...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ellrodt, Richard Friedrich

* 2.8.1883 – ✝ 11.1.1933

(* 1883 – † 1933) Geboren am 2. August 1883 in Leipzig, Sohn eines Schuhmachers; Metallschleifer. 1903 Mitglied der SPD, schloß er sich 1917 der USPD an und gehörte zu deren BL Leipzig. Gemeinsam mit Otto Zipfel vertrat er die USPD-Leipzig auf dem Spaltungsparteitag der USPD und auf dem Vereinigungsparteitag von USPD und KPD im Dezember 1920. Im November 1920 als einer der drei Abgeordneten der USPD (Linke) in den Sächsischen Landtag gewählt, gehörte Ellrodt ab Dezember 1920 zur VKPD-Fraktion, für die er 1922 als Abgeordneter wiedergewählt wurde. 1922/23 Redakteur beim »Roten Kurier«, der KPD-Zeitung für Mitteldeutschland in Leipzig, und von 1926 bis 1930 Redakteur am Nachfolgeorgan, der »Sächsischen Arbeiterzeitung«. 1926 kam Ellrodt nicht mehr in den Landtag, blieb aber von 1926 bis 1929 Stadtverordneter in Leipzig. Da er an chronischem Asthma litt, schied er 1930 aus der hauptamtlichen Parteiarbeit aus, Pförtner bei der BL Sachsen bzw. der UBL Leipzig. Ohne Hoffnung auf Heilung wählte Richard Friedrich Ellrodt am 11. Januar 1933 den Freitod. Sein Sohn Gerhard Ellrodt (* 8. 7. 1909 – † 14. 2. 1949), Schriftsetzer und Mechaniker, wurde 1927 Mitglied des KJVD und 1930 der KPD. Ellrodt jun. war Agitpropleiter des KJVD Westsachsen. Nach 1933 illegale Arbeit und später Mitglied der Widerstandsgruppe Georg Schumann in Leipzig. Er war bis zur Auflösung des SED-BV Westsachsen 1947 deren Sekretär für Werbung, Schulung und Jugend. Von 1947 bis 1949 Mitglied des Sekretariats der SED Sachsen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Emel, Alexander (Lurje

* 22.8.1897 – ✝ 24.8.1936

(* 1897 – † 1936) Geboren als Moses Lurje am 22. August 1897 in Kossariaschie in der Nähe von Minsk, Sohn eines armen Schankwirts. Er kam im Herbst 1919 nach Berlin, um das Reifezeugnis abzulegen und zu studieren. Am 1. Dezember 1920 schloß er sich der Kostufra an und promovierte 1925 an der Berliner Universität bei Prof. Eduard Meyer summa cum laude. Seine Dissertation behandelte die Darstellung Ägyptens im Alten Testament und fußte auf seiner ausgezeichneten Kenntnis des Hebräischen. 1921 stieß Emel in Berlin zur KPD, wurde hier bald einer der von Ruth Fischer geförderten »jungen Männer« und übernahm 1924 die Agitproparbeit im Bezirk Berlin. 1925 übersiedelte Emel auf Einladung des Instituts der Roten Professur nach Moskau und begann eine Lehrtätigkeit an der Internationalen Leninschule und an der KUNMS. Er schloß sich der Opposition gegen Stalin an. Doch körperlich schwach, »ein wandernder Jude zwischen Deutschland und Rußland«, wie ihn Ruth Fischer beschrieb, kapitulierte er bald vor Stalin. Zunächst Professor an der Moskauer Sun-Yat-sen-Universität, kehrte im Herbst 1927 nach Deutschland zurück. Hier war seine Frau Isa, Tochter des »Bund«-Führers Kogan, bei der russischen Handelsgesellschaft tätig. Mitarbeiter der Agitpropabteilung des ZK der KPD, Emel gehörte noch für kurze Zeit der linken Weddinger Opposition an. Daraufhin im Dezember 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Nachdem er sich offiziell von der Opposition trennte, im Sommer 1928 wieder in die Partei aufgenommen. Ab Juni 1929 stellvertretender Leiter der Agitpropabteilung des ZK sowie ständiger Referent an KPD-Parteischulen und zeitweise auch Leiter der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau. Als Chefredakteur der Zeitschrift »Propagandist« veröffentlichte er dutzende Artikel in der Parteipresse. Im Beschluß des ZK vom 31. Dezember 1931 wurde Emel mit Joseph Winternitz-Lenz wegen »antibolschewistischer Auffassungen« heftig angegriffen, beide wurden ihrer Funktionen enthoben. Angeblich hatten sie in einem Artikel zur Verteidigung von Stalins Thesen über die Geschichte des Bolschewismus »parteifeindliche« Ansichten vertreten. 1932 arbeitete Emel bei der »Inprekorr« und der »Roten Fahne« und wurde erst nach der Absetzung Heinz Neumanns Ende 1932 wieder zur Arbeit in der Agitpropabteilung des ZK herangezogen. Obwohl er längst mit Ruth Fischer gebrochen hatte, traf er sich noch mit ihr, Arkadi Maslow und weiteren früheren Freunden, so auch am 6. März 1933 vor seiner Abreise nach Moskau. Dort berichtete er Fritz Heckert am 10. März 1933, daß er von Fischer und Maslow auf die mysteriöse Freilassung Ernst Schnellers hingewiesen worden sei. Beide hatten betont, daß der am Abend des 5. März 1933 freigelassene Werner Scholem eine Flucht Schnellers ebenfalls für ausgeschlossen hielt, und Fischer und Maslow hätten ihn ausdrücklich beauftragt, unter Namensnennung und Quellenangabe diese Informationen in Moskau weiterzuleiten. Emel lehrte einige Jahre an der Moskauer Universität, bis ihn die sowjetische Geheimpolizei 1936 verhaftete. Die Tatsache, daß er sich mit Ruth Fischer getroffen hatte, wurde mit der Beschuldigung verknüpft, daß er von ihr und Maslow im März 1933 den Auftrag Trotzkis entgegengenommen habe, Stalin zu ermorden. Vom 19. bis 24. August 1936 gehörte Emel zu den Angeklagten im Schauprozeß gegen Sinowjew und Kamenew. Vor diesem Tribunal »gestand« Lurje-Emel alle Vorwürfe, u. a. gab er zu, er habe Shdanow und Ordshonikidse und selbstverständlich Stalin ermorden wollen und Verbindung zu dem Agenten der NSDAP, Weitz, gehabt. In seinem Schlußwort bat er um mildernde Umstände, doch wie alle Angeklagten in diesem ersten großen Schauprozeß wurde Alexander Emel am 24.August 1936 zum Tode verurteilt und erschossen.

Wer war wer in DDR

Emmrich, Thomas

* 21.7.1953

Geb. in Berlin; begann bei Vater Wolfgang E. mit dem Tennistraining; 1967 DDR-Schülermstr., 1968 DDR-Jugendmstr.; nach Einstellung der Förderung des Tennissports durch den DTSB Beendigung des Trainings beim TSC Berlin; anschl. bei der BSG Medizin Berolina, ab 1978 BSG Motor Mitte Magdeburg (Trainer Ulrich Trettin); 1970 – 88 48mal DDR-Mstr., darunter 17mal im Einzel (1970 – 80, 1982 – 85, 1987/88), 16mal im Doppel (1970 – 80, 1982 – 88), elfmal im Mix (1971 – 76, 1970/80, 1982, 1984/85); Siege: fünfmal Internat. Turnier Zinnowitz, 1975 Intervisionspokal Sofia, 1976 Internat. Ungar. Meisterschaften; Universiade: 1973 u. 1981 im Einzel (4. Pl.), 1977 Doppel (Silber); EDV-Facharb., Ing. für Elektroenergieanlagen im Schwermaschinenkombinat »Ernst Thälmann« Magdeburg; Studium an der DHfK Leipzig (Dipl.-Sportlehrer). Erfolge bei den Jungsenioren: 1991/92 Dt. Mstr. Einzel u. Doppel; 1994/95 EM; 1995/96 EM im Doppel, 1996 Vize-EM im Einzel; Erfolge bei den Senioren: 1998 – 2003 5mal EM; 2005: EM bei Ü50; ab 1990 Promotion Manager für US-Schlägerfirma »Prince«; ab 1994 selbständig, Inhaber einer Sportmarketingfirma; sportl. Ltr. u. Geschäftsf. eines Sportzentrums in Magdeburg-Herrenkrug; seit 2007 Tennisakad. in Magedeburg.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Ender, Kornelia

* 25.10.1958

Geb. in Plauen; Vater NVA-Offz., Mutter Krankenschwester; begann 1966 ihre sportl. Laufbahn als Schwimmerin in Bitterfeld; 1968 – 77 KJS in Halle, Abitur; 1978 – 82 Med.-Studium in Jena (abgebrochen); war mit  Roland Matthes verh.; 1986 – 89 Ausbildung zur Physiotherapeutin an der KJS Zella-Mehlis; 1972 Olymp. Spiele jeweils 2. Platz 200 m Lagen, 4 x 100 m Freistil, 4 x 100 m Lagen; 1973 WM 100 m Freistil, 100 m Schmetterling, 4 x 100 m Freistil, 4 x 100 m Lagen; 1974 EM 100 m u. 200 m Freistil, 4 x 100 m Freistil, 4 x 100 m Lagen; 1975 WM 100 m Freistil, 100 m Schmetterling, 4 x 100 m Freistil, 4 x 100 m Lagen, 2. Platz 200 m Freistil; 1976 Olymp. Spiele Siegerin 100 m u. 200 m Freistil, 100 m Schmetterling, 4 x 100 m Lagen, 2. Platz 4 x 100 m Freistil; 1973 – 76 DDR-Sportlerin des Jahres; insges. 23 WR; VVO. Ab 1990 Praxis für Physiotherapie in Mainz; 1994 Teiln. an den Seniorenweltmeisterschaften in Montreal; verh. mit dem Viererbob-WM Steffen Grummt; lebt in Schornsheim. Bekannte nach der dt. Vereinigung öff. die Nutzung leistungsverstärkender Mittel während ihrer aktiven Laufbahn; hatte jedoch 1977 die Einnahme von Oral-Turinabol verweigert, was den Ausschluss aus der Nationalmannschaft zur Folge hatte.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Engel, Erich Gustav Otto

* 14.2.1891 – ✝ 10.5.1966

Geb. in Hamburg; Vater Kfm.; Ausbildung in einer Kaffeegroßhandlung; 1910/11 Schauspielunterricht an der Leopold-Jessner Schule in Hamburg; bis 1914 Schauspieler, Dramaturg u. Regisseur am Volksbildungs-Wandertheater; 1918 – 21 Dramaturg u. Regisseur am Schauspielhaus Hamburg; 1921 – 23 Oberspielltr. am Staatstheater München; ab 1924 wechselnde Engagements an Berliner Theatern; 1933 – 45 am Dt. Theater; Filmregie; 1923 Begegnung mit  B. Brecht. 1945/46 Gen.-Intendant der Münchner Kammerspiele; 1947 DEFA; 1948 – 56 Regisseur, 1956 – 66 Oberspielltr. am Berliner Ensemble; 1950 Gründungsmitgl. DAK/AdK; 1960 Prof.; 1949 u. 1957 NP; 1961 VVO; 1965 Banner der Arbeit. E. inszenierte die UA der meisten Brecht-Stücke, interpretierte Shakespeare neu; 1931 – 44 drehte er 24 Filme (1935 »Pygmalion«, 1938 »Der Maulkorb«), 1948 – 58 13 Filme (1948 »Affäre Blum«, 1949 »Der Biberpelz«); Theater-Inszenierungen 1919 – 41 69 (Expressionisten; Shakespeare, u. a. »Coriolan«, »Der Sturm« u. »Othello« in eigener Bearbeitung; Brecht), 1945 – 62 11 (1949 zus. mit Brecht »Mutter Courage u. ihre Kinder« u. »Herr Puntilla u. sein Knecht Matti«, 1957 »Leben des Galileo Galilei«, 1962 »Schweyk im Zweiten Weltkrieg«, beide Brecht); gest. in Berlin.Schriften über Theater u. Film (hrsg. Thea Lenk). Berlin 1971; Schriften über Theater u. Marxismus. München 1972. Ruppel, K. H.: Großes Berliner Theater. Gründgens, Fehling, Müthel, Hilpert, Engel. Velber (b. Hannover) 1962; Gersch, W.: Film bei Brecht. Berlin 1975.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Engelberg, Ernst

* 5.4.1909 – ✝ 18.12.2010

Geb. in Haslach (Baden); Vater Buchdrucker u. Hrsg. der Ztg. »Schwarzwälder Volksstimme«; Oberrealschule in Offenburg; 1927 – 34 Studium der Geschichte, Nationalökon., Philos. u. Rechtswiss. in Freiburg i. Br., München u. Berlin; 1928 KJVD, 1930 KPD; 1934 Prom. mit einer Arbeit über die dt. Sozialdemokratie u. die Sozialpol. Bismarcks; Febr. 1934 Verhaftung u. Verurteilung zu 18 Mon. Zuchthaus wg. »Vorbereitung zum Hochverrat«, Haft im Zuchthaus Luckau; 1936 Emigr. in die Schweiz; bis 1939 in Genf Stipendiat am Inst. universitaire de hautes études internationales u. Mitgl. des Inst. für Sozialforschung Mitgl. der illeg. KPD-Gr. Genf; 1940 Emigr. in die Türkei; 1941 – 47 Lektor an der Univ. Istanbul. Febr. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1948/49 Doz. an der PH Potsdam; 1949 Prof. an der Univ. Leipzig; 1951 – 60 Dir. des dortigen Inst. für Geschichte des dt. Volkes; 1958 – 65 erster Präsident der Dt. Historikerges. der DDR; 1960 – 69 Dir. des Inst. für Geschichte der DAW (Nachf. von  Karl Obermann); 1960 – 80 Präs. des DDR-Nationalkomitees der Historiker; 1961 Ord. Mitgl. der DAW; 1964 – 69 Ltr. der Sekt. Geschichte bei der DAW (Vorläuferin des Rats für Geschichtswiss.); 1966 Ehrenmitgl. der brit. Historical Association; 1969 – 74 Ltr. der Forschungsstelle für Methodologie u. Geschichte der Geschichtswiss. am ZI für Geschichte der AdW; 1974 em.; 1969 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1974 VVO; 1979 KMO; 1964 u. 1984 NP; 1989 Ehrentitel »Hervorragender Wiss. des Volkes«; PDS. Seit 1990 Mitgl. des Ältestenrats der PDS, Mitgl. des Marxist. Forums bei der PDS, Mitgl. der Leibniz-Sozietät. E. gilt als einer der wiss.-pol. einflußreichsten Hist. der DDR; in seiner Forschungstätigkeit widmete er sich insbes. der dt. Geschichte des 19. Jh., der Militärgeschichte u. der Theorie der Geschichtswiss., wobei er diesen Forschungszweig in der DDR mitbegr. u. institutionalisierte; seine theoret. u. methodolog. Arbeiten sind der marxist.-leninist. Geschichtsauffassung verbunden; internat. bekannt geworden ist E. v. a. durch seine zweibändige Bismarck-Biogr. (Berlin 1985 – 90), die einer tradit. Geschichtsschreibung verpflichtet ist. Gest. in Berlin.Dtl. 1848 – 71. Berlin 1959; Dtl. 1871 – 98. Berlin 1965; Formationstheorie u. Geschichte. (Hrsg. mit W. Küttler). Berlin 1978; Theorie, Empirie u. Methode in der Geschichtswiss. Berlin 1980; Die Deutschen – woher kommen sie. Hrsg. von A. Engelberg. Berlin 2009. Küttler, W. (Hrsg.): Das lange 19. Jahrhundert. Strukturen – Ideen – Umwälzungen. Fs. zum 90. Geb. von E. E. Berlin 1999; Bibl. In: Evolution u. Rev. in der Weltgeschichte. Berlin 1976, Bd. 2 (1934 – 74); Kessler, M.: Exilerfahrung in Wiss. u. Politik. Köln u. a. 2001; Kessler, M.: Deutsche Historiker im Exil (1933 – 1945). Ausgewählte Studien. Berlin 2005; Engelberg, A.: Wer verloren hat, kämpfe. Berlin 2007.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Engelmann, Gottfried

* 23.7.1926 – ✝ 22.1.2006

Geb. in Glauchau; Vater kfm. Angest.; OS; 1944 NSDAP. 1946 – 48 Ausb. zum Spinner u. Weber; 1946 LDPD; 1947 – 50 Studium an der Ing.-Schule für Textiltechnik Reichenbach (Vogtland); Textiling.; 1948 – 72 Betriebsltr. der Firma Nitschke & Co., Glauchau; 1958 Mitgl. des Krs.-Vorst. u. stellv. Vors. des Krs.-Verb. Glauchau der LDPD; 1958 – 61 Fernstudium für Komplementäre an der KMU Leipzig; 1962 – 66 Abg. des Krs.-Tags Glauchau; 1963 Dipl.-Wirtsch.; 1967 – 71 Nachfolgekand., seit 1971 Abg. der Volkskammer; Mitgl. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; 1970 – 72 Vors. der Arbeitsgr. Komplementäre, Handwerker u. Gewerbetreibende beim Bez.-Aussch. Karl-Marx-Stadt der NF; 1971 Prom. zum Dr. oec.; 1972 Dir. des VEB Kammgarnweberei Glauchau; seit 1972 Mitgl. des ZV u. des Pol. Aussch. der LDPD; 1972 VVO; 1973 – 75 Dir. im VEB Textilwerke Palla-Glauchau; 1975 – 79 dort Dir. für Beschaffung; 1982 – 89 Dir. für Export im VEB Kombinat Wolle u. Seide, Meerane (Krs. Glauchau); gest. in Glauchau.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Engst, Werner

* 1.6.1930 – ✝ 24.11.2005

Geb. in Groß-Särchen (Oberlausitz), Vater Buchhalter; Volks- u. Oberschule; 1945/46 Landarb.; 1946 – 49 Ausbildung zum Schlosser; 1947 FDGB; 1949 FDJ; 1949/50 als Schlosser tätig; 1950 Besuch der Landespionierschule in Dresden; 1950 – 64 Instrukteur, stellv. Abt.-Ltr. u. Abt.-Ltr. Junge Pioniere im ZR der FDJ; 1952 SED; 1954 – 56 Fernstudium am IfL Berlin-Köpenick, Unterstufenlehrer; 1956/57 SED-BPS Berlin; 1962 – 64 Mitgl. der ZPL beim ZR der FDJ, ab 1963 Mitgl. des ZR, 1964 – 71 Sekr. des ZR u. Vors. der Pionierorg. »Ernst Thälmann« (Nachf. von  Robert Lehmann); 1967 – 71 Abg. der Volkskammer; 1971 – März 1990 stellv. Min. für Volksbildung; 1973 stellv. Vors. der UNESCO-Kommission der DDR. 1992 – 2005 Mitgl. im Arbeitsaussch. des »Solidaritätskomitees für die Opfer der pol. Verfolgung in Dtl.«; Mitgl. der Ges. zur rechtl. u. humanitären Unterstützung (GRH) sowie der Ges. Bürgerrechte u. Menschenwürde (GBM); gest. in Berlin.Vertrauensvolles Miteinander, in: Dt. Lehrerzeitung v. 6.9.1985; Siegerjustiz? Die pol. Strafjustiz infolge der dt. Einheit. Berlin 2003.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Ensikat, Klaus

* 16.1.1937

Geb. in Berlin; Vater Mechaniker, Mutter Verkäuferin, Bruder  Peter E.; 1951 – 54 Ausbildung zum Gebrauchswerber; 1954 – 58 Studium an der FS für angewandte Kunst in Berlin-Oberschöneweide; 1958 – 60 Arbeit als Gebrauchsgrafiker bei der DEWAG; 1960 VBKD; 1961/62 Lehrauftrag; 1963 – 65 FS-Lehrer an der o. g. FS; ab 1965 freischaff. in Berlin; 1975 Goldmedaille auf der KNIGA Moskau; 1977 IBA Leipzig; 1979 Großer Preis der Biennale der Illustratoren Bratislava; 1984 Katalan. Preis auf der Internat. Ausstellung der Kinderbuchillustrationen Barcelona; 1989 NP. 1991/92 Gastprof. für visuelle Kommunikation an der Gesamt-HS Kassel; 1992 Premio Grafico der internat. Kinder- u. Jugendbuchmesse in Bologna; seit 1993 Mitgl. der Alliance Graphic International; 1995 – 2002 Prof. für Zeichnen am Fachbereich Gestaltung der FH Hamburg; 1995 Dt. Kinderliteraturpreis; 1996 Hans-Christian-Andersen-Preis des International Board of Books; 2007 Thüringer Märchen- u. Sagenpreis. Filigrane, häufig an Kupferstiche des 19. Jh. angelehnte Illustrationen; Grafiken u. a. für die Ztschr. »Das Magazin«, »Der Eulenspiegel«, »Sonntag«; Plakate u. a. für den Kinderbuchverlag Berlin; Illustrationen u. a. zu Wer- ken von Alfred Brehm, Diderot,  Peter Hacks, Perrault,  Erwin Strittmatter, Tolkien, Twain. Mehrfach wurden von K. E. illustrierte Bücher – darunter zahlr. Kinderbücher – als »Schönste Bücher des Jahres« ausgezeichnet; lebt in Berlin.Lang, L.: Der Illustrator K. E. (mit Bibl.). In: Marginalien (1980) 2; Michel, P.: Buchbilder. Berlin 1989; Pohlmann, C.: Jeder nach seiner Art. Kinderbuchillustrationen von K. E. (Kat.). Wiesbaden 1997; Richter, K., Plath, M.: Märchenhafte Bilderwelten K. E.s. Hohengehren 2007.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Eppelmann, Rainer

* 12.2.1943

Geb. in Berlin; Vater Zimmermann, Mutter Schneiderin; bis 1961 Johannes-Kepler-Gymnasium in Berlin (West); 1961/62 Dachdeckerhilfsarb., 1962 – 64 Ausbildung zum Maurer, anschl. im Beruf tätig; 1966 Verweigerung des Wehrdienstes mit der Waffe u. des Fahneneids, acht Mon. Haft; dann Bausoldat; 1969 – 75 Studium der Theol. an der Predigerschule Paulinum in Berlin, 1975 Ordina- tion; 1974 – 89 Hilfsprediger bzw. Pfarrer in der Berliner Samaritergemeinde, zugl. Krs.-Jugendpfarrer in Berlin-Friedrichshain; Org. von innerkirchl. umstrittenen Bluesmessen u. anderen Veranstaltungen der kirchl. Jugendarbeit; 1982 Mitautor des Berliner Appells »Frieden schaffen ohne Waffen«, beteiligt an der Org. u. Unterstützung zahlr. Aktivitäten kirchl. Friedens- u. Menschenrechtsgr.; massive Bearbeitung durch das MfS; am 9.2.1982 wg. Verbreitens (»ungesetzl. Verbindungsaufn.«) des gem. mit  Robert Havemann abgefassten »Berliner Appells« in Hirschluch (b. Storkow) vom MfS verhaftet, in die zentrale UHA des MfS in Berlin-Hohenschönhausen verbracht u. am 11.2.1982 nach internat. Protesten entlassen; Sept. 1989 Mitbegr. der Partei Demokratischer Aufbruch (DA), Okt. DA-Spre- cher; Dez. 1989 – März 1990 DA-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; Febr. 1990 Minister ohne Geschäftsbereich in der zweiten Reg.  Hans Modrow; ab März Vors. des DA; Abg. der Volkskammer in der Fraktion CDU/ DA; ab April Minister für Abrüstung u. Verteidigung in der Reg.  Lothar de Maizière. Seit Sept. 1990 CDU; 1990 – 2005 MdB; 1990 – 93 stellv. Vors. des CDU-LV Brandenburg; 1992 – 94 Vors. der Enquete-Kommission »Aufarbeitung von Geschichte u. Folgen der SED-Diktatur in Dtl.«, anschl. der Enquete-Kommission »Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der dt. Einheit« des Dt. Bundestags, danach Vorstandsmitgl. der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; März 1993 – Okt. 2001 Vors. des CDU-KV Märk.-Oderland; März 1994 – Juni 2001 Vors. der Christl.-Demokrat. Arbeitnehmerschaft in der CDU (anschl. Ehrenvors.); 1998 Mitgl. im Präsidium der CDU; seit 1998 Vors. des Vorst. der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Mitgl. des Beirats der BStU.Wendewege (Hrsg. D. Herbst). Köln 1992; Fremd im eigenen Haus. Mein Leben im anderen Dtl. Köln 1993; Die DDR. Ergebnisse der Enquete-Kommission des Dt. Bundestages »Aufarbeitung von Geschichte u. Folgen der SED-Diktatur in Dtl.« (Hrsg.). Köln 1994; Gottes doppelte Spur. Vom Staatsfeind zum Parlamentarier. Holzgerlingen 2007.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Erdmann, Bruno

* 7.5.1914 – ✝ 15.1.2006

Geb. in Pasewalk; Vater Eisenbahnarb.; Volksschule; 1928 – 32 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1932 KJVD; 1933 / 34 Reichswehr; 1935 – 38 Monteur u. Fräser; 1938 / 39 Einrichter; 1939 – 42 Wehrmacht; am 9.9.1942 Übertritt zur Roten Armee; bis 1945 in sowj. Kriegsgef., Besuch einer Antifa-Schule; 1943 NKFD, in dessen Auftrag Lautsprecherprop. an der Front u. Arbeit im gegnerischen Hinterland. 1945 / 46 KPD / SED; 1946 – 48 VP-Wachtmeister in Erfurt; 1948 – 50 Arbeit als Fräser; 1950 Besuch der SED-LPS in Bad Blankenburg; 1951 / 52 Instrukteur der SED-LL Thür. bzw. der SED-BL Suhl; 1952 – 54 1. Sekr. der SED-KL Suhl; 1954 / 55 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1955 – 60 2. Sekr. der SED-BL Neubrandenb.; 1960 / 61 1. Sekr. der SED-KL Ueckermünde; 1961 / 62 Kaderltr. im VEB Gießerei »Max Matern« in Ueckermünde; 1962 – 64 Dir. des Amts für Arbeit im Rat des Krs. Ueckermünde; 1964 – 67 Mitarb. der SED-BL Neubrandenb.; 1967 – 74 Ltr. der Abt. Kader / Bildung im Rat des Bez. Neubrandenb.; Vors. der VdN-Kommission u. stellv. Vors. des Bezirkskomitees der Antifasch. Widerstandskämpfer Neubrandenb.; gest. in Neubrandenb.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Ernst, Wilhelm

* 9.10.1927 – ✝ 1.8.2001

Geb. in Boneburg (Niedersachsen); 1955 Priesterweihe in Magdeburg; Vikar in Halle; 1959 Assistent am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; Dr. theol. mit der Arbeit: »Die Tugendlehre des Franz Suarez« (Leipzig 1964); 1962 Vikar in Buckau (Magdeburg); 1962 Studentenpfarrer in Magdeburg; Habil.; 1963 Doz. für Moraltheol. u. Ethik; 1971 ord. Prof. für Moraltheol. u. Ethik am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt, mehrfach Rektor; Gastvorlesungen an der Pontificia Universitas Gregoriana in Rom; Mitgl. der Internat. Theol. Kommission in Rom. 1991 em., zeitw. weitere Wahrnehmung der Obliegenheiten des Lehrstuhls; Bundesverdienstkreuz; gest. in Erfurt. Autor zahlr. Beiträge, insbes. zu moraltheol. u. ethischen Fragen; ab 1972 Mithrsg. der Erfurter Theol. Schriften, ab 1973 der Erfurter Theol. Studien.Gott u. Mensch am Vorabend der Reformation. Leipzig 1972; Moraltheol. Probleme in der Diskussion. Leipzig 1977 (Hrsg.); Le mariage comme institution et sa mise en couse actuelle. Paris 1978; Norm u. Gewissen. Leipzig 1984 (Hrsg.); Grundlagen u. Probleme der heutigen Moraltheol. Leipzig 1984 (Hrsg.).Clemens Brodkorb

Wer war wer in DDR

Elmer, Konrad

* 9.2.1949

Geb. in Bad Berka (Krs. Weimar); Vater Forstmstr. u. Naturschutzbeauftragter; 1961 von Sülzhayn (Südharz) nach Bleicherode (Krs. Nordhausen) zwangsumgesiedelt; 1963 – 67 EOS, Abitur u. Facharbeiterabschl. als Gärtner in Bleicherode; 1968 Biologiestudium an der MLU Halle; Wehrdienstverweigerung; 1968 – 73 Studium der Theol. an der MLU Halle-Wittenberg; 1976 – 82 Krs.-Jugendpfarrer in Aschersleben (Bez. Halle); 1982 Prom. zum Häresieverständis bei Karl Barth an der MLU Halle, Dr. theol.; 1982 – 89 Studentenpfarrer in Berlin-Mitte; 1989 Doz. für Philos. u. Theol. am Paulinum Berlin; 7.10.1989 Gründungsmitgl. der SDP in Schwante (Krs. Oranienburg); Ltr. der Gründungsvers., Vorstandsmitgl.; 4.11. Redner auf der Demonstration auf dem Alexanderplatz; 5.11.1989 Mitbegr. des Berliner Bez.-Verb.; Febr. 1990 Mitgl. des PV der SPD (DDR); Ltr. der Statutenkommission zur Vereinigung beider sozialdemokrat. Parteien im Sept. 1990; März – Okt. Abg. der Volkskammer; Vors. des Aussch. für Bildung u. Wiss.; 1990 Mitgl. des Kuratoriums der Dt. Ges. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags; Mitgl. der Verfassungskommission; seit 1994 Pfarrer an der Erlöserkirche in Potsdam; seit 1997 Mitarb. der Gruppe Energie der Lokalen Agenda 21 in Potsdam.Das Wesen der Häresie. Untersuchung zum Häresieverständnis Karl Barths im Zusammenhang seiner theol. Erkenntnislehre. Halle 1981; Auf den Anfang kommt es an. In: die neue Ges./Frankfurter Hefte (1991) 2; Innerparteil. Rätedemokratie – zwischen Basis-Ideologie u. Kanzlerwahn. In: SPW (1991) VI; Vor- und Wirkungsgeschichte des Org.-Status der SDP. In: Doewe, D. u. a.: Von der Bürgerbew. zur Partei: Die Gründung der Sozialdemokratie in der DDR. Bonn 1993. Herzberg, W., von zur Mühlen, P. (Hrsg.): Auf den Anfang kommt es an. Sozialdemokrat. Neubeginn in der DDR. Bonn 1993.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Emendörfer, Max

* 2.12.1911 – ✝ 18.6.1974

Geb. in Tübingen; Pflegevater Schlosser, Mutter Reinemachefrau; Volksschule in Bad Liebenzell u. Frankfurt (Main); gleichz. Dienstjunge; 1926 – 29 Ausbildung zum Schuhmacher; 1930 RHD; Kampfbund gegen den Fasch.; 1931 arbeitslos; Wanderschaft; Juni 1931 KPD; 1933 illeg. pol. Arbeit, Lit-Obmann einer KPD-Gruppe in Frankfurt (Main); 5.12.1933 Verhaftung u. U-Haft, März 1934 Hochverratsprozeß in Kassel, Freispruch; anschl. Schuhmacher u. erneut Lit-Obmann in Frankfurt (Main); 27.10.1934 Verhaftung u. am 7. 2. 1935 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt; Okt. 1935 – Juni 1937 KZ-Haft in Esterwegen u. Sachsenhausen; dann Schuhmacher in Frankfurt (Main); unter Polizeiaufsicht; um den Anwerbungsversuchen der Gestapo zu entgehen im Jan. 1940 freiw. zur Wehrmacht, Artillerist; Mai 1940 Entlassung wegen Wehrunfähigkeit; nach Wiedererlangen der Wehrfähigkeit im Nov. 1941 erneut freiw. zur Wehrmacht; 17.1.1942 im Bereich der Leningrader Front Desertation zur Roten Armee; zunächst Kriegsgefangenenlager Nr. 58 bei Pottmar u. ab Juli 1942 Nr. 74 in Oranki (b. Gorki); Besuch der dortigen Antifa-Schule; Jan. – Juli 1943 Propagandist in der Pol. Verw. der 48. u. 70. Armee; Juli 1943 Mitgl. u. ab 14.9.1943 einer der Vizepräs. des NKFD; Frontpropagandist; vom RKG wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 7.8.1945 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); 8.8. 1945 auf Veranlassung von  Walter Ulbricht Festnahme durch das NKWD unter der Beschuldigung, »V-Mann« der Gestapo gewesen zu sein u. in die amerik. Zone zu wollen; Okt. 1945 Einlieferung in das Speziallager Nr. 3 in Berlin-Hohenschönhausen; Aug. 1946 Überführung in das Speziallager Nr. 7 nach Sachsenhausen; Jan. 1947 Deportation in die UdSSR; Antifa-Ltr. u. einfacher Arbeiter in versch. Kriegsgefangenenlagern; Mai 1952 als »sozial gefährl. Element« durch ein Fernurteil einer »Besonderen Beratung« nach § 533 der Ukrain. SSR Verbannung für zehn Jahre in das Gebiet Nowosibirsk; dort als Kuhhirte tätig; Jan. 1956 Entlassung in die DDR; dreimonatiger Krankenhausaufenthalt in Weißenfels; SED; am 7.5.1956 Anerkennung der durchgehenden Parteimitgliedschaft ab 1931 durch die ZPKK; Anerkennung als VdN; 1956 – 58 Red.-Assistent bei der »Freiheit« (Halle); am 10.8.1956 beschließt das Militärtribunal des Kiewer Militärbez. die Einstellung des Verfahrens wegen fehlenden Tatbestandes, ohne E. davon in Kenntnis zu setzen; 1958 – 59 1. Sekr. des Bez.-Aussch. der NF in Halle; ab 1958 auf Erbeten des Militärverlags Arbeit an Erinnerungen über das NKFD; 1959 – 60 Kaderltr. im Bez.-Krankenhaus in Halle; 1960 – 69 Red. bei der »Freiheit«; 1961 VVO; 1969 Invalidisierung; Übersiedl. nach Heiligendamm; 1970 Orden des Vaterländ. Krieges; gest. an Herzversagen (auf dem Bahnhof Berlin-Lichtenberg); beigesetzt in Bad Doberan.Rückkehr an die Front. Erlebnisse eines dt. Antifaschisten. Berlin 1972. Sassning, R.: Leserzuschrift zum Beitrag von Paul Heider über das Nationalkomitee »Freies Dtl.«. In: BzG (1994) 3; Emmendörfer, J.: Verfemt. Mein Vater M. E. Frankfurt (Oder) 1997.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Emons, Hans-Heinz

* 1.6.1930

Geb. in Herford (Westf.); 1948 Abitur; 1949 SED; 1949 – 54 Chemiestudium an der TH Dresden, 1952/53 Exmatrikulation u. Tätigkeit als Betriebschemiker im Braunkohlewerk Gölzen; 1952 – 89 SED; 1954 Dipl.; Assistent; 1957 Prom.; 1959 Oberassistent an der TH für Chemie Leuna-Merseburg (THC); 1962 Habil.; Doz. für anorgan. Chemie; 1963/64 Betriebsltr. im VEB Kali-Kombinat Werra; 1964 Dir. des Inst. für Chemie u. Technol. der Mineralsalze an der THC; 1965 Prof. für anorg. u. anorgan.-techn. Chemie; 1966 – 68 Dekan der chem. Fak., 1968 – 75 Rektor der THC Leuna-Merseburg (Nachf. von  Hans-Joachim Bittrich); 1970 NP; 1970 Korr. u. 1973 Ord. Mitgl. der AdW; 1975 Mitgl. des wiss. Beirats für Chemie beim Min. für HFS-Wesen; 1975 Prof. u. Ltr. des Wissenschaftsbereichs Anorgan. Chemie an der Bergakad. Freiberg; 1979 Mitgl. der Sächs. AdW; Mitgl. der Pugwash-Gruppe der DDR, des Forschungsrats u. des IUPAC-Nat.-Komitees; 1981 Cl. Winkler Med.; 1982 NP; 1982 – 88 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Klaus Strzodka); 1975 Dr. h. c. der Chem.-techn. HS Leningrad; 1982 Kurnakov-Med. der AdW der UdSSR; 1984 Dr. h. c. der THC Merseburg; 1984 Dr. mont. e. h. der Univ. Loeben; 1985 Mitgl. der Königl.-Norweg. Wissenschaftsakad.; 1988/89 Vizepräs. der AdW; Nov. 1989 – März 1990 Min. für Bildung (Nachf. von  Heinz Stiller); 1990 – 92 Arbeitsgruppenltr. des ZI für anorg. Chemie der AdW; seit 1992 Gastprofessuren an der TU Bratislava, TH Burgas, University of Ohio/Cincinnati; RPI Troy (USA) sowie Experteneinsätze u. a. in China; 2008 Goldene Ehrennadel der Ges. Dt. Chemiker; lebt in Goslar. Hauptarbeitsgebiete: Struktur u. Eigenschaften geschmolzener Salze u. deren techn. Anwendung; Kristallisationsvorgänge, bes. im Zusammenhang mit der Technol. der Mineralsalze; Zusammenhänge zwischen Herstellungsbedingungen magnet. u. elektroakust. Tonträger u. deren Eigenschaften; Mitverf. u. a. von: Lehrbuch der techn. Chemie. 1974; Techn. anorgan. Chemie. 1978; Abproduktarme u. abproduktfreie Technol. 1987; rund 280 Publ. in Ztschr.; 30 Patente.Chem. Mikroskopie. Berlin 1973 (engl. 1982); Mit den Salzen durch die Jahrtausende. Berlin 1986; Alte Salinen in Mitteleuropa. Leipzig 1988; Metalle – geschmolzene Salze. Berlin 1994; Chem. u. umweltrelevante Aspekte im Umfeld der Mineralsalzind. Stuttgart 2003 (mit H. Voigt).Klaus-Peter Meinecke / Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Enderle, August

* 5.8.1887 – ✝ 2.11.1959

Geboren am 5. August 1887 in Feldstetten/ Württemberg, entstammte einer Zimmererfamilie; lernte Mechaniker und arbeitete als Eisendreher. 1910 in Stuttgart Mitglied der SPD und des Metallarbeiterverbandes. 1914 agitierte er gegen den Krieg, wurde 1915 eingezogen und war bis zum Kriegsende Soldat. Danach bewirtschaftete er einige Zeit die Anteile seiner Mutter an einem Bauernhof. Seit 1919 Mitglied der KPD. 1921 wurde Enderle von Jacob Walcher nach Berlin in die Gewerkschaftsredaktion der »Roten Fahne« geholt, er war auch Mitglied der Gewerkschaftsabteilung der Zentrale und 1922/ 1923 als deutscher Vertreter in der Leitung der Roten Gewerkschaftsinternationale in Moskau. Ab 1924 wieder Gewerkschaftsredakteur der »Roten Fahne«, wurde er Ende 1928 als Anhänger Heinrich Brandlers und Walchers, d. h. als Rechter, aus der KPD ausgeschlossen. 1928 trat Enderle noch auf dem Kongreß der RGI in Moskau gegen die dort beschlossenen Thesen auf. Deshalb in Moskau festgehalten, konnte er erst zurückreisen, nachdem er dem Orgleiter Ossip Pjatnitzki gedroht hatte, zur Wiedererlangung seines Passes zur Deutschen Botschaft zu gehen. Während seiner Redaktionstätigkeit war Enderle auch ständiger Mitarbeiter für Gewerkschaftsfragen beim theoretischen Organ der KPD »Die Internationale« sowie der internationalen Zeitschrift »Inprekorr«. 1927 veröffentlichte er das Buch »Die Gewerkschaftsbewegung. Ein Leitfaden für proletarische Gewerkschaftsarbeit« und eine Broschüre »Kampf um den Achtstundentag«. Enderle war gemeinsam mit seiner Frau Irmgard Rasch einer der Mitbegründer der KPO, deren Zentralleitung er angehörte. Bei der Spaltung der KPO 1932 ging er mit der Minderheit ( Paul Frölich und Walcher) zur SAP, wurde Redakteur der »Sozialistischen Arbeiterzeitung«, dem Organ der SAP, das zuerst in Berlin, dann in Breslau herauskam. Nach dem Verbot der SAP und der Ermordung des Breslauer SAP-Vorsitzenden Dr. Eckstein durch die SA leitete Enderle die illegale SAP in Breslau. Im Juli 1933 konnte er emigrieren. Nach kurzem Aufenthalt in den Niederlanden und Belgien im Frühjahr 1934 gelangte er nach Schweden, wo er die Auslandsgruppe der SAP leitete. Im Sommer 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, Mitglied der SPD, war Enderle zuerst Gewerkschaftsredakteur beim »Weser-Kurier« in Bremen, ab April 1947 Chefredakteur der DGB-Zeitung für die britische Besatzungszone »Bund« in Köln. 1950 übernahm er das Funktionärorgan des DGB »Quelle«. Als langjähriger Vorsitzender (später Ehrenvorsitzender) der Gewerkschaft der Journalisten im DGB schrieb er nach seiner Pensionierung (1954) an einer Geschichte der Gewerkschaftsbewegung. August Enderle starb am 2. November 1959 in Köln.

Wer war wer in DDR

Engel, Rudolf

* 12.9.1903 – ✝ 16.10.1993

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule in Berlin; Gelegenheitsarbeiten als Koch, Holzarb. in einer Sägemühle, Chauffeur u. Schauspieler; Mai 1929 KPD; Mitarb. in deren M-Apparat (»Ludwig«), für den er »Spitzenverbindungen« zu NSDAP-Funktionären unterhielt (u. a. Joseph Goebbels, Otto Strasser); Juni 1932 im KPD-Auftrag NSDAP-Mitgl.; Jan. 1934 kurzz. verhaftet; Febr. 1934 Emigr. in die ČSR; ab Sept. Red. einer illeg. Ztg. der KPD im Saargeb.; Jan. 1935 nach Moskau; dort nachrichtendienstl. Ausbildung an der M-Schule der KI (»Ludwig Franken«); Juni 1936 – Jan. 1937 Chauffeur im Karbolit-Werk in Orechowo-Sujewo; 1937/38 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg u. a. Operationschef im Tschapajew-Bat., Juli 1937 bei Brunete verwundet; ab 1938 Betreuung ehem. Spanienkämpfer in Frankreich, 1939 – 41 interniert, geflohen; 1941 – 44 in der Résistance aktiv, u. a. Stabschef eines Bat. im Zentralmassiv; Mitgl. des NKFD für den Westen. Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 Org.-Ltr. bei der ZV für Umsiedler, Nov. 1946 – Apr. 1948 deren Präs. (Nachf. von Josef Schlaffer); 1946 SED; 1948 ltd. Mitarb. der Dt. Verw. für Volksbildung, 1948/49 deren 3. Vizepräs.; 1948 Vorstandsvors. der DEFA; 1950 – 55 Dir. der DAK; ab 1955 Mitarb. im MfAA, dort 1956 – 63 Ltr. der kulturpol. Abt.; 1963 – 67 Botschaftsrat u. Kulturattaché an der DDR-Botschaft in Prag; ab 1968 Gen.-Sekr. der Kommission für UNESCO-Arbeit in der DDR; 1978 Großer Stern der Völkerfreundschaft; 1990 PDS; gest. in Berlin.Erich Weinert erzählt. Berichte u. Bilder aus seinem Leben. Berlin 1955 (Hrsg.); Die Mausefalle am Mont Doré. In: Brigada Internacional ist unser Ehrenname. Bd. 2. Berlin 1974; Feinde u. Freunde. Berlin 1984. Pech, K.: An der Seite der Résistance. Berlin 1974; Schwartz, M.: Vertriebene u. »Umsiedlerpolitik«. München 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Engelhardt, Heinz

* 9.2.1944

Geb. in Angerapp (Ostpr./Osersk, Rußland); Vater Elektriker; Mutter Hausfrau; 1962 Abitur u. Eintritt in das MfS, BV Karl-Marx-Stadt; 1962 SED; 1968 – 74 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1970 Ltr. des Bereichs Reisen u. Touristik der BV Karl-Marx-Stadt; 1971 Ltr. der Krs.-Dienststelle Reichenbach; 1976 Ltr. der Abt. XX (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund) der BV Karl-Marx-Stadt; 1984 Ltr. der Krs.-Dienststelle Karl-Marx-Stadt; 1986 Offz. für Sonderaufgaben in der BV Frankfurt (Oder); 1987 Ltr. der BV Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Herbert Stöß), Gen.-Major; 1987 Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder); Dez. 1989 – Jan. 1990 Ltr. des Amts für Verfassungsschutz der DDR; bis Mai 1990 Berater bei der Auflösung des AfNS. 1992 Umschulung zum kfm. Angest.; später Inh. eines Reisebüros.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Engels, Willi

* 12.6.1902 – ✝ 17.1.1986

Geb. in Köln; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Kellner; 1927 KPD; 1927 – 29 Betriebsratsvors. der Berliner Kaffeeröstereien »Wilhelmshallen« u. »Cafe des Westens«; 1931 – 33 Vors. der Berliner RGO Nahrung u. Genuß; 1933 illeg. pol. Arbeit; April – Aug. 1933 »Schutzhaft« im KZ Sonnenburg; 1934 – 36 illeg. pol. Arbeit in Berlin-Charlottenburg; 1936 Emigr. in die ČSR, anschl. in die Niederl., Belgien u. Luxemburg; April 1937 – 38 Pol. Kommissar der XI. Internat. Brigade, Adjudant in der Militärzentr. in Barcelona; Mitbegr. u. Mitgl. des »Einheitskomitees dt. Sozialdemokraten u. Kommunisten« in Albacete; 1939 Internierung in den frz. Lagern St. Cyprien, Gurs u. Vernet; 1941 auf Parteibeschluß Rückkehr nach Dtl.; Verhaftung, Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 18 Mon. Gefängnis, ab Aug. 1942 Haft im KZ Sachsenhausen; April 1945 Flucht. Mai/Juni 1945 zunächst Mitarb. der Kriminalpolizeiinspektion Berlin-Britz; ab Juli 1945 – 49 Instrukteur, Sekr., stellv. Vors. bzw. Vors. der IG Nahrung u. Genuß beim FDGB-BV; 1946 SED; 1949/50 Lehrgang, 1951 – 54 Fernstudium an der PHS; 1950 – 52 Schulungsltr. bei der Hauptverw. der Dt. Grenzpolizei; 1952 – 54 Vors. der PKK der Pol. Verwaltung der Aero-Clubs; 1952 Oberst; Nov. 1954 – Jan. 1961 Vors. der PKK in der Pol. Verw. der KVP bzw. der NVA; 1956 – 63 Kand. der ZPKK der SED; Febr. 1956 u. 1962 VVO; 1961/62 Militärattaché in Polen; 1977 VVO; 1982 KMO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Enk, Heinz

* 23.6.1931

Geb. in Thierbach (Krs. Schleiz); Volksschule; 1945 – 49 Forstarb. in Mehltheuer (Krs. Plauen); 1948 SED; 1949/50 Gewerkschaftssekr. in Plauen; 1950 – 52 Studium an der ABF Dresden, 1952 – 53 Studium an der Univ. Greifswald; 1953 Einstellung beim MfS, HA XV (später HV A); 1953 – 55 Besuch der Schule der HV A; 1955 HV A-HA I (pol. Spionage); 1958 persönl. Ref. bei der Ltg. der HV A; 1960 Mitarb. der HV A-Ltg.; 1962 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1968 stellv. Ltr. der HV A-Abt. VI (Ausbildung, Legalisierung); 1977 Oberst; 1981 Offz. für Sonderaufgaben bei der HV A-Ltg.; 1982 amtierender Ltr. des Stabs; 1989/90 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Ensikat, Peter

* 27.4.1941 – ✝ 18.3.2013

Geb. in Finsterwalde; Vater Mechaniker, Mutter Verkäuferin, Bruder  Klaus E.; OS; 1959 Abitur; 1959 – 62 Studium an der Theater-HS Leipzig; seit 1962 Autordes Kabaretts »Herkuleskeule« in Dresden; 1962 – 65 Schauspieler am Theater der Jungen Generation in Dresden; 1962 – 84 Mitgl. FDGB, Gewerkschaft Kunst; 1965 – 74 Schauspieler u. Regisseur am Theater der Freundschaft in Berlin; schreibt auch Stücke für Kinder, Märchenadaptionen, Lieder, Szenen u. Monologe; 1969 – 84 Autor des Berliner Kabaretts »Die Distel«; 1970 Ernst-Zinna-Preis; ab 1974 freischaff., vielfach als Regisseur von Kinderstücken im Ausland (Belgien, Äthiopien, Algerien u. Bundesrep. Dtl.); 1985 Lessing-Preis; 1986 – 89 (Selbstauflösung) im Präs. des Verbandes der Theaterschaffenden der DDR; 1988 NP (im Koll.); in den 1980er Jahren meistgespielter Theater- u. Kabarettautor der DDR. 1989/90 DFF-Kabarettsendung »Scharfer Kanal«; seit Febr. 1990 wieder Autor, ab 1991 auch Gesellschafter des Berliner Kabarettheaters »Distel«; 1999 – 2004 dort Geschäftsf. u. künstler. Ltr. (Nachf. von  Gisela Oechelhaeuser); Buchautor, u. a. Kinderbuch »Das A steht vorn im Alphabet«, illustr. von seinem Bruder Klaus E.; 2001 Regie am DT Theater Berlin (»Leben bis Männer oder Der Fußballtrainer« von Thomas Brussig) seit 2007 Gastrolle an der Dresdner Staatsoperette in »Candide«; 2009 Preis Stern der Satire (zus. mit Wolfgang Schaller); gest. in Berlin.Ab jetzt geb’ ich nichts mehr zu. Nachrichten aus den neuen Ostprovinzen. München 1993; Hat es die DDR überhaupt gegeben? Berlin 1998; Wenn wir den Krieg verloren hätten. Uns gab’s nur einmal. Satiren. Berlin 1999; Was ich noch vergessen wollte. München 2000; Das Schönste am Gedächtnis sind die Lücken. München 2005; Populäre DDR-Irrtümer. Ein Lexikon. Berlin 2008; Filmdok.: Gedächtnislücken. Egon Bahr u. P. E. im Gespräch (von T. Grimm, 2006).Bernd-Rainer Barth / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eppstein, Eugen

* 25.6.1878 – ✝ 4.3.1943

Geboren am 25. Juni 1878 in Simmern/Rheinland, Sohn jüdischer Kaufleute. Lernte Kaufmann und wurde kaufmännischer Angestellter. In jungen Jahren übersiedelte er nach Köln, schloß sich 1897 der SPD an, auf deren linkem Flügel er stand. Während des Krieges Mitglied der Spartakusgruppe, für die er im Ruhrgebiet aktiv war. Nach Gründung der KPD in Essen hauptamtlicher Sekretär der Partei. Mitte 1919 verhaftet, gelang ihm in Berlin im November 1919 die Flucht. Wegen seiner Arbeit für den Spartakusbund steckbrieflich gesucht, ging er nicht mehr ins Ruhrgebiet, sondern nach Köln, wo er in den folgenden Jahren Führer der KPD wurde. Eppstein, der als einer der besten Parteiorganisatoren galt, gehörte seit 1920 als Vertreter des Bezirks Mittelrhein dem ZA der KPD an. Seit dem IV. Parteitag 1920 immer Parteitagsdelegierter, bis 1925 Mitglied des ZA. Zugleich war er Sekretär und Polleiter des KPD-Bezirks Mittelrhein, der unter seiner Führung seit 1921 (ebenso wie Berlin und Wasserkante) zur linken Opposition gehörte. Sein Vorgänger Franz Dahlem war 1921 abgelöst worden, weil er rechts stand. Im Februar 1923 wurde Eppstein erneut zum Polleiter gewählt, jedoch kurze Zeit danach von der Zentrale abgesetzt. Als die Linken die Oberhand gewannen, wurde er jedoch auf dem Bezirksparteitag im Februar 1924 wieder zum Sekretär berufen. Im Mai 1924 zog er im Wahlkreis Düsseldorf-West als Abgeordneter in den Reichstag ein. Im gleichen Monat als Polleiter in den rechten Bezirk Nordwest (Bremen) geschickt, wo er in wenigen Monaten die Rechten ausbootete und mit »militärischer Disziplin« den Bezirk auf die Linie der linken Zentrale brachte. Nach der Reichstagsauflösung im Oktober 1924 verhaftet, jedoch wieder freigelassen, als er im Dezember 1924 in den Preußischen Landtag gewählt wurde. In den Parlamenten fiel er durch sein heftiges Agieren auf. (Als bei einer seiner Reden Unruhe herrschte, rief er: »Ich kann nicht gegen die Esel anschreien. Das ist ein Stall voller Esel.«) Auf dem X. Parteitag stand Eppstein hinter der Ruth-Fischer-Führung und trat besonders scharf gegen die Rechten auf, distanzierte sich aber zugleich von den Ultralinken. Nach dem »Offenen Brief« 1925 wurde in Bremen sofort versucht, Eppstein abzulösen, da er aber zunächst dem »Offenen Brief« zustimmte, blieb er dort noch bis Januar 1926 als Polleiter. Danach wurde er von der Thälmann-Zentrale abberufen, da er sich inzwischen der Opposition um Ruth Fischer fest angeschlossen hatte. Noch als Abgeordneter für die KPD tätig, versuchte er vor allem im Ruhrgebiet für die linke Opposition zu werben, unterschrieb alle Aufrufe der linken Opposition und trat am 13.Januar 1928 aus der KPD aus. Eppstein war einer der Mitbegründer des Leninbundes, zusammen mit Ruth Fischer und Arkadi Maslow verließ er jedoch den Leninbund bereits vor der Wahl 1928. In den folgenden Jahren in verschiedenen Berufen tätig, gehörte er politisch zum Kreis um Ruth Fischer. Sein Antrag an den XII. Parteitag 1929, wieder in die KPD aufgenommen zu werden (»doch recht gehabt«), wurde abgelehnt. 1933 emigrierten die Eppsteins zusammen mit Arkadi Maslow und Ruth Fischer nach Frankreich. Er wirkte in verschiedenen linken Emigrantengruppen. Im August 1933 war Eppstein als einem der ersten Emigranten die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden. Eppstein und seiner Frau ging es sehr schlecht. Sie wurden bei Kriegsausbruch interniert. Nach der Besetzung Frankreichs von der Gestapo verhaftet, denn sein Visum war wegen fehlerhafter Arbeit eines USA-Komitees zu spät eingetroffen. Am 4.März 1943 kam Eugen Eppstein von Drancy ins KZ Lublin-Majdanek, wo er wahrscheinlich sofort ermordet wurde.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Erdmann, Joseph

* 4.12.1900 – ✝ 7.8.1942

Geboren am 4. Dezember 1900 in Labischin/ Posen. Hilfsarbeiter, Heizer und Schlosser in Bromberg, dann in Essen, seit 1922 in Berlin. 1918 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. 1926 Bezirksverordneter in Berlin-Neukölln, wegen seiner Aktivitäten für die linke Opposition im Mai 1927 aus der KPD ausgeschlossen, im Mai 1928 nach »Selbstkritik« wieder aufgenommen. Von 1929 bis 1933 Stadtverordneter der KPD in Berlin sowie Funktionen im AM-Apparat. Erdmann wurde in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet und kam in das KZ Sonnenburg. Nach seiner Freilassung lebte er illegal, emigrierte 1935 in die âSR und war als Instrukteur für die KPD tätig. Er organisierte u. a. einen Gegenprozeß unabhängiger Prager Juristen zum Richardstraße-Prozeß in Berlin, den die Nationalsozialisten groß inszeniert hatten. Denn im Oktober 1931 waren bei einem kommunistischen Überfall auf ein SA-Vereinslokal in der Neuköllner Richardstraße zwei Personen getötet worden. Deshalb wurde Joseph Erdmann im Berliner Prozeß in Abwesenheit als »intellektueller Urheber« angeklagt. 1936 ging er in die UdSSR, wurde dort Anfang November im Beisein seiner Tochter Annemarie (* 28. 10. 1924 – † 5. 3. 2004) im Moskauer Emigrantenhotel »Baltschuk« verhaftet. Alle Erkundigungen seiner Frau Margarethe Erdmann (* 16. 8. 1906 – † 13. 1. 1976) nach seinem Schicksal blieben zunächst ergebnislos. Etwa ein halbes Jahr nach seiner Festnahme erhielt Margarethe Erdmann einen Brief ihres Mannes mit Absender Halbinsel Kola (Polarkreis/Uranbergbau). Frieda Schimanski, mit der sie seit ihrer Berliner Zeit befreundet war und die selber in NKWD-Haft saß, berichtete später, daß sie während ihrer Haft zufällig Joseph Erdmann in einem Raum kauernd, zusammengesunken und apathisch gesehen und ihm zugerufen hatte, »nichts zu sagen. Alles sei erlogen«, er reagierte aber nicht. Margarethe Erdmann ließ sich 1937 auf Druck der Partei scheiden. Sie lernte 1940 in Moskau den deutschen Emigranten Erich Dollwetzel kennen, der fünf Jahre Arbeitslager verbüßt hatte. Der wurde nach der Heirat mit ihr erneut verhaftet und in den Norden der SU verbannt. Sie selbst wurde im Januar 1941 nach Alexandrow verbannt, kam im November 1942 in die »Arbeitsarmee« und verrichtete schwere körperliche Arbeit in verschiedenen Waldsiedlungen. 1954 wurde Margarethe Erdmanns Verbannung aufgehoben, sie durfte 1955 in die DDR, aber erst ab 1964 in Ost-Berlin wohnen. 1954 erhielt sie ein offizielles Schreiben mit der Information, daß ihr erster Mann, Joseph Erdmann, 1936 wegen »Verdachts auf Spionage für Deutschland« zu zehn Jahren Lager verurteilt worden war. Er sei zur Zeit in keinem der Lager registriert. Später wurde ihr eine Sterbeurkunde übermittelt, nach der Joseph Erdmann angeblich am 7.August 1942 gestorben sein soll.

Wer war wer in DDR

Erpenbeck, Fritz

* 6.4.1897 – ✝ 7.1.1975

Geb. in Mainz; Vater Uhrmacher u. Ing.; Volksschule u. Realgymnasium in Mannheim u. Osnabrück; April 1914/15 Ausbildung zum Schlosser in Osnabrück; 1915 – 18 Militärdienst (Freiw.), Kanonier; 1918/19 Forts. der Schlosserausbildung in Osnabrück, dann im Beruf tätig; gleichz. Besuch der dortigen Schauspielschule; 1914 DMV; 1920/21 erstes Engagement in Ingolstadt, dann Schauspieler am Stadttheater Esslingen, an der Württembergischen Volksbühne in Stuttgart, in Bad Dürkheim, in Wilhelmshaven, am Lessing-Theater u. an der Piscator-Bühne in Berlin sowie in Spielfilmen; Dramaturg bei Piscator; 1927 KPD; BPRS; Mitinitiator u. Ltg.-Mitgl. der RGO Bühne u. Film; 1928 Heirat mit  Hedda Zinner; 1929 Parteisekr. der kommunist. Schauspieler in Berlin; Mitarb. bei »Welt am Abend« u. »Die Rote Fahne«; Ende 1930 – 33 Chefred. der pol.-satir. Ztschr. »Roter Pfeffer« u. des Organs der Universum-Bücherei »Magazin für alle«; 1932 Rolle in »Kuhle Wampe«; 1933 kurzz. illeg. Tätigkeit, dann Emigr. nach Prag; dort Mithrsg. der »AIZ«; Mitarb. beim »Gegenangriff«; 1934/35 künstler. Berater des Studio 1934 seiner Frau; März 1935 als Sonderkorrespondent der »AIZ« nach Moskau; dann freier Schriftst.; Arbeiten für das Moskauer Radio u. die DZZ; Mitgl. der dt. Sekt. des sowj. Schriftst.-Verb.; Dez. 1936 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; leitete nach dem Auslandseinsatz von  Willi Bredel ab 1936 die Ztschr. »Das Wort«; April 1939 Red. der Ztschr. »Internat. Lit.«; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; nach dem 22. Juni 1941 Prop.-Arbeit im Rahmen der PURKKA; Sept. 1941 Übernahme in den KI-Apparat; Okt. 1941 – April 1942 Evakuierung in Ufa; Ltr. des Tarnsenders SA-Mann Weber; Anf. 1943 Mitgl. einer Arbeitsgr. der KPD-Führung zu Militärfragen; Jan. 1944 Red. am Sender Freies Dtl.; ab Okt. 1944 erneut Red. am Dt. Volkssender; 30.4.1945 Rückkehr nach Berlin mit der Gruppe  Ulbricht. Kurzz. Chefred. u. dann Red. der »Berliner Ztg.« u. der »Dt. Volksztg.«; freier Mitarb. beim Berliner Rundfunk; beteiligt an der Gründung u. am Wiederaufbau Berliner Theater; 1946 SED; April 1946 – April 1949 freier Mitarb. beim »Vorwärts«, Theaterkritiker; 1946 Gründer u. Red. der Ztschr. »Die Frau von Heute«; mit  Bruno Henschel Aufbau des Henschel Verlags, dann dort bis 1950 ltd. Mitarb.; Juni 1946 – 58 Lizenzträger u. Chefred. der Monatsztschr. »Theater der Zeit« u. Wochenztschr. »Theaterdienst«; ab 1948 Mitarb. im Büro für Theaterfragen; Mai. 1949 – Anf. 1950 freier Mitarb. beim »Neuen Dtl.«; Nov. 1950 Ltr. der Zentr. Spielplankommission im Min. für Volksbildung; Jan. 1951 dort Ltr. der HA Darstellende Kunst u. Musik in der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh. beim Min.-Rat der DDR; 1954 – 56 Chefred. der Ztschr. »Artistik«; Mitgl. des SV; 1956, 1960 Lessing-Preis; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1959 – 62 Chefdramaturg der Berliner Volksbühne; danach freischaff. Schriftst. (Theaterkritiken, Romane, Kriminalromane); Mitgl. des SV; 1956, 1960 Lessing-Preis; 1972 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Emigranten. Moskau 1937; Gründer. Moskau 1940; Lebendiges Theater. 1949; Wilhelm Pieck. Ein Erinnerungsbild. 1951; Aus dem Theaterleben. Aufsätze u. Kritiken. Berlin 1959; Serie von fünf Kriminalromanen 1964/ 65.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Elsner, Bernhard

* 30.1.1927 – ✝ 24.7.2017

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Kutscher; Volksschule; 1941 – 44 Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1944 RAD; 1944/45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1949 Einstellung bei der VP; 1950 SED; 1951 Einstellung beim MfS, Wachbat. Adlershof (später Wachregt. »Feliks Dzierżyński«); 1952 Komp.-Chef; 1957 Stabschef des I. Bat.; 1958/59 Vorbereitungslehrgang, dann Studium am Militärinst. in Moskau; 1959 Stabschef des I. Kdo.; 1960 Offz. für militär.-wiss. Arbeit im Regt.-Stab I; 1961 1. Stellv. des Kdr. des Wachregt.; 1962 Stabschef; 1965/66 Freistellung für die Vorber. u. den Besuch der Militärakad. »Friedrich Engels« der NVA, Dipl.-Mil.-Wiss.; 1972 Kdr. des Wachregt. (Nachf. von  Heinz Gronau); 1976 Gen.-Major; 1987 Versetzung zur HA Kader u. Schulung, Offz. für Sonderaufgaben im Bereich Schulung; 1990 Entlassung; später Geschäftsf. der Initiativgemeinschaft zum Schutze der sozialen Rechte ehemaliger Angeh. der bewaffneten Organe u. der Zollverw. der DDR.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Emmerlich, Gunther

* 18.9.1944

Geb. in Eisenberg (Thür.); aufgewachsen bei der Schwester; Abitur; Studium an der Ingenieurschule für Bauwesen in Erfurt (Abbruch); 1967 – 72 Studium an der HS für Musik »Franz Liszt« in Weimar, Fachrichtung Operngesang; 1972 – 92 festes Engagement als Bass an der Dresdener Oper, in vielen Hauptrollen, außerdem einprägsame Auftritte als Sir Falstaff in »Die lustigen Weiber von Windsor«, Sarastro in »Die Zauberflöte«, Milchmann Tevje im Musical »Anatevka«, Doolittle in »My Fair Lady« u. Sallah Shabati im gleichnamigen Musical von Ephraim Kishon; ab 1987 Gastgeber in der TV-Unterhaltungssendung »Showkolade«. Ab 1990 versch. Unterhaltungssendungen im Fernsehen; auch zahlr. Auslandsauftritte, u. a. mit dem Pianisten Klaus Bender (Semperoper Dresden), mit der Semper-House-Band (Solisten der Sächs. Staatskapelle Dresden), im Duett mit Deborah Sasson sowie als Gastsolist von Chor- u. Orchesterkonzerten; zahlr. CD-Produktionen; 1991 Auszeichnung mit dem Publikumspreis »Bambi«; 1997 Bundesverdienstkreuz; 2008 Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall; lebt in Dresden-Weißer Hirsch.Ich wollte mich mal ausreden lassen (Autobiogr.). Berlin 2007.Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Emrich, Fritz

* 19.8.1894 – ✝ 23.7.1947

Geboren am 19. August 1894 in Weihstein, Sohn eines Maurers; lernte Schneider und arbeitete in mehreren Textilfabriken. 1910 Mitglied der sozialistischen Jugend, 1913 der SPD. Nach dem Weltkrieg trat er der USPD und dann der KPD bei. Emrich war vor allem in der Gewerkschaftsbewegung tätig und wurde 1928 hauptamtlicher Mitarbeiter in der Gewerkschaftsabteilung des ZK. Auf dem IV. Weltkongreß der RGI 1928 wurde er ins Präsidium gewählt und 1929, nach seinem Ausschluß aus der ADGB-Gewerkschaft, in die Zentralleitung des RGO übernommen. Er trat mit Veröffentlichungen über die Rationalisierung hervor und wurde auf dem 1. Kongreß der RGO 1929 ins Reichskomitee berufen. Emrich leitete die RGO-Gruppe Textil und später Metall. Im Juli 1932 zog er für die KPD im Wahlkreis Merseburg in den Reichstag ein, dem er bis 1933 angehörte. Von 1933 bis 1936 in den KZs Sonnenburg und Esterwegen inhaftiert, anschließend Arbeiter in einer chemischen Wäscherei in Berlin. Seit Ende 1942 hatte er Verbindung zu Anton Saefkow und Franz Jacob und gehörte zeitweise zum »Dreierkopf« der KPD in Berlin. Emrich stellte noch im Frühjahr 1944 für Ferdinand Thomas, dem Vertrauensmann Adolf Reichweins, den Kontakt zu Saefkow und Jacob her. Nach Beginn der Verhaftungsaktion ging er in den Untergrund und lebte bis Kriegsende illegal in Berlin. 1945 wieder Mitglied der KPD, kam er zur Berliner Polizei. Hier wurde er im Dezember 1946 Leiter der Personalabteilung und Kommissar der Schutzpolizei in Berlin. Bei einer Explosion im Kommando der Schutzpolizei kam Fritz Emrich am 23. Juli 1947 ums Leben.

Wer war wer in DDR

Enderlein, Ortrun

* 1.12.1943

Geb. in Trünzig (Sachsen); Bruder Motorradrennfahrer Klaus E.; begann 1961 mit dem Rennschlittentraining in Raschau (Erzgeb.) bei der BSG Fortschritt, seit 1963 beim SC Traktor Oberwiesenthal; Spezialdisz.: Damen-Einsitzer; 1964 1. Olympiasiegerin im Rodeln; 1965 u. 1967 WM; 1968 bei den Olymp. Spielen unter dem Vorwurf angeheizter Kufen (gem. mit zwei anderen Mitgl. der Mannschaft) disqualifiziert; 1969 Beendigung der sportl. Laufbahn; danach Ausbildung zur Mechanikerin; Fernstudium zum Ing. für Maschinenbau; tätig im Bereich Verkauf, Marketing, Kundenbetreuung im Messgerätewerk Beierfeld; 1969 – 90 persönl. Mitgl. des NOK der DDR; VVO; Verdienter Meister des Sports; Artur-Becker-Medaille.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Engel, Wolfgang

* 10.4.1928 – ✝ 5.10.2010

Geb. in Ammendorf (b. Halle); Vater Lehrer; OS der Franckeschen Stiftungen in Halle; ab 1946 Studium der Mathematik, insbes. bei H. W. E. Jung u. H. Brandt, sowie der Physik an der MLU Halle-Wittenberg; ab 1948 wiss. Hilfsassistent am Mathemat. Seminar; 1950 St.-Ex. für das Lehramt an OS; 1951 Assistent am 1. Mathemat. Inst. der MLU; 1953 dort Prom. bei O.-H. Keller zu einem Thema aus der algebraischen Geometrie; 1957 Habil. mit einer Arbeit über ganze Cremona-Transformationen; 1958 Doz.; 1959 – 93 Prof. für Mathematik an der WPU Rostock, nach 1990 Univ. Rostock; 1962 Mitbegr. u. bis 1974 Vors. des Zentr. Komitees für die Olympiade Junger Mathematiker in der DDR; 1974 – 81 Vors. der Mathemat. Ges. der DDR (Nachf. von  Horst Sachs). Arbeitsgebiete: Algebraische Geometrie, Geschichte u. Didaktik der Mathematik; ltd. Hrsg. der Reihe Studienbücherei Mathematik für Lehrer; bes. Verdienste in der Förderung mathemat. begabter Schüler, von denen viele später erfolgr. Wissenschaftler geworden sind. Gest. in Rostock.Aufgaben u. Lösungen aus Olympiaden junger Mathematiker der DDR (mit U. Pirl). Berlin 1972; Festakt u. wiss. Konferenz aus Anlaß des 200. Todestages von Leonhard Euler (Hrsg.). Berlin 1985; Mathematik in Aufgaben (mit U. Pirl). Berlin, Köln 1990.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Engelhardt, Ludwig

* 18.8.1924 – ✝ 21.1.2001

Geb. in Saalfeld; 1949/50 Ausbildung zum Möbeltischler; 1951/52 Studium an der Pädagog. HS Berlin u. Lehrtätigkeit an der Berufsschule für Sonderschüler; 1951 – 56 Studium an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; 1956 – 58 Mstr.-Schüler an der DAK bei  Heinrich Drake; 1959 – 64 Assistent an der HS in Berlin-Weißensee; ab 1964 freischaffend in Berlin u. Gummlin (Usedom); seit 1969 Mitgl. der DAK; 1973/74 ständ. Vertreter des Sekr. u. 1974 – 78 Sekr. der Sekt. Bildende Kunst der AdK; 1974 Kunstpreis der DDR; Ernennung zum Prof.; 1977 – 86 künstler. Ltg. des Projekts Marx-Engels-Forum Berlin; 1986 NP; gest. auf Usedom. Werke: Am Strand (1961), Lesender Arbeiter (1961), Dreiergr. für das Lagermuseum Auschwitz (1963), Bildnis des Helden der Arbeit LPG-Vors. Willi Schäfer (1964), Plastik: LPG-Bauern in Dorf Mecklenb. (1971 – 76), Bronzerelief: Die Menschen meistern den Planeten Erde (1967 – 75), Figurengr.: Karl Marx u. Friedrich Engels in Berlin-Mitte (1986). Film-Porträt: »Konzert im Freien« (Dok.-Film von J. Böttcher/Strawalde, 2001); »Zerstörte Täume – Die Engelhardts, eine deutsche Familie« (von W. Filmer u. E. M. Wingens, arte 2005).Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Engert, Otto

* 24.7.1895 – ✝ 11.1.1945

Geboren am 24. Juli 1895 in Brösdorf/Altenburg. Engert, der eigentlich Otto Gentsch hieß, wanderte nach der Zimmermannslehre durch Deutschland. 1913 Mitglied der SPD, während des Krieges kam er als Soldat an die Front. Engert schloß sich der USPD an und ging 1920 zur KPD. Er war der einzige kommunistische Abgeordnete im Kreisrat Altenburg und wurde 1924 und erneut 1927 in den Thüringer Landtag gewählt. Seit dieser Zeit war er hauptamtlich tätig, wurde UB-Leiter der KPD, 1927/28 Redakteur bei der »Sächsischen Arbeiterzeitung«. 1927 zu einem Jahr Festung verurteilt. Er hatte sich ein großes theoretisches Wissen angeeignet und wurde oft zu Schulungskursen herangezogen. Engert gehörte zum rechten Parteiflügel und wandte sich Ende 1928 mit der Mehrheit der Thüringer Landtagsabgeordneten gegen den ultralinken Kurs. Deswegen 1929 aus der KPD ausgeschlossen, trat er der KPO bei, in der er bis 1933 wirkte. Im Juli 1929 zum Bürgermeister (er kandidierte für die KPO) in Neuhaus am Rennsteig gewählt (mit 11 gegen 8 Stimmen), er amtierte dort von 1930 bis 1933. Der damalige Thüringer Innenminister Frick (NSDAP) hat ihn im März 1931 vorübergehend dieses Postens enthoben. Nach 1933 illegal für die KPO tätig, half er seiner Frau, die in Leipzig einen Gemüseladen eröffnet hatte. Engert wurde in Leipzig verhaftet, zu acht Monaten Zuchthaus verurteilt und anschließend ins KZ Sachsenburg verschleppt. Nach seiner Freilassung kooperierte er wieder mit illegalen Gruppen der KPD und war 1943/44 der theoretische Kopf der Widerstandsgruppe um Georg Schumann, für die er zusammen mit Alfred Schmidt die politische (von der offiziellen KPD-Linie abweichende) »Plattform« schuf. Im Juli 1944 erneut verhaftet, blieb er trotz schwerer Mißhandlungen standhaft. Er wurde zum Tode verurteilt (seine Frau zu langjähriger Zuchthausstrafe). In seinem letzten Brief schrieb er: »Darüber, ob das, was ich tat, richtig und notwendig war, wird einst die Geschichte entscheiden.« Otto Engert wurde am 11. Januar 1945 in Dresden hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Enke, Wilhelm

* 1.2.1912 – ✝ 20.2.1980

Geb. in Creuzburg (Krs. Eisenach); Vater Zigarrenarb.; Volksschule; 1926 – 30 Ausbildung zum u. Arbeit als Maler; 1930 – 33 arbeitslos; 1931 KPD; 1933/34 »Schutzhaft«; 1934 – 38 Zuchthaus Untermaßfeld wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1938 – 44 KZ Buchenwald, KZ Maidanek, KZ Auschwitz; 1944/45 Strafeinheit Dirlewanger; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schüler. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Einstellung bei der VP Thür.; 1949 Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Thür. (ab Febr. 1950 Länderverw. Thür. des MfS), Abt. VII (MdI/DVP); 1950 Ltr. der Abt. VII (MdI/VP), MfS Berlin; 1954 stellv. Ltr. der HA Personenschutz (PS); 1960 Oberst; 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1970 Entlassung, Rentner; 1972 VVO.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Enzmann, Christian

* 20.7.1951

Geb. in Leipzig; Eltern Akademiker; 1969 Abitur; 1969 – 71 NVA; 1971 – 75 Architekturstudium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing.; 1975 – 84 wiss. Mitarb. der DBA, Inst. für Städtebau u. Architektur; gem. mit  Bernd Ettel Teiln. an mehreren Architekturwettbewerben: 1980 Friedrichstraße-Süd (2. Preis), 1983/84 Prinz-Albrecht-Gelände Berlin (West) u. »Wohnen morgen« (internat.), 1984 Bersarinplatz Berlin; Juni 1984 verhaftet u. für die drei zul. genannten Wettbewerbsarbeiten, in denen mittels architekton. Inszenierungen versucht wird, eine zeichenhafte Interpretation totalitärer Machtstrukturen zu geben bzw. die DDR als »Überwachungsstaat« zu beschreiben, wegen »Öffentl. Herabwürdigung« angeklagt, 1985 zu 20 Mon. Gefängnis verurteilt; März 1986 entlassen; arbeitslos; Dez. 1988 Ausreise in die Bundesrep. Dtl. (München). Seit 1991 gemeinsames Planungsbüro mit Bernd Ettel in Berlin-Kreuzberg.Wolfgang Kil

Wer war wer in DDR

Erb, Elke

* 18.2.1938

Geb. in Scherbach (Eifel); Vater seit 1947 Lit.-Wiss. an der Univ. Halle; 1949 Übersiedlung der Familie in die DDR; 1957 Abitur; 1957/58 Studium der Pädagogik, Geschichte u. Dt. an der Univ. Halle; 1958/59 Landarbeit im Rahmen des FDJ-Meliorationsprojekts Altmärk. Wische; 1959 – 63 Studium der Pädagogik, Dt. u. Russ. an der Univ. Halle; 1963 – 66 Volontärin u. Lektorin beim Mitteldt. Verlag Halle; seit 1966 freiberufl.; löste mit der Rezension der Anthologie »In diesem besseren Land« (Hrsg.  Adolf Endler,  Karl Mickel, 1966) die »FORUM-Lyrikdebatte« aus (FORUM (1966) 11), die zu Auseinandersetzungen mit  Hans Koch (FORUM),  Horst Haase u. a. führte (»Neues Dtl.« (1966) 190; »Neue dt. Lit.« (1969) 9); lebt seit 1967 in Berlin; 1968 erste Texte in der Debütreihe »Auftakt«; Arbeit v. a. an Gutachten, Übersetzungen u. Nachdichtungen (v. a. Alexander Blok, Marina Zwetajewa, Sergej A. Jessenin, Wiktor W. Chlebnikow), Rezensionen, Hrsg. (u. a. Annette von Droste-Hülshoff, Peter Altenberg); veröff. Lyrik u. Kurzprosa (u. a. in den Anthologien »Auswahl 68« u. »Saison für Lyrik« 1968) u. Kinderstücke (zus. mit A. Endler, u. a. »Das bucklige Pferdchen« 1973); 1969 längerer Aufenthalt in Georgien; 1975 erste Buchveröff. (»Gutachten«, später u. a. »Der Faden der Geduld« 1978, »Vexierbild« 1983, »Kastanienallee« 1987); beim MfS in einer OPK erf.; Anf. der 80er Jahre Kontakt zur unabh. Friedensbew.; 1981 – 88 vom MfS im OV »Hydra« erf. mit dem Ziel, die Weiterarbeit an der 1981 verbotenen Akad.-Anthologie inoffiz. Lit. u. von Publikationsversuchen zu verhindern; initiierte 1981 mit dem Vortrag »Von  Erich Arendt bis  Sascha Anderson. Die DDR-Lyrik der letzten fünf Jahre« eine Debatte über neue Poesie (vgl.  Volker Braun: »Rimbaud. Ein Psalm der Aktualität«, Sinn u. Form (1985) 5); galt als Mentorin der »Prenzlauer-Berg-Lit.«; 1983 Protest gegen die Ausbürgerung des Bürgerrechtlers  Roland Jahn (zus. mit S. Anderson,  Bärbel Bohley, A. Endler,  Lutz Rathenow u. a.) mit einem Brief an  Erich Honecker; 1985 Hrsg. der wichtigsten Anthologie nichtoffiz. Lit.: »Berührung ist nur eine Randerscheinung. Neue Lit. aus der DDR« (zus. mit Sascha Anderson), auf Betreiben von  Kurt Hager u.  Günter Görlich versuchter Ausschluß aus dem SV, Ablehnung durch das Präs. des SV (u. a.  Hermann Kant); Mitarbeit an den nichtoffiz. Ztschr. »Anschlag«, »Ariadnefabrik«, »Kontext«, »Mikado«, »Radix-Blätter« (»Wohnsinn«), »Schaden«, »Verwendung«; zahlr. Künstlerbücher; 1988 Peter-Huchel-Preis. 1990 Heinrich-Mann-Preis (zus. mit A. Endler); 1993 Ehrengabe der Schiller-Stiftung; 1994 Rahel von Varnhagen-Medaille der Stadt Berlin; 1995 Erich-Fried-Preis, Ida-Dehmel-Lit.-Preis; 1998 Norbert-C.-Kaser-Preis; 1999 F.-C.-Weiskopf-Preis; Mitgl. des PEN-Zentrums der Bundesrep. Dtl. Ihre Kenntnis der russ. u. frz. Avantgarde führte zu einer die genaue Selbst- u. Fremdbeobachtung einschließenden sprachexperiment. Technik linguistischer Textkonstruktion u. Sprachreflexion mit erheblichem inhaltlichen Einfluß auf die »Prenzlauer-Berg-Lit.«.Nachts, halb zwei, zu Hause. Texte aus drei Jahrzehnten. Leipzig 1991; Winkelzüge oder nicht vermutete, aufschlußreiche Verhältnisse. Berlin 1991; Unschuld, du Licht meiner Augen. Gedichte. Göttingen 1994; Der wilde Forst, der tiefe Wald: Auskünfte in Prosa. Göttingen 1995; Mensch sein, nicht: Gedichte u. andere Tagebuchnotizen, Basel 1998; Gänsesommer. Köln 2005; Sonanz. Köln 2008. Berendse, G.-J.: Die »Sächs. Dichterschule«: Lyrik in der DDR der 60er u. 70er Jahre. Frankfurt (Main) 1990; Wolf, G.: Sprachblätter Wortwechsel. Leipzig 1992; Visser, A.: Blumen ins Eis. Lyrische u. literaturkrit. Innovationen in der DDR. Amsterdam 1994; Cosentino, C., Müller, W. (Hrsg.): »im widerstand/im mißverstand?« Zur Lit. u. Kunst des Prenzlauer Bergs. New York 1995; Was über dich erzählt wird. Eine Fs. zum 60. Geburtstag von E. E. Berlin 1998.Klaus Michael / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Ermisch, Luise

* 20.5.1916 – ✝ 17.1.2001

Geb. in Halle (Saale), Vater Fleischermstr.; Volksschule; 1930 – 33 Ausbildung zur Damenschneiderin, danach arbeitslos; ab 1937 als Schneiderin beschäftigt, 1939 – 45 als Autogenschweißerin dienstverpfl. 1946 Näherin im VEB Hallesche Kleiderwerke; 1947 Mitgl. des FDGB; 1949 Besuch der FDGB-Krs.-Schule in Halle; 1949 Mitinitiator des Wettbewerbs um den Titel »Brigade der ausgezeichneten Qualität«; Ltr. der ersten »Qualitätsbrigade« in der DDR-Konfektionsindustrie; als Aktivistin ausgezeichnet; Besuch der Betriebs-FS in Neugersdorf; 1950 SED; 1950 Held der Arbeit; 1950 – 81 Abg. der Volkskammer; 1951 – 71 Betriebsltr., 1971 – 76 Betriebsdir. der VEB Bekleidungswerke Mühlhausen (Thür.); ab 1954 Propagierung der »Luise-Ermisch-Methode« zur Planaufschlüsselung; 1954 – 81 Mitgl. des ZK der SED u. 1958 – 63 Kand. des PB; 1955 Banner der Arbeit; ab 1958 zugl. Mitgl. des Wirtschaftsrats beim Erfurter Bez.-Rat u. 1960 – 63 Mitgl. des Staatsrats; 1960 Besuch der PHS der KPdSU in Moskau; 1963 – 65 Mitgl. des Büros für Industrie- u. Bauwesen der SED-BL Erfurt; 1966 externer Abschluß als Ing. für Bekleidungsindustrie; 1966 – 70 Vors. des Ges. Rats der VVB Konfektion; 1976 KMO u. Ruhestand; gest. in Mühlhausen.Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Errath, Christine

* 29.12.1956

Geb. in Berlin; begann 1964 mit dem Eiskunstlauf; KJS, SC Dynamo Berlin (Trainerin Inge Wischnewski); Spartakiade: 1966 Bronze, 1968 u. 1970 Gold; 1971 u. 1972 Richmond-Cup; Olymp. Winterspiele: 1972 8. Platz, 1976 Bronze; WM: 1973 u. 1975 Bronze, 1974 WM, 1976 Vize-WM; EM 1973 – 75, 1976 EM-Bronze; DDR-Meisterschaften: 1969 u. 1970 3. Platz, 1971 – 73 2. Platz, 1974 u. 1975 DDR-Mstr.; 1974 DDR-Sportlerin des Jahres; Abitur mit Auszeichnung; 1978/79 Volontärin beim DFF; 1979 – 83 Studium der Germanistik an der HU Berlin, danach Mitarb. beim DFF. Ab 1990 freie Fernsehpublizistin, u. a. 1993 – 2007 Moderatorin der Sendung »Außenseiter – Spitzenreiter« mit Hans-Joachim Wolfram; verh. mit dem fünffachen DDR-Tennismeister Ulrich T.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Elten, Max

* 8.6.1905 – ✝ 2.9.1982

Geb. in Oberdollendorf (Rheinl.); Vater Dr. rer. nat., Chemiekfm.; 1925 Folkwang-Handwerkerschule Essen; 1927 – 30 Studium an der Kunstakad. in Königsberg, an der TH München, am Werklehrerseminar in Halle; 1933 St.-Ex. an der Kunst-HS Berlin für das künstler. Lehramt an Höheren Schulen; 1. Preis beim Bühnenbildwettbewerb der Oper Königsberg; anschl. dort 1934 Ausstattung versch. Opern; 1934 Probejahr in den Ausstattungswerkstätten der Leipziger Oper; 1936 dort Berufung zum Ausstattungsltr.; seit 1934 Beschäftigung vor allem mit Mozart u. Wagner, im Schauspiel mit Shakespeare; 1944/45 Wehrmacht; 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. Juli 1945 Wiederaufn. der Tätigkeit an der Behelfsspielstätte für die zerstörte Leipziger Oper in Leipzig-Lindenau; Zusammenarbeit mit Mary Wigman (1947 »Orpheus u. Eurydike«); 1948 Berufung zum Chefbühnenbildner durch die Kulturabt. der SMA Sachsen; 1952 Bestätigung durch das Kulturamt Leipzig; 1959 – 76 Zusammenarbeit mit  Joachim Herz (Wagner »Ring des Nibelungen«); 1970 em.; bis 1982 ausschließl. als Maler tätig; versch. Ausstellungen, 1982 in Frankenhausen, 1983 in Leipzig, 1988 in der Royal Shakespeare Company London; Ausstattung zahlr. UA u. dt. Erstaufführungen, u. a.: »Carmina burana« von Carl Orff (1943), »Plautus im Nonnenkloster« von  Max Butting (1959).Renk, A.: Wirklichkeit in durchsichtigem Licht. In: Mitteilungen der AdK (1990) 1.Aune Renk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Emmerlich, Arthur

* 20.9.1907 – ✝ 10.1.1942

Geboren am 20. September 1907 in Niederweisen bei Chemnitz als Sohn einer Arbeiterfamilie. Packer, Bürobote, Lichtpauser, bis 1930 in einer Chemnitzer Schraubenfabrik beschäftigt. 1922 trat er in die SAJ und später in den KJVD ein. Zunächst ehrenamtlicher Funktionär, wurde er 1930 UB-Leiter für Chemnitz und dann Orgleiter des KJVD Bezirk Sachsen. Im Oktober 1930 in das ZK des KJVD gewählt, arbeitete Emmerlich in der Redaktion der Zeitschrift »Junge Garde« und leitete vertretungsweise das Jugendsekretariat der KPD-BL Wasserkante. Dann im AM-Apparat des ZK der KPD tätig (Gegnerarbeit). Nach 1933 als Instrukteur des ZK der KJVD für die Bezirke Magdeburg und Hannover. 1934 emigrierte Emmerlich über das Saargebiet nach Frankreich, arbeitete dort zunächst im westeuropäischen Sekretariat der RGI. Im Januar 1935 kam er nach Moskau und war bis 1937 in der Presseabteilung der Komintern. Ab September 1937 unter dem Decknamen Herbert Wolf in Paris, nahm Emmerlich im Januar 1939 an der »Berner Konferenz« der KPD bei Paris teil. Später reiste er nach Dänemark, wo er mit dem Leiter der AL Nord, Heinrich Wiatrek, zusammenarbeitete. Im Sommer 1940 ging Emmerlich nach Deutschland, um von Berlin aus eine neue, illegale Parteiorganisation aufzubauen. Dabei wurde er aktiv unterstützt von dem Weddinger Volksschullehrer Kurt Steffelbauer. Emmerlich wurde auf dem Weg nach Hamburg am 24.Mai 1941 verhaftet. Am 10. Januar 1942 vom 2.Senat des VGH gemeinsam mit Kurt Steffelbauer, Johann Gloger und Alfred Grünberg zum Tode verurteilt und am 21.Mai 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Ende, Lex

* 6.4.1899 – ✝ 15.1.1951

Geb. in Bad Kissingen; Vater Kunsthändler; Volksschule, Gymnasium; 1915 religiert; 1917 Militärdienst; 1918 Teiln. an der Novemberrev. in Koblenz; Mitgl. des Soldatenrats; 1918 Mitgl. der USPD in Hannover; bis Juni 1919 Volontär der USPD-Ztg. »Volkswacht« in Hannover; gründete mit  Walter Bartel die »Ruhrwarte« Gelsenkirchen; daneben Red. bei der »Bergarbeiter-Union«; 1919 Mitgl. der KPD; während der »März-Aktion« 1920 Deckn. »Lex«, den er auch offiz. annahm; 1920 kurzz. Red. der »Roten Fahne« (Berlin); 1920 – 22 stellv., 1925 – 28 Chefred. des »Ruhrecho« (Essen); 1922 Red. des »Kommunist« (Frankfurt (Main)); 1923 Red. der »Niedersächs. Arbeiterztg.« (Hannover); Aug. 1923 als Obersekr. der KPD-Bez. Bremen, Wasserkante, Hannover; Vorber. u. Mitgl. der Ltg. des »Oktoberaufstandes«; deshalb Jan. 1924 in Bremen verhaftet, zu vier Mon. Gefängnis verurteilt; anschl. kurzz. Red. der Ztg. »Soz. Rep.« (Köln); 1924 beim »Volksblatt« (Gotha); 1925 – 28 Mitgl. der KPD-BL Ruhrgeb.; ab Jan. 1928 deren Pol.-Ltr.; Dez. 1928 Funktionsenthebung als sog. Versöhnler, weil er die RGO-Politik der KPD-Führung ablehnte; Anf. 1929 Bruch mit der »Versöhnler-Gruppe«; Mai 1928 – Sept. 1930 Abg. des Dt. Reichstags; zeitw. stellv. Chefred. »Rote Fahne« (Berlin); 1930 Gründung der Ztg. »Rote Post«; 1932/33 deren Chefred.; 1933 illeg. pol. Arbeit in Berlin u. Hrsg. illeg. Ztgn.; ab Herbst zum illeg. Freidenkerverb.; Dez. 1933 Emigr. nach Paris; dort Gründung des »Inst. zum Studium des Fasch.«, wurde jedoch von Willi Münzenberg sabotiert; 1933/34 Red. der »Dt. Volksztg.« (Saarbrücken); 1934 wieder nach Frankreich; 1935 Einleitung eines Strafverfahrens durch die Reichsanwaltschaft beim VGH; 1936 Chefred. der »Dt. Volksztg.«; 1936 in Prag, 1937 in Paris; Mitgl. der KPD-Emigr.-Ltg. in Frankreich, Mitarb. von  Franz Dahlem,  Paul Merker,  Paul Bertz; Mitgl. des SDS u. der FKP; Okt. 1939 Internierung in Collombe u. Marolle, hier mit  Walter Beling u.  Bruno Haid »Kampf gegen Trotzkisten«; später im Lager Le Vernet; Juni 1940 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Juli 1940 Flucht; Aug. 1940 – Okt. 1945 illeg. in Marseille (»Philippe Gautier«); Mitgl. der Toulouser KPD-Ltg. u. deren Beauftragter für Auswanderungsangelegenh. (»Stützpunktltr. in Marseille«); hier auch sporad. Kontakte zum Ltr. des Unitarian Service Committee Noel H. Field; Mitgl. der Union des Émigrés Allemands Anti-Nazis; Mitarb. der Ztschr. »Freies Dtl.«, Mexiko (Ps. Alexander Boeheim); anschl. illeg. tätig in der Résistance in Südfrankreich; Teiln. an den Kämpfen zur Befreiung von Marseille; 1944 Red., dann stellv. Chefred. der KPF-Ztg. »La Marseillaise«. Sept. 1945 illeg. nach Baden-Baden; Okt. 1945 illeg. Rückkehr nach Berlin; 1945/46 Red.-Sekr. des »Freien Bauern«; 1946 zunächst stellv., 1946 – Mai 1949 zus. mit  Max Nierich Chefred. des »Neuen Dtl.« (Nachf. von  Sepp Schwab); Chefred. der satir. Ztschr. »Frischer Wind«; nach Eklat mit  Walter Ulbricht übernahm er im Herbst 1949 die Gründung u. Ltg. der »Friedenspost« (Organ der DSF); war im Kontext der Field-Affäre ab Juni 1950 umfgr. Untersuchungen u. Befragungen durch die ZPKK bzw. die ZK-Sonderkommission ausgesetzt, die im Juli 1950 entschied, daß er wegen Konspirationsverletzung »nicht mit vertraulichen Parteiaufträgen betraut werden darf«; 24.8.1950 Ausschl. aus der Partei durch ZK-Beschluß zur Noel-H.-Field-Affäre; Versetzung nach Freiberg (Sachsen); Buchhalter im VEB Buntmetall Hüttenwerk Muldenhütten; in Hilbersdorf (Krs. Freiberg) einem Herzschlag erlegen; 29.11.1989 durch ZPKK der SED rehabil.Lewis, F.: Bauer im Roten Spiel. Das Leben des Noel H. Field. Berlin, Frankfurt (Main), Wien 1965; Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Müller-Enbergs, H.: Erst Chefredakteur, dann »Unpersonen«: L. E. (1899 – 51) u. Rudolf Herrnstadt (1903 – 66). In: JHK. Berlin 1996; Becker, K. J., Roser, A.: Das Parteiverfahren gegen L. E. im Sommer 1945 in Paris. In: JHK. Berlin 1997.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Endler, Adolf

* 20.9.1930 – ✝ 2.8.2009

Geb. in Düsseldorf; Vater Handelskfm.; aufgew. bei der Mutter; mittlere Reife; Ausbildung zum Buchhändler abgebrochen; Arbeit als Transportarb. u. Kranfahrer; pol. tätig für den KB u. die Friedensbew. in der Bundesrep. Dtl.; 1955 Anklage wegen »Staatsgefährdung« u. Übersiedl. in die DDR; 1955 – 57 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; Mitarb. am FDJ-Meliorationsprojekt Altmärk. Wische; 1960 Debüt mit dem Gedichtband »Erwacht ohne Furcht«; 1966 löst die mit  Karl Mickel hrsg. Anthologie »In diesem besseren Land. Gedichte der DDR seit 1945« eine Kontroverse über neue Lyrik in der DDR aus (FORUM-Lyrik-Debatte 1966; E. polemisierte gegen »platte Aufbaulieder«); 1971 Auslöser einer Debatte über dogmatische Lit.-Kritik u. -Pol. in der DDR (Sinn- u. Form-Debatte, »Sinn u. Form« (1971) 4); 1976 Mitunterz. der  »Biermann-Resolution«; ab 1976 vom MfS im OPK »Adolf« erf.; Mai 1979 Mitunterz. eines Protestbriefes an  Erich Honecker im Zusammenhang mit der Verurteilung  Stefan Heyms wegen »Devisenvergehens«; Protest gegen die kulturpol. Praxis u. die Knebelung krit. DDR-Autoren; Juni 1979 Ausschluß aus dem SV (zus. mit acht weiteren Autoren); 1983 Protest gegen die Ausbürgerung des Bürgerrechtlers  Roland Jahn (zus. mit  Sascha Anderson,  Bärbel Bohley,  Elke Erb,  Lutz Rathenow u. a.) mit einem Brief an Erich Honecker; ab 1983 häufige Org. von Wohnungslesungen der Autoren der »Prenzlauer-Berg-Lit.«; Mitarbeit an den nichtoffiz. Ztschr. »Anschlag«, »Ariadnefabrik«, »Mikado«, »Kontext«, »Radix-Blätter« (»Aufrisse«), »Schaden«, »Und«, »Zweite Person«; mit dem mehrbändigen satir. Prosa-Projekt »Nebbich« kommentierte E. seit Anf. der 80er Jahre Alltag u. Kulturpol. der DDR; lebte 1984 – 90 in Leipzig, ab 1990 in Berlin; Verf. u. a. von Gedichten (»Weg in die Wische« 1960, »Die Kinder der Nibelungen« 1964, »Das Sandkorn« 1974, »Akte-Endler. Gedichte aus 25 Jahren« 1981) u. Nachdichtungen (Bulat Okudshawa, Alexander Blok, Konstantin Kavafis); seine Prosa erschien fast ausnahmslos in den nichtoffiz. Ztschr. u. in der Bundesrep. Dtl. 1990 Heinrich-Mann-Preis (zus. mit seiner Frau  Elke Erb); 1991 Initiator des aktionsreichen Berliner Vereins zur Beförderung der Lit. »Orplid«; 1994 Brandenb. Lit.-Preis; 1995 Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau u. Preis der SWF-Bestenliste, »Tarzan am Prenzlauer Berg. Sudelblätter 1981 – 83« (1994), darin eine imposante Innensicht in den autonomen Kunstbetrieb des Berliner Bez. Prenzlauer Berg; 1996 Rahel-Varnhagen-Medaille (zus. mit Brigitte Endler); 1998 Preis der Dt. Schillerstiftung von 1859; 2000 Peter-Huchel-Preis; 2001 Bundesverdienstkreuz; 2005 Mitgl. der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung in Darmstadt; gest. in Berlin.Ohne Nennung von Gründen. Vermischtes aus dem poetischen Werk des Bobbi »Bumke« Bergermann. Gedichte u. Prosa. Berlin 1985; Den Tiger reiten. Aufsätze, Polemiken u. Notizen zur Lyrik der DDR. Frankfurt (Main) 1990; Die Exzesse Bubi Blazezaks im Fokus des kalten Krieges: satirische Collagen u. Capriccios 1976 – 94. Leipzig 1995; Warnung vor Utah: Momente einer USA-Reise. Leipzig 1996; Schweigen Schreiben Reden Schweigen Reden 1995 – 2001. Frankfurt (Main) 2003; Nebbich. Eine dt. Karriere. Göttingen 2005; Nächtlicher Besucher, in seine Schranken gewiesen: eine Fortsetzungszüchtigung. Göttingen 2008. Berendse, G.-J.: Die »Sächsische Dichterschule«: Lyrik in der DDR der 60er u. 70er Jahre. Frankfurt (Main) 1990; Deiritz, K., Krauss, H. (Hrsg.): Verrat an der Kunst? Rückblick auf die DDR-Lit. Berlin 1993; Berendse, G.-J.: Krawarnewall: über A. E. Leipzig 1997.Klaus Michael / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Engel, Max

* 6.12.1887

Geboren am 6. Dezember 1887 in Woddow; kam in jungen Jahren nach Berlin, wo er sich der Arbeiterbewegung anschloß; arbeitete als Wickler. Mit der linken USPD stieß er 1920 zur KPD. Als die linke Führung 1924 die Partei übernahm und »mehr Proletarier« an die Spitze sollten, holte die Linke ihn als Weddinger Arbeiter in die Agitpropabteilung der Zentrale. 1925/26 leitete Engel diese ZK-Abteilung. Er gehörte zum linken Flügel der KPD und schloß sich nach dem »Offenen Brief« 1925 der Thälmann-Gruppe an, für die er aktiv war. Ab 1927 als technischer Angestellter des ZK beschäftigt, trat Engel im März 1928 überraschend aus der KPD aus und erklärte, er habe mit dem Atheismus gebrochen und zu Gott zurückgefunden. Weitere Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

Wer war wer in DDR

Engelke, Heinrich

* 25.5.1910 – ✝ 8.5.1979

Geb. in Lehe (Prov. Hannover); Vater Fotograf; Volksschule u. Reformrealgymnasium; Lehre u. Arbeit als Dentist u. Zahntechniker; 1942 / 43 Wehrmacht (Sanitäter); 1943 Übertritt zur Roten Armee, 1943 – 1945 Antifaschule, Einsatz als Frontbeauftragter des NKFD. 1945 KPD, 1946 SED; 1945 1. Bürgermeister bzw. OB von Chemnitz (Nachf. von Fritz Gleibe), anschl. bis 1952 Kreisrat von Chemnitz; 1946 – 50 Abg. des Kreistags Chemnitz; 1952 – 58 Ltr. der Abt. Kommunale Wirtschaft beim Rat des Bez. Karl-Marx-Stadt, 1958 – 61 Stadtrat u. 1. Stellv. des OB von Karl-Marx-Stadt; 1961 – 70 Vors. des Rats des Stadtbez. Karl-Marx-Stadt-Mitte / Nord; 1958 – 61 Stadtverordn. von Karl-Marx-Stadt; VVO in Bronze.Uwe Müller; Jg. 1961; 1979 – 82 Studium an der Fachschule für Archivwesen Potsdam, Dipl.-Archivar (FH); Mitarbeiter im Stadtarchiv Chemnitz.

Wer war wer in DDR

Englberger, Otto

* 17.8.1905 – ✝ 1.10.1977

Geb. in Erlangen (Mittelfranken); Vater Bierbrauer, Mutter Wäscherin; Realschule, Bauschule, Kunstgewerbeschule; 1918 – 26 SAJ, Bund der Techniker, Angest. u. Beamten (Butab); 1923 Abschluß Mauerlehre u. Geselle; 1923 – 26 Studium an der Bauschule Nürnberg; Weiterbildung Folkwangschule Essen; 1926 Mitarb. im Stadtbauamt Ochsenfurt (Main), 1926 / 27 im Büro Emil Fahrenkamp in Essen u. 1927 / 28 im Büro Franke in Gelsenkirchen; 1929 – 37 Mitarb., ab 1937 Ltr. der Entwurfsabt. der Gagfah-Wohnungsbaugesell. Essen; 1938 – 44 Chefarchitekt der Berliner Entwurfsabt. der Gagfah; 1944 / 45 Dienstverpflichtung zur Erstellung von Verteidigungsanlagen. 1945 – 50 Ltr. des Bau- u. Wohnungsamts der Gemeindeverw. Blankenfelde (Krs. Teltow); 1945 SPD, 1946 SED, FDGB, KB, DSF; 1950 / 51 Abt.-Ltr. der DBA in Berlin; 1951 –54 kommissar. Dir. u. Prof. für Hoch- u. Gesellschaftsbau der HAB in Weimar, 1954 –57 erster Rektor, 1953 – 70 Prof. mit Lehrstuhl für Wohn- u. Gesellschaftsbauten; 1958 Mitgl. des Wiss. Rats des Staatssekr. für Hoch- u. Fachschulwesen, Parteistrafe wg. »Verletzung der Wachsamkeit« bei Faschingsereignissen; 1959 – 63 Vors. d. HS-Gewerkschaftsltg.; 1962 – 67 Prorektor für Gesellschaftswiss.; 1965 – 69 Dir. des Inst. für Wohn- u. Gesellschaftsbauten; 1962 Schinkelmedaille, 1964 u. 1970 VVO; 1968 Anerkennung als VdN; 1970 vorzeitig aus gesundheitl. Gründen em.; 1971 Ehrendoktorwürde der DBA, gest. in Weimar. Projekte u. Wettbewerbe (Auswahl): 1929 Siedlung Kellermannsbusch (1. Preis); 1948 Siedlung Mahlow (1. Preis); Gemeinschaftseinrichtungen im Kreis Teltow (2 Schulen, Berufsschule, 2 Kindergärten, Klubhaus DSF, Kino, Internat, Bahnhof Blankenfelde); 1951 Stadtzentrum Potsdam (1. Preis, zus. mit H. Räder); 1949 Internat Trebbin (1. Preis); 1952 Karl-Marx-Allee; Gestaltung v. Intelligenzhäusern (1. Preis); 1952 Verlagshaus Neues Deutschland (1. Preis, zus. mit H. Colden, K. Sommerer, P. Doehler); 1953 Zentraler Platz Merseburg (1. Preis); 1958 / 59 u. a. neuer Typ einer 16-Klassen-Schule in Sondershausen; Wohngebäude am Platz der 56.000 (Buchenwaldplatz) in Weimar; 1964 / 65 Wohnkomplexzentren Halle-Neustadt, Zentrum Rostock-Lütten Klein Süd (1. Preis), Volkshäuser Magdeburg, Dresden u. Karl-Marx-Stadt (Häuser der sozialistischen Kultur).Die Entw. der Wohnungstypen des Jahres 1953. In: Dt. Architektur (DA) (1952) 3; Verlagshaus Neues Deutschland. In: Wiss. Ztschr. der HAB Weimar (1953) 1; Auftretende Fragen immer wieder neu durchdenken. In: DA (1959) 11; Höhere Effektivität städtebaulicher Wettbewerbe. In: DA (1970) 2. Tschiersky, S.: Prof. E. zu seinem 50. Geburtstag. In: DA (1955) 8; Hartung,Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Wer war wer in DDR

Enkelmann, Dagmar

* 5.4.1956

Geb. in Altlandsberg (Krs. Strausberg); 1974 Abitur; 1974 – 79 Studium der Geschichte an der KMU Leipzig, Dipl.-Hist.; 1977 SED; 1979 – 85 Lehrerin für Geschichte an der FDJ-HS Bogensee; 1985 – 89 Aspirantur an der AfG beim ZK der SED Berlin, Prom.; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. 1990 – 98 MdB; seit 1998 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Bernau; 1999 Angest. in einer Unternehmensberatung; 1999 – 2005 MdL u. Mitgl. des Präs. des Brandenb. Landtags, 2004/05 Vors. der PDS-Fraktion; 1999 – 2004 Vors. des Kommunalpol. Forums Land Brandenburg e. V.; 2003 – 06 stellv. Bundesvors. der PDS; seit 2005 MdB u. erste Parlament. Geschäftsf. der Fraktion Die Linke im Dt. Bundestag; seit 2008 stellv. Mitgl. im 3. Stiftungsrat der Bundesstiftung zur Aufarb. der SED-Diktatur.Analyse u. Kritik des Konzepts bürgerlicher Ideologen der BRD. Berlin 1989; Mein Brandenburg. Potsdam 2004.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Epe, Heinz

* 25.12.1910 – ✝ 28.10.1942

Geboren am 25. Dezember 1910 in Remscheid; studierte 1928/29 in Köln und in Wien. Kurze Zeit später war Epe führender Funktionär der Kostufra, schloß sich 1931 der trotzkistischen Bewegung an und war unter dem Namen Walter Held Leiter des Internationalen Jugendsekretariats der internationalen linken Opposition. Nach dem Reichstagsbrand flüchtete er nach Prag und über Frankreich nach Oslo. Dort arbeitete er zeitweilig mit Willy Brandt zusammen. Er gehörte zu den Organisatoren der Einreise Leo Trotzkis nach Norwegen und galt als »Sekretär Trotzkis«. Epe veröffentlichte im Oktober 1938 in der Zeitschrift »Unser Wort« einen Artikel über »Stalins deutsche Opfer und die Volksfront«, in der er bereits auf die Ermordung der im Moskauer Exil lebenden deutschen Kommunisten Heinz Neumann, Hermann Remmele, Hermann Schubert, Werner Hirsch, Heinrich Süßkind, Erich Birkenhauer, Felix Halle sowie der Schauspielerin Carola Neher hinwies. Die Haltung der Kommunisten und der »Volksfront« gegenüber dem Schicksal der Stalin-Opfer nannte er »das traurigste und beschämendste Kapitel in dieser blutigen Tragödie«. Nach dem deutschen Überfall auf Norwegen flüchtete er nach Schweden. Die Gestapo suchte ihn und bemerkte, »Heinz Epe gilt als Kommunist« und sei als »Spitzenfunktionär der Trotzki-Bewegung anzusehen«. Als Epe in die USA flüchten wollte, versuchte er im Mai 1941 mit seiner Frau Sinnöve, geb. Rosendal-Jensen, die er in Oslo geheiratet hatte, und seinem Sohn Ivar über die UdSSR nach Amerika zu kommen. Er wurde aber sofort im Mai 1941 in der Sowjetunion vom NKWD verhaftet und wegen »konterrevolutionärer protrotzkistischer Tätigkeit« zum Tode verurteilt. Heinz Epe wurde am 28.Oktober 1942 erschossen. Willy Brandt erkundigte sich 1989 in Moskau nach dem Schicksal von Epe und bekam als erster dessen Todesdatum sowie die offizielle »Rehabilitierung« vom 16. Januar 1989 durch sowjetische Gerichtsbehörden mitgeteilt. Epes Frau Sinnöve und sein Sohn Ivar sind verschollen.

Wer war wer in DDR

Erbach, Günter

* 22.1.1928 – ✝ 4.6.2013

Geb. in Klempin (Krs. Saatzig, Pomm./Klępino, Polen) in einer Arbeiterfamilie; Volksschule; 1942 – 45 Lehrerbildungsanstalt; Febr. – Mai 1945 Militärdienst (Matrose). 1945/46 Landarb.; 1946 KPD/SED; 1946 – 49 Pädagogikstudium an der EMAU Greifswald; Staatsexamen; 1949 – 53 Aspirantur an der HU Berlin, danach an der Univ. u. der DHfK Leipzig, dort 1956 Prom. zum Dr. paed.; 1953 – 55 Dir. der Zentralen Sportschule in Strausberg; 1955/56 Ltr. der Abt. Wiss. im Staatl. Komitee für Körperkultur u. Sport; 1956 Doz., 1960 Prof. für Theorie u. Geschichte der Körperkultur u. 1956 – 63 Rektor der DHfK Leipzig; 1957/58 Präs. der Sektion Leichtathletik des DTSB; 1957 – 90 Mitgl. des Bundesvorst. (1957 – 61 des Präs.) des DTSB; 1957/58, 1961 – 64, 1967 – 90 ord. bzw. persönl. Mitgl. des NOK der DDR, 1983 – 90 Mitgl. des Präs.; 1965 – 74 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport (1965/66 amt. Vors.) sowie Vors. des Wiss. Rats; 1974 – Dez. 1989 Staatssekr. für Körperkultur u. Sport (Nachf. von  Roland Weißig) u. bis 1990 Vors. des Komitees für Körperkultur u. Sport; 1963 – 90 Mitgl. der Kommission Sportsoziol. im Weltrat für Körperkultur u. Sport, 1973 – 83 Mitgl. des Exekutivkomittees, seit 1983 Ehrenmitgl. auf Lebenszeit; 1983 – 90 Präs. des DDR-Fußballverb. (Nachf. von Günter Schneider); Dez. 1989 – Febr. 1990 1. Stellv. des Amtes für Jugend u. Sport; Mai 1990 Vorruhestand; zahlr. sportwiss. Veröff., Vors. des Hrsg.-Koll. »Kleine Enzyklopädie Körperkultur u. Sport« (ab 1960 7 Auflagen); 2000 wegen Beihilfe zur Körperverletzung (Doping) verurteilt; gest. in Berlin.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Ernst, Hans

* 18.2.1921 – ✝ 25.8.2000

Geb. in Celle (Westfalen); Vater Weber; Volksschule; Lehre als Konditor; 1938 – 45 Wehrmacht, 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft in der ČSR. 1945 SPD; Eintritt in die DVP, 1945 – 47 Reiterstaffel-Führer in der Polizeidirektion Erfurt; 1946 SED; 1947/48 Sachbearb. in der Landespolizeibehörde Weimar, 1948/49 Ltr. der VP-Bereitschaft Ilmenau, 1949/50 Ltr. der VP-Bereitschaft Mühlhausen, 1950 VP-Oberrat, 1951/52 Ltr. der VP-Bereitschaft Kochstedt, 1952 Oberst der KVP; 1952/53 Sonderlehrgang in der UdSSR; 1953 – 55 Kdr. der KVP-Bereitschaft Potsdam; 1955 – 57 Offiziershörer an der Höheren Militärakad. »K. J. Woroschilow« des Generalstabes der Streitkräfte der UdSSR; 1958 Wechsel zur NVA, 1958 – 61 Kdr. der 4. Motorisierten Schützendiv. in Erfurt; 1961 Gen.-Major; 1961 – 74 Chef des Militärbezirks Leipzig; 1968 Gen.-Ltn.; 1974 – 77 Kdr. der Offiziershochschule der Landstreitkräfte »Ernst Thälmann« in Löbau; 1963 – 67 Kand. des ZK der SED; 1979 Vors. der »Kommission für Wehrkampfsport« der GST.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Ertel, Hans Richard Max

* 24.3.1904 – ✝ 2.7.1971

Geb. in Berlin; Vater Drechsler; 1910 – 22 Seminarschule u. Lehrerseminar, abgebrochen; anschl. Bankangest., Maschinenarb., Eintritt ins Preuß. Meteorolog. Inst. als Rechner u. Bibliotheksaushilfskraft; über Begabtenförderung ohne Reifezeugnis 1929 – 32 Studium der Mathematik, Naturwiss. u. Philos. an der Univ. Berlin, hier 1932 Prom.; 1932 – 34 wiss. Angest. im meteorolog.-magnet. Observatorium Potsdam; 1934 – 42 Assistent bzw. Observator am Meteorol. Inst. der Univ. Berlin; 1938 Privatdoz., 1941 a. o. Prof.; 1942/43 Hauptobservator u. a. o. Prof. an der Zentralanstalt für Meteorol. u. Geodynamik in Wien; 1943 – 45 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Meteorol. u. Geophysik der Univ. Innsbruck. 1946 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Meteorol. u. Geophysik der HU Berlin; 1948 – 69 Dir. des Inst. für Physikal. Hydrographie der DAW; 1949 Ord. Mitgl. u. 1951 – 61 Vizepräs. der DAW; 1950 NP; 1969 em.; gest. in Berlin E. galt als ein führender Geophysiker u. Vertreter der mathemat. Physik mit Verdiensten insbes. auf den Gebieten der dynam. Meteorol., Wirbeldynamik u. klass. Feldtheorie; Hrsg. von sieben in- u. ausländ. wiss. Ztschr., Mitgl. zahlr. in- u. ausländ. Ges. u. Gremien, u. a. der Österr. AdW (1956).Methoden u. Probleme der dynam. Meteorologie. Berlin 1938; Collected Papers. Ed. by W. Schröder. Bremen 1991 – 98.Klaus-Harro Tiemann