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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Busse, Ernst

* 24.11.1897 – ✝ 31.8.1952

Geboren am 24. November 1897 in Solingen, Sohn eines Schleifers; lernte auch Schleifer. 1916/17 Soldat, wegen Krankheit in die Rüstungsindustrie entlassen. 1918 Mitglied des Spartakusbundes, 1919 der KPD, ehrenamtlich Referent der BL Rheinland-Westfalen. 1925 in München-Gladbach zum hauptamtlichen DMV-Sekretär gewählt, blieb er bis 1930 in dieser Funktion. 1930 Ausschluß aus dem DMV. 1931 zusammen mit Bernhard Bästlein Leiter des Sekretariats der RGO im Bezirk Köln. Im Juli 1932 im Wahlkreis Koblenz-Trier in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Ab Januar 1933 RGO-Leiter in Thüringen, bis zu seiner Verhaftung im Oktober 1933 in Erfurt illegale Arbeit. Im November 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ab 1937 im KZ Buchenwald. Dort gehörte er zum illegalen »Parteiaktiv« und war deutscher Vertreter im Internationalen Lagerkomitee. Als Blockältester, 1. Lagerältester und zuletzt Kapo im Krankenbau, besaß er eine einflußreiche Position in der von der SS geduldeten Lagerselbstverwaltung. Nach der Befreiung stellvertretender Chef der Polizei in Weimar, leitete er die KPD-BL Thüringen. Nachdem die US-Besatzungstruppen abgezogen und die SMA gebildet war, wurde Busse 1. Vizepräsident der Landesverwaltung Thüringen bzw. ab Herbst 1946 Innenminister. 1946/47 gehörte er dem Sekretariat des SED-LV Thüringen an. Gegen Busse gab es seitens der Berliner KPD-Zentrale mehrere Untersuchungen und Anschuldigungen wegen seiner Rolle als Lagerältester in Buchenwald und Kapo im Krankenbau. Er wurde 1947 aus Thüringen nach Berlin berufen und als Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft politisch »kaltgestellt«. Gegen Busse ermittelten dann auch sowjetische Stellen wegen des Vorwurfs von Liquidierungen russischer Häftlinge im Krankenbau des KZ Buchenwald. Am 29.März 1950 zu einer Besprechung nach Berlin-Karlshorst einbestellt und dort vom NKWD verhaftet. Am 27. Februar 1951 wurde Busse vom Militärtribunal der sowjetischen Garnison in Berlin aufgrund des Kontrollratsgesetzes Nr. 10 als »Kriegsverbrecher« zu lebenslänglicher Lagerhaft verurteilt und am 11. Juni 1951 in das Sonderlager Nr. 6 in Workuta eingeliefert. Dort ist Ernst Busse am 31. August 1952 im Schacht 1 infolge der unmenschlichen Haftbedingungen umgekommen. Seine Frau Anna Busse (*13.10.1907 – †9.2.1984), Tochter eines Wäschereibesitzers, war Arbeiterin. Seit 1930 in der Kampfgemeinschaft rote Sporteinheit und im KJVD, 1931 in der KPD aktiv, ab 1933 illegale Arbeit für RGO Thüringen. Sie wurde im Oktober 1939 festgenommen und zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt, 1944 in Solingen erneut verhaftet. 1946/47 Sekretärin im thüringischen Innenministerium, von 1950 bis 1952 kaufmännische Angestellte und ab 1952 Instrukteurin bei der IG Druck und Papier der DDR. Sie bekam jahrelang keine Auskunft über den Aufenthalt ihres Mannes, erst nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurde ihr mündlich mitgeteilt, daß Busse verstorben sei. Mitte der sechziger Jahre zog Anna Busse in ihre Geburtsstadt Erfurt. Durch die ZPKK der SED wurde Ernst Busse 1956 nichtöffentlich »rehabilitiert«, blieb jedoch über dreißig Jahre in der DDR eine »Unperson«.Helmut Müller-Enbergs / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Büttner, Theodora

* 17.6.1930

Geb. in Thum (Erzgebirge); Vater kaufm. Angest., Mutter Verkäuferin; 1936 – 49 Besuch der Grund- u. OS; 1946 – 53 FDJ; 1949 – 53 Studium der Geschichte u. Anglistik (Lehrerin) an der Univ. Leipzig; 1953 SED; 1953 Assistentin am Inst. für Allg. Geschichte der KMU Leipzig, 1957 Prom. über die mittelalterl. sozial-religiöse Bewegung der Circumcellionen, 1965 Habil. mit einer Studie über die sozialökonom. Struktur Adamaous (Westafrika) im 19. Jh.; 1966 Doz. für Geschichte Afrikas am Afrika-Inst. der KMU, 1968 ord. Prof. für Geschichte Afrikas am Afrika-Institut, ab 1969 an der Sektion Afrika- u. Nahostwiss. der KMU; verh. mit dem Afrikanisten Kurt B. 1992 Vorruhestand. B. zählte zu den bekanntesten Afrika-Historikerinnen der DDR mit Forschungsschwerpunkt in der präkolonialen Geschichte Afrikas und der antikolonialen Befreiungsbewegung.Circumcellionen u. Adamiten. Berlin 1959 (m. -> Ernst Werner); Revolution u. Tradition. Leipzig 1971 (Hrsg.); Geschichte Afrikas. Bd. 1. Berlin 1976 (Hrsg. u. Mitverf.); Geschichte Afrikas. Bd. 4. Berlin 1984 (Hrsg. u. Mitverf.).Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Callam, Albert

* 31.1.1887 – ✝ 1.3.1956

Geboren am 31. Januar 1887 in Stolp/Pommern, Sohn eines Bautechnikers, ab dem 11. Lebensjahr Waise. Maurer und Fliesenleger in verschiedenen Städten Deutschlands und der Schweiz. 1907 Mitglied der SPD, bis 1914 politische Arbeit in der Schweiz (u. a. mit Fritz Heckert). Von 1915 bis 1918 Soldat. 1916 schloß er sich der Spartakusgruppe in Chemnitz an und wurde 1917 Mitglied der USPD, 1919 der KPD. Er war bis 1933 Geschäftsführer von KPD-Verlagen und Druckereien, u. a. der »Neuen Zeitung« in Jena. Zeitweise leitete er auch den Verlag des Zentralorgans »Die Rote Fahne«. Auf dem VIII. Parteitag 1923 in Leipzig in die Revisionskommission der KPD gewählt. Callam wurde am 30. April 1933 in Breslau verhaftet und bis Februar 1934 im KZ Esterwegen festgehalten, emigrierte im Mai 1934 nach Prag, 1937 nach Frankreich. Hier war er u.a. für den Druck illegaler Materialien der KPD-Auslandsleitung zuständig. Im September 1939 interniert, gelang Callam im Dezember 1941 die Ausreise nach Mexiko, wo er von 1942 bis 1946 als Verlagsleiter bzw. Geschäftsführer der Zeitschrift »Freies Deutschland« tätig war. Im Mai 1946 reiste er gemeinsam mit Alexander Abusch und Paul Merker über Wladiwostok nach Deutschland, im Juli 1946 trafen sie in Berlin ein. Er wurde Mitglied der SED, zeitweilig Geschäftsführer beim Berliner Verlag. Albert Callam starb am 1. März 1956.

Wer war wer in DDR

Caspar, Günter

* 6.8.1924 – ✝ 8.7.1999

Geb. in Berlin; Vater Angest.; nach dem Abitur 1942 Wehrmacht; 1944 – 48 brit. u. amerik. Kriegsgefangenschaft. 1948 – 50 Studium der Geschichte in Berlin (drei Semester); 1948 SED; 1949 Journalist bei der »Täglichen Rundschau«, 1950 – 55 Red. u. Autor der kulturpol. Mon.-Ztschr. »Aufbau« (Ltg.:  Bodo Uhse); ab 1955 Lektor im Aufbau-Verlag, 1956 – 63 amtierender Cheflektor, danach bis 1989 Ltr. des Lektorats »Zeitgenöss. dt. Lit.«. Maßgebl. Förderer der DDR-Lit.; bes. Verdienste um die Publ. der Exillit. u. westdt. Autoren in der DDR; umfgr. Herausgebertätigkeit, u. a. »Ausgewählte Werke« von -> Hans Fallada (1962 – 87, 10 Bde.) u. »Gesammelte Werke« von Bodo Uhse (1974 – 83, 6 Bde.); Verf. zahlr. Nachworte, Kritiker u. Publizist (besonders für »Die Weltbühne« als Kaspar Borz); 1971 Wilhelm-Bracke-Medaille, NP (im Verlagskoll.); gest. in Berlin.Im Umgang. Zwölf Autoren-Konterfeis und eine Paraphrase. Berlin, Weimar 1984; Fallada-Studien. Berlin, Weimar 1988; Kaspar Borz. Ansichten eines Bücherfressers. Berlin 1988. Faber, E., Wurm, C. (Hrsg.): »Das letzte Wort hat der Minister«. Autoren- und Verlegerbriefe 1960 – 69. Berlin 1994; Wurm, C.: Der frühe Aufbau-Verlag. 1945 – 61. Konzepte und Kontroversen. Wiesbaden 1996.Frank Wagner

Handbuch Deutsche Kommunisten

Charpentier, Fritz

* 22.12.1869 – ✝ 2.8.1928

Am 22. Dezember 1869 in Norden/Aurich geboren; nach dem Besuch der Bürger- und Handelsschule in einer Privaten Lehranstalt zum Kaufmann ausgebildet. Kaufmann und Reisender im Rheinland und im Ruhrgebiet, vor dem Weltkrieg trat er der Sozialdemokratie bei. Als Kriegsgegner 1917 Mitglied der USPD, 1919 Parteisekretär in Solingen. Mit dem linken Flügel der USPD (Delegierter des Spaltungsparteitags) kam Charpentier 1920 zur KPD, übernahm als Sekretär die Leitung des UB Solingen. Ab 1921 Abgeordneter des Preußischen Landtags. Als Levi-Anhänger und Gegner der März-Aktion wurde er im Herbst 1921 in einer Funktionärssitzung von Vertretern der »Offensivtheorie« niedergeschlagen und verletzt. Charpentier blieb nach einigen Schwankungen (kurze Zeit gehörte er im Landtag zur »Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft« Paul Levis) in der KPD, er wurde Parteisekretär in Elberfeld. Anfang 1924 als Anhänger der Mittelgruppe Chefredakteur der Remscheider »Bergischen Volksstimme«. Im Juli 1924 von den Linken dieser Funktion enthoben und 1924 nicht wieder in den Landtag gewählt. Wegen seiner Aktivität bei den Aufstandsvorbereitungen 1923 polizeilich gesucht, emigrierte er nach Sowjetrußland, lebte in Leningrad und geriet in Opposition zum dortigen System. Die sozialdemokratische Presse berichtete 1928, Charpentier sei in Leningrad erschossen worden. Diese Meldung wies die »Rote Fahne« zurück und schrieb, Charpentier sei längere Zeit krank gewesen, im Juli in ein Moskauer Krankenhaus eingeliefert worden und dort am 2. August 1928 gestorben. Da die Gerüchte, Fritz Charpentier sei 1928 in der Sowjetunion im Gefängnis umgekommen, nicht verstummten, kam es zu Auseinandersetzungen in der rheinischen KPD.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Chmiel, Markus

* 10.4.1897 – ✝ 12.5.1958

Geboren am 10. April 1897 in Ostrolenka; Arbeiter, war 1918 Soldat und für die Spartakusgruppe aktiv. Vorsitzender der kleinen Gruppe von Spartakusanhängern in Bismarckhütte und Beuthen in Oberschlesien, kam als Delegierter zum Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 nach Berlin. Chmiel wurde in die nach langer Debatte vom Gründungsparteitag gebildete Programmkommission (15 Mitglieder) für Bismarckhütte gewählt. Seit 1919 in Wuppertal, war er im jüdischen Arbeiterverein organisiert und arbeitete als selbständiger Schneider. Er wurde am 18. Februar 1935 verhaftet und am 14. März 1936 vom OLG Hamm zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es: »Max Chmiel ist 38 Jahre alt, ledig, selbständiger Schneider von Beruf, staatenloser Ostjude und seit 1919 in Deutschland, einer politischen Organisation hat er vor der Erhebung angeblich nicht angehört... Chmiel ist wegen Annahme einer kommunistischen Flugschrift verurteilt worden.« Unter Anrechnung der Untersuchungshaft im August 1936 entlassen, floh Markus Chmiel nach den Niederlanden und emigrierte später nach Südamerika, wo er am 12. Mai 1958 in Montevideo/Uruguay starb.

Wer war wer in DDR

Cierpinski, Waldemar

* 3.8.1950

Geb. in Neugattersleben (Krs. Bernburg), aufgew. in Jesar (Nienburg); Vater Landwirt; 1966 KJS Halle, Abitur; Sportstudium, Dipl.-Sportlehrer, seit 1964 aktiv in der Leichtathletik (Hindernis-, Langstrecken- u. Marathonlauf), zuerst bei der BSG Aufbau Nienburg (Saale), seit 1966 beim SC Chemie Halle (Trainer: Jörg Ramelow, dann Walter Schmidt); 1967 Sieger (Hindernis) bei den Jugendwettkämpfen der Freundschaft, 1969 Junioren-WR, 1976 u. 1980 Olympiasieger im Marathonlauf, 1976 DDR-Sportler des Jahres, 1978 u. 1982 Teiln. an Europameisterschaften, 1983 bei den Weltmeisterschaften 3. Platz u. Sieg beim Europa-Cup; bis 1990 hauptamtl. Trainer in Halle; VVO. Seit 1990 Inhaber eines Laufshops in Halle, nebenberufl. Trainer, arbeitet für eine Mainzer Fachztschr. für Running u. Marathon; 1995 u. 1997 Teiln. an Marathonläufen; 2002 – 05 persönl. Mitgl. NOK; Sohn Falk C. 2005 Dt. Mstr. Duathlon, 2007 Sieger München-Triathlon, 2009 Teiln. Leichtathletik-WM im Marathon.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Claudius, Eduard

* 29.7.1911 – ✝ 13.12.1976

Geb. in Buer (b. Gelsenkirchen); Vater Bauarb.; 1925 – 27 Maurerlehre, 1927 – 29 Maurer in versch. Baufirmen; ab 1927 Gewerkschaftsfunktionär u. Arbeiterkorrespondent; 1929 – 32 Wanderungen durch Italien, Österreich, Frankreich, Spanien u. die Schweiz; 1932 KPD; 1933 Verhaftung; 1934 Emigr. in die Schweiz; 1936 von der Schweizer Bundespolizei verhaftet, vor drohender Auslieferung Flucht nach Spanien; 1936 – 38 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, anschl. Internierung in Frankreich u. 1939 – 45 in versch. Schweizer Arbeitslagern (Witzwil, Gordola); 1945 Angeh. der oberital. Partisanenbrigade »Garibaldi«, dabei Kontakte zum amerikan. Geheimdienst OSS. Ab Juli 1945 Pressechef im bayr. Min. für Entnazifizierung in München; nach kurzem Aufenthalt im Ruhrgeb. 1948 Übersiedl. nach Potsdam; KPD/SED; zunächst freischaff. Schriftst.; 1951 NP; 1956 1. Sekr. des DSV (Nachf. von  Gustav Just); 1956 – 59 Gen.-Konsul der DDR in Syrien, 1959 – 61 Botschafter in Vietnam (Nachf. von Rudolf Pfützner); wieder freischaff. Schriftst.; 1. Sekr. des KB im Bez. Potsdam; 1965 Mitgl. der DAK. C. wurde durch sein Spanien-Buch »Grüne Oliven u. nackte Berge« (1945) bekannt; mit seinem reale Begebenheiten nachzeichnenden Roman »Menschen an unserer Seite« (1951) schuf er den Prototyp des sog. Aktivisten-Romans; der Stoff wurde von  Heiner Müller (»Die Lohndrücker«) aufgegriffen; seine Erz. »Wintermärchen auf Rügen«, 1964 in der Studentenztschr. »FORUM« vorabgedruckt, enthielt bereits alle wichtigen substantiellen u. formalen Neuerungen der DDR-Belletristik der 60er Jahre.Jugend im Umbruch. Basel 1936 (Ps. Edy Brendt); Grüne Oliven u. nackte Berge. Zürich 1945; Salz der Erde. Berlin 1948; Ruhelose Jahre. Autobiogr. Berlin 1968. Piltz G.: E. C. Berlin 1952; Uhse, B.: E. C. Berlin 1960; Heßke, O.: Untersuchungen zur ästhet. Realisierung internationalist. Weltsicht im literar. Werk von E. C. (1911 – 1976). Potsdam 1985; Pawlowski, B.: Die Rhetorik des Vorurteils. Kiel 2001.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Clermont, Friedrich

* 5.4.1934 – ✝ 4.1.2011

Geb. in Flensburg; Vater Landwirt; Grundschule; 1951 FDJ; 1953 – 56 Besuch der Landw. FS in Teterow, staatl. geprüfter Landwirt; 1954 SED; 1956/57 Agronom in der MTS Prenzlau; 1964 – 69 Fernstud. an der HU Berlin, Dipl.-Landw.; 1957 – 69 Vors. der LPG »IV. Parteitag« in Klinkow; 1962 – 76 Mitgl. der SED-BL Neubrandenb.; 1963 – 76 Abg. der Volkskammer, 1966 Mitgl. des Aussch. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtsch.; 1969 NP; seit 1969 Ltr. der KAP Pflanzenprod. in Dedelow; 1971 – 76 Mitgl. des Staatsrats; 1974 – 80 Vors. der LPG »VIII. Parteitag« in Dedelow, ab 1980 Vors. der LPG in Satow-Kugel. 1991 – 97 Mitarb. der Cont. Grain Comp. für Mecklenb.; 1997 Ruhestand; gest. in Satow.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Collein, Edmund

* 10.1.1906 – ✝ 21.1.1992

Geb. in Bad Kreuznach; 1925 – 27 Studium an der TH Darmstadt u. am Bauhaus Dessau bei Walter Gropius u. Hannes Meyer, 1930 Bauhausdipl.; 1931 Mitarb. an Wiener Arbeiterwohnungsbauten, ab 1932 an der Werkbund-Siedl. Wien-Lainz, 1938 Arbeit an Krankenhausbauten in München u. Berlin; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 – 51 Hochbauamt des Magistrats von Berlin, danach Ltr. des Hauptamts für Stadtplanung; 1950 erste Reise in die UdSSR u. Mitarb. an den »16 Grundsätzen des Städtebaus«; 1951 Vizepräs. der DBA u. Prof. für Städtebau; 1955 – 58 Vors. des Beirats für Bauwesen beim Min.-Rat; 1958 Dir. des Inst. für Gebiets-, Stadt- u. Dorfplanung der DBA; Projekt für einen Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee in Berlin (mit  Josef Kaiser u. Werner Dutschke); 1962 NP; ab 1962 Ltr. der Akad.-Sekt. Städtebau u. Architektur, 1963 – 71 Vors. des Wiss. Rats der DBA, 1966 – 75 Präs. des BDA (Nachf. von  Hanns Hopp); 1975 Dr. h. c.; 1978 Ehrenmitgl. der DBA.Gerd Dietrich

Handbuch Deutsche Kommunisten

Creutzburg, August

* 6.3.1892 – ✝ 11.9.1941

Geboren am 6. März 1892 in Fischbach/Thüringen, Sohn des Tischlers Alfred Paul Luis Creutzburg; er lernte Maler und Lackierer. Bis 1912 arbeitete er als Tüncher. Am 1. Mai 1908 Eintritt in die SPD und im Mai 1909 in die Gewerkschaft. Von 1912 bis 1918 Soldat. 1917 Mitglied der USPD, wurde Anfang Dezember 1918 zum Vorsitzenden der USPD des Freistaates Gotha gewählt und kam als beratender Sekretär in die von der USPD geführte Regierung. Während des Kapp-Putsches im März 1920 Kommandant der 1.Thüringer Volkswehrarmee. Ab Mai 1920 besoldeter Sekretär der USPD in Jena, er setzte sich 1920 für die Vereinigung mit der KPD ein. Ab Dezember 1920 KPD-Sekretär in Jena, im Juni 1923 wurde er Orgleiter des Bezirks Magdeburg, ab Mai 1924 Polleiter. Im Mai 1924 im Wahlkreis Magdeburg in den Reichstag gewählt, dem er bis 1928 und von 1930 bis 1933 (Wahlkreis Thüringen) angehörte. Als einer der »Feuerwehrleute« des ZK ständig in verschiedene Bezirke versetzt, in denen die Zentrale Schwierigkeiten hatte, er gehörte nie zu einer Oppositionsgruppe. Im August 1924 wurde Creutzburg Polleiter des KPD-Bezirks Wasserkante, den er auf dem X.Parteitag im Juli 1925 vertrat (er war Teilnehmer fast aller anderen Parteitage). Noch im Oktober 1925 Polleiter des Bezirks Niederrhein, dann Ende 1925 einige Zeit Sekretär in Thüringen und ab Ende 1926 Orgleiter im Bezirk Niederrhein. Ende 1927 wurde er als »Kommissar« des ZK in den Bezirk Pfalz versetzt, um dort die ultralinke Führung zu isolieren. Im August 1928 Orgleiter des Bezirks Ruhr in Essen, im Juli 1929 nach Berlin berufen, er übernahm bis März 1933 die Leitung der Orgabteilung des ZK. Anschließend illegal als Instrukteur in Berlin, aber da er sich nicht »bewährte«, im Dezember 1933 in die Emigration geschickt, seine Frau Else Creutzburg, geborene Bluhm (* 1892 – †1976), blieb mit den Kindern Karl Spartakus und Sonja (beide * 1922) in Deutschland. Zunächst war Creutzburg von der âSR aus am Aufbau von Grenzstellen beteiligt, anschließend AL West in Amsterdam. Von Februar 1935 bis Mitte April 1935 war er in holländischer Haft. Über Frankreich kam Creutzburg in die Sowjetunion, wo er unter den Parteinamen Krieger/Röhmer lebte. Hier begann 1936 ein Parteiverfahren der IKK wegen nicht-konspirativen Verhaltens in den Niederlanden (die Untersuchung führte Herbert Wehner). Creutzburg wurde als Redakteur an die DZZ nach Engels an die Wolga versetzt. Seine neue Lebensgefährtin Cläre Vater (* 6. 5. 1900 – † 3. 9. 1984), mit der er seit 1929 zusammenlebte, folgte ihm im Herbst 1936 in die ASSR der Wolgadeutschen. Sie war die Tochter des Magdeburger KPD-Funktionärs Albert Vater. 1919 Mitglied der KPD, arbeitete als Sekretärin in den BL Magdeburg und Chemnitz bzw. in der Zentrale der KPD in Berlin. 1928 wurde sie aus dem hauptamtlichen Apparat der Roten Hilfe entlassen, weil sie sich mit deren Generalsekretär Jakob Schloer solidarisiert hatte. Danach bis 1933 Sekretärin in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. In Moskau 1935/36 Stenotypistin beim EKKI. Am 20. September 1937 wurde ihre Tochter Tamara geboren. Am 8. Februar 1938 wurde August Creutzburg (im Juni 1938 Cläre Vater) vom NKWD verhaftet und am 28. Oktober 1938 vom Militärkollegium wegen »Beteiligung an Spionage und terroristischer Tätigkeit« zum Tode verurteilt. Seine Strafe wurde in 25 Jahre Lagerhaft umgewandelt, er kam in ein Arbeitslager im Saratower Gebiet. Creutzburg machte verzweifelt mehrere Eingaben, darunter an Stalin, und bat um die Aufhebung des Urteils. Resignierend stellte er einen Antrag auf Ausreise nach Nazi-Deutschland. August Creutzburg wurde am 11. September 1941 im Wald von Orjol mit hunderten Kommunisten vor dem deutschen Einmarsch vom NKWD erschossen. Seine juristische Rehabilitierung erfolgte erst im Jahre 1998. Cläre Vater, zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt, wurde zusammen mit Margarete Buber-Neumann von Moskau aus und gegen ihren Protest am 24. Februar 1940 mit ihrer nun zweijährigen Tochter nach NS-Deutschland ausgeliefert. Hier am 7. November 1940 zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, arbeitete sie nach ihrer Freilassung aus dem Zentralen Frauengefängnis in Leipzig als Sekretärin in einer Textilfabrik. Nach 1945 war sie Dezernentin im Arbeitsamt in Berlin-Reinickendorf. 1946 trat sie der SED bei, war ab August 1946 Referentin in der Deutschen Zentralverwaltung für Verkehr. Im Zusammenhang mit der Artikelserie Margarete Buber-Neumanns in westlichen Medien über die stalinistischen Säuberungen mußte Cläre Vater im August 1949 eine Erklärung abgeben, in der sie fälschlich die Verfolgung und Haft in der Sowjetunion bestritt. Sie lebte nach 1945 in Berlin mit Ernst Wollweber, dem späteren DDR-Minister für Staatssicherheit, zusammen.

Wer war wer in DDR

Crüger, Herbert

* 17.5.1911 – ✝ 17.1.2003

Geb. in Rixdorf (b. Berlin); Vater Buchdrucker; 1914 Tod des Vaters; Volksschule in Berlin; Schiffsjunge, 1928 – 31 Ausbildung zum Kfm. in Berlin; anschl. arbeitslos; Mitgl. der HJ in Berlin-Neukölln, Anhänger der Otto-Strasser-Gr.; 1932 Übertritt zum KJVD bzw. der Roten Jungfront (RJ); 1932/33 Techn. (miltär.) Ltr. des RFB/RJ im Untergau Berlin-Neukölln (»Tommy«); illeg. Arbeit in der Landvolkbew. in Ostpr.; ab 1933 illeg. pol. Arbeit für den M-Apparat (Nachrichtendienst der KPD) in der SA; Aug. 1934 – Juli 1935 U-Haft; Nov. 1935 Flucht in die ČSR; 1935 Mitgl. der KPD in Prag; 1936 für den M-Apparat in Prag aktiv; 1937 – 41 Mitarb. des Nachrichtendienstes der span. Rep. in Barcelona; ab Sept. 1938 in Prag, dann mit tschechoslowak. Identiät (»Josef Novák«) in Zürich; dort zur Tarnung Studium der Kunstgeschichte u. Archäologie; ab 1939 Lebensgemeinsch. mit der Schauspielerin  Mathilde Danegger; 1940 in Schweizer Arbeitslagern (u. a. Felsberg) interniert; Forts. des Studiums an der Univ. Zürich; 1942 Anerkennung als Mitgl. der KPD; 1943 verantw. für die Herstellung der Ztschr. der BFD; 1944/45 Aufbau von BFD-Gruppen in Schweizer Internierungslagern; Sekr. der Schweizer BFD-Org. bis zur Auflösung Ende 1945. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 48 Ref. (Reg.-Rat) für Jugendfürsorge im Min. für Arbeit u. Wohlfahrt in Hessen; 1948 – 50 2. Sekr. der KPD Südwürttemberg, 1950 amtl. Sekr. des KPD-LV Südwürttemberg; Dez. 1950 wg. der früheren Verbindungen zur Strasser-Gr., angebl. Freundschaft zum »Trotzkisten« Erich Wollenberg u. als ehem. »Westemigrant« Ausschluß aus der KPD; März 1951 Übersiedl. in die DDR; 1951 – 53 Aspirantur an der Univ. Rostock (Archäologie); ab 1953 Philos.-Doz. im ges.-wiss. Grundstudium an der HU Berlin; Teiln. an krit. Diskussionen nach dem XX. Parteitag der KPdSU, setzte sich für den verhafteten  Bernhard Steinberger ein; März 1958 vom MfS verhaftet, U-Haft in Berlin-Hohenschönhausen, Aberkennung des VdN-Status; Dez. 1958 in einem Geheimprozeß vor dem Bez.-Gericht Potsdam zu acht Jahren Zuchthaus wegen »schweren Staatsverrats« verurteilt, 1958 – 61 Haft im Zuchthaus Bautzen II; ab Sept. 1961 wiss. Mitarb. am Inst. für Philos. der AdW; 1962 Wiederanerkennung als VdN; 1966 SED; Jan. 1990 Rehab. durch die Zentr. Schiedskommission der SED/PDS, Anerkennung der Parteimitgliedschaft seit 1935; Mai 1990 Kassationsverfahren u. pol. Rehabil. durch das OG. 1990 PDS; Mitarb. im Vorstand IVVdN in Königs Wusterhausen, Mitgl. in der AG ehem. Spanienkämpfer; gest. in Zeuthen (b. Berlin).Verschwiegene Zeiten. Vom geheimen Apparat der KPD ins Gefängnis der Staatssicherheit. Berlin 1990; Ein alter Mann erzählt. Schkeuditz 1998.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bussow, Carl

* 24.1.1887 – ✝ 3.9.1972

Am 24. Januar 1887 in Boizenburg geboren; übersiedelte er 1905 nach Hamburg und wurde Hafenarbeiter. Bussow kam mit der linken USPD 1920 zur KPD, in der er verschiedene Funktionen ausübte, u. a. wurde er 1924 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. 1926 als Ultralinker aus der KPD ausgeschlossen, legte Bussow sein Mandat nieder und zog sich aus der Politik zurück. Carl Bussow starb am 3. September 1972.

Wer war wer in DDR

Butzmann, Manfred

* 14.9.1942

Geb. in Potsdam; Vater Gärtner. 1945 – 55 in Eutzsch (b. Wittenberg); 1961 Abitur; 1961 – 64 Ausbildung zum Offsetretuscheur in Berlin u. Arbeit in Potsdam; ab 1962 im Malzirkel von  Magnus Zeller in Caputh (b. Potsdam); 1964 – 69 Grafikstudium an der Kunst-HS Berlin-Weißensee bei  Arno Mohr,  Werner Klemke u.  Klaus Wittkugel; 1969/70 dort Aspirant für Grafik; seit 1970 freischaff. in Berlin-Pankow; 1971 VBK; 1973 – 77 Mstr.-Schüler an der AdK bei Werner Klemke, Unterbrechung durch Einberufung als Reservist der NVA; zunächst Buchillustrator, ab 1977 neben Druckgrafik u. Aquarellen zahlr. Fotoplakate u. Postkarten im Eigenauftrag; krit. Interpret der Berliner Stadtlandschaft; vom unmittelbaren Umfeld in Berlin-Pankow ausgehend, Initiator von Aktionen zu Umweltbewußtsein u. Stadtgestaltung; Ausstellungen u. a. 1971 in Berlin-Pankow, Krs.-Kulturhaus; 1979 Halle, Staatl. Galerie Moritzburg, 1988 Haus am Lützowplatz, Berlin; 1989/90 Mitarb. im Untersuchungsaussch. zu den polizeil. Übergriffen vom 8./9.10.1989 in Berlin. 1990 Projekt für eine Friedensallee Am Tiergarten; 1990 Lupine-Projekt (initiierte die Aussaat von Lupine auf dem Gelände der abgerissenen Berliner Mauer); 1991 Kollwitz-Preis der AdK; 1993 3. Preis für den Entwurf eines Mahnmals zur Bücherverbrennung in Berlin; Ausstellungen 1999, 2004 u. 2007 in Berlin, 2000 in Bremen, 2005 in Potsdam u. Bergen (Rügen); lebt seit 2005 in Potsdam-Bornim. Werke: u. a. Grafikfolgen: Eindrücke (1976); Steinernes Berlin (1981 – 86); Plakate: X. Weltfestspiele (1973); Heimatkunde (1983); u. ich will bei euch wohnen (1985); Brüder, es brennt (1991); Hasenfahnenfest (1992).Parallel. Berlin 1996; Heimatkunde 1979 – 1989 – 1999. Cottbus 1999; Die Lawine von morgen u. der Schnee von gestern. Berlin 2003. Kat. Steinernes Berlin. Aquatinta-Radierungen von M. B. Berlin. Haus am Lützowplatz. 1988; Kat. K. Knebel/M. B. Käthe-Kollwitz-Preisträger. AdK Berlin 1991; Kat. M. B. Heimatkunde. Museum für Gestaltung. Zürich/Kunstdienst der Ev. Kirche. Predigerkloster Erfurt. 1993. AnS

Wer war wer in DDR

Carlsohn, Hans

* 2.12.1928 – ✝ 18.7.2006

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Kupferschmied abgebrochen; RAD; 1945 Arbeit bei einem Sattler; ab 1946 als Heizungshilfsmonteur; 1946 SED; 1948 Einstellung bei der VP, Revier Leipzig, dann Bereitschaften in Großenhain, Küstrin u. Potsdam; Mitarb. für Pol.-Kultur; 1951 Einstellung beim MfS, HA Personenschutz, als persönl. Begleiter  Erich Mielkes; ab 1953 sein persönl. Ref.; 1971 Ltr. des Sekr. des Min.; 1983 VVO; 1985 Gen.-Major; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden, Jan. 1990 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

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Castorf, Frank

* 17.7.1951

Geb. in Berlin; Vater Eisenwarenhändler; EOS, Abitur; 1969/70 Ausbildung bei der Reichsbahn; 1970 - 72 NVA (Grenztruppe); 1971 - 76 Studium der Theaterwiss. an der HU Berlin bei Ernst Schumacher, Rudolf Münz, Jochen Fiebach, Dipl.; zahlr. Reisen in die VR Polen zu Kulturveranstaltungen; 1976 - 78 Dramaturg am Bergarbeitertheater Senftenberg, erste Inszenierung: »Stückfragmente« von Brecht als Collage; 1978 Verweis am Theater wegen fehlender Dramaturgie-Konzeption zu »Handbetrieb«; Wechsel zum Stadttheater Brandenb., Inszenierung: 1980 »Golden fließt der Stahl« (zus. mit Manfred Rafeldt); anschließende Arbeitsrechtsprozesse (sein Anwalt war Gregor Gysi) führen zum Weggang; 1981 - 85 Oberspielltr. am Theater Anklam, Inszenierungen: 1981 »Die Nacht nach der Abschlußfeier«, 1982 »Die Schlacht«, »Othello«, 1983 »Der Auftrag«, 1984 »Trommeln in der Nacht«, Inszenierung auf Druck der SED-KL abgesetzt mit Einverständnis der Theaterltg. u. des FDGB-Krs.-Vorst., aber gegen den Willen der BGL des Theaters; Disziplinarverfahren u. »Strenger Verweis« nach Inszenierung von »Nora« (1985), Aufhebung des Arbeitsvertrages; ab 1986 Gastinszenierungen im Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt durch Förderung des Intendanten Gerhard Meyer: 1986 »Der Bau«, 1988 »Ein Volksfeind«; Arbeiten auch in Gera: 1986 »Clavigo« (Premiere in Greiz), Halle: 1986 »Bernarda Albas Haus« (neues theater halle), am Kleist-Theater Frankfurt (Oder): 1988 »Wolokolamsker Chaussee I-II-III« (Frankfurter Abend u. Heiner-Müller-Abend); an der Volksbühne Berlin (VB): 1988 »Das trunkene Schiff«, 1990 »Schillers Räuber«; 1988 Teiln. an der Heiner-Müller-Werkschau in Berlin (West) mit Diskussionsbeitrag; am Dt. Theater Berlin: 1988 »Paris, Paris« (Sojas Wohnung); ab 1989 Inszenierungen in der Bundesrep. Dtl.: 1989 »Hamlet« (Theater in der Kuppel, Köln), 1989 »Miss Sara Sampson« (Prinzregententheater München). 1990 »Stella« (Schauspielhaus Hamburg), Teiln. am Brecht-Seminar in Paris mit eigenem Diskussisonsbeitrag, 1991 »Torquato Tasso« (Residenztheater München); in der Schweiz: u. a. 1989 »Aias« (Basel) u. 1991 »Wilhelm Tell« (Basel); am Dt. Theater Berlin: 1990 »John Gabriel Borkmann« (Kammerspiele), 1992 »Hermes in der Stadt«; seit der Spielzeit 1992/93 Intendant der Volksbühne Berlin; Inszenierungen an der VB (bis 1995 VB OST) u. Nebenspielstätten in Berlin: 1992 »König Lear«, »Rheinische Rebellen«, »Fremde in der Nacht« (Kino Babylon), 1993 »Clockwork Orange«, »Frau am Meer«, 1994 »Pension Schöller«/»Die Schlacht«, »Die Sache Danton« (C. in der TR): Fritz-Kortner-Preis; Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1995 Podiumsdiskussion »Alles StaSi - außer Mutti«; Eröffnung des Prater als Nebenspielstätte (Prenzlauer Berg); 1995 »Nibelungen - Born Bad«, »Pelmeni« (Prater), »Gescheiterte Vorstellung« (Prater), 1996 »Golden fließt der Stahl«, »Der Auftrag«, 1997 »Trainspotting«, 1998 »Schmutzige Hände«, »Terrodrom«, 1999 Richard II. (Zyklus »Rosenkriege 1 - Das Eigentum«, Prater); Inszenierungen außerhalb u. a. 1993 »Alkestis« (Wiener Festwochen, Übernahme VB), 1995 »Raststätte oder Sie machen's alle« (Schauspielhaus Hamburg), 1998 »Die Fledermaus« (Schauspielhaus Hamburg, Gastspiel in der VB), 1999 »Die Tochter der Luft« (Burgtheater Wien), 2000 »Vaterland« (Schauspielhaus Hamburg); 2000 Theaterpreis Berlin der Stiftung Preuß. Seehandlung; 2001 »Berlin Alexanderplatz« (Schauspielhaus Zürich); 2002 Schillerpreis der Stadt Mannheim; 2002 u. 2003 »Regisseur des Jahres« (Ztschr. »theater heute«); 2003 Preis des Internat. Theaterinst. (ITI) u. Friedrich-Luft-Preis der »Berliner Morgenpost«; 2004 Intendant der Ruhrfestspiele; 2005 »Schuld und Sühne« (Wiener Festspiele).Drei junge Schauspieler zwischen Theorie u. Praxis, Ausbildung u. Beruf, Wollen u. Müssen. In: Schumacher, E. (Hrsg.): Darsteller u. Darstellungskunst in Theater, Film, Fernsehen u. Hörfunk. Berlin 1981. Wilzopolski, S.: Theater des Augenblicks: Die Theaterarbeit F. C. Eine Dokumentation. (Hrsg. vom Zentrum für Theaterdokumentation u. -information). Berlin 1992; Balitzki, J.: Castorf, der Eisenhändler. Theater zwischen Kartoffelsalat u. Stahlgewitter. Berlin 1995. Schütt, H.-D.: Die Erotik des Verrats. Gespräche mit F. C. Berlin 1996; Detje, R.: F. C. Provokation aus Prinzip. Berlin 2002.Aune Renk / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Chemnitz, Walter

* 10.9.1901 – ✝ 2.10.1947

Geboren am 10. September 1901 in Rudolstadt/ Thüringen; lernte Maurer. Von 1926 bis 1933 in der Stadtverordnetenversammlung in Lörrach/ Baden für die KPD aktiv, wurde im Oktober 1929 in den Badischen Landtag und im September 1930 in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Walter Chemnitz war Vorsitzender der RGO-BL Baden-Pfalz. Anfang 1933 hielt sich Chemnitz in der Schweiz auf und wurde wegen politischer Betätigung ausgewiesen, im April 1933 in Deutschland verhaftet und in das KZ Kislau gebracht. Nach seiner Freilassung emigriert, während des Spanischen Bürgerkrieges Soldat der Internationalen Brigaden. 1938 schwer verwundet, kehrte Chemnitz nach Deutschland zurück, arbeitete als Maurer in Rudolstadt und wurde dort im August 1938 verhaftet. Nach einem langjährigen Zuchthausaufenthalt gegen Kriegsende noch in eine Strafeinheit gepreßt. An der Ostfront eingesetzt, geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Walter Chemnitz starb am 2. Oktober 1947 in Kuibyschew (Samara).

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Chowanetz, Karl Rudolf

* 3.1.1933 – ✝ 26.1.2000

Geb. in Bielitz (Krs. Falkenberg, Oberschles. / Bielice, Polen); Vater Meister in der Ölraffinerie, Mutter Hausfrau; 1939 – 45 Schulbesuch in Bielitz, danach Umsiedl. nach Stralsund. 1946 – 49 Schlosserlehre; 1950 – 55 Funktionär der FDJ in Velgast; 1950 – 2000 SED (PDS); 1955 – 57 Hauptwachtmeister der KVP; 1958 – 60 Abt.-Ltr. im Zentralhaus der Jungen Pioniere in Berlin; 1959 – 64 Fernstudium zum Dipl.-Pädagogen; 1961 – 63 Chefred. der Kinderzeitungen »ABC-Zeitung« u. »BUMMI«; 1963 – 75 Chefred. »Die Trommel«; 1975 – 2000 Leiter des Jugendbuchverlages Neues Leben (Nachf. von  Hans Bentzien); gest. in Schöneiche (b. Berlin).Halstuch, Trommel und Fanfare. Berlin 1978; Die Kinderzeitschriften in der DDR von 1946 – 1960. Berlin 1983; Zeiten und Wege – Zur Geschichte der Pionierorganisation. Berlin 1985; Hrsg. von: Erich Honecker – ein Leben für das Volk. Berlin 1987; Mecklenburg-Vorpommern – Land und Leute. Leipzig 1994.Christoph Links

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Cilenšek, Johann

* 4.12.1913 – ✝ 14.12.1998

Geb. in Großdubrau (Krs. Bautzen); Vater Porzellandreher; 1924 – 33 OS in Bautzen; 1933 RAD; 1934 Hilfsarb. in der Porzellanfabrik Hermsdorf; 1935 – 39 Studium am Kirchenmusikal. Inst. Leipzig bei Johann Nepomuk David (Komposition) u. Friedrich Högner (Orgel); 1937 NSDAP; 1939 – 45 dienstverpflichtet als Schleifer u. Dreher. 1945/46 KPD/SED; Lehrer für Tonsatz u. Komposition am Thür. Landeskonservatorium Erfurt; 1947 Prof. für Tonsatz u. Komposition, 1966 – 72 Rektor der HS für Musik »Franz Liszt« in Weimar (Nachf. von Werner Felix); 1951 – 56 u. 1964 – 66 Vors. des Bez.-Verb. Thür. u. Mitgl. des ZV des VDK; 1961 – 91 Mitgl. der DAK/AdK, 1978 – 90 Vizepräs. der AdK; 1980 em.; 1955, 1970 u. 1978 NP; 1969, 1980 u. 1983 VVO, 1988 Ehrenspange des VVO in Gold; gest. in Erfurt. Komponierte v. a. Instrumentalmusik: Fünf Sinfonien (1954 – 59), Konzertstücke für Klavier u. Orchester (1966), Konzert für Orgel u. Streichorchester (1984), Konzerte für Soloinstrumente u. Orchester, Mosaik für 13 Streicher oder Großes Streichorchester, Silhouetten für 15 Solostreicher.Matthias Braun / Christian Krause

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Claus, Carlfriedrich

* 4.8.1930 – ✝ 22.5.1998

Geb. in Annaberg (Erzgeb.); 1945 – 48 Ausbildung zum Kfm.-Gehilfe; seit 1951 künstler. Arbeit in Annaberg; Autodidakt, zunächst experiment. poetische Texte; 1953/54 Theater- u. Kunstkritiken für die Ztg. »Volksstimme« (Karl-Marx-Stadt); 1958 – 60 Phasenmodelle u. Letternfelder; 1959 experiment. Sprechprozesse auf Tonband; mit Sprachblättern Übergang zur bildenden Kunst; 1962 Einbeziehung der Rückseite der Sprachblätter; 1964 erste Personalausstellung Staatl. Kunsthalle Baden-Baden; 1975 Mitgl. des VBK; Ausstellung Galerie Arkade, Berlin; 1978 2. Preis der Internat. Grafik-Biennale in Kraków; 1979 Ausstellung Galerie Clara Mosch (gem. mit K. Sobolewski), Karl-Marx-Stadt. 1991 Mitgl. der AdK (West); Visuelle Poesie, im Grenzbereich von Zeichnen u. Schreiben, Forschung zu Philos., Psychol., Lit. u. Geschichte; gest. in Chemnitz. Werke: Geschichtsphilosoph. Kombinat, Folge von 26 Blättern, 1959 – 64; Grafikmappe Aurora. Dresden 1977.Notizen zwischen der experiment. Arbeit – zu ihr (zugl. Kat. der Ausstellung Staatl. Kunsthalle Baden-Baden). Frankfurt (Main) 1964. Kat. C. C. Galerie Arkade. Berlin 1975; Kat. C. C. Sprachblätter. Kupferstichkabinett Dresden 1980; Kat. C. C. Erwachen am Augenblick (mit Bibl.). Städt. Museen Karl-Marx-Stadt 1990.Anke Scharnhorst / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Coburger, Karli

* 4.10.1929

Geb. in Neuhaus-Schierschnitz (Thür.); Vater Porzellandreher; Volks- u. 1943 – 46 Handelsschule, Kfm; 1946 – 48 Wirtschafts-OS Sonneberg; 1948/49 Volontär im Plastewerk Köppelsdorf; 1949 SED; 1949/50 Lehrgang an der DVA; 1950 – 52 Betriebsassistent; Techn. Abendschule; 1952 Mitarb. des MfS, BV Leipzig; 1953 MfS Berlin, HA IX (Untersuchungsorgan); 1957 – 60 Fernstud. Kriminalistik an der Polizeischule Aschersleben; 1966 Staatsexamen in Kriminalistik an der HU Berlin; 1976 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche über die Durchsetzung der strafrechtl. Verantwortung von Bürgern nichtsoz. Staaten durch das MfS; 1984 – 89 Ltr. der HA VIII (Beobachtung/Ermittlung) des MfS (Nachf. von  Albert Schubert); Gen.-Major; 1990 Entlassung. Juli 2000 wg. Beihilfe zur Rechtsbeugung u. Freiheitsberaubung vom LG Berlin zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; Mitgl. der AG Recht der Gesell. zur rechtl. u. humanit. Unterstützung e. V. (GRH).Grimmer, R. u. A. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor); Siegerjustiz? (Hg. von der GRH). Berlin 2003 (Mitautor). Schißau, R.: Strafverfahren wegen MfS-Unrecht. Berlin 2006.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Cornu, Auguste

* 9.8.1888 – ✝ 6.5.1981

Geb. in Beaume (Frankreich), aufgewachsen in einer Intellektuellenfam. auf Korsika; 1906 – 14 Studium der Germanistik, Ökon. u. Rechtswiss. in Paris u. Dtl., dort erste Kontakte zur Sozialdemokratie u. Gewerkschaftsbew.; 1913 Mitgl. der Sozialist. Partei Frankreichs, 1920 der KP Frankreichs (KPF); 1920 Prom. mit einer philosoph.-histor. Studie über Moses Hess; anschl. Gymnasiallehrer für dt. Sprache u. Lit.; 1934 Habil. mit einer Arbeit über den jungen Marx u. nebenamtl. Lehrtätigkeit an der Sorbonne in Paris; im Zweiten Weltkrieg Angeh. der Résistance; 1948 Pensionierung u. durch Vermittl. der KPF Gastprof. für vergleichende Geistes- u. Literaturgesch. an der Univ. Leipzig. 1952 – 56 Prof. für Kulturgesch. an der HU Berlin; ab 1957 Ltr. der für ihn eingerichteten Marx-Engels-Forschungsstelle der DAW; 1964 Korr. Mitgl. der DAW; 1971 ausw. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1976 Ruhestand; 1956 Friedrich-Engels-Preis der DAW; 1959 NP; 1968 KMO; 1973 VVO; 1978 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. Im Mittelpunkt von C.s Forschungen standen das Leben u. Werk von Karl Marx u. Friedrich Engels mit einem deutl. Schwerpunkt auf deren frühe Lebens- u. Schaffensperiode (bis etwa 1852); seine monumentale Marx-Engels-Biogr. blieb unvollendet.La Jeunesse de Karl Marx 1818 – 1845. Paris 1934; Karl Marx u. die Entw. des modernen Denkens. Berlin 1950; Karl Marx u. Friedrich Engels. Leben u. Werk. 3 Bde. Berlin 1954, 1962, 1968; Karl Marx. Die ökonom.-philosoph. Manuskripte. Berlin 1955; Die Herausbildung des histor. Materialismus bei Marx. Berlin 1967. Cornu-Heft der Dt. Ztschr. für Philos. (1968) 7; Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Sitzungsberichte der AdW 1973, Nr. 20. (mit Schriftenverz.); A. C. zum Gedenken. In: Ztschr. für Geschichtswiss. (1981) 29.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Creutzburg, Richard

* 21.1.1905 – ✝ 1936

Geboren am 21. Januar 1905 in Tabarz/Thüringen; Bruder von August Creutzburg, wurde Fabrikarbeiter. Anfang der zwanziger Jahre im Bezirk Mittelrhein Funktionär des Kommunistischen Jugendverbandes. 1923 als Rechter vom Posten des Jugendleiters abgewählt. 1925 zunächst Redakteur der »Sozialistischen Republik« in Köln, später politischer Redakteur (kurzzeitig Chefredakteur) an anderen kommunistischen Organen, der »Freiheit« in Düsseldorf, der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim, zuletzt Redakteur der »Roten Fahne«. Creutzburg wurde 1928 von der KPD zum Studium an die Komintern-Schule nach Moskau geschickt, aber schon Anfang 1929 aus der UdSSR ausgewiesen. Als rechter Kommunist war er angeblich »Mitglied einer Geheimorganisation, die sich als Ziel den Kampf gegen die Sowjetunion und die KPdSU gesetzt hat«. Aus der KPD ausgeschlossen, ging er zur KPO und war für diese aktiv. Schon im März 1929 hatte die KPD-Zeitung »Sozialistische Republik« vor dem »früheren Genossen Richard Creutzburg« gewarnt, der Kommunisten über die UdSSR »aufklären« wollte. Als Erwerbsloser lebte er in Köln in schlimmer Armut. Im August 1936 stürzte Richard Creutzburg von der Mühlheimer Rheinbrücke, zweifelhaft, ob es Selbstmord war oder er von den Nazis ermordet wurde. Die KPO ehrte ihn als »ein Opfer des Hitlerfaschismus, auch wenn er nicht direkt von der Gestapo ermordet wurde«. Martin Creutzburg veröffentlichte 2003 im Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung eine biographische Skizze über Richard Creutzburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Crüger, Herbert

* 17.5.1911 – ✝ 17.1.2003

Geboren am 17. Mai 1911 in Berlin-Rixdorf, Sohn eines Buchdruckers; Schiffsjunge, von 1928 bis 1931 kaufmännische Ausbildung in Berlin, anschließend arbeitslos. Gehörte zunächst der HJ in Berlin-Neukölln an, trat 1932 zum KJVD und zur Roten Jungfront über, arbeitete dann für den AM-Apparat der KPD. 1934/35 U-Haft, 1935 Flucht in die Tschechoslowakei, dort weiter für den AM-Apparat tätig. 1937 Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der spanischen Republik in Barcelona, ab September 1938 wieder in Prag, dann in Zürich, 1940 in Schweizer Arbeitslagern interniert. Seit 1942 KPD-Mitglied, ab 1943 für die Herstellung der Zeitschrift der Bewegung Freies Deutschland verantwortlich. Im Januar 1946 Rückkehr nach Deutschland, war bis 1948 Regierungsrat für Jugendfürsorge im Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt in Hessen, von 1948 bis 1950 2. Sekretär der KPD-Landesleitung Südwürttemberg. Ende 1950 wegen seiner »Westemigration« Funktionsverbot und 1951 in die DDR beordert. Ab 1953 Dozent im gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudium an der Humboldt-Universität. Als Teilnehmer an kritischen Diskussionen nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurde Crüger im März 1958 vom MfS verhaftet und im Dezember 1958 in einem Geheimprozeß vom Bezirksgericht Potsdam zu acht Jahren Zuchthaus wegen »schweren Staatsverrats« verurteilt. Aus dem Zuchthaus Bautzen II vorzeitig entlassen, arbeitete Crüger dann an der AdW. Im Mai 1990 rehabilitiert, Mitglied der PDS. Herbert Crüger starb am 17. Januar 2003 in Zeuthen. 1990 und 1998 veröffentlichte er seine Lebenserinnerungen: »Verschwiegene Zeiten. Vom geheimen Apparat der KPD ins Gefängnis der Staatssicherheit« und »Ein alter Mann erzählt«.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Butting, Max

* 6.10.1888 – ✝ 13.7.1976

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; Realgymnasium in Berlin; 1908 – 14 Studium der Komposition, Philos. u. Geschichte an der Univ. München; 1914 schwere Erkrankung, deshalb nicht zum Militärdienst; 1917/18 zivildienstverpflichtet; 1919/20 im Geschäft des Vaters; 1921 – 27 Ltr. musikal. Veranstaltungen der linken »Novembergr.«; seit 1925 journalist. u. als Komponist tätig, Aufführungen auf Musikfesten der Internat. Ges. für Neue Musik u. in Donaueschingen; 1928 – 30 Doz. am Kindworth-Scharwenka-Konservatorium u. 1928 – 33 an der HS für Musik Berlin; 1929 – 38 geschäftsf. Vorstandsmitgl. der Genossenschaft Dt. Tonsetzer; 1933 Ord. Mitgl. der Preuß. AdK; 1933 – 38 Mit- arb. bzw. Abt.-Dir. in der Urheberrechtsges. STAGMA, entlassen; 1940 – 45 NSDAP; 1939 – 45 Mitarb. im Geschäft des Vaters. Ab 1945 freischaff. Komponist in Berlin, später freier Mitarb. des Berliner Rundfunks; 1948 Cheflektor der Musikabt. des Berliner Rundfunks, dann Lektor für Komposition des Staatl. Rundfunkkomitees; 1948 Mitgl. des KB, setzte sich für dt.-dt. Zusammenarbeit der Komponisten auf interzonalen Tagungen ein; 1950 Gründungsmitgl. der DAK, 1956 – 59 deren Vizepräs.; ab 1951 Vorstandsmitgl. des Verb. Dt. Komponisten u. Musikwiss.; 1951 – 61 Vors. des Beirats der Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte (AWA); 1954 u. 1973 NP; 1961 VVO; 1968 Dr. phil. h. c. der HU Berlin; komponierte bes. Orchester- u. Kammermusik, u. a. zehn Sinfonien u. die Oper »Plautus im Nonnenkloster«; veröff. musikwiss. Aufsätze zu Urheberrechtsfragen; 1973 NP; gest. in Berlin.Musikgeschichte, die ich miterlebte. Biogr. Berlin 1955. Brennecke, D.: Das Lebenswerk M. B. Leipzig 1973.Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Caden, Gert

* 10.6.1891 – ✝ 9.9.1990

Geb. in Berlin; Vater Berufsoffizier; aufgew. in versch. Garnisonsstädten; 1901 – 07 Realgymnasium in Leipzig, Zeichenunterricht bei Prof. Fedor Flinzer, Abitur; 1907 – 09 Kadettenschule in Leipzig; 1909 – 14 Königl.-Sächs. 4. Infanterieregiment in Bautzen, 1910 Ltn.; im Ersten Weltkrieg an der Westfront, 1914 u. 1916 Tod zweier Brüder an der Front; 1919 Demobilisierung; wegen pazifist. Haltung u. Hinwendung zur Malerei Bruch mit dem Vater; ab 1919 Ausbildung an der Akad. der Bild. Künste in Dresden; 1919 Heirat mit Lala Bondi (Tochter des Bankiers u. Kunstsammlers Felix Bondi); 1920 Scheidung; Fortsetzung der Kunststudien an der Kunstakad. München, 1921 – 23 in Berlin, unter dem Künstlernamen »Gert Caden« mehrere Reliefbilder; 1921 Heirat mit Maja Loewe; 1923 in München, dann in Wien; 1924 Rückkehr nach Berlin; 1925 großer Erfolg mit Werbeplakaten für US-amerikan. Revue; Rückzug in ein Dorf in Sachsen; 1928 Rückkehr nach Berlin, Scheidung; 1928 Ehe mit Ilse Hermann, die Anf. der 1930er Jahre scheitert; Ende der 1920er Jahre Besuch von Vorlesungen an der MASCH, Hinwendung zum Marxismus; Freundschaft mit dem KPD-Funktionär Ernst Schneller; Nov. 1930 KPD-Geheimmitgl.; 1930 – 38 unter dem Deckn. »Cello« im M-Apparat (unter Hans Kippenberger) bzw. ab 1936 im Abwehr-Apparat der KPD (unter  Hermann Nuding), schöpfte Informationen aus Reichsregierung u. Reichswehrführung ab; Reisen u. Treffen mit M-Apparate-Verbindungen im Ausland; wg. Verfolgungsdruck der Nazis Juni 1938 Flucht nach Paris, 1938 / 39 in Südfrankreich (Sanary sur Mer), dort Freundschaft mit Lion Feuchtwanger,  Friedrich Wolf, Ludwig Marcuse; 1939 / 40 Internierung in Les Milles; 1940 Arbeitskompanie; Flucht aus dem Lager nach Marseille; Jan. 1942 über Marokko nach Kuba, lebte in einem Vorort von Havanna; Rundfunkvorträge; Vors. der BFD in Kuba. März 1948 Rückkehr in die SBZ; ab 1948 Ltr. der Auftragskommission für künstler. Arbeiten im Land Sachsen; 1949 künstl. Ltr. der 2. Dt. Kunstausstellung in Dresden, die von ihm engagierten mexikan. Künstler u. die von ihm initiierte sog. »Wandbildaktion Dresden 1949« wurden kurz darauf als »formalistisch« denunziert u. verboten; 1949 – 53 Agent des sowj. Geheimdienstes MWD; ab Jan. 1954 als IM »Richard« für das MfS, BV Dresden, tätig, teilw. in der Bundesrep. Dtl. eingesetzt, nach nachrichtendienstl. Erfolgen ab 1955 – 1968 erneut für den sowj. KGB tätig; gest. in Dresden.Kaufmann, B. u. a.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937; Peschke, M.: Besuch bei »Cello«. Der Künstler Gert Caden, die Geheimdienste u. ein Interview. In: Gegner (2007) 21.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Caro, Walter

* 19.6.1906 – ✝ 15.8.1988

Geboren am 19. Juni 1906 in Berlin, Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Er besuchte das Sophiengymnasium in Berlin und begann im Oktober 1924 ein Studium, zunächst der Philosophie, dann der Chemie, 1930 promovierte er am Kaiser-Wilhelm-Institut für Faserstoffchemie in Berlin. Bis 1931 dort als Chemiker tätig, dann arbeitslos. Seit 1926 KJVD-Mitglied, 1930 trat er in die KPD ein, gehörte deren AM-Apparat an und übernahm Aufgaben für den sowjetischen Nachrichtendienst. Er selbst schrieb über seinen Lebenslauf im Oktober 1953: »Von Mitte 1930 an arbeitete ich in einer Sonderabteilung des ZK der KPD. Von 1932 bis 1951 war ich bezahlter politischer Funktionär. Aus dieser Tätigkeit schied ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland auf eigenen Wunsch aus, um mich einer wissenschaftlichen Laufbahn zu widmen. 1935-1951 war ich im Ausland (Sowjetunion, China, USA). Über meine Tätigkeit von 1930 bis 1951 kann das ZK der SED Auskunft geben.« Nach seiner Rückkehr in die DDR 1951 zunächst Chemiker, ab Ende 1953 am Physikalisch-Chemischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, habilitierte er sich 1963 bei Robert Havemann. Bis Ende 1968 Dozent für physikalische Chemie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Walter Caro ging im November 1972 nach West-Berlin, wo er am 15. August 1988 starb. Caros erste Lebensgefährtin Erna Eifler (* 31. 8. 1908 in Berlin) arbeitete als Stenotypistin. Seit 1927 Mitglied des KJVD, bis 1930 bei der sowjetischen Handelsvertretung tätig, 1930/31 in Moskau. Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland Mitglied der KPD und Einsatz im AM-Apparat (Betriebsberichterstattung, Abteilung Chemie), wo sie mit Walter Caro zusammenarbeitete. Im Februar 1935 ging sie nach Moskau, dort Mitarbeiterin der 5. Abteilung der Roten Armee (GRU), hielt sich von Ende 1935 bis August 1938 mit Walter Caro in China auf. Sie erhielt eine nachrichtendienstliche Ausbildung und wurde im August 1939 in den Niederlanden eingesetzt. Nach Kriegsausbruch Rückkehr in die Sowjetunion. Im Mai 1942 Fallschirmabsprung bei Allenstein/Ostpreußen. In Berlin scheitert ihre Kontaktaufnahme, sie reiste weiter nach Hamburg, wo sie am 15. Oktober 1942 verhaftet wurde. Nach Gestapo-Verhören in Hamburg und Berlin Anfang Juli 1944 in das KZ Ravensbrück eingeliefert, dort wurde Erna Eifler am 7. Juli 1944 ermordet.

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Cebulla, Julius (Johannes)

* 30.6.1917 – ✝ 24.3.1999

Geb. in Brünne (Krs. Oppeln, Oberschles./ Brynica, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Tischler; 1937 RAD; 1938 – 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Eintritt in die DVP/ KVP, Wachtposten, Kdo.-Ltr. bzw. Hauskommandant; 1949/50 Studium an der Höheren Polizeischule in Kochstedt (Dessau); 1950 – 53 Ref.-Ltr. bzw. Instrukteur in der HVDVP, zul. Hptm.; 1951 SED; 1953 Instrukteur bzw. ab 15.7.1954 stellv. Ltr. der Abt. Verkehr im ZK; 1956 – 59 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; außerplanm. Aspirant an der HU Berlin, 1971 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1959 – 86 erneut stellv. Ltr. der Abt. Verkehr, 1986 – 89 Ltr. der Abt. Verkehr des ZK der SED, zuständig für verdeckte Verbindungen, Transporte von anderen kommunist. Parteien (Nachf. von  Josef Steidl).Andreas Herbst

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Chemnitzer, Johannes (Hans)

* 24.3.1929

Geb. in Wildenfels (Krs. Zwickau); Vater Arbeiter; Volks- u. Handelsschule; 1946 FDJ, SED; 1948 – 51 Studium an der FS für Landw. in Zwickau u. Elbisbach, staatl. geprüfter Landwirt; 1949 FDGB; 1952 – 55 Sekr. für Landw. in der SED-KL Zwickau-Land; 1955 –58 PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 62 Sekr. für Landw. in der SED-BL Gera (Nachf. von Rudolf Bahmann), 1961/ 62 Vors. der Ständ. Kommission für Landw. des Bez.-Tags Gera; 1963 – 89 1. Sekr. der SED-BL Neubrandenb. (Nachf. von  Georg Ewald); 1963 – 16. Nov. 1989 Abg. des Bez.-Tags Neubrandenb. sowie der Volkskammer; ab 1967 Mitgl. des ZK der SED; 1974 VVO; 1973 – 89 Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 1979 KMO; 8.11.1989 Kand. des PB u. Sekr. für Landw. des ZK der SED, 10.11. der Parteifunktionen enthoben, 13.12. aus der SED ausgeschlossen.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Chwalek, Roman

* 24.7.1898 – ✝ 27.11.1974

Geb. in Woinowitz (Krs. Ratibor, Oberschles./ Wojnowice, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1912 – 14 Ausbildung in einer Maschinenfabrik; 1915 – 18 Militärdienst, zul. Uffz.; 1918 Einheitsverb. der Eisenbahner, USPD; 1919 – 30 Schlosser im Reichsbahnausbesserungswerk Oppeln, 1. Vors. des Betriebsrates; 1920 KPD, 1920 – 31 Mitgl. ihrer BL Oberschles.; 1924 – 30 Stadtverordneter in Oppeln, 1930 – 33 MdR u. Reichsltr. der Industriegr. Eisenbahn in der RGO, Nov. 1932 Org.-Ltr. des Reichskomitees der RGO; Sept. 1933 wegen illeg. pol. Arbeit verhaftet, Aug. 1934 Verurteilung durch den VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus, 1937 – Juni 1939 KZ Sachsenhausen, Sept. 1939 erneut verhaftet, nach wenigen Tagen wieder entlassen; 1939 – 45 Schlosser in Berlin-Neukölln. Mai 1945 Mitarb. der Kommunalen Verw. in Berlin-Britz; Mitunterz. des Aufrufs des Vorbereitenden Gewerkschaftsaussch. für Groß-Berlin u. Mitgl. des Aussch.; 1946 SED; 1946 – 55 Mitgl. des FDGB-BV, 1946 – 49 Vors. des LV Groß-Berlin u. 1949/50 der IG Eisenbahn; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 53 Min. für Arbeit (Nachf. von  Luitpold Steidle) u. 1953/54 für Eisenbahnwesen (Nachf. von  Hans Reingruber); ab Nov. 1954 – 68 Vorstandsmitgl., ab 1957 1. Stellv. des Präs. des Verb. Dt. Konsumgenossenschaften; 1958 u. 1963 VVO; 1968 KMO; 1968 Banner der Arbeit; 1973 Ehrenspange zum VVO; 1968 Rentner.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Classen, Gertrud

* 3.7.1905 – ✝ 3.9.1974

Geboren am 3. Juli 1905 in Königsberg/Ostpreußen, Tochter eines Meiereiverwalters. Nach Lyzeum und Mittelschule Ausbildung bei einem Kunstmaler, Besuch der Kunstakademien in Königsberg und Berlin. Seit 1924 Bundesführerin des Wandervogelmädchenbundes, der sich 1926 mit anderen unabhängigen Pfadfinder- und Wandervögelbünden zur Deutschen Freischar zusammenschloß. 1928 Austritt aus der Freischar, demonstrativ forderte sie alle auf, Mitglied des KJVD zu werden. Sie gehörte zunächst der anarchistischen »Paul-Albrecht-Gruppe« bzw. der Leninjugend an, trat dann aber inoffiziell in die KPD ein. Ihre Bürgen waren Hans Kippenberger und Leo Roth. Sie arbeitete für den AM-Apparat der KPD u. a. zusammen mit den Töchtern des Chefs der Heeresleitung General Kurt von Hammerstein. Als Mitglied des ABBKD gründete sie den »Bund revolutionärer Fach- und Kunstschüler«. Nach 1933 illegale Arbeit als Leiterin einer Gruppe junger Künstler an der Vereinigten Staatsschule für freie und angewandte Kunst. Sie übermittelte gemeinsam mit dem Gartenarchitekten Walter Rossow während ihrer Reisen nach Frankreich und Großbritannien Geheiminformationen für den Nachrichtendienst der KPD. Nach einem längeren Aufenthalt in der Schweiz kehrte sie im Sommer 1939 nach Berlin zurück, wo sie mehrmals verhört und zeitweilig festgenommen wurde. Nach dem 20. Juli 1944 beschaffte sie für Ludwig von Hammerstein falsche Papiere und half ihm, unterzutauchen. Nach Kriegsende langjährige Krankenhausaufenthalte, von 1950 bis 1953 Meisterschülerin an der AdK in Ost-Berlin, bis 1965 freischaffende Bildhauerin. Gertrud Classen starb am 3. September 1974 in Ost-Berlin.

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Claus, Roland

* 18.12.1954

Geb. in Hettstedt; Vater Arbeiter; Schulbesuch in Hettstedt u. Merseburg; 1973 Abitur; 1968 FDJ; 1973 – 76 Studium an der TH Leuna-Merseburg, Dipl.-Ing.-Ökon.; 1976/77 Ass. an der TH Leuna-Merseburg; 1977 – 81 stellv. Sekr., dann Sekr. der FDJ-Grundorg. an der TH Leuna-Merseburg; 1977 – 89 als IM »Peter Arndt« des MfS erf.; 1978 SED; 1983 – 90 Mitgl. der SED-BL Halle u. 1983 – 87 1. Sekr. der FDJ-BL Halle (Nachf. von Horst Dübner); 1987/88 Studium an der PHS; 1988/ 89 Abt.-Ltr. Verbandsorgane u. Mitgl. des Büros des ZR der FDJ, dort Okt. 1989/90 Sekr.; Nov. 1989/ 90 1. Sekr. der SED-BL Halle (Nachf. von  Hans-Joachim Böhme); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorbereitung des außerordentl. SED-Parteitags; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer; zeitw. Mitgl. des PDS-Parteivorst. 1990 – 97 Bez.-Vors. der PDS Halle; 1990 – 97 Vors. des PDS-Landesverb. Sachsen-Anh.; 1990 – 98 MdL Sachsen-Anh., dort Fraktionsvors.; ab 1990 Mitgl. des PDS-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1998 – 2002 u. seit Sept. 2005 MdB, 1998 – 2000 Parl. Geschäftsf. (Nachf. von  Dagmar Enkelmann), 2000 – 02 Vors. der PDS-Fraktion (Nachf. von  Gregor Gysi).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Cohrs, Eberhard

* 4.1.1921 – ✝ 16.8.1999

Geb. in Dresden; Vater Hutfabrikant; 1936 – 39 Ausbildung zum Konditor; Militärdienst; Sept. 1944 – Febr. 1945 Mitgl. des SS-Totenkopf-Wachbatl. im KZ Sachsenhausen (was er später verschwieg). 1945 Prüfung als Humorist vor der Internat. Artistenloge; Tourneen bis in die 50er Jahre vor allem mit Roby Hanson als Partner, Mitwirkung in der »Tönenden Funkillustrierten« (mit Uli Busch beim Sender Dresden), im »Leipziger Allerlei« (mit  Heinz Quermann beim Sender Leipzig); bis 1961 Gastspiele in ganz Dtl.; 1961 – 76 alljährl. im Friedrichstadtpalast Berlin, auch als Autor: 1964 »Der Mann, der Dr. Watson war«, 1966 »Kleiner Mann auf großer Fahrt«, 1968 »Er macht det schon«, 1970 »Mein Pferd Rodi«, 1973 u. 1975 »Hallo, Eberhard« u. a.; Tourneen mit Programmen »Hallo, Eberhard« mit wechselnden Partnern, u. a. Horst Feuerstein, Bobby Bölke, Hans Rohr, Peppi Zahl; Mitwirkung in zahlr. Sendungen des DDR-Fernsehens, DEFA-Filmen (u. a. »Hauptmann Florian von der Mühle«), 1976 am Volkstheater Rostock als Frosch in der »Fledermaus«; Anf. 1977 Übersiedlung nach Berlin (West), zahlr. Auftritte auf Bühnen, in Medien u. als Autor, u. a. für Harald Juhnke u. Diether Krebs. 1990 erfolgr. Comeback in Dresden, anschl. Gastspiele in versch. ostdt. Städten; 1997 Beendigung der künstler. Laufbahn wegen schwerer Erkrankung; gest. in Diensdorf (Krs. Oder-Spree, Brandenburg).Bernhard Hönig

Wer war wer in DDR

Correns, Erich

* 12.5.1896 – ✝ 18.5.1981

Geb. in Tübingen; Vater Karl Erich C., Biologe; Gymnasium in Leipzig u. Münster; Militärdienst; 1918 – 22 Studium der Chemie, Physik u. Botanik an den Univ. Berlin u. Tübingen, 1922 Prom. zum Dr. phil. in Berlin; 1922 – 24 Assistent am Kaiser-Wilhelm-Inst. (KWI) für Chemie Berlin u. am KWI für Lederforschung Dresden; 1925 Industriechemiker bei IG Farben Elberfeld, 1931 Ltr. des Acetylcellulose-Betriebs Elberfeld, 1933 Ltr. der Kupfer-Kunstseidenfabrik Dormagen, 1937 Ltg. u. Aufbau der Zellwolle- u. Kunstseide GmbH Schwarza (Thür.); 1939 Maßregelung durch NS-Behörden u. erzwungener Rücktritt als Betriebsltr.; seine Ehefrau starb beim Transport ins KZ; nach 1939 beratender Chemiker bei der Thür. Zellwolle AG u. dem Zellwolle-Kunstseiden-Ring. 1946 Dir. der Zellstoff- u. Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein (Saale); 1948 – 51 Ltr. der Thür. Kunstseidenwerke in Schwarza; 1949 NP; 1950 – 81 Präs. des NR der NF; Mitbegr. der Ztschr. »Faserforschung u. Textiltechnik« (später »Acta Polymerica«); 1951 Ord. Mitgl. der DAW, 1951 – 62 Dir. ihres Inst. für Faserstofforschung in Teltow-Seehof; 1953 – 59 Prof. für chem. Technol. der Zellstoffherstellung an der TH Dresden; 1954 VVO; ab 1954 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des ZV der DSF u. des Präs.-Rats des KB; 1956 Dr. jur. h. c. der HU Berlin; 1957 Mitgl. des Forschungsrats u. 1960 des Staatsrats; 1961 em.; 1971 KMO. Anerkannter Experte für Zellulosechemie, Arbeiten über Reaktionsabläufe bei der Herstellung techn. Zellstoffe u. über Bakterienzellulose.Hubert Laitko

Wer war wer in DDR

Creutzmann, Uwe

* 16.2.1944

Geb. in Lyck (Ostpr. / Ełk, Polen); Vater Angest.; 1950 – 61 POS in Berlin-Kaulsdorf; 1961 – 64 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser im VEB TRO »Karl Liebknecht«, in Berlin-Oberschöneweide (Berufsausbildung mit Abitur); 1965 / 66 NVA; 1966 – 71 Studium an der HU Berlin, Sektion Landw., Dipl.-Agraring.; 1971 – 73 Abt.-Ltr. für Pflanzenprod. im VEG Deutsch Wusterhausen; ab Jan. 1974 Mitarb. der Red. des DBD-Organs »Bauern-Echo«; 1974 DBD; stellv. u. Nov. 1989 – 92 Chefred. des »Bauern-Echo« (Nachf. von  Leonhard Helmschrott) bzw. des »Dt. Landblatts«; 1990 Mitgl. des DBD-PV u. seines Präs.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Czaplewski, Egon

* 10.10.1931

Geb. in Berlin; Lehre als Stalljunge im Rennstall von Friedrich Wilhelm Michaelis in Berlin-Karlshorst; 1946 – 50 Lehre als Jockey in Hoppegarten bei Michaelis; 1947 – 1971 aktiv als Jockey (Trainer Ewald Schneck); Bilanz: 1398 Siege, davon 1965 106 Siege in 320 Rennen; 1954 – 1969 16mal Sieger im Championat der DDR, vier Derbysiege: 1957 auf »Tannenhäher«, 1959 auf »Fahnenträger«, 1961 auf »Ondra«, 1970 auf »Meernymphe«; fünf Siege beim »Großen Preis der DDR«; internat. Erfolge u. a. in Moskau, Budapest (»Friedenspreis«) u. Warschau; Fernstudium an der FS für Landw. in Oranienburg (Agraring.); Lehrmeister an der Zentralen Ausbildungsstätte für Rennsport der DDR in Hoppegarten; Trainer im Rennstall Graditz u. a. von Meisterjockey Alex Mirus; erreichte fast 800 Trainersiege. Seit 1995 Privattrainer; lebt in Neuenhagen (b. Berlin).Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Büttner, Henry

* 12.11.1928

Geb. in Wittgensdorf; Malerlehre, Dekorateur u. Schildermaler; Plakatmaler im HO-Warenhaus Karl-Marx-Stadt; seit 1958 freischaff. Karikaturist; Arbeiten regelmäßig in der Ztschr. »Eulenspiegel« u. in and. Ztschr.; lebt zurückgezogen in Wittgensdorf. Seine Zeichnungen zeigen skurrile Alltagssituationen vor allem zwischen Männern und Frauen.Bravo, da capo. Berlin 1978; Gesellschaftsspiele. Berlin 1980; Das gute Beispiel. Berlin 1988; Krampflos in die nächste Runde. Berlin 1990; Das dicke Büttner-Buch. Berlin 1995; Männer sind auch nur Menschen. Berlin 2001.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Caden, Gert

* 10.6.1891 – ✝ 9.9.1990

Geboren am 10. Juni 1891 in Berlin, Sohn eines preußischen Generalleutnants. Er besuchte die Kadettenschule und gehörte dem Pagenkorps am sächsischen Königshof in Dresden an. Während des Ersten Weltkrieges wurde er zum Pazifisten, beendete seine militärische Laufbahn als Oberleutnant und wurde Kunstmaler. Studium an der Kunstakademie in Dresden, 1921 Anschluß an die Gruppe der internationalen Konstruktivisten (später von den Nazis als entartete Kunst verleumdet). Über Ernst Schneller und Hans Kippenberger fand er 1931 Anschluß an die KPD und wurde Mitarbeiter des AM-Apparates (Deckname Cello), knüpfte Kontakte in die Reichswehr und die Rüstungswirtschaft. Er wurde Mitglied der deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaft, gehörte dem Stahlhelm an und hatte Zugang zu Informationen aus der Stahlhelmführung. Nach 1933 konnte er seine Informationsverbindungen noch ausbauen und berichtete bis 1937 über Reichswehrübungen, Ausbildungseinrichtungen der Reichswehr und nahm an internen wehrpolitischen Diskussionen teil. Bis Mitte 1937 traf er sich in Paris bzw. in Prag mit Hermann Nuding und Ella Schwarz. 1938 emigrierte er nach Frankreich, 1939/40 Internierung, Anfang 1942 kam er über Marokko nach Kuba und wurde Mitbegründer und Leiter des Komitees deutscher Antifaschisten in Havanna, 1946 des »Freundeskreises Alexander von Humboldt«. Im Januar 1948 Rückkehr nach Deutschland, wurde Mitglied der SED und 1949 Leiter der 2. Deutschen Kunstausstellung in Dresden. 1949/50 Abgeordneter der Provisorischen Volkskammer und ab 1950 Stadtverordneter in Dresden, freischaffender Maler. Er arbeitete nach seiner Rückkehr nach Deutschland sowohl für den sowjetischen Nachrichtendienst KGB als auch für das MfS, erhielt 1978 den Nationalpreis der DDR. Gerd Caden starb am 9.September 1990 in Dresden.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Carow, Heiner

* 19.9.1929 – ✝ 31.1.1997

Geb. in Rostock; Vater Kfm.; 1950 – 52 Regiekl. im DEFA-Nachwuchsstudio bei  Gerhard Klein u.  Slátan Dudow; 1952 – 56 DEFA-Studio für populärwiss. Filme (1952 »Bauern erfüllen den Plan«, 9 weitere Kurzdokumentarfilme folgten); seit 1957 Regisseur bei der DEFA; 1959 Mitgl. der Gruppe »Berlin« unter der Ltg. von Slátan Dudow; Kinder- u. Jugendfilme (1957 »Sheriff Teddy«, Buch u. R: 1958 »Sie nannten ihn Amigo«, 1965 »Die Reise nach Sundevit«, 1975 »Ikarus«), Gegenwartsfilme (1959 »Das Leben beginnt«; Buch u. R: 1963 »Die Hochzeit von Lännecken«, 1971 »Karriere«, 1973 »Die Legende von Paul u. Paula«; 1978 »Bis daß der Tod euch scheidet«, 1986 nach siebenjähriger Pause »So viele Träume«, 1989 »Coming out«), sein Film »Die Russen kommen«, entstanden in den 60er Jahren, wird erst 1987 öffentl. aufgeführt; 1975 Drehbuch zu »Jestem Baba – Ich bin ein Weib«, Mitte der 60er Jahre zwei Theaterinszenierungen in Rostock; 1978 Mitgl. u. 1982 – 91 Vizepräs. AdK der DDR, 1984 Mitgl. AdK Berlin (West); 1988 – 90 Mitgl. des Präs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden der DDR; 1959 u. 1967 Heinrich-Greif-Preis; 1980 NP; 1989 Prof.; 1989 Kritikerpreis für Film des Verb. Dt. Kritiker; 1990 Silberner Bär u. Konrad-Wolf-Preis der AdK für »Coming Out«. Nach 1991 Arbeit an TV-Serien u. Filmen für das Fernsehen, u. a. 1991 »Verfehlung«, 1992 »Vater Mutter Mörderkind«, 1996 »Fähre in den Tod«; 1993 Mitgl., 1996 stellv. Direktor u. ab Aug. 1996 Dir. der Abt. Film u. Medienkunst der AdK Berlin-Brandenburg; gest. in Berlin. C.s Filme zeichnen sich durch die Gestaltung besonders jugendlicher Helden als Individuen mit dem entsprechenden Blickwinkel auf ihre Umwelt aus, was ihn wiederholt in Konflikte mit den Parteigremien brachte.DEFA-Spielfilm-Regisseure u. ihre Kritiker. Bd. 2. Berlin 1983; Schenk, R. (Red.): Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946 – 1992. Berlin 1994.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Charisius, Eberhard

* 2.10.1916 – ✝ 29.3.1980

Geb. in Wiesbaden; Vater Reg.-Dir.; Volksschule, 1926 – 35 Gymnasium in Düsseldorf; 1934/35 NSDAP, SS (Sanitäter); 1937 Abschluß der Offz.-Schule in Dresden, Oblt.; 1938 Kampffliegerschule in Faßberg (Funker, Beobachter), 1940 Flugzeugführerschule in Zeltweg (b. Insterburg); bis 1941 im Kriegseinsatz; 22.6.1941 Notlandung wegen Motorschaden; 1941 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1942 Zentr. Antifa-Schule in Oranki; 1942 – 45 Mitgl. der Gr.  Ulbricht bei Stalingrad; Agit. u. Prop. an der Südwestfront der Sowjetarmee; 1943 Mitbegr. des NKFD u. dessen Frontbevollm.; in Dtl. in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Polizeidir. in Gera; KPD; 1946 Abt.-Ltr., ab 1948 Stabschef der HA Grenzpolizei bei der DVdI; 1949 Kdr. der HV Ausbildung der KVP; 1949/50 Kursant, Panzerausbildung in der UdSSR; 1950 – 53 Stellv. Kdr. für Ausbildung an der Panzer-Offz.-Schule der KVP; 1954 – 56 1. Stellv. Kdr. der II. mechan. Bereitschaft der KVP Dresden; 1956 – 59 Mitarb. im Wehrbez.-Kdo. der NVA, Oberst; 1959 – 61 Lehrerstudium am Pädagog. Inst. Dresden (Russ. u. Geschichte); 1960 Abschl. an der KMU Leipzig, Dipl. Militärhist.; 1961 – 67 Lehrer in Dresden, dann Berufsschullehrer für Staatsbürgerkunde u. Pol. Ökon.; 1965 VVO; 1970 Orden des Vaterländ. Kriegs.Hoppe, G.: Drei Begegnungen am Weg zum Heute. In: Neue Dt. Presse (1967) 10.Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Cherk, Johannes

* 17.12.1911 – ✝ 25.9.2002

Geb. in Hamborn bei Duisburg; Vater Bergarb.; Volksschule; Arbeit als Bergarb.; 1945 KPD, 1946 SED; Studium an der LPS u. an der PHS der SED; bis 1952 1. Sekr. der SED-KL Mansfeld; 1952 / 53 2. Sekr. der SED-BL Halle, nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 wg. »Nichtausübung seiner Funktion in einer für die Partei entscheidenden Situation« abberufen.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Chwalek, Roman

* 24.7.1898 – ✝ 27.11.1974

Geboren am 24. Juli 1898 in Woinowitz/Oberschlesien, Sohn eines Eisenbahners; Lehre in einer Maschinenfabrik. 1915 bis 1918 Militärdienst, 1918 Mitglied im Eisenbahnerverband und der USPD. Chwalek war von 1919 bis 1930 Schlosser im Reichsbahnausbesserungswerk in Oppeln und dort 1. Vorsitzender des Betriebsrates. 1920 trat er der KPD bei und blieb bis 1931 in der KPD-BL Oberschlesien und von 1924 bis 1930 Stadtverordneter in Oppeln. Im September 1930 im Wahlkreis Oppeln und im Juli 1932 im Wahlkreis Liegnitz in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Chwalek war zunächst Reichsleiter der Industriegruppe Eisenbahn der RGO und ab November 1932 Orgleiter des Reichskomitees der RGO. 1933 illegale Arbeit, im September 1933 verhaftet und im August 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte, anschließend im KZ Sachsenhausen. Im Juni 1939 freigelassen, lebte er bis 1945 als Schlosser in Berlin-Neukölln. Im Mai 1945 gehörte er zu den Mitunterzeichnern des Aufrufs des Vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses für Groß-Berlin. Als Kommunist Vorsitzender des FDGB in Berlin, von 1946 bis 1955 Mitglied des FDGB-Bundesvorstandes und von 1949 bis 1951 Vorsitzender des ZV der IG Eisenbahn in der SBZ/DDR. Ab 1950 Minister für Arbeit und 1953/54 für Eisenbahnwesen in der Regierung Grotewohl, im Mai 1954 abberufen. Die ZPKK der SED besaß eine schriftliche Erklärung, in der er sich anläßlich seiner Entlassung aus dem KZ der Gestapo gegenüber verpflichtet hatte, jegliche politische Tätigkeit gegen das NS-Regime künftig einzustellen. Ab November 1954 bis 1968 Vorstandsmitglied bzw. Stellvertreter des Präsidenten des Verbandes Deutscher Konsumgenossenschaften in der DDR. Roman Chwalek starb am 27. November 1974 in Ost-Berlin. Seine Frau Martha Chwalek, geborene Wende (*1. 10. 1899 – † 15. 2. 1986), war Sekretärin und Stenotypistin. Seit 1925 KPD-Mitglied, 1928 Stadtverordnete in Breslau, ab 1930 im schlesischen Provinziallandtag. Sie arbeitete im RGO-Reichskomitee und absolvierte 1931/32 einen Lehrgang an der Leninschule in Moskau. Nach 1933 im Widerstand, deshalb am 18. Januar 1934 festgenommen und im Februar 1935 vom VGH zusammen mit Wilhelm Agatz zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Bis Juli 1938 in KZs. Von 1945 bis 1949 als Mitglied der KPD/SED im Bezirksamt Berlin-Neukölln, ab 1948 Verwaltungsleiterin des Krankenhauses Berlin Prenzlauer Berg. Später Leiterin des Hauptamtes für Gesundheitswesen in Ost-Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Classen, Herta

* 5.3.1913 – ✝ 17.4.1986

Geb. in Chemnitz; Vater Angest.; Volks- u. Handelsschule; Ausbildung u. Arbeit als Anwaltsgehilfin, 1933 – 46 Verkäuferin im Leinehaus Voigt in Pulsnitz (Sachsen). 1945/46 KPD/SED; Red. der »Sächs. Ztg.«, Landtagsberichterstatterin; 1948/49 Studium an der PHS, 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; Herbst 1949 – Jan. 1951 Presseref. des SED-PV bzw. des ZK der SED; 1951 – 56 Red., 1956 – 59 Chefred. des Dtl.-Senders; 1959 – 69 Intentantin des Berliner Rundfunks, anschl. bis 1982 als Kommentatorin tätig; 1961 Stellv. des Vors. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1960 – 71 Mitgl. der SED-BL Berlin, 1961 – 67 Mitgl. des Präs. des VDJ-ZV; 1962 – 66 stellv. Vors. der Freundschaftsges. DDR-Japan; 1963 VVO; 1968 »Clara-Zetkin-Medaille«; 1973 u. 1978 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Clement, Fritz

* 28.2.1926 – ✝ 20.7.2004

Geb. in Magdeburg; Vater Galvaniseur; Volks- u. Mittelschule; Ausbildung zum Maurer; 1943 – 45 Wehrmacht, 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED u. FDJ; 1949 – 53 hauptamtl. FDJ-Funktionär, 1950 Sekr. der SED-GO im FDJ-LV Sachsen-Anh.; 1953 – 55 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1960 Höherer Akadem. Kurs an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1955 – 62 Instrukteur, 1962 – 88 Sektorenltr. (Sektor NVA) in der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED; 1964 Oberst; Fernstudium an der Militärakad. »Friedrich Engels«, Dipl. rer. mil.; 1971 Gen.-Major.Andreas Herbst

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Coldam, Hanno

* 25.10.1932 – ✝ 13.4.1992

Geb. in Berlin; Vater Schmied; Volksschule; Ausbildung zum Schmied; danach Requisiteur beim Zirkus Barlay, ab 1950 Tierpfleger bei Gilbert Houcke, 1954 Dompteur im Zirkus Aeros, ab 1960 Staatszirkus der DDR, dort bis 1990 Chefdompteur u. Lehrmstr. vieler Nachwuchsdresseure; dressierte internat. stark beachtete Raubtiergr., so 18 Löwen (u. a. komische Darbietung »Rasierlöwen«), eine Gruppe schwarzer Panther, zul. 16 indische Löwen; Vorführung auch durch seine Frau Regina Marcella u. Tochter Marcella; gest. in Berlin.Zimmermann, A.-L.: Sensation in der Manege. In: Die große Raubtierschau. Berlin 1978; Winkler, G. u. D.: Biogr. In: Die große Raubtierschau.Dietmar Winkler

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Cremer, Fritz

* 22.10.1906 – ✝ 1.9.1993

Geb. in Arnsberg (Westf.); Vater Polsterer u. Dekorateur; 1916 – 21 Gymnasium; 1921 – 25 Ausbildung zum Steinbildhauer in Essen; 1926 KJVD; 1926 – 28 Arbeit als Steinmetzgeselle, führte u. a. Skulpturen nach Modellen von  Will Lammert aus, besuchte Plastikkurse an der Folkwang-Schule in Essen; 1928 KPD; 1928 – 34 Studium an der Vereinigten Staatsschule für freie u. angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg, Lehrer Wilhelm Gerstel; 1930 Mitbegr. einer Gruppe des Roten Studentenbundes; 1934 – 38 Mstr.-Schüler bei Wilhelm Gerstel; 1936 Bronzerelief »Trauernde Frauen« (auch »Gestapo«); 1937/38 Studium an der Dt. Akad. in Rom, ab 1938 Mstr.-Ate- lier an der Preuß. AdK; 1940 – 44 Wehrmacht; 1944 – 46 jugosl. Gefangenschaft. Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 50 Prof. u. Ltr. der Bildhauerabt. an der Akad. für angewandte Kunst in Wien; 1950 DAK u. Ltr. eines Mstr.-Ateliers; 1953 SED; Übersiedlung nach Potsdam, dann nach Berlin; 1953, 1958 u. 1972 NP; 1965 VVO; 1967 Ehrenmitgl. der AdK der UdSSR; 1974 KMO; 1974 – 83 Vizepräs. der AdK; Nov. 1976 Mitunterz. des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns, zog seine Unterschrift kurz darauf zurück; gest. in Berlin. Hauptwerke: Mahnmale für die OdF: Denkmal auf dem Zentralfriedhof in Wien (1947), Herz von Mauthausen u. Mahnmal im KZ Ebensee (1949), Buchenwalddenkmal (1952 – 58), Mahnmal für das KZ Ravensbrück (1959/60); »O Dtl., bleiche Mutter«, Denkmal für das KZ Mauthausen, Denkmal für dt. Spanienkämpfer in Berlin-Friedrichshain (1966 – 68).Nur Wortgefechte? Aus Schriften, Reden, Briefen, Interviews 1949 – 1989. Hrsg. von M. Rüger. Berlin 2004. Schmidt, D.: F. C. Dresden 1972 u. 1973; Kat. F. C. Duisburg 1980; Kat. F. C. Karl-Marx-Stadt 1986; F. C. Lithographien 1955 – 88. Berlin 1988; Brüne, G.: Pathos u. Soz. Studien zum plast. Werk F. C. (1906 – 1993). Weimar 2005; Kat. F. C. – Zeichnung u. Plastik. Güstrow 2006; Kat. F. C. – Plastiken u. Zeichnungen – Retrospektive. Frankfurt (Main) 2009.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Croy, Jürgen

* 19.10.1946

Geb. in Zwickau; Vater Kfz.-Klempner; Grundschule; 1955 – 80 aktiver Fußballspieler (Mittelstürmer, dann Torhüter), bis 1965 bei der BSG Aktivist Karl Marx Zwickau, dann Motor bzw. BSG Sachsenring Zwickau; 1963 – 67 Ausbildung zum u. Arbeit als Elektriker; 1965 UEFA – Junioren-Turniersieger; 1967 –75 Studium an der PH Zwickau, Dipl.-Sportlehrer; 1976 – 82 hier auch wiss. Mitarb.; 1982 – 88 Fußballtrainer bei der BSG Sachsenring Zwickau, seit 1988 deren Vors.; 1967 u. 1975 DDR-Pokalsieger, 94 Länderspiele, 23 Spiele in der Olympia-Auswahl, zehn Europacupspiele, Teiln. an der Weltmeisterschaftsendrunde 1974, zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1972 3. Platz, 1976 Sieger; 1972, 1976 u. 1978 DDR-Fußballer des Jahres. 1990 Repräsentant der Sportartikelfirma »Puma« für Dresden, Chemnitz u. Gera; ab 1994 Verlagsltr. von drei Anzeigenblättern im Chemnitzer Raum; 1994 Ehrenbürger der Stadt Zwickau; 1991 – 2000 Bürgermstr. der Stadt Zwickau u. Dezernent für Schule, Kultur u. Sport; bis Mai 1997 Mitgl. des Verw.-Rates der BSG Sachsenring bzw. FSV Zwickau; seit 2000 Dir. der Kultur-, Tourismus- und Messe Betriebs GmbH.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Czechowski, Heinz

* 7.2.1935 – ✝ 21.10.2009

Geb. in Dresden; Vater Beamter; Ausbildung zum graf. Zeichner u. Reklamemaler; Arbeit als Bauzeichner; 1958 – 61 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher», Schüler von  Georg Maurer; 1961 – 65 Lektor beim Mitteldt. Verlag Halle; 1962 erster Gedichtband »Nachmittag eines Liebespaares«, mit dem sich C. in die sog. Sächs. Dichterschule einreihte; 1963 – 79 SED, gestrichen; 1964 Kunstpreis der Stadt Halle; 1965 – 71 freischaff. Schriftst. (Lyrik, Kinderstücke, Nachdichtungen, Essays, Hrsg. von Anthologien); 1971 – 73 liter. Mitarb. der Bühnen der Stadt Magdeburg; ab 1973 freischaff. Schriftst.; Mitunterz. der  »Biermann-Resolution«; 1977 Heinrich-Heine-Preis; das MfS zählte ihn zum »feindlich-negativen Kern der Kulturschaffenden«; ab 1979 vom MfS u. a. im OV »Lyrik« erf.; 1982 – 91 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1984 Heinrich-Mann-Preis. 1990 Stadtschreiber in Bergen-Enkheim; 1991 Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl.; 1991 – 93 Präs.-Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl.; 1996 Hans-Erich-Nossack-Preis; 1998 Stadtschreiber in Dresden; 2001 Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau; gest. in Frankfurt (Main). Unpathet. Lyriker, anfängl. Verbindung von Natur- u. Gedankenlyrik, später skeptischere philos.-hist. Gedichte; erfolgr. Autor von Kinderstücken.Wasserfahrt. Halle 1967; Schafe u. Sterne. Halle 1974; Was mich betrifft. Halle 1981; Der Meister u. Margarita (Stück nach M. Bulgakow). Berlin 1986; Mein Venedig. Gedichte u. andere Prosa. Berlin 1989; Nachtspur. Gedichte u. Prosa. Zürich 1993; Mein Westfälischer Frieden. Paderborn 1998; Das offene Geheimnis. Gedichte. Düsseldorf 1999; Die Zeit steht still. Düsseldorf 2000; Seumes Brille. Düsseldorf 2002; Schriften. Düsseldorf 2003; Die Pole der Erinnerung. Autobiogr. Düsseldorf 2006. Emmerich, W.: H. C. In: Krit. Lex. zur dt.-sprachigen Gegenwartslit. München 1978 ff.Andreas Kölling