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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Dietze, Peter

* 6.6.1936 – ✝ 12.12.2011

Geb. in Halle; Vater Elektriker u. Förster; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Gärtner u. Waldarb.; 1957 SED; 1957/58 Waldfach- u. Sachbearb. in Wippra; 1958/59 Studium an der FS »Edwin Hoernle« in Halle; 1959 – 61 Sachgebietsltr. für Forst- u. Jagdwesen beim Rat des Kreises Querfurt, 1962 – 66 pers. Mitarb. des Vors. des Rats des Kreises Querfurt; 1966/ 67 Referent u. 1967 – 71 Studium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1971 – 73 Forschungsstudium, Prom. zum Dr. rer. pol.; ab 1973 polit. Mitarb. des MfAA, ab 1979 Ltr. der Abt. Internat. Ök. Organisationen im Range eines Botschafters; 1988 – 90 Ständiger Vertreter der DDR beim Sitz der Vereinten Nationen in Genf; gest. in Berlin.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Dimitrowa, Blaga

* 1922 – ✝ 2003

Dimitrowas Roman „Lice“ war auch Thema einer eigens anberaumten gemeinsamen Plenartagung des Kulturausschusses und der Leitungsebenen der bulgarischen Künstlerverbände. Bogomil Rajnow, Präsidiumsmitglied des Ausschusses und erster stellvertrtender Vorsitzender des Bulgarischen Schriftstellerverbandes, sah in dem Buch einen „Ausdruck ideologisch-schöpferischer Ratlosigkeit“, eine „Anschwärzung unserer Wirklichkeit“, die eine Verletzung des Klassenstandpunkts der Partei darstelle. Einzelne positive Rezensionen ernstzunehmender Kritiker wurden nicht abgedruckt. Geschah dies doch einmal, verloren die verantwortlichen Redakteure alsbald ihre Arbeit. Im Endeffekt landete der Roman im „Giftschrank“ und war neun Jahre lang verboten – ähnlich wie die Bibel oder die Epigramme des Satirikers #Radoj Ralin. Auf der ersten unabhängigen Protestkundgebung am 18. November 1989 in Sofia trugen Demonstranten außer Protestplakaten auch zwei Bücher: „Fašismăt“ (Faschismus) von #Schelju Schelew und „Lice“ von Blaga Dimitrowa. Die späteren „Lice“-Ausgaben (1990, 1997) enthielten alle zuvor als „feindlich“ eingestuften Passagen, darunter die Bekenntnisse eines hochrangigen Parteifunktionärs: „Kennst du nicht das Geheimnis des Aufstiegs? […] Mit dem Fleck auf der Weste weiter voran! Bist Du befleckt, kannst Du sicher sein. Du wirst gehorchen! […] Denn so ein Fleck ist wie ein Knopf im Fahrstuhl. Jemand drückt den Knopf und du fährst nach oben. Bist du allerdings nicht artig, drücken sie den Knopf erneut und es geht abwärts. Es geht nur um die Fähigkeit, den Fleck entsprechend zu nutzen!“ Zum Gesamtwerk Dimitrowas gehören nicht zuletzt drei Gedichtbände, in denen sie die menschliche Würde vor der Leere des Totalitarismus verteidigte, sowie Übersetzungen dänischer, schwedischer und deutscher Literatur. Nach Einleitung der Perestroika in der UdSSR kam es auch in Bulgarien zu einem politisch-gesellschaftlichen Tauwetter. Dimitrowa war Gründungsmitglied des Gesellschaftlichen Komitees für den Schutz der Umwelt von Russe (März 1988) und des *Klubs für Glasnost und Perestroika (November 1988). Von Zuhause aus übermittelte sie wiederholt Kommentare zur politischen Situation in Bulgarien an ausländische Rundfunksender wie *Radio Freies Europa, die Deutsche Welle und die BBC. Am 19. Januar 1989 nahm Dimitrowa anlässlich des Staatsbesuches von François Mitterand in Bulgarien gemeinsam mit anderen führenden bulgarischen Intellektuellen an einem Frühstück mit dem französischen Staatspräsidenten teil. An der Teilnahme an einem Essen mit der Präsidentengattin Danielle Mitterand wurde sie jedoch vom Staatssicherheitsdienst gehindert. Am 4. Juli 1989 verfasste Dimitrowa ihren berühmten Essay „Imeto“ (Name), in dem es um den sogenannten *Prozess der Wiedergeburt ging. Alexej Scheludko, Mitglied des *Klubs für Glasnost und Perestroika, übermittelte den Text an den französischen Diplomaten Yves Manville, der ihn dann in westlichen Rundfunksendern verbreiten ließ. Dimitrowa war auch Initiatorin einer Solidaritätserklärung für den inhaftierten #Václav Havel, die von 102 Intellektuellen unterzeichnet und in *Radio Freies Europa verlesen wurde. Zu den Unterzeichnern gehörten die Schriftsteller Iwan Radojew, #Radoj Ralin, Michail Welitschkow, Waleri Petrow (Mitglieder des Bulgarischen Schriftstellerverbandes), #Schelju Schelew, die Literaturwissenschaftlerin Elka Konstantinowa, die Schauspieler Ilka Safirowa und Bogdan Glischew sowie der Philosoph Dejan Kjuranow. Auf Einladung von Danielle Mitterand nahm Dimitrowa am 2. Juni 1989 in Paris an einer internationalen Menschenrechtskonferenz teil. Zeitgleich organisierten die Behörden vor Dimitrowas Haus eine Kundgebung, auf der die Losung „Verräter raus aus dem Land!“ skandiert wurde. Dimitrowas Mann Wassilew, Chefredakteur der von der *Union Demokratischer Kräfte herausgegebenen Zeitung „Demokracija“, hatte man bereits am 5. Mai 1989 verhaftet. Nach dem Ende der kommunistischen Diktatur in Bulgarien war Dimitrowa 1991–94 Abgeordnete der Nationalversammlung. Am 19. Januar 1992 wurde sie Vizepäsidentin Bulgariens (Staatspräsident wurde #Schelju Schelew). 1993 trat sie jedoch von diesem Amt zurück. Dimitrowas Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt, sie selbst wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Der polnische PEN-Club ehrte sie 1977 für ihr übersetzerisches Gesamtwerk, ihr wurden der schwedische Lundkvist-Preis (1986) und der deutsche Herder-Preis (1992) verliehen. 1993 erhielt sie den französischen Orden für Verdienste um die Freiheit. 1995 wurde sie für ihre Verdienst im Unabhängigkeistkampf des vietnamesischen Volkes geehrt. Sie war Mitglied der Stiftung Offene Gesellschaft und des Soros-Kunstzentrums.Silwija Borisowa Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 08/17

Wer war wer in DDR

Dittrich, Paul-Heinz

* 4.12.1930

Geb. in Gornsdorf (Erzgeb.); 1951 – 56 Studium an der Musik-HS Leipzig; 1956 – 58 Chordirigent beim FDGB-Ensemble in Weimar; 1958 – 60 Mstr.-Schüler bei  Rudolf Wagner-Régeny; 1960 – 63 künstler. Ltr. des Ernst-Moritz-Arndt-Ensembles in Berlin; 1963 Staatspreis für künstler. Volksschaffen; 1963 – 76 Oberassistent an der Dt. HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; seit 1976 freischaff.; erhielt internat. Preise für Komposition der Städte Boswil, Schweiz (1972), Rom (1974), Triest (1976) u. Paris (1976); 1979 Prof. für Komposition; 1981 Mitgl. der Jury der Internat. Ges. für Neue Musik (IGNM); 1983 AdK, dort Ausbildung von Mstr.-Schülern bis 1991; 1988 NP. 1990 Prof. an der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; 1991 Gründung u. Vors. des Brandenburgischen Colloquiums Neue Musik Zeuthen; 1992 Gastprof. an den Univ. Taegu (Südkorea), Moskau u. St. Petersburg; seit 1993 AdK Berlin-Brandenb.; 1998/99 »Zerbrochene Bilder« nach  Heiner Müller, UA in Rheinsberg; 2002 Konzert für Klarinette u. Kammerensemble, UA in Thalheim; zahlr. Werke der Orchester- u. Kammermusik, Kantaten u. Lieder; lebt in Zeuthen.Das Arrangierbuch. Berlin 1967; Machwerk: 3 Lese- u. Lautgedichte (1973/74). Saarbrücken 2001; Nie vollendbare poet. Anstrengung. Saarbrücken 2003. Schneider, F.: Momentaufnahme. Leipzig 1979; Dibelius, U., Schneider, F.: Neue Musik im geteilten Dtl. Berlin 1999; Fricke, St.: P.-H. D. Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Doernberg, Stefan

* 21.6.1924 – ✝ 3.5.2010

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater KPD-Funktionär; 1935 Emigr. in die UdSSR; 1941 Abitur in Moskau; Elektroschweißer; 1942 Internierung in Nishni Tagil; 1942/43 Lehrgang an der KI-Schule in Kuschnarenkowo; 1943 KPD; ab 1943 Ltn. der sowj. Armee, Pol.-Offz. 1945/46 Mitarb. der SMA in Mecklenb.; 1946 – 50 außenpol. Red. der »Tägl. Rundschau«; 1950 – 55 Red. bei einer Moskauer Lit.-Ztschr. u. am Moskauer Rundfunk, während dieser Zeit Fernstudium der Geschichte an der Lomonossow-Univ. Moskau; 1955 – 61 Doz. u. stellv. Lehrstuhlltr. für Allg. Geschichte am IfG, 1959 Prom. mit einer Arbeit über die SBZ; 1961/62 stellv. Dir. des DIZ; 1961 Chefred. »Unsere Zeit«; 1962 – 71 Dir. des DIZ (Nachf. von  W. Bartel), später entstand daraus das IPW; 1963 Berufung zum Prof. für Geschichte der dt. u. internat. Arbeiterbew. am IfG (nebenamtl.); 1971 – 78 Gen.-Sekr. des DDR-Komitees für europ. Sicherheit u. Zusammenarbeit, 1978 – 82 Vizepräs. des Komitees; 1971 – 76 stellv. Dir. des IPW, 1976 – 82 Dir. des Inst. für internat. Beziehungen an der ASR Potsdam, 1979 Ernennung zum Vors. des Rats für Forschungen zur Internat. Pol.; 1983 – 87 Botschafter in Finnland (Nachf. von  Joachim Mitdank); Mitgl. des Friedensrats; 1984 VVO; Dr. h. c.; 1989 Stern der Völkerfreundschaft; Ruhestand; 1987 – 90 Präs. des DDR-Komitees für Europ. Sicherheit u. Zusammenarb. (Nachf. von  Fritz Liebscher). 1990 PDS; seit 1992 Mitgl. der Alternativen Enquete-Kommission »Dt. Zeitgeschichte«; seit 1997 Mitgl. des Ältestenrats der PDS; seit 2008 Vors. des Verb. Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition u. der BFD (DRAFD). Neben seinen wiss.-pol. u. administr. Funktionen hat sich D. insbes. auf dem Gebiet der Geschichtsprop. betätigt; er war Autor der ersten Gesamtdarst. »Kurze Geschichte der DDR« (1964). Gest. in Berlin.Die Geburt eines neuen Dtl. 1945 – 49. Berlin 1959; Befreiung 1945. Berlin 1975; Ein Deutscher auf dem Weg nach Dtl. Berlin 2000; Moskau – Seelow – Berlin: Heimkehr eines Deutschen nach Deutschland. Seelow 2001; Fronteinsatz. Erinnerungen eines Rotarmisten. Berlin 2004; Hitlers Ende ohne Mythos. Berlin 2005. Leonhard, W.: Spurensuche. Vierzig Jahre nach »Die Revolution entläßt ihre Kinder«. Köln 1992; Neubert, H.: Laudatio für St. D. In: Helsinki 1975. Genutzte Möglichkeiten u. verpasste Chancen. Berlin 2000.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dolgner, Willi

* 11.4.1894 – ✝ 11.1.1934

Geboren am 11. April 1894 in Berlin. Schlosserlehre, später Matrose der Handelsmarine. Während des Weltkrieges Internierung in Rußland. 1918 Rückkehr nach Deutschland, 1920 Mitglied der KPD. Dolgner arbeitete zeitweise als Schlosser bei den Berliner Verkehrsbetrieben und betätigte sich für die KPD-Presse. 1928/29 Absolvent der Internationalen Leninschule in Moskau, wurde dann Gewerkschaftssekretär der KPD-BL Halle-Merseburg, zusätzlich übernahm er im Februar 1930 den Vorsitz des RGO-Bezirkskomitees. Im Frühjahr 1932 zur Verstärkung in die KPD-Stadtleitung Halle berufen, arbeitete er anschließend in der BL Hessen-Frankfurt. Dolgner, ein Anhänger von Hermann Schubert, wurde im Februar 1933 als Nachfolger von Walter Duddins Sekretär der illegalen BL Wasserkante. Anfang 1934 von der Gestapo verhaftet, wurde Willi Dolgner am 11.Januar 1934 im KZ Fuhlsbüttel ermordet.

Wer war wer in DDR

Dölling, Irene

* 23.12.1942

Geb. in Leicester (England); Vater Weber, Mutter Strickerin; 1961 Abitur in Berlin; SED; 1961 – 66 Studium der Bibliothekswiss. u. Philos. an der HU Berlin; anschl. Aspirantur am dortigen Inst. für Ästhetik; 1970 Prom., 1976 Habil.; 1985 Prof. für Kulturtheorie an der Sekt. Kulturwiss. u. Ästhetik der HU Berlin; 1990 Ltr. des Zentrums für interdisz. Frauenforschung der HU Berlin. 1994 – 2008 Prof. für Frauenforschung an der wirtschafts- u. sozialwiss. Fak. der Univ. Potsdam. D. gründete 1980 gem. mit Hildegard-Maria Nickel u. a. einen privaten Diskussionskrs. von Wissenschaftlerinnen versch. Disziplinen, in dem Defizite u. Probleme der in der DDR nur schwach institutionalisierten Frauenforschung thematisiert wurden; aus diesem Krs., der 1982 offiz. an der HU Berlin angemeldet wurde, entstand im Herbst 1989 auf Initiative D.s das o. g. Zentrum für interdisz. Frauenforschung; in den 80er Jahren trug D. wesentl. zur Rezeption von Pierre Bourdieu in der DDR-Kulturwiss. bei; Forschungsthemen: Persönlichkeitstheorie, insbes. Zusammenhänge zwischen biolog. u. ges. Determinanten individuellen Verhaltens sowie kulturelle Formen individueller Vergesellschaftung; kulturwiss. Aspekte von Geschlechterbeziehungen.Naturwesen – Individuum – Persönlichkeit. Berlin 1979; Individuum u. Kultur. Berlin 1986; Der Mensch u. sein Weib. Frauen- u. Männerbilder. Berlin 1991; Unsere Haut. Tagebücher von Frauen aus dem Herbst 1989. Berlin 1992 (Mithrsg.); Ein alltägl. Spiel. Geschlechterkonstruktion in der sozialen Praxis. Frankfurt (Main) 1996 (mit B. Krais); Verwaltungsmodernisierung als soziale Praxis. Opladen 2003 (mit S. Andresen u. Ch. Kimmerle).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Domaschk, Matthias

* 12.6.1957 – ✝ 12.4.1981

Geb. in Görlitz; Vater Abt.-Ltr. bei Carl Zeiss Jena, Mutter Pförtnerin an der FSU Jena; 1970 Umzug nach Jena; 1974 Beginn der Berufsausbildung zum Feinmechaniker mit Abitur bei Carl Zeiss Jena; seit 1972 Mitgl. der Jungen Gemeinde Jena-Lobeda, ab 1975 Jena Stadt-Mitte, Mitarb. im dortigen Lyrikzirkel u. Lesekrs.; Nov. 1976 Beteiligung an Protestakt. gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns, Unterz. einer Protestresolution von Künstlern, erste Verhöre durch das MfS; Frühj. 1977 Org. von Hilfsakt. für inhaftierte Mitgl. Jenenser opp. Gruppen, Bericht bei der Charta 77 in Prag über die Ereignisse in Jena, anschl. Exmatrikulation vom Abiturkurs; Abschl. der Berufsausbildung u. Arbeit als Feinmechaniker; anschl. bis 1979 NVA; danach Maschinist im ZI für Mikrobiol. u. experiment. Therapie in Jena; Mitarb. in der Initiativgr. für einen Sozialen Friedensdienst im Rahmen der unabh. Friedensbew.; am 10.4.1981 im Zug nach Berlin verhaftet u. in eine U-Haftanstalt des MfS nach Gera verbracht, dort am 12.4.1981 nach zweitägigem Verhör unter noch ungeklärten Umständen zu Tode gekommen; offiz. Version des MfS: Suizid. 2004 Benennung einer Straße in Jena-Lobeda nach M. D.Ellmenreich, R.: M. D. Die Geschichte eines pol. Verbrechens. Erfurt 1996; Scheer, U.: Vision u. Wirklichkeit. Berlin 1999; Klier, F.: M. D. u. der Jenaer Widerstand. Berlin 2007.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Domma, Ottokar

* 20.5.1924 – ✝ 15.7.2007

Geb. in Schankau (Krs. Karlsbad / Čankov, Tschechien); Vater Bergmann; Volksschule; Gebrauchswerber. Nach 1945 Besuch eines Neulehrerseminars, Lehrer an einer Dorfschule in Sachsen-Anh., später Schulltr. in Tangerhütte; dann journalist. Arbeit für pädagog. Ztgn. (u. a. »Dt. Lehrerztg.«); Studium der Pädagogik an der HU Berlin, Dipl.-Pädagoge; SED; Red. beim »Neuen Dtl.«; seit 1959 ständ. Mitarb. des »Eulenspiegels«; wurde bekannt u. populär mit satirischen Kurzgeschichten aus dem Schul- u. Familienleben im Stil von Schüleraufsätzen (Vorbild: Ludwig Thoma), u. a. »Der brave Schüler Ottokar« (1967), »Ottokar, das Früchtchen« (1970), »Ottokar, der Weltverbesserer« (1973, später verfilmt), »Ottokar, der Gerechte« (1978), »Ottokar, der Philosoph« (1989), »Ottokar u. die neuen Deutschen« (1991), »Ottokar, der Fernsehstar« (1994), »Ottokar in Philadelphia« (1998); »Ottokar, der Flohverkäufer« (2003); »Das dicke Ottokar-Buch« (2004), »Mit Humor u. Hinterlist« (2004); 1987 Goethe-Preis; 2007 Bundesverdienstkreuz; zwei liter. LP; gest. in Woltersdorf (b. Berlin).Erinnerungen eines Großvaters. Berlin 1999.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Donda, Arno

* 28.4.1930 – ✝ 24.11.2008

Geb. in Berlin; Vater Schriftsetzer; Mutter Arbeiterin; 1942 – 47 Mittelschule in Rumburg (ČSR) u. Berlin; 1947 – 90 SED; 1947 – 50 Ausbildung zum Statistiker im Statist. Zentralamt; 1949 Abitur in Berlin (extern); 1949/50 Mitarb. im Zentralamt, zul. kommissar. Ltr. des Ref. Großhandel; 1950 – 54 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1954 – 59 Assistent, Oberassistent, Doz.; 1957 Prom. zum Dr. rer. oec. mit einer Diss. zu Einzelhandelspreisen u. Lebenshaltungskosten, 1959 – 63 Dir. des Inst. für Statistik an der HfÖ Berlin; 1962 Habil. über Statistik der Arbeitsproduktivität im Handel; 1963 Prof. mit Lehrauftrag für Statistik; Mitarb. in der Arbeitsgr. »Bernau« zur Vorber. des »Neuen Ökon. Systems der Planung u. Ltg. der Volkswirtschaft« (NÖS); Juli 1963 – Okt. 1990 Ltr. bzw. Präs. der Staatl. ZV für Statistik (1990 Statist. Amt der DDR) (Nachf. von  Heinz Rauch); 1963 – 67 Mitgl. des Min.-Rats; 1963 – 90 Mitgl. der Ständ. Kommission für Statistik des RGW; 1971 – 90 Mitgl. des Internat. Statist. Inst. (Sitz Niederl.), hier u. a. Mitgl. der Kommission zur Ausarbeitung des »Codex der Ethik der Statistik«; 1979 Vizepräs., 1986/87 Präs. der Konferenz Europ. Statistiker; Mitgl. der Internat. Union für das wiss. Studium der Bevölkerung; 1979 VVO; 1979 – 92 korr. Mitgl. der AdW, später der Berlin-Brandenburg. AdW; anschl. Mitgl. der Leibniz-Sozietät; 1982 Dr. h. c. der WPU Rostock; mehr als 200 Veröff., Mitautor u. Hrsg. des Handbuchs »Statistik« (1972). Bis Dez. 1991 Präs. des Gemeinsamen Statist. Amtes der neuen Bundesländer; 1992 – 94 arbeitslos; Jan. 1995 Ruhestand; gest. in Berlin.Handelsstatistik. Berlin 1961; Allg. Statistik. Berlin 1967; Demographie. Frankfurt (Main) 1980; Code of Ethics for Statisticans. Buenos Aires 1981.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dörfler, Ernst Paul

* 15.5.1950

Geb. in Kemberg (Krs. Wittenberg); Eltern Bauern; ab 1964 OS u. Ausbildung zum Maschinenbauer, 1968 Abitur in Pretzsch (Elbe); 1968 – 73 Studium der Chemie an der TH »Otto von Guericke« in Magdeburg, 1974 Prom. mit einer Diss. zur Passivität u. Lochfraßkorrosion hochlegierter Chrom- u. Chrom-Nickelstähle; 1974/75 Technologe im Werk für Fernsehelektronik Berlin, 1975 – 82 Ökochemiker am Inst. für Wasserwirtschaft in Berlin u. Magdeburg; Mitautor mehrerer unveröff. Studien zur ökolog. Situation in der DDR, u. a. zum Stoffhaushalt der Elbe; seit Anf. der 80er Jahre öff. u. nichtöff. Vorträge zu Umweltproblemen; seit 1983 freiberufl. Schriftst.; Nov. 1989 Mitbegr. der Grünen Partei in der DDR, Dez. 1989 – März 1990 Vertreter der Grünen am Zentr. Runden Tisch; 1990 Mitgl. des SV, Gründungsmitgl. der Stiftung Umwelt u. Naturschutz; April – Okt. 1990 Volkskammerabg. in der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Vors. des Aussch. für Umwelt, Naturschutz, Energie u. Reaktorsicherheit. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; seitdem freiberufl. Autor u. Umweltaktivist, Engagement insb. gegen den Ausbau der Elbe u. für den Erhalt der Elbauenlandschaft; 2002 Erwin-Strittmatter-Preis des Landes Brandenb., lebt in Steckby (Sachsen-Anh.).Zurück zur Natur. Leipzig, Frankfurt (Main) 1986; Zwischen Flucht u. Anpassung. Leipzig 1989; Neue Lebensräume. Leipzig, Frankfurt (Main) 1990; Der Weiher. Berlin 1991; Bedroht: Tiere u. Pflanzen unserer Heimat. Leipzig 1995 alle mit M. Dörfler; Wunder der Elbe. Halle 2000.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dornberger, Paul

* 31.8.1901 – ✝ 2.12.1978

Geboren am 31. August 1901 in Zeitz, Sohn einer Arbeiterfamilie; Handlungsgehilfe. 1922 Mitglied der KPD, 1925 in Bremen Vorsitzender der Roten Hilfe und Leiter des Buch- und Zeitschriftenvertriebs. 1926 Sekretär der IAH Nordwest, ab 1927 Sekretär der IAH im Bezirk Mittelrhein in Köln, 1931 in Halle. Dornberger kam ins Sekretariat der Reichsleitung der IAH und wurde verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift »Mahnruf«. Am 21. Oktober 1933 verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Freilassung im Mai 1936 Flucht im Oktober in die âSR und im Mai 1939 nach Großbritannien. Nach einjähriger Internierung in Kanada kam er 1942 wieder als Land- und Metallarbeiter nach Großbritannien, Mitglied im Freien Deutschen Kulturbund. Im September 1946 Rückkehr nach Deutschland. Bis 1949 war Dornberger als SED-Funktionär 1. Landessekretär des Kulturbundes in Thüringen, später Hauptabteilungsleiter Dramaturgie beim Zentralvorstand des Volksbühnenverbandes. 1953/54 Chefdramaturg des Ostberliner »Theaters der Freundschaft« und von November 1954 bis 1960 Leiter des Clubs der Berliner Bühnen- und Filmschaffenden »Die Möwe«. Paul Dornberger starb am 2. Dezember 1978 in Ost-Berlin. Seine Lebensgefährtin Emma Schaaf, geschiedene Tromm (* 1. 3. 1896 – † 7. 1. 1991), war Fabrikarbeiterin. Seit 1920 in der KPD, Funktionärin im Bezirk Mittelrhein, ab 1924 in Bremen Parteikassiererin des Bezirks Nordwest. Sie schrieb zusammen mit Paul Dornberger den Erinnerungsbericht »Frauen führen Krieg«, der in Fortsetzungen in der »Roten Fahne« und später als Roman erschien. 1932 2. Sekretärin des BPRS, emigrierte sie Mitte März 1933 mit ihrer Schwester Katharina Dengel (Frau von Philipp Dengel) in die Sowjetunion, Kursantin an der KUNMS. Ende 1936 auf der Parteiversammlung der Deutschen Sektion des Schriftstellerverbandes wegen »mangelnder Wachsamkeit« kritisiert und aus allen Ämtern entlassen. Sie übersiedelte zu Willy Harzheim nach Sibirien, bis 1946 Lehrerin. 1947 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED, später Mitarbeiterin an der DDR-Botschaft in Bukarest. Die Veröffentlichung ihrer Lebenserinnerungen hat die SED-Führung 1964 verboten, da Emma Schaaf-Tromm auf die Schilderung der Verhaftungen in der Sowjetunion nicht verzichten wollte.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dörr, Max

* 31.8.1886 – ✝ 31. August

Geboren am 31. August 1886 in Berlin. Technischer Zeichner. 1908 trat er der SPD bei und kam über die USPD zur KPD, auf deren linkem Flügel er stand. In der Berliner Organisation übte er verschiedene Funktionen aus, war seit 1921 auch Stadtrat in Berlin. Im März 1924 berief ihn die Zentrale als Redakteur an die »Rote Fahne«. Bei den Reichstagswahlen im Mai 1924 stand Dörr zwar auf dem 4. Platz im Wahlkreis Berlin, wurde aber nicht gewählt, zog dann im Dezember 1924 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Er war gleichzeitig Fraktionsführer der Berliner KPD-Stadtverordneten. Im Juni 1924 kurze Zeit inhaftiert, arbeitete Dörr 1925 in der Kommunalabteilung des ZK, wurde bereits 1926 aus der KPD ausgeschlossen, weil er angeblich Gelder unterschlagen hatte. Nach Dörrs Darstellung war der Ausschlußgrund seine linksoppositionelle Haltung. Im Mai 1927 beim Gerichtsprozeß wurde er beschuldigt, 3000 Mark von der Stadtkasse für die Rote Hilfe empfangen, aber nur 2000 Mark weitergeleitet und den Rest erst 1926 abgeliefert zu haben. Er verteidigte sich damit, an eine Parteispaltung geglaubt zu haben. Deshalb wollte er das Geld nicht dem ZK, sondern einer linken Gruppe geben. Den Rest des Geldes händigte er dann dem ZK aus, als er seinen Irrtum eingesehen hatte. Das Gericht schenkte ihm keinen Glauben, nannte seine Aussage »leeres Gerede« und verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis. Sein Landtagsmandat behielt er bis 1928 als Fraktionsloser. Im August 1927 veröffentlichte Dörr in der russischen Emigrantenzeitung »Rul« eine Artikelserie über die Abhängigkeit und Finanzierung der KPD von Moskau. Weitere Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

Wer war wer in DDR

Dietze, Walter

* 22.5.1926 – ✝ 11.9.1987

Geb. in Leipzig; Vater Schriftsetzer; Oberrealgymnasium; 1944 RAD, Wehrmacht; sowj. Kriegsgefangenschaft; Antifa-Schulen. Rückkehr nach Dtl.; 1950 Abitur; 1950 – 54 Studium der Germanistik, Slawistik, Geschichte u. Philos. an der Univ. Leipzig; 1951 SED; 1954 – 58 wiss. Aspirantur u. Vorlesungen an der KMU Leipzig, 1956 dort Prom. zum Dr. phil.; 1959 Wahrnehmungsdoz., 1961 Habil. zur dt. Lit.- u. Geistesgeschichte des 17. Jh.; 1963 – 75 Prof. mit Lehrauftrag bzw. vollem Lehrauftrag für neuere u. neueste Lit.-Geschichte; Ltr. der Abt. für Geschichte der neueren dt. Lit. des Inst. für dt. Lit.-Geschichte u. Fachrichtungsltr. für Germanistik; 1967 Ord. Mitgl. der DAW; 1971 – 75 Dekan der Fak. für Sprach-, Kunst- u. Erziehungswiss. der KMU Leipzig; 1973 NP; 1975 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW; 1975 – 82 GD der Nat. Forschungs- u. Gedenkstätten der klass. dt. Lit. in Weimar; zeitw. Gastprof. in der UdSSR, in den USA, u. längere Zeit als Red. der russ. Ausgabe von »Geschichte der Dt. Lit.« im Moskauer Maxim-Gorki-Inst. für Weltlit.; 1982 em.; 1984 Dr. h. c. der KMU Leipzig. Forschungs-, Lehr-, Vortrags- u. Publikationstätigkeit zu Problemen der Barockzeit, der dt. Aufklärung u. Klassik, insbes. über Goethe sowie zur neueren dt. Lit. u. vergleichenden Lit.-Wiss.; Mithrsg. der Reihe »Neue Beiträge zur Lit.-Wiss.« (1964 ff.).Junges Dtl. u. dt. Klassik. Berlin 1958; Erbe u. Gegenwart. Leipzig 1972; Johann Gottfried Herder. Berlin, Weimar 1980; Kleine Welt, große Welt. Aufsätze über Goethe. Berlin 1982; Poesie der Humanität. Berlin 1985; Ewiger Friede? Dokument einer dt. Diskussion um 1800. Leipzig u. a. 1989 (Hrsg. mit A. Dietze). Emons, H.-H. (Hrsg.): Germanist. Forschungsprobleme. In memoriam W. D. Berlin 1989.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Dissemond, Paul

* 22.7.1920 – ✝ 26.2.2006

Geb. in Berlin; 1948 Priesterweihe in Berlin; 1948 – 61 Kaplan, Administrator u. Vikar in Oberufhausen, Bergen (Rügen) u. Berlin; 1961 Pfarrer in Berlin; 1962 – 68 Akademikerseelsorger im Bistum Berlin; 1966 – 94 Ordinariatsrat in Berlin u. Mitgl. im Geistlichen Rat des Bistums Berlin; 1968 – 85 Sekr. der Berliner Ordinarienkonferenz (ab 1976 Berliner Bischofskonferenz), seit 1985 Gen.-Sekr.; 1973 Prälat; 1974 – 87 Beauftragter des Vors. der Berliner Ordinarienkonferenz bzw. Bischofskonferenz zu Verhandlungen mit dem MfS; 1974 – 89 vom MfS als IM »Peter« erf.; 1987 – 94 Cancellarius Curiae im Bischöflichen Ordinariat Berlin. 1994 Ruhestand, gest. in Berlin.Schäfer, B.: Staat u. kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998; Heinz, D.: P. D. (1920 – 2006). In: Jahrbuch für das Erzbistum Berlin 2007.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Dobberschütz, Regine

* 12.2.1956

Geb. in Leipzig; Vater Komponist u. Tonmeister; ab 1962 Sängerin bei Studio Team Leipzig u. anderen Amateurbands; nach Abschluß der Schule Umzug nach Berlin, Aufnahme eines Gesangsstudiums an der Musikschule Berlin-Friedrichshain, 1974 Abbruch der Ausbildung wegen Engagements als Solosängerin bei der Modern-Soul-Band, Mitwirkung an den LPs »Modern Soul Band« (1976) u. »Meeting« (1979); ab 1976 Solokarriere; 1978 Solistin beim Pop-Jazz-Ensemble »Fusion«; Zusammenarb. mit  Stefan Diestelmann auf dessen LP »Hofmusik« (»Blues von der guten Erziehung«); 1980 viel beachtete Solotournee »Gospel Blues Swing« mit führenden Jazzmusikern der DDR (Rundfunkmitschnitt), Durchbruch mit den Titeln »Come between the light« u. »Sunny« (Komposition  Günther Fischer) für den  Konrad-Wolf-Film »Solo Sunny«; 1981 Ausreiseantrag, 1984 Übersiedl. nach Berlin (West). Nach anfängl. Erfolgen, u. a. Live-Konzert im RIAS, Rückzug aus dem aktiven Musikerleben; betreibt heute zus. mit Eugen Hahn (ehemals Bassist der Modern-Soul-Band) den »Jazzkeller« in Frankfurt (Main), den ältesten Jazz-Club der Bundesrep. Dtl.Jan Wielgohs

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Döhler, Johannes

* 9.6.1926

Geb. in Sosa (Krs. Aue, Sachsen); Vater Weichenwärter; Grundschule; 1940 – 43 Ausbildung zum Zimmermann; 1943 – 44 RAD, Okt. 1944/45 Wehrmacht; 1945 brit.-amerik., dann bis Okt. 1948 frz. Kriegsgefangenschaft. 1948 – 54 Arbeit als Zimmerer bzw. Maurer bei der SAG Wismut in Riesa; 1954 Sachbearb., ab 1955 Instrukteur der Abt. Landw. im Rat des Krs. Oschatz; 1955 SED; 1956 – 62 Vors. der LPG »Helmut Just« in Börln (Krs. Oschatz); ab 1962 Vors. der LPG »Walter Ulbricht« in Dahlen; 1962 – 64 Mitgl. der SED-BL Leipzig; Abschl. der landw. FS, staatl. geprüfter Landwirt; 1963 – 71 Mitgl. des ZK der SED, Mitgl. des Landw.-Rats der DDR; 1980 Ausschl. aus der SED wegen der Ablehnung neuer agrarpol. Zielsetzungen; später Invalidenrentner.Elke Reuter

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Döll, Emma

* 3.3.1873 – ✝ 1930

Geboren am 3. März 1873 in Rastenburg/Ostpreußen als Emma Hohmann, Tochter eines Bahnbeamten. Sie lernte Köchin auf einem Militärgut und arbeitete mehrere Jahre auf größeren Gütern Ost- und Westpreußens. Anfang des Jahrhunderts lebte sie in Meiningen, wo sie den Schneider Eduard Döll (* 1873 – † 1947) heiratete. 1906 zogen sie nach Danzig, wo Emma Döll SPD-Mitglied wurde und 1918 in die USPD eintrat. Ende 1920 mit dem linken Flügel der Danziger USPD Übertritt zur KPD. Im Mai 1920 als USPD-Abgeordnete in die Verfassunggebende Versammlung von Danzig gewählt, gehörte sie bis 1927 der KPD-Fraktion im Danziger Volkstag an. Sie starb 1930 in Danzig. Ihre Tochter Klara Döll (* 1. 5. 1903 – † 14. 10. 1994) lernte Gärtnerin, trat 1921 in die KPD ein und arbeitete bis 1923 in der KPD-BL Danzig, war Stenotypistin. Im Februar 1930 Übersiedlung in die Sowjetunion, dort beim Ministerium für Außenhandel beschäftigt, ab Oktober 1933 Studium an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Engels. Am 7. Februar 1938 vom NKWD festgenommen, zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt und 1946 nach Karaganda verbannt. Sie konnte 1956 in die DDR ausreisen und lebte zuletzt in Erfurt.

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Dölling, Rudolf

* 4.11.1902 – ✝ 3.8.1975

Geb. in Roßbach (Krs. Asch, Nordböhmen/ Hranice, Tschechien); Vater Weber; Volks- u. Bürgerschule; 1917 – 23 Hilfs- u. Bergarb. bzw. arbeitslos, Arbeitsstellen in Jena u. Schles.; 1919 Mitgl. des KJV; 1920 Gewerkschaft; 1922 aufgrund pol. Betätigung Ausweisung aus Dtl.; 1922/23 Arbeit in einer Tischlerei in Roßbach; Jan. 1923 KPČ; 1923 vierwöchiger Lehrgang an einer Internat. Parteischule in Jena; 1924 – 39 hauptamtl. Funktionär der KPČ u. des Revol. Textilarbeiterverb.; 1924/25 Sekr. der KPČ-BL in Asch; 1925 – 28 Sekr. der Gebietsltg. der RGI in Asch; 1928/29 Red. u. Sekr. des Vorstands der Textilarb. in Prag; 1929 – 32 Sekr. der Gebietsltg. der Textilarb. in Reichenberg; zw. 1930 u. 1934 einige kurzz. Verhaftungen; 1933 – 39 Sekr. des Zentralvorstands der RGI in Prag; 1935 – 39 Abg. im Parlament; 1937/38 verantwortl. Red. der Ztg. »Die junge Garde«; März 1939 auf ZK-Beschluß Emigr. in die UdSSR; zunächst Mitarb. bei der IRH; 1940/41 Dreher in der 2. Moskauer Uhrenfabrik; März – Dez. 1941 Kursant der KI-Schule in Puschkino (b. Moskau) u. nach deren Evakuierung in Kuschnarenkowo, dann dort Lehrer der tschechoslowak.-sudetendt. Gruppe bis zur Auflösung der Schule im Aug. 1943; Mitgl. der erweiterten KPČ-Ltg. in Moskau; 1943 – Ende 1944 Lehrer an der Antifa-Schule im Kriegsgefangenenlager Nr. 165 in Taliza; Red. u. Sprecher am »Sudetendt. Freiheitssender« in Moskau; Mai 1945 Rückkehr in die ČSR; 1945/46 Mitarb. des ZK der KPČ in Prag, zus. mit Bruno Köhler verantw. für die Umsiedlung sudetendt. Antifaschisten in die SBZ. Jan. 1946 Umsiedl. nach Dtl.; KPD/SED; 1946 – 49 Mitarb. des PV der SED, 1946 Ref. in der Abt. Schulung, später Werbung u. Presse, dann stellv. Ltr. der Abt. Agit. im ZK; Sept. 1949 Stellv. Ltr. der HV für Ausbildung u. Ltr. der HA Politkultur der HV für Ausbildung; Chefinspekteur, dann Gen.-Inspekteur der DVP; als Ltr. der Pol. Verw. 1952 – 53 Stellv. des MdI bzw. Juni 1952 – 55 des Chefs der KVP; 1954 – 63 MdVK; 1955 – 57 Kursant an der Akad. des Gen.-Stabs der Streitkräfte der UdSSR »Woroschilow« in Moskau, Dr. rer. mil.; 28.11.1957 – 31.7.1959 Stellv. des Min. für Nat. Verteidigung u. Chef der Pol. HV der NVA (Nachf. von  Gottfried Grünberg), Gen.-Major; 1958 Med. Kämpfer gegen den Fasch.; 1958 – 67 Mitgl. des ZK der SED, 1958 – 63 Mitgl. des Außenpol. Aussch. der Volkskammer, 1959 Ausscheiden aus dem aktiven Dienst; Aug. 1959 – Aug. 1965 Botschafter in der UdSSR (Nachf. von  Johannes König), danach Konsultant im Min. für Ausw. Angelegenh., Ltr. einer Arbeitsgr.; 1962 VVO; 1965 Banner der Arbeit; 1967 Pensionierung; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; NVA-Verdienstmedaille; 1967 KMO; 1972 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Wie kämpft das illeg. Dtl.? Bericht antifasch. Arbeiter über den rev. Kampf in den fasch. Massenorg. Prag 1936 (Hrsg.); Die KPdSU in der Zeit des Großen Vaterländ. Krieges. Berlin 1955. Giese, D.: R. D. – Parteiarbeiter in Uniform. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003; Hohnwald, W.: Zeuge u. Mitgestalter der neuen Zeit. R. D. In: BzG (1988) 2.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dombrowski, Lutz

* 25.6.1959

Geb. in Zwickau; Vater Bergmann, ehem. Zehnkämpfer; Patenkind des DDR-Präs.  Wilhelm Pieck; Leichtathletiktraining in Zwickau; 1973 Delegierung zur KJS u. zum SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Hans-Jürgen Grützner); Ausbildung zum Maschinen- u. Anlagenmonteur; FDJ; 1979 SED; ab 1979 vom MfS als IM erf.; Fernstudium an der FS für Technologie der Metallverarbeitung in Glauchau; 1979 Europacupsieger, 2. Platz beim Weltcup; 1980 Olympiasieger u. 1982 EM im Weitsprung (persönl. Bestleistung: 8,54 m); 1988 endete die sportl. Laufbahn; stellv. Krs.-Vors. des DTSB in Karl-Marx-Stadt; 1989 – 92 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer. 1990/91 Abg. in der Chemnitzer Stadtverordnetenvers., PDS-Fraktion; nachdem seine Erfassung als IM beim MfS bekannt wurde, legte er sein Mandat nieder; 1992/93 arbeitslos; Dipl.-Sportlehrer; 10.4.2003 Aufn. in die »Hall of Fame« der Leichtathleten; Angest. beim Sportverband Schwäbisch Gmünd.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Domröse, Angelica

* 4.4.1941

Geb. in Berlin; während der Schulzeit Mitgl. einer Laienspielgr. der FDJ im Berliner Haus der jungen Talente; Ausbildung zur Stenotypistin, anschl. in einem staatl. Außenhandelsunternehmen tätig; 1958 von  Slátan Dudow für die Rolle der Siggi in »Verwirrung der Liebe« entdeckt; 1958 – 61 Schauspielstudium an der Film-HS Potsdam-Babelsberg, noch während des Studiums erlangte sie durch die Titelrolle in der Familienkomödie des DFF »Papas neue Freundin« (1960) u. »Vielgeliebtes Sternchen« (1961) große Popularität; 1961 – 66 Engagement am Berliner Ensemble (BE), hier u. a. Rollen in  Bertolt Brechts »Dreigroschenoper«, »Schweyk im Zweiten Weltkrieg«, »Die Tage der Commune« u. in  H. Baierls »Frau Flinz«; 1966 Schauspielerin des Jahres; 1966 – 76 verh. mit  Jiří Vrštala; 1967 – 79 Engagement an der Volksbühne, hier u. a. in G. B. Shaws »Cäsar u. Cleopatra«, »Don Carlos«, »Troilus u. Cressida« von Shakespeare u. in »Die schöne Helena« von  Peter Hacks; neben der Theaterarbeit zahlr. Rollen bei der DEFA u. beim DFF, so u. a. in der Leonhard-Frank-Verfilmung »Chronik eines Mordes« (1964/65), in »Die Abenteuer des Werner Holt« (1965) nach dem gleichn. Roman von  Dieter Noll, in »Ein Lord vom Alexanderplatz« (1967), in »Wege übers Land« (TV, 1968) u. in der Fontane-Verfilmung als »Effi Briest« (1969/70); 1969 Kunstpreis der DDR; 1971, 1973 u. 1975 »Fernsehkünstlerin des Jahres«; unvergeßlich bleibt sie einem Millionenpublikum durch die Gestaltung der Paula in dem zum Kultfilm avancierten Gegenwartsfilm »Die Legende von Paul und Paula« (1972/73) von  Heiner Carow, 1975 »Mein lieber Mann und ich«; außerdem die TV-Produktionen »Die Brüder Lautensack« (1972/73) u. »Daniel Druskat« (1976); 1976 Verleihung des NP; Nov. 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns, danach nur noch Rollen in der TV-Produktion »Abschied vom Frieden« (1977) u. in Carows Film »Bis daß der Tod euch scheidet« (1978); 1980 verließ sie gemeinsam mit ihrem Mann  Hilmar Thate die DDR u. spielte seitdem hauptsächl. am Schiller-Theater in Berlin (West) sowie in Stuttgart, Hamburg, Bochum u. Wien; 1988 Josef-Kainz-Medaille; daneben auch zahlr. TV-Rollen, so 1984 – 86 in der TV-Serie »Kir Royal« u. in den 90er Jahren als Kommissarin in der Kriminal-Serie »Polizeiruf 110«. Seit 1992 Doz. an der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin; 1992 Regie am Studiotheater Berlin u. am Meininger Theater; 1994 im TV-Drama »Die letzte Entscheidung« als »Barbara Ruland« u. im Thriller »Kalte Küsse«; 2003 im Drama »Tal der Ahnungslosen«; 2003 »Goldene Henne«.Ich fang mich selbst ein. Mein Leben. Bergisch Gladbach 2003. Funke, C., Kranz, D.: A. D. Berlin 1976.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Döpel, Robert

* 3.12.1895 – ✝ 2.12.1982

Geb. in Neustadt / Orla; Vater Inh. einer Gerberei; Oberrealschule, 1914 Abitur; 1914 – 18 Kriegsdienst, Verwundung; 1919 – 24 Studium der Physik, Math. u. Chemie an den Univ. Leipzig, Jena u. München, dort 1924 Prom. bei Wilhelm Wien mit spektroskop. Untersuchungen von Kanalstrahlen; 1924 / 25 Ass. an der Univ. Göttingen; 1925 – 1929 im Privatlaboratorium R. v. Hirsch, ab 1929 am Physikal. Inst. der Univ. Würzburg, dort 1932 Habil. u. Privatdoz.; 1938 Berufung zum außerord. Prof. für Strahlenphysik an der Univ. Leipzig, dort maßgebl. Mitwirkung an den Forschungen zur Entw. eines Kernreaktors u. Mitarb. im sog. Uran-Projekt unter Werner Heisenberg. 1945 Verpflichtung zur wiss. Tätigkeit in der UdSSR, dort Mitwirkung an der sowj. Atombombenentw.; 1952 – 57 Prof. für Physik an der Univ. Woronesh; 1957 Rückkehr nach Dtl. u. Berufung zum Prof. für Experimentalphysik u. Dir. des Inst. für Angew. Physik der TH Ilmenau, 1960 em., VVO; gest. in Ilmenau. D.s eigtl. Forschungsgebiet war die Kernphysik, doch blieben seine Forschungsmöglichkeiten in der DDR – nachdem Ende der 1950er Jahre die kernphysikal. Forschung u. Ausbildung drastisch reduziert worden war – auf das Gebiet der Gaselektronik beschränkt, wobei sich D. in diesem Zusammenhang u. über seine Emeritierung hinaus in internat. anerkannten Arbeiten mit der Physik des Kugelblitzes u. der Kometenschweife beschäftigt hat.Hanle, W.: Nachruf auf R. D. In: Physikalische Blätter (1983) 104; Döpel-Heft der Wiss. Ztschr. der TH Ilmenau (1986) 1 (mit Schriftenverzeichnis).Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Döring, Karl

* 11.5.1937

Geb. in Hohenstein-Ernstthal; Eltern Webereifacharb.; Abitur an der ABF II in Halle; 1953 SED; 1955 – 62 Studium der Eisenhüttenkunde in Moskau, Dipl.-Ing.; 1962/63 Ing. im Brandenb. Stahl- u. Walzwerk; 1963 – 67 ord. Aspirantur an der Moskauer HS für Stähle u. Legierungen, 1967 Prom. zum Dr.-Ing. mit einer Arbeit über »Physikal. u. chem. Inhomogenitäten beim Stahl-Stranggießen«; 1967 – 72 Forschungsing. u. Produktionsdir. im Stahl- u. Walzwerk Riesa; mit sowj.-dt. Forschungsteam NP für Wiss. u. Technik; 1972 – 78 Produktionsdir. u. stellv. GD im Qualitäts- u. Edelstahlkombinat Hennigsdorf; 1973 Prom. zum Dr. oec. an der HfÖ Berlin mit einer Arbeit zum Einfluß betriebl. Forschung auf die Effektivitätsentw. im Kombinat; 1977/78 Studium an der PHS; 1979 – 85 stellv. Min. für Erzbergbau, Metallurgie u. Kali; 1985 – 90 Dir. des 1950 errichteten Stammbetriebs Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) u. GD des VEB Bandstahlkombinat »Hermann Matern« Eisenhüttenstadt, das mit sechs Kombinatsbetrieben u. 20.000 Beschäftigten zu den größten schwarzmetallurg. Unternehmen der DDR gehörte; Mitarb. in versch. bilateralen u. RGW-Gremien; 1986 – 90 Nachfolgekand. u. Abg. der Volkskammer; Mitgl. u. stellv. Vors. des Verw.-Rats der Treuhandanstalt von der Gründung bis Ende 1990. 1990/91 Präs. des Unternehmensforums; 1990 – 94 Vorstandsvors. der EKO Stahl AG Eisenhüttenstadt, anschl. techn. Dir. der EKO-Stahl-GmbH; von den GD der früher führenden Kombinate war K. D. der einzige in vergleichbarer Position verbliebene Manager.auf den Gebieten Eisenhüttenkunde, Volks- u. Betriebswirtschaft.Hagen Schwärzel / Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dornemann, Luise

* 23.2.1901 – ✝ 17.1.1992

Geboren am 23. Februar 1901 in Aurich/Ostfriesland als Luise Fremy, Tochter eines Justizbeamten; 1921 Lehrerinnenexamen in Aachen. 1921/22 Volontariat, bis 1924 Lehrerin, dann bis 1933 Leiterin der Düsseldorfer Sexualberatungsstelle. Seit 1928 KPD-Mitglied, 1932 Mitbegründerin und Vorsitzende bzw. Reichssekretärin des »Einheitsverbandes für proletarische Sexualreform und Mutterschutz«. Nach der Ermordung ihres Ehemannes Hans Dornemann (* 5. 3. 1898 in Aachen, Sekretär der »Gemeinschaft proletarischer Freidenker«) im März 1933 durch SA-Leute in Düsseldorf, illegal in Berlin aktiv u. a. mit Rudolf Scheffel. 1936 emigrierte sie nach Großbritannien, kehrte 1947 nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED. Von 1948 bis 1951 im Sekretariat des DFD-Bundesvorstandes in Ost-Berlin, bis 1953 DFD-Vertreterin in der IDFF, dann bis 1963 wissenschaftliche Mitarbeiterin am IML. Später Schriftstellerin, verfaßte sie Biographien über Jenny Marx und Clara Zetkin. Luise Dornemann starb am 17. Januar 1992 in Berlin.

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Dorst, Werner

* 6.1.1914 – ✝ 7.12.1990

Geb. in Neudorf (b. Plauen); Vater kfm. Angest.; OS, Abitur; Studium der Geschichte, Philos., Geographie u. Kunstgeschichte; 1936 Lehrer; 1937 NSDAP; 1939 Studienassessor in Halle; 1941 St.-Ex. für den höheren Schuldienst; Wehrmacht, Obltn.; Sommer 1943 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft; 1944 Mitarb. im NKFD; 6 Mon. Schulungskurs, danach Lektor u. ab 1946 Assistent für Geschichte u. Philos. an der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk. 1949 Rückkehr nach Dtl.; ab Febr. 1949 Ref. für OS in der Schulabt. der Dt. Verw. für Volksbildung; SED; Jan. 1950 stellv. Dir. des Dt. Pädagog. ZI (DPZI), Dez. 1950 kommissar., ab Mai 1951 Dir. des DPZI; 1952 Prom. zum Dr. paed. an der HU Berlin mit einer Diss. über Grundlagen von Erziehung, Bildung u. Unterricht in der DDR (veröff. 1953); Juli 1958 mit dem Vorwurf »revisionist. Tendenzen« abberufen u. zu »besonderen Arbeiten« in das Min. für Volksbildung abgeordnet; 1958 Doz. an der FSU Jena, dort 1960 Habil. mit einer Arbeit über das Erziehungssystem in der Bundesrep. Dtl.; 1961 Prof. mit vollem Lehrauftrag für systemat. Pädagogik, später bis zur Em. Dir. der Sekt. Erziehungswiss., Prorektor; seit Gründung der APW 1970 deren Ord. Mitgl.; Herbst 1989 Dr. paed. h. c. an der APW. Publ. zu erziehungswiss. u. schulpol. Problemen.Gert Geißler

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Dietzel, Karl

* 28.2.1928 – ✝ 13.12.1985

Geb. in Frankenheim (Krs. Meiningen); Vater Peitschenstockmacher, Tiefbauarbeiter; Mutter Zigarrenwicklerin, beide KPD; 1934 – 42 Volksschule in Frankenheim; 1942 – 45 HJ; 1942 – 45 Ausbildung zum Schlosser in Oberschönau. 1945 Schlosser im RAW Meiningen; 1945/46 KPD/SED; Okt. 1946 – März 1947 u. Juli – Nov. 1948 Student der Pädagog. FS in Dreißigacker; Jan. 1946 – 51 Neulehrer für Geschichte u. seit 1947 stellv. Dir. der Theo-Neubauer-OS in Meiningen; 1949 2. Lehrerprüfung, Fachlehrer für Geschichte; 1950 – 56 Schulrat des Rats des Krs. Meiningen bzw. Schmalkalden, gleichz. Kreis-Vors. der DSF; 1954/55 Vors. des Rats des Krs. Meiningen, Mitgl. der SED-KL Meiningen; 1955 – 58 Studium an der PHS; Nov. 1958 – Mai 1961 stellv. Vors. des Rats des Bez. Suhl, verantw. für Volksbildung; 1960 Oberstudienrat; 1961 – 85 stellv. Min. für Volksbild., verantw. für Anleitung u. Kontrolle des Verlags Volk u. Wissen, Weiterentw. des polytechn. Unterrichts an den OS, Schulfernsehen; ab 1971 Mitgl. der Jugendkommission beim PB des ZK der SED; 1973 Verdienstmed. der NVA; 1979 Banner der Arbeit; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dittbender, Walter

* 29.11.1891 – ✝ 2.5.1939

Geboren am 29. November 1891 in Stettin, Sohn eines Malermeisters; Mittelschule, Glaserlehre. 1909 Mitglied der Gewerkschaft, 1912 der SPD. Im Oktober 1914 Soldat, an antimilitaristischen Aktivitäten beteiligt, arbeitete nach einem Lazarettaufenthalt im Januar 1916 in den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Berlin, Mitglied der USPD und der Revolutionären Obleute. Während der Januarkämpfe 1919 Kommandant der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, dann Flucht ins Rheinland. Im Mai 1919 nach Berlin zurückgekehrt, wurde Dittbender bis Juni inhaftiert. Ab August 1919 Mitglied der Feststellungskommission des Lebensmittelverbandes bzw. der Reichsgetreidestelle. 1920 Mitglied der KPD. 1922/23 Bohrer, 1924 Kassenbote. Ab Juli 1925 Mitarbeiter der juristischen Zentralstelle der KPD-Fraktion im Preußischen Landtag und Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Ende 1926 Mitarbeiter im AM-Apparat (Zersetzung), im Juni 1927 wurde Dittbender Sekretär des ZV der RHD. 1929 kurze Zeit Reichsleiter der Roten Hilfe und Vertreter im MEB der IRH. Ab Februar 1933 illegale Arbeit, am 10. August verhaftet, in das KZ Columbiahaus gebracht und schwer gefoltert. Anschließend Häftling in den KZs Sonnenburg und Esterwegen. Als Zeuge im Reichstagsbrandprozeß vernommen, erregte Dittbenders mutige Haltung vor Gericht Aufsehen und wurde von Dimitroff als beispielhaft gewürdigt. Mitte April 1934 freigelassen, emigrierte er im Mai über Prag und Warschau in die Sowjetunion. Dort Referent der Abteilung Politemigranten beim ZK der MOPR, ab 1935 Leiter dieser Abteilung. Im Juli 1935 wurde er sowjetischer Staatsbürger und noch im August des Jahres als »absolut vertrauenswürdiger, der Sache des Kommunismus und der proletarischen Revolution treu ergebener Genosse« bezeichnet. 1936/37 als Leiter einer »Überführungskommission« an Überprüfungen und Registrierungen von KPD-Kadern, d. h. an Parteisäuberungen beteiligt. Dann geriet Dittbender selbst in die Stalinschen Säuberungen, er wurde im März 1938 verhaftet. Schon 1937 hatte er Paul Dietrich gegenüber geäußert: »Wir beide wissen zu viel. Erst werde ich verhaftet, dann führst du meine Arbeit weiter, dann wirst du verhaftet.« Nach langer Folterung legte Dittbender ein »Geständnis« ab und belastete bei einer Gegenüberstellung auch Willi Kerff, den wollte er persönlich für eine trotzkistische Organisation geworben haben. Walter Dittbender wurde am 2. Mai 1939 als »Mitglied einer antisowjetisch-trotzkistischen Terrororganisation« und als »Spion« zum Tode verurteilt und erschossen. Seine zweite Frau Gertrud Dittbender, geborene Panse (* 8. 5. 1897 – † 7. 6. 1973), mit der er seit August 1928 verheiratet war, hatte nach seiner Verhaftung Repressalien zu erleiden. Sie stellte daraufhin bei der deutschen Botschaft in Moskau einen Antrag auf Ausreise nach Deutschland und wurde deswegen am 26. Juni 1940 aus der KPD ausgeschlossen. Ihr gelang es, 1940 nach Deutschland auszureisen, sie lebte in Görlitz. Dittbenders Sohn Kurt (* 20. 7. 1920), ebenfalls in sowjetischer Emigration, kehrte 1945 nach Deutschland zurück und soll Polizeichef von Oranienbaum/Sachsen-Anhalt geworden sein. Dann wurde Kurt Dittbender vom NKWD verhaftet und kam am 5. August 1947 im sowjetischen »Speziallager« Buchenwald ums Leben.

Wer war wer in DDR

Dobberstein, Johannes

* 19.9.1895 – ✝ 9.1.1965

Geb. in Graudenz (Westpr./Grudziądz, Polen); Vater Postangest.; Volksschule, Gymnasium in Insterburg; 1914 Studium an der Tierärztl. HS in Berlin; Kriegsdienst; 1922 Approbation als Tierarzt u. Prom. zum Dr. med. vet. mit einer Arbeit über das Mastoideum des Schweins; 1923 – 28 Assistent bzw. Oberassistent am Patholog. Inst., ab 1926 mit Lehrauftrag; 1927 Habil. über Erkrankungen des Zentralnervensystems beim Pferd; 1928 Prof. mit Lehrstuhl für patholog. Anatomie an der Tierärztl. HS Berlin; ab 1928 zugl. Mitgl. des Landesveterinäramtes; 1939 Mitgl. der Leopoldina; Wehrmacht, Oberstabsveterinär. Nach Neueröffnung der Univ. Berlin Prof. mit Lehrstuhl für allg. Veterinärpathol. u. patholog. Anatomie, Dir. des Inst. für Veterinärpathol. u. zeitw. auch des Inst. für Veterinäranatomie, langj. Dekan der Veterinärmed. Fak.; 1949 Ord. Mitgl. der DAW, Aufbau des Inst. für Vergleichende Pathol. u. ab 1952 dessen Dir.; 1951 NP; Verzicht auf eine Berufung nach München, Gründungsmitgl. der DAL, 1951 – 57 Sekretär der Sekt. Veterinärmed., 1955 Ehrensenator der Tierärztl. HS Hannover, 1956 Ehrenmitgl. der Società Italiana delle Scienze Veterinarie, Ehrenprom. in Leipzig, Stockholm u. Budapest; 1957 – 62 Vizepräs. der DAL, 1962 em.; 1960 VVO. Mitautor u. Hrsg. mehrerer Standardlehrbücher, insbes. des Handbuchs der speziellen patholog. Anatomie der Haustiere (7 Bde., 3. Aufl. Berlin, Hamburg 1969 – 71); Begr. u. Hrsg. der »Monatshefte für Veterinärmed.« (ab 1946): zahlr. Veröff. zur vergleichenden Pathol. der Haustiere; HS-Lehrer zweier Generationen von Tierärzten.Sektionstechnik u. Diagnostik für Veterinärmediziner. Berlin 1950; Richtlinien für d. Sektion der Haustiere. 8. Aufl. Berlin 1957. Jentzsch, K.-D. u. a.: J. D. in memoriam. Berlin 1965 (Sitzungsberichte der DAL).Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Dohlus, Horst Paul

* 30.5.1925 – ✝ 28.4.2007

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Schwachstrombauhandwerker; 1931 – 39 Volksschule; 1939 – 42 Ausbildung zum Friseur; 1942/43 Friseurgehilfe; 1943 RAD in Teplitz-Schönau, 1943 – 45 Wehrmacht; März 1945 – März 1946 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 KPD/SED; 1946/47 Friseurgehilfe in Plauen (Vogtl.); Mai 1947 – 49 Hilfsarb., Bergarb. in der SDAG Wismut (Annaberg/Erzgeb.); 1947 FDGB; ab 1947 Mitgl. der BPO-Ltg., ab 1949 BPO-Sekr. im Schacht Malwine (Annaberg); 1949 LPS; 1949/50 Instrukteur der Gebietsltg. Wismut der SED; 1950 – 54 u. ab 1971 Abg. der Volkskammer; 1950 – 63 Kand., danach Mitgl. des ZK der SED; 1950/51 1. Sekr. der Objektltg. Wismut Oberschlema u. 1951 – 53 2. Sekr. der Gebietsltg. Wismut der SED; April 1955 »Rüge« vom 23. Plenum des ZK der SED wegen »parteischädigenden Verhaltens u. fortgesetzter Verstöße gegen die Parteimoral«; Sept. 1954 – Aug. 1955 Besuch der PHS der KPdSU in Moskau (»Lehrgang C«); 1955 – 58 PO des ZK der SED im Kombinat »Schwarze Pumpe«; 1958 – 60 2. Sekr. der SED-BL Cottbus (Nachf. von Heinz Dutschmann); ab 1958 Mitgl. des Red.-Kolleg. »Neuer Weg«; 1960 – 86 Ltr. der Abt. Parteiorgane beim ZK der SED (Nachf. von Werner Guse); 1964 Ltr. der Kommission für Partei- u. Org.-Fragen beim PB; 1968 u. 1970 Banner der Arbeit Stufe I; 1969 VVO; 1971 Mitgl. des Sekr. des ZK der SED; 1973 Sekr. für Parteiorgane des ZK; 1975 Ehrentitel »Held der Arbeit«; 1976 Kand., 1980 Mitgl. des PB des ZK der SED (Nachf. von  Friedrich Ebert); 1979 u. 1985 KMO; 1983 VVO; 1985 sowj. Medaille »40 Jahre Sieg im Großen Vaterländ. Krieg 1941 – 45«; ab 1986 Mitgl. der Kaderkommission des Sekr. des ZK; 8.11.1989 mit dem PB zurückgetreten, nicht wiedergewählt; 20.1.1990 aus der SED-PDS ausgeschl.; Rentner.Zur Führungstätigkeit der SED bei der Verwirklichung des Sinns des Soz. Berlin 1985.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Doll, Franz

* 9.11.1906 – ✝ 31.12.1945

Geboren am 9. November 1906 in Durlach/ Baden; Schlosser und Dreher, seit 1921 Mitglied der Arbeiterjugend, 1927 der KPD, wurde Redakteur am »Ruhr-Echo« und am »Westfälischen Kämpfer«. Im Juli 1932 im Wahlkreis Baden in den Reichstag gewählt, folgte Doll Ende 1932 Robert Klausmann als Polleiter des KPD-Bezirks Baden-Pfalz. Ab Februar 1933 zunächst noch mit Herbert Müller Leiter der illegalen KPD im Bezirk Baden-Pfalz, kam er dann nach Berlin, war ab Juli 1933 Oberberater West im Ruhrgebiet und anschließend in München tätig. Unklar ist, ob Doll als Polleiter der illegalen KPD Bayerns Anfang 1935 verhaftet wurde oder (wie ein Schreiben des ZK der KPD von Dezember 1945 behauptete) 1935 in das Saargebiet emigrierte. In einem »Personalbogen« des Reichssicherheitshauptamtes (Ende 1936, Anfang 1937) wurde er als »flüchtig« registriert und sein Name stand noch im Frühjahr 1941 auf der Sonderfahndungsliste der Gestapo. Dolls weiteres Schicksal ist nicht geklärt. Seine Frau Margarethe, die ein letztes Lebenszeichen ihres Mannes im Januar 1934 erhielt, ließ Franz Doll durch Beschluß des Amtsgerichts Heidelberg vom 15.Oktober 1947 für tot erklären. Als Zeitpunkt des Todes galt der 31.Dezember 1945. Wahrscheinlich ist indes, daß Franz Doll in die Sowjetunion emigrierte, dort in die Stalinschen Säuberungen geriet und ermordet wurde.

Wer war wer in DDR

Dollwetzel, Heinrich (Heini o. Heinrich Wolf)

* 30.3.1912 – ✝ 23.4.1966

Geb. in Hamburg; Vater Schlosser; 1918 – 26 Volksschule; 1926 – 30 Ausbildung zum Rohrschlosser; 1929 KJVD; Roter Jungsturm, Pol.-Ltr.; 1930 – 33 arbeitslos; 1931 RGO; 1932 KPD; ab März 1933 Ltr. des KPD-UB Flensburg, »Grenzarbeit« in Dänemark (»Richard Fiedler«); Juni – Okt. 1933 Haft in Dänemark wegen unerlaubten Grenzübertritts; Okt. 1933 UdSSR; 1934 im »Falkenburg«-Prozeß in Hamburg in Abwesenheit zum Tode verurteilt; 1934 – 36 Schlosser in einer Landmaschinenfabrik in Luberzy (b. Moskau); 1936/37 Lehrgang an der Militärschule in Rjasan; ab Juni 1937 Teiln. am span. Bürgerkrieg (»Fritz Sellner«), Kdr. einer Panzerautokomp., Hauptm.; Aug. 1937 Hospitalaufenthalt; wegen »Disziplinverstößen« Verweis durch die KPD, dann in der XI. Internat. Brigade; Aug. 1938 nach Frankreich; Arbeit in einem Heim für verwundete Spanienkämpfer; Jan. 1939 Rückkehr in die UdSSR, Elektroschweißer im Traktorenwerk in Tscheljabinsk; Nov. 1940 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1942 Mobilisierung in die Arbeitsarmee, danach wieder in Tscheljabinsk; Aug. 1942 – Juli 1943 Kursant der KI-Schule in Kuschnarenkowo; dann Spezialausbildung als Fallschirmspringer bei Moskau; 1944 Politinstrukteur in einem Kriegsgefangenenlager in Brjansk; Dolmetscher bei Untersuchungsverfahren u. Gerichtsverhandlungen gegen dt. Generäle in Brjansk u. Riga; für den Einsatz als Bez.-Funktionär der KPD Hamburg vorgeschlagen; 1946 – 48 Lehrer an der Antifa-Schule in Taliza. Nov. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Ltr. der Abt. Polit-Kultur der HA Grenzpolizei; 1949 SED; Ltr. der HA Politkultur der HV Schulung der DVdI in Berlin; 1949/50 Kursant der Militärakad. Privolsk (b. Saratow); 1950/51 Ltr. für Pol.-Kultur in der VP-Dienststelle Priemerwald; 1951/52 Oberst u. stellv. Ltr. der HA Pol.-Kultur der HV Ausbildung der KVP; Sept. 1952 Stellv. für Pol.-Arbeit des Chefs der Verw. für Mechanisierung; 1.11.1954 Generalinspekteur der DVP; 1954/55 Chef der Verw. Lehranstalten beim Stab der KVP (Nachf. von  Fritz Johne); 1955 VVO; 1955/ 56 1. Stellv. des Chefs der KVP bzw. des Min. für Nat. Verteidigung; 1956/57 Kdr. der Infanterie-Offz.-Schule in Plauen; 22.9.1957 »Verwarnung« durch die ZPKK; 1958/59 Kdr. der HS für Offz. bzw. der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden (Nachf. von  Wilhelm Adam); Aug. 1959 aus gesundheitl. Gründen in die Reserve versetzt; 1960/61 Stellv. des Chefs der Verw. Ausbildung der NVA; Juli 1961 Dienstende; gest. in Berlin. Sek.Lit.: Diedrich, T., Wenzke, R.: Die getarnte Armee – Gesch. der Kasernierten Volkspolizei. Berlin 2001.Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dombrowski, Arthur

* 23.10.1888 – ✝ 2.1.1969

Geboren am 23. Oktober 1888 in Oberschlesien, Sohn eines Kaufmanns; war nach einer kaufmännischen Lehre zunächst Angestellter. Ab 1905 in der Arbeiterjugend Deutschlands und 1908 Delegierter der 2. Konferenz der Freien Jugendorganisationen Deutschlands. 1909 SPD-Mitglied, als Kriegsgegner 1917 Übertritt zur USPD. Nach dem Krieg als Privatdetektiv in Breslau tätig. Dombrowski ging 1920 mit der linken USPD zur KPD und wurde 1923 Redakteur der »Arbeiter-Zeitung«, des Breslauer KPD-Organs. 1924 einige Zeit inhaftiert, 1929 Chefredakteur der »Arbeiter-Zeitung«. 1930 zu 16 Monaten Festungshaft verurteilt, 1932 zur Roten Hilfe nach Berlin versetzt. Im Februar 1933 verhaftet, bis 1934 im Gefängnis. 1936 konnte Dombrowski nach Palästina auswandern. Er und sein Sohn Kurt erhielten die Einreisegenehmigung, da sein Sohn Heinz bei den Aufständen in Nordpalästina gefallen war. Arthur Dombrowski lebte in einem Kibbuz in Israel, er starb am 2. Januar 1969.

Wer war wer in DDR

Donath, Rolf

* 24.1.1929

Geb. in Halle (Saale); Vater Polizeioffizier; Reformrealgymnasium; 1948 Lehre als Buchhalter, danach Steuerprüfer beim Finanzamt; 1950 – 54 Angest. im Rat der Stadt Halle; Mittelstreckenläufer bei Einheit Mitte Halle (Trainer Ewald Mertens); 1951 DDR-Mstr. 1.500 m, 1952 DDR-Mstr. 800 m, 1953 DDR-Vizemstr. 800 m, 1954 DDR-Mstr. 800 m (3. Pl.); 1951 Teiln. an den Akad. Weltspielen: 800 m (6. Pl.), 1.500 m (im Vorlauf ausgesch.); 1951 – 53 vier Länderkämpfe; DDR-Rekorde 800 m 1:55,8 u. 1:55,0 (1951), 1:52,4 (1952 persönl. Bestleistung), 1.000 m 2:28,0 (1952) u. 2:28,3 (1953), 1500 m 3:59,8 (1951 erster DDR-Läufer unter 4 min), Bestleistung 1.500 m 3:56,3 (1954); 1953 Heirat mit Ursula Jurewitz (1953 erste Weltrekordläuferin der DDR, 1960 olymp. Bronzemed. über 800 m); 1954 – 55 Teiln. am 4. Trainerlehrgang an der DHfK Leipzig; danach Jugendtrainer bzw. als Nachf. von Ewald Mertens Trainer der Spitzenläufer des SC Chemie Halle-Leuna; 1959 – 65 Medizinstudium an der MLU Halle-Wittenberg, Dr. med.; ab 1966 Assistenzarzt am Sportmedizin. Rehabilitationszentrum Kreischa, Schwerpunkte: Weiterentw. der Trainingssysteme (vor allem in Ausdauerdisziplinen), Entw. des künstl. Höhentrainings (Baro-Kammer); 1975 Mitgl. der Ärztekommission des DVfL, die für die Entw. des Dopingsystems im DDR-Sport maßgebl. verantwortl. war; 1976 / 77 beratender Arzt u. Trainerausbilder in Algerien; 1979 Obermedizinalrat; 1980 – 90 Ärztl. Dir. des ZI des Sportmedizin. Dienstes in Kreischa; Meister des Sports.Mittelstrecken- u. Hindernislauf. 1960 (mit Ewald Mertens); Ernährung der Sportler. 1972.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Döpfner, Julius

* 26.8.1913 – ✝ 24.7.1976

Geb. in Hausen (Rhön); Vater Hausmstr.; 1933 Abitur; 1933 – 41 Studium der Theol. in Rom; 1939 Priesterweihe; 1941 Prom.; 1941 – 44 Kaplan in Großwallstadt, Schweinfurt u. Gochsheim, 1944 Präfekt des Knabenseminars Kilianeum in Würzburg. 1945 Assistent u. Subregens am Priesterseminar der Diözese Würzburg, 1948 – 57 dort Bischof; 1957 Bischof von Berlin mit Sitz in Berlin (West) (Nachf. von  Wilhelm Weskamm), Vors. der Berliner Ordinarienkonferenz; 1958 – 1961 Einreiseverbot in die DDR (außer Berlin) wegen »antisoz.« Äußerungen in Predigten; 1958 Ernennung zum Kardinal durch den Vatikan, Mitgl. vatikan. Kongregationen; Protagonist eines öffentl. Kurses gegen die Pol. der DDR, zunehmende Differenzen mit ostdt. Bischöfen, ab 1960 keine gem. öffentl. Verlautbarungen der Berliner Ordinarienkonferenz; Juli 1961 Versetzung Döpfners durch den Vatikan u. Ernennung zum Erzbischof von München u. Freising; im Sept. 1961 vergebl. Plädoyer an seinen Nachf.  Alfred Bengsch für eine Herauslösung des Westteils von Berlin aus dem Bistum; 1961 – 76 Vors. der Bayr. Bischofskonferenz, 1965 – 76 Vors. der Fuldaer Bischofskonferenz bzw. (ab 1966) der Dt. Bischofskonferenz; Besuche bei der Berliner Ordinarienkonferenz in Berlin (Ost) 1964, 1975 u. 1976; 1971 – 75 Präs. der Gem. Synode der Bistümer der Bundesrep. Dtl. in Würzburg; partieller Kritiker der päpstl. Primatsausübung, Kritiker der vatikan. Ostpol., Zurechtweisung aus Rom in Sachen Ostpol. kurz vor seinem Tod; gest. in München.Schäfer, B.: Staat u. kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Döring, Manfred

* 18.11.1932

Geb. in Oberfrohna; Vater Schneider; Abitur; 1952 Kommandeursschule der KVP; 1953 Uffz. der KVP; 1953 – 56 Offiziersschule der KVP/NVA; 1956 Zugführer; 1958 Ausbilder im Wachregt. Berlin des MfS, später Batteriechef; 1959 Stabschef der Artillerieabt.; 1961 Offz. für operative Arbeit im Regimentsstab; 1962 Kdr. der Artillerieabt.; 1965 – 68 Militärakad. »Friedrich Engels«, Dipl.-Militärwiss.; 1968 Kdr. des 2. Kdo. des Wachregt. »Feliks Dzierżyński«; 1971 1. Stellv. des Kdr. des Wachregt.; 1975/76 Delegierung zur PHS; 1987 Kdr. des Wachregt. (Nachf. von  Bernhard Elsner), Gen.-Major; März 1990 Entlassung.Hoch, H., Lapp, P. J.: Die Garde des Erich Mielke. Aachen 2008.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Dörner, Hans-Jürgen

* 25.1.1951

Geb. in Görlitz; Vater Glasbläser; POS; 1960 – 67 Fußballer bei der BSG Energie/Motor Görlitz, 1967 – 84 SG Dynamo Dresden; 1967 – 71 Ausbildung zum u. Arbeit als Dreher; 1970 Eintritt in die DVP, Major; 1972/73 Abendschule, Abitur; 1974 – 82 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1971, 1973, 1976, 1977, 1978 DDR-Mstr.; 1971, 1977, 1982, 1984, 1985 DDR-Pokalsieger; 1976 Olympiasieger; 1977, 1984 u. 1986 DDR-Fußballer des Jahres; 100 (bzw. 96) Länderspiele, 9 Länderspieltore; 60mal Nationalkapitän; zehnmal Olympia-Auswahl-; 15mal Juniorenländer-; 17mal Jugendländerspieler; 68 Europapokalspiele; 392 Oberligaspiele (65 Tore); 1986 – 89 Nachwuchstrainer bei der SG Dynamo Dresden; 1989/90 Trainer der DFV-Olympiaauswahl. 1990 – 95 Trainer beim DFB, 1994 Kotrainer der dt. Fußballnationalmannschaft bei der WM in den USA; Jan. 1996 – Aug. 1997 Trainer bei Werder Bremen; April 1998 – Okt. 1999 Trainer beim FSV Zwickau (Regionalliga Nordost); Trainer bei Al Ahly Kairo; betreibt Fußballschule in Dresden; seit 2006 Trainer beim Radebeuler SC 08.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Dose, Heinz

* 25.5.1901 – ✝ 13.7.1980

Geb. in Kiel; 1919 Spartakusbund, 1920 KPD; ab 1920 Mitgl. des ATSB; 1925 Ltr. der Deleg. Niederrhein zur Arbeiter-Olympiade in Frankfurt (Main); 1930 Ltr. des Fußballverb. des ATSB; 1931 Wechsel zur KG Rote Sporteinheit, 1932 / 33 deren Ltr; Frühjahr 1933 Reorg. der KG u. deren Polit. Ltr. in Sachsen; ab Sept. 1933 Polit.-Ltr. der KPD in Ostsachsen; 1934 Verhaftung, Verurteilung zu 3 Jahren Zuchthaus »wg. Vorbereitung zum Hochverrat«, anschl. bis April 1945 KZ Buchenwald. 1946 SED; 1950 Sekr. des DS; 1951 – 52 Generalsekr. des NOK, 1952 – 70 NOK-Schatzmeister; 1970 NOK-Ehrenmitgl.; 1953 – 60 Dir. des VEB Sport-Toto; 1952 – 58 Präsident der Sektion Rudern bzw. des DDR-Ruderverb., danach Vizepräs.; 1961 – 69 Schatzmeister der Gesell. zur Förderung des olymp. Gedankens; VVO, Med. Kämpfer gegen den Faschismus; gest. in Berlin.Volker Kluge

dissidenten.eu

Dimitrowa, Blaga

* 1922 – ✝ 2003

Blaga Dimitrowa wurde 1922 in Bjala Slatina geboren. Nach dem Abitur in Sofia studierte sie Slawische Philologie an der Universität Sofia. Ihre akademische Laufbahn setzte sie in der Sowjetunion (in Leningrad und Moskau) fort, wo sie 1950 den Doktortitel erlangte. Sie war anschließend Redakteurin in der Lyrikabteilung der vom Bulgarischen Schriftstellerverband herausgegebenen Monatsschrift „Septemvri“. 1952–54 arbeitete sie in Südbulgarien in den Rhodopen, wo sie Stoff für ihren ersten Roman „Patuvane kam sebe si“ (Die Reise zu uns selbst, 1965) sammelte. 1962 arbeitete Dimitrowa als Redakteurin im Verlag Bulgarski pisatel des Bulgarischen Schriftstellerverbandes, wo sie sich für die Veröffentlichung von Werken junger Autoren einsetzte, die staatlicherseits kein hohes Ansehen genossen, darunter Konstantin Pawlow, Stefan Zanew und Nikolaj Kantschew. Nach einer intellektuellenfeindlichen Rede von Parteichef Todor Schiwkow wurde die Herausgabe der Bücher jedoch gestoppt, woraufhin Dimitrowa als Zeichen ihres Protestes die Arbeit im Verlag aufkündigte. Die bereits geplanten Bände erschienen später, allerdings in einer zensierten Fassung. Dimitrowa arbeitete fortan für den Verlag Narodna kultura. 1966 lektorierte sie den Gedichtband „Beležnik“ (Aufzeichnungen) des Dichters Stefan Getschew, gegen den eine vernichtende ideologische Kampagne lief. Die Kritik richtete sich auch gegen Dimitrowa als Lektorin des Bandes. Während des Vietnamkrieges besuchte sie mehrfach das vom Krieg zerstörte Land. Aus diesen Erfahrungen heraus entstanden ihre Bücher „Osadeni na ljubov“ (Verurteilt zur Liebe, 1969), „Strašnijat săd“ (Das Jüngste Gericht, 1969) und „Podzemno nebe“ (Unterirdischer Himmel, 1972). Sie adoptierte ein vietnamesisches Waisenkind. Nach der Selbstverbrennung von Jan Palach und der Niederschlagung des *Prager Frühlings durch den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei im August 1968 verfasste sie das Gedicht „Jan Palach“, das sie handschriftlich an den Bulgaristen Miloš Vojta in der Tschechoslowakei schickte (das Manuskript ist nicht erhalten). Sie pflegte Kontakte zu Lumír Čivrný, Milan Uhde und anderen Intellektuellen der tschechoslowakischen Opposition. Die 70er Jahre waren für Dimitrowa von besonderer Aktivität gekennzeichnet. Sie schrieb mehrere Bücher, mit denen sie zur Gewissensbildung der Bulgaren beitragen wollte. Angesichts jahrzehntelanger offizieller tendenziöser Geschichtsklitterung in Bulgarien gaben Dimitrowa und ihr Ehemann, der Literaturkritiker Jordan Wassilew, 1975 die Bücher „Mladostta na Bagrjana“ (Die Jugend der Bagrjana) und „Dni černi i beli“ (Schwarze und weiße Tage) heraus. Diese stellten eine Biografie der bulgarischen Dichterin Elisaweta Bagrjana (1893–91) dar. Erinnerungen der Dichterin sowie Gespräche mit ihr lagen den Büchern zugrunde. Da in ihnen auch zahlreiche von der offiziellen kommunistischen Propaganda verleugnete Kultur- und Literaturschaffende ihren Platz fanden, wurden die Bände zuerst von der offiziellen Kritik zerrissen und dann auf den Index gesetzt. Die Autoren galten fortan als „Fälscher der historischen Wahrheit“ und als „Ideologieschmuggler“. Die Schärfe der staatlichen Reaktionen war auch auf eine positive Rezension von #Georgi Markow am 15. Juli 1975 in *Radio Freies Europa zurückzuführen. Markow hatte kritisch bemerkt, dass in offiziell veröffentlichten Tagebüchern von Partisanen und politischen Erinnerungen die Sicht der Partei eine menschliche Sichtweise komplett verdrängt habe, was den allgemeinen Eindruck von Fälschungen hinterlasse. Der größte Vorzug der Bücher von Dimitrowa und Wassilew sei daher seine menschliche Glaubwürdigkeit. Eine Übersetzung der Bücher für das Ausland wurde nicht genehmigt, obgleich Jugoslawien, Rumänien und Polen Interesse bekundeten. Das Erscheinen des dritten Bandes „Bagrjana i nejnite spatnicy“ (Bagrjana und ihre Weggefährten) wurde von der Zensur verhindert. 1981 veröffentlichte Dimitrowa nach vier Jahren erfolgloser Bemühungen schließlich ihren Schlüsselroman „Lice“ (Das Gesicht) über das kommunistische Regime und die Verheerungen, die es in der Persönlichkeit der Menschen anrichtete. Die *Ungarische Revolution von 1956 und das Echo darauf in Bulgarien hatten sie zu diesem Roman inspiriert. Obwohl das Buch nur in einer zensierten Form erscheinen konnte, wurde der größte Teil der Auflage von 30.000 Exemplaren schnell wieder aus dem Buchhandel entfernt, nachdem kommunistische Kritiker es als „schwarzseherisch“ und „parteifeindlich“ gebrandmarkt hatten. In der vom Bulgarischen Schriftstellerverband herausgegebenen Wochenzeitschrift „Literaturen front“ erschien 1982 in Nr. 23 anonym ein vernichtender Artikel mit dem Titel „Über die Wahrheit in unserem Leben und über ein gewisses Buch“. Bereits zuvor waren hier beleidigende Beiträge über „Lice“ erschienen, die nahelegten, das Buch sei von feindlichen ausländischen Kräften inspiriert worden.Silwija Borisowa Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 08/17

Wer war wer in DDR

Dittmer, Andreas

* 16.4.1972

Geb. in Neustrelitz, begann 1982 (erster Übungsltr. Vater Klaus D. 1970 WM-Fünfter Einerkanadier 10.000 m); 1985 KJS Neubrandenb., SC Neubrandenb. (Trainer Jürgen Lickfett); 1989 Junioren-WM C 1 500 m (Gold), 1.000 m (Silber). Viermal Olymp. Spiele: 1996: C 2 1.000 m (Gold); 2000: C 1 1.000 m (Gold), 500 m (Silber); 2004: C 1 500 m (Gold), 1.000 m (Silber); 2008: C 1 1.000 m 8. Platz; achtmal WM: C 1 500 m (2003, 2005), 1.000 m (1997, 2001 – 2003, 2005), C 2 1.000 m (1994); viermal EM C 1 1.000 m (2001, 2002, 2004, 2005); insges. 30 WM-Med. u. 46mal Dt. Mstr. (1991 – 2008); Rücktritt 2008; 1996, 2001 u. 2005 Silbernes Lorbeerblatt, 2000 Pierre-de-Coubertin-Preis des Intern. Komitees für Fair Play, 2004 Bambi; Bankkfm., Sparkassenbetriebswirt; Schwester Anja D. 1999 EM Triathlon u. 2004 Teiln. Olymp. Spiele (11. Pl.); wohnt in Neubrandenb.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Doerk, Chris

* 24.2.1942

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Ausbildung zur Gebrauchswerberin; Erich-Weinert-Ensemble der NVA; 1967 Berufsausweis als Schlagersängerin, »Lieb mich so, wie dein Herz es mag« (mit  Frank Schöbel, 1. Platz beim Schlagerwettbewerb der DDR); 1969 erste LP (mit F. Schöbel) u. erste eigene Show (mit Frank Schöbel u. Horst Feuerstein), Gastsolistin bei  Klaus Lenz u. Orchester; 1970 Festival Varadero, danach 18 Jahre Publikumsliebling in Kuba; ab 1971 Moderatorin der DFF-Sendungen »Treff mit Chris u. Frank« u. »Disko-Treff« (mit F. Schöbel); 1972/73 Mitgl. des Nat. Komitees für die X. Weltfestspiele in Berlin; 1973 Goldpokal beim XII. Schlagerfestival der Ostseestaaten in Rostock; Goldener Orpheus, Bronze mit dem Lied »Rose von Chile«; Tourneen mit eigener Gruppe in fast alle europ. Länder; Erfolgstitel: »Männer, die noch keine sind«, »Was erleben«, »Rose von Chile»; Filme: »Heißer Sommer«, »Nicht schummeln, Liebling«; 5 Duett-LP (mit F. Schöbel), 4 Solo-LP, Lieder auf Musical-LP, CD »Die großen Erfolge«; seit 1990 auch als Malerin bekannt, Ausstellungen in der Schweiz u. Dtl.; zeitw. verh. mit F. Schöbel, seit 1974 mit dem Fotografen u. Dok.-Filmer Klaus P. Schwarz; lebt in Kleinmachnow.La Casita – Geschichten aus Cuba. Berlin 2002.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Dohm, Bernhard

* 1.5.1905 – ✝ 22.7.1986

Geb. in Wiesbaden; Vater Oberpostassistent; 1919 – 21 Ausbildung zum Schiffbauer auf der Vulkanwerft in Hamburg, bis 1929 im Beruf tätig; 1927 KJVD; 1929/30 arbeitslos; 1930 – 33 Mitarb. des Kinderbüros der KJI in Moskau; 1931 KPD; sowj. Staatsbürgerschaft; 1933 – April 1935 Kursant der KUNMS; danach erneut KJI, Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf., Okt. 1941 Evakuierung nach Ufa, bis 1942 Fernstudium der Geschichte am Moskauer Inst. für Lit., Philos. u. Geschichte; 1942 Red. des Senders für die dt. Jugend Sturmadler, 1943 Mitarb. des Dt. Volkssenders; Mitgl. einer Arbeitsgr. der KPD-Führung über Jugendfragen; 1944 an der 1. Ukrain. Front Lehrer in der Frontschule für Kriegsgefangene. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Ref. u. ab 1949 Ltr. der Abt. Parteischulung der KPD-BL bzw. des LV Sachsen der SED; 1950 – 53 Dir. des Marx-Engels-Lenin-Inst., danach wiss. Mitarb. in der dortigen Marx-Engels-Abt.; 1960 halbjährl. Aufenthalt in Moskau; ab 1960 Sekr. der GOL der SED im IML; Ehrenspange zum VVO.Lenin u. der Leninismus. Lektion zum 80. Geburtstag W. I. Lenins am 22. April 1950. Berlin 1950; Marx u. Engels u. ihre Beziehungen zu Rußland. Berlin 1955; Karl Marx: Gesamtausgabe. Probebd. Berlin 1972 (Mitarb.). Dohm, B. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Bd. 20. Berlin 1986.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Dölling, Emmi

* 25.2.1906 – ✝ 25.1.1990

Geb. in Ruppersdorf (Krs. Reichenberg, Nordböhmen/Ruprechtice, Tschechien); Vater Textilarb.; Volks- u. Bürgerschule; Lehrerbildungsanstalt; Lehrerin an der Volksschule in Neustadt; 1920 KJV der ČSR, 1924 KPČ; Sekretärin im Büro der KPČ-BL in Reichenberg; 1925 ZdA (Lehrerverband); 1928 Mitarb. im ZK des KJV der ČSR, Aufbau der Pionierorg.; 1928 – 31 Kursantin an der Internat. Leninschule in Moskau; 1931 Rückkehr in die ČSR; Sekretärin der KPČ in Kratzau, dann Bez.-Sekr. in Reichenberg u. Sekr. des Roten Textilarbeiterverb.; 1933 kurzztg. verhaftet; ab 1934 dt. Sekr. im Zentralvorst. des Textilarbeiterverb.; April 1939 Emigr. in die UdSSR, Mitarb. der Internat. Roten Hilfe bzw. der Kommunist. Internat.; Mitarb. der Kominternschule in Moskau, ab Okt. 1941 in Baschkirien; zeitw. Red. des »Sudetendt. Freiheitssenders«, Sept. 1943 – Aug. 1944 Mitarb. im Pressebüro »Supress«; Aug. 1944 – Nov. 1945 am Inst. Nr. 205 in Moskau; Dez. 1945 Rückkehr nach Prag. 1946 nach Dtl.; Mitarb. im ZK der KPD, 1946 SED; 1946/47 Chefred. der Ztschr. »Neuer Weg« im Range einer Abt.-Ltr. des ZK der SED; 1947 erkrankt an Tbc, 1948/49 Sanatoriumsaufenthalt in Sülzhayn; ab 1953 zeitw. Mitarb. der Presseabt. u. danach der Abt. Agitation u. Propaganda des ZK der SED; später freie Mitarb. für das MfNV.Ausgew. Schriften. 2 Bde. Berlin 1956, 1960 (Hrsg. v. M. V. Frunze).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dollwetzel, Max

* 11.9.1883 – ✝ 25.9.1933

Geboren am 11. September 1883 in Hof/Oberfranken. Schlosser auf der Howaldt Werft in Kiel, später in Hamburg. Mitglied der SPD, 1914 trat er aus Protest gegen die Bewilligung der Kriegskredite aus. Als Facharbeiter nicht zum Militär eingezogen, schloß er sich 1917 zunächst der USPD und dem Spartakusbund, 1919 der KPD an, war 1918/19 im Arbeiter- und Soldatenrat in Hamburg. Wegen seines Engagements oft arbeitslos, zuletzt Wohlfahrtspfleger. Ab 1930 Mitarbeiter des AM-Apparates der BL Wasserkante, am 25.September 1933 wurde er von der Gestapo festgenommen und in das KZ Fuhlsbüttel verschleppt. Vier Tage später teilte die Gestapo der Familie mit, Dollwetzel hätte Selbstmord begangen. Erst in den sechziger Jahren erfuhren die Angehörigen von einem Mithäftling, daß Max Dollwetzel am 28. September 1933 im Folterkeller der Gestapo erschlagen worden war. Christian Gebhardt veröffentlichte auf der Internetseite des Projekts der »Arbeitsstelle für Hamburgische Geschichte« eine ausführliche Biographie über Max Dollwetzel. Dollwetzels Söhne Erich (* 18. 1. 1911 – † 30. 5. 1981) und Heinrich (* 30. 3. 1912 – † 23. 4. 1966), beide Mitglieder des KJVD, flohen 1933 in die Sowjetunion. Erich wurde als Flieger ausgebildet, im November 1937 vom NKWD verhaftet und zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt. 1958 durfte er in die DDR ausreisen und arbeitete bei der SED-BL Dresden. Heinrich war 1934 in Hamburg in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden, arbeitete bis 1936 in der Landwirtschaft, studierte danach an der Militärschule der Panzertruppen in Rjasan. Von Mai 1937 bis Herbst 1938 war er Kommandeur einer Panzerkompanie der XI. Internationalen Brigade in Spanien. Nach Rückkehr in die Sowjetunion Verhaftung durch das NKWD und Verurteilung zu zwei Jahren Lager, anschließend Metallarbeiter in Tscheljabinsk. Bis 1945 Offizier der Roten Armee, kam Ende 1948 in die SBZ, SED-Funktionär in der Deutschen Verwaltung des Innern. 1956 1. Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung, zuletzt Stellvertreter des Chefs der Verwaltung Ausbildung. Die Tochter von Max Dollwetzel und Schwester von Erich und Heinrich, Barbara Reimann, veröffentlichte 2000 ihre Erlebnisse unter dem Titel: »...die Erinnerung darf nicht sterben... Barbara Reimann – Eine Biografie aus acht Jahrzehnten Deutschland«.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dombrowski, Johann

* 13.4.1903 – ✝ 21.8.1941

Geboren am 13. April 1903 in Stolp als Sohn eines Landwirts; gehörte 1920/21 dem Grenzschutz Ost und der Reichswehr an, ab 1922 war er Hilfsarbeiter im Ruhrgebiet. 1923 trat er der KPD bei, war 1925 führend am Aufbau des RFB beteiligt und arbeitete danach für den illegalen AM-Apparat. Von April bis November 1933 in »Schutzhaft«, emigrierte Dombrowski im Dezember 1933 nach Amsterdam. Dann illegale Rückkehr nach Hamborn. Ab 1937 war er Leiter des Militärapparats Ruhr der KPD. Er organisierte Industrie- und Wehrmachtsspionage und schuf Sabotagegruppen in Rüstungsbetrieben. Im März 1939 verhaftet, wurde Johann Dombrowski im März 1941 zum Tode verurteilt und am 21. August 1941 in Berlin hingerichtet.

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Donáth, Ferenc

* 1913 – ✝ 1986

Jurist, Teilnehmer an der *Ungarischen Revolution von 1956, Mitangeklagter im Imre-Nagy-Prozess, Leiter des Redaktionskomitees der *Bibó-Festschrift, Mitinitiatoren des *Treffens in Monor.Ferenc Donáth wurde 1913 in Jászárokszállás in einer Intellektuellenfamilie geboren. Sein liberal eingestellter Vater war Rechtsanwalt. Bereits 1930 war Donáth an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Loránd-Eötvös-Universität Budapest eingeschrieben. Er war überzeugter Marxist, interessierte sich für die Tätigkeit der illegalen kommunistischen Partei, fand Anschluss an die kommunistische Studentenbewegung, wurde 1934 Mitglied der Partei Ungarischer Kommunisten und knüpfte Kontakte zu linken Intellektuellen. 1935 schloss er sein Studium an der Juristischen Fakultät ab. 1936 nahm er an einem studentischen Gesprächskreis an der Universität Debrecen teil, die Donáth zufolge eine entscheidende Zäsur im Leben der teilnehmenden Studenten und Intellektuellen darstellte. Mit den Studenten aus dem linken Milieu in Debrecen, die er damals kennenlernte, verbanden ihn bis an sein Lebensende Freundschaften und gemeinsame politische Überzeugungen. Durch sein Interesse für die Agrar- und Bauernfrage schloss er auch immer engere Kontakte mit Schriftstellern aus bäuerlichen Traditionen. Später wurde er zum Vermittler zwischen national und liberal orientierten Gruppierungen. So war er zum Beispiel 1939 bei der Gründung der Nationalen Bauernpartei anwesend. Er verfasste Beiträge für die Presse und wurde ebenfalls 1939 Redaktionsmitglied bei der Wochenzeitung „Szabad Szó“ (Freies Wort). 1940 wurde er verhaftet, kam jedoch nach mehrwöchigen Ermittlungen wieder frei. Für eine gewisse Zeit verlor er den Kontakt zur kommunistischen Partei. Als Ungar jüdischer Herkunft wurde er zur Zwangsarbeit abkommandiert, von der er im Dezember 1940 zurückkehrte. Der erneuten Einberufung zur Zwangsarbeit im Jahre 1941 entging er aufgrund einer Lungenerkrankung. Ab 1942 betätigte er sich in der Illegalität. Er war an der Gründung der Kommunistischen Partei beteiligt, in der Parteiführung aktiv, redigierte die Parteipresse und schuf Parteiorganisationen in der Provinz. 1944 war er an Verhandlungen zwischen verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Widerstandsbewegung sowie an der Entstehung der Märzfront, einer Bewegung linker Intellektueller, beteiligt und wurde Redakteur der illegalen Zeitschrift „Szabad Nép“ (Freies Volk). 1945 arbeitete er in Debrecen in der Kommission, die die Bodenreform vorbereitete, schrieb an der Verordnung über die Bodenreform mit und sorgte im Landesrat für die Bodenreform und deren Durchsetzung. Von 1945–48 war er Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Mitglied des Parlaments und des Zentralkomitees der Partei Ungarischer Kommunisten. 1947 wurde er erneut Parlamentsabgeordneter, verzichtete 1948 auf seinen Posten im Ministerium und wurde Vorsitzender des Sekretariats der Kommunistischen Partei. 1950 nahm die Zentrale Kontrollkommission Ermittlungen gegen Donáth auf. Im Januar 1951 wurden er, seine Frau und deren Eltern verhaftet. Im Dezember desselben Jahres wurde Donáth zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er dreieinhalb Jahre in Einzelhaft verbrachte. Seine Frau wurde ohne Urteil drei Jahre lang in Haft genommen. 1954 kam er frei, das Urteil wurde aufgehoben und Donáth wieder die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zugestanden. Dennoch war er faktisch in den folgenden zwei Jahre lediglich am Rande als Experte für Agrarfragen tätig. Erst nach der Entstalinisierung des XX. Parteitags der KPdSU kehrte er in die Politik zurück, fand Anschluss an Reformgruppen um Imre Nagy und beteiligte sich am *Petőfi-Kreis (Petőfi Kör). Nach der Vereidigung der neuen Reformregierung unter Imre Nagy schloss er sich im Oktober 1956 gemeinsam mit Géza Losonczy der *Ungarischen Revolution an. Er sah die Notwendigkeit eines Mehrparteiensystems, betrachtete diese Frage jedoch nicht als Priorität. Das wichtigste Element der Demokratie waren für ihn die Arbeiterräte. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen und der blutigen Niederschlagung der *Ungarischen Revolution wurde Donáth am 23. November 1956 zusammen mit den anderen Mitgliedern der Regierung von Imre Nagy, die in der Botschaft Jugoslawiens Asyl beantragt hatten, nach Rumänien deportiert. 1958 wurde er als zweiter Angeklagter im Imre-Nagy-Prozess vom Obersten Gericht zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt – wegen seiner Teilnahme an einer Verschwörung, die „den Sturz der demokratischen Ordnung zum Ziel gehabt“ habe.1960 kam Donáth im Rahmen einer Amnestie frei, kehrte jedoch nicht mehr in die Politik zurück. Erst in den 70er Jahren schloss er sich den Protesten gegen die Inhaftierung der *Charta 77-Aktivisten in der Tschechoslowakei an, er unterschrieb alle von der Opposition verfassten Aufrufe, Proteste und Petitionen. 1979 wurde er als Persönlichkeit, die sich einer großen Autorität erfreute, Leiter des Redaktionskomitees, das die Herausgabe der *Bibó-Festschrift (Bibó Emlékkönyv) vorbereitete. Im Dezember 1981 war Donáth an einer illegalen Pressekonferenz beteiligt, die der *Ungarischen Revolution von 1956 gewidmet war. 1982 nahm er an der ersten Demonstration teil, die von ungarischen Oppositionellen auf dem Budapester József-Bem-Platz organisiert wurde. Er verfasste Beiträge für die Zeitschrift *„Beszélő“ (Sprecher), half bei deren Vertrieb, unterstützte den Samisdat-Buchladen „Butik“ von László Rajk und stand ihm bei Hausdurchsuchungen helfend zur Seite. Im Jahre 1984 war er einer der geistigen Väter und Organisatoren des *Treffens in Monor. Nicht lange nach diesem Treffen starb Ferenc Donáth in Budapest.Fanny Havas Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Dorf, Gustav Artur

* 17.7.1908 – ✝ 27.10.1972

Geb. in Barmen (b. Wuppertal); Vater Maurer; Volksschule; Handlungsgehilfe; 1926 KJVD, Ltr. u. Org.-Ltr. des UB Wuppertal; 1929 KPD; 1930 KPD-Reichsparteischule in Fichtenau; 1931 Red. der »Bergischen Volksstimme« u. 1931/32 Ltr. des KPD-UB Solingen, 1932/ 33 UB-Ltr. Hagen (Westf.); 8.8.1933 verhaftet, 2.9.1933 aus dem Gefängnis Remscheid in die Niederlande geflohen; Okt. 1933 Emigr. nach Frankreich; 1936 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, dort Politkommissar des Bat. Etkar André der XI. Internat. Brigade, Oberst; Febr. 1939 Rückkehr nach Frankreich, dort Sept. 1939 in Le Vernet interniert; 1940 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1941 – 43 in Djelfa (Nordafrika) interniert; 1943/44 Soldat der brit. Armee; 1944/45 im sowj. Auftrag Partisan des OSS, in Italien kurz vor Kriegsende Partisanenausbildung (zus. mit  Karl Kormes), jedoch kein Einsatz mehr. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 SED; Juli 1945 – Juni 1946 Ltr. der Abt. Polizei der Provinzialverw. Brandenb.; 1946 – 49 Chef der VP Brandenb. u. Polizeipräs. in Potsdam; anschl. Doz. an der PHS; 1951 wegen seiner Mitarb. beim OSS u. seiner Westemigr. Funktionsverbot; Kulturdir. in der Volkswerft Stralsund; ab 1956 stellv. Vors. der GST; 1958 VVO; 1968 Banner der Arbeit; gest. in Berlin.Zur Rolle des moralischen Faktors. In: Brigada Internacional ist unser Ehrenname ? Bd. 1. Berlin 1974. Uhl, M.: Mythos Spanien. Bonn 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Dorn, Erna

* 28.8.1913 – ✝ 1.10.1953

Geb. 28.8.1913 (o. 17.7.1911) in Königsberg oder Tilsit (Ostpr./Kaliningrad oder Sowjetsk, Rußland); bis 1933 angebl. Sekr. im Polizeipräs. Königsberg, nach erster eigener Aussage ab 1940 Häftling in versch. KZ, gemäß späterer Aussage ab 1934 im unteren Polizeidienst u. 1941 auf eigenen Wunsch als Aufseherin nach Ravensbrück versetzt; nach eigenen Angaben 1934 – 45 NSDAP (kein Nachweis). 1945 nach Halle, bis 1949 ohne Arbeit; Dez. 1945 Heirat mit Max Gewald (OdF); 1945/46 KPD/SED, 1949 Ausschluß aus der SED; 26.1.1949 Verurteilung zu 11 Monaten Gefängnis wegen krimineller Delikte; Okt. 1949 Scheidung; Ende 1950 Entlassung, Jan. 1951 erneute Verhaftung wegen krimineller Delikte, Aug. 1951 Verurteilung zu 18 Monaten Zuchthaus; im März 1951 gibt »D.« als Geburtsname nicht mehr Scheffler, sondern Kaminski mit anderem Geburtsdatum u. -ort an, um ihre angebl. frühere Tätigkeit bei der Polizei in Königsberg zu verschleiern; Nov. 1951 vorzeitige Haftentlassung (allg. Präsidentenerlaß); 28.11.1951 erneute Festnahme wegen der vermeintl. Tätigkeit als Aufseherin im KZ Ravensbrück, nach Aussage vom 5.12.1951 seit 1938 angebl. verh. mit Erich D., SS-Unterscharführer im KZ Ravensbrück, erstmalige Selbstbezeichnung als »Erna D.«, die Untersuchungsergebnisse des MfS bleiben widersprüchl., da sich glaubwürdige Zeuginnen aus Ravensbrück an »D.« nicht entsinnen können; 21.5.1953 Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus durch das BG Halle; 17.6.1953 Befreiung nach Erstürmung der U-Haftanstalt II Halle durch aufständ. Demonstranten, 18.6.1953 erneute Festnahme; 22.6.1953 vom BG Halle zum Tode verurteilt, 8.9.1953 Bestätigung des Urteils durch das SED-PB, 1.10.1953 Hinrichtung durch Enthauptung in Dresden. »D.« war die einzige Frau, die in der DDR im Kontext des 17. Juni hingerichtet wurde. Ihre Identität u. Biogr. sind bis heute ungeklärt, da alle biograph. Angaben auf widersprüchl. Selbstaussagen beruhen, die bisher nicht geklärt werden konnten. Es handelte sich offenbar um eine geistig verwirrte Frau. In der SED-Propaganda über den 17. Juni 1953 fungierte »D.« als eine zentrale Figur, die den angebl. faschist. Charakter der Volkserhebung belegen würde; »D.« wurde hier auch als »Gertrud Rabestein« bezeichnet, die am 31.8.1948 zu lebenslängl. Haft verurteilt wurde u. 1974 im Gefängnis Hoheneck starb. Stephan Hermlin hat »D.« auf der Grundlage von Gerichtsakten als »Die Kommandeuse« verewigt, sich aber auch nach 1990 nicht vom propagand. Gehalt seiner Novelle distanziert.Ebert, J., Eschebach, I.: »Die Kommandeuse«: E. D. Berlin 1994; Gursky, A.: »E. D.«, zum Tode verurteilt am 22. Juni in Halle/S. Magdeburg 1996; Löhn, H.-P.: Spitzbart, Bauch u. Brille – sind nicht des Volkes Wille! Bremen 2003; Werkentin, F.: Polit. Strafjustiz in der Ära Ulbricht. Berlin 1995.Ilko-Sascha Kowalczuk

dissidenten.eu

Doroņina-Lasmane, Lidija

* 1925

Krankenschwester, Widerstandskämpferin, mehrmalige politische Gefangene.Lidija Doroņina-Lasmane stammt aus einer religiösen Bauernfamilie. Sie wurde 1925 im westlettischen Dorf Ulmale geboren. Die Grundschule besuchte sie in dem Dorf Pāvilosta und 1940–44 das Gymnasium in Liepāja. Ab 1945 ließ sie sich in Riga zur Krankenschwester ausbilden. In der Nachkriegszeit betätigte sie sich gemeinsam mit ihren Eltern in der Widerstandsbewegung gegen die Sowjetmacht. Sie versorgte die Partisanen mit Medikamenten und behandlte sie im Krankenhaus in Riga. Am 23. November 1946 wurden Lasmane und ihre Eltern verhaftet. Auch die Partisanen, denen sie geholfen hatte, kamen in Haft. Das Militärgericht des Baltischen Militärbezirks verurteilte sie nach *Artikel 58, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der RSFSR zu fünf Jahren Lagerhaft und drei Jahren Verbannung. Zuerst kam sie in ein Straflager im Gebiet Swerdlowsk, dann war sie ab 1950 im Straflagerkomplex Workuta. Nach der Entlassung war vorgesehen, sie lebenslang in die nordwestrussische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Kumi in Verbannung zu schicken. Die Verbannung wurde jedoch 1954 aufgehoben. Lasmane blieb gleichwohl in dem Dorf Woiwosch in der Autonomen Republik der Komi, wo sie als Krankenschwester arbeitete. 1959 heiratete sie einen Geologen aus der Region. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter kehrte Doroņina-Lasmane 1960 nach Lettland zurück. Dort gelang es ihr, den Kontakt zur Familie ihres Bruders wiederherzustellen, der nach Schweden emigriert war. Sie organisierte den Schmuggel von Samisdat- und Tamisdat-Veröffentlichungen und engagierte sich aktiv bei deren Weiterverbreitung im Land. Bis 1969 arbeitete sie als Ökonomin im Kulturministerium der Lettischen Sowjetrepublik. Nach dem *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei verurteilte sie diese Invasion öffentlich, woraufhin sie ihren Posten im Ministerium verlor. Fortan arbeitete sie als Ökonomin im Möbelwerk „Riga“. Am 3. August 1970 wurde Doroņina-Lasmane erneut verhaftet. Man warf ihr die Lagerung und Weiterverbreitung von Werken Andrei Amalriks und Alexander Solschenizyns vor. Am 29. Dezember 1970 verurteilte sie das Oberste Gericht der Lettischen Sozialistische Sowjetrepublik (LSSR) nach Artikel 182, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der LSSR (siehe *Artikel 190, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu zwei Jahren Lagerhaft, die sie in einer Strafkolonie für Frauen in Riga verbüßte. Nach ihrer Entlassung nahm sie ihre Kontakte zu lettischen Dissidenten wieder auf. Sie schloss sich der „Aktion Licht“ an, die von dem Baptistenpastor Paulis Kļaviņša ins Leben gerufen worden war und sich für politische Häftlinge und für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzte. Am 6. Januar 1983 wurde Doroņina-Lasmane zum dritten Mal verhaftet. Dieses Mal wegen der Verbreitung von ausländischen Filmen und von Fragebögen zur Erstellung eines Informationsmaterials unter dem Titel „Lettische Deportations- und Mordopfer während der Sowjetherrschaft seit 1940“. Außerdem wurde ihr vorgeworfen, westliche Rundfunksendungen mitgeschnitten zu haben, um diese als sogenannte antisowjetische Agitation und Propaganda zu verwenden. Nicht zuletzt habe sie Samisdat- und Tamisdatveröffentlichungen weiterverbreitet, darunter Romane von Anšlavs Eglītis und die historische Dokumentation *„Pamjat‘“. Am 11. August verurteilte das Oberste Gericht der LSSR Doroņina-Lasmane nach Artikel 65, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der LSSR (siehe *Artikel 70, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu fünf Jahren Lagerhaft und drei Jahren Verbannung. Die Strafe verbüßte sie in den *mordwinischen Lagern, wo sie an Widerstandsaktionen teilnahm. Auf den Vorschlag der Behörden, sie solle Gnadengesuch einreichen, antwortete sie am 6. März 1984 mit dem Verzicht auf die sowjetische Staatsbürgerschaft. Damit protestierte sie gleichzeitig gegen einen verleumderischen Pressebeitrag, der zu jener Zeit erschienen war. Am 25. Dezember 1986, ein Jahr vor dem ursprünglichen Ende der Lagerhaft, wurde Doroņina-Lasmane aufgrund eines Dekrets des Obersten Sowjets der Lettischen SSR begnadigt. Im Mai 1987 kehrte sie nach Lettland heim. Dort wurde sie im Oktober desselben Jahres Mitarbeiterin der Redaktion der Untergrundzeitschrift „Aukselis“ (Morgenstern), der ersten lettischen Zeitschrift seit 1934, die nicht der Zensur unterlag. Nach dem Ende der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Lettlands arbeitete sie ab 1993 für das Dokumentationszentrum für die Folgen des Totalitarismus beim Büro für den Schutz der Verfassung der Republik Lettland. Für ihren Einsatz im Kampf für die Menschenrechte wurde sie am 7. November 1994 mit dem Drei-Sterne-Orden 5. Ranges ausgezeichnet. Sie lehnte jedoch die Entgegennahme der Auszeichnung ab, da diese auch ehemaligen KGB-Agenten verliehen worden war. Am 25. November 1999 wurde sie offiziell als Aktivistin der Nationalen Widerstandsbewegung anerkannt. Bis heute lebt Lidija Doroņina-Lasmane in Riga.Zinta Abola Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung 08/17

Wer war wer in DDR

Dovifat, Emil

* 27.12.1890 – ✝ 8.10.1969

Geb. in Moresnet bei Aachen; Vater Apotheker; Volksschule u. Gymn.; Studium der Philos., Gesch., Volkswirtschaft u. Zeitungswiss. an den Univ. München u. Leipzig, Prom. zum Dr. phil.; Teiln. am Ersten Weltkrieg; Mitgl. des Zentrums; Redakteur in Frankfurt (Oder) u. Stettin; 1921 Mitbegr. des Organs des Christl. Gewerkschaftsbundes »Der Deutsche«, 1927 zugl. Chefred.; ab 1924 Ass. am Dt. Inst. für Zeitungswiss., ab 1928 dessen Ltr.; 1926 Berufung zum außerord. Prof. für Zeitungswiss. u. Allg. Publizistik an der Friedrich-Wilhelm-Univ. Berlin; 1933 gemaßregelt, 1934 als Prof. kurzfristig in den Ruhestand verabschiedet; 1940 »Doktorvater« der Journalistin u. später prominenten Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann. 1945 CDU; Juli–Okt. 1945 Chefred. des Zentralorgans der CDU »Neue Zeit« u. Mitgl. des CDU-PV, Okt. 1945 von der SMAD abgesetzt, anschl. bis 1948 Mitarb. im CDU-PV; März 1948 Mitbegr. der Tagesztg. »Der Tag«, 1948 Mitbegr. der Freien Univ. Berlin u. bis 1959 Ltr. des dortigen Inst. für Publizistik; Lehraufträge an der wieder gegründeten Dt. HS für Politik (DHfP) in West-Berlin; 1961 Bundesverdienstkreuz; gest. in West-Berlin.Zeitungswiss. 2 Bde. Berlin 1931; Zeitungslehre. 2 Bde. Berlin 1937; Journalismus. 4 Bde. Düsseldorf 1960 – 69; Handbuch der Publizistik. 3 Bde. Berlin 1968 / 69. Benedikt, K.-U.: E. D.: Ein kath. Hochschullehrer u. Publizist. Mainz 1986; Sösemann, B. (Hrsg.): E. D.: Studien u. Dokumente zu Leben u. Werk. Berlin / New York 1998; Köhler, O.: Unheimliche Publizisten: Die verdrängte Vergangenheit der Medienmacher. München 1995.Andreas Herbst