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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Ertinger, Werner

* 26.3.1915 – ✝ 16.6.1965

Geb. in Bremen; Vater KPD-Funktionär Karl E.; bis 1930 Volksschule in Merseburg; 1930 – 32 höhere kfm. Handelsschule in Halle, Handlungsgehilfe; 1930 KJVD; bis 1938 als Volontär, Reisender bzw. Buchhalter tätig; 1936 RAD; dann Arbeit im Kaffeevertrieb; Nov. 1938 – 45 Wehrmacht, 1943 Sanitätsofw. Mai 1945 ehrenamtl. Arbeit bei der KPÖ-LL Tirol; Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Febr. 1946 Instrukteur der KPD, dann der SED-KL Eisleben sowie des Mansfelder See- u. Gebirgskrs.; Anf. 1947 Aufbau der KPS in Eisleben; bis 1950 Heim- u. Wirtschaftsltr. der Parteischule Drei-Annen-Hohne bei Schierke; Juli 1950 – Febr.1952 Ltr. der Abt. Geschäftsverw. der SED-LL Sachsen-Anh.; 1952/53 Sekt.-Ltr. beim IfG; 1953 – 55 Verw.-Ltr. beim »Aussch. für Dt. Einheit«, u. a. Verpflegungsltr. des II. Dtl.-Treffens 1954; Okt. 1955 stellv. Verw.-Ltr. Rückwärtige Dienste beim MdI (Kdo. Bereitschaftspolizei); ab 1957 stellv. Ltr. der Pol. Verw.; 1961 VVO; Sept. 1962 Obltn. bei der Stadtkommandantur Berlin, Ltr. der Arbeitsgr. für mat.-techn. Sicherstellung; 14.6.1965 Ausschl. aus der SED wegen angebl. falscher Angaben zur illeg. Arbeit während der NS-Zeit u. Dauer der Parteimitgliedschaft, Streichung der VdN-Anerkennung; Suizid.Weber, H., Herbst, A.: Dt. Kommunisten. Berlin 2008, S. 231.Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Esche, Eberhard

* 25.10.1933 – ✝ 15.5.2006

Geb. in Leipzig; 1952 – 55 Studium an der Theater-HS Leipzig; erste Engagements in Meiningen (1955), Erfurt (1958) u. Karl-Marx-Stadt (1960); seit 1961 am Dt. Theater Berlin; dazwischen 1969 – 71 Engagement an der Volksbühne Berlin, wohin er  Benno Besson gefolgt war; daneben immer wieder Rollen beim Film; Durchbruch 1965 mit der Rolle des Lanzelot in Jewgeni Schwarz’ »Der Drache« (R: B. Besson), andere wichtige Theaterrollen: 1966 Angelo in Shakespeares »Maß für Maß« (R:  Adolf Dresen), 1971 Andrew Cobham in Weskers »Goldene Städte«; TR in den  Friedo-Solter-Inszenierungen von  Peter Hacks’ »Amphitryon« (1972), Schillers »Wallenstein« (1979), 1980 in Hacks’ »Senecas Tod« (R: Cox Habbema), 1994 in »Der Kyklop« (R: F. Solter) u. 1996 »Die Geschichte von Heinrich IV.« (R:  Thomas Langhoff); Filmrollen: 1964 Manfred in »Der geteilte Himmel« (R:  Konrad Wolf), 1969 König in »Wie heiratet man einen König« (R:  Rainer Simon), 1966 Parteisekretär Horrath in »Spur der Steine« (R:  Frank Beyer, 1982 Rolle in »Märkische Forschungen« (R:  Roland Gräf); Vorstandsmitgl. der Gewerkschaft Kunst u. Kultur; war zeitw. verh. mit der niederländ. Schauspielerin u. Regisseurin Cox Habbema; gest. in Berlin. E. bevorzugte klass. Rollen, seine musikal. Aussprache, sein Gefühl für Rhythmus des körperl. u. sprachl. Ausdrucks hoben ihn von anderen Schauspielern ab; bekannteste Vortragsabende: Heine »Dtl. Ein Wintermärchen« u. Goethe »Reineke Fuchs«.»Der Hase im Rausch«, autobiograph. Erzählungen. Berlin 2000; Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen. Berlin 2005; Ein Stolz, der groß ist. Letzte Worte. Hrsg. von A. Reber. Berlin 2007.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Eser, Adolf

* 24.6.1936

Geb. in Halle / Saale; Vater Angest.; Grund- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1950 FDJ, 1954 SED; 1954 – 56 KVP (Unteroffz.); 1956 / 57 Rundfunkmechaniker im VEB Chem. Werke Buna; 1957 – 60 Abiturausbildung an der ABF, Fernstudium an der TH für Chemie Leuna-Merseburg, Dipl.-Ing. für Verfahrenstechnik, später Prom. zum Dr.-Ing.; 1960 – 75 BMSR-Mechaniker, techn. Angest., Gruppenltr. u. Abt.-Ltr. im VE Chemiekombinat Bitterfeld (CKB); 1972 / 73 Lehrgang an der SED-BPS; 1975 – 83 Sekr. für Wirtschaftspol. der SED-KL im CKB, 1971 – 76 Kand. der SED-BL Halle; 1979 / 80 Lehrgang an der SED-PHS; 1984 – 90 GD des VEB Chemiekombinat Bitterfeld (Nachf. von  Heinz Schwarz).Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Esser, Joseph

* 21.3.1893 – ✝ 21.6.1938

Geboren am 21. März 1893 in St. Wendel/Saar als Sohn eines Schuhmachers. Er kam bereits 1907 als Bergarbeiter in eine Kohlenzeche. Von 1915 bis 1918 Soldat (Gefreiter), danach wieder Bergarbeiter, 1919 im Ruhrgebiet, 1920/21 im Saarbergbau. Er war mit der späteren Reichstagsabgeordneten Barbara Esser verheiratet. Von 1910 bis 1913 noch im katholischen Zentrum organisiert, trat er 1917 der SPD bei, ging im Oktober 1919 zur USPD und gehörte von 1920 bis 1923 zur linksradikalen KAPD. Im März 1923 trat er zur KPD über. Esser hatte 1920 in der Roten Ruhrarmee Funktionen ausgeübt und war auch im Militärapparat der KPD aktiv. Im März 1924 wegen Waffen- und Dynamitbesitzes zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, anschließend wurde er in den hauptamtlichen Apparat der KPD aufgenommen. Esser war u. a. UB-Leiter in Essen und Recklinghausen, aber auch im AM-Apparat und führend im RFB Ruhr tätig. Nachdem er seit 1929 deutsche Bergarbeiter für die Arbeit in der Sowjetunion angeworben hatte, übersiedelte er im November 1930 selbst in die UdSSR. Von März 1932 bis 1935 Studium an der KUNMS in Moskau. Dort wurde Joseph Esser 1937 als angeblicher Anhänger Heinz Neumanns vom NKWD verhaftet, am 26. Mai 1938 durch Beschluß der NKWD-Kommission und des Staatsanwaltes der UdSSR zur Höchststrafe verurteilt und am 21. Juni 1938 erschossen. Am 5. Januar 1957 hob das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der UdSSR den Beschluß auf und rehabilitierte Esser postum.

Wer war wer in DDR

Ewald, Georg

* 30.10.1926 – ✝ 14.9.1973

Geb. in Buchholz (Krs. Stralsund); Vater Landwirt; Volksschule, Landw.-Schule; 1941 – 43 tätig in der elterl. Landw.; Wehrmacht. 1946 – 49 Landarb.; 1946 FDJ, SED; 1949/50 Bürgermstr. in Buchholz; 1950 – 53 Krs.-Rat für Landw. u. Abg. des Krs.-Tags Stralsund; Mitgl. der SED-KL; 1953/54 PHS; 1954/55 1. Sekr. der KL Bad Doberan; Abg. des Krs.-Tags; 1955 – 60 1. Sekr. der SED-KL Rügen; Mitgl. der BL Rostock; Abg. des Krs.-Tags Rügen; 1960 – 63 1. Sekr. der SED-BL Neubrandenb. (Nachf. von  Max Steffen); Abg. des Bez.-Tags Neubrandenb.; Vors. der Ständ. Kommission Landw.; ab 1963 Mitgl. des ZK der SED u. Kand. des PB; Min. u. Vors. des Landw.-Rats (Nachf. von  Karl-Heinz Bartsch) bzw. Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft; Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; Abg. der Volkskammer; 1973 tödl. verunglückt.Bauerkämper, A.: Ländliche Gesellschaft in der kommunistischen Diktatur. Köln 2002.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ewert, Olga

* 11.7.1898 – ✝ 14.12.1978

Geboren am 11. Juli 1898 in Königsberg/Ostpreußen als Olga Hallervorden, Tochter eines Nervenarztes. Sie studierte sechs Semester moderne Sprachen, schloß sich dem Sozialistischen Studentenbund an und arbeitete als Bibliothekarin, Säuglingsschwester und Übersetzerin. Ab 1928 Beamtin, zuletzt Bibliotheksobersekretärin in Berlin-Wilmersdorf. Seit 1925 Mitglied der KPD, nach ihrer Verbeamtung jedoch illegales Mitglied unter dem Namen Alma Loos. Aktiv im Frauensekretariat des ZK der KPD und im BPRS, schrieb sie die Broschüre »Die Arbeiterin in Deutschland«. Ab Februar 1933 illegale Arbeit in Berlin, im Mai 1933 wegen »staatsfeindlicher Gesinnung« entlassen, emigrierte sie im Juli 1933 nach Dänemark, bis 1937 Stenotypistin und Übersetzerin im Nordisk Pressbüro in Kopenhagen. Von 1937 bis 1939 als Angehörige der Internationalen Brigaden in Spanien, Sekretärin von Gustav Gundelach. Anfang 1939 in Frankreich interniert, konnte Olga Ewert das Land im Mai 1941 verlassen und nach Mexiko ausreisen. Dort Mitglied der Parteigruppe im Vorstand des Bundes Freies Deutschland und Sekretärin der Demokratischen Deutschen Frauenbewegung. Im Mai 1952 Rückkehr aus Mexiko, in der DDR wurde sie im Zusammenhang mit der Verhaftung von Paul Merker nach Zeitz abgeschoben, später Partei- und Gewerkschaftsveteranin in Bernau bei Berlin. Olga Ewert starb am 14. Dezember 1978. Seit 1936 lebte sie mit dem Sattlermeister und Tapezierer Andreas Ewert (*23.10.1893 – †10.4.1979), einem jüngeren Bruder von Arthur Ewert, zusammen. Seit 1909 in der Arbeiterjugend, nahm er ab Juni 1915 als Sanitäter und Armierungssoldat am Ersten Weltkrieg teil. Bis 1925 Aufenthalt und Arbeit in Norwegen, Mitglied der Norwegischen Arbeiterpartei und Gewerkschaftsfunktionär. Nach Rückkehr in Deutschland Mitglied der KPD, bis April 1933 Angestellter der Derop (deutsch-russische Handelsgesellschaft). Nach 1933 illegale Arbeit, emigrierte im Juni 1936 nach Dänemark, Ende 1936 in Spanien Angehöriger der Internationalen Brigaden. Er war 1939/40 in Frankreich interniert, konnte ausreisen und kam Ende 1941 mit Olga Ewert nach Mexiko. Zuletzt arbeitete Andreas Ewert im Hermann Duncker-Archiv an der FDGB-Hochschule in Bernau.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fabian, Otto

* 13.1.1907

Geboren am 13. Januar 1907 in Leipzig, Sohn eines Oberpostschaffners. Maschinenschlosser und Bauarbeiter, bis 1928 Mitglied in der monistischen Jugend, anschließend im Bund der Freidenkerjugend, nach Spaltung in der KPD-nahen proletarischen Freidenkerjugend organisiert. Ab 1925 KPD-Mitglied, Fabian war Agitpropleiter eines Stadtteils in Leipzig und gehörte ab 1931 dem AM-Apparat der BL Sachsen an (Ressort Beobachtung der Rechtsorganisationen). Im Januar 1932 nach Berlin beordert und nach Moskau entsandt, wo er unter dem Namen Paul Römer an der M-Schule der Komintern einen Lehrgang absolvierte. Im Sommer 1932 Rückkehr nach Deutschland, hier unter Michael Kaczmierczak Mitarbeiter des AM-Apparates der BL Sachsen, übernahm Ende 1932 die Leitung des Ressorts Reichswehr, dann ab 1933 enge Zusammenarbeit mit Karl Plesse. Er wurde 1935 festgenommen und am 27. Januar 1937 vom VGH zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Aus dem Zuchthaus Waldheim am 18. September 1940 in das KZ Sachsenhausen überführt, wo sich Otto Fabians Spur verliert.

Wer war wer in DDR

Fahrenkrog, Heinz

* 16.5.1926 – ✝ 26.12.2004

Geb. in Wernigerode; Vater Gewerbetreibender; Volks-, Mittel- u. Handelsschule; 1942/43 Ausbildung zum Kfm.; 1945/46 SPD/ SED; 1945 – 50 Verkaufsstellenltr., Lagerltr. u. Einkäufer im Verb. Dt. Konsumgenossenschaft (VDK) Oschersleben; 1950 – 61 Ref. u. Abt.-Ltr. im VDK Berlin; 1961 – 64 PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1965 – 67 GD des Handelsunternehmens »Konsument« Karl-Marx-Stadt; 1967 – 91 Präs. der VDK (Nachf. von  Hilmar Weiß), ab 1968 VdK der DDR; 1967 – 90 Abg. der Volkskammer; 1967 – 71 Vors. (Nachf. von Elisabeth Höpner), ab 1971 stellv. Vors. ihres Aussch. für Handel u. Versorgung; 1971 Prom. zum Dr. oec.; 1980 Mitgl. des ZV des Internat. Genossenschafts-Bunds; 1989/90 Beobachtender Teiln. am Zentralen Runden Tisch. Mitgl. des Aufsichtsrats der Konsumgenossensch. Berlin; gest. in Berlin.Mitgestaltend, leistungsstark, zukunftsbewußt. Eine Bilanz – 25 Jahre nach dem Neubeginn konsumgenossenschaftl. Arbeit in der DDR. Berlin 1971; Die Konsumgenossenschaften in der DDR. Berlin 1976.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Falter, Matthias

* 17.1.1908 – ✝ 2.8.1985

Geb. in Aachen; Vater Buchhalter; 1926 Abitur am Realgymnasium Köln, anschl. bis 1932 Werkstudent bei den Firmen Felten & Guilleaume in Köln-Mühlheim, RWE in Grevenbroich u. Osram in Berlin; 1932 Studium der Math., Chemie u. Physik an den Univ. Berlin u. Köln; 1935 Prom. auf dem Gebiet Hochfrequenztechnik in Köln, anschl. Tätigkeit im Zentrallaboratorium der Siemens & Halske AG Berlin, Arbeiten zur Trägerfrequenz-Telefonie; 1936 techn. Physiker in der Fa. Hochohm GmbH (später von der Hermann Klasing KG Draht- u. Isolierfabrik übernommen), dort 1938 Laboratoriumsltr. u. 1941 techn. Ltr., Untersuchungen zu Präzisionsschicht- u. Kleinstwiderständen. 1945 Ltr. der Abt. Widerstände u. Halbleiter im AEG-Kabelwerk Oberspree; 1946 / 51 Tätigkeit in der UdSSR, nach der Rückkehr in die DDR techn. Ltr. im VEB Dralowid Teltow (seit 1952 VEB Werk für Bauelemente der Nachrichtentechnik »Carl von Ossietzky«), 1952 – 59 dort Chefkonstrukteur u. Ltr. der F. u. E-Abt., Entw. grundl. Technologien zur Halbleiterfertigung, 1954 Präsentation des ersten in der DDR entw. Germanium-Transistors auf der Leipziger Messe; 1956 Lehrbeauftragter für Halbleitertechnik an der HU Berlin u. der Univ. Rostock sowie für Dioden- u. Transistortechnik an der TH Dresden, 1958 – 70 Honorarprof. für Elektrotechnik an der TU Dresden; 1960 Dir. des Inst. für Halbleitertechnik Teltow, zuständig für Entw. u. Überleitung von Halbleiterbauelementen in die Serienprod. des VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder), dort gleichzeitig techn. Ltr.; 1964 Tätigkeit in der Arbeitsstelle für Molekularelektronik Dresden, später im Applikationszentrum Berlin; 1956 NP; 1959 VVO; 1960 Goldene Ehrennadel der KdT; gest.in Dresden.Wellenlängen-, Dämpfungs- u. Stromspannungsmessungen am Paralleldrahtsystem geringer Eigendämpfung bei ultrakurzen Wellen. Köln 1937; Der Transistor, ein Bauelement der Halbleitertechnik, seine Physik u. Technik. In: Neuere Erkenntnisse der Elektrotechnik. Berlin 1954; Dioden- u. Transistortechnik: Ein Einblick in die Physik u. Technik der Richthalbleiter mit speziellen Anwendungsmöglichkeiten. Berlin 1958.Ralf Pulla

Handbuch Deutsche Kommunisten

Farwig, Heinrich

* 6.1.1879

Geboren am 6. Januar 1879 in Münster, Sohn eines Schuhmachers. Er wurde Hausbursche, dann Schriftsetzer, später Gewerkschaftssekretär. Mitglied der SPD, 1917 der USPD und des Spartakusbundes. Farwig war 1918/19 enger Mitarbeiter von Leo Jogiches, später in der Zentrale der KPD tätig, 1923 Instrukteur im linksrheinischen Gebiet; 1923 »Schutzhaft«. Ab 1924 war er Redakteur an der »Roten Fahne« und Mitarbeiter der Gewerkschaftsabteilung des ZK. 1929 wurde er als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, danach Mitglied und Funktionär der KPO. Heinrich Farwigs weiteres Schicksal ist unbekannt. Geboren am 10. Oktober 1875 in Wanzleben, trat bereits um die Jahrhundertwende der SPD in Braunschweig bei. 1917 ging sie zur USPD und wurde nach der Revolution bis 1919 Volksbeauftragte für Volksbildung im Land Braunschweig. Kurze Zeit Mitglied der KPD, 1920 trat sie zusammen mit August Merges und der Mehrheit der Braunschweiger KPD zur KAPD über und war für diese in der Weimarer Republik aktiv. Nach 1933 gehörte Minna Faßhauer der Widerstandsgruppe um Merges an. Sie wurde im April 1935 verhaftet, im Prozeß von August bis Oktober 1935 aber mangels Beweisen freigesprochen. Im Oktober 1938 dann in Hamm zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam sie ins KZ Moringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kurze Zeit für die KPD in Braunschweig aktiv. Minna Faßhauer starb am 28.Juli 1949.

Wer war wer in DDR

Fechner, Max

* 27.7.1892 – ✝ 13.9.1973

Geb. in Rixdorf (b. Berlin); Vater Maurer; Volksschule; Ausbildung zum Werkzeugmacher; 1908 SAJ; 1910 DMV; 1910 SPD; 1911 – 14 u. 1917 – 19 Werkzeugmacher in Berlin; 1914 – 17 Kriegsdienst, verwundet; 1917 – 22 USPD, 1920 – 22 Mitarb. in deren ZK; 1921 – 25 Bez.-Verordneter in Berlin-Neukölln; ab 1922 wieder SPD, Mitarb. im PV u. 1924 – 33 Ltr. seiner kommunalpol. Zentralstelle u. verantw. Red. der kommunalpol. Ztg. »Die Gemeinde«; 1924 – 33 Abg. des Preuß. Landtags; 1933 Mitgl. des illeg. Aussch. der SPD; Mitarb. in der Widerstandsgr. um Franz Künstler; ab 1934 im KZ Oranienburg, Juli – Aug. 1944 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Juni 1945 Vors. des ZA der SPD (mit  E. Gniffke u.  O. Grotewohl); April 1946 – Juli 1953 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED u. bis Jan. 1949 stellv. Vors. u. Mitgl. des ZS des PV; 1946 – 48 Abg. der Stadtverordnetenvers. von Groß-Berlin; 1948/49 Mitgl. des Präs. des Dt. Volksrats; 1949/50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; ab Okt. 1948 Präs. der Dt. ZV für Justiz (Nachf. von  Eugen Schiffer); 1949 – 53 Präs. der Vereinigung demokrat. Juristen; Okt. 1949 – Juli 1953 Min. für Justiz; nach dem Aufstand vom 17.6.1953 sprach sich M. F. am 30.6.1953 in einem Interview des »Neuen Dtl.« gegen die Strafverfolgung streikender Arbeiter aus; daraufhin als angebl. »Feind des Staates u. der Partei« seines Amtes enthoben, aus der SED ausgeschl., 15.7.1953 verhaftet, bis Okt. 1955 in der zentr. U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen, am 24.5.1955 durch den 1. Strafsenat des OG wegen »Verbrechens gegen Artikel 6 der Verfassung der DDR in Verbindung mit der Kontrollsratsdirektive 38« zu acht Jahren Zuchthaus abgeurteilt; 24.4.1956 Entlassung, 26.4. 1956 amnestiert; Juni 1958 Wiederherstellung der Parteimitgliedschaft u. Anerkennung als VdN; 1967 VVO; 1972 KMO; gest. in Schöneiche (b. Berlin).Wie konnte es geschehen? Berlin 1945; Wesen u. Aufgaben der neuen demokrat. Selbstverw. Berlin 1948. Amos, H.: Kommunist. Personalpol. in der Justizverw. In: Bender, G.: Recht im Sozialismus. Frankfurt (Main) 1999; Loeding, M.: Der Handlungsspielraum des Zentralaussch. der SPD. Hannover 2002; Beckert, R.: Lieber Genosse Max. Aufstieg u. Fall des ersten Justizministers der DDR M. F. Berlin 2003.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Feiereis, Konrad

* 14.1.1931

Geb. in Glogau (Głogów, Polen); 1954 Priesterweihe in Neuzelle; Vikar in Beeskow, 1955 in Storkow, 1957 in Görlitz, Heilig Kreuz; 1959 Assistent am Regional-Priesterseminar/ Studium Erfurt; Dr. theol. mit der Arbeit »Die Umprägung der natürl. Theol. in Religionsphilos.« (Leipzig 1965); 1965 Pfarradministrator in Königshain (Sachsen); 1966 Lehrbeauftr., 1968 Doz. für Philos. am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; 1970 Verw. des Lehrstuhls für Philos.; 1974 ord. Prof. für Philos. am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; mehrfach Rektor; Konsultor des Päpstl. Sekr. für den Dialog mit den Nichtglaubenden; 1985 Päpstl. Ehrenkaplan; 1986 Teiln. am Dialogtreffen von Christen u. Marxisten in Budapest mit dem Referat »Das Zusammenleben von Christen u. Marxisten in der DDR«; 1989 Referat beim Kolloquium des Päpstl. Rates für die Nichtglaubenden mit dem Sowj. KSZE-Komitee zum Thema »Das gem. europ. Haus. Bereiche der Zusammenarbeit zwischen Ost- u. Westeuropa«; 1990 Teiln. am 40. Kongreß »Kirche in Not« mit dem Vortrag »Aufbruch woher – Aufbruch wohin? Herausforderung für Ges. u. Kirche.« 1996 em.; 1997 Bundesverdienstkreuz. Autor von Aufsätzen u. Buchbeiträgen zu philosoph. u. ges. Fragen, u. a. zu Voraussetzungen natürl. Theol. in Rückbesinnung auf P. Wust, zu religionsphilosoph. Auseinandersetzungen in der dt. Aufklärung, zu den Möglichkeiten von Kirche u. Christentum in der marxist. geprägten Ges. sowie zur Philos. in der DDR aus christl. Sicht, seit 1990 zu geistigen u. religiösen Herausforderungen der dt. Vereinigung; seit 1973 Mithrsg. der Erfurter Theolog. Studien u. seit 1974 der Erfurter Theolog. Schriften.Coreth, E. et al. (Hrsg.): Von Gott reden in säkularer Ges. Fs. zum 65. Geburtstag von K. F. Leipzig 1996.Clemens Brodkorb

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ertinger, Karl

* 1892 – ✝ 24.4.1945

Geboren 1892 in Bremen; kaufmännische Lehre, Handlungsgehilfe. Als Angestellter der Bremer Konsumgenossenschaft 1912 Mitglied der SPD. Im Krieg Anschluß an die Bremer Linksradikalen und Mitbegründer der Zeitschrift »Arbeiterpolitik«. Auf dem Gründungsparteitag der KPD in die Programmkommission gewählt, 1919 wurde er Mitglied des Vollzugsrates der Bremer Räterepublik und Vorsitzender des Volkskommissariats für Finanzfragen. Ab 1920 war Ertinger für die KPD leitend in der Genossenschaftsbewegung tätig, 1923 Geschäftsführer des Konsumvereins Weimar und anderen Orten, zuletzt in Halle. Er wurde Anfang der dreißiger Jahre Mitarbeiter in der Genossenschaftsabteilung des ZK der KPD. Gemeinsam mit Paul Zobel und Reinhold Dörbeck leistete er unter dem Deckmantel der Kaffeevertriebsagentur Columbus-Kaffee (Rösterei und Vertrieb) ab 1933 in Berlin illegale Arbeit. Karl Ertinger kam am 24. April 1945 beim Versuch, deutsche Soldaten zur Kapitulation zu bewegen, in der Badstraße in Berlin-Wedding ums Leben. Sein Sohn Werner Ertinger (*26. 3. 1915 – † 16. 6. 1965) wurde 1930 Mitglied des KJVD, bis zur Einberufung zur Wehrmacht half er dem Vater bei der illegalen Arbeit. Ab 1946 SED-Funktionär, zuletzt Polizeioffizier in der Stadtkommandantur von Ost-Berlin. Werner Ertinger wurde am 14. Juni 1965 wegen »falscher Angaben zu seiner illegalen Arbeit« aus der SED ausgeschlossen, er starb zwei Tage später.

Wer war wer in DDR

Eschert, Jürgen

* 24.8.1941

Geb. in Magdeburg; Ausbildung zum Modelltischler; 1950 – 54 Schwimmer in Magdeburg; seit 1955 Training im Kanu-Slalom beim ASK Vorwärts Potsdam; 1962 – 74 SED; 1964 Olympiasieger u. 1965 EM-Dritter im C 1; 1965 Beendigung der sportl. Laufbahn; Studium an der Pädagog. HS Potsdam u. Trainer beim ASK Vorwärts Potsdam; NVA, Hptm.; 1975 wegen »unerlaubter Kontakte zu Bürgern der Bundesrep. Dtl.« aus dem ASK ausgeschl. u. Berufsverbot als Trainer; Dipl.-Lehrer an der Ing.-Schule für Bauwesen in Potsdam; Prom. zum Dr. päd.; Verdienter Meister des Sports; nach 1989 Versicherungsvertreter in Potsdam; Teammanager des Kanu-Clubs im OSC Potsdam.Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Esser, Barbara

* 17.2.1902 – ✝ 2.6.1952

Geboren als Barbara Kunz am 17. Februar 1902 in Marpingen, Buchbindearbeiterin in Essen. 1928/29 besuchte sie einen Kurs in Moskau und wurde Gauführerin des RFMB. Im September 1930 im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt, dem sie bis 1932 angehörte. Sie war die Frau von Joseph Esser, lebte aber getrennt von ihm. 1931 gehörte sie zum Vorstand der RGO-Ruhr. 1933/34 war Barbara Esser in einem Verfahren wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« angeklagt, wurde aber am 4. Juni 1934 vom 4. Senat des VGH »mangels Beweisen« freigesprochen. Wieder Betriebsarbeiterin, lebte sie seit 1938 mit dem früheren Gewerkschaftsangestellten Hermann Braun zusammen. Politisch trat sie nicht mehr hervor. Barbara Esser starb am 2. Juni 1952 in Berlin-Wittenau.

Wer war wer in DDR

Ettel, Bernd

* 31.7.1949

Geb. in Köthen; 1968 Abitur; NVA; 1970 – 74 Architekturstudium an der HAB Weimar, Abschluß als Dipl.-Ing.; anschl. dort Forschungsstudium; 1978 – 84 Arbeit als wiss. Mitarb. der DBA, Inst. für Städtebau u. Architektur; 1980 Prom., Dr.-Ing.; gem. mit  Christian Enzmann Teiln. an mehreren Architekturwettbewerben: 1980 Friedrichstraße-Süd (2. Preis), 1983/84 Prinz-Albrecht-Gelände Berlin (West) u. »Wohnen morgen« (internat.), 1984 Bersarinplatz Berlin; Juni 1984 verhaftet u. für die drei letztgenannten Wettbewerbsarbeiten, in denen mittels architekton. Inszenierungen versucht wird, eine zeichenhafte Interpretation totalitärer Machtstrukturen zu geben bzw. die DDR als »Überwachungsstaat« zu beschreiben, wegen »öffentl. Herabwürdigung« u. »illeg. Verbindungsaufn.« angeklagt, 1985 zu 33 Mon. Gefängnis verurteilt; 1986 »Freikauf« u. Ausreise in die Bundesrep. Dtl. (Stuttgart). Seit 1991 gemeinsames Planungsbüro mit  Christian Enzmann in Berlin-Kreuzberg.Wolfgang Kil

Wer war wer in DDR

Ewald, Manfred

* 17.5.1926 – ✝ 21.10.2002

Geb. in Podejuch (Krs. Randow, Vorpomm./ Podjuchy, Polen); Vater Schneider; Nationalpol. Erziehungsanstalt, Volksschule; 1940 – 43 Ausbildung zum Verw.-Angest. in Stettin, anschl. im Beruf tätig; illeg. pol. Arbeit in der Gruppe Empacher-Krause; 1944 in deren Auftrag NSDAP-Eintritt; Juni 1944 – Febr. 1945 Wehrmacht, verwundet; sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; 1946 FDGB; KPD-Mitbegr. in Podejuch, Stettin u. Löcknitz; Aussiedl. nach Greifswald; dort Ltr. des antifa. Jugendaussch.; 1946 SED, FDJ, 1946 – 48 FDJ-Krs.-Sekr. in Greifswald, ab 1947 Mitgl. des ZR der FDJ; ab Juli 1948 Sportfunktionär, Teiln. an der Vorbereitung der DS-Gründung; Okt. 1948 – 52 Sekr. des DS; 1952 – 60 Staatssekr. u. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport beim Min.-Rat; ab 1957 Mitgl. des DTSB-BV; 1957/58 Studium an der PHS; 1960/61 Vizepräs., 1961 – 4.11.1988 Präs. des DTSB (Nachf. von  Rudi Reichert); ab 1963 Mitgl. des ZK der SED; 1963 – März 1990 Abg. der Volkskammer, seit 1971 stellv. Vors. ihres Jugendaussch.; 1964 bei den Olymp. Spielen Chef der Gesamtdt. Mannschaft; 1967 Dipl.-Sportlehrer; 1973 – Jan. 1990 Präs. des NOK der DDR (Nachf. von  Heinz Schöbel); VVO; Ehrenspange zum VVO; 1976 u. 1988 KMO; Held der Arbeit; Jan. 1990 Ruhestand. Ab 2.5.2000 in Berlin angeklagt wegen »Beihilfe zur Körperverletzung durch Doping in 142 Fällen«; Verurteilung vom Landgericht Berlin zu 22 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Beihilfe zur Körperverletzung in 20 Fällen; gest. in Dahmsdorf (b. Potsdam). E. hat neben  Rudolf Hellmann die Sportpolitik der DDR maßgebl. geprägt.Ich war der Sport: Wahrheiten und Legenden aus dem Wunderland der Sieger (interviewt von Andert, R.). Berlin 1994. Teichler, H.-J.: Die Sportbeschlüsse des Politbüros. Köln 2002.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Exner, Gerhard

* 12.11.1919 – ✝ 26.3.1989

Geb. in Stolzenberg (Krs. Lauban, Niederschles./Wyręba, Polen); Vater Bauer; Volksschule- u. ländliche Fortbildungsschule; Landarb. u. landw. Gehilfe; 1939 – 45 Wehrmacht; April – Juni 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 Landarb. in Krippehne (Krs. Eilenburg); 1945/46 SPD/SED; 1.9.1945 Eintritt in die DVP; 1945 – 47 Schutzpolizist im VPKA Eilenburg; 1947/48 Ltr. des Polizeiamtes in Kahla; 1948 Abt. Ltr. Schutzpolizei im VPKA Stadtroda; 1948/49 Ltr. des VP-Reviers in Suhl; 1949/50 Lehrgang auf der VP-Schule in Kochstedt; 1955 – 59 Fernstudium an der ASR Potsdam, Dipl.-Rechtswiss.; 1950 Ltr. der Abt. S 1 (Org. u. Einsatz der Schutzpolizei); 1.10.1952 – 57 Stellv. des Ltr. der HA Schutzpolizei in der HVDVP; VP-Inspekteur, Oberst; 1958 – 60 pol. Mitarb. des ZK der SED; Mitgl. der Kontrollgr. des NVR; 1958 Banner der Arbeit; 1959 VVO; 30.4.1960 – 64 Ltr. der Kontrollgr. des NVR; 1964 – 67 Ltr. der Verw. Kader des Min. des Innern; 1.7.1964 Gen.-Major; 1966 Prom. zum Dr. jur.; 1968 zunächst Mitarb. der Hist. Abt. des Min. des Innern; anschl. bis 1982 Ltr. der Staatl. Archivverw.; 1974 VVO. AnH F

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Fabisch, Ernst

* 12.11.1910 – ✝ 1943

Geboren am 12. November 1910 in Breslau; Ingenieur. Mitglied der deutsch-jüdischen bündischen Jugend, trat um 1930 der KJO, der KPO-Jugendorganisation, in Breslau bei. Dann arbeitete er bei Siemens in Berlin und finanzierte so sein Studium für Hoch- und Tiefbau an der TH. Nach 1933 illegale Arbeit als führender Funktionär der KJO. Er entging 1934 der ersten Verhaftungswelle und floh in die âSR, von dort weiter in die Sowjetunion, wo er am Bau eines Kraftwerks bei Stalinsk beteiligt war. 1937 geriet Fabisch in die Säuberungswelle und wurde nach sechs Monaten Haft in Moskau nach Deutschland abgeschoben. Sein letztes Lebenszeichen kam aus Warschau, datiert vom 13. Januar 1938 an eine Genossin in der Emigration: »Hoffentlich erreicht Dich dieser Brief noch, ich habe ja keine Ahnung, wo Du jetzt bist. Hinter mir habe ich sechs Monate Untersuchungshaft in Moskau – sechs Monate, in denen ich Dinge durchgemacht und miterlebt habe, die sich nicht beschreiben lassen. Jetzt bin ich abgeschoben ?wegen konterrevolutionärer Tätigkeit?, gleich mir eine Unmasse Deutscher, die ebensowenig auf dem Kerbholz haben. Mit Walross konnte ich keine Verbindung bekommen, auch über Hans Beck weiß ich nicht Bescheid. Weiß nur, daß er bis zum 10.September noch in Untersuchung saß. Befürchte das Schlimmste. Auch für seine Frau, die die russische Staatsbürgerschaft annahm, wobei man ihr sagte, daß auch Hans sie bekommt (während des Arrestes!). Ich fahre morgen nach Deutschland, obwohl ich nicht weiß, wie das ausläuft, aber zu allem anderen habe ich keine Neigung. Versuche irgendwie vorsichtig mit Br. [Breslau] Fühlung zu bekommen und zu erfahren, wo ich bin! Was in der SU vorgeht, ist ungeheuerlich. Alles, was nur halbwegs einen Kopf hat, sitzt. Die Untersuchungsmethoden lassen sich nicht beschreiben. Ich bin ohne jede Nachricht, und vieles, vieles fehlt mir zum Verständnis alles Vorgefallenen.« Fabisch wurde an der deutschen Grenze verhaftet, in einem Prozeß zu längerer Zuchthausstrafe verurteilt und kam später in ein KZ. Tuberkulosekrank wurde er nach Auschwitz transportiert. Dort wurde Ernst Fabisch nach einigen Wochen 1943 ermordet.

Wer war wer in DDR

Falcke, Heino

* 12.5.1929

Geb. in Riesenburg (Westpr./Prabuty, Polen); Vater Oberstudienrat; Gymnasium in Königsberg. 1946 Abitur in Seehausen (Altmark); ab 1946 Studium der Theol. in Göttingen, Berlin u. Basel; dort ab 1950 Assistent bei Karl Barth u. Mitarb. an dessen »Kirchl. Dogmatik«; 1956 Assistent bei Heinrich Benkert an der Univ. Rostock; 1958 Prom. mit der Arbeit »Die Gesellschaftslehre des jungen Friedrich Schleiermacher«; 1958 – 63 Pfarrer in Wegeleben (Krs. Halberstadt), hervorgetreten im Streit um die Kindertaufe; unter Förderung von Bischof J. Jähnicke Mitarb. an staatskrit. Texten, u. a. »Zehn Artikel zu Dienst u. Freiheit der Kirche« (1963); 1961 Habil. zu Schleiermacher; 1963 – 73 Rektor des Predigerseminars der Ev. Kirche der Union in Gnadau; 1972 zur Tagung der Synode des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR (BEK) in Dresden aufsehenerregendes Referat »Christus befreit, darum Kirche für andere«, in dem er für die Diskussion um das Verhältnis Kirche u. Staat die Begriffe »krit. Solidarität«, »konkret unterscheidende Mitarb.« sowie »verbesserl. Kirche im verbesserl. Soz.« prägte, anschl. scharfe Angriffe von staatl. u. kirchl. Seite wegen »Dubčekismus«; in der Folge wurde F. zum führenden Exponenten einer staatskrit. Theol. in der DDR; 1973 Propst in Erfurt u. bis 1987 Vors. des Aussch. »Kirche u. Ges.« beim BEK in Berlin; langjähriger Synodaler des BEK u. der Kirchenprovinz Sachsen; 1984 Dr. h. c. der Univ. Bern; Mitarb. in der Kirchentagsbew., u. a. umstrittene Reden auf den Kirchentagen 1978, 1983, 1988; Förderer opp. Gruppen in der Kirche; 1983 als Vertreter der unabh. Friedensbew. der DDR Redner auf der großen Friedensdemonstration in Bonn; 1984 Dr. h. c. der Univ. Bern; Initiator des konziliaren Prozesses, die Forderung Bonhoeffers von 1934 nach einem allchristl. Friedenskonzil wiederaufnehmend; 1988/89 stellv. Vors. der ökumen. Vers. für Gerechtigkeit, Frieden u. Bewahrung der Schöpfung, Teiln. an zahlr. ökumen. Konferenzen; vom MfS im OV »Milan« erf., zahlr. Zersetzungaktivitäten mit dem Ziel, F. in den kirchenleitenden Gremien zu isolieren; 1989/90 Engagement in der Bürgerbew. u. bei der Auflösung des MfS; Vors. des Runden Tisches im Bez. Erfurt; Kritiker des schnellen kirchl. u. staatl. Vereinigungsprozesses. 1991 – 97 Mitgl. der Synode der EKD; 1994 Ruhestand; lebt in Erfurt.Vom Gebot Christi, daß die Kirche uns die Waffen aus der Hand nimmt u. den Krieg verbietet. Stuttgart 1986; Mit Gott Schritt halten. Reden u. Aufsätze eines Theol. in der DDR aus 20 Jahren. Berlin 1986; Die unvollendete Rev. Stuttgart 1992. Findeis, H., Pollack, D. (Hrsg.): Selbstbewahrung oder Selbstverlust. Berlin 1999.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Fanghänel, Egon

* 25.6.1935

Geb. in Waldheim (Sachsen); Vater Krankenpfleger; Abitur; 1953 – 58 Chemiestudium an der TH Dresden; anschl. Assistent am Inst. für organ. Chemie; 1962 Prom.; Oberassistent; 1968 Habil. mit Untersuchungen zur Synthese u. synthet. Verwertbarkeit von 1,3-Dithiol-2-thionen; Doz. für organ. Chemie an der TH für Chemie Leuna-Merseburg (THC); 1968 – 70 Forschungs- u. Lehrtätigkeit am Centro Nacional de Investigaciones Científicas Havanna; 1971 ord. Prof. an der THC; 1975 – 77 Industrietätigkeit im Fotochem. Kombinat ORWO Wolfen; 1977 – 90 Ltr. des Problemlaboratoriums Chemie der Informationsaufzeichnung an der THC, 1979 – 84 Sektionsdir.; 1981 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW; 1983 NP; 1985 Forschungsaufenthalt an der Columbia University New York; 1985 – 88 Vors. (Nachf. von Burkhard Philipp), 1988 – 90 stellv. Vors. der Chem. Ges.; 1989 Mitgl. im Council der Föderation der Europ. Chem. Gesellschaften; 1990-92 Rektor der THC Merseburg (Nachf. von  Margit Rätzsch). Nach Fusion der THC mit der MLU Halle Mitarb. am Inst. für Chemie der MLU Halle; 2000 Ruhestand, anschl. am Technol.- u. Gründerzentrum Wolfen tätig; lebt in Halle. Hauptarbeitsgebiete: organ. Schwefelchemie, organ. Festkörperchemie mit ungewöhnl. physikal. Eigenschaften, Heterocyclensynthese, organ. Fotochemie u. Informationsaufzeichnung; Mithrsg. des »Journal of Information Recording Materials«; mehr als 200 Publ., etwa 100 Patente.Einführung in die chem. Laboratoriumspraxis. Leipzig 1992.Klaus-Peter Meinecke / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Fascher, Erich

* 14.12.1897 – ✝ 23.7.1978

Geb. in Göttingen; Vater Kfm.; 1916 Abitur; 1916 – 23 Studium der Theol. in Göttingen; 1924 Prom., 1926 Habil. in Göttingen; anschl. Privatdoz. in Marburg; 1930 Prof. für Neues Testament in Jena; nach Auseinandersetzungen mit nationalsoz. Studenten wegen Kritik an Rosenbergs »Mythos des 20. Jhs.« im März 1937 Strafversetzung nach Halle. Sept. 1945 Mitgr. der CDU in Halle; CDU-Fraktionsvors. im Landtag der Provinz Sachsen; 1946 stellv. Vors., 1948 Vors. des CDU-Landesverb. Sachsen-Anh. u. Mitgl. im CDU-HV; aufgrund von Protesten gegen Dominanz u. Willkür von SMAD u. SED 1950 Verlust der Parteiämter u. Strafversetzung nach Greifswald; ab 1954 Prof. an der theolog. Fak. der HU Berlin; sorgte ab 1958 bis zur Em. 1964 als Dekan für die Erhaltung eines theolog. Pluralismus an der Fak.; Mitgl. der Internat. Ges. zum Studium des Neuen Testaments, Mitgl. der Internat. Religionswiss. Ges.; gest. in Potsdam.Gott u. die Götter. Festgabe für E. F. zum 60. Geburtstag. Berlin 1958; Sokrates u. Christus. Leipzig 1959; Frage u. Antwort: Studien zur Theol. u. Religionsgeschichte. Berlin 1968; Das Evangelium nach Johannes. Berlin 1978. Richter, M.: Die Ost-CDU 1948 –1952. Zwischen Widerstand u. Gleichschaltung. Düsseldorf 1991.Manfred Agethen

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fehler, Karl

* 24.3.1905 – ✝ 23.6.1941

Geboren am 24. März 1905 in Frankfurt am Main, Sohn einer Arbeiterfamilie; Holzarbeiter, Mitglied der SAJ, 1921 im KJD, ab 1925 in der KPD. Nach ehrenamtlichen Funktionen wie Kassierer usw. dann hauptamtlicher Funktionär der KPD-BL Hessen-Frankfurt. Im Sommer 1928 in die Sowjetunion beordert, wurde er nach seiner Rückkehr Mitarbeiter des AM-Apparates der BL Hessen-Frankfurt. Als Fehler am 12. März 1933 in die Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt am Main gewählt wurde, war er Leiter des AM-Apparates der BL Hessen-Frankfurt und koordinierte dann als Oberbezirksleiter die illegale Arbeit für Südwestdeutschland. Er arbeitete eng mit Karl Jakobi, dem neuen Polleiter der illegalen BL zusammen. Am 1. Mai 1934 festgenommen, wurde er am 10. August 1934 durch das OLG Kassel zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. 1939 aus dem Zuchthaus Kassel-Wehlheiden entlassen. Am 23. Juni 1941 erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt, wo Karl Fehler am 19. Dezember 1941 ermordet wurde. Seine Frau Anna Fehler, geborene Büchler (*14. 12. 1905 – † 28. 3. 1959), war Verkäuferin und Weißnäherin. Seit 1921 Mitglied der KJD, ab 1927 der KPD, 1933 illegale Arbeit für die Partei. Sie wurde festgenommen, nach einigen Tagen wegen einer Schwangerschaft entlassen, flüchtete nach Saarbrücken, anschließend nach Paris und im September 1935 in die Sowjetunion. Im März 1938 vom NKWD inhaftiert und zu fünf Jahren Lager verurteilt, 1942 nochmals zu fünf Jahren Lager. Ende 1947 entlassen, zog sie zu ihren beiden Kindern (Lydia * 30. 4. 1929 und Karl * 13. 10. 1934) in das Internationale Kinderheim nach Iwanowo. Hier arbeitete sie im Krankenhaus, mußte wegen Wirbeltuberkulose selbst bis Februar 1954 ins Krankenhaus. Anfang 1955 Ausreise in die DDR, wo sie im November 1955 durch die ZPKK geheim »rehabilitiert« wurde. Michael Bermejo veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Karl Fehler.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Feilen, Jean Baptist

* 29.5.1904 – ✝ 25.12.1991

Geboren am 29. Mai 1904 in Roßlingen/Lothringen, Sohn einer Bergarbeiterfamilie; 1911 Umzug ins Ruhrgebiet, Bergmann. Seit 1920 in der KJD und der KPD, Funktionär im Rheinland. 1931 Absolvent der Reichspartei- schule, anschließend Redakteur der »Aachener Arbeiterzeitung«, einem Kopfblatt der »Sozialistischen Republik«. 1932 Kursant an der M-Schule in Moskau, danach Leiter der militärpolitischen Abteilung der KPD-BL Mittelrhein in Köln und Mitglied des Sekretariats der BL. 1933 in Köln festgenommen, zehn Monate nach der Freilassung erneut verhaftet, war er bis 1945 Häftling in den KZs Esterwegen und Buchenwald und war u. a. Kapo in der Lagerwäscherei. Im April 1945 verantwortlich für einen Rückführungstransport von Häftlingen nach Köln. Feilen war dann bis 1949 Beamter der Landesverwaltung bzw. der Landesregierung Thüringens. Er kam 1947/48 mit Sonderauftrag des ZS der SED als Berater zur KPD-Fraktion im Wirtschaftsrat in Frankfurt/Main. Später Personalleiter in der VVB Kupfer und Zink in Halle, bis 1957 Leitender Angestellter verschiedener Ministerien und bis 1967 Handelsrat an der DDR-Botschaft in Jugoslawien. Seit 1973 im Generalrat des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora. Jean Baptist Feilen starb am 25. Dezember 1991 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Erxleben, Günter

* 15.4.1909 – ✝ 29.3.2005

Geb. in Berlin; Vater Eisenbahnbetriebsass., Mutter Dienstmädchen; Volks- u. Aufbauschule; kaufm. Lehre; Bauhilfsarb. u. Filmkopierer; 1924 Naturfreunde, 1925 ZdA u. KJVD, 1930 KPD: Mitarb. u. Instrukteur, zuletzt Mitgl. der KJVD-BL Berlin-Brandenburg; 1933 illeg. Tätigkeit (Deckname »Harry«); Okt. 1933 verhaftet, Jan. 1934 wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt (Papenburger Moor, Oberlangen); Mai 1936 entlassen; 1936 – 42 zunächst Bauarbeiter, dann Filmtechniker bei der Eruka-Schmalfilm Rassow & Co in Berlin-Weißensee; Herbst 1939 erneut verhaftet, nach mehrwöchiger Haft entlassen; 1943 Strafbat. 999, Einsatz in Griechenl. (Mitgl. der illeg. Ltg. der Widerstandsgr. Rhodos im Strafbat.); Mai 1945 – Febr. 1947 brit. Kriegsgef. in Ägypten. 1947 Rückkehr nach Dtl., SED u. FDGB; 1947 – 50 Red. in der FDGB-Ztg. »Tribüne«, 1951 – 53 Chefred. der Wochen- bzw. Tagesztg. »Tribüne« (Nachf. von  Jacob Walcher); März 1953 Abberufung als Chefred. u. Mitgl. des Sekr. des FDGB-Bundesvorst. (wg. eines Druckfehlers bei der Nachricht über Stalins Tod); 1950 – 63 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1953 – 69 Ltr. des Tribüne-Verlags, 1967 Fachschulabschluß als Journalist; 1969 Banner der Arbeit; gest. in Berlin.Hans Burckhardt, G. E., Kurt Nettball: Die mit dem blauen Schein. Über den antifaschistischen Widerstand in den 999er Formationen der faschistischen deutschen Wehrmacht (1942 – 1945). Berlin 1986.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Eschke, Siegfried

* 11.10.1933

Geb. in Chemnitz; Vater Angest.; Grundschule; 1949 FDJ; Lehre u. Arbeit als Fernmeldemonteur; 1952 Studium an der Ingenieurschule Mittweida; 1952 – 54 Kursant an der Offiziersschule Kamenz, 1954/55 Ing. für Funk in der VP-Dienststelle Bautzen; 1955 SED; 1955 – 61 Offiziershörer an der Militärakad. »Shukowski« in der UdSSR, Dipl.-Ing. für Elektro- nik; 1961 – 63 Oberoffizier Funk / Funkmeß der 3. Luftverteidigungsdiv.; 1963/64 Stellv. bzw. Ltr. der Reparatur-Abt. u. 1964 – 69 Ltr. des Instandsetzungswerks Pinnow; 1969/70 Sonderlehrgang an der HfÖ Berlin; 1970 Ltr. des Instandsetzungswerks Pinnow; 1971 – 76 1. Stellv. u. ab 1976 GD des Rüstungsbetriebs VEB Kombinat Spezialtechnik Dresden, Sept. 1990 entlassen; 1974 Oberst, 1984 Gen.-Major.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Esser, Engelbert

* 11.8.1885 – ✝ 8.11.1947

Geboren am 11. August 1885 in Köln, Sohn einer Näherin und eines Schreiners; Eisendreher. Esser trat erstmals 1928 als Kandidat der KPD für den Preußischen Landtag hervor, im März 1929 wurde er Mitglied der BL Mittelrhein. Zunächst Betriebsratsvorsitzender in einer Kölner Lackfabrik, dort Anfang Januar 1932 entlassen. Ab 1929 war Esser Stadtverordneter in Köln. Im August 1931 als Nachrücker für Anton Krzikalla im Wahlkreis Köln-Aachen in den Reichstag entsandt, dem er bis 1932 angehörte. Er war im RGO-Bezirkskomitee aktiv und wurde nach 1933 in »Schutzhaft« genommen. Am 12. November 1935 vom OLG Hamm zu 14 Monaten Gefängns verurteilt. Esser wurde im Juni 1941 erneut verhaftet, ins KZ Sachsenhausen überführt und Mitte Februar 1945 ins KZ Mauthausen verlegt. Hier von amerikanischen Truppen am 5. Mai 1945 befreit. Wieder Mitglied der KPD, starb Engelbert Esser am 8.November 1947 in Bingen/Rhein während der 1. Landestagung der VVN. 2005 veröffentlichte Marion Goers eine biographische Skizze über Engelbert Esser.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eulert, Karl Louis

* 22.9.1884 – ✝ 21.10.1967

Geboren am 22. September 1884 in Göttingen. Nach dem Studium Mitglied der SPD, schloß er sich im Krieg der Spartakusgruppe an und nahm als Delegierter Göttingens am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Als Redakteur der Hamburger »Kommunistischen Arbeiterzeitung« wandte er sich bei den Auseinandersetzungen 1919 gegen die Hamburger linke Opposition, die spätere KAPD. Er war Delegierter des III. und IV. Parteitages der KPD 1920. Nach heftigen Meinungsverschiedenheiten wurde Eulert im Herbst 1920 vom Bezirk Nord seiner Funktion enthoben, dann ausgeschlossen. Der V. Parteitag im November bestätigte seinen Ausschluß u. a., weil Eulert erklärt hatte, der Kapitalismus könne die Krise überwinden. Später spielte er in der aktiven Politik keine Rolle mehr, hielt aber weiterhin Verbindung zu linken Kreisen. Karl Louis Eulert starb am 21.Oktober 1967 in Göttingen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ewert, Alma

* 4.10.1894 – ✝ 16.1.1968

Geboren am 4. Oktober 1894 in Neu-Miltzow/Kreis Grimmen in Pommern, Tochter eines Schmieds. Zunächst Kochmamsell, kam sie Ende 1909 nach Hamburg und arbeitete in einer Röntgenröhrenfabrik, später als Stenotypistin. Sie trat 1911 der SPD und 1920 der KPD bei, nahm am Hamburger Aufstand teil. Seit 1924 Stenotypistin im Parteibüro der KPD und zugleich Frauenleiterin der BL Wasserkante. 1925 gehörte sie zur ersten deutschen Arbeiterdelegation, die in die Sowjetunion reiste. Vom X. KPD-Parteitag 1925 in die Gewerkschaftskommission gewählt, führte sie 1925/26 das Kinderheim der Roten Hilfe in Worpswede. In den Jahren von 1925 bis 1929 Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft, leitete sie als Mitglied der KPD-BL Wasserkante auch den Roten Frauen- und Mädchenbund, gab diese Funktion allerdings 1928 wegen Schwierigkeiten mit der Partei auf. 1928 Delegierte des 6. RGI-Kongresses in Moskau, trat sie dann wenig in Erscheinung. Alma Ewert besuchte im November 1931 einen Lehrgang der kommunistischen Parteischule in Berlin-Fichtenau und übte dann kleinere Funktionen aus. Im Juli 1933 von den Nazis festgenommen, saß sie bis März 1934 im Zuchthaus Lauenhof, wurde 1937 und 1938/39 von der Gestapo erneut verhaftet und mehrere Monate im Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel festgehalten. Alma Ewert, später verheiratete Soltau, verlor im Krieg ihren Mann und ihren Sohn. Nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in Hamburg wieder Mitglied der KPD und der VVN. Zeitweise beim Hamburger Arbeitsamt beschäftigt, trat sie öffentlich nicht mehr auf. Alma Ewert(-Soltau) starb am 16. Januar 1968.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Eyermann, Richard

* 6.2.1898 – ✝ 29.7.1971

Geboren am 6. Februar 1898 in Salzungen; Metallschleifer, dann Eisenbahn- und Rangierarbeiter. 1916 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der USPD und Mitbegründer der USPD-Ortsgruppe Bad Salzungen, 1920 Mitglied der KPD, 1922 Betriebsratsvorsitzender. Er saß von November 1923 bis Februar 1924 in »Schutzhaft« in Eisenach. Im Herbst 1924 kam Eyermann als Listennachrücker für Theodor Neubauer in den Thüringer Landtag, dem er bis 1932 angehörte. Von 1925 bis 1933 war er Sekretär des UBL Bad Salzungen, Jena und Erfurt, ab 1924 Mitglied der BL Groß-Thüringen. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten schloß sich Eyermann zunächst diesen an, vertrat dann aber zusammen mit Richard Zimmermann die Linie des ZK. Von acht KPD-Abgeordneten im Thüringer Landtag gingen sechs zur KPO, nur Eyermann und Zimmermann blieben in der KPD. Nach Übersiedlung der BL von Jena nach Erfurt 1930 wurde er zunächst Agitpropsekretär, 1931 Orgleiter. Ab Februar 1933 illegale Arbeit. Das ZK entsandte ihn und Walter Duddins Anfang März 1933 nach Sachsen, wo Eyermann als Orgleiter die Partei neu aufbauen sollte. Im April 1933 verhaftet, kam er bis Dezember 1934 ins KZ. Im Januar 1937 erneut festgenommen und im Mai 1937 zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, bis August 1938 im Gefängnis. Von 1939 bis 1944 Verladearbeiter, hatte Verbindung zur Thüringer kommunistischen Neubauer-Poser-Gruppe. Im September 1944 wieder festgenommen und bis April 1945 im KZ Buchenwald. Eyermann gehörte 1945/46 zur KPD-BL Thüringen, wurde im Herbst 1946 MdL und Vorsitzender der SED-Fraktion. Im Januar 1949 Vorsitzender der LPKK in Thüringen, und von 1950 bis 1969 Kandidat der ZPKK. Zum 70. Geburtstag erhielt er den Karl-Marx-Orden. Richard Eyermann starb am 29.Juli 1971.

Wer war wer in DDR

Faensen, Hubert

* 29.12.1928

Geb. in Sandau (Krs. Böhmisch Leipa, Nordböhmen / Žandov, Tschechien); OS, Abitur; 1943 – 45 Luftwaffenhelfer. 1946 CDU; 1947 – 49 Studium der Sozialwiss. an der Univ. Rostock; 1949 – 52 Volontär bzw. Red. der CDU-Ztg. »Der Demokrat« (Schwerin); 1952 – 55 Studium der Philos. u. Kunstgeschichte an der HU Berlin, Dipl.-Phil.; zugl. bis 1960 Mitarb. des CDU-Zentralorgans »Neue Zeit« u. wiss. Mitarb. des CDU-HV; Aspirantur an der HU Berlin; 1959 Prom. zum Dr. phil. mit der Diss. »Der Formbegriff bei Konrad Fiedler«; 1960 stellv. Cheflektor, 1961 – 82 Dir. des Union Verlags, 1961 – 90 auch des Verlags Koehler & Amelang Leipzig; Lehraufträge an der HU Berlin zur Kunstgeschichte, insbes. zur Geschichte der altruss. Kunst; 1973 Habil. an der HU Berlin; 1981 Wilhelm-Bracke-Medaille; 1982 – 92 ord. Prof. für Kunstgeschichte an der HU Berlin, zuletzt als Dekan; Lehre, Forschung u. Publ. zur frühchristl., byzantin., osteurop. u. kaukas. Kunst u. zu Geschichte u. Methodol. der Kunstgeschichte; Hrsg. von Dürers Schriftl. Nachlaß (Leipzig 1962), der Bildkalender zur Kunst der Ostkirchen (1968 – 90) sowie der Kulturhist. Reihe (100 Bde.) im Verlag Koehler & Amelang; 1982 – 89 Mitgl. des CDU-HV.Hightech für Hitler. Die Hakeburg – Vom Forschungszentrum zur Kaderschmiede. Berlin 2001. Barsch, T., Meiner, J.: Kunst, Kontext, Geschichte: Festgabe für H. F. zum 75. Geburtstag. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Falkenhagen, Hans

* 13.5.1895 – ✝ 26.6.1971

Geb. in Wernigerode; Vater Holzschnitzer; Abitur; 1913 – 21 Studium der Naturwiss. in Heidelberg, München u. Göttingen; hier 1921 Prom. mit einer Arbeit auf dem Gebiet der Physik; seit 1922 an der Univ. Köln; 1924 Habil.; 1930 a. o. Prof.; 1936 Übersiedl. nach Dresden; ab 1936 Dir. des Inst. für Theoret. Physik; mehrere Forschungsaufenthalte in den USA; 1933 NSDAP; 1939/40 Wehrmacht. Bis 1948 als freier Schriftst. tätig, u. a. Publ. mit physikhist. Studien; 1948 Berufung zum Lehrbeauftr., 1949 zum ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Theoret. Physik der Univ. Rostock; begründete hier eine der wichtigsten Schulen der Theoret. Physik in der DDR mit Forschungen bes. zur Struktur der Flüssigkeiten u. zur Theorie elektrolyt. Lösungen; 1955 Ord. Mitgl. der DAW; NP; gest. in Rostock.Die Naturwiss. in Lebensbildern großer Forscher. Stuttgart 1948; Elektrolyte. Leipzig 1953.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Fanselau, Gerhard Rudolf

* 30.4.1904 – ✝ 28.4.1982

Geb. in Leipzig; Vater Postbeamter; 1922 – 27 Studium der Physik an der Univ. Berlin, 1927 Prom.; 1927 – 30 wiss. Hilfskraft am Preuß. Meteorolog. Inst.; 1930 – 33 wiss. Angest. im Magnet. Observatorium (ab 1937 Geophysikal. Inst.) Potsdam-Seddin; 1933 – 50 Ltr. des zum Geophysikal. Inst. gehörenden Adolf-Schmidt-Observatoriums für Erdmagnetismus in Niemegk (b. Belzig); 1935 Habil. an der Univ. Berlin. 1950 – 69 Dir. des Geophysikal. Inst., das 1957 als Geomagnet. Inst. Bestandteil der DAW wurde; 1950 Prof. mit Lehrauftrag, 1954 mit vollem Lehrauftrag an der HU Berlin sowie ord. Prof. für allg. Geophysik an der KMU Leipzig; 1969 em.; 1955 – 66 Vors. der Gewerkschaft Wiss. im Bez. Potsdam; 1969 em.; gest. in Potsdam. Verf. von ca. 200 wiss. Publ.; maßgebl. an der Entdeckung der Induktionsanomalien im Erdkörper u. an der magnet. Landesvermessung der DDR beteiligt; entwickelte die »Fanselau-Spule« u. die magnet. Feldwaage; langjähriger Mithrsg. von »Gerlands Beiträgen zur Geophysik«; Mitgl. versch. in- u. ausländ. wiss. Ges. u. Gremien, u. a. des Nationalkomitees für Geodäsie u. Geophysik u. der Ungar. Geophysikal. Ges.Klaus-Harro Tiemann

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Faust, Siegmar

* 12.12.1944

Geb. in Dohna (Sachsen); Vater Zypriot, Mutter techn. Zeichnerin, Pflegevater Prod.-Arbeiter u. Ing.-Ökonom; Abitur; 1964 Kand. der SED; 1965/66 Studium der Fächer Kunsterziehung u. Geschichte an der KMU Leipzig; Bewährung in der Prod.; Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« Leipzig, 1968 zweite Exmatrikulation aus pol. Gründen; versch. Hilfsarbeitertätigkeiten; ab 1968 beim MfS als OV »Literat« erf.; 1971/72 U-Haftanstalt des MfS Leipzig wegen »staatsfeindl. Hetze«, Amnestie; Anzeige gegen das MfS, Ausreiseanträge; erneute Inhaftierung wegen »staatsfeindl. Hetze«, Verurteilung zu 54 Mon. Freiheitsentzug; 1974 – 76 Strafvollzug Cottbus; dort Hrsg. der handgeschriebenen Häftlingsztg. »Armes Dtl.«, dafür über 400 Tage Kellereinzelhaft; Interventionen aus dem In- u. Ausland bewirkten vorzeitige Entlassung; Aufnahme im Freundeskrs.  Wolf Biermanns u.  Robert Havemanns; 1976 Übersiedl. nach Berlin (West); freiberufl.; 1979 sechsteilige ZDF-Spielserie »Freiheit, die ich meine«; Chefred. der Ztschr. »DDR heute« u. »Christen drüben«; Unterstützung der Bürgerrechtsbew.; als OV »Mephisto« beim MfS erf.; nach 1989 Übersiedl. nach Berlin (Ost). Vizepräs. des Freien Dt. Autorenverb.; Ref. beim Landesbeauftr. für die Stasi-Unterlagen in Berlin; Lit.-Preis des Ostdt. Kulturrats; versch. Stipendien; 1997 in Dresden Gründer des Vereins »Erkenntnis durch Erinnerung«; 1996 – 99 Landesbeauftr. für Stasi-Unterlagen des Landes Sachsen in Dresden; führt seit Mai 2008 Besucher durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen; lebt in Berlin.Die Knast- u. Wunderjahre des Faustus Simplicissimus. Berlin 1979; In welchem Lande lebt Mephisto? München 1980; Ich will hier raus. Berlin 1983; Ein Jegliches hat sein Leid. Berlin 1984; Menschenhandel in der Gegenwart. Asendorf 1986; Der Freischwimmer. Sindelfingen 1987; Der Provokateur. München 1999; Wie die SBZ kommunistisch wurde u. im Westen zur kommoden Diktatur geriet. München 2005; Gegen das Vergessen. Zeit-Zeugen im DDR-Museum Pforzheim. Pforzheim 2006.Bernd-Rainer Barth

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Fehrmann, Klaus

* 13.6.1935 – ✝ 22.7.2003

Geb. in Leipzig; Vater Spediteur, Mutter Kontoristin; Grund- u. Oberschule, Abitur; Studium an der KMU Leipzig, 1957 Dipl.-Wirtschaftler; 1957 – 60 Ass. bzw. Ökonom im VEB Thür. Teppichfabriken Münchenbernsdorf; 1960 – 63 persönl. Referent in der VVB Deko Plauen; 1961 SED; 1963 – 65 Ltr. der Abt. Planung in der VVB Deko Plauen; 1965 – 69 dort wiss. Mitarb.; 1967 Ass. des Betriebsdir., 1967 – 69 Betriebsdir. des VEB Tüllgardinen- u. Spitzenwerke Dresden; 1970 / 71 Werkdir. des VEB Plauener Spitze, Werk Dresden; 1972 / 73 Ltr. der Abt. Wiss. Ltg. der VVB Deko Plauen; 1973 / 74 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1973 Prom. zum Dr. oec.; 1974 – 76 Stellv. des GD, 1976 – 90 GD der VVB Deko Plauen bzw. VE Kombinat Deko Plauen (Nachf. von Kurt Schmidt).Andreas Herbst

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Feist, Günter

* 10.2.1929 – ✝ 11.11.2014

Geb. in Frankfurt (Oder); Vater Kraftfahrer, Mutter Reinigungskraft u. Waschfrau; aufgew. in Frankfurt u. Brandenb. (Havel); Volks- u. Handelsschule, Notabschluß; 1944/45 Dienstverpflichtung als Hilfsarb. im Brandenb. Flugzeugwerk Arado. 1945/46 KPD/SED; Mitarb. im Antifa-Jugendaussch. Brandenb. als Vertreter der KPD; 1946 Neulehrerkurs, 1946 – 48 Lehrer, Erste Lehrerprüfung; 1948 – 50 Besuch der Vorstudienabt. bzw. ABF der Berliner Univ., Abitur; 1950/51 Doz. für Dt. an dieser ABF; 1951 – 56 Studium der Geschichte, dann der Kunstgeschichte an der HU Berlin; 1957/58 Aspirant am IfG beim ZK der SED, abgebrochen; 1959 – 66 wiss. Oberassistent im Forschungsauftrag am Kunstgeschichtl. Inst. der HU Berlin u. ltd. Red. des »Lexikons der Kunst« für den Seemann-Verlag in Leipzig; 1959 – 81 Mithrsg. dieses Lexikons; nach dem 13.8.1961 zunehmende pol. Auseinandersetzungen, so 1964 um den Aufsatz »Wir müssen es uns schwerer machen« (in: »Bildende Kunst« (1964) 4, makuliert und neugedruckt, Faks. (1991) 3), in dem sich F. gegen versch. Konzeptionen des PB des ZK der SED sowie des VBKD (z. B. die abwertende Beurteilung von Kunstwerken mittels des Begriffs der Dekadenz) positioniert; Febr. 1966 SED-Austritt gem. mit Ehefrau  Ursula F.; ab 1966 freischaff.; Aug. 1968 Solidaritätsbekundung mit der ČSSR in der Berliner Botschaft; 1968 – 71 Honorarauftrag als Lektor für Kunstgeschichte an der Betriebsakad. der DEFA in Potsdam-Babelsberg; 1971 – 81 mit Ehefrau Ursula F. Betreuung der Graphiksammlung von  Lothar Bolz; seit 1975 Aufträge des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR, u. a. Erarbeitung der Retrospektive zur DDR-Kunst »Weggefährten – Zeitgenossen« u. des zugehörigen Katalogs, nach Abriß der Ausstellung am 1.10.1979 Entschluß zur Ausreise; 1983 Ausreiseantrag, anschl. fakt. Berufsverbot; gelegentl. Arbeiten für den Kunstdienst der Ev. Kirche, für Ev. Akad., die Komparserie der DEFA u. des DDR-Fernsehens, schließl. als Heizer u. Reinigungskraft; 1980 NP; 1987 Ausreise nach Berlin (West); 1989 – 93 Mitarbeit am Museumspädagog. Dienst Berlin. 1992 Mitbegr. des Vereins Kunstdokumentation SBZ/DDR sowie 1993 einer gleichnamigen Arbeitsgr.; gest. in Berlin.(u. Mitarb. von U. Feist) Kunst u. Künstler. Aus drei Jahrzehnten einer dt. Kunstztschr. Berlin 1971; Hans Grundig. Dresden 1979; (mit U. Feist) Russische Graphik des 19. u. 20. Jh. Eine Auswahl aus einer Berliner Privatsammlung. Nürnberg 1977; (u. Mitarb. von E. Gillen) Stationen eines Weges. Daten u. Zitate zur Kunst u. Kunstpol. der DDR 1945 – 88. Berlin (West) 1988, 2. akt. Aufl. (»Kunstkombinat DDR«) 1990; (Hrsg. mit E. Gillen u. B. Vierneisel) Kunstdokumentation SBZ/DDR. Köln 1996. Offer, H., Schroeder, K. (Hrsg.): Eingegrenzt – Ausgegrenzt. Bildende Kunst u. Parteiherrschaft in der DDR. 1961 – 1989. Berlin 2000.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Esch, Arno

* 6.2.1928 – ✝ 24.7.1951

Geb. in Memel (Litauen/Klaipeda); Vater Spediteur; 1934 – 44 Friedrich-Städtische Grundschule, dann Altstädtische Knabenmittelschule in Memel; 1938 – 44 HJ; 1944/45 Kriegshilfsdienst als Marinehelfer in Memel u. Swinemünde. 1945/46 OS in Grevesmühlen; 1946 – 49 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Rostock; 1946 FDJ; LDPD Rostock; 2. Vors. der LDPD-Hochschulgr.; 2. Vors. des Landesjugendbeirates; 1947 Landesjugendref.; 1948 Mitgl. des Geschäftsf. LV; Mitarb. am Parteiprogramm; 1949 Mitgl. des Zentralvorstandes; Nov. 1948 Mitbegr. der Radikal-Sozialen-Freiheitspartei in Rostock, einer Strömung innerhalb der LDPD; 18.10.1949 in Parchim mit fünf weiteren Mitgl. der »Esch-Gruppe« verhaftet; 20.7.1950 vom Sowj. Militärtribunal Schwerin wegen »Verschwörung gegen die Staatsgewalt« zum Tode verurteilt; Haft in der MGB-U-Haftanstalt Rostock u. Schwerin, in den Strafvollzugsanstalten Bautzen u. Moskau; 26.5.1951 vom Militärtribunal des Moskauer Wehrkrs. abermals zum Tode verurteilt; in der UdSSR hingerichtet; am 19.7.1990 wurde vom Militärkolleg. des Obersten Gerichtshofes der UdSSR das Urteil aufgehoben.Köpke, H., Wiese, F.-F.: Mein Vaterland ist die Freiheit. Das Schicksal des Studenten A. E. Rostock 1990; Wiese, F.-F., Bernitt, H.: A. E. Eine Dokumentation. Dannenberg 1994; Wiese, F.-F.: A. E. In: Fricke, K. W., u. a.: Oppos. u. Widerstand in der DDR. München 2002, S. 173-80.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Eschwege, Helmut

* 10.7.1913 – ✝ 19.10.1992

Geb. in Hannover; Vater Lehrer u. Sekr. der Jüd. Gemeinde; 1918 nach Hamburg; dort Talmud-Thora-Schule; Realschule; 1929 – 31 kfm. Ausbildung; 1932/33 Wanderschaft; 1929 – 33 heimliche Mitgliedschaft im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold u. der SPD; 1934 Besuch einer Siedlerschule der Jüd. Gemeinde als Vorber. zur Auswanderung nach Palästina; 1934 Emigr. nach Dänemark; Ausweisung u. Weiterreise nach Riga; 1937 Einreise nach Palästina; Transportarb. u. Arbeiter auf einer Obstplantage; Mitgl. der KP Palästinas; 1942 Freiwilligenmeldung zur brit. Armee; wegen mangelnder Wehrtauglichkeit Zivilarb.; zugl. Vertr. des Moskauer Verlags Kniga. Nach 1945 als Bauarb. u. Zeitungsbote in Nathanja (Palästina); zugl. Betreiber einer dt. Leihbibliothek; 1946 Kurgast in Karlovy Vary (ČSR); von dort mit sudetendt. Antifaschisten nach Dresden umgesiedelt; Kurier in Umsiedlerfragen zwischen Dresden, Berlin u. Prag; 1947 Sichtung u. Rückführung umfgr. Buchbestände aus ehem. jüd.-dt. Privatbesitz von Prag nach Dtl.; 1948 Mitarb. des SED-LV, zuständig für den Aufbau eines hist. Archivs der Arbeiterbew.; 1952 Überführung der Sammlung in das Museum für dt. Geschichte (Berlin); dort Abt.-Ltr.; März 1953 als »Zionist« aus der SED ausgeschl. u. entlassen, 1954 zurückgenommen; 1956 abermals ausgeschl., numehr als »Parteifeind«, dann wiederaufgenommen; 1958 dritter Parteiausschl. wegen seiner Israelreise u. seiner »Drohung«, in die Bundesrep. Dtl. zu gehen; Bibliothekar u. Dokumentarist an der TU Dresden; 1964 – 66 erfolglose Bemühungen um SED-Mitgliedschaft; 1976 degradiert zum Pförtner der TU Dresden wegen »unerlaubten Kopierens von Westlit.«; angesichts zahlr. Besuche aus der Bundesrep. Dtl. wieder als Dokumentarist eingesetzt; seit Mitte der 50er Jahre gegen alle Hindernisse priv. Forschungen zur jüd. Geschichte; beim MfS als OV »Zionist« erf.; 1985 – 89 vom MfS als IM »Ferdinand« erf., wo er als wichtiger Informant über Judentum u. Israel galt; 1984 Ehrung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille der Christl.-Jüd. Ges.; Mitbegr. der SDP Dresden; am 28.6.1990 als Opfer des Stalinismus von der PDS rehabil.; gest. in Dresden.»Kennzeichen J«. Bilder, Dokumente, Berichte. Berlin 1966; Die Synagoge in der dt. Geschichte. Berlin 1980; Geschichte der Juden im Territorium der ehem. DDR. Dresden 1991; Fremd unter meinesgleichen. Erinnerungen eines Dresdner Juden. Berlin 1991. Interview Hajo Funke mit E. In: Ostrow, R.: Jüd. Leben in der DDR. Frankfurt (Main) 1988. Biogr. Porträt Von Menschen u. Büchern oder Kulturpol. auf eigene Faust: H. E. In: Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000; Heinze, C.: Identität u. Geschichte in autobiogr. Lebenskonstruktionen. Wiesbaden 2009.Karin Hartewig

Handbuch Deutsche Kommunisten

Esser, Fritz

* 24.8.1886 – ✝ 27.8.1961

Am 24. August 1886 in Peine geboren; verbrachte seine Jugend in Sachsen, lernte Modelltischler. 1904 Eintritt in die SPD. Während des Krieges als Frontsoldat schwer verwundet, konnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben. 1920 kam er über die USPD zur KPD. Von 1921 bis 1924 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Esser arbeitete als Fürsorgeangestellter und war führend im Internationalen Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit. Obwohl er beim Hamburger Aufstand 1923 eine leitende Rolle spielte, wurde er später vom Gericht freigesprochen. Im Mai 1924 zog er im Wahlkreis Hamburg als Abgeordneter in den Reichstag ein (Mai bis Dezember 1924). Esser gehörte 1925/26 zur linken Opposition und wurde deswegen 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Da er sich noch im gleichen Jahr von der Opposition trennte, wieder in die Partei aufgenommen. 1927 erneut in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, in der er bis 1933 blieb. 1926/27 leitete er die Rote Hilfe im Bezirk Wasserkante, dann wieder den Internationalen Bund. Esser wurde am 6. November 1933 von der Gestapo verhaftet und am 12. April 1934 vom Hanseatischen OLG zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, er saß bis 30. November 1935 im KZ Fuhlsbüttel (irrtümlich wurde mehrfach die Meldung verbreitet, Fritz Esser sei im KZ umgebracht worden, tatsächlich handelte es sich aber um seinen Sohn Alwin [*7.3. 1912 – † 10. 3. 1933], der ermordet wurde). Nach 1945 ist er politisch nicht mehr hervorgetreten. Fritz Esser starb am 27. August 1961 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Evers, Heinrich

* 24.3.1887 – ✝ 22.12.1968

Geboren am 24. März 1887 in Berlin-Lichtenberg, Sohn eines Tischlers. Er belegte Kurse über Stil- und Kunstrichtungen und war als Kunstbildhauer tätig. 1907 Eintritt in die SPD. 1917 zum Militär eingezogen, war er bis zum Kriegsende als Infanterist an der Front und trat der USPD bei. Im November 1918 Vorsitzender des kommunalen Arbeiterrats in Berlin-Friedrichsfelde und Vorsitzender der USPD-Ortsgruppe, 1920 Mitglied der KPD. Evers arbeitete offiziell als Reisender für Linoleumfabriken, war aber seit 1924 von der KPD mit der Emigrantenfürsorge der Roten Hilfe betraut. Er hatte als Adolf flüchtige Kommunisten zu unterstützen und ihre Flucht nach Rußland zu organisieren. Wegen dieser Tätigkeit am 8. Juni 1926 verhaftet, wurde er am 3. Mai 1927 vom Reichsgericht zu drei Jahren und sieben Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach der Amnestie 1928 aus der Haft entlassen, kam Evers 1929 in die Gewerkschaftsabteilung des ZK und im gleichen Jahr ins Reichskomitee der RGO. Ab 1931 arbeitete er für das Exekutivkomitee der RGI in verschiedenen europäischen Ländern. Anfang April 1933 emigrierte Evers in die âSR, dann zur illegalen Arbeit nach Rumänien und nach Dänemark entsandt, bis er 1937 nach Moskau kam. Dort war er bis 1940 bei der Staatlichen Bauverwaltung als Holzbildhauer. 1940/41 Lehrer für deutsche Sprache an der Militärschule, 1941 Politinstrukteur in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern. Von 1943 bis 1947 Lehrer an der Antifaschule 165. Ende September 1947 Rückkehr nach Berlin, Mitglied der SED, Instrukteur beim FDGB-Bundesvorstand. Bis 1953 als Lehrer an der FDGB-Schule in Bernau tätig, zuletzt Parteiveteran in Ost-Berlin. Heinrich Evers starb am 22. Dezember 1968 in Ost-Berlin. Er war seit 1927 mit Berta, geborene Thomas (* 29. 5. 1887 – † 16. 12. 1965), verheiratet. Sie war von 1922 bis 1924 als Archivarin bei der »Roten Fahne«, 1924/25 Mitarbeiterin im Archiv des ZK der KPD. Im Juni 1933 in die UdSSR emigriert, arbeitete sie zunächst wie ihr Mann bei der RGI in Moskau, war von 1935 bis 1941 Übersetzerin beim Verlag für fremdsprachige Literatur. 1947 kehrte Berta Evers nach Deutschland zurück.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ewert, Arthur

* 13.11.1890 – ✝ 3.7.1959

Geboren am 13. November 1890 in Heinrichswalde bei Tilsit, Sohn armer Kleinbauern. Der wißbegierige Vater erregte im Dorf Aufsehen, als er das Lexikon von Brockhaus abonnierte. Bildungshunger kennzeichnete auch den Sohn, der nur die einklassige Dorfschule besuchen konnte. Arthur Ewert, schon als Junge ungewöhnlich groß und stark, aber auch jähzornig, verprügelte als 12jähriger seinen Lehrer, weil dieser einem anderen Kind Unrecht angetan hatte. Mit 14 Jahren ging er zu seinem Onkel nach Berlin, um das Sattlerhandwerk zu erlernen. Er las nicht nur viel, sondern besuchte Versammlungen von Sekten, Gesundbetern, Sterndeutern usw. Als Ewert eine sozialistische Versammlung, in der Frida Rubiner referierte, mit heftigen Zwischenrufen unterbrach, drohte sie aufzufliegen. Frida Rubiner interessierte sich für den stiernakkigen Hitzkopf und überzeugte ihn für den Sozialismus. Er trat 1908 der Gewerkschaft und der SPD bei. Vor dem Weltkrieg wanderte Ewert nach Kanada aus und schloß sich dort sozialistischen Gruppen an. Während des Krieges wurde er aus politischen Gründen verhaftet und kam für ein Jahr ins Gefängnis. Ewert kehrte 1920 nach Deutschland zurück und trat der KPD bei, in der er – zunächst in Berlin – führende Positionen innehatte. 1922/23 war er Sekretär und Bezirksleiter der KPD Hessen. Auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 wurde Ewert in die Zentrale der KPD gewählt. Als Polleiter des linken Bezirks Hessen gehörte er zwar dem linken Flügel an, wurde aber von der Brandler-Zentrale mit einigen anderen Linken für die Wahl in dieses Parteigremium vorgeschlagen. Kurze Zeit nach dem Parteitag (im April 1923) trennte er sich gemeinsam mit Heinz Neumann, Gerhart Eisler und Hugo Pfeiffer von der linken Opposition. Als militärischer Leiter des Oberbezirks West 1923 aktiv an den Vorbereitungen des Aufstandes beteiligt. Nach dem Verbot der KPD im November 1923 als Angehöriger der Zentrale gesucht, dem Steckbrief war zu entnehmen, daß der »grobe und breitschultrige« Mann blond war, mit hoher Stirn und breitem Mund. Da Ewert zur Mittelgruppe gehörte, wurde er nach der Übernahme der Parteileitung durch die Linken ausgebootet und hielt sich längere Zeit in Moskau auf. Der X. Parteitag 1925 wählte ihn als Kandidat ins ZK, die Parteikonferenz im Oktober 1925 zum Mitglied des ZK, des Polbüros und des Sekretariats. Er kam im Oktober 1926 in den Sächsischen Landtag, doch seine Wahl wurde im März 1927 annulliert, weil er sich nur pro forma in Sachsen angemeldet hatte. Noch immer polizeilich gesucht – als Zentralemitglied von 1923 –, wurde er am 2.November 1926 verhaftet, im Dezember jedoch wieder freigelassen. Bis zur Reichstagswahl 1928 lebte er unter dem Namen Braun illegal. Vom XI. Parteitag 1927 wieder ins ZK gewählt, kam er ins Polbüro und ins Politsekretariat und war einer der Spitzenfunktionäre der KPD. Ewert schloß sich politisch eng an Ernst Meyer an und war 1928 – da Meyer durch seine Krankheit behindert war – neben Ernst Thälmann der entscheidende KPD-Führer, vorübergehend hatte er in der Partei mehr Macht als Thälmann. Im Mai 1928 wurde er im Wahlkreis Potsdam II in den Reichstag gewählt. Der VI. Weltkongreß der Komintern 1928 berief ihn als Kandidat ins Präsidium des EKKI. In der Wittorf-Affäre 1928 Hauptgegner Ernst Thälmanns im Polbüro, wurde er nach Stalins Eingreifen nach Moskau abgeschoben. Als er Anfang 1929 zurückkam, war die Versöhnler-Gruppe, die er neben Ernst Meyer und Gerhart Eisler leitete, bereits geschwächt. Auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929 nicht mehr ins ZK gewählt, begann gegen ihn, wie gegen alle Versöhnler, ein Kesseltreiben. Kurz nach dem Tode Ernst Meyers (Februar 1930) kapitulierte er vor dem ZK und löste die Gruppe der Versöhnler offiziell auf. Ewert schied ganz aus der deutschen Parteiarbeit aus und wirkte nur mehr für die Komintern. Er war von 1932 bis 1934 EKKI-Vertreter beim ZK der KP Chinas. 1934 nach Brasilien geschickt, sollte er (Deckname Harry Berger) die KP-Brasiliens anleiten. Nach dem kommunistischen Aufstand vom November 1935 wurde Ewert zusammen mit seiner Frau Elise Saborowski (* 14. 11. 1886 – †1939), Sabo genannt, in Rio de Janeiro verhaftet. Beide wurden brutal gefoltert, um von ihnen das Versteck des Kommunistenführers Carlos Prestes zu erfahren. Der kräftige Ewert verlor in elf Monaten 50kg Gewicht. Selbst als die brasilianische Polizei Prestes im März 1936 verhaften konnte, endeten die Torturen nicht. Das Martyrium mit scheußlichsten Polizeimethoden gegen ihn und seine Frau brachten ihn an den Rand des Irrsinns. Am 8. Mai 1937 wurde Ewert, bereits geisteskrank, zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Frau (Sabo) wurde der Gestapo ausgeliefert, sie kam 1939 im KZ Ravensbrück ums Leben. Ewert wurde am 1. Mai 1945 amnestiert, er kam in eine Heilanstalt. Seine Schwester Minna erhielt im Mai 1947 die Einreiseerlaubnis nach Brasilien, um ihren Bruder nach Deutschland zurückzuholen. Im August 1947 traf Ewert in Deutschland ein und kam in ständige stationäre Behandlung zunächst in die Berliner Charité, ab August 1950 in ein Sanatorium in Eberswalde. Jede ärztliche Hilfe kam zu spät. Den inzwischen geistig Umnachteten erreichten die Beschuldigungen gegen die Versöhnler und die Tatsache, daß er in SED-Publikationen noch 1956 als »Agent« verunglimpft wurde, nicht mehr. Arthur Ewert starb am 3. Juli 1959 in Eberswalde. Von der SED hielt sein früherer enger Mitarbeiter Gerhart Eisler die Grabrede.

Wer war wer in DDR

Faber, Elmar

* 1.4.1934 – ✝ 3.2.2017

Geb. in Deesbach (Thür.); Ausbildung im Postdienst; 1954 Abitur an der ABF Jena; 1954 – 59 Studium der Germanistik, Kunst- u. Philos.-Geschichte in Leipzig; 1956 SED; 1959 – 68 Red. u. Chefred. der Wiss. Ztschr. der KMU Leipzig; 1968 – 70 Lektor für Lit. u. Sprachwiss. u. Verlegervolontär im Bibliograph. Inst. Leipzig; 1970 – 75 Cheflektor, 1975 – 83 Ltr. des Verlags Edition Leipzig (exportorientiertes Unternehmen, Bildbände, Reprints, Faksimiledrucke); 1983 – 92 Ltr. des Aufbau-Verlags Berlin u. Weimar (Nachf. von  Fritz-Georg Voigt) u. des Verlags Rütten & Loening Berlin (größtes belletrist. Doppel-Unternehmen, Autoren- u. Klassikerprogramm); 1976 – 90 Vors. des Verlegeraussch. des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig; langjähriges Vorstandsmitgl. der Pirckheimer-Ges. für Buchkunst u. Bibliophilie; Publizist u. Hrsg. 1990 PDS; 1990 Gründung des Verlags Faber & Faber in Berlin (mit Sohn Michael F.), 1995 Umzug des Verlags nach Leipzig; 2007 Bundesverdienstkreuz; gest. in Leipzig.Die Allmacht des Geldes u. die Zukunft der Phantasie. Leipzig 2003 (Autobiogr.); Nürnberger Pakete. Berlin 2009 (Erzählungen).Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Fahl, Ulrich

* 26.6.1933

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater kfm. Angest.; OS in Mecklenb.; 1948 CDU u. FDGB; 1948 – 50 Ausbildung zum Verw.-Angest. beim Rat der Stadt Schwerin; 1950 – 52 Angest., Bez.-Amtsltr. in Schwerin; 1952 Vors. des Krs.-Verb. Schwerin der CDU; 1952/53 stellv. Vors. des Bez.-Verb. Rostock; 1953 – 60 Abt.-Ltr. beim Sekr. des CDU-HV (Ref. von  Gerald Götting); ab 1954 Mitgl. des HV; 1960 – 71 Vors. des CDU-Bez.-Verb. Magdeburg; Mitgl. des Bez.-Aussch. Magdeburg der NF; 1961 – 71 dort Abg. des Bez.-Tags; 1965 – 67 Fernstudium an der Agraring.-Schule Haldensleben, staatl. gepr. Landwirt; 1971 – 89 Sekr., 1972 – 89 Mitgl. des Präs. des CDU-HV; 1971 – März 1990 Abg. der Volkskammer; seit 1976 stellv. Vors. der CDU-Fraktion; seit 1986 Vors. des Aussch. für Eingaben der Bürger (Nachf. von  Hermann Kalb); seit 1981 Vizepräs. der Freundschaftsges. DDR-Mexiko; 1971 – 86 Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; Nov. 1989 1. Stellv., danach bis Mai 1990 Bürgermstr. des Stadtbez. Berlin-Mitte (Nachf. von Gottfried Groschwald); anschl. in der Wirtschaft tätig.Der gesellschaftl. Auftrag der CDU u. seine Verwirklichung durch die Ortsgr. u. Krs.-Verbände der Partei. Berlin 1973.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Fallada, Hans

* 21.7.1893 – ✝ 5.2.1947

Geb. in Greifswald; Vater Landrichter; 1899 Umzug der Fam. nach Berlin, 1909 nach Leipzig; 1909 – 11 Königin-Carola-Gymn.; schwerer Unfall; 1911 Fürstl. Gymn. Rudolstadt; Doppel-Suizidversuch, bei dem H. F. den Freund erschoß u. schwerverletzt überlebte; Verhaftung u. 1912 Einweisung in die geschloss. Anstalt Tannenfeld (b. Gera); erste liter. Versuche; 1913 – 14 Lehre in Posterstein (Krs. Schmölln); 1914 Militärdienst (Freiw.) elf Tage; Okt. 1915 – Feb. 1916 Rendant in Heydebreck (Hinterpomm.), entlassen; wiss. Hilfsarb. der Landw.-Kammer Stettin, ab Nov. 1916 dann der Kartoffelanbauges. Berlin; ab 1917 Arbeit am ersten Roman »Der junge Goedeschal« (1920 erfolglos erschienen unter dem Autorennamen H. F.); 1919 Morphium-Entziehungskur, dennoch lebenslang drogenkrank; 1920 – 26 liter. Tätigkeit u. Arbeit auf versch. Landgütern in Norddtl.; 1924 drei Mon. Haft in Greifswald u. 1926 – 28 30 Mon. Haft in Neumünster wegen Unterschlagung; Veröff. in E. Rowohlts Ztschr. »Liter. Welt«; 1928 SPD; 1929 Annoncenwerber u. Red. in Neumünster; Berichterstatter vom »Landvolkprozeß«; Heirat; 1930 – 31 Verlagsmitarb. bei Rowohlt in Berlin; Arbeit an »Bauern, Bonzen u. Bomben« (1931); trotz Entlassung blieb Rowohlt sein Hauptkontakt u. Verleger; 1932 Welterfolg mit »Kleiner Mann, was nun?«; 1933 von der SA für elf Tage verhaftet; 1934 Verunglimpfung des Romans »Wer einmal aus dem Blechnapf frißt« durch faschist. Kulturinstanzen als »Zuchthauspornographie«; Umzug nach Carwitz (Mecklenb.); 1935 – 41 erschienen sechs Romane, u. a. »Wolf unter Wölfen« (1937); 1937 u. 1939 Drehbücher für Filme mit Emil Jannings u. Zarah Leander; 1943 Lesereisen im Rang eines RAD-Majors; 1944 Kuraufenthalt in Westend; Scheidung, versuchter Mord an seiner ehem. Frau, Einweisung in die Landesanstalt Strelitz; Arbeit am Roman »Der Trinker« (1950, verfilmt 1996) u. am Kinderbuch »Fridolin, der freche Dachs« (1954); Niederschrift der Erlebnisse in der Nazizeit; 1945 Heirat. 1945 von der Roten Armee als Bürgermstr. von Feldberg (Mecklenb.) eingesetzt; Umzug nach Berlin-Pankow; unter Vermittlung von  Johannes R. Becher Arbeit bei der Ztg. »Tägl. Rundschau«; Mitarb. im KB, u. a. Vorträge über die »Nürnberger Prozesse«, in diesem Zusammenhang Konflikt mit  Wilhelm Pieck; Bindung an den Aufbau-Verlag; 1946 Neuaufl. »Wer einmal aus dem Blechnapf frißt« in der Großaufl. von 30.000 Expl.; auf Anregung von Johannes R. Becher Arbeit an seiner Abrechnung mit dem Nationalsoz. (»Jeder stirbt für sich allein«, 1947); gest. in Berlin.Der eiserne Gustav. Berlin 1938; Geschichten aus der Murkelei. Berlin 1938; Kleiner Mann – großer Mann, alles vertauscht. Stuttgart 1940; Der Alpdruck. Berlin 1947; Ein Mann will nach oben. Aus dem Nachlaß. München 1953. Crepon, T.: Leben u. Tod des H. F. Halle, Leipzig 1978; Liersch, W.: H. F. Sein großes kleines Leben. Berlin 1981; Casper, G.: F.-Studien. Berlin, Weimar 1988; Terwort, G.: H. F. im »Dritten Reich«. Frankfurt (Main) 1992; Müller-Waldeck, G., Ulrich, R. (Hrsg.): H. F. Sein Leben in Bildern u. Briefen. Berlin 1997; Crepon, T.: Kurzes Leben – langes Sterben. H. F. in Mecklenb. Rostock 1998.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Färber, Adolf

* 11.11.1912 – ✝ 27.11.1987

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; 1919 – 27 Volksschule in Stadtroda; SAJ; 1927 – 30 Malerlehre in Stadtroda; 1928 SPD; Jugendltr. im Jungbanner; 1930 Maler in Lobeda, 1930/31 u. 1934/35 arbeitslos, 1931 Malergehilfe in Stadtroda u. 1933/34 in Jena; 1933 RAD des Reichsbanner in Nackenheim (b. Mainz); 1933/34 SA; 1935 – 42 u. 1945/46 Lackierer bei Carl Zeiss Jena; 1942 – 45 Sanitäts-Offz. im Artillerieregt. 340 der Wehrmacht; 1945 brit., dann amerik. Kriegsgef. in Gießen; Juni 1945 entlassen. 1945/46 SPD/SED; 1946/47 pol. Mitarb. der SED-KL Jena; 1948 Besuch der LPS Bad Berka; 1948/49 1. Sekr. der SED-KL Jena; 1949 – 52 Mitarb., Abt.-Ltr. u. Mitgl. des Sekr. der SED-Landesltg. Thür.; Nov. 1951 – Juli 1952 Mitgl. des Thür. Landtags; Aug. 1952 – Aug. 1954 1. Sekr. der SED-BL Suhl; Vors. des Bez.-Aussch. der NF u. Abgeordn. des Bez.-Tags Suhl; 1954/55 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau, nach Aufdeckung der verschwiegenen SA-Mitgliedschaft im Jan. 1955 aus Moskau zurückgerufen, Febr. 1955 SED-Parteiverfahren (»Rüge«); 1955 – 65 Arbeitsdir. im VEB Farbenfabrik Wolfen, 1965 – 77 im VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt; gest. in Karl-Marx-Stadt.Moczarski, N.: Die Protokolle des Sekretariats der SED-Bez.-Ltg. Suhl. Weimar 2002.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Fechner, Herbert

* 27.8.1913 – ✝ 28.12.1998

Geb. in Berlin; Vater Tischler; Volksschule u. »Weltl. Schule«; 1927 SAJ u. Arbeitersportbew.; 1928 – 33 Möbelpolierer; 1933 – 35 Telegrafenbauarb.; 1940 u. 1943 – 45 Wehrmacht, alliierte Kriegsgefangenschaft. 1945/46 SPD/SED; 1945 FDGB; 1946 – 48 Telegrafenbauhandwerker; 1948 – 50 Sekr. der SED-KL von Berlin-Lichtenberg, 1950/51 von Berlin-Treptow; 1950 – 74 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1951 – 61 Stadtrat für Volksbildung bzw. Gesundheits- u. Sozialwesen; 1953 – 61 stellv. OB; 1954 – 76 Stadverordneter; 1957 PHS; ab 1959 Präs. des Bunds Dt. Segler; ab 1960 Mitgl. des BV des DTSB; 1961 – 67 Bez.-Bürgermstr. von Berlin-Köpenick, Mitgl. der Stadtbez.-Vers. u. der SED-KL; 1963 – 65 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; Juli 1967 – Febr. 1974 OB von Berlin (Nachf. von  Friedrich Ebert); 1967 – 74 Mitgl. des Sekr. der SED-BL Berlin; 1967 – 76 Kand. des ZK der SED; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer; ab 1974 Vors. der Interparl. Gruppe, Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1970 u. 1973 VVO; 1984 Stern der Völkerfreundschaft; 1988 KMO; gest. in Berlin.Ribbe, W.: H. F. In: Stadtoberhäupter. Biogr. Berliner OB im 19. u. 20. Jh. Berlin 1992.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fehrmann, Heinz

* 22.3.1903 – ✝ 8.3.1943

Geboren am 22. März 1903 in Geestemünde; Arbeiter. Er war zwar seit 1921 für die KPD tätig, trat aber erst 1928 in die Partei ein und war im illegalen Apparat aktiv. Nach 1933 absolvierte Fehrmann die Internationale Leninschule in Moskau und war dort anschließend Lehrer an der KUNMS. 1937 wurde er wegen »Hineintragens des Trotzkismus in den Geschichtsunterricht« aus der KPD ausgeschlossen und als Redaktionssekretär nach Engels (Wolgarepublik) versetzt. Dort wurde er am 7. Februar 1938 vom NKWD verhaftet und am 23.Dezember 1940 zu acht Jahren Lager verurteilt. Noch im selben Jahr befand er sich in der Auslieferungszelle nach Deutschland, wurde aber schließlich in einen Gulag im Gebiet Archangelsk verbannt. Dort kam Heinz Fehrmann am 8.März 1943 ums Leben.

Wer war wer in DDR

Feist, Manfred

* 6.4.1930

Geb. in Halle; Bruder von  Margot Honecker; Vater Gotthard F., Arbeiter, FDGB-Funktionär; Volks- u. Oberschule, Abitur; 1947 SED u. FDJ; KPS Halle; FDJ-Stadtteilltr. bzw. Instrukteur des FDJ-KV Halle; 1950/51 Instrukteur der SED-KL Halle, 1951 – 53 Ref., später Oberref. im MfAA; 1954 – 58 Abt.-Ltr. im Aussch. für Dt. Einheit; 1959 – 66 Sekr. der Ges. für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland – Liga für Völkerfreundschaft; 1966 – 89 Ltr. der Arbeitsgr. bzw. Abt. für Auslandsinformation des ZK der SED (Nachf. von  Werner Lamberz); 1971 – 76 Kand. u. 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; Mitgl. des Präs. des DDR-Friedensrats u. des Weltfriedensrats; 1980 VVO. Vertrat als Generalbevollmächtigter die Interessen von Margot u.  Erich Honecker in Dtl., als diese sich in der UdSSR u. Chile aufhielten; die mit ihm 1991 geführte Korrespondenz wurde 2002 publik; lebt in Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs