...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Zobel, Hans-Jürgen

* 24.5.1928 – ✝ 7.2.2000

Geb. in Olbernhau (Erzgeb.); Vater Pfarrer; 1947 – 52 Studium der Theologie, Semitistik, Arabistik an der Kirchl. HS Berlin-Zehlendorf sowie den Univ. Tübingen u. Halle, dort 1952 1. Theolog. Examen; Inspektor des Tholuck-Konvikts u. Vikar in der Kirchenprovinz Sachsen; 1952 CDU; 1955 – 57 wiss. Ass. an der MLU Halle, dort 1959 2. Theolog. Examen, 1963 Prom. mit der Schrift »Stammesbuch u. Geschichte« (veröff. 1965), 1963 – 67 wiss. Oberass., 1967 Habil. mit der Arbeit »Israel und die Völker«, 1967 – 72 Hochschuldoz.; 1972 Prof. mit Lehrstuhl für das Alte Testament, 1973 ord. Prof. der EMAU Greifswald, 1980 – 89 dort Dir. der Sektion Theologie, 1989 Dekan der wiedergegr. Theolog. Fak. 1990 – 94 Rektor der EMAU (Nachf. von  Peter Richter); 1994 Präses der Pomm. Ev. Kirche; 1994 MdL Mecklenb.-Vorp. (Schwerpunkt Kulturpolitik); Mitgl. der Synode der Pomm. Ev. Kirche u. des theolog. Aussch. der Pomm. Landeskirche u. der Ev. Kirche der Union; gest. in Greifswald. Verdienste um die Wiedereinrichtung der Fakultäten der Theologie, Rechts- u. Staatswissenschaften u. den Erhalt der EMAU als Volluniv. nach 1989; Mitarbeit am Theolog. Wörterbuch zum Alten Testament, der Theolog. Realenzyklopädie u. des Züricher Bibelkommentars.Das Alte Testament u. seine Botschaft. 1981; Altes Testament. Literatursammlung u. Heilige Schrift. 1993. Unsere Universität. Organ der SED-Parteileitung der EMAU (1988) 10; Universitätszeitung (1990) 9, 11; Hahn, U. (Hrsg.): Wer ist wo in der ev. Kirche? Personen u. Funktionen. Frankfurt (Main) 1999.

Wer war wer in DDR

Zöllner, Dirk

* 13.6.1962

Geb. in Berlin; während der Schulzeit autodidakt. Gitarrenausb.; 1980 – 82 Betonwerkerlehre, erste Auftritte in Kirchen; 1982/83 NVA, dort Gründung einer Band, erste Eigenkompositionen u. Texte; 1984 Gründung der Band »Chicorée« mit Frank Brennecke, Garret Matzko u. Achim Schulze, 1985 erste Konzerte u. Rundfunkprod. der Band, die mit Titeln wie »Was du von mir verlangst« u. »Käfer auf dem Blatt« in kurzer Zeit eine der beliebtesten DDR-Amateurbands wird (Umfrage »Junge Welt« 1985); 1986 Gastspiele in Polen u. Bulgarien, Einstufung als Berufsmusiker u. kurzzeitig Stud. an der Musikschule Berlin-Friedrichshain; 1987 Auflösung von »Chicorée« u. Gründung des Projekts »Die Zöllner« mit dem Keyboarder, Komponisten u. Arrangeur André Gensicke; am 16.6.1988 erstes Konzert der »Zöllner« in Bigbandbesetzung im Vorprogramm von James Brown vor 70.000 Zuschauern; Musikkritiker wählen die Band zum »Newcomer des Jahres«. Bis 1997 Prod. von sechs Alben u. über 800 Konzerte mit »Die Zöllner«, Höhepunkte: das legendäre »Konzert für Dtl.« am 11.11.1989 in der West-Berliner Dtl.-Halle, Tour »Goldene Zeiten« 1993, Auftritte im »Rockpalast« 1996 u. 1997, diverse große Festivals mit internat. Stars; 1998 Trennung von der Bigband; seitdem versch. Projekte, u. a. »Zonaluna«, die »DreiHIGHligen« (mit Dirk Michaelis u.  André Herzberg), »OSTENde« (mit IC Falkenberg), »Russenconnection« (um Alexander Gutman); 2003 Israeltournee mit  Reinhard Fißler, bei der dt. Rockmusiker dort erstmals live in ihrer Muttersprache singen; 2004/05 mit Gensicke erste interaktive Popshow »Café Größenwahn«; 2005 Reunion des Erfolgsprojekts »Die Zöllner«; 2006/07 Tourneeprogramm »Club der toten Dichter«, dazu CD »Das Buch der Lieder«; 2006 Rolle des Jesus in Andrew Lloyd Webbers Rockoper »Jesus Christ Superstar« an der Staatsoper Dresden (2009 Staatstheater Pforzheim); 2008 Mitwirkung an der Fistivaltournee »Ostrock Klassik«. CDs: »Die Zöllner« 1990; »Café Größenwahn« 1991; »Goldene Zeiten« 1993; »Zöllner-light live« 1995; »Bumm Bumm« 1996; »Good bye, Chérie« 1997; »Ich darf alles« 1999; »Zoellner-Classics« 2000; »Die Drei HIGHligen« 2000; »OSTENde« 2002; »Best of – Auf der Reise« 2002; »HIGHlive – Die DreiHIGHligen« 2003; »Wo ist der Hund?« 2004; »7 Sünden« 2008. Z. singt deutschsprachige Eigenkompositionen mit souliger Attitüde, er gilt als experimentierfreudiger Projektmusiker, der sich weder stilistisch noch einem der konkurrierenden Lager – den »etablierten« oder den sogenannten anderen Bands – zuordnen ließ.»Flüstern & Schreien« (DEFA-Dokumentarfilm von Dieter Schumann, 1987).Konstanze Kriese

Wer war wer in DDR

Zuckermann, Leo

* 12.6.1908 – ✝ 14.12.1983

Geb. in Lublin (Rußland / Polen) in einer jüd. Familie; Vater Nähmaschinenmechaniker; Oberrealschule in Elberfeld, 1927 Abitur; 1924 SAJ-Mitgl. in Wuppertal, Reichsbanner; 1927 SPD; 1928 zur KPD übergetreten; 1927 – 30 Studium der Rechtswiss. in Bonn u. Berlin; 1932 Prom. zum Dr. jur. über die staats- u. völkerrechtl. Stellung des Reichsaußenministers; 1932 Referendariat, Staatsanwaltschaft Wuppertal; pol. Ltg. des Jüd. Arbeiterkulturvereins in Wuppertal; März 1933 Flucht; April 1933 Emigr. nach Frankreich (»Leo Lambert«); 1933/34 in Paris im Europ. Büro der IRH u. im Verteidigungskomitee der Angeklagten des Reichstagsbrandprozesses; 1934/ 35 im Weltkomitee gegen Krieg u. Fasch., in dessen Auftrag 1935 nach Spanien zur Organisierung der Volksfrontkomitees; in Paris zus. mit  Wilhelm Koenen für die Volksfrontbew. in der dt. Emigr. aktiv; 1935 – 39 Sekr. d. Internat. Asylrechtsbüros der IRH in Paris; Sept. 1939 Internierung in Athis; Juni 1940 Flucht nach Marseille; dort mit  Lex Ende Betreuung intern. Kommunisten; Okt. 1941 Abreise von Marseille nach Mexiko; dort 1943 – Juni 1947 als Anwalt tätig, jurist. Betreuung pol. Flüchtlinge; Mitgl. der KPD-Exilgr. u. im Vorst. der BFD; Sekr. der Sozialverein. d. pol. Flüchtlinge dt. Sprache, auf Parteibeschl. Mitgl. der Org. dt.-spr. jüd. Flüchtlinge Menorah. Juli 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; Hauptref. in der Abt. Landespol. im ZS der SED, Sachgeb. Verfassung u. Gesetze; danach Hauptref. in der Abt. Staatl. Verw.; ab April 1949 Ltr. des Sekr. der Kommission für außenpol. Fragen beim PV der SED; Dez. 1949 Staatssekr, Chef der Präsidialkanzlei  Wilhelm Piecks; 27.11.1950 demissioniert wegen angebl. Fehler (1947 der jüd. Gemeinde Berlin beigetreten), die seine Funktion nicht mehr gestatte; von  Walter Ulbricht weiterhin als Völkerrechtsexperte u. Redenschreiber beschäftigt; ab Feb. 1952 Prorektor für Fernstudium der DVA; Mitgl. des Verfassungsaussch. der Volkskammer; Okt. 1952 Dir. des Dt. Inst. für Rechtswiss. (Nachf. von Johannes Gerats); 20.12. 1952 vom ZK der SED wegen zion. Abweichungen während der Emigr. als Helfershelfer von  Paul Merker beschuldigt; Dez. 1952 Flucht in die Bundesrep. Dtl.; Übersiedl. nach Mexiko; dort Rechtsanwalt; Anfang der 80er Jahre traf er mit  Erich Honecker zusammen, der zu einem Staatsbesuch in Mexiko weilte; gest. in Mexiko.Handbuch der Wiedergutamchung in Dtl. Koblenz 1950 (Mithrsg.). Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Der Freundeskrs. um Noel H. Field u. Paul Merker. Berlin 1994; ders.: Absturz in den kalten Krieg. Rudolf und L. Z.s Leben zw. nazist. Verfolgung, Emigr. und stalinist. Maßregelung. Berlin 1999.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Zülow, Andreas

* 23.10.1965

Geb. in Ludwigslust (Mecklenb.); 1975 mit dem Boxsport bei der TSG Ludwigslust begonnen (Trainer: Dieter Schäfer); 1980 KJS; 1980 Mitgl. des SC Traktor Schwerin (Trainer: Fritz Sdunek); Ausbildung zum Schlosser bzw. Instandhaltungsmechaniker; im Beruf bei der Bau-Union AG Schwerin tätig; bei der Spartakiade 1981: 3. Platz; bei den Weltmeisterschaften 1986: 3. Platz (Leichtgewicht); Pädagogikstudium; 1988 Olymp. Spiele: Sieger (Leichtgewicht); VVO; bei den Weltmeisterschaften 1989: 2. Platz. Umschulung zum Industriekfm.; bei den Weltmeisterschaften 1990: 2. Platz; bei den Europameisterschaften 1991: 2. Platz (Halbweltergewicht); 1992 Olymp. Spiele: in der Vorrunde gegen den späteren Olympiasieger ausgeschieden; 4.3.1995 endete seine sportl. Laufbahn; von 270 Kämpfen gewann er 229; lebt in Schwerin.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Zwahr, Hartmut

* 28.8.1936

Geb. in Bautzen; Vater Angest.; Grundschule; 1950 – 53 tätig in einer Bibliothek in Bautzen; 1953 – 55 FS für Bibliothekare Leipzig, dort 1956 Examen; 1955 Reifeprüfung an der ABF Leipzig; 1955 – 60 Studium der Geschichte, Germanistik u. Pädagogik an der KMU Leipzig; seitdem dort tätig; SED; 1963 Diss. mit einer Arbeit über die antisorb. Staatspol. des kaiserl. Dtl. 1900 – 14; 1974 Habil. mit einer Arbeit zur Konstituierung des Leipziger Proletariats; seit 1978 Prof. in Leipzig. 1992 erneute Berufung an die Univ. Leipzig, Prof. für Sozial- u. Wirtschaftsgeschichte; 2001 em.; lebt in Leipzig. H. Z. gilt als einer der führenden dt. Sozialhist.; kennzeichnend für seine zahlr. sozialhist. Arbeiten ist u. a. der Einsatz des Marxismus als wiss. Methode; seine Habil.-Schrift gilt als Standardarbeit dt. Sozialgeschichtsschreibung; seit 1991 Mithrsg. der führenden dt. Ztschr. für Sozialgeschichte »Geschichte u. Ges.«Zur Konstituierung des Proletariats als Klasse. Berlin 1978; Herr u. Knecht. Leipzig, Jena, Berlin 1990; Ende einer Selbstzerstörung. Göttingen 1993; Rev. in Sachsen. Köln 1996; Leipzigs Messen. Köln 1999 (Mithrsg.); Die erfrorenen Flügel der Schwalbe: DDR u. »Prager Frühling«. Bonn 2007. Hettling, M. et al. (Hrsg.): Strukturen u. Figuren. Fs. Zum 65. Geburtstag. München 2002.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zwicker, Albert

* 17.8.1897 – ✝ 28.9.1943

Geboren am 17. August 1897 in Stuttgart; nach der Schlosserlehre als Soldat eingezogen, 1916 wegen antimilitaristischer Arbeit verhaftet. Nach dem Krieg 1919 in Stuttgart Mitglied der KPD. 1922 hauptamtlicher Parteisekretär, zunächst in Stuttgart, von Sommer 1922 bis Oktober 1923 in der Zentrale der KPD in Berlin. Als Anhänger der Mittelgruppe 1924 verdrängt, arbeitete Zwicker in kommunistischen Massenorganisationen. 1925 zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil er Anfang 1924 der illegalen BL Württemberg angehört hatte. Im April 1927 Kursant der KPD-Parteischule, von 1927 bis Anfang 1929 Agitpropsekretär der BL Württemberg. Im Februar 1929 schickte ihn das ZK nach Sachsen, dort zunächst Redakteur der »Arbeiterstimme« in Dresden, dann Mitte bis Ende 1929 Sekretär für Gewerkschaftsfragen in der BL Westsachsen, danach verschiedene Parteifunktionen in Sachsen und Württemberg. Nach 1933 illegale Arbeit, später in die Sowjetunion emigriert, hier Leiter des Klubs ausländischer Arbeiter in Moskau. Er wurde während der Stalinschen Säuberungen am 16. Februar 1938 vom NKWD verhaftet, am 15. März 1941 zu fünf Jahren Lager verurteilt. Albert Zwicker soll am 28.September 1943 in einem Lager in der Autonomen Sowjetrepublik der Komi verstorben sein. Seine Frau Else Zwicker, geborene Burow (*10.12 1898 – † 16. 11. 1952), Verkäuferin, trat 1917 in die USPD ein, war seit Gründung Mitglied der KPD. 1918/19 Hilfsarbeiterin in der Spartakusdruckerei, später Buchbinderin. Im Februar 1933 reiste sie zu ihrem Mann in die Sowjetunion, war bis 1941 Angestellte im Verlag für ausländische Literatur in Moskau. Danach in der Verbannung in Kasachstan, sie durfte im November 1948 nach Deutschland zurückkehren, war bis zu ihrem Tod Angestellte in der Poststelle des SED-Zentralkomitees.

Wer war wer in DDR

Zöger, Heinz

* 19.11.1915 – ✝ 21.3.2000

Geb. in Leipzig; Adoptivvater Steindrucker; Volksschule; 1930 – 33 Ausbildung zum Schriftsetzer; 1932 Antifa. Rote Garde; RH u. RGO; Nov 1933 als Verbindungsmann des KJVD Leipzig u. Dresden verhaftet, zu neun Mon. Gefängnis wegen Fortführung des KJVD verurteilt, Haft in Bautzen; anschl. Mitgl. der illeg. Gruppe Kurt Massloff / Wilhelm Zimmermann; 1935 – 40 Schriftsetzergehilfe in Leipzig; 1940/41 Fachausbildung im Graf. Technikum Leipzig; 1941 verhaftet u. zu viereinhalb Jahren Zuchthaus wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt, 1941 – 45 Haft in den Zuchthäusern Waldheim u. Halle. 1945/46 KPD/SED; Mitarb. der Agit.-Prop.-Abt. eines Leipziger Stadtbez.; Mitarb. der SED-KL Leipzig; 1946 LPS Ottendorf; 1946 – 51 Ltr. der Abt. Kontrolle beim Mitteldt. Rundfunk, Sender Leipzig; 1951 – 54 zunächst Ltr. der Abt. Kontrolle beim Berliner Rundfunk (Abhören u. Lesen von Sendungen); dann ab 1952 stellv. Chefred. für Kulturpol.; 1953 Fernstudium der Publizistik an der KMU Leipzig; 1954 – 57 stellv. Chefred. des »Sonntags«, Ressort Außenpol.; ab 1955 Chefred. (Nachf. von  Heinrich Goeres); ab Herbst 1956 nur kommissar., nachdem die SED die Ztg. kritisiert hatte; am 8.3.1957 im Gerichtssal als Zeuge während des  Wolfgang Harich-Prozesses verhaftet; 18.3.1957 SED-Ausschl. wegen »Teiln. an der konterrev. Gruppe des Wolfgang Harich«; am 26.7.1957 in einem Schauprozeß zus. mit  Walter Janka,  Gustav Just u. Richard Wolf wegen Verbrechens gegen Art. 6 der DDR-Verfassung zu 30 Mon. Zuchthaus verurteilt, 1957 – 59 Haft; 1959 Flucht in die Bundesrep. Dtl.; Mitarb. der Ztschr. »Der Dritte Weg«; später Red. beim WDR Köln; 5.1.1990 Aufhebung des Urteils von 1957 durch das Oberste Gericht der DDR; verh. mit der Publizistin Carola Stern; gest. in Berlin.Die pol. Hintergründe der Harich-Prozesse. In: SBZ-Archiv 13/1960. Stern, C.: In den Netzen der Erinnerung. Lebensgeschichten zweier Menschen. Reinbek 1986; Stern, C.: Doppelleben. Reinbek 2004; Prokop, S.: 1956 – DDR am Scheideweg. Berlin 2006; Herzberg, G.: Anpassung u. Aufbegehren. Berlin 2006.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Zorn, Heinz-Bernhard

* 28.4.1912 – ✝ 15.5.1993

Geb. in Berlin; Vater Bankbeamter; Oberrealschule; ab 1930 Reichswehr bzw. Wehrmacht, Berufsoffz.-Laufbahn; 1930/31 getarnte Ausbildung als Flieger; 1932 – 34 Offiz.schüler, 1935 – 41 Kompaniechef; 1942 Major im Gen.-Stab der Luftwaffe in Norwegen; 1942 –44 Gruppenltr. im Generalstab der Luftwaffe; 1944 Offiz. im Generalstab der Luftwaffe in Rumänien; 1944 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft nach Desertion, Assistent u. Lehrer an der Zentr. Antifa-Schule in Moskau; NS-Gericht verurteilte ihn in Abwesenheit zum Tode. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949 HV für Ausbildung, Ltr. der HA Inspektion, Chefinspekteur der VP; 1952 – 55 Chef des Stabs des KVP-Luft bzw. der Verw. der Aeroklubs, 1952 Gen.-Major; 1956/57 Chef der Luftstreitkräfte der NVA; 1957 – 59 sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl. rer. mil.; 1959 – 69 Stellv. des Chefs u. Ltr. der Fak. für Luftverteidigung der Militärakad. Dresden; Doz.; interne Forschung u. Veröff. zu Problemen der Anwendung mod. Militärtechnik; 1969 – 74 Wiss. Mitarb. des Militärgeschichtl. Inst. Potsdam, Forschungsgeb.: Entw. der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV) in den 50er u. 60er Jahren; 31.12.1974 Ruhestand; 1969 – 80 Mitgl. der DDR-Sekt. der Pugwash-Konferenz; 1977 VVO; 1980 – 82 Haft in Frankreich wegen nachrichtendienstl. Tätigkeit, keine Verurteilung, Austausch; gest. in Berlin.Ehlert, H., Wagner, A.: Genosse General! Berlin 2003.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zuckermann, Leo

* 12.6.1908 – ✝ 14.12.1983

(* 1908 – † 1985) Geboren am 12. Juni 1908 in Lublin/Polen, Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, aufgewachsen in Wuppertal; 1924 Mitglied der SAJ. 1927 Abitur, Studium der Rechtswissenschaften in Bonn und Berlin, dort aktiv unter den linkssozialistischen und kommunistischen Studenten, in der Leitung der Kostufra. 1931 Promotion zum Dr. jur., Mitglied der SPD, 1928 trat er zur KPD über. 1932 Referendariat bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal, im März 1933 emigrierte er nach Frankreich. Dort unter dem Namen Leo Lambert Mitarbeiter beim »Verteidigungskomitee für die Angeklagten im Reichstagsbrandprozeß«, später auch Sekretär im »Weltkomitee gegen Faschismus und Krieg«. Bei Kriegsausbruch 1939 interniert, gelang ihm im Juni 1940 die Flucht nach Marseille, im Oktober 1941 die Emigration nach Mexiko. Hier gehörte Zuckermann zu den führenden deutschen Kommunisten unter Paul Merker, war Mitglied der Bewegung Freies Deutschland und des »Heinrich-Heine-Klubs«. Er redigierte die Zeitschriften »Demokratische Post« und »Alemania Libre«. Im Juli 1947 Rückkehr nach Deutschland, Referent der Abteilung Kommunalpolitik im ZS der SED, ab April 1949 Leiter der außenpolitischen Kommission des SED-PV, Mitarbeiter Merkers und Walter Ulbrichts. Ab Oktober 1949 Staatssekretär und Leiter der Präsidialkanzlei des Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck. Ende 1950 wegen seiner Westemigration und seiner engen Bekanntschaft zu Paul Merker entlassen, blieb außenpolitischer Mitarbeiter des ZK der SED bzw. des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten. Im November 1952 Berufung zum Direktor des Instituts für Rechtswissenschaft der Akademie für Staat und Recht in Potsdam-Babelsberg. Nach dem Slánsk´y-Prozeß in Prag und dem entsprechenden Beschluß des ZK der SED vom 20. Dezember 1952 als »zionistischer Agent« diffamiert, flüchtete Zuckermann Mitte Dezember 1952 nach West-Berlin, später nach Frankreich und ging zurück nach Mexiko. Er war Inhaber einer Schallplattenfirma, Soziologieprofessor an der Universität Mexiko-Stadt. Dort starb Leo Zuckermann am 14. November 1985. Sein jüngerer Bruder Rudolf Zuckermann (*2.10. 1910 – †29. 4. 1995) studierte Medizin, emigrierte 1933, setzte sein Studium in Paris und Basel fort, wo er 1937 zum Dr. med. promovierte. Er ging 1936 nach Spanien, Regimentsarzt bei den Internationalen Brigaden, Hauptmann der Brigade »Garibaldi«, dann Direktor des Sanatoriums für die Interbrigadisten in Madrid. 1938 Mitglied der KP Spaniens, 1939 der KPD. Auch er flüchtete 1941 nach Mexiko, wo er bis 1952 eine Privatpraxis führte. In dem Moment, als sein Bruder Leo aus Ost-Berlin floh, kam Rudolf Zuckermann Ende 1952 ahnungslos in die DDR. Sofort festgenommen, saß er bis September 1953 in U-Haft. Danach Arzt in Bad Liebenstein, später Professor mit Lehrstuhl für Kardiologie an der Universität Halle-Wittenberg. Wolfgang Kießling veröffentlichte 1999 ein biographisches Doppelporträt der Brüder Zuckermann. »Rudolf und Leo Zuckermanns Leben zwischen nazistischer Verfolgung, Emigration und stalinistischer Maßregelung«.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Zumpe, Heinz

* 7.8.1929 – ✝ 15.11.2004

Geb. in Bad Schmiedeberg (Krs. Wittenberg); Vater Bäcker; Volksschule; 1946 – 50 Lehre u. Arbeit als Rundfunkmechaniker in Wittenberg; 1950 – 53 Studium an der Ing.-Schule Köthen, FS-Ing.; 1953/54 Ing. im VEB Fernsehelektronik Berlin; 1954 Mitarb. der Nachrichtenanlage im ZK der SED; 1955 SED; 1956 – 64 Fernstudium an der TU Dresden, 1964 Dipl.-Ing.; 1966 Ltr. des Bereichs Technik bei der Ltg. Fernmeldewesen beim Büro des PB; ab 1967 Ltr. des Fernmeldewesens beim Büro des PB u. stellv. Ltr. der Abt. Fernmeldewesen, bis 1975 Ltr. der Abt. Fernmeldewesen des ZK der SED; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Zweig, Arnold

* 10.11.1887 – ✝ 26.11.1968

Geb. in Groß-Glogau (Schles./Głogów, Polen) in einer jüd. Fam.; Vater Sattlermstr. u. Spediteur; 1898 nach durch antisemit. Boykott verursachten Bankrott des väterl. Unternehmens Übersiedl. der Fam. nach Kattowitz; Volksschule u. Gymnasium, 1903 Lehre bei einem Buchhändler; 1907 – 14 Studium der Germanistik, Philos. u. Psychol. in Breslau, München, Berlin, Göttingen, Rostock u. Tübingen; ab 1905 liter. Arbeit; 1912 erster liter. Erfolg mit »Novellen um Claudia« (Leipzig); 1915 Kleist-Preis für das Drama »Ritualmord in Ungarn« (1914); 1912 – 26 Zionist. Arbeiterpartei in Berlin; 1915 – 18 Militärdienst, u. a. in Belgien, Serbien u. Rußland; 1918 im Soldatenrat in Wilna, Dez. 1918 Rückkehr nach Berlin; ab 1919 Studium der Soziol. in Tübingen; 1919 – 23 in Starnberg, Freundschaft mit Lion Feuchtwanger; ab 1923 in Berlin; Mitarb. der Ztschr. »Jüd. Rundschau«, Vorträge zu Fragen des Judentums u. des Antisemitismus; 1924 – 33 SDS in Berlin (ab 1928 Vizepräs.), 1935 – 40 Exil-SDS in Paris, 1929/ 30 1. Vors.; ab 1925 freischaff. Schriftst., stark beeinflußt von Sigmund Freud; seit 1926 verh. mit seiner Cousine, der Kunstmalerin Beatrice Z.; 1926 Mitgl. des PEN u. der Ges. der Freunde des neuen Rußland; 1927 erschien der Roman »Der Streit um den Sergeanten Grischa«; März 1933 Emigr. nach Frankreich, Dez. 1933 Emigr. nach Palästina (Haifa); 1936 Mitgl. im Aussch. zur Vorber. einer dt. Volksfront; 1935 erscheint der Roman »Erziehung vor Verdun« (Amsterdam); Febr. 1936 Ausbürgerung aus Dtl.; 1936 – 39 zahlr. Reisen nach Europa; zeitw. Mitarb. am Dt. Freiheitssender; 1939 in den USA, Teiln. am PEN-Club-Kongreß in New York; 1942/43 Mithrsg. der antifa. Ztschr. »Orient« in Haifa; 1941 Mitbegr. einer Hilfsorg. für die UdSSR (Liga »V«); Ehrenpräs. der Bew. »Freies Dtl.« in Palästina; Mitarb. mehrerer Emigranten-Ztrsch. u. lokaler Ztg.; 1948 israel. Staatsbürgerschaft. Dez. 1948 Rückkehr nach Dtl. (durch Vermittlung von  Paul Merker); KB u. PEN-Club; 1949 – 67 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 53 Präs. der DAK, dann Vizepräs., ab 1957 Ehrenpräs.; 1950 u. 1951 NP; 1952 Dr. h. c. der Univ. Leipzig; 1954 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; VVO; 1949/50 gem. Ltg. (mit  Johannes R. Becher u.  Anna Seghers) des Dt. Komitees der Kämpfer für den Frieden, ab 1957 Präs. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West (Nachf. von  Johannes Tralow); bis 1958 Mitgl. des Präsidialrats des KB, 1949 – 63 Vizepräs., dann Ehrenpräs.; 1958 Lenin-Friedenspreis; Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 VVO, Prof. h. c.; 1965 Banner der Arbeit; 1967 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Ausgew. Werke in Einzelausgaben. 16 Bde. Berlin, später Berlin, Weimar 1957 – 67; Briefwechsel mit Sigmund Freud. (Hrsg. v. E. Freud) Frankfurt (Main) 1968; Der Briefwechsel zw. Louis Fürnberg u. A. Z. Hrsg. v. R. Poschmann u. G. Wolf. Berlin, Weimar 1978; A. Z. Berliner Ausgabe (Berlin ab 1996, 10 Bde.); A. Z., Beatrice Z., Helene Weyl: Komm her, wir lieben Dich. Briefe einer ungewöhnl. Freundschaft zu dritt. Berlin 1997 (Hrsg. von I. Lange); »Das nenne ich ein haltbares Bündnis!« A. Z. / Beatrice Zweig u. Ruth Klinger. Briefwechsel (1936 – 1962). Bern u. a. 2005. Hermand, J. (Hrsg.): A. Z. mit Selbstzeugnissen u. Bilddokumenten. Reinbek 1990; von Sternburg, W.: Um Dtl. geht es uns. A. Z. Die Biogr. Berlin 1998; Alt, A. T. (Hrsg.): A. Z. Sein Werk im Kontext deutschsprachiger Exillit. Bern u. a. 1999; Bernhard, J. (Hrsg.): Deutscher, Jude, Europäer im 20. Jahrhundert. A. Z. u. das Judentum. Berlin u. a. 2004.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zwilling, Georg

* 21.9.1892 – ✝ 5.11.1944

Geboren am 21. September 1892, Sohn eines Arbeiters; wurde Bauarbeiter, war schon in jungen Jahren aktiv in der SPD. Ende 1918 Mitglied des Frankfurter Arbeiter- und Soldatenrates, trat 1919 in die USPD ein und gehörte zu den Gründern der KPD in Mörfelden, das in Hessen immer zu den Hochburgen der KPD zählte. Auf dem VII. Parteitag in Jena im August 1921 wurde Georg Zwilling als Vertreter für den Bezirk Hessen-Frankfurt in den ZA gewählt. Er war einer der Initiatoren des Volkshaus-Vereins und wurde 1931 Bürgermeister von Mörfelden. Im ersten Wahlgang am 27.September 1931 erhielt Zwilling 1022 Stimmen und in der Stichwahl am 8. November 1931 dann 1578 Stimmen, über dreihundert mehr als sein Mitbewerber Ludwig Geiß. Die Hessische Landesregierung bestätigte ihn nicht in diesem Amt. Er erlitt im Februar 1932 einen schweren Motorradunfall, daraufhin wurde ein Staatskommissar für die Gemeinde Mörfelden eingesetzt. 1932 wurde Zwilling als KPD-Abgeordneter in den Hessischen Landtag gewählt. Von März bis Mai 1933 »Schutzhaft« im KZ Osthofen, bis September im Gerichtsgefängnis Frankfurt/M. Danach Arbeiter, im Zweiten Weltkrieg noch Soldat. Georg Zwilling kam am 5. November 1944 auf der Heimfahrt nach Mörfelden in Stadtlohn an der holländischen Grenze bei einem Tieffliegerangriff ums Leben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zollikofer, Ludger

* 29.10.1893 – ✝ 11.10.1944

Geboren am 29. Oktober 1893 in Fischlaken/ Ruhrgebiet; Eisenbahner, trat nach dem Weltkrieg in die USPD ein. Zollikofer gründete 1922 die KPD-Ortgruppe Werden an der Ruhr. Er war Leiter der Proletarischen Hundertschaften und RFB-Funktionär im Ruhrgebiet und im AM-Apparat tätig. Stadtverordneter in Essen, zuletzt Leiter der IAH im Rhein-Ruhr-Gebiet. Am 1.Mai 1933 festgenommen und in das KZ Cleve eingeliefert. Bis Ende 1933 »Schutzhaft« u. a. im KZ Esterwegen. Im Juni 1934 erneut verhaftet, Verurteilung zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus, kam bei Kriegsausbruch in das KZ Sachsenhausen. Hier wurde Ludger Zollikofer (zuletzt Blockältester in den Baracken sowjetischer Kriegsgefangener) wegen illegaler Tätigkeit zusammen mit Ernst Schneller, Matthias Thesen und weiteren 21 Funktionären sowie drei französischen Häftlingen am 11.Oktober 1944 von der SS erschossen.

Wer war wer in DDR

Zuchold, Erika

* 19.3.1947 – ✝ 22.8.2015

Geb. in Lucka-Breitenhain (Krs. Altenburg); begann in Lucka mit dem Turnen; 1959 KJS Leipzig; SC DHfK Leipzig, 1963 SC Leipzig (Trainer: Ursula Tietze-Gundlach, Ellen Berger, Sylvia Hlavacek, Helmut Gerschau, Roselore Sonntag); 1961 1. Platz KJS-Meisterschaften Mehrkampf; 7.6.1964 Weltpremiere Flickflack auf dem Schwebebalken in Halle; Siegerin der gesamtdt. Olympiaqualifikation für Tokio, wegen Verletzung keine Olympiateiln.; 1966 Heirat mit dem Bahnradsportler Dieter Z.; 1966 Comeback: WM-Silber im Sprung, 4. Platz Mannschaft u. Einzelmehrkampf; 1968 Olympiasilber im Sprung u. Mannschaftsbronze; 1970 Meniskusoperation, wenige Monate danach WM im Pferdsprung u. am Schwebebalken, Vize-WM im Mehrkampf u. mit der Mannschaft; DDR-Sportlerin des Jahres; 1972 Olympiasilber Sprung, Stufenbarren u. Mannschaft; Vize-EM 1967 u. 1969 im Sprung, EM-Bronze 1969 Mehrkampf u. 1971 Mehrkampf, Sprung, Schwebebalken u. Boden; 15 DDR-Meistertitel; 1964/65 wiss. Mitarb. an der DHfK Leipzig; 1965 – 69 Studium am IfL Leipzig; 1969 – 78 u. 1980 – 82 Lehrerin für Sport u. Musik; 1970 – 89 SED; 1972 VVO; 1972 – 77 Studium der Kunstpädagogik an der KMU Leipzig, Dipl.; 1974 – 80 Zirkel für Malerei u. Grafik im Haus des Lehrers Leipzig; 1977 – 80 Pädagog.-wiss. Mitarb. im Sportmuseum Leipzig; 1982 – 90 Entertainerin; 1985 – 88 Gesangsstudium an der Musikschule Leipzig. 1990 – 94 Studium am Leipziger Literaturinst., Dipl.; seit 1990 freiberufl. Malerin, Grafikerin u. Bildhauerin; zahlr. Ausstellungen; La Paixa Preis der VI. u. VII. Biennale Barcelona; 2. Preis der VIII. Biennale; lebte in Leipzig; gest. in Asuncion/Paraguay.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Zukunft, Karl

* 22.2.1926 – ✝ 27.2.2002

Geb. in Dresden; Vater Bonbonkocher; Volksschule; 1940 – 43 Lehre als Fernmeldemonteur; 1943 RAD, Wehrdienst als Fernsprechuffz. 1946 Arbeit als Fernmeldemonteur; 1946 Einstellung bei der Polizei, Polizeipräs. Dresden; 1946 KPD/SED; 1949 VP-Mstr., HV der DVP Berlin; Lehrer an der VP-Schule Pirna; dann Ausbildungsltr. bei der XI. VP-Bereitschaft Kochstedt; 1950 Einstellung beim MfS, Ltr. der Abt. N (Nachrichten) der HA Allg.; 1953 Abt.-Ltr. in der HA Verw. u. Wirtschaft; 1955 Ltr. der Abt. Nachrichtenverbreitung u. Waffen; 1958 Abt.-Ltr. im Büro der Ltg., Arbeitsgr. des Ministers; 1961 – 63 Fernstudium an der Ing.-Schule Lichtenberg (ohne Abschl.); 1964 Ltr. der Abt. N; 1967 FS-Abschl. als Ing. des Fernmeldebetriebsdienstes an der Offiziersschule der Landstreitkräfte »Ernst Thälmann«, Löbau; 1975 Gen.-Major; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung, Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Zupke, Evelyn

* 1962

„Bis zur 8. Klasse war ich sozialistisches Musterkind, FDJ-Gruppenratsvorsitzende, trug brav mein Blauhemd. Mit 15 wurde ich aufmüpfig. Erst stritt ich mit meiner Mutter, einer Lehrerin, dann mit Lehrern, kam ohne FDJ-Hemd zur Schule.“ Das war kein politisches, das war pubertäres Aufbegehren nach dem Motto: „Ist mir doch egal“, mit kleinem politischen Einschlag. „Irgendwie hielt ich die Erwachsenenwelt für krank und scheinheilig. Meine Mutter wurde zum Direktor bestellt. Sie litt darunter; schließlich war sie auch Lehrerin, aber mit Problemen in der DDR-Volksbildung.“ Sie kam nicht damit klar, dass Pfarrerskinder oft nicht auf die Oberschule durften und Lehrer Vierzehnjährige überreden mussten, sich „freiwillig“ zur DDR-Armee zu melden. Die Mutter verließ in den 80er Jahren gegen erhebliche Widerstände die Schule und war – in der DDR! – erst mal arbeitslos.Evelyn Zupke, 1962 in Binz auf Rügen geboren, versucht nachzuvollziehen, wie sie in die DDR-Opposition kam, in die Bürgerrechtsbewegung. Die Mutter flüchtete 1945 mit den Eltern aus Königsberg auf die Ostseeinsel. Den Vater lernte sie nie kennen. Die heile kommunistische Welt, in der sie aufwuchs – ohne Westfernsehen, ohne Westradio, ohne Westverwandte –, konnte so heil nicht sein, sie merkte es an der Mutter und auch am Großvater. Sah er „Aktuelle Kamera“ – die „Tagesschau“ der DDR –, sagte er, kaum waren SED-Größen zu sehen: „Verbrecher sind das“. Da waren ihre Onkel, „reisefähige“ Artisten – der Mauerstaat verdiente an den Devisen. Sie brachten, versteckt in Hohlräumen ihrer Wagen, seitenweise das Buch des Regimekritikers Rudolf Bahro „Die Alternative“ in die DDR. Für dessen Weitergabe wurden damals Leute bestraft. Ein Schüler sollte von der Schule fliegen: er hatte sich nach einer „Rotlichtbestrahlung“ „freiwillig“ verpflichtet, Offizier zu werden, es sich aber anders überlegt. Die Mitschüler sollten den Schulverweis bestätigen. Selbst die besten Freunde hoben die Hand. Nur zwei wagten das Nein, eine Mitschülerin und Evelyn Zupke. Der Schüler entschied sich um und durfte bleiben. Das Abitur schaffte sie trotz Aufmüpfigkeit mit einer Zwei. Ein Lehrer sagte ihr, die Bewerbung zum Studium sei zwecklos. „Zum Studium ungeeignet,“ stehe in ihrer Akte. Schlimm fand sie das nicht. Mit 18 hatte sie genug vom DDR-Bildungssystem. „Ich wollte nur noch raus aus allem, was Bildung zum sozialistischen Staatsbürger hieß; ein Studium gehörte dazu.“ Sie heuerte beim Feriendienst der Gewerkschaft an. Um die Gastronomie kümmerte sich die Partei weniger. Sie wurde Kellnerin, Eisverkäuferin („mit Eisschein“), Büfettier (für manche Berufe vom Büfettier bis zum Minister kannte das DDR-Deutsch keine weibliche Form). Die Leitung schlug sie bald zum Studium vor; da zahlte der Betrieb die Kosten. „Delegiert“ wurde eine, die schnell in die SED eintrat. Trete sie ein, sei sie nächstes Mal dran. „... und tschüs“, kommentiert Zupke das Ansinnen: „Hätte ich nie gemacht!“ Richtig verscherzte sie es sich mit ihren Vorgesetzten 1984. Da wollten ihr Freund (sie hat ihn bald geheiratet) und sie das „Kasperletheater DDR-Wahl“ nicht mitmachen. „Zettelfalten“ hieß Wählen im Volksmund: Kam der Stimmzettel „gefaltet“ in die Wahlurne, also ohne Kreuz, war die Stimme gültig. Um 99,5 % Wahlbeteiligung, um 99,5 % für die Einheitsliste, lautete stets das Ergebnis. Nachdem der Chef sie am Morgen des Wahltags am Büfett nicht umstimmen konnte, änderte sich das Klima. Kollegen grüßten nicht mehr. Die eher nachlässige Hygienekontrolle schaute ihr täglich auf die Finger. Sie war auf dem Weg zum Staatsfeind. Zumal sich beide noch der Kirche zuwandten. So fragten sie beim Diakonischen Werk Bethanien in Anklam nach Arbeit: ihr Mann als Handwerker für alles, sie als Erzieherin schwerbehinderter Kinder. Auf die Wahl zur Volkskammer zwei Jahre später verzichteten sie auch; kirchlichen Mitarbeitern drohten keine Folgen. Die Ehe zerbrach. Evelyn Zupke ging 1987 ohne Mann, aber mit Kind und Kegel nach Berlin. In der Stephanusstiftung der Diakonie Berlin-Weißensee arbeitete sie mit behinderten Kindern, wohnte dort auch, suchte Kontakt zum Weißenseer Friedenskreis, eine der oppositionellen Gruppen, die in der DDR Mitte der 80er Jahre entstanden waren. Jetzt kannte sie Leute, die so dachten wie sie. Ihre Wohnung wurde schnell ein Treffpunkt, auch weil sie auf Kirchengelände lag. Im Friedenskreis kam die Idee auf, nachzuweisen, dass der SED-Staat selbst das Ergebnis der Scheinwahlen fälsche. Ziemlich jeder wusste, dass es so war. Wer nicht zur Wahl ging, hörte am Sonntag Wahlhelfer an der Tür und bei Nachbarn klingeln. Dennoch meldete die DDR Wahlbeteiligungen über 99 %. Offenbar nutzten auch mehr Leute die Wahlkabine als es hinterher Neinstimmen gab. Wahlhelfer erzählten, allein in ihrem Wahllokal sei das festgestellte Ergebnis erheblich schlechter gewesen als das offiziell verkündete für den ganzen Stadtbezirk. Wie aber war der Wahlbetrug nachzuweisen? Die DDR gab nur Wahlergebnisse von ganzen Ortschaften oder Stadtteilen bekannt, nie die von Wahllokalen. Also musste man alle Ergebnisse im Stadtbezirk feststellen und zusammenzählen. Am 7. Mai 1989 stand die nächste „Wahl“ an. Evelyn Zupke machte sich mit anderen an die Organisation. Im Gemeinde-Zentrum kündigte sie das Vorhaben an. Sie suchten Freiwillige, die im Wahllokal das offiziell festgestellte Ergebnis notieren und abliefern sollten. Es meldeten sich viele, sicheres Indiz, dass in großen Teilen der Bevölkerung Unmut herrschte über die Wahl ohne Wahl. Andere Ostblockstaaten wie Polen, Ungarn, die Sowjetunion wählten schon anders: KPdSU-Chef Michail Gorbatschow ließ sich ablichten, wie er den Vorhang der Wahlkabine zuzieht. Der Friedenskreis schickte in jedes Wahllokal zwei Beobachter. Es war schon schwierig, die Wahllokale zu finden. Die DDR hielt selbst diese geheim. Nachfragen im Rathaus halfen nicht. Zupke erinnert den Dialog: „Können Sie mir bitte eine Liste der Wahllokale im Stadtbezirk geben?“ – „Wozu brauchen Sie die?“ – „Es ist ein Bürgerrecht, zu erfahren, wo Wahllokale sind.“ – „Von mir bekommen Sie die nicht!“ Mühsam beschaffte die Gruppe sie sich doch, bis auf das Lokal in der Kunsthochschule. Am Wahlabend war es das mit den meisten Gegenstimmen, über fünfzig Prozent. Die Idee aus Weißensee, die Wahl ad absurdum zu führen, hatten andere Gruppen nicht grade toll gefunden. Am Ende beteiligten sich viele Gruppen in Berlin, aber auch in Leipzig, Dresden, Erfurt und Rostock. In Leipzig verbrannten am Wahlabend mehrere Hundert junge Leute ihre Benachrichtigung und zeigten: Wir waren nicht wählen. Die Auszählung hatten sie straff organisiert: Die Beobachter brachten die Ergebnisse auf Karteikarten in Zupkes Wohnung. Stasileute standen vor dem Haus, hielten aber keinen an. Der Stasieinsatz war so groß, dass der Leiter der Stephanussiftung die eifrigen Zähler des Hauses verwies. Im Auftrag der Kirchenleitung hatte er Zupke schon im Vorfeld abhalten wollen, die Wahlbeobachtung in ihrer Wohnung zu organisieren. So fuhren sie, alle notierten Einzelergebnisse im Auto, zum Begründer des Friedenskreises Mario Schatta. Zupke: „Die Stasi immer hinterher. Dass sie nicht zugriffen, verstehe ich bis heute nicht“. Am späteren Abend ging es in die Elisabethkirche in Berlin-Mitte. Dort war der Treffpunkt für Beobachter aus Prenzlauer Berg, Mitte, Pankow und Friedrichshain. Unter großem Jubel verkündeten sie das fast vollständige Ergebnis für Weißensee: „2.156 mal Nein.“ Alle wussten: So viele Gegenstimmen würde die SED nicht zugeben. 1.011 waren es dann offiziell. Mehr als die Hälfte der Neinstimmen wurden unterschlagen. Anderswo war es ähnlich. Wahlfälschung stand auch in der DDR unter Strafe. Mitglieder vieler Oppositionsgruppen, auch Zupke, stellten deshalb auf vom Friedenskreis vorbereiteten „Formularen“ Strafantrag. Vergeblich. Ein Staatsanwalt zu ihr: „Die Wahrheit steht im ‚Neuen Deutschland‘.“ Urteile wegen Wahlfälschung gab es als Folge der Anzeigen erst nach dem Ende der DDR. Im Friedenskreis wollte man den Betrug nicht hinnehmen. „Mündige Bürger“ (Zupke: „Das waren wir!“) riefen immer am 7. des Monats um 17 Uhr zum Protest (Motto: „Nie genug vom Wahlbetrug“): am 7. Juni in der Sophienkirche; am 7. Juli auf dem Alexanderplatz; am 7. August in der Hoffnungskirche; am 7. September erneut auf dem Alex. Intern galt der Weißenseer Friedenskreis seitdem als „ein bisschen verrückt“. Mit der Demonstration auf dem Alexanderplatz verließen sie bewusst den Schutzraum Kirche, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Pfarrer Rudi Pahnke wollte sie Anfang Juli umstimmen: Unter dem Slogan „Keine Gewalt“ demonstriere man, was sie auf dem Alex vorhätten – „das klingt mir noch heute in den Ohren“ – sei „Gewalt mit der Zunge“. Am 7. September ging die Stasi auf dem Alex offen und ziemlich brutal gegen die Demonstranten wegen Wahlbetrugs vor. Es wehte offenkundig ein anderer Wind. Der nächste 7. war der vierzigste Jahrestag der DDR-Gründung, Feiertag, DDR-Geburtstag, wie Kinder in der Schule lernten. Auch im Friedenskreis gab es – verständliche – Angst, ob man am 7. Oktober überhaupt zu Protesten aufrufen dürfe, noch dazu auf dem Alexanderplatz. Es könnte ein heißer Tag werden. Nur Zupke und Mitstreiter Frank Pfeiffer waren anfangs dafür, aber sie setzten sich durch. Das hieß: Demo zwischen Tausenden feiernden Leuten. Erst behelligte die DDR-Polizei die Demonstranten kaum. Einige Feiernde machten mit. Dann erscholl der Ruf: „Zum Palast“. Im „Palast der Republik“ feierte die Staatsführung mit Gorbatschow und den Ostblockoberen, auch westliche Diplomaten darunter. (Der KPdSU-Chef hatte am Nachmittag den Satz gesagt: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“) Die Polizei drängte schließlich die Demonstranten zum Alex ab. Vom Palast weit weg, schlug sie brutal zu und nahm viele fest. Weil Evelyn Zupke und ihre Mitstreiter auf der Demonstration am 7. Oktober auf dem Alexanderplatz beharrten, gehören sie heute mit zu den Mutigen der DDR-Revolution, sind Vorbilder für Zivilcourage. Die Brutalität trieb Hunderten Verhafteten den letzten Glauben an „eine im Grunde doch humane DDR“ aus: „Wie ich dazu gekommen bin? So genau weiß ich das gar nicht. Ich war plötzlich mittendrin! So ist das Leben.“ 2001 überreichte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Evelyn Zupke den Verdienstorden des Landes Berlin.Karl-Heinz Baum Letzte Aktualisierung: 12/16

Wer war wer in DDR

Zweiling, Klaus

* 18.2.1900 – ✝ 18.11.1968

Geb. in Berlin-Moabit; Vater Ing. am Reichspatentamt; 1909 Bismarck-Gymnasium Berlin-Wilmersdorf; 1917 Notabitur u. Einsatz im landw. Hilfsdienst; Sept. – Dez. 1918 Einberufung zum Heeresdienst; 1918 – 22 Studium der Mathematik u. Physik an den Univ. Berlin u. Göttingen; gleichz. Besuch von Vorlesungen in Geschichte, Nationalökon., Philos., alte Sprachen u. Presserecht; 1920 USPD; 1922 SPD; 1922 Prom. zum Dr. phil. über »Eine graf. Methode zur Berechnung von Planeten- u. Kometenbahnen« (Gutachter: Max Born); 1923/ 24 Physiker in einem Laboratorium in Berlin, Entlassung wegen Teiln. an der Maidemonstration 1924; danach Red. versch. Arbeiterztgn. in Münster, Plauen u. Berlin; Okt. 1931 Mitbegr. der SAP (gem. mit  Max Seydewitz,  Edith Baumann u. a.); Aug. 1933 wegen illeg. antifa. Widerstandstätigkeit verhaftet, Mißhandlungen durch die Gestapo, wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt zu drei Jahren Gefängnis; seit der Entlassung 1936 ohne Anstellung; 1943 Einberufung zur Frontbewährung an die Ostfront; April 1945 bei Greifswald kampflose Übergabe seiner Einheit an die sowj. Armee; zunächst Gefangenschaft in Neubrandenb., dann Umschulung an einer »Frontschule«, einem sowj. Umschulungslager bei Stettin. 1945/46 KPD/SED; 1946 Chefred. des theoret. SED-Organs »Einheit«, 1950 nach Kritik des SED-PB an der »liberalist.-versöhnler. Haltung der Red.« abgesetzt; anschl. bis 1955 Chefred. u. Ltr. des Verlags Technik; 1948 Habil.; 1949 Gastdoz. für Philos. des dial. u. hist. Materialismus an der HU Berlin; 1955 Prof. u. bis 1960 Dir. des dortigen Inst. für Philos.; 1960 – 65 Dir. des Inst. für Philos. der KMU Leipzig (Nachf. von  Ernst Bloch); Vors. des Wiss. Beirats für Philos. beim Staatssekr. für Hochschulwesen; 1959 – 68 Präs. der Vereinigung der Philosoph. Institutionen der DDR; 1965 VVO; em.; gest. in Leipzig. Zahlr. streitbare Broschüren u. Artikel zu philosoph. Problemen der Naturwiss., insbes. der Physik, zum philosoph. Materiebegriff sowie zur Gesetzesproblematik; 1958 – 62 Red. der Broschüren zur Dt. Philos. nach 1895 in der Taschenbuchreihe »Unser Weltbild« (Bde. 1, 17, 18, 19).Aufstieg u. Niedergang der kap. Ges. Leipzig 1927; Gleichgewicht u. Stabilität. Berlin 1953; Der Leninsche Materiebegriff u. seine Bestätigung durch die mod. Atomphysik. Berlin 1956.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Zwirner, Walter

* 9.7.1899 – ✝ 4.9.1952

Geb. in Berlin; Vater Hutmacher; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Bankangest.; 1920 Gewerkschaftsmitgl.; 1930 KPD; ab 1933 illeg. Arbeit im KPD-Unterbez. Berlin-Charlottenburg; Ende 1933 Emigr. nach Frankreich, Arbeit in einem Parteibetrieb der KP Frankreichs; 1939 interniert; ab Jan. 1944 Angeh. der franz. Maquis / Résistance, Mitgl. einer Einheit im Elsaß; Mitgl. der Bew. »Freies Deutschland«. Mai 1947 Rückkehr nach Dtl.; KPD-Funktionär in Ludwigshafen, Verlagsltr. der Parteiztg. »Neues Leben«; 1948 Übersiedl. in die SBZ; SED; 1948 – 51 Ltr. des Sportverlags, der die Ztg. »Deutsches Sportecho« herausgab; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zöllner, Ernst

* 6.10.1902 – ✝ 27.1.1967

Geboren am 6. Oktober 1902 in Halle/Saale, Sohn einer Arbeiterfamilie; Modelltischler. 1919 Mitglied der KJD und der KPD. Von 1925 bis 1927 2. Vorsitzender der Ortsgruppe Prenzlau. Zöllner war von 1927 bis 1932 Sekretär für Gewerkschaftspolitik und Mitglied des Sekretariats der BL Halle-Merseburg. Im Oktober 1932 Flucht in die Sowjetunion, bis 1936 Studium an der KUNMS in Moskau, dann wieder Modelltischler. Von Oktober 1936 bis Februar 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, Politkommissar. Anschließend in Frankreich, ab März 1939 illegale Arbeit in Belgien. Er wurde im September 1939 in Antwerpen verhaftet, im Oktober 1940 Überführung in das Wüsten-Internierungslager nach Djelfa/Nordafrika. Ende 1943 kam er mit einer Gruppe deutscher Kommunisten in die Sowjetunion, Lehrer am Institut 99 (Parteischule der KPD) und an mehreren Kriegsgefangenenschulen. Im August 1946 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED. Bis 1950 Sekretär des FDGB-Bundesvorstands, Leiter der Hauptabteilung Wirtschaftspolitik, danach Kulturdirektor bei der Deutschen Reichsbahn. Anschließend Personalchef im Ministerium für Post- und Fernmeldewesen. Er erhielt 1962 den Orden »Banner der Arbeit«. Ernst Zöllner starb am 27. Januar 1967 in Ost-Berlin. Seine zweite Frau Margarete Zöllner, geborene Bliesenick (* 15. 1. 1897 – † 15. 4. 1971), war Stenotypistin, seit 1919 USPD und seit 1920 KPD. Von 1927 bis 1933 lebte sie mit Ottomar Geschke zusammen. Bis 1929 Sekretärin und Korrespondentin in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, 1929/30 im RHD-Zentralvorstand und zuletzt in der KPD-Reichstagsfraktion. 1934 festgenommen, gelang ihr 1935 die Flucht in die Sowjetunion, dort persönliche Sekretärin von Walter Ulbricht am Institut 99. 1945 nach Deutschland zurück, 1946 Mitglied der SED. Sie war bis 1949 Referentin in der Abteilung Arbeit des Berliner Magistrats, dann des DSF-Landesverbandes Berlin, ab 1953 Leiterin der Abteilung Wohnungswesen beim Magistrat von Ost-Berlin. Von 1954 bis 1967 Mitglied der ZRK der SED, sie erhielt 1967 den VVO in Gold.

Wer war wer in DDR

Zucker, Friedrich

* 30.6.1881 – ✝ 4.4.1973

Geb. in Fürth (Bayern); Vater Oberstudienrat; Gymnasium, Abitur; 1899 – 1904 Studium der klass. Philol. u. Archäol. an den Univ. München u. Berlin; 1904 Prom. zum Dr. phil. an der Univ. München; 1904/05 wiss. Hilfsarb. u. 1907 – 10 Ltr. der dt. Papyrusausgrabungen in Ägypten; 1905/06 prakt. Ausbildung als Lehrer an höheren Schulen; 1911 Habil. mit einer Arbeit über die Gerichtsorg. im Alten Ägypten an der Univ. München; 1911 – 14 Privatdoz.; 1914 – 18 Militärdienst, Ordonnanzoffz.; 1917 a. o. Prof. an der Univ. München u. 1918 an der Univ. Tübingen; 1918 – 43 ord. Prof. für klass. Philol. an der Univ. Jena, Mitdir. des Seminars für klass. Philol.; 1926/27 Dekan der Philosoph. Fak.; 1928/29 Rektor der Univ. Jena. Ab 1945 Ordinarius für klass. Philol. an der FSU Jena; 1945 – 48 hier Rektor (Nachf. von Karl Astel); 1948 Korr., 1949 Ord. u. 1969 Auswärt. Mitgl. der DAW; 1948 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW; 1954 NP; 1961 em.; 1963 Übersiedl. nach Hamburg; gest. in Wedel. Spezialist auf dem Gebiet der Papyrologie, zahlr. Arbeiten zur griech. Lit.- u. Geistesgeschichte, hellenist.-oriental. Namenskunde sowie Verw. u. Rechtspflege im Alten Ägypten; Hrsg. der Ztschr. »Archiv für Papyrusforschung« u. Mithrsg. der Ztschr. »Philologus« (1954 ff.).Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Zulauf, Ernst

* 24.8.1878 – ✝ 24.11.1960

Geboren am 24. August 1878 in Wermelskirchen; Bandwirker. Seit 1905 Mitglied der SPD, im Weltkrieg zur USPD, kam er mit deren linkem Flügel Ende 1920 zur KPD. Von 1920 bis 1929 Schriftleiter der KPD-Zeitung »Bergische Volksstimme« in Remscheid, außerdem Orgleiter, Kassierer und von 1925 bis 1928 auch KPD-Stadtverordneter. Mehrfach wegen illegaler Aktivitäten und Vergehens gegen das Republikschutzgesetz bestraft. 1929 wurde er als Rechter nicht mehr als Kandidat zu Wahlen nominiert und 1930 aus der KPD ausgeschlossen. Zulauf trat in die KPO ein und übernahm leitende Funktionen. Nach 1933 illegale Arbeit in Wermelskirchen, wurde am 8.Februar 1938 festgenommen und am 24. Oktober 1938 vom OLG in Hamm zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Am 8.September 1939 freigelassen, soll er auch später mit den rechten Kommunisten Verbindung gehabt haben. Zusammen mit dem Fabrikanten Max Dominicus, den beiden Sozialdemokraten Max Blank und Anton Küppers und dem Kommunisten Ernst Zapp gehörte er in Remscheid einem fünfköpfigen Widerstandausschuß an, dessen Ziel es war, die Stadt kampflos den amerikanischen Truppen zu übergeben. Nach der Befreiung wieder Mitglied der KPD, war er bis 1951 Dezernent des städtischen Fürsorgeamtes. Ernst Zulauf starb am 24. November 1960 in Remscheid. Armin Breidenbach veröffentlichte 1996 eine biographische Skizze über Ernst Zulauf.

Wer war wer in DDR

Zupke, Evelyn

* 28.2.1962

Geb. in Binz als Tochter einer Lehrerin; 1980 Abitur; als unangepaßte Schülerin zunächst nicht zum Studium zugelassen; Arbeit als Kellnerin u. Eisverkäuferin im Feriendienst des FDGB; lehnte Delegierung zum Studium ab, um nicht der SED beitreten zu müssen; 1984 Verweigerung der Teiln. an den Kommunalwahlen, danach Wechsel zum Diakon. Werk Anklam, dort Arbeit als Erzieherin; 1987 Umzug nach Berlin, Arbeit mit behinderten Kindern in der Stephanus-Stiftung Berlin-Weißensee; Mitarbeit im Friedenskreis Weißensee; Mitinitiatorin der Kontrolle der Auszählung der Kommunalwahlen vom 7.5.1989 durch opp. Gruppen, erstattete ergebnislos Strafanzeigen wg. Wahlfälschung; Mitorg. der Protestdemonstrationen gegen die Wahlfälschung in Berlin an jedem 7. des Monats; Festnahme durch das MfS am 7.7. u. am 7.9.1989; 1990 Mitgl. der zentralen Wahlkommission der DDR zu den Volkskammerwahlen. 2001 Verdienstorden des Landes Berlin; lebt als Sozialpädagogin in Hamburg.Baum, K.-H.: E. Z. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Zwerenz, Gerhard

* 3.6.1925 – ✝ 13.7.2015

Geb. in Gablenz (b. Crimmitschau); Vater Ziegeleiarb., Mutter Textilarb.; nach der Volksschule Kupferschmied; 1942 freiw. zur Wehrmacht; 1944 Desertion, sowj. Kriegsgefangenschaft bis 1948. 1948 Rückkehr nach Dtl.; VP-Angeh. bis 1951; Tbc-Sanatorien; 1949 – 57 SED, ausgeschloss.; Doz. für Ges.-Wiss. an einer Ing.-Schule; Sonderreifeprüfung; 1953 – 56 Philos.-Studium bei  Ernst Bloch in Leipzig; war befreundet u. a. mit  Erich Loest u.  Günter Zehm; erste publizist. u. lyrische Veröff.; seit 1956 freiberufl.; entkam 1957 seiner Verhaftung durch Flucht in den Westen; trat 1982 unter Protest aus dem VS aus; wohnte im Taunus; wurde auch dort vom MfS beobachtet, OV-Deckn. »Subjekt«, »Spinne«, »Agent«, »Dritter Weg«, »Revisionist«, »Renegat«; Mitgl. des dt. PEN-Zentrums (West); publizierte u. a. unter den Ps. Gert Gablenz, Peter Lauenheim, Leslie Markwart, Peer Tarrok, Gert Amsterdam. 1994 – 98 Abg. des Dt. Bundestags, offene Liste der PDS; Ernst-Reuter-Preis (1974), Carl-von-Ossietzky-Preis (1986), Alternativer Büchnerpreis (1991); gest. in Oberreifenberg (Taunus).Kopf u. Bauch. Frankfurt (Main) 1971; Der Widerspruch. Autobiogr. Bericht. Frankfurt (Main) 1974; Der pol. Zwerenz. Frankfurt (Main) 1975; Der erotische Zwerenz. Frankfurt (Main) 1975; Antwort an einen Friedensfreund oder längere Epistel für Stephan Hermlin u. meinen Hund. Köln 1982; Rechts u. dumm? Hamburg 1993; Links u. lahm? Hamburg 1994; Die Antworten des Herrn Z. Querfurt 1997; Die grundsätzl. Differenz. Ein Streitgespräch in Wort u. Bild. Querfurt 1998 (zus. mit S. Wagenknecht); Krieg im Glashaus oder Der Bundestag als Windmühle. Berlin 2000; Sklavensprache u. Revolte. Berlin 2004; Kopf u. Bauch. Die Geschichte eines Arbeiters. Erftstadt 2005. Reents, J.: G. Z.: Weder Kain noch Abel. Berlin 2008.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Zylla, Karl

* 1.3.1927 – ✝ 30.10.1967

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Bankangest.; Volksschule; Lehre als Betriebschemiefachwerker; 1944 NSDAP; Wehrmacht; 1945 kurzzeitig in brit. Kriegsgef. 1945 Landarb.; 1945 / 46 Bergarb. im Ruhrgebiet; 1946 Übersiedl. nach Thür.; 1946 SED; 1946 / 47 Praktikant im VEB Kammgarnspinnerei Eisenach; 1947 / 48 Holzfäller; 1948 Org.-Ltr. der Stadt-BL Eisenach-West; 1948 – 50 Referent für Betriebsgruppen, 1950 / 51 Abt.-Ltr. der SED-LL Thür.; 1951 / 52 Lehrgang an der SED-PHS; 1953 Sektorenltr., 1953 / 54 Bevollmächtigter Instrukteur des ZK der SED; 1954 – 60 2. Sekr. der SED-BL Rostock; 1960 – 63 erneut Studium an der PHS, Abschluß mit Staatsexamen; 1963 – 67 1. Sekr. der SED-KL Rostock-Stadt; 1964 VVO. MaN 18 Ackermann, Anton Lyr, Horst 814 828 1139Andreas Herbst