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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Brill, Hermann Louis

* 9.2.1895 – ✝ 22.6.1959

Geb. in Gräfenroda als Sohn eines Schneidermeisters; 1909 – 14 Studium am Lehrerseminar in Gotha; 1914 Volksschullehrer; im Ersten Weltkrieg Kriegsfreiwilliger; 1918 USPD, 1922 SPD; 1924 – 26 Jurastudium in Jena, 1929 jurist. Promotion; 1920 – 33 MdL Thüringen; 1923 Ministerialdir. im thüringischen Innenmin.; Richter am Disziplinarhof Jena; 1924 Vereinigung sozialdemokratischer Juristen; 1932 Mitgl. des Reichstags; 1933 Entlassung aus dem Staatsdienst; 1934 Mitgl. der Widerstandsgr. »Neu Beginnen«, 1936 mit Otto Brass Gründung der »Dt. Volksfront« in Berlin; 21.9.1938 Verhaftung durch die Gestapo, 28.7.1939 Verurteilung zu 12 Jahren Zuchthaus durch den VGH, bis 1943 Zuchthaus Brandenburg, 1943 – 45 KZ Buchenwald, 19.4.1945 Mitverfasser des »Buchenwalder Manifestes«. Anfang Juni 1945 Ministerpräs. von Thüringen, nach Übergabe Thüringens an die SMAD am 1. Juli 1945 statt einer Wiedergründung von SPD und KPD am 2. Juli 1945 Gründung des »Bundes demokrat. Sozialisten«, Mitte Juli Absetzung als Ministerpräs. auf Intervention von  Walter Ulbricht; nach zweimaliger Verhaftung durch sowj. Besatzungsbehörden Ende 1945 Flucht in die amerikan. Zone; 1946 – 49 Chef der hess. Staatskanzlei; 1949 – 53 MdB; Honorarprof. an der Univ. Frankfurt (Main).Gegen den Strom. Offenbach 1946; Das sowj. Herrschafts-System. Der Weg in die Staatssklaverei. Köln 1951; Die Problematik der mod. Staatstheorie. Berlin 1950. Overesch, M.: H. B. Ein Kämpfer gegen Hitler u. Ulbricht. Bonn 1992.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Brockhoff, Adolf

* 29.11.1919 – ✝ 7.10.1997

Geb. in Geseke (Westf.); 1930 – 37 OS u. Abitur in Neuß; 1938 RAD; 1939 – 45 Wehrmacht; sowj. Kriegsgefangenschaft, geflohen. 1946 – 50 Studium der Theol. in Münster, Paderborn u. München; 1950 Priesterweihe in München; Übersiedl. in die DDR; 1950 – 53 Vikar in Merseburg, 1953 – 66 Studentenpfarrer u. Ltr. des Sprachenseminars in Halle; 1966 Absetzung u. Studienurlaub; 1968 – 71 Stadtpfarrer in Merseburg; 1957 – 71 vom MfS in den OV »Gift«, »Schleuse« u. »Tabernakel« erf.; charismat. innerkirchl. Kritiker u. Gegenspieler von  Alfred Bengsch, populär unter kath. Studenten u. Akademikern durch Vorträge in der gesamten DDR, Mitbegr. u. Aktivist im kirchen- u. gesellschaftskrit. »Aktionskrs. Halle« 1969 – 75; Sept. 1971 wegen Zölibatsverletzung als Priester suspendiert, arbeitslos, finanz. Unterstützung durch kath. Sympathisanten; 1975 Ausreise aus der DDR in die Bundesrep. Dtl.; 1975 – 85 Gymnasiallehrer für Religion in Wiesbaden, 1985 Ruhestand; gest. in Hünstetten.Und doch ist der Sommer nahe. Idstein (Taunus) 1989. Schäfer, B.: Staat u. kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Brombacher, Ellen

* 15.2.1947

Geb. in Westerholt (Ruhrgebiet); Vater Arbeiter; Volksschule; 1959 Übersiedlung in die DDR; 1961 Mitgl. der FDJ; EOS, FDJ-Sekr. der A.-v.-Humboldt-Schule Berlin-Köpenick, 1965 Abitur u. Facharb.-Abschluß als Mechanikerin; 1965/66 Besuch der Komsomol-HS Moskau; 1966 SED; 1966 – 70 Abendstudium an der HU Berlin, Dipl.-Russistin; seit 1966 verantw. Funktionär in der FDJ-BL Berlin, 1966/67 Instrukteurin, 1967/69 Krs.-Vors. der Pionierorg. in Berlin-Friedrichshain u. Sekr. für Schulen der KL der FDJ; 1969 – 71 Abt.-Ltr. der FDJ-BL Berlin, 1971 – 73 Bez.-Vors. der Pionierorg. u. Sekr. der FDJ-BL Berlin; seit 1971 Mitgl. des ZR der FDJ u. 1981 – 84 seines Büros; 1973/74 PHS; seit 1975 Mitgl. der SED-BL Berlin (seit Juni 1975 des Sekr.); März 1975 – Juni 1984 1. Sekr. der FDJ-BL Berlin (Nachf. von Harry Smettan); 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1976 – 86 Mitgl. des Jugendaussch. der Volkskammer, seit 1986 Mitgl. des Aussch. für Kultur; VVO; 1984 – 89 Sekr. für Kultur der SED-BL Berlin (Nachf. von Horst Oswald); 3.12.1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des a. o. Parteitages der SED/PDS im Dez. 1989. 1990 Sprecherin einer SED/PDS-Org. in Berlin-Mitte; 1992 Mitgl. der am 30.12.1989 gegr. Kommunist. Plattform der PDS, dort Landessprecherin von Berlin im Bundessprecherrat; 1996 Mitgl. der AG Antirassismus; bis Ende 1991 Küchenhilfe in einem Berliner Kindergarten, wegen »Staatsnähe« gekündigt, Umschulung, dann arbeitslos, Okt. 1994 – Aug. 1998 Sozialarb. für Ausländer, danach arbeitslos; Sprecherin der Kommunist. Plattform in der Linkspartei/PDS.Halt auf der Strecke. Berlin 1991; Der Schlag. Berlin 1993; Rückkehrer. Berlin 1994; Das neue UM-Denken. Berlin 1997; Die Moderne ist schön. Suhl 2001. Gaus, G.: Porträts 4. Berlin 1993.Wilfriede Otto

Wer war wer in DDR

Brückner, Christoph

* 25.12.1929

Geb. in Zwickau; Vater Friseurmstr.; bis 1948 OS, Abitur; 1945 LDPD; 1949 – 54 Studium der Med. an der HU Berlin; 1956 – 65 ltd. Arzt in Betrieben des Zwickauer Steinkohlenbergbaus; 1965 – 72 Ltr. der Bez.-Inspektion Gesundheitsschutz in den Betrieben beim Rat des Bez. Karl-Marx-Stadt; Juli 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer, Nov. 1967 – 89 Vors. des Aussch. für Gesundheitswesen (Nachf. von Günter Wiedemann); 1973 Dr. sc. med.; seit 1972 ord. Prof. für Arbeitshygiene u. Dir. des gleichn. Inst. an der FSU Jena; seit 1976 Vors. der LDPD Krs. Jena; Juni 1978 Mitgl. des ZV, seit April 1982 Mitgl. des Pol. Aussch. des ZV der LDPD; 1980 – 87 Dir. des Lehrstuhls für Arbeitsmed. an der HU-Berlin; April 1990 Präs. des DRK der DDR (Nachf. von Karl-Heinz Borgwardt). 1991 – 2001 Vizepräs. des DRK.Lehrbuch für ärztl. Sprechstunden. Dresden 1971; Gesundheits-, Arbeits- u. Brandschutz im Gesundheitswesen. Berlin 1987; Hygiene. Berlin 1989.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Brühl, Reinhard

* 23.8.1924 – ✝ 2.7.2018

Geb. in Chemnitz; Eltern Arbeiter; Volksschule; Maschinenschlosser; 1942 Wehrmacht, Ltn., 1944 sowj. Kriegsgefangenschaft, Zentr. Antifa-Schule Taliza. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; Eintritt in die Polizei, VP-Kommissar; 1950 – 54 Lehrer für Geschichte bzw. verantw. für ges.-wiss. Ausbildung an einer Politoffiziersschule der KVP; zeitw. Studium am IfG; 1954 – 58 Abt.-Ltr. in der Pol. Verw. der KVP bzw. NVA für ges.-wiss. Lehre an den Offiziersschulen; 1957 Oberst; 1958 – 61 Lehrstuhlltr. für Geschichte an der Militärakad. Dresden; 1960 – 63 Fernstudium Militärgeschichte an der KMU Leipzig; 1961 – 89 Dir. des Militärgeschichtl. Inst. Potsdam (Nachf. von  Wolf Stern), 1967 Prom. mit einer Arbeit über die Geschichte der Militärgeschichtsschreibung des preuß.-dt. Gen.-Stabes 1816 – 1945; 1970 Prof.; 1972 – 89 Vors. der Kommission für Militärgeschichte der DDR, 1979 Gen.-Major; 1985 – 90 Vizepräs. der Commission d’Histoire Militaire; 1986 NP; 1989 Ruhestand. B.s wiss. Arbeiten zur dt. Militärgeschichte folgen der Tradition der sowj. Militärgeschichtsschreibung.Militärgeschichte u. Kriegspol. Berlin 1973; Armee für Frieden u. Soz. Berlin 1985 (Hrsg.); Forschungen zur Militärgeschichte. Berlin 1998; 50 Jahre Nato. Schkeuditz 2000 (Hrsg.); Bundeswehrreform. Schkeuditz 2002 (Hrsg.). Nakath, D., Schröter, L. (Hrsg.): Militärgeschichte – Erfahrung u. Nutzen: Beiträge zum 80. Geburtstag von R. B. Schkeuditz 2005.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Brüning, Elfriede

* 8.11.1910 – ✝ 5.8.2014

Geb. in Berlin; Vater Tischler, Mutter Näherin; nach Abschluß der 10. Kl. Büroangestellte; 1929 Red.-Sekr. bei »Filmtechnik-Filmkunst« in Berlin; erste Veröff. in »Berliner Tageblatt«, »Vossische Ztg.«, »Frankfurter Ztg.«, »Berliner Börsenkurier«; Besuch der MASCH; 1930 KPD, 1932 Mitgl. des BPRS, Veröff. in kommunist. Ztg.; 1933 Sitzungen der KPD-Führung in der Wohnung der Eltern; 1933 – 35 illeg. pol. Arbeit im »Bund« u. Mitarb. an den »Neuen Dt. Blätter«, Prag; Ende 1935 Haft im Frauengefängnis Berlin, Barnimstraße; nach Entlassung Publ. des in der Haft geschriebenen Unterhaltungsromans »Junges Herz muß wandern« (Berlin 1936); 1937 – 48 Ehe mit dem Schriftst. u. Lektor Joachim Barckhausen; 1942 Geburt der Tochter Christiane (später ebenfalls Schriftst.); während des Krieges Aufenthalt auf dem Landgut der Schwiegereltern in der Magdeburger Börde. 1946 Rückkehr nach Berlin; KPD/SED; Red. der Ztg. u. Ztschr. »Sonntag«, »Die neue Ges.« u. »Neue Heimat«; seit 1950 freie Schriftst. u. Journalistin; 1980 Lit.-Preis des DFD, Kunstpreis des FDGB, Goethe-Preis der Stadt Berlin. B. erreichte mit ihren unterhaltenden, wirklichkeitsnahen Romanen u. Reportagen ein Massenpublikum. Ihre Themen waren Widerstand gegen das NS-Regime sowie das Leben der Frauen u. Jugendlichen in der DDR. Gest. in Berlin.Und außerdem ist Sommer. Leipzig 1934; ... damit du weiterlebst. Berlin 1949; Kinder ohne Eltern. Halle 1968; Kleine Leute. Berlin 1970; Lästige Zeugen. Tonbandgespräche mit Opfern der Stalinzeit. Halle 1990; Kinder im Kreidekrs. Report über Zwangsadoptionen u. Heimerziehung. Berlin 1992; Und außerdem war es mein Leben. Aufzeichnungen einer Schriftst. Berlin 1994; Jeder lebt für sich allein. Berlin 1999; Spätlese. Berlin 2000; Ich musste einfach schreiben, unbedingt … Essen 2008 (Hrsg. von E. Sent).Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Bruschke, Werner

* 18.8.1898 – ✝ 17.2.1995

Geb. in Magdeburg; Vater Metallarb.; 1906 – 12 Bürgerschule; Ausbildung zum Schlosser in Magdeburg; 1912 SAJ, 1915 Mitgl. des DMV, ehrenamtl. gewerkschaftl. Tätigkeit, 1916 SPD; 1917/18 Militärdienst; 1918 – 27 Schlosser in Magdeburg; 1927 – 31 hauptamtl. Jugendsekr. der SPD in Magdeburg, 1931 – 33 dort SPD-Funktionär für Kommunalpol. u. Bildung sowie Finanzwirtschaft, 1933 Mitgl. des Bez.-Sekr. Magdeburg-Anh.; Abg. des Sachsen-Anh. Landtags; 1933/34 Tabakwarenhändler in Magdeburg, später Versicherungsvertreter; illeg. pol. Arbeit, mehrmals verhaftet; 1939 Anklage wegen Hoch- u. Landesverrat, U-Haft, dann »Schutzhaft«, 1942 – 45 KZ Sachsenhausen u. KZ Dachau. 1945 Sekr. des SPD-Bez.-Vorst. Magde- burg, Sekr. des Provinzialvorst. Sachsen-Anh.; 1945/46 einer der Vizepräs. der Provinzialverw. Sachsen-Anh.; 1946 Regierungspräs. des Bez. Magdeburg; 1946 – 48 Finanzmin. der Provinzial- bzw. Landesreg. Sachsen-Anh.; 1946 – 49 gem. mit  Bernard Koenen Vors. des SED-LV; Abg. des Sachsen-Anh. Landtags; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 52 Min.-Präs. des Landes Sachsen-Anh. (Nachf. von  Erhard Hübener); 1950 – 54 Mitgl. des ZK der SED; ab 1952 Vors. des Rats des Bez. Halle, Abg. des Bez.-Tags, Mitgl. der SED-BL, 1955 aus gesundheitl. Gründen Entlastung von seinen hauptamtl. Funktionen; 1955 VVO; 1960 Banner der Arbeit; Mitgl. von Kommissionen der SED-BL Halle; bis 1989 Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer.Für das Recht der Klasse – für die Macht der Arbeiter u. Bauern. Halle 1981.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bubnoff, Serge von

* 15.7.1888 – ✝ 16.11.1957

Geb. in St. Petersburg; Vater dt. Arzt; Abitur; 1907 Übersiedl. nach Dtl.; Studium an der Univ. Freiburg i. Br., hier 1912 Prom. mit einer geolog. Arbeit; danach Assistent u. Mitarb. an der Univ. Freiburg bzw. der Bad. Geolog. Landesanstalt, ab 1914 Univ. Heidelberg; 1921 Habil. an der Univ. Breslau; hier 1922 a. o. Prof. für Geol.; 1929 Berufung an die Univ. Greifswald als Prof. u. Dir. des Geolog.-Paläontolog. Inst.; 1935 Mitgl. der Leopoldina; 1941 Korr. Mitgl. der Preuß. AdW. 1949 Ord. Mitgl. der DAW; 1950 Prof. für Geol. u. Paläontol. an der HU Berlin, ab 1951 zugl. Dir. des Geotekton. Inst. der DAW (Nachf. von Hans Stille); 1951 Korr. Mitgl. der Akad. in Göttingen; 1953 u. 1955 NP; 1956 Dr. h. c. der TH Hannover; gest. in Berlin. B. war ein führender dt. Geologe mit Verdiensten im Grenzgebiet von Tektonik u. Magnetismus sowie bei grundlegenden Forschungen zur Synthese der Erdgeschichte u. Lagerstättenkunde; maßgebl. am Wiederaufbau der geolog. Forschung nach dem Krieg beteiligt; Begründer u. Hrsg. der Geolog. Jahresberichte.Grundprobleme der Geol. Halle 1949.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Buchhorn, Richard

* 26.5.1896 – ✝ 5.1.1985

Geboren am 26. Mai 1896 in Blankenburg, Sohn eines Zimmermanns; lernte Schlosser. Seit 1913 in der Arbeiterjugend, seit 1916 SPD-Mitglied, Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg wieder Schlosser in Blankenburg, betätigte er sich für die USPD und ab 1920 für die KPD. Von 1928 bis 1930 Angestellter bei der AOK, anschließend Werkmeister. Von 1928 bis 1931 Abgeordneter der Stadtverordnetenversammlung Blankenburg und des Kreistages. Als Nachrücker übernahm er noch am 21. Februar 1933 das Braunschweiger Landtagsmandat von Ernst Winter, das dieser am 16. Februar 1933 niedergelegt hatte. 1933/34 »Schutzhaft«, dann illegale Arbeit in den Junkerswerken in Halberstadt. Im August 1945 als Bürgermeister von Blankenburg eingesetzt, blieb er dies bis 1950. Später Leiter des Büros des Deutschen Handwerks in Ost-Berlin. Richard Buchhorn starb am 5. Januar 1985 in Neindorf bei Oschersleben.

Wer war wer in DDR

Büchner, Matthias Hilmar (»Fritz«)

* 30.6.1953

Geb. in Zella-Mehlis; 1970 Mittlere Reife; Gärtnerlehre; nicht abgeschlossenes Studium der Theol.; seit 1979 freischaff. Maler u. Grafiker; seit Anfang der 1970er Jahre Engagement in der Offenen Arbeit der ev. Kirche, Mitarbeit in opp. Gruppen in Erfurt u. Berlin; 1989 Mitbegr. des Neuen Forums (NF), NF-Sprecher im Bez. Erfurt, Mitgl. des NF- Republiksprecherrats; Mitautor des Aufrufs zur friedl. Besetzung der MfS-Zentralen in der DDR am 4. Dezember 1989, der in Erfurt am selben Abend von neun Frauen (darunter B.s Ehefrau Petra B.) aufgegriffen wird; Mitinitiator des Erfurter Bürgerkomitees zur Auflösung des MfS; 1989 / 90 Mitglied des Runden Tisches Erfurt; 1990 Volkskammer-Beauftragter zur Kontrolle der Auflösung des SED-Sicherheitsapparates. 1990 Landessprecher Thüringen u. Mitgl. im Bundeskoordinierungsrat des NF; 1990 – 94 Mitgl. des Thüringer Landtags; 1995 – 98 Bundessprecher des Neuen Forums; lebt in Zella-Mehlis als Maler, Grafiker u. Gestalter.Bernd Florath

dissidenten.eu

Budaj, Ján

* 1952

Bürgerrechtler, Ökologe und Aktivist der unabhängigen Kultur. Herausgeber regimeunabhängiger Zeitschriften. Zentrale Persönlichkeit der Bürgerrechtsbewegung *Öffentlichkeit gegen Gewalt. Politiker und Parlamentsabgeordneter.Ján Budaj wurde 1952 in Bratislava (Pressburg) geboren. 1971 wurde er für den Versuch, illegal die Staatsgrenze zu übertreten, verhaftet und musste eine einjährige Haftstrafe verbüßen. Er studierte von 1972 bis 1975 Mathematik und Physik am Pädagogischen Institut der Universität Trnava, schloss das Studium jedoch nicht ab. Bis 1989 arbeitete er als Heizer. Seit 1973 war er mit eigener Aktionskunst in der Pressburger Szene der unabhängigen Kultur aktiv. Er gründete mit anderen zusammen die Künstlergruppe „Degenerierte Generation“ (DG) für bildende Kunst und Performances. Die Künstler dieser Gruppe sahen im künstlerischen Schaffen staatlicher Einrichtungen keinen Wert und bezogen auch die Arbeit von Hochschulen in ihre Kritik mit ein. Zu ihnen gehörten unter anderem Tomáš Petřivý, Peter Sedala, Vladimír Archleb, Igor Kalný und Alexander Szabo. Die Künstler wurden ohne Grund verhaftet und vom Sicherheitsdienst verhört, sie verloren ihre Arbeit und ihre Pässe wurden eingezogen. Ján Budajs Wohnung diente mehrmals als Treffpunkt für Zusammenkünfte und Gespräche mit Prager Künstlern aus dem Kreis der unabhängigen Kultur. Budaj unterhielt auch Kontakte zur polnischen Opposition, so zu späteren Aktivisten des *KOR (Komitee zur Verteidigung der Arbeiter), der *Solidarność und zu Personen aus dem Umfeld von Andrzej S. Jagodziński und Aldona Jawłowska. Mit Gabriel Levicki und anderen organisierte er eine von den staatlichen Behörden nicht zugelassene Ausstellung auf dem Gelände der Badeanstalt Lido in Bratislava. 1977–78 wollten er und andere eine Fliegende Universität aufbauen. Zu den Seminaren luden sie Politiker und Intellektuelle wie etwa Miroslav Kusý, Milan Šimečka und Tomáš Strauss ein, die ständigen Repressalien durch die Staatsmacht ausgesetzt waren. Ihre Bemühungen wurden jedoch schon nach kurzer Zeit von den Behörden vereitelt. Obwohl Budaj Kontakte zu den tschechischen Unterzeichnern der *Charta 77 hatte, unterschrieb er die Petition nicht. Er vertrat die Ansicht, dass die Petition nicht an seine Generation gerichtet sei, da diese nicht ihr ganzes Leben im Kommunismus verbringen wolle. 1978 organisierte er zusammen mit anderen die „Woche der fiktiven Kultur“. Plakate im Zentrum Bratislavas kündigten Ausstellungen nicht existierender Kunstwerke sowie Veranstaltungen an, die niemals stattfanden. Dies waren beispielsweise Konzerte von Bob Dylan oder Ausstellungen von Salvador Dalí, denen die kommunistischen Machthaber unter keinen Umständen die Zustimmung erteilt hätten. Ein Jahr später gründete Budaj die „Temporäre Gesellschaft intensiven Erlebens“ (Dočasná spoločnosť intenzívneho prežívania; DSIP), die gegen die „überall herrschende beängstigende Ruhe und den Stillstand“ in der Gesellschaft angehen wollte. In ihren bekanntesten Aktionen legten sich die Künstler auf den Bürgersteig im Zentrum von Bratislava oder ketteten Vladimír Archleb an das Gitter des Hauses für Politische Bildung. Seit 1978 war Budaj auch in der Ökologie-Bewegung aktiv. 1980 veranstaltete er die Aktion „Drei sonnige Tage“ (Tri slnečné dni), bei der sich Untergrundkünstler, Ökologen und Kunsthistoriker aus Bratislava, Prag, Brünn (Brno) und Warschau trafen. Bereits nach den ersten Tagen löste der Sicherheitsdienst diese Zusammenkunft auf und verhörte die angereisten Teilnehmer. Ein Jahr später startete Budaj eine Initiative zur Rettung der alten Friedhöfe in Bratislava, welche von der Regierung in Parks umgewandelt werden sollten. Die Teilnehmer dieser Aktion wurden sofort verhört und auch die Zeitschrift „Der Naturschützer“ (Ochranca prírody), in der er die Initiative thematisierte und deren Redakteur Budaj war, war daraufhin Schikanen ausgesetzt. Die Zeitschrift wurde vorübergehend eingestellt und unterlag nach ihrem Wiedererscheinen strengeren Zensurbestimmungen. Durch die Kampagne konnten aber einige Friedhöfe vor der Zerstörung gerettet werden. Der Höhepunkt Budajs ökologischen Wirkens war die Herausgabe des politisch-dokumentarischen Bandes *„Bratislava/nahlas“ (Bratislava/laut). Da viele bekannte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben der Slowakei, die sich zuvor nicht in der Bürgerrechtsbewegung engagiert hatten, ihre Unterstützung zeigten, wurde „Bratislava/nahlas“ zur Zielscheibe einer scharfen Medienkampagne. Außerdem leiteten die Behörden gegen die Autoren und Herausgeber des Bandes ein Strafverfahren ein. Budaj war schon zuvor publizistisch tätig gewesen. 1981–83 leitete er zusammen mit anderen die Redaktion der Zeitschrift *„Kontakt“. In deren erster Ausgabe schrieb er den Essay „Der Pressburger Fußgänger“ (Bratislavský chodec), in der er eine Reise über die Straßen Bratislavas und durch die unbekannte Geschichte der Slowakei beschrieb. Laut Budaj verhindere „das mangelnde Wissen der Slowaken über sich selbst“ eine Verständigung mit den Tschechen. Er unterstrich die Notwendigkeit, offen über den slowakischen Nationalismus und über die Beziehung der Slowaken zu den nationalen Minderheiten zu sprechen und sich dem eigenen Kulturerbe sowie den ausgeblendeten jüdischen, deutschen und ungarischen Traditionen in der Slowakei zu stellen. In seiner Arbeit „3SD“ (Tri slnečné dni/Drei sonnige Tage) präsentierte Budaj Projekte von slowakischen und ausländischen Künstlern und beteiligte sich an einer Publikation mit dem Titel „Atmosphäre“ (Ovzdušie). 1982 veröffentlichte er das populär gewordene Buch „Selbstverteidigung“ (Sebaobrana), welches eine Anleitung zum richtigen Verhalten bei Verhören beinhaltet. František Mikloško druckte mehrere tausend Exemplare für die Aktivisten der katholischen Untergrundkirche. Zwischen 1983 und 1989 nahm Budaj an Aktionen der katholischen Untergrundkirche teil. 1987 drehte er einen Dokumentarfilm über das Leben der Mönche, die in den 50er Jahren miterleben mussten, wie ihre Klöster und Ordensgemeinschaften verboten und aufgelöst wurden. Im selben Jahr arbeitete er in der Redaktion der Zeitschrift „K“ mit, die 1988 mit *„Fragment“ zu „Fragment K“ zusammengelegt wurde.Im Herbst 1989 gründete er die Bürgerinitiative „Ozdravenie“ (Heilung) und gab mit dem Ziel, die politische Opposition und alle oppositionell Eingestellten in der Gesellschaft zu einen, ein Gründungsdokument heraus. Die Initiative „Ozdravenie“ entstand am 10. November 1989 im Rahmen der Aktion „Bratislava – Grenzenlos“, als sich zum ersten Mal Bürgerrechtler aus den verschiedenen Milieus trafen: Ökologen, Künstler, Vertreter der Untergrundkirche und politische Oppositionelle. Obwohl der Veranstaltungsverlauf vom Sicherheitsdienst überwacht wurde und einzelne Personen gezwungen wurden, sich auszuweisen, wurde die Veranstaltung nicht aufgelöst.Während der der *Samtenen Revolution in der Slowakei war Budaj einer der Gründer von *Öffentlichkeit gegen Gewalt (Verejnosť proti násiliu; VPN) und trat im November 1989 auf verschiedenen Demonstrationen in Bratislava auf. Er übte das Amt des Sprechers aus und fungierte später als Vorsitzender des Koordinationskomitees der Bürgerbewegung. Nach der ersten Sitzung des Parlamentes am 27. Januar 1990 wurde er zu dessen Vorsitzenden gewählt. Im März 1990 erhielt er ein Abgeordnetenmandat und wurde kurz darauf der erste Vizepräsident des Slowakischen Nationalrats. Bei den freien Parlamentswahlen im Juni 1990 kandidierte Budaj im Rahmen der Bürgerbewegung *Öffentlichkeit gegen Gewalt. Nach kurzer Zeit trat er jedoch von seiner Kandidatur zurück, da Vorwürfe gegen ihn laut wurden, in einem Dokument der Staatssicherheit als deren Mitarbeiter erwähnt worden zu sein. Eine aktive Tätigkeit für die Geheimpolizei konnte allerdings nicht belegt werden. Im Herbst 1990 trat er auch von seinem Amt des Vorsitzenden der Bürgerbewegung VPN zurück. 1991 unterstützte er die Initiative für eine unabhängige Slowakei. 1992–93 war er Chefredakteur der Tageszeitung „Meridian“ und später als freier Publizist, Fernsehproduzent und liberaler Politiker tätig. Budaj war mit am Zustandekommen der Slowakischen Demokratischen Koalition (Slovenská demokratická koalícia; SDK) beteiligt und zog mit ihr 1998 als Abgeordnete ins slowakische Parlament ein. Im Jahr 2000 gehörte er zu den Mitbegründern der Liberaldemokratischen Union (Liberálnodemokratická únia; LDÚ), deren Vorsitz er übernahm. Die Partei schaffte es jedoch nicht ins Parlament. In den Kommunalwahlen 2006 wurde Budaj zum Abgeordneten der Stadtvertretung von Bratislava gewählt und ist seit Januar 2013 Stellvertretender Oberbürgermeister von Bratislava. Juraj Marušiak Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 08/15

Wer war wer in DDR

Budzislawski, Hermann

* 11.2.1901 – ✝ 28.4.1978

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Fleischermstr.; Knabenschule der Jüd. Gemeinde Berlin, Oberrealschule, 1919 Abitur; 1919 – 23 Studium der Nationalökon. u. Staatswiss. an den Univ. Berlin, Würzburg u. Tübingen, 1923 Prom. zum Dr. rer. pol. mit der Diss. »Ökon. der menschl. Erbanlagen« in Tübingen; 1923/24 kfm. Angest.; 1924/25 Red. bzw. Chefred. der Ztschr. »Industrial and Trade Review for India« in Berlin; 1925/26 Hauslehrer in Fiesole (b. Florenz); 1926 Heirat mit Johanna Levy; 1926 – 33 Chefred. der Wiss. Korrespondenz Berlin u. freier journalist. Mitarb. des »Nachtexpress« u. der »Weltbühne« in Berlin; 1928/29 Mitbegr. u. Sekr. der »Ges. zur Förderung des Siedlungswerks in Birobidshan«; 1929 – 33 SPD, wollte 1932 Mitgl. der KPD werden, blieb aber auf Anraten von  Walter Ulbricht als KPD-Verbindungsmann in der SPD; März 1933 Flucht nach Zürich, bis Sept. 1933 unter dem Ps. Hermann Fischli Mitarb. des Berliner Büros der »Frankfurter Ztg.«; Nov. 1933 zus. mit dem Schweizer Emil Walter Gründer des antifa. Pressedienstes »Neue Presse Korresp.«; Jan. 1934 nach Prag; 1934 – 38 Mitbegr. u. Vors. des Dt. Volksfrontkomitees in Prag; 1934 – 39 Hrsg. u. Chefred. der »Neuen Weltbühne« in Prag bzw. ab Okt. 1938 in Paris; 1935 Ausbürgerung aus Dtl.; 1938 tschechoslowak. Staatsbürgerschaft; Mai 1938 nach Paris, Vors. des Aktionsaussch. Dt. Oppositioneller in Paris; enge Geheimkontakte zur Exil-KPD, in deren Auftrag Öffnung der »Neuen Weltbühne« für die Volksfrontpolitik; 1939 Mitgl. im »Aktionsaussch. der dt. Opposition« in Paris; Sept. 1939 Zerwürfnis mit der KPD-Auslandsltg. wg. des Hitler-Stalin-Pakts; Sept. 1939 Verbot der »Neuen Weltbühne« durch die franz. Behörden; 1939/40 in Frankreich interniert, mit Unterstützung des Emergency Rescue Committee Flucht nach Portugal u. mit Hilfe des Unitarian Service Committee Okt. 1940 Emigr. in die USA; bis 1948 in New York, hier Red. u. Autor für bedeutende Tagesztgn.; 1940/41 freier Journalist; 1941 – 45 Mitarb. u. Rechercheass. der amerik. Journalistin Dorothy Thompson; 1943 – 48 Kommentator u. Kolumnist (»Donald Bell«) der linksliberalen Overseas News Agency New York, hier Zusammenarb. mit  Maximilian Scheer; 1944 Mitbegr. des Council for a Democratic Germany. Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. der SED; seit 1948 pol. Kommentator des Mitteldt. Rundfunks; 1949 VDJ; 1948 – 54 Prof. für internat. Pressewesen an der Univ. Leipzig; 1949/50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Nov. 1950 als Westemigrant Funktionsverbot u. praktisch arbeitslos, Ende 1952 wieder aufgehoben; 1952 KB; 1953 – 58 Mitgl. im ZV bzw. Präs. des VDJ; 1954 – 59 Dir. des Inst. für Pressegeschichte der KMU Leipzig, 1959 – 67 dort Dir. des Inst. für Theorie u. Praxis der Pressearbeit; 1954 – 62 Dekan der Fak. für Journalistik; 1954 – 59 Mitgl. des FDGB-BV; 1954 – 58 Mitgl. der ZPL der Fak. für Journalistik; 1955 – 66 Mitgl. des Exekutivrats der Weltföderation der Wissenschaftler; 1956 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1958 kurzz. Ltg. der Sendereihe »Berliner Treffpunkt« im DFF (als Vertreter von  Karl-Eduard v. Schnitzler); 1958 – 66 Abg. der Volkskammer, FDGB-Fraktion, stellv. Vors. des Aussch. für Kultur, ab 1967 Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1962 Mitgl. des Dt. Friedensrats u. 1963 des Präs. der UNESCO-Kommission der DDR; Dr. h. c. der KMU Leipzig; Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Wiss. u. des FDGB-Bundesvorst.; 1967 – 71 Hrsg. u. Chefred. der »Weltbühne«; 1970 VVO; 1974 Ehrenspange zum VVO; 1976 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Soz. Journalistik. Eine wiss. Einführung. Leipzig 1966. Journalismus u. Gesell. Fs. der Fak. Journalistik der KMU Leipzig. H. B. zum 65. Geburtstag. Leipzig 1966; Kurth, P.: American Cassandra. The Life of Dorothy Thompson. Boston u. a. 1990; Eckert, Th. A.: Die Neue Weltbühne unter Leitung von H. B. im »Fahrwasser der KPD«? In: Grunewald, M. (Hrsg.): Autour de »Front populaire allemand«. Bern 1990; Krauss, M.: Hans Habe, Ernst Friedländer, H. B. Drei Zonen, drei Städte, drei Schicksale. In: Krohn, C.-D. (Hrsg.): Zwischen den Stühlen? Remigranten u. Remigration in der dt. Medienöffentlichkeit der Nachkriegszeit. Hamburg 2002; Teuber, T.: Ein Stratege im Exil. H. B. u. die neue Weltbühne. Frankfurt (Main) 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Brillke, Erwin

* 15.5.1920 – ✝ 24.9.1981

Geb. in Berlin; Vater kfm. Ang.; Volksschule, Gymnasium; Ausb. zum Kfm.; Versicherungsang.; 1940 RAD, Wehrmacht, amerikan. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 SPD/SED; 1945/46 Versicherungsang.; 1946 – 49 parität. Ltr. der Abt. Verw. der Wirtschaftsbetriebe im Parteivorst. der SED; 1949/50 Lehrgang an der PHS in Liebenwalde; Chefred. u. Ltr. des Dt. Filmverlags; stellv. Dir. des Betriebs Druckbedarf der Zentrag; 1952 – 60 Ltr. des Verlags »Das Volk« in Erfurt; 1960 – 64 Sachbearb. bzw. Red. der Betriebsztg. im VEB Starkstromanlagenbau Erfurt; 1964 – 77 Abt.-Ltr. bzw. Dir. eines Betriebsteils der DEWAG; 1977 – 81 Abt.-Ltr. im Dt. Bauernverlag.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brodde, Werner

* 14.8.1898 – ✝ 1955

Geboren am 14. August 1898 im pommerschen Pyritz als Sohn einer Kindergärtnerin, sein Vater war der jüdische Arzt Dr. Walter Gutmann, der aus Angst vor der Deportation 1939 Selbstmord beging. Nach Beendigung der Schule besuchte er die Präparandenanstalt und war von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. Anschließend kaufmännische Lehre, arbeitete als Reisender und Vertreter. 1925 Mitglied der KPD. 1928 UB-Sekretär in Görlitz. 1929 wurde er Leiter der KPD im Stadtteil Breslau-West, 1930 Kassierer und Mitglied des Sekretariats der KPD-BL Breslau. Ende 1930 wurde er wegen »Beleidigung, Hausfriedensbruchs, Landfriedensbruchs und Widerstandes« zu 15 Monaten Gefängnishaft verurteilt. Nach seiner Entlassung zunächst Polleiter des Freidenkerverbandes in Breslau, dann ab Frühjahr 1932 Agitpropsekretär der KPD-BL Schlesien in Breslau. Brodde, der auch Vorsitzender der Stadtverordnetenfraktion der KPD in Breslau war, wurde Ende März 1933 verhaftet, bis Herbst 1933 im KZ. Von 1935 bis 1938 in der von der Mutter betriebenen Tabakwarenhandlung, anschließend war er wieder als Reisender und Vertreter tätig. Von 1942 bis 1944 Sachbearbeiter des Rüstungsbetriebes Rheinmetall-Borsig in Breslau-Hundsfeld. Im August 1944 als ehemaliger KPD-Funktionär erneut verhaftet und bis November 1944 im KZ Groß-Rosen festgehalten. 1945 kam Brodde nach Sachsen, wurde wieder Mitglied der KPD/SED und leitete den Sachsenverlag in Dresden, bis 1948 Generaldirektor der Export und Import GmbH in Dresden. Im Juni 1948 wurde er Sekretär für Wirtschaftspolitik des SED-LV Sachsen, später wurde er hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender des Verbandes Sächsischer Konsumgenossenschaften. 1953 wurde Brodde wegen »parteischädigenden Verhaltens« aus der SED ausgeschlossen und seine VdN-Anerkennung zurückgenommen. Nach Einspruch bei der ZPKK wieder Mitglied der SED. Werner Brodde starb im Sommer 1955.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brömmer, Hugo August

* 22.3.1895 – ✝ 6.12.1978

(* 1895 – † 1978) Geboren am 22. März 1895 in Schlotheim/Thüringen, Sohn eines Maurers; Seilerlehrling, 1911 Eintritt in den Deutschen Textilarbeiterverband, 1913 Mitglied der Arbeiterjugend. Von 1916 bis 1918 Soldat. Brömmer wurde 1917 Mitglied der SPD, trat 1919 der USPD bei und wurde ihr Ortsgruppenvorsitzender in Schlotheim. Im Herbst 1920 führte er die Mehrheit der Ortsgruppe in die VKPD. Von 1922 bis 1927 Stadtrat in Schlotheim und Mitglied des Kreisrates von Sondershausen, von Februar 1924 bis Februar 1927 Abgeordneter des Thüringer Landtags. 1928 in Pößneck KPD-Stadtverordneter, trat im Februar 1929 wegen des ultralinken Kurses aus der KPD aus und schloß sich im März 1930 der SPD an, für die er bis 1932 Abgeordneter im Kreisrat Saalfeld war. Als ehemaliger Funktionär der KPD bzw. SPD geriet Brömmer im August 1944 in die Verhaftungsaktion »Gewitter« der Gestapo und war bis Dezember 1944 im KZ Buchenwald inhaftiert. 1945/46 Parteisekretär der SPD in Pößneck, wurde im April 1946 Mitglied der SED und Angestellter der Stadtverwaltung Pößneck. Die Anerkennung als VdN wurde ihm 1950 aberkannt. Hugo August Brömmer starb am 6. Dezember 1978 in Pößneck.

Wer war wer in DDR

Brückner, Roland

* 14.12.1955

Geb. in Köthen (Sachsen-Anh.); 1961 Beginn mit dem Turnen; ab 1963 die KJS Berlin, Mitgl. des SC Dynamo Berlin (Trainer: Heinz-Dieter Schulze); 1972 fünf Siege bei der Kinder- u. Jugendspartakiade; 1975 – 90 SED; erster Olympiastart 1976 in Montreal, 3. Mannschaft; 1979 WM; bei den Olymp. Spielen 1980 Sieger am Boden, 2. Mannschaft, 3. Platz am Barren u. im Pferdsprung; 1981 WM u. EM am Boden; 23facher DDR-Mstr.; bis 1984 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1984 Beendigung der sportl. Laufbahn; anschl. Trainer beim SC Dynamo Berlin. 1990 Mitarb. im Landratsamt Bernau, dort zuständig für Sportförderung; seit Jan. 1992 Turntrainer in der Nähe von Göppingen.Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bruhn, Gustav

* 16.3.1889 – ✝ 3.2.1944

Geboren am 16. März 1889 in Angermünde, Sohn eines Eisenbahnarbeiters; lernte Tischler. Nach der Lehrzeit Soldat in Kiel, machte hier die Bekanntschaft seiner späteren Frau Elisabeth, die aus einer Landarbeiterfamilie stammte. 1912 trat er in Hannover der SPD bei. Im Weltkrieg zunächst bei einer Matrosendivision, später bei einer Pionierkompanie in Flandern. 1919 USPD und Delegierter des Spaltungsparteitags in Halle, 1920 Übertritt zur KPD. Bruhn wohnte in Heide/ Holstein, dort 1923 beim Aufstandsversuch festgenommen. Als Anhänger des linken Flügels der KPD Delegierter auf dem V. Weltkongreß der Komintern. Seit 1925 hauptamtlicher Parteisekretär für Heide-ltzehoe, von 1926 bis 1929 Mitglied der erweiterten BL Wasserkante sowie 1927 UB-Leiter in Lübeck. Im gleichen Jahre wegen Vertriebs einer Broschüre zur Zersetzung der Marine verhaftet, zu drei Jahren Festung verurteilt, kam auf die Festung Gollnow. Dort freigelassen, weil er 1928 im Wahlkreis Schleswig-Holstein als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt worden war. 1932 kam Bruhn nicht mehr ins Parlament. Im April 1933 »Schutzhaft«, zwar im Juli wieder freigelassen, jedoch wegen illegaler Arbeit für die KPD im September 1933 erneut verhaftet, am 14. März 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Frau Elisabeth Bruhn erhielt 1934 zwei Jahre Gefängnis. Nach Verbüßung der Zuchthausstrafe kam Gustav Bruhn ins KZ Sachsenhausen. Dort 1939 entlassen, schloß er sich gemeinsam mit seiner Frau der kommunistischen Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen an, beide wurden im Herbst 1942 abermals verhaftet. Nach den Fliegerangriffen auf Hamburg wurden sie für zwei Monate »beurlaubt«, doch meldeten sie sich nicht wieder, sondern gingen in die lllegalität. Bruhn geriet am 16. Dezember 1943 in die Hände eines Gestapospitzels, seine Frau wurde am 3.Februar 1944 verhaftet. Beide wurden ins KZ Neuengamme gebracht und dort am 14. Februar 1944 erhängt.

Brüning, Uschi

* 4.3.1947

Geb. in Leipzig; 1968 Gerichtssekr.; erste Auftritte mit einem Studioteam in Leipziger Studentenklubs; seit 1969 in Berlin, als Sängerin entdeckt von  [linkintern=?ID=1931]Horst Krüger[/linkintern], ab 1969  Klaus-Lenz-Band; Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialkl. Tanzmusik, Gesang); seit 1970 Berufssängerin; 1971 erste DDR-Tournee mit der Klaus-Lenz-Band u.  [linkintern=?ID=1925]Manfred Krug[/linkintern]; 1972 2. Preis beim Internat. Schlagerfestival in Dresden für »Dein Name«, LP »U. B. u. das  Günther-Fischer-Quintett«; 1974 LP »U. B. + [linkintern=?ID=819]Günther Fischer[/linkintern]« (Konzertmitschnitt); mehrere Auftritte bei »Jazz in der Kammer« in Berlin; DDR-Tournee mit der [linkintern=?ID=2073]Klaus Lenz[/linkintern] Band (LP »[linkintern=?ID=2073]Klaus Lenz[/linkintern] Big Band 1974«); Auftritt mit der Lenz-Band bei der »Jazz Jamboree« in Warschau (LP); ab 1975 Gruppe U. B. & Co. (Künstler. Ltg. Hermann Anders); 1977 1. Jazzbühne Berlin; 1981 3. Preis beim Festival »Kärnten Internat.« (Österreich); DDR-Tournee mit der Klaus-Lenz-Modern-Soul-Bigband und vielen weiteren DDR-Sängerinnen und Sängern (CD mit Konzert im Berliner Palast der Republik); 1982 LP »Uschi Brüning« (mit einem Studioorchester, Ltr. Eberhard Weise); seit 1982 verh., 1983 Beginn der Zusammenarbeit mit  Ernst-Ludwig »Luten« Petrowsky; Tournee mit George Gruntz (Mitwirkung an »Jazz Opera«); 1985 1. Jazztage der DDR in Weimar (mit Eberhard-Weise-Bigband); 1986 1. Intern. Frauen-Jazz-Festival in Frankfurt (Main); 1987 (auch 1989 und 1991) Konzerte mit European Jazz Ensemble (jeweils LP-Veröffentlichungen); 1988 LP »Kontraste« (mit Petrowsky); 1989 »Jazz in der Kammer Nr. 160« in Berlin (mit Petrowsky Workshop Band); ab 1989  Eva-Strittmatter-Programm »Ich mach ein Lied aus Stille« (1990 unveröffentlichte CD mit Manfred Schmitz u. Petrowsky). 1992 CD »Features Of Usel« u. »Enfant« (beide mit Petrowsky); 1993 JazzFest Berlin (mit Vielharmonie u. RBT String Orchestra); ab 1993 Programm »Vier im Konzert« (mit  [linkintern=?ID=464]Annekathrin Bürger[/linkintern], Barbara Kellerbauer u. Carola Nossek); 1994 CD »Vergeudete Lüste – Jazz, Blues, Chansons« (zusammen mit Angelika Neutschel); 1995 CD »Not Missing Drums Project« (mit Lauren Newton u. Joelle Léandre); Live-CD mit dem Jugendjazzorchester Sachsen; 1996 CD »Cooperations« mit  [linkintern=?ID=1649]Georg Katzer[/linkintern] und Petrowsky; ab 1997 regelmäßige Auftritte in der Veranstaltungsreihe »Jazz – Lyrik – Prosa« (Mitwirkung auf den Live-CDs »Jazz – Lyrik – Prosa II« und »Breitmaulfrösche – Ein Stengel, 5 Jazzer und viele Epigramme«, bei beiden 1999 mit Petrowsky und der Gruppe Enfant); 2002 CD »Dein Name – Das Porträt«, 4.12.2002 Gastspiel in Wiglaf Drostes Benno-Ohnesorg-Theater in Berlin (mit Petrowsky), 2004 CD »Swingin’ Ballads«, Konzerte mit  [linkintern=?ID=1925]Manfred Krug[/linkintern], 2005 Konzerte »All that Jazz« (mit Petrowsky) u. »Poetry meets Jazz« (mit Droste).

dissidenten.eu

Brüsewitz, Oskar

* 1929 – ✝ 1976

Schuhmacher, christlicher Aktivist, Prediger und Pfarrer; Selbstverbrennung aus Protest gegen die kommunistische DiktaturAm Anfang der Herbstrevolution in der DDR 1989 stand der Pfarrer Oskar Brüsewitz aus Rippicha. Mit seiner öffentlichen Selbstverbrennung am 18. August 1976 auf dem Marktplatz der Kreisstadt Zeitz setzte er ein Fanal im Kampf gegen den Kommunismus, mitten in einer Hochburg der sozialistischen Arbeiterbewegung und im „Wahlkreis“ des Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke. Jahrelang hatten die SED und ihr Staat zuvor von der Leitung der evangelischen Kirchenprovinz Sachsen verlangt, den „Störenfried“ zu versetzen, bis diese ihn zu einem Pfarrstellenwechsel drängte. Mit seinem flammenden Protest prangerte Oskar Brüsewitz nicht nur die staatliche Diskriminierung junger Christen in der DDR an („Funkspruch an alle ... Funkspruch an alle ... Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen“), sondern formulierte zugleich eine bittere Anklage an die Kirchenleitung wegen ihrer Rolle im Sozialismus. Oskar Brüsewitz wurde am 30. Mai 1929 in Willkischken (Litauen) als Sohn des Malermeisters Arthur und dessen Ehefrau Agathe geboren. Die Eltern bildeten ein ökumenisches Paar: sie katholischer, er evangelischer Konfession. Seine religiöse Unterweisung wie auch die seiner drei Geschwister orientierte sich an der väterlichen Glaubensauffassung. Brüsewitz besuchte von 1935 bis 1943 die Volksschule im nahe gelegenen Wischwill. Im ostpreußischen Kreuzingen (Kreis Hinrichswalde) nahm er eine Kaufmannsausbildung in einem Gemischtwarenhandel auf, die er aber abbrechen musste, weil er als Hitlerjunge zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde, der ihn nach Rosleben an der Unstrut, dann nach Atern an der Saale führte. Als Panzerfaustschütze wurde er 16-jährig zur Wehrmacht eingezogen. Brüsewitz kam in Warschau, Litauen und Ostpreußen gegen die Rote Armee zum Einsatz. Prägende Jahre, die auf ihn abfärbten und seinen Hang zu militärischen Vokabeln erklärten: „Wir stürmen“, nannte er es später, wenn er im SED-Staat für Gott werben wollte. Im Herbst 1945, nach seiner Kriegsgefangenschaft, fand sich die Familie im sächsischen Burgstädt wieder, wo er nun zum Schuhmacher ausgebildet wurde. 1947 ging er in den „Westen“, nach Melle in Niedersachsen, wo er in seinem Beruf arbeitete. 1949 machte er sich selbstständig und erwarb 1951 bei der Handwerkskammer in Osnabrück den Meistertitel. Er nahm erst in Melle, dann in Hildesheim am kirchlichen Gemeindeleben teil und engagierte sich beim Christlichen Verein junger Menschen. Nachdem seine erste, 1951 geschlossene Ehe geschieden worden war, siedelte er nach Weißenfels (Sachsen-Anhalt) über. Er fand eine Anstellung in einer Schuhfabrik, doch wurde er wegen einer ungenehmigten „Westreise“ entlassen. In diesen Jahren engagierte er sich leidenschaftlich, spontan und öffentlich wahrnehmbar in der Leipziger „Christen-Gemeinde Elim“: Oskar Brüsewitz fand dort seinen eigentlichen Beruf, den des Aktionstheologen. Die Zentrale dieser freikirchlichen Gemeinde, die besonders auf Missionstätigkeit Wert legte, an die wörtliche Geltung der biblischen Schriften glaubte und die Erwachsenentaufe durchführte, befand sich seinerzeit in Hamburg, weshalb die Elim-Gemeinden vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) im Vorgang „Sekte, Gnaudauer Gemeinschaftswerk“ beobachtet wurden. So geriet auch Oskar Brüsewitz schon in den 50er Jahren ins Visier der Staatssicherheit, die darum bemüht war, ihn so zu isolieren, dass er „nicht in den Augen der Menschen als Märtyrer für seine religiöse Idee steht“. Seitdem war er wiederholten, überwiegend verdeckten Pressionen der Staatsmacht ausgesetzt, die zunahmen, als er mit eigenen Mitteln ein Grundstück pachtete, darauf einen christlichen Kinderspielplatz errichtete, einen bemerkenswerten Schaukasten („Jesus Christus spricht: Ich bin der Erste“) oder einen ausrangierten Eisenbahnwagen aufstellte, um so Aufmerksamkeit zu erzeugen und zum Nachdenken anzuregen. Dies waren allesamt Aktionsformen, die er später auch in Rippicha anwenden sollte. Der Staat reagierte darauf heftig, was der unauffällig bleiben wollenden Elim-Gemeinde missfiel. Oskar Brüsewitz trennte sich gemeinsam mit seiner späteren Frau Christa Roland von dieser Gemeinde und schloss sich der evangelischen Landeskirche an. Der bekennende Christ hatte den Ehrgeiz, die Predigerschule in Wittenberg zu besuchen, doch musste er, kaum einen Monat dort, sie aus gesundheitlichen Gründen wieder verlassen. 1955 machte er sich erst in Markkleeberg, dann in Weißensee (Thüringen) selbstständig. Sein Geschäft, das sich auf Kinderschuhe spezialisiert hatte, florierte und verfügte zeitweise über bis zu zehn Angestellte. 1963 musste er es aufgeben, weil es staatlicherseits in die Produktionsgenossenschaft Handel Sömmerda vereinnahmt wurde, als deren Zweigstellenleiter er dann fungierte. Angesichts dieser Situation versuchte er 1964 einen zweiten, von Erfolg gekrönten Anlauf an der Predigerschule, die er 1969 in Erfurt abschloss. In einer Klausur nahm er zur sowjetischen Kirchenpolitik Stellung, die auf „Entkirchlichung“ und „Zersetzung“ ziele, „Christen gegen Christen ausspielen“ wolle in der Absicht, die Kirchen „willfährig zu machen“. Kurz: Die „Vernichtung einer Kirche durch einen totalitären Staat“. Von diesem Blickwinkel sollte Oskar Brüsewitz niemals abrücken, er ist vielmehr der Schlüssel zu seinem Fanal. Darin reiht sich organisch seine Examensarbeit ein, die sich mit dem Generalsuperintendenten Paul Blau, der ebenso dachte, auseinandersetzte. Einer solchen Kirchenpolitik zu widerstehen war dann das konsequent verfolgte Programm des Hilfspfarrers (1969/70), dann des Pfarrers von Droßdorf-Rippicha (Kreis Zeitz). Dort entwickelte er eine rege kirchliche Jugendarbeit und bemerkenswerte soziale Aktivitäten wie etwa die Einrichtung eines evangelischen Kinderspielplatzes; auch war seine unorthodoxe und undogmatische Art, in der DDR als Christ und Werber Gottes zu leben, auffallend. Nach einer ganzen Serie von verschiedenen symbolischen Protestaktionen nahmen staatliche Repressionen zu. So hatte er 1969 ein 2,5 Meter hohes Neonkreuz auf dem Turm der Rippichaer Kirche installiert, das in Richtung der Fernverkehrsstraße Zeitz–Gera weithin sichtbar leuchtete. Und als die DDR im selben Jahr propagandistisch großaufgemacht ihr 25-jähriges Bestehen feierte, hielt Oskar Brüsewitz diesen Selbstfeiern ein Plakat entgegen, das verkündete: „2.000 Jahre Kirche Jesu Christi“. Der von der SED ausgegebenen Parole „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“ entgegnete er sichtbar: „Ohne Regen, ohne Gott, geht die ganze Welt bankrott“. Zunehmend bedrängten staatliche Stellen die evangelische Kirchenleitung, diesen Pfarrer zu versetzen, was im Frühjahr 1976 erheblich massiert wurde. Nachdem die Kirchenleitung über Jahre dieses Ansinnen zurückgewiesen hatte, entschied sie sich im Sommer 1976, Oskar Brüsewitz einen Pfarrstellenwechsel nahezulegen. Der Pfarrer fühlte sich von seiner Kirche im Stich gelassen und entschied sich für den öffentlichen Freitod, den er als Fanal verstanden wissen wollte. Etwa 300 Menschen sahen am 18. August 1976 entsetzt zu, wie Brüsewitz im Talar auf dem Marktplatz von Zeitz brannte. Er hatte zuvor noch zwei Plakate angebracht, auf denen er den Kommunismus wegen seiner Verbrechen anklagte. Am 22. August 1976 verstarb Oskar Brüsewitz an den Verbrennungen im Bezirkskrankenhaus in Halle. Seine Bestattung wurde zu einer stillen Kundgebung der DDR-Opposition. Die SED und deren Repressivorgane versuchten vergeblich, das durch Brüsewitz gesetzte Fanal zu unterdrücken und zu verleumden. Die überraschend entstandene, wenn auch kleine Solidaritätsbewegung in der DDR verunsicherte die Kirchenleitung erheblich, die sich wiederum schroff gegen das 1977 in der Bundesrepublik gegründete „Brüsewitz-Zentrum“ wandte, welches die DDR-Opposition unterstützte und Repressalien des SED-Staates dokumentierte. Dieses Zentrum führte jährlich anlässlich des Todestages eine Gedenkfeier durch. Am 18. August 1990 wurde vor der Michaeliskirche in Zeitz eine Gedenksäule mit der Inschrift „Oskar Brüsewitz 18. 8. 1976“ feierlich eingeweiht.Helmut Müller-Enbergs Letzte Aktualisierung: 06/16

Wer war wer in DDR

Buchheim, Walter

* 28.1.1904 – ✝ 1.11.1979

Geb. in Pegau (Krs. Borna, Sachsen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1918 – 22 Ausbildung zum Metallschleifer, bis 1929 im Beruf tätig; 1929 – 31 Bergarbeiter im Braunkohlenbergbau; 1923 KJVD, Funktionen auf regionaler Ebene; 1926 KPD; 1931 – 33 Stadtverordneter in Groitzsch u. hauptamtl. Stadtrat; 1933 illeg. pol. Arbeit; Gefängnishaft, 1934 – 36 KZ Sachsenhausen; 1936 – 45 Metallschleifer. 1945 – 49 Stadtverordneter der KPD bzw. SED u. Bürgermstr. in Groitzsch; 1949 Besuch der Verw.-Akad. Forst-Zinna; 1950/51 Landrat im Krs. Zittau; 1951 LPS der SED in Meißen; 1952 – 59 1. Sekr. der SED-BL Chemnitz/Karl-Marx-Stadt, 1954 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1952 – 58 Abg. des Bez.-Tags Chemnitz/Karl-Marx-Stadt; 1954 VVO; 1958 – 63 Abg. der Volkskammer; 1959 – 61 stellv. Vors. des BV des FDGB (Nachf. von  Otto Lehmann); 1961 – 71 Vors. des ZA der Volkssolidarität (Nachf. von  Jenny Matern); 1969 – 71 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1971 Rentner; 1969 Ehrenspange zum VVO; 1974 KMO.Springer, P.: »Da konnte ich mich dann so’n bißchen entfalten«. Die Volkssolidarität in der SBZ/DDR. Frankfurt (Main) 1999.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Buchmann, Albert

* 28.10.1894 – ✝ 17.12.1975

Geboren am 28. Oktober 1894 in Pirmasens, Sohn eines Schuhmachers. Arbeiter in Schuhfabriken. 1910 Mitglied der Gewerkschaft und 1911 der SPD. Von 1914 bis 1919 Soldat bei der bayerischen Infanterie. Nach dem Krieg kam Buchmann im Januar 1921 über die USPD zur KPD. 1920 war er nach München übergesiedelt, wurde hier 1922 Vorsitzender der Schuharbeitergewerkschaft und im Januar 1923 Leiter der KPD München. Seit Herbst 1923 hauptamtlicher Sekretär der KPD Südbayern, wurde im Oktober 1923 verhaftet. Von Mai 1924 bis 1933 ununterbrochen Reichstagsabgeordneter der KPD im Wahlkreis Oberbayern-Schwaben bzw. Wahlkreis Württemberg. Als Nachfolger Joseph Schlaffers von 1925 bis 1932 Polleiter des Bezirks Südbayern der KPD. 1932 wurde Buchmann Polleiter im Bezirk Württemberg. 1932 inhaftiert und zu 18 Monaten Festungshaft verurteilt, durch die Amnestie aber im Dezember 1932 freigelassen. Ab Februar 1933 Leiter der illegalen KPD-Organisation in Württemberg, wurde Buchmann am 3. Mai 1933 verhaftet und am 27. Oktober 1933 vom OLG Stuttgart zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er im Zuchthaus Rottenburg verbüßte, anschließend im KZ Dachau. Ende 1936 erneut zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, saß er bis 1945 in Ludwigsburg und im KZ Sachsenhausen und war zuletzt im KZ Flossenbürg inhaftiert, dort am 23. April 1945 durch amerikanische Truppen befreit. Nach Zulassung der Parteien war Buchmann Vorsitzender der KPD von Nordwürttemberg, später von Württemberg-Baden; Abgeordneter (Fraktionsvorsitzender) der KPD im Landtag. 1948 Mitglied des PV der westdeutschen KPD, gehörte bis 1953 dem KPD-PV, ab 1953 dem ZK der KPD an. Im Sommer 1953 ist er mit seiner Familie in die DDR übergesiedelt. In Ost-Berlin zunächst Instrukteur des Arbeitsbüros bzw. der Westabteilung des ZK der SED und von 1953 bis 1969 hauptamtlicher Parteisekretär der Einjahresschule »Ernst Thälmann« der illegalen KPD in Schmerwitz in der DDR. 1959 wurde er als »Delegierter der KPD« zur Konferenz der Großmächte nach Genf entsandt. Albert Buchmann starb am 17. Dezember 1975 in Ost-Berlin. Seine Frau Erika Buchmann (* 11. 11. 1902 – †20. 11. 1971) war die Tochter des bekannten Münchener Armen-Arztes Schollenbruch, sie wurde als aktive kommunistische Funktionärin von den Nazis verfolgt und war von 1935 bis 1945 in Stuttgart und zuletzt im KZ Ravensbrück inhaftiert. Danach leitete sie die Frauenarbeit der westdeutschen KPD. Inge Buchmann (* 24. 3. 1927 – † Mai 1987), die Tochter von Albert und Erika Buchmann, war in der FDJ aktiv und zeitweilig mit dem 1953 in die Bundesrepublik geflüchteten 2. Sekretär des FDJ-ZR Heinz Lippmann verheiratet.

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Büchs, Franz Xaver

* 18.4.1889 – ✝ 22.6.1940

Geboren am 18. April 1889 in Augsburg, Sohn eines Malers und einer Arbeiterin; gelernter Schlosser. 1910 kam Büchs nach Nürnberg und arbeitete bei der Firma MAN. 1910 Mitglied der SPD, 1917 der USPD. Aktive Beteiligung am Munitionsarbeiterstreik 1918. Mit der linken USPD (Delegierter des Spaltungsparteitags) ging Büchs 1920 zur KPD und wurde deren Vorsitzender in Nürnberg, blieb aber weiterhin im Betrieb tätig. Auf Anordnung der Zentrale gab er 1923 die Fabrikarbeit auf, um illegal für die verbotene KPD zu wirken. Anfang 1924 zusammen mit anderen Kommunisten bei einer illegalen Sitzung in Stuttgart verhaftet und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Im April 1924 und wieder 1928 als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt, mußte er vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Neben seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter in den folgenden Jahren für die Betriebszellenarbeit der KPD in Bayern verantwortlich. Büchs zählte zum rechten Parteiflügel; deshalb Anfang 1930 zusammen mit anderen bayerischen Opponenten aus der KPD ausgeschlossen. Er war kurze Zeit in der KPO, dann in der SPD, für die er bis 1932 im Landtag blieb. Danach eröffnete er in Nürnberg ein Zigarrengeschäft. 1933 einige Male verhaftet und bei mehrfachen polizeilichen Vernehmungen mißhandelt. Im Juni 1940 verhaftete die Gestapo Büchs sowie ein anderes SPD-Mitglied erneut. Nachdem sich dieser Mitgefangene (wahrscheinlich nicht freiwillig) aus dem Fenster gestürzt hatte, erhielt seine Frau die Nachricht, Franz Xaver Büchs habe sich am 22. Juni 1940 in seiner Zelle erhängt. Seinen Leichnam konnte sie erst nach der Aufbahrung im Leichenhaus sehen, irgendwelche Anzeichen einer Strangulation waren nicht festzustellen. Über die Todesursache wurde keine schriftliche Bescheinigung erteilt, mehrere Hinweise deuten darauf hin, daß Büchs ermordet wurde.

Wer war wer in DDR

Buder, Johannes

* 16.11.1884 – ✝ 13.7.1966

Geb. in Berlin; Gymnasium, 1904 Abitur; 1904 – 08 Studium der Naturwiss., insb. Botanik und Math. an der Univ. Berlin, dort 1908 Prom.; 1908 – 09 Ass. am Botan. Inst. der Univ. Heidelberg; 1909 Staatsexamen für das Höhere Lehramt (Botanik u. Zoologie für die Oberstufe, Math. u. Chemie für die Unterstufe); 1909 – 10 Ass. am Botan. Inst. der Landwirtsch. HS Berlin; 1910 – 22 1. Ass. am Botan. Inst. der Univ. Leipzig, dort 1911 Habil. im Fach Botanik, 1911 – 17 Privatdoz., 1917 – 22 außerord. Prof. für Botanik; 1922 – 28 ord. Prof. u. Dir. des Botan. Inst. u. des Botan. Gartens Univ. Greifswald; 1928 – 45 ord. Prof. u. Dir. der Botan. Anstalten der Univ. Breslau; 1945 Evakuierung aus Breslau nach Hildesheim u. dann nach Göttingen. 1947 – 56 Prof. mit Lehrstuhl für Botanik u. Dir. der Botan. Anstalten an der MLU Halle-Wittenberg, danach noch bis 1958 Fachrichtungsltr.; 1950 Mitgl. der Leopoldina, 1954 – 60 Mitgl. des Präsidiums; 1954 Mitgl. Sächs. AdW; 1959 Dr. rer. nat. h. c. der MLU; 1960 Ehrenmitgl. des Verb. Dt. Biologen; 1960 VVO; 1961 Vizepräs. der Dt. Botan. Gesell.; gest. in Halle (Saale). Arbeitsgebiete: Pflanzenphysiol., vor allem Aufbau des Vegetationskegels (Tunica-Corpus-Konzeption); Arbeiten zum Phototropismus; Geotropismus der Characeenrhizoide.Zur Kenntnis der phototaktischen Richtungsbewegungen. Jahrb. wiss. Botanik 58 / 1919; Neue phototropische Fundamentalversuche. Berichte der Dt. Botan. Gesell. 38 / 1920; Über den Bau des phanerogamen Sproßvegetationspunktes und seine Bedeutung für die Chimärentheorie. Berichte der Dt. Botan. Gesell. 46, 1. Generalversammlungs-Heft, 1928; Der Geotropismus der Characeenrhizoide. Berichte der Dt. Botan. Gesell. 74, 1. Generalversammlungsheft, 1961. Jacob, F.: J. B. 16.11.1884 – 13.7. 1966. Jahrbuch der Sächs. AdW 1966 – 68 (mit Bibliogr.).Michael Kaasch

Wer war wer in DDR

Buggenhagen, Marianne

* 26.5.1953

Geb. in Ueckermünde; 1959 – 69 POS; 1969 SC Dynamo Berlin, Sekt. Volleyball; Ausbildung zur Krankenschwester/Allgemeinmed. in Berlin-Buch; ab 1972 mehrmals an den Bandscheiben operiert; 1974 – 86 Hilfserzieherin in der berufl. Rehabilitation; seit 1977 querschnittsgelähmt, Rollstuhlfahrerin; 1977 Mitgl. der BSG Med. Berlin-Buch; seither Leistungssportlerin im Rollstuhl (Schwimmen, Tischtennis, Fahrdisziplinen, Leichtathletik/ Wurf); mehrf. DDR-Mstr. u. Teiln. an Intersport Invalid Cups sowie Länderkämpfen in Wien; 1989 erste Teiln. an Weltmeisterschaften, dreifache WM. Ab 1990 SC Berlin (Trainer: Bodo Heinemann); 1990 dreifache WM in Assen (Niederl.); 1992 vierfache Siegerin bei den Paralympics in Barcelona (Spanien); 1993 mit Victory Award (Washington) ausgez.; 1994 WM im Kugelstoßen, Diskus- u. Speerwurf u. im Fünfkampf bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behinderten in Berlin; 1994 Sportlerin des Jahres; 1995 mit dem Noul Foundation Award (Los Angeles) ausgez.; 1996, 2000 u. 2004 Olympiasiegerin im Kugelstoßen; 1996 u. 2008 Olympiasiegerin im Diskuswerfen; 1998 u. 2002 WM im Kugelstoßen; 2006 WM im Diskuswerfen; 2001 dreifache EM (Kugelstoßen, Diskus- u. Speerwerfen); 2003 EM im Kugelstoßen; insgesamt 30mal Gold, 10mal Silber u. 6mal Bronze; 2001, 2005 u. 2008 Silbernes Lorbeerblatt; Ehrenbürgerin von Angermünde; lebt in Berlin.Ich bin von Kopf bis Fuß auf Leben eingestellt. Die Autobiogr. 1996.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Brinksmeier, Dankwart

* 11.12.1956

Geb. in Naumburg (Saale); Vater Theologe, Mutter Gemeindehelferin; 1962 – 76 POS u. EOS in Dresden, Mitgl. des Kreuzchors; 1976 – 83 Theolog. Seminar an der kirchl. HS Leipzig, während des Studiums Sonderausbildung zum Seelsorger für Jugendliche; 1983 – 89 Jugendpfarrer im Kirchenkr. Aschersleben, leitete dort den Ausreisekrs. der Harzgegend u. einen Homosexuellenkrs., ab 1987 pol. Kirchennacht mit diversen Gesprächskrs.; 1985 2. Theolog. Examen; seit Sept. 1989 Studentenpfarrer in Berlin; 7.10.1989 Mitbegr. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Mitwirkung beim Aufbau von Basisgr. u. des Bez.-Verb. Berlin, Stellv. u. Sprecher des Landesvors. der SPD Berlin (Ost); 15.1.1990 Mitbegr. des Bürgerkomitees »15. Jan.«; ab Jan. 1990 in der Arbeitsgr. Sicherheit des Zentr. Runden Tisches tätig; Febr./März 1990 Reg.-Bevollm. im Innenmin., verantw. für die Kontrolle der Auflösung des MfS.; März – Okt. Abg. der Volkskammer, Vors. des Innenaussch. Okt. 1990 – April 1991 arbeitslos, freier Mitarb. im Direktorat Sonderaufgaben der Treuhandanstalt, Berater zu den Biogr. der Ostführungskräfte; ab Aug. 1992 Stadtrat für Bildung u. Sport in Berlin-Mitte; Krs.-Vors. der SPD Berlin-Mitte; Vors. des Bernstein-Kautsky-Krs. e. V.; Publ. zu den Themen Nomenklatura u. Machtstrukturen außerhalb des MfS; Vors. der SPD Strausberg; 1996 Beigeordn. in Strausberg; 2002 stellv. Bürgermestr. von Strausberg; Dezernent für Schule, Kultur, Sport u. Soziales in der Stadtverw. Strausberg, dort Amtsltr. des Schul-, Kultur- u. Sportamts.990 – April 1991 arbeitslos, freier Mitarb. im Direktorat Sonderaufgaben der Treuhandanstalt, Berater zu den Biogr. der Ostführungskräfte; ab Aug. 1992 Stadtrat für Bildung u. Sport in Berlin-Mitte; Krs.-Vors. der SPD Berlin-Mitte; Vors. des Bernstein-Kautsky-Krs. e. V.; Publ. zu den Themen Nomenklatura u. Machtstrukturen außerhalb des MfS; Vors. der SPD Strausberg; 1996 Beigeordn. in Strausberg; 2002 stellv. Bürgermestr. von Strausberg; Dezernent für Schule, Kultur, Sport u. Soziales in der Stadtverw. Strausberg, dort Amtsltr. des Schul-, Kultur- u. Sportamts.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brodmerkel, Hans

* 29.3.1887 – ✝ 2.2.1932

Geboren am 29. März 1887 in Burgebrach/ Oberfranken. Er übersiedelte nach Bremen und wurde selbständiger Schlachter. Vor 1914 Mitglied der SPD und während des Krieges Vorsitzender der Fleischergewerkschaft. Als Funktionär der Bremer Linksradikalen wurde er im Juni 1916 wegen Verbreitung illegaler Flugschriften kurzzeitig inhaftiert. Brodmerkel war Delegierter der Linksradikalen auf dem USPD-Gründungsparteitag 1917 in Gotha und auf dem Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin. Er war Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in der Bremer Räterepublik 1919. In der KPD aktiv, wurde Brodmerkel 1923 deren Abgeordneter in der Bremer Bürgerschaft. Anfang 1925 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, wurde aber Ende 1925 wieder aufgenommen. Nach erneutem Ausschluß 1929 Übertritt zur KPO und Funktionär dieser Gruppierung. Hans Brodmerkel starb am 2. Februar 1932 in Bremen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brönnle, Karl

* 4.1.1879 – ✝ 29.5.1952

Geboren am 4. Januar 1879 in Reichenbach/ Württemberg, Sohn eines Eisenbahnexpedienten. Nach dem Besuch der Oberschule ebenfalls Eisenbahndienst (Eisenbahninspektor), aber zugleich auch Schriftsteller. Er schloß sich 1904 der SPD, 1917 der USPD und 1920 der KPD an und arbeitete als Literatur- und Theaterkritiker für Parteizeitungen. Brönnle hatte zwar keinen Einfluß im Parteiapparat, wurde aber von der Führung geschätzt, weil er gute Verbindungen zu bürgerlichen Kreisen besaß und als Fachmann für Kulturfragen galt. Von 1924 bis 1928 vertrat er die KPD im Württembergischen Landtag. Er stand auf dem rechten Flügel der KPD, die er 1929 verließ, um sich der KPO anzuschließen. Bald trat er politisch nicht mehr in Erscheinung. Bis zu seiner Pensionierung 1945 bei der Bahn beschäftigt, hat er sich auch nach 1945 nicht mehr politisch betätigt. Karl Brönnle starb am 29. Mai 1952 in Stuttgart.

Wer war wer in DDR

Brugsch, Theodor

* 11.10.1878 – ✝ 11.7.1963

Geb. in Graz; Vater Heinrich B., Ägyptologe; Gymnasium in Berlin; 1898 – 1902 Med.-Studium in Berlin, dort 1903 Prom.; 1903 – 05 am Krankenhaus Altona, 1906 – 09 Assistenzarzt an der II. Med. Klinik der Berliner Charité (b. Friedrich Kraus), hier 1909 Habil.; 1910 Titularprof.; 1917/18 beratender Internist, zul. Stabsarzt eines Kriegslazaretts in Rumänien; 1919 – 27 wieder an der II. Med. Klinik der Charité, 1921 a. o. Prof.; 1927 – Juni 1935 Ordinarius für Innere Med. u. Dir. der Med. Univ.-Klinik Halle, 1931 Mitgl. der Leopoldina, Nov. 1935 nach Konflikten mit dem NS-Regime Entpflichtung als Ordinarius; 1935 – 45 Privatpraxis in Berlin; Febr. 1945 kurzz. Verhaftung u. Verhöre durch die Gestapo im Zusammenhang mit der Verfolgungswelle nach dem Hitler-Attentat vom 20.7.1944. Juli 1945 – 57 Ordinarius für Innere Med. u. Dir. der I. Med. Klinik der Charité; Mitgl. des HS-Aussch. des Berliner Magistrats, 1946 – 49 Vizepräs. der Dt. ZV für Volksbildung, maßgebl. an der Wiederaufn. des Lehrbetriebs an den Univ. beteiligt; 1946 Mitbegr. (zus. mit  Johannes R. Becher) des Clubs der Kulturschaffenden in Berlin, 1947 Gründer u. Präs. der Sozialhilfe Groß-Berlin, 1948/49 als Mitgl. des Dt. Volksrats an der Ausarbeitung der DDR-Verfassung von 1949 beteiligt, 1949 Mitgl. des Nationalrats; 1949 Dekan der Med. Fak. der HU Berlin; 1949 Ord. Mitgl. der DAW; 1949 – 54 Abg. der Volkskammer; 1949 Mitgl. des Präsidialrats, 1957 Vizepräs. u. 1963 Ehrenpräs. des KB; 1956 NP; 1958 VVO; 1957 em.; gest. in Berlin. Wiss. Arbeiten auf den Gebieten der Herz-Kreislauf- u. Stoffwechselerkrankungen, der Ernährungslehre sowie der Zusammenhänge von Persönlichkeitsstruktur, Konstitution u. Krankheit.Arzt seit fünf Jahrzehnten. Berlin 1957. Konert, J.: T. B. Internist u. Politiker. Leipzig 1988.Peter Schneck / Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Bruk, Franz

* 24.5.1923 – ✝ 7.9.1996

Geb. in Wien; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Bäcker; 1940 – 45 Wehrmacht, amerikan. u. brit. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Kassierer im Finanzamt Eberswalde; 1946 SED; 1946/47 Sekr. der DSF Eberswalde; 1949 Ltr. der KPS Eberswalde der SED; 1950/51 Studium an der PHS; 1951/52 Sekr. der SED-KL Senftenberg; 1952/53 1. Sekr. der SED-BL Cottbus; 1953/54 Studium an der PHS des ZK der KPdSU; 1954 – 58 1. Sekr. der SED-BL Halle (Nachf. von  Heinz Glaser); 1954 – 68 Abg. des Bez.-Tags Halle; 1958 – 66 Sekr. der SED-BL. Halle für Agit. u. Prop. (Nachf. von Kurt Benda), Ltr. der Ideolog. Kommission; 1964 u. 1976 VVO; 1966 – 73 Studiendir. bei den DEFA-Studios für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg (Nachf. von  Erich Mückenberger); 1967 – 71 Mitgl. der SED-BL Potsdam; polit. Mitarb. des Staatl. Komitees für Fernsehen.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Brünner, Horst

* 21.2.1929 – ✝ 19.6.2008

Geb. in Buchwald (Krs. Hirschberg, Niederschles./Bukowiec, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Industriekfm. 1947 Umsiedl., Gleisbauarbeiter; 1948 SED; Eintritt in die VP, Verw.-Angest., Gruppenführer eines Reviers; 1949 Schule der HV für Ausbildung in Döbeln bzw. Pirna, hier bis 1951 Politarb., Kommissar; 1951 – 53 Propagandist bzw. Lehrer an der Pol.-Schule der KVP in Potsdam; 1953 – 56 Propagandist, Ltr. der Parteischule bzw. Stellv. des Ltr. der Pol.-Abt. der KVP-Bereitschaft Prenzlau, Hptm.; 1956 – 58 Stellv. des Kdr. u. Ltr. der Pol.- Abt. der mot. Schützendiv. Prenzlau, Major; 1959 – 62 Militärakad. Dresden, Dipl. rer. mil.; 1962 – 65 Abt.-Ltr. in der Pol. HV der NVA; 1965 – 68 Stellv. des Chefs u. Ltr. der Pol. Verw. der Grenztruppen (Nachf. von Heinz Seyfert), 1964 Oberst; 1968 – 70 sowj. Gen.-Stabsakad.; 1971/72 Stellv. des Chefs u. Chef der Pol. Verw. des Militärbez. Neubrandenb. (Nachf. von Joachim Nebrig), 1971 Gen.-Major; 1972 – 85 Stellv. des Chefs der Pol. HV für org.-pol. Arbeit, 1976 Gen.-Ltn.; 1976 Kand., 1986 Mitgl. des ZK der SED; 1985 – 89 Stellv. des Min. u. Chef der Pol. HV (Nachf. von  Heinz Keßler); 1986 – 89 Vors. der ASV »Vorwärts«; 1987 Gen.-Oberst; 1985 VVO; 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer; Dez. 1989 Ruhestand. April 1998 Anklage u. Prozeß vor der 28. Großen Strafkammer des Berliner LG, 24.7.1998 Verurteilung wegen »Beihilfe zum Totschlag« zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung; ab Mai 2004 stellv. Vors. der »RotFuchs«-Regionalgruppe Uckermark.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Brüsewitz, Oskar

* 30.5.1929 – ✝ 22.8.1976

Geb. in Willkischken (Krs. Tilsit-Ragnit, Ostpr./Vilkyškai, Litauen); Vater Malermstr.; 1943 Ausbildung zum Kfm., abgebrochen; 1944 Wehrdienst, anschl. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 47 Ausbildung zum Schuhmacher in Burgstädt (Sachsen); anschl. Umzug nach Westf.; 1951 Schuhmachermeisterprüfung in Osnabrück; 1954 Übersiedl. in die DDR; ab 1955 selbst. Handwerksmstr. in Markkleeberg (b. Leipzig), dann in Weißensee (Thür.), nach staatl. verordneter Überführung des Geschäfts in die PGH Sömmerda, 1963 dort Zweigstellenltr.; 1964 – 69 Predigerschule in Erfurt, anschl. Hilfspfarrer, ab 1970 Pfarrer in Rippicha (Krs. Zeitz); dort erfolgr. kirchl. Jugendarbeit, zahlr. soziale Aktivitäten; aufgrund versch. symbol. Protestakt. zunehmende Konfrontation mit staatl. Stellen, die 1976 energisch auf eine Versetzung drängten, daraufhin Empfehlung zum Stellenwechsel von seiten der Kirchenltg.; 18.8.1976 öffentl. Selbstverbrennung vor der Michaeliskirche in Zeitz, Mitführung von Plakaten, auf denen der Kommunismus wegen seiner »Unterdrückung« angeklagt wurde; gest. im Bez.-Krankenhaus Halle-Dölau, die Bestattung in Rippicha wurde zu einer stillen Kundgebung des Widerstands. In seinem Abschiedsbrief warnte er vor dem »scheinbaren tiefen Frieden, der auch in die Christenheit eingedrungen ist«, obwohl »zwischen Licht u. Finsternis ein mächtiger Krieg« tobe. Sein »Fanal« löste einerseits starke Verunsicherung in der Kirchenltg., andererseits eine DDR-weite Solidarisierung von Theologen, Gemeinden u. krit. Marxisten aus. Der Staat versuchte, den Fall zu psychologisieren, u. reagierte u. a. mit verleumder. Artikeln im »Neuen Dtl.«; in der Bundesrep. Dtl. gründeten frühere DDR-Bürger, darunter Theologen, ein »Brüsewitz-Zentrum« zur Unterstützung der Opp. in der DDR u. zur Dokumentation von Repressalien; anläßlich der Gedenkfeier der 20jährigen Wiederkehr des Todestages gab es innerkirchl. Diskussionen um die Deutung der Selbstverbrennung.Motschmann, K.: O. B. Würzburg 1978; Müller-Enbergs, H., Stock, W., Wiesner, M.: Das Fanal. Das Opfer des Pfarrers Brüsewitz aus Rippicha u. die ev. Kirche. Münster 1999; Klier, F.: O. B. Leben u. Tod. Berlin 2004; Krampitz, K.: Ich werde dann gehen. Erinnerungen an O. B. Leipzig 2006; Brüsewitz-Feucht, R.: Das Kreuz u. die Flamme. Halle 2009.Ehrhart Neubert / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Buchholz, Adolf

* 5.7.1913 – ✝ 9.3.1978

Geb. in Berlin-Spandau; Vater Maurer; Grundschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Former; Mitgl. der Arbeitersportbew., 1926 Jung-Spartakus-Bund; 1928 DMV u. KJVD, Pol.- Ltr. des KJVD Berlin-Spandau, Jugendsekr. beim Einheitsverb. der Metallarb. Berlins; 1932 KPD u. Mitgl. der KJVD-BL Berlin, 1932 des ZK des KJVD; Jan. 1933 Org.-Ltr. des KJVD Berlin-Brandenb., illeg. pol. Arbeit (»Appel«); März 1934 Verhaftung, Sept. 1934 Verurteilung zu 30 Mon. Zuchthaus, 1934 – 36 Haft in Luckau; Juni 1937 Emigr. in die ČSR; aktiv bei der Bildung der FDJ in der ČSR; Nov. 1938 nach Großbritannien, Sekr. für Flüchtlingsfragen bei brit. Jugendorg.; Juli – Aug. 1940 Internierung auf der Isle of Man; bis 1941 Vors. der FDJ in Großbritannien u. Mitgl. der KPD-Ltg. in Großbritannien; Arbeit als Modellformer u. Versuchstechniker in London; 1944/45 im verdeckten Auftrag der GRU (über  Erich Henschke) Anwerbung durch den US-Geheimdienst OSS, Ausbildung u. Einsatz als OSS-Fallschirmagent (»Dolf«) in Dtl., Einsatz in Berlin, von der Roten Armee an die amerikan. Militärbehörden überstellt, anschl. Rückkehr nach Großbritannien. Sept. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 SED u. FDJ; Febr. – Okt. 1947 Chefred. der »Jungen Welt«; 1947 – 49 Journalist im SNB; 1949 – 51 Personalltr. in der HV Metallurgie der DWK bzw. des Min. für Schwerindustrie, zeitw. auch Sekr. der dortigen SED-BPO; 1951/52 Werkdir. im EKO Fürstenberg, 1952 – 60 Dir. des VEB Maxhütte Unterwellenborn (Nachf. von Rudolf Steinwand); 1952 Abg. des Bez.-Tags u. Mitgl. des Rats des Bez. Gera; 1960/61 Sektorenltr. in der SPK, 1961/62 kommissar. Abt.-Ltr., ab 1962 Abt.-Ltr. für Schwarzmetallurgie im VWR, später Dir. des VEB Rationalisierungsbetrieb Berlin; gest. in Berlin.Bungert, H.: The OSS and its cooperation with the Free Germany Committees, 1944 – 45. In: Intelligence and National Security (1997) 3; Gould, J. S.: Strange Bedfellows. The OSS and the London »Free Germans«. In: Studies in Intelligence (2002) 1.Andreas Herbst / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Büchner, Robert

* 18.10.1904 – ✝ 22.8.1985

Geboren am 18. Oktober 1904 in Eisleben; Mühlenarbeiter. Seit 1922 Mitglied der KJD, ab 1924 der KPD. 1924 Mühlenarbeiter im Rhein-Ruhr-Gebiet, wurde er 1928 Redakteur an der »Freiheit« in Düsseldorf, ab 1931 Redakteur in Wuppertal. Im November 1932 an die Leninschule nach Moskau delegiert, seit Oktober 1934 in Berlin, gehörte er der illegalen KJVD-Reichsleitung an. Am 18. Mai 1935 in Stettin festgenommen, am 27. Januar 1936 durch das Kammergericht Berlin zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis 1938 Haft u. a. im Zuchthaus »Roter Ochse« in Halle, anschließend im Straflager Aschendorfer Moor. Ende Juni 1940 Freilassung nach Eisleben, wieder Mühlenarbeiter. Büchner leitete von 1940 bis 1945 die Widerstandsgruppe »Antifaschistische Arbeitergruppe Mitteldeutschlands«. Bei Kriegsende von einem »Ausschuß« zum Oberbürgermeister der Stadt Eisleben ernannt, gründete er zusammen mit Otto Gotsche eine »Partei der Werktätigen«. Da es beim Einmarsch der Amerikaner am 13. April 1945 eine voll funktionsfähige Stadtverwaltung gab, wurde er zunächst in seinem Amt bestätigt, doch schon am 21. Juni 1945 enthoben. Büchner und seinen Genossen gelang es, die im Oktober 1943 von den Nationalsozialisten aus der sowjetischen Stadt Puschkin entfernte, zum Einschmelzen nach Eisleben transportierte Leninstatue in zentraler Lage aufzustellen. Als am 2. Juli 1945 der Wechsel der Besatzungstruppen stattfand, sollen die Rotarmisten kein Interesse am Erhalt des Lenindenkmals gezeigt haben. Büchner wurde 1947 Chefredakteur der SED-«Volksstimme« in Magdeburg. Dort im Frühjahr 1950 wegen »provokatorischen Verhaltens« abberufen, weil in seinen Leitartikeln »Abweichungen« enthalten waren und er sich den Anweisungen der SED-Landesleitung widersetzte. Nach einem Studium an der PHS Mitglied des Redaktionskollegiums des »Neuen Deutschlands«, im März 1953 vom Politbüro wegen »parteischädigenden Verhaltens« aus der SED ausgeschlossen, zur Arbeit im VEB Osthafenmühle abgeschoben. 1956 wieder in die Partei aufgenommen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IML. Robert Büchner starb am 22. August 1985 in Ost-Berlin. Seit 1991 steht die Leninstatue von Eisleben im Innenhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin.

Wer war wer in DDR

Buchwitz, Otto

* 27.4.1879 – ✝ 9.7.1964

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Schlosser; 1885 – 93 Volksschule in Breslau; 1883 – 96 Ausbildung zum Metalldrücker u. Eisendreher, anschl. im Beruf bzw. als Weber tätig; 1896 DMV; 1898 SPD; 1899 – 1901 Militärdienst; ab 1907 – 13 hauptamtl. Gewerkschaftsfunktionär des Dt. Textilarbeiterverb., Sekr. für das Chemnitzer Landgebiet; 1914 – 18 Kriegsdienst (Ostpr.); 1919 stellv. Landrat für den Krs. Görlitz; Aug. 1919 hauptamtl. Sekr. u. 1920 – 33 Pol.-Sekr. des SPD-BV Niederschles.; 1921 – 24 Abg. des Preuß. Landtags, 1924 – 33 des Dt. Reichstags; 1924 Aufbau des Reichsbanners u. 1931 der Eisernen Front in Niederschles.; 1932 drei Mon. Haft wegen Waffentragens; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit; 1933 – 40 Exil in Dänemark; Mitgl. der dän. SP; 1936 – 39 Mitarb. an der Emigrantenztg. »Freies Dtl.«, der Ztg. »Arbeiterbladet« (Oslo), »Sozialdemokrat« (Stockholm) u. an der »Neuen Volksztg.« (New York); 1937 dt. Staatsbürgerschaft aberkannt; 17.4.1940 Verhaftung in Kopenhagen, Haft im Gefängnis Vesterbro; 17.7.1940 Auslieferung nach Dtl., 1941 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« unter Anrechnung von elf Mon. U-Haft zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, 1941 – 45 Haft im Zuchthaus Brandenb.-Görden u. KZ Sonnenburg. 1945/46 SPD/SED; 1945 Mitgl. des vorbereitenden Aussch. zur Gründung der SPD, kommissar. Landesvors., ab Juli Vors. des SPD-LV Sachsen; 1945 Präs. der Beratenden Versamml. (prov. Landtag Sachsen); seit 1946 Mitgl. des Dt. Friedensrats u. des Präs. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1946 – 48 mit  Wilhelm Koenen Vors. der SED Sachsen; 1946 – 52 Abg. u. Landtagspräs. in Sachsen; Mitgl. der DWK; ab 1946 Mitgl. des PV bzw. des ZK der SED; 1948 – 50 mit  Hermann Matern Vors. der ZPKK; 1950 – 64 Abg. der Volkskammer u. ihr Alterspräs. (Nachf. von  Wilhelm Pieck); ab Ende 1952 Ehrenpräs. des DRK; 1953 KMO; Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1954 Ehrenbürger der Stadt Dresden; 1955 VVO; 1957 Ehrensenator der TH Dresden; 1959 Banner der Arbeit; Lenin-Friedenspreis; 1963 Ehrenbürger der Stadt Dresden; 1964 Held der Arbeit; gest. in Dresden.Brüder in eins nun die Hände. Berlin 1958. O. B. 50 Jahre Funktionär der dt. Arbeiterbew. Berlin 1958; Seydewitz, R.: Der Klasse treuer Kämpfer. Aus dem Leben von O. B. Berlin 1961; Zimmermann, F.: O. B. Ein Lebensbild. Berlin 1984; Matzerath, J.: Aspekte sächs. Landtagsgeschichte. Präsidenten u. Abgeordnete von 1833 bis 1952. Dresden 2001; Simowitsch, S.: »? werden als Wortbrüchige in die Geschichte der SPD eingehen ?« Sozialdemokrat. Konvertiten. Berlin 2006.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Budich, Willi

* 16.4.1890 – ✝ 22.3.1938

Geboren am 16. April 1890 in Cottbus, Kind einer sorbischen Bauernfamilie. Schlosserlehre, 1909 Ingenieurstudium am Technikum in Mittweida. 1910 Mitglied des DMV und der SPD. 1914 Einberufung zum Militärdienst, während des Krieges stieß er zur Spartakusgruppe und wurde enger Mitarbeiter von Leo Jogiches und Hugo Eberlein. Nach einer Verwundung an der Westfront Schreiber der Berliner Garnisonsverwaltung (Garde-Feldartillerie). Budich gehörte als Spartakusmitglied auch der USPD an und war an der Herstellung und Verbreitung illegaler Flugblätter für die Armee beteiligt. Gemeinsam mit Jogiches einer der Organisatoren des Spartakusbundes (Deckname Brandt), wurde am 24. März 1918 verhaftet. Durch die Revolution befreit, leitete er in der Zentrale des Spartakusbundes die militärische Arbeit, als Führer des Roten Soldatenbundes. Bei einer Demonstration am 6.Dezember 1918 schwer verletzt, verlor Budich einen Arm. Gerüchte um seinen Tod veranlaßten Rosa Luxemburg, Lotte Pulewka zu beauftragen, nach Budich zu suchen. Diese fand ihn im Berliner Virchow-Krankenhaus. Nach seiner Genesung im März 1919 Übersiedlung nach München, in der Räterepublik Mitglied des Vollzugsrats (Pseudonym Dietrich). Nach der Niederschlagung der Räterepublik 1919 zunächst Flucht nach Wien, anschließend in die Sowjetunion. Dort Delegierter des II. Weltkongresses der KI, wurde persönlich von Lenin empfangen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1921 illegale Rückkehr nach Deutschland. Nach dem VII. Parteitag der KPD 1921 Leiter des Oberbezirks der KPD Nord-Ost (Pommern, Ostpreußen, Danzig und Mecklenburg). Im Frühjahr 1922 verhaftet, Überstellung nach Berlin. Da die Gefahr der Auslieferung nach Bayern bestand, wo ihn ein Todesurteil erwartete, flüchtete Budich erneut in die Sowjetunion. Hier im Apparat der Komintern und in der Leitung der Internationalen Roten Hilfe (IRH) tätig. Von 1924 bis 1928 unter dem Pseudonym Gerbilski Leiter der russisch-österreichischen Handelsgesellschaft Russawstorg in Wien. Ab 1928 wieder in Moskau, Mitarbeiter am MELI. Da der Haftbefehl aus dem Jahre 1919 durch eine Amnestie aufgehoben worden war, konnte Budich im Dezember 1929 nach Deutschland zurückkehren. Er wurde Redakteur der »Roten Fahne«, anschließend Leiter der Verlagszentrale AG (Druck und Vertrieb der KPD-Presse- und Literatur) und Leiter der Geschäftsabteilung (GESCHA) des ZK. Im November 1932 in den Reichstag gewählt, wurde ihm während der Reichstagssitzung am 7.Dezember 1932 bei einer Schlägerei mit den Nazis das Knie zertrümmert. Im Dezember 1932 befand er sich in einer Klinik und lebte bis Mai 1933 illegal. Ende Mai 1933 wurde Budich mit zwei seiner Sekretärinnen von der Gestapo verhaftet und im KZ Columbiahaus schwer mißhandelt. Eine von Fritz Heckert und Jelena Stassowa von Moskau aus organisierte internationale Befreiungskampagne, die auch die französischen Schriftsteller Louis Aragon und Romain Rolland unterstützten, führte zu Budichs Entlassung aus der Gestapohaft. Über Prag emigrierte er im August 1933 in die UdSSR, kam sofort in ein Sanatorium und arbeitete anschließend als Mitglied der Exekutive der IRH (MOPR) in Moskau. Dort wurde er vom NKWD am 19.September 1936 verhaftet. Am 22. März 1938 wurde Willi Budich in Moskau zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen.

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Buhl, Hermann

* 31.10.1935

Geb. in Hainsberg (b. Dresden), aufgewachsen in Marienberg (Erzgeb.); Vater Förster; 1942 – 50 Grundschule; 1950 – 54 OS, Abitur; 1954 KVP, ab 1956 NVA, 1957 / 58 Ausbildung an der Offiziershochschule Döbeln bzw. Plauen; anschließend Delegierung zum ASK Vorwärts Berlin (Trainer Curt Eins); 1958 2. Pl. DDR-Waldlaufmeisterschaften 2.500 m; viermal DDR-Mstr. 3.000 m-Hindernis (1958, 1959, 1961, 1962); 1960 DDR-Mstr. Waldlauf 2.500 m; viermal DDR-Rekord 3.000 m-Hindernis (1958 – 60), 3.7.1960 persönl. Bestzeit 8:34,0 min (Jahresweltbestzeit / als DDR-Rekorde erst 1966 durch Dieter Hartmann verbessert); Teiln. Olymp. Spiele 1960 (im Vorlauf als 4. ausgeschieden); Teiln. EM 1958 (11. Pl.) u. 1962 (4. Pl.); Teiln. Akad. Weltspiele 1959 5.000 m (4. Pl.); 1.9.1963 DDR-Meisterschaften in Jena: Achillessehnenriß beim letzten Wassergraben auf WR-Kurs; 1964 Comeback; 1965 letzter Wettkampf in Dresden, danach dienstbeschädigt als Hptm. entlassen; 1959 – 63 Studium der Philos. an der KMU Leipzig; 1959 – 64 Mitgl. des ZR der FDJ; 1965 – 70 Medizinstudium an der Med. Akad. Magdeburg; 1970 – 75 Facharztausbildung für Sportmed. in der Universitätsklinik Leipzig (Schwerpunkt konservative Orthopädie u. Innere Medizin); 1973 Prom.; danach Assistenzarzt bzw. Oberarzt an der Klin. Abt. u. Tagesklinik am Forschungsinst. für Körperkultur u. Sport Leipzig; 1980 – 90 stellv. Dir. für Forschung (Schwerpunkte Energiestoffwechsel, Muskelphysiologie, Histologie der Muskel- und Lebergewebe, Zentralnervensystem u. motor. Lernprozeß, kardio-pulmonales Funktionssystem, Hypoxiewirkung, Trainingslehre u. -betreuung); 1983 Habil. an der KMU Leipzig; 1987 dort Prof. mit Lehrstuhl für Sportmedizin; 1972 – 82 bzw. 1985 – 90 Verbandsarzt der Nationalmannschaft Leichtathletik (Mittel- u. Langstrecke) bzw. Radsport. 1990 – 92 Gastprof. an der Univ. Paderborn; 1992 – 94 bzw. 1993 – 96 Lehraufträge für Sportmed. bzw. Ernährungsmed. an den Univ. Marburg bzw. Gießen; 1992 – 2004 Ärztl. Ltr. der Rehabilitationskliniken Orthopädie u. Innere Med. in Bad Soden-Salmünster, Würzburg u. Bad Wildungen; 1999 – 2003 bzw. 2003 – 08 Lehrauftrag an der FS für Physiotherapie Bad Orb bzw. Hess.-Lichtenau; 2000 – 04 Ltr. der Sportmed. Untersuchungsstelle des Landes Hessen; 2005 – 08 Ärztl. Ltr. des Inst. Predia in Würzburg; 2006 – 08 Lehrauftrag für Sportmed. an der Univ. Würzburg; seit 2008 Wiss. Berater des Inst. für Höhenbalance in Köln; 1987 GutsMuths-Preis.Volker Kluge

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Brock, Fritz

* 22.7.1931 – ✝ 6.12.2014

Geb. in Leipzig; Vater Dreher; Volks- u. Mittelschule. 1946 – 48 Lehre als Former; 1946 FDJ u. FDGB, 1947 SED; 1948/49 Arbeit als Former im VEB Leipziger Eisen- u. Stahlwerke; 1949/ 50 Sekr. der FDG-GO der VEB Leipziger Eisen- u. Stahlwerke; 1950/51 Betriebsassistent in den VEB Leipziger Eisen- u. Stahlwerken; 1951 Lehrgang an der Wirtschaftsschule Gotha; 1951 – 53 Betriebsteilltr. der VEB Leipziger Eisen- u. Stahlwerke; 1953 – 55 Instrukteur der Abt. Maschinenbau u. Metallurgie des ZK der SED, 1955 – 58 Sektorenltr., 1958 – 64 stellv. Ltr. der Abt. Maschinenbau u. Metallurgie; 1964/65 Ltr. der Abt. für ideolog. Arbeit bzw. Arbeitsgr.-Ltr. pol. Massenarbeit beim Büro für Industrie u. Bauwesen beim PB des ZK der SED; 1964 VVO; 1965 – 89 Ltr. der Abt. Gewerkschaften u. Sozialpol. (Nachf. von  Josef Steidl); 1970 u. 1981 VVO; 1968 – 77 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1972 Banner der Arbeit; 1975 u. 1981 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1976 Banner der Arbeit; 1976 – 89 Mitgl. der ZRK der SED; 1984 VVO; Dez. 1989 – Febr. 1990 Mitarb. der Kommission Wirtsch.-, Landw.- u. Sozialpol. des SED/PDS-PV, Beendigung der hauptamtl. Arbeit zum 28.2. 1990; anschl. Tätigkeit als Paketverteiler in einem Berliner Postamt, gest. in Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Broh, James

* 9.11.1867 – ✝ 1942

Geboren am 9. November 1867 in Perleberg/ West-Prignitz. Nach dem Studium Rechtsanwalt in Berlin, dann Justizrat. Stadtverordneter in Charlottenburg, ab 1917 führend in der USPD, linker Kritiker bei den Programmdebatten. 1920 trat Broh zur KAPD über, dort mit Franz Pfemfert und Otto Rühle Vertreter der »Einheitsorganisation« (Allgemeine Arbeiter-Union). Auf dem Parteitag der KAPD im Februar 1921 in Gotha stand im Mittelpunkt der Streit zwischen dem »föderalistischen Flügel«, den Broh zusammen mit Pfemfert vertrat, und dem »zentralistischen Flügel« mit Karl Schröder, Alexander Schwab und Fritz Rasch. Broh und Pfemfert verließen die KAPD und führten die AAU-E, 1926/27 gehörten sie mit Iwan Katz zum »Spartakusbund II«. Broh veröffentlichte politische und theoretische Artikel in der »Aktion«, etwa 1925 gegen Otto Rühle, vor allem aber wandte er sich gegen KPD und SPD. Er gehörte zu den engagiertesten Strafverteidigern von radikalen Kommunisten in der Weimarer Republik, war 1921 einer der Verteidiger von Max Hoelz. 1930 vorübergehend Mitglied der KPD, Zusammenarbeit mit der Roten Hilfe. Sofort nach dem Reichstagsbrand verhaftet und in einem der SA-Keller in Charlottenburg mißhandelt, erlitt er eine schwere Augenverletzung. Seine Frau Rosa (* 4. 10. 1863) erreichte seine Freilassung. Nach Ausschluß aus der Rechtsanwalt-Kammer flüchtete Broh 1933 zunächst in die Tschechoslowakei, anschließend nach Paris. Mitarbeit an antifaschistischen Blättern (»Das neue Tagebuch«) und in kleinen sozialistischen Gruppen, z. B. der von Willi Eichler geleiteten »Sozialistischen Warte« des ISK. Am 26. Oktober 1937 von der NS-Regierung ausgebürgert, lebte er mit seiner Frau nach dem Einmarsch der Wehrmacht zurückgezogen und starb im Sommer 1942 in Paris an einer Lungenentzündung. Henry Walter Brann widmete ihm in der Zeitschrift »Aufbau« im Oktober 1942 einen Nachruf, in dem es u. a. hieß: »Broh gehörte Zeit seines Lebens zu den wenigen selbstlosen und nur der Sache hingegebenen Politikern, die man auch auf der Linken mit der Laterne suchen mußte. Wäre er weniger gewissenhaft und nicht so vollständig integral gewesen, so hätte er zu den höchsten Posten aufsteigen können.« (* 1903 – † 1942?) Geboren am 28. November 1903 in Bernau bei Berlin; lernte das Schlosserhandwerk. 1923 wurde er Mitglied der KPD und arbeitete ehrenamtlich als Funktionär im Arbeitersport und im RFB. Von Dezember 1928 bis Dezember 1929 Orgleiter des 5. Verwaltungsbezirks der KPD in Berlin-Friedrichshain, anschließend Kassierer im KPD-UB Ost. Im Dezember 1930 vom Reichsgericht zu Festungshaft verurteilt, entzog sich Brückmann dieser Strafe durch die Flucht in die Sowjetunion. Hier war er unter dem Emigrantennamen Albert Müller »Kader-Müller« zunächst im Mitteleuropäischen Ländersekretariat der Komintern tätig, später mit Grete Wilde als Referent für die KPD-Angelegenheiten in der Kaderabteilung der Komintern. Er nahm als Beobachter des Mitteleuropäischen Sekretariats an der »Brüsseler Konferenz« im Oktober 1935 in Moskau teil, wurde 1936 Mitglied der Kommission zur Überprüfung der Politemigranten. »Kader-Müller« war tief in die Säuberungen verstrickt, insbesondere wegen seiner vielen Untersuchungsberichte, die zum Parteiausschluß von hunderten KPD-Emigranten führten. Er gab aber auch »Mitteilungen« an das NKWD weiter, die zu Verhaftungen und Verurteilungen der KPD-Funktionäre genutzt wurden. Im Herbst 1938 geriet er selbst in die Säuberungen. Er wurde mit Grete Wilde verhaftet und am 7.April 1941 durch das Sondertribunal des NKWD zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Georg Brückmann kam in das Lager Kotlas bzw. nach Workuta, wo er 1942 verstorben sein soll. Das Militärtribunal des Moskauer Militärbezirks »rehabilitierte« ihn am 26. März 1958. (* 1901 – † 1986) Geboren am 29. Mai 1901 in Leipzig; Tischler, 1919 Mitglied der USPD, 1922 der KPD. Expedient bei der BL Westsachsen in Leipzig, später auch Portier des Parteihauses in Leipzig (Czermaks Garten), Mitarbeiter des AM-Apparates für Sachsen, Ende 1931 verantwortlich für die Zersetzung bzw. Aufklärung innerhalb der Polizei. Als Vorgänger von Karl Plesse gehörte Brüderlein mit zu den führenden AM-Apparate-Leuten in Sachsen, nach 1933 illegale Arbeit, ab Juni 1934 Leiter des AM-Apparates in Leipzig. Er emigrierte in die Tschechoslowakei, war Mitarbeiter der Roten Hilfe und machte Grenzstellen- und Kurierarbeit. Im März 1939 verhaftet, wurde er während der Gestapoverhöre zur Zusammenarbeit gepreßt. Brüderlein selbst wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Freilassung V-Mann der Leipziger Gestapo, maßgeblich an der Verhaftung von Leipziger Widerstandskämpfern beteiligt. Nach dem Einmarsch der Amerikaner Flucht aus Leipzig, zunächst nach Kornwestheim, später in Esslingen am Neckar wohnhaft, war dort Schreinermeister. Alfred Brüderlein starb am 19. Mai 1986 in Esslingen.

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Broßelt, Max

* 30.4.1909 – ✝ 25.9.1990

Geb. in Marklissa (Krs. Lauban, Niederschles. / Lesna, Polen); Mutter Weberin, Vater Textilarb.; Volks- u. Berufsschule; 1923 SAJ; 1923 – 26 Lehre als Stellmacher in Marklissa; 1926 – 31 SPD; 1927 Arbeit als Tischler in der Möbelfabrik in Langenöls, 1927 – 40 mit »saisonbedingten Unterbrechungen« Arbeit als Parkettleger in der Parkettfabrik in Döbeln; Aug. – Nov. 1939 Militärdienst als Bahnschütze; 1940 dienstverpfl. als Stellmacher im Karosseriewerk Döbeln; 1942 / 43 Militärdienst im Kraftfahrpark Leipzig, April / Mai 1945 Soldat in der Wehrmacht. 1945 / 46 Arbeit als Stellmacher in der Feuerlöschgerätefabrik in Döbeln; 1945 / 46 SPD / SED; 1946 – 49 paritätischer Vors. des SED-KV Döbeln; ab 1947 Mitgl. der SED-LL Sachsen; 1949 polit. Mitarb. im SED-LV Sachsen u. 1. Sekr. der SED-KL Oschatz; 1949 – 52 Sekr. für Landw. der SED-LL Sachsen; Okt. 1952 – Jan. 1954 2. Sekr. der SED-BL Dresden; Jan. 1954 – Febr. 1955 Studium an der SED-PHS; 1955 – 59 Sekr. der SED-BPO bzw. Parteiorganisator des ZK im Min. für Land- u. Forstw.; 1959 – 62 Sekr. für gesamtdt. Verbindungen des ZV der VdgB, anschl. bis 1976 1. Sekr. des VdgB-BV Leipzig; 1966, 1974 u. 1979 VVO; gest. in Leipzig.Als Parteiarbeiter auf dem Lande. In: Wie wir angefangen haben. Berlin 1985.Mario Niemann

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Brühl, Georg Alex

* 22.2.1931 – ✝ 21.2.2009

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); nach Kriegsende mit der Familie Umsiedl. nach Sachsen, zunächst nach Zwickau, dann nach Karl-Marx-Stadt; Studium der Museologie; Fachrichtungsltr. für Kunstgesch. an der VHS; entwickelte sich in den 1950er Jahren zu einem Kunstsammler mit sicherem Instinkt für die Kunst des Jugendstils, des Impressionismus, Expressionismus u. Art déco; konzentrierte sich später auf Ikonen u. ostasiat. Kunst; ab 1963 vom MfS als IM »Peter« erfaßt; bekennender Schwuler; galt als Querkopf u. Egozentriker; seit 1965 zahlr. Ausstellungen mit Teilen seiner Sammlung, darunter 1972 in der Alten Nationalgalerie in Berlin; zahlr. Schenkungen an staatl. Museen; 1972 – 78 Sekr. der Künstlervereinigung »Galerie Oben«; Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt (Lesung dadaistischer Texte, Foyer-Ausstellungen); übereignete in den 1980er Jahren mehr als 1.000 Werke von DDR-Künstlern (Plastiken, Gemälde u. Arbeiten auf Papier) der Eremitage in Leningrad; Werke des Jugendstils gingen an das Kunstgewerbemuseum in Berlin-Köpenick, Einzelwerke von Künstlern des 20. Jh. an die Nationalgalerie Berlin u. 200 Werke regionaler Kunst stiftete er den Kunstsammlungen Karl-Marx-Stadt; prägte zeitweilig das künstl. Leben in Karl-Marx-Stadt mit. 1990 Gründung eines Kuratoriums zum Erhalt der Villa Esche (von Henry van de Velde erbautes Jugendstilhaus); Organisation von zahlr. nat. u. internat. Ausstellungen u. a. in Amsterdam, Innsbruck u. Bregenz; seit 2000 wurde B. unterstützt von einem Förderverein; lebte zuletzt auf Schloß Lichtenwalde bei Chemnitz. B.s umfangreiche Sammlungen gingen 2005 als Schenkung an den Freistaat Sachsen u. sind seit 2009 in den Museen Schloß Lichtenwalde u. Schloß Augustusburg der Öffentlichkeit zugänglich.Kunst um 1900. Gera 1985; Herwarth Walden u. der Sturm. Leipzig 1983; Jugendstil in Chemnitz. München 1991; Die Cassirers. Streiter für den Impressionismus. Leipzig 1991; Art déco. Dt. Porzellane 1910 – 1930. Leipzig 1992; Dt. Möbel der Gründerzeit. Leipzig 1992. Kunst nicht besitzen, sondern bewahren. In: Chemnitzer Almanach 1992; Des Sammlers Blick nach vorn. In: Stadtstreicher (2000) 9.Christoph Links

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Brundert, Willi

* 12.6.1912 – ✝ 7.5.1970

Geb. in Magdeburg; Vater Schriftsetzer u. Buchhalter; Schule, Abitur; in den 20er Jahren Mitbegr. einer soz. Schülergr.; Studium der Rechts- u. Staatswiss. an den Univ. Halle u. Frankfurt (Main); 1930 Mitgl. der SPD u. des Reichsbanners; 1935 Staatsprüfung in Frankfurt (Main); Prom. an der Univ. Hamburg über Polizeirecht; nach Mai 1933 illeg. pol. Aktivitäten in Halle gem. mit Carlo Mierendorff u. Theo Haubach; Vors. der soz. Studentensch.; pol. verfolgt; Staatsdienst, entlassen; Wirtschafts- u. Steuerberater; 1941 – 44 Wehrmacht, Offz.; 1944 – 46 brit. Kriegsgefangenschaft; 1946 im Schulungslager »Wilton Park«. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; Prof. für Wirtschafts-, Steuer- u. Verw.-Recht an der Univ. Halle; Min.-Dir., Ltr. einer HA im Min. für Wirtschaft u. Verkehr der Landesreg. Sachsen-Anh.; Okt. 1949 verhaftet; Febr. 1950 gem. mit  Leo Herwegen im Dessauer Schauprozeß (gegen ltd. Mitarb. der Dt. Continental-Gas-Ges.) wegen angebl. »Wirtschaftssabotage« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, 1957 entlassen; Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; 1958 Ltr. der Landesfinanzschule in Rotenburg (Fulda); 1962 Staatssekr. u. ab 1963 Chef der Staatskanzlei der Hess. Landesreg. in Wiesbaden; Dir. des Landespersonalamtes, 1964 – 70 OB von Frankfurt (Main); div. Aufsichtsratsposten; 1966 Präs. des Dt. Bühnenvereins, 1967 Präs. des Dt. u. Hess. Städtetags, 1968 Präs. der Stiftung Hilfswerk Berlin; gest. in Frankfurt (Main) an den Spätfolgen der Misshandl. in der Gefangenschaft.Der Begriff des Publikums im Polizeirecht. Hamburg (Jur. Diss. 1935); Grundzüge des neuen Wirtschaftsrechts. Leipzig 1949; Es begann im Theater. Berlin 1958; Rechtsstaat u. Unrechtssystem. Hannover 1963. Entlarvt. Die Geschichte eines aufgedeckten Riesenbetruges. Prozeß Herwegen, B. u. Komplicen. (Hrsg. Amt für Information der Reg. der DDR). Berlin 1950; Beckert, R.: Die erste u. letzte Instanz. Schau- u. Geheimprozesse vor dem Obersten Gericht der DDR. Goldbach 1995; Bouvier, B.: Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der SBZ u. in der DDR 1945 – 1953. Bonn 1996; Eik, J., Mittmann, W.: Der Dessauer Prozeß. DDR 1950: Ein Stück Justizgeschichte im Originalton. Radio-Feature 1997; Braun, J. u. a.: Die Hinterbühne polit. Strafjustiz in den frühen Jahren der SBZ/DDR. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth / Beatrix Bouvier

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brurein, Ulrich

* 16.12.1908 – ✝ 30.8.1992

Geboren am 16. Dezember 1908 in Berlin-Charlottenburg, Sohn eines Architekten. Besuch des Gymnasiums in Ostpreußen und Mitglied der Bündischen Jugend (Wandervogel), 1925 der monistischen Jugend. Ab 1926 Mitglied und Funktionär des KJVD in Hamburg, ab 1927 Mitglied der KPD, 1928 zunächst Archivmitarbeiter, dann 2. politischer Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«. 1929 Sekretär der BL der KJVD. Im November 1931 nach Berlin beordert, 2. Redakteur der Zeitung »Junge Garde«. Nach Auseinandersetzungen mit der Neumann-Gruppe innerhalb der KJVD-Führung wurde er im Herbst 1932 als Mitglied des ZK des KJVD kooptiert. Zunächst Hauptkassierer des KJVD, dann ab Sommer 1933 illegale Arbeit als Oberinstrukteur für Ost- und Südostdeutschland (Ostpreußen und Schlesien). Brurein wurde am 22.November 1933 durch Verrat von Helmuth Lass zusammen mit Lambert Horn u. a. festgenommen. Im Juni 1934 durch das Amtsgericht Königsberg zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, Anfang Mai 1936 erneut verhaftet und nach sechs Monaten aus dem berüchtigten KZ Columbiahaus freigelassen. Bis 1942 stellvertretender Büroleiter bei der Ufa in Potsdam-Neubabelsberg, hatte Brurein Kontakte zur Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen. 1943 zur Wehrmacht einberufen, kam er verwundet in ein Lazarett. Von 1945 bis 1948 Referent bzw. Abteilungsleiter beim Berliner Rundfunk in Berlin, 1948 stellvertretender Intendant beim Mitteldeutschen Rundfunk Leipzig. Dann bis 1955 beim Berliner Verlag tätig, schließlich bis 1965 Redakteur bzw. Korrespondent der »Ostsee-Zeitung« u. a. in Moskau. Ulrich Brurein starb am 30. August 1992 in Rostock.

Wer war wer in DDR

Bruyn, Günter de

* 1.11.1926

Geb. in Berlin; Vater Handlungsgehilfe; OS; 1943 Luftwaffenhelfer; 1944 Wehrmacht; 1945 Kriegsgefangenschaft. 1945 Landarb. in Hessen; 1946 Neulehrerkurs; 1946 – 49 Neulehrer in Potsdam u. in einer Dorfschule bei Rathenow; 1949 – 53 Bibliothekarsschule, anschl. Bibliothekar in Berliner Volksbüchereien; 1953 – 61 wiss. Mitarb. im ZI für Bibliothekswesen; 1960 erste Erzählungen »Wiedersehen an der Spree« u. »Hochzeit in Weltzow«, seit 1961 freischaff., 1963 Roman »Der Hohlweg«; seine Romane »Buridans Esel« (1975, Dramatisierung von  Ulrich Plenzdorf) u. »Preisverleihung« (1972) erörterten krit. das Verhältnis von Anpassungsbereitschaft u. Zivilcourage im Alltag der DDR; 1964 Heinrich-Mann-Preis; 1969 – 78 Mitgl. im Vorst. des SV; 1970 – 90 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1972 – 82 Präsidium des PEN-Zentrums DDR; 1976 – 78 erfolglose Anwerbung als IM »Roman« des MfS, allerdings legendiert; zugl. Beobachtung; 1978 Mitgl. der AdK; seit 1980 Mithrsg. der Reihe »Märkischer Dichtergarten« (zus. mit  Gerhard Wolf); 1982 Lion-Feuchtwanger-Preis; 1983 – 86 vom MfS in der OPK »Roman« erf. wegen seiner häufigen Einladungen durch kirchl. Gruppen nach dem Erscheinen der krit. DDR-Parabel »Neue Herrlichkeit« (1984/85, 1. Aufl. makuliert); 1986 Mitgl. der AdK Berlin (West); 1987 öffentl. Protest gegen die Zensur auf dem X. Schriftst.-Kongreß (zus. mit  Christoph Hein); 1989 Thomas-Mann-Preis, Ablehnung des NP im Nov. 1990 Heinrich-Böll-Preis, Dr. h. c. der Univ. Freiburg; 1991 Übertritt in das PEN-Zentrum der Bundesrep. Dtl.; 1996 Lit.-Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung; 1997 Jean-Paul-Preis; 1998 Ehrendoktor der HU Berlin; 2005 Verdienstorden des Landes Brandenb.; 2006 Jacob-Grimm-Preis Dt. Sprache; 2007 Gleim-Literaturpreis, Hanns-Martin-Schleyer-Preis; 2008 Hoffmann-von-Fallersleben-Preis.Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter. Biogr. Halle 1975; Märk. Forschungen. Erzählungen. Halle, Leipzig 1978; Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin. Autobiogr. Frankfurt (Main) 1992; Vierzig Jahre: ein Lebensbericht. Frankfurt (Main) 1996; Mein Brandenburg. Berlin 1997; Dt. Zustände. Frankfurt (Main) 1999; Preußens Luise. Berlin 2001; Unter den Linden. Berlin 2003. Arnold, K. H. (Hrsg.): G. d. B. München 1995; Kreutzer, A.: Untersuchungen zur Poetik G. d. B. Frankfurt (Main) 1995.Leonore Krenzlin / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Buchholz, Adolf

* 5.7.1913 – ✝ 9.3.1978

Geboren am 5. Juli 1913 in Berlin-Spandau, Sohn eines Maurers; wurde Former. 1926 Mitglied des Jung-Spartakusbundes, 1928 des DMV und des KJVD. Jugendsekretär beim RGO-Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins. 1932 Mitglied der KPD und der KJVD-BL Berlin. Nach der Ausschaltung der Neumann-Gruppe in der KJVD-Führung kam Buchholz im Sommer 1932 ins ZK des KJVD und wurde Anfang 1933 Orgleiter des KJVD Berlin-Brandenburg. Im März 1934 verhaftet und im September 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Ende 1936 aus dem Zuchthaus Luckau entlassen, emigrierte er im Juni 1937 in die âSR, dort aktiv bei der Bildung der Freien Deutschen Jugend. Im November 1938 Emigration nach Großbritannien, arbeitete in London als Modellformer und Versuchstechniker, war bis 1941 Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend in England und gehörte der KPD-Leitung in Großbritannien an. Im September 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, 1946/47 Chefredakteur der »Jungen Welt«. Von 1947 bis 1949 arbeitete er als Journalist im Sowjetischen Nachrichtenbüro (SNB). Von 1949 bis 1951 als Personalleiter in der HV Metallurgie der DWK bzw. im Ministerium für Schwerindustrie tätig, anschließend Direktor des VEB Maxhütte Unterwellenborn. Ab 1960 Abteilungsleiter in der SPK im Volkswirtschaftsrat der DDR. Adolf Buchholz starb am 9. Mai 1978.Andreas Herbst / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Büchner, Joachim

* 5.3.1929

Geb. in Westhausen; Vater Zimmermann; Volksschule; 1941 – 43 kfm. Handelsschule; 1943 – 47 Ausbildung zum kfm. Angest. 1947 SED; Mitarb. des Krs.-Sekr. der SED Langensalza; 1949 Sekr. der FDJ-KL Langensalza; 1949 Eintritt in die Landesverw. für Staatssicherheit Thür., Dienststelle Langensalza, 1950 Abt. V (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrundspionage) der Landesverw. Thür., 1952 BV Gera, 1953 Ltr. der Abt. V; 1955 Ltr. der Abt. XV (Auslandsaufklärung); 1958 stellv. Operativ des Ltr. der BV Gera; 1965 – 69 Direktstudium, dann Fernstudium, Abschluß als Dipl.-Jur., zugl. wiss. Mitarb. an der JHS Potsdam-Eiche; 1969 Oberassistent; 1970 Ltr. der HA VII (Abwehr in MdI u. VP), MfS Berlin; 1971 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1977/78 Delegierung zum Einjahreslehrgang an der PHS; 1978 Gen.-Major; Dez. 1989 Funktionsentbindung, 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Budach, Lothar

* 14.11.1935 – ✝ 15.7.2007

Geb. in Berlin; 1954 – 59 Studium der Mathematik an der HU Berlin; danach am Inst. für Reine u. Angewandte Mathematik der DAW als einer der ersten drei Forschungsassistenten, 1962 Prom., 1963 Habil.; 1966 Prof. an der HU; 1969 Korr., 1975 Ord. Mitgl. der AdW; 1972/73 zugl. wiss. Mitarb. des VEB Carl Zeiss Jena; 1973 NP; 1974/75 Forschungsaufenthalt an der AdW der UdSSR in Moskau; 1977 – 90 Sekretar der Kl. Mathematik der AdW (Nachf. von  Karl Schröter), ab 1986 auch Ltr. des Forschungsber. Mathematik u. Informatik der AdW (Nachf. von  Manfred Peschel). 1992 – 94 Mitarb. am Inst. für Software u. Systemtechnik; 1994 Prof. für Informatik an der Univ. Potsdam; 2000 em.; gest. in Berlin. Forschungen: zunächst zu Problemen der reinen Algebra, speziell der Ringtheorie u. der Erweiterungstheorie, in den 70er Jahren zur algebraischen Berechnungstheorie; hier gelang B. 1974 die negative Lösung des Labyrinthproblems für endl. Automaten.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Budig, Peter-Klaus

* 15.7.1928 – ✝ 25.11.2012

Geb. in Sagan (Niederschles./Żagań, Polen); 1947 Abitur; 1948 LDPD; 1948 – 53 Studium der Starkstromtechnik an der TH Dresden; 1954/55 dort Assistent, danach Ing. im VEB Elektromaschinenbau Dresden-Niedersedlitz; 1959 Prom. zum Dr.-Ing.; Techn. Dir. beim VEB Elektromaschinenbau; 1961 Lehrauftrag an der HS für Verkehrswesen Dresden; 1966 Prof. für Starkstromtechnik an der TH Karl-Marx-Stadt, Dekan bzw. Ltr. eines Wissenschaftsber.; 1970 NP (im Koll.); Nov. 1978 Vizepräs. der KdT, 1992 – 95 Präs. der KdT (Nachf. von  Dagmar Hülsenberg), Mitgl. des Vorst. des Forschungsrats der DDR, Ltr. der Gruppe Elektronik; Mitgl. des NR der NF; 1980 Korr. Mitgl. der AdW; seit 1982 Mitgl. des ZV der LDPD; 18.11.1989 – 12.4.1990 Min. für Wiss. u. Technik der Reg.  Hans Modrow (Nachf. von  Herbert Weiz). 1990 – 93 Prof. an der TH Chemnitz; 1990 Ord. Mitgl. der AdW.; 1993 Mitbegr. u. Geschäftsf. der Elektr. Automatisierungs- u. AntriebsTechnik GmbH (EAAT) Chemnitz.Drehzahlvariable Drehstromantriebe mit Asynchronmotoren. 1988; Fachwörterbuch Elektrotechnik. Berlin 1992; Fachwörterbuch Elektrotechnik u. Elektronik. München 2001; Stromrichtergespeiste Drehstromantriebe. Berlin 2001; Stromrichtergespeiste Drehmaschine. Berlin 2001.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Buhler, Alfred

* 14.1.1890 – ✝ 31.5.1977

Geboren am 14. Januar 1890 in Bürgel/Thüringen, Sohn eines Schneiders; Lichtdruck-Retuscheur bzw. Stockarbeiter in Bürgel. 1908 Mitglied der SPD und des Verbandes der Lithographen und Steindrucker. 1910/11 besuchte Buhler in Jena Kurse von Otto Rühle. Von 1915 bis 1918 Frontsoldat. Nach seiner Rückkehr Mitbegründer der USPD in Bürgel, wurde 1920 Mitglied der KPD und Delegierter des VII. Parteitages 1921. 1922 hauptamtlicher UB-Leiter der KPD in Sangerhausen und Merseburg, dann Übersiedlung nach Rostock und dort bis 1927 Sekretär der KPD des UB Rostock sowie 1924 Landtagsabgeordneter von Mecklenburg-Schwerin. Von 1921 bis 1924 Mitglied des ZA der KPD für Mecklenburg. Der VIII. Parteitag 1923 berief Buhler in die Beschwerdekommission. Zwar im Mai 1927 wieder in den Landtag gewählt, wurde er Ende August 1927 aus der KPD ausgeschlossen, angeblich wegen »Unregelmäßigkeiten«; doch wurde bekannt, daß es politische Differenzen gegeben hatte, da Buhler auf dem linken Parteiflügel stand. Er blieb zunächst als Fraktionsloser bis 1929 im Landtag, schloß sich zeitweilig der SPD an, trat aber 1929 wegen deren Zustimmung zum Panzerkreuzerbau wieder aus. 1929 Rückkehr nach Bürgel und Vorsitzender des dortigen Arbeitslosen-Ausschusses. 1933 zeitweilig in »Schutzhaft«, dann bis 1939 Arbeiter beim Autobahnbau, 1940 bis 1945 Hilfsschreiber in den Zeiss-Werken in Jena. Von 1945 bis 1947 Angestellter beim Arbeitsamt in Eisenberg, 1945 trat Buhler wieder der KPD bei. Er war 1947 Kassenbote der Stadtsparkasse Eisenberg, bis er 1949 Lektor an der SED-Kreisparteischule »Magnus Poser« in Jena wurde und ein Jahr später Lehrer an der Betriebsparteischule in Hartmannsdorf. Zuletzt Instrukteur des Rates des Kreises Eisenberg. Alfred Buhler starb am 31.Mai 1977.