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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Buhr, Manfred

* 22.2.1927 – ✝ 22.10.2008

Geb. in Kamenz; Vater Steinarbeiter; Volks- u. Handelsschule; Ausbildung zum Kfm.; 1944 RAD u. NSDAP; 1945 Wehrmacht. 1945/46 KPD/SED; Neulehrer; 1946/47 Vorstudienanstalt in Dresden, 1947 – 52 Studium der Geschichte, Philos. u. Germanistik an der Univ. Leipzig, Abschluß als Dipl.-Hist. u. Dipl.-Philosoph; ab 1952 zunächst Assistent u. Oberassistent, dann wiss. Aspirant bei  Ernst Bloch am Inst. für Philos. der KMU Leipzig; 1957 dort Prom. mit der Arbeit »Aufstieg u. Ausschaltung des dial. Denkens in der Philos. Immanuel Kants«; seit 1957 Mitarb. der DAW; 1962 Habil. an der EMAU Greifswald mit der Schrift »Die ursprüngl. Philos. Johann Gottlieb Fichtes u. die Frz. Rev.« (Veröff. Berlin 1965); 1962 stellv. Dir., 1965 Prof., ab 1969 Dir. des Inst. bzw. ZI für Philos. der AdW (Nachf. von  Georg Klaus); 1965 beim MfS als IM »Rehbein« registriert; 1969 Korr. u. 1971 Ord. Mitgl. der AdW; ab 1971 Vors. des Wiss. Rats für Grundfragen des ideolog. Kampfes zwischen Soz. u. Imp., u. a. zuständig für die Kooperationsbeziehungen u. die Reisetätigkeit (Auswahl der »Reisekader«) von DDR-Philosophen ins westl. Ausland; 1973 NP; während B.s Direktorat erfolgte 1974 die ideolog. motivierte Auflösung der von  Hansgünter Meyer am ZI für Philos. aufgebauten Abt. Soziol.; ab 1981 stellv. Vors. der Internat. Ges. für dial. Philos. – societas Hegeliana; 1988 Ausw. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1990 infolge demokrat. Wahlen als Inst.-Dir. abgelöst. 1991 Ehrenprom. der Univ. Oulu (Finnland); 1992 dort Veröff. der Studie »Hist. Vernunft. Zum Denk-Einsatz der klass. dt. Philos.«; gest. in Berlin. B. wirkte an exponierter Stelle mit an der Durchsetzung der ideolog. Hegemonialansprüche der SED-Führung über das philosoph. Leben in der DDR sowie an der ideolog. u. institutionellen Ausgrenzung nonkonformist. marxist. Strömungen, so der Philos. Ernst Blochs, des krit. Marxismus u. a. m.; 1980/81 war er als Inst.-Dir. neben  Herbert Hörz maßgebl. beteiligt an der Maßregelung der Gruppe um  Peter Ruben; Mitautor u. -hrsg. mehrerer Standardpubl. der DDR-Philos., u. a.: Philosoph. Wörterbuch. Leipzig 1964; Marxist. Philosoph. Lehrbuch, 1967; seit 1971 Hrsg. der Schriftenreihe »Zur Kritik der bürgerl. Ideol.« (mehr als 100 Bde.).insbes. zur klass. dt. Philos. u. zur ideolog. Auseinandersetzung; Immanuel Kant. Leipzig 1968; Der Anspruch der Vernunft (mit G. Irrlitz). Berlin 1968; Über die hist. Notwendigkeit des ideolog. Klassenkampfes. Berlin 1976; Verzicht auf Fortschritt, Geschichte, Erkenntnis u. Wahrheit (mit R. Steigerwald). Berlin 1981; Fichte – Die frz. Rev. u. das Ideal vom ewigen Frieden (mit D. Losurdo). Berlin 1991; Das geistige Erbe Europas. Neapel 1993 (Hrsg.). Oberkofler, G. (Hrsg.): Philos. im Zeichen der Vernunft. FS für M. B. Innsbruck/ Wien 1996; Rauh, H.-C., Gerlach, H.-M. (Hrsg.): Ausgänge. Zur DDR-Philos. in den 70er u. 80er Jahren. Berlin 2009.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Bullan, Horst

* 27.2.1926

Geb. in Kiekenbusch, Krs. Cottbus; Vater Musiker; 1933 – 1940 Volks-Oberschule in Görlitz; 1940 – 43 Kadettenanstalt; Kriegsabitur; 1943 – 45 Militäreinsatz in Italien; Kriegsschule, Ltn.; Mai 1945 – Februar 1948 sowj. Kriegsgef., Lager Tscherepowez; Mitglied des NKFD. 1948 – 50 Umschüler, Facharbeiter; 1950 Verpflichtung zur KVP; Lehrer an Offz.-Schulen; 1951 SED; 1953 Studium der Gesch. u. Militärgesch. an der KMU Leipzig, Dipl.-Hist; Lektor für Gesch. u. Militärgesch. an der HS der NVA, Major; redakt. Arbeiten an Veröff. zum 2. Weltkrieg, zeitw. in der Arbeitsgr. Paulus; 1959 – 63 Lektor u. Lektoratsleiter im Fachbuchverlag, Arbeitsgebiet Nachschlagewerke; Hinwendung zu populärwiss. Lit.; 1964 Cheflektor im Urania-Verlag; themat. und wiss. Neuorientierung des Verlages; 1968 – 89 Ltr. der dem Urania-Verlag angeschlossenen Verlagsgruppe (neben Urania, Leipzig / Berlin: Neumann Verlag, Radebeul; Ziemsen Verlag, Wittenberg; Arnold Verlag, Leipzig); Mitgl. der Präsidien von Kulturbund u. Urania-Gesellschaft. Maßgebl. verantwortl. für die Entw., Gestaltung u. Verbreitung populärwiss. Lit. in der DDR; 1976 u. 1988 VVO. 1990 – 92 Ltr. des Büros des Münchner Südwest Verlages in Leipzig; lebt als Rentner in Leipzig.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Bunke Bider, Haydée Tamara (»Tania«)

* 19.11.1937 – ✝ 31.8.1967

Geb. in Buenos Aires in einer Emigrantenfamilie; 1952 nach Babelsberg, dann Stalinstadt (Eisenhüttenstadt); 1956 Abitur; Dolmetscherin; 1958 – 62 für die HV A als »Hinweis«, jedoch nicht als IM erf.; 1958 Studium der Romanistik an der HU Berlin; Dez. 1960 als Dolmetscherin Kontakt mit Ernesto Che Guevara bei dessen Besuch in der DDR; 1961 – 64 Studium der Journalistik in Kuba; 1966 konsp. Unterstützung der Nat. Befreiungsarmee Boliviens Che Guevaras als »Laura Gutiérrez Bauer« in La Paz, bei der Überquerung des Rio Grande an der Vado del Yeso (Dep. Sta. Cruz, Bolivien) aus dem Hinterhalt erschossen; in der DDR wurden Schulen nach B. benannt. 1998 Überführung der sterbl. Überreste nach Kuba u. Beisetzung im Che Guevara-Mausoleum in Santa Clara.Panitz, E.: T. B. Schkeuditz 1995; Zapata, F.: T. Die Frau, die Ché Guevara liebte. Berlin 1997; Rojas, M.: T., la guerrillera. Berlin 1998; Besser, P.: Rot u. blau oder der mutige Weg zur Freiheit. Norderstedt 2005; Koenen, G.: Traumpfade der Weltrevol. Das Guevara-Projekt. Köln 2008.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bürger, Kurt

* 27.8.1894 – ✝ 28.7.1951

(* 1894 – † 1951) Geboren am 27. August 1894 in Karlsruhe als Karl Ganz, Sohn einer Arbeiterfamilie; Handelsschule, Lehre und Arbeit als Schlosser in München. 1912 Mitglied des DMV und der SPD. 1913/14 Wanderschaft. Von 1914 bis 1917 Soldat, dann wegen schwerer Verwundung dienstuntauglich. Von 1917 bis 1919 Schlosser in einem Münchner Munitionsbetrieb. Im November 1918 Mitglied des Münchner Arbeiter- und Soldatenrates und Anfang 1919 Mitbegründer der KPD in Bayern sowie Kommandeur einer Einheit der Roten Armee der Bayerischen Räterepublik im April 1919. Ein Standgericht verurteilte ihn zu vier Jahren Haft, er war bis 1923 im Zuchthaus Straubing. Von 1924 bis 1927 Mitglied der BL Südbayern, Tätigkeit für den illegalen KPD-Apparat, 1926/27 erneut in Untersuchungshaft. Von Juli 1927 bis März 1929 politischer Redakteur an der »Hamburger Volkszeitung«. Im Mai 1928 vom Reichsgericht zu einem Jahr Festung verurteilt, nach acht Monaten amnestiert. Von April 1929 bis 1933 hauptamtlicher Mitarbeiter im Apparat des ZK der KPD in Berlin, zuerst im illegalen Apparat, anschließend im Pressedienst und zuletzt stellvertretender Leiter der Orgabteilung des ZK. Ab Februar 1933 wurde er Leiter des Kurier- und Verbindungsdienstes des ZK unter dem Namen Kurt Bürger, den er bis zu seinem Tod beibehielt. Nach dem Verrat durch seine Mitarbeiter Werner Kraus, Paul Grobis und Helmuth Lass im November 1933 in die UdSSR geflüchtet, dort bis Oktober 1934 stellvertretender Leiter der Orgabteilung für Mitteleuropa beim EKKI. Von November 1934 bis September 1936 stellvertretender Leiter der Presseabteilung und Gehilfe des Generalsekretärs der RGI. 1936 Kommissar beim Stab der Internationalen Brigaden in Albacete, aber im April 1937 wegen Krankheit nach Paris. Bürger kehrte nach einer Operation im März 1938 in die UdSSR zurück. Dort ab 1939 Redakteur und bis 1941 Lehrer am Sprachinstitut. Von September 1941 bis April 1945 Politinstrukteur unter deutschen Kriegsgefangenen. Im Mai 1945 kam Bürger mit der Gruppe Gustav Sobottka nach Mecklenburg, ab Dezember 1945 1. Vorsitzender der KPD-Landesleitung Mecklenburg und von 1946 bis zu seinem Tode Vorsitzender des SED-LV bzw. 1. Sekretär der SED-Landesleitung (bis 1948 zusammen mit Carl Moltmann). Bürger war von 1946 bis 1951 Mitglied des PV bzw. des ZK der SED und gehörte von 1946 bis 1951 dem Landtag von Mecklenburg an, 1949/50 MdV. Noch am 20. Juli 1951 Nachfolger von Wilhelm Hökker als Ministerpräsident des Landes Mecklenburg, starb Kurt Bürger bereits acht Tage später, am 28. Juli 1951, an einem schweren Herzanfall.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Burianek, Johann

* 16.11.1913 – ✝ 2.8.1952

Geb. in Düsseldorf; Vater Schuhmachermeister; Lehre als Maschinenschlosser, 1932 Übersiedl. in die ČSR, 1932/33 als tschechoslowak. Staatsangeh. bei der dt. Luftwaffe; 1933 – 39 Landhelfer im Krs. Gardelegen, 1939 dt. Staatsbürgerschaft, 1939/40 Schlosser in Düsseldorf, 1940 – 45 Wehrmacht. Ab 1945 Dreher u. Hilfsmechaniker in versch. Berliner Betrieben, 1950 – 52 Hilfsmechaniker im VEB Secura; seit 1950 Mitgl. der KgU, Verteilung von Flugblättern, Mitgliederwerbung, Ermittl. u. Erkundung von Brücken für Sabotageaktionen; B. plante offenbar, eine Brücke in Erkner zu sprengen, das Vorhaben wurde aber nicht realisiert; 15.5.1952 Todesurteil in einem Schauprozeß, 2.8.1952 Hinrichtung in Dresden. B. steht für die militante Phase der KgU, die 1950 – 52 mehrere Sprengstoffanschläge mit verheerenden Folgen plante, welche aber nicht ausgeführt worden sind.Fricke, F. W., Engelmann, R.: »Konzentrierte Schläge«. Staatssicherheitsaktionen u. polit. Prozesse in der DDR 1953 – 1956. Berlin 1998.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Busch, Ernst

* 22.1.1900 – ✝ 8.6.1980

Geb. in Kiel; Vater Maurer; Volksschule; 1915 – 20 Ausbildung zum Maschinenbauschlosser in Kiel; 1916 Mitgl. der sozialdemokrat. Kieler Arbeiterjugend, 1917 SAJ, Distriktltr. in Kiel; erste Schauspielproben; Nov. 1918 Teiln. am Kieler Matrosenaufstand; 1919 USPD/KPD; 1920 Schauspiel- u. Gesangsunterricht; 1921 – 24 Stadttheater Kiel, 1924 – 26 Frankfurt (Oder), 1927 Pommersche Landesbühne; 1927 – 33 Berlin (Piscator-Bühne, Volksbühne, Theater der Arbeiter, Mitgl. pol. Kabaretts, Stücke von Friedrich Wolf,  Bertolt Brecht u. Ernst Toller), ab 1929 Filmarbeit (1931 Rolle in Pabsts »Dreigroschenoper«, 1932 Hauptrolle in  Slátan Dudows »Kuhle Wampe«); ab 1929 Freundschaft mit  Hanns Eisler, der den Großteil seiner Lieder für B. schrieb; ab 1930 Zusammenarbeit mit Brecht; März 1933 Emigr. in die Niederlande, Konzerte in Belgien, Frankreich, England u. in die Schweiz, wo er bei versch. Rundfunksendern arbeitete u. Schallplatten verlegte; Sept. 1935 UdSSR, Mitwirkung in  Gustav von Wangenheims Film »Kämpfer«; Jan. 1937 nach Spanien, 1937/38 dort Auftritte vor Interbrigadisten u. Arbeit bei Radio Madrid; April 1937 aus Dtl. ausgebürgert; Aug. 1938 nach Belgien; Aufn. bei Radio Brüssel, Konzerte u. Schallplattenaufn. für die Internat. Brigaden u. für jüd. Flüchtlinge in Belgien u. den Niederlanden; Mai 1940 in Antwerpen verhaftet u. nach Frankreich deportiert; in den frz. Lagern St. Cyprien u. Gurs interniert; Jan. 1943 Flucht in die Schweiz, von Vichy-Behörden verhaftet u. an die Gestapo ausgeliefert; wegen Hochverrats angeklagt u. Einzelhaft in Berlin-Moabit; Nov. 1943 nach Bombenangriff auf Berlin schwer verletzt, vier Mon. im Gefängnislazarett; Haft in Zuchthäusern Berlin u. 1944/45 in Brandenb.-Görden, dort im sog. »Krüppelkommando« der Knopffabrik Fa. Motz. 1945/46 KPD/SED; im Auftrag der SMAD Gründer des Verlags »Lied der Zeit«; ab 1945 Schauspieler in Berlin (Berliner Ensemble, Dt. Theater, Volksbühne); 1949 NP; 1950 Mitgl. der AdK; Dir. u. geschäftl. Ltr. des Verlags »Lied der Zeit«, 1953 enteignet; nach Konflikten mit dem FDJ-Vors.  Erich Honecker u. bei der »Parteiüberprüfung« 1951/52 durch  Anton Joos u.  Günther Tenner erfolgte ein nie publik gewordener »Parteiausschluß«, da B. nicht bereit war, die Bedingungen der Überprüfung zu akzeptieren; anschl. Aufführungsverbot von Busch-Werken (1971 »Klärung der Parteimitgliedschaft« durch Vermittl. von  Franz Dahlem); B. setzte Maßstäbe in der Schauspielkunst, besonders in seinen Brecht-Rollen: 1947 Galileo Galilei im gleichnamigen Stück, 1949 Koch in »Mutter Courage u. ihre Kinder«, 1946 Satin in Gorkis »Nachtasyl«; 1953 Jago in Shakespeares »Othello« u. 1954 Azdak im »Kaukas. Kreidekrs.«, aber auch 1954 als Mephisto in Goethes »Faust«; bedeutender Interpret von internat. Arbeiterliedern (»Barrikadentauber«); 1956 NP; 1961 Rückzug von der Bühne aus gesundheitl. Gründen, danach freischaff.; 1963 – 75 Arbeit an der Schallplattenreihe »Aurora« (Neuhrsg. von 200 seiner Lieder, seit 1999 auf CD); 1966 NP; 1969 Moskau-Gastspiel mit Liedern; 1965 VVO; 1970 KMO, Mai 1970 Lenin-Erinnerungsmedaille; 1972 Internat. Lenin-Friedenspreis; 1975 sowj. Orden der Völkerfreundschaft; 1977 Kunstpreis des FDGB; 1979 NP; gest. in Berlin.Siebig, K.: »Ich geh mit dem Jahrhundert mit.« E. B. Eine Dokumentation. Reinbek 1980; B. singt. Sechs Filme über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Berlin 1982 (Hrsg. AdK der DDR); Siebig, K., Hoffmann, L.: E. B. Eine Biogr. in Texten, Bildern u. Dokumenten. Berlin 1987; Schramm, C., Elsner, J.: Dichtung u. Wahrheit. Die Legendenbildung um E. B. Berlin 2006.Renate Rätz / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Büser, Joseph

* 7.7.1886 – ✝ 1.9.1954

Geboren am 7. Juli 1886 in Langenfeld/Rheinland als Sohn eines Bauern; arbeitete nach der Lehre als Schmied, 1908 Mitglied der SPD. Im Weltkrieg Soldat, übersiedelte nach dem Krieg nach Köln. Er schloß sich der USPD an und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Aktiver Funktionär im Bezirk Mittelrhein, Mitglied der BL und 1924 und 1928 Kandidat bei den Reichstagswahlen (aber nicht gewählt). Der XII. Parteitag der KPD 1929 berief Büser als Betriebsarbeiter (er war Angestellter der städtischen Verkehrsbetriebe Köln und seit 1927 Betriebsratsvorsitzender des Gesamtbetriebsrats) zum Mitglied des ZK. Von 1925 bis 1929 auch Stadtverordneter der KPD in Köln. Da er bei den anstehenden Neuwahlen im Herbst auf einen aussichtslosen Listenplatz gesetzt wurde, soll er sich an dem KPD-Funktionär Michael Sommer »gerächt« haben, indem er diesen wegen des ungerechtfertigten Benutzens der Freifahrkarte denunzierte. Büser wurde von den städtischen Betrieben gekündigt und ging zeitweilig als Parteisekretär nach Stuttgart. Das Polbüro sprach Büser am 4. Oktober 1929 eine »scharfe Rüge« aus. Anfang Februar 1930 noch zum Vorsitzenden des II. Bezirkskongresses der RGO in Stuttgart gewählt. Eine in Moskau in den dreißiger Jahren gefertigte Aufstellung der auf dem XII. Parteitag gewählten Mitglieder und Kandidaten des ZK der KPD vermerkte, Büser sei 1931 wegen »Korruption« bzw. Schlägerei unter Freunden aus der Partei ausgeschlossen worden. Das Polbüro hatte in seiner Sitzung vom 14. Januar 1931 den »Fall Büser« als »erledigt« erklärt. Im Frühjahr 1931 soll ein Brief Büsers an den Kölner Oberbürgermeister Adenauer bekannt geworden sein, in dem er Adenauer um eine Wiederbeschäftigung im Dienst der Stadt Köln gebeten habe. Die BL Mittelrhein gab bekannt, »Büser«, ein »wild gewordener Bürger, aber kein revolutionärer Arbeiter«, sei bereits 1930 aus der Partei ausgeschlossen worden. Wie bei »Abweichlern« üblich, wurde auch beim ZK-Mitglied Büser versucht, ihn zu kriminalisieren. Nach 1933 mehrfach verhaftet, trat er nach 1945 nicht mehr politisch hervor. Joseph Büser starb am 1. September 1954 in Köln-Ehrenfeld.

Wer war wer in DDR

Butting, Max

* 6.10.1888 – ✝ 13.7.1976

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; Realgymnasium in Berlin; 1908 – 14 Studium der Komposition, Philos. u. Geschichte an der Univ. München; 1914 schwere Erkrankung, deshalb nicht zum Militärdienst; 1917/18 zivildienstverpflichtet; 1919/20 im Geschäft des Vaters; 1921 – 27 Ltr. musikal. Veranstaltungen der linken »Novembergr.«; seit 1925 journalist. u. als Komponist tätig, Aufführungen auf Musikfesten der Internat. Ges. für Neue Musik u. in Donaueschingen; 1928 – 30 Doz. am Kindworth-Scharwenka-Konservatorium u. 1928 – 33 an der HS für Musik Berlin; 1929 – 38 geschäftsf. Vorstandsmitgl. der Genossenschaft Dt. Tonsetzer; 1933 Ord. Mitgl. der Preuß. AdK; 1933 – 38 Mit- arb. bzw. Abt.-Dir. in der Urheberrechtsges. STAGMA, entlassen; 1940 – 45 NSDAP; 1939 – 45 Mitarb. im Geschäft des Vaters. Ab 1945 freischaff. Komponist in Berlin, später freier Mitarb. des Berliner Rundfunks; 1948 Cheflektor der Musikabt. des Berliner Rundfunks, dann Lektor für Komposition des Staatl. Rundfunkkomitees; 1948 Mitgl. des KB, setzte sich für dt.-dt. Zusammenarbeit der Komponisten auf interzonalen Tagungen ein; 1950 Gründungsmitgl. der DAK, 1956 – 59 deren Vizepräs.; ab 1951 Vorstandsmitgl. des Verb. Dt. Komponisten u. Musikwiss.; 1951 – 61 Vors. des Beirats der Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte (AWA); 1954 u. 1973 NP; 1961 VVO; 1968 Dr. phil. h. c. der HU Berlin; komponierte bes. Orchester- u. Kammermusik, u. a. zehn Sinfonien u. die Oper »Plautus im Nonnenkloster«; veröff. musikwiss. Aufsätze zu Urheberrechtsfragen; 1973 NP; gest. in Berlin.Musikgeschichte, die ich miterlebte. Biogr. Berlin 1955. Brennecke, D.: Das Lebenswerk M. B. Leipzig 1973.Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Caden, Gert

* 10.6.1891 – ✝ 9.9.1990

Geb. in Berlin; Vater Berufsoffizier; aufgew. in versch. Garnisonsstädten; 1901 – 07 Realgymnasium in Leipzig, Zeichenunterricht bei Prof. Fedor Flinzer, Abitur; 1907 – 09 Kadettenschule in Leipzig; 1909 – 14 Königl.-Sächs. 4. Infanterieregiment in Bautzen, 1910 Ltn.; im Ersten Weltkrieg an der Westfront, 1914 u. 1916 Tod zweier Brüder an der Front; 1919 Demobilisierung; wegen pazifist. Haltung u. Hinwendung zur Malerei Bruch mit dem Vater; ab 1919 Ausbildung an der Akad. der Bild. Künste in Dresden; 1919 Heirat mit Lala Bondi (Tochter des Bankiers u. Kunstsammlers Felix Bondi); 1920 Scheidung; Fortsetzung der Kunststudien an der Kunstakad. München, 1921 – 23 in Berlin, unter dem Künstlernamen »Gert Caden« mehrere Reliefbilder; 1921 Heirat mit Maja Loewe; 1923 in München, dann in Wien; 1924 Rückkehr nach Berlin; 1925 großer Erfolg mit Werbeplakaten für US-amerikan. Revue; Rückzug in ein Dorf in Sachsen; 1928 Rückkehr nach Berlin, Scheidung; 1928 Ehe mit Ilse Hermann, die Anf. der 1930er Jahre scheitert; Ende der 1920er Jahre Besuch von Vorlesungen an der MASCH, Hinwendung zum Marxismus; Freundschaft mit dem KPD-Funktionär Ernst Schneller; Nov. 1930 KPD-Geheimmitgl.; 1930 – 38 unter dem Deckn. »Cello« im M-Apparat (unter Hans Kippenberger) bzw. ab 1936 im Abwehr-Apparat der KPD (unter  Hermann Nuding), schöpfte Informationen aus Reichsregierung u. Reichswehrführung ab; Reisen u. Treffen mit M-Apparate-Verbindungen im Ausland; wg. Verfolgungsdruck der Nazis Juni 1938 Flucht nach Paris, 1938 / 39 in Südfrankreich (Sanary sur Mer), dort Freundschaft mit Lion Feuchtwanger,  Friedrich Wolf, Ludwig Marcuse; 1939 / 40 Internierung in Les Milles; 1940 Arbeitskompanie; Flucht aus dem Lager nach Marseille; Jan. 1942 über Marokko nach Kuba, lebte in einem Vorort von Havanna; Rundfunkvorträge; Vors. der BFD in Kuba. März 1948 Rückkehr in die SBZ; ab 1948 Ltr. der Auftragskommission für künstler. Arbeiten im Land Sachsen; 1949 künstl. Ltr. der 2. Dt. Kunstausstellung in Dresden, die von ihm engagierten mexikan. Künstler u. die von ihm initiierte sog. »Wandbildaktion Dresden 1949« wurden kurz darauf als »formalistisch« denunziert u. verboten; 1949 – 53 Agent des sowj. Geheimdienstes MWD; ab Jan. 1954 als IM »Richard« für das MfS, BV Dresden, tätig, teilw. in der Bundesrep. Dtl. eingesetzt, nach nachrichtendienstl. Erfolgen ab 1955 – 1968 erneut für den sowj. KGB tätig; gest. in Dresden.Kaufmann, B. u. a.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937; Peschke, M.: Besuch bei »Cello«. Der Künstler Gert Caden, die Geheimdienste u. ein Interview. In: Gegner (2007) 21.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Cărare, Petru

* 1935

Dichter des Samisdat, Dramaturg.Petru Cărare wurde 1935 in eine bäuerliche Familie im Dorf Zaim in Bessarabien (damals Rumänien) geboren. Nachdem Bessarabien nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik und Cărare somit Sowjetbürger geworden war, studierte er an der Zentralen Schule des Komsomol in Moskau Journalistik. Als er sein Studium 1956 abgeschlossen hatte, kehrte er nach Moldau zurück, wo er als Redakteur satirischer Beiträge in der Lokalpresse beschäftigt war. 1967–69 belegte er Literaturkurse am renommierten Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau. Der Moldauische Schriftstellerverband empfahl 1959 einen kleinen Gedichtband Cărares mit dem Titel „Soare cu dinți“ (Die Sonne mit Zähnen) zum Druck. Dieser kam jedoch nicht durch die Zensur. Auf dem Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Moldauischen SSR wurde er sogar als „verbissener Antikommunist“ bezeichnet. 1972 konnte Cărare einen schmalen Band mit einer Auswahl seiner Poesie veröffentlichen, der aber schon nach einigen Tagen wieder aus den Buchhandlungen entfernt wurde. Die Behörden empörten sich besonders über einen Abschnitt aus dem Zyklus „Der humane Mensch“, den sie als eine Reaktion auf den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei im August 1968 interpretierten. Ein Beschluss des Zentralkomitees der Moldauischen Kommunistischen Partei beurteilte die Gedichtsammlung sogar als „politisch schädlich“ und „durchsetzt von einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit“. Cărare beschuldigte man, den Sinn des Klassenkampfes zu verzerren und die Rolle der fortschrittlichen gesellschaftlichen Kräfte bei der Umgestaltung der Welt falsch zu verstehen. Der Beschluss behauptete weiterhin, dass „einige Gedichte zum Fanal ungesunder Stimmungen und nationalistischer Tendenzen werden können“. Zwar wurde zunächst beantragt, Cărare aus der Partei und dem Schriftstellerverband auszuschließen, man begnügte sich dann aber doch mit einer Verwarnung. 14.000 Exemplare seines Gedichtbandes wurden konfisziert und eingestampft. Den Mitarbeitern des Verlags warfen die Behörden vor, sie hätten es zugelassen, dass ein „ideologisch schädliches“ Buch publiziert wurde. Auch sie wurden bestraft: Einige von ihnen wurden entlassen, der Direktor erhielt eine Rüge. Cărare zwang man, die moldauische Hauptstadt Chișinău zu verlassen und fortan auf dem Land zu leben. Seine Gedichte durften nicht mehr erscheinen, wurden von den Menschen jedoch immer wieder abgeschrieben und auswendig gelernt. Nach dem Ende der Sowjetunion betätigte sich Cărare in der Republik Moldau weiter als Dichter, Romancier, Dramatiker, Kinderbuchautor und Übersetzer. 2000 wurde er mit dem Nationalpreis für Literatur ausgezeichnet. Ion Şişcanu Aus dem Polnischen von Beata Kosmala Letzte Aktualisierung: 06/17

Wer war wer in DDR

Carow, Heiner

* 19.9.1929 – ✝ 31.1.1997

Geb. in Rostock; Vater Kfm.; 1950 – 52 Regiekl. im DEFA-Nachwuchsstudio bei  Gerhard Klein u.  Slátan Dudow; 1952 – 56 DEFA-Studio für populärwiss. Filme (1952 »Bauern erfüllen den Plan«, 9 weitere Kurzdokumentarfilme folgten); seit 1957 Regisseur bei der DEFA; 1959 Mitgl. der Gruppe »Berlin« unter der Ltg. von Slátan Dudow; Kinder- u. Jugendfilme (1957 »Sheriff Teddy«, Buch u. R: 1958 »Sie nannten ihn Amigo«, 1965 »Die Reise nach Sundevit«, 1975 »Ikarus«), Gegenwartsfilme (1959 »Das Leben beginnt«; Buch u. R: 1963 »Die Hochzeit von Lännecken«, 1971 »Karriere«, 1973 »Die Legende von Paul u. Paula«; 1978 »Bis daß der Tod euch scheidet«, 1986 nach siebenjähriger Pause »So viele Träume«, 1989 »Coming out«), sein Film »Die Russen kommen«, entstanden in den 60er Jahren, wird erst 1987 öffentl. aufgeführt; 1975 Drehbuch zu »Jestem Baba – Ich bin ein Weib«, Mitte der 60er Jahre zwei Theaterinszenierungen in Rostock; 1978 Mitgl. u. 1982 – 91 Vizepräs. AdK der DDR, 1984 Mitgl. AdK Berlin (West); 1988 – 90 Mitgl. des Präs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden der DDR; 1959 u. 1967 Heinrich-Greif-Preis; 1980 NP; 1989 Prof.; 1989 Kritikerpreis für Film des Verb. Dt. Kritiker; 1990 Silberner Bär u. Konrad-Wolf-Preis der AdK für »Coming Out«. Nach 1991 Arbeit an TV-Serien u. Filmen für das Fernsehen, u. a. 1991 »Verfehlung«, 1992 »Vater Mutter Mörderkind«, 1996 »Fähre in den Tod«; 1993 Mitgl., 1996 stellv. Direktor u. ab Aug. 1996 Dir. der Abt. Film u. Medienkunst der AdK Berlin-Brandenburg; gest. in Berlin. C.s Filme zeichnen sich durch die Gestaltung besonders jugendlicher Helden als Individuen mit dem entsprechenden Blickwinkel auf ihre Umwelt aus, was ihn wiederholt in Konflikte mit den Parteigremien brachte.DEFA-Spielfilm-Regisseure u. ihre Kritiker. Bd. 2. Berlin 1983; Schenk, R. (Red.): Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946 – 1992. Berlin 1994.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Charisius, Eberhard

* 2.10.1916 – ✝ 29.3.1980

Geb. in Wiesbaden; Vater Reg.-Dir.; Volksschule, 1926 – 35 Gymnasium in Düsseldorf; 1934/35 NSDAP, SS (Sanitäter); 1937 Abschluß der Offz.-Schule in Dresden, Oblt.; 1938 Kampffliegerschule in Faßberg (Funker, Beobachter), 1940 Flugzeugführerschule in Zeltweg (b. Insterburg); bis 1941 im Kriegseinsatz; 22.6.1941 Notlandung wegen Motorschaden; 1941 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1942 Zentr. Antifa-Schule in Oranki; 1942 – 45 Mitgl. der Gr.  Ulbricht bei Stalingrad; Agit. u. Prop. an der Südwestfront der Sowjetarmee; 1943 Mitbegr. des NKFD u. dessen Frontbevollm.; in Dtl. in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Polizeidir. in Gera; KPD; 1946 Abt.-Ltr., ab 1948 Stabschef der HA Grenzpolizei bei der DVdI; 1949 Kdr. der HV Ausbildung der KVP; 1949/50 Kursant, Panzerausbildung in der UdSSR; 1950 – 53 Stellv. Kdr. für Ausbildung an der Panzer-Offz.-Schule der KVP; 1954 – 56 1. Stellv. Kdr. der II. mechan. Bereitschaft der KVP Dresden; 1956 – 59 Mitarb. im Wehrbez.-Kdo. der NVA, Oberst; 1959 – 61 Lehrerstudium am Pädagog. Inst. Dresden (Russ. u. Geschichte); 1960 Abschl. an der KMU Leipzig, Dipl. Militärhist.; 1961 – 67 Lehrer in Dresden, dann Berufsschullehrer für Staatsbürgerkunde u. Pol. Ökon.; 1965 VVO; 1970 Orden des Vaterländ. Kriegs.Hoppe, G.: Drei Begegnungen am Weg zum Heute. In: Neue Dt. Presse (1967) 10.Elke Reuter

dissidenten.eu

Bujak, Zbigniew

* 1954

Elektriker, Politologe; 1980–89 einer der wichtigsten Anführer der *Solidarność: Vorsitzender der Region Masowien und des *Regionalen Exekutivausschusses Masowien der Untergrund-*Solidarność, Mitglied des *Provisorischen Koordinierungsausschusses; Symbol des Widerstandes gegen das *Kriegsrecht, viereinhalbjähriges Versteck vor dem Staatssicherheitsdienst, Pseudonym: „Stefan“. Zbigniew Bujak wurde 1954 in Łopuszna bei Nowy Targ in Kleinpolen in eine bäuerliche Familie geboren. In Żyrardów südlich von Warschau schloss er das Abendtechnikum für Elektroenergetik ab. 1972/73 arbeitete er in den pharmazeutischen Werken „Polfa“ in Grodzisk und ab 1973 in den Mechanischen Ursus-Werken bei Warschau. Nach den Streiks und Demonstrationen im *Juni 1976 unternahm er in Ursus auf eigene Faust den Versuch, verfolgten Arbeitern zu helfen. Es gelang ihm zwar, den Kontakt zu einigen von ihnen aufzunehmen, aber insgesamt waren die Menschen zu ängstlich und wollten nicht mit ihm sprechen. Oppositionell begann sich Bujak ab 1978 zu betätigen, zunächst gemeinsam mit Zbigniew Janas und Arkadiusz Czerwiński. Er beteiligte sich am Komitee für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (Komitet Samoobrony Społecznej; *KSS „KOR“), verteilte unabhängige Presseerzeugnisse und Literatur, die er von Jan Lojak erhalten hatte. In den Ursus-Werken organisierte er Arbeitertreffen mit Jacek Kuroń, Jan Lityński und anderen. Im Mai 1980 fand in der Kirche des heiligen Krzysztof in Podkowa Leśna (Masowien) ein Hungerstreik als Solidaritätsbekundung für Mirosław Chojecki und Dariusz Kobzdej statt, die im Gefängnis in einen Hungerstreik getreten waren, sowie für andere politische Gefangene. Bujak und Zbigniew Janas sammelten mehr als 1.000 Unterschriften, um diese Aktion zu unterstützten. Am 2. Juli 1980 organisierten beide einen eintägigen Streik gegen Preiserhöhungen. Der Streik erfasste einige Abteilungen der Ursus-Werke und wurde beendet, nachdem die Direktion die Forderungen der Arbeiter akzeptiert hatte. Der Versuch, Arbeiterkommissionen ins Leben zu rufen, die als Verbindungsglied zu unabhängigen Gewerkschaften fungieren sollten, endete erfolglos. Im August 1980 war Bujak Mitbegründer des Ursus-Arbeiterkomitees für Solidarität mit den streikenden Arbeitern der Küste und engagierte sich für die Schaffung einer unabhängigen Gewerkschaft. Am 4. September wurde er Vorsitzender des Überbetrieblichen Gründungskomitees der *Solidarność in der Region Masowien (Międzyzawodowy Komitet Założycielski NSZZ „Solidarność“ Mazowsze), im Februar 1981 Mitglied des Provisorischen Präsidiums der *Solidarność-Landesverständigungskommission (Krajowa Komisja Porozumiewawcza; KKP) und gehörte zum Komitee zur Verteidigung von Gewissensgefangenen (Komitet Obrony Więzionych za Przekonania), das im Dezember 1980 von der KKP gegründet worden war. Nach dem I. *Solidarność-Landesdelegiertenkongress in Danzig (Gdańsk) im September/Oktober 1981 wurde Bujak Mitglied des Präsidiums der Landeskommission (Komisja Krajowa; KK). Im November desselben Jahres initiierte er gemeinsam mit Jacek Kuroń und Adam Michnik die Klubs der Selbstverwalteten Republik „Freiheit – Gerechtigkeit – Unabhängigkeit“ (Kluby Rzeczpospolitej Samorządnej), die sich auf die Traditionen der linken polnischen Unabhängigkeitsbewegung beriefen. Am Tag der Verhängung des *Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 entging Bujak nur durch Zufall der Internierung. Eine Woche lang tauchte er in Danzig unter, wo er an der Sitzung der Landeskommission teilgenommen hatte, dann schlug er sich nach Warschau durch. Gemeinsam mit Zbigniew Janas und Wiktor Kulerski fing er an, die Untergrundarbeit in der Region zu organisieren.In seinen ersten Erklärungen – unter anderem nach der blutigen Niederschlagung der Proteste in der Kattowitzer Steinkohlengrube „Wujek“ – rief er zum Kampf ohne Blutvergießen auf. Mit der Möglichkeit rechnend, dass die *Solidarność in die Legalität zurückkehren könne, wandte er sich gegen die Einrichtung von Strukturen, die nicht den Gewerkschaftsstatuten entsprachen, und stellte sich dem Aufbau eines „Untergrundstaates“ entschieden entgegen. Im Meinungsstreit um Jacek Kurońs „Thesen über den Ausweg aus einer Situation ohne Ausweg“ (Tezy o wyjściu z sytuacji bez wyjścia) schrieb er: „Ich spreche mich für eine strikt dezentrale Bewegung aus, die viele Aktionsformen kennt. […] Der Ausbau der *Solidarność zu einer monolithischen Organisation, die auf den entscheidenden letzten Kampf vorbreitet wäre, würde die Gefahr heraufbeschwören, dass die Machthaber erneut versuchen, die Gesellschaft aus eigener Kraft zu pazifizieren. Selbst wenn wir uns dagegen noch erfolgreich verteidigen könnten, würde uns anschließend eine Intervention von außen erwarten. Ich denke also, dass wir die frontale Konfrontation mit den Machthabern vermeiden müssen […]. Meiner Meinung nach wäre ein Positionskampf sicherer und wirkungsvoller.“ („Walka pozycyjna“/Positionskampf, in: *„Tygodnik Mazowsze“, Nr. 8/1982). Bujak schlug vor, das gesellschaftliche Leben unabhängig vom Staat zu organisieren: Kampf um die Möglichkeiten gewerkschaftlicher Betätigung in den Betrieben, gesellschaftliche Hilfskomitees in den Gemeinden, Verlagsanstalten im Untergrund, Aufbau einer unabhängigen Wissenschaft, Kultur und Bildung.Am 22. April 1982 gründete er gemeinsam mit Władysław Frasyniuk, Władysław Hardek, Bogdan Lis und Eugeniusz Szumejko den *Provisorischen Koordinierungsausschuss (Tymczasowa Komisja Koordynacyjna; TKK), der die Gewerkschaft im Untergrund trotz Beibehaltung ihrer lockeren und föderalen Struktur leitete. Am 8. Mai schuf er gemeinsam mit Zbigniew Janas, Wiktor Kulerski und Zbigniew Romaszewski den *Regionalen Exekutivausschuss Masowien der *Solidarność (Regionalna Komisja Wykonawcza; RKW). Bujak war ein entschiedener Gegner des Generalstreiks: „[…] bezogen auf den Charakter des Streiks (aktive Verteidigung) wäre es eine Revolution (die Machthaber zu stürzen). […] Dadurch würden Tausende Menschen geopfert, wofür ich nicht die Verantwortung übernehmen möchte“, schrieb er in einem Brief an Bogdan Lis (in: *„Tygodnik Mazowsze“, Nr. 15/1983). Schließlich sprach er sich doch für einen Generalstreik aus, sollte es zum Verbot der *Solidarność kommen, und beurteilte später sogar sein Zögern in dieser Frage als Fehler (siehe *„Tygodnik Mazowsze“, Nr. 69/1983). In der Volksrepublik Polen wurde Bujak zu einer legendären Gestalt, die den Widerstand der *Solidarność symbolisierte, vor allem als es ihm gelang, nach seiner Verhaftung durch die Staatssicherheit Anfang 1983 erneut zu entkommen. Er wurde erst im Mai 1986 wieder gefasst. Der Staatsanwalt bereitete die Anklage („Vorbereitung des gewaltsamen Umsturzes des Systems“) vor, aber es kam nicht zum Prozess. Durch eine Amnestie kam er im September 1986 frei. In der Folgezeit wurde er immer wieder für jeweils 48 Stunden inhaftiert. Am 29. September 1986 wurde Bujak Mitglied in dem offen agierenden, von Lech Wałęsa einberufenen Provisorischen Rat der *Solidarność (Tymczasowa Rada; TR). Einen Tag später erklärte er auf einer Pressekonferenz in Warschau, dass auch der *Regionale Exekutivausschuss Masowien seine offene Arbeit wieder aufnehmen würde. Als am 25. Oktober 1987 der *Landesexekutivausschuss (Krajowa Komisja Wykonawcza; KKW) der *Solidarność geschaffen wurde und an die Stelle des bisherigen *Provisorischen Koordinierungsausschusses und des Provisorischen Rates trat, gehörte Bujak ihm an. Gemeinsam mit 61 weiteren Personen, die von Lech Wałęsa vor der Polenreise Papst Johannes Pauls II. zusammengerufen worden war, unterschrieb er die Erklärung vom 31. Mai 1987, in der die grundlegenden Ziele der polnischen Opposition umrissen waren. Im Dezember 1988 wurde Bujak Mitglied des *Bürgerkomitees beim *Solidarność-Vorsitzenden (Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“). Am 19. Februar wählte ihn der Provisorische Vorstand der *Solidarność Masowien (in dem unter anderem die Vertreter der Betriebskommissionen der Gewerkschaft zusammengeschlossen waren) zum Vorsitzenden der neu zusammengesetzten Regionalen Exekutivkommission. 1988 erhielt er gemeinsam mit Adam Michnik den Robert-Kennedy-Menschenrechtspreis. Im gleichen Jahr gründete er gemeinsam mit anderen eine Stiftung zur Unterstützung kinderreicher Familien im Ursus-Werk. Im Februar 1989 war er einer der Mitgründer der Polnisch-Ungarischen Solidarność. Bujak wohnte 1989 den vertraulichen Gesprächen mit Vertretern der Regierungsseite in Magdalenka bei Warschau bei. Er nahm an den Verhandlungen des *Runden Tisches (6. Februar–5. April 1989) in der Arbeitsgruppe für Wirtschaft und Sozialpolitik sowie in der Arbeitsgruppe für politische Reformen teil und war Mitvorsitzender der Unterarbeitsgruppen für gesellschaftliche Vereinigungen und territoriale Selbstverwaltung. Bujak war 1989 einer der Gründungsväter von Agora, der Aktiengesellschaft, von der die heute größte überregionale polnische Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ (Wahlzeitung) herausgegeben wird. 1990 gehörte er der Bürgerbewegung Demokratische Aktion (Akcja Demokratyczna) an, ein Jahr später der Demokratisch-Gesellschaftlichen Bewegung (Ruch Demokratyczno-Społeczny). 1991–97 war Bujak Abgeordneter des Polnischen Sejm, dabei ab 1992 Mitglied der Partei Arbeitsunion (Unia Pracy), dessen stellvertretender Vorsitzender er 1993–97 war. Ab 1998 war er Mitglied der Freiheitsunion (Unia Wolności). 1998 schloss er sein Studium an der Fakultät für Politikwissenschaften und Journalismus an der Universität Warschau ab und war 1999–2001 Leiter der Hauptzollverwaltung. Als Kandidat der Selbstverwaltungsunion (Unia Samorządowa) bei den Wahlen zum Warschauer Oberbürgermeister erhielt er 2002 nur etwa drei Prozent der Stimmen, woraufhin er sich aus dem politischen Leben zurückzog. Zbigniew Bujak ist Mitglied der Vereinigung „Freies Wort“ (Stowarzyszenie Wolnego Słowa), war 2014 an der Gründung des Bürgerkomitees „Solidarität mit der Ukraine“ (Komitet Obywatelski Solidarności z Ukrainą) beteiligt und lehrt unter anderem an der Warschauer Universität.Grzegorz Majchrzak Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 09/15

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Bullan, Kurt

* 8.7.1920 – ✝ 27.9.1975

Geb. in Forst; Vater Arbeiter; Grund- u. Textilfachschule, Ausbildung zum Tuchmacher, später Qualifikation zum Textil-Ing.; 1939 – 45 Wehrmacht; 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 KPD, 1946 SED; 1945 – 49 Manipulant, 1949 / 50 Betriebsltr. der VEB Vereinigte Tuchwerke »Einheit« in Forst; 1950 Lehrgang an der DVA; 1950 – 52 Hauptdir. der VEB Spinnweberei in Cottbus; 1952 Sekr. für Wirtschaft der SED-KL Cottbus-Stadt; 1952 / 53 Stud. an der PHS der SED; 1954 / 55 Ltr. der Abt. Wirtschaft, 1955 – 58 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Cottbus; 1958 – 60 Techn. Dir. der Ostdt. Tuchfabrik in Forst; 1960 / 61 Werkdir. der Vereinigten Feintuchwerke Forst; 1962 / 63 stellv. Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Cottbus; ab 1963 kommissar. GD, ab 1964 – 68 Generaldir. der VVB Volltuch bzw. des VEB Textilkombinat Cottbus (TKC); anschl. Auftragsltr. der Investbaultg. des TKC; zeitw. Abg. des BT Cottbus.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Burde, Fritz (Burchard)

* 20.9.1901 – ✝ 15.2.1938

(* 1901 – † 1938) Geboren am 20. September 1901 in Berlin; lernte Schlosser, später arbeitete er auch als Kaufmann. 1920 trat er der KPD bei, war ab 1923 Angestellter der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Seit Mitte der zwanziger Jahre war er unter dem Decknamen Edgar wichtiger Funktionär im illegalen AM-Apparat Hans Kippenbergers, u. a. Reichsleiter des BB-Apparates, 1931 im Auftrag des ZK für Illegalitätsvorbereitung zuständig und 1931/32 Leiter des Quartierbeschaffungsapparats; 1932 Kommandierung nach Moskau, Mitarbeiter der OMS der Komintern, 1933/34 Einsatz in Dänemark, Schweden und der âSR, danach wieder in Moskau in der 4.Abteilung der Verwaltung »Aufklärung« der Roten Armee. Am 7. September 1937 vom NKWD festgenommen, wurde Fritz Burde am 15. Februar 1938 zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen.

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Bürger, Max

* 16.11.1885 – ✝ 5.2.1966

Geb. in Hamburg; Vater Lehrer; Gelehrtenschule des Johanneums zu Hamburg; 1904 – 10 Med.-Studium in Berlin, Kiel, München u. Würzburg, hier 1910 Prom.; 1910 – 18 Assistenzarzt in Hamburg-Altona, Würzburg, Kiel, Berlin u. Königsberg, 1918 Habil. in Kiel (b. Alfred Schittenhelm); hier 1920 a. o. Prof.; 1929 – 31 Chefarzt der Inneren Klinik am Städt. Krankenhaus in Osnabrück, 1931 – 37 Dir. der Med. Poliklinik der Univ. Bonn, 1937 – 57 Ordinarius für Innere Med. u. Dir. der Med. Univ.-Klinik Leipzig; 1939 Begründung der Ztschr. für Alternsforschung (mit Emil Abderhalden), Prägung des »Biomorphose«-Begriffs. 1946/47 vom Dienst suspendiert, 1947 Wiedereinsetzung als Ordinarius u. Klinikdir.; 1951 Mitgl. der Leopoldina, 1952 Ord. Mitgl. der DAW; wiss. Arbeiten vor allem über Stoffwechselkrankheiten u. in der Alternsforschung; 1952 NP; 1957 em.; gest. in Leipzig.Altern u. Krankheit. Leipzig 1947; Klinische Fehldiagnosen. Stuttgart 1953; Die Hand des Kranken. München 1958. Ries, W.: M. B. (1885 – 1966) Internist, Physiologe, Alternsforscher – Ausgew. Texte (In: Sudhoffs Klassiker der Med., Neue Folge 5, mit Bibl.). Leipzig 1985.Peter Schneck

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Burkhardt, Hermann

* 4.7.1910 – ✝ 20.7.2003

Geb. in Eisenberg (Thür.); Vater Metalldreher u. Einzelhändler; Volksschule u. Realgymnasium in Eisenberg; Studium der Volkswirtschaft u. Rechtswiss. in Leipzig, Paris u. Berlin; Okt. 1931 KPD u. Mitgl. der Roten Studentengr., Org.-Ltr., Agit-Prop.-Ltr. der KPD an der Univ. Berlin; März 1933 Mitorg. eines illeg. Studentenkomitees; 1933 Emigr. nach Paris, dort Studenten- u. Jugendarbeit (»Studenten-Karl«, »Jugend-Karl«); 1933 – 39 journalist. Tätigkeit für »Balkan Korrespondenz« u. »Europ. Stimme«; 1935 in Paris Sekr. beim Weltstudentenkomitee für Frieden, Freiheit u. Fortschritt; 1937 aus dieser Arbeit ausgeschieden, anschl. im Hilfskomitee für Spanien, dort bis Sept. 1939 Ltr. der Abt. Presse u. Prop.; Mitarb. des KJVD-ZK u. des illeg. Radiosenders 29,2; 1939 – 41 interniert; Hilfe u. Unterstützung durch Noel H. Field; 1942/43 Mitgl. der KPD-Ltg. in Marseille (zus. mit  Lex Ende u.  Willi Kreikemeyer), nach Konflikten ausgeschieden; 1943/44 in der Résistance aktiv (»Charles Corot«, »Charles Monet«); 1944 außenpol. Red. versch. KPF-Ztg. in Marseille, dann Prop.-Arbeit für das Nationalkomitee »Freies Dtl.« für den Westen in Südfrankreich; 1945 in Paris außenpol. Red. der Ztg. »Volk u. Vaterland«. Aug. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Sept. 1945 – Mai 1946 Chefred. »Neue Saarbrücker Ztg.«; 1946 – 48 Chefred. des KPD-Ztg. »Neue Zeit« in Saarbrücken, von der frz. Besatzungsmacht ausgewiesen; April 1948 Übersiedl. in die SBZ; Mai 1948 SED u. Red. von »Dtl. Stimme« u. des Sowj. Nachrichtenbüros (SNB) in Berlin-Weißensee; Red. des »Vorwärts« in Berlin; Mai 1949 Mitarb. des Berliner Rundfunks, Chefred. des Dtl.-Senders u. Ltr. der HA Nachrichten; 1953 – 56 stellv. Chefred. der »Berliner Ztg.«, anschl. 1956/57 deren Korrespondent u. von ADN in Stockholm; 1958 – 62 stellv. Gen.-Sekr. der kommunist. Internat. Org. der Journalisten (IOJ); 1958 u. ab 1962 Korrespondent versch. SED-Ztg. in Kuba; Vizepräs. der Dt.-Lateinamerik. Ges.; bis in die 80er Jahre außenpol. Kommentator im Staatl. Komitee für Rundfunk beim Min.-Rat; 1975 VVO. Nach 1990 Umzug ins Saarland; gest. in Saarbrücken.Marseille ist kein Hafen. Berlin 1955; Der Eiffelturm bleibt in Paris. Berlin 1956. Bungert, H.: Das NationalkomiteeBernd-Rainer Barth

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Buschang, Gerhard

* 14.11.1908 – ✝ 8.1.1966

Geb. in Leipzig; Vater Kellner; Bürgerschule in Magdeburg; 1921 – 23 Lehre als Handlungsgehilfe; kaufm. Fortbildungsschule; 1923 – 29 Arbeit als Schiffsjunge u. Matrose; 1928 KPD; 1930 – 33 Hafenarb. u. Sachbearb. in Hamburg; 1930 polit. Ltr. im RFB Hamburg-St. Georg / Hohenfelde u. in der KPD-Stadtbezirksltg. Hamburg-St. Georg; 1932 U-Haft im Zusammenhang mit den Ereignissen des »Altonaer Blutsonntags«, wg. Mangels an Beweisen entlassen; 1933 / 34 wg. »Hochverrat« im Zuchthaus Fuhlsbüttel in »Schutzhaft«, dann wg. Haftunfähigkeit entlassen; 1934 Tiefbauarb.; 1935 / 36 Packer; 1936 – 40 kaufm. Angest.; 1940 – 43 Wehrmacht; 1943 – 45 kaufm. Angest. 1945 / 46 Verwaltungsangest. beim Rat der Stadt Magdeburg; 1946 SED, Lehrgang an der SED-LPS in Wettin u. anschl. Lehrer u. Schulltr. an der SED-BPS Bergen (Krs. Wanzleben); 1946 – 48 Sekr. für Wirtschaft des SED-BV Magdeburg; 1948 – 50 Stadtrat für Wirtschaft u. Verkehr in Magdeburg; 1951 / 52 Kulturdir. im VEB Schwermaschinenbau »Georgi Dimitroff« Magdeburg; 1952 / 53 2. Sekr. der SED-KL Magdeburg; 1954 / 55 Lehrgang an der SED-PHS; 1955 – 57 Instrukteur im ZK der SED; 1957 – 59 2. Sekr. der SED-BL Gera, 1959 – 61 2. Sekr. der SED-Stadtltg. Magdeburg, anschl. Sekr. der GO in der Staatl. Kontrolle bzw. in der Bezirksinspektion Magdeburg der ABI; gest. in Magdeburg.Mario Niemann

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Busse, Ernst

* 24.11.1897 – ✝ 31.8.1952

Geb. in Solingen; Vater Schleifer; Volksschule; Ausbildung zum Schleifer, danach bis 1925 im Beruf tätig; 1912 SAJ, 1913 Mitgl. des DMV, 1916 Jugendfunktionär; 1916/17 Militärdienst, wegen Krankheit in die Rüstungsindustrie entlassen; 1918 Spartakusbund, 1921 KPD; Arbeiterkorrespondent; 1925 – 30 hauptamtl. im DMV, wegen pol. Differenzen gemaßregelt; 1930/31 ehrenamtl. Ltr. der aus dem DMV ausgeschl. Metallarb. des Bez. Mönchen-Gladbach, ab 1931 mit Bernhard Bästlein RGO-Ltr. im Bez. Köln-Aachen-Trier, danach Bez.-Ltr. in Thür.; 1932/ 33 Abg. des Dt. Reichstags; Ltr. der RGO Köln, dann der BL Erfurt; 1933 wegen illeg. pol. Arbeit verhaftet u. zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; 1933 – 36 KZ Lichtenburg, ab 1937 KZ Buchenwald, dort Mitgl. der illeg. KPD u. vertrat mit  Walter Bartel u.  Harry Kuhn die dt. Gefangenen im internat. Lagerkomitee, Block-, Lagerältester u. Kapo im Krankenbau. Mai 1945 stellv. Ltr. der pol. Polizei in Erfurt, Mitgl. der KPD-BL Thür.; Juni 1945 Ltr. des Landesarbeitsamtes in Weimar; Juli 1945 – Nov. 1946 1. Vizepräs. der Landesverw. Thür.; 1946 Mitgl. des Sekr. des SED-LV; Nov. 1946 – Mai 1947 Innenmin., Vors. der Landeskommission für die Bodenreform; Juli 1947 – 49 Vizepräs. der Dt. Verw. für Land u. Forst in Berlin; 1948 Mitgl. des agrarpol. Aussch. beim ZS der SED; 1949 Vors. des Zentralverb. der landw. Genossenschaften Dtl.; 18.4.1950 von sowj. Organen verhaftet u. am 27.2.1951 vom Militärtribunal der Garnison des sowj. Sektors der Stadt Berlin als angebl. Kriegsverbercher zu lebenslanger Haft verurteilt; im Sonderlager Nr. 6 Workuta (Republik Komi) gest.; 1.9.1956 parteinterne Rehabil. durch die ZPKK der SED; am 31.3.1990 von der Zentralen Schiedskommission der PDS rehabilitiert.Niethammer, L. (Hrsg.): Der »gesäuberte« Antifa. Die SED u. die kommunist. Kapos von Buchenwald. Berlin 1994.Helmut Müller-Enbergs / Bernd-Rainer Barth

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Büttner, Henry

* 12.11.1928

Geb. in Wittgensdorf; Malerlehre, Dekorateur u. Schildermaler; Plakatmaler im HO-Warenhaus Karl-Marx-Stadt; seit 1958 freischaff. Karikaturist; Arbeiten regelmäßig in der Ztschr. »Eulenspiegel« u. in and. Ztschr.; lebt zurückgezogen in Wittgensdorf. Seine Zeichnungen zeigen skurrile Alltagssituationen vor allem zwischen Männern und Frauen.Bravo, da capo. Berlin 1978; Gesellschaftsspiele. Berlin 1980; Das gute Beispiel. Berlin 1988; Krampflos in die nächste Runde. Berlin 1990; Das dicke Büttner-Buch. Berlin 1995; Männer sind auch nur Menschen. Berlin 2001.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Caden, Gert

* 10.6.1891 – ✝ 9.9.1990

Geboren am 10. Juni 1891 in Berlin, Sohn eines preußischen Generalleutnants. Er besuchte die Kadettenschule und gehörte dem Pagenkorps am sächsischen Königshof in Dresden an. Während des Ersten Weltkrieges wurde er zum Pazifisten, beendete seine militärische Laufbahn als Oberleutnant und wurde Kunstmaler. Studium an der Kunstakademie in Dresden, 1921 Anschluß an die Gruppe der internationalen Konstruktivisten (später von den Nazis als entartete Kunst verleumdet). Über Ernst Schneller und Hans Kippenberger fand er 1931 Anschluß an die KPD und wurde Mitarbeiter des AM-Apparates (Deckname Cello), knüpfte Kontakte in die Reichswehr und die Rüstungswirtschaft. Er wurde Mitglied der deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaft, gehörte dem Stahlhelm an und hatte Zugang zu Informationen aus der Stahlhelmführung. Nach 1933 konnte er seine Informationsverbindungen noch ausbauen und berichtete bis 1937 über Reichswehrübungen, Ausbildungseinrichtungen der Reichswehr und nahm an internen wehrpolitischen Diskussionen teil. Bis Mitte 1937 traf er sich in Paris bzw. in Prag mit Hermann Nuding und Ella Schwarz. 1938 emigrierte er nach Frankreich, 1939/40 Internierung, Anfang 1942 kam er über Marokko nach Kuba und wurde Mitbegründer und Leiter des Komitees deutscher Antifaschisten in Havanna, 1946 des »Freundeskreises Alexander von Humboldt«. Im Januar 1948 Rückkehr nach Deutschland, wurde Mitglied der SED und 1949 Leiter der 2. Deutschen Kunstausstellung in Dresden. 1949/50 Abgeordneter der Provisorischen Volkskammer und ab 1950 Stadtverordneter in Dresden, freischaffender Maler. Er arbeitete nach seiner Rückkehr nach Deutschland sowohl für den sowjetischen Nachrichtendienst KGB als auch für das MfS, erhielt 1978 den Nationalpreis der DDR. Gerd Caden starb am 9.September 1990 in Dresden.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Carlsohn, Hans

* 2.12.1928 – ✝ 18.7.2006

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Kupferschmied abgebrochen; RAD; 1945 Arbeit bei einem Sattler; ab 1946 als Heizungshilfsmonteur; 1946 SED; 1948 Einstellung bei der VP, Revier Leipzig, dann Bereitschaften in Großenhain, Küstrin u. Potsdam; Mitarb. für Pol.-Kultur; 1951 Einstellung beim MfS, HA Personenschutz, als persönl. Begleiter  Erich Mielkes; ab 1953 sein persönl. Ref.; 1971 Ltr. des Sekr. des Min.; 1983 VVO; 1985 Gen.-Major; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden, Jan. 1990 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Caspar, Günter

* 6.8.1924 – ✝ 8.7.1999

Geb. in Berlin; Vater Angest.; nach dem Abitur 1942 Wehrmacht; 1944 – 48 brit. u. amerik. Kriegsgefangenschaft. 1948 – 50 Studium der Geschichte in Berlin (drei Semester); 1948 SED; 1949 Journalist bei der »Täglichen Rundschau«, 1950 – 55 Red. u. Autor der kulturpol. Mon.-Ztschr. »Aufbau« (Ltg.:  Bodo Uhse); ab 1955 Lektor im Aufbau-Verlag, 1956 – 63 amtierender Cheflektor, danach bis 1989 Ltr. des Lektorats »Zeitgenöss. dt. Lit.«. Maßgebl. Förderer der DDR-Lit.; bes. Verdienste um die Publ. der Exillit. u. westdt. Autoren in der DDR; umfgr. Herausgebertätigkeit, u. a. »Ausgewählte Werke« von -> Hans Fallada (1962 – 87, 10 Bde.) u. »Gesammelte Werke« von Bodo Uhse (1974 – 83, 6 Bde.); Verf. zahlr. Nachworte, Kritiker u. Publizist (besonders für »Die Weltbühne« als Kaspar Borz); 1971 Wilhelm-Bracke-Medaille, NP (im Verlagskoll.); gest. in Berlin.Im Umgang. Zwölf Autoren-Konterfeis und eine Paraphrase. Berlin, Weimar 1984; Fallada-Studien. Berlin, Weimar 1988; Kaspar Borz. Ansichten eines Bücherfressers. Berlin 1988. Faber, E., Wurm, C. (Hrsg.): »Das letzte Wort hat der Minister«. Autoren- und Verlegerbriefe 1960 – 69. Berlin 1994; Wurm, C.: Der frühe Aufbau-Verlag. 1945 – 61. Konzepte und Kontroversen. Wiesbaden 1996.Frank Wagner

Handbuch Deutsche Kommunisten

Charpentier, Fritz

* 22.12.1869 – ✝ 2.8.1928

Am 22. Dezember 1869 in Norden/Aurich geboren; nach dem Besuch der Bürger- und Handelsschule in einer Privaten Lehranstalt zum Kaufmann ausgebildet. Kaufmann und Reisender im Rheinland und im Ruhrgebiet, vor dem Weltkrieg trat er der Sozialdemokratie bei. Als Kriegsgegner 1917 Mitglied der USPD, 1919 Parteisekretär in Solingen. Mit dem linken Flügel der USPD (Delegierter des Spaltungsparteitags) kam Charpentier 1920 zur KPD, übernahm als Sekretär die Leitung des UB Solingen. Ab 1921 Abgeordneter des Preußischen Landtags. Als Levi-Anhänger und Gegner der März-Aktion wurde er im Herbst 1921 in einer Funktionärssitzung von Vertretern der »Offensivtheorie« niedergeschlagen und verletzt. Charpentier blieb nach einigen Schwankungen (kurze Zeit gehörte er im Landtag zur »Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft« Paul Levis) in der KPD, er wurde Parteisekretär in Elberfeld. Anfang 1924 als Anhänger der Mittelgruppe Chefredakteur der Remscheider »Bergischen Volksstimme«. Im Juli 1924 von den Linken dieser Funktion enthoben und 1924 nicht wieder in den Landtag gewählt. Wegen seiner Aktivität bei den Aufstandsvorbereitungen 1923 polizeilich gesucht, emigrierte er nach Sowjetrußland, lebte in Leningrad und geriet in Opposition zum dortigen System. Die sozialdemokratische Presse berichtete 1928, Charpentier sei in Leningrad erschossen worden. Diese Meldung wies die »Rote Fahne« zurück und schrieb, Charpentier sei längere Zeit krank gewesen, im Juli in ein Moskauer Krankenhaus eingeliefert worden und dort am 2. August 1928 gestorben. Da die Gerüchte, Fritz Charpentier sei 1928 in der Sowjetunion im Gefängnis umgekommen, nicht verstummten, kam es zu Auseinandersetzungen in der rheinischen KPD.

dissidenten.eu

Bukowski, Wladimir

* 1942

Biologe, Menschenrechtler, Publizist und politischer Aktivist. Er gehörte zu den bekanntesten politischen Häftlingen in den 70er Jahren und machte als Autor die Zwangspsychiatrisierung von Andersdenkenden bekannt.Wladimir Bukowski wurde 1942 in Belebei in Baschkirien als Sohn des sowjetischen Schriftstellers und Journalisten Konstantin Bukowski geboren. Er wuchs bei seiner Mutter auf und ging in Moskau zur Schule, wohin die Familie nach der Kriegsevakuierung zurückgekehrt war. Seit seinem 14. Lebensjahr betrachtete er sich als Gegner des Kommunismus. 1959 wurde er für die Herausgabe der handgeschriebenen Zeitung „M-učenik“ (ein Wortspiel aus „učenik“ – Schüler und „mučenik“ – Märtyrer) von der Schule verwiesen. Aufgrund dieses Vorkommnisses wurde auch der Direktor der Schule entlassen. 1960 organisierte Bukowski gemeinsam mit Juri Galanskow, Eduard Kusnezow und anderen regelmäßige *Dichterlesungen auf dem Majakowski-Platz im Zentrum von Moskau. Im Frühjahr 1961 führte der KGB als Warnung ein Gespräch mit ihm. Im Herbst desselben Jahres fanden bei Bukowski und den aktivsten Teilnehmern der Dichtertreffen Hausdurchsuchungen statt. Bei einer dieser Durchsuchungen wurde ein Text von ihm beschlagnahmt, in dem er zur Demokratisierung des sowjetischen Jugendverbandes Komsomol aufrief. Diesen Text stufte einer seiner Untersuchungsrichter später als „Thesen zur Zersetzung des Komsomol“ ein. Bukowski beendete die Abendschule und begann ein Biologiestudium an der Moskauer Universität. Er wurde jedoch nicht zu den Prüfungen zugelassen und 1961 von der Universität verwiesen. Als 1962 im Zusammenhang mit den Prozessen gegen Wladimir Ossipow, Eduard Kusnezow und Ilja Bokstejn die Gefahr bestand, dass auch gegen Bukowski ein Strafverfahren eröffnet werden würde, fuhr dieser auf eine geologische Expedition nach Sibirien, wo er ein halbes Jahr lang blieb. Während seiner Suche nach einem eigenen Weg des Widerstandes gegen das sowjetische Regime in der ersten Hälfte der 60er Jahre zog Bukowski verschiedene Methoden des Kampfes in Erwägung, darunter auch die Konspiration. Am Ende gab er jedoch dem öffentlichen Widerstand den Vorrang. Ungeachtet dessen beschuldigte ihn die sowjetische Presse, Untergrundgruppen organisiert zu haben. Im Mai 1963 fertigte Bukowski mehrere Abzüge des Buches „Die neue Klasse“ von Milovan Đilas an. Diese Fotokopien konfiszierte der KGB bei einer Durchsuchung in seiner Wohnung. Nach seiner daraufhin erfolgten Verhaftung wurde Bukowski mit der Pseudo-Diagnose „paranoider Wahn“ in ein sogenanntes *psychiatrisches Krankenhaus besonderen Typs gesperrt. Dort lernte er Pjotr Grigorenko kennen. Nach knapp zwei Jahren wurde Bukowski im Februar 1965 entlassen. Ende 1965 wurde Bukowski erneut in die Psychiatrie gesperrt, diesmal wegen der Beteiligung an der Vorbereitung der *Glasnost-Kundgebung, die zur Unterstützung von Andrei Sinjawski und Juli Daniel organisiert worden war. Im Juli 1966 kam er dank der Bemühungen einer Delegation von *Amnesty International, die sich zur dieser Zeit in Moskau aufgehalten hatte, wieder frei. Bukowski war einer der Organisatoren der am 22. Januar 1967 stattfindenden *Demonstration auf dem Puschkin-Platz in Moskau. Vier Tage nach der Demonstration wurde er verhaftet. Der Prozess gegen ihn, Wadim Delone und Jewgeni Kuschew fand vom 30. August bis 1. September 1967 statt. Bukowski bekannte sich nicht schuldig und seine letzten Worte als Angeklagter fanden im Samisdat schnell Verbreitung. Er wurde nach Artikel 190, Absatz 3 des Strafgesetzbuches der RSFSR zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Nach der Verbüßung der Strafe in einem Lager für Kriminelle kehrte Bukowski im Januar 1970 nach Moskau zurück. Da ihn kein Betrieb anstellen wollte, arbeitete er als „literarischer Sekretär“ für die Dichterin Rachel Baumwol, der Mutter von Julius Telesin. Nach deren Ausreise nach Israel war er für Wladimir Maximow tätig, um so strafrechtliche Konsequenzen bei Nichtbeschäftigung wegen sogenannten „Schmarotzertums“ zu vermeiden. Bereits kurz nach seiner Freilassung aus dem Lager hatte Bukowski ausländischen Korrespondenten mehrere Interviews gegeben und von politischen Gefangenen, die psychiatrischen Repressionen ausgesetzt waren, berichtet. Auf diese Weise gelangte das Thema Zwangspsychiatrisierung an die Öffentlichkeit. Bukowski wurde daraufhin von der Staatsanwaltschaft vorgeladen und gewarnt, dass er vor Gericht gestellt werden würde, wenn er nicht aufhöre, Informationen über Menschenrechtsverletzungen an das Ausland weiterzugeben. Zugleich wurde er demonstrativ beschattet. Ungeachtet dessen setzte Bukowski seine Informationssammlung über den Psychiatriemissbrauch gegen Andersdenkende fort und veröffentlichte sie im Westen. Anfang 1971 richtete er einen offenen Brief an ausländische Psychiater, dem er Kopien der gerichtspsychiatrischen Gutachten von Pjotr Grigorenko, Natalja Gorbanewskaja, Waleria Nowodworskaja und anderen beifügte. Zeitgleich stellte er eine Dokumentensammlung über die politische Psychiatrie in der UdSSR zusammen, die auch Materialien über Personen enthielt, die für unzurechnungsfähig erklärt worden waren. Die Dokumentensammlung wurde im Ausland herausgegeben und löste dort ein starkes Echo aus. Auf die Publikationen im Westen reagierte der stellvertretende KGB-Chef Simejon Tschwigun in einem Artikel der Zeitschrift „Političeskoe samoobrazovanie“ (Politisches Selbststudium; Nr. 2/1971): Dort behauptete er, dass der Vorwurf des Psychiatriemissbrauches im Strafvollzug jeder Grundlage entbehre und Personen, die derartige Behauptungen im Westen tätigten, Verleumder im Auftrag ausländischer Geheimdienste seien. Im März 1971 wurde Bukowski das vierte Mal verhaftet. Vor seiner Festnahme erschien in der „Pravda“ noch der Artikel „Niščeta antikommunizma“ (Das Elend des Antikommunismus), in dem Bukowski als notorischer Rowdy dargestellt wurde, der antisowjetische Machenschaften verfolge. Bukowskis Prozess fand im Januar 1972 statt. Er wurde für die Verbreitung antisowjetischen Materials und dessen Verbringung ins Ausland angeklagt. Die Dokumente hätten, so die Anklage, die verleumderische Unterstellung enthalten, dass in der UdSSR gesunde Menschen in geschlossene psychiatrische Kliniken eingesperrt würden. Bukowski bemühte sich im Vorfeld darum, dass ihn die Rechtsanwältin Dina Kaminskaja verteidigen könne, diese Bitte wurde jedoch abgelehnt. In seiner letzten Aussage, in der Bukowski auf zahlreiche Fehler sowohl im Untersuchungsverfahren als auch im Prozessverlauf hinwies, versicherte er, dass sein Handeln nicht antisowjetisch gewesen sei: „Indem er mich verurteilt, verfolgt der Staat das Ziel, seine eigenen Verbrechen – die Psychiatrisierung von Andersdenkenden – zu vertuschen. […] Ich werde weiter um Recht und Gerechtigkeit kämpfen. Ich bedauere nur, dass ich in der kurzen Zeit von einem Jahr, zwei Monaten und drei Tagen, die ich in Freiheit war, zu wenig für dieses Ziel erreichen konnte.“ Das Moskauer Stadtgericht verurteilte Bukowski nach Absatz 1 von *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR zu sieben Jahren Lagerhaft, von denen die ersten zwei im Gefängnis zu verbüßen seien sowie anschließend zu fünf weiteren Jahren Verbannung. Die Prozesse gegen Bukowskis verursachten ein starkes öffentliches Echo. Die Dokumentation des ersten Prozesses wurde im Samisdat in der Dokumentensammlung „Delo o demonstracii 22 janvarja 1967 goda“ (Der Fall der Demonstration vom 22. Januar 1967) veröffentlicht, die von Pawel Litwinow zusammengestellt worden war. Zur Verteidigung Bukowskis setzten sich mehrfach die *Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR, Andrei Sacharow und später auch die *Moskauer Helsinki-Gruppe ein. Seine Strafe saß Bukowski erst im *Wladimir-Gefängnis und danach in den *Permer Lagern ab. Dort verfasste er zusammen mit seinem Mithäftling Semjon Glusman, einem Psychiater, das „Psychiatriehandbuch für Andersdenkende“ (Posobie po psichiatrii dla inakomyslaščich) als Unterstützung für Personen, die in Gefahr standen, von den Behörden entmündigt zu werden. 1974 wurde Bukowski wegen Hungerstreiks, Konflikten mit der Gefängnisadministration und wegen „notorischer Verstöße gegen die Lagerordnung“ zurück ins *Wladimir-Gefängnis verlegt. Die internationale Kampagne zu seiner Verteidigung nahm unterdessen ungewöhnliche Ausmaße an. Bukowski wurde zu einem der bekanntesten Dissidenten im Westen. Eine Schlüsselrolle spielte dabei seine Mutter Nina Bukowskaja, die sich kontinuierlich und mit Nachdruck an politische Führungspersönlichkeiten und gesellschaftliche Aktivisten im Westen wandte. Am 18. Dezember 1976 wurde Bukowski gefesselt, auf den Moskauer Flughafen verbracht und in die Schweiz abgeschoben. Dies war das Resultat komplizierter diplomatischer Verhandlungen und eines Austausches, in dem der chilenische Kommunistenchef Luis Corvalan, der während des Putsches von General Pinochet verhaftet worden war, freigelassen und in die Sowjetunion gebracht wurde. Kurz nach seiner Abschiebung aus der Sowjetunion wurde Bukowski im Weißen Haus von US-Präsident Jimmy Carter empfangen. Bukowski lebte später in England, wo er in Cambridge die Universität abschloss und ein Experte auf dem Gebiet der Neurophysiologie wurde. Er schrieb seine Erinnerungen, die in viele Sprachen übersetzt wurden und war Redaktionsmitglied der Pariser Exilzeitschrift *„Kontinent“. Auch im Westen nahm er an Kampagnen zur Verteidigung der Menschenrechte teil und war einer der Organisatoren des Boykotts der Olympischen Spiele 1980 in Moskau. 1983 entstand in Paris die Organisation „Internationale des Widerstands“(Internacional soprotivlenija), die zur Koordinierung der Zusammenarbeit von Emigrantengruppen gegründet wurde. Ihr Präsident war Bukowski, Vorsitzender Eduard Kusnezow und geschäftsführender Direktor Wladimir Maximow. Von 1983 bis 1988 setzte sich Bukowski für die Befreiung sowjetischer Soldaten ein, die von afghanischen Mudschaheddin als Geiseln genommen wurden. Nach dem Ende des Kommunismus trat Bukowski 1992 als Zeuge im Prozess gegen die KPdSU vor dem Russischen Verfassungsgericht auf. Bei den Vorbereitungen zu diesem Prozess erhielt er Zugang zu geheimen KPdSU-Akten aus dem Archiv des russischen Präsidenten, auf deren Grundlage er das Buch „Der Moskauer Prozess“(Moskovski process) verfasste. 2008 versuchte er erfolglos, für das Amt des russischen Staatspräsidenten zu kandidieren. Bis heute lebt Wladimir Bukowski in England.Владимир Константинович Буковский Vladimir Konstantinovič Bukovskij  Nikolai Mitrochin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 03/16

Wer war wer in DDR

Bunge, Hans

* 3.12.1919 – ✝ 27.5.1990

Geb. in Arnsdorf (Sachsen); Vater Zahnarzt, bereits 1929 gest., Stiefvater Polizeioffz.; 1938 NSDAP; 1939 – 43 RAD u. Wehrmacht, Hptm. u. Regt.-Adjutant; 1943 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft (in 14 versch. Lagern). 1949 Rückkehr nach Dtl. (Lünen, Westf.); Dez. 1949 Übersiedl. in die DDR zu seiner Jugendliebe nach Koserow (Usedom); 1950 – 53 Studium der Germanistik, Kunstwiss. u. Theatergeschichte in Greifswald; 1953 – 56 durch Vermittlung Ruth Berlaus Regie- u. Dramaturgieassistent am Berliner Ensemble; 1956 – 62 erster Ltr. des Bertolt-Brecht-Archivs, führte seitdem zahlr., allmähl. vielbeachtete Interviews mit Brecht-Mitarb. u. Schülern, u. a. mit  Hanns Eisler u. Ruth Berlau; 1957 Prom. über  Bertolt Brecht; 1962 – 65 nach persönl. Differenzen mit  Helene Weigel Wechsel in die Wiss. Abt. der DAK, zunächst Ltr. der Arbeitsgr. Hist.-krit. Ausgabe der Schriften Bertolt Brechts, dann Hrsg. der Sonderhefte »Sinn u. Form« zu Hanns Eisler, Thomas Mann u.  Willi Bredel; 1965 Mitgl. des PEN; 1965 nahm die Ltg. der DAK das 11. Plenum des ZK zum Anlaß, um den eigenwilligen Hrsg. u. Freund  Wolf Biermanns,  Heiner Müllers u.  Robert Havemanns fristlos zu entlassen (B. hatte ein Sonderheft mit neuer Dramatik, u. a. von Müller, vorgeschlagen, das  Wilhelm Girnus empört zurückwies); arbeitslos; 1968 – 70 Regisseur u. Dramaturg am Volkstheater Rostock, 1970 – 78 am Dt. Theater Berlin; 1976 Unterzeichn. des Protestbriefs gegen die Ausbürg. Biermanns; seit 1978 freiberufl. Autor; gest. in Berlin.Bertolt Brecht. Leben u. Werk. Berlin 1963 (zus. mit W. Hecht u. K. Rülicke); Fragen Sie mehr über Brecht. Hanns Eisler im Gespräch. München 1970; Brechts Lai-tu. Erinnerungen u. Notate von Ruth Berlau. Darmstadt u. Neuwied 1985 (zus. mit Gudrun Bunge); Die Debatte um Hanns Eislers »Johann Faustus«. Berlin 1991 (Hrsg.). H. B. zum Gedenken. In: Sinn u. Form (1990) 5.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Bürger, Annekathrin

* 3.4.1937

Geb. in Berlin; Vater Heinz Rammelt, Pressezeichner; Ausbildung zur Werbegestalterin, anschl. Bühnenbildassistentin und Requisiteurin am Theater Bernburg; von  Gerhard Klein für den Film »Eine Berliner Romanze« (1957) entdeckt, in dem sie an der Seite ihres späteren Ehemannes  Ulrich Thein die weibliche Hauptrolle spielt; anschl. dreijähriges Studium an der Film-HS in Potsdam-Babelsberg, daneben weitere Filmrollen in »Spur in die Nacht« (1957), »Tilmann Riemenschneider« (1958), an der Seite von  Angelica Domröse in  Slátan Dudows Studentengeschichte »Verwirrung der Liebe« (1959), in »Septemberliebe« (1960) und in der dt.-sowj. Koproduktion »Fünf Tage – fünf Nächte« (1961); 1959/60 Dt. Theater Berlin; 1960 dreijähriges Engagement am Theater der Bergarb. in Senftenberg, 1963 – 65 Mitgl. des DFF, seit 1965 ständ. Mitgl. des Ensembles der Volksbühne Berlin, daneben zahlr. Rollen in DEFA- u. DFF-Filmen unterschiedl. Genres, so unter der Regie von  Frank Beyer 1962 in »Königskinder«, 1964 in der vierteiligen Fallada-Adaption »Wolf unter Wölfen« (TV, R: Hans-Joachim Kasprzik), 1964/65 in »Mörder auf Urlaub« (DDR/Jug.), 1968 an der Seite und unter der Regie ihres zweiten Ehemannes  Rolf Römer, der viele Rollen für sie schrieb, in »Mit mir nicht, Madame«, 1969 in »He, Du« und »Tödlicher Irrtum«, 1971/72 in dem Indianerfilm »Tecumseh«, 1972 in »Die Bilder des Zeugen Schattmann« (TV); versch. Rollen in Kriminalserien des DFF, wie »Polizeiruf 110«, »Der Staatsanwalt hat das Wort« und in dem mehrteiligen TV-Spionagefilm »Das unsichtbare Visier« (1973, 1975), 1976 die Rolle der Hostess Jette in »Hostess«, 1977 in dem TV-Film »Ein Strauß roter Rosen«, in den Filmkomödien »Der Baulöwe« (1979), »Unser Mann ist König« (1980, TV) und »Der Teufel hat den Schnaps gemacht« (1981, TV), 1986/ 87 in der TV-Serie »Tiere machen Leute« und 1990 im TV-Film »Das Duell«, sowie weibl. Hauptrolle in »Der Rest, der bleibt« (R: Bodo Fürneisen); im In- und Ausland außerdem Auftritte als Chansoninterpretin mit eigenen Programmen ( Bertolt Brecht, Kurt Weill,  Hanns Eisler); Mitwirkung an der ARD-Serie »Tatort«; Auftritt bei der Kundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz am 4.11. 1989. 1990 – 97 Vorsitzende der Nat. Bürgerbew.; Engagement für Waisenkinder in der ehemal. Sowjetunion; als Schauspielerin vorwiegend in TV-Rollen, u. a. 1999 – 2007 »Tatort«.Der Rest, der bleibt. Erinnerungen an ein unvollkommenes Leben (mit K. Decker). München 2007.Monika Kaiser / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Bürger, Willi

* 7.3.1907 – ✝ 17.9.1988

Geb. in Hagen (Westf.); Vater Dreher u. Eisenhobler, Mutter Fabrikarb.; Volksschule; Ausbildung zum Schlosser; 1921 – 29 Arbeiter in Hagen; 1921 DMV; 1921 – 29 Soz. Proletarier Jugend bzw. SAJ u. ATSB; ab 1927 für den M-Apparat der KPD tätig, 1927 – 29 Mitgl. des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, dort im KPD-Auftrag opp. tätig, ausgeschl.; 1929 KPD; 1929/30 Hilfsarb. in Hohenlimburg; 1929 – 32 Mitgl. der LL der IG für Rote Sporteinheit; 1930 KPD-UB-Kassierer, dann Org.-Ltr. des UB Hagen, Instrukteur der BL Niederrhein; 1931 Rosa-Luxemburg-Schule Berlin; Mitarb. der RGO Niederrhein; 1933 Volontär KPD-BL Berlin-Brandenb. u. Kassierer in Stuttgart; 1.3.1933 verhaftet, wegen Waffenbesitz zu drei Wochen Haft verurteilt, Haft im KZ Heuberg u. Kuhberg (b. Ulm); 1934 Kassierer der KPD-UB Hagen; illeg. pol. Arbeit u. a. im Saargebiet; Grenzarbeit; 1935 in Paris Mitarb. in der zentr. Emigr.-Ltg. der KPD, dort Org.-Ltr.; 1936 techn. Mitarb. des westeurop. Büros der MOPR, mit Schleusung von KPD-Mitgl. über England nach Moskau befaßt; 1936 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, Adjudant des Chefs des Thälmann-Bat.  Ludwig Renn, dort Bat.-Fw., Bat.-Intendant des 3. Bat. »Hans Beimler«, Politkommissar der Intendanz der XI. Brigade, Operationsabt. des 2. Bat.; 1938 verwundet, sechs Mon. Lazarett; Febr. 1939 – 42 in Frankreich u. Nordafrika interniert, Mitarb. der engeren KPD-Lagerltg., beteiligt an Lagermeutereien; März 1939 Ausbürgerung aus dt. Staatsbürgerschaft; 1942 Auslieferung an die Gestapo; 1943 vom OLG Hamm wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1943 – 45 Haft in Münster. 1945/46 KPD/SED; 1945 Ltr. der KPD Hagen; 1946 – 50 MdL von NRW u. Stadtverordn. in Hagen; 1946 1. Sekr. der KPD-KL Hagen; 1946 – 48 Mitgl. der KPD-BL Süd/Westf. u. der KPD-LL NRW; 1949 Rüge wegen angebl. »undiszipliniertem Verhalten«; 1949 – 52 Mitarb. im N-Apparat (»Parteiaufklärung«) der KPD (Resident, Deckn. »Klaus«); 1952 Übersiedl. in die DDR, kurzz. verhaftet; 1952 Angest. im Planungsbüro des IFA-Fahrzeugwerkes in Zittau, 1954 – 57 BGL-Vors.; 1956 Hans-Beimler-Med., VVO; 1957 – 63 Offz. der NVA; stellv. Ltr. der Kontrollabt. im MfNV, Oberst; Mitarb. der SPK; 1958 – 60 Mitgl. der SED-KL der HV der NVA; ab 1963 Kaderltr. im AHB Maschinen-Export; 1964 Ruhestand; 1965 durch die HV A für inoffiz. Aufgaben in der Bundesrep. Dtl. reaktiviert; 1970 Kampforden für Volk u. Vaterland; Mitgl. des Bez.-Komitees Berlin des KdAW, Ltr. des Aktivs ehem. Spanienkämpfer in Berlin; 1977 VVO, 1987 KMO; gest. in Berlin.Roscher, A.: Es ging um das Wort. Gespräch mit W.B. In: Neue Dt. Lit. 1981 (3).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Burmeister, Friedrich

* 24.3.1888 – ✝ 25.7.1968

Geb. in Wittenberge; Vater Schlosser u. Lokführer; Mittel- u. Realschule; Mai – Okt. 1904 Volontär beim Magistrat von Parchim, Okt. 1904 – Febr. 1905 Schreiber bei der RA-Kanzlei Wolf in Parchim, 16.3.1905 Eintritt in den Postdienst als Postgehilfe beim Telegraphenamt Schwerin; 1906 Mitgl. des Dt. Postverb.; 1909 Prüfung zum Postassistenten, 1914 Postassistent in Berlin-Reinickendorf-West; 1914 – 18 Militärdienst, Infanterie- u. Fernsprechabt., 1919 erneut in Berlin-Reinickendorf tätig, 1.2.1919 Versetzung zur Oberpostdirektion (OPD) Schwerin, 1919 Ernennung zum Oberpostassistenten, 1920 zum Postsekr., 1920 zum Oberpostsekr., 1924 zum Postinspektor; 1922 – 24 Republikanische Partei, 1926 – 30 DDP; bis 1933 Vors. des Landeskartells Mecklenb.-Schwerin des Dt. Beamtenbundes; 1.4.1939 Ernennung zum Oberpostinspektor, Versetzung nach Karlsbad, 15.2.1943 Versetzung zur Reichspostdirektion nach Aussig. Juni 1945 Rückführung nach Chemnitz, Aug. 1945 Weiterreise nach Schwerin; 1945 CDU, Mitgl. des LV Mecklenb.; 1945/46 Oberpostinspektor, Abt.-Ltr. u. stellv. Ltr. der OPD Schwerin; ab Dez. 1946 – 49 Min. für Arbeit u. Sozialwesen der Landesreg. Mecklenb.; 1949 – 58 Mitgl. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 63 Min. für Post- u. Fernmeldewesen; 1955 VVO; 1959 Verdienstmedaille der DDR; 1960 Banner der Arbeit; 1963 VVO; 1968 Ehrenspange zum VVO; 1950 – 68 Mitgl. des CDU-HV, 1954 – 64 Mitgl. des Pol. Aussch. bzw. des Präs. des CDU-HV.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Buschmann, Werner

* 3.1.1931

Geb. in Lichtenstein; Vater Arbeiter. Ausbildung zum Verw.-Angest.; 1948 – 52 als solcher in örtl. staatl. Organen tätig; 1952 Ref. im Min. für Wirtschaft u. Arbeit des Landes Sachsen; 1952 – 61 Mitarb. der SPK; Fernstudium an der HU Berlin u. an der KMU Leipzig, 1957 Dipl.-Wirtsch.; 1961 – 64 Abt.-Ltr. im VEB Großdrehmaschinenbau »7. Okt.« Berlin; 1964 Abt.-Ltr. örtl. Industrie bzw. 1965 Abt.-Ltr. Wirtschaftsräte im Volkswirtschaftsrat; 1965 – 68 Abt.-Ltr. im Min. für Bezirksgeleitete Industrie u. Lebensmittelindustrie; 1968 – 76 Mitarb. des ZK der SED, u. a. stellv. Ltr. der Abt. Leicht-, Lebensmittel- u. Bezirksgeleitete Industrie beim ZK der SED, 1974 amtl. Ltr.; seit 1976 Staatssekr. u. 1. stellv. Minister für Bezirksgeleitete Industrie u. Lebensmittelindustrie; Dez. 1978 – 7.11.1989 Minister für Leichtindustrie (Nachf. von  Karl Bettin) u. Mitgl. des Min.-Rats; 1976 – 79 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1974, 1979 u. 1984 VVO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Busse, Ernst

* 24.11.1897 – ✝ 31.8.1952

Geboren am 24. November 1897 in Solingen, Sohn eines Schleifers; lernte auch Schleifer. 1916/17 Soldat, wegen Krankheit in die Rüstungsindustrie entlassen. 1918 Mitglied des Spartakusbundes, 1919 der KPD, ehrenamtlich Referent der BL Rheinland-Westfalen. 1925 in München-Gladbach zum hauptamtlichen DMV-Sekretär gewählt, blieb er bis 1930 in dieser Funktion. 1930 Ausschluß aus dem DMV. 1931 zusammen mit Bernhard Bästlein Leiter des Sekretariats der RGO im Bezirk Köln. Im Juli 1932 im Wahlkreis Koblenz-Trier in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Ab Januar 1933 RGO-Leiter in Thüringen, bis zu seiner Verhaftung im Oktober 1933 in Erfurt illegale Arbeit. Im November 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ab 1937 im KZ Buchenwald. Dort gehörte er zum illegalen »Parteiaktiv« und war deutscher Vertreter im Internationalen Lagerkomitee. Als Blockältester, 1. Lagerältester und zuletzt Kapo im Krankenbau, besaß er eine einflußreiche Position in der von der SS geduldeten Lagerselbstverwaltung. Nach der Befreiung stellvertretender Chef der Polizei in Weimar, leitete er die KPD-BL Thüringen. Nachdem die US-Besatzungstruppen abgezogen und die SMA gebildet war, wurde Busse 1. Vizepräsident der Landesverwaltung Thüringen bzw. ab Herbst 1946 Innenminister. 1946/47 gehörte er dem Sekretariat des SED-LV Thüringen an. Gegen Busse gab es seitens der Berliner KPD-Zentrale mehrere Untersuchungen und Anschuldigungen wegen seiner Rolle als Lagerältester in Buchenwald und Kapo im Krankenbau. Er wurde 1947 aus Thüringen nach Berlin berufen und als Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft politisch »kaltgestellt«. Gegen Busse ermittelten dann auch sowjetische Stellen wegen des Vorwurfs von Liquidierungen russischer Häftlinge im Krankenbau des KZ Buchenwald. Am 29.März 1950 zu einer Besprechung nach Berlin-Karlshorst einbestellt und dort vom NKWD verhaftet. Am 27. Februar 1951 wurde Busse vom Militärtribunal der sowjetischen Garnison in Berlin aufgrund des Kontrollratsgesetzes Nr. 10 als »Kriegsverbrecher« zu lebenslänglicher Lagerhaft verurteilt und am 11. Juni 1951 in das Sonderlager Nr. 6 in Workuta eingeliefert. Dort ist Ernst Busse am 31. August 1952 im Schacht 1 infolge der unmenschlichen Haftbedingungen umgekommen. Seine Frau Anna Busse (*13.10.1907 – †9.2.1984), Tochter eines Wäschereibesitzers, war Arbeiterin. Seit 1930 in der Kampfgemeinschaft rote Sporteinheit und im KJVD, 1931 in der KPD aktiv, ab 1933 illegale Arbeit für RGO Thüringen. Sie wurde im Oktober 1939 festgenommen und zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt, 1944 in Solingen erneut verhaftet. 1946/47 Sekretärin im thüringischen Innenministerium, von 1950 bis 1952 kaufmännische Angestellte und ab 1952 Instrukteurin bei der IG Druck und Papier der DDR. Sie bekam jahrelang keine Auskunft über den Aufenthalt ihres Mannes, erst nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurde ihr mündlich mitgeteilt, daß Busse verstorben sei. Mitte der sechziger Jahre zog Anna Busse in ihre Geburtsstadt Erfurt. Durch die ZPKK der SED wurde Ernst Busse 1956 nichtöffentlich »rehabilitiert«, blieb jedoch über dreißig Jahre in der DDR eine »Unperson«.Helmut Müller-Enbergs / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Büttner, Theodora

* 17.6.1930

Geb. in Thum (Erzgebirge); Vater kaufm. Angest., Mutter Verkäuferin; 1936 – 49 Besuch der Grund- u. OS; 1946 – 53 FDJ; 1949 – 53 Studium der Geschichte u. Anglistik (Lehrerin) an der Univ. Leipzig; 1953 SED; 1953 Assistentin am Inst. für Allg. Geschichte der KMU Leipzig, 1957 Prom. über die mittelalterl. sozial-religiöse Bewegung der Circumcellionen, 1965 Habil. mit einer Studie über die sozialökonom. Struktur Adamaous (Westafrika) im 19. Jh.; 1966 Doz. für Geschichte Afrikas am Afrika-Inst. der KMU, 1968 ord. Prof. für Geschichte Afrikas am Afrika-Institut, ab 1969 an der Sektion Afrika- u. Nahostwiss. der KMU; verh. mit dem Afrikanisten Kurt B. 1992 Vorruhestand. B. zählte zu den bekanntesten Afrika-Historikerinnen der DDR mit Forschungsschwerpunkt in der präkolonialen Geschichte Afrikas und der antikolonialen Befreiungsbewegung.Circumcellionen u. Adamiten. Berlin 1959 (m. -> Ernst Werner); Revolution u. Tradition. Leipzig 1971 (Hrsg.); Geschichte Afrikas. Bd. 1. Berlin 1976 (Hrsg. u. Mitverf.); Geschichte Afrikas. Bd. 4. Berlin 1984 (Hrsg. u. Mitverf.).Ilko-Sascha Kowalczuk

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Calītīs, Ints

* 1931

Widerstandskämpfer, der dreimal wegen seiner politischen Überzeugung inhaftiert wurde; Politiker.Ints Calītīs wurde 1931 in Riga geboren. Sein Vater – von Beruf Journalist – kam 1947 wegen der Anführung einer Untergrundgruppe in Haft. Verurteilt zu 25 Jahren Gefängnis, verbüßte er die gesamte Strafe und wurde erst 1972 entlassen. Ints Calītīs gründete 1947 im Untergrund eine Jugendorganisation, die zum politischen und ideologischen Arm des bewaffneten Widerstands werden sollte. Die Mitglieder dieser Gruppierung lernten intensiv Fremdsprachen, beschäftigten sich mit Geschichte, Topografie, Fotografie und Funktechnik, druckten und verteilten Flugblätter. Am 18. November 1948 wurden zehn Mitglieder der Organisation verhaftet und am 28. März 1949 vom Militärgericht des Baltischen Militärbezirks zu 25 Jahren Haft verurteilt. Calītīs kam in ein Straflager im Kolyma-Gebiet. Dort gab er eine kleine, handgeschriebene, illustrierte Zeitung in lettischer Sprache heraus. 1954 organisierte er einen Streik der Elektromonteure des Bergwerks „Cholodnyj“. 1955 wurde sein Urteil auf zehn Jahre reduziert, bereits im selben Jahr wurde Calītīs jedoch nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe aufgrund eines Beschlusses des Obersten Sowjets der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) aus der Lagerhaft entlassen. Sein Urteil wurde in lebenslange Verbannung in das Gebiet Magadan abgeändert. Erst nach einer Amnestie von 1956 erhielt er einen Personalausweis und das Recht, in die Heimat zurückzukehren. In Riga arbeitete er fortan als Elektriker im städtischen Wasser- und Kanalisationswerk und bildete sich in einer Abendschule weiter. In Riga ließ er seine Kontakte mit Bekannten aus dem Lager wieder aufleben, er suchte Gleichgesinnte unter Jugendlichen und Intellektuellen und nahm an Diskussionen zu aktuellen politischen Themen teil. 1958 wurde er erneut verhaftet. Am 30. September 1958 verurteilte ihn das Oberste Gericht der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik (LSSR) nach *Artikel 58, Paragraf 10 Strafgesetzbuch der RSFSR zu sechs Jahren Freiheitsentzug. Zur Last gelegt wurde ihm unter anderem der Besitz verbotener Literatur. Die Strafe verbüßte Calītīs in den *mordwinischen Lagern. Dort holte er das Abitur nach, bildete sich weiter, lernte Fremdsprachen und organisierte selbst Kurse in den baltischen Sprachen. Er schuf eine in der Gulag-Geschichte einzigartige Bibliothek lettischsprachiger Bücher mit rund 1.000 Bänden, die der Bibliothek von lettischen Gefangenen als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden. Calītīs war Mitorganisator von Festen zu nationalen und religiösen Feiertagen, so etwa anlässlich des Johannistages. Nach Verbüßung seiner Strafe kehrte er 1964 nach Riga zurück. 1968 fand in Calītīs' Wohnung ein Treffen estnischer, lettischer und litauischer Oppositioneller statt, auf dem beschlossen wurde, fortan zur Übermittlung von Informationen in den Westen in größerem Maße als bisher die Hilfe Moskauer Dissidenten in Anspruch zu nehmen. 1977 war Calītīs aktiv an der Gründung des *Allgemeinen Komitees der nationalen Bewegungen in Litauen, Lettland und Estland beteiligt. 1979 war er einer der Unterzeichner des *Baltischen Appells und sammelte Unterschriften auch für andere Petitionen und offene Briefe der Dissidenten aus den baltischen Ländern. Zu diesen Dokumenten gehörten unter anderen ein Aufruf an westliche Länder zur Verhängung eines Getreideembargos gegen die UdSSR und ein Memorandum an das Internationale Olympische Komitee (28. Januar 1980). Der KGB versuchte im Dezember 1979 vergeblich, Calītīs zur Emigration zu bewegen. Am 11. April 1983 wurde Calītīs zum dritten Mal verhaftet und am 23. September vom Obersten lettischen Gericht nach Artikel 65, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der Lettischen SSR (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilt. 1983/84 saß er im *Gefängnis von Tschistopol, bevor er in die *Permer Lager verlegt wurde. Im Juli 1986 kam er unter Auflagen aus der Haft frei (auf Grundlage eines Dekrets des Präsidiums des Obersten Sowjets der Lettischen SSR vom 20. Juni 1986). Calītīs kehrte erneut nach Lettland zurück, wo er bald darauf zum Vorsitzenden des Klubs für Umweltschutz (Vides Aizsardzības Klubs) gewählt wurde. Im April 1986 eröffnete er in seiner Wohnung die erste öffentliche Samisdat- und Tamisdat-Bibliothek Lettlands. Hilfe bei der Komplettierung der Bestände und der Bibliothekseinrichtung erhielt er von Moskauer Dissidenten, die er in den Straflagern kennengelernt hatte. 1990 übergab Calītīs den kompletten Bibliotheksbestand an die Lettische Staatsbibliothek. Der Gründungskongress der Informellen Volksfront wählte Calītīs 1989 zu einem der Vorsitzenden. Er gehörte außerdem als Vorstandsvorsitzender der Leitung der Lettischen Volksfront (Latvijas Tautas fronte) an, deren Ausschuss für Kontakte zu demokratischen Organisationen er leitete. Calītīs pflegte eine intensive Zusammenarbeit mit vielen unabhängigen Gruppen in Russland, Georgien, Armenien, Weißrussland und in der Ukraine. Bei der Parlamentswahl 1990 zog er als Abgeordneter der Lettischen Volksfront in den Obersten Sowjet der Republik Lettland ein, wo er sein Mandat bis Juni 1993 behielt. Nach der Unabhängigkeit Lettlands und dem Ende der sowjetkommunistischen Diktatur war er 1992–94 Vorsitzender der Demokratischen Zentrumspartei (Demokrātiskā centra partija), der ersten nichtkommunistischen politischen Partei der Republik Lettland. Calītīs wurde Vorsitzender der Stiftung für die Entwicklung der Demokratie in Lettland. 2010 war er an der Gründung der neuen Partei „Für eine Präsidialrepublik“ (Par prezidentālu republiku) beteiligt, mit der er im Jahr darauf – erfolglos – zu den Parlamentswahlen antrat.Inārā Serdāne Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung 08/17

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Čarnogurský, Ján

* 1944

Rechtsanwalt, katholischer Bürgerrechtler und Politiker. Verleger der unabhängigen Zeitschriften „Náboženstvo a súčasnost“ und *„Bratislavské listy“. Ján Čarnogurský wurde 1944 in Bratislava (Pressburg) geboren. 1969 beendete er sein Jurastudium an der Karls-Universität in Prag, zwei Jahre später erhielt er den Doktorgrad an der Comenius-Universität in Bratislava. Ab 1970 arbeitete er als Anwalt. Seit Oktober 1976 stand er unter Beobachtung durch den Staatssicherheitsdienst. Im Zusammenhang mit einer Warschaureise, auf der er einen der *Klubs der Katholischen Intelligenz (Kluby Inteligencji Katolickiej; KIK) aufsuchte und sich unter anderem mit Andrzej Wielowieyski traf, wurde er das erste Mal verhört. 1981 schloss man ihn aus der Anwaltskammer aus, da er sich für Dissidenten und Kirchenaktivisten eingesetzt hatte. Mit seiner Verteidigung der Unterzeichner der *Charta 77 wurde er einem größeren Kreis an Menschen bekannt – in der Slowakei gehörten zu den Unterzeichnern der Priester Marián Zajíček und Robert Gombík. 1981–82 arbeitete er als Fahrer und später wieder als Rechtsanwalt. Ab März 1987 war er arbeitslos. Čarnogurský war von 1982 bis 1984 Mitherausgeber der unabhängigen Zeitschrift „Náboženstvo a súčasnost“ (Religion und Gegenwart). Über die Herausgabe der Zeitschrift *„Bratislavské listy“ (Pressburger Blätter) informierte er das slowakische Kulturministerium in einem Brief vom 25. Juli 1988. Er publizierte ebenfalls in den Samisdatzeitschriften „Katolícky mesačník“ (Katholische Monatsschrift) und „Rodinné spoločenstvo“ (Familiengemeinschaft). Im Ausland veröffentlichte er in der in Zürich herausgegebenen slowakischen Exilzeitschrift „Horizonte“, in der Zeitschrift „Salisbury Review“ und in der kanadischen Zeitschrift „Obzory“ (Horizonte). Seine Texte wurden auch über *Radio Freies Europa verbreitet. Čarnogurský engagierte sich ebenso für die im Untergrund tätigen Franziskanermönche, die am 27. März 1983 von der Staatsicherheit festgenommen wurden. Die bekanntesten Diskriminierungsfälle gegen Gläubige und Geistliche in der Slowakei in den Jahren 1975–85 beschrieb er in seiner Arbeit „Den Gerichten überliefert“ (Vydajú vas), die er mithilfe von Gabi Arnova 1986 in Bern unter dem Pseudonym „Karol“ veröffentlichte. Er hatte Kontakt mit Jozef Jablonický, <a href="laender/slowakei/biografien/miroslav-kusy/" class="internal-link">Miroslav Kusý</a>, Hana Ponicka und <a href="laender/slowakei/biografien/milan-simecka/" class="internal-link">Milan Šimečka</a>, denen er auch rechtlichen Beistand leistete. Er traf sich weiterhin mit <a href="laender/tschechien/biografien/vaclav-benda/" class="internal-link">Václav Benda</a>, <a href="laender/tschechien/biografien/vaclav-maly/" class="internal-link">Václav Malý</a>, <a href="laender/tschechien/biografien/vaclav-havel/" class="internal-link">Václav Havel</a> und Stanislav Devátý. Zwischen 1988 und 1989 nahm er an im Ausland stattfindenden Treffen der polnischen und tschechoslowakischen Dissidenten teil. Er selbst unterhielt außerdem Kontakte zu polnischen Bürgerrechtlern, wobei ihm seine sehr guten Polnischkenntnisse halfen. Čarnogurský nahm auch Einfluss auf die Formulierung der *Charta 77, insbesondere zu Fragen der Religionsfreiheit (beispielsweise zur Schließung von Klöstern in der Tschechoslowakei) und der nationalen Minderheiten.Im Oktober 1987 unterschrieb er die „Erklärung zur Deportation der Juden aus der Slowakei“ (Vyhlásenie k deportáciám Židov zo Slovenska). Am 25. März 1988, am Tag der *Kerzendemonstration, die er zu organisieren mithalf, wurde er verhaftet. Ein halbes Jahr später, am 18. Oktober 1988, veröffentlichte er das Manifest „Demokratie für alle“ (Demokracie pro všechny) der *Bewegung für Bürgerfreiheit (Hnutí za občanskou svobodu; HOS). 1989 unterzeichnete er die Petition *„Einige Sätze“ (Několik vět). Außerdem unterstützte er die Arbeit der Bewegung „Initiative der Gesellschaftlichen Selbstverteidigung“ und des *Tschechoslowakischen Helsinki-Komitees (Československý helsinský výbor). Zum Todestag des Mitgründers der Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918–38), Milan Rastislav Štefánik, organisierte er mit anderen im Mai 1989 ein Treffen an dessen Grab in Brezová pod Bradlom. Am 15. August 1989 kam Čarnogurský ins Gefängnis. Er wurde angeklagt, während eines Treffens von Bürgerrechtlern in Predmier im Kreis Bytča am 4. Juli 1989 freie Wahlen und die Ehrung der Opfer vom *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968 verlangt sowie die Zeitschrift *„Bratislavské listy“ herausgegeben zu haben. Verhaftet wurde er für seine Zugehörigkeit zu den sogenannten „Pressburger Fünf“. Der Gerichtsprozess gegen diese Gruppe – zu der neben ihm auch <a href="laender/slowakei/biografien/miroslav-kusy/" class="internal-link">Miroslav Kusý</a>, Hana Ponická, Anton Selecký und Vladimír Maňak gehörten – schweißte die demokratische Opposition und die Untergrundkirche enger zusammen. Eine Petition für die Freilassung der Inhaftierten wurde von vielen Menschen unterzeichnet, unter anderem von <a href="laender/slowakei/biografien/jan-chryzostom-korec/" class="internal-link">Ján Chryzostom Korec</a> und Alexander Dubček. Auch westliche Länder übten politischen Druck auf die tschechoslowakische Regierung aus. Im September 1989 kritisierte US-Außenminister James Baker auf der Sitzung der Vereinten Nationen diesen Gerichtsprozess. Während der Gerichtsverhandlungen fanden wiederholt Demonstrationen zur Unterstützung der Inhaftierten vor dem Gerichtsgebäude statt. Im November 1989 nahmen an diesen Demonstrationen ungefähr 5.000 Menschen teil, unter ihnen auch Dubček. Im Zuge der der *Samtenen Revolution kam Čarnogurský am 10. Dezember 1989 wieder frei und wurde zwei Wochen später der erste Vizepremier in der Regierung der nationalen Verständigung unter Marián Čalfa. 1990 gründete er die Christlich-Demokratische Bewegung mit, dessen Vorsitzender er bis zum Jahr 2000 blieb. Ab Juni 1990 übte er das Amt des Vizepremiers in der slowakischen Regierung aus und war von April 1991 bis Juli 1992 Premierminister des slowakischen Teilstaates. Von 1992 bis 1998 saß er als Abgeordneter im slowakischen Parlament und war 1998–2002 Justizminister der Slowakischen Republik. Seit seinem Rückzug aus der Politik 2002 arbeitet Ján Čarnogurský wieder als Anwalt und betätigt sich publizistisch.Norbert Kmeť Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 08/15

Wer war wer in DDR

Castorf, Frank

* 17.7.1951

Geb. in Berlin; Vater Eisenwarenhändler; EOS, Abitur; 1969/70 Ausbildung bei der Reichsbahn; 1970 - 72 NVA (Grenztruppe); 1971 - 76 Studium der Theaterwiss. an der HU Berlin bei Ernst Schumacher, Rudolf Münz, Jochen Fiebach, Dipl.; zahlr. Reisen in die VR Polen zu Kulturveranstaltungen; 1976 - 78 Dramaturg am Bergarbeitertheater Senftenberg, erste Inszenierung: »Stückfragmente« von Brecht als Collage; 1978 Verweis am Theater wegen fehlender Dramaturgie-Konzeption zu »Handbetrieb«; Wechsel zum Stadttheater Brandenb., Inszenierung: 1980 »Golden fließt der Stahl« (zus. mit Manfred Rafeldt); anschließende Arbeitsrechtsprozesse (sein Anwalt war Gregor Gysi) führen zum Weggang; 1981 - 85 Oberspielltr. am Theater Anklam, Inszenierungen: 1981 »Die Nacht nach der Abschlußfeier«, 1982 »Die Schlacht«, »Othello«, 1983 »Der Auftrag«, 1984 »Trommeln in der Nacht«, Inszenierung auf Druck der SED-KL abgesetzt mit Einverständnis der Theaterltg. u. des FDGB-Krs.-Vorst., aber gegen den Willen der BGL des Theaters; Disziplinarverfahren u. »Strenger Verweis« nach Inszenierung von »Nora« (1985), Aufhebung des Arbeitsvertrages; ab 1986 Gastinszenierungen im Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt durch Förderung des Intendanten Gerhard Meyer: 1986 »Der Bau«, 1988 »Ein Volksfeind«; Arbeiten auch in Gera: 1986 »Clavigo« (Premiere in Greiz), Halle: 1986 »Bernarda Albas Haus« (neues theater halle), am Kleist-Theater Frankfurt (Oder): 1988 »Wolokolamsker Chaussee I-II-III« (Frankfurter Abend u. Heiner-Müller-Abend); an der Volksbühne Berlin (VB): 1988 »Das trunkene Schiff«, 1990 »Schillers Räuber«; 1988 Teiln. an der Heiner-Müller-Werkschau in Berlin (West) mit Diskussionsbeitrag; am Dt. Theater Berlin: 1988 »Paris, Paris« (Sojas Wohnung); ab 1989 Inszenierungen in der Bundesrep. Dtl.: 1989 »Hamlet« (Theater in der Kuppel, Köln), 1989 »Miss Sara Sampson« (Prinzregententheater München). 1990 »Stella« (Schauspielhaus Hamburg), Teiln. am Brecht-Seminar in Paris mit eigenem Diskussisonsbeitrag, 1991 »Torquato Tasso« (Residenztheater München); in der Schweiz: u. a. 1989 »Aias« (Basel) u. 1991 »Wilhelm Tell« (Basel); am Dt. Theater Berlin: 1990 »John Gabriel Borkmann« (Kammerspiele), 1992 »Hermes in der Stadt«; seit der Spielzeit 1992/93 Intendant der Volksbühne Berlin; Inszenierungen an der VB (bis 1995 VB OST) u. Nebenspielstätten in Berlin: 1992 »König Lear«, »Rheinische Rebellen«, »Fremde in der Nacht« (Kino Babylon), 1993 »Clockwork Orange«, »Frau am Meer«, 1994 »Pension Schöller«/»Die Schlacht«, »Die Sache Danton« (C. in der TR): Fritz-Kortner-Preis; Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1995 Podiumsdiskussion »Alles StaSi - außer Mutti«; Eröffnung des Prater als Nebenspielstätte (Prenzlauer Berg); 1995 »Nibelungen - Born Bad«, »Pelmeni« (Prater), »Gescheiterte Vorstellung« (Prater), 1996 »Golden fließt der Stahl«, »Der Auftrag«, 1997 »Trainspotting«, 1998 »Schmutzige Hände«, »Terrodrom«, 1999 Richard II. (Zyklus »Rosenkriege 1 - Das Eigentum«, Prater); Inszenierungen außerhalb u. a. 1993 »Alkestis« (Wiener Festwochen, Übernahme VB), 1995 »Raststätte oder Sie machen's alle« (Schauspielhaus Hamburg), 1998 »Die Fledermaus« (Schauspielhaus Hamburg, Gastspiel in der VB), 1999 »Die Tochter der Luft« (Burgtheater Wien), 2000 »Vaterland« (Schauspielhaus Hamburg); 2000 Theaterpreis Berlin der Stiftung Preuß. Seehandlung; 2001 »Berlin Alexanderplatz« (Schauspielhaus Zürich); 2002 Schillerpreis der Stadt Mannheim; 2002 u. 2003 »Regisseur des Jahres« (Ztschr. »theater heute«); 2003 Preis des Internat. Theaterinst. (ITI) u. Friedrich-Luft-Preis der »Berliner Morgenpost«; 2004 Intendant der Ruhrfestspiele; 2005 »Schuld und Sühne« (Wiener Festspiele).Drei junge Schauspieler zwischen Theorie u. Praxis, Ausbildung u. Beruf, Wollen u. Müssen. In: Schumacher, E. (Hrsg.): Darsteller u. Darstellungskunst in Theater, Film, Fernsehen u. Hörfunk. Berlin 1981. Wilzopolski, S.: Theater des Augenblicks: Die Theaterarbeit F. C. Eine Dokumentation. (Hrsg. vom Zentrum für Theaterdokumentation u. -information). Berlin 1992; Balitzki, J.: Castorf, der Eisenhändler. Theater zwischen Kartoffelsalat u. Stahlgewitter. Berlin 1995. Schütt, H.-D.: Die Erotik des Verrats. Gespräche mit F. C. Berlin 1996; Detje, R.: F. C. Provokation aus Prinzip. Berlin 2002.Aune Renk / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Chemnitz, Walter

* 10.9.1901 – ✝ 2.10.1947

Geboren am 10. September 1901 in Rudolstadt/ Thüringen; lernte Maurer. Von 1926 bis 1933 in der Stadtverordnetenversammlung in Lörrach/ Baden für die KPD aktiv, wurde im Oktober 1929 in den Badischen Landtag und im September 1930 in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Walter Chemnitz war Vorsitzender der RGO-BL Baden-Pfalz. Anfang 1933 hielt sich Chemnitz in der Schweiz auf und wurde wegen politischer Betätigung ausgewiesen, im April 1933 in Deutschland verhaftet und in das KZ Kislau gebracht. Nach seiner Freilassung emigriert, während des Spanischen Bürgerkrieges Soldat der Internationalen Brigaden. 1938 schwer verwundet, kehrte Chemnitz nach Deutschland zurück, arbeitete als Maurer in Rudolstadt und wurde dort im August 1938 verhaftet. Nach einem langjährigen Zuchthausaufenthalt gegen Kriegsende noch in eine Strafeinheit gepreßt. An der Ostfront eingesetzt, geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Walter Chemnitz starb am 2. Oktober 1947 in Kuibyschew (Samara).

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bulian, Otto

* 21.3.1886 – ✝ 4.2.1938

Geboren am 21. März 1886 in Gronowke/Krs. Thorn, Sohn eines Bahnwärters. Lehre und Arbeit als Schlosser u. a. im Gaswerk Thorn. Von 1906 bis 1908 Militärdienst, ab September 1908 bis Februar 1920 Schlosser bei der AEG in Berlin. Während des Krieges unabkömmlich gestellt, nach zeitweiliger Arbeitslosigkeit Schlosser bei »Knorr-Bremse« in Berlin-Lichtenberg bzw. in einer Zündholzfabrik in Berlin-Reinickendorf. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, seit Gründung der Partei 1919 in der KPD aktiv. 1923 im Militärapparat und anschließend im »Ordner-Dienst« der KPD. Ab Januar 1924 zunächst Lagerverwalter bei der Peuvag, ab Juni 1924 Expedient beim Kosmos-Verlag. Im Oktober 1925 wurde Bulian vom Staatsgerichtshof wegen illegaler Arbeit für den AM-Apparat zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Freilassung in den hauptamtlichen Apparat übernommen, 1929 kurze Zeit auch Sekretär für Gewerkschaftsfragen der BL Berlin-Brandenburg. 1928 Kandidat für die Reichstagswahlen, aber nicht gewählt. Bulian war bis 1933 wieder im AM-Apparat tätig und vor allem für Waffenbeschaffung verantwortlich. Er emigrierte in die Sowjetunion, arbeitete unter dem Parteinamen Wilhelm Baumert als Schlosser und Mechaniker in Moskau. Dort am 4.Februar 1938 vom NKWD verhaftet und am 29. Juli wegen des Vorwurfs der »Spionage« zum Tode verurteilt, wurde Otto Bulian am 10. August 1938 in Butowo erschossen.

Wer war wer in DDR

Bunke, Olaf

* 6.5.1935

Geb. in Berlin, nach Emigration der Eltern aufgewachsen in Argentinien, Schwester  Tamara B.; 1952 Übersiedl. in die DDR; 1954 Abitur; anschl. Studium der Math. an der HU Berlin, 1959 Dipl. u. 1960 Prom. mit der Arbeit »Neue Konfidenzintervalle für den Parameter der Binominalverteilung« bei  Erna Weber; 1966 Habil. an der FSU Jena; 1967 Prof. mit Lehrauftrag, 1969 – 1992 ord. Prof. für Math. / Mathemat. Statistik u. Dir. der Bereiche »Mathemat. Methoden in der Ökonomie, Technologie u. Planung«, »Operationsforschung« sowie »Wahrscheinlichkeitstheorie u. Mathemat. Statistik« der Sektion Math. der HU Berlin, dort anschl. bis 2003 C4-Prof.; 1964 – 1970 zugl. Bereichsltr. am Inst. für Reine Math. der DAW (später ZI für Math. u. Mechanik der AdW); 1969 Gründer u. Chefred. der Ztschr. »Mathemat. Operationsforschung u. Statistik« bzw. ab 1976 »Statistics: A Journal of Theoretical and Applied Statistics«; zeitw. verh. mit  Helga Königsdorf; 1970 korr. Mitgl., 1976 ord. Mitgl. der AdW; 1976 NP. 2003 em.; lebt in Berlin. Arbeitsgebiete: Wahrscheinlichkeitstheorie u. mathemat. Statistik sowie Operationsforschung; Beiträge zu optimalen Schätzungen u. ihren asymptotischen Eigenschaften bei Regressions- u. semiparametrischen Modellen zu Verfahren der Vorhersage u. Modellwahl.Statistical methods of model building. 1986 (Hrsg. mit H. Bunke); Nonlinear regression, functional relations and robust methods. 2 Bände, New York 1989 (Hrsg. mit H. Bunke); Operationsforschung u. mathemat. Statistik, Bde. 1 u. 2, Berlin 1968 u. 1970; Gemeinsames Arbeitsseminar »Nichtlineare Regression«. Berlin 1986 (Hrsg. mit E. Jolivet).Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Bürger, Kurt

* 27.8.1894 – ✝ 28.7.1951

Geb. in Karlsruhe; Vater Metallarb.; Volksschule; 1908 – 11 Ausbildung zum Schlosser in Baden-Baden; dort 1911/12 Hilfsmonteur; 1912 SPD, DMV; 1912/13 Schlosser in München; 1913 Wanderschaft; 1914 – 17 Militärdienst, als dienstuntaugl. entlassen; 1917 – 19 Schlosser in München; Nov. 1918 Mitgl. des Arbeiterrats in München; 1919 Mitbegr. der KPD Bayern; April/Mai 1919 Kdr. einer militär. Einheit der Bayr. Räterep. (»Rote Garde«); nach deren Niederschlagung von einem Standgericht zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, 1919 – 23 Einzelhaft im Zuchthaus Straubing (Bayern); 1923 Schlosser in München, aus pol. Gründen entlassen; 1923 Mitarb. des M-Apparates der KPD Bayern, 1924 UB-Ltr. München; 1924 vom Sondergericht München wegen Fortführung der illeg. KPD zu fünf Mon. Haft verurteilt; 1924 – 27 versch. Funktionen im M-Apparat (»Erich«); 1926/27 U-Haft in München, Berlin u. Leipzig; 1927 – 29 Volontär von »Die Volksztg.«; 1928 wegen »Zersetzungstätigkeit unter der Reichswehr u. Polizei« vom Reichsgericht zu einem Jahr Festungshaft verurteilt; 1929 – 33 Mitarb. des ZK der KPD, dort 1929/30 im M-Apparat, anschl. des Pressedienstes u. der Org.-Abt., 1932 stellv. Ltr. der Abt. gegen Fasch. u. Sozialfasch.; 1933 illeg. pol. Arbeit, Reorg. des Kurier- u. Verbindungsdienstes des ZK der KPD (»Lukas«, »Kurt Krüger«, »Kurt Bürger«); Sept. 1933 Emigr. in die UdSSR; 1933/ 34 Mitarb. des EKKI, stellv. Ltr. der Org.-Abt. für Mitteleuropa; 1934 – 36 Mitarb. der Profintern, stellv. Ltr. der Presseabt. u. Mitarb. des Gen.-Sekr.; Okt. 1936/37 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg (»Karl Eiche«), XI. u. XIII. Intern. Brigade, Etkar-André-Btl., Kommissar beim Stab der Internat. Brigaden in Albacete, dort als Mitarb. der dt. Kaderabt. mit »Säuberungen« von »Trotzkisten« u. »Agenten« befasst; Apr. 1937 schwere Herzerkrankung, zur Operation nach Paris; März 1938 Rückkehr in die UdSSR; 1938/39 Red. der »Dt. Ztg.« in Moskau, 1939 – 41 Oberlehrer am Sprachinst. in Moskau; 1940 sowj. Staatsbürgerschaft; 1941 – 45 Arbeit unter dt. Kriegsgefangenen, ab Sept. 1941 als Instrukteur, in den Kriegsgefangenenlagern Nr. 95 u. 158. 6.5.1945 Rückkehr nach Dtl. als Mitgl. der KPD-Initiativgr.  Gustav Sobottka für Mecklenb.; 1945 Mitarb. u. Vors. der KPD-LL Mecklenb. (Nachf. von  Gustav Sobottka), Mitgl. des Kleinen Sekr.; ab 1946 Ko-Vors. des LV bzw. 1. Sekr. der LL Mecklenb. (Nachf. von Gustav Sobottka); Mitgl. des PV bzw. des ZK der SED; Abg. des Landtags Mecklenb., SED-Fraktionsvors.; 1949 Vors. des Rechtsaussch. u. Mitgl. des Justizaussch.; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer; 1950 Mitgl. des NR der NF; 1951 Min.-Präs. des Landes Mecklenb. (Nachf. von  Wilhelm Höcker); gest. in Schwerin; 1952 Benennung eines Fußballstadions in Wismar nach K. B.SED-KL Schwerin (Hrsg.): K. B. Revolutionär u. Kämpfer. Schwerin 1981; K. B. In: Bezirkskomm. zur Erforschung der Gesch. der örtl. Arbeiterbew. (Hrsg.): Rev. Kämpfer. Schwerin 1981; Kaufmann, B. u. a.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937. Berlin 1993.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Burghardt, Max Georg Emanuel

* 27.11.1893 – ✝ 22.1.1977

Geb. in Wickendorf (Mecklenb.), ab 1897 aufgew. in Berlin; Vater Ziegeleibesitzer, Bau-Ing.; Mutter Inhaberin eines Konfitüregeschäfts; Realschule (aus fam. Gründen nicht abgeschlossen); 1911 – 13 Ausbildung zum Buchhändler in Rostock; 1913/14 Studium an der Maria-Moissi-Schauspielschule Berlin; 1914 – 18 als Freiwilliger Militärdienst, Dragoner-Rgt. 17 in Ludwigslust, Einsatz an allen Fronten; 1919 als Gefr. entlassen; 1919/20 Schauspielunterricht bei Josefa Flora; ab 1920 Engagements als Schauspieler u. a. in Bremen, Rostock, Lübeck, Plauen, Münster, Erfurt u. Berlin; 1930 KPD; 1930 – 35 Schauspielhaus Stuttgart u. Mitarb. beim Stuttgarter Sender; seit 1933 illeg. pol. Arbeit für die KPD-BL Stuttgart, Kurierdienste in der Schweiz; Dez. 1935 Verhaftung in Stuttgart wegen illeg. Arbeit in der Gruppe Lilo Herrmann, nach U-Haft Nov. 1937 vom OLG Stuttgart Verurteilung zu viereinhalb Jahren Zuchthaus wegen Vorb. zum Hochverrat; 1935 – 40 Haft im Zuchthaus Ludwigsburg u. ab 1941 KZ Welzheim/Württ., anschl. unter Polizeiaufsicht; 1941 – 43 Registraturangest. der Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG in Bremen; 1943 – 45 kriegsdienstverpflichtet an die Bremer Atlaswerft, 1941 – 45 DAF, Ende 1944 Volkssturm Berlin. 1945 Red. beim NWDR Stuttgart, freier Schriftsteller; 1946 Wiedereintritt in die KPD, Mitbegr. des KB zur demokrat. Erneuerung Dtl. u. des Kampfbunds gegen den Fasch. in Bremen; Febr. 1946 Red. beim NWDR Hamburg. Mai 1946 – Aug. 1947 Intendant des Senders Köln des NWDR, holte  Karl-Eduard von Schnitzler u.  Karl Gass in die neue »Pol. Abt.« des NWDR; Aug. 1947 Entlassung aus polit. Gründen auf Veranlassung der CDU (Adenauer) u. der brit. Alliierten; Okt. 1947 Übersiedl. in die SBZ, SED; Nov. 1947 – Juli 1950 Obmann der Abt. Kunst u. Lit. bzw. Ref.-Ltr. Musik u. Theater bei der Dt. ZV bzw. im Min. für Volksbildung Berlin; 1950 – 54 Gen.-Intendant der Städt. Theater Leipzig; 1951 – 77 Mitgl. der DAK/AdK; 1952 NP; 1953/54 Kand. der SED-BL: Leipzig; Aug. 1954 – 63 Intendant der Dt. Staatsoper Berlin, 1955 Inszen. von Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« anläßl. der Wiedereröffnung des Gebäudes der Staatsoper Unter den Linden; schriftsteller. Tätigkeit; 1954 – 59 Kand., 1959 – 77 Mitgl. des ZK der SED; 1958 Prof.; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1958 – 67 Präs. des KB (Nachf. von  Johannes R. Becher); 1959 NP; 1963 u. 1965 VVO; 1967 – 78 Vors. des Präsidialrats des KB; Mitgl. des NR der NF; 1968 KMO, Dr. h. c. der Phil. Fak. der HU Berlin; 1970 KMO; 1973 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Briefe, die nie geschrieben wurden. Lilo Herrmann zum Gedächtnis. Berlin 1967; Fürchtet euch nicht. Berlin 1968; Ich war nicht nur Schauspieler. Erinnerungen eines Theatermannes. Berlin, Weimar 1972.Andreas Kölling / Bernd-Rainer Barth

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Burwitz, Max

* 9.2.1896 – ✝ 22.3.1974

Geb. in Anklam; Vater Beamter; Volksschule u. Gymnasium, 1910 – 14 Lehrerseminar in Anklam; 1914 – 19 Militärdienst u. brit. Kriegsgefangenschaft; 1919 / 20 Lehrerseminar in Anklam; 1920 – 22 Hilfslehrer in Anklam; 1922 / 23 Gewerbelehrerseminar in Berlin-Charlottenburg; 1923 – 33 Gewerbeoberlehrer an der Städt. Berufsschule in Anklam; 1924 SPD, 1924 – 33 Stadtverordn. u. Mitgl. des Kreisaussch. der SPD in Anklam; 1933 aus dem Schuldienst entlassen, Arbeit als Versicherungsvertreter; 1939 / 40 Wehrmacht; 1943 – 1945 dienstverpflichtet. Mai 1945 Bürgermeister von Eldena; Aug. 1945 Kulturdezernent der Stadtverwaltung Greifswald; 1946 SED; 1947 OB von Greifswald; 1949 – 52 OB von Rostock (Nachf. von Albert Schulz), 1952 – 1961 Ltr. des Staatl. Vertragsgerichts des Bez. Rostock u. Mitgl. der SED-BL Rostock; 1961 – 65 Lehrer für Staatsbürgerkunde an der 1. EOS Rostock; VVO in Gold; gest. in Rostock.Andreas Herbst

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Buschner, Georg

* 26.12.1925 – ✝ 12.2.2007

Geb. in Gera; seit 1935 aktiver Fußballspieler, 1. SV Gera; OS, Abitur; 1943 – 45 Wehrmacht (Luftwaffe). 1945/46 Bauarb.; 1946/47 Neulehrer; 1947 – 52 Sport- u. Geschichtsstudium an der FSU Jena; Lehrer; SED; 1952 – 58 HS-Lehrer für Sportgeschichte u. -spiele, 1952 – 58 Fußballspieler bei SC Motor Jena; 1954 – 57 sieben Länderspiele, 69 Oberligaspiele; 1958 – 63 Hochschuldoz. u. nebenberufl. Trainer bei Carl Zeiss Jena, ab 1963 hauptamtl.; 1966-71 inoffizielle Zusammenarb. mit dem MfS (GMS "Georg"); 1970 – 81 Fußball-Nationaltrainer (Nachf. von Harald Seeger), 115 Länderspiele (60 Siege, 23 Niederlagen, 32 Unentschieden), größte Erfolge: 1972 Olymp. Spiele 3. Platz, 1974 Weltmeisterschaften 6. Platz, 1976 Olymp. Spiele Sieger; 1981 entlassen, ab 1983 Invalidenrentner; gest. in Jena.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bussow, Carl

* 24.1.1887 – ✝ 3.9.1972

Am 24. Januar 1887 in Boizenburg geboren; übersiedelte er 1905 nach Hamburg und wurde Hafenarbeiter. Bussow kam mit der linken USPD 1920 zur KPD, in der er verschiedene Funktionen ausübte, u. a. wurde er 1924 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. 1926 als Ultralinker aus der KPD ausgeschlossen, legte Bussow sein Mandat nieder und zog sich aus der Politik zurück. Carl Bussow starb am 3. September 1972.

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Butzmann, Manfred

* 14.9.1942

Geb. in Potsdam; Vater Gärtner. 1945 – 55 in Eutzsch (b. Wittenberg); 1961 Abitur; 1961 – 64 Ausbildung zum Offsetretuscheur in Berlin u. Arbeit in Potsdam; ab 1962 im Malzirkel von  Magnus Zeller in Caputh (b. Potsdam); 1964 – 69 Grafikstudium an der Kunst-HS Berlin-Weißensee bei  Arno Mohr,  Werner Klemke u.  Klaus Wittkugel; 1969/70 dort Aspirant für Grafik; seit 1970 freischaff. in Berlin-Pankow; 1971 VBK; 1973 – 77 Mstr.-Schüler an der AdK bei Werner Klemke, Unterbrechung durch Einberufung als Reservist der NVA; zunächst Buchillustrator, ab 1977 neben Druckgrafik u. Aquarellen zahlr. Fotoplakate u. Postkarten im Eigenauftrag; krit. Interpret der Berliner Stadtlandschaft; vom unmittelbaren Umfeld in Berlin-Pankow ausgehend, Initiator von Aktionen zu Umweltbewußtsein u. Stadtgestaltung; Ausstellungen u. a. 1971 in Berlin-Pankow, Krs.-Kulturhaus; 1979 Halle, Staatl. Galerie Moritzburg, 1988 Haus am Lützowplatz, Berlin; 1989/90 Mitarb. im Untersuchungsaussch. zu den polizeil. Übergriffen vom 8./9.10.1989 in Berlin. 1990 Projekt für eine Friedensallee Am Tiergarten; 1990 Lupine-Projekt (initiierte die Aussaat von Lupine auf dem Gelände der abgerissenen Berliner Mauer); 1991 Kollwitz-Preis der AdK; 1993 3. Preis für den Entwurf eines Mahnmals zur Bücherverbrennung in Berlin; Ausstellungen 1999, 2004 u. 2007 in Berlin, 2000 in Bremen, 2005 in Potsdam u. Bergen (Rügen); lebt seit 2005 in Potsdam-Bornim. Werke: u. a. Grafikfolgen: Eindrücke (1976); Steinernes Berlin (1981 – 86); Plakate: X. Weltfestspiele (1973); Heimatkunde (1983); u. ich will bei euch wohnen (1985); Brüder, es brennt (1991); Hasenfahnenfest (1992).Parallel. Berlin 1996; Heimatkunde 1979 – 1989 – 1999. Cottbus 1999; Die Lawine von morgen u. der Schnee von gestern. Berlin 2003. Kat. Steinernes Berlin. Aquatinta-Radierungen von M. B. Berlin. Haus am Lützowplatz. 1988; Kat. K. Knebel/M. B. Käthe-Kollwitz-Preisträger. AdK Berlin 1991; Kat. M. B. Heimatkunde. Museum für Gestaltung. Zürich/Kunstdienst der Ev. Kirche. Predigerkloster Erfurt. 1993. AnS

Handbuch Deutsche Kommunisten

Callam, Albert

* 31.1.1887 – ✝ 1.3.1956

Geboren am 31. Januar 1887 in Stolp/Pommern, Sohn eines Bautechnikers, ab dem 11. Lebensjahr Waise. Maurer und Fliesenleger in verschiedenen Städten Deutschlands und der Schweiz. 1907 Mitglied der SPD, bis 1914 politische Arbeit in der Schweiz (u. a. mit Fritz Heckert). Von 1915 bis 1918 Soldat. 1916 schloß er sich der Spartakusgruppe in Chemnitz an und wurde 1917 Mitglied der USPD, 1919 der KPD. Er war bis 1933 Geschäftsführer von KPD-Verlagen und Druckereien, u. a. der »Neuen Zeitung« in Jena. Zeitweise leitete er auch den Verlag des Zentralorgans »Die Rote Fahne«. Auf dem VIII. Parteitag 1923 in Leipzig in die Revisionskommission der KPD gewählt. Callam wurde am 30. April 1933 in Breslau verhaftet und bis Februar 1934 im KZ Esterwegen festgehalten, emigrierte im Mai 1934 nach Prag, 1937 nach Frankreich. Hier war er u.a. für den Druck illegaler Materialien der KPD-Auslandsleitung zuständig. Im September 1939 interniert, gelang Callam im Dezember 1941 die Ausreise nach Mexiko, wo er von 1942 bis 1946 als Verlagsleiter bzw. Geschäftsführer der Zeitschrift »Freies Deutschland« tätig war. Im Mai 1946 reiste er gemeinsam mit Alexander Abusch und Paul Merker über Wladiwostok nach Deutschland, im Juli 1946 trafen sie in Berlin ein. Er wurde Mitglied der SED, zeitweilig Geschäftsführer beim Berliner Verlag. Albert Callam starb am 1. März 1956.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Caro, Walter

* 19.6.1906 – ✝ 15.8.1988

Geboren am 19. Juni 1906 in Berlin, Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Er besuchte das Sophiengymnasium in Berlin und begann im Oktober 1924 ein Studium, zunächst der Philosophie, dann der Chemie, 1930 promovierte er am Kaiser-Wilhelm-Institut für Faserstoffchemie in Berlin. Bis 1931 dort als Chemiker tätig, dann arbeitslos. Seit 1926 KJVD-Mitglied, 1930 trat er in die KPD ein, gehörte deren AM-Apparat an und übernahm Aufgaben für den sowjetischen Nachrichtendienst. Er selbst schrieb über seinen Lebenslauf im Oktober 1953: »Von Mitte 1930 an arbeitete ich in einer Sonderabteilung des ZK der KPD. Von 1932 bis 1951 war ich bezahlter politischer Funktionär. Aus dieser Tätigkeit schied ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland auf eigenen Wunsch aus, um mich einer wissenschaftlichen Laufbahn zu widmen. 1935-1951 war ich im Ausland (Sowjetunion, China, USA). Über meine Tätigkeit von 1930 bis 1951 kann das ZK der SED Auskunft geben.« Nach seiner Rückkehr in die DDR 1951 zunächst Chemiker, ab Ende 1953 am Physikalisch-Chemischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, habilitierte er sich 1963 bei Robert Havemann. Bis Ende 1968 Dozent für physikalische Chemie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Walter Caro ging im November 1972 nach West-Berlin, wo er am 15. August 1988 starb. Caros erste Lebensgefährtin Erna Eifler (* 31. 8. 1908 in Berlin) arbeitete als Stenotypistin. Seit 1927 Mitglied des KJVD, bis 1930 bei der sowjetischen Handelsvertretung tätig, 1930/31 in Moskau. Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland Mitglied der KPD und Einsatz im AM-Apparat (Betriebsberichterstattung, Abteilung Chemie), wo sie mit Walter Caro zusammenarbeitete. Im Februar 1935 ging sie nach Moskau, dort Mitarbeiterin der 5. Abteilung der Roten Armee (GRU), hielt sich von Ende 1935 bis August 1938 mit Walter Caro in China auf. Sie erhielt eine nachrichtendienstliche Ausbildung und wurde im August 1939 in den Niederlanden eingesetzt. Nach Kriegsausbruch Rückkehr in die Sowjetunion. Im Mai 1942 Fallschirmabsprung bei Allenstein/Ostpreußen. In Berlin scheitert ihre Kontaktaufnahme, sie reiste weiter nach Hamburg, wo sie am 15. Oktober 1942 verhaftet wurde. Nach Gestapo-Verhören in Hamburg und Berlin Anfang Juli 1944 in das KZ Ravensbrück eingeliefert, dort wurde Erna Eifler am 7. Juli 1944 ermordet.

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Cebulla, Julius (Johannes)

* 30.6.1917 – ✝ 24.3.1999

Geb. in Brünne (Krs. Oppeln, Oberschles./ Brynica, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Tischler; 1937 RAD; 1938 – 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Eintritt in die DVP/ KVP, Wachtposten, Kdo.-Ltr. bzw. Hauskommandant; 1949/50 Studium an der Höheren Polizeischule in Kochstedt (Dessau); 1950 – 53 Ref.-Ltr. bzw. Instrukteur in der HVDVP, zul. Hptm.; 1951 SED; 1953 Instrukteur bzw. ab 15.7.1954 stellv. Ltr. der Abt. Verkehr im ZK; 1956 – 59 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; außerplanm. Aspirant an der HU Berlin, 1971 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1959 – 86 erneut stellv. Ltr. der Abt. Verkehr, 1986 – 89 Ltr. der Abt. Verkehr des ZK der SED, zuständig für verdeckte Verbindungen, Transporte von anderen kommunist. Parteien (Nachf. von  Josef Steidl).Andreas Herbst

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Chemnitzer, Johannes (Hans)

* 24.3.1929

Geb. in Wildenfels (Krs. Zwickau); Vater Arbeiter; Volks- u. Handelsschule; 1946 FDJ, SED; 1948 – 51 Studium an der FS für Landw. in Zwickau u. Elbisbach, staatl. geprüfter Landwirt; 1949 FDGB; 1952 – 55 Sekr. für Landw. in der SED-KL Zwickau-Land; 1955 –58 PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 62 Sekr. für Landw. in der SED-BL Gera (Nachf. von Rudolf Bahmann), 1961/ 62 Vors. der Ständ. Kommission für Landw. des Bez.-Tags Gera; 1963 – 89 1. Sekr. der SED-BL Neubrandenb. (Nachf. von  Georg Ewald); 1963 – 16. Nov. 1989 Abg. des Bez.-Tags Neubrandenb. sowie der Volkskammer; ab 1967 Mitgl. des ZK der SED; 1974 VVO; 1973 – 89 Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 1979 KMO; 8.11.1989 Kand. des PB u. Sekr. für Landw. des ZK der SED, 10.11. der Parteifunktionen enthoben, 13.12. aus der SED ausgeschlossen.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs