...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Brünner, Horst

* 21.2.1929 – ✝ 19.6.2008

Geb. in Buchwald (Krs. Hirschberg, Niederschles./Bukowiec, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Industriekfm. 1947 Umsiedl., Gleisbauarbeiter; 1948 SED; Eintritt in die VP, Verw.-Angest., Gruppenführer eines Reviers; 1949 Schule der HV für Ausbildung in Döbeln bzw. Pirna, hier bis 1951 Politarb., Kommissar; 1951 – 53 Propagandist bzw. Lehrer an der Pol.-Schule der KVP in Potsdam; 1953 – 56 Propagandist, Ltr. der Parteischule bzw. Stellv. des Ltr. der Pol.-Abt. der KVP-Bereitschaft Prenzlau, Hptm.; 1956 – 58 Stellv. des Kdr. u. Ltr. der Pol.- Abt. der mot. Schützendiv. Prenzlau, Major; 1959 – 62 Militärakad. Dresden, Dipl. rer. mil.; 1962 – 65 Abt.-Ltr. in der Pol. HV der NVA; 1965 – 68 Stellv. des Chefs u. Ltr. der Pol. Verw. der Grenztruppen (Nachf. von Heinz Seyfert), 1964 Oberst; 1968 – 70 sowj. Gen.-Stabsakad.; 1971/72 Stellv. des Chefs u. Chef der Pol. Verw. des Militärbez. Neubrandenb. (Nachf. von Joachim Nebrig), 1971 Gen.-Major; 1972 – 85 Stellv. des Chefs der Pol. HV für org.-pol. Arbeit, 1976 Gen.-Ltn.; 1976 Kand., 1986 Mitgl. des ZK der SED; 1985 – 89 Stellv. des Min. u. Chef der Pol. HV (Nachf. von  Heinz Keßler); 1986 – 89 Vors. der ASV »Vorwärts«; 1987 Gen.-Oberst; 1985 VVO; 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer; Dez. 1989 Ruhestand. April 1998 Anklage u. Prozeß vor der 28. Großen Strafkammer des Berliner LG, 24.7.1998 Verurteilung wegen »Beihilfe zum Totschlag« zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung; ab Mai 2004 stellv. Vors. der »RotFuchs«-Regionalgruppe Uckermark.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bruyn, Günter de

* 1.11.1926

Geb. in Berlin; Vater Handlungsgehilfe; OS; 1943 Luftwaffenhelfer; 1944 Wehrmacht; 1945 Kriegsgefangenschaft. 1945 Landarb. in Hessen; 1946 Neulehrerkurs; 1946 – 49 Neulehrer in Potsdam u. in einer Dorfschule bei Rathenow; 1949 – 53 Bibliothekarsschule, anschl. Bibliothekar in Berliner Volksbüchereien; 1953 – 61 wiss. Mitarb. im ZI für Bibliothekswesen; 1960 erste Erzählungen »Wiedersehen an der Spree« u. »Hochzeit in Weltzow«, seit 1961 freischaff., 1963 Roman »Der Hohlweg«; seine Romane »Buridans Esel« (1975, Dramatisierung von  Ulrich Plenzdorf) u. »Preisverleihung« (1972) erörterten krit. das Verhältnis von Anpassungsbereitschaft u. Zivilcourage im Alltag der DDR; 1964 Heinrich-Mann-Preis; 1969 – 78 Mitgl. im Vorst. des SV; 1970 – 90 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1972 – 82 Präsidium des PEN-Zentrums DDR; 1976 – 78 erfolglose Anwerbung als IM »Roman« des MfS, allerdings legendiert; zugl. Beobachtung; 1978 Mitgl. der AdK; seit 1980 Mithrsg. der Reihe »Märkischer Dichtergarten« (zus. mit  Gerhard Wolf); 1982 Lion-Feuchtwanger-Preis; 1983 – 86 vom MfS in der OPK »Roman« erf. wegen seiner häufigen Einladungen durch kirchl. Gruppen nach dem Erscheinen der krit. DDR-Parabel »Neue Herrlichkeit« (1984/85, 1. Aufl. makuliert); 1986 Mitgl. der AdK Berlin (West); 1987 öffentl. Protest gegen die Zensur auf dem X. Schriftst.-Kongreß (zus. mit  Christoph Hein); 1989 Thomas-Mann-Preis, Ablehnung des NP im Nov. 1990 Heinrich-Böll-Preis, Dr. h. c. der Univ. Freiburg; 1991 Übertritt in das PEN-Zentrum der Bundesrep. Dtl.; 1996 Lit.-Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung; 1997 Jean-Paul-Preis; 1998 Ehrendoktor der HU Berlin; 2005 Verdienstorden des Landes Brandenb.; 2006 Jacob-Grimm-Preis Dt. Sprache; 2007 Gleim-Literaturpreis, Hanns-Martin-Schleyer-Preis; 2008 Hoffmann-von-Fallersleben-Preis.Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter. Biogr. Halle 1975; Märk. Forschungen. Erzählungen. Halle, Leipzig 1978; Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin. Autobiogr. Frankfurt (Main) 1992; Vierzig Jahre: ein Lebensbericht. Frankfurt (Main) 1996; Mein Brandenburg. Berlin 1997; Dt. Zustände. Frankfurt (Main) 1999; Preußens Luise. Berlin 2001; Unter den Linden. Berlin 2003. Arnold, K. H. (Hrsg.): G. d. B. München 1995; Kreutzer, A.: Untersuchungen zur Poetik G. d. B. Frankfurt (Main) 1995.Leonore Krenzlin / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Buchholz, Adolf

* 5.7.1913 – ✝ 9.3.1978

Geboren am 5. Juli 1913 in Berlin-Spandau, Sohn eines Maurers; wurde Former. 1926 Mitglied des Jung-Spartakusbundes, 1928 des DMV und des KJVD. Jugendsekretär beim RGO-Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins. 1932 Mitglied der KPD und der KJVD-BL Berlin. Nach der Ausschaltung der Neumann-Gruppe in der KJVD-Führung kam Buchholz im Sommer 1932 ins ZK des KJVD und wurde Anfang 1933 Orgleiter des KJVD Berlin-Brandenburg. Im März 1934 verhaftet und im September 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Ende 1936 aus dem Zuchthaus Luckau entlassen, emigrierte er im Juni 1937 in die âSR, dort aktiv bei der Bildung der Freien Deutschen Jugend. Im November 1938 Emigration nach Großbritannien, arbeitete in London als Modellformer und Versuchstechniker, war bis 1941 Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend in England und gehörte der KPD-Leitung in Großbritannien an. Im September 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, 1946/47 Chefredakteur der »Jungen Welt«. Von 1947 bis 1949 arbeitete er als Journalist im Sowjetischen Nachrichtenbüro (SNB). Von 1949 bis 1951 als Personalleiter in der HV Metallurgie der DWK bzw. im Ministerium für Schwerindustrie tätig, anschließend Direktor des VEB Maxhütte Unterwellenborn. Ab 1960 Abteilungsleiter in der SPK im Volkswirtschaftsrat der DDR. Adolf Buchholz starb am 9. Mai 1978.Andreas Herbst / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Büchner, Joachim

* 5.3.1929

Geb. in Westhausen; Vater Zimmermann; Volksschule; 1941 – 43 kfm. Handelsschule; 1943 – 47 Ausbildung zum kfm. Angest. 1947 SED; Mitarb. des Krs.-Sekr. der SED Langensalza; 1949 Sekr. der FDJ-KL Langensalza; 1949 Eintritt in die Landesverw. für Staatssicherheit Thür., Dienststelle Langensalza, 1950 Abt. V (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrundspionage) der Landesverw. Thür., 1952 BV Gera, 1953 Ltr. der Abt. V; 1955 Ltr. der Abt. XV (Auslandsaufklärung); 1958 stellv. Operativ des Ltr. der BV Gera; 1965 – 69 Direktstudium, dann Fernstudium, Abschluß als Dipl.-Jur., zugl. wiss. Mitarb. an der JHS Potsdam-Eiche; 1969 Oberassistent; 1970 Ltr. der HA VII (Abwehr in MdI u. VP), MfS Berlin; 1971 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1977/78 Delegierung zum Einjahreslehrgang an der PHS; 1978 Gen.-Major; Dez. 1989 Funktionsentbindung, 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Budach, Lothar

* 14.11.1935 – ✝ 15.7.2007

Geb. in Berlin; 1954 – 59 Studium der Mathematik an der HU Berlin; danach am Inst. für Reine u. Angewandte Mathematik der DAW als einer der ersten drei Forschungsassistenten, 1962 Prom., 1963 Habil.; 1966 Prof. an der HU; 1969 Korr., 1975 Ord. Mitgl. der AdW; 1972/73 zugl. wiss. Mitarb. des VEB Carl Zeiss Jena; 1973 NP; 1974/75 Forschungsaufenthalt an der AdW der UdSSR in Moskau; 1977 – 90 Sekretar der Kl. Mathematik der AdW (Nachf. von  Karl Schröter), ab 1986 auch Ltr. des Forschungsber. Mathematik u. Informatik der AdW (Nachf. von  Manfred Peschel). 1992 – 94 Mitarb. am Inst. für Software u. Systemtechnik; 1994 Prof. für Informatik an der Univ. Potsdam; 2000 em.; gest. in Berlin. Forschungen: zunächst zu Problemen der reinen Algebra, speziell der Ringtheorie u. der Erweiterungstheorie, in den 70er Jahren zur algebraischen Berechnungstheorie; hier gelang B. 1974 die negative Lösung des Labyrinthproblems für endl. Automaten.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Budzislawski, Hermann

* 11.2.1901 – ✝ 28.4.1978

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Fleischermstr.; Knabenschule der Jüd. Gemeinde Berlin, Oberrealschule, 1919 Abitur; 1919 – 23 Studium der Nationalökon. u. Staatswiss. an den Univ. Berlin, Würzburg u. Tübingen, 1923 Prom. zum Dr. rer. pol. mit der Diss. »Ökon. der menschl. Erbanlagen« in Tübingen; 1923/24 kfm. Angest.; 1924/25 Red. bzw. Chefred. der Ztschr. »Industrial and Trade Review for India« in Berlin; 1925/26 Hauslehrer in Fiesole (b. Florenz); 1926 Heirat mit Johanna Levy; 1926 – 33 Chefred. der Wiss. Korrespondenz Berlin u. freier journalist. Mitarb. des »Nachtexpress« u. der »Weltbühne« in Berlin; 1928/29 Mitbegr. u. Sekr. der »Ges. zur Förderung des Siedlungswerks in Birobidshan«; 1929 – 33 SPD, wollte 1932 Mitgl. der KPD werden, blieb aber auf Anraten von  Walter Ulbricht als KPD-Verbindungsmann in der SPD; März 1933 Flucht nach Zürich, bis Sept. 1933 unter dem Ps. Hermann Fischli Mitarb. des Berliner Büros der »Frankfurter Ztg.«; Nov. 1933 zus. mit dem Schweizer Emil Walter Gründer des antifa. Pressedienstes »Neue Presse Korresp.«; Jan. 1934 nach Prag; 1934 – 38 Mitbegr. u. Vors. des Dt. Volksfrontkomitees in Prag; 1934 – 39 Hrsg. u. Chefred. der »Neuen Weltbühne« in Prag bzw. ab Okt. 1938 in Paris; 1935 Ausbürgerung aus Dtl.; 1938 tschechoslowak. Staatsbürgerschaft; Mai 1938 nach Paris, Vors. des Aktionsaussch. Dt. Oppositioneller in Paris; enge Geheimkontakte zur Exil-KPD, in deren Auftrag Öffnung der »Neuen Weltbühne« für die Volksfrontpolitik; 1939 Mitgl. im »Aktionsaussch. der dt. Opposition« in Paris; Sept. 1939 Zerwürfnis mit der KPD-Auslandsltg. wg. des Hitler-Stalin-Pakts; Sept. 1939 Verbot der »Neuen Weltbühne« durch die franz. Behörden; 1939/40 in Frankreich interniert, mit Unterstützung des Emergency Rescue Committee Flucht nach Portugal u. mit Hilfe des Unitarian Service Committee Okt. 1940 Emigr. in die USA; bis 1948 in New York, hier Red. u. Autor für bedeutende Tagesztgn.; 1940/41 freier Journalist; 1941 – 45 Mitarb. u. Rechercheass. der amerik. Journalistin Dorothy Thompson; 1943 – 48 Kommentator u. Kolumnist (»Donald Bell«) der linksliberalen Overseas News Agency New York, hier Zusammenarb. mit  Maximilian Scheer; 1944 Mitbegr. des Council for a Democratic Germany. Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. der SED; seit 1948 pol. Kommentator des Mitteldt. Rundfunks; 1949 VDJ; 1948 – 54 Prof. für internat. Pressewesen an der Univ. Leipzig; 1949/50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Nov. 1950 als Westemigrant Funktionsverbot u. praktisch arbeitslos, Ende 1952 wieder aufgehoben; 1952 KB; 1953 – 58 Mitgl. im ZV bzw. Präs. des VDJ; 1954 – 59 Dir. des Inst. für Pressegeschichte der KMU Leipzig, 1959 – 67 dort Dir. des Inst. für Theorie u. Praxis der Pressearbeit; 1954 – 62 Dekan der Fak. für Journalistik; 1954 – 59 Mitgl. des FDGB-BV; 1954 – 58 Mitgl. der ZPL der Fak. für Journalistik; 1955 – 66 Mitgl. des Exekutivrats der Weltföderation der Wissenschaftler; 1956 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1958 kurzz. Ltg. der Sendereihe »Berliner Treffpunkt« im DFF (als Vertreter von  Karl-Eduard v. Schnitzler); 1958 – 66 Abg. der Volkskammer, FDGB-Fraktion, stellv. Vors. des Aussch. für Kultur, ab 1967 Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1962 Mitgl. des Dt. Friedensrats u. 1963 des Präs. der UNESCO-Kommission der DDR; Dr. h. c. der KMU Leipzig; Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Wiss. u. des FDGB-Bundesvorst.; 1967 – 71 Hrsg. u. Chefred. der »Weltbühne«; 1970 VVO; 1974 Ehrenspange zum VVO; 1976 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Soz. Journalistik. Eine wiss. Einführung. Leipzig 1966. Journalismus u. Gesell. Fs. der Fak. Journalistik der KMU Leipzig. H. B. zum 65. Geburtstag. Leipzig 1966; Kurth, P.: American Cassandra. The Life of Dorothy Thompson. Boston u. a. 1990; Eckert, Th. A.: Die Neue Weltbühne unter Leitung von H. B. im »Fahrwasser der KPD«? In: Grunewald, M. (Hrsg.): Autour de »Front populaire allemand«. Bern 1990; Krauss, M.: Hans Habe, Ernst Friedländer, H. B. Drei Zonen, drei Städte, drei Schicksale. In: Krohn, C.-D. (Hrsg.): Zwischen den Stühlen? Remigranten u. Remigration in der dt. Medienöffentlichkeit der Nachkriegszeit. Hamburg 2002; Teuber, T.: Ein Stratege im Exil. H. B. u. die neue Weltbühne. Frankfurt (Main) 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Buhr, Manfred

* 22.2.1927 – ✝ 22.10.2008

Geb. in Kamenz; Vater Steinarbeiter; Volks- u. Handelsschule; Ausbildung zum Kfm.; 1944 RAD u. NSDAP; 1945 Wehrmacht. 1945/46 KPD/SED; Neulehrer; 1946/47 Vorstudienanstalt in Dresden, 1947 – 52 Studium der Geschichte, Philos. u. Germanistik an der Univ. Leipzig, Abschluß als Dipl.-Hist. u. Dipl.-Philosoph; ab 1952 zunächst Assistent u. Oberassistent, dann wiss. Aspirant bei  Ernst Bloch am Inst. für Philos. der KMU Leipzig; 1957 dort Prom. mit der Arbeit »Aufstieg u. Ausschaltung des dial. Denkens in der Philos. Immanuel Kants«; seit 1957 Mitarb. der DAW; 1962 Habil. an der EMAU Greifswald mit der Schrift »Die ursprüngl. Philos. Johann Gottlieb Fichtes u. die Frz. Rev.« (Veröff. Berlin 1965); 1962 stellv. Dir., 1965 Prof., ab 1969 Dir. des Inst. bzw. ZI für Philos. der AdW (Nachf. von  Georg Klaus); 1965 beim MfS als IM »Rehbein« registriert; 1969 Korr. u. 1971 Ord. Mitgl. der AdW; ab 1971 Vors. des Wiss. Rats für Grundfragen des ideolog. Kampfes zwischen Soz. u. Imp., u. a. zuständig für die Kooperationsbeziehungen u. die Reisetätigkeit (Auswahl der »Reisekader«) von DDR-Philosophen ins westl. Ausland; 1973 NP; während B.s Direktorat erfolgte 1974 die ideolog. motivierte Auflösung der von  Hansgünter Meyer am ZI für Philos. aufgebauten Abt. Soziol.; ab 1981 stellv. Vors. der Internat. Ges. für dial. Philos. – societas Hegeliana; 1988 Ausw. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1990 infolge demokrat. Wahlen als Inst.-Dir. abgelöst. 1991 Ehrenprom. der Univ. Oulu (Finnland); 1992 dort Veröff. der Studie »Hist. Vernunft. Zum Denk-Einsatz der klass. dt. Philos.«; gest. in Berlin. B. wirkte an exponierter Stelle mit an der Durchsetzung der ideolog. Hegemonialansprüche der SED-Führung über das philosoph. Leben in der DDR sowie an der ideolog. u. institutionellen Ausgrenzung nonkonformist. marxist. Strömungen, so der Philos. Ernst Blochs, des krit. Marxismus u. a. m.; 1980/81 war er als Inst.-Dir. neben  Herbert Hörz maßgebl. beteiligt an der Maßregelung der Gruppe um  Peter Ruben; Mitautor u. -hrsg. mehrerer Standardpubl. der DDR-Philos., u. a.: Philosoph. Wörterbuch. Leipzig 1964; Marxist. Philosoph. Lehrbuch, 1967; seit 1971 Hrsg. der Schriftenreihe »Zur Kritik der bürgerl. Ideol.« (mehr als 100 Bde.).insbes. zur klass. dt. Philos. u. zur ideolog. Auseinandersetzung; Immanuel Kant. Leipzig 1968; Der Anspruch der Vernunft (mit G. Irrlitz). Berlin 1968; Über die hist. Notwendigkeit des ideolog. Klassenkampfes. Berlin 1976; Verzicht auf Fortschritt, Geschichte, Erkenntnis u. Wahrheit (mit R. Steigerwald). Berlin 1981; Fichte – Die frz. Rev. u. das Ideal vom ewigen Frieden (mit D. Losurdo). Berlin 1991; Das geistige Erbe Europas. Neapel 1993 (Hrsg.). Oberkofler, G. (Hrsg.): Philos. im Zeichen der Vernunft. FS für M. B. Innsbruck/ Wien 1996; Rauh, H.-C., Gerlach, H.-M. (Hrsg.): Ausgänge. Zur DDR-Philos. in den 70er u. 80er Jahren. Berlin 2009.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Bunge, Hans

* 3.12.1919 – ✝ 27.5.1990

Geb. in Arnsdorf (Sachsen); Vater Zahnarzt, bereits 1929 gest., Stiefvater Polizeioffz.; 1938 NSDAP; 1939 – 43 RAD u. Wehrmacht, Hptm. u. Regt.-Adjutant; 1943 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft (in 14 versch. Lagern). 1949 Rückkehr nach Dtl. (Lünen, Westf.); Dez. 1949 Übersiedl. in die DDR zu seiner Jugendliebe nach Koserow (Usedom); 1950 – 53 Studium der Germanistik, Kunstwiss. u. Theatergeschichte in Greifswald; 1953 – 56 durch Vermittlung Ruth Berlaus Regie- u. Dramaturgieassistent am Berliner Ensemble; 1956 – 62 erster Ltr. des Bertolt-Brecht-Archivs, führte seitdem zahlr., allmähl. vielbeachtete Interviews mit Brecht-Mitarb. u. Schülern, u. a. mit  Hanns Eisler u. Ruth Berlau; 1957 Prom. über  Bertolt Brecht; 1962 – 65 nach persönl. Differenzen mit  Helene Weigel Wechsel in die Wiss. Abt. der DAK, zunächst Ltr. der Arbeitsgr. Hist.-krit. Ausgabe der Schriften Bertolt Brechts, dann Hrsg. der Sonderhefte »Sinn u. Form« zu Hanns Eisler, Thomas Mann u.  Willi Bredel; 1965 Mitgl. des PEN; 1965 nahm die Ltg. der DAK das 11. Plenum des ZK zum Anlaß, um den eigenwilligen Hrsg. u. Freund  Wolf Biermanns,  Heiner Müllers u.  Robert Havemanns fristlos zu entlassen (B. hatte ein Sonderheft mit neuer Dramatik, u. a. von Müller, vorgeschlagen, das  Wilhelm Girnus empört zurückwies); arbeitslos; 1968 – 70 Regisseur u. Dramaturg am Volkstheater Rostock, 1970 – 78 am Dt. Theater Berlin; 1976 Unterzeichn. des Protestbriefs gegen die Ausbürg. Biermanns; seit 1978 freiberufl. Autor; gest. in Berlin.Bertolt Brecht. Leben u. Werk. Berlin 1963 (zus. mit W. Hecht u. K. Rülicke); Fragen Sie mehr über Brecht. Hanns Eisler im Gespräch. München 1970; Brechts Lai-tu. Erinnerungen u. Notate von Ruth Berlau. Darmstadt u. Neuwied 1985 (zus. mit Gudrun Bunge); Die Debatte um Hanns Eislers »Johann Faustus«. Berlin 1991 (Hrsg.). H. B. zum Gedenken. In: Sinn u. Form (1990) 5.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Bürger, Annekathrin

* 3.4.1937

Geb. in Berlin; Vater Heinz Rammelt, Pressezeichner; Ausbildung zur Werbegestalterin, anschl. Bühnenbildassistentin und Requisiteurin am Theater Bernburg; von  Gerhard Klein für den Film »Eine Berliner Romanze« (1957) entdeckt, in dem sie an der Seite ihres späteren Ehemannes  Ulrich Thein die weibliche Hauptrolle spielt; anschl. dreijähriges Studium an der Film-HS in Potsdam-Babelsberg, daneben weitere Filmrollen in »Spur in die Nacht« (1957), »Tilmann Riemenschneider« (1958), an der Seite von  Angelica Domröse in  Slátan Dudows Studentengeschichte »Verwirrung der Liebe« (1959), in »Septemberliebe« (1960) und in der dt.-sowj. Koproduktion »Fünf Tage – fünf Nächte« (1961); 1959/60 Dt. Theater Berlin; 1960 dreijähriges Engagement am Theater der Bergarb. in Senftenberg, 1963 – 65 Mitgl. des DFF, seit 1965 ständ. Mitgl. des Ensembles der Volksbühne Berlin, daneben zahlr. Rollen in DEFA- u. DFF-Filmen unterschiedl. Genres, so unter der Regie von  Frank Beyer 1962 in »Königskinder«, 1964 in der vierteiligen Fallada-Adaption »Wolf unter Wölfen« (TV, R: Hans-Joachim Kasprzik), 1964/65 in »Mörder auf Urlaub« (DDR/Jug.), 1968 an der Seite und unter der Regie ihres zweiten Ehemannes  Rolf Römer, der viele Rollen für sie schrieb, in »Mit mir nicht, Madame«, 1969 in »He, Du« und »Tödlicher Irrtum«, 1971/72 in dem Indianerfilm »Tecumseh«, 1972 in »Die Bilder des Zeugen Schattmann« (TV); versch. Rollen in Kriminalserien des DFF, wie »Polizeiruf 110«, »Der Staatsanwalt hat das Wort« und in dem mehrteiligen TV-Spionagefilm »Das unsichtbare Visier« (1973, 1975), 1976 die Rolle der Hostess Jette in »Hostess«, 1977 in dem TV-Film »Ein Strauß roter Rosen«, in den Filmkomödien »Der Baulöwe« (1979), »Unser Mann ist König« (1980, TV) und »Der Teufel hat den Schnaps gemacht« (1981, TV), 1986/ 87 in der TV-Serie »Tiere machen Leute« und 1990 im TV-Film »Das Duell«, sowie weibl. Hauptrolle in »Der Rest, der bleibt« (R: Bodo Fürneisen); im In- und Ausland außerdem Auftritte als Chansoninterpretin mit eigenen Programmen ( Bertolt Brecht, Kurt Weill,  Hanns Eisler); Mitwirkung an der ARD-Serie »Tatort«; Auftritt bei der Kundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz am 4.11. 1989. 1990 – 97 Vorsitzende der Nat. Bürgerbew.; Engagement für Waisenkinder in der ehemal. Sowjetunion; als Schauspielerin vorwiegend in TV-Rollen, u. a. 1999 – 2007 »Tatort«.Der Rest, der bleibt. Erinnerungen an ein unvollkommenes Leben (mit K. Decker). München 2007.Monika Kaiser / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Bürger, Willi

* 7.3.1907 – ✝ 17.9.1988

Geb. in Hagen (Westf.); Vater Dreher u. Eisenhobler, Mutter Fabrikarb.; Volksschule; Ausbildung zum Schlosser; 1921 – 29 Arbeiter in Hagen; 1921 DMV; 1921 – 29 Soz. Proletarier Jugend bzw. SAJ u. ATSB; ab 1927 für den M-Apparat der KPD tätig, 1927 – 29 Mitgl. des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, dort im KPD-Auftrag opp. tätig, ausgeschl.; 1929 KPD; 1929/30 Hilfsarb. in Hohenlimburg; 1929 – 32 Mitgl. der LL der IG für Rote Sporteinheit; 1930 KPD-UB-Kassierer, dann Org.-Ltr. des UB Hagen, Instrukteur der BL Niederrhein; 1931 Rosa-Luxemburg-Schule Berlin; Mitarb. der RGO Niederrhein; 1933 Volontär KPD-BL Berlin-Brandenb. u. Kassierer in Stuttgart; 1.3.1933 verhaftet, wegen Waffenbesitz zu drei Wochen Haft verurteilt, Haft im KZ Heuberg u. Kuhberg (b. Ulm); 1934 Kassierer der KPD-UB Hagen; illeg. pol. Arbeit u. a. im Saargebiet; Grenzarbeit; 1935 in Paris Mitarb. in der zentr. Emigr.-Ltg. der KPD, dort Org.-Ltr.; 1936 techn. Mitarb. des westeurop. Büros der MOPR, mit Schleusung von KPD-Mitgl. über England nach Moskau befaßt; 1936 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, Adjudant des Chefs des Thälmann-Bat.  Ludwig Renn, dort Bat.-Fw., Bat.-Intendant des 3. Bat. »Hans Beimler«, Politkommissar der Intendanz der XI. Brigade, Operationsabt. des 2. Bat.; 1938 verwundet, sechs Mon. Lazarett; Febr. 1939 – 42 in Frankreich u. Nordafrika interniert, Mitarb. der engeren KPD-Lagerltg., beteiligt an Lagermeutereien; März 1939 Ausbürgerung aus dt. Staatsbürgerschaft; 1942 Auslieferung an die Gestapo; 1943 vom OLG Hamm wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1943 – 45 Haft in Münster. 1945/46 KPD/SED; 1945 Ltr. der KPD Hagen; 1946 – 50 MdL von NRW u. Stadtverordn. in Hagen; 1946 1. Sekr. der KPD-KL Hagen; 1946 – 48 Mitgl. der KPD-BL Süd/Westf. u. der KPD-LL NRW; 1949 Rüge wegen angebl. »undiszipliniertem Verhalten«; 1949 – 52 Mitarb. im N-Apparat (»Parteiaufklärung«) der KPD (Resident, Deckn. »Klaus«); 1952 Übersiedl. in die DDR, kurzz. verhaftet; 1952 Angest. im Planungsbüro des IFA-Fahrzeugwerkes in Zittau, 1954 – 57 BGL-Vors.; 1956 Hans-Beimler-Med., VVO; 1957 – 63 Offz. der NVA; stellv. Ltr. der Kontrollabt. im MfNV, Oberst; Mitarb. der SPK; 1958 – 60 Mitgl. der SED-KL der HV der NVA; ab 1963 Kaderltr. im AHB Maschinen-Export; 1964 Ruhestand; 1965 durch die HV A für inoffiz. Aufgaben in der Bundesrep. Dtl. reaktiviert; 1970 Kampforden für Volk u. Vaterland; Mitgl. des Bez.-Komitees Berlin des KdAW, Ltr. des Aktivs ehem. Spanienkämpfer in Berlin; 1977 VVO, 1987 KMO; gest. in Berlin.Roscher, A.: Es ging um das Wort. Gespräch mit W.B. In: Neue Dt. Lit. 1981 (3).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Burmeister, Friedrich

* 24.3.1888 – ✝ 25.7.1968

Geb. in Wittenberge; Vater Schlosser u. Lokführer; Mittel- u. Realschule; Mai – Okt. 1904 Volontär beim Magistrat von Parchim, Okt. 1904 – Febr. 1905 Schreiber bei der RA-Kanzlei Wolf in Parchim, 16.3.1905 Eintritt in den Postdienst als Postgehilfe beim Telegraphenamt Schwerin; 1906 Mitgl. des Dt. Postverb.; 1909 Prüfung zum Postassistenten, 1914 Postassistent in Berlin-Reinickendorf-West; 1914 – 18 Militärdienst, Infanterie- u. Fernsprechabt., 1919 erneut in Berlin-Reinickendorf tätig, 1.2.1919 Versetzung zur Oberpostdirektion (OPD) Schwerin, 1919 Ernennung zum Oberpostassistenten, 1920 zum Postsekr., 1920 zum Oberpostsekr., 1924 zum Postinspektor; 1922 – 24 Republikanische Partei, 1926 – 30 DDP; bis 1933 Vors. des Landeskartells Mecklenb.-Schwerin des Dt. Beamtenbundes; 1.4.1939 Ernennung zum Oberpostinspektor, Versetzung nach Karlsbad, 15.2.1943 Versetzung zur Reichspostdirektion nach Aussig. Juni 1945 Rückführung nach Chemnitz, Aug. 1945 Weiterreise nach Schwerin; 1945 CDU, Mitgl. des LV Mecklenb.; 1945/46 Oberpostinspektor, Abt.-Ltr. u. stellv. Ltr. der OPD Schwerin; ab Dez. 1946 – 49 Min. für Arbeit u. Sozialwesen der Landesreg. Mecklenb.; 1949 – 58 Mitgl. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 63 Min. für Post- u. Fernmeldewesen; 1955 VVO; 1959 Verdienstmedaille der DDR; 1960 Banner der Arbeit; 1963 VVO; 1968 Ehrenspange zum VVO; 1950 – 68 Mitgl. des CDU-HV, 1954 – 64 Mitgl. des Pol. Aussch. bzw. des Präs. des CDU-HV.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Buschmann, Werner

* 3.1.1931

Geb. in Lichtenstein; Vater Arbeiter. Ausbildung zum Verw.-Angest.; 1948 – 52 als solcher in örtl. staatl. Organen tätig; 1952 Ref. im Min. für Wirtschaft u. Arbeit des Landes Sachsen; 1952 – 61 Mitarb. der SPK; Fernstudium an der HU Berlin u. an der KMU Leipzig, 1957 Dipl.-Wirtsch.; 1961 – 64 Abt.-Ltr. im VEB Großdrehmaschinenbau »7. Okt.« Berlin; 1964 Abt.-Ltr. örtl. Industrie bzw. 1965 Abt.-Ltr. Wirtschaftsräte im Volkswirtschaftsrat; 1965 – 68 Abt.-Ltr. im Min. für Bezirksgeleitete Industrie u. Lebensmittelindustrie; 1968 – 76 Mitarb. des ZK der SED, u. a. stellv. Ltr. der Abt. Leicht-, Lebensmittel- u. Bezirksgeleitete Industrie beim ZK der SED, 1974 amtl. Ltr.; seit 1976 Staatssekr. u. 1. stellv. Minister für Bezirksgeleitete Industrie u. Lebensmittelindustrie; Dez. 1978 – 7.11.1989 Minister für Leichtindustrie (Nachf. von  Karl Bettin) u. Mitgl. des Min.-Rats; 1976 – 79 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1974, 1979 u. 1984 VVO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Brurein, Ulrich

* 16.12.1908 – ✝ 30.8.1992

Geboren am 16. Dezember 1908 in Berlin-Charlottenburg, Sohn eines Architekten. Besuch des Gymnasiums in Ostpreußen und Mitglied der Bündischen Jugend (Wandervogel), 1925 der monistischen Jugend. Ab 1926 Mitglied und Funktionär des KJVD in Hamburg, ab 1927 Mitglied der KPD, 1928 zunächst Archivmitarbeiter, dann 2. politischer Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«. 1929 Sekretär der BL der KJVD. Im November 1931 nach Berlin beordert, 2. Redakteur der Zeitung »Junge Garde«. Nach Auseinandersetzungen mit der Neumann-Gruppe innerhalb der KJVD-Führung wurde er im Herbst 1932 als Mitglied des ZK des KJVD kooptiert. Zunächst Hauptkassierer des KJVD, dann ab Sommer 1933 illegale Arbeit als Oberinstrukteur für Ost- und Südostdeutschland (Ostpreußen und Schlesien). Brurein wurde am 22.November 1933 durch Verrat von Helmuth Lass zusammen mit Lambert Horn u. a. festgenommen. Im Juni 1934 durch das Amtsgericht Königsberg zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, Anfang Mai 1936 erneut verhaftet und nach sechs Monaten aus dem berüchtigten KZ Columbiahaus freigelassen. Bis 1942 stellvertretender Büroleiter bei der Ufa in Potsdam-Neubabelsberg, hatte Brurein Kontakte zur Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen. 1943 zur Wehrmacht einberufen, kam er verwundet in ein Lazarett. Von 1945 bis 1948 Referent bzw. Abteilungsleiter beim Berliner Rundfunk in Berlin, 1948 stellvertretender Intendant beim Mitteldeutschen Rundfunk Leipzig. Dann bis 1955 beim Berliner Verlag tätig, schließlich bis 1965 Redakteur bzw. Korrespondent der »Ostsee-Zeitung« u. a. in Moskau. Ulrich Brurein starb am 30. August 1992 in Rostock.

Wer war wer in DDR

Bubnoff, Serge von

* 15.7.1888 – ✝ 16.11.1957

Geb. in St. Petersburg; Vater dt. Arzt; Abitur; 1907 Übersiedl. nach Dtl.; Studium an der Univ. Freiburg i. Br., hier 1912 Prom. mit einer geolog. Arbeit; danach Assistent u. Mitarb. an der Univ. Freiburg bzw. der Bad. Geolog. Landesanstalt, ab 1914 Univ. Heidelberg; 1921 Habil. an der Univ. Breslau; hier 1922 a. o. Prof. für Geol.; 1929 Berufung an die Univ. Greifswald als Prof. u. Dir. des Geolog.-Paläontolog. Inst.; 1935 Mitgl. der Leopoldina; 1941 Korr. Mitgl. der Preuß. AdW. 1949 Ord. Mitgl. der DAW; 1950 Prof. für Geol. u. Paläontol. an der HU Berlin, ab 1951 zugl. Dir. des Geotekton. Inst. der DAW (Nachf. von Hans Stille); 1951 Korr. Mitgl. der Akad. in Göttingen; 1953 u. 1955 NP; 1956 Dr. h. c. der TH Hannover; gest. in Berlin. B. war ein führender dt. Geologe mit Verdiensten im Grenzgebiet von Tektonik u. Magnetismus sowie bei grundlegenden Forschungen zur Synthese der Erdgeschichte u. Lagerstättenkunde; maßgebl. am Wiederaufbau der geolog. Forschung nach dem Krieg beteiligt; Begründer u. Hrsg. der Geolog. Jahresberichte.Grundprobleme der Geol. Halle 1949.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Buchhorn, Richard

* 26.5.1896 – ✝ 5.1.1985

Geboren am 26. Mai 1896 in Blankenburg, Sohn eines Zimmermanns; lernte Schlosser. Seit 1913 in der Arbeiterjugend, seit 1916 SPD-Mitglied, Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg wieder Schlosser in Blankenburg, betätigte er sich für die USPD und ab 1920 für die KPD. Von 1928 bis 1930 Angestellter bei der AOK, anschließend Werkmeister. Von 1928 bis 1931 Abgeordneter der Stadtverordnetenversammlung Blankenburg und des Kreistages. Als Nachrücker übernahm er noch am 21. Februar 1933 das Braunschweiger Landtagsmandat von Ernst Winter, das dieser am 16. Februar 1933 niedergelegt hatte. 1933/34 »Schutzhaft«, dann illegale Arbeit in den Junkerswerken in Halberstadt. Im August 1945 als Bürgermeister von Blankenburg eingesetzt, blieb er dies bis 1950. Später Leiter des Büros des Deutschen Handwerks in Ost-Berlin. Richard Buchhorn starb am 5. Januar 1985 in Neindorf bei Oschersleben.

Wer war wer in DDR

Büchner, Matthias Hilmar (»Fritz«)

* 30.6.1953

Geb. in Zella-Mehlis; 1970 Mittlere Reife; Gärtnerlehre; nicht abgeschlossenes Studium der Theol.; seit 1979 freischaff. Maler u. Grafiker; seit Anfang der 1970er Jahre Engagement in der Offenen Arbeit der ev. Kirche, Mitarbeit in opp. Gruppen in Erfurt u. Berlin; 1989 Mitbegr. des Neuen Forums (NF), NF-Sprecher im Bez. Erfurt, Mitgl. des NF- Republiksprecherrats; Mitautor des Aufrufs zur friedl. Besetzung der MfS-Zentralen in der DDR am 4. Dezember 1989, der in Erfurt am selben Abend von neun Frauen (darunter B.s Ehefrau Petra B.) aufgegriffen wird; Mitinitiator des Erfurter Bürgerkomitees zur Auflösung des MfS; 1989 / 90 Mitglied des Runden Tisches Erfurt; 1990 Volkskammer-Beauftragter zur Kontrolle der Auflösung des SED-Sicherheitsapparates. 1990 Landessprecher Thüringen u. Mitgl. im Bundeskoordinierungsrat des NF; 1990 – 94 Mitgl. des Thüringer Landtags; 1995 – 98 Bundessprecher des Neuen Forums; lebt in Zella-Mehlis als Maler, Grafiker u. Gestalter.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Buder, Johannes

* 16.11.1884 – ✝ 13.7.1966

Geb. in Berlin; Gymnasium, 1904 Abitur; 1904 – 08 Studium der Naturwiss., insb. Botanik und Math. an der Univ. Berlin, dort 1908 Prom.; 1908 – 09 Ass. am Botan. Inst. der Univ. Heidelberg; 1909 Staatsexamen für das Höhere Lehramt (Botanik u. Zoologie für die Oberstufe, Math. u. Chemie für die Unterstufe); 1909 – 10 Ass. am Botan. Inst. der Landwirtsch. HS Berlin; 1910 – 22 1. Ass. am Botan. Inst. der Univ. Leipzig, dort 1911 Habil. im Fach Botanik, 1911 – 17 Privatdoz., 1917 – 22 außerord. Prof. für Botanik; 1922 – 28 ord. Prof. u. Dir. des Botan. Inst. u. des Botan. Gartens Univ. Greifswald; 1928 – 45 ord. Prof. u. Dir. der Botan. Anstalten der Univ. Breslau; 1945 Evakuierung aus Breslau nach Hildesheim u. dann nach Göttingen. 1947 – 56 Prof. mit Lehrstuhl für Botanik u. Dir. der Botan. Anstalten an der MLU Halle-Wittenberg, danach noch bis 1958 Fachrichtungsltr.; 1950 Mitgl. der Leopoldina, 1954 – 60 Mitgl. des Präsidiums; 1954 Mitgl. Sächs. AdW; 1959 Dr. rer. nat. h. c. der MLU; 1960 Ehrenmitgl. des Verb. Dt. Biologen; 1960 VVO; 1961 Vizepräs. der Dt. Botan. Gesell.; gest. in Halle (Saale). Arbeitsgebiete: Pflanzenphysiol., vor allem Aufbau des Vegetationskegels (Tunica-Corpus-Konzeption); Arbeiten zum Phototropismus; Geotropismus der Characeenrhizoide.Zur Kenntnis der phototaktischen Richtungsbewegungen. Jahrb. wiss. Botanik 58 / 1919; Neue phototropische Fundamentalversuche. Berichte der Dt. Botan. Gesell. 38 / 1920; Über den Bau des phanerogamen Sproßvegetationspunktes und seine Bedeutung für die Chimärentheorie. Berichte der Dt. Botan. Gesell. 46, 1. Generalversammlungs-Heft, 1928; Der Geotropismus der Characeenrhizoide. Berichte der Dt. Botan. Gesell. 74, 1. Generalversammlungsheft, 1961. Jacob, F.: J. B. 16.11.1884 – 13.7. 1966. Jahrbuch der Sächs. AdW 1966 – 68 (mit Bibliogr.).Michael Kaasch

Wer war wer in DDR

Buggenhagen, Marianne

* 26.5.1953

Geb. in Ueckermünde; 1959 – 69 POS; 1969 SC Dynamo Berlin, Sekt. Volleyball; Ausbildung zur Krankenschwester/Allgemeinmed. in Berlin-Buch; ab 1972 mehrmals an den Bandscheiben operiert; 1974 – 86 Hilfserzieherin in der berufl. Rehabilitation; seit 1977 querschnittsgelähmt, Rollstuhlfahrerin; 1977 Mitgl. der BSG Med. Berlin-Buch; seither Leistungssportlerin im Rollstuhl (Schwimmen, Tischtennis, Fahrdisziplinen, Leichtathletik/ Wurf); mehrf. DDR-Mstr. u. Teiln. an Intersport Invalid Cups sowie Länderkämpfen in Wien; 1989 erste Teiln. an Weltmeisterschaften, dreifache WM. Ab 1990 SC Berlin (Trainer: Bodo Heinemann); 1990 dreifache WM in Assen (Niederl.); 1992 vierfache Siegerin bei den Paralympics in Barcelona (Spanien); 1993 mit Victory Award (Washington) ausgez.; 1994 WM im Kugelstoßen, Diskus- u. Speerwurf u. im Fünfkampf bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behinderten in Berlin; 1994 Sportlerin des Jahres; 1995 mit dem Noul Foundation Award (Los Angeles) ausgez.; 1996, 2000 u. 2004 Olympiasiegerin im Kugelstoßen; 1996 u. 2008 Olympiasiegerin im Diskuswerfen; 1998 u. 2002 WM im Kugelstoßen; 2006 WM im Diskuswerfen; 2001 dreifache EM (Kugelstoßen, Diskus- u. Speerwerfen); 2003 EM im Kugelstoßen; insgesamt 30mal Gold, 10mal Silber u. 6mal Bronze; 2001, 2005 u. 2008 Silbernes Lorbeerblatt; Ehrenbürgerin von Angermünde; lebt in Berlin.Ich bin von Kopf bis Fuß auf Leben eingestellt. Die Autobiogr. 1996.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bulian, Otto

* 21.3.1886 – ✝ 4.2.1938

Geboren am 21. März 1886 in Gronowke/Krs. Thorn, Sohn eines Bahnwärters. Lehre und Arbeit als Schlosser u. a. im Gaswerk Thorn. Von 1906 bis 1908 Militärdienst, ab September 1908 bis Februar 1920 Schlosser bei der AEG in Berlin. Während des Krieges unabkömmlich gestellt, nach zeitweiliger Arbeitslosigkeit Schlosser bei »Knorr-Bremse« in Berlin-Lichtenberg bzw. in einer Zündholzfabrik in Berlin-Reinickendorf. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, seit Gründung der Partei 1919 in der KPD aktiv. 1923 im Militärapparat und anschließend im »Ordner-Dienst« der KPD. Ab Januar 1924 zunächst Lagerverwalter bei der Peuvag, ab Juni 1924 Expedient beim Kosmos-Verlag. Im Oktober 1925 wurde Bulian vom Staatsgerichtshof wegen illegaler Arbeit für den AM-Apparat zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Freilassung in den hauptamtlichen Apparat übernommen, 1929 kurze Zeit auch Sekretär für Gewerkschaftsfragen der BL Berlin-Brandenburg. 1928 Kandidat für die Reichstagswahlen, aber nicht gewählt. Bulian war bis 1933 wieder im AM-Apparat tätig und vor allem für Waffenbeschaffung verantwortlich. Er emigrierte in die Sowjetunion, arbeitete unter dem Parteinamen Wilhelm Baumert als Schlosser und Mechaniker in Moskau. Dort am 4.Februar 1938 vom NKWD verhaftet und am 29. Juli wegen des Vorwurfs der »Spionage« zum Tode verurteilt, wurde Otto Bulian am 10. August 1938 in Butowo erschossen.

Wer war wer in DDR

Bunke, Olaf

* 6.5.1935

Geb. in Berlin, nach Emigration der Eltern aufgewachsen in Argentinien, Schwester  Tamara B.; 1952 Übersiedl. in die DDR; 1954 Abitur; anschl. Studium der Math. an der HU Berlin, 1959 Dipl. u. 1960 Prom. mit der Arbeit »Neue Konfidenzintervalle für den Parameter der Binominalverteilung« bei  Erna Weber; 1966 Habil. an der FSU Jena; 1967 Prof. mit Lehrauftrag, 1969 – 1992 ord. Prof. für Math. / Mathemat. Statistik u. Dir. der Bereiche »Mathemat. Methoden in der Ökonomie, Technologie u. Planung«, »Operationsforschung« sowie »Wahrscheinlichkeitstheorie u. Mathemat. Statistik« der Sektion Math. der HU Berlin, dort anschl. bis 2003 C4-Prof.; 1964 – 1970 zugl. Bereichsltr. am Inst. für Reine Math. der DAW (später ZI für Math. u. Mechanik der AdW); 1969 Gründer u. Chefred. der Ztschr. »Mathemat. Operationsforschung u. Statistik« bzw. ab 1976 »Statistics: A Journal of Theoretical and Applied Statistics«; zeitw. verh. mit  Helga Königsdorf; 1970 korr. Mitgl., 1976 ord. Mitgl. der AdW; 1976 NP. 2003 em.; lebt in Berlin. Arbeitsgebiete: Wahrscheinlichkeitstheorie u. mathemat. Statistik sowie Operationsforschung; Beiträge zu optimalen Schätzungen u. ihren asymptotischen Eigenschaften bei Regressions- u. semiparametrischen Modellen zu Verfahren der Vorhersage u. Modellwahl.Statistical methods of model building. 1986 (Hrsg. mit H. Bunke); Nonlinear regression, functional relations and robust methods. 2 Bände, New York 1989 (Hrsg. mit H. Bunke); Operationsforschung u. mathemat. Statistik, Bde. 1 u. 2, Berlin 1968 u. 1970; Gemeinsames Arbeitsseminar »Nichtlineare Regression«. Berlin 1986 (Hrsg. mit E. Jolivet).Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Bürger, Kurt

* 27.8.1894 – ✝ 28.7.1951

Geb. in Karlsruhe; Vater Metallarb.; Volksschule; 1908 – 11 Ausbildung zum Schlosser in Baden-Baden; dort 1911/12 Hilfsmonteur; 1912 SPD, DMV; 1912/13 Schlosser in München; 1913 Wanderschaft; 1914 – 17 Militärdienst, als dienstuntaugl. entlassen; 1917 – 19 Schlosser in München; Nov. 1918 Mitgl. des Arbeiterrats in München; 1919 Mitbegr. der KPD Bayern; April/Mai 1919 Kdr. einer militär. Einheit der Bayr. Räterep. (»Rote Garde«); nach deren Niederschlagung von einem Standgericht zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, 1919 – 23 Einzelhaft im Zuchthaus Straubing (Bayern); 1923 Schlosser in München, aus pol. Gründen entlassen; 1923 Mitarb. des M-Apparates der KPD Bayern, 1924 UB-Ltr. München; 1924 vom Sondergericht München wegen Fortführung der illeg. KPD zu fünf Mon. Haft verurteilt; 1924 – 27 versch. Funktionen im M-Apparat (»Erich«); 1926/27 U-Haft in München, Berlin u. Leipzig; 1927 – 29 Volontär von »Die Volksztg.«; 1928 wegen »Zersetzungstätigkeit unter der Reichswehr u. Polizei« vom Reichsgericht zu einem Jahr Festungshaft verurteilt; 1929 – 33 Mitarb. des ZK der KPD, dort 1929/30 im M-Apparat, anschl. des Pressedienstes u. der Org.-Abt., 1932 stellv. Ltr. der Abt. gegen Fasch. u. Sozialfasch.; 1933 illeg. pol. Arbeit, Reorg. des Kurier- u. Verbindungsdienstes des ZK der KPD (»Lukas«, »Kurt Krüger«, »Kurt Bürger«); Sept. 1933 Emigr. in die UdSSR; 1933/ 34 Mitarb. des EKKI, stellv. Ltr. der Org.-Abt. für Mitteleuropa; 1934 – 36 Mitarb. der Profintern, stellv. Ltr. der Presseabt. u. Mitarb. des Gen.-Sekr.; Okt. 1936/37 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg (»Karl Eiche«), XI. u. XIII. Intern. Brigade, Etkar-André-Btl., Kommissar beim Stab der Internat. Brigaden in Albacete, dort als Mitarb. der dt. Kaderabt. mit »Säuberungen« von »Trotzkisten« u. »Agenten« befasst; Apr. 1937 schwere Herzerkrankung, zur Operation nach Paris; März 1938 Rückkehr in die UdSSR; 1938/39 Red. der »Dt. Ztg.« in Moskau, 1939 – 41 Oberlehrer am Sprachinst. in Moskau; 1940 sowj. Staatsbürgerschaft; 1941 – 45 Arbeit unter dt. Kriegsgefangenen, ab Sept. 1941 als Instrukteur, in den Kriegsgefangenenlagern Nr. 95 u. 158. 6.5.1945 Rückkehr nach Dtl. als Mitgl. der KPD-Initiativgr.  Gustav Sobottka für Mecklenb.; 1945 Mitarb. u. Vors. der KPD-LL Mecklenb. (Nachf. von  Gustav Sobottka), Mitgl. des Kleinen Sekr.; ab 1946 Ko-Vors. des LV bzw. 1. Sekr. der LL Mecklenb. (Nachf. von Gustav Sobottka); Mitgl. des PV bzw. des ZK der SED; Abg. des Landtags Mecklenb., SED-Fraktionsvors.; 1949 Vors. des Rechtsaussch. u. Mitgl. des Justizaussch.; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer; 1950 Mitgl. des NR der NF; 1951 Min.-Präs. des Landes Mecklenb. (Nachf. von  Wilhelm Höcker); gest. in Schwerin; 1952 Benennung eines Fußballstadions in Wismar nach K. B.SED-KL Schwerin (Hrsg.): K. B. Revolutionär u. Kämpfer. Schwerin 1981; K. B. In: Bezirkskomm. zur Erforschung der Gesch. der örtl. Arbeiterbew. (Hrsg.): Rev. Kämpfer. Schwerin 1981; Kaufmann, B. u. a.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937. Berlin 1993.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Burghardt, Max Georg Emanuel

* 27.11.1893 – ✝ 22.1.1977

Geb. in Wickendorf (Mecklenb.), ab 1897 aufgew. in Berlin; Vater Ziegeleibesitzer, Bau-Ing.; Mutter Inhaberin eines Konfitüregeschäfts; Realschule (aus fam. Gründen nicht abgeschlossen); 1911 – 13 Ausbildung zum Buchhändler in Rostock; 1913/14 Studium an der Maria-Moissi-Schauspielschule Berlin; 1914 – 18 als Freiwilliger Militärdienst, Dragoner-Rgt. 17 in Ludwigslust, Einsatz an allen Fronten; 1919 als Gefr. entlassen; 1919/20 Schauspielunterricht bei Josefa Flora; ab 1920 Engagements als Schauspieler u. a. in Bremen, Rostock, Lübeck, Plauen, Münster, Erfurt u. Berlin; 1930 KPD; 1930 – 35 Schauspielhaus Stuttgart u. Mitarb. beim Stuttgarter Sender; seit 1933 illeg. pol. Arbeit für die KPD-BL Stuttgart, Kurierdienste in der Schweiz; Dez. 1935 Verhaftung in Stuttgart wegen illeg. Arbeit in der Gruppe Lilo Herrmann, nach U-Haft Nov. 1937 vom OLG Stuttgart Verurteilung zu viereinhalb Jahren Zuchthaus wegen Vorb. zum Hochverrat; 1935 – 40 Haft im Zuchthaus Ludwigsburg u. ab 1941 KZ Welzheim/Württ., anschl. unter Polizeiaufsicht; 1941 – 43 Registraturangest. der Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG in Bremen; 1943 – 45 kriegsdienstverpflichtet an die Bremer Atlaswerft, 1941 – 45 DAF, Ende 1944 Volkssturm Berlin. 1945 Red. beim NWDR Stuttgart, freier Schriftsteller; 1946 Wiedereintritt in die KPD, Mitbegr. des KB zur demokrat. Erneuerung Dtl. u. des Kampfbunds gegen den Fasch. in Bremen; Febr. 1946 Red. beim NWDR Hamburg. Mai 1946 – Aug. 1947 Intendant des Senders Köln des NWDR, holte  Karl-Eduard von Schnitzler u.  Karl Gass in die neue »Pol. Abt.« des NWDR; Aug. 1947 Entlassung aus polit. Gründen auf Veranlassung der CDU (Adenauer) u. der brit. Alliierten; Okt. 1947 Übersiedl. in die SBZ, SED; Nov. 1947 – Juli 1950 Obmann der Abt. Kunst u. Lit. bzw. Ref.-Ltr. Musik u. Theater bei der Dt. ZV bzw. im Min. für Volksbildung Berlin; 1950 – 54 Gen.-Intendant der Städt. Theater Leipzig; 1951 – 77 Mitgl. der DAK/AdK; 1952 NP; 1953/54 Kand. der SED-BL: Leipzig; Aug. 1954 – 63 Intendant der Dt. Staatsoper Berlin, 1955 Inszen. von Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« anläßl. der Wiedereröffnung des Gebäudes der Staatsoper Unter den Linden; schriftsteller. Tätigkeit; 1954 – 59 Kand., 1959 – 77 Mitgl. des ZK der SED; 1958 Prof.; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1958 – 67 Präs. des KB (Nachf. von  Johannes R. Becher); 1959 NP; 1963 u. 1965 VVO; 1967 – 78 Vors. des Präsidialrats des KB; Mitgl. des NR der NF; 1968 KMO, Dr. h. c. der Phil. Fak. der HU Berlin; 1970 KMO; 1973 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Briefe, die nie geschrieben wurden. Lilo Herrmann zum Gedächtnis. Berlin 1967; Fürchtet euch nicht. Berlin 1968; Ich war nicht nur Schauspieler. Erinnerungen eines Theatermannes. Berlin, Weimar 1972.Andreas Kölling / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Burwitz, Max

* 9.2.1896 – ✝ 22.3.1974

Geb. in Anklam; Vater Beamter; Volksschule u. Gymnasium, 1910 – 14 Lehrerseminar in Anklam; 1914 – 19 Militärdienst u. brit. Kriegsgefangenschaft; 1919 / 20 Lehrerseminar in Anklam; 1920 – 22 Hilfslehrer in Anklam; 1922 / 23 Gewerbelehrerseminar in Berlin-Charlottenburg; 1923 – 33 Gewerbeoberlehrer an der Städt. Berufsschule in Anklam; 1924 SPD, 1924 – 33 Stadtverordn. u. Mitgl. des Kreisaussch. der SPD in Anklam; 1933 aus dem Schuldienst entlassen, Arbeit als Versicherungsvertreter; 1939 / 40 Wehrmacht; 1943 – 1945 dienstverpflichtet. Mai 1945 Bürgermeister von Eldena; Aug. 1945 Kulturdezernent der Stadtverwaltung Greifswald; 1946 SED; 1947 OB von Greifswald; 1949 – 52 OB von Rostock (Nachf. von Albert Schulz), 1952 – 1961 Ltr. des Staatl. Vertragsgerichts des Bez. Rostock u. Mitgl. der SED-BL Rostock; 1961 – 65 Lehrer für Staatsbürgerkunde an der 1. EOS Rostock; VVO in Gold; gest. in Rostock.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Buschner, Georg

* 26.12.1925 – ✝ 12.2.2007

Geb. in Gera; seit 1935 aktiver Fußballspieler, 1. SV Gera; OS, Abitur; 1943 – 45 Wehrmacht (Luftwaffe). 1945/46 Bauarb.; 1946/47 Neulehrer; 1947 – 52 Sport- u. Geschichtsstudium an der FSU Jena; Lehrer; SED; 1952 – 58 HS-Lehrer für Sportgeschichte u. -spiele, 1952 – 58 Fußballspieler bei SC Motor Jena; 1954 – 57 sieben Länderspiele, 69 Oberligaspiele; 1958 – 63 Hochschuldoz. u. nebenberufl. Trainer bei Carl Zeiss Jena, ab 1963 hauptamtl.; 1966-71 inoffizielle Zusammenarb. mit dem MfS (GMS "Georg"); 1970 – 81 Fußball-Nationaltrainer (Nachf. von Harald Seeger), 115 Länderspiele (60 Siege, 23 Niederlagen, 32 Unentschieden), größte Erfolge: 1972 Olymp. Spiele 3. Platz, 1974 Weltmeisterschaften 6. Platz, 1976 Olymp. Spiele Sieger; 1981 entlassen, ab 1983 Invalidenrentner; gest. in Jena.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Bruschke, Werner

* 18.8.1898 – ✝ 17.2.1995

Geb. in Magdeburg; Vater Metallarb.; 1906 – 12 Bürgerschule; Ausbildung zum Schlosser in Magdeburg; 1912 SAJ, 1915 Mitgl. des DMV, ehrenamtl. gewerkschaftl. Tätigkeit, 1916 SPD; 1917/18 Militärdienst; 1918 – 27 Schlosser in Magdeburg; 1927 – 31 hauptamtl. Jugendsekr. der SPD in Magdeburg, 1931 – 33 dort SPD-Funktionär für Kommunalpol. u. Bildung sowie Finanzwirtschaft, 1933 Mitgl. des Bez.-Sekr. Magdeburg-Anh.; Abg. des Sachsen-Anh. Landtags; 1933/34 Tabakwarenhändler in Magdeburg, später Versicherungsvertreter; illeg. pol. Arbeit, mehrmals verhaftet; 1939 Anklage wegen Hoch- u. Landesverrat, U-Haft, dann »Schutzhaft«, 1942 – 45 KZ Sachsenhausen u. KZ Dachau. 1945 Sekr. des SPD-Bez.-Vorst. Magde- burg, Sekr. des Provinzialvorst. Sachsen-Anh.; 1945/46 einer der Vizepräs. der Provinzialverw. Sachsen-Anh.; 1946 Regierungspräs. des Bez. Magdeburg; 1946 – 48 Finanzmin. der Provinzial- bzw. Landesreg. Sachsen-Anh.; 1946 – 49 gem. mit  Bernard Koenen Vors. des SED-LV; Abg. des Sachsen-Anh. Landtags; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 52 Min.-Präs. des Landes Sachsen-Anh. (Nachf. von  Erhard Hübener); 1950 – 54 Mitgl. des ZK der SED; ab 1952 Vors. des Rats des Bez. Halle, Abg. des Bez.-Tags, Mitgl. der SED-BL, 1955 aus gesundheitl. Gründen Entlastung von seinen hauptamtl. Funktionen; 1955 VVO; 1960 Banner der Arbeit; Mitgl. von Kommissionen der SED-BL Halle; bis 1989 Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer.Für das Recht der Klasse – für die Macht der Arbeiter u. Bauern. Halle 1981.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Buchheim, Walter

* 28.1.1904 – ✝ 1.11.1979

Geb. in Pegau (Krs. Borna, Sachsen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1918 – 22 Ausbildung zum Metallschleifer, bis 1929 im Beruf tätig; 1929 – 31 Bergarbeiter im Braunkohlenbergbau; 1923 KJVD, Funktionen auf regionaler Ebene; 1926 KPD; 1931 – 33 Stadtverordneter in Groitzsch u. hauptamtl. Stadtrat; 1933 illeg. pol. Arbeit; Gefängnishaft, 1934 – 36 KZ Sachsenhausen; 1936 – 45 Metallschleifer. 1945 – 49 Stadtverordneter der KPD bzw. SED u. Bürgermstr. in Groitzsch; 1949 Besuch der Verw.-Akad. Forst-Zinna; 1950/51 Landrat im Krs. Zittau; 1951 LPS der SED in Meißen; 1952 – 59 1. Sekr. der SED-BL Chemnitz/Karl-Marx-Stadt, 1954 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1952 – 58 Abg. des Bez.-Tags Chemnitz/Karl-Marx-Stadt; 1954 VVO; 1958 – 63 Abg. der Volkskammer; 1959 – 61 stellv. Vors. des BV des FDGB (Nachf. von  Otto Lehmann); 1961 – 71 Vors. des ZA der Volkssolidarität (Nachf. von  Jenny Matern); 1969 – 71 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1971 Rentner; 1969 Ehrenspange zum VVO; 1974 KMO.Springer, P.: »Da konnte ich mich dann so’n bißchen entfalten«. Die Volkssolidarität in der SBZ/DDR. Frankfurt (Main) 1999.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Buchmann, Albert

* 28.10.1894 – ✝ 17.12.1975

Geboren am 28. Oktober 1894 in Pirmasens, Sohn eines Schuhmachers. Arbeiter in Schuhfabriken. 1910 Mitglied der Gewerkschaft und 1911 der SPD. Von 1914 bis 1919 Soldat bei der bayerischen Infanterie. Nach dem Krieg kam Buchmann im Januar 1921 über die USPD zur KPD. 1920 war er nach München übergesiedelt, wurde hier 1922 Vorsitzender der Schuharbeitergewerkschaft und im Januar 1923 Leiter der KPD München. Seit Herbst 1923 hauptamtlicher Sekretär der KPD Südbayern, wurde im Oktober 1923 verhaftet. Von Mai 1924 bis 1933 ununterbrochen Reichstagsabgeordneter der KPD im Wahlkreis Oberbayern-Schwaben bzw. Wahlkreis Württemberg. Als Nachfolger Joseph Schlaffers von 1925 bis 1932 Polleiter des Bezirks Südbayern der KPD. 1932 wurde Buchmann Polleiter im Bezirk Württemberg. 1932 inhaftiert und zu 18 Monaten Festungshaft verurteilt, durch die Amnestie aber im Dezember 1932 freigelassen. Ab Februar 1933 Leiter der illegalen KPD-Organisation in Württemberg, wurde Buchmann am 3. Mai 1933 verhaftet und am 27. Oktober 1933 vom OLG Stuttgart zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er im Zuchthaus Rottenburg verbüßte, anschließend im KZ Dachau. Ende 1936 erneut zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, saß er bis 1945 in Ludwigsburg und im KZ Sachsenhausen und war zuletzt im KZ Flossenbürg inhaftiert, dort am 23. April 1945 durch amerikanische Truppen befreit. Nach Zulassung der Parteien war Buchmann Vorsitzender der KPD von Nordwürttemberg, später von Württemberg-Baden; Abgeordneter (Fraktionsvorsitzender) der KPD im Landtag. 1948 Mitglied des PV der westdeutschen KPD, gehörte bis 1953 dem KPD-PV, ab 1953 dem ZK der KPD an. Im Sommer 1953 ist er mit seiner Familie in die DDR übergesiedelt. In Ost-Berlin zunächst Instrukteur des Arbeitsbüros bzw. der Westabteilung des ZK der SED und von 1953 bis 1969 hauptamtlicher Parteisekretär der Einjahresschule »Ernst Thälmann« der illegalen KPD in Schmerwitz in der DDR. 1959 wurde er als »Delegierter der KPD« zur Konferenz der Großmächte nach Genf entsandt. Albert Buchmann starb am 17. Dezember 1975 in Ost-Berlin. Seine Frau Erika Buchmann (* 11. 11. 1902 – †20. 11. 1971) war die Tochter des bekannten Münchener Armen-Arztes Schollenbruch, sie wurde als aktive kommunistische Funktionärin von den Nazis verfolgt und war von 1935 bis 1945 in Stuttgart und zuletzt im KZ Ravensbrück inhaftiert. Danach leitete sie die Frauenarbeit der westdeutschen KPD. Inge Buchmann (* 24. 3. 1927 – † Mai 1987), die Tochter von Albert und Erika Buchmann, war in der FDJ aktiv und zeitweilig mit dem 1953 in die Bundesrepublik geflüchteten 2. Sekretär des FDJ-ZR Heinz Lippmann verheiratet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Büchs, Franz Xaver

* 18.4.1889 – ✝ 22.6.1940

Geboren am 18. April 1889 in Augsburg, Sohn eines Malers und einer Arbeiterin; gelernter Schlosser. 1910 kam Büchs nach Nürnberg und arbeitete bei der Firma MAN. 1910 Mitglied der SPD, 1917 der USPD. Aktive Beteiligung am Munitionsarbeiterstreik 1918. Mit der linken USPD (Delegierter des Spaltungsparteitags) ging Büchs 1920 zur KPD und wurde deren Vorsitzender in Nürnberg, blieb aber weiterhin im Betrieb tätig. Auf Anordnung der Zentrale gab er 1923 die Fabrikarbeit auf, um illegal für die verbotene KPD zu wirken. Anfang 1924 zusammen mit anderen Kommunisten bei einer illegalen Sitzung in Stuttgart verhaftet und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Im April 1924 und wieder 1928 als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt, mußte er vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Neben seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter in den folgenden Jahren für die Betriebszellenarbeit der KPD in Bayern verantwortlich. Büchs zählte zum rechten Parteiflügel; deshalb Anfang 1930 zusammen mit anderen bayerischen Opponenten aus der KPD ausgeschlossen. Er war kurze Zeit in der KPO, dann in der SPD, für die er bis 1932 im Landtag blieb. Danach eröffnete er in Nürnberg ein Zigarrengeschäft. 1933 einige Male verhaftet und bei mehrfachen polizeilichen Vernehmungen mißhandelt. Im Juni 1940 verhaftete die Gestapo Büchs sowie ein anderes SPD-Mitglied erneut. Nachdem sich dieser Mitgefangene (wahrscheinlich nicht freiwillig) aus dem Fenster gestürzt hatte, erhielt seine Frau die Nachricht, Franz Xaver Büchs habe sich am 22. Juni 1940 in seiner Zelle erhängt. Seinen Leichnam konnte sie erst nach der Aufbahrung im Leichenhaus sehen, irgendwelche Anzeichen einer Strangulation waren nicht festzustellen. Über die Todesursache wurde keine schriftliche Bescheinigung erteilt, mehrere Hinweise deuten darauf hin, daß Büchs ermordet wurde.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Budich, Willi

* 16.4.1890 – ✝ 22.3.1938

Geboren am 16. April 1890 in Cottbus, Kind einer sorbischen Bauernfamilie. Schlosserlehre, 1909 Ingenieurstudium am Technikum in Mittweida. 1910 Mitglied des DMV und der SPD. 1914 Einberufung zum Militärdienst, während des Krieges stieß er zur Spartakusgruppe und wurde enger Mitarbeiter von Leo Jogiches und Hugo Eberlein. Nach einer Verwundung an der Westfront Schreiber der Berliner Garnisonsverwaltung (Garde-Feldartillerie). Budich gehörte als Spartakusmitglied auch der USPD an und war an der Herstellung und Verbreitung illegaler Flugblätter für die Armee beteiligt. Gemeinsam mit Jogiches einer der Organisatoren des Spartakusbundes (Deckname Brandt), wurde am 24. März 1918 verhaftet. Durch die Revolution befreit, leitete er in der Zentrale des Spartakusbundes die militärische Arbeit, als Führer des Roten Soldatenbundes. Bei einer Demonstration am 6.Dezember 1918 schwer verletzt, verlor Budich einen Arm. Gerüchte um seinen Tod veranlaßten Rosa Luxemburg, Lotte Pulewka zu beauftragen, nach Budich zu suchen. Diese fand ihn im Berliner Virchow-Krankenhaus. Nach seiner Genesung im März 1919 Übersiedlung nach München, in der Räterepublik Mitglied des Vollzugsrats (Pseudonym Dietrich). Nach der Niederschlagung der Räterepublik 1919 zunächst Flucht nach Wien, anschließend in die Sowjetunion. Dort Delegierter des II. Weltkongresses der KI, wurde persönlich von Lenin empfangen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1921 illegale Rückkehr nach Deutschland. Nach dem VII. Parteitag der KPD 1921 Leiter des Oberbezirks der KPD Nord-Ost (Pommern, Ostpreußen, Danzig und Mecklenburg). Im Frühjahr 1922 verhaftet, Überstellung nach Berlin. Da die Gefahr der Auslieferung nach Bayern bestand, wo ihn ein Todesurteil erwartete, flüchtete Budich erneut in die Sowjetunion. Hier im Apparat der Komintern und in der Leitung der Internationalen Roten Hilfe (IRH) tätig. Von 1924 bis 1928 unter dem Pseudonym Gerbilski Leiter der russisch-österreichischen Handelsgesellschaft Russawstorg in Wien. Ab 1928 wieder in Moskau, Mitarbeiter am MELI. Da der Haftbefehl aus dem Jahre 1919 durch eine Amnestie aufgehoben worden war, konnte Budich im Dezember 1929 nach Deutschland zurückkehren. Er wurde Redakteur der »Roten Fahne«, anschließend Leiter der Verlagszentrale AG (Druck und Vertrieb der KPD-Presse- und Literatur) und Leiter der Geschäftsabteilung (GESCHA) des ZK. Im November 1932 in den Reichstag gewählt, wurde ihm während der Reichstagssitzung am 7.Dezember 1932 bei einer Schlägerei mit den Nazis das Knie zertrümmert. Im Dezember 1932 befand er sich in einer Klinik und lebte bis Mai 1933 illegal. Ende Mai 1933 wurde Budich mit zwei seiner Sekretärinnen von der Gestapo verhaftet und im KZ Columbiahaus schwer mißhandelt. Eine von Fritz Heckert und Jelena Stassowa von Moskau aus organisierte internationale Befreiungskampagne, die auch die französischen Schriftsteller Louis Aragon und Romain Rolland unterstützten, führte zu Budichs Entlassung aus der Gestapohaft. Über Prag emigrierte er im August 1933 in die UdSSR, kam sofort in ein Sanatorium und arbeitete anschließend als Mitglied der Exekutive der IRH (MOPR) in Moskau. Dort wurde er vom NKWD am 19.September 1936 verhaftet. Am 22. März 1938 wurde Willi Budich in Moskau zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen.

Wer war wer in DDR

Buhl, Hermann

* 31.10.1935

Geb. in Hainsberg (b. Dresden), aufgewachsen in Marienberg (Erzgeb.); Vater Förster; 1942 – 50 Grundschule; 1950 – 54 OS, Abitur; 1954 KVP, ab 1956 NVA, 1957 / 58 Ausbildung an der Offiziershochschule Döbeln bzw. Plauen; anschließend Delegierung zum ASK Vorwärts Berlin (Trainer Curt Eins); 1958 2. Pl. DDR-Waldlaufmeisterschaften 2.500 m; viermal DDR-Mstr. 3.000 m-Hindernis (1958, 1959, 1961, 1962); 1960 DDR-Mstr. Waldlauf 2.500 m; viermal DDR-Rekord 3.000 m-Hindernis (1958 – 60), 3.7.1960 persönl. Bestzeit 8:34,0 min (Jahresweltbestzeit / als DDR-Rekorde erst 1966 durch Dieter Hartmann verbessert); Teiln. Olymp. Spiele 1960 (im Vorlauf als 4. ausgeschieden); Teiln. EM 1958 (11. Pl.) u. 1962 (4. Pl.); Teiln. Akad. Weltspiele 1959 5.000 m (4. Pl.); 1.9.1963 DDR-Meisterschaften in Jena: Achillessehnenriß beim letzten Wassergraben auf WR-Kurs; 1964 Comeback; 1965 letzter Wettkampf in Dresden, danach dienstbeschädigt als Hptm. entlassen; 1959 – 63 Studium der Philos. an der KMU Leipzig; 1959 – 64 Mitgl. des ZR der FDJ; 1965 – 70 Medizinstudium an der Med. Akad. Magdeburg; 1970 – 75 Facharztausbildung für Sportmed. in der Universitätsklinik Leipzig (Schwerpunkt konservative Orthopädie u. Innere Medizin); 1973 Prom.; danach Assistenzarzt bzw. Oberarzt an der Klin. Abt. u. Tagesklinik am Forschungsinst. für Körperkultur u. Sport Leipzig; 1980 – 90 stellv. Dir. für Forschung (Schwerpunkte Energiestoffwechsel, Muskelphysiologie, Histologie der Muskel- und Lebergewebe, Zentralnervensystem u. motor. Lernprozeß, kardio-pulmonales Funktionssystem, Hypoxiewirkung, Trainingslehre u. -betreuung); 1983 Habil. an der KMU Leipzig; 1987 dort Prof. mit Lehrstuhl für Sportmedizin; 1972 – 82 bzw. 1985 – 90 Verbandsarzt der Nationalmannschaft Leichtathletik (Mittel- u. Langstrecke) bzw. Radsport. 1990 – 92 Gastprof. an der Univ. Paderborn; 1992 – 94 bzw. 1993 – 96 Lehraufträge für Sportmed. bzw. Ernährungsmed. an den Univ. Marburg bzw. Gießen; 1992 – 2004 Ärztl. Ltr. der Rehabilitationskliniken Orthopädie u. Innere Med. in Bad Soden-Salmünster, Würzburg u. Bad Wildungen; 1999 – 2003 bzw. 2003 – 08 Lehrauftrag an der FS für Physiotherapie Bad Orb bzw. Hess.-Lichtenau; 2000 – 04 Ltr. der Sportmed. Untersuchungsstelle des Landes Hessen; 2005 – 08 Ärztl. Ltr. des Inst. Predia in Würzburg; 2006 – 08 Lehrauftrag für Sportmed. an der Univ. Würzburg; seit 2008 Wiss. Berater des Inst. für Höhenbalance in Köln; 1987 GutsMuths-Preis.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Bullan, Horst

* 27.2.1926

Geb. in Kiekenbusch, Krs. Cottbus; Vater Musiker; 1933 – 1940 Volks-Oberschule in Görlitz; 1940 – 43 Kadettenanstalt; Kriegsabitur; 1943 – 45 Militäreinsatz in Italien; Kriegsschule, Ltn.; Mai 1945 – Februar 1948 sowj. Kriegsgef., Lager Tscherepowez; Mitglied des NKFD. 1948 – 50 Umschüler, Facharbeiter; 1950 Verpflichtung zur KVP; Lehrer an Offz.-Schulen; 1951 SED; 1953 Studium der Gesch. u. Militärgesch. an der KMU Leipzig, Dipl.-Hist; Lektor für Gesch. u. Militärgesch. an der HS der NVA, Major; redakt. Arbeiten an Veröff. zum 2. Weltkrieg, zeitw. in der Arbeitsgr. Paulus; 1959 – 63 Lektor u. Lektoratsleiter im Fachbuchverlag, Arbeitsgebiet Nachschlagewerke; Hinwendung zu populärwiss. Lit.; 1964 Cheflektor im Urania-Verlag; themat. und wiss. Neuorientierung des Verlages; 1968 – 89 Ltr. der dem Urania-Verlag angeschlossenen Verlagsgruppe (neben Urania, Leipzig / Berlin: Neumann Verlag, Radebeul; Ziemsen Verlag, Wittenberg; Arnold Verlag, Leipzig); Mitgl. der Präsidien von Kulturbund u. Urania-Gesellschaft. Maßgebl. verantwortl. für die Entw., Gestaltung u. Verbreitung populärwiss. Lit. in der DDR; 1976 u. 1988 VVO. 1990 – 92 Ltr. des Büros des Münchner Südwest Verlages in Leipzig; lebt als Rentner in Leipzig.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Bunke Bider, Haydée Tamara (»Tania«)

* 19.11.1937 – ✝ 31.8.1967

Geb. in Buenos Aires in einer Emigrantenfamilie; 1952 nach Babelsberg, dann Stalinstadt (Eisenhüttenstadt); 1956 Abitur; Dolmetscherin; 1958 – 62 für die HV A als »Hinweis«, jedoch nicht als IM erf.; 1958 Studium der Romanistik an der HU Berlin; Dez. 1960 als Dolmetscherin Kontakt mit Ernesto Che Guevara bei dessen Besuch in der DDR; 1961 – 64 Studium der Journalistik in Kuba; 1966 konsp. Unterstützung der Nat. Befreiungsarmee Boliviens Che Guevaras als »Laura Gutiérrez Bauer« in La Paz, bei der Überquerung des Rio Grande an der Vado del Yeso (Dep. Sta. Cruz, Bolivien) aus dem Hinterhalt erschossen; in der DDR wurden Schulen nach B. benannt. 1998 Überführung der sterbl. Überreste nach Kuba u. Beisetzung im Che Guevara-Mausoleum in Santa Clara.Panitz, E.: T. B. Schkeuditz 1995; Zapata, F.: T. Die Frau, die Ché Guevara liebte. Berlin 1997; Rojas, M.: T., la guerrillera. Berlin 1998; Besser, P.: Rot u. blau oder der mutige Weg zur Freiheit. Norderstedt 2005; Koenen, G.: Traumpfade der Weltrevol. Das Guevara-Projekt. Köln 2008.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bürger, Kurt

* 27.8.1894 – ✝ 28.7.1951

(* 1894 – † 1951) Geboren am 27. August 1894 in Karlsruhe als Karl Ganz, Sohn einer Arbeiterfamilie; Handelsschule, Lehre und Arbeit als Schlosser in München. 1912 Mitglied des DMV und der SPD. 1913/14 Wanderschaft. Von 1914 bis 1917 Soldat, dann wegen schwerer Verwundung dienstuntauglich. Von 1917 bis 1919 Schlosser in einem Münchner Munitionsbetrieb. Im November 1918 Mitglied des Münchner Arbeiter- und Soldatenrates und Anfang 1919 Mitbegründer der KPD in Bayern sowie Kommandeur einer Einheit der Roten Armee der Bayerischen Räterepublik im April 1919. Ein Standgericht verurteilte ihn zu vier Jahren Haft, er war bis 1923 im Zuchthaus Straubing. Von 1924 bis 1927 Mitglied der BL Südbayern, Tätigkeit für den illegalen KPD-Apparat, 1926/27 erneut in Untersuchungshaft. Von Juli 1927 bis März 1929 politischer Redakteur an der »Hamburger Volkszeitung«. Im Mai 1928 vom Reichsgericht zu einem Jahr Festung verurteilt, nach acht Monaten amnestiert. Von April 1929 bis 1933 hauptamtlicher Mitarbeiter im Apparat des ZK der KPD in Berlin, zuerst im illegalen Apparat, anschließend im Pressedienst und zuletzt stellvertretender Leiter der Orgabteilung des ZK. Ab Februar 1933 wurde er Leiter des Kurier- und Verbindungsdienstes des ZK unter dem Namen Kurt Bürger, den er bis zu seinem Tod beibehielt. Nach dem Verrat durch seine Mitarbeiter Werner Kraus, Paul Grobis und Helmuth Lass im November 1933 in die UdSSR geflüchtet, dort bis Oktober 1934 stellvertretender Leiter der Orgabteilung für Mitteleuropa beim EKKI. Von November 1934 bis September 1936 stellvertretender Leiter der Presseabteilung und Gehilfe des Generalsekretärs der RGI. 1936 Kommissar beim Stab der Internationalen Brigaden in Albacete, aber im April 1937 wegen Krankheit nach Paris. Bürger kehrte nach einer Operation im März 1938 in die UdSSR zurück. Dort ab 1939 Redakteur und bis 1941 Lehrer am Sprachinstitut. Von September 1941 bis April 1945 Politinstrukteur unter deutschen Kriegsgefangenen. Im Mai 1945 kam Bürger mit der Gruppe Gustav Sobottka nach Mecklenburg, ab Dezember 1945 1. Vorsitzender der KPD-Landesleitung Mecklenburg und von 1946 bis zu seinem Tode Vorsitzender des SED-LV bzw. 1. Sekretär der SED-Landesleitung (bis 1948 zusammen mit Carl Moltmann). Bürger war von 1946 bis 1951 Mitglied des PV bzw. des ZK der SED und gehörte von 1946 bis 1951 dem Landtag von Mecklenburg an, 1949/50 MdV. Noch am 20. Juli 1951 Nachfolger von Wilhelm Hökker als Ministerpräsident des Landes Mecklenburg, starb Kurt Bürger bereits acht Tage später, am 28. Juli 1951, an einem schweren Herzanfall.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Burianek, Johann

* 16.11.1913 – ✝ 2.8.1952

Geb. in Düsseldorf; Vater Schuhmachermeister; Lehre als Maschinenschlosser, 1932 Übersiedl. in die ČSR, 1932/33 als tschechoslowak. Staatsangeh. bei der dt. Luftwaffe; 1933 – 39 Landhelfer im Krs. Gardelegen, 1939 dt. Staatsbürgerschaft, 1939/40 Schlosser in Düsseldorf, 1940 – 45 Wehrmacht. Ab 1945 Dreher u. Hilfsmechaniker in versch. Berliner Betrieben, 1950 – 52 Hilfsmechaniker im VEB Secura; seit 1950 Mitgl. der KgU, Verteilung von Flugblättern, Mitgliederwerbung, Ermittl. u. Erkundung von Brücken für Sabotageaktionen; B. plante offenbar, eine Brücke in Erkner zu sprengen, das Vorhaben wurde aber nicht realisiert; 15.5.1952 Todesurteil in einem Schauprozeß, 2.8.1952 Hinrichtung in Dresden. B. steht für die militante Phase der KgU, die 1950 – 52 mehrere Sprengstoffanschläge mit verheerenden Folgen plante, welche aber nicht ausgeführt worden sind.Fricke, F. W., Engelmann, R.: »Konzentrierte Schläge«. Staatssicherheitsaktionen u. polit. Prozesse in der DDR 1953 – 1956. Berlin 1998.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Busch, Ernst

* 22.1.1900 – ✝ 8.6.1980

Geb. in Kiel; Vater Maurer; Volksschule; 1915 – 20 Ausbildung zum Maschinenbauschlosser in Kiel; 1916 Mitgl. der sozialdemokrat. Kieler Arbeiterjugend, 1917 SAJ, Distriktltr. in Kiel; erste Schauspielproben; Nov. 1918 Teiln. am Kieler Matrosenaufstand; 1919 USPD/KPD; 1920 Schauspiel- u. Gesangsunterricht; 1921 – 24 Stadttheater Kiel, 1924 – 26 Frankfurt (Oder), 1927 Pommersche Landesbühne; 1927 – 33 Berlin (Piscator-Bühne, Volksbühne, Theater der Arbeiter, Mitgl. pol. Kabaretts, Stücke von Friedrich Wolf,  Bertolt Brecht u. Ernst Toller), ab 1929 Filmarbeit (1931 Rolle in Pabsts »Dreigroschenoper«, 1932 Hauptrolle in  Slátan Dudows »Kuhle Wampe«); ab 1929 Freundschaft mit  Hanns Eisler, der den Großteil seiner Lieder für B. schrieb; ab 1930 Zusammenarbeit mit Brecht; März 1933 Emigr. in die Niederlande, Konzerte in Belgien, Frankreich, England u. in die Schweiz, wo er bei versch. Rundfunksendern arbeitete u. Schallplatten verlegte; Sept. 1935 UdSSR, Mitwirkung in  Gustav von Wangenheims Film »Kämpfer«; Jan. 1937 nach Spanien, 1937/38 dort Auftritte vor Interbrigadisten u. Arbeit bei Radio Madrid; April 1937 aus Dtl. ausgebürgert; Aug. 1938 nach Belgien; Aufn. bei Radio Brüssel, Konzerte u. Schallplattenaufn. für die Internat. Brigaden u. für jüd. Flüchtlinge in Belgien u. den Niederlanden; Mai 1940 in Antwerpen verhaftet u. nach Frankreich deportiert; in den frz. Lagern St. Cyprien u. Gurs interniert; Jan. 1943 Flucht in die Schweiz, von Vichy-Behörden verhaftet u. an die Gestapo ausgeliefert; wegen Hochverrats angeklagt u. Einzelhaft in Berlin-Moabit; Nov. 1943 nach Bombenangriff auf Berlin schwer verletzt, vier Mon. im Gefängnislazarett; Haft in Zuchthäusern Berlin u. 1944/45 in Brandenb.-Görden, dort im sog. »Krüppelkommando« der Knopffabrik Fa. Motz. 1945/46 KPD/SED; im Auftrag der SMAD Gründer des Verlags »Lied der Zeit«; ab 1945 Schauspieler in Berlin (Berliner Ensemble, Dt. Theater, Volksbühne); 1949 NP; 1950 Mitgl. der AdK; Dir. u. geschäftl. Ltr. des Verlags »Lied der Zeit«, 1953 enteignet; nach Konflikten mit dem FDJ-Vors.  Erich Honecker u. bei der »Parteiüberprüfung« 1951/52 durch  Anton Joos u.  Günther Tenner erfolgte ein nie publik gewordener »Parteiausschluß«, da B. nicht bereit war, die Bedingungen der Überprüfung zu akzeptieren; anschl. Aufführungsverbot von Busch-Werken (1971 »Klärung der Parteimitgliedschaft« durch Vermittl. von  Franz Dahlem); B. setzte Maßstäbe in der Schauspielkunst, besonders in seinen Brecht-Rollen: 1947 Galileo Galilei im gleichnamigen Stück, 1949 Koch in »Mutter Courage u. ihre Kinder«, 1946 Satin in Gorkis »Nachtasyl«; 1953 Jago in Shakespeares »Othello« u. 1954 Azdak im »Kaukas. Kreidekrs.«, aber auch 1954 als Mephisto in Goethes »Faust«; bedeutender Interpret von internat. Arbeiterliedern (»Barrikadentauber«); 1956 NP; 1961 Rückzug von der Bühne aus gesundheitl. Gründen, danach freischaff.; 1963 – 75 Arbeit an der Schallplattenreihe »Aurora« (Neuhrsg. von 200 seiner Lieder, seit 1999 auf CD); 1966 NP; 1969 Moskau-Gastspiel mit Liedern; 1965 VVO; 1970 KMO, Mai 1970 Lenin-Erinnerungsmedaille; 1972 Internat. Lenin-Friedenspreis; 1975 sowj. Orden der Völkerfreundschaft; 1977 Kunstpreis des FDGB; 1979 NP; gest. in Berlin.Siebig, K.: »Ich geh mit dem Jahrhundert mit.« E. B. Eine Dokumentation. Reinbek 1980; B. singt. Sechs Filme über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Berlin 1982 (Hrsg. AdK der DDR); Siebig, K., Hoffmann, L.: E. B. Eine Biogr. in Texten, Bildern u. Dokumenten. Berlin 1987; Schramm, C., Elsner, J.: Dichtung u. Wahrheit. Die Legendenbildung um E. B. Berlin 2006.Renate Rätz / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Büser, Joseph

* 7.7.1886 – ✝ 1.9.1954

Geboren am 7. Juli 1886 in Langenfeld/Rheinland als Sohn eines Bauern; arbeitete nach der Lehre als Schmied, 1908 Mitglied der SPD. Im Weltkrieg Soldat, übersiedelte nach dem Krieg nach Köln. Er schloß sich der USPD an und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Aktiver Funktionär im Bezirk Mittelrhein, Mitglied der BL und 1924 und 1928 Kandidat bei den Reichstagswahlen (aber nicht gewählt). Der XII. Parteitag der KPD 1929 berief Büser als Betriebsarbeiter (er war Angestellter der städtischen Verkehrsbetriebe Köln und seit 1927 Betriebsratsvorsitzender des Gesamtbetriebsrats) zum Mitglied des ZK. Von 1925 bis 1929 auch Stadtverordneter der KPD in Köln. Da er bei den anstehenden Neuwahlen im Herbst auf einen aussichtslosen Listenplatz gesetzt wurde, soll er sich an dem KPD-Funktionär Michael Sommer »gerächt« haben, indem er diesen wegen des ungerechtfertigten Benutzens der Freifahrkarte denunzierte. Büser wurde von den städtischen Betrieben gekündigt und ging zeitweilig als Parteisekretär nach Stuttgart. Das Polbüro sprach Büser am 4. Oktober 1929 eine »scharfe Rüge« aus. Anfang Februar 1930 noch zum Vorsitzenden des II. Bezirkskongresses der RGO in Stuttgart gewählt. Eine in Moskau in den dreißiger Jahren gefertigte Aufstellung der auf dem XII. Parteitag gewählten Mitglieder und Kandidaten des ZK der KPD vermerkte, Büser sei 1931 wegen »Korruption« bzw. Schlägerei unter Freunden aus der Partei ausgeschlossen worden. Das Polbüro hatte in seiner Sitzung vom 14. Januar 1931 den »Fall Büser« als »erledigt« erklärt. Im Frühjahr 1931 soll ein Brief Büsers an den Kölner Oberbürgermeister Adenauer bekannt geworden sein, in dem er Adenauer um eine Wiederbeschäftigung im Dienst der Stadt Köln gebeten habe. Die BL Mittelrhein gab bekannt, »Büser«, ein »wild gewordener Bürger, aber kein revolutionärer Arbeiter«, sei bereits 1930 aus der Partei ausgeschlossen worden. Wie bei »Abweichlern« üblich, wurde auch beim ZK-Mitglied Büser versucht, ihn zu kriminalisieren. Nach 1933 mehrfach verhaftet, trat er nach 1945 nicht mehr politisch hervor. Joseph Büser starb am 1. September 1954 in Köln-Ehrenfeld.

Wer war wer in DDR

Brüsewitz, Oskar

* 30.5.1929 – ✝ 22.8.1976

Geb. in Willkischken (Krs. Tilsit-Ragnit, Ostpr./Vilkyškai, Litauen); Vater Malermstr.; 1943 Ausbildung zum Kfm., abgebrochen; 1944 Wehrdienst, anschl. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 47 Ausbildung zum Schuhmacher in Burgstädt (Sachsen); anschl. Umzug nach Westf.; 1951 Schuhmachermeisterprüfung in Osnabrück; 1954 Übersiedl. in die DDR; ab 1955 selbst. Handwerksmstr. in Markkleeberg (b. Leipzig), dann in Weißensee (Thür.), nach staatl. verordneter Überführung des Geschäfts in die PGH Sömmerda, 1963 dort Zweigstellenltr.; 1964 – 69 Predigerschule in Erfurt, anschl. Hilfspfarrer, ab 1970 Pfarrer in Rippicha (Krs. Zeitz); dort erfolgr. kirchl. Jugendarbeit, zahlr. soziale Aktivitäten; aufgrund versch. symbol. Protestakt. zunehmende Konfrontation mit staatl. Stellen, die 1976 energisch auf eine Versetzung drängten, daraufhin Empfehlung zum Stellenwechsel von seiten der Kirchenltg.; 18.8.1976 öffentl. Selbstverbrennung vor der Michaeliskirche in Zeitz, Mitführung von Plakaten, auf denen der Kommunismus wegen seiner »Unterdrückung« angeklagt wurde; gest. im Bez.-Krankenhaus Halle-Dölau, die Bestattung in Rippicha wurde zu einer stillen Kundgebung des Widerstands. In seinem Abschiedsbrief warnte er vor dem »scheinbaren tiefen Frieden, der auch in die Christenheit eingedrungen ist«, obwohl »zwischen Licht u. Finsternis ein mächtiger Krieg« tobe. Sein »Fanal« löste einerseits starke Verunsicherung in der Kirchenltg., andererseits eine DDR-weite Solidarisierung von Theologen, Gemeinden u. krit. Marxisten aus. Der Staat versuchte, den Fall zu psychologisieren, u. reagierte u. a. mit verleumder. Artikeln im »Neuen Dtl.«; in der Bundesrep. Dtl. gründeten frühere DDR-Bürger, darunter Theologen, ein »Brüsewitz-Zentrum« zur Unterstützung der Opp. in der DDR u. zur Dokumentation von Repressalien; anläßlich der Gedenkfeier der 20jährigen Wiederkehr des Todestages gab es innerkirchl. Diskussionen um die Deutung der Selbstverbrennung.Motschmann, K.: O. B. Würzburg 1978; Müller-Enbergs, H., Stock, W., Wiesner, M.: Das Fanal. Das Opfer des Pfarrers Brüsewitz aus Rippicha u. die ev. Kirche. Münster 1999; Klier, F.: O. B. Leben u. Tod. Berlin 2004; Krampitz, K.: Ich werde dann gehen. Erinnerungen an O. B. Leipzig 2006; Brüsewitz-Feucht, R.: Das Kreuz u. die Flamme. Halle 2009.Ehrhart Neubert / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Buchholz, Adolf

* 5.7.1913 – ✝ 9.3.1978

Geb. in Berlin-Spandau; Vater Maurer; Grundschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Former; Mitgl. der Arbeitersportbew., 1926 Jung-Spartakus-Bund; 1928 DMV u. KJVD, Pol.- Ltr. des KJVD Berlin-Spandau, Jugendsekr. beim Einheitsverb. der Metallarb. Berlins; 1932 KPD u. Mitgl. der KJVD-BL Berlin, 1932 des ZK des KJVD; Jan. 1933 Org.-Ltr. des KJVD Berlin-Brandenb., illeg. pol. Arbeit (»Appel«); März 1934 Verhaftung, Sept. 1934 Verurteilung zu 30 Mon. Zuchthaus, 1934 – 36 Haft in Luckau; Juni 1937 Emigr. in die ČSR; aktiv bei der Bildung der FDJ in der ČSR; Nov. 1938 nach Großbritannien, Sekr. für Flüchtlingsfragen bei brit. Jugendorg.; Juli – Aug. 1940 Internierung auf der Isle of Man; bis 1941 Vors. der FDJ in Großbritannien u. Mitgl. der KPD-Ltg. in Großbritannien; Arbeit als Modellformer u. Versuchstechniker in London; 1944/45 im verdeckten Auftrag der GRU (über  Erich Henschke) Anwerbung durch den US-Geheimdienst OSS, Ausbildung u. Einsatz als OSS-Fallschirmagent (»Dolf«) in Dtl., Einsatz in Berlin, von der Roten Armee an die amerikan. Militärbehörden überstellt, anschl. Rückkehr nach Großbritannien. Sept. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 SED u. FDJ; Febr. – Okt. 1947 Chefred. der »Jungen Welt«; 1947 – 49 Journalist im SNB; 1949 – 51 Personalltr. in der HV Metallurgie der DWK bzw. des Min. für Schwerindustrie, zeitw. auch Sekr. der dortigen SED-BPO; 1951/52 Werkdir. im EKO Fürstenberg, 1952 – 60 Dir. des VEB Maxhütte Unterwellenborn (Nachf. von Rudolf Steinwand); 1952 Abg. des Bez.-Tags u. Mitgl. des Rats des Bez. Gera; 1960/61 Sektorenltr. in der SPK, 1961/62 kommissar. Abt.-Ltr., ab 1962 Abt.-Ltr. für Schwarzmetallurgie im VWR, später Dir. des VEB Rationalisierungsbetrieb Berlin; gest. in Berlin.Bungert, H.: The OSS and its cooperation with the Free Germany Committees, 1944 – 45. In: Intelligence and National Security (1997) 3; Gould, J. S.: Strange Bedfellows. The OSS and the London »Free Germans«. In: Studies in Intelligence (2002) 1.Andreas Herbst / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Büchner, Robert

* 18.10.1904 – ✝ 22.8.1985

Geboren am 18. Oktober 1904 in Eisleben; Mühlenarbeiter. Seit 1922 Mitglied der KJD, ab 1924 der KPD. 1924 Mühlenarbeiter im Rhein-Ruhr-Gebiet, wurde er 1928 Redakteur an der »Freiheit« in Düsseldorf, ab 1931 Redakteur in Wuppertal. Im November 1932 an die Leninschule nach Moskau delegiert, seit Oktober 1934 in Berlin, gehörte er der illegalen KJVD-Reichsleitung an. Am 18. Mai 1935 in Stettin festgenommen, am 27. Januar 1936 durch das Kammergericht Berlin zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis 1938 Haft u. a. im Zuchthaus »Roter Ochse« in Halle, anschließend im Straflager Aschendorfer Moor. Ende Juni 1940 Freilassung nach Eisleben, wieder Mühlenarbeiter. Büchner leitete von 1940 bis 1945 die Widerstandsgruppe »Antifaschistische Arbeitergruppe Mitteldeutschlands«. Bei Kriegsende von einem »Ausschuß« zum Oberbürgermeister der Stadt Eisleben ernannt, gründete er zusammen mit Otto Gotsche eine »Partei der Werktätigen«. Da es beim Einmarsch der Amerikaner am 13. April 1945 eine voll funktionsfähige Stadtverwaltung gab, wurde er zunächst in seinem Amt bestätigt, doch schon am 21. Juni 1945 enthoben. Büchner und seinen Genossen gelang es, die im Oktober 1943 von den Nationalsozialisten aus der sowjetischen Stadt Puschkin entfernte, zum Einschmelzen nach Eisleben transportierte Leninstatue in zentraler Lage aufzustellen. Als am 2. Juli 1945 der Wechsel der Besatzungstruppen stattfand, sollen die Rotarmisten kein Interesse am Erhalt des Lenindenkmals gezeigt haben. Büchner wurde 1947 Chefredakteur der SED-«Volksstimme« in Magdeburg. Dort im Frühjahr 1950 wegen »provokatorischen Verhaltens« abberufen, weil in seinen Leitartikeln »Abweichungen« enthalten waren und er sich den Anweisungen der SED-Landesleitung widersetzte. Nach einem Studium an der PHS Mitglied des Redaktionskollegiums des »Neuen Deutschlands«, im März 1953 vom Politbüro wegen »parteischädigenden Verhaltens« aus der SED ausgeschlossen, zur Arbeit im VEB Osthafenmühle abgeschoben. 1956 wieder in die Partei aufgenommen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IML. Robert Büchner starb am 22. August 1985 in Ost-Berlin. Seit 1991 steht die Leninstatue von Eisleben im Innenhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin.

Wer war wer in DDR

Buchwitz, Otto

* 27.4.1879 – ✝ 9.7.1964

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Schlosser; 1885 – 93 Volksschule in Breslau; 1883 – 96 Ausbildung zum Metalldrücker u. Eisendreher, anschl. im Beruf bzw. als Weber tätig; 1896 DMV; 1898 SPD; 1899 – 1901 Militärdienst; ab 1907 – 13 hauptamtl. Gewerkschaftsfunktionär des Dt. Textilarbeiterverb., Sekr. für das Chemnitzer Landgebiet; 1914 – 18 Kriegsdienst (Ostpr.); 1919 stellv. Landrat für den Krs. Görlitz; Aug. 1919 hauptamtl. Sekr. u. 1920 – 33 Pol.-Sekr. des SPD-BV Niederschles.; 1921 – 24 Abg. des Preuß. Landtags, 1924 – 33 des Dt. Reichstags; 1924 Aufbau des Reichsbanners u. 1931 der Eisernen Front in Niederschles.; 1932 drei Mon. Haft wegen Waffentragens; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit; 1933 – 40 Exil in Dänemark; Mitgl. der dän. SP; 1936 – 39 Mitarb. an der Emigrantenztg. »Freies Dtl.«, der Ztg. »Arbeiterbladet« (Oslo), »Sozialdemokrat« (Stockholm) u. an der »Neuen Volksztg.« (New York); 1937 dt. Staatsbürgerschaft aberkannt; 17.4.1940 Verhaftung in Kopenhagen, Haft im Gefängnis Vesterbro; 17.7.1940 Auslieferung nach Dtl., 1941 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« unter Anrechnung von elf Mon. U-Haft zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, 1941 – 45 Haft im Zuchthaus Brandenb.-Görden u. KZ Sonnenburg. 1945/46 SPD/SED; 1945 Mitgl. des vorbereitenden Aussch. zur Gründung der SPD, kommissar. Landesvors., ab Juli Vors. des SPD-LV Sachsen; 1945 Präs. der Beratenden Versamml. (prov. Landtag Sachsen); seit 1946 Mitgl. des Dt. Friedensrats u. des Präs. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1946 – 48 mit  Wilhelm Koenen Vors. der SED Sachsen; 1946 – 52 Abg. u. Landtagspräs. in Sachsen; Mitgl. der DWK; ab 1946 Mitgl. des PV bzw. des ZK der SED; 1948 – 50 mit  Hermann Matern Vors. der ZPKK; 1950 – 64 Abg. der Volkskammer u. ihr Alterspräs. (Nachf. von  Wilhelm Pieck); ab Ende 1952 Ehrenpräs. des DRK; 1953 KMO; Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1954 Ehrenbürger der Stadt Dresden; 1955 VVO; 1957 Ehrensenator der TH Dresden; 1959 Banner der Arbeit; Lenin-Friedenspreis; 1963 Ehrenbürger der Stadt Dresden; 1964 Held der Arbeit; gest. in Dresden.Brüder in eins nun die Hände. Berlin 1958. O. B. 50 Jahre Funktionär der dt. Arbeiterbew. Berlin 1958; Seydewitz, R.: Der Klasse treuer Kämpfer. Aus dem Leben von O. B. Berlin 1961; Zimmermann, F.: O. B. Ein Lebensbild. Berlin 1984; Matzerath, J.: Aspekte sächs. Landtagsgeschichte. Präsidenten u. Abgeordnete von 1833 bis 1952. Dresden 2001; Simowitsch, S.: »? werden als Wortbrüchige in die Geschichte der SPD eingehen ?« Sozialdemokrat. Konvertiten. Berlin 2006.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Budig, Peter-Klaus

* 15.7.1928 – ✝ 25.11.2012

Geb. in Sagan (Niederschles./Żagań, Polen); 1947 Abitur; 1948 LDPD; 1948 – 53 Studium der Starkstromtechnik an der TH Dresden; 1954/55 dort Assistent, danach Ing. im VEB Elektromaschinenbau Dresden-Niedersedlitz; 1959 Prom. zum Dr.-Ing.; Techn. Dir. beim VEB Elektromaschinenbau; 1961 Lehrauftrag an der HS für Verkehrswesen Dresden; 1966 Prof. für Starkstromtechnik an der TH Karl-Marx-Stadt, Dekan bzw. Ltr. eines Wissenschaftsber.; 1970 NP (im Koll.); Nov. 1978 Vizepräs. der KdT, 1992 – 95 Präs. der KdT (Nachf. von  Dagmar Hülsenberg), Mitgl. des Vorst. des Forschungsrats der DDR, Ltr. der Gruppe Elektronik; Mitgl. des NR der NF; 1980 Korr. Mitgl. der AdW; seit 1982 Mitgl. des ZV der LDPD; 18.11.1989 – 12.4.1990 Min. für Wiss. u. Technik der Reg.  Hans Modrow (Nachf. von  Herbert Weiz). 1990 – 93 Prof. an der TH Chemnitz; 1990 Ord. Mitgl. der AdW.; 1993 Mitbegr. u. Geschäftsf. der Elektr. Automatisierungs- u. AntriebsTechnik GmbH (EAAT) Chemnitz.Drehzahlvariable Drehstromantriebe mit Asynchronmotoren. 1988; Fachwörterbuch Elektrotechnik. Berlin 1992; Fachwörterbuch Elektrotechnik u. Elektronik. München 2001; Stromrichtergespeiste Drehstromantriebe. Berlin 2001; Stromrichtergespeiste Drehmaschine. Berlin 2001.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Buhler, Alfred

* 14.1.1890 – ✝ 31.5.1977

Geboren am 14. Januar 1890 in Bürgel/Thüringen, Sohn eines Schneiders; Lichtdruck-Retuscheur bzw. Stockarbeiter in Bürgel. 1908 Mitglied der SPD und des Verbandes der Lithographen und Steindrucker. 1910/11 besuchte Buhler in Jena Kurse von Otto Rühle. Von 1915 bis 1918 Frontsoldat. Nach seiner Rückkehr Mitbegründer der USPD in Bürgel, wurde 1920 Mitglied der KPD und Delegierter des VII. Parteitages 1921. 1922 hauptamtlicher UB-Leiter der KPD in Sangerhausen und Merseburg, dann Übersiedlung nach Rostock und dort bis 1927 Sekretär der KPD des UB Rostock sowie 1924 Landtagsabgeordneter von Mecklenburg-Schwerin. Von 1921 bis 1924 Mitglied des ZA der KPD für Mecklenburg. Der VIII. Parteitag 1923 berief Buhler in die Beschwerdekommission. Zwar im Mai 1927 wieder in den Landtag gewählt, wurde er Ende August 1927 aus der KPD ausgeschlossen, angeblich wegen »Unregelmäßigkeiten«; doch wurde bekannt, daß es politische Differenzen gegeben hatte, da Buhler auf dem linken Parteiflügel stand. Er blieb zunächst als Fraktionsloser bis 1929 im Landtag, schloß sich zeitweilig der SPD an, trat aber 1929 wegen deren Zustimmung zum Panzerkreuzerbau wieder aus. 1929 Rückkehr nach Bürgel und Vorsitzender des dortigen Arbeitslosen-Ausschusses. 1933 zeitweilig in »Schutzhaft«, dann bis 1939 Arbeiter beim Autobahnbau, 1940 bis 1945 Hilfsschreiber in den Zeiss-Werken in Jena. Von 1945 bis 1947 Angestellter beim Arbeitsamt in Eisenberg, 1945 trat Buhler wieder der KPD bei. Er war 1947 Kassenbote der Stadtsparkasse Eisenberg, bis er 1949 Lektor an der SED-Kreisparteischule »Magnus Poser« in Jena wurde und ein Jahr später Lehrer an der Betriebsparteischule in Hartmannsdorf. Zuletzt Instrukteur des Rates des Kreises Eisenberg. Alfred Buhler starb am 31.Mai 1977.

Wer war wer in DDR

Bullan, Kurt

* 8.7.1920 – ✝ 27.9.1975

Geb. in Forst; Vater Arbeiter; Grund- u. Textilfachschule, Ausbildung zum Tuchmacher, später Qualifikation zum Textil-Ing.; 1939 – 45 Wehrmacht; 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 KPD, 1946 SED; 1945 – 49 Manipulant, 1949 / 50 Betriebsltr. der VEB Vereinigte Tuchwerke »Einheit« in Forst; 1950 Lehrgang an der DVA; 1950 – 52 Hauptdir. der VEB Spinnweberei in Cottbus; 1952 Sekr. für Wirtschaft der SED-KL Cottbus-Stadt; 1952 / 53 Stud. an der PHS der SED; 1954 / 55 Ltr. der Abt. Wirtschaft, 1955 – 58 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Cottbus; 1958 – 60 Techn. Dir. der Ostdt. Tuchfabrik in Forst; 1960 / 61 Werkdir. der Vereinigten Feintuchwerke Forst; 1962 / 63 stellv. Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Cottbus; ab 1963 kommissar. GD, ab 1964 – 68 Generaldir. der VVB Volltuch bzw. des VEB Textilkombinat Cottbus (TKC); anschl. Auftragsltr. der Investbaultg. des TKC; zeitw. Abg. des BT Cottbus.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Burde, Fritz (Burchard)

* 20.9.1901 – ✝ 15.2.1938

(* 1901 – † 1938) Geboren am 20. September 1901 in Berlin; lernte Schlosser, später arbeitete er auch als Kaufmann. 1920 trat er der KPD bei, war ab 1923 Angestellter der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Seit Mitte der zwanziger Jahre war er unter dem Decknamen Edgar wichtiger Funktionär im illegalen AM-Apparat Hans Kippenbergers, u. a. Reichsleiter des BB-Apparates, 1931 im Auftrag des ZK für Illegalitätsvorbereitung zuständig und 1931/32 Leiter des Quartierbeschaffungsapparats; 1932 Kommandierung nach Moskau, Mitarbeiter der OMS der Komintern, 1933/34 Einsatz in Dänemark, Schweden und der âSR, danach wieder in Moskau in der 4.Abteilung der Verwaltung »Aufklärung« der Roten Armee. Am 7. September 1937 vom NKWD festgenommen, wurde Fritz Burde am 15. Februar 1938 zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen.

Wer war wer in DDR

Bürger, Max

* 16.11.1885 – ✝ 5.2.1966

Geb. in Hamburg; Vater Lehrer; Gelehrtenschule des Johanneums zu Hamburg; 1904 – 10 Med.-Studium in Berlin, Kiel, München u. Würzburg, hier 1910 Prom.; 1910 – 18 Assistenzarzt in Hamburg-Altona, Würzburg, Kiel, Berlin u. Königsberg, 1918 Habil. in Kiel (b. Alfred Schittenhelm); hier 1920 a. o. Prof.; 1929 – 31 Chefarzt der Inneren Klinik am Städt. Krankenhaus in Osnabrück, 1931 – 37 Dir. der Med. Poliklinik der Univ. Bonn, 1937 – 57 Ordinarius für Innere Med. u. Dir. der Med. Univ.-Klinik Leipzig; 1939 Begründung der Ztschr. für Alternsforschung (mit Emil Abderhalden), Prägung des »Biomorphose«-Begriffs. 1946/47 vom Dienst suspendiert, 1947 Wiedereinsetzung als Ordinarius u. Klinikdir.; 1951 Mitgl. der Leopoldina, 1952 Ord. Mitgl. der DAW; wiss. Arbeiten vor allem über Stoffwechselkrankheiten u. in der Alternsforschung; 1952 NP; 1957 em.; gest. in Leipzig.Altern u. Krankheit. Leipzig 1947; Klinische Fehldiagnosen. Stuttgart 1953; Die Hand des Kranken. München 1958. Ries, W.: M. B. (1885 – 1966) Internist, Physiologe, Alternsforscher – Ausgew. Texte (In: Sudhoffs Klassiker der Med., Neue Folge 5, mit Bibl.). Leipzig 1985.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Burkhardt, Hermann

* 4.7.1910 – ✝ 20.7.2003

Geb. in Eisenberg (Thür.); Vater Metalldreher u. Einzelhändler; Volksschule u. Realgymnasium in Eisenberg; Studium der Volkswirtschaft u. Rechtswiss. in Leipzig, Paris u. Berlin; Okt. 1931 KPD u. Mitgl. der Roten Studentengr., Org.-Ltr., Agit-Prop.-Ltr. der KPD an der Univ. Berlin; März 1933 Mitorg. eines illeg. Studentenkomitees; 1933 Emigr. nach Paris, dort Studenten- u. Jugendarbeit (»Studenten-Karl«, »Jugend-Karl«); 1933 – 39 journalist. Tätigkeit für »Balkan Korrespondenz« u. »Europ. Stimme«; 1935 in Paris Sekr. beim Weltstudentenkomitee für Frieden, Freiheit u. Fortschritt; 1937 aus dieser Arbeit ausgeschieden, anschl. im Hilfskomitee für Spanien, dort bis Sept. 1939 Ltr. der Abt. Presse u. Prop.; Mitarb. des KJVD-ZK u. des illeg. Radiosenders 29,2; 1939 – 41 interniert; Hilfe u. Unterstützung durch Noel H. Field; 1942/43 Mitgl. der KPD-Ltg. in Marseille (zus. mit  Lex Ende u.  Willi Kreikemeyer), nach Konflikten ausgeschieden; 1943/44 in der Résistance aktiv (»Charles Corot«, »Charles Monet«); 1944 außenpol. Red. versch. KPF-Ztg. in Marseille, dann Prop.-Arbeit für das Nationalkomitee »Freies Dtl.« für den Westen in Südfrankreich; 1945 in Paris außenpol. Red. der Ztg. »Volk u. Vaterland«. Aug. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Sept. 1945 – Mai 1946 Chefred. »Neue Saarbrücker Ztg.«; 1946 – 48 Chefred. des KPD-Ztg. »Neue Zeit« in Saarbrücken, von der frz. Besatzungsmacht ausgewiesen; April 1948 Übersiedl. in die SBZ; Mai 1948 SED u. Red. von »Dtl. Stimme« u. des Sowj. Nachrichtenbüros (SNB) in Berlin-Weißensee; Red. des »Vorwärts« in Berlin; Mai 1949 Mitarb. des Berliner Rundfunks, Chefred. des Dtl.-Senders u. Ltr. der HA Nachrichten; 1953 – 56 stellv. Chefred. der »Berliner Ztg.«, anschl. 1956/57 deren Korrespondent u. von ADN in Stockholm; 1958 – 62 stellv. Gen.-Sekr. der kommunist. Internat. Org. der Journalisten (IOJ); 1958 u. ab 1962 Korrespondent versch. SED-Ztg. in Kuba; Vizepräs. der Dt.-Lateinamerik. Ges.; bis in die 80er Jahre außenpol. Kommentator im Staatl. Komitee für Rundfunk beim Min.-Rat; 1975 VVO. Nach 1990 Umzug ins Saarland; gest. in Saarbrücken.Marseille ist kein Hafen. Berlin 1955; Der Eiffelturm bleibt in Paris. Berlin 1956. Bungert, H.: Das NationalkomiteeBernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Buschang, Gerhard

* 14.11.1908 – ✝ 8.1.1966

Geb. in Leipzig; Vater Kellner; Bürgerschule in Magdeburg; 1921 – 23 Lehre als Handlungsgehilfe; kaufm. Fortbildungsschule; 1923 – 29 Arbeit als Schiffsjunge u. Matrose; 1928 KPD; 1930 – 33 Hafenarb. u. Sachbearb. in Hamburg; 1930 polit. Ltr. im RFB Hamburg-St. Georg / Hohenfelde u. in der KPD-Stadtbezirksltg. Hamburg-St. Georg; 1932 U-Haft im Zusammenhang mit den Ereignissen des »Altonaer Blutsonntags«, wg. Mangels an Beweisen entlassen; 1933 / 34 wg. »Hochverrat« im Zuchthaus Fuhlsbüttel in »Schutzhaft«, dann wg. Haftunfähigkeit entlassen; 1934 Tiefbauarb.; 1935 / 36 Packer; 1936 – 40 kaufm. Angest.; 1940 – 43 Wehrmacht; 1943 – 45 kaufm. Angest. 1945 / 46 Verwaltungsangest. beim Rat der Stadt Magdeburg; 1946 SED, Lehrgang an der SED-LPS in Wettin u. anschl. Lehrer u. Schulltr. an der SED-BPS Bergen (Krs. Wanzleben); 1946 – 48 Sekr. für Wirtschaft des SED-BV Magdeburg; 1948 – 50 Stadtrat für Wirtschaft u. Verkehr in Magdeburg; 1951 / 52 Kulturdir. im VEB Schwermaschinenbau »Georgi Dimitroff« Magdeburg; 1952 / 53 2. Sekr. der SED-KL Magdeburg; 1954 / 55 Lehrgang an der SED-PHS; 1955 – 57 Instrukteur im ZK der SED; 1957 – 59 2. Sekr. der SED-BL Gera, 1959 – 61 2. Sekr. der SED-Stadtltg. Magdeburg, anschl. Sekr. der GO in der Staatl. Kontrolle bzw. in der Bezirksinspektion Magdeburg der ABI; gest. in Magdeburg.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Busse, Ernst

* 24.11.1897 – ✝ 31.8.1952

Geb. in Solingen; Vater Schleifer; Volksschule; Ausbildung zum Schleifer, danach bis 1925 im Beruf tätig; 1912 SAJ, 1913 Mitgl. des DMV, 1916 Jugendfunktionär; 1916/17 Militärdienst, wegen Krankheit in die Rüstungsindustrie entlassen; 1918 Spartakusbund, 1921 KPD; Arbeiterkorrespondent; 1925 – 30 hauptamtl. im DMV, wegen pol. Differenzen gemaßregelt; 1930/31 ehrenamtl. Ltr. der aus dem DMV ausgeschl. Metallarb. des Bez. Mönchen-Gladbach, ab 1931 mit Bernhard Bästlein RGO-Ltr. im Bez. Köln-Aachen-Trier, danach Bez.-Ltr. in Thür.; 1932/ 33 Abg. des Dt. Reichstags; Ltr. der RGO Köln, dann der BL Erfurt; 1933 wegen illeg. pol. Arbeit verhaftet u. zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; 1933 – 36 KZ Lichtenburg, ab 1937 KZ Buchenwald, dort Mitgl. der illeg. KPD u. vertrat mit  Walter Bartel u.  Harry Kuhn die dt. Gefangenen im internat. Lagerkomitee, Block-, Lagerältester u. Kapo im Krankenbau. Mai 1945 stellv. Ltr. der pol. Polizei in Erfurt, Mitgl. der KPD-BL Thür.; Juni 1945 Ltr. des Landesarbeitsamtes in Weimar; Juli 1945 – Nov. 1946 1. Vizepräs. der Landesverw. Thür.; 1946 Mitgl. des Sekr. des SED-LV; Nov. 1946 – Mai 1947 Innenmin., Vors. der Landeskommission für die Bodenreform; Juli 1947 – 49 Vizepräs. der Dt. Verw. für Land u. Forst in Berlin; 1948 Mitgl. des agrarpol. Aussch. beim ZS der SED; 1949 Vors. des Zentralverb. der landw. Genossenschaften Dtl.; 18.4.1950 von sowj. Organen verhaftet u. am 27.2.1951 vom Militärtribunal der Garnison des sowj. Sektors der Stadt Berlin als angebl. Kriegsverbercher zu lebenslanger Haft verurteilt; im Sonderlager Nr. 6 Workuta (Republik Komi) gest.; 1.9.1956 parteinterne Rehabil. durch die ZPKK der SED; am 31.3.1990 von der Zentralen Schiedskommission der PDS rehabilitiert.Niethammer, L. (Hrsg.): Der »gesäuberte« Antifa. Die SED u. die kommunist. Kapos von Buchenwald. Berlin 1994.Helmut Müller-Enbergs / Bernd-Rainer Barth