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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dowedeit, Friedrich

* 4.12.1892 – ✝ 1965

Geboren am 4. Dezember 1892 in Augskalinen bei Gumbinnen in Ostpreußen, Sohn einer Arbeiterfamilie; Maurer in Insterburg. Von 1911 bis 1913 Militärdienst, dann von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. Er arbeitete von 1918 bis 1931 als Maurerpolier in Gumbinnen, ab 1931 erwerbslos. 1919 trat Dowedeit der SPD, 1921 der KPD bei. Von 1921 bis 1931 Leiter der KPD im Kreis Gumbinnen, 1924 bis 1931 Abgeordneter des Ostpreußischen Provinziallandtages und Stadtrat in Gumbinnen. 1931 wurde er Redakteur bei der Reichsleitung der RGO, zeitweise auch RGO-Sekretär für den Bezirk Ostpreußen und Mitglied der RGO-Reichsleitung. 1933 illegal als RGO-Instrukteur tätig, wurde Dowedeit 1933 inhaftiert, arbeitete aber dann bis 1945 unbehelligt als selbständiger Kohlenhändler bzw. Gewerbetreibender in Berlin. 1945/46 war er Sekretär des ZV des FDGB (IG Land und Forst) in der SBZ. 1946/47 Referent beim Präsidenten der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft Edwin Hoernle. Von 1947 bis 1950 wieder selbständiger Fuhrmann, 1951 beim Konsumverband Berlin-Mitte. Dowedeit wurde am 4. Januar 1952 wegen »parteischädigenden Verhaltens als Opportunist und Sektierer« aus der SED ausgeschlossen, 1957 aber wieder aufgenommen. Bis 1959 war er bei der Kommunalen Wohnungsverwaltung Berlin Prenzlauer Berg tätig. Friedrich Dowedeit starb im Januar 1965 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Dräger, Lothar

* 19.1.1927

Geb. in Schwennenz (b. Stettin); Vater Eisenbahning.; Realgymnasium; Flakhelfer in Stettin, nach schwerer Krankheit als wehruntaugl. entlassen. 1947 Besuch des Klindworth-Scharwenka-Konservatoriums in Berlin, dann Studium an der HS für Musik in Berlin, Ausbildung zum Opernsänger; Engagements in Nordhausen u. Potsdam; ab 1957 Mitarb. bei  Hannes Hegen (Johannes Hegenbarth), der seit 1955 die Comic-Ztschr. »Mosaik« gestaltete, D. war entscheidend an den Exposés, der Recherche u. den Texten beteiligt; 1958/59 Gestaltung der Mosaik-Beilage »Klaus u. Hein erzählen aus dem Pionierleben«; 1976 – 90 künstler. Ltr. des Mosaik u. zus. mit  Lona Rietschel u. Horst Boche Schöpfer der neuen Comic-Figuren »Abrafaxe«; ab 1.1.1990 Ruhestand. Arbeit an einer Romantrilogie zur Geschichte von »Ritter Runkel«, ebenfalls eine Mosaik-Figur.Ritter Runkel u. seine Zeit (mit U. S. Graupner). Berlin 2002; Ritter Runkel – Der Diplomat (mit U. S. Graupner). Berlin 2006. Lettkemann, G.: 35 Jahre Mosaik. 35 Jahre Comics in der DDR. Ein Interview mit L. D. In: Comic Jb. 1990. Hamburg 1990; Lettkemann, G., Scholz, M. F.: Schuldig ist schließlich jeder ... Comics in der DDR. Berlin 1994; dies.: L. D. In: Lexikon der Comics, 8. Erg.-Lfg. (Juni 1993). Meitingen 1991 ff.; Kramer, T.: Micky, Marx u. Manitu – Zeit u. Kulturgeschichte im Spiegel eines DDR-Comics 1955 – 1990. Berlin 2002.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Drees, Erika

* 15.9.1935 – ✝ 11.1.2009

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen) als Tochter des im 2. Weltkrieg gefallenen Generals Hans Karl von Winterfeldt; 1945 Flucht nach Schleswig-Holstein. Studium der Medizin an der Freien Univ. Berlin (West); durch die Ost-West-Studentengemeinde Kontakte in die DDR, deshalb 1958 Verhaftung durch das MfS unter Spionageverdacht, nach 9 Monaten U-Haft im »Roten Ochsen« Halle Entlassung aus Mangel an Beweisen; 1960 Übersiedl. in die DDR zu ihrem Ehemann, dem Psychiater Ludwig Drees; Arbeit als Ärztin in Bernburg, 1975 in Stendal; seit 1968 oppositionelle Aktivitäten, seit Mitte der 1970er Jahre Protest gegen den Bau des Atomkraftwerks Stendal, 1982 Mitgl. der Gruppe »Frauen für den Frieden«, Mitarbeit im Netzwerk »Frieden konkret«, mehrfach festgenommen u. mit Ordnungsstrafen belegt; 9.9. 1989 Unterz. des Gründungsaufrufs des Neuen Forums. Als Teiln. des Ostermarsches 1991 schwer verletzt; 1991 Ablehnung der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes aus Protest gegen die Politik der Bundesreg.; 1991 Gründung des Sozial-Psychiatr. Zentrums in Stendal; Mitinitiatorin der Bürgerinitiative »Freie Heide« gegen das Bombodrom der Bundesluftwaffe im Nordwesten Brandenburgs; 2000 Ablehnung des Nationalpreises aus Protest gegen die Kriegsbeteiligung der Bundesrep.; 7.4.2002 Protest gegen das Atomwaffenlager Büchel, 5.11.2002 Verurteilung zu einer Haftstrafe von sechs Wochen ohne Bewährung, da »die Angeklagte in fortgeschrittenem Lebensalter u. mit ihren Vorstrafen ein schlechtes Vorbild für Kinder u. Enkel« sei, Mai / Juni 2003 Haft im »Roten Ochsen« in Halle sowie in Eisleben; Mahnwachen zur Solidarisierung in Eisleben, Halle u. Magdeburg.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Drescher, Fritz

* 30.3.1904 – ✝ 6.9.1982

Geb. in Dresden, aufgew. in Halle; Vater Metallarb.; Volks- u. Handelsschule; Ausbildung zum Kfm.; 1918 Soz. Jugend, 1921 SPD; Volontariat bei versch. sozialdemokrat. Ztg.; Journalist; Mitarb. der Ortskrankenkasse in Bitterfeld; nach 1933 arbeitslos; wegen illeg. pol. Tätigkeit in versch. Gruppen zweimal verhaftet, 1937 wegen »Vorber. zum Hochverrat« Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus. 1945 Mitbegr. der SPD Weißenfels; 1946 SED; Vizepräs. der Bez.-Reg.; Ltr. des Wirtschaftsdezernats, zuständig für die gesamte auf Braunkohle basierende Großindustrie der Region; 1947 zur Landesreg. Sachsen-Anh. nach Halle versetzt; Ministerialdir. im Min. für Land- u. Forstw.; Mitgl. des SED-BV Halle; nach losen Kontakten zum Ostbüro der SPD im Sept. 1948 verhaftet u. vom Sowj. Militärtribunal wegen angebl. »Wirtschaftssabotage« sowie »Führung einer sozialdemokrat. Untergrundbew.« zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, Haft im Zuchthaus Bautzen, ab 1950 im Straflager Workuta in der UdSSR, 1955 nach schwerer Erkrankung entlassen; nach Rückkehr in die DDR Flucht in die Bundesrep. Dtl.; Verw.-Dir. im Wirtschaftswiss. Inst. des DGB in Düsseldorf; gest. in Bad Münder.Bouvier, B.: Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der Sowj. Besatzungszone u. in der DDR 1945 – 1953. Bonn 1996.Beatrix Bouvier

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dressel, Fritz

* 1.6.1896 – ✝ 28 bis 193

Geboren am 1. Juni 1896 in Welsberg an der Eich/Oberfranken, Sohn eines Zimmermanns; lernte Zimmerer. Dressel war Kriegsteilnehmer in Frankreich und Rußland, nach Verwundung und Lazarettaufenthalt Rüstungsarbeiter in München. 1919 Mitglied der KPD und der BL Südbayern. Im März 1921 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er auf einer Versammlung in München eine Solidaritätsresolution für Max Hoelz eingebracht hatte. Nach 15 Monaten wurde der Rest der Strafe auf Bewährung ausgesetzt. 1923 wählte ihn der VIII. KPD-Parteitag in die Mandatsprüfungs- und Orgkommission. Anfang 1925 Sekretär des KPD-Bezirks Südbayern, war Dressel zeitweise (während der Inhaftierung von Joseph Götz) Orgleiter. Im April/Mai 1927 besuchte er die Parteischule der KPD in Hohenstein (Sächsische Schweiz) und wurde anschließend Orgleiter in Südbayern (bis 1928) und zugleich Abgeordneter des Bayerischen Landtags (von 1928 bis 1933 Vorsitzender der KPD-Fraktion). Wegen einer von ihm und Herbert Müller im März 1929 angeführten Protestdemonstration von Münchner Erwerbslosen wurde er angeklagt und nach Aufhebung der Immunität zu mehreren Monaten Haft verurteilt. Noch im April 1933 protestierte er beim Gauleiter der bayerischen NSDAP, Wagner, gegen den Terror der SA. Seine Frau Dora (*8.12. 1897 – † 1. 4. 1993) wurde von der SA am 30. März 1933 als Geisel in Haft genommen. Am 3. Mai 1933 wurde Dressel verhaftet, die Wachmannschaft des KZ Dachau hetzte Hunde auf ihn. Von diesen Tieren zerfleischt, wurde er ins Krankenrevier des KZ gebracht, wo ihn die SA verbluten ließ. Fritz Dressel starb am 7. Mai 1933.

Wer war wer in DDR

Drinda, Horst Eckart

* 1.5.1927 – ✝ 21.2.2005

Geb. in Berlin; Ausbildung zum Flugzeugmotorenschlosser in Köthen (Anhalt); Beginn eines Studiums als techn. Offz.; bis 1945 Wehrmacht, verwundet. Durch Vermittl. von  Gustav v. Wangenheim in die Schauspielschule des Dt. Theaters (DT) aufgenommen; 1946/47 Engagement am DT, dort April 1946 Debüt in »Wir heißen euch hoffen« von Fritz Denger; 1948 Filmdebüt bei der DEFA in mehreren satir. Kurzfilmen der »Stacheltier«-Prod., 1949/50 Engagement am Landestheater Halle; 1950 – 70 Mitgl. des Ensembles des DT, danach dort gelegentl. noch Gast, Rollen am DT u. a.: der Ferdinand in »Egmont«, Don Carlos, Hamlet, Max Piccolomini, Maske in »Der Snob«; 1955 übertrug ihm  Konrad Wolf die Hauptrolle in seinem soz. Heimatfilm »Einmal ist keinmal« u. 1957 die Charakterrolle des kleinbürgerl. Angest. Fromeyer in seinem Film »Lissy« nach der liter. Vorlage von  F. C. Weiskopf; außerdem Rollen unter der Regie von  Richard Groschopp in »Bevor der Blitz einschlägt« (1959), in der Koprod. DDR/Polen »Begegnung im Zwielicht« (1960), in dem Lustspielfilm »Die Liebe und der Co-Pilot« (1960/61), in »Der Traum des Hauptmann Loy« (1961/62), in »Der Dieb von San Marengo« (1963) u. 1965 in »Die besten Jahre« (R:  Günther Rücker); 1963 u. 1970 NP; 1971 »KLK an PTX – Die rote Kapelle«; 1971 zweif. NP; ab 1971 beim Schauspielerensemble des DFF, dort auch Regiearbeiten, DFF-Filme u. a.: 1967 »Kleiner Mann – was nun?«, 1968/70 die Titelrolle in »Ich – Axel Cäsar Springer«, 1976 »Auf der Suche nach Gatt«, 1978 »Scharnhorst«, sowie in den TV-Serien »Zur See« (1977) u. »Unser Mann ist König« (1980); 1976, 1977 u. 1982 Kunstpreis des FDGB; 1982 »Arzt in Uniform« u. »Der Teufelskrs.« (hier auch Co-Regie), 1985 »Aus dem bürgerlichen Heldenleben« (auch Regie); 1987 NP. In den 1990er Jahren vereinzelte Theaterauftritte sowie Gastrollen in Fernsehfilmen u. –serien, so 1991 in »Aerolina« (TV-Serie), 1995 in »Geliebte Feinde«; 1996 in »Der rote Tod«; 2003 in »In aller Freundschaft«; Schlaganfall; gest. in Berlin.Monika Kaiser

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dröll, Karl

* 10.3.1897 – ✝ 7.2.1969

Geboren am 10. März 1897 in Frankfurt am Main, Sohn eines Bäckermeisters; Drogist. Als Soldat im Ersten Weltkrieg verwundet. 1918 in Berlin zunächst bei der Demobilisierungsbehörde, 1919 trat er der USPD bei. Er war Bürogehilfe und arbeitete beim Magistrat von Groß-Berlin. Seit 1925 im RFB, 1926 in der KPD. Dröll gehörte der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg an. 1930 wählte ihn die Bezirksversammlung Berlin-Mitte zum unbesoldeten Stadtrat, vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg wurde ihm aus politischen Gründen die Bestätigung versagt. Ab 1931 Angestellter der deutsch-russischen Handelsgesellschaft Derop, zuletzt stellvertretender Filialleiter. Anfang April 1933 festgenommen und drei Monate in der Strafanstalt Plötzensee in Haft. Im September konnte er mit seiner Frau Herta Dröll, geborene Neumann (* 9. 2. 1896 – † 15. 11. 1979), und seinem Sohn Hermann (* 11. 10. 1921 – † 1942) in die Niederlande flüchten, wo Dröll für die sowjetische Handelsgesellschaft »Exportchleb« arbeitete. 1935 Emigration in die Sowjetunion, dort im Klub ausländischer Arbeiter Übersetzer und Redakteur beim Deutschen Volkssender. Im November 1943 wurde er wegen »mangelnder Wachsamkeit« aus der KPD ausgeschlossen und nach Sibirien verbannt. Dröll war in Tomsk Heizer, seine Frau Herta Arbeiterin. Beider Sohn Hermann starb 1942 in Tomsk an Tuberkulose und Entkräftung. Nach über zehnjähriger Verbannung durfte Dröll mit seiner Frau 1955 in die DDR. Er war zunächst Redakteur bei der Nachrichtenagentur ADN, zuletzt Leiter des Hermann-Duncker-Archivs der Gewerkschaftshochschule in Bernau. Karl Dröll starb am 7. Februar 1969 in Bernau bei Berlin.

Wer war wer in DDR

Duchac, Josef

* 19.2.1938

Geb. in Bad Schlag (b. Gablonz, ČSR/Joblonecké Paseky, Tschechien); 1957 CDU; 1964 Chem.-Ing.; 1973 Dipl.-Ing.-Ökonom.; 1964 – 86 Schichtltr., Abt.-Ltr. Prod. im Gummiwerk Waltershausen (Krs. Gotha); Mitarb. beim Rat des Krs. Gotha; seit 1990 Mitgl. des CDU-Landesvorst. Thür.; Juni 1990 – Nov. 1990 Regierungsbevollm. des Bez. Erfurt; 1990 Vors. des CDU-KV Gotha. Okt. 1990 – 94 MdL Thür.; Nov. 1990 – Jan. 1992 Ministerpräs. des Freitaats Thür., Rücktritt nach öff. Vorwürfen angebl. Verstrickung mit dem MfS; anschl. Ltr. der Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Lissabon, St. Petersburg u. Budapest; 2005 Thür. Verdienstorden.MDR, 19.2.2008: Aufstieg u. Fall des J. D.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Duddins, Walter

* 20.5.1903 – ✝ 1945

Geboren am 20. Mai 1903 in Königsberg, Sohn eines Lehrers, der 1909 starb. Bei Pflegeltern aufgewachsen, lernte Maschinenschlosser und arbeitete in Königsberg und später in Dortmund. 1917 Mitglied der Arbeiterjugend, 1918 des Spartakusbundes, 1919 der KPD. Von 1918 bis 1922 Jugendfunktionär in Ostpreußen, 1921/22 Mitglied der BL Ostpreußen, kam 1922 als Jugendsekretär der Partei ins Ruhrgebiet. Da 1923 gegen Duddins ein Ausschlußverfahren wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten lief, schied er aus dem hauptamtlichen Apparat aus, wurde später aber rehabilitiert. Im Januar 1926 Parteisekretär, zunächst im UB Duisburg, dann von 1927 bis 1929 in Bochum. Obwohl er zur linken Opposition tendierte, vertrat er die Parteilinie. 1927 wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, wegen Zersetzung der Schutzpolizei im März 1928 zu eineinhalb Jahren Festung. Im Mai 1928 im Wahlkreis Westfalen-Süd, im Juli 1932 im Wahlkreis Erfurt in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Anfang 1930 leitete er als Sekretär den UB Dortmund, ein Mordanschlag der SA auf ihn mißlang. Von Mitte 1930 bis 1933 Polleiter des Bezirks Thüringen. 1933 zur illegalen Arbeit als Leiter des Bezirks Wasserkante eingesetzt, wurde Duddins im Juli 1933 verhaftet und am 10. August 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Auch seine frühere Frau stand wegen Hochverrats vor Gericht und wurde 1935 zum Tode verurteilt, ihre Strafe aber in 15 Jahre Zuchthaus umgewandelt. Walter Duddins kam nach der Strafverbüßung im November 1936 ins KZ Sachsenhausen. Dort wandte er sich von der KPD ab und wurde im August 1939 freigelassen. Hanna Melzer, die von 1925 bis 1932 mit Walter Duddins zusammenlebte, berichtete der SED-Führung 1949, ihre politische Entwicklung sei zu einem großen Teil ihm zu verdanken. Aber sechs Wochen nach Ausbruch des Krieges gegen die Sowjetunion habe sie von Duddins einen Brief aus Königsberg erhalten, »in dem er die nach seiner Auffassung vorhandenen Ursachen über die Niederlage der Sowjetunion aufzeigte und mit Begeisterung über die Taten der Hitler-Armee und über seinen Wunsch, seine Kräfte in der Industrie einzusetzen« geschrieben habe. Daraufhin habe sie jede Verbindung mit Duddins abgebrochen. Demgegenüber gibt es aber auch die Aussage des früheren Königsberger KPD-Funktionärs und späteren VVN-Spitzenfunktionärs Georg Spielmann aus dem Jahre 1950. Danach hatte Duddins ihn im März 1945 vor der Verhaftung durch die Gestapo und die Feldgendarmerie sowie dem drohenden Kriegsgericht bewahrt, indem dieser wissentlich falsche Angaben gemacht und »bestätigt« habe, Spielmann arbeite in seiner Abteilung als Maschinenbauer. Duddins soll laut Hanna Melzer nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 in einem Lager bei Königsberg an Ruhr gestorben sein.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Duncker, Käte

* 23.5.1871 – ✝ 2.5.1953

Geboren am 23. Mai 1871 als Käte (oder Käthe, ursprünglich Paula Kathinka) Döll in Lörrach in Baden als Tochter eines Kaufmanns, aufgewachsen in Friedrichroda in Thüringen, wohin sie mit der Mutter nach dem Tode des Vaters 1877 zog. Käte besuchte die Höhere Mädchenschule in Friedrichroda sowie die Handelsschule in Gotha. Von 1888 bis 1890 Lehrerinnenseminar in Eisenach, anschließend bis 1895 Lehrerin in Friedrichroda und Leipzig. Ab 1894 Vortragstätigkeit beim Arbeiterbildungsverein Leipzig. Wegen ihrer politischen Tätigkeit als Lehrerin in Leipzig gemaßregelt, ging sie 1895 nach Hamburg, wurde dort aber 1897 als Lehrerin erneut entlassen und heiratete Ende 1898 den damaligen Studenten der Volkswirtschaftslehre Hermann Duncker. Als Mitglied der SPD zunächst Mitarbeiterin, später Vorsitzende des sozialdemokratischen Frauen- und Mädchenvereins in Leipzig, dann bis Ende 1908 Redakteurin der Zeitschrift »Gleichheit« und enge Vertraute von Clara Zetkin. Käte Dunckers Schrift: »Die Kinderarbeit und ihre Bekämpfung« wurde 1906 veröffentlicht. Sie nahm an allen SPD-Frauenkonferenzen vor 1914 teil und war als Delegierte auf dem Internationalen Sozialistenkongreß 1910 in Kopenhagen. Von 1908 bis 1912 Mitglied des Zentralen SPD-Bildungsausschusses, nach Ausbruch des Weltkrieges stand sie in Opposition zum SPD-Parteivorstand. Ab 1915 Mitglied der Gruppe Internationale, war sie im September 1917 Delegierte der Spartakusgruppe auf der 3. Zimmerwalder Konferenz in Stockholm. Seit 1918 in der Zentrale des Spartakusbundes für Frauenarbeit verantwortlich. Auf dem Gründungsparteitag wurde Käte Duncker in die Zentrale der KPD gewählt. Nach der Ermordung von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Leo Jogiches flüchtete sie aus Berlin, hielt sich in Dänemark und Schweden auf und kehrte erst Ende 1919 nach Deutschland zurück. Dann war sie Referentin an der Arbeiterbildungsschule in Berlin, von 1921 bis 1923 Abgeordnete der KPD im Thüringer Landtag. Von März bis Juli 1924 Aufenthalt in der UdSSR, seit 1925 publizistische und pädagogische Tätigkeit an der Seite ihres Mannes. Von 1933 an lebte sie wieder in Friedrichroda, emigrierte 1938 in die USA, war dort Hausgehilfin und Sprachlehrerin. Zusammen mit ihrem Mann kam sie 1947 nach Deutschland, wohnte zunächst bei ihrer Tochter Hedwig, die eine Arztpraxis in Berlin-Charlottenburg hatte. Später übersiedelte sie nach Bernau bei Berlin, wo ihr Mann als Direktor an der FDGB-Bundesschule lehrte. Käte Duncker war durch den Verlust ihrer Söhne Karl (Selbstmord in den USA) und Wolfgang (der als Anhänger Bucharins in Moskau 1937 verhaftet wurde und 1942 in einem Lager in Workuta ums Leben kam) so zermürbt, daß sie nach ihrer Rückkehr in die SBZ politisch nicht mehr aktiv wurde und auch nicht um die formale Aufnahme in die SED nachsuchte. Sie bat am 2. Juni 1948 ihren Weggefährten Wilhelm Pieck um Hilfe bei der Aufklärung des Schicksals ihres Sohnes Wolfgang und schrieb: »Bitte, hilf uns mit der Einsetzung Deines persönlichen Einflusses, Nachricht über das Schicksal des Jüngsten zu erhalten. Eine letzte Bitte einer alten Genossin und Freundin! Auch wenn es sich herausstellen sollte, daß Wolfgang längst tot ist, so ist diese Gewißheit unter Angabe von Ort, Zeit und näheren Umständen noch besser als die quälende Ungewißheit.« Am 10. November 1948 erhielten die Dunckers eine Nachricht des Roten Kreuzes, daß ihr Sohn Wolfgang am 20. November 1942 in Workuta verstorben sei. Im Juni 1952, wenige Tage nach ihrem 81.Geburtstag, hat sich Käte Duncker noch an Walter Ulbricht mit der Bitte um Hilfe für den aus der Partei ausgeschlossenen Jacob Walcher gewandt. Nach jahrelanger schwerer Krankheit starb Käte Duncker am 2. Mai 1953 in Bernau bei Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dünow, Hermann (August Richard)

* 6.3.1898 – ✝ 28.9.1973

Geboren am 6. März 1898 in Berlin, Sohn eines Metallarbeiters; gelernter Klempner. 1917/18 Soldat im Weltkrieg, nach einem Lazarettaufenthalt im Elsaß 1919 zurück nach Berlin und Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Bis 1922 in den Siemenswerken, von 1924 bis 1927 Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Ende 1924 baute er den Nachrichtendienst für den Bezirk Berlin-Brandenburg auf, war ab Sommer 1927 hauptamtlicher Mitarbeiter des ZK. Zunächst Leiter des Ressorts Abwehr im von Hans Kippenberger geleiteten AM-Apparat. Im August 1928 wurde er beim Versuch, Rudolf Margies aus dem Zuchthaus zu befreien, festgenommen und saß sechs Monate in Bochum in Haft. 1930 absolvierte er einen halbjährigen Lehrgang an der M-Schule der Komintern bei Moskau, danach wieder Mitarbeiter des AM-Apparates, u. a. Leiter der Quartierbeschaffungsabteilung. Dünow war mitverantwortlich für die Absicherung der Tagung der KPD-Führung in Ziegenhals bei Berlin im Februar 1933. Nach der Emigration Kippenbergers wurde Dünow im Juli 1933 Leiter des gesamten Nachrichtendienstes der KPD. Am 18. Dezember 1933 durch den Verrat von Alfred Kattner verhaftet und am 30. September 1935 vom VGH zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt, er war zuletzt im Zuchthaus Brandenburg-Görden. Im Juli 1945 wurde Dünow Pressereferent im Polizeipräsidium Berlin, ab September 1946 Leiter der Presseabteilung in der Deutschen Verwaltung des Innern und im September 1955 Leiter der Adjudantur des Ministers des Innern, schied als Oberst der DVP aus dem aktiven Dienst aus, er erhielt 1958 den Karl-Marx-Orden. Hermann Dünow starb am 28.September 1973.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Düren, Fred

* 2.12.1928 – ✝ 2.3.2015

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; 1945 – 47 Besuch der Schauspielschule des Dt. Theaters (DT) in Berlin; erstes Engagement in Potsdam, danach in Ludwigslust, Wismar u. Schwerin; ab 1953 am Berliner Ensemble, Zusammen-arb. mit  Bertolt Brecht,  Peter Palitzsch,  Benno Besson u.  Manfred Wekwerth; 1958 – 88 Mitgl. des Ensembles des DT, spielte zahlr. trag. wie auch kom. Helden der Weltdramatik mit der ihm eigenen »Musikalität der Bewegung«; herausragende Rolleninterpretationen: Don Juan, Woyzeck, Tartuffe, Ödipus, Faust, Lear, Torquato Tasso sowie der Riccaut in »Minna von Barnhelm« u. der Trygaios in dem Stück »Der Frieden« von  Peter Hacks; daneben diverse Filmrollen bei der DEFA u. dem DFF, u. a. in »Sie nannten ihn Amigo« (1959), »Monolog für einen Taxifahrer« (Szenarium  Günter Kunert, 1963 verboten), »Der fliegende Holländer« (1964), als Ernst Barlach in »Der verlorene Engel« (1971); in den 1970er Jahren versch. Rollen in der TV-Serie »Polizeiruf 110«; Mitwirkung in Literaturverfilmungen des DFF, u. a.  Hans Falladas »Jeder stirbt für sich allein« (1970) u. »Junge Frau von 1914« (1970) aus  Arnold Zweigs Roman-Zyklus »Der Krieg der weißen Männer«; spielte 1980 den Arzt in  Konrad Wolfs »Solo Sunny« u. 1987 Karl Kollwitz in »Käthe Kollwitz – Bilder eines Lebens«; 1963 u. 1971 Kunstpreis der DDR, 1967 NP; daneben Hörspiel- u. Plattenaufn.; 1988 Beendigung der Schauspielerkarriere u. Ausreise aus der DDR; lebte seitdem als Rabbiner in Israel; gelegentl. Lesungen eigener u. fremder Texte in Dtl.; gest. in Jerusalem.Ich muß ja den Weg gehen, den ich gehen kann. Schauspieler in Berlin – Jahre in Jerusalem. Hrsg. von K.-H. Müller. Berlin 2007.Matthias Braun / Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Drabent, Leo

* 15.6.1899 – ✝ 13.10.1944

Geboren am 15. Juni 1899 in Blumenthal bei Bremen. Nach der Schlosserlehre 1917 zum Kriegsdienst eingezogen, aus dem er schwerverwundet zurückkehrte. 1923 Mitglied der KPD, vor allem als Propagandist tätig. 1927 UB-Sekretär in Vegesack und nach dem Besuch der Rosa-Luxemburg-Parteischule 1929 Agitpropsekretär des Bezirks Wasserkante und Mitglied des Hannoverschen Provinziallandtages. Im Mai 1933 festgenommen und bis 1934 in »Schutzhaft«, schwer mißhandelt, arbeitete nach seiner Freilassung auf der Weser-Werft in Bremen. Im Juli 1936 wurde Drabent erneut verhaftet und im November 1937 zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe verurteilt, die er bis August 1939 verbüßte. Er fand nach der Entlassung Arbeit in einer Bremer Bootsreparaturwerkstatt und war wieder illegal für die KPD tätig. Die Gestapo verhaftete ihn zusammen mit seiner Frau Marianne am 29. März 1943. Leo Drabent wurde am 13. Oktober 1944 vom VGH zum Tode verurteilt und am 20. November 1944 in Brandenburg/Havel hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Drake, Heinrich

* 15.2.1903 – ✝ 26.7.1994

Geb. in Ratsiek (Lippe-Detmold); Vater Schuhmacher; 1910 – 17 Volksschule; 1917 Ausbildung zum Tischler, abgebrochen; 1918 – 21 Ausbildung zum Schuhmacher; 1921 – 23 im Beruf tätig; 1923 – 27 Volontär als Holzschnitzer für Möbelornamente; 1927 – 29 Besuch der Akad. für Kunstgewerbe in Dresden (Karl Albiker); 1928 Studienreise nach Italien; 1929/30 autodidakt. Weiterbildung in der Bildhauerei, Bekanntschaft mit Georg Kolbe; 1931 – 40 freischaff. Bildhauer in Berlin; 1937 Reise nach Paris; 1940 Rom-Stipendium der Preuß. AdK, 1940/41 Aufenthalt in Rom; 1941/42 Studienaufenthalt in Florenz; 1942 – 45 Kriegsdienstverpflichtung (Arbeit in einer Berliner Werkstatt). 1945/46 Zeichenlehrer an einer OS in Berlin; 1946 Gründungsmitgl. der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, Beginn der Lehrtätigkeit; 1949 – 69 dort Prof. u. Ltr. der Abt. Plastik; 1954 DAK; 1954 NP; 1955 Studienreise in die VR China, 1958 in die VR Vietnam; 1958 – 61 Sekr. der Sekt. Bildende Kunst der DAK; 1964 Studienreise nach Moskau; 1965 NP; 1969 nach Georgien; em.; freischaff. in Berlin; 1975 Mitgl. der Zentr. Sektionsltg. Plastik im VBK; 1984 Goethepreis der Stadt Berlin; gest. in Berlin-Pankow. Sein Werk umfasst u. a. Tierplastiken (Zebra, 1929/30 Detmold; Pantherkatze, 1953 Berlin; Jaguar, 1960 Berlin), Porträts (Fritz Cremer, 1930; Karl-Marx-Büste, 1954 Berlin; Landespräsident Heinrich Drake, 1971 Detmold; Albert Einstein 1981) sowie Statuen (Zille-Denkmal 1964/65 Berlin; Stehender Knabe, 1982/ 83).Liebau, H.: H. D. Leben u. Werk (mit Bibl.). Dresden 1973; Kat. H. D. Plastik, Zeichnungen (mit Bibl.) AdK u. Staatl. Museen zu Berlin (Nationalgalerie) 1983.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Drefahl, Günther

* 11.5.1922 – ✝ 28.6.2013

Geb. in Rostock; Vater kfm. Angest.; OS, Abitur; 1940 – 45 Studium der Chemie an der Univ. Rostock, dort 1946 Prom.; danach Doz. für organ. Chemie, 1949 Habil.; 1949 – 56 Prof. mit Lehrauftrag für organ. Chemie u. Chemie der Naturstoffe an der FSU Jena, 1957 ord. Prof. mit Lehrstuhl für organ. Chemie u. Dir. des Inst. für Organ. Chemie u. Biochemie, 1962 – 68 Rektor der FSU Jena; 1962 NP; 1963 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1964 Ord. Mitgl. der DAW; 1965 – 67 Vors. der Chem. Ges. der DDR (Nachf.von Friedrich Wolf); 1969 – 89 Präs. des Dt. Friedensrats (Nachf. von Walter Friedrich); Vors. des Wiss. Beirats für Forschung über das HFS-Wesen beim Min. für HFS-Wesen; seit 1970 Mitgl. des Präs. des Komitees für europ. Sicherheit der DDR; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer, KB-Fraktion, Mitgl. des Ausschusses für Ausw. Angelegenh.; 1982 VVO; Dr. rer. nat. h. c.; 1983 Vizepräs. des Weltfriedensrats; 1985 Dr. phil. h. c.; 1987 em.; Rentner.Hubert Laitko

Wer war wer in DDR

Dresen, Adolf

* 31.3.1935 – ✝ 11.7.2001

Geb. in Eggesin (Vorpom.); Vater Ing.; Klosterschule; bis 1957 Studium der Germanistik, Philos. u. Physik in Leipzig; Laienspieler u. Ltr. der Studentenbühne der Leipziger Univ.; Praktikum am Berliner Ensemble, überzeugter Brechtianer; 1958/59 Dramaturg u. Inspizient in Crimmitschau; Regiedebüt 1958  H. Baierls »Die Feststellung«, 1959 – 62 Regisseur in Magdeburg, 1962 – 64 in Greifswald, dort nach seiner »Hamlet«-Inszenierung entlassen (Verbot, Vorwurf des Linksradikalismus sowie der Beschädigung des klass. Erbes u. des humanist. Menschenbildes); Hilfsarb. in Mecklenb.; 1964 Dt. Theater Berlin; wichtige Regiearbeiten: 1968 gem. mit  Wolfgang Heinz Goethes »Faust I« als Komödie inszeniert, löste pol. Diskussionen aus, 1970 Erstaufführung von Isaak Babels »Maria«, 1970 wurde Dresens Inszenierung von Goethes »Clavigo« verboten, 1975 Kleists »Prinz von Homburg« u. »Der zerbrochene Krug«, 1977 Kleists »Michael Kohlhaas«; 1977 mit Billigung des Min. für Kultur zunächst begrenztes Visum, um in der Bundesrep. Dtl. zu arbeiten; Inszenierungen: 1977 Barlachs »Armer Vetter« in Basel, 1978 u. 1979  Brecht / Weills »Dreigroschenoper« u. Lessings »Emilia Galotti« am Wiener Burgtheater, Gastregisseur in Bochum u. Hamburg; 1981 – 85 Intendant des Schauspiels Frankfurt (Main), seit 1985 freier Opernregisseur vorrangig an der Wiener Staatsoper (1992 Wagners »Ring«), auch in Paris u. London; 1989 Hessischer Staatspreis. 1994 Mitgl. AdK Berlin-Brandenb.; 2000 Preis des Internat. Theaterinst. (ITI), 2001 Lessing-Preis des Freistaats Sachsen, 2002 Deutscher Kritikerpreis (posthum); gest. in Leipzig. Vertreter eines kritischen u. unkonventionellen Theaters, seine unübersehbare Zeitkritik in allen seinen Arbeiten führten in der DDR zu wiederholten Repressalien u. Arbeitsverboten; auch im Westen blieb D. ein streitbarer Theatermann; den Regisseur verstand er als Vermittler zwischen den Zeiten u. den Realismus als Wahrheit-Sagen.Siegfrieds Vergessen – Kultur zwischen Konsens u. Konflikt. Berlin 1992; Über Kitsch u. Kunscht. Potsdam 1997; Brechts Jh. Dialektik von künstler. u. sozialer Rev., von Kommunismus u. Moderne, Festvortrag zu Brechts 100. Geburtstag. 1998; Wieviel Freiheit braucht die Kunst, Theater der Zeit, Recherchen 3, Berlin 2000. Pietzsch, I.: Werkstatt Theater. Berlin 1975.Renate Rätz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Drewnitzki, Viktor

* 15.12.1886 – ✝ 15.10.1963

Geboren am 15. Dezember 1886 in Oppeln/ Oberschlesien, Sohn eines Arbeiters. Nach dem Besuch des Gymnasiums Studium an der Ingenieurschule Hamburg und an der Maschinistenschule in Kiel, danach Schiffsingenieur im Hamburg. 1902 Mitglied der Arbeiterjugend, 1904 der SPD, 1. Vorsitzender der SPD in Wilhelmsburg-Harburg. 1914/15 Maschinist auf der Hamburg-Amerika-Linie, wurde 1915 Soldat. Wegen schwerer Verwundung 1916 als dienstuntauglich entlassen, in die Artilleriewerkstätten nach Spandau (Berlin) dienstverpflichtet. 1917 schloß sich Drewnitzki der Spartakusgruppe und der USPD an. Er nahm als Gast am Gründungsparteitag der KPD teil und war im Januar 1919 Vorsitzender der Ortsgruppe in Spandau. Ab 1919 Ingenieur, leitete er von 1921 bis 1924 die KPD im Kreis Spandau. 1921 bzw. 1924 Delegierter zum III. bzw. V. Weltkongreß der Komintern, war Drewnitzki von Mai 1924 bis Dezember 1925 Mitglied des Sekretariats der RGI in Moskau. Nach seiner Rückkehr von 1926 bis 1931 hauptamtlich im Apparat des ZK der KPD tätig, kam zwischenzeitlich 1928/29 als Polleiter nach Danzig. Für die KPD-Bezirksorganisation Danzig nahm Drewnitzki auch am XII. Parteitag 1929 als Delegierter teil. Im ersten »Horst-Wessel-Prozeß« angeklagt, im September 1930 zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Von 1931 bis 1933 als Abnahmeingenieur für die sowjetische Handelsvertretung in Berlin tätig. Nach dem Reichstagsbrand kurzzeitig verhaftet, Anfang Juli 1933 erneut festgenommen, war er zwölf Jahre lang Häftling in den KZs Oranienburg, Lichtenburg und Buchenwald. Nach der Befreiung kehrte Drewnitzki nach Berlin zurück und wurde 1. Sekretär der KPD Berlin-Spandau. 1946/47 Verwaltungsangestellter, kam 1947 nach Magdeburg, wo er bis 1952 die Staatswerft leitete, er erhielt 1956 den VVO in Silber. Viktor Drewnitzki starb am 15.Oktober 1963 in Magdeburg.

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Drobela, Sander

* 21.8.1931 – ✝ 30.4.2010

Geb. in Meißen; Vater Schlosser; Volksschule; Ausbildung zum Schriftsetzer im Sachsen-Verlag Meißen; 1947 SED; 1950 / 51 Teiln. am 1. Redakteurnachwuchslehrgang der PHS der SED; 1951 – 53 Instrukteur in der Abt. Presse / Rundfunk des ZK der SED, Mitarb. des SED-Pressedienstes; 1953 – 55 Stud. an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1955 – 58 Instrukteur des Sektors Presse der Abt. Agitation / Propaganda des ZK der SED, 1958 – 61 Ltr. des Sektors Presse; 1961 – 66 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Sächsische Zeitung« in Dresden (Nachf. von  Carl Bobach); 1965 Prom. zum Dr. rer. pol. an der KMU Leipzig; 1966 – 89 stellv. Chefred. des »Neuen Deutschlands«, Mitgl. des ZV des VDJ.Andreas Herbst

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Drucker, Renate

* 11.7.1917

Geb. in Leipzig; Abitur; Studium an der Philosoph. Fak. der Univ. Leipzig, 1938 als »Mischling 2. Grades« von der Univ. verwiesen, 1941 wieder zum Studium zugelassen; 1944 Prom. zum Dr. phil.; 1944/45 arbeitslos. 1945 LDPD; 1945 Sekr. des Bez.-Aussch. der Rechtsanwälte u. Notare in Leipzig; Lehrauftrag für Mittelalterl. Latein an der Univ. Leipzig; 1950 – 77 Ltr. des Archivs der Univ. Leipzig; 1970 – 80 a. o. Prof. an der KMU Leipzig, Sekt. Geschichte; em.; Mitgl. des ZV u. des BV Leipzig der LDPD; 1972 – 89 Mitgl. des Präsidialrates des KB. 1992 Mitbegr. u. bis 2003 Vorstandsvors. der Ephraim-Carlebach-Stiftung Leipzig, 1996 Verdienstorden des Freistaats Sachsen, Mitgl. der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen.Kriminalität u. Kriminalitätsbekämpfung in der frühe Neuzeit. Leipzig 2007Helmut Müller-Enbergs

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Ducke, Karl-Heinz

* 6.11.1941 – ✝ 12.7.2011

Geb. in Langenau (Krs Böhmich-Leipa, ČSR/ Skalice, Tschechien); 1960 Abitur; 1961 – 67 Studium der Philos. u. Theol. in Erfurt u. Neuzelle; 1967 Priesterweihe in Erfurt, Vikar in Jena; 1970 Assistent für Moraltheol. u. Ethik sowie Präfekt am Regionalpriesterseminar Erfurt; 1975 Dr. theol. mit der Arbeit »Handeln zum Heil. Eine Untersuchung zur Morallehre Hadrians VI.« (Leipzig 1976); 1972 – 88 versch. Lehraufträge für Ethik am Regionalpriesterseminar/Studium Erfurt; 1975 Regens des Regionalpriesterseminars/Alumnat Erfurt; 1985 Ltr. des Seelsorgeamts Erfurt u. beauftragt mit der Errichtung der Studienstelle der Berliner Bischofskonferenz; 1986 Ernennung zum Monsignore; 1988 Dir. der Studienstelle der Berliner Bischofskonferenz u. Stellv. des Gen.-Sekr. der Berliner Bischofskonferenz; 1989/90 Moderator des Zentr. Runden Tisches; 1990 Beauftragter der Berliner Bischofskonferenz für die Kontakte zu Parl., Parteien u. Reg. der DDR. Seit 1991 Pfarrer in Jena; Vors. des Fernsehaussch. u. des Personalaussch., seit 2007 Vors. des MDR-Rundfunkrats; gest. in Jena.Die kath. Kirche in der DDR – ihre Position im ges. Aufbruch. In: 40. Internat. Kongreß in Königstein »Aufbruch im Osten: Herausforderung für die Kirche«. Königstein 1990; Weltverantwortung. In: Denkender Glaube in Geschichte u. Gegenwart. Leipzig 1992; Sich der Vergangenheit stellen – die Gegenwart bestehen. In: Hist. Verantwortung vor der Gegenwart. Frankfurt (Main) 1993.Clemens Brodkorb

Wer war wer in DDR

Dudow, Slátan

* 30.1.1903 – ✝ 12.7.1963

Geb. in Zaribrod (Bulgarien); Vater Eisenbahnarb., Mutter Bäuerin; Volksschule; Gymnasium in Sofia; ab 1922 in Berlin; 1923 Reichersche HS für Dramatische Kunst, 1925 – 29 Studium am Theaterwiss. Inst. bei Prof. Max Herrmann (Univ. Berlin); Praktikum bei Leopold Jessner u. Jürgen Fehling, Regieassistent bei Fritz Lang u. Georg Wilhelm Pabst; 1926 Anschl. an Agit.-Prop.-Gruppenbew. der IAH; 1929 Studienaufenthalt in der Sowjetunion, Begegnung mit S. Eisenstein u. W. Majakowski; Mitbegr. »Theater der Arbeiter«; Regieassistent bei Victor Blum; 1929/30 »Wie der Berliner Arbeiter wohnt«, 1. Dok.-Film einer geplanten, aber verbotenen Reportageserie; 1929 – 32 Zusammenarbeit mit  Brecht, beeinflußt durch B.s episches Theater; 1932 Spielfilm »Kuhle Wampe«; 1933 Verhaftung; 1934 Ausweisung aus Dtl.; bis 1939 in Frankreich; Emigr. in Paris 1937 u. 1938 Welt-UA von Brechts »Gewehre der Frau Carrar« u. »Furcht u. Elend des 3. Reiches«; 1940 in Frankreich interniert u. Apr. 1940 in die Schweiz ausgewiesen; Mai 1940 Flucht über Italien in die Schweiz; dort bis 1946; lebte in Ascona, schrieb Komödien (später unter PS. Stefan Brodwin veröffentl.); 1945 Teiln. am 1. Internat. Filmkongreß in Basel. Okt. 1946 Rückkehr nach Berlin; Nov. 1946 SED; Mitbegr. der DEFA, Wiederaufn. der Regietätigkeit; 1946 – 63 Regisseur u. Drehbuchautor der DEFA, das soziale Problem, die Stellung des Menschen, besonders der Frau in der Ges. waren Mittelpunkt seiner Spielfilme: 1949 »Unser täglich Brot«, 1950 mit  Kurt Maetzig »Familie Benthin«, 1952 »Frauenschicksale«, 1954 »Stärker als die Nacht«, 1956 »Der Hauptmann von Köln», 1959 »Verwirrung der Liebe«, 1963 »Christine«, blieb unvollendet; 1950 NP; 1954 – 63 Mitgl. AdK der DDR; 1955 u. 1957 NP; 1956 DDR-Staatsbürgerschaft; 1959 VVO; 1963 Prof. (60. Geb.); gest. bei einem Autounfall in Fürstenwalde (Spree). Eine Straße in Potsdam-Babelsberg trägt seinen Namen.Brodwin, S.: Das Narrenparadies. Berlin 1947; ders.: Der leichtgläubige Thomas. Berlin 1948. Herlinghaus, H.: S. D. Theater u. Film. Bd. 9. Berlin 1965; Gersch, W.: Film bei Brecht. Berlin 1975; Film- u. Fernsehkunst der DDR. Hrsg. HS für Film u. Fernsehen der DDR. Berlin 1979; Gammelin, H.: Gestaltungs- u. Wirkungsweisen des Films »Verwirrung der Liebe« von S. D.. Berlin 1984.Renate Rätz / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Dunger, Rolf

* 1.8.1946

Geb. in Bösenbrunn (Vogtl.); Vater Sattlermeister; Grund- u. OS; 1960 FDJ; Lehre als Landmaschinenschlosser mit Abitur; 1965 / 66 Instrukteur der FDJ-BL Karl-Marx-Stadt; 1966 SED; 1966 / 67 Studium an der FDJ-HS in Bogensee; 1967 – 1970 2. Sekr. der FDJ-KL Plauen; 1970 – 78 Bereichsltr., 1978 / 79 Ltr. der Abt. Stadtplankomm., 1979 / 80 Stadtrat für Jugendfragen, Körperkultur u. Sport beim Rat der Stadt Plauen; 1980 – 85 Stellv. des Vors. des Rats des Kreises u. Vors. der Kreisplankomm. Plauen; 1976 – 87 Fernstudium u. ausserplanm. Aspirantur an der KMU Leipzig, Abschluß als Dipl.-Philosoph; 1985 – 87 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-KL Plauen; 1987 – 89 1. Sekr. der SED-KL Glauchau; 1989 Prom. zum Dr. phil. an der KMU; am 11. Nov. 1989 zum 2. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt gewählt.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dünow, Kurt

* 27.9.1894 – ✝ 28.8.1978

Geboren am 27. September 1894 als Isaak Meier Szpiro (Spiro) in Pjotrkow/Bezirk Lodz, Sohn eines Rabbiners. Uhrmacher, Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Ungarns, Teilnehmer an den Kämpfen der ungarischen Räterepublik. 1919 Flucht nach Deutschland, Mitglied der KPD. Er war 1923/24 Sekretär des KJD Bezirk Mittelrhein in Köln, lebte ab 1925 in Berlin unter dem Namen Max Kodzidlok und arbeitete für den AM-Apparat der KPD sowie für den Nachrichtendienst der Komintern (OMS). Angestellter der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, flüchtete 1931 in die Sowjetunion, wurde KPdSU-Mitglied und war bis 1941 als Instrukteur des Moskauer Sowjet bzw. des ZK der KPdSU in Saratow. Dünow studierte bis 1936 an der Kommunistischen Universität der Völker des Westens, war dann von 1942 bis 1946 Politinstrukteur der Roten Armee. 1946 demobilisiert, kam er in die SBZ, Kontrolloffizier der SMA beim Rundfunk. 1948 Abteilungsleiter im FDGB-Bundesvorstand, 1949 1. Sekretär des Landesverbandes der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft Berlin. Ab Mitte Juni 1951 gehörte Dünow zu einer Expertengruppe, die die Bildung des Museums für Deutsche Geschichte vorbereitete, dort bis 1954 Leiter der »Lenin-Stalin-Abteilung«, danach stellvertretender Leiter der Bibliothek am IML, zuletzt Archivar beim ADN. Kurt Dünow starb am 28. August 1978.

Wer war wer in DDR

Düren, Irmgard

* 28.10.1930 – ✝ 24.8.2004

Geb. in Meiningen; Vater Polizeibeamter; 1947/48 Schauspielschule Schwerin; 1948 Debüt in Ludwigslust; 1949 – 52 in erster Ehe verh. mit  Fred D.; Bühnenrollen in Wismar u. Schwerin, ab 1952 in Berlin an der Kom. Oper, der Volksbühne, der »Distel« u. im Friedrichstadtpalast; ab 1953 Mitarb. des DFF, versch. Fernsehrollen, u. a. in »Bianka Maria u. der triefende Dolch« (1953), »La Bohème« (1955), »Der Hexer« (1963); DEFA-Rollen u. a. in »Die Liebe u. der Co-Pilot« (1961); Moderation der TV-Sendereihen »Rendezvous am Wochenende« sowie »Wünsch Dir was« (1960 – 75), Kündigung des Arbeitsvertrags durch den DFF wegen der Lebensgemeinschaft mit einem West-Berliner Arzt; 1975 – 79 Fernstudium der Philos. an der HU Berlin; Betriebsfunkred. des Centrum-Warenhauses in Berlin, Gestaltung künstler. Programme für Kulturhäuser, Arbeit als Sprecherzieherin. 1995 kleine Rolle in der RTL-Daily-Soup »Gute Zeiten, schlechte Zeiten«; gest. in Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Draber, Joachim

* 28.5.1939

Geb. in Kalkreuth (Landkrs. Meißen); Vater Bauer; Grundschule; landw. Lehre u. Studium; 1958 / 59 Schaffner beim VEB Kraftverkehr Waldheim, 1959 / 61 Kraftfahrer u. Einsatz-Ltr. beim Rat der Stadt Waldheim; 1961 – 63 NVA; 1964 Facharbeiter u. Meister der Landw.; 1964 SED; Fernstudium an der FS für Finanzw., Ing.-Ökonom, später Studium der Rechtswiss. an der HU Berlin, 1975 Dipl.-Jurist; 1969 – 78 Stellv. des Vors., 1979 – 83 Vors. des Rats des Krs. Döbeln; 1983 – 89 1. Stellv. des Vors., 1989 – April 1990 Vors. des Rats des Bez. Leipzig (Nachf. von  Rolf Opitz); Jan. 1990 Austritt aus SED-PDS.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Drechsel, Karlheinz

* 14.11.1930

Geb. in Dresden; Abitur; 1946 – 59 Schlagzeuger in Dresdner Bands, u. a. bei den Elb Meadow Ramblers (1956 – 58); gründete 1947 den ersten Dresdner Jazz-Zirkel; 1949 – 52 Ausbildung beim Berliner Rundfunk / Dtl.-Sender, nach pol. motivierter Entlassung 1952 – 58 wieder in Dresden; gründete 1956 die erste »IG Jazz Dresden« (b. der FDJ); seit 1947 Vortragstätigkeit zur Popularisierung u. Anerkennung des Jazz in der DDR; 1951 erste Jazzsendung im Rundfunk (bis 1990 ca. 2.500 Jazzsendungen beim Berliner Rundfunk u. bei Stimme der DDR); 1958 – 91 Regisseur beim DDR-Rundfunk in Berlin; seit den 50er Jahren Moderator von Jazzkonzerten u. internat. Tourneen in der DDR, u. a. 1965 Louis Armstrong; 1964 Initiator des ersten DDR-Amateur-Jazz-Festivals in Berlin, 1965 Initiator der ersten Jazz-Sendung des DFF (»Leo Wright in Dresden«); 1965 – 70 Initiator/Organisator jährlich stattfindender Großkonzerte zum mod. DDR-Jazz in Dresden u. Berlin, dann Verbot; 1968 Zusammenstellung u. Regie der Amiga-LP »Jazz – Gedichte von Jens Gerlach«; 1971 Mitinitiator u. Moderator des seitdem jährl. stattfindenden Internat. Dixieland-Festivals Dresden; 1975 dt. Textgestaltung/Sprecher des ČSSR-Kurzfilms »Louis Armstrong – New Orleans«; Dipl. an der HU Berlin mit einer »Studie über die kulturpol. u. künstler. Spezifik des Jazz«; 1977 – 89 Mitinitiator u. Moderator des Festivals »Jazzbühne Berlin«; stellv. Vors. der Sektion Jazz des Staatl. Komitees für Unterhaltungskunst der DDR. Seit 1990 Jazzsendungen beim MDR, ORB u. Radio Kultur (SFB/ORB); Moderator internat. Jazzfestivals, künstler. Ltr. des Jazzfestivals Velbert, 1990 – 95 Mitbegr. der Konzertreihe »Jazz im Gewandhaus« in Leipzig, 1994 Mitbegr. des Jazz Treffs Karlshorst e. V. u. bis 1998 1. Vors., seitdem Ehrenvors.; 1995 – 99 Berater/Moderator von »Jazz in der Semper-Oper« in Dresden; 1996 5-CD-Box »Jazz in Dtl.«; zahlreiche Beiträge in »Melodie u. Rhythmus« u. Tagesztg.; Covertexte für Jazz-Schallplatten (Amiga, Jazzpoint, WestWind); 1999 anläßlich der Jahrhundertwende Wahl unter die »100 Dresdner des 20. Jh.«; 2004 Bundesverdienstkreuz und Erste Dresdner Ehrenmed.Fascination Jazz. Berlin 1974 (Fotos: Sigurd Rosenhain); Lehrmaterial »Zum Jazz«. Berlin 1979; Amiga Jazz. Kat. 1981. Berlin 1981; Jazzkalender. Berlin 1982 – 1985 (Fotos: Matthias Creutziger); Bildband »Jazz objektiv«. Berlin 1983.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Dreilich, Herbert

* 5.12.1942 – ✝ 12.12.2004

Geb. in Mauterndorf (Österreich); Vater Ing.; aufgew. in Großbrit. u. der Bundesrep. Dtl.; 1959 Übersiedl. in die DDR; 1959 – 62 Gebrauchswerberlehre in Halle, anschl. Arbeit als Schaufenstergestalter; ab 1960 Gitarrist in versch. Amateurbands (Dixieland, Rock, u. a. bei den Jazz Youngsters); 1962 – 64 bei  Reinhard Lakomy, 1967 Leipzig-Sextett; Umzug nach Berlin; 1967/68 bei den Music Stromers (vier Wochen im Programm »Showblock« am Friedrichstadtpalast Berlin); 1967 – 71 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Tanzmusik, Gitarre); 1968/69 bei  Henry Kotowski sowie den Puhdys; 1969 – 71 bei den Alexanders (u. a. mit Henning Protzmann u.  Ulrich Swillms), 1971 Mitbegr. (mit Swillms, Protzmann,  Veronika Fischer u. a.), Gitarrist u. Sänger der Soul- u. Rockgruppe Panta Rhei, 1973 LP »Panta Rhei«, Komp. u. Text u. a. für »Free Angela« u. »Tuyet«; Herbst 1974 mit Swillms u. Protzmann Gründung von Karat, 1977 – 2003 Leadsänger der neben den Puhdys erfolgreichsten ostdt. Band; Jan. 1975 erste Rundfunkaufn., 22.2.1975 erstes öff. Konzert in Pirna; erste Komp. für Kinder, ab Dez. 1977 spezielles Progr. für Oberschüler zur internat. Rockmusikentw.; 1978 Grand Prix des Internat. Schlagerfestivals Dresden, LP »Karat«, Titel »Ay, ay, qué verano« für die XI. Weltfestspiele in Havanna, Nov. erstes Konzert in West-Berlin; 1979 LP »Über sieben Brücken« (Kunstpreis der DDR, Interpretenpreis des Jugendmagazins »Neues Leben«, Grand Prix beim Internat. Schlagerfestival für die Titel »König der Welt« u. »Über sieben Brücken«, unter dem Titel »Albatros« in der Bundesrep. Dtl., dort 1984 »Goldene Schallplatte« für 250.000 verkaufte Exemplare, erfolgr. Coverversion des Titels »Über sieben Brücken« von Peter Maffay); 1980 LP »Schwanenkönig« (in der Folgezeit werden alle LP auch in der Bundesrep. Dtl. veröff.); 1982 LP »Der blaue Planet« (insg. mehr als 1 Mio. verkaufte Exemplare, Goldene Schallplatte); 1983 LP »Die sieben Wunder der Welt«; 1985 Doppel-LP »10 Jahre Karat Live – Auf dem Weg zu Euch«; 1986 beteiligt an der Allstar-Band Gitarreros (Tournee, LP »It’s Only Rock’n’Roll«); 1984 NP (im Koll./mit Karat); 1987 LP »Die fünfte Jahreszeit«; 1988 mit Gitarreros bei »Rock für Armenien« in Schwerin u. Halle-Neustadt. 1990 LP »... im nächsten Frieden«, Rockfestival »Rettet unsere Umwelt«; 1991 LP »Karat«, 1992 CD: »Vierzehn Karat – Ihre größten Hits«, 1995 CD »Tanz mit mir«; 1997 Schlaganfall bei einem Konzert in Magdeburg, 1998 wieder auf Tour; 2000 CD »Ich liebe jede Stunde«, Jubiläumskonzert »25 Jahre Karat« mit Gastmusiker Peter Maffay in Berlin vor 20.000 Zuschauern; Aug. 2003 letzter Auftritt; nach schwerer Erkrankung gest. in Berlin. 2005 »Die offizielle H. D.-Gedenk-CD«; Sohn Claudius D. tritt die Nachfolge als Leadsänger der Band an, die am 29.12.2005 in Rostock aufgrund eines Rechtsstreits um die Nutzung der Marke »Karat« ihr vorläufig letztes Konzert unter diesem Namen gibt; Karat hat insg. mehr als 8,5 Mio. Tonträger verkauft. Gerlach, C.: Karat. Berlin 1985; Schumann, W.: Karat – Über sieben Brücken. Berlin 1995.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Dresen, Andreas

* 16.8.1963

Geb. in Gera; Vater Theaterregisseur  Adolf D. (arbeitete nach der Ausbürgerung von  Wolf Biermann ab 1977 mit Billigung des Min. für Kultur in der Bundesrep. Dtl.), blieb mit der Mutter in der DDR; 1982 Abitur in Schwerin; 1984 Tontechniker am Theater in Schwerin; Volontariat bei der DEFA u. Regieassistenz bei  Günter Reisch; 1986 – 90 Studium der Regie an der HFF, erste Kurz- u. Dok.-Filme, u. a. »Jenseits von Klein Wanzleben« (1989). 1990 – 92 Meisterschüler von Günter Reisch an der AdK, erster Spielfilm »Stilles Land« (1991); ab 1992 freier Regisseur u. Autor, erfolgr. Kino- u. Fernsehfilme, die sich unprätentiös mit ostdt. Alltagswirklichkeit auseinandersetzen: 1994 »Das andere Leben des Herrn Kreins« (Drehbuch  Ulrich Plenzdorf); 1999 »Nachtgestalten«; 2000 »Die Polizistin« (Adolf-Grimme-Preis in Gold 2001); 2001 »Halbe Treppe« (Bayer. Filmpreis 2002 u. Silberner Bär 2003); 2002 »Herr Wichmann von der CDU«; 2005 »Willenbrock« nach dem gleichnamigen Roman von  Christoph Hein u. »Sommer vorm Balkon« (Drehbuch  Wolfgang Kohlhaase); 2008 »Wolke 9« u. »Whisky mit Wodka« (Drehbuch W. Kohlhaase), Regiepreis des Int. Filmfestivals Karlovy Vary 2009; daneben Regiearbeit am Theater, u. a. »Urfaust« u. »Herr Puntila u. sein Knecht Matti« in Cottbus; polit. Theater an den Kammerspielen des Dt. Theaters in Berlin (Terrorismus-Studie »Zeugenstand – Stadtguerilla Monologe«); Febr. 2006 Premiere als Opernregisseur mit Mozarts »Don Giovanni« am Theater in Basel; seit 1998 Mitgl. der AdK; Gründungsmitgl. der Dt. Filmakad.; 2007 Bundesverdienstkreuz; lebt in Potsdam. Film.-Dok.: A. D. – Mein Leben 2008.Matthias Braun / Christian Krause

Wer war wer in DDR

Drews, Manfred

* 10.4.1935

Geb. in Berlin-Pankow; mittl. Reife; 1952 – 54 Sportstudium am Inst. für Lehrfortbildung/ Körpererziehung in Chemnitz; 1954 – 56 Lehrer in Bitterfeld u. Fachberater Sport im Krs. Bitterfeld; 1956 – 60 Lehrer in Berlin-Treptow; 1956 – 60 Fernstudium im Fach Geschichte an der PH Potsdam; 1964 – 68 Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig; 1961 – 76 Mitarb., Abt.-Ltr. u. Kollegiumsmitgl. der »Dt. Lehrerztg.« u. journalist. Tätigkeit für den »Sonntag«; seit 1976 freischaff.; initiierte 1979 das »Aktiv Kriminallit.« im SV, seit April 1987 in die landesweite »Sekt. Kriminallit.« umgewandelt; 1979 Drehbuch zu »Polizeiruf 110« (»Barry schwieg«); Mitgl. der internat. Vereinigung der Kriminalschriftst. A.I.E.P., bis Okt. 1990 Vors. der Sekt. bis zu deren Vereinigung mit dem SYNDIKAT (Autorengr. Kriminallit.). 1990 – 92 Hrsg. des vierteljährl. erscheinenden internat. Kriminalmagazins »underground« (Reiher-Verlag). Schreibt vor allem Tatsachenberichte, in denen die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei beschrieben wird.Gefecht in Cevennen. Berlin 1976; Soldaten der ersten Stunde. Berlin 1981; Kriminalisten im Verhör. Berlin 1979; Kriminalisten im Einsatz. Berlin 1983; Merkwürdigkeiten. Berlin 1990; Der Tote im Keller. Berlin 1991.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Drögemüller, Alfred

* 22.9.1913 – ✝ 8.7.1988

Geb. in Hamburg; Vater Malergehilfe; Volksschule; Ausbildung zum Kfm.; 1928 Soz. Schülerbund, 1929 auf Anraten von KJVD-Funktionären zur SAJ, 1930 KPD, 1931 KJVD; Volontär bei der »Hamburger Volksztg.«; ab 1932 hauptamtl. KPD-Funktionär; 1933/34 illeg. Arbeit in Hamburg; Mai 1934 nach Dänemark, Grenzarbeit in Nordschleswig; 1937 – 39 in Göteborg (Schweden), verhaftet u. nach Dänemark abgeschoben; Instrukteur für Kiel, seit 1941 Ltr. der KPD-Emigr. in Dänemark, Red. der Ztg. »Dt. Nachrichten«. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 3. Sekr. der KPD-KL Schwerin; März – Juni 1946 PHS in Liebenwalde; Juli – Okt. 1946 Instrukteur für Hamburg u. Schlesw.-Holstein, ab Okt. 1946 3. Sekr. der KPD-LL Hamburg; Mai 1948 beim PV der KPD in Frankfurt (Main), Chefred. von »Wissen u. Tat«, Sept. 1950 nach Düsseldorf; Febr. 1951 in der DDR verhaftet u. des Trotzkismus beschuldigt, ohne Anklage bis Sept. 1953 inhaftiert, dann inoffiz. rehabil., aber verpflichtet, in Lebensläufen für diesen Zeitraum anzugeben, »zur Disposition des ZK« gestanden zu haben, außerdem durfte er nicht in die Bundesrep. Dtl. zurück, sondern mußte mit seiner Frau in die DDR übersiedeln; Dez. 1953 Red. der »Sächs. Ztg.« (Dresden); 1955 am IfG beim ZK; 1956 vergebl. Bemühungen um offiz. Rehabil.; 1957 – 60 Studium an der PHS; anschl. dort Doz. für Geschichte der Arbeiterbew.; 1961 Prom. über »Die Spaltung Dtl. durch die imp. Westmächte u. die dt. Großbourgeoisie. u. der Kampf der Arbeiterkl. u. der patriot. Kräfte Westdtl. für ein demokrat. u. friedliebendes Dtl. (1947 – Mitte 1949)«, Dr. phil.; 1970 Doz. der Bildungseinrichtung der DKP, des Franz-Mehring-Inst. (Außenstelle Berlin-Biesdorf); 1976 Ruhestand; schrieb im Auftrag des IML zus. mit  Max Spangenberg ein Buch über das NKFD »Nord« (nicht erschienen); 1978 VVO; 1983 Ehrenspange zum VVO.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Drummer, Kurt

* 20.3.1928 – ✝ 8.6.2000

Geb. in Gornsdorf (Erzgeb.); Vater Strumpfwirker, Mutter Strumpfkettlerin; 1942 – 44 Ausbildung zum Koch im Hotel Chemnitzer Hof (Chemnitz); Nov. 1944 – Mai 1945 RAD; Mai – Juni 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. Bis Ende 1945 Helfer in der Landw.; 1946 – 48 Koch in Auerbach, 1948 Küchenltr. im Hotel auf der Wartburg (Eisenach), 1948 – 55 stellv. Küchenchef u. Lehrmstr. im Chemnitzer Hof; 1955 Studium am Inst. für Ernährung in Potsdam-Rehbrücke; Berufung als Küchenchef des Hotels Elephant (Weimar); Mstr.-Prüfung als Küchenmstr., Oberref. für Küchenorg., Aus- u. Weiterbildung von Köchen bei der HV der HO Wismut (Karl-Marx-Stadt); 1956 – 58 Küchenchef des Hotels Erfurter Hof (Erfurt); Vors. der Mstr.-Prüfungskommission für Küchenmstr. der Bez. Gera, Erfurt, Suhl, später auch Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt; 1958/59 Küchenchef des Carola Hotels (Karl-Marx-Stadt); 1958 – 83 Fernsehkoch beim DFF, 650 Sendungen »Der Fernsehkoch empfiehlt«; zweimal Goldener Lorbeer des DFF; 1959 – 64 Küchenchef des Hotels Chemnitzer Hof (Karl-Marx-Stadt); 1961 – 89 SED; 1965 – 90 Chefkoch Interhotel; 1966/67 Ökon.-Studium an der FHS des Hotel- u. Gaststättenwesens in Leipzig; Vors. der Mstr.-Fachkommission Küchenmstr. der DDR, 1967 – 72 mehrfach Ltr. der DDR-Kochmannschaft bei internat. Kochkunstschauen, 1971 – 86 Teiln. an internat. Kochkunstausstellungen; 1986 »Meisterkoch der internat. Kl.«; zweimal »Goldenes I« der Vereinigung Interhotel; 1988 Mitgl. der Jury zur Olympiade der Köche u. der internat. Kochkunstausstellung; ab 1990 Mitgl. im Verb. der Köche Dtl. (VKD). 1999 Ausgez. mit der kulinarischen Medaille des VKD; gest. in Chemnitz. 2002/03 erfuhren D.s Rezept-Bücher im Zuge der Ostalgie-Welle noch einmal großen Zuspruch.Das Fernsehkochbuch. Leipzig 1961; Kochkunst aus dem Fernsehstudio. Leipzig 1968 u. 1974; Von Apfelkartoffeln bis Zwiebelkuchen. Leipzig 1982; Die besten Rezepte aus der Fernsehküche. Leipzig 1988.Christoph Links

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Ducke, Peter

* 14.10.1941

Geb. in Bensen (Nordböhmen / Benešov nad Ploučnicí, Tschechien); 1945 Aussiedl. der achtköpfigen Familie nach Schönebeck (Elbe); begann als Fußballer bei Motor Schönebeck; folgt 1959 seinem älteren Bruder Roland D. (1970 DDR-Fußballer des Jahres) zum SC Motor Jena (später FC Carl Zeiss, Trainer:  Georg Buschner); 1959 – 77 Oberligaspieler (Stürmer, 352 Spiele, 153 Tore); 1963, 1968 u. 1970 DDR-Mstr.; 1962/63 Oberliga-Torschützenkönig (19 Treffer); 1960, 1972 u. 1974 FDGB-Pokalsieger; 43 Europacupspiele (15 Tore); 1960 – 75 68 Länderspiele (15 Tore); 1972 Bronze bei den Olymp. Spielen; 1974 6. Platz bei der WM-Endrunde; 1965 2. Platz bei der Umfrage DDR-Sportler des Jahres, 1971 DDR-Fußballer des Jahres; 1977 – 79 Talentetrainer beim FC Carl Zeiss (Kündigung wegen »Westkontakten«); danach Sportlehrer. 2000 Ehrenmitgl. des FC Carl Zeiss Jena.Stridde, T.: Die P.-D.-Story. Jena 2005.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Duncker, Hermann

* 24.5.1874 – ✝ 22.6.1960

Geb. in Hamburg; Vater Kfm.; 1883 – 91 Gymnasium in Göttingen, 1896 Abitur in Gos- lar; 1891 – 95 Konservatorium in Leipzig; 1896 – 1900 Studium der Philos., Nationalökon. u. Geschichte an der Univ. Leipzig, 1903 Prom. zum Dr. phil. mit einer Arbeit über das mittelalterl. Dorfgewerbe; 1893 SPD; Red.-Volontär bei der »Leipziger Volksztg.; 1904 – 06 Ltr. des Arbeitssekr. zunächst in Leipzig, dann in Dresden; Lehrtätigkeit in SPD u. Gewerkschaft, 1912 – 14 Lehrer an der zentr. Parteischule; 1915 – 18 Militärdienst; 1918 Mitbegr. des Spartakusbunds u. Mitgl. der Zentr., Mitbegr. der KPD, bis Nov. 1919 Mitgl. ihrer Zentr.; Teiln. an der Nov.-Rev.; 1920 – 33 Wanderlehrer, Ltr. regionaler u. zentr. Schulen der KPD, u. a. der MASCH; Febr. – Nov. 1933 vom NS-Regime inhaftiert; 1936 – 41 Exil in Dänemark, England, Frankreich u. 1941 – 47 in den USA, Teiln. an antifa. Aktivitäten. Mai 1947 Rückkehr nach Dtl.; Sept. 1947 Prof. u. Dekan der ges.-wiss. Fak. der Univ. Rostock; seit Febr. 1949 Rektor der Bundesschule des FDGB (ab 1952 HS der Dt. Gewerkschaften »Fritz Heckert«); 1953 KMO; 1954 Dr. h. c. der KMU Leipzig; seit 1955 Mitgl. des BV des FDGB; 1955 VVO; gest. in Berlin.Volkswirtschaftl. Grundbegriffe. Stuttgart 1908; Einführungen in den Marxismus. Ausgew. Schriften u. Reden. 2 Bde. Berlin 1963; Über das kommunist. Manifest. Berlin 1983; Ausgew. Schriften u. Reden aus sechs Jahrzehnten. Berlin 1984. Gedanken H. D. zu Studium u. Lehre. Aus seinem liter. Nachlaß ausgew. u. zusammengestellt von A. Förster u. K. Dröll. Berlin 1964; Deutschland, H.: H. D. u. die russ. Bew. Berlin 1964; Grieb, G. u. a.: H. D. Lehrer dreier Generationen. Berlin 1974; Schneider, M.: H. D. Berlin 1979; Deutschland, H. (Hrsg.): Ich kann nicht durch Morden mein Leben erhalten. Briefwechsel zwischen Käte u. H. D. 1915 bis 1917. Bonn 2005.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dünninghaus, Georg Karl

* 28.6.1893 – ✝ 9.4.1953

(* 1893 – † 1953) Geboren am 28. Juni 1893 in Hamburg. Gelernter Modelltischler, trat 1919 der KPD bei. Teilnahme am Hamburger Aufstand 1923 als Leiter des Nachrichtendienstes. 1926 Generalsekretär der IAH und auf deren 2. Kongreß im April 1927 einstimmig wiedergewahlt. Dünninghaus hatte diese Funktion bis 1931 inne. 1931 zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, die er von Januar bis April 1931 verbüßte. Im März 1933 noch Kandidat zu den Preußischen Landtagswahlen. 1933 zunächst Instrukteur der KPD-BL Wasserkante in Hamburg, dann verhaftet, kam Dünninghaus sechs Monate in »Schutzhaft«. Im November 1938 erneut inhaftiert und zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung Arbeit als Exportleiter einer Tuchhandlung, ab 1941 war er Mitglied der Widerstandsgruppe um Anton Saefkow. Am 28.Januar 1945 von der Gestapo in Guben verhaftet, gelang Dünninghaus die Flucht aus dem Gefängnis in Frankfurt/O. 1945/46 Geschäftsführer der »Berliner Zeitung«, dann 1947 Vorstandsmitglied der Berliner Konsumgenossenschaften. Später zog er nach Chemnitz, wo er 1952 als Direktor der Deutschen Handelszentrale Textil arbeitete. Dünninghaus starb am 9. April 1953 in Chemnitz. Seine Frau Luise Dünninghaus (*27. 5. 1896 – † 1. 5. 1973), Tochter eines Schlossers, arbeitete als Stenotypistin in der IAH. 1914 Mitglied der SPD, 1919 der KPD. Nach 1933 illegale Arbeit in Hamburg, von März bis Mai 1934 U-Haft. 1938 Übersiedlung nach Berlin. 1945 Gründerin des Antifaschistischen Frauenausschusses in Berlin-Lichtenberg, später Referentin im DFD-Bundesvorstand.

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Durand-Wever, Anne-Marie

* 30.10.1889 – ✝ 14.9.1970

Geb. in Paris; bis 1899 Privatunterricht, danach dt.-amerik. Schule in Chicago (USA), University School u. University of Chicago; 1910 – 15 Studium an den Univ. in Marburg, Straßburg u. München, 1915 St.-Ex.; 1917 Prom. zum Dr. med.; Gynäkologin; 1920 aktiv in dt. Frauenvereinen; Mitbegr. des Bundes dt. Ärztinnen in Bayern; gründete 1928 die erste Eheberatungsstelle in Berlin; Leiterin der Vertrauensstelle für Verlobte u. Eheleute. 1945 Vors. des Zentr. Frauenaussch.; Vors. des vorbereitenden Komitees zur Gründung des DFD; 1947/48 Bundesvors. des DFD (später zus. mit  Emmi Koenen-Damerius); 1948/49 Ehrenvors. des DFD; allmähl. Rückzug aus dem Amt mit der Begründung Gesundheit u. Arbeitsüberlastung; 1950 Austritt aus dem DFD; 1952 Mitbegr. u. stellv. Vors. der »Dt. Ges. für bewußte Elternschaft«; Mitarb. der »Internat. Planned Parenthood Federation«; Mitgl. der West-Berliner Ärztekammer; lebte in Berlin (West); gest. in Köln.Die Verhütung der Schwangerschaft. Hamburg 1931; Rassen-Hygiene. Sterilisation u. Nachkommensbeschränkung. Berlin 1933; Die gesunde Familie. Berlin 1937; Normale u. krankhafte Vorgänge im Frauenkörper. Berlin 1946.Helmut Müller-Enbergs

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Durstewitz, Heinz-Josef

* 26.3.1945

Geb. in Birkenfelde (Eichsf.); 1970 Priesterweihe in Erfurt; 1970/71 Kaplan in Niederorschel, 1972 in Eisenach, 1973 – 75 in Apolda; 1975 – 81 Studentenpfarrer in Jena; vom MfS in der OPK »Wanderer« erf.; 1982 – 90 Sekr. der Pastoralkonferenz in Berlin; Hrsg. des »Theolog. Bulletin« für den innerkirchl. Gebrauch (Artikel aus westdt. Ztschr.), kirchl. Auseinandersetzungen um die Auswahl der westl. Autoren; Autor in Samizdat-Ztg. der Berliner Opp.-Szene; Mitgl. der Berliner Initiativgr. »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung«; unterzeichnete als einziger kath. Amtsträger in der DDR einen Aufruf gegen die Wahlfäschungen vom Mai 1989, eine staatlicherseits betriebene Versetzung kam trotz Wohlwollens der Kirchenltg. nicht mehr zustande; Ltr. des Gesprächsforums St. Augustinus in kath. Räumen, vorübergehend im DA in Berlin aktiv. 1991 – 95 Oberpfarrer im Bundesgrenzschutz mit Sitz in Berlin; 1995 Propst in Heiligenstadt, Bischöfl. Geistl. Kommissarius, nichtresidierender Domkapitular des Bistums Erfurt; 2006 Bundesverdienstkreuz.Bernd Schäfer

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Draehn, Heinz

* 28.11.1921 – ✝ 12.10.2010

Geb. in Rostock; Seemann, Hafenarb.; 1950 Mitgr. des Kabaretts »Hafenspatzen« in Rostock, kam über das Laienkabarett zur Berliner »Distel«; 1954 – 87 dort einer der profiliertesten Darsteller; 1965 erster Auftritt mit der Ringelnatz-Parodie »Kuddeldaddeldu«, die seitdem viele Jahre zum Standardrepertoire der »Distel« gehörte (rund 390 Texte  Hans Krause); neben Arbeit an der »Distel« Fernseh- u. Filmrollen u. Auftritte als Solokabarettist bzw. mit Partner  Peter Borgelt als »Kuddeldaddeldu u. Kuddeldaddelich«, 1965 – 90 in der Unterhaltungssendung des DFF »Klock 8, achtern Strom« (Markenzeichen: Matrosendress); Regie u. Texte für Amateurkabaretts; SED; 1987 altershalber aus der »Distel« ausgeschieden. In den 1990er Jahren Auftritte u. a. mit der Kabarettgruppe »Distel-Oldies« auf Veranstaltungen der Volkssolidarität u. zur Urlauberbetreuung an der Ostsee; lebte zuletzt in Neuenhagen (b. Berlin), gest. in Bernau (b. Berlin).Unterhaltungskunst A – Z. Berlin 1975; Otto, R., Rösler, W.: Kabarettgeschichte. Berlin 1977.Gisela Winkler / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Drechsler, Heike

* 16.12.1964

Geb. in Gera; Mutter Schichtarb.; POS, KJS, Abitur; Ausbildung zur Feinmechanikerin; Pädagogik-Studium; seit 1975 aktiv in der Leichtathletik (Weitsprung, Sprint), zuerst bei der BSG Wismut Gera (Übungsltr. Heiland), 1977 – 92 Mitgl. des SC Motor Jena (bis 1989 Trainer: Peter Hein, dann Schwiegervater Erich Drechsler), 1992 – 96 LAC Chemnitz, ab Dez. 1996 LAC Erfurt; 1981 EM bei den Junioren; 1981 u. 1982 Junioren-ER; fünf- mal Teiln. an Europameisterschaften: 1982 4. Platz, 1986 Siegerin im Weitsprung u. über 200 m, 1990 Siegerin im Weitsprung, 2. Platz über 200 m, 1994 u. 1998 EM im Weitsprung; 1983 u. 1987 Siegerin beim Europa-Cup; viermal Teiln. an Weltmeisterschaften: 1983, 1991 u. 1993 Siegerin im Weitsprung, 1987 3. Platz im Weitsprung, 2. Platz über 100 m; 1985 Siegerin beim Weltcup; 1985/86 fünfmal WR, mehrfache Hallen-Europameisterin, 1987 zweifache Siegerin der Hallen-Weltmeisterschaften; 1988 Teiln. an den Olymp. Spielen: 2. Platz im Weitsprung, 3. Plätze über 100 m u. 200 m; bis 1990 SED/PDS u. Mitgl. des ZR der FDJ; Abg. der Volkskammer; 1980–1986 u. 1988/89 vom MfS in einem Sicherungsvorgang beobachtet; Jan.–Dez. 1987 als Vorlauf-IM „Jump“ des MfS angesehen; Vorgang wurde vom MfS eingestellt; sie war kein IM des MfS; erhielt jedoch Präsente wg. ihrer sportlichen Leistungen. 1991 u. 1993 Europacupsiegerin; 1992 Weltcupsiegerin; 1992 u. 2000 Olympiasiegerin im Weitsprung; Horterzieherin im Sportgymnasium Jena; Angest. einer Krankenkasse in Chemnitz; Dt. Leichtathletin des Jahres 1998; Sportlerin des Jahres 2000; 25.11.1999 Adoption durch Walter u. Inge Spix aus Aachen; 2005 Ehrenbürgerin der Stadt Gera; lebte 1995 – 2007 mit dem Zehnkämpfer Alain Blondel in Karlsruhe; betreibt in Aachen eine Sport- und Werbeagentur. »Absprung«. Autobiogr. 2001.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Drenghahn, Martin

* 27.5.1903

Geboren am 27. Mai 1903 in Dreistützow; lernte Tischler. Er übersiedelte nach Hamburg und wurde Fabrikarbeiter. Seit 1923 Mitglied der KPD, war er von 1931 bis 1933 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft und Mitglied der BL Wasserkante. Weitere Daten seines Lebens ließen sich nicht ermitteln.

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Dressel, Roland

* 26.4.1932

Geb. in Meerane; Vater Bäcker; bis 1953 Schulbesuch in Meerane; 1953/54 Ausbildung zum Fotografen in Glauchau (Krs. Zwickau); Standfotograf u. Kameraassistent im DEFA-Studio für Spielfilme; arbeitete bei Kameraleuten wie  Werner Bergmann, Günter Haubold, Jan Curik, Erich Gusko; Ausbildung zum Kameramann über die Betriebsakad. der DEFA durch ein externes Studium an der Dt. HS für Filmkunst; 1965 – 90 Kameramann im DEFA-Studio für Spielfilme, sammelte Erfahrungen bei Dok.- u. Fernsehfilmen; sein erster Kinofilm 1973 »Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow« (R: Siegfried Kühn) stieß auf heftigen Widerstand, gewollte Effekte wurden als Fehler kritisiert, bis 1977 war ihm die Mitarb. an Spielfilmen der DEFA untersagt; D. realisierte in dieser Zeit Fernsehfilme; die späteren Spielfilme zeugen von stilist. Vielfalt u. bildhafter Verdichtung der Idee, der sich die dramaturg. denkende Kamera unterordnet; ab 1977 vor allem Zusammenarb. mit  Rainer Simon; seit 1990 freischaff. Kameramann. Werke: Zwei Briefe an Pospischiel (1970, R: R. Kirsten, TV); Die unheilige Sophia (1974/ 75, R:  M. Wekwerth, TV); Happy End (1976/77, R: M. Wekwerth, TV); Der gepuderte Mann im bunten Rock lebt gefährlich (1977, R: K. Gendries, TV); mit R. Simon (Regie): Zünd an, es kommt die Feuerwehr (1977/78), Jadup u. Boel (1980/88), Das Luftschiff (1982), Die Frau u. der Fremde (1984), Die Besteigung des Chimborazo (1989), Der Fall Ö. (1991); Olle Henry (1982/83, R:  U. Weiß); Fallada – letztes Kapitel (1987, R:  R. Gräf); Das Land hinterm Regenbogen (1991, R:  H. Kipping); Die Spur des Bernsteinzimmers (1992, R: R. Gräf); Abschied von Agnes (1993, R: M. Gwisdek); Mein Herz – niemandem! (R: H. Sanders-Brahms); Das Mambospiel (1998, R:  M. Gwisdek).Poss, I., Warnecke, P. (Hrsg.): Spur der Filme – Zeitzeugen über die DEFA. Berlin 2006 (Mitautor).Elke Schieber / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Drews, Paul

* 11.7.1896 – ✝ 21.2.1969

Geboren am 11. Juli 1896 in Lübeck; Schlosser. 1915/16 Soldat im Weltkrieg. 1920 Mitglied der KPD, ab 1926 Sekretär der KPD Lübeck und Mitglied der BL Wasserkante. 1926 bis 1929 Abgeordneter der Lübecker Bürgerschaft. Von Mai 1928 bis Januar 1930 arbeitete er als Filialleiter der KPD-eigenen Norddeutschen Verlagsgesellschaft. 1930 Parteiausschluß, Drews wurde Mitglied und Funktionär der KPO in Lübeck und leistete nach 1933 illegale Arbeit. Er kam wegen mehrerer »Hochverratsverfahren« in »Schutz- und Untersuchungshaft«, wurde am 14.Oktober 1936 zwar freigesprochen, doch im August 1939 erneut verhaftet und saß bis 1945 im KZ Sachsenhausen. 1945 zunächst Mitglied und Funktionär der KPD in Lübeck. Im gleichem Jahr Berufung als Senator in den Senat der Hansestadt, Drews wurde Leiter der Gesundheitsbehörde in Lübeck, wegen zunehmender politischer Differenzen mit der KPD-Führung Anfang 1947 Austritt aus der KPD, später Mitglied und Funktionär der SPD in Lübeck. Von 1948 bis 1955 Inhaber eines Fuhrbetriebes. Paul Drews starb am 21. Februar 1969 in Lübeck.

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Drögemüller, Alfred

* 22.9.1913 – ✝ 8.7.1988

Geboren am 22. September 1913 in Hamburg, Sohn eines Malergehilfen; kaufmännische Lehre. 1928 Mitglied des Sozialistischen Schülerbundes (SSB), 1930 der SAJ, ging im November 1931 zum KJVD. Bis Ende Juli 1932 im AM-Apparat (Nachrichten-Ressort) der RJ, anschließend Volontär bei der »Hamburger Volkszeitung«. Ab 1933 illegale Arbeit, emigrierte im Mai 1934 nach Kopenhagen. Dort erhielt er im November zusammen mit Walter Hochmuth wegen »Gruppenbildung« eine Rüge. Von September 1937 bis März 1939 in Stockholm und Göteborg Mitarbeiter der AL Mitte, Ausweisung nach Dänemark, ab 1938 Instrukteur der AL Nord, u. a. in Kiel. Drögemüller stritt nach Abschluß des Hitler-Stalin-Pakts über den künftigen Kurs der KPD mit Heinrich Wiatrek und Paul Helms. Ab 1940 im besetzten Dänemark in der Emigrationsleitung in Kopenhagen, redigierte die illegale Zeitung »Deutsche Nachrichten«. Er kam im Dezember 1945 in die SBZ, bis März 1946 in der KPD-KL Schwerin tätig, mußte im Juni 1946 nach Hamburg zurück. Zunächst Instrukteur für das ZS der SED, anschließend dritter Sekretär der KPD-Landesleitung Hamburg-Wasserkante. Ab Mai 1948 Mitarbeiter im KPD-PV in Frankfurt/Main bzw. in Düsseldorf, Chefredakteur der Zeitschrift »Wissen und Tat«. Im Februar 1951 wurde er nach Ost-Berlin beordert, dort des »Trotzkismus« beschuldigt und durch das MfS festgenommen. Drögemüller wurde mißhandelt, brach zusammen, saß aber bis Oktober 1953 in MfS-Haft. Obwohl aus dem DDR-Gefängnis freigelassen, durfte er nicht in die Bundesrepublik zurück. Geradezu zynisch beschloß Ende Oktober 1953 die ZPKK: »Der Genosse Alfred Drögemüller übersiedelt[!] in die DDR und wird in die SED überführt. Begründung: Der Genosse hat von Februar 1951 bis September 1953 bei der Parteiführung ohne Parteifunktion und Parteiarbeit zum Zwecke der Überprüfung seiner politischen Vergangenheit zur Verfügung gestanden[!]. Infolge der Zusammenhänge der komplizierten Überprüfung ist es notwendig, zur Sicherheit des Genossen Drögemüller und der KPD, den Genossen in die DDR übersiedeln zu lassen.« Er wurde zunächst Redakteur der »Sächsischen Zeitung« in Dresden, ab 1955 Studium an der PHS. 1960 Oberassistent, dann Dozent an der PHS. Danach Lehrer an der Parteischule der DKP »Ernst Thälmann« in Berlin-Biesdorf. 1983 erhielt er die Ehrenspange zum VVO in Gold, seine Verfolgung als Opfer stalinistischer »Säuberungen« wurde verschwiegen. Alfred Drögemüller starb am 8. Juli 1988 in Ost-Berlin. Seine Frau Grete, geborene Schmidt (* 18. 11. 1911 – † 11. 6. 2004), war Verkäuferin. Sie gehörte zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow und arbeitete als Sekretärin für Franz Jacob und Saefkow. Der Verhaftungswelle im Juni 1944 entkam sie zunächst, wurde im August 1944 jedoch festgenommen, konnte fliehen und bis zur Befreiung untertauchen. 1945 Mitglied der KPD, siedelte Ende 1946 mit Drögemüller nach Hamburg, später nach Frankfurt am Main und mußte ebenfalls in den fünfziger Jahren in die DDR. Zuletzt Kaderleiterin der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse in Ost-Berlin.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Dubber, Bruno

* 11.11.1910 – ✝ 6.5.1944

Geboren am 11. November 1910 in Kirchwerder bei Hamburg als Sohn eines Schiffers; Dreher. 1925 Mitglied im DMV und KJVD. Nach der Gesellenprüfung 1928 entlassen, wurde Dubber Gelegenheitsarbeiter, dann hauptamtlich für den KJVD in Hamburg tätig. Im Februar 1929 nahm er am ersten Lehrgang der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau teil und wurde danach Orgleiter des KJVD Hamburg. Im August 1929 wegen Organisierung einer Demonstration gegen einen Stahlhelmaufmarsch festgenommen, saß er drei Monate in Untersuchungshaft. Deswegen im September 1930 angeklagt und zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, er entzog sich dem Strafantritt durch Flucht. Dubber wurde unter dem Namen Walter Kardolin im Oktober 1930 Orgleiter des KJVD in Schlesien. Im Januar 1932 wurde er Orgleiter in der Berliner Verbandsführung des ZK des KJVD. Hier arbeitete er eng mit Kurt Müller und Alfred Hiller zusammen. Obwohl Dubber in den Auseinandersetzungen zwischen Ernst Thälmann und der Neumann-Remmele-Gruppe letzterer nahestand, blieb er auch ab November 1932 unter Fritz Grosse, dem neuen KJVD-Vorsitzenden, Orgleiter des ZK. Im Frühjahr 1933 emigrierte Dubber nach Moskau, dort Praktikant im EK der KJI. Auf der Amsterdamer Tagung des KJVD im August 1933 aus dem ZK ausgeschlossen, weil er weiterhin an den Positionen von Heinz Neumann und Kurt Müller festhielt. »Bewährungseinsatz« in einem Swerdlowsker Großbetrieb. Er konnte im April 1934 nach Moskau zurück und wurde Instrukteur der KJI. Von September 1934 an lebte er (Parteiname Walter) als Berater des KJVÖ illegal in Österreich. Am 14.November 1938 wurde Dubber in Wien von der Gestapo verhaftet, schwer mißhandelt und zwei Jahre später nach Berlin-Moabit überführt. Am 13.Mai 1941 verurteilte ihn der VGH zu lebenslanger Zuchthausstrafe. Im Zuchthaus Bremen starb Bruno Dubber am 6. Mai 1944 an Tuberkulose. 1990 veröffentlichte Karl-Heinz Jahnke die Biographie: »Ein ungewöhnliches Leben: Bruno Dubber«.

Wer war wer in DDR

Duda, Fritz

* 30.1.1904 – ✝ 13.7.1991

Geb. in Horst-Emscher (b. Gelsenkirchen); 1922 – 24 Studium an der Folkwangschule Essen, 1924 – 33 Studium an der Kunst-HS in Berlin-Charlottenburg; 1928 Eintritt in die ASSO, 1929 KPD-Opp. (KPO); 1930 Mitbegr. des Roten Studentenbundes an der HS, 1933 Ausschl. aus der HS; bis 1939 freischaff. in Berlin; 1936 Ausstellungsverbot; ab 1939 als Zeichner u. Modellbauer in einem Architekturbüro tätig; ab 1939 illeg. pol. Arbeit, Verbindung zur KPO, KPD u. zur »Roten Kapelle«; Vorladung zur Gestapo; 1944 ausgebombt. Ab 1945 erneut freischaff., beteiligt an Ausstellungen im In- u. Ausland; SED; Org. der »Arbeitsgemeinschaft soz. Künstler« in Berlin; 1948 Ausstellung in der Galerie Franz Berlin (West); 1948/49 im Vorst. des Berliner Schutzverb. Bildender Künstler; seit 1948 versch. Einzelausstellungen; 1950 Ausschl. aus der SED wegen früherer KPO-Mitgliedschaft, mehrere Revisionsanträge, 1956 Wiederaufn. in die SED; Reisen in die Schweiz, nach Österreich, Dänemark, Bulgarien u. die UdSSR; 1965 Käthe-Kollwitz-Preis der AdK; 1969 VVO; 1974 Kunstpreis der DDR; 1984 NP.Cremer, F., In: Kat. F. D. Berlin 1964; Lang, L., In: F. D. Kat. Neue Berliner Galerie 1974; Röhr, W.: F. D. Dresden 1980; F. D. Kat. Hrsg. vom VBK der DDR u. dem Magistrat von Berlin. Berlin 1989; Semrau, J.: Keine ASSO! F. D. u. die »Arbeitsgemeinschaft der in der SED org. bildenden Künstler«. In: G. Feist u. a. (Hrsg.): Kunstdokumentation SBZ / DDR. Köln 1996.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Duncker, Hermann

* 24.5.1874 – ✝ 22.6.1960

(* 1874 – † 1960) Geboren am 24. Mai 1874 in Hamburg, Sohn des Kaufmanns Hermann Duncker. Von 1883 bis 1891 Gymnasium in Göttingen, studierte zunächst in Leipzig Musikwissenschaft. Am 1.Mai 1893 trat er der SPD bei. Von 1896 bis 1903 Studium der Geschichte, Philosophie und Ökonomie, vor allem bei Wilhelm Wundt und Karl Lambrecht, 1903 zum Doktor der Philosophie promoviert über »Das mittelalterliche Dorfgewerbe« (1903 im Druck erschienen). Inzwischen hatte er seine Frau (Heirat 1898) Käte Duncker kennengelernt. Hermann Duncker sagte später: »Was ich für die Arbeiterbewegung habe leisten können, verdanke ich wesentlich der kameradschaftlichen Unterstützung meiner Frau.« 1903 wurde Duncker hauptamtlicher Funktionär der SPD, zunächst Redakteur der »Leipziger Volkszeitung«. Mit der Einrichtung marxistischer Schulungskurse durch die SPD wurde er 1906 der erste Wanderlehrer der Partei. Ihm kam seine große pädagogische Begabung zustatten, auch an der Zentralschule der SPD in Berlin (ab 1911), wo er eng mit Rosa Luxemburg und Franz Mehring verbunden war. 1914 gehörte Duncker zu dem kleinen Kreis der Internationalisten, die in Berlin den späteren Spartakusbund begründeten und leiteten. Er und seine Frau waren enge Mitarbeiter von Leo Jogiches bei der Organisierung der Spartakusgruppe und bei der Herausgabe illegaler Materialien. Duncker war der Verfasser der illegal vertriebenen Broschüre »Der Annexionswahnsinn«. Nach Ausbruch der Revolution besetzte er mit einer Gruppe von Anhängern des Spartakusbundes Redaktion und Druckerei des »Berliner Lokalanzeigers« und gab die erste Nummer der »Roten Fahne« heraus. Auf dem Gründungsparteitag der KPD wurden Hermann und Käte Duncker in die Zentrale der Partei gewählt. Während er 1919 einige Monate inhaftiert war, floh seine Frau nach Dänemark. Wegen Differenzen mit der Partei wurde Duncker (ebenso wie seine Frau) auf dem II. Parteitag nicht wiedergewählt, sie übersiedelten nach Gotha, wo er 1919/20 Sekretär der (von der USPD geführten) Landesregierung von Gotha war. Dieser Funktion nach dem Kapp-Putsch enthoben, arbeitete er als Wanderlehrer für die KPD. 1923 wurde Duncker Sekretär der Thüringer KPD-Landtagsfraktion und nahm an allen KPD-Parteitagen von 1920 bis 1923 teil. Unter chronischer Bronchitis und Asthmaanfällen leidend, lebten sie, wie Käte Duncker an Frau Kautsky schrieb, mit ihren drei inzwischen fast erwachsenen Kindern in schwierigen Verhältnissen. 1923 übernahm Duncker die Schulungsabteilung der Zentrale, die er auch unter der Ruth-Fischer-Führung behielt, obwohl er zum rechten Parteiflügel tendierte und 1923/24 aktives Mitglied der Mittelgruppe war. In den zwanziger Jahren ist er auch als Herausgeber einiger Schriftenreihen in kommunistischen Verlagen bekannt geworden (u. a. »Elementarbücher des Kommunismus« und »Kleine Lenin-Bibliothek«). Zugleich war er Gründer und Leiter der MASCH, der Berliner Marxistischen Arbeiterschule. Bis 1933 betätigte er sich vor allem auf dem Gebiet der Schulungsarbeit der KPD. 1927/28 Leiter der Bildungsabteilung des ZK, verlor der immer dem rechten Flügel nahestehende Duncker in der ultralinken Periode nach 1929 seinen politischen Einfluß. Nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 verhaftet und im Gefängnis Spandau und im KZ Brandenburg festgehalten, lebte er nach seiner Freilassung von November 1933 bis November 1936 unter Polizeiaufsicht in Friedrichroda. 1936 gelang ihm die Flucht nach Dänemark, 1937 nach Großbritannien, wo ihn die Nachricht ereilte, daß sein Sohn Wolfgang Duncker (* 1909 – † 1942) in der UdSSR verhaftet und zu acht Jahren verurteilt worden war. Über die Verfolgung seines Sohnes wie auch über die seines alten Freundes Nikolai Bucharin war Duncker völlig verzweifelt, wie Jürgen Kuczynski 1983 in seinen Erinnerungen berichtete. 1938 emigrierte Duncker nach Frankreich, über ein Internierungslager in Marokko kam er im September 1941 in die USA. Seine Frau Käte hatte eine Reise zum Sohn Karl (Dozent an einer USA-Universität, 1940 Selbstmord) bereits benutzt, um in den USA zu bleiben. Wegen seiner Ablehnung des Stalin-Hitler-Paktes bekam Duncker Schwierigkeiten mit der KPD. Im Mai 1947 konnten die Dunckers nach Deutschland zurückkehren, hier schloß er sich der SED an und wurde Professor und Dekan der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. 1948 zum Direktor der Bundeshochschule des FDGB in Bernau berufen, war Duncker, obwohl fast erblindet, noch ein vielgefragter Referent. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1953 den Karl-Marx-Orden. Eine zweibändige Auswahl seiner Schriften »Einführung in den Marxismus« erschien 1958 in Ost-Berlin. (Bereits 1908 war seine Schrift: »Volkswirtschaftliche Grundbegriffe« gedruckt worden.) Nach längerer Krankheit starb Hermann Duncker am 22. Juni 1960 in Ost-Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Dünow, Hermann (August Richard)

* 6.3.1898 – ✝ 28.9.1973

Geb. in Berlin; Vater Metallarb., Mutter Wäscherin; 1904 – 12 Volksschule; 1912 – 16 Ausbildung zum u. Arbeit als Klempner in Berlin; 1916 DMV; 1917/18 Militärdienst, 1918 in Frankreich verwundet; Lazarettaufenthalt in Schlettstadt (Elsaß); Jan. 1919 nach Berlin, arbeitslos; 1919/20 USPD, 1920 VKPD bzw. KPD; 1920 – 22 Klempner bei Siemens-Ber- lin, dort Mitgl. des Betriebsrates; 1922 – 26 Klempner in Berlin; 1922 Ltr. des M-Apparats in Berlin-Neukölln; 1923 Mitgl. der KPD-UBL Berlin-Neukölln, 1924 – 27 Mitgl. der KPD-BL Berlin-Brandenb.; Mitbegr. des RFB sowie Org. u. ab 1924 Ltr. des Nachrichtendienstes der KPD Berlin-Brandenb. (»Reinhold«); journalist. Tätigkeit, Mithrsg. der militärpol. KPD-Ztschr. »Oktober«; 1927 – 33 Mitarb. der militärpol. Abt. des ZK, 1927 – 30 Ltr. des Ressorts Abwehr im zentr. M-Apparat; Aug. 1928 beim Versuch, Rudolf Margies aus dem Gefängnis in Gerthe (Bochum) zu befreien, verhaftet; zu sechs Mon. Haft verurteilt, Haft in Bochum; 1930 sechs Mon. Lehrgang an der M-Schule in Moskau; 1930 in Berlin Sekr. der militärpol. Abt. des ZK der KPD; 1932 mit der Vorber. des Übergangs der KPD in die Illegalität betraut; 1932/33 Ltr. des »Iffland«-Apparats im zentr. M-Apparat; ab Jan. 1933 führte er »die org. Sicherheitsmaßnahmen« der KPD durch, Febr. 1933 verantw. für die Sicherung der illeg. Tagung des ZK der KPD in Ziegenhals (b. Berlin); 1933 stellv. Ltr. des KPD-Nachrichtendienstes, übernahm nach dem Weggang Hans Kippenbergers im Juli 1933 praktisch die Ltg. dieser Org. in Dtl.; Dez. 1933 verhaftet, Sept. 1935 vom VGH zu lebenslängl. Zuchthaus verurteilt; 1935/36 Zuchthaus Luckau, 1936/37 Zuchthaus Plötzensee (»Isolierflügel«), 1937 – 42 Zuchthaus Gollnow (Pommern), 1942 – 45 Zuchthaus Brandenb.-Görden. Mai 1945 KPD Berlin-Neukölln; ab Juli Presseref., dann stellv. Ltr. der Pressestelle im Polizeipräs. Berlin, dort befaßt mit der Suche u. Auswertung von NS-Akten; 1946 Ltr. der Presseabt. der DVdI; 1947 – 55 Chefred. der Ztschr. »Die VP«, 1950 – 52 zugl. des SED-Organs in der DVP »Unser Signal«; 1948 – 52 Mitarb. der HA Polit-Kultur; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; 1952 – 56 stellv. Ltr. der Pol. Verw. bei der HV DVP im MdI, 1955 – 58 Ltr. der Adjutantur des Min. u. zuständig für die Pressearbeit des MdI, Oberst der VP; 1958 KMO; 1958 – 63 stellv. Vors. der Sekt. Militärpol. beim Präs. der Urania; 1959 Ruhestand; 1962 Verdienstmedaille der NVA; 1968 VVO; 1969 u. 1971 Verdienstmedaille der Organe des MdI; 1975 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Der Rote Frontkämpferbund. Berlin 1958. Wehner, H.: Zeugnis. Köln 1982; Kaufmann, B. u. a.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937. Berlin 1993; Sassning, R.: Die Verhaftung Ernst Thälmanns u. der »Fall Kattner«. Hintergründe, Verlauf, Folgen. Berlin 1998; Grundmann, S.: Der Geheimapparat der KPD im Visier der Gestapo. Berlin 2008. Dok.-Film: Thorndike, A. (Regie): Mein ganzes Leben lang. H. D. berichtet aus seinem Leben. DDR 1971.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Duray, Miklós

* 1945

Bürgerrechtler und Gründungsmitglied des Komitees zur Verteidigung der ungarischen Minderheitenrechte. Miklós Duray wurde 1945 in Lučenec (Ungarisch Losonc) als Mitglied der ungarischen Minderheit in der Slowakei geboren. 1978 schloss er ein Geologiestudium an der Comenius-Universität in Bratislava (Pressburg) ab. Ab 1966 engagierte er sich im Kulturverein der ungarischen Minderheit in der Slowakei (CSEMADOK). Mit Alexandr Varga gründete er zusammen den Attila-József-Jugendklub in Bratislava, dessen Vorsitzender er 1965–69 war. Ab 1965 sprach er jedes Jahr anlässlich der Revolution von 1848 bei der Versammlung der ungarischstämmigen Pressburger vor dem Sándor-Petőfi-Denkmal. Ab 1966 war er Mitglied im Zentralkomitee des CSEMADOK und zwischen 1968 und 1969 Vorstandsmitglied. Nach 1969 wurde er aus politischen Gründen seines Amtes enthoben und aus der Organisation ausgeschlossen. Anlässlich der Entscheidung, in Schulen der ungarischen Minderheit im Süden der Slowakei in einigen Fächern zweisprachigen Unterricht einzuführen, organisierte Duray 1978 in den betreffenden Gegenden Proteste der ungarischen Intelligenz. Eine solche Schulreform hätte bedeutet, dass die davon betroffenen Fächer auf Slowakisch und nicht mehr auf Ungarisch unterrichtet worden wären. Als Zeichen des Protestes gegen die im Parlament diskutierten Gesetzesänderungen entstand Ende März 1978 das Komitee zur Verteidigung der ungarischen Minderheitenrechte. Dieses setzte sich unter anderem dafür ein, die Gesetzesarbeit an der Reorganisation des Schulwesens einzustellen. Die in diesem Zusammenhang erstellten Materialien des Komitees wurden an die *Charta 77 übergeben, was ihnen zu größerer Bekanntheit sowohl im In- als auch im Ausland verhalf. Im Mai 1979 knüpfte er über Ivan Havel, dem Bruder von Václav, Kontakt zu Bürgerrechtlern der *Charta 77, deren Petition er 1983 unterzeichnete. Später verbanden ihn freundschaftliche Beziehungen mit #Václav Benda. 1979 schrieb er das Buch „In der Zange“ (Kutyaszorító), in dem er die Beziehungen der Nationalitäten untereinander in der Südslowakei der 50er und 60er Jahre beschrieb. Das Buch löste eine starke Kontroverse aus. In einem Teil wird beschrieben, welche Abneigung der Protagonist gegen das Erlernen der slowakischen Sprache hat und wie sich dessen Eltern 1938 über die ungarische Annexion der Südslowakei freuen. Die Übersetzung ins Slowakische erschien auf Druck der Staatssicherheit unter dem Titel „Hundehalsband“ (Psí obojok). Nach 1989 wurden Teile des Buches von national orientierten Medien wiederabgedruckt. Die Veröffentlichung seines Buches „In der Zange“ im Ausland und seine Beteiligung an der Organisation der Proteste gegen die Schulreformen führten zu seiner Verhaftung. Er wurde angeklagt, zum Schaden des Staates gehandelt zu haben. Der Gerichtsprozess begann am 31. Januar 1983, ein Urteil wurde aber nicht gesprochen. Duray kam am 22. Februar 1983 auf Bewährung frei. Durays Aktivitäten führten auch dazu, dass die Gespräche zwischen dem Weltkongress der Exilslowaken und dem Europäischen Kongress der Freien Ungarn über eine gemeinsame Verständigung und Zusammenarbeit abgebrochen wurden. Die Vertreter der ungarischen Minderheit standen hierbei auf der Seite Durays. Ende 1983 griffen die tschechoslowakische Parteiführung und Regierung die Pläne einer Reorganisation der Minderheitenschulen wieder auf. Obwohl sich die Regierung am Ende von diesen Plänen distanzierte, wurde Duray am 10. Mai 1984 in Bratislava verhaftet und acht seiner Mitstreiter verhört. Neben ihm wurden Katarína Szarka, Csilla Petőcz und Mária Bodnár wegen sogenannten „staatsschädigenden Verhaltens“ angeklagt. Viele tschechische und slowakische Bürgerrechtler verfassten Protestbriefe, um Duray zu verteidigen wie etwa #Ján Čarnogursky, #Miroslav Kusý, Jozef Jablonický, #Milan Šimecka. In diesen Schreiben protestierten sie gegen das Vorgehen der Regierung, Verhaftungen aufgrund öffentlicher Äußerung von Kritik vorzunehmen, obwohl sie Durays Ansichten zur Situation der ungarischen Minderheit in der Slowakei nicht teilten. Eine ähnliche Haltung vertraten auch die Vertreter der Exilslowaken. Durch eine von Präsident Husák erlassene Amnestie wurde Duray am 11. Mai 1985 aus der Haft entlassen. Die Bürgerrechtler der *Charta 77 gaben gemeinsam mit dem Komitee zur Verteidigung der ungarischen Minderheitenrechte in der Tschechoslowakei eine Erklärung heraus, in der sie auf den international festgeschriebenen Minderheitenschutz hinwiesen. Anlass zu diesem Text gab eine Reihe von Angriffen von Unbekannten auf Einrichtungen der ungarischen Minderheit in Bratislava. Von den slowakischen Bürgerrechtlern unterzeichneten unter anderen Duray und #Miroslav Kusý diese Erklärung. Ján Čarnogurský unterstützte diese Initiative nicht. Zusammen mit #Miroslav Kusý, #Ján Čarnogurský und anderen verfasste Duray auch eine Untersuchung zum Stand der slowakisch-ungarischen Beziehungen und zur Situation der ungarischen Minderheit in der Slowakei. Eine gemeinsame Veröffentlichung dieser Studie in den Vereinigten Staaten war vorgesehen, doch konnten sich die Autoren nicht auf einen gemeinsamen Standpunkt einigen. Sie veröffentlichten ihre Arbeit daraufhin getrennt. 1988–89 studierte Duray an der Indiana University in den Vereinigten Staaten. Nachdem er 1990 nach der *Samtenen Revolution zurück in die Slowakei gekommen war, gründete er die politische Bewegung „Spolužitie“ (Zusammenleben) und wurde ihr Vorsitzender. Die Bewegung sollte ein Auffangbecken für alle nationalen Minderheiten in der Slowakei sein, sie entwickelte sich aber zu einer politischen Organisation der ungarischen Minderheit. 1990–2010 war er Abgeordneter im Parlament – erst im tschechoslowakischen, dann im slowakischen Nationalrat: ab 1990 für „Spolužitie“, dann ab 1998 für die Partei der Ungarischen Gemeinde, dessen stellvertretender Vorsitzender er seit 1999 ist. Miklós Duray ist ebenfalls literarisch tätig. 1983 gab er eine Sammlung von Novellen mit dem Titel „Gestern gaben sie uns verrückte Pilze zum Essen“ (Tegnap alighanem bolondgombát etettek velünk) und 1994 eine Märchensammlung für Kinder heraus.Juraj Marušiak Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 08/15

Wer war wer in DDR

Dusiska, Emil

* 27.4.1914 – ✝ 24.12.2002

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1930 – 34 Lehre u. Arbeit als Stein- u. Offsetdrucker; 1927 Mitgl. der Kinderfreunde; 1929 SAJ, Bildungsobmann u. Mitgl. des SAJ-KV Berlin-Lichtenberg; ab 1933 illeg. Arbeit; 1934 – 39 Hilfsarbeiter, Kalkulator, Sekretär, Einkäufer u. Abt.-Ltr., 1939 – 45 Chefdisponent u. Betriebsltr. in einer Berliner Großdruckerei. 1945 / 46 KPD / SED; Juni – Nov. 1945 Bezirksrat für Wirtschaft in Berlin-Friedrichshain; Dez. 1945 – Nov. 1948 Stellv. des Stadtrats für Wirtschaft, ab Mai 1948 Magistratsdir. u. stellv. Ltr. der Abt. Wirtschaft im Magistrat von Groß-Berlin bzw. Dez. 1948 – Juli 1950 Dir. der Abt. Wirtschaft des Magistrats von Ost-Berlin; 1949 / 50 Besuch der SED-PHS; 1950 – 55 Redakteur bzw. Ltr. der Red. Wirtschaft der Ztg. »Neues Deutschland«; 1955 VVO; 1955 – 65 Mitarb. u. Mitgl. der Agitationskommission beim ZK der SED; 1958 Banner der Arbeit; 1964 Artur-Becker-Medaille (Gold); 1965 Prom. zum Dr. oec. am IfG; ab März 1965 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Theorie u. Praxis des soz. Pressewesens an der KMU Leipzig, 1967 – 79 Dekan der Journalist. Fak. bzw. Dir. der Sektion Journalistik; seit 1968 Mitgl. des Präs. des VDJ der DDR u. der Internat. Vereinigung zur Erforschung der Massenkommunikation (IAMCR) bei der UNO, 1972 – 82 deren Generalsekr.; gest. in Berlin.Die Sitzungsprotokolle des Magistrats der Stadt Berlin 1945 / 46. Berlin 1999.Ingrid Kirschey-Feix