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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

dissidenten.eu

Demszky, Gábor

* 1952

Soziologe, Politiker. Mitbegründer des Untergrundverlags *AB. Gründer und Herausgeber unabhängiger Zeitschriften.Gábor Demszky wurde 1952 in Budapest geboren. Seine Eltern, reformfreudige Ökonomen, pflegten Kontakte zu führenden Vertretern der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei, die ihrerseits nach 1968 zu den Befürwortern des sogenannten *Neuen Wirtschaftsmechanismus gehörten. Er studierte an der Loránd-Eötvös-Universität Budapest Rechtswissenschaft und Soziologie. 1972 nahm er an den Vorbereitungen einer Demonstration teil, die unter dem Motto der in den 60er Jahren unter Studenten populären Ideologie der „neuen Linken“ stehen sollte. Obgleich die Demonstration letztlich gar nicht stattfand, wurde Demszky für ein Jahr vom Studium suspendiert. In dieser Zeit verfasste er Aufsätze, die thematisch an der Schnittstelle zwischen Soziologie und Rechtswissenschaft angesiedelt waren. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Taxifahrer. Anschließend wurde er wieder zum Studium zugelassen, das er 1976 mit dem Diplom der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und 1981 mit dem Diplom der Soziologischen Fakultät abschloss. Während seiner Zeit an der Universität liebäugelte Demszky mit anarchistischen Strömungen innerhalb der ungarischen Linken. Schon bald erfolgte jedoch sein Bruch mit dem Marxismus und mit radikalen linken Ansichten. Durch den Kontakt mit der Schule des Philosophen Georg Lukács und insbesondere mit der Marxismus-Kritik von György Márkus, György Bence und János Kis hatte Demszky begriffen, dass die Prämissen dieser Ideologie nicht viel mit der Realität gemein hatten. In den 70er Jahren war er aktiver Teilnehmer der *Freien Montagsuniversität. Er fand Anschluss an den Kreis um den Soziologen István Kemény (die sogennante Kemény-Schule). Demszky erforschte die ärmsten Schichten der ungarischen Gesellschaft und verfasste unter anderem eine soziografische Arbeit über die in abgeschotteten Siedlungen lebenden Roma. Die Forschungsergebnisse, die damals einen Skandal bewirkten, wurden von der Untergrundzeitschrift „Kritika“ (Kritik) publiziert. Er drehte auch einen Film über das Leben der ungarischen Roma („Gibt es ein Leben auf der Erde?“). Ende der 70er Jahre knüpfte er Kontakte zu einer Gruppe von Kemény-Schülern, unter anderen zu Ottilia Solt und Gábor Havas. 1979 schloss er sich deren Initiative *Armenhilfefonds (Szegényeket Támogató Alap; SZETA) an. Aufgrund seiner oppositionellen Tätigkeit während des Studiums war es ihm verwehrt, in seinem Beruf als Jurist zu arbeiten. Im Herbst 1977 wurde er Mitarbeiter der religiös-sozialen Monatsschrift „Világosság“ (Licht). Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre reiste er mehrfach nach Polen, wo er enge Kontakte zur polnischen Opposition knüpfte und sich mit Druck- und Vertriebstechniken der Untergrundverlage vertraut machte. Er wurde auch direkt für die polnische *Solidarność tätig, so organisierte er in Ungarn Ferienaufenthalte für Kinder von Solidarność-Mitgliedern. 1981 veranstaltete er nach der Rückkehr aus Polen eine Lesung über die *Solidarność und berichtete von seinen Erfahrungen aus den Begegnungen mit polnischen Oppositionellen. Anschließend gab er die Redaktionsarbeit auf, um seinen Vorgesetzten Repressalien seitens der Staatsmacht zu ersparen. Im selben Jahr wurde gegen ihn ein Publikationsverbot verhängt. Gemeinsam mit Jenő Nagy gründete er daraufhin den Unabhängigen Verlag *AB, der innerhalb von zwei Jahren zu einem Zentrum der ungarischen Untergrundkultur wurde. Er war Redakteur und Herausgeber der Zeitschriften „Tájékoztató“ (Berichterstatter) und *„Hírmondó“ (Nachrichtensprecher). Sein Credo war die schnelle Vermittlung seriöser Informationen. Er war der Meinung, ein Verlag habe in erster Linie ein Zentrum politischen Denkens zu sein. Das führte zur Trennung von <a href="laender/ungarn/biografien/jenoe-nagy/" class="internal-link">Nagy</a>, der die im Untergrund erscheinenden Erzeugnisse einem Massenpublikum zur Verfügung stellen wollte und im Sommer 1983 seinen eigenen Unabhängigen Verlag *ABC gründete. Die Ansichten Demszkys zur Rolle des Verlags führten auch zur Abkühlung seiner Kontakte zu György Krassó, der der oppositionellen Tätigkeit einen egalitären Charakter geben wollte. Nach der Trennung von Jenő Nagy fand Demszky Anschluss an den Kreis um die Zeitschrift *„Beszélő“ (Sprecher). Deren Herausgeber vertraten die Position, illegale Verlagstätigkeit sei eine Angelegenheit der ungarischen Intelligenz, während sie keine Möglichkeit sahen, die breiten Massen für oppositionelle Aktivitäten zu gewinnen. 1984 wurde Demszky infolge einer Provokation der Polizei wegen „Gewaltanwendung gegen Vertreter der Staatsgewalt“ vor Gericht gestellt und zu einem halben Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt. Der Prozess wurde zu einem aufsehenerregenden Skandal. Unter den Beobachtern im Gerichtssaal befanden sich Vertreter von Amnesty International und Helsinki Watch. Im Frühjahr 1988 gehörte Demszky zu den Gründern des Netzes Freier Initiativen, im November war er Mitbegründer des *Bundes Freier Demokraten (Szabad Demokratoak Szövetsége; SZDSZ), für den er 1990 als Abgeordneter ins Parlament einzog und dessen Vorsitzender er nach 2000 zeitweise war. 1989 war er Leiter des nun legal agierenden Verlags AB Beszélő (AB Sprecher). 1990–2010 war Demszky Oberbürgermeister von Budapest. 1998 und 2002 wurde er erneut für den *Bund Freier Demokraten ins Parlament gewählt, 2004 ins Europäische Parlament. In all diesen Fällen verzichtete er jedoch auf sein Mandat, um weiter sein Amt als Oberbürgermeister von Budapest ausüben zu können.András Pályi Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Dengler, Gerhard

* 24.5.1914 – ✝ 3.1.2007

Geb. in Reinhausen (Krs. Göttingen), aufgew. in Eberswalde; Vater Prof. an der Forstakad.; Volksschule, Gymnasium; 1934 – 39 Studium der Publizistik in Berlin u. München; Mai 1937 NSDAP, SA; 1939 Prom. zum Dr. phil.; ab 1939 Wehrmacht, Hptm.; bis 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft; Mitgl. des NKFD in Moskau. Aug. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 SED; Mitgl. des ZV des VDP, später Mitgl. des VDJ; Mitarb. der »Sächs. Ztg.«; 1946 – 48 Chefred. der »Leipziger Volksztg.«, dann Mitarb., später Chefred. der pol. Red. der Wochenschau »Der Augenzeuge«, Mai 1949 auf sowj, Weisung Abberufung; dann Red. des »Vorwärts«, ab Jan. 1950 Mitarb. der Red. des »Neuen Dtl.«; 1953 – 58 dessen Korrespon- dent in Bonn; 1958/59 Chefkommentator des »Deutschlandsenders« (Nachf. von  Karl-Eduard von Schnitzler); Apr. 1959 Mitgl. u. stellv. Vors. des Büros des Präs. des NR der NF; 1966 – 69 Vizepräs. des NR der NF, zuständig für Westarbeit (Nachf. von  Walter Vesper), ab 1962 auch Übernahme des aufgelösten »Aussch. für Dt. Einheit« in den NR; 1962 – 67 Ltr. der AG »Braunbuch, Kriegs- u. Naziverbrecher in der Bundesrep. u. Berlin (West)« im NR der NF, 1966 – 68 Vizepräs. des NR der NF; ab Sept. 1968 Ltr. der Sekt. Auslandsinformation der DASR Potsdam (Nachf. von Bernd Lange); Sept. 1979 em. 1990 PDS; gest. in Henningsdorf (b. Berlin).Die »Reichenberger Ztg.« 1918/19. Frankfurt (Main) 1940 (Diss.); Ztg. u. Zeit. Berlin 1940; 7. Internat. Friedensfahrt. Reichenbach 1955; Die Bonner Masche. Berlin 1960; Zwei Leben in einem. Berlin 1989; Viele Beulen im Helm. Mein Leben als SED-Funktionär. Berlin 2000; Braunbuch. Kriegs- u. Naziverbrecher in der Bundesrepublik u. in Berlin (West). Berlin 2002 (Reprint) (Hrsg. mit N. Podewin). Es begann in Eberswalde. Borgelt u. Dengler – zwei dt. Journalisten (Dok.-Film). ORB 1993. R: G. Nickel.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dessau, Paul

* 19.12.1894 – ✝ 28.6.1979

Geb. in Hamburg in einer jüd. Fam.; Vater Zigarrenarb. u. Kfm.; 1900 Violinenunter- richt; ab 1910 Studium in Hamburg u. am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium Berlin Violine, Klavier u. Komposition bei Florian Zajic; wegen einer Fingererkrankung abgebrochen, Kapellmstr.; 1912 Korrepetitor am Hamburger Stadttheater, anschl. 2. Operettenkapellmstr. am Bremer Tivoli-Theater, 1914 wieder Hamburger Stadttheater; 1915 – 18 Militärdienst; 1919 – 23 Korrepetitor u. Kapellmstr. am Opernhaus Köln, 1924 1. Kapellmstr. in Mainz; Preis des Musikverlags B. Schott’s Söhne für Violinen-Concertino; 1925 1. Kapellmstr. an der Städt. Oper Berlin; komponierte seit 1928 für Arbeiterchöre u. für den Film, arbeitete als Filmkapellmstr. (Alhambra u. Europahaus Berlin); ab 1930 KPD-Sympathisant; beendete in der 1. Hälfte 1933 für Universal Pictures die Filmmusik »S.O.S. Eisberg«, weiter Orchesterltr. Singakad. Berlin; Okt. 1933 wg. rass. Verfolgung Emigr. nach Paris; arbeitslos, komponierte dann Filmmusiken für versch. frz. Filmges.; 1935 Zwölftonstudien bei René Leibowitz in Paris; Reisen durch Europa u. nach Palästina; in Paris auch Kompositionen u. Prop.-Arbeit zur Unterstützung der Internat. Brigaden im span. Bürgerkrieg (Ps. »Peter Daniel«): u. a. das Lied »No Pasaran!« (1936); 1939 freischaff. Musiker in New York; ab 1940 Lehrer bei der Young Men’s Hebrew Association u. an einer jüd. Musikschule, komponierte »Les Voix« für Sopran u. Klavier (UA beim XIII. Musikfest der Internat. Ges. für Neue Musik in New York 1941); 1942 Beginn der Zusammenarbeit mit  Bertolt Brecht; 1942 – 48 in Los Angeles, dort zunächst Gärtner, später Instrumentator bei Warner Bros.; dann freischaff. Komponist; 1943 Heirat mit  Elisabeth Hauptmann; 1944 – 48 Mitgl. der KP der USA; April 1945 – 50 amerik. Staatsbürgerschaft; 1948 im Univ.-Theater Minnesota Aufführung der Bühnenmusik »Der gute Mensch von Sezuan« unter Dimitri Mitropoulos. Juli 1948 Rückkehr nach Dtl.; freischaff. Komponist in Stuttgart; 1948 Übersiedl. nach Berlin (SBZ), freischaff.; Nov. 1948 SED; 1951 Gründungsmitgl. des VdK; 1952 Ord. Mitgl., 1959 Vizepräs. der DAK; 1953 NP; 1954 Heirat mit  Ruth Berghaus; 1956 NP; 1959 Prof.; Jan. 1962 Mitbegr. u. Präs.-Mitgl. der Dt.-Frz. Ges.; Mitgl. der AdK Berlin (West), 1968 Austritt; 1964 VVO; 1965 NP; 1969 KMO; 1974 NP u. Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die KMU Leipzig; 1979 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Königs Wusterhausen. Komponierte sinfon. Musik, »Bach-Variationen für großes Orchester« (1963); viele Lieder wie »Die Thälmannkolonne«, »Aufbaulied der FDJ«; Kantaten wie »Dt. Miserere« (1966); Filmmusik, u. a. zu »Das russ. Wunder«; Opern: »Die Verurteilung des Lukullus« (1951), »Puntila« (1966), »Lanzelot« (1969), »Einstein« (1974); bes. Bühnenmusik, oft zu Stücken von Brecht, wie »Mutter Courage u. ihre Kinder«, »Herr Puntila u. sein Knecht Matti«, »Der gute Mensch von Sezuan«.Der Versuch einer Analyse zu Hanns Eislers Kantate »Die Teppichweber von Kujan-Bulak«. In: Sinn u. Form (Sonderheft). Berlin 1964; Über die Verlagerung der Schwerpunkte. In: Sonderheft der Dt. Staatsoper. Berlin 1964; Musikarbeit in der Schule. Berlin 1968; Notizen zu Noten (Hrsg. F. Hennenberg). Leipzig 1974; Fs. zum 80. Geburtstag von P. D.: Aus Gesprächen. Leipzig 1974; Von Geschichte gezeichnet. Hrsg. von K. Angermann. Hofheim 1995; P. D. 1894 – 1979. Dokumente zu Leben u. Werk. Hrsg. von D. Reinhold. Berlin 1998. Rienäcker, G.: Zu einigen Gestaltungsproblemen im Opernschaffen von P. D. In: Sammelbände zur Musikgesch. der DDR, Bd. 2. Berlin 1971; Hennenberg, F.: P. D.s pol. Chorkantaten 1944 – 1968. In: Sammelbände zur Musikgeschichte der DDR, Bd. 1. Berlin 1969; Hanisch, M.: P. D., der Filmkomponist u. Filmillustrator. In: Dialog 75. Berlin 1976; Hennenberg, F.: P. D. Für Sie porträtiert. Leipzig 1981; Preuß, T.: Brechts »Lukullus« u. seine Vertonung durch P. D. u. Roger Sessions. Würzburg 2005; Tischer, M.: Komponieren für u. wider den Staat: P. D. in der DDR. Weimar 2009.Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dettmann, Friedrich

* 15.7.1897 – ✝ 6.5.1970

Geboren am 15. Juli 1897 in Hamburg, Sohn eines Krankenpflegers und SPD-Aktivisten. Lehre als Kunst- und Bauschlosser. 1911 Mitglied der Arbeiterjugend. Ende 1915 zum Militärdienst, Fronteinsatz, Verwundung, anschließend Arbeit auf der Germania-Werft in Kiel. Im Dezember 1916 erneut an die Front nach Frankreich, geriet Dettmann als Unteroffizier im Oktober 1917 in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er Ende September 1919 nach Hamburg zurückkehrte. Hier schloß er sich der USPD an und wurde 1920 Mitglied des Ortsvorstandes der VKPD. Von 1924 bis 1933 Mitglied der BL Wasserkante, Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«. Von Oktober 1924 bis 1933 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Ab 1929 Leiter des Norddeutschen Arbeiterschutzbundes, der Nachfolgeorganisation des verbotenen RFB. Dettmann war von 1925 bis 1930 Angestellter der Wohlfahrtsbehörde der Stadt Hamburg, dann bis Anfang 1933 Abteilungsleiter bei der sowjetischen Handelsvertretung. Im Oktober 1933 emigrierte er nach Dänemark. Hier Instrukteur bei den dänischen Organisationen »Ikor« und »Sowjet-Venner«. Am 10. März 1934 in Kopenhagen verhaftet und in die Sowjetunion ausgewiesen, dort war er bis August 1934 Referent im Mitteleuropa-Büro der Komintern. Anschließend illegale Rückkehr nach Deutschland und Leiter des KPD-Bezirks Leipzig. Im Januar 1935 verhaftet, am 3. März 1936 vom VGH zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1945 aus dem Zuchthaus Waldheim durch die Rote Armee befreit, kehrte Dettmann im Juni nach Hamburg zurück und wurde im November 1945 Vorsitzender der KPD Wasserkante. Am 20. August 1945 unterschrieb er eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit der SPD und Schaffung einer »Sozialistischen Partei«. Dettmann war vom 9. November 1945 bis Juli 1948 Senator der Gesundheitsbehörde in Hamburg, dann dort bis Februar 1951 Mitglied des Sekretariats der KPD. Von 1946 bis 1951 gehörte er auch der Hamburger Bürgerschaft an. Im Zuge der erneuten Stalinisierung der westdeutschen KPD als Sekretär der Landesleitung abgesetzt, mußte Dettmann auf Parteibeschluß 1951 in die DDR übersiedeln, wo er untergeordnete Funktionen ausübte. Er war von 1952 bis 1954 Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium der Landesregierung Mecklenburg, anschließend Unterabteilungsleiter beim Rat des Bezirkes Neubrandenburg. 1954 erhielt Dettmann eine »strenge Rüge« und ein Jahr Funktionsentzug wegen »parteischädigenden Verhaltens«. Zur »Bewährung« Bevollmächtigter der MTS Lüssow. Ab 1956 stellvertretender Vorsitzender des Rates des Kreises Stralsund, dort wurde er 1959 Sekretär der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft. 1967 erhielt er den VVO in Gold. Friedrich Dettmann starb am 6.Mai 1970 in Stralsund.

Wer war wer in DDR

Deubel, Fritz Hugo Franz

* 9.9.1898 – ✝ 16.12.1966

Geb. in Weilar (Rhön); Gymnasium Ilmenau u. Eisenach; 1915 – 17 Kriegsdienst; 1917 / 22 Stud. der Geol. u. Naturwiss. an den Univ. Halle u. Jena; 1922 – 24 Ass. im Paläontolog. Inst. der Univ. Greifswald; 1924 – 34 Landesgeologe von Thür.; ab 1934 Dir. der Thür. geolog. Landesuntersuchung; 1936 Lehrbeauftragter u. 1937 Honorarprof. für Angew. Geol. an der Univ. Jena. 1945 Ltr. der Geolog. Landesanstalt Thür.; 1949 ord. Prof. an der Univ. Jena, ab 1952 an der HU Berlin; 1953 ord. Mitgl. der AdW zu Berlin; 1954 – 56 erster Vors. der Geolog. Gesell. in der DDR; 1956 Ltr. des Geotekton. Inst. der DAW in Berlin u. Jena; 1957 Mitgl. der Sächs. AdW zu Leipzig; 1952 NP; 1958 Humboldt-Med. der DAW; Ehrenmitgl. der Tschechoslowak. Gesell. für Mineralogie u. Geol. Forschungsschwerpunkte: Regionale Geologie, Angew. Geol., Geolog. Kartierung.Geolog. Karte von Preußen u. benachbarten dt. Ländern. Berlin 1929; Geolog. Grundlagen für die Bildung von Erdöllagerstätten im mitteldt. Zechstein. 1933; Geolog. Übersichtskarte von Thüringen. Gotha 1942; Zur Frage der unterird. Abwässerversenkung in der Kali-Ind. Berlin 1954; Das Untere Perm in Thür. u. angrenzenden Gebieten. Jena 1959; Über die Grenze Vorpaläozoikum / Paläozoikum in Böhmen u. Thür. Berlin 1959. Wiefel, H.: Biobibliograph. Daten über Geowissenschaftler u. Sammler, die in Thüringen tätig waren. In: Geowiss. Mitteilungen von Thüringen, Beiheft 6, Weimar 1997; Zur Erinnerung an F. H. F. D. In: Berichte der dt. Gesell. für geolog. Wiss., Serie A, Berlin 1967.Martin Guntau

Wer war wer in DDR

Dewey, Charles

* 3.12.1916 – ✝ 27.12.1973

Geb. in Berlin-Steglitz; Vater Redakteur; bis 1935 Reformrealgymnasium, Abitur; Ausbildung zum Bankkfm.; 1938 RAD u. anschl. Wehrmacht (Funkaufklärer), Ofw.; April 1945 versuchte Desertion, Festnahme durch Feldgendarmerie, 28.4.1945 Flucht aus der Strafkompanie. 1945/46 Angest. im Finanzamt Berlin-Pankow; 1945/46 KPD/SED; ab März 1946 Berufung zum Gen.-Ref. u. Ltr. der Personalabt. der Gen.-Steuer-Direktion des Magistrats von Berlin, zeitw. auch Kommissionsmitgl. zur Abwicklung dt. Banken; 1946 Mitbegr. u. Teilnehmer am 1. Lehrgang der Finanzschule des Berliner Magistrats; 1947 HA-Ltr. in der Dt. Treuhandverw.; 1947/48 Oberref. für Personalfragen u. Verw. bei der DWK; 1948 Mitbegr. der Dt. Emmissions- u. Girobank, 1948 – 56 Mitgl. des Direktoriums der Dt. Notenbank; zeitw. auch Doz. an der HU Berlin u. an SED-Parteischulen; ab 1952 Aspirantur, Sept. 1955 Prom. zum Dr. rer. oec. an der Univ. Rostock; 1954 Kand., 1958 – 73 Mitgl. der ZRK der SED; ab 1.4.1956 – 63 Präs. der Dt. Investitionsbank; April – Dez. 1963 kommissar. GD, 1964 – 73 GD der Geschenkdienst GmbH (Genex) Berlin; 1966 u. 1973 VVO.Zur Planung u. Regulierung des Bargeldumlaufs; Bankensystem u. Geldumlauf in der DDR 1945 – 55 (zus. mit G. Kohlmey). Berlin 1956.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dieckmann, Friedrich

* 25.5.1937

Geb. Landsberg (Warthe, Ostbrandenb./Gorzów Wielkopolski, Polen), aufgewachsen in Dresden u. in Birkenwerder (b. Berlin); Vater Politiker  Johannes D.; Abitur, Studium der Germanistik, Philos. u. Physik in Leipzig; ab 1963 zunächst freischaffend; 1968 LDPD; 1972 PEN-Zentrum DDR; 1972 – 76 Dramaturg am BE; 1975 Silberne Medaille der Prager Quadriennale; seit 1976 freier Schriftsteller, Essayist u. Kritiker; 1983 Heinrich-Mann-Preis, 1983 Internat. Kritikerpreis der Stadt Venedig; 1989 – 90 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin (West). 1993 Bundesverdienstkreuz; 1994 – 2000 Sprecher der Dt. Literaturkonferenz e. V.; 2001 Johann-Heinrich-Merck-Preis für literar. Kritik u. Essay der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt; 2004 Ehrendoktor der HU Berlin; Mitgl. der Freien Akad. der Künste zu Leipzig, der AdK, der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt, des PEN; 1996 – 2005 Vizepräs. der Sächs. AdK; Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; Mitgl. im Willy-Brandt-Kreis; lebt in Berlin-Treptow.Karl von Appens Bühnenbilder am Berliner Ensemble. Berlin 1971; Streifzüge. Aufsätze u. Kritiken. Berlin 1977; Orpheus, eingeweiht. Erzählung. Berlin 1983; Hilfsmittel wider die alternde Zeit. Essays u. Kritiken. Leipzig 1990; Die Geschichte Don Giovannis. Werdegang eines erot. Anarchisten. Frankfurt (Main). 1992; Was ist deutsch? Eine Nationalerkundung. Frankfurt (Main). 2003; Wer war Brecht. Erkundungen u. Erörterungen. Berlin 2003; »Diesen Kuss der ganzen Welt.« Der junge Mann Schiller. Frankfurt (Main). 2005; Geglückte Balance. Auf Goethe blickend. Frankfurt (Main) 2008; Dt. Daten oder der lange Weg zum Frieden: 1945 – 1949 – 1953 – 1961 – 1989. Göttingen 2009.Matthias Braun / Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Diedrichs, Johann

* 28.12.1893 – ✝ 5.3.1951

Geboren am 28. Dezember 1893 in Grünberg/ Schlesien, Sohn eines SPD-Funktionärs. Gelernter Maschinenschlosser. 1913 Mitglied der SPD, wurde im Weltkrieg Soldat und 1918 Mitglied des Soldatenrats. 1919 Übertritt zur KPD. Als Schlosser in Oberschlesien beschäftigt, bis 1924 Funktionär in Gleiwitz. Diedrichs stand auf dem linken Parteiflügel, gehörte der BL Oberschlesien an und war von 1924 bis 1926 Orgleiter des Bezirks, anschließend Parteisekretär in Gleiwitz, wo er auch Stadtverordneter war. 1929 Übersiedlung nach Köln, dort als Steuer- und Rechtsberater tätig. Mitglied der KPD-Leitung in Köln sowie Funktionär der RGO. 1933 wegen illegaler Tätigkeit für die KPD verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Von 1934 bis 1938 als Schlosser beschäftigt, lebte der schwer lungenkranke Diedrichs dann von seiner Rente. Nach 1945 beteiligte er sich am Neuaufbau der KPD, bis zu seinem Tod war er Parteisekretär in Köln-Höhenhaus. Johann Diedrichs starb am 5. März 1951 in Köln.

dissidenten.eu

Dienstbier, Jiří

* 1937 – ✝ 2011

Radiojournalist und Sprecher der *Charta 77. Erster nichtkommunistischer Außenminister der Tschechoslowakei Jiří Dienstbier wurde 1937 in Kladno geboren. Er studierte an der philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag Bohemistik und Journalismus. 1958 trat er in die Kommunistische Partei ein und begann, in der Redaktion des Auslandsradios der Tschechoslowakei zu arbeiten. Während der Kubakrise im Oktober 1962 gehörte er zu einer Gruppe von Journalisten, die sich das Recht erkämpften, für ihre Sendungen Informationen westlicher Nachrichtenagenturen verwenden zu dürfen. 1967 gab Dienstbier das Buch „Die Nacht begann um drei Uhr morgens“ (Noc začala ve tři ráno) mit Reportagen aus Indonesien heraus. In den 60er Jahren gehörte Dienstbier zu den Intellektuellen, die sich für einen demokratischen Wandel in Medien, Kultur und gesellschaftlichen Organisationen einsetzten. In den ersten Tagen des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei zur Niederschlagung des *Prager Frühlings beteiligte er sich an Radiosendungen, die von konspirativen Studios an verschiedenen Orten in Prag aus die Besetzung der Tschechoslowakei kritisierten.Im Herbst 1968 ging er als Korrespondent in die USA. Als der spätere langjährige Außenminister Bohuslav Chňoupek Dienstbiers Vorgesetzter wurde, wurde er im November 1968 zur Rückkehr in die Tschechoslowakei gezwungen. Kurz danach wurde er zusammen mit Karl Kuncl und anderen beim Rundfunk entlassen und sowohl aus dem Tschechoslowakischen Journalistenverband als auch aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Sein Reisepass wurde eingezogen und es ihm selbst jede Form von publizistischer und öffentlicher Tätigkeit für die nächsten zwanzig Jahre unmöglich gemacht. Dienstbier arbeitete daraufhin von 1970 bis 1979 als Archivar bei der Prager Bauverwaltung. Ende 1976 gehörte er zu den ersten Unterzeichnern der Erklärung der *Charta 77 und gründete ein Jahr später er die außenpolitische Untergrundzeitschrift „Čtverec“ (Quadrat), von der insgesamt vier Ausgaben erschienen. Dienstbier war einer der 17 Gründungsmitglieder des *Komitees der zu Unrecht Verfolgten (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných; VONS), das sich am 27. April 1978 konstituierte. Ende der 70er Jahre schrieb er auch Theaterstücke: „Das Weihnachtsgeschenk“ (Vánoční dárek) erschien 1978 im Untergrundverlag *Edice Petlice (Edition Türriegel) und „Der Wettbewerb“ (Kontest) sowie „Die Gäste“ (Hosté) ebenfalls im Samisdat 1980 in der Edition *Expedice (Expedition). Ab Februar 1979 war Jiří Dienstbier gemeinsam mit Václav Benda und Zdena Tominová Sprecher der *Charta 77. Am 29. Mai 1979 wurde er zusammen mit neun Mitgliedern des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten verhaftet und wegen „staatsfeindlicher Tätigkeiten“ angeklagt. Am 23. Oktober 1979 verurteilte das Prager Stadtgericht Petr Uhl zu fünf Jahren Haft, Václav Havel zu viereinhalb Jahren, Otka Bednářová und Jiří Dienstbier zu je drei Jahren Haft. Dana Němcová erhielt eine zweijährige Haftstrafe, die aber für fünf Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Die sogenannte „staatsfeindliche Tätigkeit“ dieser Gruppe habe darin bestanden, dass sie „Material verfasst, vervielfältigt und in großem Maßstab auf dem Gebiet der Tschechoslowakei und im Ausland verteilt haben, das das Gericht für schädlich befindet.“ Das bezog sich hauptsächlich auf die Informationen, die in den Mitteilungen des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten verbreitet worden waren. Im Dezember bestätigte das Oberste Gericht das Urteil und Jiří Dienstbier kam zunächst in das Gefängnis in Ostrava-Heřmanice, wo er im Wechsel mit Václav Havel an einer Stahlschneidemaschine arbeitete. Später wurde er in das Bory-Gefängnis in Pilsen verlegt, wo er in der Buchbinderei tätig war. Vor seiner Entlassung im Mai 1982 gaben ihm Offiziere des Staatssicherheitsdienstes seinen Reisepass zurück und machten ihm das Angebot, ins Ausland zu reisen, was Dienstbier jedoch ablehnte. In Freiheit bemühte er sich daraufhin neun Monate lang vergeblich, eine Arbeit zu finden. Erst im Februar 1983 gelang es ihm, eine Anstellung als Nachtwächter zu erhalten. Ein Jahr später wurde er als Heizer eingestellt, als der er bis 1989 arbeitete. Im Januar 1985 übernahm Dienstbier erneut das Amt des Sprechers der *Charta 77, dieses Mal zusammen mit Eva Kantůrková und Petruška Šustrová. Er veröffentlichte Artikel und Kommentare in internationalen und Exilzeitschriften und gab die in unregelmäßigen Abständen erscheinende Zeitschrift „Komentáře“ (Kommentare) zur Außenpolitik heraus. 1986 publizierte er das Buch „Träume von Europa“ (Snění o Evropě) im Samisdat. Zwei Jahre später publizierte er ebenfalls im Untergrund gemeinsam mit Karl Lánský den Band „Radio gegen die Panzer“ (Rozhlas proti tankům) über die Rundfunksendungen im August 1968. Ab Januar 1988 war Dienstbier Mitglied und später Leiter des Redaktionsrats der Samisdat-Zeitung *„Lidové noviny“ (Volkszeitung). Er war außerdem Mitglied des Kreises der *Tschechoslowakisch-polnischen Solidarität (Československo-polská solidarita) und der *Bewegung für Bürgerfreiheit (Hnutí za občanskou svobodu; HOS). Während der *Samtenen Revolution war Dienstbier im *Bürgerforum (Občanské fórum; OF) aktiv. Im Namen des Prager Koordinationszentrums des Forums sprach er auf der ersten großen Demonstration in Bratislava. Später wurde er Sprecher des OF und organisierte die täglichen Pressekonferenzen im Theater „Laterna magica“ in Prag, wo sich das Koordinationszentrum befand. Am 10. Dezember 1989 wurde Dienstbier tschechoslowakischer Außenministers in der Regierung der Nationalen Einheit. In den ersten freien Wahlen im Juni 1990 wurde er als Vertreter des *Bürgerforums in die Volkskammer der Föderalversammlung gewählt. Nach dem Zerfall des *Bürgerforums Ende Februar 1991 wurde er zum Vorsitzenden der Nachfolgepartei Bürgerbewegung (Občanské hnutí; OH) gewählt. Außenminister und Parlamentsabgeordneter blieb er bis zu den nächsten Wahlen im Juni 1992, bei denen die Bürgerbewegung eine Wahlniederlage erlebte. Nach 1992 war Dienstbier Mitglied verschiedener UN-Kommissionen, zeitweise Mitglied des Prager Stadtrates, er unterrichtete Ende der 90er Jahre an amerikanischen Universitäten und arbeitete von 1998 bis 2001 als Sonderbeauftragter der Menschenrechtskommission der UNO im ehemaligen Jugoslawien. Jiří Dienstbier starb nach langer Krankheit 2011 in Prag.Luboš Veselý Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Diestel, Peter-Michael

* 14.2.1952

Geb. in Prora (Rügen); Vater NVA-Offizier; EOS, 1972 Abitur mit Berufsausbildung; danach Schwimmlehrer, Bademstr., Facharb. für Rinderzucht; 1974 – 78 Jurastudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Jur.; aus pol. Gründen nicht als Rechtsanwalt zugelassen, 1978 – 89 Ltr. der Rechtsabt. der Agrar-Industrie-Vereinigung Delitzsch; 1986 Prom. zum Dr. jur. mit einer Diss. über LPG-Recht; Dez. 1989 Mitbegr. der Christl.-Sozialen Partei Dtl. (CSPD) u. Jan. 1990 der Dt. Sozialen Union (DSU) in Leipzig; Jan. – Juni 1990 DSU-Gen.-Sekr.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, April – Okt. 1990 stellv. Min.-Präs. u. Min. des Innern (Nachf. von  Lothar Ahrendt); Zulassung als Rechtsanwalt; Juni 1990 Austritt aus der DSU wegen deren »Rechtsrucks«, Aug. 1990 Aufnahme in die CDU. Okt. 1990 – 94 Abg. des Brandenb. Landtags, dort bis 8.5.1992 Vors. der CDU-Fraktion; Mitinitiator des »Komitees für Gerechtigkeit«, regte den Untersuchungsaussch. zu  Manfred Stolpe an; April 1992 Vors. des Verfassungsaussch.; ab 1993 Anwaltskanzlei in Potsdam, weitere Niederlassungen u. a. in Berlin u. Leipzig; 1994 – 97 Präs. des Fußballclubs FC Hansa Rostock; 2001 aufgrund des Erwerbs einer Villa unter dem Marktpreis im Jahre 1990 wegen Untreue gerichtl. verwarnt, Spende von 20.000 DM.D wie Diestel. Bonn 1990 (hrsg. von D. Mechtel); Ein Plädoyer. In: Grimmer, R., Irmler, W., Opitz, W., Schwanitz, W.: Die Sicherheit. Bd. 1. Berlin 2002. Schütt, H.-D. (Hrsg.): Rebellion tut gut. Berlin 1992.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dietrich, Friedrich

* 16.7.1903 – ✝ 16.9.1978

Geboren am 16. Juli 1903 in Wien, Kind eines Drechslers. 1905 Übersiedlung der Eltern (Gründung eines eigenen Betriebes) nach Berlin. 1910 starb der Vater; Ausbildung zum Marmorschleifer, er mußte diesen Beruf wegen einer Staublunge aufgeben, wurde für den Bürodienst umgeschult. Von 1921 bis 1923 Mitglied der KAPD, ab 1924 der KPD und des RFB. Bis 1929 offiziell Angestellter bei der RFB-Bundesführung, reiste als Kurier nach Südosteuropa und gehörte dem AM-Apparat an. Zunächst Leiter des BB-Ressorts für den Bezirk Berlin-Brandenburg, dann stellvertretender Reichsleiter für das BB-Ressort. 1932 unter dem Namen Sorge Kursant an der M-Schule in Moskau, koordinierte Dietrich die BB-Arbeit im mitteldeutschen Raum. Am 27.Oktober 1933 in Leipzig festgenommen und am 6.Mai 1935 vom VGH zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau und in Brandenburg-Görden verbüßte. Ab November 1941 Häftling im Hausgefängnis der Gestapo in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße, im Februar 1943 entlassen. Er konnte mit seiner Frau Else Welsing, geschiedene Köhler, nach Österreich (»Ostmark«) übersiedeln und fand Anstellung in einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Bei Kriegsende in der Steiermark, 1945 Mitglied der KPÖ und Direktor des Volksverlages, ab 1947 im Dienst der Landesregierung Steiermark, wurde er 1963 aus gesundheitlichen Gründen pensioniert. Friedrich Dietrich starb am 16. September 1978 in Sankt Radegund bei Graz.

Wer war wer in DDR

Dietrich, Heinz

* 28.1.1927 – ✝ 11.11.2014

Geb. in Neudorf, Krs. Reichenbach (Schles. / Nowa Wieś Niemczańska, Polen), aufgew. in Peterswaldau / Eulengeb. (Pieszyce, Polen); 1941 – 44 Bäckerlehre; anschl. RAD; 7.1.1945 Wehrmacht (Oderfront); danach Einsatz als Bäcker in Strausberg; Ende April 1945 Verwundung in Berlin-Marienfelde. DRK-Helfer im Lazarett in Schwerin; danach bis 1948 Bäcker bei der Görlitzer Konsum-Genossenschaft; 1948 SED; 1949 SED-Parteischule; 1950 – 52 Ltr. des Kreissportaussch. Görlitz; 1952 Ltr. der SV Traktor in Sachsen; 1952 – 54 Vors. des Bezirkskomitees für Körperkultur u. Sport Leipzig; 1954 Org.-Ltr. des I. Dt. Turn- u. Sportfestes; danach bis 1958 Abt.-Ltr. Motorrenn- u. Radsport im Staatl. Komitee für Körperkultur u. Sport; 1958 – 69 Generalsekr. des DDR-Radsportverb.; 1955 – 92 Hauptltr. der Internat. Friedensfahrt (1955 auch Teamchef der DDR-Mannschaft); 1969 – 90 Generalsekr. der Gesell. zur Förderung des olymp. Gedankens; 1965 – 91 Vizepräs. der Techn. Kommission des Internat. Amateur-Radsportverb. (FIAC), Techn. Delegierter b. Olymp. Spielen 1980 – 92; 1966 – 99 Antidoping-Kommissär des Radsport-Weltverb. UCI. 1991 Mitbegr. des Friedensfahrt-Kuratoriums; 1960 Verdienter Meister des Sports, 1960 u. 1963 VVO, UCI-Ehrenmed. mit Diamanten; gest. in Berlin.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Demuth, Franz

* 14.2.1895 – ✝ 19.8.1971

Geboren am 14. Februar 1895 in Hamburg, Sohn eines Kürschners; kaufmännische Lehre, Handelsreisender. 1912 Mitglied der SPD. Von 1916 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. 1917 der USPD beigetreten, gehörte dem Spartakusbund und ab 1919 der KPD an. Im November 1918 wurde er Stenograph in der Presseabteilung des Hamburger Arbeiter- und Soldatenrates und persönlicher Sekretär von Heinrich Laufenberg. Von 1921 bis 1923 Redaktionssekretär in Hamburg, anschließend in der Orgabteilung der KPD-Zentrale in Berlin, dann von 1925 bis 1929 Sekretär der KPD-Reichstagsfraktion. Demuth war 1929 Sekretär der Kommunalpolitischen Abteilung des ZK und übernahm im gleichen Jahr die Leitung der Universum-Bücherei, 1932/33 Sekretär der Geschäftsleitung des Kosmos-Verlages. Von März bis Oktober 1933 war Demuth im KZ Sonnenburg inhaftiert. Er begann danach mit dem Aufbau eines Kaffeevertriebssystems und arbeitete mit seiner Frau Else Demuth (* 9. 10. 1893 – †23. 7. 1987), seit 1919 Mitglied der KPD, in der Widerstandsgruppe um Anton Saefkow. Demuth wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen und war als Feldwebel in einer Berliner Dienststelle tätig, von Mai bis Juli 1945 noch in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Er leitete dann bis 1952 das Büro des Präsidenten der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft, Edwin Hoernle, bzw. war dort Leiter der Schulungsabteilung, dann bis 1958 im Druckerei- und Verlagskontor bzw. in der Direktion des Berliner Verlages. Von 1958 bis 1967 gehörte er der ZRK der SED an und erhielt 1970 den VVO in Gold. Franz Demuth starb am 19. August 1971 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Dersch, Hermann

* 19.3.1883 – ✝ 14.6.1961

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; 1889 – 96 Realschule, ab 1897 Gymnasium in Darmstadt, dort 1901 Abitur; 1901 – 04 Jurastudium in Heidelberg u. Gießen, 1904 – 07 Assessorausbildung, 1907 zweites Staatsexamen; anschl. Rechtsanwalt u. Notar in Darmstadt; 1909 – 23 Amtsrichter in Offenbach u. Darmstadt; 1923 – 33 Abt.-Ltr. im Reichsversicherungsamt; 1928 außerord. Prof., 1931 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Arbeitsrecht u. Sozialversicherung an der Univ. Berlin, 1937 wg. »nichtarischer Herkunft« Versetzung in den Ruhestand. 1945 Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit als ord. Professor für Arbeitsrecht, Sozialversicherung u. Bürgerl. Recht; zunächst Prorektor, 1947 / 48 Rektor der Berliner Univ. (Nachf. von  Johannes Stroux), 1949 Dekan der Jurist. Fak.; gest. in Berlin. Spezialist für Arbeits- u. Sozialrecht, Verfasser von Lehrbüchern u. Kommentaren zu Gesetzen auf diesem Gebiet. Grundriß der Rentenversicherung. 1952.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Deter, Adolf (Gustav-Adolf)

* 23.6.1900 – ✝ 14.11.1969

Geb. in Czarnikau (Westpr./Czarnków, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule in Berlin; 1914 – 18 Lagerarb.; Ausbildung zum Schlosser; 1916 Transportarbeiterverb., Jugend-Vertrauensmann; 1918 Militärdienst; Teiln. an der Nov.-Rev.; 1918 USPD; 1918/19 Mitgl. der Rep. Soldatenwehr; 1919 – 22 Maschinenarb. bei der Berliner Straßenbahn; 1920 KPD; versch. Tätigkeiten; 1924 Vors. des Betriebsrats u. Ltr. der KPD-Zelle bei der Berliner Hoch- u. U-Bahn; 1925 Stadtverordn.; 1925 – 29 Mitgl. der Ortsverw. des Dt. Verkehrs-Bunds, ausgeschl.; 1926 Mitgl. der KPD-BL Berlin-Brandenb.; 1928 – 33 Abg. des Preuß. Landtags; gehörte 1928 zur »Versöhnler«-Gruppe in der KPD; 1929 Sekr. der KPD-UB-Ltg. Frankfurt (Oder), ab 1930 Bez.-Ltr. der RGO Hamburg, Org. von Streiks der Seeleute u. Hafenarbeiter; ab 1931 KPD-Org.-Sekr. des Bez. Wasserkante; 1932 organisierte er im KPD-Auftrag zus. mit der NSDAP den Berliner Verkehrsstreik; 1933 illeg. pol. Arbeit, ab Mai 1933 Mitgl. der RGO-Reichsltg. (»Walther Kother«); Herbst 1933 Emigr. nach Dänemark; 1933/34 RGI-Bez.-Sekr. in Kopenhagen; 1933 – 37 Mitgl. der KPD-Ltg. in Dänemark; 1934 Mitgl. des Sekr. u. Sekr. der Internat. der Seeleute u. Hafenarbeiter (ISH) in Kopenhagen, dann 1934 – 36 in Antwer- pen; 1935 Mitgl. Kontrollkommission des ZK der KPD; 1936 – 38 Bez.-Sekr. des ISH in Paris, der vermutl. wichtigsten KI-Außenstel- le (»Maurice«, »André«, »A. André«, »R. André«); 1937 Mitgl. der Koord.-Aussch. dt. Gewerkschafter; 1939 Teilnehmer der »Berner Konferenz« der KPD; 1939 – 41 Haft in frz. Internierungslagern, u. a. in Le Vernet; Mai 1941 auf dem Weg nach Mexiko in New York (Ellis Island) festgehalten; 1941 USA, interniert; Mitarb. der Ztg. »The German American«; 1941 – 46 Dreher in New York. Okt. – Dez. 1946 über Odessa u. Moskau Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. des SED-LV Groß-Berlin, 1947 Sekr., 1948/49 2. Vors.; 1947 – 50 Mitgl. des SED-PV; seit 1947 Mitgl., 1949 – 51 1. Vors. des FDGB-LV Groß-Berlin (Nachf. von  Roman Chwalek); 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 54 Kand. des ZK der SED; 1951 – 54 Sekr. des FDGB-BV, verantw. für Sozialpol.; Vors. des ZR der Sozialversicherung; wurde wg. verständnisvoller Äußerungen für die Aufständischen vom Juni 1953 von  Walter Ulbricht scharf kritisiert (»kapitulantenhaftes Verhalten«) u. nicht wieder ins ZK gewählt; Mai 1954 Ablösung als Sekretariatsmitgl. des FDGB; 1954 – 62 Mitarb., 1958 – 65 Sekr. des Aussch. für Dt. Einheit (Nachf. von  Wilhelm Girnus); 1958 Spitzenkand. der SED für das Abg.-Haus Berlin (West); 1960 Banner der Arbeit; 1962 Rentner; seit 1963 Mitgl. des Friedensrats der DDR; seit 1964 Vizepräs. der Ges. Neue Heimat zur Pflege der dt. Sprache u. Kultur im Ausland in der Liga für Völkerfreundschaft; Mithrsg. der Ztschr. »Gewerkschaftseinheit«; 1965 VVO, Carl-von-Ossietzky-Medaille; gest. in Berlin.Das neue China u. die chines. Gewerkschaften. Berlin 1954. Regler, G.: Das Ohr des Malchus. Köln, Berlin 1958; Hochmuth, U., Meyer, G.: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. Frankfurt (Main) 1980; Langkau-Alex, U.: Dt. Volksfront 1932 – 1939. 3 Bde. Berlin 2004, 2005.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dettmann, Fritz

* 22.8.1921 – ✝ 4.11.1972

Geb. in Kummerow, Vater Maurer u. Schrankenwärter; Volks- u. Berufsschule, Lehre als Maschinenschlosser; 1941 – 45 Wehrmacht, Ltn. u. Bat.-Adjudant, 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Brigadier im Straßenbau, Antifa-Schule im Lager 7399. Dez. 1949 Rückkehr in die DDR; 1950 Schlosser bzw. Arbeitsvorbereiter auf der Volkswerft Stralsund; FDJ; 1950 – 53 Studium an der Ingenieurschule Wismar, Abschluß als Ing. für Schiffsmaschinenbau; 1953 – 57 Konstrukteur; 1955 SED; 1957 – 60 Hauptkonstrukteur im VEB Schiffswerft Stralsund, 1960 – 66 dort Dir. für Technik, 1966 Dir. für Technik der VVB Schiffsbau Rostock, 1967 – 72 GD der VVB Hochseefischerei; bei einem Flugzeugunglück in Bulgarien tödl. verunglückt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Deuscher, Karl

* 13.9.1917 – ✝ 17.9.1993

Geb. in Betzingen (Krs. Reutlingen); Vater Bäcker u. Bauarbeiter, Mutter Landarbeiterin; Volksschule; 1932 – 35 Lehre als Bau- u. Möbeltischler in Reutlingen; 1935 – 38 als Landarbeiter u. Strecken- bzw. Rangierarbeiter bei der DR; 1938 / 39 RAD; 1939 – 45 Wehrmacht; Mai 1945 Internierung im amerikan. Sammellager in Regensburg. 1945 – 49 Streckenarbeiter bei der DR in Ludwigslust u. Wittenberg; 1946 SPD / SED; 1949 / 50 Instrukteur der SED-LL Mecklenburg; 1950 / 51 Studium an der PHS »Karl Marx«, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1951 – 61 1. Sekr. der SED-KL Rostock-Stadt; 1961 – 69 Vors. des Rats des Bez. Rostock (Nachf. von  Harry Tisch); 1969 – 84 Vors. der BPKK der SED-BL Rostock; anschl. Vors. der Kommission zur Betreuung von Parteiveteranen der SED-BL Rostock; 1977 VVO in Gold.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Dibelius, Otto

* 15.5.1880 – ✝ 31.1.1967

Geb. in Berlin; Vater Beamter; 1899 – 1904 Studium der Theol. in Berlin, Prom. zum Dr. phil. u. Lic. theol.; 1906 Ordination; 1907 – 25 Pfarrer in Danzig u. Berlin; 1918/19 Geschäftsf. des Vertrauensrats beim preuß. Ev. Oberkirchenrat; ab 1919 tätig in der DNVP; 1925 – 33 Gen.-Superintendent der Kurmark; 21.3.1933 Festpredigt am »Tag von Potsdam«; danach radikale Abwendung vom Nationalsoz.; Juni 1933 beurlaubt durch den NS-Kirchenkommissar, Okt. 1933 in den Ruhestand versetzt; ab 1934 Mitarb. im Bruderrat der Bekennenden Kirche, wiederholt inhaftiert u. mit Auftrittsverboten belegt. 1945 Vors. der Brandenb. u. altpreuß. Kirchenltg., Mitgl. des vorläufigen Rats der EKD u. Mitautor des »Stuttgarter Schuldbekenntnisses«; 1945 – 66 ev. Bischof von Berlin-Brandenb., Vors. der Ostkirchenkonferenz; 1949 – 61 Vors. des Rats der EKD; Mitgl. der CDU in Berlin (West); 7.9.1949 Festpredigt zur Eröffnung des Dt. Bundestags in Bonn; 1954 – 61 einer der Präs. des Weltrats der Kirchen; führte im Namen der ev. Kirchen bis 1956 Verhandlungen mit der DDR-Reg.; anläßl. des Militärseelsorgevertrags zwischen der EKD u. der Bundesreg. ab 1957 Einreiseverbot für die DDR, ab 15.8.1961 auch für Berlin (Ost); 1966 Ruhestand; gest. in Berlin. D. galt als Kritiker der DDR u. ihrer Reg., die er als totalitär einstufte u. deren Legitimität er u. a. in seiner innerkirchl. umstrittenen Schrift »Obrigkeit?« (1959) entschieden in Frage stellte. Die DDR-Führung reagierte mit einer jahrelangen Verleumdungskampagne.Das Jh. der Kirche. Berlin 1926; Friede auf Erden? Berlin 1930; Grenzen des Staates. Berlin 1949; Ein Christ ist immer im Dienst. Stuttgart 1961. Stupperich, R.: O. D. (mit Bibl.). Göttingen 1989; Fritz, H.: O. D. ein Kirchenmann in der Zeit zwischen Monarchie u. Diktatur. Göttingen 1998.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Dieckmann, Götz

* 27.8.1941

Geb. in Reetzerhütte (Krs. Zauch-Belzig); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule, Abitur, 1959 – 61 NVA; 1961 – 66 Studium der Gesch. an der HU Berlin, Dipl.-Historiker; 1962 SED; 1966 – 68 Ass. an der HU Berlin, Prom. zum Dr. phil. bei  Walter Bartel mit der Arbeit »Existenzbedingungen u. Widerstand im Konzentrationslager Dora-Mittelbau unter dem Aspekt der funktionellen Einbeziehung der SS in das System der fasch. Kriegswirtschaft«; Febr. – April 1968 wiss. Mitarb. im Anwaltsbüro von  Friedrich Karl Kaul; ab 1.5.1968 wiss. Mitarb. an der PHS der SED, 1968 – 71 Ass. am Lehrstuhl Geschichte, Oberass.; 1971 – 73 Ltr. der Abt. Ausländerstudium, 1973 – 76 amt. Ltr., 1976 / 77 Ltr. u. stellv. Dir., 1977 – 79 Dir. des Inst. für Ausländerstudium an der PHS; dort 1974 Doz.; 1977 Habil. mit der Schrift »Zur Gesch. der Theorie des wiss. Kommunismus. Die Begründung u. Entw. der Theorie der sozialist. Rev. durch Karl Marx, Friedrich Engels u. Wladimir IIljitsch Lenin bis zur Großen Sozialist. Oktoberrev.«; ab 1.9.1979 Dir. des Wissenschaftsbereichs Gesch. an der PHS; 1979 sechsmonatiger Einsatz als Lektor an der Parteischule der Partei der Arbeit in der VR Kongo; Mitgl. des Präs. der Historiker-Gesell. der DDR; 1984 Prorektor, Nov. 1989 – Juli 1990 letzter Rektor der PHS »Karl Marx« (Nachf. von  Kurt Tiedke). Nach 1990 stellv. Vors. des »RotFuchs«-Fördervereins u. Mitgl. der LAG Buchenwald-Dora.»Liebste Ellen ...« Briefe aus der Nazi-Haft 1933 bis 1944. Berlin 2005 (mit H. Dieckmann u. a.).Andreas Herbst

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Diehl, Ernst

* 8.1.1928 – ✝ 12.4.2004

Geb. in Fürstenwalde (Spree); Vater Gymnasiallehrer; ab 1930 aufgew. in Potsdam; 1934 – 46 Gymn., Abitur; 1938 HJ; 1944/45 Teiln. am Volkssturm in Potsdam. Mai 1946 SED; Juli – Sept. Mitgl. des FDJ-LV Brandenb., Pressereferent; 1946 – 51 Studium der Geschichte an der Univ. Berlin; 1947 u. 1949 Lehrgänge an der LPS bzw. PHS der SED; 1948 – 51 Mitgl. der SED-Univ.-Parteiltg.; 1952 – 57 tätig in der Abt. Prop. u. Wiss. des ZK der SED, ab 1955 als stv. Ltr. der Abt.; 1957 – 62 stellv., 1962 – 64 Lehrstuhlltr. für Geschichte der dt. Arbeiterbew. am IfG; 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED, Juli 1964 – Dez. 1989 stellv. Dir. des IML, Ltr. der Abt. Geschichte, 1967 Prom. über die Pol. der KPD 1923 am IfG; 1966 NP (Koll.); 1967 Prof. am IML; 1969 – 89 Vors. des Rats für Geschichtswiss.; 1971 Korr., 1973 Ord. Mitgl. der AdW; 1974 u. 1987 Banner der Arbeit; 1977 Präsidiumsmitgl. des Nationalkomitees der Historiker der DDR; 1978 NP; 1985 Dr. h. c. der HU Berlin; 1988 VVO; 1990 Vorruhestand. 1994 Mitgl. der Leibniz-Sozietät; gest. in Berlin. D. war seit den 60er Jahren in ltd. Position an allen großen Gesamtdarstellungen zur neueren dt. Geschichte beteiligt, neben  K. Hager, anfangs R. Dlubek, später  J. Hörnig spielte er eine zentr. wiss.-pol. Rolle bei der Aufrechterhaltung der offiz. Hegemonie der marxist.-leninist. Doktrin in der DDR-Geschichtswiss.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Diepschlag, Ernst

* 20.2.1885 – ✝ 28.12.1953

Geb. in Wengern an der Ruhr; Vater Gutsbesitzer; 1897 – 1902 Realschule Witten; 1902 – 05 Oberrealschule Hagen, Abitur; 1905 – 1911 Stud. der Eisenhüttenkunde an der TH Aachen u. der Bergakad. Berlin, dort 1911 Dipl.-Ing.; 1911 – 14 Betriebsass. im Hüttenwerk Rombach / Lothringen; 1914 – 20 Hochofenbetriebschef auf der Halberger Hütte in Brebach / Saarbrücken; 1920 – 21 Doz. für Technol. u. Hüttenkunde am Polytechnikum in Köthen (Anh.); 1921 – 45 Prof. für Eisenhüttenkunde, ab 1923 auch Gießereikunde, an der TH Breslau, Dir. des Eisenhüttenmännischen Inst. 1945 Flucht aus Breslau, Wahrnehmung einer Professur für Chemie an der Akad. für Technik Chemnitz; ab 1946 Prof. für Eisenhüttenkunde u. Institutsdir. an der Bergakad. Freiberg; 1947 – 49 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Gerhard Grüß); 1949 – 51 Prorektor; 1949 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW; Sept. 1953 em. aus gesundheitl. Gründen; maßgebl. beteiligt am Aufbau der Maxhütte in Unterwellenborn, außerordentl. Gutachtertätigkeiten beim Aufbau des Eisenhüttenkombinates Ost. Arbeitsgebiete: Roheisen-, Gusseisen- u. Stahlerzeugung; mechan. Eigenschaften der erzeugten Werkstoffe, insb. Oberflächenbeschaffenheit von Gussprodukten; über 100 Veröffentlichungen; 13 Patente.Czikel, J.: Nachruf. In: Bergakademie (1954) 2; Neuhof, G.: E. D. (Kurzbiogr.). In: FS 125 Jahre Inst. für Eisen- u. Stahltechnol. an der TU Bergakad. Freiberg. Freiberg 1999.Roland Volkmer

Wer war wer in DDR

Diestelmann, Stefan

* 29.1.1949

Geb. in München; Vater Schauspieler, Kindheit bei der Großmutter in Darmstadt, 1961 Übersiedl. nach Potsdam-Babelsberg, wo der Vater seit 1956 beschäftigt war; 1964 Lehre als Fotograf bei der DEFA, autodidakt. musikal. Ausbildung (Gitarre, Banjo, Mundharmonika, Percussions, Gesang); 1967 Verurteilung zu 10 Monaten Haftstrafe auf Bewährung wegen Fluchtvorbereitung; seit Mitte der 1960er Jahre Beschäftigung mit Blues, Solokonzerte u. Beteiligung an versch. Amateurbands; 1975 – 77 Mitgl. der »Vaih hu Blues Band«; 1977 Gründung der »St. D. Folk Blues Band« (mit Bernd Kleinow, Dietrich Petzold u. Rüdiger Philipp) u. 1978 Veröff. der gleichnamigen LP, u. a. mit »Reichsbahnblues«, Zulassung als Berufsmusiker; gemeinsame Konzerte mit Mike Friedman (1974) u. Memphis Slim (1978, 1979); 1980 LP »Hofmusik« u. a. mit dem Titel »Der Alte u. die Kneipe«; 1981 Teiln. am Folk Blues Festival Poznań (Polen), 1982 Ungarn-Tournee u. Konzert mit Alexis Corner in Bratislava; Komposition von Filmmusiken für DEFA, TV u. Trickfilmstudio Dresden sowie von Hörspielmusiken, kleine musikal. Filmrollen; 1984 MC »Folk, Blues & Boogie« (CD 1990); ab 1979 regionale Auftrittsverbote u. zunehmende Behinderungen; nutzte 1984 die Genehmigung zu einer Westtournee zur Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. 1990 – 91 Tournee durch Ostdtl.; 1996 CD »St. D. Folk Blues Best«, Rückzug ins Privatleben, lebt als Fotograf u. Dokumentarfilmer am Ammersee in Bayern. D. war der prominenteste Repräsentant der Folk-Blues-Szene der DDR, seine erste LP die einzige Amiga-Platte mit internat. Bluesstandards in engl. Sprache.Rauhut, M., Kochan, Th. (Hrsg.): Bye Bye, Lübben City. Bluesfreaks, Tramps u. Hippies in der DDR. Berlin 2004.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dietrich, Paul Reinhold

* 6.11.1889 – ✝ 20.5.1937

(* 1889 – † 1937) Geboren am 6. November 1889 in Groß-Vargula bei Langensalza/Thüringen, Sohn eines Beamten. Nach der Realschule kam er auf ein Lehrerseminar. 1910/11 Militärdienst, danach Volksschullehrer in einem sächsischen Bergarbeiterdorf. 1912 Mitglied der SPD und Korrespondent an SPD-Zeitungen in Nordhausen und Erfurt. Soldat im Weltkrieg, wurde wegen antimilitaristischer Propaganda und Gehorsamsverweigerung inhaftiert. 1918 Mitglied der USPD, 1919 Redakteur der von ihm gegründeten USPD-Zeitung für Langensalza und Mühlhausen. Nach der Vereinigung von USPD und KPD zur VKPD ging Dietrich nach Jena und blieb bis 1923 Chefredakteur des »Gothaer Volksblattes«. Bis 1923 einer der Führer der Thüringer KPD, auf dem VIlI. Parteitag 1923 in die Redaktionskommission gewählt und als Mitglied in den ZA berufen. 1924 wurde er zunächst stellvertretender Chefredakteur und von Ende 1924 bis Ende 1925 Chefredakteur der »Hamburger Volkszeitung« und Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Im Februar 1926 Polleiter des Bezirks Wasserkante und noch im Frühjahr 1926 im ZK-Apparat in Berlin. Auf dem XI. Parteitag 1927 wurde Dietrich als Mitglied ins ZK berufen und im Mai 1928 im Wahlkreis Thüringen in den Reichstag gewählt. Er leitete verschiedene Bezirke an, verfaßte kleinere Schriften und Zeitungsaufsätze und galt als »Federhalter« Ernst Thälmanns. Dietrich schloß sich aber 1928 der Versöhnler-Gruppe an und wurde einer ihrer Wortführer. Beim VI. Weltkongreß der Komintern im Sommer 1928 beratendes Mitglied der deutschen Delegation, arbeitete er nach der Rückkehr in der Redaktion der »Roten Fahne« und im Reichstag. Nach der Wittorf-Affäre gemaßregelt, 1929 nicht mehr ins ZK gewählt, schied er 1930 auch aus dem Reichstag aus. Nach Moskau versetzt, war er im Auftrag der Komintern bis Oktober 1930 in Ägypten tätig. Dort verhaftet und ausgewiesen, kam über Deutschland nach Moskau zurück, wo er Referent der Agitpropabteilung des EKKI wurde. Anschließend im Büro der MOPR bzw. im Büro der Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller, danach Redakteur bei der VAA. Im Dezember 1933 in das Saargebiet entsandt. Dietrich gab hier 1934/35 gemeinsam mit Lex Ende die »Deutsche Volkszeitung« heraus. Er ging nach der Saarabstimmung zunächst nach Paris, Ende April 1935 in die UdSSR. In Moskau wurde gegen ihn eine Untersuchung durchgeführt, da er in Paris Verbindungen zu »parteifeindlichen Elementen« gehabt habe. Während des Verfahrens beauftragt, nach Leningrad zu fahren, um dort an der »Roten Zeitung« zu arbeiten. Dietrich wurde verantwortlicher Sekretär und Leiter der Auslandsabteilung der »Roten Zeitung«. Er erhielt am 20. Mai 1937 noch die sowjetische Staatsbürgerschaft. Am 11.August 1937 vom NKWD verhaftet, wurde Paul Reinhold Dietrich am 29. Oktober 1937 zum Tode verurteilt und am 5. November 1937 in Lewaschowo bei Leningrad erschossen.

Wer war wer in DDR

Dietrich, Helmut

* 23.3.1922 – ✝ 21.4.1986

Geb. in Probstzella; Vater Arbeiter; Volksschule; kaufm. Lehre; 1939 – 41 Angest. der Thüring. Staatsbank; 1941/42 RAD, 1942 – 45 Wehrmacht, Mai – Juli 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 50 Innenltr. der Landeskreditbank Thür. in Gräfenthal; 1946 SED; 1950 – 52 stellv. Filialltr. der Dt. Notenbank in Saalfeld bzw. Arnstadt, 2. Dir. der Landeszentrale Thür. der Dt. Notenbank; 1950 Studium an der Finanzschule Radebeul, Dipl.-Wirtsch.; 1952 – 63 Dir. der Bez.-Direktion der Dt. Notenbank Gera, 1963/64 Präs. der Investitionsbank, 1964 – 67 Präs. (Nachf. von Rolf Wetzel) u. 1967 – 71 Vizepräs. der Dt. Notenbank bzw. der Staatsbank der DDR, 1971 – 77 Präs. der Außenhandelsbank der DDR; 1978 ord. Prof. u. Ltr. der Lehrstuhlgruppe Valutaökonomie/Währungstheorie an der Sektion Wirtschaftswiss. der HU Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Deneke, Marlies

* 23.12.1953

Geb. in Magdeburg; Vater Arbeiter; 1960 – 70 OS; 1967 FDJ, 1970 FDGB; 1970 – 72 Ausbildung zum Wirtschaftskfm.; danach tätig in der Staatl. HO Waren tägl. Bedarf (HO/WtB) Magdeburg, 1977 – 80 stellv. Betriebsdir.; 1979 SED; 1980 Betriebsteildir.; 1980 – 85 Fernstudium an der FS für Ökon. Dresden, Außenstelle Magdeburg, Ökonomin; 1982 – 88 Vors. der BGL, 1988/89 Sekr. der SED-PO der HO/WtB Magdeburg; 8.12.1989 Mitgl. des Präs. des PV der SED-PDS, Ltr. der Kommission Frauen-, Jugendpol. u. Sport; Jan. – März 1990 PDS-Vertreterin am Zentr. Runden Tisch; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; März Mitbegr. der Linken soz. Frauenarbeitsgemeinschaft der PDS »LISA«, Mai 1990 Mitgl. ihres zentr. Koordinierungsrats. Okt. – Dez. 1990 MdB; 26.1. – 14.12.1991 stellv. Vors. der PDS; Mitarb. in der PDS-Bundestagsfraktion; 2002 Austritt aus der PDS; verh. mit  Dietmar Keller.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dertinger, Georg

* 25.12.1902 – ✝ 21.1.1968

Geb. in Berlin-Friedenau; Vater Kfm., Dir. des Kaufhauses Wertheim u. Dir. der Zoo-Gaststätten; 1908 – 16 Vorschule, Realgymn. in Berlin-Lichterfelde u. Berlin-Dahlem; 1916 Freistelle in der Kadettenanstalt Plön (Holstein); 1918 Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde, 1919 – 22 Realgymnasium Berlin-Lichterfelde, Abitur; ab 1922 Studium der Rechtswiss. u. Volkswirtschaft (1924 Exmatr., ohne Abschluß); 1923 Volontär bei der »Magdeburger. Ztg.«, 1925 – 27 Mitarb. in der Red. der Bundesztg. des Frontkämpferbunds »Stahlhelm« in Magdeburg, ab 1927 Berliner Vertreter von dt. Ztgn.; DNVP, enge Kontakte zum »Herrenclub« (Franz von Papen) u. zum »Tat«-Krs. (Hans Zehrer), 1933/34 Begleiter Papens bei den Verhandlungen zwischen dem Dt. Reich u. dem Vatikan um das Konkordat; ab 1934 Mitarb. der Korrespondenz »Dienst aus Dtl.«, ab 1938 deren Hrsg.; 1935 Heirat mit der Architektin Maria Freiin von Neuenstein-Rodeck; Mitarb. bei versch. Provinzztgn. (»Dertinger-Dienst«); 1938 Ablehnung der Chefredakteurstelle beim »Neuen Wiener Tagblatt« wg. gleichzeitiger Forderung nach NSDAP-Eintritt; publiz. u. presseorg. Tätigkeit in Berlin, deshalb 1939 u. 1944 uk-Stellung, 1944 Leitartikler im »Neuen Wiener Tagblatt«; Febr. 1945 Einberufung zum Volkssturm in Berlin, jedoch keine Teiln. an Kämpfen. Juni 1945 Presseref. der CDU-Hauptgeschäftsstelle in Berlin, ab 1945 Agent eines sowj. Nachrichtendienstes (»Georg Kreth«); Jan. 1946 – Okt. 1949 Gen.-Sekr. der CDU in der SBZ, trat in Opp. zu  Ernst Lemmer u.  Jakob Kaiser; 1946/47 Mitgl. des Verfassungsaussch. beim PV der CDU, 1947/48 des CDU-Koordinierungsaussch.; 1948/49 Mitgl. der DWK u. des Dt. Volksrats, Reisen nach Moskau; 1949 – 53 Abg. der (Prov.) Volkskammer, Min. für Ausw. Angelegenh., Mitgl. des Pol. Aussch. des CDU-HV; 1949 – 53 Präsidialrat des KB; unterzeichnete am 6.7.1950 das Abkommen mit Polen zur Oder-Neiße-Grenze; 1952 stellv. Vors. der CDU; Jan. 1953 poln. Kommandeurskreuz mit Stern des Ordens »Polonia Restituta«; 15.1.1953 verhaftet wg. angebl. »Feindtätigkeit gegen die DDR im Auftrag imp. Geheimdienste« (gleichz. Verhaftung seiner Frau u. Kinder); Haft im »U-Boot« der MfS-U-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, Hungerstreik, Suizidversuch; Folterungen u. Geständniserpressung; Juni 1954 im Geheimprozeß gegen »G. D. u. a.« vom Obersten Gericht wegen »Verschwörung« u. »Spionage« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt (Vors.  Walter Ziegler), Verurteilung seiner Frau zu 8 Jahren, seines Sohnes zu 3 Jahren Zuchthaus; Haft im Zuchthaus Brandenb., ab 1956 im Zuchthaus Bautzen II; Okt. 1963 Übertritt zur kath. Kirche; Mai 1964 begnadigt, danach Lektor für den kath. St.-Benno-Verlag Leipzig, ab 1967 Sachbearb. bei der Caritas in Dresden; gest. in Leipzig. Sept. 1991 Aufhebung des Urteils von 1954 durch das Berliner LG wg. »Aussageerpressung u. Rechtsbeugung«.Richert, E.: Der Fall Dertinger u.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Deter, Adolf (Gustav-Adolf)

* 23.6.1900 – ✝ 14.11.1969

Geboren am 23. Juni 1900 in Czarnikau/Provinz Posen; zunächst Bote und Lagerarbeiter, dann Dreher. 1917 trat er der Arbeiterjugend, 1918 der USPD und 1920 der KPD bei, 1921 für die KPD in Tangermünde aktiv. Er übersiedelte 1923 nach Berlin und war bei der Berliner Hochbahn beschäftigt. Dort 1925 zum Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates gewählt. 1927 Delegierter zum XI. Reichsparteitag in Essen und 1928 zum VI. Weltkongreß der Komintern. Deter war von 1925 bis 1929 Bezirks- und Stadtverordneter in Berlin und wurde im Mai 1928 im Wahlkreis Potsdam I in den Preußischen Landtag gewählt. Er gehörte 1928/29 zu den Versöhnlern und protestierte vor allem gegen die Aktionen vom 1. Mai 1929, bezeichnete sie als putschistisch. Bei den neuerlichen Betriebsratswahlen der BVG errang Deter einen großen persönlichen Erfolg. Er behielt KPD-Funktionen, zunächst als Instrukteur der Orgabteilung des ZK und 1929/30 als Sekretär des UB Frankfurt/Oder, 1931 Orgleiter bzw. Sekretär für Gewerkschaftspolitik der BL Wasserkante, zuletzt Leiter der RGO in Hamburg. 1932 im Wahlkreis Ost-Hannover erneut als preußischer Landtagsabgeordneter gewählt. Deter war der direkte Organisator des Berliner Verkehrsarbeiterstreiks 1932, den RGO und die nationalsozialistische Betriebsorganisation NSBO gemeinsam durchführten. Im Juli 1933 Emigration nach Dänemark und Sekretär des europäischen Büros der RGI in Kopenhagen. Ende 1934/35 Sekretär der ISH (Internationale der Seeleute und Hafenarbeiter) in Antwerpen. Von 1935 bis 1938 Sekretär der ISH mit Sitz in Paris. In der Emigration gehörte er zum Apparat Ernst Wollwebers (in Jan Valtins »Tagebuch der Hölle« wird behauptet, Deter habe mißliebige Genossen der Gestapo in die Hände gespielt). Bei Kriegsausbruch in Frankreich interniert und bis 1941 in Lagern, u. a. Le Vernet, festgehalten. Er wollte im Mai 1941 mit dem Schiff nach Mexiko, das wurde aber von den US-Behörden gestoppt. Nach vierwöchiger Internierung auf Ellis Island blieb Deter ab Oktober 1941 in den USA, wo er als Dreher arbeitete. Im Oktober 1946 reiste er mit einem russischen Schiff über Odessa nach Moskau und traf Anfang Dezember 1946 in Berlin ein. Zunächst Abteilungsleiter, dann bis 1949 Sekretär der SED-Landesleitung Groß-Berlin. Ab 1947 Mitglied des PV, von 1950 bis 1954 Kandidat des ZK. Deter wurde im März 1949 1. Vorsitzender des FDGB Berlin. Wegen »kapitulantenhaften Verhaltens« 1953 kam er auf dem IV. SED-Parteitag im April 1954 nicht mehr ins ZK. Im Mai 1954 als Sekretariatsmitglied des FDGB abgelöst. Ab 1962 stellvertretender Leiter der Westkommission des FDGB-Bundesvorstandes, im Dezember 1964 Vizepräsident der Gesellschaft »Neue Heimat«, die Verbindung zu Bürgern deutscher Herkunft im Ausland halten sollte. Er bekam 1965 den VVO in Gold. Adolf Deter starb am 14.November 1969.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dettner, Fritz

* 18.11.1905 – ✝ 2.8.1937

Geboren am 18. November 1905 in Kassel, Sohn eines Bauarbeiters und einer Näherin; Arbeiter in einer Schuhfabrik. 1925 Entlassung wegen Stillegung des Betriebes. Dettner war zunächst SAJ-Mitglied und Gewerkschaftsfunktionär, wurde 1926 Mitglied der KPD. 1927 in Berlin, ab 1929 in Nordbayern als Lokalredakteur für die KPD tätig, gehörte zeitweise der BL Baden-Pfalz an. Im Juli 1931 reiste Dettner auf Parteibeschluß in die Sowjetunion. Er wurde in die KPdSU(B) überführt, erhielt die sowjetische Staatsbürgerschaft und nannte sich fortan Friedrich Friderichowitsch Thies. Bis August 1933 Student an der Leninschule in Moskau, anschließend Mitarbeiter der Komintern und zeitweise auch stellvertretender Leiter des deutschen Sektors der Leninschule. Von dort als Sprecher zum Rundfunk delegiert, erhielt er Anfang 1936 eine Rüge wegen »fehlender Wachsamkeit«. Dettner war als Sprecher in Kiew vorgesehen, da aber die Sendeanlage nicht fertig wurde, nach Sibirien geschickt, wo er in Nowosibirsk und anderen Orten tätig war. Am 2. August 1937 vom NKWD verhaftet, am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, wurde Fritz Dettner am 3. November 1937 in Butowo bei Moskau erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Deutschmann, Arthur

* 1.9.1899 – ✝ 12.10.1969

Geboren am 1. September 1899 in Berlin; kaufmännischer Angestellter, Mitglied der Freien Jugendorganisation Berlin und der SPD/USPD, ab 1918 des Spartakusbundes bzw. der KPD, 1924 Delegierter zum 3. Kongreß der Roten Sport-Internationale in Moskau. Wie ein Großteil der Berliner KPD-Funktionäre gehörte er zu den Linken, stand 1925 bei der Opposition, unterschrieb 1926 den »Brief der 700« und wurde noch 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Als prominenter Berliner Linker wurde Deutschmann auf der Reichskonferenz der linken Opposition im Dezember 1926 in deren Reichsleitung gewählt. Er war bei der Gründungskonferenz des Leninbundes im April 1928 einer der Schriftführer und gehörte dann zu deren Reichsleitung. Ähnlich wie Fritz Schimanski oder Oskar Wischeropp trennte sich Deutschmann im Januar 1929 vom Leninbund und verdammte die Opposition. Sein Artikel »Der Leninbund in Auflösung« wurde in der »Roten Fahne« (20.Januar 1929) veröffentlicht. Ob er sich nach seiner Unterwerfung in der KPD aktiv betätigte, ist nicht nachzuweisen. Doch 1931 trat er der SPD bei und war bis 1933 Angestellter beim Magistrat von Berlin. Nach 1933 illegale Arbeit, u. a. gemeinsam mit Hellmuth Bock in Berlin-Neukölln, er war bei Daimler-Benz beschäftigt. 1944 Festnahme, U-Haft und Anklage wegen »Vorbereitung zum Hochverrat«. 1945 Mitglied der KPD, Vorsitzender der VVN in Berlin-Neukölln, ab 1946 Mitglied der KL Neukölln der SED. Ab 1945 Angestellter beim Magistrat von Berlin, Abteilung für Arbeit, später Oberreferent in der Zentrale für Landtechnik der DDR. Er bekam als früherer »Renegat« Schwierigkeiten, war zuletzt Mitarbeiter im AZKW. Arthur Deutschmann starb am 12. Oktober 1969 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Dickel, Friedrich

* 9.12.1913 – ✝ 23.10.1993

Geb. in Vohwinkel (b. Wuppertal); Vater Maurer; Volksschule; 1928 – 31 Ausbildung zum Gießer u. Former, anschl. arbeitslos; 1928 KJVD, 1929 – 31 Pol.-Ltr. der Ortsgr. Vohwinkel; 1931 KPD, Org.-Ltr. im Stadtteil; 1932 arbeitslos; RH, RFB; 1933 illeg. pol. Arbeit, März – Juni 1933 »Schutzhaft«; Juli – Dez. 1933 Saargeb., Instrukteur des KJVD in Sulzbach-Dudweiler, drei Mon. Gefängnishaft; 1933 – 35 Frankreich, in Paris drei Mon. Gefängnis wegen illeg. pol. Tätigkeit; Dez. 1935 – Sept. 1936 Niederlande, Org.-Instrukteur in Amsterdam-Nord; ab Okt. 1936 Teiln. am Bürgerkrieg in Spanien, Ltr. der Bat.-Aufklärungsabt., dann Komp.-Führer der 2. u. 4. Komp. im Thälmann-Bat. der XI. Internat. Brigade; April 1937 Kommandierung in die UdSSR; zwei Jahre Spezialausbildung in Moskau; 1939 als Agent der GRU in Finnland, danach Einsatz in Shanghai; Aug. 1942 Verhaftung u. Verurteilung durch ein japan. Militärgericht, Mai 1946 über Wladiwostok Rückkehr nach Moskau. Dez. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Übersiedl. nach Leipzig; Mai 1947 SED; ab 2.5.1947 Angeh. der DVP im Präsidium Leipzig, Mitarb. des Kommissariats K 5, Jan. 1948 – Jan. 1949 Ltr. des Ausländeramts u. dann bis März 1949 Ltr. des Paß- u. Meldewesens; März – Ende Aug. 1949 Kursant an der Höheren Polizeischule in Kochstedt; dann Ltr. der Polizei-Verw. in Leipzig; Okt. 1949 – Okt. 1953 Kdr. der Pol.-Kulturschule der HV Ausbildung der KVP in Torgau (1950 in Berlin-Treptow); 1952 Gen.-Major (KVP); 1953 – 55 stellv. Ltr., 1955/56 Ltr. der Pol. HV der KVP; 1956 Gen.-Major der NVA u. als Ltr. der Pol. Verw. 1956/57 1. Stellv. des Min.; 1956 – 58 Vors. der ASV »Vorwärts«; 1957 Mitgl. des BV des DTSB; 1957 – 59 Kursant der sowj. Gen.-Stabsakad. Privolsk bei Saratow, Ltr. der SED-GO, Dipl.-Militärwissenschaftler, 1959 – 63 Stellv. Min. für Nat. Verteidigung für Techn./ Bewaffn., ab Nov. 1959 ständ. Vertreter der DDR beim Stab der GSSD; 1960 Mitgl. des Vorstands der DSF; Aug. 1961 Mitgl. des Stabs des Nat. Verteidigungsrats der DDR beim Mauerbau in Berlin; Okt. 1963 Gen.-Ltn.; 30.11.1963 Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst; Nov. 1963 – Nov. 1989 Min. des Innern u. Chef der DVP (Nachf. von  Karl Maron); ab 1963 Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1963 – 76 Chef der Zivilverteidigung der DDR; 1965 Gen.-Oberst; 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1970 Medaille der Waffenbrüderschaft; Orden des Vaterländ. Krieges; 1973 Mitgl. der gemeinsamen Kommission des Min.-Rats u. des ZR der FDJ zur Ausarbeitung des Entwurfs des Jugendgesetzes; 1973 u. 1978 Ehrenspange zum VVO; 1973, 1983 u. 1985 KMO; 1975 Orden der Oktoberrev. (UdSSR); 1975 u. 1983 Held der DDR; 1979 Scharnhorst-Orden; 1980 Rotbanner-Orden; 1983 u. 1985 Lenin-Orden; 1984 Armee-Gen.; 1988 Orden der Völkerfreundschaft; am 17.11. 1989 mit der Reg.  Stoph zurückgetreten.Herbst, A.: F. D. – GRU-Agent, NVA-General u. Innenminister der DDR. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dieckmann, Johannes

* 19.1.1893 – ✝ 22.2.1969

Geb. in Fischerhude (b. Bremen); Vater Pfarrer; 1899 – 13 Volksschule u. Gymnasium; 1913 – 15 Handels-HS Berlin u. Studium der Nationalökon. u. Philol. an den Univ. Berlin, Gießen, Göttingen u. Freiburg; 1915 Militärdienst, zul. Ltn. der Reserve, als »unzuverlässig u. untaugl.« entlassen, 1916 erneut einberufen; Nov. 1918 Vors. eines Soldatenrats, Eintritt in die DVP, 1919 Gen.-Sekr. der DVP Osnabrück, 1921/22 Duisburg u. ab 1922 in Dresden, enger Mitarb. von Gustav Stresemann; 1929 – 33 Abg. des Sächs. Landtags; 1933 – 39 Geschäftsf. der Brennstoffkon- trolle GmbH u. Syndikus des Kohlengroßhändler-Verb. Ostsachsen; Aug. 1939 – Jan. 1941 Wehrmacht, zul. Hptm. der Reserve; 1941 – 45 Geschäftsltr. des Oberschles. Steinkohlen-Syndikats; 1944 im Zusammenhang mit dem 20.7. 1944, an dem sein Vetter Oberst von Mertz beteiligt war, unter verschärfte Beobachtung der Gestapo gestellt. Juni 1945 Mitbegr. der späteren LDPD in Dresden, Mitgl. des LV Sachsen, ab 1946 des ZV; 1945 Gründer u. Ltr. des Sächs. Kohlekontors (erster landeseig. Betr. in Sachsen); Gründer des Verlags Sächs. Tageblatt; 1946 – 52 Abg. des Sächs. Landtags, Vors. der LDPD-Frakt. u. Mitgl. des Präs. des Landtags, 1948 – 50 Min. für Justiz u. stellv. Min.-Präs. des Landes Sachsen (Nachf. von  Hermann Kastner); seit 1948 Vors. des Veteranenfonds der Volkssolidarität; 1948/49 Mitgl. der DWK, des Dt. Volksrats u. seines Verfassungsaussch., ab Febr. 1949 einer der stellv. Vors. der LDPD; ab 7.10.1949 Präs. der (Prov.) Volkskammer, ab 1960 einer der stellv. Vors. des Staatsrats; seit 1950 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1954 VVO; 1963 Held der Arbeit; 1963 – 68 Präs. der DSF (Nachf. von  Georg Handke); 1953 Dr. jur. h. c. der Univ. Leipzig; 1963 Prof.; Verf. zahlr. pol. u. hist. Schriften.J. D. Aus seinem Leben u. Wirken. (hrsg. vom ZV der LDPD). Berlin 1968.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dieker, Willi

* 13.2.1904 – ✝ 16.4.1980

Geb. in Lerbeck (b. Minden); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; Fabrikarb., dann Vermessungstechniker im Kanalbauamt Magdeburg; 1925 SPD; ab 1924 Besuch der Heimvolkshochschule in Tinz (Thür.); 1929 – 31 Red. bei versch. sozialdemokrat. Ztg., u. a. der »Volksstimme« in Magdeburg, dann bis 1933 beim »Saalfelder Volksblatt«; April u. Sept. / Okt. 1933 zeitw. inhaftiert; später Korresp., Werbe- u. Wirtschaftsltr. in Großdruckereien; illeg. Arbeit, 1944 Festnahme u. Anklage wg. »Vorbereitung zum Hochverrat«. 1945 KPD, 1946 SED; Bürgermeister in Kirchmöser (Brandenb.); ab Okt. 1945 Ltr. der Abt. Wirtschaft, 1946 Vizepräs. der Provinzialverw. des Landes Sachsen; Mai 1946 – Sept. 1949 Minister für Wirtschaft u. Verkehr der Landesreg. Sachsen-Anh., Ablösung im Kontext des Schauprozeßes gegen  Leo Herwegen u.  Willi Brundert; 1949 – 52 Werkltr. der Bonbonfabrik »Diamalt, Mignon Most-Werke« Halle; 1952 / 53 Hauptdir. bzw. Ltr. des VEB Fischkombinat Rostock; 1953 – 56 Betriebsltr. des VEB Feuerungs- u. Behälterbau Köthen; 1956 – 60 erneut Dir. des VEB Fischkombinat Rostock; ab 1960 Ruhestand.Wirtschaft u. Staat gingen in die Hände des Volkes über. Erinnerungen an die Gründung der DDR. in: Zeitschr. für Geschichtswiss. (1969) 17. Hirschinger, F.: »Gestapoagenten, Trotzkisten, Verräter«. Kommunist. Parteisäuberungen in Sachsen-Anhalt 1918 – 1953. Göttingen 2005.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Diers, Ines

* 2.11.1963

Geb. in Nebra an der Unstrut (Sachsen-Anh.); Vater Schweinezuchtbrigadier; 1973 Beginn mit dem aktiven Schwimmsport bei der BSG Lok Rochlitz, anschl. KJS u. Mitgl. des SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Joachim Rother); OS in Karl-Marx-Stadt; Spezialdisz.: Freistil; Olymp. Spiele 1980: Erste über 400 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel, Zweite über 200 m u. 800 m, Dritte über 100 m; EM 1981: Erste über 400 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel, Zweite über 800 m; nach 1981 beendete sie ihre sportl. Laufbahn; 1982 Abitur. Seit 1990 Dipl.-Kauffrau in einem Geldinst.; lebt in Nebra (Unstrut).Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Dietel, Clauss

* 10.10.1934

Geb. in Reinholdshain (b. Glauchau); 1949 – 52 Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1953 – 56 Studium an der Ing.-Schule für Kraftfahrzeugbau Zwickau, 1956 – 61 an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; 1961 – 63 Formgestalter im Zentrum Entw. u. Konstruktion für den Kraftfahrzeugbau in Karl-Marx-Stadt; seit 1963 freischaff. als Formgestalter; 1967 – 75 Lehrauftrag an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein, seit 1977 Lehrauftrag an der FS für angewandte Kunst Schneeberg; 1980 NP; 1984 Prof., 1986 – 90 dort Dir.; seit 1968 im VBK engagiert, 1981 aus Protest Rücktritt als Vizepräs., 1988 – 90 Präs. (Nachf. von  Willi Sitte); 1959 – 89 Observation durch das MfS (u. a. im Rahmen des OV »Made« gegen die Künstlergr. »Clara Mosch« in Karl-Marx-Stadt); lebt als freischaff. Gestalter in Chemnitz. Gestaltung u. a. von Rundfunkgeräten Heliradio: rk2 (1960) bis rk90 Sensit Kubus (1985 – 87) – sämtlich mit Lutz Rudolph; 1962 Grundentwurf PKW AWE Wartburg 353, anschl. gestalterische Mitarbeit am Serien-PKW; Gestaltung Nachfolgefahrzeug PKW Trabant (1963 – 84), LKW des IWL Ludwigsfelde und Robur Zittau (1964 – 92), Zweiräder: von Simson SR 4 – 2 Star (1962) bis MZ ETZ 250 (z. T. mit L. Rudolph), von EDV-Anlagen wie Robotron R 300, R 21 (1964, 1969, zus. mit Christian Berndt), von Schreibmaschinen: Erika (1971, 1976) u. Robotron Cella (1985/ 86), von Flachrundstrickautomaten (FRJ 5480, 1982) u. Flachstrickmaschinen (Diamant 1985 – 87), Vakuumgießmasch. VGM 750 (1992), Arbeiten zur architekturbez. Kunst (z. B. Mercure-Hotel Chemnitz, 1996/97); 1. Preis Architekt.-Wettbewerb Stadtpavillon Chemnitz (mit L. Rudolph, 1996); Entwurf Bauten für VW Bratislava (1996 – 98) u. VW Sachsen (1999). Personalausstellungen »Für den Gebrauch« (Meerane 1978/79), »Suche nach Gestalt unserer Dinge« (Karl-Marx-Stadt 1985), »Gestaltung ist Kultur« (mit L. Rudolph, Berlin 2002), »Sachsen – Fahrzeugformen ab 1961« (Chemnitz 2004).Kat. C. D.; Rudolph, L.: Suche nach Gestalt unserer Dinge: Produkt- u. Umweltgestaltung. Karl-Marx-Stadt 1985; Menetekel für Europa – Formgestaltung in der DDR. 1990; Kassner, J.: C. D. u. Lutz Rudolph – Gestaltung ist Kultur. Chemnitz 2003; Kassner, J.:Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Dietrich, Christian

* 21.9.1965

Geb. in Jena; aufgewachsen in einem antikomm. eingestellten Elternhaus, Vater Geologe, Mutter Hausfrau; 1972 – 82 Magnus-Poser-Schule, Nord-Schule bzw. Bertolt-Brecht-OS in Jena; wg. Engagements in der Jungen Gemeinde Jena an der staatl. Schule nicht zum Abitur zugelassen; 1982 – 85 Abiturausbildung am Kirchl. Proseminar Naumburg; 1983 Ausreiseantrag der Fam.; Kontakt zu  Edelbert Richter; Mitbegr. des Arbeitskreises »Solidar. Kirche«; Gelegenheitsarbeiten in der Kirchl. Bibliothek Naumburg u. als Führer am Naumburger Dom; Mitarbeit im Friedensarbeitskreis Naumburg u. Beteiligung an der Organisation der Naumburger Friedensseminare, versch. Erklärungen zur Überwindung der dt. Teilung, Initiative zur Abschaffung der Todesstrafe in der DDR, Ausstellung zur Militarisierung der DDR mit einer Karte der Militärstandorte, Bildungsarbeit zu defensiven Militärstrategien; 1986 nach dem Zurückziehen des Ausreiseantrags Beginn des Theologiestudiums am kirchl. Oberseminar in Naumburg; Kontakte zur Charta 77 u. zu Budapester Dissidenten, Mitorg. einer Protestdemonstration am 2.2.1988 in Naumburg; Sept. 1988 Wechsel an das Theolog. Seminar in Leipzig (ehem. Missionsseminar); beteiligt an der Vernetzung oppos. u. kirchl. Gruppen aus Leipzig u. Berlin, Autor in den Samizdatztschr. »Glasnot«, »Ostkreuz«, »Solidar. Kirche« u. »von uns für uns«; in Leipzig Bildung eines Arbeitskreises zu Methoden des zivilen Ungehorsams, erster Erfolg bei der Demonstration am 15.1.1989 auf dem Marktplatz zu Leipzig; Frühjahr 1989 Mitwirkung an der Grundsatzerklärung der Demokrat. Initiative zur Erneuerung unserer Gesell. (DI) u. am Flugblattaufruf zur Protestdemonstration am 7. Mai (Wahltag) in Leipzig u. Dresden; Beteiligung an der Org. u. Dokumentation des 1. (nicht genehmigten) Leipziger Straßenmusikfestivals am 10.6.1989; ab Jan. 1989 Mitarbeit im Kontakt- u. Solidaritätsbüro Leipzig; Sept. 1989 Mitgl. im Sprecherrat des Neuen Forums sowie Mitbegr. u. Geschäftsf. des DA in Naumburg; Vors. des Untersuchungsaussch. zu Korruption u. Amtsmißbrauch im Krs. Naumburg; vom MfS erfaßt in der OPK »Kerze« (KD Naumburg) bzw. OV »Kerze« (BV Leipzig u. HA XX). 1992 Erstes Theolog. Examen; anschl. Mitarb. am Inst. für kirchl. Zeitgesch. Naumburg u. Repetent an der Kirchl. HS Naumburg; zeitgeschichtl. Publ.; 1997 Vikar in Scheibe-Alsbach / Rennweg; 2000 Zweites Theolog. Examen; seitdem Pfarrer in Nohra (b. Weimar).Was war los in Leipzig? Selbstverlag 1989 (Nachdruck Leipzig 1998). Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für eine freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biogr. u. Fotos. Berlin 2006.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

Wer war wer in DDR

Dietz, Karl

* 26.3.1890 – ✝ 12.8.1964

Geb. in Neumarkt (Oberbayern); Vater Amtsgerichtssekr.; Oberrealschule; 1910 Buchhändlerlehre in Stuttgart, einige Zeit als Buchhandelsgehilfe tätig; Eintritt in den Wandervogel e. V.; 1915 – 18 Sanitätsdienst in Württemberg, Gebirgsbataillon, mehrfach verw., EK II, Verdienstmedaille; 1919 GF des Greifenverlages (GV) in Hartenstein (Thür.), als Unternehmen der Wandervogelbewegung gegründet; 1921 Umzug des Verlages nach Rudolstadt, Besitzrechte gingen sukzessive auf K.D. über; Erwerb der Verlage Gesundes Leben u. Melchior Kupferschmid; Öffnung des GV für linke Autoren  Johannes R. Becher), außerdem sexualaufklärerische Lit. (M. Hodann) sowie völkische Lit. (E. G. Kolbenheyer); 1930 Aufgabe der Geschäftstätigkeit des GV aus wirtschaftlichen Gründen; seit 1934 Mitglied der Gesellschaft für wiss. Pendelforschung, Verfasser u. Hrsg. grenzwiss. Bücher unter dem Ps. Christoff Dietrich (»Die Wahrheit über das Pendel«, 1936); seit 1933 wiederholt erfolglose Aufnahmeanträge in die NSDAP; 1934 Förderndes Mitglied der SS; 1939 – 42 vorübergehender Ausschluß aus der Reichsschrifttumskammer; jahrelange Auseinandersetzungen mit lokalen NS-Funktionären brachten ihm den Ruf eines Widerständlers ein; Luftschutzwart; 1944 – 45 zum Dienst im Reservelazarett einzogen; kurzzeitig in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. 1945 / 46 Aufsichtsratsmitgl. der Thür. Zellwolle AG; 1945 Mitgl. in KB u. LDP, 1946 Übertritt in die SED; Wiederaufnahme der Verlegertätigkeit; 1947 Gründungsgesellschafter u. pro forma Namensgeber des »Dietz Verlages« des ZK der SED; konnte sich mit dem »Greifenverlag« als einer der wenigen Privatverleger in der DDR etablieren, erst nach seinem Tod wurde der GV verstaatlicht; entwickelte den GV in den 1950er Jahren zu einem der führenden Literaturverlage der DDR u. setzte durch die Publikation von Werken linker Autoren der Weimarer Republik, der Exillit. u. der klass. Weltlit. verlegerische Akzente, machte sich insbes. um die Verbreitung des Werkes von L. Feuchtwanger in der DDR verdient; 1960 Ehrendoktorwürde der Universität Jena; gest. in Rudolstadt.Wie lerne ich pendeln? Ersteinführung in die angewandte praktische Strahlenforschung. Erfurt 1935 (unter Ps. C. Dietrich); Krankheits-Diagnostik durch das Pendel. Leitfaden für die Praxis. Rudolstadt 1936 (C. Dietrich); Lion Feuchtwanger zum Gedenken. Rudolstadt 1959; Wörterbuch der Sexuologie u. ihrer Grenzgebiete (zus. mit P. G. Hesse). Rudolstadt 1964. Wurm, C., Henkel, J., Ballon, G.: Der Greifenverlag zu Rudolstadt 1919 – 93. Verlagsgeschichte u. Bibliographie. Wiesbaden 2001.Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dengel, Philipp

* 1.12.1888 – ✝ 28.3.1948

Geboren am 1. Dezember 1888 in Oberingelheim, Sohn eines rheinischen Winzers. Er besuchte bis 1907 das Realgymnasium in Mainz und studierte bis 1911 in Heidelberg. Von 1911 bis 1913 Privatlehrer, dann bis 1918 Militärdienst, zuletzt Leutnant der Reserve. Nach Ausbruch der Revolution schloß sich Dengel in München Kurt Eisner an und wurde bayerischer Gesandtschaftssekretär in Berlin. Mit Alfons Goldschmidt gründete er die »Räte-Zeitung« und war Redakteur an der von Wilhelm Herzog geleiteten Zeitung »Republik«. Dengel trat im März 1919 der KPD bei. In Berlin, wo er 1920 an der Niederschlagung des Kapp-Putsches teilnahm, gehörte er zeitweilig der KAPD an, verließ diese aber nach einer Reise in die Sowjetunion und einem Zusammentreffen mit Lenin. 1921 Auslandsredakteur der »Roten Fahne«, 1922 übernahm er die Chefredaktion der »Sozialistischen Republik« in Köln und 1923 die Redaktion der »Hamburger Volkszeitung« und war aktiv am Hamburger Aufstand beteiligt. Dengel stand auf dem linken Parteiflügel. Anfang 1924 wurde er Polleiter des Bezirks Wasserkante, im August 1924 Polleiter des Bezirks Niederrhein (unter dem Namen Schmidt). Von Mai 1924 bis 1930 Abgeordneter des Reichstages für den Wahlkreis Westfalen-Süd bzw. Wahlkreis Düsseldorf-Ost. Auf dem X. Parteitag der KPD im Juli 1925 wurde Dengel als Mitglied in das ZK gewählt. Seit dem »Offenen Brief« 1925 saß er im Polbüro und arbeitete bis 1929 als Sekretär des ZK in Berlin, wo er zur linken Gruppe um Ernst Thälmann zählte. Der VI. Weltkongreß der Komintern 1928 wählte Dengel als Mitglied ins EKKI und dessen Präsidium, dem er offiziell bis Juni 1941 angehörte. Nach der Aufdeckung der Wittorf-Affäre distanzierte er sich von Thälmann und war im Oktober 1928 eine der treibenden Personen, die dessen Absetzung verlangten: »Genosse Thälmann muß verschwinden von der oberen Spitze der Partei für eine gewisse Zeit.« Nach Thälmanns Wiedereinsetzung durch Stalin wurde Dengel gemaßregelt, von seinen Funktionen als Sekretär des ZK entbunden. Vom XII. Parteitag 1929 als Mitglied ins ZK gewählt, aber nicht mehr ins Polbüro, arbeitete er 1930/31 als Redakteur und Lehrer an Parteischulen in Berlin, wurde schließlich 1931 als Mitarbeiter des EKKI nach Moskau abgeschoben, dort im Apparat der Komintern tätig. Von 1933 bis 1935 Leiter des skandinavischen Ländersekretariats des EKKI, kam er 1935/36 nach Paris. Erst ab 1936 wurde Dengel wieder zur Arbeit in der KPD herangezogen, arbeitete in Prag im Sekretariat der Auslandsleitung als Redakteur. Die »Berner Konferenz« der KPD wählte ihn 1939 wieder ins ZK, er blieb aber ständig in Moskau. Am 22. Juli 1941, dem Tag des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion, erlitt Dengel einen Gehirnschlag, der ihn vollkommen lähmte. Zwar 1944 noch im Nationalkomitee Freies Deutschland, spielte er aber keine politische Rolle mehr. Am 10. September 1947 kehrte er an der Seite seiner Frau Katharina (*14.10. 1899 – †28. 9. 1977) schwerkrank nach Berlin zurück. Philipp Dengel starb am 28.März 1948.

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Desczyk, Gerhard

* 3.6.1899 – ✝ 18.3.1983

Geb. in Kreuzburg (Oberschles./Kluczbork, Polen); Vater Kfm.; ab 1900 in Gera; Volksschule, Gymnasium, 1917 Abitur; 1917/18 Militärdienst; 1919 – 23 Studium der Germanistik an den Univ. München u. Leipzig, 1923 Prom. zum Dr. phil. mit der Diss. »Amerika in der Phantasie dt. Dichter«; 1924 – 33 ehrenamtl. 1. Landessekr. der Zentrumspartei in Sachsen; 1924 – 27 Red., 1927 – 33 Chefred. des Zentrum-Organs »Sächs. Volksztg.«; 1928 Gründer u. bis 1935 verantw. Red. des »St.-Benno-Blatts« für die kath. Diözese Meißen; 1935 »Schutzhaft«; 1936 – 41 freier Mitarb. von Ztgn. u. Ztschr.; 1939/40 Ersatzreservist auf einem Fliegerhorst; 1941 – 45 Red. der Bildmatern-Korrespondenz »Bilder u. Studien«. 1945 CDU, KB, DSF; 1945 – 56 Abt.-Ltr. in der Hauptgeschäftsstelle bzw. beim Sekr. des CDU-HV (Kultur); 1945 – 49 Doz. an der VHS Pankow; 1949 beigeordneter CDU-Gen.-Sekr., später Mitgl. des Sekr. der Parteiltg., ab 1952 des Pol. Aussch. (später Präs. des CDU-HV); Präsidialrat des KB; ab 1956 Cheflektor im Union Verlag Berlin u. im Verlag Koehler & Amelang Leipzig; Mitbegr. der Berliner Konferenz europ. Christen; Mitgl. des Hrsg.-Kolleg. der Ztschr. »begegnung«; 1974 VVO.Jugenderinnerungen eines alten Mannes. Leipzig 1954; Ungelogene Geschichten. Berlin 1956; Der Friedensauftrag der Katholiken. Burgscheidungen. Berlin 1960; Vermächtnis u. Ansporn. Burgscheidungen. Berlin 1962. Zwischenfälle auf der Lebensreise. Berlin 1974.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Detjen, Heinrich

* 30.1.1899 – ✝ 27.2.1968

Geboren am 30. Januar 1899 in Saarbrücken, Sohn eines Zimmerer-Poliers; Maler, Anstreicher und Bauarbeiter, 1916 Mitglied der SPD. 1917 Soldat, im August 1918 Verhaftung wegen »Fahnenflucht und Aufwiegelung«, Haft in Koblenz. 1918 in der USPD, ab 1920 erneut in der SPD, 1927 trat Detjen in die KPD ein. Er war ehrenamtlicher Beigeordneter, ab 1929 Stadtrat in Saarbrücken, dann ab 1934 Vorsitzender der KPD-Fraktion. Von 1932 bis 1935 Abgeordneter im Landesrat, dem Parlament des Saarlandes. Detjen flüchtete im Februar 1935 nach Südfrankreich, arbeitete als Anstreicher und wirkte ab 1937 für die Rote Hilfe in Paris. Im September 1939 zeitweilige Internierung, anschließend in einer Arbeitskompanie, aus der er im September 1940 desertierte. Am 14. November 1940 in Paris verhaftet, nach Saarbrücken überstellt und nach einjähriger U-Haft am 11. November 1941 vom OLG Stuttgart zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er fand nach der Entlassung Arbeit als Anstreicher. Detjen wurde nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen zum Bürgermeister der Stadt Saarbrücken ernannt, war ab Oktober 1946 Beigeordneter, ab April 1949 Stadtdirektor. Im November 1950 aus politischen Gründen entlassen, prozessierte er und wurde Angestellter beim städtischen Milchhof. Wegen seiner Prozesse gegen die Stadt Saarbrücken auf Weiterbeschäftigung bzw. Pensionierung leitete die KPD-Kontrollkommission ein Parteiverfahren ein und schloß Detjen aus der KPD aus. Er war zuletzt Kreisvorsitzender der VVN in Saarbrücken und Kandidat der DFU zur Stadtratswahl. Heinrich Detjen starb am 27. Februar 1968.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Deubel, Wilhelm

* 8.5.1892 – ✝ 8. Mai

Geboren am 8. Mai 1892 in Neustadt/Weinstraße. Lernte Dreher und schloß sich 1908 der SPD, 1917 der USPD und 1920 der KPD an. In der BL Baden bzw. Baden-Pfalz übte er verschiedene Funktionen aus, u. a. im AM-Apparat. 1932 kam er in die Sowjetunion und fand Arbeit in Charkow. Im August 1937 vom NKWD verhaftet, wurde er an NS-Deutschland ausgeliefert. Hier zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, kam Wilhelm Deubel anschließend ins KZ Dachau, wo er verstorben sein soll.

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Devaux, Ralf-Peter

* 22.5.1940

Geb. in Schloßberg (Ostpr./Dobrowolsk, Rußland); 1957 SED; 1958 Abitur; 1958 – 62 Jurastudium an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1960 als IM des MfS erf.; 1963/64 Lehrgang an der Schule der HV A; 1964 Einstellung beim MfS, HV A; 1977 – 81 Ltr. der HV A-Residentur u. 1. Sekr. der Ständ. Vertr. der DDR in Bonn; 1984 Ltr. der Abt. I (Staatsapparat der Bundesrep. Dtl.); 1986/87 Studium an der PHS; 1987 stellv. Ltr. der HV A; Oberst; Mitgl. der Außenpol. Kommission beim SED-PB; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dickhut, Willi

* 29.4.1904 – ✝ 8.5.1992

Geboren am 29. April 1904 in Schalckmühle bei Lüdenscheid, Sohn eines Fuhrunternehmers; Schlosser und Dreher, von 1926 bis 1930 in der Leitung der Schlosserbranche des DMV, dann Mitglied der RGO. Seit März 1926 in der KPD, ehrenamtlicher Funktionär. 1928/29 ging er nach eigenen Angaben für acht Monate in die Sowjetunion und arbeitete im Ural. Überliefert ist auch, daß er 1930/31 unter dem Schuldecknamen Philipp am II. Kurs der Militärschule der Komintern in der Nähe von Moskau teilnahm. Weitere Teilnehmer dieses Kurses waren u. a. Franz Grybowski, Wilhelm Marker, Emil Pietzuch, Willy Sägebrecht. Nach seiner Rückkehr im Bergischen Land aktiv bei der Ausschaltung der Rechten. Er wurde Leiter des dortigen AM-Apparats. Bis 1935 »Schutzhaft«, dann illegale Arbeit für die KPD in Solingen, 1938 vom Sondergericht Hamm zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Im August 1944 erneut verhaftet. Während eines schweren Bombenangriffs auf Solingen im November 1944 konnte er aus dem Gefängnis flüchten. Nach 1945 brachte er es bis zum stellvertretenden Kaderleiter im PV der westdeutschen KPD. Als Stalin-Anhänger kam er mit der Partei in Konflikt, als nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 eine halbherzige Entstalinisierung begann und in den sechziger Jahren die Konfrontation zwischen der UdSSR und China eskalierte. Er wurde zum Initiator und Leiter einer der zahlreichen auf Mao fixierten kommunistischen Sekten in der Bundesrepublik, der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD). Als einziger »Altkommunist« in den von der Studentenrevolte geprägten Gruppen war er dort eine Autorität. Willi Dickhut starb am 8.Mai 1992. 1979 und 1990 erschienen seine Erinnerungen unter den Titeln »So war’s damals ... Tatsachenbericht eines Solinger Arbeiters 1926-1948« und »Was geschah danach? Tatsachenbericht eines Solinger Arbeiters ab 1949«.

Wer war wer in DDR

Diedrich, Kurt

* 16.6.1922

Geb. in Eisleben; Vater Gastwirt, Mutter Serviererin; Volks- u. Mittelschule; 1938 – 40 Verwaltungslehre u. Verwaltungsangest. beim OB von Eisleben; 1940 – 45 Wehrmacht, 1945 brit. Kriegsgefangenschaft in Schleswig-Holstein. 1945/46 Sachbearb. beim Rat der Stadt Eisleben; 1946 SPD/SED; 1946 – 52 Sachbearb., Referatsltr., zuletzt Ltr. der Abt. Finanzen beim Rat der Stadt Halle; 1953 – 56 Hauptrevisor im Min. der Finanzen; 1955 – 60 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1956 – 61 Ltr. der Abt. Finanzen bei der Direktion der Dt. Lufthansa; 1961 – 68 Ökon. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. Luftverkehr der HV Zivile Luftfahrt im Min. für Verkehrswesen, zuletzt stellv. Ltr. der HV; 1968/69 Lehrgang an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1969/70 stellv. Ltr. der HV Zivile Luftfahrt im Min. für Verkehrswesen; ab 1970 – 78 GD der Interflug (Nachf. von  Karl Heiland); anschl. erneut Ltr. der HV Zivile Luftfahrt; ab 1971 zeitw. Mitgl. des Sekr. der SED-KL Interflug.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Diener, Alfred

* 1.2.1927 – ✝ 18.6.1953

Geb. in Jena; Volksschule; Schlosserlehre; Arbeitsdienst, Soldat an der Ostfront. 1945 VP, 1949 Fluchtversuch, der folgenlos scheitert, anschl. Schlosser in einer Autowerkstatt in Jena; Anf. 1953 Geburt seines Sohnes, Hochzeit geplant für den 19.6.1953; am 17. Juni 1953 Beteiligung an der Erstürmung der SED-KL in Jena durch Demonstranten, gegen 14.00 Uhr Verhaftung durch sowjet. Besatzungstruppen, am 18.6.1953 Überführung in ein sowjet. Gefängnis nach Weimar, dort Verkündung des Todesurteils u. sofortige Hinrichtung, öffent. Bekanntgabe des Urteils (Verbleib des Leichnams bis heute ungeklärt); am 25.6.1953 Verurteilung des mit D. verhafteten Walter Scheler zu 25 Jahren Haft. 1993 Benennung einer Straße in Jena nach D.; 1995 vollst. Rehabilitierung durch den russ. Generalstaatsanwalt; 1996 Enthüllung einer Gedenktafel an der Fassade des Hinrichtungsortes durch den OB der Stadt Weimar.17. Juni 1953 in Thüringen. Vorgeschichte, Ereignisse, Folgen. In: Gerbergasse 18, (2003) 29.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Diersen, Inge

* 7.12.1927 – ✝ 17.11.1993

Geb. in Hamburg; Vater kaufm. Angest.; Volksschule, Gymn.; 1939 Übersiedl. nach Berlin-Grunewald; Mitgl. im Bund Dt. Mädel; 1947 Abitur u. Beginn des Studiums an der Päd. Fak. der HU Berlin (Deutsch u. Gesch.), u. a. bei  Wilhelm Heise, 1949 – 53 wiss. Hilfsass.; 1949 Wechsel an die Philosoph. Fak., 1950 / 51 Teiln. an dem von  Gerhard Scholz geleiteten Lehrgang für Germanisten in Weimar; 1952 Dipl.; 1953 Aspirantin, danach wiss. Ass. am Germanist. Inst. der HU Berlin, 1954 Prom. bei  Alfred Kantorowicz mit »Untersuchungen zur Frage des Realismus im Werk Thomas Manns«, 1954 – 59 Habil-Aspirantin u. Lehrbeauftragte; März 1956 SED; 1959 Wahrnehmungsdoz. für das Fachgebiet Neuere Dt. Lit.; 1963 Habil. mit einer Arbeit zum Schaffen von  Anna Seghers; 1.9.1964 zur stellv. Dir. des Germanist. Inst. der HU ernannt; Jan. 1965 Prof. mit Lehrauftrag; Okt. 1965 – März 1968 komm. Dir. des Germanist. Inst.; Aufsätze zu erzähltheoret. fundierter Literaturkritik in Abgrenzung zur Literaturpropaganda; Sept. 1969 ord. Prof. »für soz. dt. Lit.« an der HU Berlin; 1970 nach bereits länger andauernden ideolog. Auseinandersetzungen um »idealist. Individualitätskonzeptionen« in Arbeiten jüngerer Autoren (u. a.  Volker Braun,  Werner Bräunig,  Günter de Bruyn u. bes.  Christa Wolfs »Nachdenken über Christa T.«) in einem Parteiverfahren zu einem »Studienurlaub« in das Chemiekombinat Bitterfeld »delegiert«, zunächst für ein Jahr, auf eigenen Wunsch um zwei Jahre verlängert; währenddessen Arbeit am zweiten Buch zu Thomas Mann; 1973 Rückkehr an die HU als Prof., Hinwendung zur Lit. des 19. u. frühen 20. Jh.; 1976 Gastvorlesung an der Univ. Paris VIII; 1988 em.; gest. in Berlin.Untersuchungen zu Thomas Mann: Die Bedeutung der Künstlerdarstellung für die Entw. des Realismus in seinem erzähler. Werk. Berlin 1959; Seghers-Studien: Interpretationen von Werken aus den Jahren 1926 – 1935. Ein Beitrag zu Entwicklungsproblemen der mod. dt. Epik. Berlin 1965; Darbietungsformen des Erzählens. In: Weimarer Beiträge (1967) 4; Thomas Mann: Episches Werk, Weltanschauung, Leben. Berlin u. Weimar 1975.Christiane Baumann

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Dieter, Fritz

* 31.8.1931 – ✝ 29.5.2002

Geb. in Burg; Abitur u. Maurerlehre; 1950 – 55 Studium der Architektur an der HS für Architektur bzw. Architektur u. Bauwesen (HAB) Weimar; 1956 – 68 Mitarb. der Industrieprojektierung Berlin I, verantw. für die Planung folgender Projekte: 1959 – 63 Molkerei Strausberg; 1960/61 Milchhof Berlin; 1964 – 69 Turmkopfbereich Fernseh- und UKW-Turm der Dt. Post Berlin; 1969 Gründer u. Abt.-Ltr. des Bauplanungsbüros Ost, Frankfurt (Oder); 1970 Betreuung von Diplomarbeiten an der TU Dresden; 1971 Chefarchitekt eines Betriebsteils im Flughafen Berlin-Schönefeld; 1977 Architekturpreis der DDR; 1980 Doz. an der Betriebsakad. Schwedt; 1985 Prom. an der HAB; 1987 Chefarchitekt des Bau- u. Montagekombinats Ost. 1990 – 92 Chefarchitekt im Ingenieurbüro Flughafen Schönefeld (IBS); 1993 – 96 Chefarchitekt im Ingenieurbüro Hochbau Schönefeld (IHTS); 1996 Ruhestand; gest. in Berlin. D. u.  Günter Franke gelten als die maßgebl. Architekten des Berliner Fernsehturms, dessen Urheberschaft seit Jahrzehnten umstritten ist, weil auch  Hermann Henselmann Anspruch auf den Architekturentwurf erhoben hat.Fernseh- u. UKW-Turm der Dt. Post Berlin. In: Dt. Architektur (1969) 8; Entwurfsgrundlagen u. techn.-wiss. Lösungsprinzipien für die Weiterentw. des Metallgeschossbaus in der DDR (Dissertationsschrift). Weimar 1985. Topfstedt, T., Barth, H.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten, Architekten in der DDR. Berlin 2000.Volker Wagner

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Dietrich, Gerhard

* 26.11.1927 – ✝ 8.10.1986

Geb. in Aue; Vater Metallarbeiter; 1934 – 42 Volksschule in Hundshübel (Erzgeb.); 1937 – 41 Dt. Jugend, 1941 – 45 HJ; Ausbildung zum Bäcker; 1942 – 44 Höhere Handelsschule in Eibenstock (Erzgeb.); 1944/45 Wehrdienst; Mai – Dez. 1945 im Lager 2228 (Rheinl.) interniert. 1945/46 Bürstenarb. in der Bürstenfabrik Stützengrün; 1946 KPD/SED; 1946 – 49 Neulehrer an der Grundschule Hundshübel, Doz. der VHS u. in der Lehrerausbildung; 1949 Lehrer an der OS Schneeberg; 1949 – 52 Lehrerstudent an der Pädagog. Fak. der Univ. Leipzig; dort 1952 – 56 Assistent, 1956 – 63 Doz.; 1957 Prom. zum Dr. päd.; 1962 Habil.; 1963 Prof., 1964 – 69 Prorektor, 1970 – 76 Sektionsdir., 1977 – 80 Vors. der Arbeitsgemeinschaft Pädagog. Wiss. u. ord. Prof. für Methodik des Biologieunterrichts; Vors. der Zentr. Fachkommission Biologiemethodik des Min. für Volksbildung u. des Min. für HFS-Wesen; 1970 Ord. Mitgl. der APW, 1980 – 86 Gen.-Sekr. der APW; 1980 – 86 Mitgl. des Zentralvorst. der Gewerkschaft Unterricht u. Erziehung; gest. in Berlin.Die Sicherung der Lernergebnisse im Biologieunterricht. Berlin 1962; Methodik Biologieunterricht. Berlin 1976.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dietze, Manfred

* 10.12.1928

Geb. in Lindenthal (Krs. Leipzig); Vater Schlosser, Mutter Hausfrau; mittlere Reife; 1945/46 KPD/SED; 1946 Einstellung bei der Polizei; 1949 Kursant der Politkultur-Schule der VP; 1950 HV Ausbildung des MdI Berlin, persönl. Ref. des Chefinspekteurs; 1951 Einstellung im MfS, Abt. I (VP-Bereitschaften); 1955 Abt.-Ltr.; 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1967 – 71 OibE im Auftrag der HV A, Abt. III, Ltr. einer Auslandsoperativgr.; 1971 stellv. Ltr., 1981 Ltr. der HA I (Militärabwehr) (Nachf. von Karl Kleinjung); 1985 VVO; 1989 Gen.-Ltn.; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; 1990 Entlassung, Rentner.Grimmer, R. u. A. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke