; seit 1986 erneut Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1960, 1969 u. 1984 VVO; 1974 Banner der Arbeit; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1978 KMO; 1988 Held der Arbeit; Nov. 1989 Entbindung von allen Ämtern; Dez. 1989 Ausschl. aus der SED »wegen parteischädigenden Verhaltens«; Ruhestand.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Ziemer, Christof

* 28.8.1941

Geb. in Gollnow (Krs. Naugard, Pommern/Go¬leniów, Polen) in der Familie eines Pastors, aufgew. in Angermünde u. Greifswald; 1960 Abitur; 1960 – 65 Studium der Theol. an der HU Berlin u. der MLU in Halle; 1962 Wehrdienstverweigerung (ohne nachteilige Konsequenzen); 1965 Erstes Theolog. Examen; anschl. bis 1967 Konviktinspektor am Sprachenkonvikt in Halle; dann Pfarrer an der St. Marien-Gemeinde in Pirna; 1968 Zweites Theolog. Examen; 1972 – 74 Studieninspektor am Predigerseminar in Lückendorf (Zittauer Geb.); 1974 – 80 Ltr. der Theolog. Studienabt. beim Bund der Ev. Kirchen in Berlin, fachl. Schwerpunkte: Gemeindeaufbau, charismat. Bew.; 1980 – 92 Pfarrer an der Dresdener Kreuzkirche, Superintendent; 1987 – 89 Vors. der Vorbereitungsgr. u. des Präs. der Ökumen. Vers. für Frieden, Gerechtigkeit u. Bewahrung der Schöpfung in der DDR; Okt. 1989 Teiln. an den ersten Dresdener »Rathausgesprächen« (zw. Magistrat u. Vertretern der Bürgerbew.). 1991 Dr. h. c. der Univ. Bern; 1992 zeitw. Dir. der Ev. Akad. in Meißen; im Sommer 1992 aus dem kirchl. Dienst ausgeschieden; anschl. bis 1993 Aufenthalt in Osijek (Kroatien); 1993 in Berlin; 1998 – 2002 inter-religiöse Friedensarbeit in Sarajevo (Bosnien); 2003 Rückkehr nach Dtl., Ehrenbürger von Dresden; danach Gemeindepfarrer in Riesa-West; 2006 Ruhestand. Publ. zur charismat. Bew., zum konziliaren Prozeß u. zum pol. Umbruch in der DDR.Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zillich, Karl

* 4.11.1894

Geboren am 4. November 1894 in Bingen als Sohn eines Schneiders. Zahntechniker, seit 1920 in der KPD und seither Mitarbeiter der Geschäftsabteilung der Zentrale bzw. des ZK der KPD, auch in der Komintern tätig. Nach 1933 Emigration, zunächst nach Saarbrücken, später in die Schweiz und nach Frankreich. Leiter des kommunistischen Prometheus-Verlages in Straßburg bzw. des Komintern-Verlages Internationaler Arbeiterverlag in Zürich. Zillich trug die Decknamen Jakob Burckhardt und Karl Müller, er kontrollierte von der Schweiz aus die Produktion der Komintern-Schriften für Westeuropa. Er arbeitete eng mit Hugo Eberlein und dem Reichstechniker Wilhelm Kox zusammen. Über Karl Zillichs weiteren Lebensweg konnten keine Angaben ermittelt werden.

Wer war wer in DDR

Zimmer, Hugo Otto

* 8.5.1882 – ✝ 5.3.1948

Geb. in Wuppertal; Vater Rechnungsrat; Volksschule u. Gymnasium; Studium der Sprachwiss., Jura u. Nationalökon.; anschl. im Verw.-Dienst in Marburg, Posen u. Dortmund; 1908 SPD; Mitgl. des kommunalpol. Beirats des SPD-PV; 1919 – 33 Bürgermstr. in Geesthacht-Düneberg, zeitw. Abg. des Provinziallandtags für Schlesw.-Holstein; 1933 entlassen; 1933 –45 im kommunalen Verlagsbuchhandel tätig, vorw. im Dt. Gemeindeverlag. 1945 SPD; 1. Vors. der SPD in Britz in Berlin-Neukölln; 1945/46 Angest. im Bez.-Amt Berlin-Neukölln, Ltr. der Kartenstelle; 1946 SED; 1946 – 48 Ltr. der Abt. Kommunalpol. des ZS des SED-PV.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Zaschke, Horst

* 23.10.1938

Geb. in Zautig (Krs. Tetschen, ČSR / Děčín, Tschechien); Vater Schuhmacher; 1945 – 53 Grundschule Rotha; 1957 Abitur an der EOS Sangerhausen; 1958 – 63 Studium der Chemie an der MLU Halle, Dipl.-Chemiker; 1962 SED; 1963 – 65 hauptamtl. Sekr. der FDJ-KL Halle; 1965 – 69 Ass. am Inst. für Chemie der MLU Halle, 1969 Prom. mit einer Studie zur »Synthese von kristallin-flüssigen 2,5-disubstituierten Pyrimidinen« bei H. Schubert; 1969 – 78 dort Oberass.; 1975 Zusatzstudium an der Lomonossow-Univ. Moskau; 1977 Diss. B mit der Arbeit »Phenylazine – Neue kristallinflüssige Strukturtypen«; 1978 Doz., 1982 ord. Prof. für organ. Chemie, 1984 – 88 Dir. der Sektion Chemie, 1988 – 90 Rektor der MLU Halle-Wittenberg (Nachf. von  Werner Isbaner), 1990 abberufen u. aus dem Hochschuldienst ausgeschieden. Gründung eines Unternehmens für Spezial- u. Feinchemikalien in Leuna; lebt in Halle. Forschungen insb. auf dem Gebiet der Synthesechemie; die von Z. u. seiner Arbeitsgr. mit großem Erfolg betriebene Entw. spezieller Flüssigkristalle hat zu zahlr. optoelektron. Anwendungen, u. a. bei Displays, geführt.Flüssige Kristalle in Tabellen. Leipzig 1984 (mit D. Demus).Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Zeh, Klaus

* 16.11.1952

Geb. in Leipzig; 1959 – 67 POS; 1967 – 71 EOS, Abitur; 1971 – 75 Studium der Informationstechnik an der TU Dresden; 1975 – 78 Lehrer für Rechentechnik bei Robotron Leipzig; 1978 / 79 Zusatzstudium Ingenieurpäd.; 1979 – 82 Entwurfsing. für Mikrochips im Funkwerk Erfurt; 1979 – 83 Fernkurs Theol.; 1982 – 90 Problemanalytiker im VEB Kombinat Mikroelektronik Erfurt; 1985 – 89 außerplanmäßige Aspirantur an der AdW in Dresden, 1990 Prom. zum Dr.-Ing. an der TU Dresden; 1990 stellv. Bundesvors. u. Vors. des Landesverb. Thüringen des DA; 1990 – 92 stellv. CDU-Landesvors. Thür. Seit Okt. 1990 Mitgl. des Thür. Landtags; 1990 – 94 Minister für Finanzen des Freistaats Thüringen; seit 1992 Mitgl. des CDU-Landesvorst. Thür.; ab 1993 Vors. des CDU-Kreisvorst. Nordhausen; 1994 – 99 Mitgl. des Kuratoriums der Thür. Landeszentrale für polit. Bildung; 1996 – 2000 Schatzmeister des CDU-Landesverb.; seit 1999 Mitgl. des Stadtrats Nordhausen, 1999 – 2003 dort stellv. Vors. der CDU-Frakt.; 2001 – 03 CDU-Landesgeschäftsf.; 2003 – 08 Minister für Soziales, Familie u. Gesundheit (Nachf. von Frank-Michael Pietzsch), Mai 2008 – 09 Chef der Staatskanzlei u. Minister für Bundes- u. Europaangelegenh. des Freistaats Thüringen; seit Nov. 2009 stellv. Vors. der CDU-Frakt. im Thür. Landtag.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Zeidler, Eberhard

* 6.10.1940

Geb. in Leipzig; 1959 Abitur; anschl. Studium der Math. u. Physik an der KMU Leipzig, 1961 Zwangsexmatrikulation aus polit. Gründen u. Tätigkeit als Transportarbeiter; NVA; 1964 Wiederaufnahme des Studiums an der KMU, dort 1967 Prom. »Über eine Klasse nichtlinearer singulärer Randwertaufgaben der Funktionentheorie mit Symmetrieverhalten« bei  Herbert Beckert; 1970 Habil.; seit 1974 Prof. für Analysis an der Univ. Leipzig. 1994 Mitgl. der Leopoldina; 1995 zus. mit Jürgen Jost u. Stefan Müller Gründungsdir. u. bis 2005 Dir. des Max-Planck-Inst. für Math. in den Naturwiss. in Leipzig; 2006 Alfried Krupp Wissenschaftspreis der Alfried Krupp von Bohlen u. Halbach-Stiftung für sein wiss. Lebenswerk; lebt in Leipzig. Arbeitsgebiete: Analysis; Mitbegr. des Forschungsgebiets der nichtlinearen Funktionalanalysis; außerdem Arbeiten zur Anwendung mathemat. Theorien in den Naturwiss.; Arbeiten zur Quantenfeldtheorie.Beiträge zur Theorie u. Praxis freier Randwertaufgaben: funktionalanalyt. Untersuchungen über eine Klasse nichtlinearer hydrodynam. Probleme. Berlin 1971; Vorlesungen über nichtlineare Funktionalanalysis. 3 Bände, Leipzig 1976 – 1978; Nonlinear Functional Analysis and its Applications. 5 Bände, New York 1984 – 1990; Applied Functional Analysis. 2 Bände, Heidelberg 1995; Teubner-Taschenbuch der Mathematik. Stuttgart 2003 (Hrsg.); Oxford User's Guide to Mathematics. Oxford 2004; Quantum Field Theory: A Bridge between Mathematicians and Physicists: vol. I Basics in Mathematics and Physics. Heidelberg 2006, vol. II Quantum Electrodynamics. Heidelberg 2008 (6 Bände geplant). Beckert, H. / Schumann, H. (Hrsg.): 100 Jahre Mathemat. Seminar der Karl-Marx-Universität Leipzig. Berlin 1981; Jost, J. / Müller, St. / Zeidler, E.: A new Max Planck Institute for Mathematics in the Sciences in Leipzig. In: Notices of the AMS (American Mathematical Society), Vol. 43, No. 10 (October 1996).Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Zeiseweis, Kurt

* 2.5.1937

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; 1955 Abitur; 1.8.1955 Eintritt in das MfS; 1955/1956 Mitarb. der Abt. VIII der BV Berlin (zuständig für Beobachtung u. Ermittlung); 1956 – 58 Besuch der HS des MfS in Potsdam-Eiche; 1958 – 83 stellv. Abt.-Ltr. in der Abt. XX der BV Berlin; 1962 – 66 Fernstudium der Kriminalistik an der HU Berlin; 1983 – 86 Ltr. der Krs.-Dienststelle Treptow; 1986 bis Frühjahr 1989 stellv. Operativ in der BV Berlin, dann bis 31.3.1990 stellv. Ltr. der Abt. Geheimnisschutz; April – Aug. 1990 Mitarb. im Komitee zur Auflösung des MfS/AfNS. Seit 1991 Teiln. an versch. Gesprächskrs. u. öffentl. Foren mit Pers., die Gegenstand operativer Maßn. d. MfS waren; Jan. 1991 Umschul. u. Tätigkeit in einem Baubetrieb als Arbeitsvorbereiter; arbeitslos; nach 1994 Verkäufer; Ruhestand; lebt in Berlin.Worst, A.: Das Ende eines Geheimdienstes. Berlin 1991; Süß, W.: Staatssicherheit am Ende. Berlin 1999.Jens Gieseke

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Zetkin, Clara

* 5.7.1857 – ✝ 20.6.1933

Als älteste Tochter (von drei Kindern) des Dorfschullehrers Gottfried Eißner am 5. Juli 1857 in Niederau/Sachsen geboren. Die Mutter, Josephine Vitale, stammte aus der Familie eines Ordonnanzoffiziers Napoleons. Clara Eißner besuchte nach dem Gymnasium und der Übersiedlung der Eltern nach Leipzig von 1873 bis 1878 das von der Frauenrechtlerin Auguste Schmidt geleitete Lehrerinnenseminar. Sie bestand die Lehrerinnenprüfung »mit Auszeichnung«. Während des Studiums Bekanntschaft mit dem russischen Revolutionär Ossip Zetkin, der sie mit den sozialistischen Theorien von Marx vertraut machte. Daraufhin wurde sie Sozialdemokratin, was zum Bruch mit ihrem Elternhaus und ihrer (demokratisch-bürgerlichen) Umgebung führte. 1880 wurde Ossip Zetkin aus Deutschland ausgewiesen, Clara folgte ihm, war zunächst Hauslehrerin in Linz und Zürich. Sie kam nach Paris, heiratete dort Ossip Zetkin. Ihre Kinder, Maxim (*1883) und Kostja (* 1885), wuchsen in Paris auf. Als ihr Mann nach langer Krankheit schon Ende Januar 1889 starb, verschlimmerte sich das schwere soziale Los der Familie. Clara Zetkin nahm als Mitarbeiterin des SPD-Organs »Sozialdemokrat« an der Gründung der II.Internationale 1889 teil und hielt dort das Referat zur Arbeiterinnen- und Frauenfrage. Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes kehrte sie 1891 nach Deutschland zurück und wurde Herausgeberin der Frauenzeitschrift »Gleichheit«, deren Redaktion sie bis 1917 leitete. Clara Zetkin zählte bald zu den führenden Sozialdemokraten in Europa, wurde 1907 zur Sekretärin des Frauensekretariats der Sozialistischen Internationale berufen, sie war Delegierte fast aller Kongresse der Internationale und Parteitage der SPD bis zum Weltkrieg. Von 1895 bis 1913 wurde sie auf allen Parteitagen der SPD in die Kontrollkommission gewählt, bis zum Weltkrieg gehörte sie dem Parteivorstand an. Clara Zetkin stand als Marxistin auf dem linken Flügel der Partei und hatte sich eng an Rosa Luxemburg angeschlossen. Als die Reichstagsfraktion der SPD am 4. August 1914 den Kriegskrediten zustimmte, protestierte sie zusammen mit Franz Mehring, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht öffentlich gegen diese Burgfriedenspolitik. Sie wurde Mitbegründerin der Gruppe Internationale bzw. der Spartakusgruppe und der USPD. Im März 1915 leitete Clara Zetkin in Bern eine internationale Frauenkonferenz der linken Opposition der Sozialdemokratie, geriet jedoch in Konflikt mit Lenin, dem diese Konferenz zu »zentristisch« war. 1916 in »Schutzhaft« genommen, kam sie wegen Krankheit 1917 wieder frei, war an ihrem Wohnsitz Stuttgart aktiv für die Spartakusgruppe. Im Mai 1917 entzog ihr der SPD-Parteivorstand ihr Lebenswerk, die Zeitschrift »Gleichheit«. Ihre schriftstellerische Tätigkeit konnte sie dann in der Beilage der »Leipziger Volkszeitung« fortsetzen. Clara Zetkin war Anhängerin der bolschewistischen Oktoberevolution, die sie öffentlich (wie Franz Mehring, aber anders als Rosa Luxemburg) begeistert begrüßte. Am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 nahm sie nicht teil, sondern blieb bis März 1919 formal in der USPD und vertrat diese im Württembergischen Landtag. Die Ermordung ihrer Freundin Rosa Luxemburg im Januar 1919 hat sie tief erschüttert und auch radikalisiert. Allerdings hatte Luxemburg 1899 in einem Brief an Leo Jogiches noch ein hartes Urteil über Clara Zetkin gefällt: Sie »schnattert sehr viel und radikal, aber eine eigene Meinung hat sie nicht«. Clara Zetkin kam 1919 in die Zentrale der KPD und gehörte vom II. Parteitag 1919 bis zum VIII. Parteitag 1923 als gewähltes Mitglied diesem Gremium an. In der KPD war sie die einzige Führerin, die schon in der alten sozialdemokratischen Bewegung großen Respekt genoß, also in der Tradition der Arbeiterbewegung verankert war. Wegen ihres lauteren Charakters allseits geachtet, wurde Clara Zetkin bereits im Juni 1920 (neben Paul Levi) als eine der beiden kommunistischen Abgeordneten in den Reichstag gewählt. Sie vertrat die KPD dann ununterbrochen bis 1933 im Reichstag. In den innerparteilichen Auseinandersetzungen gehörte Clara Zetkin zum rechten Flügel. Zusammen mit Levi trat sie Ende 1920 vorübergehend aus der Zentrale aus und beinahe hätte sie mit ihm auch die KPD verlassen (nach der März-Aktion 1921). Lenin, der sie sehr schätzte, konnte sie jedoch zum Verbleib in der Partei bewegen. Sie war eine treue Anhängerin und Verehrerin Lenins und des bolschewistischen Rußlands, auch wenn sie der Politik der Komintern oft kritisch gegenüberstand. Typisch war, daß sie auf dem Vereinigungsparteitag von KPD und linker USPD Ende 1920 pathetisch erklärte, bei einem Besuch in Rußland habe sie empfunden: »Ziehe deine Schuhe aus, der Boden, da du stehst, ist heiliger, revolutionärer Boden.« Die starke Bindung Clara Zetkins an Sowjetrußland bestimmte ihr weiteres politisches Leben. In den zwanziger Jahren oft erkrankt, hielt sie sich die meiste Zeit in der Sowjetunion auf. 1923/24 stellte sich Clara Zetkin hinter Heinrich Brandler und August Thalheimer und kämpfte erbittert gegen den Kurs der Ruth-Fischer-Zentrale. Trotz ihrer großen Popularität wurde sie 1924 von den Linken nicht mehr in die Zentrale der KPD gewählt und auch nicht (wie von der alten Zentrale 1923 vorgesehen) als Kandidatin zur Reichspräsidentenwahl 1925 nominiert. Statt ihrer präsentierte die KPD Ernst Thälmann. Auch auf dem X. Parteitag 1925 kam sie nicht ins ZK, erst nach dem »Offenen Brief« erhielt sie wieder Einfluß in der KPD. Clara Zetkin wandte sich scharf gegen die linke Opposition und besonders gegen Ruth Fischer. Seit 1927 wieder ZK-Mitglied, war sie Gegnerin der neuen ultralinken Wendung von 1928, und es schien, als wolle sie 1929 zur KPO übergehen. Schwerkrank und fast erblindet blieb sie trotz ihrer Kritik auch nach dieser Schwenkung in der KPD, wurde dennoch vom XII. Parteitag 1929 nicht mehr ins ZK gewählt. In jenen Jahren lebte sie fast ständig in Moskau, eng befreundet mit Lenins Witwe Nadeshda Krupskaja. Bei den Auseinandersetzungen zwischen Stalin und Bucharin gehörten ihre Sympathien den Rechten, doch äußerte sie öffentlich keinen nennenswerten Einwand, unterstützte aber insgeheim die rechte Opposition in der KPD. Im August 1932 kam Clara Zetkin – sehr gebrechlich – letztmals nach Berlin, um als Alterspräsidentin die Legislaturperiode des Reichstags mit einer Rede zu eröffnen. Unter dem Protest der Nazi- und Rechtsparteien sprach sie scharf gegen die Nationalsozialisten. Einen Tag später konstatierte eine bürgerliche Zeitung: »Freund und Feind hörten dieser Vertreterin bolschewistischer Ideen zu. Ihre kommunistische Weltanschauung ist wahrhaft ehrlich, sie ist überzeugt von dem, was sie sagt, und das gebietet Toleranz ihr gegenüber, auch wenn ihre Auffassungen nicht zu akzeptieren sind.« Bei Hitlers Machtantritt im Januar 1933 war sie wieder in der UdSSR. Clara Zetkin starb am 20. Juni 1933 in Archangelskoje bei Moskau, ihre Urne wurde an der Kreml-Mauer beigesetzt. Die Widersprüche ihrer Haltung scheinen symptomatisch für jene kommunistischen Führer, die trotz aller Bedenken gegen die Politik Stalins und die Entwicklung der KPD nicht nachdrücklich dagegen opponierten, weil sie ihr Idol »Rußland« nicht zu kritisieren wagten und so dem Stalinismus den Weg erleichterten. Dieser Standort, einerseits durch die absolute Ergebenheit zur Sowjetunion, andererseits durch die kritische Sicht der KPD- und der Komintern-Politik geprägt, zeigt das Dilemma Clara Zetkins, die zwischen kritischem und stalinistischem Kommunismus schwankte. Ihr Sohn Maxim (* 1. 8. 1883 – † 19. 8. 1965) war später führend im Gesundheitswesen der DDR tätig, ihr Sohn Kostja (* 14. 4. 1885 – †6.4. 1980) lebte in Kanada. Von ihren zahlreichen Beiträgen gab die SED zwischen 1957 und 1986 eine dreibändige Auswahl heraus, doch darin fehlten vor allem ihre innerparteilichen Streitschriften. Der französische Historiker Gilbert Badia veröffentlichte 1994 eine Clara Zetkin-Biographie, eine umfangreiche kritische Biographie von Tanja Puschnerat erschien 2003.

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Zeuner, Fritz

* 30.1.1921 – ✝ 20.4.1982

Geb. in Dölzig bei Altenburg; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule, Lehre u. Arbeit als Schlosser in Leipzig u. Schkeuditz; 1940 – 45 Wehrmacht. 1945 / 46 KPD / SED; 1946 / 47 Abiturausbildung an der ABF Leipzig, 1947 – 50 Studium der Ökonomie an der Univ. Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1950 Hauptsachbearb. im MdI; 1951 – 53 Abt.-Ltr. u. Mitgl. des Sekr. des ZV der VdgB; 1953 Instrukteur des ZK der SED; 1953 – 61 wiss. Mitarb. u. Geschäftsf. der AdL; 1961 / 62 wiss. Mitarb. u. stellv. Ltr. der Forschungsstelle für Agrarökonomik Anklam der AdL; 1962 – 64 Vors. der LPG Hohenreinkendorf (Uckermark); 1964 – 68 u. 1969 / 70 stellv. Chefred. der Ztg. »Neuer Tag« in Frankfurt (Oder); 1968 / 69 Studium an der SED-PHS; 1970 – 82 Generalsekr. bzw. 1. Sekr. des ZV, 1979 – 82 amt. Vors. der VdgB; zeitw. Mitgl. des Sekretariats u. des Präs. des Solidaritätskomitees der DDR; gest. in Berlin.Andreas Herbst

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Ziegenhagen, Kurt

* 22.10.1906 – ✝ 26.10.1969

Geboren am 22. Oktober 1906 in Berlin, Sohn eines Tischlers; lernte ebenfalls Tischler, 1925 Mitglied der KPD, bis zum RFB-Verbot 1929 Leiter des RFB Untergau Süd. Im Mai 1929 wegen »Weiterführung des RFB« zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, gehörte er ab Ende 1929 der illegalen Gauleitung der RJ Berlin-Brandenburg an, später Sekretär für Agitation und Propaganda der Bundesleitung des RFB. Im Juli 1932 Gauleiter des RFB Ruhr und Redakteur am »Ruhr-Echo«. Bis April 1933 leitete Ziegenhagen den illegalen RFB Ruhr, flüchtete anschließend nach Amsterdam. Beim Versuch nach Polen zu gelangen, am 24. Juli 1933 in Berlin festgenommen, doch nach kurzer Zeit wieder entlassen. Später erneut verhaftet und 1935 in einem Prozeß vor dem Sondergericht Berlin zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Anschließend Tischler, 1942 zur Wehrmacht einberufen, desertierte, kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft und kehrte im März 1946 nach Deutschland zurück. Hier zunächst Referent in der SED-Landesleitung Groß-Berlin, dann Vorsitzender des Heimkehrerausschusses. Ziegenhagen wurde mehreren Parteiuntersuchungen zu seiner Widerstands- und Haftzeit unterzogen und schied auch wegen seiner undogmatischen Haltung aus dem Parteiapparat aus. Ab 1952 Leiter der Deutschen Handels-Zentrale Glas-Keramik, später Betriebsleiter des Möbel-Spezial-Betriebes »Wohnkultur«, er erhielt 1966 den VVO in Silber. Kurt Ziegenhagen starb am 26. Oktober 1969 in Eichwalde bei Berlin.

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Ziegler, Willy

* 13.3.1879 – ✝ 1939

Geboren am 13. März 1879 in Celle; Monteur, bis 1914 Parteifunktionär der SPD in Breslau. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, 1918 Mitglied der USPD. Ziegler stand im November 1918 an der Spitze des Arbeiter- und Soldatenrates der Garnison Lamsdorf in Oberschlesien, war 1919/20 Parteisekretär der USPD in Breslau. Er trat 1920 für die Aufnahme in die Komintern und im Dezember 1920 für die Vereinigung mit der KPD ein. Anfang 1921 wurde Ziegler erster Bezirkssekretär der VKPD für Schlesien. Bereits seit Januar 1919 für die USPD Abgeordneter in der Preußischen Landesversammlung, im Februar 1921 wurde er Mitglied der VKPD-Fraktion im Preußischen Landtag. Ziegler schloß sich der Opposition von Paul Levi gegen die März-Aktion an. Im September 1921 trat er aus der KPD aus, weigerte sich in einem Brief an die Zentrale, das Landtagsmandat zurückzugeben. Ab Februar 1922 Mitglied der KAG, schied er vor Ablauf der Legislaturperiode aus dem Landtag aus und zog sich von der Politik zurück. Willy Ziegler starb 1939 in Breslau.

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Ziehl, August Johann

* 1.3.1881 – ✝ 17.5.1965

Geboren am 1. März 1881 in Geesthacht, Sohn eines Korbmachers und SPD-Funktionärs; lernte von 1895 bis 1899 in der Geesthachter Glasfabrik Korbmacher. Am 28. November 1896 Mitglied der SPD, bald einer der führenden Funktionäre der starken Ortsgruppe Geesthacht. Im Weltkrieg Soldat. 1917 trat er mit der großen Mehrheit der SPD-Ortsgruppe zur USPD über. Als er im September 1918 wieder an die Front sollte, desertierte er, wurde von einem Kriegsgericht zu vier Monaten Festung verurteilt, durch die Revolution befreit. Danach Schriftführer des Arbeiterrats in Geesthacht. Ziehl war einer der fünf Delegierten Hamburgs auf dem USPD-Parteitag im März 1919 in Berlin. 1921 schloß er sich mit fast der gesamten USPD-Ortsgruppe der KPD an. Nach der März-Aktion 1921 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, nach 14 Monaten amnestiert. Von 1924 bis 1931 war Ziehl Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft und in der BL Wasserkante, von 1924 bis 1933 Stadtvertreter in Geesthacht, 1931 dort stellvertretender Bürgermeister. Als Delegierter des XI. Essener Parteitages 1927 in die Kommunalkommission gewählt. In Opposition zum ultralinken Kurs des ZK und der BL Wasserkante verließ er im August 1931 mit 200 von 320 Mitgliedern die KPD. Diese Gruppe schloß sich der KPO Heinrich Brandlers an. Unter Ziehls Führung erhielt die KPO bei den Gemeindewahlen zwei Sitze. Mit der Mehrheit seiner KPO-Gruppe trat Ziehl 1932 zur SAP über. Er wurde 1933/34 fast ein Jahr lang im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert und war 1944 nochmals 13 Monate im KZ Neuengamme. Ziehl gehörte 1945 zu den Mitbegründern der KPD in Geesthacht. 1949 wurden er und die Mehrheit der Ortsgruppe als Gegner der Stalinisierung aus der KPD ausgeschlossen. Er hat 1951 die Unabhängige Arbeiterpartei (UAPD) mitbegründet, die in Geesthacht eine ihrer Hochburgen besaß, sie bekam bei den Wahlen 1951 423 Stimmen (gegen 736 der KPD). Ziehl war Delegierter auf dem UAPD-Parteitag 1951 in Worms. Auch nach der Auflösung der UAPD blieb er aktiv und führte als politisches Urgestein zunächst die Geesthachter Gruppe als SAP fort. Er veröffentlichte 1958 die Schrift »Geesthacht – 60 Jahre Arbeiterbewegung 1890 bis 1950«. 1961 trat er noch der Deutschen Friedens-Union (DFU) bei. August Ziehl starb am 17. Mai 1965 in Geesthacht.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ziese, Max

* 8.11.1882 – ✝ 11.2.1952

Geboren am 8. November 1882 in Grabowo/ Pommern. Rohrleger, gehörte der Rohrlegerabteilung der Berliner Ortsverwaltung des DMV an. Mitglied der SPD, ab 1917 der USPD, 1919 der KPD. Im Dezember 1920 kandidierte er für den Posten des Kassierers für die Berliner DMV-Ortsverwaltung. Er wurde Mitarbeiter in der Gewerkschaftsabteilung der Zentrale der KPD, später im Sekretariat des MEB der RGI in Berlin tätig. Auf dem 5. RGI-Kongreß 1930 in Moskau in den Zentralrat gewählt, war Ziese dann einige Jahre im zentralen RGI-Apparat in Moskau beschäftigt. Er soll später aus der KPD ausgeschlossen worden sein. Max Ziese starb am 11.Februar 1952 in Berlin.

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Zillig, Johannes (Hans)

* 19.6.1934 – ✝ 31.8.2007

Geb. in Köln; Vater kaufm. Angest.; Grund- u. OS, Abitur; 1951 CDU u. FDJ; 1952 – 58 Studium der Philos., Dipl.; 1954 Tätigkeit als antiquar. Hilfskraft; 1954 – 58 Studium der Ökonomie an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtschaftler; 1964 – 68 Fernstudium an der KMU Leipzig, Jan. 1969 Prom. mit einer Arbeit über das Verhältnis von sozialist. u. religiösem Bewußtsein in der DDR; 1960 – 71 Red., Juli 1971 – Juli 1973 Chefred. von »Die Union« u. »Märkische Union«; 1962 Vors. des Kreisverb. der CDU Dresden-Ost; 1971 Vors. des Kreisverb. der CDU Dresden-Stadt; seit Okt. 1972 Mitgl. des CDU-HV.; Juli 1973 – 77 Chefred. des CDU-Zentralorgans »Neue Zeit« (Nachf. von  Karl-Friedrich Fuchs); Okt. 1973 – Okt. 1977 u. Okt. 1987 – 89 Mitgl. des Sekr. des HV der CDU, seit 14.10.1977 Sekr. des HV der CDU (Nachf. von  Harald Naumann); 1976 VVO; Okt. 1977 – 89 Mitgl. des Präs. des HV der CDU; 1982 – 90 Mitgl. der Volkskammer.In der Mitarb. gewachsen u. gereift. Zur Geschichte des Landesverb. Sachsen der CDU 1945 – 1952. Berlin 1975.Helmut Müller-Enbergs

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Zimmering, Max

* 16.11.1909 – ✝ 15.9.1973

Geb. in Pirna in einer jüd. Fam.; Vater Uhrmacher u. Kfm. (1942 im KZ Auschwitz ermordet); Cousin von  Lea Grundig u.  Bruno Goldhammer; 1914 Umzug der Fam. nach Dresden; 1916 – 30 Volks- u. Oberrealschule, Abitur; 1925 – 28 Mitgl. der zionist. Jugendbew. »Blau-Weiß« u. »Kadimah«; 1928 KJVD, Agitpropltr. in Dresden-Altstadt; 1928 ZdA; 1928 Mitbegr. der Jüd. Arbeiter- u. Angestelltenjugend (J.A.A.J.); 1929 KPD; veröff. als Schüler Gedichte in der Arbeiterpresse, 1930 Lyrikpreis der Ztschr. »Linkskurve«; 1930 – 32 Ausbildung zum Schaufensterdekorateur beim Warenhaus Hermann Tietz in Dresden, wg. gewerkschaftl. Aktivitäten entlassen; 1930 Mitbegr. des BPRS in Dresden; RGO; Arbeiterkorresp. der »Roten Fahne« u. Mitarb. anderer linker Ztg.; 1930 – 33 Mitarb. im M-App. der KPD, Abwehrarbeit in Reichswehr u. Polizei; 1932 Dekorateur im Warenhaus »Wohlwert« in Dresden, erster Erzählband (»Brand im Warenhaus«); Mai 1933 Emigr. nach Paris, dort u. a. Tellerwäscher u. Bauhilfsarbeiter; 1934 / 35 in Palästina, Land- u. Bauarbeiter, u. a. im Kibbuz in Herlia; Mitarb. der illeg. KP Palästinas; Mai 1935 Emigr. nach Prag, dort Mitgl. des »Bert-Brecht-Klubs«, Verf. von Texten für die »Freie Dt. Spielgemeinschaft« (Ltr.  Erwin Geschonneck); März 1939 Flucht nach Großbrit., 1939/ 40 in Oxford u. London; 1940 / 41 interniert in Liverpool, in Australien u. auf der Isle of Man; ab 1941 Red. der Ztschr. »Freie Dt. Kultur« u. »Freie Dt. Tribüne« in London u. 1941 – 45 Ltr. der Publikationsabt. des Freien Dt. Kulturbundes in Großbrit.; 1942 – 46 Mitgl. des Internat. PEN-Clubs; 1945 / 46 Mitgl. der Ltg. der KPD-Emigrationsgr. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl. (Dresden); SED; VVN, Mitgl. in dessen LV; 1946 – 53 Kulturred. der Wochenztg. »Zeit im Bild«; 1946 – 53 VVN-Landesvors. in Sachsen; 1952 – 56 Vors. des DSV Dresden; 1953 Heinrich-Mann-Preis; 1953 – 56 freischaff. Schriftst.; 1954 Dt. PEN-Zentrum Ost u. West; Nov. 1956 – Nov. 1958 1. Sekr. des DSV (Nachf. von  Eduard Claudius); 1958 Med. Kämpfer gegen den Fasch., Heinrich-Heine-Preis; 1958 – 63 Dir. des Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig (Nachf. von  Alfred Kurella), Ablösung wg. »ungenügender Aktivitäten im Kampf gegen westl. pessimist. Realismus u. gegen revisionist. Bestrebungen«; 1959 Heinrich-Heine-Preis; 1963 Kand. des ZK der SED; ab 1963 freischaff. Schriftst., v. a. Lyrik u. Kinderbücher; 1964 Mitgl. des Komitees der Antifasch. Widerstandskämpfer der DDR; 1969 NP, VVO; gest. in Dresden. Verf. zahlr. agitator. Gedichte, Kantaten, Erzählungen.Li u. die roten Bergsteiger. Berlin 1940; Der Keim des Neuen. London 1944; Im Antlitz der Zeit. Berlin 1948; Der gekreuzigte Grischa. Erzählungen, Skizzen, Anekdoten. Berlin 1969; Wir lieben unsere Zeit. Gedichte, Erzählungen, Erinnerungen, Prosa. Berlin 1979; Das war Ernst Thälmann. Stuttgart 1980; Lied von Finsternis u. Licht – Gedichte u. Nachdichtungen 1928 – 1973. Berlin 1986. Riedel, H.: M. Z. In: Lit. der DDR. Einzeldarstellungen, Bd. 1. Berlin 1974; Ritchie, J. M.: M. Z.’s »Unfreiwillige Weltreise«. In: Harris, N., Sayner, J. (Hrsg.): The text and its context. Studies in modern German literature and society. Oxford 2008.Bernd-Rainer Barth

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Zaunick, Rudolph

* 26.8.1893 – ✝ 13.11.1967

Geb. in Dresden; Vater Sattlermstr.; 1913 Abitur; 1913 – 20 Studium der Chemie, Mineral., Geol., Botanik u. Zool. an der TH Dresden u. der Univ. Leipzig, unterbrochen durch Militärdienst u. Lehrervertr.; 1918 Prom. an der Univ. Königsberg; 1920 Lehramtsprüfung an der Univ. Leipzig; anschl. bis 1945 im Schuldienst; ab 1923 Studienrat an der Oberrealschule Dresden-Johannstadt; 1927 Habil. für Geschichte der biolog. Wiss. an der TH Dresden; danach Privatdoz.; 1932 Mitgl. der Leopoldina; 1954 – 66 Dir. Ephemeridum; 1934 nichtbeamteter a. o. Prof., 1940 – 45 außerplanm. Prof. für Geschichte der Naturwiss. der TH Dresden. 1947 – 52 freier Mitarb. in der chem. Fabrik Heyden in Radebeul; 1952 – 60 ord. Prof. für Geschichte u. Dokumentation der Naturwiss. der MLU Halle; 1956 – 62 Gastprof. für Geschichte der Med. an der Med. Akad. Dresden; 1960 Korr. u. 1963 Ord. Mitgl. der Académie Internationale d’Histoire des Sciences zu Paris; 1963 Dr. med. h. c. Univ. Halle-Wittenberg; 1965 Mitgl. der International Academy of the History of Medicine London; Mithrsg. u. Schriftltr. von wissenschaftshist. Ztschr. u. Schriftenreihen; gest. in Pirna. Arbeitsgebiete: Geschichte der Naturwiss., bes. Biol. u. Med.; Biogr. bedeutender Naturforscher (Carl G. Carus, Alexander von Humboldt, Lorenz Oken, Georg Forberger); Mitarb. an Johann C. Poggendorffs Biogr.-liter. Handwörterbuch der exakten Naturwiss.Bibl. der Veröff. von R. Z., Teil I (1911 – 58, zusammengest. von Hilde Z.). Halle 1958; Teil II (1958 – 67, zusammengest. von Hilde Z.). Halle 1968; Teil III (Nachtrag u. Ergänzungen, bearbeitet von H.-T. Koch). Merseburg 1981.Michael Kaasch

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Zehm, Günter

* 12.10.1934

Geb. in Crimmitschau (Sachsen); Abitur; nach dem Studium der Journalistik u. der Philos. in Leipzig Schüler u. Assistent  Ernst Blochs; 1956 Versetzung als Assistent an die FSU Jena; SED; 1957 wegen Gründung einer inoffiz. »Jenaer Philosoph. Studentenges.« zunächst Ausschl. aus der SED u. Entlassung von der Univ., dann Verhaftung wegen eines stalinismuskrit. Manuskripts, Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus, Dez. 1960 amnestiert; Flucht in die Bundesrep. Dtl.; beendete sein Studium in Frankfurt (Main) u. promovierte über Jean-Paul Sartre; Mitarb., 1963 Red. u. 1977 – 89 stellv. Chefred. der Ztg. »Die Welt«. 1990 Doz. u. ab 1993 Honorarprof. an der FSU Jena; 2000/01 kontroverse Debatte wg. seines Engagements für rechtsextreme Org.; seit 1995 Kolumnist der rechtsgerichteten Wochenztg. »Junge Freiheit«.Pankraz u. der grüne Heinrich. 1981; Pankraz u. der gesunde Menschenverstand. 1988; Pankraz u. die gesträubte Feder. 1999; Das Böse u. die Gerechten. Schnellroda 2005; War Platon in Asien? Schnellroda 2008; Gesunder Menschenverstand. Schnellroda 2009. Herzberg, G.: Abhängigkeit u. Verstrickung. Berlin 1996.Siegmar Faust

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Zeigner, Erich

* 17.2.1886 – ✝ 5.4.1949

Geb. in Erfurt; Vater kfm. Angest.; dort Volksschule, 1896 – 1905 Höhere Bürgerschule u. Petri-Realgymnasium in Leipzig; 1905 – 08 Studium der Rechtswiss. u. Volkswirtschaft in Leipzig; 1908 Erste jur. Staatsprüfung; 1909 SPD; 1908 – 13 Referendar u. a. in Leipzig u. Chemnitz; 1913 Zweite jur. Staatsprüfung u. 10.7.1913 Prom. zum Dr. jur.; dann Assessor in Leipzig; 1915 Übernahme in den Staatsdienst; 1917/18 Militärdienst; 1918 Staatsanwalt in Leipzig; 1919 SPD; 1919 Richter am Landgericht Leipzig; 1921 – 23 Justizmin. in Sachsen; 1922/23 Mitgl. des Sächs. Landtags; 21.3. – 10.10.1923 Min.-Präs. der sächs. Arbeiterreg., abgesetzt durch Reichspräsident Friedrich Ebert; 21.11.1923 wg. angebl. Bestechlichkeit festgenommen, Frühj. 1924 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt u. in Bautzen inhaftiert, Aug. 1925 auf Bewährung entlassen; 1925 – 28 Lehrer an der Bundesschule des Arbeiter-Turn-u. -Sportbunds Leipzig; 1928 – 33 Journalist bei sozialdemokrat. Presseorganen in Chemnitz, Dresden, Zwickau u. Ltr. einer jur. Beratungsstelle der SPD in Leipzig; 1933 Berufsverbot; wegen illeg. Arbeit 1934/35 inhaftiert, freigesprochen, 1939 abermals kurzztg. inhaftiert; 1935 – 39 Gelegenheitsarb.; 1939 – 44 kfm. Angest. in Leipzig; Aug. 1944 – Mai 1945 KZ Buchenwald. Juni/Juli 1945 Rechtsrat am Kulturamt des Rats der Stadt Leipzig; 16.7.1945 – 5.4.1949 von der SMA Leipzig als OB von Leipzig eingesetzt; 1945 Mitgl. des erweiterten Bez.-Aussch. der SPD; 1946 Mitgl. der Zentr. Programmkommission zur Vorber. der Vereinigung von SPD u. KPD; Mitgl. des sächs. Landes- u. Leipziger Krs.-Vorst. der SED; ab 1946 Abg. der Leipziger Stadtverordnetenvers. u. des Sächs. Landtags; ab Mai 1947 Honorarprof. für Verw.-Geschichte an der Gesellschaftswiss. Fak. der Univ. Leipzig; ab Okt. 1948 ord. Prof. für Verw.-Lehre; Ltr. des von ihm initiierten Inst. für Kommunalwiss.; 1948/ 49 Mitgl. des Dt. Volksrats; gest. in Leipzig.Der Einfluß des Konkurses über das Vermögen des Versicherungsnehmers oder des Begünstigten auf privatrechtl. Lebensversicherungsverhältnisse. Berlin 1913. Matthes, A. u. L.: E. Z.: Eine biogr. Skizze. Leipzig 1985; Schmeitzner, M.: E. Z. (1886 – 1949). Linkssozialist im Zwiespalt. In: Schmeitzner, M., Rudloff, M. (Hrsg.): Solche Schädlinge gibt es auch in Leipzig. Frankfurt (Main) 1997; Rudloff, M. (Hrsg.): E. Z. Leipzig 1999; Külow, V.: Oberbürgermstr. in schwerster Zeit. E. Z. In: Leipziger Histor. Kalender 2005. Leipzig 2004.Helmut Müller-Enbergs

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Zeller, Magnus

* 9.8.1888 – ✝ 25.2.1972

Geb. in Biesenrode (b. Mansfeld); 1908 – 11 Studium bei Lovis Corinth in Berlin, 1912/13 in Paris; ab 1913 Mitgl. der Berliner Sezession; 1914 – 18 Kriegsdienst; Bekanntschaft mit Karl Schmidt-Rottluff u.  Arnold Zweig; 1917 mit Arnold Zweig Hrsg. der Mappe »Entrückung u. Aufruhr«; 1918 Mitgl. des Berliner Soldatenrats; lebte abwechselnd in Blomberg (Lippe) u. Berlin; 1921 – 24 Lehrer an der Staatl. Kunstschule in Dorpat (Estland); ab 1924 freischaff. in Blomberg u. Berlin; 1926 Aufenthalt in Paris; 1929 Reise nach Italien; 1933 Hausdurchsuchungen, Beschlagnahme u. Vernichtung zahlr. Werke durch die Gestapo; 1935 Reisen nach Italien (Ischia u. Rom); Rompreis; Reise nach Griechenland; 1937 Diffamierung seiner Werke als »entartet«; lebte ab 1937 zurückgezogen in Caputh (b. Potsdam). 1945 Mitbegr. des KB in Potsdam; ab 1946 wieder an Ausstellungen beteiligt; 1947 erste Personalausstellung; 1962 – 66 Ltg. eines Malzirkels in Caputh; gest. in Caputh. Werke: Lithographiefolge »Entrückung u. Aufruhr«. 1917; Vision. 1938; Hitlerstaat. 1938; Staatsbegräbnis. 1944; Die kranke Maschine. 1949.Lang, L.: M. Z. Dresden 1960; Kat. M. Z. 1888 – 1972. Malerei u. Grafik. Galerie Soz. Kunst am Bez.-Museum Potsdam, 1978; Schmidt, D.: M. Z. In: Sehen u. Sammeln. Galerie Arkade. Staatl. Kunsthandel der DDR. Berlin 1980.Anke Scharnhorst

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Zetkin, Maxim

* 1.8.1883 – ✝ 19.8.1965

Geb. in Paris, aufgew. in Paris u. Zürich; Mutter Clara Z., Lehrerin u. KPD-Politikerin, Vater Ossip Z., pol. Emigrant aus Odessa; 1894 – 1902 Gymnasium in Stuttgart; 1902 – 08 Med.-Studium in München; hier 1909 Prom.; 1909 – 12 ärztl. Praxis in Stuttgart; 1912 – 14 chirurg. Assistenzarzt am Städt. Krankenhaus Augsburg; 1914 – 18 Militärdienst; 1919/20 Assistenzarzt in der chirurg. Abt. des Auguste-Viktoria-Krankenhauses in Berlin; 1902 – 16 SPD; 1917 – 19 USPD; 1919 KPD; ab 1920 auf Einladung als Chirurg in Moskau tätig; 1924 KPR (B); 1930 – 39 an der chirurg. Klinik des II. Med. Inst. in Moskau; 1935 hier Doz.; 1936/37 Teiln. am span. Bürgerkrieg als beratender Chirurg der rep. Armee; 1939 – 41 Chefarzt der chirurg. Abt. eines Moskauer Krankenhauses; 1942 – 45 Militärchirurg in Moskau, im Kaukasus u. in Transkaukasien. Ende 1945 Rückkehr nach Dtl. u. Mitw. beim Aufbau der Dt. ZV für Gesundheitswesen; 1945 – 49 1. Vizepräs. u. zuständig für Personal- u. Org.-Fragen; 1946 SED; 1947 – 60 Prof. mit Lehrauftrag für Chirurgie an der HU Berlin; 1949/50 Ärztl. Dir. der Charité; 1950 – 52 Ltr. der HA Wiss. u. Forschung des Min. für Gesundheitswesen; 1951 Verdienter Arzt des Volkes; 1954 Vors. des Wiss. Rats beim Min. für Gesundheitswesen u. Ltr. der Arbeitsgemeinschaft med. Verlage; Mitbegr. des Verlags Volk u. Gesundheit; 1955 Korr. Mitgl. der DAW; 1955 VVO; 1958 Dr. h. c. an der FSU Jena; 1963 Hervorrag. Wissenschaftler des Volkes; gest. in Berlin.Die Chirurgie des Traumas. 4 Bde. Berlin 1955 – 58 (Hrsg.); Wörterbuch der Med. Berlin 1956 (Hrsg. mit. H. Schaldach; 11. Aufl. 1980); dt. Gesamtausgabe der Werke von I. P. Pawlow. Berlin 1953 – 54 (Hrsg.). M.-Z.-Ehrung 1983. Berlin 1984.Peter Schneck / Bernd-Rainer Barth

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Zeutschel, Walter

* 1900

Geboren 1900 als Adolf Burmeister in Hamburg. Er wurde Bauarbeiter und war ab 1916 in der oppositionellen sozialistischen Jugend organisiert. Seit 1919 in der KPD, gehörte er zunächst zu den Anhängern Ernst Thälmanns, war aber 1923 bei denjenigen ultralinken Kreisen in der KPD Hamburgs, die schon 1923 gegen ihn agitierten, weil sie generell hauptamtliche Funktionäre ablehnten. Zeutschel war im Oktober 1923 beim Hamburger Aufstand einer der Anführer. Nach der Niederschlagung kam er in den damals von Peter Skoblewski aufgebauten Terror-Apparat, war zunächst für Pommern und Mecklenburg zuständig. In ein Bomben-Attentat in Potsdam verwickelt, wurde Zeutschel-Burmeister Ende 1924 verhaftet und 1925 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Durch die Amnestie 1928 frei, kam er als Redakteur zur »Hamburger Volkszeitung«, schied aber 1929 aus und trennte sich von der KPD. 1931 erschien im J.H.W. Dietz Verlag seine Enthüllungsschrift »Im Dienste der kommunistischen Terror-Organisation. Tscheka-Arbeit in Deutschland«. Der SPD-Verlag veröffentlichte die Broschüre (157 Seiten) als »Anschauungsunterricht« gegen kommunistische Verschwörungen, distanzierte sich aber im Vorwort von Zeutschel. »Der Verfasser erblickt in der Nachahmung bolschewistischer Terrormethoden das Heil für die deutsche Arbeiterschaft. Der Verlag ist der Ansicht, daß die Überwindung dieser bolschewistischen Terrormethoden eine unerläßliche Voraussetzung des Sieges der sozialistischen Sache ist!« Tatsächlich propagierte Zeutschel-Burmeister weiterhin terroristische Praktiken, er verschwand aus der Arbeiterbewegung. Sein weiteres Schicksal war nicht zu ermitteln.

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Ziegenhahn, Herbert

* 27.10.1921 – ✝ 29.6.1993

Geb. in Dankerode (Krs. Quedlinburg); Vater Kleinbauer; Besuch der Volksschule; 1936 – 41 Landarb., Mitarb. in der elterl. Landw., Maurer; Wehrmacht; sowj. Kriegsgefangenschaft, 1947 – 49 Antifa-Gebietsschule u. Assistent an einer Antifa-Zentralschule in der UdSSR. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1950/51 Gemeindevertreter u. Bürgermstr. von Dankerode u. Harzgerode (Krs. Quedlinburg); 1951 SED; 1952 – 59 1. Krs.-Sekr. der SED in Quedlinburg; 1953 – 59 Abg. des Krs.-Tags Quedlinburg; 1954 – 60 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1959 – 63 1. Sekr. der SED-KL Dessau; 1961 – 63 Stadtverordn. in Dessau; 1963 Abg. des Bez.-Tags Gera; 1963 – 66 Kand., 1966 – 89 Mitgl. des ZK der SED; seit 1963 1. Sekr. der SED-BL Gera (Nachf. von Paul Roscher); 1963 – Nov. 1989 Abg. der Volkskammer; 1963 – 67 Stellv. des Vors. des Aussch. für Handel u. Versorgung; seit 1967 Mitglied des Mandatsprüfungsaussch.; 1971 VVO; 1981 KMO; 2.11.1989 Rücktritt als 1. Sekr. der BL Gera; 3.12.1989 gem. mit anderen wegen der »Schwere ihrer Verstöße gegen das Statut der SED u. in Anbetracht zahlr. Forderungen u. Anträge von Krs.-Delegiertenkonferenzen« der Mitgliedschaft im ZK enthoben u. aus der SED ausgeschl.Wilfriede Otto

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Ziegler, Martin

* 1.10.1931 – ✝ 21.3.2015

Geb. in Berlin, aufgew. in Gollnow (Hinterpom.); Vater Handelslehrer; 1945 Flucht nach Stendal; 1950 Abitur; anschl. Studium der Theol. an der HU Berlin; ab 1955 Transportarb. in Tangermünde; 1958 Ordination; Hilfsgeistlicher u. Pfarrer in Großkayna (Kirchenkrs. Geiseltal); ab 1963 Pfarrer in Kötzschen (b. Merseburg); 1968 – 74 Superintendent in Merseburg; 1975 – 83 Dir. des Diakon. Werks der Inneren Mission u. des Hilfswerks der Ev. Kirche Berlin-Brandenb. u. Vors. des Vereins der Hoffmannsthaler Anstalten; 1983 Oberkirchenrat u. bis 1991 Ltr. des Sekr. d. Bunds der Ev. Kirchen in der DDR (Nachf. von  Manfred Stolpe); Dez. 1989 bis März 1990 einer der Moderatoren des Zentr. Runden Tischs. 1990 Mitgl. im Verw.-Rat der Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel; ab 1991 Dir. der Hoffmannsthaler Anstalten in Lobetal; 1994 Ruhestand; gest. in Schildow.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

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Ziel, Alwin

* 22.4.1941

Geb. in Quernau (Westpr./Zwirynowo, Polen); Eltern Landwirte; 1947 – 60 Schulbesuch in Zölkow, Parchim u. Dömitz, 1960 Abitur; 1960 – 65 Studium der Päd. an der PH in Güstrow, Dipl.-Lehrer; 1971/72 Lehrer an der Friedrich-Rohr-OS in Grabow; 1972 – 74 Studium der Logopädie an der HU Berlin, Dipl.-Päd.; 1974 – 77 Logopäde in der Beratungsstelle Dessau; 1978 – 88 Lehrer an der FS für Ökonom. in Rodewisch; 1980 – 85 externes Jurastudium an der HU, Dipl.-Jur.; Apr. – Aug. 1988 in Hamburg, Rückkehr in die DDR; 1988 – 90 wiss. Assistent an der HU; Dez. 1989 SDP/SPD; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; parl. Staatssekr. im Min. für Arbeit u. Soziales. Seit 14.10.1990 MdL Brandenb.; Dez. 1990 – Okt. 1999; Min. des Innern u. stellv. Ministerpräs. des Landes Brandenb.; 1991/92 Vors., ab 1993 stellv. Vors. des Landesverb. der Arbeitsgr. sozialdemokrat. Juristen; 1993 Vors. der Ständigen Konferenz der Innenmin. u. -senatoren der Länder; Okt. 1999 – Aug. 2002 Min. für Arbeit, Soziales, Gesundheit u. Frauen im Land Brandenb. (Nachf. von  Regine Hildebrandt); seit 2008 Stadtverordnetenvorsteher in Hohen Neuendorf (Landkrs. Oberhavel).Stoll, U.: Einmal Freiheit u. zurück. Berlin 2009.Helmut Müller-Enbergs

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Ziller, Gerhart

* 19.4.1912 – ✝ 14.12.1957

Geb. in Dresden; Vater Maschinenschlosser; 1918 – 26 Volksschule; anschl. bis 1930 Ausbildung zum Elektromonteur u. techn. Zeichner; danach Abendausbildung zum Maschinenbau-Ing.; 1927 KJVD u. DMV; 1930 KPD u. RGO; 1930/31 Studienreise in die Schweiz, nach Italien, Frankreich, Spanien u. Belgien; 1930 – 33 Red. der KPD-Ztg. »Arbeiterstimme«; nach 1933 als techn. Zeichner bzw. Maschinenbauing. beschäftigt; wegen illeg. Tätigkeit häufig inhaftiert; erste Inhaftierung Jan./ Febr. 1933, Sept. 1933 erneut inhaftiert, Dez. 1933 vom Sondergericht Freiberg wg. Aufrechterhaltung des KJVD zu einem Jahr Haft verurteilt, Haft im Zuchthaus Waldheim; Jan. 1935 Entlassung, 1935/36 Gelegenheitsarbeiten; 1937 – 44 als Ing. in Dresden; 1943/44 Mitgl. des NKFD Dresden; Aug. 1944 verhaftet, 1944/45 KZ Sachsenhausen, 1945 im Gefängnis Dresden u. in Leipzig. Juli 1945 Stadtrat für Wirtschaft in Meißen; 1945/46 Ministerialrat u. Ltr. der Abt. Kohle, Treibstoff, Energie im Ressort Wirtschaft u. Arbeit der Landesverw. Sachsen; 1946 SED; 1946 – 48 Ministerialdir. u. Ltr. der HA Brennstoffindustrie u. Energiewirtschaft im Min. für Wirtschaft u. Wirtschaftsplanung Sachsen; 1948/49 stellv. Minister u. Ltr. der HA Industrie im Min. für Industrie u. Verkehr; Apr. 1949/50 Minister für Industrie u. Verkehr der Landesreg. Sachsen; 1950 – 53 Minister für Maschinenbau u. 1953/54 Minister für Schwermaschinenbau der DDR; 1953 – 57 Mitgl. u. Sekr. für Wirtschaft des ZK der SED; Sekr. der ZK-Kommission techn. Fortschritt (Ltr.  Fritz Selbmann); 1953 – 57 Abg. der Volkskammer, seit 1954 Vors. des Wirtschaftsaussch.; Suizid nach Auseinandersetzungen über die Wirtschaftspol. sowie Kritik an  Walter Ulbricht; Kontakte zur sog. Fraktion  Karl Schirdewan-  Ernst Wollweber; gest. in Berlin.Kohle, Treibstoff, Energie. Grundpfeiler des Neuaufbaues der Wirtschaft. Dresden 1946; Daumier. Dresden 1947; Frans Masereel. Dresden 1949; Die neue Epoche der techn. Entwicklung Berlin 1956 (zus. mit F. Selbmann). Schirdewan, K.: Aufstand gegen Ulbricht. Berlin 1994.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Zimm, Alfred

* 25.8.1926

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Neulehrerkurs; 1946 – 1949 Studium der Geogr. u. Geschichte an der HU Berlin, danach kurzzeitig Lehrer für Geogr. u. Geschichte; anschl. Aspirant an HU; 1955 Prom., 1960 Habil.; 1960 – 91 Prof. für polit. u. ökonom. Geogr. an der HU; 1958 – 68 Fachrichtungsltr., 1969 – 75 stellv. Dir. u. 1975 – 82 Dir. der Sektion Geogr. der HU; 1960 – 90 Mitgl. im Programmrat »Geo- u. Kosmoswiss.« sowie im Wiss. Rat der Hauptforschungsrichtung »Geogr., Hydrol., Meteorol.«; 1962 – 91 Mitgl. u. ab 1979 Vors. des Hrsg.-Kollegiums von »Petermanns Geograph. Mitteilungen«; 1969 – 75 Präs. der Geograph. Ges.; 1972 Hermann-Haack-Med. u. 1985 Ehrenmitgl. der Geograph. Ges.; 1983 Korr. Mitgl. der AdW der DDR, 1987 NP. 1993 Mitgl. der Leibniz-Sozietät. Arbeitsgebiete: regionale polit. u. ökonom. Geogr., Siedlungsgeogr.Die Entw. des Industriestandortes Berlin. Berlin 1959; Berlin u. sein Umland. Gotha 1989.Horst Kant

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zimmerlich, Willy

* 12.4.1896 – ✝ 28.4.1972

Geboren am 12. April 1896 in Berlin, Sohn eines Malers; Versicherungsvertreter, später kaufmännischer Angestellter. Im August 1916 zum Militärdienst eingezogen, Soldat im Weltkrieg. 1912 Mitglied der SPD, ab 1917 der USPD. Während der Revolution im Dezember 1918 an den Kämpfen um den Marstall in Berlin beteiligt. Seit 1919 Mitglied der KPD, ab 1921 Angestellter der Zentrale. Bis 1923 Mitglied der Schiedsgerichtskommission der KPD, außerdem Mitarbeiter im Polbüro und Sekretär mehrerer Reichstagsabgeordneter. 1924 kam er in den AM-Apparat, 1930/31 Kursant eines Lehrgangs an der M-Schule der Komintern in Moskau. Im Mai 1931 wurde Zimmerlich von Leo Flieg beauftragt, als Reichsleiter der Waffenabteilung der KPD die Bezirke zu organisieren und neue Waffenvorräte anzulegen. Dabei arbeitete er eng mit Hans Kippenberger zusammen. Am 10.November 1933 festgenommen, am 27.Juni 1935 vom VGH zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Er war von 1945 bis 1947 Sachbearbeiter im Sozialamt Berlin-Tegel, dann Vertriebsleiter im Verlag Volk und Welt bzw. Kultur und Fortschritt. Willy Zimmerlich starb am 28.April 1972 in Ost-Berlin.

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Zechlin, Dieter

* 30.10.1926 – ✝ 16.3.2012

Geb. in Goslar; Gymnasium in Erfurt; 1941 – 43 an der Musik-HS Leipzig Schüler von Otto Weinreich. 1945 am Thüring. Landeskonservatorium Erfurt Klavierunterricht bei Franz Jung; 1946 – 49 Musikstudium an der HS für Musik »Franz Liszt« Weimar bei Karl Weiß; 1949 – 51 Doz. für Klavier am Thüring. Landeskonservatorium Erfurt; 1950 Sonderpreis des internat. Bach-Wettbewerbs; 1951 – 71 Doz. an der Dt. HS für Musik Berlin; 1958 Prof. für Klavierspiel; 1961 NP; 1965 Mitgl. der DAK; 1966 Internat. Robert-Schumann-Preis; 1970 – 78 Mitgl. des Präs. u. Vizepräs. der AdK; 1971 – 82 Rektor der Dt. HS für Musik »Hanns Eisler« (Nachf. von  Eberhard Rebling); 1971 – 89 Präs. des Musikrats; 1972 – 82 Ltr. der Mstr.-Kl. für Klavier; 1974 amtierender Präs. der AdK; Präs. der Robert-Schumann-Ges.; zeitw. verh. mit  Ruth Z.; gest. in Potsdam. Sein Repertoire umfaßt zahlr. Klavier- u. a. Solokonzerte des 18. u. 19. Jh. sowie Kompositionen der Gegenwart; er gilt als hervorragender Ludwig-v.-Beethoven-Interpret u. erhielt zahlr. Auszeichnungen; Rundfunk- u. Schallplattenaufn., vorw. Klaviermusiken von Ludwig v. Beethoven bei Edition Eterna; UA der Klavierkonzerte von  Johann Cilenšek,  Günter Kochan u.  Ernst H. Meyer; seit Mitte der 60er Jahre Konzerte u. a. in Europa, Mittel- u. Südamerika, Japan.Schwinger, W.: D. Z. In: Musik u. Ges. (1960) 10.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Zehrt, Monika

* 29.9.1952

Geb. in Riesa; KJS, Abitur; 1965 – 73 aktiv in der Leichtathletik (400 m, Sprint), zunächst bei der SG Dynamo Riesa, ab 1968 beim SC Dynamo Berlin (Trainerin: Inge Utrecht); 1969 Siegerin bei den Jugendwettkämpfen der Freundschaft; 1969 – 73 achtmal DDR-Mstr. u. 18mal DDR-Rekord; 1970 Siegerin über 200 m bei der Kinder- u. Jugendspartakiade sowie Siegerin über 400 m u. mit der 4 x 400-m-Staffel bei den Junioreneuropameisterschaften; 1970 Junioren-ER; 1970 u. 1973 Siegerin beim Europacup; 1971 Siegerin mit der 4 x 400-m-Staffel bei den Europameisterschaften; 1971/72 sechsmal WR; 1972 Siegerin über 400 m u. mit der 4 x 400-m-Staffel bei den Olymp. Spielen; 1972 zweimal ER; 1974 Ende der sportl. Laufbahn; danach Außenhandelsstudium. Arbeitet als ltd. Angest. in einer Möbelfirma.Klaus Gallinat

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Zeiler, Friedrich

* 9.9.1920

Geb. in München; Vater Kraftfahrer; Volksschule; 1934 – 39 Ausbildung zum Klempner-Installateur, im Beruf tätig; 1934 – 38 HJ; 1939 – 45 Wehrdienst (Luftwaffe), zul. Uffz.; Mai/Juni 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Klempner; 1946/ 47 Krs.-Vors. der FDJ Eisleben; 1947 – 49 Mitgl. der KL der SED Eisleben u. Sekr. für Jugendfragen; 1949 – 51 Instrukteur bzw. Sekr. der SED-LL Sachsen-Anh.; ab 1.11.1951 Mitarb. im ZK der SED; dort 1951/52 Instrukteur in der Abt. Wirtschaftspol.; 1953 – 55 stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. Maschinenbau (Nachf. von Heinz Thiele); 1955 – 57 Ltr. der Abt. Technik; 1957/58 Ltr. der Abt. bzw. Sektorenltr. in der Abt. Industrie; 1958 – 61 Ltr. der Abt. Maschinenbau (Nachf. von  Heinrich Müller); 1959 – 62 Mitgl. des ZV der IG Metall; 1.12.1961 – 14.7.1962 Mitarb. des Min. für Nat. Verteidigung (Stellenplan »R«); Studium u. 1970 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HfÖ Berlin; 15.7.1962 – 31.1.1982 Stellv. des Vors. der SPK (Chef des Militärber. der SPK, zuständig für ökon. Sicherstellung der Landesverteidigung); 7.10.1969 Gen.-Major der NVA; Okt. 1979 Gen.-Ltn.; 1980 Scharnhorst-Orden; 31.1.1982 Rentner.Wilfriede Otto / Helmut Müller-Enbergs

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Zellmer, Christa

* 5.11.1930 – ✝ 14.10.2002

Geb. in Cottbus; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zur Einzelhandelskauffrau; 1947 SED; 1950 Ltr. einer Jugendverkaufsstelle in Cottbus; 1952 – 65 Sekr. des DFD-Bez.-Vorst. Frankfurt (Oder); 1965/66 Sekr. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder); 1966 – 88 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von Wilfried Maaß); 1971 – 75 Kandidat, 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1976 VVO; 1988/89 1. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Hans-Joachim Hertwig); gest. in Frankfurt (Oder).Helmut Müller-Enbergs

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Zettler, Gerhard

* 18.6.1920 – ✝ 19.7.1989

Geb. in Kloster Veßra (Krs. Hildburghausen); Vater Tischler; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Fleischer; 1940 – 44 Wehrmacht; 1944 – 48 sowj. Kriegsgef., Besuch einer Antifa-Schule. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949 / 50 Angest. in der Gebietsvereinigung der VEG in Erfurt; 1950 – 52 Studium an der DVA, Dipl.-Wirtsch.; 1952 – 57 Instrukteur im ZK der SED; 1957 – 60 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss; 1960 – 64 erneut Instrukteur im ZK; 1964 – 74 2. Sekr. der SED-BL Neubrandenb.; 1974 – 86 Vors. der BRK der SED-BL Neubrandenb.; 1980 VVO.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ziaja, Georg

* 14.6.1891 – ✝ 1938

Geboren am 14. Juni 1891 in Gleiwitz, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Former und war später Angestellter. Er wurde 1911 Mitglied der SPD, 1918 der USPD und 1920 der KPD. Ziaja ging 1921 wieder zur USPD zurück, blieb bis 1924 bei der Rest-USPD und kam dann erneut zur KPD. Er war in Berlin aktiv und wurde 1926 Mitglied der Bundesleitung des RFB. Nach dem Verbot des RFB 1929 illegal tätig und zeitweise im AM-Apparat. 1933 beteiligte sich Ziaja im Widerstand der KPD, flüchtete dann im September 1934 in die Sowjetunion. Dort war er als Martin Drescher im Komintern-Apparat tätig und ab 1936 in Leningrad eingesetzt. Er wurde im Mai 1937 vom NKWD verhaftet, Georg Ziaja soll 1938 umgekommen sein.

Wer war wer in DDR

Zieger, Petra

* 25.3.1959

Geb. in Erfurt; Lehre als Damenschneiderin; Bez.-Musikschule Erfurt; Gesangsstudium an der HS für Musik »Franz Liszt« Weimar; ab 1976 Solistin im Erfurter Tanzorchester; Sängerin in einer Amateurrockband; 1981 Preisträgerin d. Nachwuchsfestivals »Goldener Rathausmann« Dresden; 7.10.1982 erster Auftritt mit den Smokings (Gründer u. Ltr.: Burkhard Lasch) in der Fernsehsendung »rund« mit den Titeln »Alles chic u. schön« u. »Rock’n’ Roll am FKK«; 1983 »Silberner Bong«; 1984 LP »Traumzeit«; Hauptpreis beim Festival »Bratislavská Lyra« für »Der Himmel schweigt« (erste Single-Schallplatte); »Rock für den Frieden«; Tourneen in UdSSR, ČSSR, Rumänien; 1987 LP »Katzen bei Nacht«; Publikumsliebling b. Nat. Titelwettbewerb; Teiln. am Internat. Liederfestival Sopot (Polen); 1988 Hauptpreis »Goldene Woge« u. »Disc-Trophäe« b. Internat. Talentfestival Bregenz (Österreich) für »Über Mut«; 1989 LP »Das Eis taut«. 1990 erster USA-Auftritt, großer Erfolg beim Freedom Festival in Philadelphia; 1992 LP »Lust«, Tourneen mit neu formierter Band; 1994 CD »Alles drin«, »Die großen Erfolge«, »Wolkenkinder – Die Amiga-Hits«; 2002 CD »Mit mir«, 2003 CD »Das Eis taut – Die größten Hits«; 2006 Gründung des eigenen Plattenlabels »P2P music«; 2007 CD »Nimm mich«, Auftritt in José Carreras ARD-Spendengala in Leipzig; 2008 Jubiläumstour »25 Jahre P. Z. & Band«; lebt in Berlin.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Ziegler, Walter

* 5.11.1912 – ✝ 20.2.1977

Geb. in Berlin-Neukölln; Vater Sattler, Mutter Lederstepperin; 1919 – 23 Volksschule, 1923 –28 Realgymnasium, 1928 – 32 Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln, Abitur; 1927 Rep. Pfadfinderbund, deshalb Schulwechsel; 1931 KPD; 1932 – 37 Studium der Nationalökon., ab 1933 Rechts- u. Staatswiss. in Berlin; 1937 –39 Referendar beim OLG Naumburg, Amtsgericht Zörbig u. LG Halle; 1942 St.-Ex.; NS-Richterbund; 1938 – 45 NS-Rechtswahrerbund; Wehrmacht, Uffz.; 1943 EK; April – Juni 1945 amerik. Lazarettgefangenschaft in Bad Lausick (Sachsen). 1945 – 49 Richter am Amtsgericht Bitterfeld; 1946 SPD/SED; 1949/50 Präs. des LG Halle; 1950 – 53 Richter bzw. Oberrichter beim OG, einer der Beisitzer der Vors. des 1. Strafsenats  Hilde Benjamin; 1951 – 53 1. Sekr. der BPO des OG; 1951 Parteiüberprüfung, in der ihm »ungenügende Parteiverbundenheit« vorgeworfen wird; 1951/52 Abenduniv.; ab 1953 kommissar. Vizepräs. u. Vors. des 1. Strafsenats (Nachf. von H. Benjamin); Nov. 1954 – 58 Vizepräs. des Obersten Gerichts, Vors. des 1. Strafsenats; Verfahren u. a. gegen angebl. BND-Mitarb., »Agenten« des RIAS sowie gegen  Fritz Sperling,  Bruno Goldhammer,  Karl Hamann,  Paul Baender,  Georg Dertinger,  Helmut Brandt,  Paul Merker,  Max Fechner,  Wolfgang Harich u.  Walter Janka; Beteiligung an Todesurteilen (1954 gegen MfS-Oltn.  Paul Rebstock, 1955 gegen  Elli Barczatis); ab 1955 Fernstudium an der PHS; 1958 – 62 stellv. Dir. des Bez.-Gerichts Frankfurt (Oder); 1962 VVO; ab 1962 Vizepräs. des Obersten Gerichts; Mitarb. am Rechtspflegeerlaß des Staatsrats u. 1963 am Gerichtsverfassungsgesetz.Beckert, R.: Die erste u. letzte Instanz. Goldbach 1995; Fricke, K. W.: Akten-Einsicht. Berlin 1995.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Zielcke, Maria

* 6.5.1901 – ✝ 30.11.1966

Geboren am 6. Mai 1901 in Debrecen/Ungarn als Maria von Matskasi, Tochter eines österreichisch-ungarischen Offiziers. Lyzeum in München, Kontoristin, 1921 Übersiedlung nach Berlin, Heirat mit dem ungarischen Emigranten Ladislaus Peri, 1927 Scheidung. Um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, heiratete sie im Dezember 1932 den Arbeiter Bruno Zielcke, diese Ehe wurde 1935 vereinbarungsgemäß geschieden. Seit 1923 in der KPD, Kontoristin bei der deutsch-russischen Handelsgesellschaft, dann in der sowjetischen Handelsvertretung, anschließend Sekretärin in der Berliner Agentur von United Press of America. Sie gehörte von 1927 bis 1931 zur Leitung der MASCH und arbeitete eng mit Johann Lorenz Schmidt und Hermann Duncker zusammen. Ab Februar 1933 illegale Aktivitäten unter dem Decknamen Irma Meidner. Im November 1933 festgenommen und im September 1934 vom Kammergericht Berlin zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, 1936 und 1937 erneut mehrere Monate in Untersuchungshaft. Bis 1942 im Informationsbüro »Luftfahrt« in Berlin bzw. im Verlag Landbuchhandlung beschäftigt. Dann ab Juli 1945 Redakteurin des SNB in Berlin, 1948/49 Kursantin der SED-PHS, blieb anschließend als Assistentin und Lehrerin, zuletzt als Leiterin der Bibliothek an der PHS. Maria Zielcke starb am 30. November 1966 in Ost-Berlin.

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Zilles, Hermann

* 31.8.1903 – ✝ 4.4.1956

Geb. in Köln; Vater Kellner, Mutter Friseurin; 1909 – 14 Volks-, 1914 – 19 Mittelschule in Köln, Abitur; aufgew. bei Großeltern bzw. im Knabenheim; 1919 – 21 Ausbildung zum Kfm. in Köln; 1921 – 29 Kontorist, Vertreter u. Buchhalter bei versch. kleinen Handelsfirmen; ab 1929 arbeitslos; beschäftigte sich mit Psychol. u. Graphol., verdiente seinen Lebensunterhalt teilw. mit grapholog. Arbeiten; ab 1930 Mitgl. der Ges. der Freunde der Sowjetunion u. der KPD Köln; ab 1930 Lehrer an der MASCH; ab 1932 Mitgl. einer Agit.-Prop-Kommission in Köln-Neustadt; ab März 1933 Mitarb. im AM-Apparat; Org.-Sekr. der KPD-BL Niederrhein; Aug. 1933 verhaftet, U-Haft im KZ Brauweiler, 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 18 Mon. Gefängnis verurteilt, Haft in Köln; Forts. der Arb. im AM-Apparat; 1936 Emigr. in die Niederlande; Agit.-Prop-Ltr. des KPD-UB Süd-Holland; Pol.-Ltr. des KPD-UB Amsterdam-Nord eingesetzt; 1937/ 38 illeg. Kurier- u. Instrukteurstätigkeit (»Helmut«) im Ruhrgeb.; 1940 in den Niederlanden (Hoek van Holland) interniert u. nach Dtl. ausgeliefert; 1941 vom VGH zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, 1941 – 43 Haft im Zuchthaus Siegburg, 1943 – 45 KZ Buchenwald; dort Mitgl. der KPD-Ltg. 1945 Mitbegr. der KPD Köln; Ltr. der Beschwerdestelle des Kölner Wohnungsamts; 1. Sekr. der KPD-BL Mittelrhein; 1945/46 Stadtverordn. in Köln, KPD-Fraktionsvors.; Abg. des Provinziallandtags Nordrheinl.; ab 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1946 VVN; 1946 – 49 Hauptref. in der Westabt. des ZS bzw. ZK der SED, zugl. 1946 Ltr. für die brit. Zone, Pol.-Sekr. der Zonenltg. bzw. der Arbeitsgemeinschaft SED-KPD; 1949 Ltr. des SPD-Referats in der Westkommission; 1949 – 52 stellv. Intendant des Berliner Rundfunks; ab 1950 Ltr. der westdt. Sendungen des Dtl.-Senders; 1952 SED-Verwarnung wegen mangelnder ideolog. Wachsamkeit; 1952 Intendant des Landessenders Halle; 1952/53 Mitgl. der Ltg. des Staatl. Rundfunkkomitees u. des Fernsehzentrums in Berlin-Adlershof, »wegen mangelnder Wachsamkeit« abgelöst; 1954 – 56 Chefred. des »Feuilleton-Presse-Dienstes« bzw. der Ztschr. »Die Schatulle«; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Zimmer, Gabriele

* 7.5.1955

Geb. in Berlin; 1973 Abitur; 1973 – 77 Studium der Sprachwiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Sprachmittl.; 1977 – 81 Sachbearb. beim VEB Fahrzeug- u. Jagdwaffenwerk »Ernst Thälmann« Suhl; 1981 SED; 1981 – 89 Red. der Betriebsztg. u. 1987 – 89 Mitarb. der SED-Parteiltg., Nov. 1989 – Jan. 1990 hauptamtl. Sekr. der SED/PDS im o. g. Werk; Febr. – Juni 1990 Vors. der PDS des Bez. Suhl; Juli 1990 – Dez. 1998 Landesvors. der PDS Thür. Okt. 1990 – 2004 MdL von Thür.; 1997 – 2000 stellv. Bundesvors. der PDS; 1999 – 2000 Vors. der PDS-Frakt. im Thür. Landtag; Okt. 2000 – Juni 2003 Bundesvors. der PDS (Nachf. von  Lothar Bisky); seit 2004 Mitgl. des Europ. Parlaments, dort Mitgl. im Aussch. für Beschäftigung u. soziale Angelegenh. u. stellv. Mitgl. im Entwicklungsaussch.Schütt, H.-D.: Zwischen Baum u. Basis. Berlin 2000; Keller, D. u. a.: Neue Gespräche über Gott u. die Welt. Berlin 2000.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zimmermann, Richard

* 31.12.1876 – ✝ 11.7.1969

(* 1876 – † 1969) Geboren am 31. Dezember 1876 in Dresden, Sohn eines Tabakarbeiters; wurde Maschinenbauer. 1899 Mitglied der SPD, ab 1909 in Jena bei Zeiss beschäftigt. Noch am Ende des Weltkrieges Soldat, ging er zur USPD, wurde Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Jena. 1919 gründete er mit Emil Höllein den Verlag und die Druckerei der »Neuen Zeitung«, war dort 1921/22 Redakteur und Geschäftsführer. Seit 1920 Mitglied der KPD, jahrelang Betriebsrat in den Zeiss-Werken. Er kam 1921 als Listennachfolger in den Thüringer Landtag, da Höllein in den Reichstag wechselte. Von 1924 bis 1933 ununterbrochen im Thüringer Landtag, gehörte der KPD-BL Thüringen an, für die Kommunal- und Landarbeiterpolitik verantwortlich. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten in Thüringen 1928/29 war Zimmermann dort zunächst der einzige Abgeordnete, der die Linie des ZK vertrat (später schloß sich ihm noch Richard Eyermann an). Anfang 1933 Leiter des UB Gotha, wurde am 30. August 1933 festgenommen und war bis Mitte August 1934 im KZ Bad Sulza. Danach Fürsorgearbeiter bzw. später Dreher. Am 22. August 1944 erneut verhaftet, bis zur Befreiung im KZ Buchenwald. Zimmermann war 1945 beim Aufbau der KPD aktiv und wurde am 16. Mai 1945 durch die amerikanische Besatzungsmacht wegen des »Abhaltens illegaler Sitzungen« zu einem halben Jahr Gefängnis oder 1000 Mark Geldstrafe verurteilt, die bezahlt wurde. Nach dem Einzug sowjetischer Besatzungstruppen war er bis 1952 Mitarbeiter der KPD bzw. SED-KL Jena. 1952/53 im Stadtarchiv Jena, anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Jena. Am 7. Oktober 1954 erhielt er den VVO in Bronze und wurde Ehrenbürger von Jena. Richard Zimmermann starb dort am 11.Juli 1969.