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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Dallmann, Siegfried

* 9.2.1915 – ✝ 29.7.1994

Geb. in Rörchen (Krs. Naugard, Hinterpommern/Rurka, Polen); Vater Pfarrer; Volksschule u. Gymnasium in Gollnow (Pommern); 1933 – 38 Studium der Rechts- u. Wirtschaftswiss. an den Univ. Greifswald, Köln u. Jena; NS-Gaustudentenführer in Thür.; 1934 Mitgl. der NSDAP; 1938 1. jur. St.-Ex., bis 1940 Referendar sowie Assistent an der Univ. Jena; 1940 – 43 Wehrmacht; 1943 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Mitarb. des NKFD, Assistent an der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Mitarb. im Wirtschaftsmin. von Sachsen-Anh.; 1948 Mitgl. des FDGB u. Mitbegr. der NDPD; Mitgl. des Hauptaussch. u. des PV bis Jan. 1990, 1952 – 87 zunächst HA-Ltr. »Pol. Studium u. Kultur«, 1963 – 87 Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; 1950 – 52 Abg. des Brandenb. Landtags u. Finanzmin. des Landes; 1950 – März 1990 Abg. der Volkskammer (Nachf. von Ingo von Koerber), 1950 – 63 Vors., 1963 – 67 stellv. Vors. ihres Verfassungs- u. Rechtsaussch., 1967 – 86 Vors. der NDPD-Fraktion (Nachf. von  Wolfgang Rösser); 1951 – 54 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss., 1972 dort Prom. zum Dr. rer. pol.; 1951 – 68 Mitgl. des Präsidialrats des KB, ab 1987 dessen Ehrenmitgl.; ab 1966 Vizepräs. der DDR-Liga für die Vereinten Nationen; 1967 – 71 stellv. Vors. der Interparl. Gruppe, 1967 – 86 stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh., danach Vors. des Mandatsprüfungsaussch. der Volkskammer (Nachf. von  Friedrich Pfaffenbach); 1970 VVO; ferner Stern der Völkerfreundschaft; ab 1975 Vizepräs. des Freundschaftskomitees DDR-Portugal, ab 1981 des Kuratoriums DDR-Japan; 1987 Ruhestand; bis Nov. 1989 ehrenamtl. Mitgl. des Präs. des Hauptaussch. der NDPD; seit dem kooperativen Beitritt der NDPD zum Bund Freier Demokrat. im März 1990 dessen Mitgl., später Mitgl. der FDP.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Damerow, Erich

* 14.7.1886 – ✝ 14.2.1972

Geb. in Glienke (Krs. Bromberg, Westpr./ Glinka, Polen); Realgymnasium, 1906 Abitur; 1907 – 10 Studium der Rechts- u. Staatswiss. in Berlin, München u. Kiel, 1911 Prom. zum Dr. jur. in Erlangen; 1914/15 Militärdienst; danach Hilfsrichter u. Magistratsassessor in Bromberg u. Cottbus; 1919 DDP; 1920 – 22 Stadtrat u. 1922/23 Bürgermstr. von Zerbst, 1924 – 33 OB von Köthen; 1933 vom NS-Regime abberufen u. kurzz. in »Schutzhaft«; 1933 – 45 Vertreter, kfm. Angest. u. Syndikus. 1945 Mitbegr. der DVP in Halle, die sich im Aug. der LDPD anschloß; 1945/46 Präsidialdir. bei der Provinzialverw. Sachsen, 1946 – 50 Vizepräs. der Provinz Sachsen bzw. stellv. Min.-Präs., Min. für Land- u. Forstw. u. Justizmin. des Landes Sachsen-Anh.; 1946 – 50 Vors. des Landesverb., 1947 – 72 Mitgl. des Zentralvorst., 1947 – 49 stellv. Vors. der LDPD; 1948/49 Mitgl. des Erweiterten Sekr. der DWK; nach 1951 in Berlin u. a. Abt.-Ltr. u. Justitiar im Finanzmin.Das furtum possessionis im römischen u. heutigen Recht. Bromberg 1912 (Diss.); Koethen-Anhalt. Berlin 1927; Rechtsquellen für das Versicherungswesen der DDR. Berlin 1952; Handbuch des Versicherungsrechts der DDR. Berlin 1956.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Danegger, Mathilde

* 2.8.1903 – ✝ 27.7.1988

Geb. in Wien; Vater Schauspieler u. Regisseur, Mutter Schauspielerin; Besuch der Bürgerschule u. des Lyzeums in Wien; 1912 u. 1914 erste große Kinderrollen an Max Reinhardts Dt. Theater Berlin; bis 1919 mit den Eltern in Zürich; 1919 – 28 Engagements in Wien (1919/ 20 am Burgtheater, 1920 – 23 am Dt. Volkstheater, 1924 – 28 am Theater in der Josefstadt); in erster Ehe verh. mit dem Schauspieler Herbert Waniek (1897 – 1949); 1928 – 30 Engagement am Schauspielhaus in Zürich; bis 1933 Engagement an versch. Bühnen in Brünn (Brno, ČSR), Wien u. Berlin; in zweiter Ehe verh. mit dem Schweizer Schriftsteller Dr. Walter Lesch (1898 – 1958); 1933 Emigr. nach Zürich; 1933 / 34 Engagement am Zürcher Schauspielhaus, daneben 1933 an der Freien Bühne; 1934 – 38 Mitarbeit an dem von W. Lesch gegr. Kabarett »Cornichon«; ab 1937 auch Schauspiellehrerin; 1938 – 47 erneut Engagement am Schauspielhaus; 1939 Bekanntschaft mit ihrem späteren Mann,  Herbert Crüger; 1943 Gründungsmitgl. der ersten BFD-Gruppe in der Schweiz; 1945 Mitgl. des Vorbereitungskomitees des österr. Kulturlebens; 1946 Mitgl. der PdA. 1947 Rückkehr nach Dtl. (amerikan. Besatzungszone); 1947 – 51 Schauspielerin am Hess. Landestheater in Wiesbaden; aktiv in der Friedensbew.; Dez. 1948 KPD; 1948 – 51 Kulturred. der KPD-Ztg. »Unsere Stimme« in Schwenningen a. N.; zahlr. Auftritte als Rezitatorin u. Sängerin auf KPD-Veranstaltungen; Frühjahr 1951 mit ihrem Mann H. Crüger auf SED-Weisung Übersiedl. in die DDR, Überführung in die SED; durch Vermittl. von  Helene Weigel 1951 – 53 Engagement am Berliner Ensemble; ab 1953 Engagement am Dt. Theater u. den Kammerspielen, zahlr. Rollen unter der Regie von  Wolfgang Langhoff,  Wolfgang Heinz,  Benno Besson,  Adolf Dresen; 1957 Brief an die Partei zur Verteidigung des verhafteten  Wolfgang Harich; 1958 Geheimprozeß gegen H. Crüger; zahlr. Film- u. Fernsehrollen; 1963 u. 1980 VVO; 1969 NP; 1983 Ehrenspange zum VVO; 1988 Orden »Stern der Völkerfreundschaft«; gest. in Berlin.Crüger, H.: Ein alter Mann erzählt. Schkeuditz 1998.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Daniel, Richard

* 8.12.1891 – ✝ 18.6.1942

Geboren am 8. Dezember 1891 in Stuttgart, Sohn eines Schreinermeisters. Bautechniker, gehörte 1907 zu den Mitbegründern der sozialdemokratischen Arbeiterjugend in Stuttgart. Von 1914 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg, Ende 1918 Vorsitzender des Soldatenrats des 13. Pionier-Bataillons und 1919 Mitbegründer der Ulmer KPD. Seit 1919 mit Berta Daniel verheiratet. Wegen Vorbereitungen für den militärischen Aufstand am 1. September 1923 in Ulm festgenommen, nach drei Monaten freigelassen, Rückkehr nach Stuttgart. Im Juni 1924 erneute Verhaftung, Flucht aus dem Landesgefängnis Stuttgart, anschließend illegal für die RHD Sachsen in Leipzig tätig. Im März 1927 in Elgersburg/Thüringen verhaftet und am 25. Juli 1927 vom Reichsgericht zu zweieinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. Durch die Hindenburg-Amnestie 1928 entlassen, arbeitete Richard Daniel als Architekt in Berlin, 1930/31 bei der sowjetischen. Handelsvertretung. Im Dezember 1931 Übersiedlung in die Sowjetunion, Bauingenieur in Moskau. Am 22. Februar 1938 vom NKWD verhaftet und zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, kam Richard Daniel im Gulag bei Kotlas, Wjatkajer Gebiet am 18. Juni 1942 ums Leben. Am 28. Januar 1957 durch das Militärtribunal des Moskauer Militärbezirks rehabilitiert.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dannemann, Erna

* 4.5.1906 – ✝ 1940

Erna Wiegand wurde am 4. Mai 1906 in Berlin geboren. Sie arbeitete als Sekretärin und trat nach ihrer Heirat mit Wilhelm Dannemann 1926 der KPD bei. Im ZK angestellt, übersiedelte sie 1931 nach Moskau, wo sie in der Vertretung der KPD bei der Komintern tätig war. Dann in die Abteilung Internationale Beziehungen des EKKI übernommen und in verschiedenen Ländern für den illegalen Apparat (Deckname Therese Ring) aktiv. Mitte 1937 in die UdSSR zurückgekehrt, wurde sie dort am 29.September 1937 verhaftet und vom MKOG zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Erna Dannemann sollte 1940 aus dem Lager an der Kolyma nach Moskau zurückgebracht und an Nazi-Deutschland ausgeliefert werden. Sie ist aber auf dem Transport nach Wladiwostok bei einem Schiffsunglück umgekommen. Ihr Mann Wilhelm Dannemann (* 4. 4. 1901) hatte ebenfalls im illegalen Parteiapparat gearbeitet. Er wurde am 27. Juli 1937 in Moskau verhaftet und am 24. Mai 1939 zu 20 Jahren Lager verurteilt. Wilhelm Dannemann kam im Gulag ums Leben, nach anderen Angaben wurde er im Mai 1939 vom NKWD erschossen.

Wer war wer in DDR

Daßler, Uwe

* 11.2.1967

Geb. in Ebersbach (b. Lösbach, Sachsen), aufgew. in Wildau; 1975 Beginn mit dem Schwimmsport, zunächst BSG KIM Wildau (Trainer: Dieter Müller), dann TZ Wildau; ab 1978 KJS u. ASK Vorwärts Potsdam (Trainer: Lutz Wanja); Spezialisierung im Freistil; 1985 EM über 400 m u. 1.500 m; 1986 Vize-WM über 400 m; bei den Olymp. Spielen 1988 Sieger über 400 m, Dritter über 1.500 m, Zweiter mit der 4 x 200-m-Freistilstaffel; EM 1987: Sieger über 400 m Freistil u. Zweiter über 1.500 m; VVO; 1986 – 90 SED. 1989/90 weiter Leistungstraining in Potsdam; nach Differenzen mit dem neuen Träger des Schwimmklubs, der Bundeswehr, beendete er seine sportl. Laufbahn; Ausbildung zum Bankkfm. bei der Dt. Bank.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Daub, Philipp

* 21.1.1896 – ✝ 14.7.1976

Geb. in Burbach (b. Saarbrücken); Vater Hüttenarb.; Grundschule; 1912 – 15 techn. FS; Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1916 – 18 Militärdienst; 1918 Mitgl. der Gew. u. der USPD; 1919 – 21 Metallarb.; 1921 KPD, ab 1921 hauptamtl. Funktionär, Geschäftsf. des Verlags der Parteiztg. in Saarbrücken; 1924 – 31 Stadtverordn. in Saarbrücken; 1926 Mitgl. des Landesrats Saarl.; 1927 Org.-Ltr. des KPD-Bez. Saar; 1928 – 30 Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Saargeb.; 1929 Kand. des ZK der KPD; ab April 1931 Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Hessen-Frankfurt, nach Absetzung wegen angebl. »Verstoßes gegen ZK-Linie« im Okt. 1932 ZK-Instrukteur; Nov. 1932 – März 1933 Abg. des Dt. Reichstags; 1932/33 Ltr. der Abt. Land u. Forst des ZK der KPD; April 1933 Oberberater der KPD für Mitteldtl.; 1934 Mitgl. der illeg. KPD-LL (»Christian«) u. Ltr. des Oberbez. Mitte; Aug. 1934 Beauftragter des PB zur Arbeit im Saargeb.; 1935/36 im Parteiauftrag in die Niederlande, Abschnitts-Ltr. West in Amsterdam; Okt. 1935 Mitgl. der Kontrollkommission des ZK der KPD; 1936 – 41 in Frankreich, Beauftragter der illeg. KPD-Ltg. in Paris, Ltr. der Grenzarbeit für Westdtl., ab 1936 übernahm er die Auslandsltg. der RHD in Paris; 1937/38 auch publizist. Arbeit (Ps. Ph. Horn); Aug. 1939 aus Frankreich ausgewiesen u. in Paris verhaftet; Sept. 1939 – Mai 1941 Internierung in Frankreich, zunächst in Paris (La Santé, Einzelhaft), dann im Stade Roland-Garros (Camp des indésirables); Okt. 1939 – Febr. 1941 im Lager Le Vernet, später in Les Milles; März/April 1941 Verleihung der sowj. Staatsbürgerschaft; Mai 1941 mit mexikan. Visum Ausreise aus Frankreich, Weiterfahrt in New York verweigert; Aug. 1941 – 46 Emigr. in die USA (New York); Okt. 1946 Rückreise in die UdSSR. Dez. 1946 Rückkehr nach Dtl.; bis Jan. 1948 Vizepräs. der Dt. ZV für Umsiedler; 1948 – 50 Ltr. der Abt. Personalpol. bzw. Kader beim PV bzw. ZK der SED (Nachf. von  Grete Keilson); 1950 – 61 OB von Magdeburg (Nachf. von  Rudolf Eberhard); 1950/51 Abg. des Landtags Sachsen-Anh.; 1961 – 64 Präs. der Liga für Völkerfreundschaft, danach weiter Mitgl. ihres Präs.; 1961 Banner der Arbeit; 1964 Parteiveteran; 1965 VVO; 1966 KMO; 1970 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Bludau, K.: Gestapo – Geheim! Widerstand u. Verfolgung in Duisburg 1933 bis 1945. Bonn, Bad-Godesberg 1973.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Däumig, Ernst

* 25.11.1866 – ✝ 4.7.1922

Geboren am 25. November 1866 in Merseburg; begann nach dem Besuch des Gymnasiums in Halle ein Studium der Theologie, das er jedoch nicht beendete. Von 1887 bis 1893 diente er in der Französischen Fremdenlegion und war von 1893 bis 1898 kaiserlicher Offizier in Deutschland. 1898 trat er der SPD bei und war ab März 1901 kurzzeitig Redakteur der »Reußischen Tribüne« in Gera, dann bis 1908 Redakteur am »Volksblatt« in Halle, hier auch Vorstandsmitglied im sozialdemokratischen Wahlverein und Vorsitzender des Bildungsausschusses. Von 1908 bis 1911 Redakteur an der »Tribüne« in Erfurt, ab 1911 am »Vorwärts« in Berlin. Däumig hatte sich am 4. August 1914 mit acht weiteren Redakteuren des »Vorwärts« in einer Erklärung gegen die Bewilligung der Kriegskredite durch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion gewandt. Als Kritiker der Burgfriedenspolitik des Parteivorstandes wurde er im Oktober 1916 aus der Redaktion des »Vorwärts« entfernt. Die Mehrheit der oppositionellen Mitglieder im sozialdemokratischen Wahlverein Berlin und Umgebung setzten ihn als Redakteur ihres Mitteilungsblattes ein, ab 1917 Organ der Berliner USPD. Däumig nahm im April 1917 am Gründungsparteitag der USPD in Gotha teil, zählte zum linken Flügel und wurde im Mai 1918 als Sekretär in das ZK der USPD berufen. Im Sommer 1918 einer der Führer der Revolutionären Obleute von Groß-Berlin, die Vollversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte wählte ihn zum Mitglied des Vollzugsrats. Er sprach auf dem 1. Reichsrätekongreß im Dezember 1918 für das Rätesystem und gegen die Einberufung einer Nationalversammlung, lehnte aber als Delegierter der Revolutionären Obleute in Verhandlungen mit Vertretern des Spartakusbundes deren Anschluß an die KPD ab. 1919/20 war er Redakteur der Wochenschrift »Der Arbeiter-Rat« bzw. der Zeitschrift »Unser Weg«. Däumig trat 1919 für den Anschluß an die Kommunistische Internationale ein und wurde auf dem USPD-Parteitag im November/Dezember 1919 als führender Vertreter des linken Flügels einer der beiden USPD-Vorsitzenden (neben Arthur Crispien). Während des Kapp-Putsches gehörte er der Zentralen Streikleitung Groß-Berlins an. Däumig wurde im Juni 1920 im Wahlkreis Potsdam II als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Als Mitglied der USPD-Delegation beim II. Weltkongreß der Komintern in Moskau plädierte er für die Annahme der 21 Bedingungen zur Aufnahme in die KI. Auf dem USPD-Spaltungsparteitag im Oktober 1920 in Halle erneut (mit Adolph Hoffmann) Vorsitzender der USPD (Linke). Der Vereinigungsparteitag der USPD (Linke) mit der KPD im Dezember 1920 in Berlin wählte Däumig zusammen mit Paul Levi zum Vorsitzenden der Zentrale der VKPD. Auf der 2. Tagung des ZA im Februar 1921 unterstützte Däumig eine von Levi eingebrachte Resolution gegen die Haltung der Komintern zur Gründung der KP Italiens. Nachdem die Mehrheit der ZA-Mitglieder die Resolution ablehnte, verließ er mit Otto Brass, Adolph Hoffman, Levi und Clara Zetkin die Zentrale. Weil Däumig im April 1921 Levis Kritik an der März-Aktion beipflichtete, sprach der ZA ihm das Mißtrauen aus. Der endgültige Bruch mit der VKPD erfolgte im September 1921, als er mit Levi und anderen die Kommunistische Arbeitsgemeinschaft (KAG) bildete. Im Februar 1922 ging er dann wieder zur SPD. Ernst Däumig starb am 4. Juli 1922 in Berlin.

Wer war wer in DDR

David, Kurt

* 13.7.1924 – ✝ 2.2.1994

Geb. in Reichenbach (Oberlausitz); kfm. Lehre auf einer Handelsschule; 1942 – 45 Soldat; 1945 / 46 sowj. Kriegsgef. 1946 – 48 Angest. bei der Sozialversicherungskasse; mußte seinen Wunsch, Musiker zu werden, wegen einer Kriegsverwundung aufgeben; 1948 – 52 bei der Kriminalpolizei, 1952 – 54 Kreissekr. des KB; ab 1954 freischaff. Schriftsteller, zunächst in Oberseifersdorf (Zittau), dann in Oybin; 1956 Debütroman »Die Verführten«, beschreibt die Auseinandersetzung mit der fasch. Vergangenheit; Reportagebücher »Im Land der Bogenschützen« (1962) über die Mongolische VR u. »Polnische Etüden« (1963); Novelle über das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen »Die Überlebende« (1972); Kinder- u. Jugendbücher: »Der erste Schuß« (1959), »Der singende Pfeil« (1962), »Der Spielmann vom Himmelpfortgrund« (1964) über Franz Schubert, »Aus dem Tagebuch eines Minderjährigen« (1964, verfilmt als FS-Mehrteiler »Freitags wird gebadet«, 1965), »Der Schwarze Wolf« (1966) über Dschingis-Khan u. Forts. »Tenggeri, Sohn des Schwarzen Wolfes« (1968), »Begegnung mit der Unsterblichkeit« (1970) über Beethoven, »Antennenaugust« (Tiergeschichte, 1975), »Rosamunde, aber nicht von Schubert« (Erzählungen, 1982), »Das weiße Ponny« (1989); illustr. Kinderbücher: »Der Bär mit dem Vogel auf dem Kopf« (1977, zus. mit Gerhard Gossmann), »Der Löwe mit der besonders schönen langen Mähne« (1978, zus. mit Horst Bartsch), »Der Khan mit den Eselsohren« (1981, zus. mit Waltraut Fischer); 1960 Alex-Wedding-Preis; 1972 – 83 als IM »Hyronumus« vom MfS erf.; 1973 NP, 1980 VVO, 1984 Lion-Feuchtwanger-Preis; gest. in Görlitz.Kögel, K.: Internationalistischer Ideengehalt zu Werken Horst Beselers, Kurt Davids, Günter Görlichs und Alfred Wellms. Berlin 1980; Walther, J.: Sicherungsbereich Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit der DDR. Berlin 1996.Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Degel, Hans

* 5.3.1907 – ✝ 21.7.1984

Geboren am 5. März 1907 in Magdeburg; von 1927 bis 1933 Lagerarbeiter bei der Firma Krupp in Essen. Er wurde 1927 Mitglied der KPD und im März 1931 des Arbeiterrats bei der Firma Krupp. Im April 1932 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt, wurde Degel noch im März 1933 Stadtverordneter in Essen. Im Februar fristlos gekündigt, am 2. März 1933 verhaftet, er kam in das KZ Sonnenburg. Nach seiner Freilassung Ende März 1934 war er Markthelfer. Im Mai 1935 emigrierte er in die Niederlande, wo er illegal lebte. Degel wurde im Juli 1939 verhaftet und in einem Lager auf der Insel Vlieland interniert. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht im Mai 1940 an die Gestapo übergeben, kam er nach Aurich/Emsland, wurde dort durch Vertreter des Oberreichsanwalts verhört und dann nach Essen überführt. Am 26. Februar 1941 verurteilte das OLG Hamm Degel zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus. Anschließend kam er zunächst in das KZ Sachsenhausen und zuletzt nach Bergen-Belsen. Nach der Befreiung durch britische Truppen im April 1945 blieb Degel noch für längere Zeit im Lazarett. 1945 schloß er sich erneut der KPD an und arbeitete wieder als Lagerarbeiter bei Krupp in Essen. Degel war dort von 1947 bis 1949 und von 1952 bis 1955 Betriebsrat. Eine 1955 erfolgte Kündigung wurde von einem Essener Gericht als unwirksam erklärt. Degel gehörte von 1950 bis 1956 dem Rat der Stadt Essen an. Nach dem KPD-Verbot betrieb er ein Geschäft für Verpakkungsmaterial auf dem Großmarkt in Essen. Politisch trat er nicht mehr hervor. Hans Degel starb am 21. Juli 1984 während einer Kreuzfahrt im hohen Norden.

Wer war wer in DDR

Deicke, Günther

* 21.10.1922 – ✝ 14.6.2006

Geb. in Hildburghausen; Volksschule; HJ-Führer, 1940 NSDAP; 1941 – 45 Wehrmacht (Marine), Offz.; 1945/46 brit. Kriegsgefangenschaft. 1946 Landarb. in Westdtl.; Übersiedl. in die DDR; Volontär, Kulturred., Theaterkritiker der Tagesztg. »Weimarer Abendpost«; Mitgl. der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren in Thür.; Kulturarbeit in der Max-Hütte Unterwellenborn; 1951/52 Lektor im Aufbau-Verlag Berlin; 1952 – 58 Red. der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«; 1958 Mitgl. der NDPD; 1959 – 70 Lektor im Verlag der Nation; ab 1963 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1965 Mitgl. im dt. PEN-Zentrum Ost u. West; Mitgl. des Zentralvorst. der DSF sowie des Präs. des DDR-Komitees zum Schutz der Menschenrechte; Mitgl. des Vorst. des DSV; 1968 u. 1977 Kritikerpreis der »Berliner Ztg.«; 1970 NP; 1974 Mitgl. der AdK; 1977 Ablehnung einer IM-Zusammenarbeit mit dem MfS; 1982 – 90 Präsidiumsmitgl. im PEN-Zentrum DDR; gest. in Marienbad. Wirksam als Hrsg., u. a. der Gryphius-Auswahl »Dtl. – es werden deine Mauern nicht mehr voll Jammer stehn« (1953) u. der Anthol. »Lyrik in der DDR« (1970, mit  Uwe Berger), sowie als Lyriker u. Librettist (»Esther«, nach einer Erz. von  Bruno Apitz, Musik Robert Hanell, Ring-UA 1966 in Berlin, Frankfurt (Oder), Zeitz; »Meister Röckle« (Musik  Joachim Werzlau, Ring-UA 1976 in Berlin u. Karl-Marx-Stadt)).Du u. dein Land u. die Liebe. Gedichte. Berlin 1959; Traum vom glücklichen Jahr. Gedichte. Berlin 1959; Ortsbestimmung. Gedichte. Berlin 1972; Daß der Mensch ein Mensch sei. Berlin 1975.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Dellheim, Fred

* 17.5.1924 – ✝ 9.10.2003

Geb. in Mutterstadt bei Ludwigshafen (Pfalz) in einer jüd. Familie; im Zuge rass. Verfolgung (»Nürnberger Gesetze«) aus der Schule entlassen; Jan. 1939 mit 300 dt. u. österreich. Kindern Emigration nach Großbritannien, 1940 Internierung in Großbritannien u. Kanada, 1942 Rückkehr nach Großbritannien; Mitgl. der FDJ in England; ab 1943 Soldat der brit. Streitkräfte; 1944 KPD. 1945 – 47 Mitarb. der brit. Militärreg. in Dtl.; Okt. 1947 – Febr. 1949 1. Sekr. der FDJ im Bez. Niederrhein in Herne, Febr. 1949 – Jan. 1950 der FDJ-LL NRW in Düsseldorf; Jan. 1950 Lehrgang an der FDJ-Jugendhochschule Bogensee; Sept. / Okt. Parteiüberprüfung; Übersiedl. in die DDR, SED; 1951 / 52 Sachbearb. im VEB Fritz-Heckert-Werk Chemnitz; 1952 / 53 Ltr. der Abt. Arbeit, 1953 – 58 Werkltr. des VEB Fritz-Heckert-Werk, 1958 – 61 Hauptdir. der VVB Werkzeugmaschinenbau Karl-Marx-Stadt; 1958 – 60 Kand. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1961 – 84 Dir. des VEB Maschinenbau »7. Oktober« bzw. der Berliner Werkzeugmaschinenfabrik (BWF) Berlin-Marzahn; 1964 – 67 Mitgl. der SED-BL Berlin. 1992 – 2003 Vors. des Interessenverbandes der Verfolgten des Naziregimes »IVVdN« bzw. ab Okt. 2002 Vors. der VVN-BdA.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Damerius, Helmut

* 16.12.1905 – ✝ 29.9.1985

Geb. in Berlin; Vater Gärtner, Mutter Blumenbinderin; Volksschule; Blumenbinder; 1920 – 24 arbeitslos; 1922 syndikalist.-anarchist. Jugend; 1923 KPD; Pol.-Ltr. des Jungsturms in Berlin-Steglitz; 1924 – 29 als Maler tätig; 1928 unter Ltg. von  A. Pieck Mitgl. der Agit.-Prop.-Gruppe »Rote Blusen«, 1929 Mitbegr. u. Pol.-Ltr. der Agit.-Prop.-Gruppe »Kolonne Links«; emigrierte 1931 in die Sowjetunion; 1931 – 33 Ltr. der Theatergr. »Dt. Traum – Kolonne Links« (Teatr rabotschi molodjoschi); 1934/35 Studium an der Kommunist. Univ. Nationaler Minderheiten; KPdSU(B); wirkte 1935 im Film »Kämpfer« mit; 1935 – 38 Studium am Staatl. Inst. für Theaterkunst in Moskau (Schauspielregie); gleichzeitig Berater beim Meshrabpom-Film-Studio; 1935 Inszenierungen am Dt. Kollektivistentheater in Odessa; 1936 sowj. Staatsbürgerschaft; 1936 – 38 geheimer Mitarb. der Moskauer Ltg. des NKWD (»Dojno«); 18.3. 1938 wegen angebl. »Zugehörigkeit zu Moskauer Hitlerjugend« verhaftet, Ausschl. aus der KPD, Sept. 1938 wegen des »Verdachts auf Spionage« Verurteilung zu sieben Jahren Arbeitslager; 1945 in einem Lager im Ural wegen »konterrev. Agit.« Verurteilung zu fünf Jahren Zwangsarbeit. Nach Revision des Urteils 1947 – 55 Zwangsansiedl. in Kasachstan; 1955 durch ein Militärtribunal in Moskau rehabil.; 1955/56 Ltr. der Dekorationsabt. des Theaters in Djambul (Kasachstan); Aug. 1956 Übersiedl. in die DDR; Parteimitgl. durch die ZPKK ab 1932 anerkannt, SED; 1956 – 60 Ltr. der Konzert- u. Gastspieldirektion; 1957 verantwortl. für die künstler. Ltg. des Festprogramms für die Weltfestspiele der Jugend u. Studenten in Moskau; 1960 – 63 Ltr. des Staatl. Volkskunstensembles in Berlin; 1963 Rentner; Medaille Kämpfer gegen den Fasch.; 1973 Ehrennadel des ZK der SED für über 50jährige treue Parteizugehörigkeit; 1975 VVO; 1980 Kunstpreis des FDGB; 1980 – 82 Arbeit an Erinnerungen über seine Erlebnisse in der UdSSR (1938 – 56), 1987 auszugsweise Veröff. u. 1990 vollst. Abdruck.Texte für die »Kolonne Links«. In: Das Rote Sprachrohr. Berlin 1929 – 31 u. In: Lieder der Agitprop-Truppen vor 1945. Das Lied im Kampf geboren. Leipzig 1960; Über Zehn Meere zum Mittelpunkt der Welt. Berlin 1977; Neun Kapitel über Lebensverlauf u. Geschichtsverlauf. Eingeleitet von Werner Mittenzwei. In: Sinn u. Form 41 (1989) 6; Unter falscher Anschuldigung 18 Jahre in Taiga u. Steppe. Berlin, Weimar 1990.Bernd-Rainer Barth / Peter Erler

Wer war wer in DDR

Damm, Willi

* 15.2.1930

Geb. in Leipzig; Vater Mechaniker; 1945 KPD; mittlere Reife; 1946 – 48 Ausbildung zum Industriekfm.; 1948 – 50 Fremdsprachenschule für Russ.; 1950 Dolmetscher bei der 5. VP-Bereitschaft Sachsen, dann in der HV Ausbildung des MdI, Berlin; 1950 Eintritt in das MfS, Abt. VIIa (VP-Bereitschaften, ab 1951 Abt. I); 1952 – 54 Lehrgang für Richter u. Staatsanwälte an der DASR Potsdam; 1954 HA IX (Untersuchungsorgan) des MfS Berlin; 1955 – 57 Fernstudium Jura an der DASR Potsdam, Dipl.-Jur.; 1956 Ltr. der Abt. X (Internat. Verbindungen) des MfS; 1963/64 externes Studium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1980 Gen.-Major; 1989 Funktionsentbindung, 1990 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Danelius, Gerhard

* 2.4.1913 – ✝ 18.5.1978

Geb. in Berlin-Wilmersdorf; Vater Bauklempner; Volksschule; Arbeiter; 1927 KJVD, 1928 KPD; Mitarb. der Ztg. »Rote Fahne«; 1933 Emigr. nach Frankreich, 1934 Rückkehr nach Dtl., 1934-42 Bügler und Transportarbeiter, ab 1942 illegal in Berlin lebend, bis 1945 Kontakte zu versch. Widerstandsgruppen. 1945 Bürgermeister in Berlin-Karow; anschl. Sekr. des SED-KV Berlin-Mitte, 1948 Vors. des SED-KV Berlin-Tempelhof, 1949 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Friedrichshain; 1950/51 Studium an der PHS; anschl. Instrukteur des ZK der SED beim KPD-PV; 1956 – 59 erneut 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Friedrichshain, 1959 – 62 Mitarb., Mitgl. u. Sekr. für Berlin (West) der SED-BL Groß-Berlin; ab Nov. 1962 – Mai 1978 1. Sekr. der SED-Berlin (West) bzw. ab Febr. 1969 SEW; 1973 Stern der Völkerfreundschaft (UdSSR); KMO.Klein, Th.: SEW – Die Westberliner Einheitssozialisten. Berlin 2009.Andreas Herbst

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Dankner, Hans

* 21.4.1908 – ✝ 1944

Geboren am 21. April 1908 in Dresden; lernte Gärtner. Er war zunächst in der Bündischen Jugend, ab 1927 im KJVD aktiv, wurde 1929/30 Leiter des KJVD-UB Leipzig und Mitglied des ZK des Jugendverbandes. Nach illegaler Tätigkeit im November 1933 verhaftet, wurde Dankner zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 1934 emigrierte er in die âSR und war von 1935 bis 1938 Abschnittsleiter für die KPD Ostsachsen. Im besetzten Prag im März 1939 verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend 1943 an die Gestapo übergeben, wurde Hans Dankner 1944 in Auschwitz ermordet. Sein Bruder Max (* 7. 5. 1911 – † 13. 4. 1992) seit 1928 im KJVD, im November 1933 inhaftiert, später Ausweisung, ging in die âSR und war ab 1937 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien. 1939 in Frankreich interniert, kam er im Juni 1945 zurück nach Deutschland, bis 1949 Sekretär der KPD bzw. SED Dresden, später Sekretär der SED-Landesleitung Sachsen-Anhalt bzw. der SED-BL Halle, dann Vorsitzender des FDGB-BV Halle. 1967 Abberufung wegen Kritik an Walter Ulbricht und Horst Sindermann.

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Dantz, Wilhelm

* 21.7.1886 – ✝ 28.6.1948

Geboren am 21. Juli 1886 in Hannover. Nach der Tischlerlehre in seinem Beruf tätig. Vor dem Weltkrieg Eintritt in die SPD, seit Gründung in der KPD. 1919 Vorsitzender der KPD Bremen-Hasbergen. Er gehörte 1920 zur KAP-Richtung und wurde Leiter der Allgemeinen-Arbeiter-Union. Im gleichen Jahr trennte sich Dantz wieder von der KAP und kam zur KPD zurück. 1921 war er Vorsitzender der KPD Bremen und Delegierter des VII. Parteitages in Jena, von 1921 bis 1924 Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft und Redakteur des Bremer Parteiorgans. Im Oktober 1924 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, aber nach der Fischer-Maslow-Ära 1925 wieder in die Partei aufgenommen, er wurde hauptamtlicher KPD-Funktionär und 1926/27 abermals Bremer Bürgerschaftsabgeordneter. Ende 1928 erneut als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, er ging im Juni 1929 zur SPD. Als Tischler tätig, politisch trat er nicht mehr hervor. Wilhelm Dantz starb am 28. Juni 1948 in Bremen.

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Dassau, Robert

* 1.5.1905

Geboren am 1. Mai 1905 in Hamburg, Sohn eines Tabakarbeiters; Bote, ungelernter Arbeiter auf der Werft Blohm & Voß, später auch Heizer. Seit 1919 Mitglied der FSJ bzw. der KJD, arbeitete er in der RJ und trat 1926 in die KPD ein. Ehrenamtliche Arbeit für die KPD u. a. in Hamburg-Barmbek, nach 1933 illegale Arbeit. Im Februar 1934 Emigration in die Sowjetunion, Kursant an der KUNMS in Moskau, Deckname Hans Hagen. Ende 1936 in Dänemark Mitarbeiter und Kurier in der AL Nord, als »Grenzstellenleiter« enge Zusammenarbeit u. a. mit Kurt Granzow. Ende Juli 1940 in Dänemark interniert, im Februar 1941 nach Deutschland ausgeliefert und am 31. Juli 1942 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Haft im Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel und Rendsburg, zuletzt im KZ Buchenwald, aus dem er im April 1945 befreit wurde. Robert Dassaus weiterer Lebensweg konnte nicht ermittelt werden.

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Daub, Philipp

* 21.1.1896 – ✝ 14.7.1976

Geboren am 21. Januar 1896 in Saarbrücken, Sohn eines Arbeiters; nach dem Besuch der Technischen Fachschule Metallarbeiter. 1918 Eintritt in die USPD und 1921 in die KPD. 1924 Stadtverordneter in Saarbrücken, 1926 Wahl zum Abgeordneten des Landesrates Saar. Von 1925 bis 1927 Verlagsgeschäftsführer der »Arbeiterzeitung« in Saarbrücken. Zunächst Orgleiter, dann von 1927 bis 1930 Polleiter des KPD-Bezirks Saar. Der XII. Parteitag wählte ihn 1929 als Kandidat ins ZK der KPD. Im April 1930 Polleiter des KPD-Bezirks Hessen, wurde im Oktober 1931 abgesetzt, da er (wie Joseph Schlaffer in Württemberg) die ultralinke Linie des ZK nicht genügend durchsetzte. Danach Instrukteur des ZK-Apparats, ab September 1932 Leiter der Abteilung Land- und Forstwirtschaft im ZK der KPD. Im November 1932 im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Reichstag gewählt. Ab Februar 1933 war Daub illegal Oberberater des ZK in verschiedenen Bezirken. Von Januar bis August 1934 Mitglied der illegalen Landesleitung, aktiv im Saarabstimmungskampf. Ab Februar 1935 wurde Daub in Amsterdam Abschnittsleiter West für das Rhein-Ruhr-Gebiet. Im Oktober 1935 in die Kontrollkommission des ZK berufen, leitete er ab 1936 in Paris das Auslandsekretariat der RH, am 31.August 1939 in Paris verhaftet und ab 12.Oktober 1939 im Lager Le Vernet interniert. Als er im Mai 1941 mit einem Visum nach Mexiko reisen wollte, wurde er in den USA festgehalten. Dank seiner engen Verbindung zur sowjetischen Botschaft bekam er bis 1943 eine Unterstützung von 90 Dollar und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Mit einem Einreisevisum für die UdSSR verließ Daub im Oktober 1946 New York, kam über Odessa nach Moskau und traf im Dezember 1946 in Berlin ein. Hier am 23. Dezember 1946 durch Beschluß des ZS der SED als Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung für Umsiedler eingesetzt. Anfang 1948 übernahm Daub anstelle von Grete Keilson die Leitung der wichtigen Personalpolitischen Abteilung des PV der SED. Diese Funktion verlor er, 1950 schwer erkrankt, wohl nicht zuletzt wegen seiner Westemigration. Nach einem längeren Kuraufenthalt im September 1950 Oberbürgermeister von Magdeburg, von Dezember 1961 bis Januar 1964 Präsident der Liga für Völkerfreundschaft. Er erhielt 1966 den Karl-Marx-Orden. Philipp Daub starb am 14. Juli 1976.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dautzenberg, Jakob

* 2.2.1897 – ✝ 20.8.1979

Geboren am 2. Februar 1897 in Würselen/Krs. Aachen, Sohn eines Werkmeisters; lernte Former. Ab 1912 Gewerkschaftsmitglied, er trat 1922 in die KPD ein, Gemeindevertreter in Haaren bei Aachen und seit 1925 Kreistagsabgeordneter von Aachen-Land. 1923 von der belgischen Besatzung verurteilt, 1928 wurde er hauptamtlicher KPD-Sekretär in Aachen und (bis 1930) in den Reichstag (Wahlkreis Köln-Aachen) gewählt. Er blieb bis 1932 KPD-Sekretär in Aachen, anschließend Parteisekretär in Köln. Nach 1933 erwerbslos, in den Jahren 1933 und 1934 in Untersuchungshaft, arbeitete er später als Former. In Aachen und Eschweiler baute Dautzenberg eine Widerstandsgruppe auf und wurde im August 1944 mit 200 Antifaschisten verhaftet. Im KZ Neuengamme wurden an ihm Bazillenversuche unternommen, er kam schwerkrank ins Vernichtungslager Bergen-Belsen. 1945 aus dem KZ befreit, kehrte er (Gesicht und Körper durch Pilzwucherungen entstellt) in die Heimat zurück. Allmählich erholt, kam Dautzenberg als KPD-Mitglied 1946 in den Kreistag, blieb bis zum Verbot der KPD 1956 im Ruhrgebiet Funktionär (UB-Leiter). Er lebte dann als Rentner in Haaren. 1967 angeklagt, für die illegale KPD tätig zu sein, wurde er vom Gericht jedoch freigesprochen. Er schloß sich 1968 der DKP an. Jakob Dautzenberg starb am 20. August 1979 in Aachen.

Wer war wer in DDR

Debert, Günter

* 7.5.1929

Geb. in Berlin; Vater Maschinist; Volksschu- le; 1943 – 45 Ausbildung zum Mechaniker; 1945 – 50 Kassenmechaniker; 1949 – 53 aktiver Boxer (u. a. als Profiboxer); 1953 DDR-Mstr. im Leichtgewicht; 1951/52 Angeh. der DVP; seit 1953 Boxtrainer, 1970 – 78 Junioren-Auswahl-Trainer, ab 1978 Trainer der DDR-Auswahl; 1978 – 81 Trainer-Fachstudium; betreute als Auswahltrainer 1978 – 89 drei Olympiasieger, einen WM- u. vierzehn EM-Titelgewinne; Rentner; lebt in Berlin.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Degner, Gustav

* 29.10.1892 – ✝ 19.1.1978

Geboren am 29. Oktober 1892 in Berlin, kaufmännische Lehre, arbeitete 1915/16 bei der Sparkasse der Stadt Berlin. Nach dem Weltkrieg, an dem er von 1916 bis 1918 teilnahm, von 1919 bis 1922 Abteilungsleiter bei der Erwerbslosenfürsorge der Stadt Berlin. Er trat während des Weltkrieges der USPD bei und kam Ende 1920 zur KPD. Von 1920 bis 1929 gehörte Degner zuerst als USPD-, dann als KPD-Abgeordneter der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Ab 1922 Redakteur der KPD-Zeitschrift »Die Kommune«, und von Februar bis April 1926 unbesoldeter, anschließend besoldeter Stadtrat im Bezirk Prenzlauer Berg. Seine Verwicklung in den Sklarek-Skandal (ein Unterschlagungsfall in der Berliner Stadtverwaltung) brachte ihn 1929 in Untersuchungshaft und führte schließlich 1932 zu seiner Verurteilung zu sechs Monaten Gefängnis wegen schwerer passiver Bestechung. Gemeinsam mit Otto Gäbel wurde er deshalb im Oktober 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Er betrieb in den Jahren des Nationalsozialismus zusammen mit seiner Frau ein Engrosgeschäft für Bekleidung und hatte Verbindung zu Widerstandskreisen in Berlin. Degner trat 1945 wieder in die KPD/SED ein und wurde im Mai 1945 durch die sowjetische Besatzungsmacht zum Bürgermeister von Berlin Prenzlauer Berg ernannt. Da er durch seine Arbeit bei allen Parteien anerkannt war, wurde er im Oktober 1946 zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Im Zuge der sich im Frühjahr 1948 zuspitzenden politischen Auseinandersetzungen zwischen den Besatzungsmächten in Berlin trat Degner am 9.Juni 1948 offiziell aus »persönlichen Gründen« von seinem Amt zurück. Er wurde Abteilungsleiter einer Dienststelle der DWK. Im Februar 1950 wurde er in einem großangelegten Parteiverfahren durch die LPKK wegen »antisowjetischer Haltung, Zusammenarbeit mit klassenfeindlichen Schädlingen und mangelnden Vertrauens« aus der SED ausgeschlossen. Er lebte zuletzt in West-Berlin, wo er ein Konfektionsgeschäft betrieb. Gustav Degner, der Mitglied der SPD war, starb am 19.Januar 1978 in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Deisen, Wilhelm

* 7.4.1887 – ✝ 23.2.1962

Geboren am 7. April 1887 in Bremen, Sohn eines Zigarrenmachers. Lernte Maler und Tüncher, legte die Meisterprüfung ab. Im Krieg Mitbegründer der Bremer Linksradikalen. Seit Bestehen der KPD Mitglied der Partei, 1920 Vorsitzender der KPD in Bremen. Er arbeitete bei der Weser-AG und war von 1919 bis 1922 in deren Arbeiterrat. 1922 wurde Deisen Parteisekretär und Mitglied der Bremer Bürgerschaft. Der VIII. KPD-Parteitag 1923 wählte ihn als Kandidat in den ZA, er übernahm im gleichen Jahr die Leitung des KPD-Bezirks Nordwest. Er gehörte in der KPD zum Brandler-Flügel und war nach dem Sieg der Linken auf dem IX. Parteitag 1924 als Exponent der Rechten führend an der Fraktionsarbeit dieser Gruppe beteiligt. Im Mai 1924 in den Reichstag gewählt, ist er zugunsten Rudolf Lindaus zurückgetreten. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter lehnte er sich gegen den nach Bremen entsandten linken Polleiter Eugen Eppstein auf. Im Herbst 1924 verwarnt, wurde er im Januar 1925 aus der KPD ausgeschlossen. Clara Zetkin protestierte auf der Sitzung des Erweiterten EKKI 1925 gegen Deisens und Karl Jannacks Ausschluß. Nach der Wendung der Parteilinie Ende 1925 wieder in die KPD aufgenommen, wurde er 1926 Leiter der Roten Hilfe, Bezirk Nordwest, und kam 1927 auch wieder in die Bremer Bürgerschaft. Nach der Wittorf-Affäre 1928 versuchte er, in Bremen gegen den ultralinken Kurs Widerstand zu leisten. Am 25. Januar 1929 erneut aus der KPD ausgeschlossen, verlor er zugleich seine Funktion in der Roten Hilfe. Danach Mitglied der KPO, bei deren Spaltung ging er zusammen mit seinem Schwager Adolf Ehlers zur SAP. Von 1929 bis 1948 war Deisen Malermeister in Bremen und auch im Bremer Kunstverein künstlerisch tätig. 1945 wieder Mitglied der KPD. Da er schwer herzleidend war, nahm Deisen am politischen Leben nicht mehr aktiv teil. Die Verbindung zur Brandler-Gruppe ließ er auch nach 1945 nicht abreißen und unterhielt bis zuletzt herzliche persönliche Beziehungen zu Heinrich Brandler. Ab 1948 Rentner, Wilhelm Deisen starb am 23. Februar 1962 in Bremen.

Wer war wer in DDR

Delmare, Fred

* 24.4.1922 – ✝ 1.5.2009

Geb. in Hüttensteinach (b. Sonneberg); Mutter Näherin, Vater Schreiner; 1928 – 36 Volksschule, Mitwirkung an der örtl. Bauernbühne; 1937 – 40 Lehre als Werkzeugmacher in der Fa. Spindler in Sonneberg; 1940 Kriegsfreiwilliger bei der Marine in Bremerhaven, dort Schauspielunterricht beim Intendanten des Stadttheaters Karl-Georg Saebisch; 1943 verwundet, bis Kriegsende in versch. Lazaretten. 1946 Schauspielunterricht bei Walter Jupé am Nationaltheater Weimar, 1947 – 50 extern am Hebbel-Theater West-Berlin; 1949 Tourneetheater mit Leny Marenbach; 1950 – 70 am Leipziger Schauspielhaus, 1950 Debüt als Bruder Martin Ladvenu in G. B. Shaws »Die heilige Johanna«, 1952 erster Erfolg in der Rolle des Dieners Truffaldino in Goldonis »Diener zweier Herren«; 1970 – 92 Mitgl. des Schauspielensembles des DFF; seit Anfang der 1950er Jahre mehr als 200 Filmrollen, 1956 Durchbruch in der Rolle des Marinus van der Lubbe in Carl Balhaus’ Film »Der Teufelskreis« über den Reichtagsbrand, legendär als »Pippig« in »Nackt unter Wölfen« (1963) u. »Enno Kluge« in »Jeder stirbt für sich allein« (1970); Mitwirkung u. a. in »Karbid u. Sauerampfer« (1963) »Schwester Agnes« (1964) u. »Die Legende von Paul u. Paula« (1973). In den 1990er Jahren Mitwirkung in TV-Serien »Lindenstraße«, »Schwarz greift ein«, »Polizeiruf 110«, »In aller Freundschaft«; 1995 mit  Erwin Geschonneck Hauptrolle in Matti Geschonnecks Film »Matulla u. Busch«; seit 2001 in der ZDF-Serie »Unser Charly«; 2005 Rückzug vom Berufsleben; gest. in Leipzig.Hametner, M.: Kleine Leute – Das Leben des Schauspielers F. D. Berlin 1997.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Damerius (Heinze), Hildegard

* 29.1.1910 – ✝ 3.5.2006

Geb. in Duisburg-Beeck; Vater Kaufmann u. bis 1944 Dir. der Thyssen AG in Leipzig; 1921 Umzug nach Leipzig; Volksschule u. Lyzeum; 1929 Abitur; 1930 – 34 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Leipzig, Heidelberg u. Marburg; 1934 – 38 Referendarin im sächs. Justizdienst; 1938 Prom. zum Dr. jur.; 1936 Bekanntschaft u. 1939 Heirat mit Wolfgang Heinze; 1939 – 44 Mitarb. im Arbeitsamt Leipzig; Teiln. an illeg. Arbeit, Verbindung zur Widerstandsgr. um Georg Schumann, 3.8.1944 Verhaftung, Nov. 1944 Verurteilung durch den VGH zu zwei Jahren Gefängnis (Ehemann Wolfgang Heinze wurde zum Tode verurteilt); Haft in Dresden u. in Leipzig-Meusdorf. 1945 Mitarb. in der Landesverw. Sachsen, Ltr. des Arbeitseinsatzes im Landesarbeitsamt; zeitw. Mitarb. im Büro d. Ministerpräs. d. Landes Sachsen u. Ltr. der Abt. Soziale Fürsorge im Ressort Wirtschaft u. Arbeit der sächs. Landesreg.; 1945 / 46 KPD / SED; 1946 – 48 Präsidentin des Landesarbeitsamts Sachsen; 1948 / 49 Leiterin der Abt. Kontrolle u. Statistik in der Dt. ZV für Justiz; 1949 Ltr. der Hauptabt. Revision u. Kontrolle im Min. für Justiz; Frühjahr 1950 Einsatz als Instrukteurin bei den Prozessen in Waldheim; 1951 / 52 ltd. Mitarb. in der Generalstaatsanwaltschaft der DDR; 1952 – 64 Sektorenltr. im Min. für Arbeit bzw. beim Komitee für Arbeit u. Löhne; 1949 – 54 Mitgl. des Dt. Volksrats bzw. Abg. der Volkskammer, 1950 – 54 Vors. des Petitionsaussch. der Volkskammer; 1959 Heirat mit  Helmut Damerius; ab 1964 VdN-Rentnerin. 1992 – 94 Ermittlungsverfahren wg. Beteiligung an den Waldheimer Prozessen, 1994 Einstellung des Verfahrens; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Dammbeck, Lutz

* 17.10.1948

Geb. in Leipzig; Vater Rennpferdtrainer, Mutter Sekr.; 1965 – 67 Abendakad. an der Leipziger HS für Grafik u. Buchkunst; Abitur; Studium Buchgestaltung bzw. Plakat an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig, als Abschlußarb. Drehbuch u. Szenenbild für einen Trickfilm u. im Kollektiv die »Komplexgestaltung« eines Pressefestes der »Leipziger Volksztg.«; 1972 – 74 Wehrdienst; seit 1974 freiberufl. Grafiker u. Maler; Mitgl. im VBK u. im Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden (VFF); mehrfacher Preisträger internat. u. nat. Plakatbiennalen u. Wettbewerbe; seit 1976 auch als Autor, Gestalter, Animator u. Regisseur von Animations- u. Experimentalfilmen versch. DEFA-Studios sowie eigener Produktion tätig; 1978 Beteilig. an der VIII. Kunstausstellung in Dresden; 1979 auf eigenen Wunsch aus VBK-Ltg.-Funktionen ausgeschieden; gem. mit den Malern  Hans H. Grimmling,  Frieder Heinze,  Günter Firit,  Olaf Wegewitz u.  Günter Huniat sowie der Fotografin K. Plessing versch. Aktions- u. intermediale Ausstellungsprojekte (Tangente 1, 1978); Hrsg. einer originalgraf. Künstlerztschr. u. Stiftung eines alternativen Kunstpreises (Mogollon-Preis); Beteiligung an der IX. Kunstausstellung der DDR in Dresden u. der Internat. Triennale der Handzeichnung in Nürnberg u. Lausanne; 1982 Beginn der Arbeit am Herakles-Konzept, einem intermedialen Projekt aus Malerei, Collagen, Installationen, Filmen u. Medieninszenierungen; ab 1983 unter Beobachtung des MfS (OV »Herakles«); seit 1984 Mediencollagen aus Malerei, Tanz, Film, Diaprojektion u. Musik u. a. am Bauhaus Dessau u. zu den Internat. Musikfestspielen Dresden; 1984 Konzept u. Teiln. am »1. Leipziger Herbstsalon«, einer außerhalb des VBK organisierten Ausstellung im Leipziger Messehaus am Markt; 1985 Ausstellungsbeteiligung an der Internat. Biennale São Paulo; 1986 Ausreiseantrag, Ausschl. aus dem VFF, Übersiedl. nach Hamburg; seit 1987 dort freiberufl. Maler u. Filmemacher, Forts. der Arbeit am »Herakles-Konzept«; ab 1988 verstärkte Hinwendung zum Dok.-Film; Preisträger versch. nat. u. internat. Animations-u. Dok.-Filmfestivals. 1990 Gründung einer eigenen Filmproduktionsfirma; 1992 Gastprof. an der FHS für Gestaltung Hamburg, dort anschl. bis 1993 Lehrauftrag; 1996 Mitgl. der Freien AdK Leipzig; 1997 Teiln. an der Ausstellung Dtl.-Bilder im Martin-Gropius-Bau Berlin; 1998 Prof. u. Ltr. einer Projektkl. für Neue künstler. Medien an der HS für bildende Künste Dresden; 1999 Teiln. an der Ausstellung Das XX. Jahrhundert, Berlin; 2005 Käthe-Kollwitz-Preis; lebt in Hamburg. Filme: Der Schneider von Ulm. Animationsfilm 1979; Hommage á la Sarraz. Experimentalfilm 1981; Einmart. Animationsfilm 1982; Herakles Höhle. Experimentalfilm 1990; Zeit der Götter. Dok.-Film, 1993; Herzog Ernst. Animationsfilm 1994; Dürers Erben. Dok.-Film 1995; Das Meisterspiel. Dok.-Film 1998.Herakles Konzept. Dresden 1997. Tannert, Ch.: Von der Untat des Feuerschluckens. In: Katalog L. D. – Bilder, Collagen, Aktionsdokumentationen. Bauhaus Dessau 1986; Fritsche, K., Löser, C.: Gegenbilder. Filmische Subversion in der DDR. Berlin 1996; Gillen, E. (Hrsg.): Katalog Dtl.-Bilder. Kunst aus einem geteilten Land. Martin-Gropius-Bau Berlin 1997; Straka, B.: Suchbild Herakles. In: Katalog L. D. – Herakles Konzept. Berlin 1997; Kühne, A.: Demiurg der Postmoderne. In: Süddt. Ztg. vom 17.4.1998.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Dangrieß, Dieter

* 24.3.1940

Geb. in Jahnshain (Krs. Geithain); Vater Arbeiter; 1958 Abitur; Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Glauchau; SED; 1961/62 Einjahreslehrgang an der HS des MfS Potsdam-Eiche; 1965 Versetzung zur Abt. II (Spionageabwehr), 1966 zur Abt. Anleitung u. Kontrolle der BV Karl-Marx-Stadt des MfS; 1967 – 72 Fernstudium an der JHS des MfS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1973 Ltr. der Arbeitsgr. Anleitung u. Kontrolle; 1982 Offz. für Sonderaufgaben u. Ltr. des Stabs, dann stellv. Operativ des Ltr. der BV Karl-Marx-Stadt; 1987 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1987 1. Stellv., 1988 Offz. für Sonderaufgaben, dann Ltr. der BV Gera (Nachf. von  Dieter Lehmann); 1989 Gen.-Major; Febr. 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dannat, Adolf

* 25.2.1885 – ✝ 1.8.1922

Geboren am 25. Februar 1885 in Franzdorf/Krs. Insterburg. Von Beruf Former, arbeitete er später als Lagerhalter. Vor 1914 Mitglied der SPD, war er ein Schüler und Freund des linksradikalen Theoretikers Anton Pannekoek und gehörte im Krieg zum engeren Kreis der Linksradikalen um Johann Knief. Er beteiligte sich an der Gründung der Zeitung »Arbeiterpolitik« und nahm als Vertreter der IKD am Gründungsparteitag der KPD in Berlin teil. In der Bremer Räterepublik 1919 Volksbeauftragter, wurde er später Revisor und Beisitzer der KPD Bremen, 1920/21 Mitglied der Bremer Bürgerschaft. Adolf Dannat starb am 1. August 1922 in Bremen an Tuberkulose.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Danz, Hermann

* 18.10.1906 – ✝ 5.2.1945

Geboren am 18. Oktober 1906 in Niederschelderhütte/Westfalen, Sohn einer alleinstehenden Arbeiterin; wurde Schmied. 1923 Mitglied der KPD und Leiter der KJVD-Ortsgruppe Schmalkalden. Ende 1928 kam er an die Internationale Leninschule, 1931/32 als Übersetzer am Rundfunk in Moskau tätig. 1932 Rückkehr nach Deutschland und vom ZK als Instrukteur nach Thüringen entsandt. Dort zuletzt Mitglied des Sekretariats der BL Thüringen in Erfurt. Danz wurde am 5. März 1933 noch in den Preußischen Landtag gewählt, daher aus der Polizeihaft freigelassen, in der er seit Mitte Februar 1933 einsaß. Orgleiter der illegalen KPD im Bezirk Magdeburg-Anhalt, am 17. November 1933 erneut festgenommen und im Juli 1934 vom Berliner Kammergericht zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau und Brandenburg verbüßte. Nach der Freilassung 1937 arbeitete er in Magdeburger Betrieben. Wegen seiner Kontakte zu Anton Saefkow und Martin Schwantes am 9. Juli 1944 verhaftet und am 1. November 1944 vom VGH zum Tode verurteilt. Hermann Danz wurde am 5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Danz Lebensgefährtin Eva Lippold, geborene Rutkowski (* 15. 4. 1909 – † 12. 6. 1994), Stenotypistin, KPD-Mitglied seit 1927, gehörte der RHD-Reichsleitung an. 1934 festgenommen, im Juli 1935 vom VGH zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis Juli 1943 in den Zuchthäusern Jauer und Waldheim, davon vier Jahre in Einzelhaft. 1943 in einem Rüstungsbetrieb dienstverpflichtet, im Juni 1944 erneut festgenommen. Nach 1945 kulturpolitische Funktionen in der SBZ bzw. in der DDR. Seit 1950 freischaffende Schriftstellerin, bekannt wurde Eva Lippold durch die Romantrilogie »Das Haus der schweren Tore«.

Wer war wer in DDR

Dathe, Heinrich

* 7.11.1910 – ✝ 6.1.1991

Geb. in Reichenbach (Vogtl.); Vater Bürovorsteher eines Rechtsanwalts; 1930 Abitur; anschl. Studium der Zool., Botanik, Mineral. u. Geographie an der Univ. Leipzig; 1932 NSDAP; ab 1934 Assistent im Leipziger Zoo, 1936 Prom. mit einer Diss. über stachelschweinartige Nagetiere; ab 1939 Wehrmacht, zul. Fw.; bis 1947 ital. Kriegsgefangenschaft. Rückkehr nach Dtl.; nach 1947 zunächst Mitarb. in einem Verlag; 1950 Assistent, 1952 Direktorialassistent im Leipziger Zoo; zugl. Lehraufträge an der Univ. Leipzig; seit Aug. 1954 Dir. des im Juli 1955 eröffneten Tierparks Berlin; 1957 Ernennung zum Prof.; Mitgl. des Präsidialrats des KB, 1961 Mitgl. des Präs. der Dt.-Afrik. Ges.; 1963 Mitgl. des Komitees für die Solidarität mit dem span. Volk; Vizepräs. des Verb. Dt. Zoodir.; Vors. der Fachkommission Zoolog. Gärten beim Min. für Kultur; Dir. der Zoolog. Forschungsstelle der DAW, der späteren Forschungsstelle für Wirbeltierforschung der AdW im Tierpark Berlin; Hrsg. der Ztschr. »Milu« u. »Der Zoolog. Garten«; 1966 NP; 1975 Stern der Völkerfreundschaft; 1980 VVO; 1985 Großer Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. Zahlr. Fachpubl., populärwiss. Veröff., Rundfunk- u. Fernsehsendungen.Lebenserinnerungen eines leidenschaftl. Tiergärtners. München, Berlin 2001. Holm, K.: Glanz u. Elend des Prof. Dathe. Berlin 1991.Dieter Hoffmann

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Daube, Erwin

* 13.6.1905 – ✝ 1975

Geboren am 13. Juni 1905 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie. Seit 1922 KPD-Mitglied und kaufmännischer Angestellter im Kosmos-Verlag, dann Mitarbeiter des AM-Apparats (Ressort illegale Quartierbeschaffung). Von 1931 bis 1933 nachrichtendienstliche Ausbildung in der Sowjetunion, im Februar 1933 Rückkehr nach Berlin, Aufbau und Betreuung eines Kurzwellensenders. Im Herbst 1934 Emigration in die Sowjetunion, Kursant an der KUNMS. 1936 in Spanien, Angehöriger der XIII. Internationalen Brigade, wurde im Februar 1937 bei Madrid verwundet, anschließend Leiter der Wirtschaftsabteilung eines Hospitals. Im Sommer 1938 nach Frankreich, Aufenthalt in verschiedenen Hospitälern, wegen geistiger Erkrankung mußte Daube in eine Heilanstalt. Bei Einreise nach Saarbrücken im Oktober 1943 Festnahme durch die Gestapo. Überführung nach Berlin, im Herbst 1944 Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Wittenau. Daube wurde 1945 Inspekteur der Schutzpolizei, später der Kriminalpolizei in Berlin-Charlottenburg. 1945 Mitglied der KPD, 1948 wegen SED-Mitgliedschaft bzw. der »Gemeinschaft sozialistischer Polizeiangehöriger« aus dem Polizeidienst in West-Berlin entlassen. Bis 1950 Leiter der Haftstelle der Ausländerpolizei beim Präsidium der VP in Ost-Berlin, dann Kontrolleur bei der HO. Wegen starker gesundheitlicher Beeinträchtigung (andauernde psychische Erkrankung) im Mai 1956 Austritt/Streichung der SED-Mitgliedschaft. 1967 Anerkennung als Kämpfer gegen den Faschismus. Erwin Daube starb im Mai 1975 in Ost-Berlin.

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David, Fritz

* 25.10.1897 – ✝ 24.8.1936

Geboren am 25. Oktober 1897 in Nowosibkow/Wilnaer Gegend als Ilja-David Krugljanski, Sohn eines jüdischen Lehrers. Ab 1916 in jüdischen sozialdemokratischen Zirkeln aktiv, von Februar 1917 bis 1920 Mitglied der Vereinigten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, bis 1920 (so nach seinem 1933 verfaßten Lebenslauf) sei er ein aktiver menschewistischer Gewerkschaftsfunktionär gewesen. David-Krugljanski, ursprünglich im Komintern-Apparat in Moskau tätig, wurde 1926 zur Arbeit nach Deutschland geschickt. Von Mai 1926 bis Frühjahr 1927 Mitarbeiter in der kommunistischen Fraktion des Textilarbeiterverbandes, von Frühjahr 1927 bis Herbst 1928 in der Gewerkschaftsabteilung des ZK und Leiter der Industriegruppe Leder innerhalb der RGO. Als Mitglied der Zentrale der RGO war Fritz David Sekretär der kommunistischen Gewerkschaftszeitschrift »Der Kampf« und leitete dann vom Herbst 1928 bis Mitte 1932 die Gewerkschaftsredaktion der »Roten Fahne«. Er galt als einer der KPD-Theoretiker der späten Periode und war von Mitte 1932 bis März 1933 im Sekretariat des ZK der KPD tätig (zuständig für Fragen der Theorie). Fritz David war Verfasser des 1932 erschienenen Buchs »Der Bankrott des Reformismus«. Am 8. März 1933 Abreise aus Berlin zur deutschen Sektion der Komintern nach Moskau. Als enger Mitarbeiter Wilhelm Piecks entwarf David wesentliche Teile der Resolution der »Brüsseler Parteikonferenz« 1935 und war bereits aktiv am VII. Weltkongreß der Komintern beteiligt. David war als Mitarbeiter von Gerhart Eisler in der Agitpropabteilung des KPD-Auslandssekretariats in Paris vorgesehen, statt dessen wurde er 1936 vom NKWD verhaftet. Als angeblicher Trotzkist im Schauprozeß gegen Sinowjew u. a. im August 1936 vor Gericht gestellt. Die Anklage behauptete, er sei von Trotzki in die UdSSR geschickt worden, um Stalin umzubringen. Nach dem erpreßten »Geständnis« wurde Fritz David am 24. August 1936 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die damalige Situation in Moskau verdeutlicht ein Brief Wilhelm Piecks an Wilhelm Florin am Tage vor der Urteilsverkündung im »Prozeß der Sechzehn«: »Wir können wirklich den Sicherheitsorganen der SU danken, daß sie noch rechtzeitig zugegriffen haben.« Im Juni 1988 wurde Fritz David posthum durch das Oberste Gericht der UdSSR »rehabilitiert«. Seine Frau Sara (* 1901) wurde 1936 zu zwölf Jahren Lager verurteilt und ist verschollen.

Wer war wer in DDR

Decho, Ilse

* 9.12.1919 – ✝ 16.1.1978

Geb. in Leipzig; Ausbildung zum Kfm., im Beruf tätig; Besuch der Abendschule der Staatl. Akad. für graf. Künste u. Buchgewerbe; 1947 – 49 Studium an der Kunstgewerbeschule Leipzig; 1950 – 66 freischaff. Kunsthandwerkerin u. Formgestalterin in Leipzig; 1964 Dipl. an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein; 1966 – 75 Doz. für Glasgestaltung; 1974 Prof. an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein; 1975 em. Umfgr. Werk in Glas u. Porzellan im Spannungsfeld zwischen Unikat u. Serie, u. a. 1962/63 Koch- u. Bratgeräte sowie Teeservice aus Jenaer Glas, 1963 Porzellanspeise-, Kaffee- u. Mokkageschirr »Daphne«, »Julia«, 1973 Mokkaservice »Atlas«, freie Glasgestaltung.Kat. I. D. Glas u. Porzellan. Leipzig, Grassimuseum. Halle 1985.Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Degner, Ernst

* 22.9.1931 – ✝ 9.9.1983

Geb. in Gleiwitz (Oberschles./Gliwice, Polen); Lehre als Kfz-Mechaniker in Caputh; 1952 erstes Motorradrennen, danach Lizenzfahrer; 1956 – 61 Versuchsschlosser u. Werksfahrer im MZ-Rennstall Zschopau; nach Horst Fügner (1958 Vize-WM 125 ccm) zweiter MZ-Weltklassefahrer; ab 1957 WM-Teiln., beste Plazierungen: 1960 Bronze 125 ccm, 1959 4. Platz 250 ccm; Siege u. a. 1957 Nürburgring u. Sachsenring, 1958 Sachsenring, Brno u. Monza, 1960 Imola, Salzburg, St. Wendel, Belgien u. Brno; nach 1. Plätzen in Salzburg, St. Wendel, Hockenheim, Sachsenring u. Monza 1961 nur noch einen Sieg vom WM-Titel in der 125-ccm-Klasse entfernt, absichtl. Überdrehung des Triebwerks (dennoch Vize-WM in der Gesamtwertung); 17.9.1961 Flucht vom Wettkampfort Kristianstadt (Schweden) in die Bundesrep. Dtl., Ermittlungsverfahren durch die Bezirksstaatsanwaltschaft Karl-Marx-Stadt; 1961 Werkspilot bei Suzuki in Hammelbach/Odenwald; 1962 erste WM in der 50 ccm-Klasse; aktiv bis 1966, u. a. WM-Bronze 1963 50 ccm, 4. Plätze WM 1964 u. 1965 50 ccm, 1965 125 ccm; 1963 »Silbernes Lorbeerblatt«; Rücktritt nach schweren Stürzen in Monza (1965) u. Japan (1966); Angest. der Versuchs- u. Rennabt. von Suzuki; 1976/ 77 Techn. Ltr. bei der Entw. der GS 750 in Heppenheim; gest. in Arona (Teneriffa).Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Deiters, Heinrich

* 2.7.1887 – ✝ 31.1.1966

Geb. in Osnabrück; Vater Landvermesser; aufgew. in Siegen u. Bromberg; dort Realgymnasium, 1906 Abitur; anschl. Studium der Germanistik, Geschichte u. Philos. an den Univ. Heidelberg, Münster u. Berlin, dort 1911 Prom. mit einer Arbeit über Hebbel; 1912 St.-Ex. für das Lehramt an höheren Schulen; Schuldienst; 1914 – 18 Militärdienst; 1918 – 24 Studienrat in Berlin; Gründungsmitgl. der DDP; 1919 Bund Entschiedener Schulreformer; 1920 SPD; 1924 Gymnasialdir. in Höchst, 1927 Oberschulrat im Provinzialschulkolleg. Hessen-Nassau in Kassel, Mitgl. im Philologenverein u. im Rep. Lehrerbund; 1933 zwangspensioniert, danach u. a. private Lehrtätigkeit u. 1942 – 45 Mitarb. in einem nichtoffiz. Pressedienst. Mai 1945 SPD; Juni 1945 Dir. am Paulsen-Gymnasium in Berlin-Steglitz; Aug. 1945 Mitbegr. u. bis Nov. 1945 erster Vors. der Gewerkschaft der Lehrer u. Erzieher in Berlin; Sept. 1945 Ltr. des Ressorts Lehrerbildung in der Dt. ZV für Volksbildung; Mai 1946 SED; Okt. a. o. u. Jan. 1947 ord. Prof. für Geschichte der Pädagogik an der Univ. Berlin, Mitdir. des Inst. für »Geschichte der Pädagogik«; 1947 – 57 Vors. des KB Berlin; 1948 Ltr. des Kulturaussch. des Dt. Volksrats; 1949 – 58 Dekan der Pädagog. Fak. der HU Berlin; 1949 – 58 Abg. der (Prov.) Volkskammer für den KB; 1957 Dr. phil. h. c. der MLU Halle; 1946 – 59 Mithrsg. der Ztschr. »Pädagogik«; 1959 em.; gest. in Berlin.Pädagog. Aufsätze u. Reden. Berlin 1957; Bildung u. Leben. Erinnerungen eines dt. Pädagogen. Köln, Wien 1989. Rektor der HU Berlin (Hrsg.): H. D. Bildungspolitiker – Lehrerbilder – Pädagoge. Berlin 1987; Fischer, T.: H D. Ein Wegbereiter der mod. Erlebnispädagogik? Lüneburg 1994; Wiegmann, U.: H. D. – berufl. Ausgrenzung u. »erziehungswiss. Remigration«. In: Ztschr. für Pädagogik (1994) 4; Reischock, W.: Ein Demokrat mit einer sozialist. Bildungsidee – Erinnerungen an H. D. In: Keim, W. et al. (Hrsg.): Reformpädagogik in Berlin – Tradition u. Wiederentdeckung. Frankfurt (Main) 1998.Gert Geißler

Wer war wer in DDR

Demke, Christoph

* 3.5.1935

Geb. in Bunzlau (Niederschles./Bolesławiec, Polen); Vater Pfarrer, Mutter Gewerbelehrerin; 1945 Flucht der Fam. nach Hohenmölsen (b. Leipzig); 1945 – 51 Gymnasium in Schulpforte (b. Naumburg), 1952 Abitur in Görlitz; 1953 – 58 Studium der Theol. an der HU Berlin; 1958 – 63 Repetent am Berliner Sprachenkonvikt, zugl. Vikar in Sachsenhausen (b. Oranienburg), Prom. an der HU Berlin; 1964 Ordination; 1964 – 77 Doz., ab 1970 Rektor des Berliner Sprachenkonvikts; 1975 nebenamtl. u. 1977 – 81 hauptamtl. Sekr. der Theolog. Kommission des Bundes der Ev. Kirchen in der DDR (BEK), 1977 stellv. Ltr. u. 1981 – 83 Ltr. des Sekr. des BEK (Nachf. von  Manfred Stolpe); 1980 – 83 Sekr. des kirchl. Lutherkomitees; seit 1983 Bischof der Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (Nachf. von  Werner Krusche); 1986 – 90 stellv. Vors. u. 1990/ 91 Vors. der Konferenz der Ev. Kirchenltg. in der DDR (Nachf. von  Werner Leich); im Sept. 1989 sprach er sich offen für ges. Veränderungen in der DDR aus. Seit 1990 Eintreten für eine »vorsichtige« Aufarbeitung der DDR-Geschichte; 1997 Ruhestand; Bundesvors. der Ev. Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer; lebt in Berlin.Fragen der »mod.« Theol. Berlin 1973; Zwischen Anpassung u. Verweigerung, Dokumente aus der Arbeit des Bundes der Ev. Kirchen in der DDR. Leipzig 1994 (Mithrsg.). Beintker, M. et al. (Hrsg.): Wege zum Verständnis. Fs. für Ch. D. Leipzig 1997; Findeis, H., Pollack, D. (Hrsg.): Selbstbewahrung oder Selbstverlust. Berlin 1999.Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Damerius (Koenen), Emmy

* 15.3.1903 – ✝ 21.5.1987

(* 1903 – † 1987) Geboren am 15. März 1903 in Rosenthal als Emmy Zadach, aufgewachsen in Berlin. Die Tochter einer Köchin wurde Werkstattschreiberin, anschließend Arbeiterin in Berlin. 1924 Mitglied der KPD. Emmy Damerius, die in erster Ehe mit Helmut Damerius (* 16. 12. 1905 – †29. 9. 1985) verheiratet war, arbeitete ehrenamtlich für den RFMB, ab 1928 als Stenotypistin, später als Journalistin bei der KPD-nahen Abendzeitung »Welt am Abend«. 1932 leitete sie gemeinsam mit Else Meyer und Helene Kirsch die Frauenabteilung der KPD-BL Berlin-Brandenburg. Ende 1932 nahm sie am letzten Lehrgang der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau teil. Noch am 5.März 1933 im Wahlkreis Potsdam II in den Preußischen Landtag gewählt. Dann arbeitete sie illegal als Instrukteurin. Im Sommer 1934 über die âSR in die UdSSR emigriert, kam sie bis 1935 ins Frauensekretariat der Komintern. 1935/36 Studium an der KUNMS. Im Januar 1937 im Auftrag der Komintern illegale Arbeit in der Schweiz, u. a. mit Konrad Blenkle in der AL Süd sowie für die illegale »Süddeutsche Volksstimme«. Emmy Damerius heiratete 1937 Wilhelm Koenen, beide emigrierten 1938 nach Großbritannien. Im Mai 1940 in London verhaftet, blieb sie bis 1941 auf der Isle of Man interniert und war nach ihrer Entlassung in der Freien Deutschen Bewegung Großbritanniens aktiv. Im Dezember 1945 Rückkehr nach Deutschland und Mitbegründerin des Zentralen antifaschistischen Frauenausschusses. Sie folgte ihrem Mann nach Halle und Dresden und arbeitete als Redakteurin an der »Mitteldeutschen« und der »Sächsischen Zeitung«. Sie gehörte 1947 zu den Gründerinnen des DFD in der SBZ und war 1947/48 stellvertretende Vorsitzende der Frauenorganisation und 2. Vorsitzende des DFD Sachsen. 1948 Nachfolgerin der parteilosen Ärztin Annemarie Durand-Wever als 1. Vorsitzende des DFD-Bundesvorstandes, bereits im Mai 1949 trat sie (offiziell aus gesundheitlichen Gründen) zurück. Von 1950 bis 1958 in der Redaktion der Zeitschrift »Die Wirtschaft«, ab 1958 lebte und arbeitete sie als freischaffende Autorin. Sie erhielt 1983 den VVO in Gold. Emmy Damerius-Koenen starb am 21. Mai 1987 in Ost-Berlin.

dissidenten.eu

Dandaron, Bidija

* 1914 – ✝ 1974

Orientalist, buddhistischer Aktivist und religiöser Schriftsteller.Bidija Dandaron wurde 1914 in Kischinga in der sibirischen Teilrepublik Burjatien geboren. Sein Vater war Schüler des Gründers der buddhistischen Balagatski-Bewegung, die als Teil des burjatischen Lamaismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden war und sich die Befreiung des Buddhismus von „Verzerrungen“ zum Ziel gesetzt hatte. Die Anhänger der Balagatski-Bewegung legten Wert auf die strenge Einhaltung vorgeschriebener Rituale sowie auf Meditation. Bidija Dadaron war selbst in der Kindheit Mönchsschüler einer als Dazan bezeichneten buddhistischen Klosterschule in Kischinga. Die Bewegung wurde 1919 zerschlagen; ihren Anhängern wurde vorgeworfen, in der Baikal-Region einen „theokratischen Staat“ errichten zu wollen. Von 1934 bis 1937 studierte Dandaron am Leningrader Institut für Flugzeugbau und war gleichzeitig Hörer an der Fakultät für Orientalistik der Leningrader Universität, wo er mit herausragenden russischen Buddhismusforschern Bekanntschaft schloss. 1937 wurde er unter dem Verdacht, eine „panmongolische nationalistische Gruppe“ gründen zu wollen, verhaftet und vom Militärgericht des Leningrader Wehrbezirks nach *Artikel 58, Paragraf 10 Strafgesetzbuch der RSFSR und Artikel 58, Paragraf 11 Strafgesetzbuch (siehe *Artikel 72 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Gefängnisstrafe wurde bald darauf in Lagerhaft umgewandelt. Bis 1943 wurde Dandaron im „Baikal-Amur-Besserungsarbeitslager“ festgehalten. Nach seiner Freilassung ließ er sich im Tomsker Gebiet nieder, wo er als Ingenieur arbeitete. Im November 1948 wurde er erneut verhaftet und im August 1949 verurteilte ihn eine Sonderkommission der sowjetischen Staatssicherheit nach *Artikel 58, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der RSFSR, nach *Artikel 58, Paragraf 10 Strafgesetzbuch der RSFSR (Absatz 1) und nach Artikel 58, Paragraf 11 (siehe *Artikel 72 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu zehn Jahren Lagerhaft. Die Strafe verbüßte Dandaron diesmal in den Lagern des Gebietes Molotow, dem heutigen Perm und in den *mordwinischen Lagern. Im Juni 1956 wurde er durch eine Entscheidung der Kommission des Obersten Sowjets der UdSSR freigelassen und im Dezember rehabilitiert. Bezüglich des Verfahrens von 1937 wurde die Rehabilitierung 1958 erlassen. Ab 1957 lebte Dandaron in Ulan Ude, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien, wo er als Wissenschaftler am Burjatischen Institut für Gesellschaftswissenschaften der Akademie der Wissenschaften der UdSSR arbeitete. Seine mehr als 30 Publikationen aus den Jahren 1956 bis 1972 zum Thema Buddhismus und tibetanische Kultur brachten ihm internationale Anerkennung ein. Juri Rerich, der die Sektion Buddhismus am Institut für Orientalistik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR leitete, hielt Dandaron für den weltweit führenden Buddhismus-Experten. In den 60er Jahren versuchte Dandaron, die Balagatski-Bewegung wiederzuerwecken, indem er die Rolle des geistigen Oberhaupts übernahm. Seine Anhänger erkannten ihn als „Dharmaradscha“ (König der Lehre und der Gerechtigkeit) an und er nahm den geistlichen Namen Citta-Vajra an. 1966 richteten die Behörden erneut ihre Aufmerksamkeit auf Dandaron und seine Bewegung. Noch blieb es jedoch bei einem „prophylaktischen Gespräch“ am Institut. Zur gleichen Zeit kamen buddhistische Pilger aus dem ganzen Land zu Dandaron nach Ulan Ude, um sich den Gläubigen anzuschließen. Für die Lehren Dandarons und für seine Person interessierten sich aber auch Buddhismus-Forscher im In- und Ausland. Am 31. August 1966 wurde Dandaron unter dem Verdacht der „Gründung und Leitung einer buddhistischen Sekte“ verhaftet. Offensichtlich waren die burjatischen Behörden wegen seiner religiösen Tätigkeit beunruhigt. Darüber hinaus wurde er von den Oberhäuptern der staatlich anerkannten lamaistischen Kirche von Burjatien für einen Sektierer gehalten. Dandaron und seine acht Schüler, die gemeinsam mit ihm verhaftet worden waren, wurden wegen der Durchführung buddhistischer ritueller Handlungen in Wohnungen in Leningrad, im estnische Tartu, Ulan Ude und Kischinga angeklagt. Die übrigen Anklagepunkte folgten den unrühmlichen Traditionen religiöser Verfolgungen in Russland: Die Riten wären von „rituellen Orgien und Blutopfern“ begleitet worden. Außerdem wurden die Mitglieder angeklagt, Mordversuche und Angriffe auf ehemalige Mitglieder verübt zu haben, die den Kontakt mit der Gruppe abbrechen wollten. Nicht zuletzt wurden sie der vermeintlichen Verbreitung antisowjetischer Stimmungen beschuldigt. Das Verfahren nahm enorme Ausmaße an: In verschiedenen sowjetischen Städten wurden etwa 80 Zeugen vernommen, Buddhismus-Spezialisten in Moskau, Leningrad, Vilnius und Tartu festgenommen und verhört. Vier der verhafteten Schüler von Dandaron – Orientalisten aus Ulan Ude, Vilnius und Tartu – wurden für unzurechnungsfähig erklärt und in psychiatrische Kliniken eingewiesen. Vier weitere Schüler wurden freigelassen, allerdings verloren sie die Erlaubnis, weiter wissenschaftlich zu arbeiten und Vorträge zu halten. Auch weitere Freunde und Bekannte von Dandaron in anderen Teilen der UdSSR verloren ihre Arbeit. Im Dezember 1972 wurde Dandaron vom Gebietsgericht Ulan Ude nach Artikel 227, Absatz 1 und Artikel 147, Punkt 3 des Strafgesetzbuches der RSFSR („Betrug mit besonders schweren Folgen für das Opfer“) verurteilt. Im Prozessverlauf kam es zu erheblichen Verfahrensverletzungen und offensichtlichen Manipulationen. Das Urteil belief sich auf fünf Jahre Haft und Entzug des Vermögens. Darüber hinaus richtete das Gericht einen Brief an das Leningrader Gebietskomitee der KPdSU wegen der Vernachlässigung der ideologischen Arbeit in Leningrad, wo Dandaron Gelegenheit gehabt habe, zahlreichen Zuhörern seine Ideen über den Buddhismus zu verkünden. Nach der Urteilsverkündung begann in der örtlichen Presse eine Verleumdungskampagne gegen den Verurteilten. Seine Freunde und Anhänger verbreiteten daraufhin im Samisdat mehrere offene Briefe, in denen alle Vorwürfe zurückgewiesen wurden. Bidija Dandaron starb 1974 im Lager von Wydrino, wo er bis zu seinem Lebensende buddhistische Schriften verfasst hatte. Ab Ende der 80er Jahre erschienen seine zuvor nicht veröffentlichten Arbeiten und Erinnerungen an ihn. Zwischen 1992 und 1998 widmete sich die in Sankt Petersburg erscheinende Zeitschrift „Garuda“ (Adler) der Verbreitung seines Erbes. Seit 1999 betreiben russische Buddhisten und Schüler von Dandaron die Internetseite www.pravidya.ru.Бидия Дандарович Дандарон Bidija Dandarovič Dandaron  Alexander Papowian Aus dem Polonischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 02/16

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Daniel, Berta

* 20.11.1896 – ✝ 7.4.1981

Geboren am 20. November 1896 in Ulm als Berta Dick, Tochter des Schneidermeisters und bekannten sozialdemokratischen Ulmer Stadtrats Robert Dick. Nach Mittel- und Frauenarbeitsschule Ausbildung und Arbeit als Fotografin bei ihrem Bruder. 1914 Eintritt in die Arbeiterjugend, 1916 Mitglied der Spartakusgruppe, 1919 der FSJ, 1923 der KPD. Seit 1919 mit Richard Daniel verheiratet. Im Herbst 1923 u. a. verantwortlich für die Parteikassierung Stuttgart und München, sie gehörte dem AM-Apparat der süddeutschen KPD an. Im Februar 1924 in Ulm festgenommen, nach einer Bürgschaft ihres Vaters freigelassen, flüchtete sie aus Ulm und lebte zwei Jahre illegal, u. a. in Berlin. Hier arbeitete sie im illegalen Apparat des Mitteleuropäischen Büros der IRH mit Jelena Stassowa und Eugen Schönhaar. Berta Daniel war später Archivarin in Moskau und wurde zusätzlich für die internationale Arbeit des Nachrichtendienstes (OMS) der Komintern im Ausland eingesetzt, 1935 in Österreich für ein Jahr inhaftiert. Im Dezember 1936 Ausreise in die Sowjetunion, bereits im März 1937 in Moskau verhaftet. Sie wurde am 19.November 1937 zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, dann in Nowosibirsk 1942 zu weiteren zehn Jahren Lager und Ende 1952 bei Kasan zwangsangesiedelt. Am 26. März 1957 durch das MKOG rehabilitiert, kam sie am 29. Juni 1957 mit ihrer Tochter Lore (*17. 5. 1920) in die DDR. Sie wurde Mitglied der SED, erhielt 1969 den VVO in Bronze. Berta Daniel starb am 7.April 1981 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Dannat, Horst

* 3.8.1934

Geb. in Kingitten (Krs. Samland, Ostpr./Liski, Rußland); Vater Bauer; Grund- u. Mittelschule; 1950 – 54 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser in Burg; 1949 FDJ, FDJ-Funktionär im VEB Walzwerk Burg, 1954 – 56 Studium an der Jugend-HS »Wilhelm Pieck« in Bogensee; 1956 SED u. Instrukteur der FDJ-BL Magdeburg; 1956 – 60 1. Sekr. der FDJ-KL Gardelegen, Kand. des Büros der SED-KL Gardelegen; 1960/61 Studium an der Zentralschule des Bulgar. Komsomol »Georgi Dimitroff« in Sofia; 1961 – 69 Mitarb., später stellv. Abt.-Ltr. u. zuletzt Ltr. des Büros des Sekr. des ZR der FDJ; 1969 – 72 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1973 – 79 stellv. Dir. des Jugendreisebüros »Jugendtourist«; 1979 Stellv. u. 1982 1. Stellv. des GD; 1984 – 90 GD des VEB Reisebüro der DDR (Nachf. von Helmut Heinecke).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Danz, Tamara

* 14.12.1952 – ✝ 22.7.1996

Geb. in Breitungen (Krs. Schmalkalden); erster Auftritt als Amateurin in der Rockband Uwe Kropinski; 1971 – 73 Oktoberklub Berlin; Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialkl. Tanzmusik, Gesang); prakt. Ausbildung als Sängerin in der Horst-Krüger-Band; 1978 Gründung der »Familie Silly« (ab 1980: Silly); April 1979 erste Aufnahmen beim Rundfunk; Anf. 1980 erste Schallplatte (Single) in der Bundesrep. Dtl., Dez. vier Titel auf einer Kleeblatt-LP, LP »Silly« in der Bundesrep. Dtl.; 1981 LP »Tanzt keiner Boogie?«, Teiln. an Pop-Session in Sopot (Polen), 1. Preis Festival »Bratislavská Lyra« in Bratislava, erstmalig beste Rocksängerin des Jahres (»Rocklady Nr. 1 der DDR«); 1983 LP »Liebeswalzer«; 1986 LP »Bataillon d’amour« (LP des Jahres, auch in der Bundesrep. Dtl. veröff.), Sängerin bei der Allstar-Band »Gitarreros« (Tournee, LP »It’s Only Rock’n’Roll«); 1988 Open Air Festival in Skanderbog, mit »Gitarreros« bei »Rock für Armenien« in Schwerin u. Halle-Neustadt, Mitwirkung im Film »flüstern & SCHREIEN. ein rockreport«; 1989 LP »Februar« (aufgenommen in Berlin (West), Koproduktion AMIGA/BMG Ariola München, 15.10.1989 »Konzert gegen Gewalt« in der Berliner Erlöserkirche (gegen Übergriffe der Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen am 7./8.10.1989). 1992 CD »Hurensöhne«; stellv. Vors. »Musik-Szene e. V.«; ab 1994 Aufbau des bandeigenen »Danzmusik-Studios« in Münchehofe (b. Berlin); CD: 1996 »Paradies«, 1996 »Bye Bye – Best of Silly Vol. 1«, 1997 »P.S. – Best of Silly Vol. 2«, 1997 »Silly +  Gundermann & Seilschaft«; Krebserkrankung; gest. in Berlin. 2003 Neuauflage des Albums »Paradies« mit 5 Bonotracks; 2004 DVD »25 Jahre Silly«, CD »Instandbesetzt« des Projekts »Bataillon D’Amour« mit der Stimme von T. D.; 2005 Premiere des Musicals »Mont Klamott – Tamara, die Rocky Lady« (Buch: Max Beinemann) an den Landesbühnen Sachsen; 2006 wurde in Berlin-Friedrichshain eine Straße nach T. D. benannt.Osang, A.: Tamara Danz, Legenden. Berlin 1997; Filmdok.: »T. D. – Asyl im Paradies« von A. Roesler-Kleint u. P. Kahane, 2006).Rainer Bratfisch

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dattan, Otto

* 16.2.1875 – ✝ 11.2.1938

Geboren am 16. Februar 1875 in Allstedt/Helme in Thüringen, Sohn eines Bäckermeisters. Nach kaufmännischer Lehre und Wanderschaft übernahm Otto Dattan 1902 in Elberfeld eine Drogerie. Im gleichen Jahr Mitglied der SPD, er gehörte deren linkem Flügel an. Ostern 1916 Teilnehmer der Antikriegskonferenz der Arbeiterjugend in Jena. 1916 vom Reichsgericht wegen antimilitaristischer Propaganda zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Eine schwere Erkrankung verhinderte seine Einberufung zum Militär. 1918 gehörte Dattan zu den Mitbegründern des Spartakusbundes in Elberfeld und war Delegierter des Gründungsparteitages der KPD. Er wurde Mitglied der UB-Leitung Barmen-Elberfeld und der BL Niederrhein. Im Dezember 1920 Delegierter des Vereinigungsparteitages mit der USPD, 1921 auf dem VII. Parteitag in die Zentrale Revisionskommission der KPD berufen. 1922/23 redigierte er die »Rote Arbeitertribüne«, eine KPD-Lokalzeitung für die Städte Elberfeld, Barmen und Hagen. Später arbeitete Dattan auch als Redakteur an der KPD-Zeitung »Freiheit« in Düsseldorf. Als Anhänger des rechten Parteiflügels wurde er 1924 in den Hintergrund gedrängt, war aber 1924 und 1930 Listenkandidat für die KPD bei den Reichstagswahlen und ab 1927 gewähltes Ratsmitglied im Barmer Stadtparlament. Von 1929 bis 1933 führte er die KPD-Fraktion in der Wuppertaler Stadtverordnetenversammlung. In der Nacht zum 1. März 1933 wurde er verhaftet und kam in das KZ Brauweiler bei Köln. Anfang Juni konnte Dattan im Rheinland untertauchen bzw. später nach Saarbrücken und nach der Saarabstimmung nach Frankreich flüchten. Im August 1935 reiste er nach Leningrad und lebte ab Herbst 1935 bei seiner emigrierten Tochter Erika. Als anerkannter Politemigrant bekam er eine Pension und arbeitete als Bibliothekar in der Öffentlichen Staatsbibliothek in Leningrad. Dort wurde Dattan am 11. Februar 1938 verhaftet, am 21. Juni 1938 erfolgte sein Ausschluß aus der KPD. Die Verurteilung zu zehn Jahren Lagerhaft hat Otto Dattan nicht überlebt. Seine Frau Amanda (* 1878 – † 1963) und sein Sohn Günter (* 1906 – † 1979), beide Mitglied der KPD, waren während der Nazizeit in Deutschland und bemühten sich nach 1945 vergebens um Aufklärung seines Schicksals. Als eine Delegation des KPD-Parteivorstandes Wilhelm Pieck zu dessen 75. Geburtstag im Januar 1951 gratulierte, fragte ihn die KPD-Landtagsabgeordnete und Wuppertaler Stadtverordnete, Ilse Kötting, nach dem Verbleib von Otto Dattan. Pieck antwortete mit der Lüge: Dattan sei während der Blockade Leningrads durch die Wehrmacht verhungert. Seine Tochter Erika Dattan (* 29. 11. 1910 – †23. 2. 1989), die ebenfalls 1938 verhaftet und wegen »Spionage« zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt wurde, durfte im April 1955 in die DDR. Sie hatte sich bereits in der Sowjetunion um die eigene sowie des Vaters Rehabilitierung bemüht. Vom Obersten Gericht der UdSSR wurde Otto Dattan im Jahre 1961 posthum rehabilitiert, sein genaues Todesdatum war bis heute nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Daum, Reinhold

* 5.8.1929 – ✝ 9.12.2001

Geb. in Reichenbach (Krs. Falkenau, ČSR/ Bystrina, Tschechien); Vater Bauer; OS; 1945 Forstarb.; 1947 SED; 1948 Mitarb. der FDJ-KL Pirna, 1950 der FDJ-Landesltg. Sachsen; 1952 1. Sekr. der FDJ-KL Görlitz-Land; 1954/ 55 BPS; 1955 2. Sekr. der FDJ-Stadtltg. Dresden; 1956 pol. Mitarb. der FDJ-BL Dresden; 1956 Einstellung beim MfS; 1956/57 Schule der HV A; 1957 HV A-HA I (pol. Spionage); 1959 HV A-Abt. II (Parteien u. Org. in der Bundesrep. Dtl.); 1967 – 72 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1974 Versetzung zur HV A-Ltg.; 1978 AG T (Großraum Bonn); 1980 Ltr. der AG T; 1982 Oberst-Ltn.; 1985 Ref.-Ltr.; 1989/90 Entlassung.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

David, Hans Walter

* 26.3.1893 – ✝ 1942

Geboren am 26. März 1893 in München-Gladbach. Nach dem Studium Komponist, 1914 Kriegsfreiwilliger, bis 1918 an der Front und mit dem EK 1.Klasse ausgezeichnet. Die Erlebnisse auf den »Schlachtfeldern« machten ihn zum Kriegsgegner, 1919 Mitglied der KPD. Studium in Berlin und führend in der kommunistischen Studentenbewegung. Danach bis 1933 als Dirigent und Komponist in Düsseldorf tätig. 1933 Emigration nach Frankreich, dann nach Italien, wo er unter schweren Bedingungen zu leben hattte. 1935 konnte Hans David (zusammen mit seiner Frau Lina, geb. Nathan) auf Einladung des Verbandes der Sowjetkomponisten in die UdSSR einreisen, hier wurde er 1936 Generalmusikdirektor in Engels (ASSR der Wolgadeutschen). Begeistert schrieb er in der »Deutschen Zentral-Zeitung«, im »Land des Sozialismus« habe er eine »neue Heimat gefunden«. Am 5. November 1937 wurde er vom NKWD verhaftet und schwer gefoltert. Seine Frau, die ausgewiesen wurde, ging nach Belgien. Hans Walter Davids Festnahme soll erfolgt sein, weil er Stalin zum Geburtstag eine Hymne komponiert hatte, die aber in der verfemten Zwölftonmusik verfaßt war. Wegen angeblicher Spionage für Hitler-Deutschland zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, wurde er aber 1940 an Nazi-Deutschland ausgeliefert. Hier kam er als Jude sofort ins Ghetto nach Lublin. 1942 nahm ihn die Gestapo in Gewahrsam, anschließend wurde Hans Walter David 1942 im KZ Majdanek ermordet.

Wer war wer in DDR

Dedek, Magnus

* 28.6.1917 – ✝ 9.7.1955

Geb. in Dresden; Vater Küchenmstr.; Volksschule, Bischöfl. St. Benno-Gymnasium in Dresden, Abitur; 1928 – 33 Mitgl. der kath. Jugendbew.; pharmazeut. Ausbildung; 1937/38 Studium an der TH Dresden; 1938/39 Apothekerpraktikum in Schwarzenberg (Erzgeb.) u. Dresden; 1939 – 43 Wehrmacht, 1943/44 zum Studium in Leipzig beurlaubt; Aug. 1944 Wehrmacht; Ende Augs. 1944 bis Frühj. 1946 engl. Kriegsgefangenschaft in Belgien u. Wales; Mitgl. der BFD u. deren Zehneraussch. in Südwales. Febr. 1946 Rückkehr nach Dtl.; März 1946 sowj. Entlassungsstelle Pirna; CDU; Pharmazeut in einer Apotheke in Schwarzenberg (Erzgeb.); Mitgl. des städt. Verw.-Aussch.; 1946 – 49 Ortsgr.-Vors. u. Mitgl. des CDU-KV Schwarzenberg; Mai 1947 – Dez. 1949 Bürgermstr. in Schwarzenberg; Jan. – März 1950 1. Krs.-Rat u. stellv. Landrat in Aue; seit Okt. 1950 Mitgl. des NR der NF, ab Febr. 1950 Abg. der Volkskammer u. des Sächs. Landtags; April – Nov. 1950 2. Bürgermstr. der Stadt Chemnitz; seit 1950 Krs.-Vors. des CDU-KV Chemnitz u. stellv. Vors. des LV Sachsen; Dez. 1950 – Juli 1952 Präs. des Landesverw.-Gerichts in Sachsen; Aug. 1952 –Juni 1955 stellv. Vors. des Rats des Bez. Dresden; Juni 1955 Präs. der IHK (Nachf. von  Erich Wächter); gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Dehmel, Bernd

* 15.9.1941

Geb. in Berlin; begann als Schwimmer bei BSG Ajax Neptun; Lehre als Maschinenschlosser; ab 1957 Segler beim SC Einheit Berlin, 1963 TSC Berlin (Trainer Hans Adam); segelte anfangs Pirat; ab 1958 Teiln. an internat. Wettkämpfen der Klasse Finn-Dinghi; 1963 DDR-Mstr. u. 1. Platz bei der »Ostseewoche«; 1964 3. Platz Rasterholm (Schweden); 1964 Sieger der Rückrunde der gesamtdt. Olympiaqualifikation in Travemünde u. für die Olymp. Spiele in Tokio nominiert; nach Protest wegen angebl. Teamsegelns gleichzeitige Nominierung von Willi Kuhweide (West-Berlin) durch d. DSV-West nach dessen Sieg bei den EM vor Kopenhagen, für die D. aufgrund der NATO-Bestimmungen keine Einreise erhalten hatte; da der Internat. Seglerverb. die Teiln. zweier dt. Segler verweigerte, ordnete er ein weiteres Ausscheidungsrennen vor Enoshima an, das D. auf Anweisung der DDR-Sportführung verweigerte; daraufhin Start von Kuhweide u. Olympiasieg; 1965 EM u. Vize-WM; 1966 u. 1971 DDR-Mstr.; 1972 Ersatzmann der DDR-Olympiamannschaft; Fernstudium an der DHfK Leipzig; später Trainer u. a. von Olympiasieger  Jochen Schümann. Nach 1990 ltd. Bundestrainer für Soling und Laser; lebt in Berlin.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Deiters, Ludwig

* 23.12.1921

Geb. in Berlin; Vater Pädagoge Prof.  Heinrich D.; 1940 Abitur; RAD, Wehrmacht (Luftnachr.); 1945 Kriegsgefangenschaft. 1946 – 50 Studium der Architektur an der TU Berlin, Dipl.-Ing.; 1946 – 89 SED; 1949/50 Mitarb. in der Baultg. des KB, 1950 – 52 Architekt im Inst. für Bauwesen der DAW, Schulbauforschung, ab 1951 DBA; 1952/53 Brigadeltr. des Gen.-Projektanten von Stalinstadt (Eisenhüttenstadt), 1953/54 Mitarb. des Chefarchitekten von Berlin; 1954 – 57 Mitarb. an Entwürfen für die Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück u. Sachsenhausen; 1956 Mitarb. der DBA; 1957 – 61 Konservator des Inst. für Denkmalpflege für die Bez. Potsdam u. Frankfurt (Oder) im Inst. für Denkmalpflege; 1959 NP (Koll.); 1961 – 86 Gen.-Konservator des Inst. für Denkmalpflege der DDR; Engagement für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung von Kirchen, Schlössern u. a. Baudenkmalen; 1967 Prom. zum Dr.-Ing. an der TU Dresden; Honorarprof. der HS für Architektur u. Bauwesen Weimar u. der HS für Bildende Künste Berlin; 1975 VVO; 1977 stellv. Vors. des Rats für Denkmalpflege beim Min. für Kultur, Präs. des Nationalkomitees des Internat. Rats für Denkmalpflege ICOMOS, ltd. Mitgl. der Ges. für Denkmalpflege u. des Präsidialrates des KB; 1980 NP; 1987 Ruhestand. Nach 1990 aktiv in prakt. Denkmalpflegeprojekten.Schicksale dt. Baudenkmäler im Zweiten Weltkrieg. Berlin 1978 ff.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Demmler, Kurt

* 12.9.1943 – ✝ 3.2.2009

Geb. in Posen (Poznań, Polen); Eltern Ärzte; 1950 – 62 Grundschule, EOS, Abitur; 1962/63 Krankenpfleger; 1963 – 69 Med.-Studium an der KMU Leipzig; 1969 – 76 Arzt; ab 1976 freischaff.; 1965 erste eigene Lieder, 1967 Mitgl. im Berliner Oktoberklub, danach in einem Leipziger Singeklub, pol. Lieder (»Ho Chi Minh«); 1971 erste LP »K. D./Lieder«; poet. Chansons (»Auf die Gesichter will ich euch Kerzen pflanzen«, 1973); zahlr. Texte für Rockgr. u. Popinterpr. ( Klaus Renft Combo,  Veronika Fischer,  Nina Hagen u. a.); 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1983 Zyklus »Die Lieder des kleinen Prinzen« nach Antoine de Saint-Exupéry (1985 LP); 1985 NP; Mitunterz. der Resolution der Rockmusiker u. Liedermacher vom 18.9.1989 für Demokratisierung u. Medienfreiheit, Auftritt bei der Demonstration am 4.11.1989 in Berlin. 1990 CD »Windsandundsternenlieder«; in den 90er Jahren Rückzug aus der Öffentlichkeit; seit 1995 Wiederveröff. zahlr. Rock- u. Poptitel mit Texten von D. auf CD; 2001 CD »Mein Herz muß barfuß gehen«; lebte in den letzten Jahren zurückgezogen in Storkow (Brandenb.); 2008 Anklage wg. sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, Verhaftung, Suizid im Gefängnis.Lutz Kirchenwitz