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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Wieczisk, Georg

* 20.7.1922 – ✝ 27.10.2011

Geb. in Gleiwitz (Oberschles./Gliwice, Polen) in einer Arbeiterfamilie; Volksschule, 1936 –40 Berufsschule; kfm. Lehre; 1940 – 45 Kriegsdienst, zul. Bootsmaat. 1945/46 Land- u. Bergarb.; 1945/46 KPD/ SED; 1946 – 48 Vorstudienanstalt Berlin, Abitur; 1948/49 ehrenamtl. Ref. für Hochschulsport im DS; 1948 – 51 Studium Geschichte u. Sport an der Pädagog. Fak. der HU Berlin, St.-Ex.; 1951 – 55 Aspirantur an der HU Berlin u. der DHfK Leipzig; 1956 Prom. zum Dr. paed.; 1955 – 59 Ltr. der Abt. Sportwiss. im Staatl. Komitee für Körperkultur u. Sport; 1958 Vizepräs., 1959 – 90 Präs. des Dt. Verb. für Leichtathletik (DVfL) (Nachf. von  Günter Erbach) u. Mitgl. des NOK der DDR; 1959/60 Doz. u. Dir. des Forschungsinst. für Körperkultur u. Sport in Leipzig; 1960/61 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport sowie Präs. des Wiss. Rats für Körperkultur u. Sport; 1961 – 87 Doz. u. a. o. Prof. für Theorie, Soziol. u. Geschichte der Körperkultur am Instit. für Körpererziehung, bis 1968 auch stellv. Dir.; ab 1968 Sekt. Sportwiss. der HU Berlin; zahlr. sportwiss. Veröff., Hrsg. der »Bilder u. Dokumente aus der dt. Turn- u. Sportgeschichte« (1956); 1968 u. 1972 VVO; 1970 – 90 Mitgl. des DTSB-Präs.; 1970 – 87 Mitgl. der Exekutive der Europ. u. 1972 – 91 der Exekutive der Internat. Leichtathletik-Föderation; 1986 Olymp. Orden des IOC; 1989 em.; 1990 Ehrenpräs. des DVfL; gest. in Berlin.Klaus Gallinat

Wer war wer in DDR

Wiegand, Joachim

* 14.8.1932

Geb. in Meißen; Eltern Landarb.; 1939 – 47 Volksschule; Lehre zum Landw.-Gehilfen, dann Traktorist; 1952 Eintritt in das MfS; Qualifikationslehrgang an der Schule Potsdam-Eiche; danach Krs.-Dienststelle Rostock; 1953 SED; 1958 stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle Ribnitz; 1959 BV Rostock; 1966 HA XX/4 (Kirchen) im MfS Berlin; 1970 – 75 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1973 stellv. Abt.-Ltr., 1979 Abt.-Ltr. der HA XX/4; 1985 Oberst; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Wieland, Günther

* 16.4.1931 – ✝ 13.1.2004

Geb. in Oberlungwitz (Sachsen); Vater Arbeiter; 1937 – 45 Volksschule; 1945 – 48 Ausbildung als Anwaltsgehilfe; 1945 Antifa-Jugendaussch.; 1946 FDJ; 1949 SED; 1949 – 52 ABF in Chemnitz u. Greifswald, 1952 Abitur; 1952 – 56 Studium der Rechtswiss. an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1956 – 63 Staatsanwalt im Bez. Karl-Marx-Stadt; 1963 – 90 beim Gen.-Staatsanwalt der DDR, dort mit der Verfolgung von NS- u. Kriegsverbrechern befasst; 1989 Prom. zum Dr. jur. an der HU Berlin mit der Diss. »Das war der VGH.« (Berlin 1989); Dez. 1989 – 93 Vors. der Schiedskommission der SED/PDS bzw. PDS.Recht in unserer Zeit. Berlin 1986; Der Jahrhundertprozeß von Nürnberg. Berlin 1986; System der NS-Konzentrationslager 1933 – 39. Berlin 1993 (zus. mit K. Drobisch); MfS-Operativvorgang »Teufel«. »Euthanasie«-Arzt Otto Hebold vor Gericht. Berlin 1996 (zus. mit J. Hohmann); Die Ahndung von NS-Verbrechen in Ostdtl. 1945 – 1900. In: Rüter, C. F. (Hrsg.): DDR-Justiz u. NS-Verbrechen. Amsterdam 2002; Naziverbrechen u. dt. Justiz. Berlin 2002.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Wiese, Heinz

* 16.9.1927

Geb. in Magdeburg; Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; kaufm. Lehre; 1944 RAD; Wehrmacht. 1945 – 48 Expedient bei der Fa. Rudolph & Sohn in Magdeburg; 1948 – 52 Jugend- bzw. Gebietssekr. der IG Transport Magdeburg; 1953 Besuch der Zentralschule des ZK der SED in Ballenstedt; 1953 – 59 Red. bzw. Abt.-Ltr. u. Mitgl. des Red.-Kolleg. des SED-Bezirksorgans »Volksstimme« in Magde- burg; 1957 Redakteursprüfung; 1959 – 62 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1962 – 69 stellv. Chefred., 1969 – 89 Chefred. der »Volksstimme« (Nachf. von  Herbert Kopietz); 1969 – 89 Mitgl. der SED-BL Magdeburg; 1972 Mitgl. des Präs. des VDJ; Vors. des VDJ-BV Magdeburg.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wiesner, Erich

* 17.4.1897 – ✝ 19.10.1968

Geboren am 17. April 1897 in Weimar, Sohn eines Tischlers; lernte Buchbinder und Buchdrukker. 1914 trat er in die SPD ein, aus der er ein Jahr später aus Protest gegen die Politik des Parteivorstandes wieder austrat, dann antimilitaristische Arbeit im Thüringer Jugendbildungsverein. 1917 zum Militär eingezogen, wurde er im November wegen antimilitaristischer Propaganda verhaftet und von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Nach der Befreiung aus dem Militärgefängnis kehrte Wiesner im November 1918 nach Weimar zurück und gehörte dort dem Arbeiter- und Soldatenrat an. 1919 wurde er Bezirksleiter der FSJ und Mitglied der KPD, von 1920 bis 1927 im Büro des ZK der FSJ bzw. der KJD tätig. Er war Vorsitzender der Zentrale der kommunistischen Kindergruppen. Im Sommer 1923 Instrukteur des ZK der KPD in Königsberg, später auch in Breslau. Wiesner emigrierte 1927 wegen drohender Verhaftung mit seiner Lebensgefährtin Lucie Rebentisch (* 30. 10. 1905 – †25. 7. 1980) in die Sowjetunion, arbeitete bis 1930 im Büro der KJI in Moskau. Nach (teils illegalen) Auslandseinsätzen in mehreren europäischen Ländern kehrte er 1930 nach einer Amnestie nach Deutschland zurück, wurde Chefredakteur der »Volkswacht« und Sekretär für Agitation der BL Pommern in Stettin. Bereits am 17. Februar 1933 verhaftet, saß Wiesner bis Sommer 1934 im Zuchthaus. 1935 erneut festgenommen und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, zuletzt im KZ Börgermoor. Nochmals 1944 verhaftet, floh er aus dem Straflager Deutsch-Krone, bis zur Befreiung illegal in Stettin. Wiesner war 1945 zwei Monate Oberbürgermeister von Stettin, kam im Sommer 1945 nach Schwerin, hier ebenfalls Oberbürgermeister. Von 1946 bis 1949 Abteilungsleiter der KPD- bzw. SED-Landesleitung Mecklenburg und bis 1952 Mitglied des Landesvorstandes und Landtagsabgeordneter von Mecklenburg, von 1949 bis 1952 war er Landrat in Güstrow, dann Redakteur an der »Schweriner Volkzeitung«. Unter dem Titel »Man nannte mich Ernst« veröffentlichte er 1956 seine Erinnerungen, erhielt 1962 den Orden Banner der Arbeit. Erich Wiesner starb am 16.Oktober 1968.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wild, August

* 12.12.1881 – ✝ 8.6.1953

Geboren am 12. Dezember 1881 in Idar-Oberstein, Sohn eines Goldschmieds; lernte selbst den Beruf des Vaters und arbeitete als Graveur. Von Oktober 1919 bis 1923 war er Mitglied des Gemeinderates in Oberstein, gehörte 1920 dem Landesausschuß an und war für die KPD von 1923 bis 1925 Abgeordneter im Oldenburgischen Landtag. Er trat aus der KPD aus, war 1926/27 Mitglied der SPD und schloß sich 1931 der SAP an. Später trat er politisch nicht mehr hervor. August Wild starb am 8. Juni 1953 in seinem Geburtsort.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wildt, Albert

* 12.1.1887 – ✝ 14.8.1952

Geboren am 12. Januar 1887 in Magdeburg, Sohn eines Bauarbeiters; Lehre und Arbeit als Kunstschlosser und Kaufmann. 1906 Mitglied der Gewerkschaft und der SPD. 1916 schloß er sich in Berlin der Spartakusgruppe an und war an der Jahreswende 1918/19 Delegierter Magdeburgs auf dem Gründungsparteitag der KPD. 1921 zeitweilig in der KAPD, trat aber später wieder der KPD bei. 1932 Politischer Leiter des Kampfbundes gegen den Faschimus in Sachsen. Am 4. Mai 1933 festgenommen und bis November 1933 in »Schutzhaft«. Im Februar 1934 erneute Verhaftung, am 30. November 1934 vom 5. Strafsenat des Kammergerichts Berlin zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung wieder illegal tätig, u. a. mit dem ehemaligen anhaltinischen Landtagsabgeordneten Alfred Kettig. Wildt wurde am 19. Dezember 1944 nochmals festgenommen und saß bis April 1945 in Magdeburg in Haft. 1945 KPD, 1946 SED, dann im September 1950 durch die LPKK Sachsen-Anhalt aus der SED ausgeschlossen. Als ihm 1951 auch der Status eines Verfolgten des Nazi-Regimes aberkannt wurde, legte er bei der ZPKK gegen seinen Parteiausschluß (erfolglos) Widerspruch ein. Albert Wildt starb bei einem Autounfall am 14.August 1952.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wilk, Alfred

* 17.10.1886 – ✝ 11.6.1954

Geboren am 17. Oktober 1886 in Potsdam, Sohn eines Dachdeckers. Nach Maurer- und Zimmererlehre qualifizierte er sich zum Baugewerksmeister und Architekten. Ab 1909 selbständiger Architekt und Baumeister, erwarb mehrere Grundstücke und Häuser. Über Oscar Cohn hatte Wilk Verbindung zu den Bolschewiki und unterstützte diese bei der Errichtung der ersten russischen Handelsvertretung in Berlin sowie bei der Kreditbeschaffung. Seit 1922 Mitglied der KPD, beriet er die Parteiführung in allen geschäftlichen und finanziellen Fragen, z.B. beim Verkauf des alten ZK-Gebäudes in der Rosentaler Straße und Kauf und Umbau ihres Karl-Liebknecht-Hauses am Bülowplatz. Wilk wirkte zudem bei zahlreichen geschäftlichen Transaktionen der Partei und von ihr gesteuerter Organisationen wie des RFB, der RHD und der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit: »Eine meiner Hauptaufgaben bestand darin, die notwendigen Kredite für die Partei und die ihr nahestehenden Organisationen zu besorgen.« Bis 1933 selbständiger Bauunternehmer, 1933 flüchtete er nach Frankreich und übernahm bis 1939 besondere Aufgaben für die Geschäftsabteilung des ZK und für die Komintern. Ab September 1939 vierzehn Monate interniert, anschließend illegale Arbeit in der Résistance, Deckname Albert Reynaid. Ende 1946 nach Deutschland, er war im SED-PV tätig. Alfred Wilk starb am 11. Juni 1954 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Will, Rosemarie

* 25.8.1949

Geb. in Bernsdorf (Sachsen); Vater Neulehrer, Mutter Putzmachermstr.; 1968 Abitur; anschl. Aushilfslehrerin in der Unterstufe; 1969 SED; 1969 – 73 Studium der Rechtswiss. an der HU Berlin, anschl. Forschungsstudium; ab 1974 Assistentin an der Sekt. Rechtswiss. der HU; 1977 Prom. mit einer Diss. zum Kampf um soziale Grundrechte in der Bundesrep. Dtl.; 1979/80 Zusatzstudium an der Univ. Lwow (UdSSR); 1980 – 83 wiss. Mitarb. am AdW-Inst. für Theorie des Staates u. des Rechts in Berlin; 1984 Habil. mit einer Diss. zur Rolle des Staates im pol. System; anschl. Doz. für Staats- u. Rechtstheorie an der HU; seit 1984 Mitarb. im Arbeitskrs. »Verfassungsentw. soz. Länder« um den reformorientierten Rechtswiss.  Uwe-Jens Heuer; theoret. Arbeiten zu Rechtsstaatlichkeit u. Gewaltenteilung; Nov. 1988 Teiln. an der Gründung der Projektgr. »Konzeption eines mod. Soz.« um  Michael Brie u.  Rainer Land, Arbeitsschwerpunkt: Reform des pol. Systems (mit Dieter Segert); Sept. 1989 Berufung zur Prof. für Staatsrecht an der HU; Okt./Nov. 1989 Autorin bzw. Mitautorin versch. »Sofortpapiere« mit Forderungen zur Umgestaltung des pol. Systems, die z. T. vom Neuen Forum übernommen wurden; Dez. 1989 Delegierte beim a. o. SED-Parteitag, Parteiaustritt im Jan. 1990 nach gescheiterten Bemühungen um eine Selbstauflösung der SED; Dez. 1989 – März 1990 als Expertin Mitarb. in der Arbeitsgr. »Neue Verfassung« des Zentr. Runden Tischs; April 1990 Wahl zur Dekanin des Fachber. Rechtswiss. der HU; Ltr. der Kommission für die Erarbeitung eines Verfassungsentwurfs der Reg.  Lothar de Maizière; Juni Gründungsmitgl. des »Kuratoriums für einen demokrat. verfaßten Bund Dt. Länder«, Mitautorin des Verfassungsentwurfs des Kuratoriums vom Juni 1991. 1992 Berufung als Prof. für öffentl. Recht am Fachber. Rechtswiss. der HU Berlin, insb. Forsch. zur rechtsstaatl. Transformation in Ostdtl.; 1993 – 95 wiss. Mitarb. am BVG in Karlsruhe; 1993 SPD; 1996 Mitarb. im Arbeitsstab zur Gründung des »Forums Ostdtl. der Sozialdemokratie«; seit 1996 Richterin am Landesverfassungsgericht Brandenb. u. Mitgl. der SPD-Grundwertekommission; seit 2005 Vors. des Bundesvorst. der Humanist. Union; lebt in Berlin.Rechtswiss. in der DDR. Sinzheim 1995 (Hrsg.); Eigentumstransformation unter dem Grundgesetz. Berlin 1996.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Willmann, Heinz (Heinrich)

* 9.7.1906 – ✝ 22.2.1991

Geb. in Unterliederbach (Frankfurt (Main)); Vater Möbeltischler, Mutter Näherin; 1912 – 20 Volksschule; 1920/21 Ausbildung in der Forstw. u. 1921 – 28 zum Kfm.; danach als Werbefachmann u. Spediteur tätig; zugl. Abendkurse für engl. Sprache, Lit. u. vergl. Sprachwiss. an der TH Darmstadt u. der Univ. Frankfurt; Theaterstatist; 1921 IAH; 1922 SAJ; ADGB; 1922 – 26 KJV; 1926 KPD; Agitprop.-Ltr. des KPD-UB Hessen-Süd; 1927/28 KPD-BPS Hessen-Frankfurt; ab 1928 Mitarb. des Neuen Dt. Verlags (Berlin); 1929 – 33 Ltr. von deren Vertriebsstellen u. Instrukteur; 1929 – 31 Ref. der KPD-BL Wasserkante u. Mitgl. der BL; Mitarb. der »AIZ«; 1931 Mitarb. der Abt. Agitprop des ZK der KPD; 1933 illeg. pol. Tätigkeit; bis April 1933 Liquidator des Verlags; Mitarb. am »Braunbuch«; Informationssammlung für die Red. der »AIZ« (Prag) als Reisevertreter; 1933 wegen verbotener Schriften verhaftet, sieben Mon. »Schutzhaft« im KZ Fuhlsbüttel; 1934 Emigr. in die ČSR (Prag); dort Mitarb. an der »AIZ«; Verf. der Brosch. »Hölle Fuhlsbüttel»; 1934 kurzz. als »AIZ«-Werbeltr. in der Schweiz; wegen Paßvergehens verhaftet u. nach Frankreich ausgewiesen, mit IAH-Hilfe nach Prag; Nov. 1934 Wahlarbeit in Saarbrücken, Ltr. einer Pressestelle; Dez. 1934 Mitorg. des Saarländ. Sozialpol. Kampfkongresses; anschl. in Paris Mitarb. des Internat. Thälmann-Befreiungskomitees; ab Mai 1935 UdSSR; dort zunächst Mitarb. im Thälmann-Komitee des ZK (Ltr.  Willi Kropp); dann Ref. in der dt. Abt. der Verlagsgenossensch. Ausländ. Arbeiter (Vegaar); publizist. u. verleger. Arbeit; 1937 – 45 Red. der von  Johannes R. Becher geleiteten »Internat. Lit./Dt. Blätter« (»Robert Hammer«); liter. Mitarb. des Moskauer Rundfunks; Okt. 1941 – 42 nach Kuibyschew evakuiert; Mitarb. im Informationsbüro des sowj. Außenmin. GlavPURKKA u. Radio Moskau; Verf. von Flugblättern; Aug. – Nov. 1942 Holzarb. an der Wolga; dann Mitarb. des NKFD u. 1944/45 an programmat. Dokumenten der KPD für die Nachkriegszeit (schulpol. Leitlinien u. Lehrpläne). Juni 1945 Rückkehr nach Dtl., der Initiativgr.  Walter Ulbricht zugeteilt; Mitbegr. des KB, 1945 – 50 Gen.-Sekr. bzw. Bundessekr., bis 1991 Mitgl. des Präsidialrats; 1945 Mitbegr. des Aufbau-Verlags; 1945/46 KPD/SED; Jan. – Juni 1950 Sekr. des Kulturfonds der DDR; 1950 – 66 Ltr. des Komitees der Kämpfer für den Frieden (späterer Friedensrat) bzw. Gen.-Sekr. u. 1966 – 90 Mitgl. des Präs.; 1950 – 66 Mitgl. des Weltfriedensrats u. seines Büros; 1965 – 69 diplomat. Dienst; 1966 VVO; Johannes-R.-Becher-Medaille; 1966/67 Botschafter in der ČSSR (Nachf. von  Johannes König); freischaff. Publizist; 1976 Stern der Völkerfreundschaft; 1985 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1986 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Hölle Fuhlsbüttel. Prag 1934; (mit Richard Schüller) Österreich – Brandherd Europa? (»Grünbuch«). Prag 1934; Das sowj. Volk war uns immer Freund u. Helfer. In: Im Kampf bewährt. Berlin 1969; Geschichte der Arbeiter-Illustrierten Ztg. 1921 bis 1938. Berlin 1974; Steine klopft man mit dem Kopf. Lebenserinnerungen. Berlin 1977.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Winguth, Fritz

* 8.1.1892 – ✝ 3.2.1948

Geboren am 8. Januar 1892 in Berlin; lernte Mechaniker, schloß sich früh der sozialistischen Bewegung an. Von 1908 bis 1913 2. Vorsitzender der Berliner SPD-Jugendsektion, trat 1912 in die SPD ein. Während des Weltkrieges Anschluß an die Spartakusgruppe, 1916 Teilnehmer des illegalen sozialistischen Jugendtreffens. Winguth ging 1917 zur USPD, 2. Vorsitzender der Partei in Neukölln. Ende 1918 war er Delegierter des Gründungsparteitages der KPD in Berlin. Ab Juli 1919 Angestellter des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Der III. und IV. Parteitag der KPD 1920 wählte Winguth als Vertreter Berlins in den ZA, er war auch Kassenrevisor der KPD und Kandidat zu den Reichstagswahlen, Delegierter des Vereinigungsparteitages mit der USPD. Als Anhänger Paul Levis 1921 aus der KPD ausgeschlossen, zunächst wieder USPD-, dann SPD-Funktionär. Bis 1933 arbeitete er als Sekretär des DMV in Berlin. Am 2. Mai 1933 wurde Winguth zeitweilig in »Schutzhaft« genommen, entzog sich 1934 der ständigen Überwachung und übersiedelte mit seiner Frau Else von Berlin-Neukölln auf deren Grundstück nach Birkenwerder bei Berlin. Arbeit fand er bei der Firma Zeiss-Ikon in Berlin-Zehlendorf, wo er sich einem illegalen Kreis von Kollegen anschloß, die ausländischen Zwangsarbeitern mit Lebensmitteln und Kleidung halfen. Außerdem hatte er Kontakte zu Otto Brass. Nach 1945 leitete Winguth das Arbeitsamt in Birkenwerder. Er trat im April 1946 der SED bei, geriet aber als ehemaliger »Abweichler« unter den Druck der sich formierenden »Partei neuen Typs«. Bevor er jedoch ausgeschlossen werden konnte, starb Fritz Winguth am 3.Februar 1948 in Berlin an einem Herzinfarkt.

Wer war wer in DDR

Winkler, Gerhard

* 16.6.1924

Geb. in Leipzig; 1946 – 49 Studium der Wirtschafts- u. Sozialwiss. an der Univ. Leipzig, dort 1949 Dipl.-Volkswirt, 1950 Ass., 1952 Oberass., 1954 Prom.; 1955 / 56 Mitarb. der Forschungsstelle für Agrargesch. der DAL in Leipzig (Ltg.:  Kurt Ritter); 1958 Doz. für Agrarökonomik am Inst. für Agrarökonomie der KMU Leipzig, dort 1961 Habil. mit einer Studie über einkommensabhängigen Nahrungsmittelverbrauch in der DDR seit 1945, Berufung zum Prof. für Agrarökon. mit Lehrauftrag, 1964 stellv. Dir. u. 1965 Dir. des Inst. für Agrarökonomik, 1963 – 67 Dekan der Landw. Fak., 1968 / 69 erster Dir. der Sektion Tierprod. u. Veterinärmed.; 1969 – 75 Rektor KMU (Nachf. von  Ernst Werner), 1989 em. Arbeitsgebiete: Nahrungsmittelsicherheit, Agrartheorie, Agrarökonomik, Agrarsoziologie, Agrarinformatik.Widersprüche in der Landw. der »Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft«. Markkleeberg 1981; Magnetic garnets. Braunschweig 1981; Die Konsumtion, ihre Bedeutung für die weitere Erhöhung des materiellen u. kulturellen Lebensniveaus der Genossenschaftsbauern u. Arbeiter in der Landw. der DDR. In: Agrarökonomische Berichte (1978) 57/58; Die Arbeits- und Lebensbedingungen in der sozialistischen Landwirtschaft der DDR: ihre Leitung und Planung. Berlin 1976. Schulze, E.: Die Agrarwissenschaften an der Universität Leipzig 1945 / 46 – 1996. Leipzig 2008.Stefanie Müller

Wer war wer in DDR

Wiedemann, Hans

* 18.5.1888 – ✝ 16.10.1959

Geb. in Berlin; Vater Beamter; Volksschule, Gymnasium; bis 1913 Studium der Philol. an den Univ. Berlin u. Jena; 1913 St.-Ex.; Dr. phil.; Studienrat in Erfurt; 1926 Mitgl. der Akad. Gemeinnützige Wiss. von 1756, Sekretar der Akad.; Mitgl. der DVP. 1945 stellv. Dir. der Lehrerbildungsanstalt Erfurt; 1946 CDU; Dir. der Goethe-Schule; Dir. der Lessing-OS Erfurt; 1950 – 52 Abg. des Thüring. Landtags; 1952 – 54 Abg. des Bez.-Tags Erfurt; 1951/52 Mitgl. des Landesvorst. Thür. der CDU; ab 1952 Mitgl. des Hauptvorst. der CDU, seit 1953 seines Präs.; 1953 – 59 OB u. Vors. des Rats der Stadt Weimar; 1954 – 58 Abg. der Volkskammer; Mitgl. des Verfassungsaussch.; 1954 VVO; 1957 – 59 Vizepräs. des Dt. Städte- u. Gemeindetags.Aus meinen Reden. Burgscheidungen 1960.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Wiegand, Klaus

* 16.8.1941

Geb. in Stadtilm (Krs. Arnstadt); Vater Arbeiter; Grund- u. OS; 1958/59 Arbeit als Dreher; 1959 NVA, 1959 – 61 Offiziersschüler an der Offiziersschule der Landstreitkräfte; 1961 – 66 Zugführer im Panzerregt. 4, 1966 – 71 Offizier für Information der 4. Mot.-Schützendiv.; 1962 SED; 1971 – 75 Offiziershörer an der Militärakad. »M. W. Frunse« in der UdSSR, Dipl.-Militärwiss.; 1975 – 77 Ltr. der Unterabt. Aufklärung, 1977 – 79 Ltr. der Unterabt. Operativ der 4. Mot.-Schützendiv.; 1979/80 Ltr. der Abt. Operativ im Kdo. des Militärbez. III (Leipzig); 1980 – 82 Offiziershörer an der Militärakad. des Generalstabs der Streitkräfte der UdSSR »K. J. Woroschilow«.; 1982 – 84 Stellv. des Kdr. u. Stabschef der 7. Panzerdiv.; 1984 – 86 Kdr. der 11. Mot.-Schützendiv. (Nachf. von Manfred Zeh); Febr. 1986 Generalmajor; 1987 – 90 Stellv. des Chefs u. Stabschef im Kdo. des Militärbez. III (Nachf. von  Wolfgang Steger), 1990 Chef des Militärbez. III (Nachf. von Wolfgang Steger); 2.10. 1990 Entlassung.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Wieland, Heinrich (Heinz) Robert

* 19.9.1907 – ✝ 5.6.1980

Geb. in Mannheim; Vater Hafenarb., Mutter Büglerin u. Fabrikarb.; Volksschule; 1922 – 26 Ausbildung zum Former; bei Daimler-Benz in Mannheim im Beruf tätig; 1922 – 29 DMV; 1931 KPD; RFB; RH; Mai – Juli 1933 »Schutzhaft« wegen RFB-Mitgliedschaft; Okt. 1933 erneute Verhaftung, Okt. – Dez. 1933 Gefängnis, Febr. 1934 Einstellung des Verfahrens mangels Beweisen; 1934 – 36 illeg. pol. Arbeit in der KPD-BL Baden; Mai 1936 auf Parteibeschluß Emigr. nach Frankreich (Metz); Sept./Okt. 1936 über Paris nach Spanien; Politkommissar der 2. Komp. in Albacete (XI. Internat. Brigade); Hauptmann der Bat. »Hans Beimler« u. »Ernst Thälmann«, Jan. 1937 Verwundung; dann drei Mon. Schule für Offz. in Spanien, zweimal verwundet; Aug. 1938 als Verwundeter nach Paris evakuiert; Mai 1939 Reise in die UdSSR; Aufenthalt in med. Einrichtungen; 1941 in Moskau Heirat mit Käthe Niederkirchner; Evakuierung nach Osch (Kirgisien), lebte dort im Invalidenheim; dort Lebensgem. mit  Deba Wieland, später Ehe; 1941 – 43 Pol.-Instrukteur des NKWD unter dt. Kriegsgefangenen; 1945 Schulung in der KPD-Schule »Objekt 12« bei Moskau. Jan 1946 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; Mitarb. des ZK-Apparats, zunächst in der Abt. Org.-Instrukteur, dann 1947 Ref. der Abt. Presse-Rundfunk-Information des ZS der SED; ab Feb. 1952 Ltr. des Sektors II (Registrierung leitender Kader/Nomenklatur) der Abt. Kader des ZK der SED; anschl. Sektorenltr. für ltd. Parteikader der Abt. Ltd. Organe, Parteien u. Massenorg. beim ZK der SED (LOPM); 1952 – 68 stellv. Ltr. der Zentr. Kaderregistratur; 1951 Mitgl. der Zentr. Kommission zur Überprüfung der Parteimitgl. u. Kand.; 1957 – 76 stellv. Ltr. der Abt. für Kaderfragen des ZK der SED, ab 1968 auch zuständig für die Betreuung der ZK-Mitgl. (Nachf. von  Fritz Geißler); 1962 – 76 Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Neuer Weg«; 1969/70 Lehrgang für ltd. Parteikader; 1965 KMO; 1967 u. 1972 VVO; 1970 Verdienstmedaille der NVA; 1971 Partisanenmedaille der Ungar. Volksrep.; April 1970 Ehrenspange zum VVO; Parteiveteran; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Wiese, Karl-Heinz

* 25.4.1935 – ✝ 27.8.2008

Geb. in Kleinoschersleben (b. Magdeburg); Vater Kraftfahrer; Volksschule; 1949 – 54 Lehre u. Arbeit als Böttcher; 1954 Einstellung beim MfS, KD Rathenow; 1954/55 Lehrgang an der Schule des MfS Potsdam-Eiche; 1955 HA V (Staatsapparat, Kirchen, Kultur, Untergrund), MfS Berlin; 1961 Versetzung zur HA VII (MdI/DVP); 1962 AG Paßwesen/ Fahndung; 1964 – 67 Studium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1967 HA Paßkontrolle/Fahndung; 1971 Fahndungsführungsgr., 1980 stellv. Ltr., 1986 Ltr.; 1987 Abt.-Ltr. u. stellv. Ltr. der HA VII; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Wiesner, Hans-Joachim

* 10.9.1925 – ✝ 2.11.2013

Geb. in Görlitz; Vater Zimmermann; Mittelschule; 1941/42 Ausbildung zum Zimmermann; 1943 RAD; 1943/44 Wehrmacht, Kanonier; 1944 – 50 sowj. Kriegsgefangenschaft, Zentr. Antifa-Schule. 1950 Rückkehr nach Dtl.; SED; ab 1.2.1950 Offiziersschule der HV für Ausbildung; 1951 VP-Kommissar; bis 1960 Politoffz. in KVP- u. NVA-Dienststellen; 1960 – 62 Militärakad. Dresden, Dipl. rer. mil.; 1962 – 64 Ltr. der Politverw. des Militärbez. Leipzig, 1964 Gen.-Major; 1964 – 86 Kdr. bzw. Chef der Militär- akad. »Friedrich Engels« in Dresden (Nachf. von  Heinrich Heitsch); Prof.; 1973 Gen.-Ltn.; 1967 – 86 Abg. der Volkskammer; 1985 Scharnhorstorden; 1986 Ruhestand; gest. in Leipzig.Helmut Müller-Enbergs

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Wilde, Grete

* 12.5.1904 – ✝ 1943\/

Geboren am 12. Mai 1904 in Berlin, Tochter einer Fleischerfamilie. Kaufmännische Ausbildung, trat im Januar 1919 in die FSJ ein, war Stenotypistin und Kontoristin. 1921 Mitglied der KPD, bis März 1922 ehrenamtliche KJD-Leiterin eines Berliner Verwaltungsbezirks. Ab März 1922 gehörte sie zur KJD-BL Berlin-Brandenburg und wurde im Herbst 1923 Sekretär der KJD Berlin-Brandenburg. Von 1924 bis 1926 war Grete Wilde als Berliner Vertreterin im Sekretariat des ZK des KJVD. 1927 reiste sie in die Sowjetunion, war bis 1930 Kursantin an der Internationalen Leninschule in Moskau, anschließend Instrukteurin der Kaderabteilung der Komintern. Sie wirkte u. a. im Auftrag von Wilhelm Knorin 1931 als Instrukteurin beim ZK der KP Österreich in Wien, später mit gleicher Aufgabe in der Türkei. In Ankara, wo sie u.a. eng mit dem bekannten Dichter Nazim Hikmet und dessen Sohn befreundet war, wurde sie verhaftet und im Dezember 1932 wegen »kommunistischer Umtriebe« zu einer vierjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Durch eine Amnestie konnte sie in die Sowjetunion zurückkehren. Unter dem Parteinamen Erna Mertens arbeitete sie seit 1935 in der Kaderabteilung der Komintern. In Moskau lebte sie mit dem türkischen Kommunisten und Vertreter beim EKKI Resat Fuat Baraner (* 1900 – † 1968) zusammen, ihr gemeinsamer Sohn Klaus wurde am 19. Juli 1935 in Moskau geboren. Grete Wilde war zusammen mit Georg Brückmann (ebenfalls Referent in der Kaderabteilung) aufs engste in die Parteisäuberungen verstrickt. An zahlreichen »Überprüfungen« von deutschen Emigranten in der Sowjetunion und des »Münzenberg-Apparats« direkt beteiligt, geriet Grete Wilde im Sommer 1937 selbst in die Säuberungen. Am 4. August 1937 wurde sie von der Parteigruppe der Kaderabteilung aus der KPdSU(B) ausgeschlossen, unter den Anschuldigungen: »Teilnahme am Fraktionskampf der Ruth-Fischer-Maslow-Gruppe gegen die Parteiführung der KPD im Jahre 1923, Verbindung mit partei- und sowjetfeindlichen Elementen wie Schatzkin, Lominadse, Vujovic, prinzipienloser Kampf gegen die Leitung der Leninschule im Jahre 1928, Führung eines Gruppenkampfes gegen die Parteiführung der KPÖ im Jahre 1931 und Belastung eines türkischen Parteigenossen vor der türkischen Polizei.« Grete Wilde wurde am 5.Oktober 1937 vom NKWD in Moskau verhaftet und von einem Sondertribunal »wegen Mitgliedschaft in der rechtstrotzkistischen Antikominternorganisation im EKKI-Apparat« zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt. Sofort in den Gulag nach Karaganda deportiert, dort ist Grete Wilde (wahrscheinlich 1943/44) ums Leben gekommen. Ihr Bruder Arthur Wilde (* 5. 1. 1902 in Berlin), Arbeiter, gehörte seit 1922 der KJD und seit 1925 der KPD an. Von 1924 bis 1931 Angestellter im Scherl-Verlag, hier 1931 als kommunistischer »Roter Betriebsrat« entlassen, dann Mitarbeiter im WEB der Komintern unter Georgi Dimitroff. Ende Januar 1934 emigriert, unter dem Namen Franz Rotter für die OMS und die GRU im Ausland tätig, u. a. 1934 in China, von 1935 bis 1937 in Prag. Im Oktober 1937 kehrte er nach Moskau zurück, bis 1939 im Apparat der Komintern, dann Lehrer am Lehrinstitut für ausländische Sprachen in Moskau, zuletzt Instrukteur an einer Antifaschule in Ogre in der Lettischen SSR. Erst im April 1955 konnte er mit seiner Frau und seinem Adoptivsohn Klaus (Sohn von Grete Wilde) in die DDR. Ab Mai 1955 am Institut für Marxismus-Leninismus tätig, starb Arthur Wilde am 19. August 1958 in Heringsdorf.

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Wilhelm, Katarina (Kati)

* 2.8.1976

Geb. in Schmalkalden; begann 1983 bei der BSG Motor Steinach bzw. im Trainingszentrum Steinbach-Hallenberg mit Skilanglauf (Übungsleiter: Reinhard Heil); 1989 Teiln. an der zentralen Kinder- u. Jugendspartakiade in Oberhof; 1990 Sportgymnasium Oberhof; 1995 Abitur, danach Sportfördergruppe der Bundeswehr Oberhof; SC Steinbach-Hallenberg, später Motor Zella-Mehlis (Trainer: Helmut Rothämel); viermal Dt. Jugendmstr.: 1994: 5 km klassisch, Staffel, 1995: Staffel, 1996: 5 km klassisch; dreimal Dt. Mstr. Staffel (1995 – 97); WM 1997 Staffel (6. Pl.); Olymp. Spiele: 1998 Staffel (5. Pl.); 1999 Wechsel zum Biathlon (Trainer: Harald Böse, Manfred Geyer); Olymp. Spiele: 2002: 7,5 km (Gold), Staffel (Gold), Verfolgung (Silber); 2006: Verfolgung (Gold), Massenstart (Silber), Staffel (Silber), Sprint (7. Pl.); WM: 2001 Sprint (Gold), 2001/02 Staffel (Silber), 2003/04 Staffel (Bronze), 2007 Staffel (Gold), 2009 Sprint (Gold); Gesamt-Weltcup 2004/05 (2. Pl.), 2005/06 (1. Pl.); Sprint-Weltcup 2005/ 06 (1. Pl.); 2004 Wechsel nach Ruhpolding (Trainer: Uwe Müssiggang); 2009 Bayer. Sportpreis; 2009 »Goldene Henne«; lebt in Steinbach-Hallenberg.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Wilke, Alfred

* 23.3.1921 – ✝ 8.2.1997

Geb. in Werder (Havel); Vater Buchhalter; Volks- u. Mittelschule; 1937 – 40 Ausbildung zum Metallflugzeugbauer; 1940 – 45 Monteur bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin-Schönefeld, zeitw. im Ausland eingesetzt; 1942/43 Besuch der Techn. Abendschule von Prof. Arthur Werner in Berlin. 1945 Schulhelfer in Werder; SPD; 1946 Kursant am Pädagog. Inst. Wiesenburg; 1946 SED; FDGB; 1946/47 Kulturdezernent in Werder; 1946 – 49 Neulehrer, zul. Dir. der Berufsschule Werder; 1946 – 49 Mitgl. u. Vors. des Krs.-Tags Werder; 1948/49 Mitgl. der SED-Ortsltg.; 1949 – 52 Landesvors. Brandenb. u. 1952/53 Bez.-Vors. Potsdam der Gewerkschaft Unterricht u. Erziehung; 1953 – 55 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1954 – 72 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst. u. des Präs., seit 1968 des Sekr., zuständig für Bildungspol.; 1955 – 72 Mitgl. u. Vors. des Zentralvorst. der Gewerkschaft Unterricht u. Erziehung; 1955 – 64 Mitgl. der Administrativkommission der Lehrerinternationale (FISE) im WGB; 1957 – 72 Mitgl. des Zentr. Aussch. für Jugendweihe; 1958 – 63 Mitgl. der Schulkommission beim PB des ZK der SED u. der Staatl. Kommission zur Gestaltung des einheitl. soz. Bildungssystems beim Min.-Rat; 1963 – 75 Mitgl. des Weltfriedensrats; 1965 – 72 Vizepräs. des Friedensrats der DDR; 1971 – 74 Sekr. der DDR beim Weltfriedensrat in Helsinki; 1966 – 71 Mitgl. des Präs. der Urania; 1974 – 86 Mitgl., stellv. Vors. u. Vors. der ZRK des FDGB (Nachf. von Hans Hünich); 1976 VVO; 1986 Rentner; gest. in Berlin.Die Vorber. des 5. Pädagog. Kongresses. Berlin 1956; Die gewerksch. Revisionskommission. Berlin 1980.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wille, Willy

* 30.11.1882 – ✝ 16.11.1961

Geboren am 30. November 1882 in Dolgelin/ Krs. Lebus, Sohn eines Schneider. Er lernte das Fleischerhandwerk, seit 1909 Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1918 Soldat. Ende 1918 in Neukölln im Arbeiter- und Soldatenrat und dort Mitglied des Vollzugsrates. Seit 1919 Mitglied der KPD, war von 1919 bis 1924 Sekretär des ZdA, wechselte dann zur Gewerkschaftsabteilung der KPD-Zentrale. Später selbständiger Markthändler und von 1928 bis 1933 Vorsitzender des »Verbandes der Markthändler Deutschlands«. Wille war von 1929 bis 1933 KPD-Abgeordneter der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Seit Ende Februar 1933 hielt er sich einige Monate lang versteckt, blieb dann von Verfolgung verschont. 1945 Angestellter beim Bezirksamt Neukölln, trat er der KPD/SED bei. Nach der Spaltung Berlins zog er in den Ostteil von Berlin und arbeitete ab 1948 beim Deutschen Institut für sozialökonomische Probleme in Berlin-Weißensee. Willy Wille starb am 16. November 1961 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Willmann, Heinz (Heinrich)

* 9.7.1906 – ✝ 22.2.1991

Geboren am 9. Juli 1906 in Unterliedbach/Krs. Höchst, Sohn eines Möbeltischlers; Forstwirtschaftslehre, dann kaufmännische Lehre, Werbefachmann und Spediteur. 1920 trat er in die SAJ ein, bildete sich in Abendkursen an der TH Darmstadt und der Universität Frankfurt/M. weiter. 1923 Mitglied der KJD, 1925 der KPD. Er begann im Juni 1928 als Instrukteur beim Neuen Deutschen Verlag (NDV), im von Willi Münzenberg geleiteten KPD-Pressekonzern. Bis 1931 Leiter der Vertriebsstellen des NDV in Bremen, Hamburg, Düsseldorf und Magdeburg, ehrenamtlicher Funktionär der jeweiligen BL. Von April 1931 bis März 1933 leitete er die Vertriebs- und Propagandaabteilung in Berlin, zusätzlich in der Agitpropabteilung des ZK u. a. für Betriebszeitungskontrolle verantwortlich. Ende Februar 1933 für die IAH illegal tätig, sollte er Sachwerte aus dem »Münzenberg-Konzern« retten. Er half mit bei Recherchen für das »Braunbuch« und organisierte den illegalen Vertrieb der AIZ. Am 2. Juni 1933 in Hamburg festgenommen, sieben Monate in »Schutzhaft«. Im Februar 1934 Emigration ( ?CSR, Schweiz, Saargebiet). Von 1935 bis Mai 1945 lebte er in der Sowjetunion, dort bis 1938 Angestellter in der VAA und bis 1945 in der Redaktion der Zeitschrift »Internationale Literatur«. Im Mai 1945 wieder in Berlin, gehörte Willmann zu den Mitbegründern des Kulturbundes und war von 1945 bis 1949 der erste Generalsekretär dieser Organisation. Ab Sommer 1950 Generalsekretär des Deutschen Komitees der Kämpfer für den Frieden, des späteren DDR-Friedensrates, im März 1966 Botschafter der DDR in Prag. Aus gesundheitlichen Gründen mußte er 1967 nach Ost-Berlin zurück, freischaffender Publizist, verfaßte u. a. eine »Geschichte der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung« und veröffentlichte 1977 seine Lebenserinnerungen (»Steine klopft man mit dem Kopf«). Er erhielt 1986 den »Stern der Völkerfreundschaft« in Gold. Heinz Willmann starb am 22. Februar 1991 in Berlin.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Winkelmann, Egon

* 1.1.1928 – ✝ 12.4.2015

Geb. in Lichtenstein-Callnberg (Sachsen); Vater Landwirt, Pflegevater Dreher u. Fördermaschinist, Mutter Angest.; 1934 – 41 Volksschule; 1938 – 45 Dt. Jungvolk, HJ; 1941 – 44 Höhere Handelsschule in Zwickau; 1944 Studium an der Dolmetscher-HS Leipzig; 1944/45 Hartverchromer in Chemnitz. 1945/46 KPD; 1945/46 Bürohilfskraft u. Hilfsschlosser in Lichtenstein; 1946 LDPD; 1946/47 Schüler der FS für Wirtschaft u. Verw.; 1947 SED; 1947 Volontär der Ztg. »Volksstimme« in Glauchau; 1947/48 Sachbearb., Hilfsred. u. Red. des Mitteldt. Rundfunks in Leipzig; 1948 – 50 Studium der Ges.-Wiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Ökonom; 1950 – 52 Sachbearb., Hauptsachbearb. u. Ref. bei der DIA Maschinen in Berlin; 1952 – 62 Red., Lektor u. Red.-Ltr. beim Dietz-Verlag; 1962 pol. Mitarb. des MfAA; Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Hist.; 1962 – 64 1. Sekr. der Botschaft in der KDVR; 1964/65 Sektionsltr. 4. AEA des MfAA; 1965 – 67 Studium an der Diplomaten-HS des MfAA der UdSSR; 1967 – 78 stellv. Ltr., 1968 – 80 Ltr. der Abt. Int. Verbindungen des ZK der SED (Nachf. von  Paul Markowski); 1972 außerplanm. Aspirantur in der UdSSR, Dr. oec.; 1974 – 81 Mitgl. der Ltg. der PO beim ZK der SED; 1976 – 81 Mitgl. der ZRK der SED; 1977 Banner der Arbeit; 1978 – 81 Abg. der Volkskammer; 1980 – 86 Botschafter der DDR in der UdSSR (Nachf. von  Harry Ott); 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1986 sowj. Orden der Völkerfreundschaft; 1986 – 90 1. Vizepräs. u. Gen.-Sekr. der Liga für Völkerfreundschaft der DDR (Nachf. von  Horst Brasch); 1988 VVO.Moskau, das war’s. ErinnerungenHelmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Winkler, Gunnar

* 21.3.1931

Geb. in Hamburg; Vater Dachdecker, Mutter Angest.; aufgew. in Leipzig; dort Besuch der Volksschule; 1946 KPD/SED; 1948 – 51 Ausbildung u. Arbeit als Hauer im Uranbergbau der SAG Wismut; dort anschl. hauptamtl. FDJ-GO-Sekr.; 1952 – 56 Studium der Wirtschaftswiss. an den Univ. Leipzig u. Halle; 1956 – 67 Assistent, Oberassistent u. Doz. für Betriebsökon. an der HS der Gewerkschaften in Bernau; 1967 Diss. A zu Problemen der Planung von Arbeits- u. Lebensbedingungen; 1970 ord. Prof. für soz. Betriebswirtschaft u. Ltr. der Sekt. Arbeit u. Sozialpol. dieser HS; 1972 Diss. B zu Problemen der Sozialplanung; seit der Gründung 1978 Dir. des Inst. für Soziol. u. Sozialpol. der AdW in Berlin (ISS); 1974 – 90 Vors. des Wiss. Rats für Sozialpol. u. Demographie, verantw. für die DDR-weite Koordination der Forschungen auf diesen Gebieten; Gründer u. Hrsg. des Jb. für Soziol. u. Sozialpol. (1980 – 89). 1990 bis zur Abwicklung des Inst. 1991 geschäftsf. Dir. des ISS, 1992 Gründungsmitgl. u. 1993 – 2004 Geschäftsf. des Sozialwiss. Forschungszentrums Berlin-Brandenb., Forschungen zur sozialen Lage in den neuen Bundesländern; Hrsg. des Sozialreports (1990 – 2004), der Schriftenreihe »Umbruch« u. der Quartalsztschr. »Sozialreport« sowie zahlr. Berichte zur Lage ausgewählter sozialer Gruppen; seit 2000 Mitgl. der Leibniz-Sozietät; seit 2003 Präs. des Bundesverb. der Volkssolidarität; lebt in Bernau (b. Berlin).Theorie u. Praxis der Sozialpol. Berlin 1979; Lexikon Sozialpol. Berlin 1987 (Hrsg. u. Mitautor); Geschichte der Sozialpol. Berlin 1989 (Hrsg. u. Mitautor); Die Region der »neuen« Alten. Fakten u. Positionen zur sozialen Situation älterer Bürger in den neuen Bundesländern 1990 – 2005. Berlin 2006.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wiedmaier, Eugen

* 16.11.1900 – ✝ 12.3.1940

Geboren am 16. November 1900 in Stuttgart-Zuffenhausen, Sohn einer Arbeiterfamilie; kaufmännische Lehre, dann Angestellter. 1918 zunächst Mitglied der SPD, dann der USPD und 1919 der KPD. Wiedmaier gehörte zu den Mitbegründern der FSJ in Württemberg, wirkte ab 1920 als Sekretär der KJD in Württemberg und war Mitglied der KPD-BL. Seit 1922 in der Reichszentrale der KJD, Sekretär für antimilitaristische Arbeit. Er war 1923 Instrukteur der KJD im Ruhrgebiet, anschließend in den BL Saar, Pfalz und Württemberg. 1924 wechselte er aus der Jugendarbeit in den Parteiapparat und gehörte bis 1929 der BL Berlin-Brandenburg an. Im Juni 1929 Delegierter des XII. Parteitages, schickte ihn das ZK 1929/30 als Sekretär zur BL Danzig, 1931/32 in gleicher Funktion zur BL Schlesien. 1932 Orgleiter der BL Württemberg, im Februar 1933 kam Wiedmaier nach Mitteldeutschland und war dort als ZK-Instrukteur für die KPD-Bezirke Magdeburg und Thüringen zuständig, zuletzt Instrukteur in Baden. Er wurde im Januar 1934 in Karlsruhe verhaftet, im Dezember 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, ihm danach 1936 erneut der Prozeß gemacht und nun zu insgesamt zwölfeinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach sechs Jahren Einzelhaft im Zuchthaus Ludwigsburg bei Stuttgart wurde Eugen Wiedmaier am 12. März 1940 ermordet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wiehn, Karl

* 7.5.1902 – ✝ 8.7.1973

Geboren am 7. Mai 1902 in Berlin-Charlottenburg, Sohn eines Bürovorstehers. Werkzeugmacher, seit 1920 in der KJD und ab 1922 in der KPD. Von 1921 bis 1933 offiziell Mitarbeiter in der Organisations- bzw. Geschäftsabteilung der Zentrale bzw. des ZK der KPD, eingesetzt vor allem in der Paßfälscherorganisation des AM-Apparates. Anfang Dezember 1932 festgenommen, wurde er durch die »Schleicher-Amnestie« freigelassen und erneut illegal für die KPD tätig. Nach einer Kurierreise nach Prag am 8. Mai 1933 in Berlin verhaftet und schwer mißhandelt. Am 11. Januar 1935 vom VGH zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt, bis 1942 im Zuchthaus Luckau, dann im KZ Sachsenhausen. Auf dem Evakuierungsmarsch der Häftlinge wurde er am 3. Mai 1945 durch Einheiten der Roten Armee befreit. Rückkehr nach Berlin, Mitglied der KPD/SED, im Bezirksamt Berlin-Neukölln tätig. Von Dezember 1946 bis Juli 1947 Betriebsleiter in Berlin-Oberschöneweide, anschließend Hauptreferent in der DWK bzw. im Amt für Reparationen. Später Angestellter des Ministeriums für Außen- und Innerdeutschen Handel, von 1952 bis 1955 Handelsattaché der DDR in Budapest. Zuletzt als Offizier im MfS, enger Mitarbeiter von Richard Großkopf. Karl Wiehn starb am 8. Juli 1973 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Wienken, Heinrich

* 14.2.1883 – ✝ 21.1.1961

Geb. in Stalförden (b. Cloppenburg); Vater Landwirt; 1904 Abitur in Vechta; 1904 – 09 Studium der Theol. in Innsbruck u. Münster; 1909 Priesterweihe in Münster; 1909 – 12 Kaplan in Münster; 1913 – 22 Kaplan u. Jugendseelsorger in Berlin; 1919 – 22 zusätzl. Jurastudium in Berlin; 1922 – 37 Ltr. der Hauptvertr. Berlin des Dt. Caritasverb.; 1929 – 33 Abg. der Zentrumspartei in der Berliner Stadtverordnetenvers.; Feb. 1937 Koadjutor des ausgewiesenen Bischofs  Petrus Legge in Bautzen; Gen.-Vikar des Bistums Meißen in Bautzen; Dez. 1937 Rückkehr nach Berlin wegen Petrus Legges Rückkehr nach Bautzen; 1937 – 51 Ltr. des Commissariats der Fuldaer Bischofskonferenz in Berlin; Verhandlungen mit diversen Dienststellen des NS-Staates, u. a. Reichsministerien, Gestapo, SD u. RSHA. Ab Mai 1945 Verhandlungen in Berlin mit diversen Stellen der SMAD, den SBZ-Behörden, der SED, der CDU u. der Reg. der DDR; 1951 – 57 Bischof von Meißen mit Sitz in Bautzen (Nachf. von Petrus Legge), seit 1955 durch Krankheit amtsbehindert; vom MfS bearbeitet von 1953 – 57 im OV »Der Alte«; 1957 em. u. bis zu seinem Tode Krankenhausaufenthalt; gest. in Berlin.Höllen, M.: H. W., der »unpol. Kirchenpolitiker«. Mainz 1981.Bernd Schäfer

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wiesener, Rudolf

* 1.8.1899 – ✝ 14.8.1972

Geboren am 1. August 1899 in Braunschweig, Sohn eines Schuhmachermeisters; lernte Buchdrucker und gehörte vor dem Ersten Weltkrieg der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung an. 1917/18 Soldat, schloß sich 1919 der KPD an, er war politischer Redakteur an verschiedenen Parteizeitungen. Als Rechter wurde er Ende 1928 ausgeschlossen und trat der KPO bei, auch in der KPO hatte er führende Funktionen inne. Mit deren Minderheitsflügel wechselte er im Frühjahr 1932 zur SAPD. 1933 flüchtete Wiesener in die âSR, gehörte zu den aktiven Unterstützern der Volksfront-Bewegung und wurde daher Ende der dreißiger Jahre aus der Partei ausgeschlossen. Während des Zweiten Weltkrieges Emigrant in Schweden. 1945 Rückkehr nach Deutschland, wieder KPD-Mitglied. Er war von 1946 bis 1947 in den ernannten Landtagen von Braunschweig und Niedersachsen sowie von Mai bis November 1946 als Arbeitsminister auch in der Landesregierung von Braunschweig. 1949 wurde Wiesener wegen Kontakten zur Gruppe Arbeiterpolitik aus der KPD ausgeschlossen. In den Folgejahren war er Arbeitsdirektor. Rudolf Wiesner starb am 14. August 1972 in Bad Harzburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wiest, Fritz

* 21.7.1895 – ✝ 4.12.1983

Geboren am 21. Juli 1895 in Botnang/Stuttgart, Sohn eines Obsthändlers; lernte Gürtler, trat 1910 dem Metallarbeiterverband bei und war Mitbegründer der Arbeiterjugend in Botnang. Im Arbeitersport und bei den Naturfreunden aktiv, wurde er 1913 SPD-Mitglied und gehörte zum linken Flügel um Friedrich Westmeyer. 1915 zum Militär eingezogen, 1917 in den Karpaten schwer verwundet, er schloß sich der Spartakusgruppe an, deswegen Anfang 1918 verhaftet, kam erst im November 1918 frei. Seit Parteigründung Mitglied der KPD, 1921 Jugendsekretär der BL Württemberg. Nach der März-Aktion 1921 mit der Stuttgarter BL der KPD erneut für kurze Zeit inhaftiert. Ab 1922 war Wiest in der Zentrale der KPD angestellt, befaßte sich in der Gewerkschaftsabteilung mit Fragen des Arbeitersports. Er blieb, obwohl Rechter, auch im ZK unter Ruth Fischer bis 1928 verantwortlich für Sport. Als Anhänger der Rechten wurde Wiest Anfang 1929 aus der KPD ausgeschlossen, war dann in Berlin und Stuttgart bis Ende 1932 in der KPO aktiv. 1933 Gewerkschaftsleiter des illegalen Dreierkopfes der KPO in Berlin, Emigration in die ?CSR, dann nach Norwegen und schließlich Großbritannien. Dort arbeitete er in der Metallindustrie. Nach Kriegsende knüpfte er Verbindungen zwischen dem in Kuba lebenden Heinrich Brandler und ehemaligen KPO-Aktivisten in Deutschland. Er kam 1957 als Rentner in die Bundesrepublik und unterstützte die Gruppe Arbeiterpolitik. Fritz Wiest starb am 4. Dezember 1983 in Stuttgart.

Wer war wer in DDR

Wildenhain, Heinz

* 11.12.1927

Geb. in Uhlmannsdorf (Krs. Glauchau); Vater Schlosser u. Hausmeister, Mutter Fabrikarbeiterin; 1934 – 42 Volksschule in Ziegelhain u. Schmölln; Dt. Jugend; 1942 – 44 Ausbildung zum Industriekfm. in Schmölln; 1942 – 44 HJ; Dez. 1944 – Febr. 1945 RAD, Arbeitsmann; Febr. – Mai 1945 Wehrmacht, Sold. in Plauen. 1945 – 49 Buchhalter, später Hauptbuchhalter beim VEB Gas- u. Wasserwerk Schmölln; 1949 – 51 Betriebsassistent bei den Stadtwerken KWU Schmölln; 1949 Jungaktivist; 1951 FDJ; 1951 – 55 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1952 SED, 1953 – 55 Mitgl. der ZPL der HfÖ; 1955 – 61 Instrukteur für wirtschaftl. Rechnungsführung, ab 1957 auf dem Gebiet Geld- u. Kreditpolitik, 1961 – 69 Sektorenltr., 1969 – 72 stellv. Ltr. der Abt. Planung u. Finanzen des ZK der SED; 1956 NVA; 1972 – 82 stellv. Ltr. der ZK-Abt. Planung u. Finanzen, Mai 1982 – Nov. 1989 Ltr. der Abt. Finanzverw. u. Parteibetriebe des ZK der SED; 1981 Verdienstmed. der NVA; ab 1982 Vors. der Lohn- u. Gehaltskommission des ZK der SED; 1986 Mitgl. der Zentr. Kommission des PB zur Betreuung alter verdienter Parteimitglieder; 1984 VVO; 1987 Ehrenspange zum VVO; lebt in Hallein (Österr.).Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wilhelm, Paul

* 1887 – ✝ 1940

Geboren 1897 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Metallarbeiter. Von 1911 bis 1915 in der SAJ organisiert, 1915/16 Mitglied der SPD, dann bis 1920 der USPD und ab 1920 der KPD. Zunächst im AM-Apparat tätig, wurde er (Pseudonym Wilhelm Block) 1925 für die Komintern eingesetzt (»Abteilung SS im Ausland«). Einzelheiten seiner geheimen Funktionen waren nicht zu ermitteln. Er kam 1936 in die UdSSR und arbeitete in einem Betrieb. Im Juli 1937 vom NKWD verhaftet, am 1. August aus der KPD ausgeschlossen. In Moskau zu 20 Jahren Lager verurteilt, Paul Wilhelm soll 1940 im Gulag umgekommen sein.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wilke, Walter

* 31.7.1901 – ✝ 16.6.1938

Geboren am 31. Juli 1901 in Berlin, nach Abschluß der Volksschule Lehre bei einer Berliner Speditionsfirma als Expedient, später auch in Hamburg tätig, nach Arbeitslosigkeit, Tätigkeit als Postbote, bei einer Autofirma in Berlin Adlershof, in der Behala Westhafen und beim NDV unter Willi Münzenberg“, 1927 Eintritt in die KPD, 1928/29 Orgleiter einer Straßenzelle in Berlin-Kreuzberg, 1930 Orgleiter einer Straßenzelle in Niederschöneweide, bemühte sich um eine Arbeit in der Sowjetunion, ab September 1931 Tätigkeit als Referent bei Technopromimport Moskau, ab März 1933 bei Elektroimport Moskau. Übernahme in die KPdSU, 1933 bis 1936 Student an der KUNMS, danach zur Arbeit nach Engels delegiert, nach Verhaftung der Ehefrau Johanna noch Ende 1936 „Flucht“ mit dem Sohn Peter nach Frankreich, einem kleinen Dorf im Kanton Pallasowka, ASSR der Wolgadeutschen (heute zum Oblast Wolgograd gehörend), wo er als Grundschullehrer arbeitete, bemühte sich vergeblich als Freiwilliger nach Spanien zu den Interbrigaden zu kommen, lt. FSB-Archiv Wolgograd wurde Walter Wilke am 10. Februar 1938 verhaftet und am 26. Mai 1938 zum Tode durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde am 16. Juni 1938 vollstreckt. Wilkes Frau Johanna, geborene Hartog (* 15. 8. 1904 – † 4. 6. 1988), war (wie ihre Schwestern Golda Fröhlich und Selma Gabelin [ Bernward Gabelin]) Funktionärin in der KPD, zeitweise Sekretärin von Heinrich Rau. Sie folgte ihrem Mann Walter mit dem Sohn Hans Peter (*18. 10. 1930) in die UdSSR, war Redakteurin an Gewerkschaftszeitungen und wurde bereits im September 1936 verhaftet und zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Im Gefängnis in Saratow wurde im Januar 1937 ihre Tochter Tamara geboren, die zehn Jahre von ihr getrennt blieb. Nach der Haft im Herbst 1946 in Magadan zwangsangesiedelt. Johanna Wilke (nach Rehabilitierung durch die UdSSR-Justiz) durfte mit ihrer Tochter erst 1958 in die DDR ausreisen.

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Willerding, Hans-Joachim (Jochen)

* 19.4.1952

Geb. in Berlin-Pankow; Vater Diplomat; 1958 – 64 Schulbesuch in Berlin, 1964 – 68 sowj. Schule in Ulan Bator, 1968 – 71 EOS Bad Freienwalde, Abitur; 1966 FDJ, 1971 SED; 1971/72 Instrukteur beim ZR der FDJ, Abt. Schuljugend; 1971 FDGB; 1972 – 77 Studium am Staatl. Inst. für Internat. Beziehungen in Moskau, Dipl.-Staatswiss.; 1977 Prom. zum Dr. phil. an der WPU Rostock; 1977/78 stellv. Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen beim ZR der FDJ; 1978 Vertreter der FDJ im Sekr. des Internat. Studentenbunds in Prag, Schatzmstr.; 1979 – 89 Mitgl. des Büros u. Sekr. des ZR der FDJ; 1981 – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, 1981 stellv. Vors., 1982 – März 1990 Vors. der FDJ-Fraktion; Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1986 Kand., Nov. 1989 Mitgl. des ZK der SED; 8.11.1989 Kand. des PB u. Sekr. des ZK der SED, 3.12. Rücktritt mit dem ZK; ab 8.12. Mitgl. des Präs. des PV der SED/PDS bzw. PDS; ab Febr. 1990 Ltr. der Kommission Internat. Beziehungen, in dieser Funktion Teiln. an einem Gespräch über die dt. Wiedervereinigung mit dem Sekretär des ZK der KPdSU, Valentin Falin; 18.3. – 2.10.1990 Abg. der Volkskammer u. stellv. Vors. des Auswärtigen Aussch; 1988 – 90 Vizepräs. des DDR-Friedensrates; VVO. Mitgl. des Beirats der PDS; Geschäftsf. der Picon GmbH in Berlin-Friedrichshain, die dt. Firmen in Rußland u. China berät.Zur Rolle der internat. Jugend- u. Studentenbewegung. Rostock 1989.Helmut Müller-Enbergs

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Willmer, Arnold

* 4.2.1888 – ✝ 26.9.1937

(* 1888 – † 1937?) Geboren am 4. Februar 1888 in Gildenburg/ Ostpreußen, Sohn eines Handwerkers; besuchte das Gymnasium und schloß sich während des Medizinstudiums 1909 der SPD an. Er praktizierte nach der Promotion in Berlin als Facharzt für Haut- und Harnleiden, übersiedelte dann nach Düsseldorf und wurde 1922 Mitglied der KPD. Von 1924 bis 1928 Stadtverordneter und Mitglied der BL Niederrhein, kurzzeitig Agitpropsekretär. Willmer wurde am 16. Juli 1933 verhaftet, emigrierte nach der Freilassung über Belgien und Frankreich im November 1933 in die Sowjetunion. Ab Januar 1934 war er in Jalta (Krim) als Arzt tätig. Dort wurde er Anfang September 1937 vom NKWD verhaftet und am 26.September 1937 aus der KPD ausgeschlossen mit der Begründung »Verbindung mit partei- und klassenfeindlichen Elementen und Begünstigung ihrer Verbrechen infolge mangelnder politischer Wachsamkeit, wegen politischer Zersetzungsarbeit«. Arnold Willmer wurde wahrscheinlich 1937 erschossen. Die verschiedentlich verbreitete Auffassung, er sei mit Margarete Hahne verheiratet gewesen, stimmt nicht. Seine mit ihm seit 1925 verheiratete Frau Margarethe, geborene Hahne, geschiedene Voigt (* 11. 10. 1896 in Ringelheim), Krankenschwester, hatte in Düsseldorf bei Arnold Willmer als Sprechstundenhilfe gearbeitet und sich zur Röntgenschwester qualifiziert, seit 1922 gehörte sie der KPD an. Sie folgte mit ihrem Sohn Arnold Willmer jun. (* 8. 3. 1926) ihrem Mann in die Sowjetunion und arbeitete ebenfalls im Krankenhaus von Jalta. 1941 wurde sie nach Kasachstan verbannt und konnte im Mai 1947 mit ihrem Sohn nach Deutschland zurückkehren, arbeitete im Volksbildungsamt der Stadt Halle, dort SED-Mitglied. Margarethe Willmer starb am 15. September 1970 in Halle, ihr Sohn Arnold am 24.Februar 1985.

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Winkelmann, Hans-Hugo

* 14.2.1907 – ✝ 16.6.1995

Geb. in Berge-Ennepe (Westf.); Vater Hammerschmied; 1913 – 21 Volksschule; 1921 – 24 Lehre als Schlosser; 1921 KJV; 1923 KPD RFB, RH, RGO; Kassierer u. Ltr. einer Ortsgr.; 1924 – 26 Arbeit im Beruf, 1926 Entlassung nach einem Streik; 1926/27 Tätigkeit im Straßenbau; 1927 – 32 Schlosser; 1932/33 erwerbslos; 1933 Emigr. in die Niederlande; Sept. 1935 – Apr. 1936 in Den Haag in Haft, Ausweisung nach Belgien; illeg. Rückkehr in die Niederlande, Ltr. der illeg. KPD-Gr. Rotterdam-West; ab Aug. 1936 Teiln. am span. Bürgerkrieg, Angehöriger des Thälmann-Bat. der XI. Internat. Brigade (Zugführer), Ltn., Stabsoffz., Verbindungsmann zum militär. Geheimdienst Servicio de Investigación Militar (SIM), ab Aug. 1938 Ltr. des SIM, mehrfach verwundet, ab Febr. 1939 Internierung in den Lagern St. Cyprien, Gurs u. Le Vernet in Frankreich (dort Abwehrmann der KPD-Org.), 1941 – 43 im Lager Djelfa in Algerien, Mitgl. der illeg. KPD-Gr. (u. a.  Hans Schaul,  Günther Tenner); Apr. – Nov. 1943 Angeh. der Brit. Armee in Algerien, dort für die KPD illeg. Überprüfung aller Deutschen in den brit. Arbeitskompanien; 1944 in die UdSSR, 1944/ 45 Angehöriger einer Spezialeinheit des NKWD zum Aufspüren feindl. Spionagegr. im beloruss. Hinterland; 1945/46 KPD-Schule b. Moskau Apr. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Mai/Juni 1946 Besuch einer Schule für Krs.-Polizeiltr. in Potsdam; Offz. der VP in Mecklenb.; Dienststellenltr. in Schwerin, Anklam, Wismar u. Rostock; 1950 – 52 Polizeipräs. in Leipzig; 1950 –53 Fernlehrgang an der PHS der SED; ab 1952 Ltr. der VP-Bez.-Behörde Leipzig; Mitgl. der SED-BL u. Abg. des Bez.-Tags; 1955 stellv. Ltr. der Abt. Planung u. Beschaffung in der HV der KVP; 1955 VVO; 1056 – 59 Fernlehrgang an der PHS; 1956 Hans Beimler Med.; 1957 – 59 Chef der Bereitschaftspolizei; danach bis Sept. 1963 Ltr. der Verw. Ausbildung u. Schulung der DVP, Gen.-Major der VP; 1963 aus gesundheitl. Gründen aus dem aktiven Dienst ausgeschieden; 1967 Banner der Arbeit; 1972 VVO; 1977 KMO; 1990 PDS; gest. in Berlin.»Sturm auf die Höhe Santa Quiteria«. In: Brigada Internacional Bd. 1. Berlin 1974. Uhl, M.: Mythos Spanien. Das Erbe der intern. Brigaden in der DDR. Bonn 2004.Peter Erler / Bernd-Rainer Barth

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Winkler, Heinz

* 7.5.1910 – ✝ 25.6.1958

Geb. in Chemnitz; Vater Zimmermann; bis 1927 Volks- u. Realschule in Chemnitz; 1927/ 28 Ausbildung zum Maurer; 1928 – 32 Studium an der Staatl. Akad. für Technik in Chemnitz, Bauing.; 1932 – 35 Architekt u. Bauunternehmer in Chemnitz; 1935/36 Angest. im Heeresbauamt in Chemnitz u. Glogau; 1936 – 41 Säureschutzing. in Siershahn (Westerw.); 1938 – 45 NSDAP; 1941 – 7.5.1945 Wehrmacht, zul. Uffz. Bis Aug. 1945 in Ostfriesl.; 1945 – 49 selbst. Architekt in Adelsberg (b. Chemnitz); 1948 CDU; dort Ref. des Bez.-Gruppenvors.; 1949/ 50 Architekt beim Rat des Krs. Chemnitz; 1950 Ltr. des Planungsbüros des Landkrs. Chemnitz; 1950 – 53 Ltr. der VEB Bauplanung Chemnitz; Febr. 1953 Dir. des Entwurfsbüros Hochbau Stalinstadt (Eisenhüttenstadt); 1953 – 58 Minister für Aufbau (Nachf. von  Lothar Bolz); 1954 – 58 Mitgl. des Hauptvorst. der CDU u. seit 1956 seines Präs.; 1958 Vors. des Beirats für Bauwesen; Unfalltod.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Wiedmaier, Maria

* 19.10.1896 – ✝ 20.12.1977

Geboren am 19. Oktober 1896 in Stuttgart-Zuffenhausen als Maria Siegloch, Tochter einer Eisenbahnerfamilie. Die drittälteste von sieben Geschwistern arbeitete von 1910 bis 1916 in der Schuhfabrik Salamander in Kornwestheim. Während des Krieges war sie in der Munitionsfabrik in Feuerbach und heiratete 1916 den Arbeiter Albert Volz. Ende 1918 zunächst Mitglied der USPD, trat 1919 in die KPD ein. Zusammen mit Heinrich Rau und Eugen Wiedmaier, den sie 1923 heiratete, gehörte sie zu den Mitbegründern der KPD in Stuttgart-Zuffenhausen. 1923 folgte sie Eugen Wiedmaier nach Berlin, später auch an die Saar und in die Pfalz, war zunächst Jugendfunktionärin, dann 1924/25 Sekretärin der BL Saarbrücken und ab 1925 Instrukteurin des ZK. 1929/30 Kursantin an der Internationalen Leninschule in Moskau, anschließend hauptamtliche Funktionärin der BL Berlin-Brandenburg. Von Januar 1933 bis April 1935 illegale Instrukteurin in Berliner Betrieben. Maria Wiedmaier gehörte ab 1934 zum AM-Apparat von Emil Pietzuch und reiste mehrmals als Kurier in die Sowjetunion. Am 6. April 1935 in Berlin verhaftet, saß sie drei Jahre in Untersuchungshaft, dann am 28. Februar 1938 zu fünfeinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, zuletzt im KZ Ravensbrück. Von 1945 bis 1949 Referentin für Sozialwesen beim Bezirksamt Berlin-Charlottenburg, nach der Spaltung der Stadtverwaltung Mitarbeiterin des Magistrats von Ost-Berlin. 1948 erhielt sie wegen »mangelnder Zusammenarbeit zwischen der VVN und der SED« eine Rüge, bis 1952 Referentin für Kultur bei der Deutschen Investitionsbank, später nur noch ehrenamtlich. Sie war mit dem Kommunisten, Buchenwaldhäftling und späteren Generalsekretär der VVN Harry Kuhn verheiratet, erhielt 1976 die Ehrenspange zum VVO in Gold. Maria Kuhn-Wiedmaier starb am 20. Dezember 1977 in Glienicke bei Potsdam

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Wieland, Deba

* 25.3.1916 – ✝ 16.12.1992

Geb. in Moskau in einer jüd. Familie; Vater Handelsvertreter, Mutter Buchhalterin; ab 1919 in Riga aufgew.; OS, 1933 Abitur in Riga; 1932 Mitgl. des illeg. KJV Lettlands; 1933 – 37 Studium der Gebrauchsgrafik in Straßburg, ab Herbst 1934 in Brüssel; 1933 u. ab 1937 KPF; 1934 – 37 KP Belgiens; 1933/34 Mitarb. der Ztg. »Frau als Kämpferin« (Straßburg); 1937 – 39 in Paris freischaff. Zeichnerin u. Übersetzerin für die CGT u. den Verlag der »L’Humanité«; 1939 Emigr. in die UdSSR (Moskau); 1939 – Juni 1941 Übersetzerin u. Lehrerin im Spezialsanatorium für Spanienkämpfer Peredelkino; lernte dort ihren späteren Mann  Heinrich Wieland kennen; Juni 1941 Rückkehr nach Riga; nach dem dt. Überfall 1941 Evakuierung nach Osch (Kirgisien). Juni 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 KPF/ SED; 1946 – 49 Übersetzerin, Red. u. Chefred. des Sowj. Nachrichtenbüros (SNB) in Berlin-Weißensee; 1948 VDJ; Aug./Nov. 1949 Chefred. im Dt. Inst. für Sozialökon. Probleme in Berlin-Weißensee (beim MdI); Dez. 1949 Mitarb. im Amt für Information; dort ab März 1950 Ltr. der Abt. Sowjetunion u. Volksdemokratien; Sept. 1950 – 52 1. stellv. Ltr. im Amt für Information u. Instrukteur der DSF; Mitbegr. der Ztschr. »Presse der Sowjetunion«; ab Nov. 1952 – 77 Dir., später GD des ADN (Nachf. von  Georg Hansen); 1956 Präs.-Mitgl. des Zentralvorst. u. bis 1972 stellv. Vors. des VDJ; Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1970 VVO; 1975 Vizepräs. der Allianz Europ. Presseagenturen; 1976 Ehrenspange zum VVO; 1977 Vizepräs. des Friedensrats der DDR; Mitgl. des Weltfriedensrats; Vizepräs. der UNESCO-Kommission der DDR; 1980 Ruhestand; 1984 Stern der Völkerfreundschaft; 1986 KMO. 1990 Mitgl. der PDS; gest. in Berlin.Minholz, M., Stirnberg, U.: Der Allg. Dt. Nachrichtendienst. Gute Nachrichten für die SED. München 1995.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Wiens, Paul

* 17.8.1922 – ✝ 6.4.1982

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland), aufgew. in Berlin; Vater Kfm., Mutter Malerin; wegen jüd. Herkunft vorz. Abbruch der Schule; 1933 Emigr. mit den Eltern in die Schweiz; 1934 – 39 Schulbesuch in Villars, 1939 Abitur; Aufenthalte in Italien, Frankreich u. England; 1939 – 42 Studium der Philos. u. Nationalökon. in Genf u. Lausanne, abgebrochen; 1943 in Wien wegen »Abhörens von Feindsendungen« u. »Wehrkraftzersetzung« verhaftet, zunächst Gefängnis St. Pölten, dann bis April 1945 Durchgangs-KZ (»Arbeitserziehungshaus der SS«) Oberlanzendorf (b. Schwechat); danach Nachhilfelehrer u. Übersetzer in Wien. 1947 Rückkehr nach Dtl. (Weimar); 1948 KB; Schutzverb. Dt. Autoren/DSV; ab 1949 in Berlin; Mitgl. der KB-LL; 1948 – 50 Lektor u. Übersetzungsred. im Aufbau-Verlag; Beginn der schriftsteller. Tätigkeit; 1951 Ltr. der Abt. Wort u. Laienspiele in der Landeskulturkommission der FDJ (Vorber. der Weltfestspiele 1951); anschl. freischaff. Schriftst.; 1952 Goethe-Preis der Stadt Berlin; 1959 NP; Mai 1961 Vors. des Berliner DSV bzw. SV; Nov. 1961 erste Kontakte zum MfS; 1962 – 68 als GI, ab 1972 als IMS, ab 1980 als IMB »Dichter« des MfS erf., ab Mitte der 70er Jahre auch im Ausland aktiv (PEN), zeitw. an das KGB »ausgeliehen« (Berichte über Lew Kopelew u. Efim Etkind); 1962 Heinrich-Heine-Preis des MfK; 1964 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West, dann PEN-Zentrum DDR; 1960 – 66 Red.-Mitgl. der »Neuen Dt. Lit.«; 1978 Verdienstmedaille der NVA; 1976 Johannes-R.-Becher-Preis; 1979 VVO; seit 1971 verh. mit  Irmtraut Morgner; 1980 – 82 Mitgl. des Präs. des PEN-Zentrums DDR; 1981/82 kurzz. Chefred. der Ztschr. »Sinn u. Form« (Nachf. von  Wilhelm Girnus); Vizepräs. des KB; 1952 Goethe-Preis der Stadt Berlin; 1959 NP; gest. in Berlin. P. W. wurde v. a. als Textdichter von Massenliedern u. als Lyriker (Sammlungen »Beredte Welt« 1953, »Vier Linien aus meiner Hand« 1972) bekannt; das Werk umfaßt des weiteren Prosa (»Die Haut von Paris« 1960), zahlr. Übersetzungen u. Nachdichtungen aus mehr als 20 Sprachen (Nazim Hikmet, Louis Aragon, Paul Eluard, Wladimir Majakowski, chin. Kampf- u. Liebeslieder) sowie Drehbücher für DEFA-Filme (»Einmal ist keinmal« 1955; »Genesung« 1956; »Leute mit Flügeln« 1960; »Sonnensucher« 1958, Erstausstrahlung 1972 im DFF); Publizistiksammlung 1949 – 81 »Einmischungen«, 1982.Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Berlin 1996.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Wiesner, Erich

* 17.4.1897 – ✝ 19.10.1968

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Tischler; 1903 – 11 Volksschule in Stettin; 1911 – 14 Buchbinderlehre; 1911 – 16 SAJ; 1913 Dt. Buchbinder-Verband; 1914 / 15 SPD; Austritt aus Protest gegen die Haltung der SPD-Führung zum Krieg; ab 1915 im Internat. Spartakusbund, antimilitarist. Arbeit im Thür. Jugendbildungsverein; 1917 Militärdienst, Nov. 1917 wg. antimilitarist. Propaganda verhaftet u. von einem Militärgericht zum Tode verurteilt; Okt. 1918 Befreiung aus dem Militärgefängnis, anschl. nach Weimar, dort 1918 Spartakusbund u. im Arbeiter- u. Soldatenrat; 1919 Mitgl. der BL der FSJ u. Eintritt in die KPD, Mitarb. im KPD-Sicherheitsdienst in Weimar; ab 1920 Mitgl. des ZK des KJV, Vors. der kommunist. Kindergruppen; 1922 Referent auf dem IV. Weltkongress der KI in Moskau; 1923 Instrukteur des ZK der KPD in Königsberg, später in Breslau; 1927 Flucht in die UdSSR, dort Mitgl. der WKP (B); 1927 – 30 Schüler der Internat. Lenin-Schule (»Friedrich Burgwald«); gleichz. Sekr. des »Kinderbüros« im EK der KJI in Moskau; ab 1930 Instrukteur der KPD-BL Pommern, 1930 Chefred. der KPD-Ztg. »Volkswacht« in Stettin; 1931 RGO; 1932 Abg. des Preuß. Landtags; 1932 / 33 Sekr. der KPD-BL Stettin, Funktionär im AM-Apparat Stettin; 1933 / 34 Haft, anschl. illeg. Arbeit; 1936 Heizer, dann Buchbinder in Stettin; erneut verhaftet, Haft im KZ Börgermoor; 1944 Flucht aus dem Straflager Deutsch Krone, anschl. illeg. in Stettin, Mitgl. der Gr. Empacher-Krause. Mai – Juli 1945 von der Roten Armee eingesetzt als OB von Stettin (Nachf. von Erich Spiegel) bis zur Übergabe Stettins an den poln. Staat; Aug. – Nov. 1945 OB von Schwerin (Nachf. von Heinz Maus); Vors., ab 1949 2. Vors. der VVN Mecklenb.; 1946 – 49 Ltr. der Abt. Propaganda der SED-LL Mecklenb.; 1949 – 52 Landrat in Güstrow; 1952 – 64 Kaderltr., Parteisekretär u. Mitgl. der Red. der »Schweriner Volkszeitung«; 1957 VVO; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 Banner der Arbeit; 1964 Parteiehrenrente; 1964 Mitgl. im reorganisierten Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer; gest. in Schwerin.Man nannte mich Ernst. Erlebnisse u. Episoden aus der Arbeiterjugendbewegung. Berlin 1956. Neuhoff, W.: E. W. – zweiter Nachkriegsbürgermeister von Stettin. In: Stettiner Bürgerbrief (2002) 28.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Wigdorowa, Frida

* 1915 – ✝ 1965

Pädagogin, Journalistin und Schriftstellerin. Verfasserin eines Stenogramms vom Gerichtsprozess gegen Joseph Brodsky, das als erster sowjetischer Samisdat-Text zur Verteidigung der Menschenrechte gilt.Frida Wigdorowa wurde 1915 in Orscha im Gouvernement Witebsk im heutigen Weißrussland als Kind einer Lehrerfamilie geboren. Nach dem Abschluss ihres Studiums an der Fakultät für Literatur des Pädagogischen Instituts in Moskau 1937 unterrichtete sie russische Sprache und Literatur an Schulen in Magnitogorsk und später in Moskau. Ab 1938 interessierte sie sich für Journalistik und begann zu schreiben. Sie war zwischenzeitlich einige Jahre Abgeordnete des Moskauer Stadtsowjets. Ihr erstes Buch „Zwölf Tapfere“ (Dvenadcat‘ otvažnych), das sie gemeinsam mit Tatjana Petschenikowa verfasst hatte, erschien 1948. Wigdorowa veröffentlichte Artikel zu schulischen Fragen, zur Kindererziehung und zu den Lebensbedingungen benachteiligter Menschen in der „Pravda“, „Komsomolskaja Pravda“ und „Literaturnaja Gazeta“. Einen Teil dieser Texte fasst das Buch „Liebe Redaktion“ (Dorogaja redakcija) zusammen, welches 1963 erschienen ist. In den 50er und 60er Jahren nahm Wigdorowa an wichtigen offiziellen literarischen und gesellschaftlichen Ereignissen teil. Ihre Texte „Kaja und Anja“ (Kaja i Anja) und „Leere Augen und verzauberte Augen“ (Glaza pustye i glaza volšebnye) erschienenen in den bekannten Almanachen „Literaturnaja Moskva“ und „Tarruskie stranicy“. Am 23. Oktober 1956 war Wigdorowa auf der Sitzung der Sektion „Prosa“ des Moskauer Schriftstellerverbands anwesend, auf der Wladimir Dudinzews Roman „Der Mensch lebt nicht von Brot allein“ (Ne chlebom edinym) diskutiert wurde. Sie fertigte dabei eine Mitschrift der berühmt gewordenen Rede des Schriftstellers Konstantin Paustowski an, die später auch im Samisdat zirkulierte. Wigdorowa richtete zahlreiche Eingaben an Behörden und bat auch andere darum, sich bei offiziellen Stellen einzusetzen. Unter den vielen Menschen, um die sie sich kümmerte, war auch Nadeschda Mandelstam, der sie half, in Moskau eine Meldebescheinigung zu erhalten. Außerdem setzte sie sich für Boris Pasternaks Stieftochter Irina Jameljanowa ein, die gemeinsam mit ihrer Mutter Olga Iwinska 1961 verurteilt und dank Wigdorowas Bemühungen vorzeitig entlassen worden war. Am Fall des Dichters Joseph Brodsky nahm Wigdarowa bereits im Herbst 1963 noch vor dessen Verhaftung Anteil. „Sie hat diejenigen, um die sie kämpfte, immer geliebt. Brodsky machte sie ohne sein Zutun und sein Wissen zu ihrem Sohn und nahm ihn für immer in ihr Herz auf“, schrieb Lidia Tschukowskaja, die auch daran erinnerte, dass Wigdorowa Brodsky nach dessen Verurteilung und Verbannung ihre einzige Schreibmaschine gegeben habe. Als Fürsprecherin Joseph Brodskys wandte sich Wigdorowa an Roman Rudenka, den Generalstaatsanwalt der UdSSR, an den Sekretär des sowjetischen Schriftstellerverbandes und viele andere offizielle Stellen. Ihr wichtigster Beitrag zur Verteidigung von Brodsky war ihre Anwesenheit während seines Prozesses in Leningrad und die Mitschrift der Verhandlung. Ihre Aufzeichnungen lösten ein ungewöhnlich starkes Echo aus. Erstmals gelangte damit die Dokumentation eines politischen Prozesses in der Sowjetunion an die Öffentlichkeit. Wigdorowas Stenogramm initiierte die Thematisierung von Menschenrechten im Samisdat. Ihre Initiative gilt heute als der erste öffentlich bekannt gewordener Einsatz für die Menschenrechte in der UdSSR. Zwei Jahre später versah Alexander Ginsburg den Umschlag des „Weißbuchs“ über den *Prozess gegen Andrei Sinjawski und Juli Daniel mit einer Widmung an Frida Wigdorowa. Wigdorowas Prozess-Stenogramm wurde im Westen veröffentlicht und erregte vor allem unter linken Intellektuellen, die auf der Seite der Sowjetunion standen, Aufsehen. Auch dies trug maßgeblich zur vorzeitigen Entlassung Brodskys bei. Nach Aussagen der Schriftstellerin Lidia Tschukowskaja warf der KGB-Vorsitzende Wladimir Semitschastny Wigdorowa vor, die Prozessmitschrift im In- und Ausland verbreitet zu haben und beschuldigte sie im Sommer 1965, die Jugend zu demoralisieren. Der Vorsitz des Schriftstellerverbandes leitete daraufhin ihren Ausschluss ein. Einer anderen Version zufolge hätte Wigdorowas Entfernung aus dem Schriftstellerverband bereits ein Jahr zuvor stattfinden sollen, sei aber nach dem Sturz von Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow in Vergessenheit geraten. Einen Monat, bevor Joseph Brodsky aus seiner Verbannung entlassen wurde, starb Frida Wigdorowa am 7. August 1965 in Moskau an Krebs. Auf der Beerdigung am 10. September hielt Lidia Tschukowskaja die Totenrede. Alexander Galitsch widmete der Verstorbenen das Gedicht „Freunde sterben“ (Uchodjat druz’ja). Nach dem Tod Wigdorowas verschwand ihr Name fast vollständig aus der literarischen Öffentlichkeit. Sie wurde in keinem Lexikon der sowjetischen Literatur mehr erwähnt. 1967 verglich Lidia Tschukowskaja die verstorbene Wigdorowa mit Wladimir Korolenko, einem Schriftsteller, der sich an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einer großen moralischen Autorität erfreut hatte. Sie schrieb über Frida Wigdorowa: „Sie verfolgte das gleiche und wichtigste aller möglichen Anliegen: die Mission der russischen Intelligenz. Sie versuchte diejenigen, die unter die Räder gekommen waren, herauszuziehen.“Genadi Kusowkin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 03/16

Wer war wer in DDR

Wildführ, Georg

* 30.8.1904 – ✝ 4.6.1984

Geb. in Hannover-Linden; Vater Werkmstr.; 1911 – 23 Realgymnasium in Hannover, Abitur; zwischenzeitl. Lehrerseminar in Einbeck; kfm. Volontär in Hannover; 1923 – 25 Studium der Architektur in Hannover; 1925 – 31 Studium der Med. in Göttingen u. Berlin; 1931 St.-Ex.; 21.7.1931 Prom. zum Dr. med.; 1928 – 33 SPD; 1932/33 Assistent an Krankenhäusern in Berlin u. Hannover; 1933/34 Oberassistent am Hygieneinst. in Gelsenkirchen; 1934 – 36 Oberarzt am Staatl. Medizinaluntersuchungsamt Hannover; 1936 Amtsarztexamen; 1936/ 37 Ltr. des bakteriolog. Laboratoriums u. der techn. Assistentenschule am St. Elisabeth-Krankenhaus in Köln; 1937 – 45 Ltr. der bakteriolog.-serolog. Abt. u. der Forschungsabt. des Sächs. Serumwerkes in Dresden; 8.11.1943 habil. an der TH Dresden über Toxinbildung bei Gasödem-Bazillen. 1945 – 47 Ltr. des Hygieneinst. in Dresden; 1946 – 49 ord. Prof. für Hygiene u. Dir. des Hygieneinst. der TH Dresden; 1947 – 70 ord. Prof. für Hygiene an der Univ. Leipzig u. Dir. des Hygieneinst., später des Inst. für Med. Mikrobiol. u. Epidemiol.; in Personalunion Ltr. der Leipziger Zentralstelle für Hygiene u. später des Bez.-Hygieneinst. bis 1976; 1949 SED; anschl. CDU; 1957/58 Ärztl. Dir. u. 1. stellv. Dir. der Kliniken der KMU Leipzig; 1961 – 65 hier Dekan der Med. Fak.; 1969 em.; 1970 – 73 Präs. der Ges. für die gesamte Hygiene (Nachf. von Karl-Heinz Renker); 1962 NP; gest. in Leipzig.Über Chorea minor u. Tic. Göttingen 1931; Studien zur Frage des Toxinbildungsvermögens der Gasödem-Bazillen in künstl. Nährboden. o. O. 1943; Med. Mikrobiol., Immunol. u. Epidemiol. 2 Bde. Berlin 1959 – 61.Ralf Schenk / Helmut Müller-Enbergs

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Wilhelmi, Bernd

* 6.1.1938

Geb. in Erfurt; Physikstudium an der FSU Jena; 1966 Prom.; 1972 Habil.; 1973 – 89 Prof. für angewandte Physik an der FSU; 1981 NP; 1983 – 87 Rektor der FSU; 1985 Korr. u. 1988 Ord. Mitgl. der AdW; 1987 Mitgl. der Leopoldina; 1989 – 91 Dir. des ZI für Optik u. Spektroskopie der AdW. 1992 Projektmanager bei Jenoptik Technol. GmbH Jena; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebt in Jena. Hauptarbeitsgebiete: Quantenelektronik, Laserspektroskopie u. Ultrakurzzeitmeßtechnik; Mithrsg. u. a. der Ztschr. »Laser Chemistry« u. »Scientific Instrumentation«.(jeweils mit M. Schubert) Einführung in die nichtlineare Optik. 2. Aufl. 1979; Nonlinear Optics and Quantum Electronics. 1986.Horst Kant

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Wilkening, Albert

* 5.2.1909 – ✝ 24.7.1990

Geb. in Wittenberg; Vater Apotheker; ab 1914 in Heidelberg aufgewachsen; Volksschule, Gymnasium; Studium der Elektrotechnik u. Jura, Dipl.-Ing. für Elektrotechnik, Dr. jur. u. Patentanwalt; bis 1945 bei der AEG in Berlin als Patenting. tätig. 1945 Oberstaatsanwalt in Berlin-Treptow; 1945 KPD; ab 28.11.1945 Kommissar. Betriebsltr. der Tobis Filmkunst GmbH Berlin 1946 SED; seit 1946 bei der DEFA tätig, bis 1952 Techn. Dir., ab 1948 zugl. Produktionschef, 1952 – 56 Dir. für Prod. u. Technik des DEFA-Studios für Spielfilme, anschl. dessen Hauptdir. (Nachf. von  Hans Rodenberg); 1961 auf eigenen Wunsch entbunden, anschl. wieder Dir. für Prod. u. Technik im DEFA-Spielfilmstudio Potsdam-Babelsberg; 1969 zunächst kommissar., bis zur Pensionierung 1976 erneut Hauptdir. (Nachf. von  Franz Bruk); seit 1956 Prof. u. Ltr. der Fak. Kamera an der HS für Filmkunst u. Fernsehen Potsdam-Babelsberg; 1966 – 87 Vors. des KB im Bez. Potsdam, zeitw. Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1974 VVO; 1978 – 89 Präs. des Film- u. Fernsehrats; Vizepräs. der Internat. Org. der Filmtechniker; 1951 Held der Arbeit; 1984 Stern der Völkerfreundschaft; 1989 Ehrenspange zum VVO; gest. in Stahnsdorf (b. Berlin).Poss, I., Warnecke, P. (Hrsg.): Spur der Filme. Berlin 2006.Frank Wagner

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Willers, Friedrich Adolf

* 29.1.1883 – ✝ 5.1.1959

Geb. in Bremervörde; Vater Organist, Lehrer u. Kantor; 1903 Abitur am Gymnasium Stade; anschl. Studium der Math. u. Physik an den Univ. Jena u. Göttingen, dort ab Okt. 1905 Hilfsass. bei Carl Runge; 1907 Prom. mit der Arbeit »Die Torsion eines Rotationskörpers um seine Achse«; 1908 / 09 Ass. für Darstellende Geometrie u. Graph. Statik an der TH Danzig; ab 1909 Gymnasiallehrer in Göttingen, Wilhelmshaven, Bünde (Westf.) u. ab 1911 in Berlin; während des 1. Weltkriegs zeitw. Soldat; 1923 Habil. an der TH Berlin-Charlottenburg u. Privatdoz. für Math. u. Mechanik, zugl. Lehrauftrag für Darstellende Geometrie u. Prakt. Math. an der Landw. HS in Berlin; 1928 – 34 ord. Prof. für Math. u. Darstellende Geometrie sowie Dir. des Inst. an der Bergakad. Freiberg, 1934 Zwangsem.; enge Zusammenarbeit mit dem Dresdener Mathematiker Erich Trefftz u. nach dessen Tod ab 1937 Übernahme u. bis 1959 Hrsg. der Ztschr. für Angewandte Mathematik u. Mechanik (ZAMM); 1939 Lehrauftrag für Prakt. Analysis an der TH Dresden, dort 1944 ord. Prof. für angewandte Math., auch nach der Wiedereröffnung der TH. 1949 – 54 Dekan der neugegr. Fak. für Math. u. Naturwiss. der TH Dresden, 1956 em.; 1952 Dr. h. c. der TH Darmstadt; 1952 Mitgl. der Leopoldina, 1953 Mitgl. der Sächs. AdW zu Leipzig; 1953 NP; 1955 Korr. Mitgl. der DAW zu Berlin; gest. in Dresden. Arbeitsgebiete: die Anwendungen der Math.; Pionier der numer. Math.; W.s 1926 erschienenes Lehrbuch »Mathematische Instrumente« war ein Standardwerk der maschinellen Rechentechnik; Arbeit an Entwürfen von Geräten zur Lösung mathemat. Aufgaben u. Unterstützung von  Nikolaus Joachim Lehmann bei der Entw. der ersten Elektronenrechner.Graphische Integration. Berlin 1920; Numerische Integration. Berlin 1923; Mathematische Instrumente. Berlin 1926; Mathematische Instrumente. München, Berlin 1943 (russ: Moskau 1949); Methoden der prakt. Analysis. Berlin 1928 (engl.: New York 1948); Zahlzeichen u. Rechnen im Wandel der Zeit. Berlin 1949; Elementarmathematik. Ein Vorkurs zur höheren Mathematik. Dresden, Leipzig 1948; Mathemat. Maschinen u. Instrumente. Berlin 1951. Sauer, R. / Heinrich, H.: F. A. W. Sein Leben u. Werk. In: ZAMM (1960) 1 – 3 (mit Bibliogr.).Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Willner, Herbert

* 1.7.1926

Geb. in Dairen (China), ab 1929 aufgew. in Wiesbaden; Vater Außenhandelskfm.; 1932 – 36 Volksschule, 1936 – 39 Realgymnasium in Wiesbaden; 1939 Umzug nach Dresden, dort 1939 – 43 Oberschule, Kriegsabitur; 1943 Notdienstverpflichtung zur HJ; 1944 Einberufung zur Waffen-SS, Einsatz in Oberschles.; 1945 – 49 sowj. Kriegsgef. 1949 Rückkehr nach Dresden; 1950 dort Abitur; 1950 – 89 SED; 1950 – 52 Stud. an der Fak. für Journalistik der KMU Leipzig, exmatrik. wg. verspäteter Angabe der Zugehörigkeit zur Waffen-SS; dann tätig als Maschinenarb. u. Berufsabschl. als Spitzendreher; 1957 – 59 Fortsetzung des Stud., Dipl.-Journ.; 1959 Red. im Auslandsressort der Gewerkschaftsztg. »Tribüne«; Febr. 1959 – Apr. 1985 IM »Stamm« der HV A, Abt. III (zul. XI) des MfS; 1961 »Republikflucht«; ab 1961 Red. beim Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« in Hamburg; 1963 FDP; 1965 in Bonn Red. in der Presseabt. der FDP-Bundesgeschäftsstelle, Verfasser von allg. Parteiinf., dann verantw. Red. des Sicherheitspolit. Pressedienstes der FDP; 1969 – 85 Zuarb. u. Redeentwürfe u. a. für die Bundesminister Walter Scheel u. Hans-Dietrich Genscher sowie FDP-Generalsekr. Günter Verheugen; 1971 Wechsel zur polit. Abt. der FDP-Bundesgeschäftsstelle, dort Fachreferent u. Geschäftsf. der FDP-Bundesfachaussch. für Außen-, Europa- u. Deutschlandpol., für Sicherheits- u. Verteidigungspol. sowie für Entwicklungspol.; Mitgl. der Arbeitsgr. »Deutschlandpol.« der FDP-Bundestagsfraktion; ab 1979 mit gleicher Aufgabenstellung in der Grundsatzabt. der Friedrich-Naumann-Stiftung; 1985 wg. des Verdachts der Enttarnung in die DDR zurückgezogen; VVO in Gold; ab 1987 in Wandlitz (Brandenb.); 1987 – 89 publ. Arbeiten für die HV A, zul. Oberst; seit 1990 Rentner. W. galt als Spitzenquelle des MfS in der FDP.»Delikatessen« aus Cádiz. In: Eichner, K.; Schramm, G.: Der Botschaftsflüchtling u. andere Agentengeschichten. Berlin 2006; Als Ghostwriter Verheugens. In Eichner, K., Schramm, G.: Top-Spione. Berlin 2008.Wolfgang Hartmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Winkelmann, Frieda

* 3.7.1873 – ✝ 4.11.1943

Geboren am 3. Juli 1873 in Berlin; besuchte die Präparandenanstalt und das Lehrerseminar. Seit 1901 Volksschullehrerin, dann Oberlehrerin in Berlin. Vor dem Weltkrieg trat sie der SPD bei, stand auf deren linkem Flügel. Im Kriege aktiv für die Spartakusgruppe, 1917 Mitglied der USPD, seit Gründung Mitglied der KPD. Nach der Revolution im November 1918 als Vertreterin der USPD in den pädagogischen Fachbeirat des Preußischen Unterrichtsministeriums berufen. 1919 kümmerte sie sich um die Kinder der Verhafteten und wurde durch ihre außergewöhnliche Selbstaufopferung bekannt. 1920 Übersiedlung nach Gotha, 1921 zog sie für die KPD in den Thüringer Landtag ein, dem Frieda Winkelmann bis 1924 angehörte. Von der linken Führung 1924 nicht nominiert und erst 1927 wieder ins Thüringer Parlament gewählt. Längere Zeit Leiterin der Frauenabteilung in der BL Thüringen, trat sie 1925 gegen die Gründung des Roten Frauen- und Mädchenbundes auf, engagierte sich in der IAH in Thüringen. 1928 war sie mit der Mehrheit der Thüringer Landtagsabgeordneten als Rechte gegen die Linie des ZK. Frieda Winkelmann wurde am 1. März 1929 aus der KPD ausgeschlossen, ging dann zur KPO, für die sie bis 1932 tätig war. Mit der KPO-Minderheit wechselte sie – inzwischen wieder in Berlin wohnhaft – zur SAP und war bis 1933 für diese Partei aktiv. 1933 in »Schutzhaft«, zog sie später nach Birkenwerder bei Berlin. Dort starb Frieda Winkelmann am 4.November 1943.

Wer war wer in DDR

Winkler, Volkmar

* 15.6.1929 – ✝ 17.1.1980

Geb. in Chemnitz; Vater Reichsbahnarb.; Volks- u. Mittelschule; kfm. Lehre u. Arbeit als Angest. u. Dekorateur bei der KG Chemnitz; 1948 Kfm.-Gehilfenprüfung; 1948 – 50 1. Sekr. des Krs.-Vorst. der IG Transport Chemnitz; ab 1951 Ltr. der Auto-Transport-Gemeinschaft Sachsen; 1951 SED; 1951 – 53 Student u. wiss. Assistent an der DVA; ab Febr. 1953 Instrukteur im Sektor Kraftverkehr der Abt. Transport- u. Verbindungswesen des ZK der SED; anschl. Ltr. des Sektors Kraftverkehr u. Schiffahrt u. 1956 stellv. Ltr. der Abt. Eisenbahn, Verkehr u. Verbindungswesen; 1958 – 62 Ltr. der Abt. Verkehr u. Verbindungswesen des ZK der SED (Nachf. von  Günter Mittag); zeitw. Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK; 1960/61 Studium an der PHS; 1962 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1961/62 Verkehrsattaché der DDR in der VR Polen; 1962 – 77 Stellv. des Min. für Verkehrswesen, 1977 – 80 Staatssekr. im Min. für Verkehrswesen; 1977/78 Präs. der Internat. Eisenbahnorg. (UIC); 1969 u. 1974 VVO.Andreas Herbst