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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Cherk, Johannes

* 17.12.1911 – ✝ 25.9.2002

Geb. in Hamborn bei Duisburg; Vater Bergarb.; Volksschule; Arbeit als Bergarb.; 1945 KPD, 1946 SED; Studium an der LPS u. an der PHS der SED; bis 1952 1. Sekr. der SED-KL Mansfeld; 1952 / 53 2. Sekr. der SED-BL Halle, nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 wg. »Nichtausübung seiner Funktion in einer für die Partei entscheidenden Situation« abberufen.Mario Niemann

dissidenten.eu

Chryzostom, Ján

* 1924 – ✝ 2015

Bischof in der katholischen Untergrundkirche. Führende Persönlichkeit der Kirchenopposition und seit 1991 Kardinal. Ján Chryzostom Korec wurde 1924 in Bošany, unweit von Topoľčany im Westen der Slowakei geboren. Er studierte Theologie und Philosophie in Brünn (Brno) und Trnava. Während der Klosterauflösungen 1950 durch die Kommunisten sperrte man Korec in Internierungslager in Jasov, Podolínec und Pezinok. Im September desselben Jahres wurde er wegen seines schlechten Gesundheitszustands aus dem Lager entlassen. In den 50er Jahren arbeitete Korec daraufhin in einer Fabrik. Am 1. Oktober 1950 wurde er heimlich zum Kaplan geweiht, am 24. August 1951 dann zum Bischof, wovon die Staatssicherheit 1955 erfuhr. Die erste von vielen weiteren Hausdurchsuchungen fand bei ihm am 21. Januar 1960 statt, am 11. März wurde er verhaftet. Im Mai desselben Jahres verurteilte ihn das Bezirksgericht Bratislava (Pressburg) in einem nichtöffentlichen Prozess zu zwölf Jahren Gefängnis. Durch die Bekanntgabe des Urteils erfuhr die Öffentlichkeit auch, dass Korec das Bischofsamt ausübte. Nach fast acht Jahren wurde er am 20. Februar 1968 aus der Haft entlassen und anschließend am 24. Juni 1969 rehabilitiert. Trotzdem konnte er in den 70er und 80er Jahren nur als Fabrikarbeiter und Straßenreiniger in Bratislava arbeiten, auch gingen die staatlichen Schikanen weiter. Zwischen 1975 und 1979 wurde er 15 Mal verhört. In den 80er Jahren meldete sich Ján Chryzostom Korec wiederholt in der Öffentlichkeit zu Wort. Zu seinen Mitstreitern gehörten unter anderem Silvester Krčméry (durch dessen Vermittlung er <a href="laender/slowakei/biografien/dominik-tatarka/" class="internal-link">Dominik Tatarka</a> kennen lernte), Vladimír Jukl, František Mikloško und Vladimír Ďurikovič. Engen Kontakt hielt Korec auch zu Josef Zvěřina und zu slowakischen Geistlichen der evangelisch-augsburgischen Kirche (vor allem mit Jozef Juráš und seiner Familie). Mit polnischen Priestern und katholischen Bürgerrechtlern hatte er dagegen nur gelegentlichen Kontakt. Auf der polnischen Seite vermittelten die mit dem Papst befreundete Wanda Półtawska und das Umfeld der Zeitschrift *„Tygodnik Powszechny“ (Allgemeine Wochenzeitung) einen Kontakt zwischen Johannes Paul II. und den slowakischen Dissidenten, neben Korec auch Krčméry und Jukl. Der Priester Stanisław Ługowski vom Marianerorden war einer von vielen, der Hilfe für die slowakische Kirche organisierte. Ługowski war seit 1990 in der Diözese Nitra aktiv. Zusammen mit Mikloško und <a href="laender/slowakei/biografien/jan-carnogursky/" class="internal-link">Ján Čarnogurský</a> stattete Korec Kardinal František Tomášek in Prag einen Besuch ab. Korec spielte eine sehr wichtige und integrative Rolle für die slowakischen katholischen Bürgerrechtler. Im Vorfeld der Wahlen zum slowakischen Nationalrat im April 1980 protestierte er gegen die Verfolgungs- und Verhörmethoden der Staatssicherheit. 1983 unterschrieb er eine Petition, welche die Repressionen des staatlichen Sicherheitsapparats gegen den Franziskanerorden verurteilte. Später verfasste er einen Brief an den slowakischen Premier Peter Colotka, in dem er gegen die Maßnahmen der Staatssicherheit während der *Kerzendemonstration protestierte. Obwohl er an dieser Demonstration nicht persönlich teilgenommen hatte, wurde er daraufhin von der Staatssicherheit festgenommen.Im November 1987 unterschrieb er die „Erklärung zur Deportation der Juden aus der Slowakei“ (Vyhlásenie k deportáciám Židov zo Slovenska). Er bekundete öffentlich seine Solidarität mit den inhaftierten Untergrundaktivisten der katholischen Kirche und unterstützte ebenso diejenigen, die den katholischen Samisdat organisierten. Seine Schriften erschienen unter anderem in Kanada, Italien und Österreich. 1990 empfing er die Weihe zum Erzbischof von Nitra, ab 1991 war er Kardinal. Ján Chryzostom Korec starb 2015 mit 91 Jahren in Nitra.Norbert Kmeť Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 12/16

Wer war wer in DDR

Cilenšek, Johann

* 4.12.1913 – ✝ 14.12.1998

Geb. in Großdubrau (Krs. Bautzen); Vater Porzellandreher; 1924 – 33 OS in Bautzen; 1933 RAD; 1934 Hilfsarb. in der Porzellanfabrik Hermsdorf; 1935 – 39 Studium am Kirchenmusikal. Inst. Leipzig bei Johann Nepomuk David (Komposition) u. Friedrich Högner (Orgel); 1937 NSDAP; 1939 – 45 dienstverpflichtet als Schleifer u. Dreher. 1945/46 KPD/SED; Lehrer für Tonsatz u. Komposition am Thür. Landeskonservatorium Erfurt; 1947 Prof. für Tonsatz u. Komposition, 1966 – 72 Rektor der HS für Musik »Franz Liszt« in Weimar (Nachf. von Werner Felix); 1951 – 56 u. 1964 – 66 Vors. des Bez.-Verb. Thür. u. Mitgl. des ZV des VDK; 1961 – 91 Mitgl. der DAK/AdK, 1978 – 90 Vizepräs. der AdK; 1980 em.; 1955, 1970 u. 1978 NP; 1969, 1980 u. 1983 VVO, 1988 Ehrenspange des VVO in Gold; gest. in Erfurt. Komponierte v. a. Instrumentalmusik: Fünf Sinfonien (1954 – 59), Konzertstücke für Klavier u. Orchester (1966), Konzert für Orgel u. Streichorchester (1984), Konzerte für Soloinstrumente u. Orchester, Mosaik für 13 Streicher oder Großes Streichorchester, Silhouetten für 15 Solostreicher.Matthias Braun / Christian Krause

Wer war wer in DDR

Claus, Carlfriedrich

* 4.8.1930 – ✝ 22.5.1998

Geb. in Annaberg (Erzgeb.); 1945 – 48 Ausbildung zum Kfm.-Gehilfe; seit 1951 künstler. Arbeit in Annaberg; Autodidakt, zunächst experiment. poetische Texte; 1953/54 Theater- u. Kunstkritiken für die Ztg. »Volksstimme« (Karl-Marx-Stadt); 1958 – 60 Phasenmodelle u. Letternfelder; 1959 experiment. Sprechprozesse auf Tonband; mit Sprachblättern Übergang zur bildenden Kunst; 1962 Einbeziehung der Rückseite der Sprachblätter; 1964 erste Personalausstellung Staatl. Kunsthalle Baden-Baden; 1975 Mitgl. des VBK; Ausstellung Galerie Arkade, Berlin; 1978 2. Preis der Internat. Grafik-Biennale in Kraków; 1979 Ausstellung Galerie Clara Mosch (gem. mit K. Sobolewski), Karl-Marx-Stadt. 1991 Mitgl. der AdK (West); Visuelle Poesie, im Grenzbereich von Zeichnen u. Schreiben, Forschung zu Philos., Psychol., Lit. u. Geschichte; gest. in Chemnitz. Werke: Geschichtsphilosoph. Kombinat, Folge von 26 Blättern, 1959 – 64; Grafikmappe Aurora. Dresden 1977.Notizen zwischen der experiment. Arbeit – zu ihr (zugl. Kat. der Ausstellung Staatl. Kunsthalle Baden-Baden). Frankfurt (Main) 1964. Kat. C. C. Galerie Arkade. Berlin 1975; Kat. C. C. Sprachblätter. Kupferstichkabinett Dresden 1980; Kat. C. C. Erwachen am Augenblick (mit Bibl.). Städt. Museen Karl-Marx-Stadt 1990.Anke Scharnhorst / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Coburger, Karli

* 4.10.1929

Geb. in Neuhaus-Schierschnitz (Thür.); Vater Porzellandreher; Volks- u. 1943 – 46 Handelsschule, Kfm; 1946 – 48 Wirtschafts-OS Sonneberg; 1948/49 Volontär im Plastewerk Köppelsdorf; 1949 SED; 1949/50 Lehrgang an der DVA; 1950 – 52 Betriebsassistent; Techn. Abendschule; 1952 Mitarb. des MfS, BV Leipzig; 1953 MfS Berlin, HA IX (Untersuchungsorgan); 1957 – 60 Fernstud. Kriminalistik an der Polizeischule Aschersleben; 1966 Staatsexamen in Kriminalistik an der HU Berlin; 1976 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche über die Durchsetzung der strafrechtl. Verantwortung von Bürgern nichtsoz. Staaten durch das MfS; 1984 – 89 Ltr. der HA VIII (Beobachtung/Ermittlung) des MfS (Nachf. von  Albert Schubert); Gen.-Major; 1990 Entlassung. Juli 2000 wg. Beihilfe zur Rechtsbeugung u. Freiheitsberaubung vom LG Berlin zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; Mitgl. der AG Recht der Gesell. zur rechtl. u. humanit. Unterstützung e. V. (GRH).Grimmer, R. u. A. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor); Siegerjustiz? (Hg. von der GRH). Berlin 2003 (Mitautor). Schißau, R.: Strafverfahren wegen MfS-Unrecht. Berlin 2006.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Cornu, Auguste

* 9.8.1888 – ✝ 6.5.1981

Geb. in Beaume (Frankreich), aufgewachsen in einer Intellektuellenfam. auf Korsika; 1906 – 14 Studium der Germanistik, Ökon. u. Rechtswiss. in Paris u. Dtl., dort erste Kontakte zur Sozialdemokratie u. Gewerkschaftsbew.; 1913 Mitgl. der Sozialist. Partei Frankreichs, 1920 der KP Frankreichs (KPF); 1920 Prom. mit einer philosoph.-histor. Studie über Moses Hess; anschl. Gymnasiallehrer für dt. Sprache u. Lit.; 1934 Habil. mit einer Arbeit über den jungen Marx u. nebenamtl. Lehrtätigkeit an der Sorbonne in Paris; im Zweiten Weltkrieg Angeh. der Résistance; 1948 Pensionierung u. durch Vermittl. der KPF Gastprof. für vergleichende Geistes- u. Literaturgesch. an der Univ. Leipzig. 1952 – 56 Prof. für Kulturgesch. an der HU Berlin; ab 1957 Ltr. der für ihn eingerichteten Marx-Engels-Forschungsstelle der DAW; 1964 Korr. Mitgl. der DAW; 1971 ausw. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1976 Ruhestand; 1956 Friedrich-Engels-Preis der DAW; 1959 NP; 1968 KMO; 1973 VVO; 1978 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. Im Mittelpunkt von C.s Forschungen standen das Leben u. Werk von Karl Marx u. Friedrich Engels mit einem deutl. Schwerpunkt auf deren frühe Lebens- u. Schaffensperiode (bis etwa 1852); seine monumentale Marx-Engels-Biogr. blieb unvollendet.La Jeunesse de Karl Marx 1818 – 1845. Paris 1934; Karl Marx u. die Entw. des modernen Denkens. Berlin 1950; Karl Marx u. Friedrich Engels. Leben u. Werk. 3 Bde. Berlin 1954, 1962, 1968; Karl Marx. Die ökonom.-philosoph. Manuskripte. Berlin 1955; Die Herausbildung des histor. Materialismus bei Marx. Berlin 1967. Cornu-Heft der Dt. Ztschr. für Philos. (1968) 7; Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Sitzungsberichte der AdW 1973, Nr. 20. (mit Schriftenverz.); A. C. zum Gedenken. In: Ztschr. für Geschichtswiss. (1981) 29.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Creutzburg, Richard

* 21.1.1905 – ✝ 1936

Geboren am 21. Januar 1905 in Tabarz/Thüringen; Bruder von August Creutzburg, wurde Fabrikarbeiter. Anfang der zwanziger Jahre im Bezirk Mittelrhein Funktionär des Kommunistischen Jugendverbandes. 1923 als Rechter vom Posten des Jugendleiters abgewählt. 1925 zunächst Redakteur der »Sozialistischen Republik« in Köln, später politischer Redakteur (kurzzeitig Chefredakteur) an anderen kommunistischen Organen, der »Freiheit« in Düsseldorf, der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim, zuletzt Redakteur der »Roten Fahne«. Creutzburg wurde 1928 von der KPD zum Studium an die Komintern-Schule nach Moskau geschickt, aber schon Anfang 1929 aus der UdSSR ausgewiesen. Als rechter Kommunist war er angeblich »Mitglied einer Geheimorganisation, die sich als Ziel den Kampf gegen die Sowjetunion und die KPdSU gesetzt hat«. Aus der KPD ausgeschlossen, ging er zur KPO und war für diese aktiv. Schon im März 1929 hatte die KPD-Zeitung »Sozialistische Republik« vor dem »früheren Genossen Richard Creutzburg« gewarnt, der Kommunisten über die UdSSR »aufklären« wollte. Als Erwerbsloser lebte er in Köln in schlimmer Armut. Im August 1936 stürzte Richard Creutzburg von der Mühlheimer Rheinbrücke, zweifelhaft, ob es Selbstmord war oder er von den Nazis ermordet wurde. Die KPO ehrte ihn als »ein Opfer des Hitlerfaschismus, auch wenn er nicht direkt von der Gestapo ermordet wurde«. Martin Creutzburg veröffentlichte 2003 im Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung eine biographische Skizze über Richard Creutzburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Crüger, Herbert

* 17.5.1911 – ✝ 17.1.2003

Geboren am 17. Mai 1911 in Berlin-Rixdorf, Sohn eines Buchdruckers; Schiffsjunge, von 1928 bis 1931 kaufmännische Ausbildung in Berlin, anschließend arbeitslos. Gehörte zunächst der HJ in Berlin-Neukölln an, trat 1932 zum KJVD und zur Roten Jungfront über, arbeitete dann für den AM-Apparat der KPD. 1934/35 U-Haft, 1935 Flucht in die Tschechoslowakei, dort weiter für den AM-Apparat tätig. 1937 Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der spanischen Republik in Barcelona, ab September 1938 wieder in Prag, dann in Zürich, 1940 in Schweizer Arbeitslagern interniert. Seit 1942 KPD-Mitglied, ab 1943 für die Herstellung der Zeitschrift der Bewegung Freies Deutschland verantwortlich. Im Januar 1946 Rückkehr nach Deutschland, war bis 1948 Regierungsrat für Jugendfürsorge im Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt in Hessen, von 1948 bis 1950 2. Sekretär der KPD-Landesleitung Südwürttemberg. Ende 1950 wegen seiner »Westemigration« Funktionsverbot und 1951 in die DDR beordert. Ab 1953 Dozent im gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudium an der Humboldt-Universität. Als Teilnehmer an kritischen Diskussionen nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurde Crüger im März 1958 vom MfS verhaftet und im Dezember 1958 in einem Geheimprozeß vom Bezirksgericht Potsdam zu acht Jahren Zuchthaus wegen »schweren Staatsverrats« verurteilt. Aus dem Zuchthaus Bautzen II vorzeitig entlassen, arbeitete Crüger dann an der AdW. Im Mai 1990 rehabilitiert, Mitglied der PDS. Herbert Crüger starb am 17. Januar 2003 in Zeuthen. 1990 und 1998 veröffentlichte er seine Lebenserinnerungen: »Verschwiegene Zeiten. Vom geheimen Apparat der KPD ins Gefängnis der Staatssicherheit« und »Ein alter Mann erzählt«.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Czechowski, Heinz

* 7.2.1935 – ✝ 21.10.2009

Geb. in Dresden; Vater Beamter; Ausbildung zum graf. Zeichner u. Reklamemaler; Arbeit als Bauzeichner; 1958 – 61 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher», Schüler von  Georg Maurer; 1961 – 65 Lektor beim Mitteldt. Verlag Halle; 1962 erster Gedichtband »Nachmittag eines Liebespaares«, mit dem sich C. in die sog. Sächs. Dichterschule einreihte; 1963 – 79 SED, gestrichen; 1964 Kunstpreis der Stadt Halle; 1965 – 71 freischaff. Schriftst. (Lyrik, Kinderstücke, Nachdichtungen, Essays, Hrsg. von Anthologien); 1971 – 73 liter. Mitarb. der Bühnen der Stadt Magdeburg; ab 1973 freischaff. Schriftst.; Mitunterz. der  »Biermann-Resolution«; 1977 Heinrich-Heine-Preis; das MfS zählte ihn zum »feindlich-negativen Kern der Kulturschaffenden«; ab 1979 vom MfS u. a. im OV »Lyrik« erf.; 1982 – 91 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1984 Heinrich-Mann-Preis. 1990 Stadtschreiber in Bergen-Enkheim; 1991 Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl.; 1991 – 93 Präs.-Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl.; 1996 Hans-Erich-Nossack-Preis; 1998 Stadtschreiber in Dresden; 2001 Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau; gest. in Frankfurt (Main). Unpathet. Lyriker, anfängl. Verbindung von Natur- u. Gedankenlyrik, später skeptischere philos.-hist. Gedichte; erfolgr. Autor von Kinderstücken.Wasserfahrt. Halle 1967; Schafe u. Sterne. Halle 1974; Was mich betrifft. Halle 1981; Der Meister u. Margarita (Stück nach M. Bulgakow). Berlin 1986; Mein Venedig. Gedichte u. andere Prosa. Berlin 1989; Nachtspur. Gedichte u. Prosa. Zürich 1993; Mein Westfälischer Frieden. Paderborn 1998; Das offene Geheimnis. Gedichte. Düsseldorf 1999; Die Zeit steht still. Düsseldorf 2000; Seumes Brille. Düsseldorf 2002; Schriften. Düsseldorf 2003; Die Pole der Erinnerung. Autobiogr. Düsseldorf 2006. Emmerich, W.: H. C. In: Krit. Lex. zur dt.-sprachigen Gegenwartslit. München 1978 ff.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Daber, Rudolf

* 1.6.1929

Geb. in Landsberg (Warthe); Vater Zeitungsred.; 1947 SED; 1947 – 51 Studium der Geologie an der MLU Halle u. der HU Berlin; 1954 Prom., 1957 Habil.; 1958 Doz., 1961 Prof. für Paläobotanik an der HU, Dir. des Inst. für Paläobotanik u. des Museums für Naturkunde der HU; 1961 stellv. u. 1974 – 80 Vors. der Ges. für Geolog. Wiss. der DDR; 1983 – 86 Prof. für Geol. an der Univ. Maputo in Mosambik; lebt in Berlin. Forschungsschwerpunkte: Karbonflora; Entw. der Pflanzenwelt in der Erdgeschichte; Museol. u. Geschichte wiss. Sammlungen u. Museen.Parallelisierung der Flöze des Zwickauer u. des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers auf Grund paläobotan. Untersuchungen. Berlin 1957; Die Mittel-Visé-Flora der Tiefbohrungen von Doberlug-Kirchhain. Berlin 1959; Evolution – Naturgeschichte höherer Pflanzen. Berlin 1980 (Hrsg.); Lexikon der Fossilien, Minerale u. geolog. Begriffe. Leipzig 1989 (Hrsg. mit H. Haubold).Martin Guntau

Wer war wer in DDR

Dahlem, Käthe

* 20.3.1899 – ✝ 25.12.1974

Geb. in Berlin; Vater Schuhmacher u. Gewerkschaftsfunktionär, Mutter Schneiderin; 1905 – 13 Volksschule in Köln; dort 1913 – 19 Verkäuferin; 1913 SAJ; 1917 USPD, 1920 KPD; März 1919 Heirat mit  Franz Dahlem; 1933 Emigr. nach Frankreich, 1933 – 39 Sekr. ihres Mannes; tätig in der KPD-Auslandsltg. in Paris, 1935 Sekr. der op. Ltg. des ZK der KPD in Prag; 1935 in Moskau, 1936 in Paris; 1937/38 in Spanien im KPD-Büro beim ZK der KP Spanien in Valencia, dann in Barcelona tätig; 1938/39 wieder in Paris; 1940 – 44 in Toulouse, dort Kassiererin der KPD-Gruppe, Verbindungen zu Internierten im Lager Vernet u. Funktionären der KPF; nach Auslieferung ihres Mannes an die Gestapo lebte sie illeg. in Toulouse (»Cathérine Dallerey«); 1944/45 Org.-Sekr. im Komitee der BFD für den Westen in Paris. Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 KPD/ SED; Jan. 1946 – Juni 1947 Ltr. des Hauptfrauenaussch. beim Magistrat von Groß-Berlin; März 1947 DFD; Juli 1947 – Juli 1949 Org.-Ltr. der Frauenaussch. von Berlin, dann Sekr. im DFD Berlin; 1947 – 53 Mitgl. des DFD-BV Berlin; Juli 1949 aus gesundheitl. Gründen aus der Arbeit ausgeschieden; verteidigte ihren 1953 degradierten Mann auf der Mitgl.-Vers. am 12.6.1953 u. bezichtigte den Ltr. der ZPKK der SED,  Hermann Matern, der Lüge; ab Sept. 1953 Mitgl. der Ltg. der SED-WPO 48; Sept. 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; April 1969 VVO; 1971 zus. mit ihrem Mann Ehrenbürgerin der frz. Stadt Ivry-sur-Seine; April 1974 KMO; gest. in Berlin.Spangenberg, L.: Käthe. In: Brigada Internacional. Berlin 1974; Dahlem, F.: Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Erinnerungen. Berlin 1977; Plener, U. (Hrsg.): Frauen aus Dtl. in der französ. Résistance. Berlin 2006.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Dähn, Fritz

* 26.1.1908 – ✝ 15.9.1980

Geb. in Heilbronn; Vater Fabrikschlosser; 1922 – 25 Ausbildung zum Schildermaler; Arbeits- u. Studienreisen 1927 – 30 nach München, Wien, Rom, Venedig u. Hamburg; 1930 – 34 Studium an den Kunstakad. Stuttgart, München u. Hamburg; 1935/36 Bühnenmaler in Stuttgart; 1936 – 40 freischaff. in Heilbronn, Wildbad u. Stuttgart; 1940 – 45 Wehrmacht, schwer verwundet. 1946 KPD; 1946 – 48 Arbeit u. Lehrertätigkeit an der Freien Kunst-HS in Stuttgart; 1948 Übersiedl. nach Weimar; SED; 1948 – 50 Prof. u. kommissar. Rektor der HS für Bauwesen u. bildende Kunst Weimar; 1950 – 53 Prof. für Malerei u. Rektor der HS für bildende Kunst in Dresden (Nachf. von  Mart Stam); 1950 –54 Abg. der Volkskammer; 1951 Mitgl. der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh.; 1952/53 Reisen in die UdSSR u. nach China; 1952 – 55 Vors. des VBKD (Nachf. von  Otto Nagel); 1954 – 56 Ltr. der HA für bildende Kunst im Min. für Kultur; 1956 – 61 Ltr. der Zentr. Werkstatt der bildenden Kunst; 1961 – 68 Rektor der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee (Nachf. von  Bert Heller), hier ab 1961 als Prof. für Tafelmalerei; 1966 Käthe-Kollwitz-Preis der AdK; 1973 Banner der Arbeit; 1977 Ehrenmitgl. des Präsidialrats des KB; 1978 VVO; gest. in Berlin. Werke: Kriegskrüppel (Lithographie 1946), Nie wieder! (Monotypie 1947), Fähre Saßnitz (1971); Porträts: Maler Prof. Lohmar (1951), Prof. Rothmaler, Rainer Kerndl (1967), Baubrigadier Konrad Dorow (1977).Schiffner, K.: F. D. Berlin 1969. Kat. F. D. Malerei u. Grafik. Neue Berliner Galerie 1984.Anke Scharnhorst / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Chmiel, Markus

* 10.4.1897 – ✝ 12.5.1958

Geboren am 10. April 1897 in Ostrolenka; Arbeiter, war 1918 Soldat und für die Spartakusgruppe aktiv. Vorsitzender der kleinen Gruppe von Spartakusanhängern in Bismarckhütte und Beuthen in Oberschlesien, kam als Delegierter zum Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 nach Berlin. Chmiel wurde in die nach langer Debatte vom Gründungsparteitag gebildete Programmkommission (15 Mitglieder) für Bismarckhütte gewählt. Seit 1919 in Wuppertal, war er im jüdischen Arbeiterverein organisiert und arbeitete als selbständiger Schneider. Er wurde am 18. Februar 1935 verhaftet und am 14. März 1936 vom OLG Hamm zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es: »Max Chmiel ist 38 Jahre alt, ledig, selbständiger Schneider von Beruf, staatenloser Ostjude und seit 1919 in Deutschland, einer politischen Organisation hat er vor der Erhebung angeblich nicht angehört... Chmiel ist wegen Annahme einer kommunistischen Flugschrift verurteilt worden.« Unter Anrechnung der Untersuchungshaft im August 1936 entlassen, floh Markus Chmiel nach den Niederlanden und emigrierte später nach Südamerika, wo er am 12. Mai 1958 in Montevideo/Uruguay starb.

Wer war wer in DDR

Chwalek, Roman

* 24.7.1898 – ✝ 27.11.1974

Geb. in Woinowitz (Krs. Ratibor, Oberschles./ Wojnowice, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1912 – 14 Ausbildung in einer Maschinenfabrik; 1915 – 18 Militärdienst, zul. Uffz.; 1918 Einheitsverb. der Eisenbahner, USPD; 1919 – 30 Schlosser im Reichsbahnausbesserungswerk Oppeln, 1. Vors. des Betriebsrates; 1920 KPD, 1920 – 31 Mitgl. ihrer BL Oberschles.; 1924 – 30 Stadtverordneter in Oppeln, 1930 – 33 MdR u. Reichsltr. der Industriegr. Eisenbahn in der RGO, Nov. 1932 Org.-Ltr. des Reichskomitees der RGO; Sept. 1933 wegen illeg. pol. Arbeit verhaftet, Aug. 1934 Verurteilung durch den VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus, 1937 – Juni 1939 KZ Sachsenhausen, Sept. 1939 erneut verhaftet, nach wenigen Tagen wieder entlassen; 1939 – 45 Schlosser in Berlin-Neukölln. Mai 1945 Mitarb. der Kommunalen Verw. in Berlin-Britz; Mitunterz. des Aufrufs des Vorbereitenden Gewerkschaftsaussch. für Groß-Berlin u. Mitgl. des Aussch.; 1946 SED; 1946 – 55 Mitgl. des FDGB-BV, 1946 – 49 Vors. des LV Groß-Berlin u. 1949/50 der IG Eisenbahn; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 53 Min. für Arbeit (Nachf. von  Luitpold Steidle) u. 1953/54 für Eisenbahnwesen (Nachf. von  Hans Reingruber); ab Nov. 1954 – 68 Vorstandsmitgl., ab 1957 1. Stellv. des Präs. des Verb. Dt. Konsumgenossenschaften; 1958 u. 1963 VVO; 1968 KMO; 1968 Banner der Arbeit; 1973 Ehrenspange zum VVO; 1968 Rentner.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Classen, Gertrud

* 3.7.1905 – ✝ 3.9.1974

Geboren am 3. Juli 1905 in Königsberg/Ostpreußen, Tochter eines Meiereiverwalters. Nach Lyzeum und Mittelschule Ausbildung bei einem Kunstmaler, Besuch der Kunstakademien in Königsberg und Berlin. Seit 1924 Bundesführerin des Wandervogelmädchenbundes, der sich 1926 mit anderen unabhängigen Pfadfinder- und Wandervögelbünden zur Deutschen Freischar zusammenschloß. 1928 Austritt aus der Freischar, demonstrativ forderte sie alle auf, Mitglied des KJVD zu werden. Sie gehörte zunächst der anarchistischen »Paul-Albrecht-Gruppe« bzw. der Leninjugend an, trat dann aber inoffiziell in die KPD ein. Ihre Bürgen waren Hans Kippenberger und Leo Roth. Sie arbeitete für den AM-Apparat der KPD u. a. zusammen mit den Töchtern des Chefs der Heeresleitung General Kurt von Hammerstein. Als Mitglied des ABBKD gründete sie den »Bund revolutionärer Fach- und Kunstschüler«. Nach 1933 illegale Arbeit als Leiterin einer Gruppe junger Künstler an der Vereinigten Staatsschule für freie und angewandte Kunst. Sie übermittelte gemeinsam mit dem Gartenarchitekten Walter Rossow während ihrer Reisen nach Frankreich und Großbritannien Geheiminformationen für den Nachrichtendienst der KPD. Nach einem längeren Aufenthalt in der Schweiz kehrte sie im Sommer 1939 nach Berlin zurück, wo sie mehrmals verhört und zeitweilig festgenommen wurde. Nach dem 20. Juli 1944 beschaffte sie für Ludwig von Hammerstein falsche Papiere und half ihm, unterzutauchen. Nach Kriegsende langjährige Krankenhausaufenthalte, von 1950 bis 1953 Meisterschülerin an der AdK in Ost-Berlin, bis 1965 freischaffende Bildhauerin. Gertrud Classen starb am 3. September 1974 in Ost-Berlin.

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Claus, Roland

* 18.12.1954

Geb. in Hettstedt; Vater Arbeiter; Schulbesuch in Hettstedt u. Merseburg; 1973 Abitur; 1968 FDJ; 1973 – 76 Studium an der TH Leuna-Merseburg, Dipl.-Ing.-Ökon.; 1976/77 Ass. an der TH Leuna-Merseburg; 1977 – 81 stellv. Sekr., dann Sekr. der FDJ-Grundorg. an der TH Leuna-Merseburg; 1977 – 89 als IM »Peter Arndt« des MfS erf.; 1978 SED; 1983 – 90 Mitgl. der SED-BL Halle u. 1983 – 87 1. Sekr. der FDJ-BL Halle (Nachf. von Horst Dübner); 1987/88 Studium an der PHS; 1988/ 89 Abt.-Ltr. Verbandsorgane u. Mitgl. des Büros des ZR der FDJ, dort Okt. 1989/90 Sekr.; Nov. 1989/ 90 1. Sekr. der SED-BL Halle (Nachf. von  Hans-Joachim Böhme); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorbereitung des außerordentl. SED-Parteitags; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer; zeitw. Mitgl. des PDS-Parteivorst. 1990 – 97 Bez.-Vors. der PDS Halle; 1990 – 97 Vors. des PDS-Landesverb. Sachsen-Anh.; 1990 – 98 MdL Sachsen-Anh., dort Fraktionsvors.; ab 1990 Mitgl. des PDS-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1998 – 2002 u. seit Sept. 2005 MdB, 1998 – 2000 Parl. Geschäftsf. (Nachf. von  Dagmar Enkelmann), 2000 – 02 Vors. der PDS-Fraktion (Nachf. von  Gregor Gysi).Helmut Müller-Enbergs

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Cohrs, Eberhard

* 4.1.1921 – ✝ 16.8.1999

Geb. in Dresden; Vater Hutfabrikant; 1936 – 39 Ausbildung zum Konditor; Militärdienst; Sept. 1944 – Febr. 1945 Mitgl. des SS-Totenkopf-Wachbatl. im KZ Sachsenhausen (was er später verschwieg). 1945 Prüfung als Humorist vor der Internat. Artistenloge; Tourneen bis in die 50er Jahre vor allem mit Roby Hanson als Partner, Mitwirkung in der »Tönenden Funkillustrierten« (mit Uli Busch beim Sender Dresden), im »Leipziger Allerlei« (mit  Heinz Quermann beim Sender Leipzig); bis 1961 Gastspiele in ganz Dtl.; 1961 – 76 alljährl. im Friedrichstadtpalast Berlin, auch als Autor: 1964 »Der Mann, der Dr. Watson war«, 1966 »Kleiner Mann auf großer Fahrt«, 1968 »Er macht det schon«, 1970 »Mein Pferd Rodi«, 1973 u. 1975 »Hallo, Eberhard« u. a.; Tourneen mit Programmen »Hallo, Eberhard« mit wechselnden Partnern, u. a. Horst Feuerstein, Bobby Bölke, Hans Rohr, Peppi Zahl; Mitwirkung in zahlr. Sendungen des DDR-Fernsehens, DEFA-Filmen (u. a. »Hauptmann Florian von der Mühle«), 1976 am Volkstheater Rostock als Frosch in der »Fledermaus«; Anf. 1977 Übersiedlung nach Berlin (West), zahlr. Auftritte auf Bühnen, in Medien u. als Autor, u. a. für Harald Juhnke u. Diether Krebs. 1990 erfolgr. Comeback in Dresden, anschl. Gastspiele in versch. ostdt. Städten; 1997 Beendigung der künstler. Laufbahn wegen schwerer Erkrankung; gest. in Diensdorf (Krs. Oder-Spree, Brandenburg).Bernhard Hönig

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Correns, Erich

* 12.5.1896 – ✝ 18.5.1981

Geb. in Tübingen; Vater Karl Erich C., Biologe; Gymnasium in Leipzig u. Münster; Militärdienst; 1918 – 22 Studium der Chemie, Physik u. Botanik an den Univ. Berlin u. Tübingen, 1922 Prom. zum Dr. phil. in Berlin; 1922 – 24 Assistent am Kaiser-Wilhelm-Inst. (KWI) für Chemie Berlin u. am KWI für Lederforschung Dresden; 1925 Industriechemiker bei IG Farben Elberfeld, 1931 Ltr. des Acetylcellulose-Betriebs Elberfeld, 1933 Ltr. der Kupfer-Kunstseidenfabrik Dormagen, 1937 Ltg. u. Aufbau der Zellwolle- u. Kunstseide GmbH Schwarza (Thür.); 1939 Maßregelung durch NS-Behörden u. erzwungener Rücktritt als Betriebsltr.; seine Ehefrau starb beim Transport ins KZ; nach 1939 beratender Chemiker bei der Thür. Zellwolle AG u. dem Zellwolle-Kunstseiden-Ring. 1946 Dir. der Zellstoff- u. Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein (Saale); 1948 – 51 Ltr. der Thür. Kunstseidenwerke in Schwarza; 1949 NP; 1950 – 81 Präs. des NR der NF; Mitbegr. der Ztschr. »Faserforschung u. Textiltechnik« (später »Acta Polymerica«); 1951 Ord. Mitgl. der DAW, 1951 – 62 Dir. ihres Inst. für Faserstofforschung in Teltow-Seehof; 1953 – 59 Prof. für chem. Technol. der Zellstoffherstellung an der TH Dresden; 1954 VVO; ab 1954 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des ZV der DSF u. des Präs.-Rats des KB; 1956 Dr. jur. h. c. der HU Berlin; 1957 Mitgl. des Forschungsrats u. 1960 des Staatsrats; 1961 em.; 1971 KMO. Anerkannter Experte für Zellulosechemie, Arbeiten über Reaktionsabläufe bei der Herstellung techn. Zellstoffe u. über Bakterienzellulose.Hubert Laitko

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Creutzmann, Uwe

* 16.2.1944

Geb. in Lyck (Ostpr. / Ełk, Polen); Vater Angest.; 1950 – 61 POS in Berlin-Kaulsdorf; 1961 – 64 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser im VEB TRO »Karl Liebknecht«, in Berlin-Oberschöneweide (Berufsausbildung mit Abitur); 1965 / 66 NVA; 1966 – 71 Studium an der HU Berlin, Sektion Landw., Dipl.-Agraring.; 1971 – 73 Abt.-Ltr. für Pflanzenprod. im VEG Deutsch Wusterhausen; ab Jan. 1974 Mitarb. der Red. des DBD-Organs »Bauern-Echo«; 1974 DBD; stellv. u. Nov. 1989 – 92 Chefred. des »Bauern-Echo« (Nachf. von  Leonhard Helmschrott) bzw. des »Dt. Landblatts«; 1990 Mitgl. des DBD-PV u. seines Präs.Helmut Müller-Enbergs

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Csoóri, Sándor

* 1930

Schriftsteller, Lyriker, Essayist. Einer der wichtigsten Vertreter der national orientierten ungarischen Opposition.Sándor Csoóri wurde 1930 in Zámoly geboren und legte am Reformierten Kolleg von Pápa sein Abitur ab. Da er eine konfessionelle Schule besucht hatte und an ungarischen Universitäten nicht studieren durfte, setzte er seine Ausbildung am Budapester Lenin-Institut fort. Bis zur *Ungarischen Revolution von 1956 arbeitete er für die Zeitschriften „Iroldalmi Újság“ (Literaturzeitung) und „Új Hang“ (Neue Stimme). Nachdem diese ihr Erscheinen einstellten, wirkte er in erster Linie als Schriftsteller und Publizist. Nach der Veröffentlichung seines Romans „Schlammregen“ (Iszapeső) wurde er mit einem Publikationsverbot belegt; drei Jahre lang durfte er sich nicht öffentlich äußern, seine Bücher durften nicht erscheinen.1968 wurde Csoóri Dramaturg bei der Filmproduktionsgesellschaft Mafilm. Er wirkte bei der Produktion vieler Spiel- und Dokumentarfilme mit, die in der Öffentlichkeit stets auf reges Interesse und beim Regime auf Abneigung stießen. In den Spielfilmen ging es oft um das für die Kommunisten missliebige Thema der nationalen ungarischen Identität. Im gleichen Jahr schloss er sich einer Unterschriftensammlung gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei an. Nach der Verhaftung des tschechoslowakischen Schriftstellers Pavel Kohout unterzeichnete Csoóri die *Charta 77. 1983 versah er den Essay „In der Klemme“ (Kutyaszorítóban) des in ungarischer Sprache publizierenden slowakischen Oppositionellen Miklós Duray mit einem Geleitwort. Dieser Text gilt als erster literarischer Text, der gegen das Regime gerichtet ist. Csoóri bekam dafür ein etwa anderthalb Jahre währendes Publikations- und Redeverbot. Trotzdem wurde er drei Jahre später auf der Hauptversammlung des Ungarischen Schriftstellerverbandes zum Präsidiumsmitglied gewählt. In seiner Rede kritisierte er das politische Programm des hochrangigen MSZMP-Funktionärs János Berecz. Csoóri verstieß damit öffentlich gegen die Parteilinie. Dies war für die ungarische Intelligenz ein Zeichen dafür, dass man sich in Schriftstellerkreisen offen dem Regime widersetzte und sich von den nach der *Ungarischen Revolution von 1956 eingegangenen Kompromissen mit den Herrschenden verabschiedete. Am 27. Oktober 1987 war Csoóri einer der maßgeblichen Organisatoren und Teilnehmer des *Treffens in Lakitelek, bei dem Vertreter der national orientierten Opposition zusammenkamen. Wie Zoltán Biró, Dénes Csengey, István Csurka, Gyula Fekete, Lajos Für, Csaba Gy. Kis und Sándor Lezsák war er Mitglied im Provisorischen Organisationsausschuss. Im Januar 1986 initiierte er gemeinsam mit Ferenc Donáth eine Unterschriftenkampagne, mit der ein Referendum über die Frage einer Staustufe in der Donau bei Bős-Nagymaros gefordert wurde. Im September 1988 wurde er Mitglied des *Ungarischen Demokratischen Forums (Magyar Demokrata Forum; MDF). In den Jahren 1988–92 war er Leiter des Redaktionsbeirats der ersten legalen und unabhängigen literarischen Monatsschrift „Hitel“ (Glaube). Für sein literarisches Schaffen wurde er zweimal mit dem Attila-József-Preis (1954, 1970), dann 1981 mit dem Herder-Preis und 1990 mit der höchsten ungarischen Auszeichnung, dem Kossuth-Preis, geehrt. Csoóri ist seit dem Ende des Kommunismus weiterhin schriftstellerisch tätig. In den Jahren 1991–2000 war er Vorsitzender des Weltbundes der Ungarn.Test elementAus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

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Czepuck, Harri

* 30.7.1927 – ✝ 14.6.2015

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Textilarb.; Volksschule; 1942 Ausbildung zum Versicherungskfm.; 1944/45 Wehrmacht, Gefr.; April 1945 – 49 erst sowj., dann poln. Kriegsgefangenschaft; Jan. 1949 Red. der dt. Kriegsgefangenen-Ztg. »Die Brücke«. Juli 1949 in die SBZ entlassen; SED; Sept. 1949 Volontär, später Red. der Ztg. »Neues Dtl.«, dort 1954 – 58 Abt.-Ltr., 1958 – 62 Korrespondent in Bonn, 1962 Mitgl. des Red.-Kolleg.; 1967 – 71 Mitgl. der Westkommission beim PB des ZK der SED; 1967 – 71 stellv. Chefred. des »Neues Dtl.«, wegen grundsätzl. Differenzen mit Chefred.  Joachim Herrmannüber die Medienpol. abgelöst; Mitautor von Fernsehfilmen: »Doering sagt, wie’s ist« (1965) u. »Ich – Axel Cäsar Springer« (1968/ 69); ab 1967 Vors. des VDJ, ab 1971 hauptamtl.; 1977 VVO; 1981 durch den Sekr. des ZK der SED Joachim Herrmann zum Rücktritt veranlaßt; 1971 – 81 Vizepräs. der Internat. Journalistenorg.; ab 1981 Mitarb. der Liga für Völkerfreundschaft; 1984 Invalidenrentner; anschl. freier Journalist. 1990 PDS; Mitbegr. der Ges. für gute Nachbarschaft mit Polen, dann Mitgl. der Dt.-Poln. Ges. der Bundesrep. Dtl.Meine Wendezeiten. Erinnerungen, Erwägungen, Erwartungen. Berlin 1999; Fragen an die DDR. Berlin 2003 (Mitautor); Glanz u. Elend eines Weltunternehmens (Zeiss Jena). Werder 2007.Bernd-Rainer Barth

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Dahl, Harry

* 7.8.1929

Geb. in Schönebeck (Elbe); Mittelschule; 1945 – 48 Ausbildung zum Handlungsgehilfen; 1949 VP-Offiziersschule; 1950 VP-Direktion Burg; 1952 stellv. Politkulturltr.; 1956 MfS, BV Frankfurt (Oder), Abt. III (Volkswirtschaft); 1958 – 60 Studium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1962 zuständig für Wehrbez.-Kdo. Frankfurt (Oder); 1966 Beauftragter des Ltr. der BV für äußere Abwehr u. Aufklärung; 1974 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1974 Offz. für Sonderaufgaben in der AG beim 1. Stellv. des Min.; 1975 Oberst, Ltr. der Abt. XXII (Terrorabwehr); 1985 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dahlhaus, Max

* 30.11.1905 – ✝ 18.10.1960

Geboren am 30. November 1905 in Wuppertal-Barmen. Kaufmännische Lehre bei der KPD-Zeitung »Tribüne«, dort Expedient. Ehrenamtliche Funktionen in der KJD-Ortsgruppe Wuppertal, dann Orgleiter der KJD Bezirks Westfalen-Süd, 1923/24 »Schutzhaft«; Ende 1924 Leiter der KPD-Buchhandlungen im UB Barmen. Von 1925 bis 1927 Geschäftsführer der KPD-Zeitung »Freiheit« in Elberfeld, zeitweise Bezirkskassierer der KPD-BL Niederrhein. Anfang 1929 in Düsseldorf Leiter der gesamten Zeitungsbetriebe des KPD-Bezirks Niederrhein; 1929 Ausschluß aus der KPD wegen »Rechtsabweichung«, Mitglied der KPO, nach einiger Zeit wieder Austritt aus der KPO. Daraufhin Geschäftsführer des Weltfilm-Kartells in Düsseldorf (»Münzenberg-Konzern«) bzw. Geschäftsführer der Prometheus GmbH für Westdeutschland. Ab Mitte 1932 Angestellter der deutsch-russischen Handelsgesellschaft Derop, Zweigniederlassung Düsseldorf, zuletzt in Breslau. Ab 1933 illegaler KPD-Instrukteur bzw. Bezirks- und Oberbezirkstechniker, Herstellung und Vertrieb illegaler Druckschriften in enger Zusammenarbeit mit Ewald Funke und dem Reichstechniker Wilhelm Kox. Am 11.November 1935 festgenommen und am 8. Juli 1937 vom VGH zusammen mit Udo Grühn zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach 1945 Mitglied und Funktionär der KPD in Wuppertal. Max Dahlhaus starb am 18. Oktober 1960 in Düsseldorf.

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Dahne, Gerhard

* 28.5.1934

Geb. in Berlin-Mahlsdorf; Eltern Arbeiter; Volks- u. Mittelschule, Aufbaukl., ABF; 1953 – 56 Besuch der Offiziersschule in Dresden, Ltn. der Artillerie; 1956 – 59 Studium der Germanistik, Pädagogik u. Geographie an der KMU Leipzig; 1959 – 79 Mitarb. des Min. für Kultur der DDR, 1974 – 79 Ltr. der Abt. Belletristik, Kunst- u. Musiklit. in der HV Verlage u. Buchhandel im MfK; 1970 phil. Diss. »Zur Problematik des Geschichtsbewußtseins im Werk von Günter Grass« an der EMAU Greifswald; 1977 – 80 Mitgl. des Wissenschaftlichen Rates für Fragen des Soz. Realismus; 1979 – 93 Verlagsltr. (Nachf. von  Lucie Groszer) bzw. ab 1990 Geschäftsf. des Altberliner Verlags; 1980 – 90 Mitgl. des SV; 1986 – 89 Mitgl. des Verlegeraussch. u. 1990 Mitgl. des Vorstandes des Börsenvereins der dt. Buchhändler zu Leipzig; 1987 Wilhelm-Bracke-Medaille. 1990 – 94 Vorstandsmitgl. des Verb. der Verlage u. Buchhandlungen Berlin-Brandenb.; 1993/94 Geschäftsführer der LeiV Buchhandels- u. Verlagsges. Leipzig; 1991 – 94 Mitgl. des Verlegeraussch. u. der Abgeordnetenvers. des Börsenvereins; seit 1994 Ruhestand in Berlin.Westdt. Prosa. Ein Überblick. Berlin 1967; Die ganz merkwürdigen Sichten u. Gesichte des Hans Greifer. Halle 1975; Berba – Ein Tag im Leben eines Löwen. Bilderbuch. Berlin 1982; zahlr. publizist. Arbeiten, Übersetzungen, Nachdichtungen u. Herausgaben. Links, Ch.: Das Schicksal der DDR-Verlage. Berlin 2009.Frank Wagner

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Chojecki, Mirosław

* 1949

Chemiker; Mitglied des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (*KOR) und des Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (*KSS „KOR“), Gründer des Unabhängigen Verlagshauses *NOWA; in den 80er Jahren einer der wichtigsten Organisatoren internationaler Hilfe für die *Solidarność im Untergrund.Mirosław Chojecki wurde 1949 in Warschau in eine Intellektuellenfamilie geboren. Seine Mutter kämpfte im Zweiten Weltkrieg im Bataillon „Regenschirm“ der *Heimatarmee (Armia Krajowa; AK) gegen die deutschen Besatzer. 1962–67 war Chojecki Mitglied der 16. Warschauer Pfadfindergruppe, ab 1967 studierte er Chemie am Warschauer Polytechnikum, 1968–73 an der Warschauer Universität. Er beteiligte sich an den Studentenstreiks im *März 1968 am Polytechnikum. 1974 nahm er eine Arbeit am Institut für Kernforschung in Warschau auf. Ein Jahr später schloss er sich der von Oppositionskreisen initiierten sogenannten Verfassungskampagne an und sammelte Unterschriften gegen die geplanten einschneidenden Verfassungsänderungen. Im Frühsommer 1976 half er zusammen mit Wojciech Onyszkiewicz als einer der Ersten den im *Juni 1976 verfolgten Arbeitern in Radom und Ursus. Er organisierte juristische Hilfe und die Entsendung von Prozessbeobachtern und stellte gemeinsam mit der Schriftstellerin Anka Kowalska eine Liste der Verfolgten zusammen. Am 4. September 1976 nahm er an einer Versammlung in der Wohnung von Edward Lipiński teil, bei der die Gründung des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) vorbereitet wurde. Chojecki wurde Leiter der sogenannten Radomer Gruppe (mit Grzegorz Boguta, Zofia und Zbigniew Romaszewski, Andrzej Rosner, Stefan und Krystyna Starczewska, Bogdan Zawada), die den Repressionen ausgesetzten Arbeitern und ihren Familien Hilfe zukommen ließ. Am 1. Oktober 1976 wurde er in Radom von der Miliz festgehalten und verhört, woraufhin er, da er nun enttarnt war, die konkrete Hilfsarbeit für die Repressierten auf Zbigniew Romaszewski übertrug, aber selbst trotzdem weiter zu den Prozessen fuhr. Zweimal wurde er von Funktionären der Staatssicherheit zusammengeschlagen, darunter einmal im Dezember 1976 im Radomer Gerichtsgebäude. Im Herbst 1976 wurde Chojecki auf disziplinarischem Wege wegen eines Fehltages aus dem Institut für Kernforschung entlassen; an dem betreffenden Tag war er erneut für 48 Stunden in Radom inhaftiert worden. Im Oktober desselben Jahres trat Chojecki *KOR bei, wo er sich mit der Herausgabe von unabhängigen Druckerzeugnissen beschäftigte. So war er unter anderem an der Vervielfältigung des „Kommuniqués“ und des „Informationsbulletins“ des *KOR beteiligt. Im Frühjahr 1977 gab er zwei Broschüren mit dem Titel „Im Namen der Volksrepublik Polen“ heraus, die die Plädoyers der Verteidiger in den Prozessen von Radom und Ursus enthielten. Chojecki fuhr im Mai 1977 nach Krakau, um dort gemeinsam mit anderen Aktivisten Demonstrationen zur Erinnerung an Stanisław Pyjas zu organisieren. Der Student und *KOR-Mitglied Pyjas war dort kurz zuvor im Auftrag des Staatssicherheitsdienstes ermordet worden. Nachdem westliche Zeitungen ein Foto veröffentlicht hatten, das Chojecki gemeinsam mit Paweł Bąkowski an der Spitze des „Schwarzen Marsches“ in Krakau zeigte, wurde er am 16. Mai zusammen mit anderen dem *KOR nahestehenden Personen verhaftet. Dass er im Juli das Gefängnis wieder verlassen konnte, war einer breiten Solidaritätsaktion sowie einer allgemeinen Amnestie zu verdanken. Chojecki verdiente seinen Lebensunterhalt in der Folgezeit zusammen mit Seweryn Blumsztajn durch Wohnungsrenovierungen. Im September gründete Chojecki das Unabhängige Verlagshaus *NOWA (Niezależna Oficyna Wydawnicza NOWA). Neben Chojecki saßen Grzegorz Boguta, Maria Fedecka (bis Anfang 1978) und Ryszard Knauff im Leitungskollegium des Verlages, Ende 1977 kam Adam Michnik dazu, 1978 Konrad Bieliński, Mieczysław Grudziński und Anatol Lawina, danach noch Ewa Milewicz, Marek Chimiak und Jan Narożniak. Chojecki war Leiter von *NOWA und zugleich mit Konrad Bieliński, Adam Michnik und Ewa Milewicz offener Vertreter des Verlages nach außen. Er baute konspirativ arbeitende Gruppen von Druckern, Lieferanten, Austrägern und Redakteuren auf. *NOWA war in dieser Zeit die größte Verlagsanstalt, die außerhalb der Zensur agierte. Sie wurde schnell ein auch im ökonomischen Sinn selbstständiges Unternehmen. Chojecki war Mitunterzeichner der „Erklärung der Demokratischen Bewegung“ (Deklaracja Ruchu Demokratycznego) vom 18. September 1977, des Grundsatzprogramms von *KOR. Anschließend trat er auch dem Komitee für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (Komitet Samoobrony Społecznej; *KSS „KOR“) bei. Zwischen 1976 und 1980 wurde Chojecki insgesamt 44 Mal für jeweils 48 Stunden inhaftiert, seine Wohnung wurde immer wieder durchsucht. Dass man bei ihm im Januar 1977 eine Packung Curry beschlagnahmte, war Folge einer Denunziation, die behauptet hatte, Chojecki drohe mit dem Einsatz toxischer Substanzen, deren Wirkung tragische Folgen für die gesamte Hauptstadt haben könnten.Am 25. März 1980 wurde er beschuldigt, ein Vervielfältigungsgerät gestohlen zu haben, und verhaftet. Tatsächlich hatte er nur einen zur Verschrottung vorgesehenen Kopierer gekauft. (Unter dem gleichen Vorwurf inhaftierte man auch Bogdan Grzesiak, einen der Drucker von *NOWA.) Chojecki trat für 33 Tage in den Hungerstreik. Er wurde zwangsernährt. Am 10. Mai ließ man ihn unter dem Eindruck breiter Solidaritätsaktionen im In- und Ausland und eines Hungerstreiks für die Freilassung der politischen Gefangenen in der Krzysztof-Kirche von Podkowa Leśna wieder auf freien Fuß. Im Juni wurde er dann jedoch zu anderthalb Jahren Gefängnis auf Bewährung und zu einer Geldstrafe verurteilt. Während Chojeckis Haftzeit übernahm Grzegorz Boguta die Führung von *NOWA. Für den Streik auf der Danziger Lenin-Werft 1980 organisierte Chojecki zusammen mit Konrad Bieliński, Jan Narożniak, Zenon Pałka und Mariusz Wilk die Drucktechnik. Am 23. August wurde er erneut verhaftet, nach der Unterzeichnung der *Danziger Vereinbarung jedoch wieder freigelassen. Chojecki war zwar kein Mitglied der *Solidarność, er wurde aber vom *Solidarność-Vorstand des Bezirks Masowien als Berater für Verlagsfragen herangezogen und gab offiziell Broschüren und Bücher unter dem Dach von *NOWA und des Verlagsinstituts des Zentralrats der Gewerkschaften heraus (gemeinsam mit Bogdan Pigłowski). Das bedeutendste der damals publizierten Bücher waren die „Danziger Gespräche“ (Rozmowy gdańskie) mit den Mitschriften der Verhandlungen im August 1980, die zur *Danziger Vereinbarung geführt hatten. (Die staatliche Zensur stoppte den Druck und forderte die Entfernung des Vorwortes von Anna Walentynowicz, lenkte jedoch ein, als Chojecki drohte, das Buch außerhalb der Zensur herauszugeben.) Im Oktober 1981 fuhr Chojecki ins Ausland. Er vertrat den *Solidarność-Verlag auf der Frankfurter Buchmesse und versuchte in den USA, Papierlieferungen für den „Tygodnik Solidarność“ (Solidarność-Wochenzeitung) über kanadische Gewerkschaften zu organisieren. Die Nachricht von der Ausrufung des *Kriegsrechts überraschte ihn in New York. Anfang 1982 siedelte Chojecki nach Paris über, wo er im April die gesellschaftspolitische Monatsschrift „Kontakt“ gründete. 1983 folgte die Firma „Video-Kontakt“, die Videofilme zur Zeitgeschichte Mitteleuropas produzierte. Im Auftrag des Brüsseler Koordinierungsbüros der *Solidarność (die internationale Vertretung der Untergrundgewerkschaft) organisierte er zwischen Juni 1982 und Juni 1986 den Transport von Drucktechnik nach Polen, wofür er Lastwagen nutzte, die Hilfsgüter nach Polen brachten. Auf diese Weise unterstützte er die Untergrunddruckereien und -Verlage mit Dutzenden von Druckmaschinen (darunter 20 Offsetdruckmaschinen) und Tonnen von Material. Seine Wohnung in der Nähe von Paris wurde zum Sammelpunkt für Reisende aus Polen, die dort Informationen, Geld für die oppositionelle Arbeit und Literatur zur Verteilung in der Volksrepublik erhielten. 1988 brach dort unter ungeklärten Umständen ein Brand aus. 1987 begann Chojecki damit, einen Satelliten-Fernsehkanal in Anlehnung an *Radio Freies Europa aufzubauen. Zwei Sendungen wurden ausgestrahlt: im September 1988 ein in der Danziger Werft gedrehter Film über die Streiks vom August 1988 sowie im Dezember 1988 die Aufnahme einer Begegnung von Lech Wałęsa und dem russischen Dissidenten Andrei Sacharow in Paris. Nach dem Regimewechsel kehrte Chojecki 1990 nach Polen zurück. Dort war er Mitgründer des Privatsenders „Unabhängiges Polnisches Fernsehen“ (Niezależna Telewizja Polska) und 1992 von „Neues Warschauer Fernsehen“ (Nowa Telewizja Warszawa), die jedoch keine Sendelizenz erhielten. Seit 1991 ist er Eigentümer der Firmengruppe „Kontakt“, die Fernsehfilme über die antikommunistische Opposition und zu zeitgeschichtlichen Themen produziert. 1999–2000 war er zudem Berater des polnischen Kulturministers. 2004 gründete Chojecki die Vereinigung „Freies Wort“ (Stowarzyszenie Wolnego Słowa), in der sich ehemalige Oppositionelle und Mitarbeiter der unabhängigen Presse sammeln und dessen Ehrenvorsitzender er bis heute ist. 2005 war Mirosław Chojecki einer der Initiatoren der Gesellschaft für Nationales Gedächtnis (Stowarzyszenie Pamięci Narodowej).Teresa Bochwic Aus dem Polnischen von Markus Pieper Letzte Aktualisierung: 09/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Chwalek, Roman

* 24.7.1898 – ✝ 27.11.1974

Geboren am 24. Juli 1898 in Woinowitz/Oberschlesien, Sohn eines Eisenbahners; Lehre in einer Maschinenfabrik. 1915 bis 1918 Militärdienst, 1918 Mitglied im Eisenbahnerverband und der USPD. Chwalek war von 1919 bis 1930 Schlosser im Reichsbahnausbesserungswerk in Oppeln und dort 1. Vorsitzender des Betriebsrates. 1920 trat er der KPD bei und blieb bis 1931 in der KPD-BL Oberschlesien und von 1924 bis 1930 Stadtverordneter in Oppeln. Im September 1930 im Wahlkreis Oppeln und im Juli 1932 im Wahlkreis Liegnitz in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Chwalek war zunächst Reichsleiter der Industriegruppe Eisenbahn der RGO und ab November 1932 Orgleiter des Reichskomitees der RGO. 1933 illegale Arbeit, im September 1933 verhaftet und im August 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte, anschließend im KZ Sachsenhausen. Im Juni 1939 freigelassen, lebte er bis 1945 als Schlosser in Berlin-Neukölln. Im Mai 1945 gehörte er zu den Mitunterzeichnern des Aufrufs des Vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses für Groß-Berlin. Als Kommunist Vorsitzender des FDGB in Berlin, von 1946 bis 1955 Mitglied des FDGB-Bundesvorstandes und von 1949 bis 1951 Vorsitzender des ZV der IG Eisenbahn in der SBZ/DDR. Ab 1950 Minister für Arbeit und 1953/54 für Eisenbahnwesen in der Regierung Grotewohl, im Mai 1954 abberufen. Die ZPKK der SED besaß eine schriftliche Erklärung, in der er sich anläßlich seiner Entlassung aus dem KZ der Gestapo gegenüber verpflichtet hatte, jegliche politische Tätigkeit gegen das NS-Regime künftig einzustellen. Ab November 1954 bis 1968 Vorstandsmitglied bzw. Stellvertreter des Präsidenten des Verbandes Deutscher Konsumgenossenschaften in der DDR. Roman Chwalek starb am 27. November 1974 in Ost-Berlin. Seine Frau Martha Chwalek, geborene Wende (*1. 10. 1899 – † 15. 2. 1986), war Sekretärin und Stenotypistin. Seit 1925 KPD-Mitglied, 1928 Stadtverordnete in Breslau, ab 1930 im schlesischen Provinziallandtag. Sie arbeitete im RGO-Reichskomitee und absolvierte 1931/32 einen Lehrgang an der Leninschule in Moskau. Nach 1933 im Widerstand, deshalb am 18. Januar 1934 festgenommen und im Februar 1935 vom VGH zusammen mit Wilhelm Agatz zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Bis Juli 1938 in KZs. Von 1945 bis 1949 als Mitglied der KPD/SED im Bezirksamt Berlin-Neukölln, ab 1948 Verwaltungsleiterin des Krankenhauses Berlin Prenzlauer Berg. Später Leiterin des Hauptamtes für Gesundheitswesen in Ost-Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Classen, Herta

* 5.3.1913 – ✝ 17.4.1986

Geb. in Chemnitz; Vater Angest.; Volks- u. Handelsschule; Ausbildung u. Arbeit als Anwaltsgehilfin, 1933 – 46 Verkäuferin im Leinehaus Voigt in Pulsnitz (Sachsen). 1945/46 KPD/SED; Red. der »Sächs. Ztg.«, Landtagsberichterstatterin; 1948/49 Studium an der PHS, 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; Herbst 1949 – Jan. 1951 Presseref. des SED-PV bzw. des ZK der SED; 1951 – 56 Red., 1956 – 59 Chefred. des Dtl.-Senders; 1959 – 69 Intentantin des Berliner Rundfunks, anschl. bis 1982 als Kommentatorin tätig; 1961 Stellv. des Vors. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1960 – 71 Mitgl. der SED-BL Berlin, 1961 – 67 Mitgl. des Präs. des VDJ-ZV; 1962 – 66 stellv. Vors. der Freundschaftsges. DDR-Japan; 1963 VVO; 1968 »Clara-Zetkin-Medaille«; 1973 u. 1978 VVO.Andreas Herbst

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Clement, Fritz

* 28.2.1926 – ✝ 20.7.2004

Geb. in Magdeburg; Vater Galvaniseur; Volks- u. Mittelschule; Ausbildung zum Maurer; 1943 – 45 Wehrmacht, 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED u. FDJ; 1949 – 53 hauptamtl. FDJ-Funktionär, 1950 Sekr. der SED-GO im FDJ-LV Sachsen-Anh.; 1953 – 55 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1960 Höherer Akadem. Kurs an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1955 – 62 Instrukteur, 1962 – 88 Sektorenltr. (Sektor NVA) in der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED; 1964 Oberst; Fernstudium an der Militärakad. »Friedrich Engels«, Dipl. rer. mil.; 1971 Gen.-Major.Andreas Herbst

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Coldam, Hanno

* 25.10.1932 – ✝ 13.4.1992

Geb. in Berlin; Vater Schmied; Volksschule; Ausbildung zum Schmied; danach Requisiteur beim Zirkus Barlay, ab 1950 Tierpfleger bei Gilbert Houcke, 1954 Dompteur im Zirkus Aeros, ab 1960 Staatszirkus der DDR, dort bis 1990 Chefdompteur u. Lehrmstr. vieler Nachwuchsdresseure; dressierte internat. stark beachtete Raubtiergr., so 18 Löwen (u. a. komische Darbietung »Rasierlöwen«), eine Gruppe schwarzer Panther, zul. 16 indische Löwen; Vorführung auch durch seine Frau Regina Marcella u. Tochter Marcella; gest. in Berlin.Zimmermann, A.-L.: Sensation in der Manege. In: Die große Raubtierschau. Berlin 1978; Winkler, G. u. D.: Biogr. In: Die große Raubtierschau.Dietmar Winkler

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Cremer, Fritz

* 22.10.1906 – ✝ 1.9.1993

Geb. in Arnsberg (Westf.); Vater Polsterer u. Dekorateur; 1916 – 21 Gymnasium; 1921 – 25 Ausbildung zum Steinbildhauer in Essen; 1926 KJVD; 1926 – 28 Arbeit als Steinmetzgeselle, führte u. a. Skulpturen nach Modellen von  Will Lammert aus, besuchte Plastikkurse an der Folkwang-Schule in Essen; 1928 KPD; 1928 – 34 Studium an der Vereinigten Staatsschule für freie u. angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg, Lehrer Wilhelm Gerstel; 1930 Mitbegr. einer Gruppe des Roten Studentenbundes; 1934 – 38 Mstr.-Schüler bei Wilhelm Gerstel; 1936 Bronzerelief »Trauernde Frauen« (auch »Gestapo«); 1937/38 Studium an der Dt. Akad. in Rom, ab 1938 Mstr.-Ate- lier an der Preuß. AdK; 1940 – 44 Wehrmacht; 1944 – 46 jugosl. Gefangenschaft. Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 50 Prof. u. Ltr. der Bildhauerabt. an der Akad. für angewandte Kunst in Wien; 1950 DAK u. Ltr. eines Mstr.-Ateliers; 1953 SED; Übersiedlung nach Potsdam, dann nach Berlin; 1953, 1958 u. 1972 NP; 1965 VVO; 1967 Ehrenmitgl. der AdK der UdSSR; 1974 KMO; 1974 – 83 Vizepräs. der AdK; Nov. 1976 Mitunterz. des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns, zog seine Unterschrift kurz darauf zurück; gest. in Berlin. Hauptwerke: Mahnmale für die OdF: Denkmal auf dem Zentralfriedhof in Wien (1947), Herz von Mauthausen u. Mahnmal im KZ Ebensee (1949), Buchenwalddenkmal (1952 – 58), Mahnmal für das KZ Ravensbrück (1959/60); »O Dtl., bleiche Mutter«, Denkmal für das KZ Mauthausen, Denkmal für dt. Spanienkämpfer in Berlin-Friedrichshain (1966 – 68).Nur Wortgefechte? Aus Schriften, Reden, Briefen, Interviews 1949 – 1989. Hrsg. von M. Rüger. Berlin 2004. Schmidt, D.: F. C. Dresden 1972 u. 1973; Kat. F. C. Duisburg 1980; Kat. F. C. Karl-Marx-Stadt 1986; F. C. Lithographien 1955 – 88. Berlin 1988; Brüne, G.: Pathos u. Soz. Studien zum plast. Werk F. C. (1906 – 1993). Weimar 2005; Kat. F. C. – Zeichnung u. Plastik. Güstrow 2006; Kat. F. C. – Plastiken u. Zeichnungen – Retrospektive. Frankfurt (Main) 2009.Anke Scharnhorst

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Croy, Jürgen

* 19.10.1946

Geb. in Zwickau; Vater Kfz.-Klempner; Grundschule; 1955 – 80 aktiver Fußballspieler (Mittelstürmer, dann Torhüter), bis 1965 bei der BSG Aktivist Karl Marx Zwickau, dann Motor bzw. BSG Sachsenring Zwickau; 1963 – 67 Ausbildung zum u. Arbeit als Elektriker; 1965 UEFA – Junioren-Turniersieger; 1967 –75 Studium an der PH Zwickau, Dipl.-Sportlehrer; 1976 – 82 hier auch wiss. Mitarb.; 1982 – 88 Fußballtrainer bei der BSG Sachsenring Zwickau, seit 1988 deren Vors.; 1967 u. 1975 DDR-Pokalsieger, 94 Länderspiele, 23 Spiele in der Olympia-Auswahl, zehn Europacupspiele, Teiln. an der Weltmeisterschaftsendrunde 1974, zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1972 3. Platz, 1976 Sieger; 1972, 1976 u. 1978 DDR-Fußballer des Jahres. 1990 Repräsentant der Sportartikelfirma »Puma« für Dresden, Chemnitz u. Gera; ab 1994 Verlagsltr. von drei Anzeigenblättern im Chemnitzer Raum; 1994 Ehrenbürger der Stadt Zwickau; 1991 – 2000 Bürgermstr. der Stadt Zwickau u. Dezernent für Schule, Kultur u. Sport; bis Mai 1997 Mitgl. des Verw.-Rates der BSG Sachsenring bzw. FSV Zwickau; seit 2000 Dir. der Kultur-, Tourismus- und Messe Betriebs GmbH.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Csurka, István

* 1934 – ✝ 2012

Schriftsteller, Dramatiker, Essayist. Nach 1989 Politiker, einer der wichtigsten Vertreter des radikalen nationalistischen Spektrums in Ungarn.István Csurka 1934 wurde in Budapest in der Familie eines Literaten geboren. 1952–57 studierte er an der Fakultät für Dramaturgie der Film- und Theaterhochschule in Budapest. Während der *Ungarischen Revolution von 1956 stand er an der Spitze einer sogenannten Nationalwacht an der Universität. Nach der Niederschlagung der Revolution wurde er ein halbes Jahr lang im Internierungslager Kistarcsa festgehalten und stand in der Folgezeit unter *Polizeiaufsicht. Seine erste Veröffentlichung datiert auf das Jahr 1954. 1956 erschien eine erste Anthologie seiner Texte mit dem Titel „Sprung durchs Feuer“ (Tűzugratás). Ab 1957 widmete er sich ganz dem schriftstellerischen Schaffen. 1972 wurde gegen ihn wegen systemkritischer und antisemitischer Äußerungen ein Publikationsverbot verhängt. 1976 gehörte er mit zu den Autoren der *Bibó-Festschrift (Bibó Emlékönyv). In seinem Beitrag beschuldigte er die ungarische Intelligenz der Zusammenarbeit mit dem totalitären System. Wenige Tage nach der Verhängung des *Kriegsrechts in Polen wurde er im Dezember 1981 auf einer von oppositionellem Aufbegehren geprägten Hauptversammlung des Ungarischen Schriftstellerverbandes zu dessen Vorsitzendem gewählt. 1983 wohnte er als Beobachter dem Prozess gegen Miklós Duray in Bratislava bei und unterzeichnete im Juni 1984 eine Protestresolution gegen die Verhaftung Miklós Durays. Im Juni 1985 gehörte er zu den Organisatoren des *Treffens in Monor. In seinem dort gehaltenen Referat bezeichnete er die ungarische Kultur als „Quasi-Kultur“, kritisierte die 1956 geschlossene Übereinkunft zwischen Gesellschaft und Staatsmacht und sprach von der Notwendigkeit, moralische Maßstäbe für die Opposition aufzustellen. Auf einem Treffen der Opposition, das zeitgleich mit dem Europäischen Kulturforum in Budapest stattfand, kritisierte Csurka 1985 die allgemein praktizierte Anerkennung des in Osteuropa bestehenden politischen Status quo. 1986 verhinderte die Staatsmacht die Premiere seines Stückes „Prüfungen und Tadel“ (Vizsgák és fegyelmik). Wegen seiner Äußerungen zur Verteidigung der ungarischen Minderheit im Ausland erhielt er im August 1986 erneut Publikationsverbot. Im Oktober desselben Jahres lehnte er es ab, an den von der Opposition organisierten Gedenkfeierlichkeiten zum Jahrestag der *Ungarischen Revolution von 1956 teilzunehmen. Ab 1987 engagierte er sich im Zusammenhang mit dem von nationalen Gruppierungen geplanten zweiten *Treffen in Monor, brach jedoch im Juni desselben Jahres seine Kontakte zu demokratischen Oppositionsgruppen ab. Er begründete das damit, dass die Untergrundzeitschrift *„Beszélő“(Sprecher) das Dokument *Gesellschaftsvertrag (Társadalmi Szerződés) veröffentlicht hatte, ohne dies zuvor mit den national orientierten Gruppierungen abzustimmen. Im Oktober 1987 war Csurka einer der Organisatoren des *Treffens in Lakitelek, auf dem er den Eröffnungsvortrag hielt, der unter dem Motto „Die Chancen der Ungarn“ stand. Auf der ersten Hauptversammlung des *Ungarischen Demokratischen Forums (Magyar Demokrata Fórum; MDF) forderte er die Einführung einer parlamentarischen Demokratie in Ungarn. In den Jahren 1988/89 gehörte er zum Redaktionsstab der ersten legal erscheinenden unabhängigen Monatsschrift „Hitel“ (Glaube). Im Juni 1988 war er einer der Organisatoren einer Protestdemonstration gegen die sogenannte Dorfsystematisierung im rumänischen Siebenbürgen, an der 100.000 Menschen teilnahmen. Er war auch Autor einer auf dem Budapester Heldenplatz gehaltenen Rede. Im September desselben Jahres wurde er Präsidiumsmitglied des *Ungarischen Demokratischen Forums. Von Oktober 1989 bis August 1990 war er Chefredakteur der Wochenzeitung „Magyar Fórum“, ab Januar 1991 Vorsitzender des Redaktionskomitees sowie Geschäftsführer des Unternehmens „Magyar Fórum“. Nach und nach löste Csurka die Wochenzeitung vom Einfluss des *Ungarischen Demokratischen Forums, das die Zeitung besonders in deren Startphase kontrolliert und sie zu einem eigenen Propagandamedium gemacht hatte. Ab 1990 griff er in Radiobeiträgen für den Ungarischen Rundfunk offen die Ansichten der liberal eingestellten Teile der ungarischen Intelligenz an, die ihre politische Heimat im *Bund Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ) sahen. Seine eigene Partei, das *Ungarische Demokratische Forum, tolerierte in diesem Zusammenhang die mal offen, mal eher versteckt artikulierten antisemitischen Ansichten Csurkas.In den ersten freien Wahlen wurde Csurka ins Parlament gewählt. 1991 wurde er zum Vize-Parteivorsitzenden des *Ungarischen Demokratischen Forums gewählt, womit sein Einfluss auf den politischen Kurs der Partei weiter wuchs. 1993 gründete Csurka den Arbeitskreis Ungarischer Weg – mit dem Ziel, im *Ungarischen Demokratischen Forum die Macht zu übernehmen und den Rücktritt des Parteivorsitzenden József Antall zu erreichen. Unmittelbarer Anlass war die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit der Ukraine durch die ungarischen Regierung, in der diese auf territoriale Ansprüche gegen die Ukraine verzichtete (es ging um die Karpaten-Ukraine, die Ungarn aufgrund des Friedensvertrags von Trianon 1920 abtreten musste). Im Endeffekt wurde Csurka aus Partei und Parlamentsfraktion ausgeschlossen. Im Jahre 1993 gründete er die radikal nationalkonservative Ungarische Wahrheits- und Lebenspartei (Magyar Igazság és Élet Pártja; MIÉP), die bei den ein Jahr später stattfindenden Parlamentswahlen an der 5-Prozent-Hürde scheiterte. Erst 1998 gelang es der rechtsradikalen Partei, die Csurka bis an sein Lebensende anführte, sechs Prozent der Wählerstimmen auf sich zu vereinen und Abgeordnete im Parlament zu stellen. Csurka selbst wurde Fraktionschef und hatte diese Funktion bis 2002 inne. Bei späteren Wahlen scheiterten die Rechtsradikalen erneut an der Sperrklausel. Als Csurka im Oktober 2011 zum Intendanten des vordem liberalen Neuen Theaters (Új Színház) in Budapest ernannt wurde, löste dies wegen seiner rechtsextremen Einstellung und antisemitischen Äußerungen ungarnweit und international eine Protestwelle in Kultur und Politik aus. Vier Monate später starb István Csurka am 4. Februar 2012 an einer schweren Krankheit in Budapest.Péter Hermann Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 05/16

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Czollek, Walter

* 8.4.1907 – ✝ 23.4.1972

Geb. in Berlin-Charlottenburg in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Kfm.; Gymnasium, Abitur; 1924 – 33 Ausbildung zum Kfm.; im Beruf tätig; Ausbildung zur Herstellung u. Verarbeitung von Kunstseidengewebe; 1928 – 30 Studium der Volkswirtschaft an der Dt. HS für Politik in Berlin-Schöneberg; 1929 KPD; bis 1933 geheimer Mitarb. im M-Apparat; 1933/34 zweimal verhaftet, 1934 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt; Haft in Luckau, in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße, 1936 KZ Lichtenburg, 1937 KZ Dachau u. 1938 KZ Buchenwald, vorwiegend in Isolationshaft, mißhandelt; Mai 1939 Ausweisung aus Dtl., Ausreise nach China, Juni 1939 Ankunft in Shanghai; Kontakt mit der KP Chinas; 1939 – 41 Ltr. einer illeg. Radiostation für die KP China, daneben Aufträge für einen sowj. Nachrichtendienst; Heizer in versch. chem. Betrieben; übermittelte bis 1945 militär. Informationen an versch. Nachrichtenagenturen; 1939 – 47 Übersetzer u. Sprecher dt.-spr. TASS-Sendungen »Stimme der Sowjetunion in Shanghai« (»Hans Mommek«); Mitbegr. u. später Ltr. der KPD-Exilgr. in China; Nov. 1945 Mitbegr. der »Residents Association of Democratic Germans in Shanghai«. Aug. 1947 Rückkehr nach Dtl.; Mitarb. der Dt. Treuhandverw. für sequestriertes u. beschlagnahmtes Eigentum im sowj. Sektor Berlins; 1948/49 Ltr. des Personalbüros des Berliner Industrie- u. Handelskontors; 1950 – 52 Lektor für Zeitgeschichte im Verlag Volk u. Welt Berlin; 1952 Lehrgang an der DVA, danach 2. Geschäftsf., 1954 – 72 Ltr. des Verlags Volk u. Welt (Nachf. von  Bruno Peterson) (für internat., vorwiegend belletrist. Lit., 1964 Anschluß des Verlags Kultur u. Fortschritt); gest. in Berlin.Dreifuss, A.: Shanghai – Eine Emigr. am Rande. In: Middel, E. et al. (Hrsg.): Exil in den USA. Leipzig 1979; Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S. (Hrsg.): Fenster zur Welt. Die Gesch. des DDR-Verlages Volk u. Welt. Berlin 2003. CaW; BRB

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Dahlem, Franz

* 14.1.1892 – ✝ 17.12.1981

Geb. in Rohrbach (Lothr./Rohrbach-lès-Bitche, Frankreich); Vater Weichensteller; 1899 – 08 Volks- u. Mittelschule in Vic-sur-Seille u. in Château-Salins, Oberrealschule in Saargemünd, abgebrochen; 1908 – 11 Mitgl. des kath. Jünglingvereins Saaralben; 1911 – 13 Ausbildung zum Exportkfm. in Saarbrücken; im Beruf tätig in Köln; 1911 Mitgl. der Gewerkschaft, 1913 Mitgl. u. Vors. der SAJ Köln; 1913 – 17 SPD; 1914 Mitbegr. der Jungsoz. Köln; 1914 – 18 Militärdienst; 1917 Mitgl. der USPD u. des Arbeiter- u. Soldatenrats Allenstein (Ostpr.) u. anschl. in Köln, 1919 – 21 Mitgr. u. Red. der USPD-Ztg. »Soz. Rep.« (Köln); 1919 Vors. des Bez. Mittelrhein u. Mitgl. des ZK der USPD; 1919 Heirat mit  Käthe D.; 1919 – 23 Stadtverordn. in Köln; Dez. 1920 Übertritt zur VKPD, Mitgl. von deren ZA bzw. dem ZK der KPD; bis 1921 Sekr. der KPD Köln; 1921 aus dem ZK als Opp. ausgeschl.; 1922 Red. der »Inprekorr« (Berlin); 1921 – 24 Abg. des Preuß. Landtags; 1922 Berater bei der KPF (PCF) in Paris; 1923 Instrukteur des ZK der KPD für die Bez. Hessen, Baden, Pfalz u. Saarl.; 1923/24 Mitarb. der Abt. Org. des ZK der KPD; 1924 kurzz. Pol.-Ltr. Thür.; 1928 –33 Abg. des Dt. Reichstags; ab 1929 Mitgl. des PB der KPD; 1930 – 32 Reichsltr. der RGO; April 1933 Emigr. nach Paris; 1933 – 37 Mitgl. der KPD-Ltg. in Paris; 1933 – 43 Kand. des EKKI; 1934 – 41 frz. Staatsbürgerschaft.; Febr. – Juli 1934 illeg. pol. Arbeit in Berlin; 1935/36 in Prag; 1936 aus Dtl. ausgebürgert; 1936 – 38 Ltr. der Zentr. Pol. Kommission der Internat. Brigaden in Spanien; 1938/39 Ltr. des Sekr. des ZK der KPD in Paris (Nachf. von  Walter Ulbricht); 1939 – 42 in Frankreich interniert; ab 1941 sowj. Staatsbürger; 1942 der Gestapo übergeben; 1942/43 Gestapohaft in Berlin, 1943 – 45 Haft im KZ Mauthausen, dort Mitgl. des illeg. Internat. Lagerkomitees; Mai 1945 in Moskau; Mitunterz. des Aufrufs der KPD vom 11.6. 1945. 1.7.1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. des ZK der KPD u. dessen Sekr., Ltr. der Abt. Kader u. Org. des ZK der KPD; 1946 – 53 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED, 1946 – 48 Mitgl. des SED-ZS, dort parität. Ltr. der Abt. Personalpol., des Büros für Internat. Zusammenarbeit u. der Westabt. (»Parteiaufklärung«) mit  Erich W. Niske, 1949 – 51 Ltr. der Westkommission im ZK der SED; 1949 – 53 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 53 Mitgl. des PB des ZK der SED; stellv. Ltr. der Sonderkommission für die Aufstellung von Verteidigungskräften u. die strateg. Verteidigung Volkspolens, maßgebl. beteiligt an der Aufrüstung der DDR; D. war innerhalb der SED populär u. galt als Rivale von Walter Ulbricht; Dez. 1952 wegen angebl. kaderpol. Fehler Untersuchung der ZPKK eingeleitet; März 1953 Mitgl. des Präs. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 17.3.1953 PB des ZK der SED beschloß Funktionsverbot u. Untersuchung der ZPKK bezüglich seiner Verbindungen zu Noel H. Field, Mai 1953 Ausschl. aus dem ZK u. Entbindung von allen Partei- u. Staatsfunktionen wegen angebl. »pol. Blindheit gegenüber der Tätigkeit imp. Agenten u. wegen nichtparteimäßigen Verhaltens zu seinen Fehlern«; Jan. 1954 strenge Rüge bzw. später Rüge wegen angebl. »Versuchs, die SED-Führung zu spalten«; 1955 – 57 Ltr. der HA Forschung im Staatssekr. für HS-Wesen; 1956 pol. rehabil.; ab 1957 stellv. Staatssekr. bzw. ab Aug. 1967 1. Stellv. des Min. für HS-Wesen; 2.2.1957 Mitgl. des ZK der SED (koopt.); ab 1957 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; ab 1963 erneut Abg. der Volkskammer; ab 1964 Präs. der Dt.-Frz. Ges., Mitgl. des Präs. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1956 Hans-Beimler-Medaille, 1962 Arthur-Becker-Medaille u. KMO, 1964 VVO, 1965 u. 1972 Verdienstmedaille der NVA, 1967 Ehrenspange zum VVO, 1970 Stern der Völkerfreundschaft, sowj. Medaille für Teiln. am nationalrev. Befreiungskampf des span. Volkes, sowj. Lenin-Jubiläumsmedaille; Ehrenbürger der frz. Stadt Ivry-sur-Seine; 1977 Großer Stern der Völkerfreundschaft; 1974 Rentner; gest. in Berlin.Weg u. Ziel des antifa. Kampfes. Berlin 1952; Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Erinnerungen. 2 Bde. Berlin 1977/78; Ausgew. Reden u. Aufsätze 1919 bis 1979. Berlin 1980; Jugendjahre. Vom kath. Arbeiterjungen zum proletar. Revolutionär. Berlin 1982. Sebastian, H.: F.-D.-Bibliographie. Berlin 1980; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Der Freundeskrs. um Noel H. Field u. Paul Merker. Berlin 1994; Ackermann, J.: Parteisäuberungen: Die Fälle Paul Merker u. Franz Dahlem. Berlin: Arbeitspapiere des Forschungsverbundes SED-Staat (1996) 22.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Dahlke, Arthur

* 28.2.1887 – ✝ 8.12.1952

Geb. in Spandau (b. Berlin); Vater Schlosser; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer bei einer Verlagsbuchhandlung; 1906 Wanderschaft durch mehrere europ. Länder; während des Ersten Weltkriegs in der Kgl. Gewehrfabrik Spandau dienstverpflichtet, dann 1917 / 18 Soldat; 1918 / 19 Mitgl. des Arbeiterrats in Spandau; 1919 Abg. der Stadtverordnetenversamml. von Spandau; 1919 – 21 unbesoldeter Stadtrat; 1919 Red. der USPD-Ztg. »Freiheit« bzw. Angest. der Berliner Ortsverw. des DMV u. beim Bezirksamt Berlin-Wedding; 1920 / 21 Abg. der USPD-Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversamml.; 1920 – 29 Red. der SPD-Presse in Berlin, Cottbus, Halle, Wernigerode, Leipzig, Spandau; später Mitarb. beim Arbeitsamt Berlin-Nordwest in Spandau; 1931 – 33 Inh. eines Papier- u. Buchhandelsgeschäfts sowie Ltr. eines Pressebüros; 1933 – 38 arbeitslos; 1938 – 42 dienstverpflichtet; 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 / 46 brit. Kriegsgef. in Belgien. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl., über Goslar nach Berlin; SPD / SED; durch Vermittl. von  Max Fechner ab April 1946 parität. Ltr. der Abt. Landespolitik bzw. Staatl. Verwaltung im ZS des SED-PV (zus. mit  Anton Plenikowski); zugleich Informant des Ostbüros der SPD; Nov. 1947 wg. drohender Verhaftung durch das NKWD Flucht nach West-Berlin; 1948 – 52 Angest. beim Arbeitsamt Berlin-Wedding bzw. bei der Dt. Angestellten-Gewerkschaft; zuletzt beim Bergungs- u. Versorgungsamt in West-Berlin; gest. in West-Berlin.Andreas Herbst

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Dallmann, Fritz

* 17.6.1923 – ✝ 4.5.1999

Geb. in Kaisersdorf (Krs. Wirsitz, Westpr./ Młotkowo, Polen); Vater Gutsschmied; Volksschule; 1938 – 41 Gutsarb.; 1941 – 44 Wehrmacht. 1947 aus der Gefangenschaft entlassen, zog zu der nach Priborn (Mecklenb.) zwangsumgesiedelten Familie, übernahm eine Neubauernstelle; 1947 VdgB, Vors. des Ortsaussch.; 1948 SED; 1952 – 58 Vors. des Krs.-Vorst. Röbel der VdgB; Jan. 1953 Mitbegr. der LPG »Fortschritt« in Priborn u. nachf. deren Vors., Entw. der LPG zu einem Musterbetrieb; 1954 – 63 Abg. des Bez.-Tags Neubrandenb.; 1955 – 63 Mitgl. der SED-BL Neubrandenb.; 1963 Kand., 1964 Mitgl. des ZK der SED; ab 1963 Mitgl. des Landw.-Rats bzw. Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft der DDR; Fernstudium an der WPU Rostock, 1980 Dipl.-Agr.-Ing.; 1970 KMO; ferner VVO; 10.9.1982 – 6.3.1990 Vors. des ZV der VdgB (Nachf. von  Fritz Zeuner), maßgebl. Beteiligung am Neuaufbau der VdgB als bäuerl. Massenorg. u. Engagement für die Aufhebung der Trennung von Pflanzen- u. Tierprod.; 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer u. Mitgl. des Staatsrats. Nach 1990 Abg. der PDS in der Gemeindevertr. Priborn, Mitgl. des Aufsichtsrats der Agrargenossenschaft e. G.Sakowski, H.: Zwei Zentner Leichtigkeit. Berlin 1970; Götz, H. H.: Der Erfolgreiche – F. D. In: Frankfurter Allgemeine Ztg. vom 9.11.1988; Fischer, J.: Wie geht’s F. D.? In: Neues Dtl. vom 17.9.1997.Siegfried Kuntsche

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Chowanetz, Karl Rudolf

* 3.1.1933 – ✝ 26.1.2000

Geb. in Bielitz (Krs. Falkenberg, Oberschles. / Bielice, Polen); Vater Meister in der Ölraffinerie, Mutter Hausfrau; 1939 – 45 Schulbesuch in Bielitz, danach Umsiedl. nach Stralsund. 1946 – 49 Schlosserlehre; 1950 – 55 Funktionär der FDJ in Velgast; 1950 – 2000 SED (PDS); 1955 – 57 Hauptwachtmeister der KVP; 1958 – 60 Abt.-Ltr. im Zentralhaus der Jungen Pioniere in Berlin; 1959 – 64 Fernstudium zum Dipl.-Pädagogen; 1961 – 63 Chefred. der Kinderzeitungen »ABC-Zeitung« u. »BUMMI«; 1963 – 75 Chefred. »Die Trommel«; 1975 – 2000 Leiter des Jugendbuchverlages Neues Leben (Nachf. von  Hans Bentzien); gest. in Schöneiche (b. Berlin).Halstuch, Trommel und Fanfare. Berlin 1978; Die Kinderzeitschriften in der DDR von 1946 – 1960. Berlin 1983; Zeiten und Wege – Zur Geschichte der Pionierorganisation. Berlin 1985; Hrsg. von: Erich Honecker – ein Leben für das Volk. Berlin 1987; Mecklenburg-Vorpommern – Land und Leute. Leipzig 1994.Christoph Links

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Cierpinski, Waldemar

* 3.8.1950

Geb. in Neugattersleben (Krs. Bernburg), aufgew. in Jesar (Nienburg); Vater Landwirt; 1966 KJS Halle, Abitur; Sportstudium, Dipl.-Sportlehrer, seit 1964 aktiv in der Leichtathletik (Hindernis-, Langstrecken- u. Marathonlauf), zuerst bei der BSG Aufbau Nienburg (Saale), seit 1966 beim SC Chemie Halle (Trainer: Jörg Ramelow, dann Walter Schmidt); 1967 Sieger (Hindernis) bei den Jugendwettkämpfen der Freundschaft, 1969 Junioren-WR, 1976 u. 1980 Olympiasieger im Marathonlauf, 1976 DDR-Sportler des Jahres, 1978 u. 1982 Teiln. an Europameisterschaften, 1983 bei den Weltmeisterschaften 3. Platz u. Sieg beim Europa-Cup; bis 1990 hauptamtl. Trainer in Halle; VVO. Seit 1990 Inhaber eines Laufshops in Halle, nebenberufl. Trainer, arbeitet für eine Mainzer Fachztschr. für Running u. Marathon; 1995 u. 1997 Teiln. an Marathonläufen; 2002 – 05 persönl. Mitgl. NOK; Sohn Falk C. 2005 Dt. Mstr. Duathlon, 2007 Sieger München-Triathlon, 2009 Teiln. Leichtathletik-WM im Marathon.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Claudius, Eduard

* 29.7.1911 – ✝ 13.12.1976

Geb. in Buer (b. Gelsenkirchen); Vater Bauarb.; 1925 – 27 Maurerlehre, 1927 – 29 Maurer in versch. Baufirmen; ab 1927 Gewerkschaftsfunktionär u. Arbeiterkorrespondent; 1929 – 32 Wanderungen durch Italien, Österreich, Frankreich, Spanien u. die Schweiz; 1932 KPD; 1933 Verhaftung; 1934 Emigr. in die Schweiz; 1936 von der Schweizer Bundespolizei verhaftet, vor drohender Auslieferung Flucht nach Spanien; 1936 – 38 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, anschl. Internierung in Frankreich u. 1939 – 45 in versch. Schweizer Arbeitslagern (Witzwil, Gordola); 1945 Angeh. der oberital. Partisanenbrigade »Garibaldi«, dabei Kontakte zum amerikan. Geheimdienst OSS. Ab Juli 1945 Pressechef im bayr. Min. für Entnazifizierung in München; nach kurzem Aufenthalt im Ruhrgeb. 1948 Übersiedl. nach Potsdam; KPD/SED; zunächst freischaff. Schriftst.; 1951 NP; 1956 1. Sekr. des DSV (Nachf. von  Gustav Just); 1956 – 59 Gen.-Konsul der DDR in Syrien, 1959 – 61 Botschafter in Vietnam (Nachf. von Rudolf Pfützner); wieder freischaff. Schriftst.; 1. Sekr. des KB im Bez. Potsdam; 1965 Mitgl. der DAK. C. wurde durch sein Spanien-Buch »Grüne Oliven u. nackte Berge« (1945) bekannt; mit seinem reale Begebenheiten nachzeichnenden Roman »Menschen an unserer Seite« (1951) schuf er den Prototyp des sog. Aktivisten-Romans; der Stoff wurde von  Heiner Müller (»Die Lohndrücker«) aufgegriffen; seine Erz. »Wintermärchen auf Rügen«, 1964 in der Studentenztschr. »FORUM« vorabgedruckt, enthielt bereits alle wichtigen substantiellen u. formalen Neuerungen der DDR-Belletristik der 60er Jahre.Jugend im Umbruch. Basel 1936 (Ps. Edy Brendt); Grüne Oliven u. nackte Berge. Zürich 1945; Salz der Erde. Berlin 1948; Ruhelose Jahre. Autobiogr. Berlin 1968. Piltz G.: E. C. Berlin 1952; Uhse, B.: E. C. Berlin 1960; Heßke, O.: Untersuchungen zur ästhet. Realisierung internationalist. Weltsicht im literar. Werk von E. C. (1911 – 1976). Potsdam 1985; Pawlowski, B.: Die Rhetorik des Vorurteils. Kiel 2001.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

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Clermont, Friedrich

* 5.4.1934 – ✝ 4.1.2011

Geb. in Flensburg; Vater Landwirt; Grundschule; 1951 FDJ; 1953 – 56 Besuch der Landw. FS in Teterow, staatl. geprüfter Landwirt; 1954 SED; 1956/57 Agronom in der MTS Prenzlau; 1964 – 69 Fernstud. an der HU Berlin, Dipl.-Landw.; 1957 – 69 Vors. der LPG »IV. Parteitag« in Klinkow; 1962 – 76 Mitgl. der SED-BL Neubrandenb.; 1963 – 76 Abg. der Volkskammer, 1966 Mitgl. des Aussch. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtsch.; 1969 NP; seit 1969 Ltr. der KAP Pflanzenprod. in Dedelow; 1971 – 76 Mitgl. des Staatsrats; 1974 – 80 Vors. der LPG »VIII. Parteitag« in Dedelow, ab 1980 Vors. der LPG in Satow-Kugel. 1991 – 97 Mitarb. der Cont. Grain Comp. für Mecklenb.; 1997 Ruhestand; gest. in Satow.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Collein, Edmund

* 10.1.1906 – ✝ 21.1.1992

Geb. in Bad Kreuznach; 1925 – 27 Studium an der TH Darmstadt u. am Bauhaus Dessau bei Walter Gropius u. Hannes Meyer, 1930 Bauhausdipl.; 1931 Mitarb. an Wiener Arbeiterwohnungsbauten, ab 1932 an der Werkbund-Siedl. Wien-Lainz, 1938 Arbeit an Krankenhausbauten in München u. Berlin; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 – 51 Hochbauamt des Magistrats von Berlin, danach Ltr. des Hauptamts für Stadtplanung; 1950 erste Reise in die UdSSR u. Mitarb. an den »16 Grundsätzen des Städtebaus«; 1951 Vizepräs. der DBA u. Prof. für Städtebau; 1955 – 58 Vors. des Beirats für Bauwesen beim Min.-Rat; 1958 Dir. des Inst. für Gebiets-, Stadt- u. Dorfplanung der DBA; Projekt für einen Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee in Berlin (mit  Josef Kaiser u. Werner Dutschke); 1962 NP; ab 1962 Ltr. der Akad.-Sekt. Städtebau u. Architektur, 1963 – 71 Vors. des Wiss. Rats der DBA, 1966 – 75 Präs. des BDA (Nachf. von  Hanns Hopp); 1975 Dr. h. c.; 1978 Ehrenmitgl. der DBA.Gerd Dietrich

Handbuch Deutsche Kommunisten

Creutzburg, August

* 6.3.1892 – ✝ 11.9.1941

Geboren am 6. März 1892 in Fischbach/Thüringen, Sohn des Tischlers Alfred Paul Luis Creutzburg; er lernte Maler und Lackierer. Bis 1912 arbeitete er als Tüncher. Am 1. Mai 1908 Eintritt in die SPD und im Mai 1909 in die Gewerkschaft. Von 1912 bis 1918 Soldat. 1917 Mitglied der USPD, wurde Anfang Dezember 1918 zum Vorsitzenden der USPD des Freistaates Gotha gewählt und kam als beratender Sekretär in die von der USPD geführte Regierung. Während des Kapp-Putsches im März 1920 Kommandant der 1.Thüringer Volkswehrarmee. Ab Mai 1920 besoldeter Sekretär der USPD in Jena, er setzte sich 1920 für die Vereinigung mit der KPD ein. Ab Dezember 1920 KPD-Sekretär in Jena, im Juni 1923 wurde er Orgleiter des Bezirks Magdeburg, ab Mai 1924 Polleiter. Im Mai 1924 im Wahlkreis Magdeburg in den Reichstag gewählt, dem er bis 1928 und von 1930 bis 1933 (Wahlkreis Thüringen) angehörte. Als einer der »Feuerwehrleute« des ZK ständig in verschiedene Bezirke versetzt, in denen die Zentrale Schwierigkeiten hatte, er gehörte nie zu einer Oppositionsgruppe. Im August 1924 wurde Creutzburg Polleiter des KPD-Bezirks Wasserkante, den er auf dem X.Parteitag im Juli 1925 vertrat (er war Teilnehmer fast aller anderen Parteitage). Noch im Oktober 1925 Polleiter des Bezirks Niederrhein, dann Ende 1925 einige Zeit Sekretär in Thüringen und ab Ende 1926 Orgleiter im Bezirk Niederrhein. Ende 1927 wurde er als »Kommissar« des ZK in den Bezirk Pfalz versetzt, um dort die ultralinke Führung zu isolieren. Im August 1928 Orgleiter des Bezirks Ruhr in Essen, im Juli 1929 nach Berlin berufen, er übernahm bis März 1933 die Leitung der Orgabteilung des ZK. Anschließend illegal als Instrukteur in Berlin, aber da er sich nicht »bewährte«, im Dezember 1933 in die Emigration geschickt, seine Frau Else Creutzburg, geborene Bluhm (* 1892 – †1976), blieb mit den Kindern Karl Spartakus und Sonja (beide * 1922) in Deutschland. Zunächst war Creutzburg von der âSR aus am Aufbau von Grenzstellen beteiligt, anschließend AL West in Amsterdam. Von Februar 1935 bis Mitte April 1935 war er in holländischer Haft. Über Frankreich kam Creutzburg in die Sowjetunion, wo er unter den Parteinamen Krieger/Röhmer lebte. Hier begann 1936 ein Parteiverfahren der IKK wegen nicht-konspirativen Verhaltens in den Niederlanden (die Untersuchung führte Herbert Wehner). Creutzburg wurde als Redakteur an die DZZ nach Engels an die Wolga versetzt. Seine neue Lebensgefährtin Cläre Vater (* 6. 5. 1900 – † 3. 9. 1984), mit der er seit 1929 zusammenlebte, folgte ihm im Herbst 1936 in die ASSR der Wolgadeutschen. Sie war die Tochter des Magdeburger KPD-Funktionärs Albert Vater. 1919 Mitglied der KPD, arbeitete als Sekretärin in den BL Magdeburg und Chemnitz bzw. in der Zentrale der KPD in Berlin. 1928 wurde sie aus dem hauptamtlichen Apparat der Roten Hilfe entlassen, weil sie sich mit deren Generalsekretär Jakob Schloer solidarisiert hatte. Danach bis 1933 Sekretärin in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. In Moskau 1935/36 Stenotypistin beim EKKI. Am 20. September 1937 wurde ihre Tochter Tamara geboren. Am 8. Februar 1938 wurde August Creutzburg (im Juni 1938 Cläre Vater) vom NKWD verhaftet und am 28. Oktober 1938 vom Militärkollegium wegen »Beteiligung an Spionage und terroristischer Tätigkeit« zum Tode verurteilt. Seine Strafe wurde in 25 Jahre Lagerhaft umgewandelt, er kam in ein Arbeitslager im Saratower Gebiet. Creutzburg machte verzweifelt mehrere Eingaben, darunter an Stalin, und bat um die Aufhebung des Urteils. Resignierend stellte er einen Antrag auf Ausreise nach Nazi-Deutschland. August Creutzburg wurde am 11. September 1941 im Wald von Orjol mit hunderten Kommunisten vor dem deutschen Einmarsch vom NKWD erschossen. Seine juristische Rehabilitierung erfolgte erst im Jahre 1998. Cläre Vater, zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt, wurde zusammen mit Margarete Buber-Neumann von Moskau aus und gegen ihren Protest am 24. Februar 1940 mit ihrer nun zweijährigen Tochter nach NS-Deutschland ausgeliefert. Hier am 7. November 1940 zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, arbeitete sie nach ihrer Freilassung aus dem Zentralen Frauengefängnis in Leipzig als Sekretärin in einer Textilfabrik. Nach 1945 war sie Dezernentin im Arbeitsamt in Berlin-Reinickendorf. 1946 trat sie der SED bei, war ab August 1946 Referentin in der Deutschen Zentralverwaltung für Verkehr. Im Zusammenhang mit der Artikelserie Margarete Buber-Neumanns in westlichen Medien über die stalinistischen Säuberungen mußte Cläre Vater im August 1949 eine Erklärung abgeben, in der sie fälschlich die Verfolgung und Haft in der Sowjetunion bestritt. Sie lebte nach 1945 in Berlin mit Ernst Wollweber, dem späteren DDR-Minister für Staatssicherheit, zusammen.

Wer war wer in DDR

Crüger, Herbert

* 17.5.1911 – ✝ 17.1.2003

Geb. in Rixdorf (b. Berlin); Vater Buchdrucker; 1914 Tod des Vaters; Volksschule in Berlin; Schiffsjunge, 1928 – 31 Ausbildung zum Kfm. in Berlin; anschl. arbeitslos; Mitgl. der HJ in Berlin-Neukölln, Anhänger der Otto-Strasser-Gr.; 1932 Übertritt zum KJVD bzw. der Roten Jungfront (RJ); 1932/33 Techn. (miltär.) Ltr. des RFB/RJ im Untergau Berlin-Neukölln (»Tommy«); illeg. Arbeit in der Landvolkbew. in Ostpr.; ab 1933 illeg. pol. Arbeit für den M-Apparat (Nachrichtendienst der KPD) in der SA; Aug. 1934 – Juli 1935 U-Haft; Nov. 1935 Flucht in die ČSR; 1935 Mitgl. der KPD in Prag; 1936 für den M-Apparat in Prag aktiv; 1937 – 41 Mitarb. des Nachrichtendienstes der span. Rep. in Barcelona; ab Sept. 1938 in Prag, dann mit tschechoslowak. Identiät (»Josef Novák«) in Zürich; dort zur Tarnung Studium der Kunstgeschichte u. Archäologie; ab 1939 Lebensgemeinsch. mit der Schauspielerin  Mathilde Danegger; 1940 in Schweizer Arbeitslagern (u. a. Felsberg) interniert; Forts. des Studiums an der Univ. Zürich; 1942 Anerkennung als Mitgl. der KPD; 1943 verantw. für die Herstellung der Ztschr. der BFD; 1944/45 Aufbau von BFD-Gruppen in Schweizer Internierungslagern; Sekr. der Schweizer BFD-Org. bis zur Auflösung Ende 1945. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 48 Ref. (Reg.-Rat) für Jugendfürsorge im Min. für Arbeit u. Wohlfahrt in Hessen; 1948 – 50 2. Sekr. der KPD Südwürttemberg, 1950 amtl. Sekr. des KPD-LV Südwürttemberg; Dez. 1950 wg. der früheren Verbindungen zur Strasser-Gr., angebl. Freundschaft zum »Trotzkisten« Erich Wollenberg u. als ehem. »Westemigrant« Ausschluß aus der KPD; März 1951 Übersiedl. in die DDR; 1951 – 53 Aspirantur an der Univ. Rostock (Archäologie); ab 1953 Philos.-Doz. im ges.-wiss. Grundstudium an der HU Berlin; Teiln. an krit. Diskussionen nach dem XX. Parteitag der KPdSU, setzte sich für den verhafteten  Bernhard Steinberger ein; März 1958 vom MfS verhaftet, U-Haft in Berlin-Hohenschönhausen, Aberkennung des VdN-Status; Dez. 1958 in einem Geheimprozeß vor dem Bez.-Gericht Potsdam zu acht Jahren Zuchthaus wegen »schweren Staatsverrats« verurteilt, 1958 – 61 Haft im Zuchthaus Bautzen II; ab Sept. 1961 wiss. Mitarb. am Inst. für Philos. der AdW; 1962 Wiederanerkennung als VdN; 1966 SED; Jan. 1990 Rehab. durch die Zentr. Schiedskommission der SED/PDS, Anerkennung der Parteimitgliedschaft seit 1935; Mai 1990 Kassationsverfahren u. pol. Rehabil. durch das OG. 1990 PDS; Mitarb. im Vorstand IVVdN in Königs Wusterhausen, Mitgl. in der AG ehem. Spanienkämpfer; gest. in Zeuthen (b. Berlin).Verschwiegene Zeiten. Vom geheimen Apparat der KPD ins Gefängnis der Staatssicherheit. Berlin 1990; Ein alter Mann erzählt. Schkeuditz 1998.Bernd-Rainer Barth

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Czaplewski, Egon

* 10.10.1931

Geb. in Berlin; Lehre als Stalljunge im Rennstall von Friedrich Wilhelm Michaelis in Berlin-Karlshorst; 1946 – 50 Lehre als Jockey in Hoppegarten bei Michaelis; 1947 – 1971 aktiv als Jockey (Trainer Ewald Schneck); Bilanz: 1398 Siege, davon 1965 106 Siege in 320 Rennen; 1954 – 1969 16mal Sieger im Championat der DDR, vier Derbysiege: 1957 auf »Tannenhäher«, 1959 auf »Fahnenträger«, 1961 auf »Ondra«, 1970 auf »Meernymphe«; fünf Siege beim »Großen Preis der DDR«; internat. Erfolge u. a. in Moskau, Budapest (»Friedenspreis«) u. Warschau; Fernstudium an der FS für Landw. in Oranienburg (Agraring.); Lehrmeister an der Zentralen Ausbildungsstätte für Rennsport der DDR in Hoppegarten; Trainer im Rennstall Graditz u. a. von Meisterjockey Alex Mirus; erreichte fast 800 Trainersiege. Seit 1995 Privattrainer; lebt in Neuenhagen (b. Berlin).Volker Kluge

dissidenten.eu

Czuma, Andrzej

* 1938

Jurist, Mitbegründer und Sprecher der Oppositionsbewegung *Ruch; seit 1977 Mitglied des engeren Leitungskreises der Bewegung zur Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte (*ROPCiO); seine Pseudonyme waren: „Antaba“ und „A. Cz.“. Andrzej Czuma wurde 1938 in Lublin geboren. Sein Vater Ignacy Czuma war Professor für Staatsrecht an der Katholischen Universität Lublin. 1950 verurteilte man seinen Vater für dessen Zugehörigkeit zur antikommunistischen Organisation „Freiheit und Unabhängigkeit“ (Wolność i Niezawisłość; WiN) zu zehn Jahren Gefängnis, aus dem er 1953 entlassen wurde. Der Bruder seines Vaters, Walerian Czuma, war General in der polnischen Armee und kommandierte die Verteidigung Warschaus 1939. 1963 schloss Andrzej Czuma sein Jurastudium an der Fakultät für Rechts- und Verwaltungswissenschaften der Warschauer Universität ab. Er studierte außerdem Geschichte an der Katholischen Universität Lublin. Während des Studiums engagierte er sich in der studentischen Seelsorge. Er arbeitete als Justiziar im Ministerium für Infrastruktur und Transportwesen, später in der Kreisdirektion der polnischen Staatsbahn in Warschau. 1965 war Czuma an der Gründung einer geheimen antikommunistischen Organisation, die später unter dem Namen *Ruch (Bewegung) bekannt wurde, beteiligt. Weitere Gründungsmitglieder waren sein jüngerer Bruder Benedykt, Emil Morgiewicz, Stefan Niesiołowski und Marian Gołębiewski (ein ehemaliger Offizier der *Heimatarmee und Mitglied von „Freiheit und Unabhängigkeit“, der 1947 in einem Gerichtsprozess gegen die Leitung der Organisation zum Tode verurteilt worden war). Andrzej Czuma war einer der führenden Figuren in dieser Bewegung und leitete faktisch ihre Aktivitäten, bis sie 1970 von der Staatssicherheit zerschlagen wurde. Er war wesentlich für ihre politische Ausrichtung verantwortlich: Die Gruppe konzentrierte sich darauf, ihre Strukturen auszubauen, gab sich ein Programm, veröffentlichte eine Zeitschrift, verzichtete aber auf öffentliche Aktionen (Flugblätter, Hauswandparolen usw.). Während dieser Zeit benutzte er das Pseudonym „Antaba“. Zwei seiner anderen Brüder hatten ebenfalls Einfluss auf die Organisation und ihr Umfeld: sein Bruder Łukasz, der Universitätsdozent war, und der Jesuit und Hochschulseelsorger Hubert. Zusammen mit Emil Morgiewicz und Stefan Niesiołowski verfasste Czuma 1968 ein Programm, das nach seinen Anfangswörtern „Die Jahre vergehen …“ (Mijają lata…) benannt wurde. Als ersten Punkt forderten sie die Unabhängigkeit Polens, worunter sie das Ende des kommunistischen Systems, die Herauslösung ihres Landes aus dem sowjetischen Block, die Einführung der Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte verstanden. Das Programm wurde auf dem IV. Kongress von *Ruch im Januar 1969 in Łódź angenommen. Czuma unterstützte Emil Morgiewicz bei der Redaktion der seit Herbst 1969 erscheinenden *Ruch-Zeitschrift „Biuletyn“. Insgesamt wurden sechs Ausgaben herausgegeben. Czuma übernahm die Aufgabe, die Zeitschrift zu vervielfältigen und zu verteilen und schrieb mehrere Texte. Schon während seines Studiums interessierte sich die Staatssicherheit für ihn. Zwischen Oktober 1962 und November 1963 wurde das private Umfeld von ihm und seinen beiden Brüdern Benedykt und Stanisław von der Staatssicherheit unterwandert. Stanisław war ebenfalls Mitglied von *Ruch. Aufgrund von Informationen des auf sie angesetzten Inoffiziellen Mitarbeiters Sławomir Daszuta leitete die Staatssicherheit im Oktober 1969 unter dem Namen „Rewident“ (Kontrolleur) einen Operativen Vorgang (OV) gegen Andrzej Czuma ein. Czuma wurde am 20. Juni 1970 unmittelbar vor einer *Ruch-Aktion festgenommen, in der das Lenin-Museum im südpolnischen Poronin in Brand gesetzt werden sollte. „Die Aktion ‚Poronin‘ hatte symbolische Bedeutung. Sie sollte ein spektakuläres Zeichen des Protestes gegen die Unfreiheit sein, die der Kommunismus für Polen war und die sich in der Figur von Wladimir Iljitsch [Lenin] personifizierte. Die Aktion war so vorbereitet, dass wir unter keinen Umständen die Gesundheit oder das Leben anderer Menschen gefährdeten“, erinnerte sich Andrzej Czuma später. Während der Ermittlungen verweigerte er mehrfach das Geständnis, obwohl ihm mit der Todesstrafe gedroht wurde. Czuma wurde im Rahmen des Prozesses gegen die Leitungsebene von *Ruch (21. September bis 23. Oktober 1971) verurteilt. Er war angeklagt, an den Vorbereitungen eines gewaltsamen Staatsstreiches beteiligt gewesen zu sein sowie eine illegale Organisation gegründet und geleitet zu haben. Czuma erhielt mit sieben Jahren Gefängnis die Höchststrafe. Eine Amnestie reduzierte 1974 seine Haftzeit auf fünf Jahre. Eine im In- und Ausland initiierte Kampagne für die Freilassung der *Ruch-Leitung trug dazu bei, dass Czuma im September 1974 schließlich aus dem Gefängnis entlassen wurde. Nach seiner Freilassung engagierte sich Czuma weiter im Untergrund: Im März 1977 war er einer der Gründer der Bewegung für Unabhängigkeit (Nurt Niepodległościowy), dessen Leitungsgremium „Romb“ (Rhombus) er (zusammen mit Jan Dworak, Maciej Grzywaczewski und Leszek Moczulski) angehörte. Er war außerdem an den Gesprächen zwischen der Bewegung für Unabhängigkeit und dem Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) beteiligt, in denen beide Seiten Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloteten. Als die Gespräche in einem Debakel endeten, war Czuma einer der Autoren und Unterzeichner des Appells „An die polnische Gesellschaft“ (Do społeczeństwa polskiego) vom 25. März 1977, der im Zusammenhang mit der Gründung der Bewegung zur Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte (Ruch Obrony Praw Człowieka i Obywatela; *ROPCiO) herausgegeben wurde. Neben Leszek Moczulski wurde Czuma einer der beiden Sprecher von *ROPCiO. Als es 1978 zu Konflikten zwischen den beiden gekommen war, leitete Czuma fortan den ihn unterstützenden Flügel von *ROPCiO. Nachdem Czuma seit ihrer Gründung geheimes Redaktionsmitglied der Monatsschrift „Opinia“ (Meinung) gewesen war, arbeitete er ab April 1978 auch offiziell in der Redaktion mit. Er veröffentlichte dort gelegentlich seine Artikel, die er mit seinem vollen Namen oder mit seinen Initialen unterschrieb. Czuma wurde in das Präsidium des sogenannten Unterzeichnerrates gewählt, das aus seinen Anhängern bestand und die eigentliche Leitung von *ROPCiO darstellte. Andrzej Czuma führte die Bewegung bis zu ihrer Auflösung im Dezember 1981. Im Oktober 1979 nahm er zusammen mit anderen Mitgliedern von *KOR an einem Hungerstreik in der Warschauer Heiligkreuz-Kirche teil, um die Bürgerrechtler der *Charta 77 in der Tschechoslowakei zu unterstützen. Czuma gehörte zu den Oppositionellen, die besonders harten Verfolgungen durch die Staatssicherheit ausgesetzt waren. Unzählige Male wurde er für 48 Stunden festgenommen. Nach einer Demonstration am 11. November 1989 in Warschau, auf der er zusammen mit Wojciech Ziembiński, Józef Janowski und Bronisław Komorowski öffentlich gesprochen hatte, wurde er von einem Sondergericht zu drei Monaten Haft verurteilt. Nach der durch einen brutalen Milizeinsatz gegen die *Solidarność ausgelösten „Bromberger Krise“ (Kryzys bydgoski) übernahm Czuma im März 1981 auf Bitten der Kattowitzer *Solidarność die Funktion eines ständigen Beraters des Überbetrieblichen Gründungskomitees (Międzyzakładowy Komitet Założycielski) der *Solidarność. Er gründete und leitete die „Wiadomości Katowickie“ (Kattowitzer Nachrichten) des schlesischen *Solidarność-Regionalbüros. Sein wichtigstes Ziel war jedoch die Schaffung einer politischen Partei. Mitte 1981 engagierte er sich für die Gründung der Bewegung für Unabhängigkeit (Ruch Niepodległościowy), die auf Mitgliedern von *ROPCiO, der *Bewegung Junges Polen (Ruch Młodej Polskiej), der ehemaligen Oppositionsbewegung *Ruch, der Gewerkschaft *Solidarność und dem *Unabhängigen Studentenverband (Niezależne Zrzeszenie Studentów; NZS) basieren sollte. Dieser Versuch scheiterte Ende August 1981, vor allem aufgrund interner Streitigkeiten. Czuma konzentrierte sich daraufhin wieder auf die Arbeit in der Gewerkschaft *Solidarność. Bei Ausrufung des Kriegsrechts wurde Czuma am 13. Dezember 1981 festgenommen und in den Lagern im Warschauer Stadtteil Białolęka und in Jaworze und Darłówko in Pommern interniert. Am 23. Dezember 1982 kam er wieder frei. 1983–85 organisierte er geheime Schulungen in Schlesien, unterstützte Verlage des sogenannten „Zweiten Umlaufs“ (Bezeichnung für den polnischen Samisdat). Er gehörte zwar keiner geheimen Gruppe an, kooperierte aber mit der Untergrundabteilung der *Solidarność und mit früheren Mitgliedern von *ROPCiO. 1985 emigrierte Czuma in die Vereinigten Staaten. Von dort aus sammelte er Geld für die polnische Opposition, unter anderem für die *Kämpfende Solidarność (Solidarność Walcząca), den *Unabhängigen Studentenverband und die Gewerkschaft *Solidarność. Zurück im freien Polen, zog Czuma 2006 für die Partei „Bürgerplattform“ (Platforma Obywatelska) als Abgeordneter in das polnische Parlament ein, in dem er bis 2011 Abgeordneter blieb. 2009 war er Justizminister in der ersten Regierung Tusk sowie Generalstaatsanwalt, seit 2012 ist er Berater des polnischen Justizministers.Piotr Byszewski Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 11/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dahlem, Franz

* 14.1.1892 – ✝ 17.12.1981

Geboren am 14. Januar 1892 in Rohrbach/ Lothringen, Sohn eines Eisenbahn-Weichenstellers. Aus Geldmangel mußte er die Oberrealschule verlassen und konnte nicht studieren. 1911 Lehrling in einer Saarbrücker Exportfirma, Eintritt in die Gewerkschaft und 1913 in Köln Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1918 Kriegsteilnehmer. 1917 zur USPD übergetreten, wurde er bei Revolutionsausbruch in Allenstein/Ostpreußen in den Arbeiter- und Soldatenrat gewählt. Ende 1918 Rückkehr nach Köln, dort Redakteur des USPD-Organs »Sozialistische Republik«. 1919 Vorsitzender der USPD-Mittelrhein und Stadtverordneter in Köln, ging mit der linken USPD im Dezember 1920 zur KPD und wurde Vertreter des Bezirks Mittelrhein im ZA der VKPD. Von 1921 bis 1924 Abgeordneter des Preußischen Landtags. Nach der März-Aktion 1921 Anhänger der Levi-Gruppe, wandte sich Dahlem als Chefredakteur der »Sozialistischen Republik« in mehreren Leitartikeln gegen die Linie der Partei. Am 22. April 1921 schrieb er, die von der Partei geforderte Parteidisziplin bedeute eine Abwürgung der Diskussion. In einer Kölner Versammlung forderte Dahlem die »volle Diskussionsmöglichkeit in der Partei« und erklärte, die Taktik der KPD in der März-Aktion habe nicht den kommunistischen Grundsätzen entsprochen. Daraufhin setzte ihn die Zentrale Ende April ab. Aus Protest dagegen besetzten Dahlems Anhänger Redaktion und Verlag. Dabei kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Gefolgsleuten der Zentrale und Anhängern Paul Levis bzw. Dahlems. Trotz des schweren Disziplinbruchs wurde Dahlem auf dem Bezirksparteitag Mittelrhein im Mai 1921 2. Vorsitzender (1. Vorsitzender war der Ultralinke Peter Mieves). Er distanzierte sich nun von Levi und wurde von Juli bis Oktober 1922 als Berater der KP Frankreichs nach Paris geschickt. Anfang 1923 Obersekretär für das Rheinland, dort von der französischen Besatzung ausgewiesen, kam er als Redakteur der »Roten Fahne« nach Berlin. Zeitweise in der Orgabteilung und bei der »Inprekorr«, Ende 1925 für kurze Zeit Polleiter von Thüringen. Er leitete von 1926 bis 1928 die Orgabteilung des ZK der KPD. Auf dem XI. Parteitag 1927 als Mitglied ins ZK gewählt und 1928 (nach der Wittorf-Affäre) ins Polbüro berufen, bestimmte ihn der XII. Parteitag 1929 erneut in diesen Funktionen. Abgeordneter des Reichstags (Wahlkreis Potsdam II) von Mai 1928 bis 1933. Im November 1930 wurde Dahlem Reichsleiter der RGO (bis zur Ablösung durch Fritz Schulte im Juni 1932). Als Spitzenführer der KPD wurde er Ende 1932 als Anhänger der Neumann-Gruppe gemaßregelt, blieb aber Polbüromitglied und Mitarbeiter der Gewerkschaftsabteilung in Berlin. Im Mai 1933 nach Paris emigriert, gehörte er dort (und später in Prag) zur KPD-Auslandsleitung. Dahlem schloß sich zunächst im Polbüro der Gruppe Schubert-Schulte-Florin an (diese hatte die Mehrheit gegen Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck), schwenkte jedoch Ende 1934 um und wurde 1935 und 1939 wieder ins ZK und Politbüro der KPD berufen. Der VII. Weltkongreß im Juli 1935, an dem er als Hauptreferent für die KPD auftrat, wählte ihn zum Kandidaten des EKKI. Von Februar bis Juli 1934 illegal in Deutschland, wurde er danach gemeinsam mit Ulbricht Leiter der sogenannten operativen Auslandsleitung der KPD in Paris. Im Spanischen Bürgerkrieg war er zusammen mit André Marty und Luigi Longo Mitglied der Zentralen Politischen Kommission der Interbrigaden. Dahlem wurde im Sommer 1938 als Nachfolger Ulbrichts bzw. Paul Merkers Leiter des Pariser KPD-Sekretariats. Im September 1939 in Frankreich interniert, wandte sich Dahlem an den französischen Ministerpräsidenten Daladier und forderte die Einreihung der KPD-Emigranten in die französische Armee und bot der Regierung enge Zusammenarbeit im Kampf gegen Hitler an. Am 4. August 1942 an Hitler-Deutschland ausgeliefert, wurde Dahlem nach achtmonatiger Bunkerhaft in der Gestapozentrale ins KZ Mauthausen gebracht, aus dem er am 7. Mai 1945 befreit wurde. Die Rote Armee brachte ihn nach Moskau, von dort kam er mit Wilhelm Pieck nach Deutschland zurück. Als Kaderleiter der KPD bzw. der SED gehörte Dahlem bis 1952 den höchsten Parteigremien an. Zugleich war er als Leiter der Westkommission der SED faktisch der Führer der westdeutschen KPD. Wegen seiner Popularität innerhalb der SED und der KPD galt er als Rivale Ulbrichts. Im Zusammenhang mit der Merker-Affäre 1950 geriet Dahlem verstärkt ins Blickfeld der ZPKK. Schrittweise entmachtet, wurde er im Dezember 1952 wegen »kaderpolitischer Fehler« gerügt. Das ZK der SED enthob ihn am 15. Mai 1953 aller Funktionen »wegen politischer Blindheit gegenüber der Tätigkeit imperialistischer Agenten«. Da er Selbstkritik ablehnte, wurde seine ganze Vergangenheit aufgerollt; Herman Matern, Leiter der ZPKK der SED, verurteilte vor allem Dahlems Haltung in Frankreich 1939. Dahlem erhielt im Januar 1954 eine »strenge Rüge«, Parteiausschluß und Verurteilung in einem Schauprozeß waren bedrohlich nahe. Die inzwischen in der Sowjetunion begonnene Entstalinisierung rettete ihn. 1955 kam Dahlem als Abteilungsleiter, dann als stellvertretender Staatssekretär in das Staatssekretariat für Hochschulwesen. Im Juli 1956 rehabilitiert, kam er im Januar 1957 bis zu seinem Tod auch wieder ins ZK der SED. Er erhielt alle wichtigen Orden, darunter 1962 den Karl-Marx-Orden und wurde 1971 sogar Ehrenbürger der französischen Stadt Ivry-Sur-Seine. Doch seinen politischen Einfluß konnte Dahlem nie wieder erlangen. Er veröffentlichte 1977/78 zwei Erinnerungsbände: »Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges« und 1982 erschien der erste Teil seiner Memoiren: »Vom katholischen Arbeiterjungen zum proletarischen Revolutionär«. Franz Dahlem starb am 17.Dezember 1981 in Ost-Berlin. Seine Frau (seit 1919) Käte Dahlem (* 20. 3. 1899), geb. Weber, wurde 1913 Mitglied der Arbeiterjugend, 1917 der USPD, engagier- te sich später in der KPD. Im Juli 1933 emigriert, war sie Sekretärin ihres Mannes in Frankreich und in der Sowjetunion. Ab 1941 in Toulouse für die Résistance tätig. Im Oktober 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete sie 1948/49 im Sekretariat des DFD Groß-Berlin. Als sie 1952/53 ihren Mann verteidigte, wurde ihr am 25. August 1953 eine Partei-Rüge erteilt. 1974 erhielt sie den Karl-Marx-Orden. Käte Dahlem starb am 25. Dezember 1974 in Ost- Die Tochter Luise Dahlem (*1919 – †1957) war von 1939 bis 1955 mit dem KPD-Funktionär Karl Mewis verheiratet. Sie arbeitete ab 1939 für die AL Nord der KPD in Stockholm. Nach ihrer Rückkehr Studium an der Berliner Universität, ab 1949 Redakteurin der Zeitschrift des WBDJ »Weltjugend« und der FDJ-Funktionärszeitschrift »Junge Generation«. Dahlems Sohn Robert Dahlem (* 1922 – † 1976) emigrierte 1933 mit der Mutter und der Schwester nach Frankreich und kam im April 1935 in die Sowjetunion. Hier ab 1938 Mitglied des Komsomol; wohnte zeitweise in Moskau bei der Familie des Kölner Architekten Kurt Meyer. Als Jugendlicher erlebte er die Verhaftung vieler deutscher Emigranten, darunter im November 1936 die von Kurt Meyer. Im Herbst 1941 nach dem Ural evakuiert, arbeitete Robert Dahlem als Hilfsdreher in einem Rüstungsbetrieb. Ab Ende 1944 Politinstrukteur in einem Kriegsgefangenenlager. Mit Unterstützung des Vaters im November 1945 nach Deutschland zurück. Mitglied der KPD bzw. der SED. Ab März 1952 E-Schweißer auf der Warnowwerft in Rostock, er protestierte gegen die im Mai 1952 einsetzende Verdammung seines Vaters. Im Juni 1953 gehörte er zu den SED-Mitgliedern, die auf der Warnowwerft die Forderungen der streikenden Arbeiter unterstützten. Daraufhin verhaftet, einer sowjetischen Untersuchungskommission übergeben, aber freigelassen und nach Berlin gebracht. Aus der SED ausgeschlossen, flüchtete Robert Dahlem im Januar 1954 nach West-Berlin. Erich Mielke verlangte von den Dahlems eine persönliche »Rückholaktion«. Käte Dahlem suchte ihren Sohn auf, doch der lehnte es ab, in die DDR zurückzukehren. Robert Dahlem zog als Hafenarbeiter nach Hamburg, ging später nach Frankreich und kam 1959 schwerkrank als Invalide wieder in die DDR.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dahn, Daniela

* 9.10.1949

Geb. in Berlin; Vater Wirtschaftsjournalist  Karl-Heinz Gerstner, Mutter Kostümbildnerin, Malerin, Modejournalistin  Sibylle Gerstner; aufgew. in Kleinmachnow (b. Berlin); EOS in Kleinmachnow, 1968 an einer Sympathiekundgebung für den »Prager Frühling« beteiligt (Schulwandzeitungsaktion), deshalb zunächst zur Abiturprüfung gesperrt (Dok.-Film »Die Geschichte einer Schule«, 2008); daneben Ausbildung zur Schnittmeisterassistentin bei der DEFA; 1968 / 69 Volontariat beim DFF; 1969 – 73 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig; 1972 SED; ab 1973 Red. beim Jugendfernsehen; Nov. 1976 nach Protest gegen die Ausbürgerung von  Wolf Biermann zunehmende Schwierigkeiten (Beurlaubung), Absetzung der von D. konzipierten Jugendsendung »Dreieck«; ab 1978 in der Redaktion »Prisma«; 1981 Kündigung auf eigenen Wunsch u. Rückzug aus dem Journalismus; 1980 Debüt mit der Kurzgeschichtensamml. »Spitzenzeit«; seither freischaff. Autorin, Schwerpunkt Essayistik; 1981 Förderpreis des Literaturinst. »Johannes R. Becher« Leipzig; 1987 Fontane-Preis; 1987 Alltags-Report »Prenzlauer Berg-Tour« über den Berliner Stadtbez. Prenzl. Berg, (Neuausg. 2001); 1988 Goethe-Preis der Stadt Berlin; Herbst 1989 Mitbegr. der Bürgerbew. »Demokrat. Aufbruch«, stellv. Vors. der Untersuchungskommission zu den Ereignissen im Okt. 1989 in Berlin (dokumentiert in: »Und diese verdammte Ohnmacht«. Report. Berlin 1991). Seit 1990 Vortragsreisen u. Gastdozenturen an Univ. in den USA u. Großbritannien; 1991 Wahl in das Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1999 Kurt-Tucholsky-Preis; 2002 Louise-Schroeder-Medaille; 2004 Ludwig-Börne-Preis; Mithrsg. der Wochenztg. »Freitag«; Mitgl. im Willy-Brandt-Kreis; verh. mit dem Schriftsteller Joochen Laabs; lebt in Berlin.Zeitschleifen – Im Dialog mit Christa Wolf. Dok.-Film 1991; Wir bleiben hier oder Wem gehört der Osten. Reinbek 1994; Westwärts u. nicht vergessen. Vom Unbehagen in der Einheit. Berlin 1996; Vertreibung ins Paradies. Reinbek 1998; In einem reichen Land. Zeugnisse alltägl. Leidens an der Gesell. Göttingen 2002 (Hrst. mit G. Grass u. J. Strasser); Demokrat. Abbruch. Von Trümmern u. Tabus. Reinbek 2005; Wehe dem Sieger! Ohne Osten kein Westen. Reinbek 2009. Biermann, B.: Einmischung aus Prinzip. In: Die Zeit, 30.5.1997; Gaus, G.: Zur Person. Berlin 1998; Pribic, R.: The Trouble with German unification. Essays on D. D. Berlin 2008.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Dallmann, Herbert

* 26.4.1909 – ✝ 13.1.1996

Geb. in Znin (b. Posen/Znin, Polen); 1929 – 34 naturwiss. Studium an den Univ. Göttingen, Hannover u. Münster; 1933 NSDAP; ab 1934 Studienreferendar bzw. -assessor in Berlin, Schwiebus u. Wismar; 1940 Prom. auf dem Gebiet der Geometrie; dann Doz. für Mathematik an der Ing.-Schule in Wismar; Wehrmacht. 1946 Wiederaufn. der Lehrtätigkeit u. ab 1950 Dir. der o. g. Ing.-Schule; SED; 1952 beauftragt mit der Wahrnehmung einer Prof. an der PH Potsdam; 1954 Prof. mit Lehrstuhl für höhere Mathematik, Dir. des gleichn. Inst. sowie erster Rektor der TH für Chemie »Carl Schorlemmer« Leuna-Merseburg, nach der HS-Reform von 1968 stellv. Dir. der dortigen Sekt. Mathematik, Kybernetik, Datenverarbeitung; 1954 Mitbegr., Mitgl. des Präs. u. Vors. der Bez.-Org. Halle der Ges. zur Verbreitung wiss. Kenntnisse, 1962 – 71 Präsident der daraus hervorgegangenen Urania (Nachf. von Werner Rothmaler); Autor zahlr. mathemat. Publ., u. a. versch. Lehrbücher; 1959 u. 1964 VVO; gest. in Merseburg.Jan Wielgohs