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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Ehrhardt, Annelie

* 18.6.1950

Geb. in Ohrsleben/Börde (Sachsen-Anh.); ab 1962 aktive Leichtathletin; Besuch der KJS Halberstadt u. Mitgl. des SC Magdeburg (Trainer: Klaus Wübbenhorst); 1966 Spartakiadesiegerin über 80 m Hürden; 1968 Siegerin der Europ. Juniorenspiele 80 m Hürden; DDR-Mstr.: 1970, 1972 – 74 100 m Hürden u. 1970 200 m Hürden; 1972 Olympiasiegerin 100 m Hürden; EM: 1971 Silber u. 1974 Gold 100 m Hürden; Hallen-EM: 60 bzw. 50 m Hürden 1971 – 73 Gold u. 1975 Silber; drei WR 100 m Hürden (1972 in München mit elektron. Zeitnahme 12,59 s); WR 200 m Hürden (25,8 s/ 1970), 17 Hallen-WR bzw. -Bestleistungen; 1957 – 76 33 Länderkämpfe; nach den Olymp. Spielen 1976 endete ihre sportl. Laufbahn; 1971 Heirat mit dem Kanuten Manfred E.; Ausbildung zur Fotolaborantin im Schwermaschinenkombinat »Ernst Thälmann« Magdeburg; bis 1990 Mitarb. des DTSB-BV Magdeburg. Nach 1990 in einem Sport- u. Jugendzentrum tätig; lebt in Magdeburg.Olaf W. Reimann / Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eichentopf, Oskar Albert

* 26.10.1889 – ✝ 8.4.1968

(* 1889 – † 1968) Geboren am 26. Oktober 1889 in Jena; lernte Dreher. Im Krieg Soldat, übersiedelte dann nach Bremen. 1919 Mitglied der KPD. Aktiv an den Kämpfen der Bremer Räterepublik beteiligt, gehörte er bereits 1919 der Bremer Bürgerschaft an. Später Funktionär des RFB und ab 1925 Leiter der Roten Marine in Bremen. Von 1930 bis 1933 erneut Bremer Bürgerschaftsabgeordneter, Februar 1933 Mitglied der illegalen BL Bremen. Am 21. Juni 1933 verhaftet und im November 1933 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach der Freilassung arbeitete Eichentopf auf der Schiffswerft AG Weser und gehörte zu einer kleinen Widerstandsgruppe. Am 1. September 1939 erneut festgenommen, bis März 1940 »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen. Am 22. August 1944 kam er im Zuge der Verhaftungsaktion »Gewitter« bis Ende Oktober 1944 ins KZ Bremen-Farge. Danach Polizeihaft in Bremen, am 14. April 1945 freigelassen. Eichentopf arbeitete 1945 in der KZ-Beratungsstelle und gehörte der Bremer Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus an, einer antifaschistischen Sammelbewegung die von Hermann Wolters und Adolf Ehlers geleitet wurde. Er trat wieder der KPD bei, war zuletzt für das Bremer Landesamt für Wiedergutmachung tätig. Oskar Albert Eichentopf starb am 8. April 1968 in Bremen. Andreas Boedmer veröffentliche 2005 eine biographische Skizze über Oskar Eichentopf.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eichhorn, Emil

* 9.10.1863 – ✝ 26.7.1925

Einer der wenigen alten sozialdemokratischen Führer, die zur KPD kamen und auch nach 1921 in dieser Partei blieben, war Emil Eichhorn. Am 9. Oktober 1863 in Röhrsdorf bei Chemnitz als Sohn eines Handwerkers geboren; lernte er von 1878 bis 1882 Mechaniker, absolvierte einige Semester an privaten technischen Lehranstalten und arbeitete in verschiedenen deutschen Städten als Mechaniker. Von Jugend an in der Arbeiterbewegung tätig; trat er 1881, während des Sozialistengesetzes, der SPD bei. Seit Mitte der achtziger Jahre nebenberuflicher Mitarbeiter der sozialdemokratischen Presse, wurde er 1893 – wegen seiner politischen Überzeugung im Beruf mehrmals gemaßregelt – hauptamtlicher Funktionär der SPD. Zunächst Redakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Dresden, von 1900 bis 1905 Chefredakteur der Mannheimer »Volksstimme«, dann SPD-Landessekretär in Baden. Von 1901 bis 1908 Abgeordneter des Badischen Landtags, von 1903 bis 1912 Reichstagsabgeordneter. In den Jahren von 1908 bis 1917 leitete Eichhorn das Sozialdemokratische Pressebüro in Berlin. Seit 1896 war er Delegierter aller SPD-Parteitage. Da er zum linken Flügel der SPD gehörte, hatte ihn der Parteivorstand schon 1900 ins revisionistische Baden geschickt und 1905 als ersten Landessekretär bestätigt. Mit den Revisionisten, die in Baden die Mehrheit hatten, lebte Eichhorn in ständiger Fehde. 1917 trat er zur USPD über und leitete deren Unabhängigen Zeitungsdienst. lm Mai 1917 erlag sein Sohn Fritz im Alter von 25 Jahren in einem Lazarett seinen Verwundungen. In einer Todesanzeige schrieb Eichhorn, seine »Freude und Hoffnung« sei »vernichtet«. Von August 1918 bis kurz vor Ausbruch der Novemberrevolution war er Leiter der deutschen Abteilung der russischen Nachrichtenagentur ROSTA in Berlin. An der Novemberrevolution 1918 in Berlin aktiv beteiligt, wurde Eichhorn Polizeipräsident von Berlin. Als die USPD-Vertreter aus der Regierung austraten und Eichhorn sich weigerte, sein Amt niederzulegen, boten sein Verhalten und sein Amt den Anlaß zum sogenannten Spartakusaufstand in Berlin im Januar 1919. Für die USPD zog Eichhorn in die Nationalversammlung und 1920 in den Reichstag ein. Nach der Spaltung der USPD Mitglied des ZK der linken USPD, kam er mit dieser im Dezember 1920 zur VKPD. Nach der März-Aktion 1921 gehörte Eichhorn zunächst mit Paul Levi, Ernst Däumig usw. zur KAG-Gruppe im Reichstag und wandte sich im April 1921 in einer Erklärung gegen die Haltung der Zentrale. Im Gegensatz zu den anderen alten USPD-Führern verließ er die KAG und blieb in der KPD. Eichhorn war schriftstellerisch tätig. Auch im Mai und Dezember 1924 wieder in den Reichstag gewählt, mußte er aber nach jeder Reichstagsauflösung flüchten, da er wegen der Ereignisse von 1919 noch immer polizeilich gesucht wurde und ihn nur die Immunität als Parlamentarier schützte. Emil Eichhorn starb am 26. Juli 1925. Die KPD rühmte ihm nach, er sei neben Clara Zetkin und Joseph Herzfeld der »einzige der alten Garde« gewesen, der »der Revolution treu« geblieben sei. Auch seine »Parteidisziplin« wurde anerkannt, da er (obwohl zum rechten Flügel der KPD gehörend) auch in der ultralinken Periode 1924 mitarbeitete.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eichler, Wilhelmine

* 5.4.1872 – ✝ 27.11.1937

Geboren am 5. April 1872 in Queienfeld/Sachsen-Meiningen als Tochter eines Leinewebers; bis 1893 Dienstmädchen, anschließend Brauereigehilfin und Etuiarbeiterin. Sie trat der SPD bei und war ab 1906 Vorstandsmitglied ihrer Partei und der Filiale des Buchbinderverbandes in Eisenberg/Sachsen-Altenburg. Im Januar 1919 wurde sie im Wahlkreis Thüringen für die SPD in die Nationalversammlung und in den Landtag Sachsen-Altenburg gewählt. Im September 1921 trat sie die Nachfolge des Reichstagsabgeordneten Paul Reißhaus an. Im Februar 1924 verließ sie die SPD-Fraktion und schloß sich bis zum Ende der Legislaturperiode der KPD-Fraktion an, war später politisch nicht mehr aktiv. Wilhelmine Eichler starb am 27. November 1937 in Leipzig.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eickhoff, Hugo

* 26.9.1906 – ✝ 15.12.1944

Geboren am 26. September 1906 in Wandsbek; kaufmännische Lehre, Handlungsgehilfe. Zunächst in der bürgerlichen Jugendbewegung organisiert, schloß er sich 1929 dem »Verband Proletarischer Freidenker« an, wenig später dem KJVD. Er wurde 1931 Orgleiter des KJVD Bezirk Wasserkante. Vom September 1931 bis 1933 gehörte er der Hamburger Bürgerschaft an. Gemeinsam mit Willi Mohn führte Eickhoff den Hamburger KJVD in die Illegalität. Zunächst allen Verhaftungsaktionen entgangen, wohnte er bis Anfang 1943 in Eimsbüttel. Er kam im Sommer 1944 (andere Angaben: Ende 1942) ins KZ Sachsenhausen und wurde Ende 1944 in das Sonderbataillon Dirlewanger gepreßt. Eickhoff soll auf dem Wege mit seiner Einheit im rumänischen Focsane Mitte Dezember 1944 gefallen sein. Als offizielles Todesdatum gilt der 15. Dezember 1944. Nicht auszuschließen ist, daß Hugo Eickhoff im Zusammenhang mit der Massendesertation von Hunderten in das Strafbataillon gezwungener Häftlinge zur Roten Armee ums Leben kam.

Wer war wer in DDR

Eik, Jan

* 16.8.1940

Geb. in Berlin; OS, 1958 Abitur; danach bis 1987 techn. Assistent, Studioassistent u. Dipl.-Ing. bei »Studiotechnik Rundfunk« der Dt. Post; 1964 – 69 Fernstudium in Mittweida, Ing. für elektron. Anlagen; 1971 – 75 Fernstudium in Berlin u. Dresden, 1976 Dipl.-Ing. für Informationstechnik; seit 1988 freischaff. Schriftst.; 1990 »Handschellenpreis« der Sekt. Kriminallit. des SV für den besten Kriminalroman des Jahres 1989 (Preis nur ein einziges Mal vergeben), 1999 Berliner Krimipreis »Krimifuchs«. Schrieb Kinderhörspiele, Funkfeatures, über 20 Kriminalhörspiele, Szenarien für die Fernsehreihe »Der Staatsanwalt hat das Wort«, u. a. »Gefährliche Freundschaft«, UA 1989, Komödie »Freitagabend oder Ehe der Spaß ein Ende hat« (UA 1984 am Rostocker Volkstheater) u. Kriminalromane; nutzte das Krimigenre zur iron.-krit. Darstellung des DDR-Alltags: »Poesie ist kein Beweis« 1986, »Der siebente Winter« 1989, »Dann eben Mord« 1990, »Wer nicht stirbt zur rechten Zeit« 1991, »Der Mann, der Jerry Cotton war« 1996, »Ausschreibung für einen Mord« 1998, »Die allerletzte Fahrt des Admirals« 1999 (Mitautor); histor. Krimis für verschied. Verlage.Besondere Vorkommnisse. Pol. Affären u. Attentate. Berlin 1995; »Von Alex bis Zimtzicke«. Das Berlin Lexikon. Berlin 1998 (mit Horst Bosetzky); Eine Menge Spaß ... Mein alltägliches Leben mit der Stasi. Berlin 2000; Vertuschte Verbrechen. Kriminalität in der Stasi. Leipzig 2007 (mit K. Behling); Verschlusssache. Die größten Geheimnisse der DDR. Berlin 2008 (mit K. Behling); Der Berliner Jargon. Berlin 2008.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eildermann, Wilhelm

* 24.7.1897 – ✝ 16.10.1988

Geboren am 24. Juli 1897 in Bremen, Sohn eines Tabakarbeiters. Nach der Schulzeit Volontär in der Redaktion der »Bremer Bürgerzeitung«. 1915 Mitglied der SPD. Von August 1916 bis November 1918 an der Westfront und in der Garnison Lübeck, gehörte zu den Bremer Linksradikalen. Von Dezember 1918 bis Juni 1919 war Eildermann Redakteur der Zeitung »Kommunist« in Bremen. Ab Juni 1919 Wanderredner und Instrukteur u. a. in Bayern, war von April bis Juni 1920 in Günzburg inhaftiert. Danach 1921 Chefredakteur der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung«, anschließend politischer Redakteur an der Zeitung »Klassenkampf« in Halle. Von Mai 1923 bis Februar 1924 Chefredakteur der »Schlesischen Arbeiter-Zeitung« in Breslau. Dort festgenommen, saß er bis Dezember 1924 in Untersuchungshaft. Nach seiner Freilassung im Januar 1925 Chefredakteur der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung«; er war zunächst Anhänger von Iwan Katz, nach seiner Selbstkritik versetzt, dann bis November 1926 Chefredakteur in Saarbrücken. Anschließend kam Eildermann zur Redaktion der »Tribüne« in Magdeburg und wurde 1928 deren Chefredakteur. 1930 vom Reichsgericht wegen Pressevergehens zu einem Jahr und neun Monaten Festung verurteilt. Von Mai 1932 bis Februar 1933 war Eildermann Chefredakteur der »Volkswacht« in Rostock. Nach dem Reichstagsbrand illegaler Agitpropleiter der BL Mecklenburg, von April 1933 bis Mai 1936 im Zuchthaus, danach arbeitete er beim Autobahnbau. Im Januar 1937 emigrierte Eildermann in die âSR und wurde Polleiter des Emigrantenheims in Prag-Strasnice. Von Oktober 1937 bis August 1939 für die KPD in Paris aktiv, dann bis November 1941 in verschiedenen Lagern in Frankreich interniert, von November 1941 bis 1943 war Eildermann Zivilangestellter der US-Army in Algier. Im November 1943 kam er mit einer Gruppe deutscher kommunistischer Emigranten in die UdSSR und wurde Mitarbeiter der Zeitung »Freies Deutschland« in Moskau. Bis Mai 1945 als Lehrer an Frontschulen der UdSSR, war er 1945 als Mitglied der KPÖ Lektor an der Antifaschule der Roten Armee in Österreich. Im Mai 1947 kehrte Eildermann nach Deutschland zurück, bis 1951 Chefredakteur des SED-Pressedienstes. Im Zuge der Überprüfung der Westemigranten im August 1951 an die Universität Leipzig abgeschoben, lehrte er dort bis März 1957 als Professor für Journalistik, dann Sektorleiter Edition in der Abteilung Geschichte des IML in Ost-Berlin. Sein lang angekündigtes Buch über die Bremer Räterepublik durfte nicht erscheinen, weil er – gegen Walter Ulbricht – die These vertrat, die Bremer Linksradikalen hätten 1916 bis 1918 Lenin nähergestanden als die Spartakusgruppe. Er erhielt 1977 den Karl-Marx-Orden und veröffentliche 1977 seine Erinnerungen unter dem Titel: »Als Wanderredner der KPD unterwegs«. Wilhelm Eildermann starb am 16.Oktober 1988 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eisenberger, Josef

* 3.8.1891 – ✝ 8.2.1938

Geboren am 3. August 1891 in München; kaufmännische Ausbildung, katholisch erzogen, aber schon 1912 Mitglied der SPD. Bis 1910 Handelsvertreter in Deutschland, dann im Ausland, zuletzt in Rußland. In Moskau wurde Eisenberger nach Ausbruch des Weltkrieges interniert und als »feindlicher Ausländer« nach Sibirien verbannt. Nach der Oktoberrevolution 1917 kehrte Eisenberger nach Deutschland zurück und wurde Mitglied der USPD, 1919 der KPD. Von 1920 bis 1923 war er im Sekretariat der BL Südbayern, Redakteur der »Neuen Zeitung«. 1920 wurde Eisenberger in den Bayerischen Landtag gewählt, dem er bis 1923 angehörte. Im Oktober 1920 wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, die er in Landsberg verbüßte. Auf dem VIII. Parteitag Anfang 1923 zum Mitglied des ZA der KPD berufen. Eisenberger befand sich ab Mai 1923 in Moskau, war dort nach dem »deutschen Oktober« 1923 Mitglied der KPD-Delegation beim EKKI, 1923/24 Sekretär der deutschen Sektion beim EKKI. Im Auftrag der Komintern arbeitete er u. a. in Japan und wurde 1924 Mitglied der KPdSU. Er galt als eine schillernde Figur. In den innerparteilichen Auseinandersetzungen 1923/24 stand er zunächst bei Heinrich Brandler, gegen Ruth Fischer. 1923 und Anfang 1924 übermittelte er Brandler geheimes Material der KPD und der Komintern. Damals ließ er sich sogar zum Antisemitismus hinreißen, so wenn er 1924 schrieb, die »frechen Judenbengel« Ruth Fischer, Iwan Katz und Werner Scholem würden bald abwirtschaften. Zwar wegen seiner engen Verbindung zu Brandler von der KPD-Führung angegriffen, behielt er doch seinen Komintern-Posten und arbeitete mit der sowjetischen Geheimpolizei zusammen. In einem »Reuebrief« an das ZK der KPD sagte er sich am 7. Dezember 1924 von Brandler los. Schließlich berichtete er der Komintern im Januar und Februar 1925 ausführlich über dessen Versuche, in Deutschland die Rechtskommunisten zu sammeln. Aufgrund dieses Materials wurde er zum Kronzeugen in den Verhandlungen des Moskauer Parteiverfahrens gegen Brandler, August Thalheimer u. a. im März 1925, dem sogenannten ersten Tribunal. Eisenberger belastete neben Brandler vor allem Thalheimer und schilderte der Kontrollkommission dessen Reaktionen: »Nach der Sitzung versetzte mir Thalheimer einen Faustschlag ins Gesicht mit den Worten: Das sollen Sie dafür bekommen.« Nach 1924 leitete er Abteilungen des EKKI u. a. die Übersetzungsabteilung der Komintern. Obwohl er 1936/37 zahlreiche Genossen denunziert haben soll, wurde er dann selbst ein Opfer der Säuberungen. Am 22. August 1937 wegen »konterrevolutionärer Betätigung« zu mehrjähriger Lagerhaft verurteilt, starb Eisenberger am 8.Februar 1938 an Herzschwäche, Unterernährung und Erfrierungen in einem Lager in Magadan. Am 1. Dezember 1958 vom Moskauer Kriegstribunal posthum rehabilitiert. Eisenberger war in der Sowjetunion mit einer russischen Fürstentochter verheiratet. Der Sohn Andrej Eisenberger veröffentlichte 1997 das Buch: »Wenn ich nicht schreie, ersticke ich«. Darin bestreitet er die in der Literatur kolportierten Episode, daß sein Vater bei der Verhaftung im Hotel »Lux« Widerstand geleistet und zwei NKWD-Mitarbeiter erschossen haben soll.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eisenschneider, Paul

* 5.5.1901 – ✝ 19.4.1944

Geboren am 5. Mai 1901 in Birkenfeld/Nahe, Sohn eines Lehrers; wurde Seemann und war am Aufstand der Matrosen im November 1918 in Kiel beteiligt. Nach der Rückkehr lernte er Edelsteinschleifer, war dann erwerbslos und trat 1922 der KPD bei. Er wurde Polleiter des UB Birkenfeld und Mitglied der BL Saar. Nach 1933 leitete Eisenschneider die illegale Grenzarbeit Saargebiet-Rheinland. Ab 1934 besuchte er zwei Jahre die Internationale Leninschule in Moskau und übernahm danach leitende Funktionen im Ruhrgebiet. Im November 1936 verhaftet, wurde er im Mai 1937 zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Im Krieg ins KZ Mauthausen eingeliefert, kam Paul Eisenschneider dort am 19. April 1944 ums Leben. Seine Tochter Elvira Eisenschneider (geb. 1924), in Moskau ausgebildet, wurde 1943 zum illegalen Einsatz mit dem Fallschirm über Deutschland abgesetzt. Im Frühjahr 1944 von der Gestapo festgenommen, blieb Elvira Eisenschneider verschollen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eisler, Gerhart

* 20.2.1897 – ✝ 21.3.1968

Geboren am 20. Februar 1897 in Leipzig. Sohn des österreichischen Philosophie-Professors Rudolf Eisler, des Verfassers philosophischer Standardwerke, Bruder von Ruth Fischer und dem Komponisten Hanns Eisler. Als Kind 1901 Übersiedlung nach Wien, besuchte die Universität bis zur Einberufung in die k. u. k. Armee, wo er als österreichischer Offizier (Reserveleutnant) auch während des Weltkrieges diente. Wie seine Schwester und sein Bruder schloß er sich 1918 in Wien der KP an und wurde Redakteur der Zeitschrift »Kommunismus«. Mit einer Reihe anderer junger intellektueller Kommunisten kam er 1921 nach Deutschland und hat als Gerhart in der KPD eine Rolle gespielt, zunächst Sekretär der theoretischen Zeitschrift »Die Internationale«, wurde dann Chefredakteur des Abendblattes der »Roten Fahne«. Wie Ruth Fischer gehörte er zur linken Opposition in der KPD und wurde auf dem KPD-Parteitag 1923 Kandidat des ZA. Im April 1923 trennte Eisler sich (gemeinsam mit Arthur Ewert u. a.) von der Ruth-Fischer-Fraktion, stand zwischen der Brandler-Führung und der linken Opposition. Unbedingter Anhänger der Sowjetunion, bekannte sich nach der Oktoberniederlage (1923) zur Mittelgruppe. Nachdem die Linken 1924 die Parteiführung übernahmen, erhielt Eisler zweitrangige Funktionen und stieg erst nach dem »Offenen Brief« 1925 als Redakteur der »Roten Fahne« und Mitglied der Berliner BL wieder auf. Er schloß sich fest der Versöhnler-Gruppe um Ernst Meyer an und wurde vom XI. Parteitag 1927 – obwohl in Moabit in Untersuchungshaft – als Kandidat ins ZK, zugleich zum Kandidaten des Polbüros berufen. Als sich 1928 die ultralinke Wendung der KPD anbahnte, kämpfte EisIer mit den Versöhnlern dagegen. Sie nutzten Ernst Thälmanns Verhalten in der Wittorf-Affäre im September 1928 aus, um den ultralinken Kurs zu verhindern, Thälmann wurde abgesetzt. Nach Stalins Eingreifen für Thälmann wurde Gerhart Eisler in der EKKI-Erklärung neben dem Rechten Erich Hausen am schärfsten angegriffen, seiner Funktion als Kandidat des Polbüros enthoben und sofort aus Deutschland abberufen. In Moskau hat Eisler in einem Gespräch mit Stalin, im Beisein von Wilhelm Pieck und Clara Zetkin, seinen Standpunkt zunächst verteidigt. Doch rasch paßte er sich Stalin an, was besonders der schwerkranke Ernst Meyer scharf kritisierte. Nach seiner Distanzierung von den Versöhnlern kam er in den Komintern-Apparat, war von 1929 bis 1931 Komintern-Beauftragter in China, dann von 1931 bis 1933 Referent im anglo-amerikanischen Sekretariat der Komintern in Moskau und schließlich von 1933 bis 1935 KI-Vertreter in den USA. Da die KPD dringend erprobte Funktionäre brauchte, wurde Eisler wieder zur deutschen Partei abgestellt und nachträglich ins ZK und Politbüro kooptiert. Als Mitglied der Auslandsleitung in Prag und Paris zusammen mit Lex Ende Redakteur der »Deutschen Volkszeitung«. Nach Kriegsausbruch in Frankreich (Vernet) interniert, bekam er Mitte 1940 ein Visum für Mexiko. In den USA war er legal Mitarbeiter kommunistischer Zeitungen, veröffentlichte das Buch »The Lessons of Germany«, fungierte auch als Leiter der illegalen Residentur der sowjetischen Militärspionage GRU in New York. Hier heiratete er im August 1942 Hilde Rothstein (*28. 1. 1912 – † 8. 10. 2000). Im Oktober 1946 wurde seine Ausreise polizeilich verhindert und er 1947 verhaftet. Eisler wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er in den dreißiger Jahren als Komintern-Agent Hans Berger in den USA gearbeitet hatte. Gegen eine Kaution von 20000 $ freigelassen, gelang ihm im Mai 1949 die Flucht auf dem polnischen Dampfer »Batory«. Am 1. Juni 1949 in Ost-Berlin triumphal empfangen, in den PV der SED kooptiert, wurde Eisler Leiter des Amtes für Information der DDR. Bei der Stalinisierung der SED war er für den geplanten DDR-Schauprozeß als Angeklagter vorgesehen. Am 18. Februar 1951 veröffentlichte die »Tägliche Rundschau« Eislers Reueerklärung über seine Aktivitäten vor 1928. »Erst im Jahre 1929 begann ich völlig zu verstehen, daß ein Versöhnler kein ehrlicher Kommunist, kein Marxist-Leninist, kein ehrlicher Freund der Sowjetunion, kein ehrlicher Schüler der KPdSU und des Genossen Stalin sein kann.« Zugleich bezichtigte er einige Versöhnler, sie seien den Weg des »Renegatentums« gegangen, wurden »Spione und Provokateure im Lager des amerikanischen Imperialismus«. Trotz seiner Selbstkritik wurde er am 23. Juli 1951 von Hermann Matern und Max Sens von der ZPKK »befragt«, u. a. zu seinem Verhältnis zu Hede Massing, die sich später vom Kommunismus abgewandt hatte. Eisler verschwand im Hintergrund. Am 27. September 1955 wandte er sich an Walter Ulbricht und Matern und forderte den Abschluß der Untersuchungen sowie einen Arbeitsplatz. Er wurde im Oktober 1956 stellvertretender Leiter des Staatlichen Rundfunkkomitees der DDR, am 30.März 1962 dessen Vorsitzender. Vom VII. SED-Parteitag 1967 zum Mitglied des ZK und an seinem 70. Geburtstag noch zum Held der Arbeit ernannt. Gerhart Eisler starb am 21. März 1968 während eines Aufenthalts in der Sowjetunion. 2007 veröffentlichte Ronald Friedmann eine Gerhart-Eisler-Biographie.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Elias, Paul

* 7.11.1902 – ✝ 6.3.1960

Geboren am 7. November 1902 in Düsseldorf; von Beruf Maler. Er gehörte seit 1927 den proletarischen Freidenkern und wenig später der KPD an, Funktionär in Köln, arbeitete ab Februar 1933 illegal. Von Mai 1933 bis Januar 1934 im KZ Esterwegen in Haft, emigrierte er nach seiner Entlassung in die Schweiz. Zunächst Orgleiter für die illegale Leitung Rheinland, später gehörte er der AL Süd an und wurde 1938 deren Leiter. Anfang 1939 reiste er nach Paris und nahm an der »Berner Konferenz« der KPD teil. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er wegen »illegaler Einreise« verhaftet und in verschiedenen Lagern interniert. Noch im Sommer 1940 setzten sich Walter Ulbricht und Jules Humbert-Droz bei Georgi Dimitroff bzw. bei Wilhelm Pieck dafür ein, daß Elias u. a. in der Schweiz lebende deutsche kommunistische Emigranten offizielle Einreisevisa für die Sowjetunion bekommen sollten. Ulbricht schlug Elias am 28. November 1940 als Mitarbeiter für die Kaderabteilung vor, da er alle süddeutschen Verbindungen kenne. Doch Elias wurde aus der KPD ausgeschlossen, ihm wurden »Schwankungen« vorgeworfen, so soll er sich u. a. kritisch über den Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes geäußert haben. Im Internierungslager Gordola wurde er durch die tonangebenden Paul Bertz, Bruno Fuhrmann und Bruno Goldhammer isoliert. Hinzu kam, daß bei Kriegsbeginn die Auslandsleitung der KPD den illegal lebenden Genossen empfohlen hatte, sich in den Exilländern zu melden. In der KPD-AL der Schweiz gab es darüber Differenzen. Ein Teil meldete sich (u. a. Elias), ein Teil blieb in der Illegalität. Da die Polizei alle sich meldenden Flüchtlinge längere Zeit inhaftierte und dann in Arbeitslager einwies, wurde Elias vorgeworfen, mit einer »falschen« politischen Entscheidung zur Lähmung der AL beigetragen zu haben. Bruno Fuhrmann und Hans Teubner bezeichneten im Sommer 1945 in einem Bericht über die Schweizer Parteigruppe Elias als »Renegaten«. Elias wurde wegen eines Magengeschwürs Anfang Januar 1942 in die Universitätsklinik Zürich eingeliefert und nach überstandener Operation entlassen. Im Juni 1946 kehrte Elias nach Deutschland zurück, blieb aber im Westen. Politisch trat er nicht mehr in Erscheinung. Paul Elias starb am 6. März 1960 in Köln.

Wer war wer in DDR

Elmer, Konrad

* 9.2.1949

Geb. in Bad Berka (Krs. Weimar); Vater Forstmstr. u. Naturschutzbeauftragter; 1961 von Sülzhayn (Südharz) nach Bleicherode (Krs. Nordhausen) zwangsumgesiedelt; 1963 – 67 EOS, Abitur u. Facharbeiterabschl. als Gärtner in Bleicherode; 1968 Biologiestudium an der MLU Halle; Wehrdienstverweigerung; 1968 – 73 Studium der Theol. an der MLU Halle-Wittenberg; 1976 – 82 Krs.-Jugendpfarrer in Aschersleben (Bez. Halle); 1982 Prom. zum Häresieverständis bei Karl Barth an der MLU Halle, Dr. theol.; 1982 – 89 Studentenpfarrer in Berlin-Mitte; 1989 Doz. für Philos. u. Theol. am Paulinum Berlin; 7.10.1989 Gründungsmitgl. der SDP in Schwante (Krs. Oranienburg); Ltr. der Gründungsvers., Vorstandsmitgl.; 4.11. Redner auf der Demonstration auf dem Alexanderplatz; 5.11.1989 Mitbegr. des Berliner Bez.-Verb.; Febr. 1990 Mitgl. des PV der SPD (DDR); Ltr. der Statutenkommission zur Vereinigung beider sozialdemokrat. Parteien im Sept. 1990; März – Okt. Abg. der Volkskammer; Vors. des Aussch. für Bildung u. Wiss.; 1990 Mitgl. des Kuratoriums der Dt. Ges. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags; Mitgl. der Verfassungskommission; seit 1994 Pfarrer an der Erlöserkirche in Potsdam; seit 1997 Mitarb. der Gruppe Energie der Lokalen Agenda 21 in Potsdam.Das Wesen der Häresie. Untersuchung zum Häresieverständnis Karl Barths im Zusammenhang seiner theol. Erkenntnislehre. Halle 1981; Auf den Anfang kommt es an. In: die neue Ges./Frankfurter Hefte (1991) 2; Innerparteil. Rätedemokratie – zwischen Basis-Ideologie u. Kanzlerwahn. In: SPW (1991) VI; Vor- und Wirkungsgeschichte des Org.-Status der SDP. In: Doewe, D. u. a.: Von der Bürgerbew. zur Partei: Die Gründung der Sozialdemokratie in der DDR. Bonn 1993. Herzberg, W., von zur Mühlen, P. (Hrsg.): Auf den Anfang kommt es an. Sozialdemokrat. Neubeginn in der DDR. Bonn 1993.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Ehrich, Kurt

* 26.11.1925 – ✝ 21.10.2004

Geb. in Wien; Vater Arbeiter; Grund- u. Mittelschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Kürschner- u. Mützenmacher; 1944/45 Arbeiter beim Stellungsbau bei der Bahn. 1945/46 KPD/SED; 1946 pol. Mitarb. der SED-LL Mecklenb.; 1947 – 49 Studium der Ges.-Wiss. an der Univ. Rostock; 1949 Assistent an der DVA; 1950 – 57 Red. beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1956/57 Korrespondent in Bonn; 1957 – 60 Instrukteur bzw. Sektorenltr. im ZK der SED; 1960 – 67 Intendant des Dtl.-Senders (Nachf. von  Heinz Geggel); 1962 stellv. Vors., 1969 – 89 1. Stellv. des Vors. des Staatl. Komitees für Rundfunk; ab 1967 Mitgl. der Westkommission beim PB des ZK der SED; 1971 VVO; gest. in Berlin.Arnold, K.: Kalter Krieg im Äther. Der Dtl.-Sender u. die Westpropaganda der DDR. Münster 2002.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eichenwald, Fritz

* 29.5.1901 – ✝ 11.9.1941

Geboren als Joseph Schmitz am 29. Mai 1901 in Illva/Böhmen; wurde nach dem Studium Ingenieur. Er trat 1920 der KJD und 1924 der KPD bei und wurde Parteifunktionär in Recklinghausen. Im illegalen AM-Apparat unter Hans Kippenberger übernahm Eichenwald verschiedene wichtige Funktionen. Im März 1933 emigrierte er in die Schweiz, arbeitete mit Heinrich Kurella und Charlotte Stenbock-Fermor für die RUNA (Rundschau-Nachrichtenagentur). Vom Schweizer Bundesrat am 22. Juni 1934 deswegen ausgewiesen, kam er im März 1935 nach Moskau, wo er am 27. April 1937 verhaftet und am 2. August 1937 zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Fritz Eichenwald wurde dann am 11.September 1941 im Wald von Orjol in der Sowjetunion erschossen.

Wer war wer in DDR

Eichler, Gerhard

* 3.9.1910 – ✝ 13.12.1976

Geb. in Coschütz (Dresden); Vater Maler; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Maschinenbauer in Dresden; 1925 DMV; 1928 SPD u. Reichsbanner; 1939 u. 1943/44 Wehrmacht (Marine). 1945/46 KPD/SED; 1945 Personalref. der Landespolizeiverw. Sachsen; 1945/46 Lehrgang an der Landesschule der KPD Sachsen; 1946 – 50 1. Sekr. der SED-BPO der Stadtverw. Dresden; 1950/51 Personalltr. der MAS Landesverw. Sachsen; 1951/52 pol. Mitarb. des ZK; Instrukteur der Kaderabt.; 1952 Instrukteur der Zentr. Kaderregistratur im Sektor Personalbüro; März 1953 – Juni 1974 als Sektorenltr. Ltr. des Personalbüros des ZK der SED, später Sektorenltr. im Büro des PB des ZK der SED; 1953 – 67 Kdr. der Kampfgr.-Einheit des ZK der SED; 1960 u. 1970 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Eichmann, Günter

* 12.2.1927

Geb. in Gollendorf (Landkrs. Köslin, Pomm. / Koszalin-Chełmoniewo, Polen); Vater Waldarb.; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Fahrradmechaniker; 1944 RAD; 1944 / 45 Wehrmacht; kurzzeitig amerikan. Kriegsgef. 1945 – 48 Arbeit als Schlosser, Mechaniker, Demontage- u. Transportarb.; 1947 SED; 1948 – 52 Hauer, Steiger u. Obersteiger bei der Wismut in Schneeberg; 1951 / 52 MdL Sachsen; 1954 / 55 Lehrgang an der SED-PHS; 1955 – 60 1. Sekr. der SED-KL Wismut-Aue bzw. Wismut-Schlema; 1960 – 66 2. Sekr. der SED-Gebietsparteiltg. Wismut; 1963 – 65 Studium am Industrieinst. für Bergbau- u. Hüttenwesen der Bergakad. Freiberg, Abschluß als Dipl.-Ing.-Ökonom; 1965 / 66 Ltr. der Abt. Kader in der SPK, anschl. dort Mitarb.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Eidner, Werner

* 28.12.1923

Geb. in Chemnitz; Vater Fräser; 1931 – 39 Volksschule in Chemnitz; 1939 – 42 Lehre als Werkzeugmacher; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945/46 amerikan. Kriegsgef. in Italien. 1946 – 48 Arbeit als Werkzeugmacher; 1946 SED; 1948 / 49 Sekr. der SED-BPO im IFA-Werk in Chemnitz; 1949 – 51 Instrukteur in der SED-LL Sachsen; 1951 Lehrgang an der SED-LPS Meißen; 1952 2. Sekr., 1952 – 56 1. Sekr. der SED-KL Großenhain; 1954 – 56 Fernstudium, 1956 / 57 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1957 / 58 erneut 1. Sekr. der SED-KL Großenhain; 1958 – 60 1. Sekr. der SED-KL Zittau; 1960 – 64 2. Sekr. der SED-BL Dresden; 1963 – 89 Mitgl. der ZRK der SED; 1964 – 66 Studium an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtsch.; 1966 – 74 2. Sekr. der SED-BL Potsdam; 1969 VVO; 1974 – 77 Vors. des Rats des Bez. Potsdam; danach aktiv als Parteiveteran; Rentner.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Eikemeier, Fritz

* 28.3.1908 – ✝ 4.8.1985

Geb. in Groß-Oldendorf (Krs. Hameln); Vater Glasmacher; 1914 – 22 Volksschule; 1922 – 27 Hilfsarb. in der Glasfabrik Osterwald (Krs. Hameln); 1922 Mitgl. der Gewerkschaft u. des ATSB; 1927/28 Streckenarb. bei der DR, dort Betriebsrat; 1928 – 30 Hilfsarb. im Steinbruch in Groß-Oldenburg; Okt. 1930 KPD, Org.- u. Polit.-Ltr. der Ortsgr. Glasfabrik Osterwald; 1931 – 33 erneut bei der DR; Apr. 1933 aus polit. Gründen entlassen; Aug. 1933 Emigr. in die Niederlande u. nach Belgien; Dez. 1936 – Febr. 1939 Interbrigadist in Spanien, Ltn.; Febr. – Juli 1939 in Frankreich interniert; dann illeg. Arb. in Belgien, im Mai 1940 erneut interniert in St. Cyprien; Aug. 1940 in Bordeaux von der Gestapo verhaftet; 1940 – Mai 1945 KZ Sachsenhausen. Ab Juni 1945 Angeh. der Polizei; Reviervorst. in Berlin-Friedenau; Aug. 1945 – Juli1947 Ltr. der Inspektion Berlin-Friedrichshain; 1946 SED; 1947/48 Ltr. der Personalabt. bzw. Juli 1948 – Apr. 1949 Vizekdr. der Schutzpolizei im Präs. der Berliner Polizei, vertrat Juli – Okt. 1949 den Berliner Polizeipräs.  Paul Markgraf; 1949 – 53 Chef der Landespolizeibehörde Brandenb. bzw. der Bez.-Behörde Potsdam (Nachf. von  Richard Staimer); Chefinspekteur; Aug. 1953 – Okt. 1964 Präs. der VP von Berlin (Nachf. von  Waldemar Schmidt); Gen.-Major; 1954 – 64 Abg. der Berliner Stadtverordnetenvers. u. Mitgl. der SED-BL; 1956 Hans-Beimler-Med.; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1960 VVO; Aug. 1961 Mitgl. des Stabs des Nat. Verteidigungsrats zum Bau der Berliner Mauer; 1964 Ruhestand; 1964 Banner der Arbeit; 1973 VVO; 1978 KMO; 1983 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Honecker, E.: Aus meinem Leben. Berlin 1980; Lindenberger, T.: Volkspolizei. Weimar 2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eilts, Johann

* 6.5.1894 – ✝ 4.2.1945

Geboren am 6. Mai 1894 im Kreis Wittmund; lernte Maler. Als Soldat im Weltkrieg schwer verwundet, trat er 1920 der KPD bei und war für sie in Rüstringen aktiv. Er wurde 1931/32 Landtagsabgeordneter in Oldenburg. Nach 1933 wurde Eilts überwacht, aber nur kurzfristig festgenommen. Am 22. August 1944 in der Aktion »Gewitter« verhaftet und ins KZ Neuengamme gebracht, dort kam Johann Eilts am 4. Februar 1945 ums Leben.

dissidenten.eu

Eisenfeld, Bernd

* 1941 – ✝ 2010

Ökonom, Bausoldat, Kritiker der Verhältnisse in der DDR, politischer Gefangener nach Protesten gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei. Eisenfeld sah sich nicht als Opfer, obwohl er viele Repressionen erfuhr, sondern als Handelnder, der in seinem beharrlichen Eintreten für Menschenrechte versuchte, legale Möglichkeiten auszuschöpfen. Er ist ein Beispiel dafür, dass sich auch ein einzelner Mensch mutig gegen die totalitäre Verfügungsgewalt wehren und sich dieser bedingt auch entziehen konnte.Bernd Eisenfeld wurde am 9. Januar 1941 gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Peter in Falkenstein/Vogtland geboren. Er hatte noch zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester. Sein Vater kam im Sommer 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Hause und wurde von den Russen anschließend bis 1948 im Internierungslager Mühlberg gefangen gehalten, sodass Eisenfeld vor allem von seiner Mutter und seinem ältesten Bruder erzogen wurde. Nach einer dreijährigen Lehre zum Bankkaufmann, die er 1958 erfolgreich abschloss, studierte er 1959–61 Finanzwirtschaft an der Fachschule für Finanzwirtschaft Gotha. In seinem Elternhaus wurde Eisenfeld dazu angehalten, „mitzumachen“ und Kritik nicht öffentlich zu artikulieren. Prägend für ihn waren dennoch der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 sowie die Verhinderung von Reisen seines Schachvereins in die Bundesrepublik. Diese Reisen nach Westdeutschland wurden mit dem Argument untersagt, man wolle keine Gelder vom „Kaiser-Ministerium“ annehmen – gemeint war das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen, das in der SED-Propaganda nach dem ersten Minister Jakob Kaiser so genannt wurde. Diese Erfahrungen sowie der Bau der Mauer 1961 erzeugten bei Eisenfeld eine offene Ablehnung der SED-Herrschaft. Ab 1964 wandte er sich mit seiner Kritik und seinem Protest mittels Briefen an in- und ausländische Stellen. Mit seinen Schreiben sprach er sich gegen die Mauer und die Teilung Deutschlands aus und forderte demokratische Verhältnisse in der DDR. Aufgrund dieses Engagements wurde er nicht zum Fernstudium zugelassen. 1966/67 leistete Eisenfeld seinen waffenlosen Dienst als Bausoldat in der Nationalen Volksarmee (NVA) ab. Er weigerte sich, das Gelöbnis für Bausoldaten abzulegen und verfasste außerdem Kollektiv- und Einzeleingaben, weshalb er von der Staatssicherheit zusammen mit drei anderen Bausoldaten im Operativen Vorgang (OV) „Zersetzung“ verfolgt wurde. Nach Beendigung der Armeezeit 1967 wurde er mit einem Berufsverbot bei der Staatsbank belegt, wo er seit 1961 als Ökonom tätig gewesen war. Eisenfeld, der von einem nichtkirchlichen, marxistisch orientierten Hintergrund aus argumentierte, sah im jugoslawischen Selbstverwaltungsmodell eine Alternative zum sowjetkommunistischen System der DDR. Er war von Anfang an ein glühender Anhänger des *Prager Frühlings und hielt eine Symbiose von Demokratie und Sozialismus für möglich. Da er dies auch für die DDR forderte, verfolgte ihn die Staatssicherheit ab Frühjahr 1968 im OV „Ökonom“ wegen angeblicher „staatsfeindlicher Hetze“. Zudem bezichtigte man ihn, mit seinen Brüdern, dem Maler Ulrich und dem Geologen Peter, eine „staatsfeindliche Gruppe“ gebildet zu haben. Beide Brüder wurden ebenfalls in verschiedenen Operativen Vorgängen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) verfolgt und drangsaliert. Aus Protest gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei am 21. August 1968 verteilte Eisenfeld am 20. und 21. September 1968 in Halle etwa 100 selbstgefertigte Flugblätter („Denkt bitte nach! Bitte schweigt nicht!“), auf denen er sich mit einem Zitat von Lenin gegen die Invasion aussprach und den Einmarsch als Bruch des Völkerrechts scharf attackierte. An die tschechoslowakische Botschaft schrieb er in einem Telegramm „Halten Sie stand – Behalten Sie Hoffnung. Bernd Eisenfeld.“ Bereits am zweiten Tag seiner Flugblattaktion wurde er von Sicherheitskräften verhaftet und im Februar 1969 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er saß die volle Zeit in verschiedenen Gefängnissen ab, darunter die längste Zeit in der berüchtigten Haftvollzugsanstalt Bautzen I, wo er als politischer Häftling mit fünf Kriminellen in eine Zelle gesperrt wurde. Auch während seiner Haftzeit wurde Eisenfeld bespitzelt und als „lernunwillig“ eingestuft. Schon im Gefängnis hatte er sich bemüht, eine Ausreise in den Westen zu erreichen, was aber nicht gelang. Als er am 18. März 1971 entlassen wurde, erfuhr er, dass seine Lebensgefährtin nicht nur ihre Arbeit als Sekretärin verloren hatte, sondern vom MfS unter Druck gesetzt worden war, ihn mit den beiden gemeinsamen Kindern zu verlassen. Letzteres blieb allerdings erfolglos. Eisenfeld kehrte an seinen alten Arbeitsplatz im Chemieingenieurbau Leipzig zurück, wo er als Finanzökonom arbeitete. Sein Arbeitgeber hatte sich nicht dem Ansinnen der Staatssicherheit gebeugt, Eisenfeld zu entlassen. Das MfS verfolgte ihn sofort wieder in einer „Operativen Personenkontrolle“ (OPK) sowie ab 1974 im OV „Bank“. Eisenfeld erneuerte unter Berufung auf UNO-Grundrechte sowie ab 1975 mit Verweis auf die KSZE-Schlussakte von Helsinki jährlich zweimal seinen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik. Außerdem dokumentierte er seinen Fall und ließ die Unterlagen 1972 den Vereinten Nationen zukommen. Er engagierte sich in der Bausoldatenbewegung, zu deren Initiatoren er zählte, sowie im ökumenischen Friedenskreis Halle. Sein Ziel war es, seine Gesellschaftskritik in die Gesellschaft zu tragen und damit nicht in kleinen Zirkeln zu verharren. Nicht zuletzt stand er für die deutsche Einheit ein, wobei er nicht die antikapitalistische Grundhaltung etwa von #Robert Havemann oder #Wolf Biermann teilte. Im Gegensatz zur linken Opposition in Ost und West bekannte er sich zur westlichen Demokratie auf der Grundlage bürgerlicher Freiheiten und Grundrechte. Im August 1975, kurz nach Verabschiedung der KSZE-Schlussakte, konnte Eisenfeld nach West-Berlin übersiedeln. Hier arbeitete er freiberuflich in der politischen Bildung und ab 1985 im Gesamtdeutschen Institut Berlin/Bonn. Publizistisch beschäftigte er sich weiterhin mit der DDR. 1978 legte er mit „Kriegsdienstverweigerung in der DDR. Ein Friedensdienst?“ ein vielbeachtetes Buch vor. Das MfS verfolgte ihn als „Staatsfeind“ auch im Westen, so im OV „Erz“, der seinem Bruder Peter galt, welcher sich aktiv an der oppositionellen Menschenrechtsdebatte in der DDR beteiligte und 1987 ebenfalls nach West-Berlin übersiedelte. Außerdem verfolgte die Staatssicherheit Eisenfeld im OV „Polyp“, weil er Pressesprecher und Vorsitzender des „Verbandes ehemaliger DDR-Bürger“ in West-Berlin war. Er war auch nach seiner Übersiedlung von Zersetzungsmaßnahmen durch das MfS betroffen. So verbreitete die Staatssicherheit zielgerichtet das Gerücht, Eisenfeld sei ihr Mitarbeiter. Dies führte dazu, dass er jahrelang keine feste Anstellung in West-Berlin erhielt. Von 1992 bis 2005 war Eisenfeld als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Sachgebietsleiter in der Forschungsabteilung bei der Stasi-Unterlagen-Behörde tätig, wo er sich mit der Geschichte von Opposition und Widerstand in der DDR beschäftigte und zahlreiche Publikationen vorlegte. Bernd Eisenfeld starb 2010 in Berlin.Ilko-Sascha Kowalczuk Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Eisentraut, Wolf-Rüdiger

* 1.12.1943

Geb. in Chemnitz; Vater Architekt; 1962 Abitur; 1962/63 Ausbildung zum Maurer; 1963 – 68 Architekturstudium an der TU Dresden, Dipl.-Ing.; 1968 – 73 wiss. Mitarb. an der DBA; Mitarb. an Entwürfen in der Expertengr. von  Hermann Henselmann; 1973 – 76 Mitarb. in der Konzeptionsgr. von  Heinz Graffunder für den Palast der Rep., später verantw. Architekt für dessen Mittelteil (Foyers, Theater, Pausenrestaurant); 1976 – 80 Abt.-Ltr. Entwurf im Bau- u. Montagekombinat Ing.-Hochbau Berlin; projektierte in Berlin u. a. unterschiedliche Industriegebäude, Körperbehindertenschule, Kino »Sojus« u. Kaufhaus am Springpfuhl; 1981 – 88 Bereichsltr. Entwurf u. Komplexarchitektur im gleichen Betrieb; Ltr. des Projektierungskoll. u. Autor u. a. für Bauten in Hohenschönhausen (Handelshaus u. Bibliothek), in Lichtenberg (Gaststätte »Seeterrassen«), in Marzahn (neben Gaststätten »Brunnenschänke« u. »Ahrensfelder Krug« städtebaul. Konzepte für das Hauptzentrum mit Bahnhof, zwei Warenhäuser, Dienstleistungshaus, Galerie, Kulturhaus u. Schwimmhalle, Rathaus, Ringkolonnaden sowie Bank- u. Versicherungsgebäude); entw. ein alternatives Projektierungskonzept als Kritik an starren Typen- u. Wiederverwendungsprojekten, unternahm damit gem. mit Architekten wie Michael Kny u. Thomas Weber erfolgr. den Versuch, aus der beschränkten Produktpalette der Bauindustrie individuell konzipierte Gebäude zu errichten; 1984 Dr.-Ing.; 1986 Prof., Lehrgebiet Gebäudelehre u. Entwerfen Gesellschaftsbau an der TU Dresden; korresp. Mitgl. der DBA; 1989 Dr. sc. techn.; 1989 NP. 1990 Präs. des BDA; 1991 eigenes Architektenbüro in Berlin u. Zweigbüro in Plauen; Beteiligung an Wettbewerben u. Gutachten (u. a. zur Weiterentw. von Marzahn); Engagement in der Initiative Helene-Weigel-Platz u. in der 2005 gegr. Hermann-Henselmann-Stiftung; lebt in Berlin.Simone Hain

Wer war wer in DDR

Eisler, Hanns

* 6.7.1898 – ✝ 6.9.1962

Geb. in Leipzig in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Philosophieprof. Rudolf E.; Bruder  Gerhart E., Schwester Elfriede E. (Ruth Fischer); Volksschule u. k.u.k. Gymnasium N° 2 in Wien; 1916 – 18 Soldat der k. u. k. Armee; verfaßte 1916 das Oratorium »Gegen den Krieg« nach Texten von Li Tai-Pe; 1919 Studium am Wiener Konservatorium bei Karl Weigl; 1919 – 23 priv. bei Arnold Schönberg u. Anton von Webern; 1925 Kunstpreis der Gemeinde Wien; 1925 nach Berlin; Klavierlehrer; daneben Kompositionen für Arbeiterchöre u. Agit.-Prop.-Gruppen (»Das Rote Sprachrohr«); ab 1927 auch für Bühne u. Film; Aufführungen auf Festen der Internat. Ges. für Neue Musik u. in Donaueschingen; 1926 Bekanntschaft mit  B. Brecht; KPD; 1928 Musik zur »Arbeiterrevue« von  Maxim Vallentin; Musikkritiker der »Roten Fahne« u. 1929 Lehrer an der MASCH Berlin; Komponist zahlr. Lieder (u. a. »Kominternlied«, »Stempellied«) u. Balladen, die er gem. mit  Ernst Busch in Arbeitervers. vortrug; 1930 Reisen in die UdSSR; 1930 – 32 Arbeit hauptsächl. an Bühnen- u. Filmmusiken; 1933 Emigr. in die ČSR, später Paris, London u. Wien, gab Konzerte in den Niederlanden u. Belgien; dann 1934 nach Dänemark (hier Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht); 1935 Vortrags- u. Konzertreise durch die USA; Org. der ersten Arbeitermusik- u. Gesangsolympiade in Strasbourg; Präs. des Internat. Musikbüros; 1936/37 in Spanien u. der ČSR Lieder für die Internat. Brigaden; 1937 erneut in Paris, Dänemark u. Prag; Jan. 1938 in die USA, New York; dort Lehrtätigkeit an der New School for Social Research; wg. Visa-Problemen in den USA längere Aufenthalte in Mexiko, ab 1942 Hollywood; hier erneute Zusammenarbeit mit B. Brecht; musikal. Assistent von Charlie Chaplin in Hollywood; Lehrtätigkeit als a. o. Prof. für Musik an der University of Southern California (L. A.); 1943 u. 1944 Preis der Akad. für Filmkunst (Hollywood) für die beste Filmpartitur des Jahres; 1947 Vorladung vor das Kongreßkomitee zur Untersuchung unamerik. Tätigkeit, anschl. verhaftet; 1948 Ausweisung aus den USA; Rückkehr nach Wien; 1948/49 Lehrtätigkeit in Wien. 1949 als Gast in Berlin (SBZ) u. Warschau; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; Mstr.-Kl. für Komposition; 1950 Prof. u. Ltr. einer Mstr.-Kl. für Komposition an der HS für Musik Berlin; 1950 u. 1958 NP; 1952 Präs. des Musikrats der DDR; komponierte die Nationalhymne der DDR, viele pol. Massenlieder wie »Einheitsfrontlied«, »Solidaritätslied« (Text: Bertolt Brecht), Filmmusiken, u. a. »Kuhle Wampe« (1929), »Der Rat der Götter« (1950), »Die Hexen von Salem«, über 40 Bühnenmusiken bes. zu Stücken von B. Brecht, u. a. »Die Rundköpfe u. die Spitzköpfe«, »Furcht u. Elend des Dritten Reiches«; schrieb das Libretto für die Oper »Johann Faustus«, geriet damit 1952/ 53 in scharfe kulturpol. Auseinandersetzun- gen (Formalismus-Debatte), scheiterte an der ideolog. Borniertheit kommunist.-neoklassizist. Erbe-Ideologen wie  Alexander Abusch,  Wilhelm Girnus u.  Heinz Kamnitzer; 1956 frz. Jean-Vigo-Preis; 1961 Reisen nach Frankreich u. Italien; gest. in Berlin.Composing for the Films. New York 1947 (dt., Berlin 1949); Reden u. Aufsätze (Hrsg. W. Höntsch). Leipzig 1961; Musik u. Pol. Schriften 1924 – 48. Leipzig, München 1973; Gesammelte Werke (Hrsg. S. Eisler u. M. Grabs). Leipzig 1968 ff.; Gespräche mit Hans Bunge. Fragen Sie mehr über Brecht. Berlin, München 1975. Notowitz, N., Elsner, J.: H. E. Quellennachweis. Leipzig 1966; Wolfgang, F.:Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eliasberg, George

* 31.1.1906 – ✝ 12.9.1972

(* 1906 – † 1972) Geboren am 31. Januar 1906 in Wiesbaden, Sohn eines jüdischen Kaufmanns. In Rußland und in Deutschland aufgewachsen; studierte Naturwissenschaften und Geschichte und promovierte 1933. Ende der zwanziger Jahre leitete er mit Richard Löwenthal die Reichsleitung der Kostufra, der Kommunistischen Studentenorganisation. Wegen »rechter Abweichung« Ende 1929 aus der KPD ausgeschlossen, wurde Eliasberg Mitglied der leninistischen Organisation (LO) sowie der Gruppe »Neu Beginnen« unter Walter Löwenheim, einer linkssozialistischen Gruppe. In dieser führend im Widerstand, wurde Eliasberg 1935 festgenommen und im September 1936 zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. 1940 aus der Haft entlassen und aus Deutschland ausgewiesen, er emigrierte nach Italien. Dort interniert, konnte er 1941 in die USA gelangen. Mitarbeiter von Karl Frank, als Journalist tätig, (zeitweise im US-Außenministerium) und dann bis 1960 Nachrichtenredakteur. Nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik 1968 Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung, 1969 in deren Forschungsinstitut. Mitglied der SPD. Eliasberg starb am 12.September 1972 in West-Berlin. Posthum erschien 1974 (eingeleitet von Richard Löwenthal) seine wichtige Studie über den »Ruhrkrieg 1920«, bereits 1949 lag seine englische Untersuchung der historischen Grundlagen der Kommunistischen Internationale in deutsch vor.

Wer war wer in DDR

Elsner, Bernhard

* 30.1.1927 – ✝ 24.7.2017

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Kutscher; Volksschule; 1941 – 44 Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1944 RAD; 1944/45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1949 Einstellung bei der VP; 1950 SED; 1951 Einstellung beim MfS, Wachbat. Adlershof (später Wachregt. »Feliks Dzierżyński«); 1952 Komp.-Chef; 1957 Stabschef des I. Bat.; 1958/59 Vorbereitungslehrgang, dann Studium am Militärinst. in Moskau; 1959 Stabschef des I. Kdo.; 1960 Offz. für militär.-wiss. Arbeit im Regt.-Stab I; 1961 1. Stellv. des Kdr. des Wachregt.; 1962 Stabschef; 1965/66 Freistellung für die Vorber. u. den Besuch der Militärakad. »Friedrich Engels« der NVA, Dipl.-Mil.-Wiss.; 1972 Kdr. des Wachregt. (Nachf. von  Heinz Gronau); 1976 Gen.-Major; 1987 Versetzung zur HA Kader u. Schulung, Offz. für Sonderaufgaben im Bereich Schulung; 1990 Entlassung; später Geschäftsf. der Initiativgemeinschaft zum Schutze der sozialen Rechte ehemaliger Angeh. der bewaffneten Organe u. der Zollverw. der DDR.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Ehrlich, Franz

* 28.12.1907 – ✝ 28.11.1984

Geb. in Leipzig; Volksschule; 1922 – 26 Ausbildung zum Maschinenschlosser, Maschinisten- u. Heizerprüfer; 1926 Ing.-Stud.; 1927 – 30 Studium am Bauhaus Dessau; 1930 KPD; 1931 Ausstellungsgestaltung für das Bauhaus Dessau; Bekanntschaft mit El Lissitzky, Mitarb. im Atelier Gropius, Poelzig u. Mies van der Rohe; 1932 Mitbegr. des Gestalterateliers »Studio Z« in Berlin (gem. mit Heinz Loew, Fritz Winter u. Naum Gabo); 1933/34 freischaff. in Leipzig u. künstler. Ltr. im Verlag Otto Beyer; druckte u. vertrieb die illeg. Ztschr. »Junge Garde«; 1934 Verhaftung, 1935 Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1935/36 Zuchthaus Zwickau, 1937 – 39 KZ Buchenwald, 1940 – 43 arbeitsverpflichtet in Berlin; 1943 – 45 Strafbat. 999, jugoslaw. Gefangenschaft; Aufbau von Antifa-Komitees im Lager; Schulungsltr. in Panjewo. 1946/47 Architekt u. Ltr. des Ref. für Wiederaufbau in Dresden; 1948 – 50 freischaff. Architekt in Dresden; Arbeit für die Dt. Werkstätten Hellerau u. das Messeamt Leipzig, u. a. Org. u. Gestaltung der 1. Leipz. Messe; Projekt. u. Baultg. für Polizeischulen in Döbeln, Pirna u. Torgelow; 1950 – 52 Techn. Dir. der VVB Industrieentwurf Berlin, u. a. Projekte von Niederschachtöfen in Calbe (Saale), Kraftwerk Vockerode, Werften in Stralsund u. Wismar, Werkzeugmaschinenfabriken in Karl-Marx-Stadt, Gera, Marzahn; 1951 Aufbau-Ltr. des Rundfunkzentrums in der Berliner Nalepastr.; 1953 – 60 Beauftr. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1953 Teilprojekt. des Fernsehzentrums in Berlin-Adlershof; 1956 Entwurf der ersten komplettierungsfähigen Einzelmöbelserie für die Dt. Werkstätten Hellerau (Großserie 602); 1955 – 58 Architekt des Min. für Außenwirtschaft; Projekt. von Botschaften u. Handelsvertr. der DDR; ab 1957 ltd. Architekt des Forschungsrats der DDR; 1957 Gestaltungskonzept des Clubs der Kulturschaff. Berlin; 1959 – 62 Architekt der Forschungsgem. der AdW, u. a. ZI für Herzkreislaufforsch. Berlin-Buch; 1963 – 66 Chefarchitekt des Leipziger Messeamtes; 1968 – 72 Hausarchitekt des VEB Dt. Werkstätten Hellerau; Mai / Juni 1982 Werkausstellung in Dresden; 1983 VVO; gest. in Bernburg (Saale).Gerd Dietrich / Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Eichhorn, Ewald

* 28.8.1929

Geb. in Oberneubrunn (Krs. Hildburghausen); Vater Glasmacher; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als kfm. Angest.; Industriekfm.; 1946 FDJ; 1950 SED u. Eintritt in die DVP; 1950 – 55 Revierdienst in Hildburghausen; Sach- bzw. Hauptsachbearb. u. Kaderinstrukteur in der HA Personal der DVP-HV; 1956 – 59 Kaderinstrukteur in der Verw. Strafvollzug; 1959 – 61 Arbeitsgr.-Ltr. HA Kader DVP-HV; 1961 – 64 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl. Ges.-Wiss.; 1964 – 67 Sekr. Org.-Kader der SED-KL VII k des Min. des Innern, 1967 – 69 1. Sekr. der SED-KL Min. des Innern; 1969 – 71 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« Dresden, Dipl. rer. mil.; 1971 – 74 Ltr. der Pol. Verw. des Min. des Innern (Nachf. von Erhard Helbig); Oberst; 1973 Gen.-Major; 1974 – 77 1. Stellv. des Min. des Innern (Nachf. von  Herbert Grünstein); 2. Vors. der Sportvereinigung Dynamo; 1978 aus gesundheitl. Gründen aus dem aktiven Dienst ausgeschieden; danach ehrenamtl. tätig, u. a. in der Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals; lebt in Zeuthen.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Eichler, Heinz

* 14.11.1927 – ✝ 12.9.2013

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; 1942 – 44 kfm. Ausbildung; 1944 NSDAP. 1945 Mitarb. beim Rat des Krs. Oschatz; 1945 KPD; Mitgl. des Antifa. Krs.-Jugendaussch.; 1946 FDJ u. SED; Besuch der BPS u. LPS der SED in Ottendorf; 1946 – 48 Mitgl. des Krs.-Vorst. Oschatz der SED; 1946/47 Besuch der ABF Leipzig; 1947 – 50 Studium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1946 – 50 Mitgl. der GO-Ltg. der ABF u. der Fak.-Parteiltg. der SED; 1950 Hauptsachbearb. im Min. des Innern; 1950 – 56 Ref. u. Abt.-Ltr. in der Reg.-Kanzlei, im Sekr. des 1. Stellv. des Vors. des Min.-Rats; 1950 – 53 Mitgl. der GO-Ltg. der SED der Reg.-Kanzlei; 1953 – 56 Sekr. der GO des Büros des Präs. des Min.-Rats; 1956 – 60 Aspirant an der Akad. für Ges.-Wiss. beim ZK der KPdSU in Moskau; 1960 – 71 persönl. Ref. des Vors. des Staatsrats  Walter Ulbricht; 1971 Abg. der Volkskammer u. Sekr. des Staatsrats der DDR (Nachf. von  Otto Gotsche); Mitgl. des Präs. der Volkskammer, 13.11.1989 Rücktritt; 1977 VVO.Freundschaft. Leipzig 1965.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Eichner, Klaus

* 4.5.1939

Geb. in Reichenbach (Vogtl.); Vater Kellner u. Fabrikarbeiter, Mutter Hutnäherin u. Küchenhilfe; 1945 – 53 Grundschule in Altenburg (Thür.); 1946 FDJ; 1953 – 57 EOS in Windischleuba (Krs. Altenburg), Abitur; 1957 – 90 SED; 1957 Eintritt in das MfS, 1957 – 59 Stud. an der JHS Potsdam-Eiche; 1959 – 68 Spionageabwehr bei der MfS-Krs.-Dienststelle Altenburg u. Leipzig-Land; 1965 – 71 Fernstud. an der HU Berlin, Dipl.-Jurist; 1970 – 72 Mitarb. der MfS-BV Leipzig XV (Aufklärung), 1972 – 74 der HV A, Abt. XII (NATO); ab 1974 bei der HV A, Abt. IX (westl. Geheimdienste), dort Analytiker im Fachgebiet amerikan. Geheimdienste u. ab 1987 Ltr. der Abt. C (Gegenspionage-Auswertung); zuletzt Oberst. 1990 – 2003 PDS; 1990 in der Mitarbeitergr. zur Auflösung der HV A tätig; 1990 / 91 postgrad. Stud. Umweltschutz / Ökol. an der HU Berlin; Mitbegr. u. 1. Sprecher des Insider-Komitees zur Förderung der krit. Aneignung der MfS-Gesch.; 1991 – 93 Umweltberater (ABM-Stelle) in Gosen (b. Berlin); 1995 – 98 Mitarb. in einem Kurierdienst in Berlin; lebt als Rentner in Lentzke (b. Fehrbellin).Headquarters Germany. Berlin 1997 (zus. mit A. Dobbert); Kundschafter im Westen. Berlin 2003 (Mithrsg.); Spionage für den Frieden. Berlin 2004 (Mithrsg.); Der Drahtzieher: Vernon Walters. Berlin 2005 (mit E. Langrock); Angriff u. Abwehr – Die dt. Geheimdienste nach 1945. Berlin 2007 (Mithrsg.; Berlin 2007; Top-Spione. Berlin 2008 (mit G. Schramm).Wolfgang Hartmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eifler, Friedrich

* 23.6.1893 – ✝ 1.4.1975

Geboren am 23. Juni 1893 in Neunkirchen/Saar; Schlosser und Maschinist. 1920 Mitglied der KPD, gehörte von 1920 bis 1935 dem Stadtrat von Neunkirchen an. 1926 folgte er für den im Mai 1924 gewählten Karl Sticher als Abgeordneter in den Landesrat Saar. 1933/34 leitete er die KPD-Ortsgruppe in Neunkirchen, ging Anfang 1935 ins Exil, kehrte aber bald wieder zurück. Nach zweijähriger Erwerbslosigkeit war Eifler von 1938 bis 1942 Baggermeister. Von 1942 bis 1945 dienstverpflichtet als Maschinenmeister bei der Organisation Todt in Frankreich. 1945 Stadtinspektor in Neunkirchen, gehörte er von 1949 bis 1956 als Vertreter der KPD dem Kreistag Ottweiler an und war ab 1968 Mitglied der DKP. Friedrich Eifler starb am 1. April 1975 in Neunkirchen.

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Eildermann, Friedrich Wilhelm

* 24.7.1897 – ✝ 16.10.1988

Geb. in Bremen; Vater Arbeiter; Volksschullehrer; 1915 SPD; Volontär der »Bremer Bürgerztg.«; Mitarb. des Organs der Bremer Linken »Arbeiterpolitik«; 1916 – 18 Militärdienst; 1918 red. Mitarb. des Organs der Internat. Kommunisten Dtl. »Der Kommunist« (Bremen); 1919 KPD; 1920 hauptamtl. Funktionär; 1921 – 23 Red. der Ztg. »Klassenkampf« (Halle); 1924 Red. der »Arbeiterztg.« (Breslau); 1924 zehn Mon. U-Haft; ab 1926 Red. u. 1929 Chefred. der »Tribüne« in Magdeburg; 1930 durch das Reichsgericht zu 21 Mon. Festungshaft verurteilt, nach Freilassung Red. der »Volkswacht« in Rostock; Mitgl. der KPD-BL Mecklenb.; 1933 illeg. pol. Arbeit; am 1.5. 1933 verhaftet, KZ Fuhlsbüttel; 1934 wegen illeg. Betätigung zu 30 Mon. Haft verurteilt, Vollzug in Bützow-Dreibergen u. in Strelitz; lebte nach der Entlassung im Mai 1936 in Bremen; Arbeit beim Bau der Autobahn; weitere illeg. pol. Arbeit; Jan. 1937 Emigr. in die ČSR; Ltr. des Prager Emigrantenheims in Strašnice; danach Mitarb. der Auslandsred. der sudetendt. kommunist. »Rote Fahne« u. der Ztg. »Der Funke«; Okt. 1937 Paris; dort Mitarb. im Sekr. des Internat. Zentrums für Recht u. Freiheit in Dtl.; Artikel für die KI-Ztschr. »Rundschau über Pol., Wirtschaft u. Arbeiterbew.«; 1.9.1939 Verhaftung durch die frz. Polizei; ab Okt. 1939 im Internierungslager in Le Vernet, Nov. 1941 – Mai 1943 im Lager Djelfa in Algerien; 1943 kurzz. Zugehörigkeit zur Brit. Armee in Algerien; Dez. 1943 in Krasnowodsk (Turkmenien); im März 1944 in Moskau; 1944 Mitarb. der Ztg. »Freies Dtl.«; ab Aug. 1944 Lektor an der Frontschule für Kriegsgefangene der 3. Ukrain. Front; ab Juli 1945 Lektor an der Schule der Roten Armee in Hinterbrühl (Wiener Wald). Mai 1947 Rückkehr nach Dtl.; Hauptred. in der Abt. Werbung-Presse-Rundfunk des ZS der SED; Chefred. des Pressedienstes; Red.-Mitgl. der »Einheit«; Juli 1949 Verwarnung wegen »mangelnder ideolog. Wachsamkeit«; 1951 – 57 Prof. an der KMU Leipzig u. Dir. des Inst. für Publizistik u. Ztg.-Wesen; 1954 – 57 Prodekan an der Fak. für Journalistik; ab 1957 wiss. Mitarb. am IML; Ltr. des Sektors Edition; 1962/63 stellv. Chefred. der BzG; 1967 VVO; Stern der Völkerfreundschaft.Vorwärts u. nicht vergessen. Berlin 1958; Dtl., Tschechoslowakei, Frankreich, Algerien, Sowjetunion – Stationen eines langen Weges. In: Im Kampf bewährt. Erinnerungen dt. Genossen an den antifa. Widerstand von 1933 bis 1945. Eingeleitet u. zusammengestellt von H. Voßke. Berlin 1969; Jugend im Ersten Weltkrieg. Tagebücher, Briefe, Erinnerungen. Berlin 1972; Mit den sowj. Befreiern auf dem Balkan. In: Im Zeichen des roten Sterns. Berlin 1974; Die Antifaschule. Erinnerungen an eine Frontschule der Roten Armee. Berlin 1985. W. E. 90 Jahre. In: ZfG (1987) 7; W. E. zum Gedenken. In: ZfG (1989) 2.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Einicke, Ludwig

* 12.8.1904 – ✝ 11.10.1975

Geb. in Nordhausen; Vater Angest., Mutter Schneiderin; Volksschule; 1918 – 22 Ausbildung zum Modelltischler; 1918/19 Mitgl. der Soz. Proletarierjugend (USPD); 1920 – 28 KJVD; 1920 – 24 Pol.-Ltr. der KPD Nordhausen; 1923/24 wegen illeg. pol. Arbeit für die KPD elf Mon. U-Haft in Erfurt; 1924 Pol.-Ltr. des KPD-UB Nordhausen; Mitgl. des RGO, RH u. IAH; 1928 – 32 mehrfach wegen Pressevergehen verhaftet; wegen Teiln. an verbotenen Demonstrationen zu insges. zwölf Mon. Gefängnis verurteilt; 1932 – 34 Internat. Lenin-Schule in Moskau, dort Hilfssekr.; 1934 nach Saarbrücken zur illeg. Arbeit in Dtl.; 1934/35 Oberberater des ZK des KJVD in den Bez. Berlin u. Wasserkante (Hamburg); Jan. 1935 in Eckernförde verhaftet u. wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; Haft in Rendsburg, Neumünster u. im Lager Papenburger Moor; 1938 – 41 KZ Buchenwald, 1941 – 44 KZ Lublin, KZ Maidanek, 1944 KZ Auschwitz u. 1945 KZ Mauthausen; Mitgl. der illeg. KPD-Org. Juli 1945 nach Berlin; 1948 – 50 Min.-Dir., dann Min. für Volksbildung Sachsen-Anh.; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; Jan. 1953 stellv. Dir., Aug. 1953 kommissar. Dir. (Nachf. von  Anton Ackermann), dann bis 1962 Dir. des Marx-Engels-Lenin-Stalin-Institut, später IML; 1962 – 69 stellv. GD der Dt. Staatsbibliothek; Mitgl. des Präs. u. Sekr. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1964 VVO; 1969 KMO; Ruhestand; 1969 – 75 pol. Mitarb. im Antifa-Komitee; 1972 – 75 Red. bzw. Chefred. der Zschr. »Bulletin« bzw. »Der Antifa. Widerstandskämpfer«; 1974 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Kirchner, F.: Leben u. Kampf des Genossen L. E. Nordhausen 1983.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Eisenfeld, Bernd

* 9.1.1941 – ✝ 12.6.2010

Geb. gem. mit seinem Zwillingsbruder Peter E. in Falkenstein (Vogtl.); Vater nach amerikan. Gefangenschaft 1945 – 1948 im sowj. Internierungslager Mühlberg inhaftiert; 1955 – 58 Lehre zum Bankkaufm., 1959 – 61 Studium der Finanzwirtschaft in Gotha, anschl. tätig in der Dt. Notenbank Karl-Marx-Stadt u. der Industriebankfiliale Elektrochemie Schkopau; seit 1964 Protestbriefe gegen die Mauer u. die dt. Teilung an in- u. ausländ. Stellen; 1965 / 66 Ablehnung zweier Fernstudiengänge aus polit. Gründen; 1966 – 67 Bausoldat, Verweigerung des Gelöbnisses, vom MfS im OV »Zersetzung« bearbeitet, anschl. Betätigungsverbot in der Staatsbank; Jan. 1968 Finanzök. im Chemieingenieurbau Leipzig; ab Frühjahr 1968 wg. »staatsfeindl. Hetze« vom MfS im OV »Ökonom« bearbeitet; am 20. u. 21.9.1968 Verteilung selbstgefertigter Flugblätter gegen den Einmarsch des Warschauer Pakts in die ČSSR in Halle; Festnahme u. Verurteilung zu 2 Jahren u. 6 Monaten Gefängnis; nach der Haftentlassung 1971 Rückkehr an die alte Arbeitsstelle, ununterbrochen vom MfS bearbeitet; mehrfache Ausreiseanträge, engagiert in der Bausoldatenbew. u. im Ökumen. Friedenskreis Halle; August 1975 Übersiedl. nach West-Berlin, freiberuflich in der polit. Bildung tätig; Vors. des Verb. ehem. DDR-Bürger; bis 1989 vom MfS bearbeitet; 1985 – 1991 Mitarb. im Gesamtdt. Inst. 1992 – 2005 wiss. Mitarb. in der Abt. Bildung u. Forsch. des BStU; gest. in Berlin.Kriegsdienstverweigerung in der DDR – ein Friedensdienst? Frankfurt (Main) 1978; Die Zentrale Koordinierungsgruppe: Bekämpfung von Flucht und Übersiedlung. Berlin 1995; Lexikon Opposition u. Widerstand in der SED-Diktatur. Berlin, München 2000 (Mithrsg.); Macht – Ohnmacht – Gegenmacht. Bremen 2001 (Hrsg. mit E. Neubert); 13.8. 1961: Mauerbau. Bremen 2001 (mit R. Engelmann); Die verdrängte Revolution. Bremen 2004 (mit I.-S. Kowalczuk u. E. Neubert); Die HA XX des MfS. Berlin 2008 (Mitautor). O. Weißbach: B. E. In: K. W. Fricke u. a. (Hrsg.): Opposition u. Widerstand in der DDR. München 2002; I.-S. Kowalczuk: B. E. In: I.-S. Kowalczuk, T. Sello (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. OppositionIlko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Eißfeldt, Otto

* 1.9.1887 – ✝ 23.4.1973

Geb. in Northeim; Vater Rechtsanwalt; 1905 Abitur in Duisburg, anschl. Studium der Theol. in Berlin, Hannover u. Göttingen, dort 1916 Prom.; 1918 Prof. an der Univ. Berlin; ab 1922 Prof. für alttestamentar. Theol. an der MLU Halle, dort 1926 / 27 Dekan der Theol. Fak., 1929 / 30 Rektor (Nachf. von Friedrich Voelcker); 1924 – 28 DNVP. 1945 – 48 erneut Rektor der MLU (Nachf. von Wilhelm Wagner); 1945 CDU; 1947 Mitgl. der Sächs. AdW, 1949 Ord. Mitgl. der DAW Berlin, 1950 Korr. Mitgl. der Akad. Mainz; 1951 Dr. h. c. der Univ. Glasgow, 1955 Dr. h. c. der Ev. Akad. Budapest, 1956 Ehrensenator der MLU Halle; 1957 em.; 1965 Banner der Arbeit; 1967 VVO; gest. in Halle. E. gehörte zu den führenden dt. Alt-Testamentlern mit anerkannten Untersuchungen zur Entstehungsgesch. u. des Werdegangs der einzelnen Bücher des Alten Testaments sowie zur altoriental. Religionsgesch.Einleitung in das Alte Testament. Tübingen 1934; Tempel u. Kulte syrischer Städte in hellenistisch-römischer Zeit. Leipzig 1940. Wörterbuch der ugaritischen Sprache. Berlin 1967. Kleine Schriften. Tübingen 1962 – 1970. Johann W. Fück (Hrsg.): FS für O. E. zum 60. Geburtstag. Halle 1947; B. Thaler (Hrsg.): In memoriam O. E. Halle 1974; Otto-Eißfeldt-Ehrung 1987. Halle 1987.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Eisler, Hilde

* 28.1.1912 – ✝ 8.10.2000

Geb. in Tarnopol (Ostgalizien, Österreich-Ungarn/Ternopil, Ukraine); Vater Kfm.; galiz.-jüd. Familie; ab 1914 in Frankfurt (Main) aufgew.; Lyzeum; 1929/30 Ausbildung zur Buchhändlerin; 1930 – 34 Mitarb. im Marx-Engels-Verlag Berlin; 1931 KPD; 1934 vom ZK nach Basel gerufen zur Mitarbeit an antifa. Tarnbroschüren; Kuriertätigkeit; Frühjahr 1935 Verhaftung in Dtl., Hochverratsprozeß, ein Jahr Gefängnis; nach Verbüßung 1936 Ausweisung nach Polen; 1937 über Prag nach Paris; im span. Bürgerkrieg für den antifa. »Dt. Freiheitssender« tätig; 1941 auf dem Weg in die Emigr. nach Mexiko in den USA festgehalten; hier u. a. Fabrikarb., Angest. im Büro der jugosl. Kriegshilfe, Mitarb. im Büro der Konfektionsarbeitergewerkschaft; 24.8.1942 Heirat mit  Gerhart Eisler; Tätigkeit im Komitee gegen seine Verfolgung; 1949 in New York nach der Flucht ihres Mannes verhaftet, nach Protesten Genehmigung zur Ausreise aus den USA. Ende Juni 1949 Rückkehr über London, Kopenhagen u. Warschau nach Berlin (Ost); SED; wohnte bei  Wilhelm Pieck; Mitgl. des Verteidigungskomitees für die Opfer der amerik. Reaktion; 1952/53 stellv. Chefred. der Ztg. »Friedenspost«; 1953 Übersetzerin; Mitbegr. u. Ltr. der Kulturred. der Ztg. »Wochenpost«; 1954 stellv. Chefred., 1955 – 76 Chefred. des »Magazin« (Nachf. von  Heinz Schmidt); ab 1961 stellv. Vors. des VDJ; 1976 Rentnerin; 1965 VVO; 1972 Banner der Arbeit; 1977 VVO; 1982 KMO; 1987 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Biogr. Interview. In: Engelhardt, M.: Dt. Lebensläufe. Berlin 1991; Gebhardt, M., Rellin, M.: H. E. (Nachruf). In: Das Magazin (2000) 11; Gebhardt, M.: Die Nackte unterm Ladentisch. Das Magazin in der DDR. Berlin 2002; Zuckermann, M.: Zwischen Politik u. Kultur – Juden in der DDR. Göttingen 2002.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

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Ellenberger, Irene Ruth

* 20.4.1946

Geb. in Wernigerode; 1964 Abitur; 1964 / 65 Maurerlehre; 1965 – 71 Studium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing.; 1974 – 90 Arbeit als Projektierungsing.; Herbst 1989 polit. aktiv in der Bürgerbew., SDP. März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer; 1990 Mitgl. des SPD-Bundesvorst.; Okt. 1990 – 2004 Mitgl. des Thür. Landtags, Vors. des Sozialaussch.; 1994 – 1999 Ministerin für Soziales u. Gesundheit des Freistaats Thüringen (Nachf. von Frank-Michael Pietzsch); 1999 – 2004 Vizepräs. des Thür. Landtags.Helmut Müller-Enbergs

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Elten, Max

* 8.6.1905 – ✝ 2.9.1982

Geb. in Oberdollendorf (Rheinl.); Vater Dr. rer. nat., Chemiekfm.; 1925 Folkwang-Handwerkerschule Essen; 1927 – 30 Studium an der Kunstakad. in Königsberg, an der TH München, am Werklehrerseminar in Halle; 1933 St.-Ex. an der Kunst-HS Berlin für das künstler. Lehramt an Höheren Schulen; 1. Preis beim Bühnenbildwettbewerb der Oper Königsberg; anschl. dort 1934 Ausstattung versch. Opern; 1934 Probejahr in den Ausstattungswerkstätten der Leipziger Oper; 1936 dort Berufung zum Ausstattungsltr.; seit 1934 Beschäftigung vor allem mit Mozart u. Wagner, im Schauspiel mit Shakespeare; 1944/45 Wehrmacht; 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. Juli 1945 Wiederaufn. der Tätigkeit an der Behelfsspielstätte für die zerstörte Leipziger Oper in Leipzig-Lindenau; Zusammenarbeit mit Mary Wigman (1947 »Orpheus u. Eurydike«); 1948 Berufung zum Chefbühnenbildner durch die Kulturabt. der SMA Sachsen; 1952 Bestätigung durch das Kulturamt Leipzig; 1959 – 76 Zusammenarbeit mit  Joachim Herz (Wagner »Ring des Nibelungen«); 1970 em.; bis 1982 ausschließl. als Maler tätig; versch. Ausstellungen, 1982 in Frankenhausen, 1983 in Leipzig, 1988 in der Royal Shakespeare Company London; Ausstattung zahlr. UA u. dt. Erstaufführungen, u. a.: »Carmina burana« von Carl Orff (1943), »Plautus im Nonnenkloster« von  Max Butting (1959).Renk, A.: Wirklichkeit in durchsichtigem Licht. In: Mitteilungen der AdK (1990) 1.Aune Renk

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Eiben, Reinhard

* 4.12.1951

Geb. in Crossen (Sachsen); zunächst Fußballer; dann Training im Kanu-Slalom bei der BSG Aufbau Zwickau, ab 1968 beim SC DHfK Leipzig (Trainer: Siegfried Seidemann); Ausbildung zum Industrieschmied; 1972 Olympiasieger u. 1973 WM im C 1; Studium an der FS für Verkehrstechnik in Dresden; nach 1989 Übersiedl. nach Westf.; betreibt Tankstelle in Wankendorf (Schleswig-Holstein).Olaf W. Reimann

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Eichhorn, Wolfgang

* 23.2.1930

Geb. in Unterneubrunn (Krs. Hildburghausen); Gymnasium, 1948 Abitur; 1946 SED; Studium der Philos. u. Ges.-Wiss. an der FSU Jena; 1951 Doz. an der HU Berlin u. am IfG beim ZK der SED; 1954 Aspirant, dann Doz. am Inst. für Philos. an der HU Berlin; 1956 Dr. phil.; 1960 ehrenamtl., dann stellv. Chefred. der »Dt. Ztschr. für Philos.«; ab 1960 Hrsg. der Reihe »Wissenschaftliche Weltanschauung«; 1964 Habil.; 1965 Prof. der AdW; 1969 – 71 Ltr. des Forschungsber. Ges.-Wiss. u. Mitgl. des Präs. der AdW; 1970 Ord. Mitgl. der APW; 1973 Ord. Mitgl. der AdW u. Ltr. des Ber. Hist. Materialismus am ZI für Philos. der AdW; Mitwirkung am Lehrbuch für Staatsbürgerkunde, am Philosoph. Wörterbuch u. am Wörterbuch der marxist.-leninist. Soziol.; 1980 NP. 1990 Vorruhestand; Mitgl. u. Gen.-Sekr. der Leibniz-Sozietät; lebt als Rentner in Berlin.Von der Entw. des soz. Menschen. Berlin 1964; Dialektik im Soz. Berlin 1976; Das Menschenbild der marxist.-leninist. Philos. Berlin 1977; Philosophen im Friedenskampf. Berlin 1986; Gibt es erledigte Fragen an die Geschichte? Berlin 1996 (Mitautor); Rev. der Denkungsart. Berlin 2004; Was ist Geschichte? Berlin 2008. Geschichtsphilos. Kolloquium zum 70. Geburtstag von W. E. Berlin 2000.Helmut Müller-Enbergs

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Eichler, Klaus

* 11.10.1939

Geb. in Halle; Vater Techniker; Volksschule; 1954 – 57 Ausbildung zum Chemiefacharb. im VEB Elektrochem. Werke Ammendorf; 1954 FDJ; 1962 SED; 1962 – 64 1. Sekr. der FDJ- KL Leuna-Werke »Walter Ulbricht«; zugl. Studium an der Ing.-Schule in Köthen, 1964 Abschluß als Chemie-Ing.; PHS; 1965 – 74 1. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder); 1965 – 67 u. 1974 – 84 Mitgl. des Büros des FDJ-ZR; 1970/71 Lehrgang an der PHS; 1974 – 84 GD des FDJ-Reisebüros »Jugendtourist«; bis 1975 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1984 – 86 Vizepräs., dann 1. Vizepräs. des DTSB u. gleichz. Mitgl. des NOK; Nov. 1988 – Dez. 1989 Präs. des DTSB (Nachf. von  Manfred Ewald) u. Mitgl. des Präs. des NOK; 1973 u. 1982 VVO. 1990 Mitgl. der PDS-Wahlkampfltg.; nach 1990 Geschäftsf. eines Reisebüros.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

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Eicken, Carl von

* 31.12.1873 – ✝ 29.6.1960

Geb. in Mülheim (Ruhr); Vater Tabakwarenfabrikant; Gymnasium in Hamburg; 1893 – 99 Med.-Studium in Kiel, Genf, München, Berlin u. Heidelberg, dort 1899 Prom.; 1898 Militärdienst; Militärarzt der Reserve; 1910 Stabsarzt der Reserve; Teiln. am 1. Weltkrieg; 1899 – 01 Assistent an der Chirurg. Klinik Heidelberg; 1901 – 09 an der Laryngolog.-rhinolog. Univ.-Klinik Freiburg i. Br.; dort 1903 Habil. über Untersuchungsmethoden der oberen Luft- u. Speisewege (b. Gustav Killian) u. Privatdoz.; 1909 Prof., 1911 Ordinarius, 1914 Dekan, 1920/21 Rektor; 1922 – 50 Ordinarius für HNO-Heilkunde in Berlin; 1931 Mitgl. des preuß. Landesgesundheitsrats; 1933 – 38 Vors. der Berliner med. Ges.; 1936 Mitgl. der Leopoldina; ab 1944 beratender Otologe der Wehrmacht; Gen.-Arzt der Reserve, Mitgl. des Wiss. Senats des Heeressanitätswesens. Bis Nov. 1945 amtl. Dekan der Med. Fak. der Berliner Univ.; Anhörung vor einem US-Unters.-Aussch. wegen HNO-ärztl. Behandlungen Hitlers; 1946 Bestätigung als HS-Lehrer an der HU Berlin durch die SMAD; Mitinitiator der Wiederherstellung des Univ.-Betriebs; 1948 Wiedergründung einer Otolaryngolog. Ges. an der HU Berlin; 1949 Ord. Mitgl. der DAW; 1950 auf eigenen Wunsch em.; lebte bis 1960 in Berlin-Dahlem; gest. in Heilbronn. Wiss. u. klin. Arbeitsgebiete: Verbesserung endoskopischer Techniken, operative Fremdkörperentfernung aus dem Broncho-Trachealbereich, Chirurgie der Tränenwege u. Nebenhöhlen.Nischwitz, A.: C. v. E. u. sein Einfluß auf die Entw. der HNO-Heilkunde an der Charité zu Berlin. Med. Diss. HU Berlin 1992.Peter Schneck

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Eigenfeld, Katrin

* 13.11.1946

Geb. in Halle, aufgew. in der Altmark; Vater Pfarrer, Mutter Sekr.; POS; bis 1967 Ausbildung zur Präparatorin, anschl. bis 1970 Qualifizierung zur Bibliotheksfacharb. an der MLU Halle, danach bis Mai 1990 in diesem Beruf tätig; 1980 Mitgl. der Ltg. der ev. Kirchengemeinde Halle-Neustadt; Mitarb. in der »Offenen Jugendarbeit«; Initiatorin von u. Teiln. an pol. Hauskrs.- u. Gruppenarb., Friedensgottesdiensten, Friedensdekaden, Jugendwerkstätten, Rüstzeiten; 1982 Unterschriftensammlung für den »Berliner Appell« von  Rainer Eppelmann u.  Robert Havemann; Teiln. an der Fahrradsternfahrt zum Weltumwelttag 1983 nach Buna; Herbst 1983 drei Mon. U-Haft beim MfS nach der Vorber. eines Gottesdienstes zum Weltfriedenstag (§106 StGB: staatsfeindl. Hetze); Entlassung nach Protesten von Martin Niemöller, Altbischof  Kurt Scharf u. a.; seit 1983 Mitarb. in der Gruppe »Frauen für den Frieden«; Auslandsreiseverbot, wiederholt Berlin-Verbot; seit 1986 Mitarb. in der IFM; Teiln. an den Menschenrechtsseminaren 1986 in Berlin u. Magdeburg; Delegierte der jährl. Treffen des Netzwerks »Frieden konkret«; Mitarb. bei den Samizdat-Ztschr. »grenzfall« (1986/87), »Artikel 27« (1987) u. »Blattwerk« (1988); Sept. 1989 Teiln. an der illeg. Gründungsveranstaltung des Neuen Forums (NF) in Grünheide; Gründerin des NF Halle (zus. mit Frank Eigenfeld); Mitgl. des NF-Stadtsprecherrats. 1990 – 94 Mitgl. der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen in der Stadtverordnetenvers. Halle; 1990 – 94 Mitarb. im Unabh. Umweltinst.; 1990 – 96 Mitgl. des Fachbeirats Osteuropa der Heinrich-Böll-Stiftung; 1995 Umzug nach Kasnevitz (Rügen); dort Gelegenheitsarbeiten u. ehrenamtl. Tätigkeit im Kulturber.; 1999 Berufung in den Fachbeirat der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.Müller-Enbergs, H.: K. E. In: Kowalczuk, I.-S.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006, S. 260 – 263.Jan Wielgohs

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Eildermann, Luise

* 236.1899 – ✝ 24.11.1986

Geboren als Luise Gleber am 23 Juni 1899 in Speyer/Pfalz; Handelsschule, Stenotypistin, Revisorin und Redakteurin. 1918 Mitglied der SPD, 1919 der USPD, 1920 der KPD. 1930 wurde sie Abgeordnete der Bremer Bürgerschaft, gab aber bereits am 14. Oktober 1931 ihr Mandat auf. Im Juli 1933 emigrierte Luise Eildermann nach Frankreich und arbeitete bis 1936 im Weltkomitee gegen Krieg und Faschismus in Paris, 1936 war sie in Spanien. Von September 1939 bis zu ihrer Emigration nach Mexiko Ende 1941 wurde sie im französischen Internierungslager Rieucros festgehalten. In Mexiko gehörte sie der Bewegung Freies Deutschland an. Im Dezember 1946 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde sie Mitglied der SED und übte ehrenamtlich Funktionen aus bzw. war Mitarbeiterin ihres Mannes Wilhelm Eildermann. Luise Eildermann starb am 24. November 1986 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Eisel, Fritz

* 27.3.1929

Geb. in Lauterbach (Hessen) in einer kommunist. Familie; mittl. Reife. 1945 KPD; 1947 Umzug der Familie in die SBZ; 1947 – 50 Studium an der HS für Baukunst u. bildende Kunst Weimar u. der HS für Bildende Künste Dresden (HfBK); 1950 – 51 Hauptreferent in der Landesreg. Sachsen; 1951 VBKD; 1951 – 57 Studium am Repin-Inst. der AdK der UdSSR in Leningrad; 1957 – 59 freischaffend in Dresden; 1959 Assistent am Inst. für Bildende Kunst Berlin, danach bis 1965 freischaffend in Potsdam; 1965 – 70 Betriebsltr./Dir. in der Gedenkstätte Cecilienhof, Potsdam; 1966 – 68 Teiln. an geolog. Expeditionen in die Mongolei; 1970 Doz. an der HfBK Dresden, 1971 – 75 Prorektor für Praxisbeziehung u. Weiterbildung, 1973 Prof. für künstler. Lehrtätigkeit; 1975 – 79 Rektor der HfBK Dresden (Nachf. von  Gerhard Kettner); 1978 Mitgl. des ZV des VBK; 1980 Umzug in den Bez. Schwerin, Tätigkeit an der FS für Angew. Kunst Heiligendamm; ab 1982 freischaffend; 1957 Kunstpreis der DSF; 1961 Theodor-Fontane-Preis; 1975 Kunstpreis DDR; 1979 Theodor-Körner-Preis; Ausstellungen mit Figuren- u. Landschaftsdarstellungen in der DDR u. im sozialist. Ausland. Nach 1990 entstanden etwa 800 Gemälde; lebt in Langen Brütz, Krs. Schwerin.Beatrice Vierneisel / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Eisenkolb, Friedrich

* 5.1.1901 – ✝ 29.9.1967

Geb. in Warnsdorf (Nordböhmen / Varnsdorf, Tschechien); Vater Finanzwachangest.; 1919 Abitur; 1919 – 23 Studium der Chemie u. Metallurgie an der Dt. TH Prag, Dipl.; 1924 Prom. am dortigen Physikal.-Chem. Inst. zur Passivität des Nickels; 1924 – 31 Ltr. der Stoffwirtschaftsstelle des Chem. Labors u. der Techn. Versuchsanstalt des Werks Rothau der Eisenwerke AG; 1928 zweite Diss. über das Beizen von Feinblechen; 1937 Habil. an der Dt. TH Prag; später dort Lehrtätigkeit; ab 1931 Ltr. der Qualitätsstelle u. der Forschungs- u. Versuchsanstalt der Blechwerke AG Karlshütte in Leskovec; 1939 Ltr. der Forschungs- u. Versuchsanstalt bei den Eisen- u. Hüttenwerken Thale (Harz); dort Forschungsarbeiten zu Stahlgewinnung u. – verarbeitung sowie Pulvermetallurgie; 1940 NSDAP. 1949 ord. Prof. an der TH Dresden, Lehrstuhl für Werkstoffkunde; Ltr. des 1951 errichteten Forschungsinst. für metall. Spezialwerkstoffe; 1953 Ord. Mitgl. der DAW; 1959 NP. Beiträge zur Entw. der Werkstoffkunde als eigenständiges Wissens- u. Lehrgebiet.Fortschritte der Pulvermetallurgie. Berlin 1963; Einführung in die Werkstoffkunde. Berlin 1957 – 65.Andreas Kahlow

Wer war wer in DDR

Eisler, Gerhart

* 20.2.1897 – ✝ 21.3.1968

Geb. in Leipzig in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Philosophieprof. Rudolf E., Bruder  Hanns E., Schwester Elfriede E. (Ruth Fischer); 1901 – 13 Volksschule u. Gymnasium in Wien; 1913 – 15 Studium der Volkswirtschaft, Philos. u. Rechtswiss. an der Univ. Wien, abgebrochen; 1915 – 18 Militärdienst in der k. u. k. Armee, Ltn.; 1918 KPÖ u. Rote Garde des Österr. Arbeiter- u. Soldatenrats; 1918 – 21 Journalist u. Sekr. der ungar. Emigrantenztschr. »Kommunismus«, 1920 der Ztschr. »Die Internationale« in Berlin; 1920 Heirat mit der Schauspielerin Hede Tune (später Gumperz bzw. Massing), Jan 1921 Übersiedl. nach Berlin; 1921 KPD; Instrukteur im KPD-Pressedienst, 1921/22 Red. der »Roten Fahne«, danach Journalist u. Agitator, 1922/23 Chefred. des KPD-Pressedienstes; 1923 – 29 Kand. des ZK der KPD; 1923/24 Ltr. des KPD-Oberbez. Mitteldtl.; 1924 – 27 Mitgl. KPD-BL Berlin (»Gerhart«, »Hans Berger«); Mitarb. der sowj. Nachrichtendienste GRU u. OGPU; ab 1926 Mitarb. im zentr. Parteiapp. der KPD, Abt. Information; 1927 – 29 Angeh. der Gruppe der »Versöhnler« u. aktiv bei der versuchten Absetzung des KPD-Vors. Ernst Thälmann (Wittorf-Affäre); 1929 nach Moskau; 1929 – 31 Beauftragter der KI in China; Sekr. im Fernöstl. Büro der RGI in Shanghai u. Nanking (»Robert«); 1931 – 33 im angloamerik. Sekr. der KI in Moskau; 1933 – 35 Vertreter der KI in den USA (»Edwards«, Paßn. »Samuel Liptzin«); ab 1935 Mitarb. der KPD-Auslandsltg. in Prag, Paris u. ab Nov. 1936 in Spanien; 1936/37 Aufbau des KPD-Geheimsenders Kurzwelle 29,8 in Madrid u. seiner Red. in Valencia; Juli 1937 nach Paris, dort Red. der »Dt. Volksztg.«; 1938 Ltr. der ZK-Kommission zur Vorbereitung u. Teiln. der Berner Konferenz; Aug. 1939 in Paris verhaftet; 1939 – 41 interniert in Le Vernet u. Les Milles; Mai 1941 Ausreise nach New York; interniert auf Ellis Island; Mitarb. des »Communist« u. »New Masses« (»Hans Berger«); Ltr. der GRU-Residentur in New York; 1941 – 46 Chefred. des »German American«; wegen illeg. Arbeit mehrmals verurteilt; ab 1945 Mithrsg. des »The German American«; Okt. 1946 polizeil. Verhinderung seiner Ausreise aus den USA; 1947 zu vier Jahren Haft wegen »Mißachtung des amerik. Kongresses u. Paßfälschung« verurteilt, gegen Kaution entlassen; Dez. 1948 in Abwesenheit zum Prof. für pol. u. soziale Fragen an die Univ. Leipzig berufen; 1949 vor drohender Verurteilung wegen Spionage aus den USA geflohen; kurzz. tschechoslowak. Staatsbürger. Juni 1949 Rückkehr nach Berlin; SED; Mitarb. des PV der SED; Vors. der Kommission für Massenagit.; 1949/50 Mitgl. des PV der SED u. Abg. der Volkskammer; Herbst 1949 zus. mit  Hermann Axen Mitbegr. des Amtes für Information bei der Reg.; Okt. 1949 – Dez. 1952 dessen Ltr.; Febr. 1951 öffentl. Selbstkritik wegen seiner Zugehörigkeit zu den »Versöhnlern«; 1953 – 55 im Kontext der Field-Affäre Funktionsverbot wegen des »Verdachts der Agententätigkeit«, 1956 aufgehoben; 1953 – 55 freischaff. Journalist, Redaktionsmitgl. der »Wochenpost«; 1956 – 62 stellv. Vors. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1962 KMO; ab März 1962 Vors. des Staatl. Rundfunkkomitees (Nachf. von  Hermann Ley); 1963 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1964 VVO; 1967 Mitgl. des ZK der SED; Mitgl. der Agit.-Komission beim PB; 1968 stellv. Vors. des VDJ u. Präs. der Organisation Internationale de Radiodiffusion et Télévision; gest. auf einer Reise in Eriwan (Armenien).The Lesson of Germany (Mitverf.). New York 1945; Auf der Hauptstraße der Weltgeschichte – Artikel, Reden u. Kommentare 1956 – 68. Berlin 1981. Pritt, D. N.: Memoiren eines brit. Kronenanwalts. Berlin 1970; Hinze, S.: Antifaschisten im Camp Le Vernet. Berlin 1988; Eisler, H.: Interview. In: Engelhardt, M.: Dt. Lebensläufe. Berlin 1991; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Lamphere, R., Shachtman, T.: The FBI – KGB War. Macon, Georgia 1995; Friedmann, R.: Ulbrichts Rundfunkmann. Eine G.-E.-Biographie. Berlin 2007.Bernd-Rainer Barth

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Elgaß, Karl

* 3.6.1900 – ✝ 4.5.1985

Geboren am 3. Juni 1900 in Saarbrücken, Sohn eines Werkmeisters; Metallhilfsarbeiter, 1917 Übersiedlung nach Berlin, Arbeit als Maschineneinrichter. Er wurde noch im Juni 1918 Soldat, nach Verwundung und Lazarettaufenthalt schloß er sich im Dezember in Berlin der Spartakusgruppe und Anfang 1919 der KPD an. Elgaß war ab 1929 hauptamtlicher KPD-Sekretär in Berlin-Treptow und gehörte von 1929 bis 1933 der dortigen Bezirksverordnetenversammlung an. Von 1930 bis 1932 technischer Mitarbeiter im Apparat der KPD-BL Berlin-Brandenburg, wurde er im November 1932 im Wahlkreis Berlin als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Ab Ende 1932 Instrukteur in Schlesien. Teilnehmer der letzten Tagung der Parteiführung am 7. Februar 1933 in Ziegenhals. Elgaß wurde am 14. Juli 1933 in Breslau verhaftet und im August 1934 durch den VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, danach im KZ Sachsenhausen. Dort am 20. April 1939 freigelassen, kam er im November/Dezember 1939 erneut in Haft. Danach bis 1945 Montageleiter in Berlin, knüpfte Verbindungen zu Mitgliedern der linkssozialistischen Gruppe »Neu Beginnen«. 1945 von der sowjetischen Kommandantur als stellvertretender Bürgermeister in Berlin-Treptow eingesetzt, trat Elgaß 1946 der SED bei und war von Juli 1946 bis Oktober 1948 stellvertretender Bürgermeister im Bezirk Mitte, im Ostsektor von Berlin. Im Zuge der Stalinisierung der SED und vor allem während der Berlin-Blockade widersetzte sich Elgaß den Anweisungen der sowjetischen Kommandantur und dem zunehmenden Druck seiner Partei, sozialdemokratische Angestellte des Bezirksamtes Mitte zu entlassen. Nach seiner Flucht in die Westsektoren von Berlin prangerte er dort öffentlich die undemokratische Politik der SED an und erklärte seinen Austritt. »Nach den Oktoberwahlen im Jahre 1946 wurde immer offensichtlicher, daß die SED nicht mehr daran dachte, den demokratischen Weg zum Sozialismus zu beschreiten ... Wir Funktionäre in der Berliner Verwaltung wurden vor Aufgaben gestellt, die mit Demokratie und Toleranz nichts mehr zu tun hatten. Somit scheide ich aus der SED freiwillig aus.« »Neues Deutschland« schrieb am 27. November 1948 unter der Rubrik Parteiausschlüsse: »Wie das Sekretariat des Landesvorstandes mitteilt, sind Karl Elgaß, Berlin-Niederschöneweide, Spreestraße 15, Emil Bode, Berlin-Biesdorf, Herzogstraße 158, und Franz Corts, Berlin Neukölln, Unstrutstraße 4 wegen parteischädigenden Verhaltens aus der SED ausgeschlossen worden.« 1949 wurde Elgaß Mitglied der SPD, von 1958 bis 1962 war er Vorsitzender der SPD Berlin-Steglitz und dort von 1954 bis 1958 in der Bezirksverordnetenversammlung. 1959/60 sowie von 1963 bis 1967 wirkte er für die SPD im Berliner Abgeordnetenhaus. Karl Elgaß starb am 4. Mai 1985 in West-Berlin. Albert Krämer veröffentlichte 2003 einen biographischen Beitrag über Karl Elgaß.

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Ellrodt, Richard Friedrich

* 2.8.1883 – ✝ 11.1.1933

(* 1883 – † 1933) Geboren am 2. August 1883 in Leipzig, Sohn eines Schuhmachers; Metallschleifer. 1903 Mitglied der SPD, schloß er sich 1917 der USPD an und gehörte zu deren BL Leipzig. Gemeinsam mit Otto Zipfel vertrat er die USPD-Leipzig auf dem Spaltungsparteitag der USPD und auf dem Vereinigungsparteitag von USPD und KPD im Dezember 1920. Im November 1920 als einer der drei Abgeordneten der USPD (Linke) in den Sächsischen Landtag gewählt, gehörte Ellrodt ab Dezember 1920 zur VKPD-Fraktion, für die er 1922 als Abgeordneter wiedergewählt wurde. 1922/23 Redakteur beim »Roten Kurier«, der KPD-Zeitung für Mitteldeutschland in Leipzig, und von 1926 bis 1930 Redakteur am Nachfolgeorgan, der »Sächsischen Arbeiterzeitung«. 1926 kam Ellrodt nicht mehr in den Landtag, blieb aber von 1926 bis 1929 Stadtverordneter in Leipzig. Da er an chronischem Asthma litt, schied er 1930 aus der hauptamtlichen Parteiarbeit aus, Pförtner bei der BL Sachsen bzw. der UBL Leipzig. Ohne Hoffnung auf Heilung wählte Richard Friedrich Ellrodt am 11. Januar 1933 den Freitod. Sein Sohn Gerhard Ellrodt (* 8. 7. 1909 – † 14. 2. 1949), Schriftsetzer und Mechaniker, wurde 1927 Mitglied des KJVD und 1930 der KPD. Ellrodt jun. war Agitpropleiter des KJVD Westsachsen. Nach 1933 illegale Arbeit und später Mitglied der Widerstandsgruppe Georg Schumann in Leipzig. Er war bis zur Auflösung des SED-BV Westsachsen 1947 deren Sekretär für Werbung, Schulung und Jugend. Von 1947 bis 1949 Mitglied des Sekretariats der SED Sachsen.

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Emel, Alexander (Lurje

* 22.8.1897 – ✝ 24.8.1936

(* 1897 – † 1936) Geboren als Moses Lurje am 22. August 1897 in Kossariaschie in der Nähe von Minsk, Sohn eines armen Schankwirts. Er kam im Herbst 1919 nach Berlin, um das Reifezeugnis abzulegen und zu studieren. Am 1. Dezember 1920 schloß er sich der Kostufra an und promovierte 1925 an der Berliner Universität bei Prof. Eduard Meyer summa cum laude. Seine Dissertation behandelte die Darstellung Ägyptens im Alten Testament und fußte auf seiner ausgezeichneten Kenntnis des Hebräischen. 1921 stieß Emel in Berlin zur KPD, wurde hier bald einer der von Ruth Fischer geförderten »jungen Männer« und übernahm 1924 die Agitproparbeit im Bezirk Berlin. 1925 übersiedelte Emel auf Einladung des Instituts der Roten Professur nach Moskau und begann eine Lehrtätigkeit an der Internationalen Leninschule und an der KUNMS. Er schloß sich der Opposition gegen Stalin an. Doch körperlich schwach, »ein wandernder Jude zwischen Deutschland und Rußland«, wie ihn Ruth Fischer beschrieb, kapitulierte er bald vor Stalin. Zunächst Professor an der Moskauer Sun-Yat-sen-Universität, kehrte im Herbst 1927 nach Deutschland zurück. Hier war seine Frau Isa, Tochter des »Bund«-Führers Kogan, bei der russischen Handelsgesellschaft tätig. Mitarbeiter der Agitpropabteilung des ZK der KPD, Emel gehörte noch für kurze Zeit der linken Weddinger Opposition an. Daraufhin im Dezember 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Nachdem er sich offiziell von der Opposition trennte, im Sommer 1928 wieder in die Partei aufgenommen. Ab Juni 1929 stellvertretender Leiter der Agitpropabteilung des ZK sowie ständiger Referent an KPD-Parteischulen und zeitweise auch Leiter der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau. Als Chefredakteur der Zeitschrift »Propagandist« veröffentlichte er dutzende Artikel in der Parteipresse. Im Beschluß des ZK vom 31. Dezember 1931 wurde Emel mit Joseph Winternitz-Lenz wegen »antibolschewistischer Auffassungen« heftig angegriffen, beide wurden ihrer Funktionen enthoben. Angeblich hatten sie in einem Artikel zur Verteidigung von Stalins Thesen über die Geschichte des Bolschewismus »parteifeindliche« Ansichten vertreten. 1932 arbeitete Emel bei der »Inprekorr« und der »Roten Fahne« und wurde erst nach der Absetzung Heinz Neumanns Ende 1932 wieder zur Arbeit in der Agitpropabteilung des ZK herangezogen. Obwohl er längst mit Ruth Fischer gebrochen hatte, traf er sich noch mit ihr, Arkadi Maslow und weiteren früheren Freunden, so auch am 6. März 1933 vor seiner Abreise nach Moskau. Dort berichtete er Fritz Heckert am 10. März 1933, daß er von Fischer und Maslow auf die mysteriöse Freilassung Ernst Schnellers hingewiesen worden sei. Beide hatten betont, daß der am Abend des 5. März 1933 freigelassene Werner Scholem eine Flucht Schnellers ebenfalls für ausgeschlossen hielt, und Fischer und Maslow hätten ihn ausdrücklich beauftragt, unter Namensnennung und Quellenangabe diese Informationen in Moskau weiterzuleiten. Emel lehrte einige Jahre an der Moskauer Universität, bis ihn die sowjetische Geheimpolizei 1936 verhaftete. Die Tatsache, daß er sich mit Ruth Fischer getroffen hatte, wurde mit der Beschuldigung verknüpft, daß er von ihr und Maslow im März 1933 den Auftrag Trotzkis entgegengenommen habe, Stalin zu ermorden. Vom 19. bis 24. August 1936 gehörte Emel zu den Angeklagten im Schauprozeß gegen Sinowjew und Kamenew. Vor diesem Tribunal »gestand« Lurje-Emel alle Vorwürfe, u. a. gab er zu, er habe Shdanow und Ordshonikidse und selbstverständlich Stalin ermorden wollen und Verbindung zu dem Agenten der NSDAP, Weitz, gehabt. In seinem Schlußwort bat er um mildernde Umstände, doch wie alle Angeklagten in diesem ersten großen Schauprozeß wurde Alexander Emel am 24.August 1936 zum Tode verurteilt und erschossen.