...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Fischer, Klaus-Christian

* 30.4.1938

Geb. in Chemnitz; Vater Angest.; OS, Abitur; 1956/57 Ausbildung zum Stahlschmelzer; 1957 – 62 Studium an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Ing.; 1961 NDPD; 1962 – 70 wiss. Mitarb., Assistent, Bereichsltr. für Forschung u. Technik sowie Stellv. des Techn. Dir. im VEB Leichtmetallwerk Rackwitz (Krs. Delitzsch); 1963 – 67 außerplanm. Aspirantur an der Bergakad., Dr.-Ing.; 1963 – 70 Gewerkschaftsvertrauensmann; 1970 – 89 Dir. für Technik im VEB Leichtmetallwerk Nachterstedt (Krs. Aschersleben); seit 1971 Vors. der Betriebssektion der Kammer der Technik; 1975 – 89 Mitgl. des Krs.-Vorst., 1977 – 89 Vors. des Krs.-Verb. Aschersleben der NDPD; 1972 – 84 Mitgl. des Bez.-Vorst. Halle; ab 1982 des HA der NDPD, 1989/90 seines Präs.; 1.7. – 27.11.1989 stellv. Min. für Leicht- u. Lebensmittelindustrie; Nov. 1989 – April 1990 Staatssekr. beim stellv. Vors. des Min.-Rats für Wirtschaft; April – Okt. 1990 Abt.-Ltr. im Wirtschaftsmin.; Jan. – März 1990 stellv. Vors. der NDPD, März – Aug. des Bundes Freier Demokraten; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Fraktion der Liberalen. Seit Aug. 1990 FDP; Ltr. des Umweltbüros Ost der Dt. Wirtschaft in Berlin; Verbindungsstelle Berlin des Dt. Industrie- u. Handelstags; Geschäftsf. der Industrie- u. Handelskammerges. zur Förderung der Außenwirtschaft u. der Unternehmensführung mbH in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Fischer, Otto

* 5.2.1901 – ✝ 11.2.1974

Geb. in Friedrichsfeld (Baden); Volksschule; 1920 FSJ; 1924 KJVD; 1926 (1929) KPD; 1931 Übersiedl. nach Moskau; KPdSU; Mitarb. in der Schreibabt. des EKKI, Stenograph u. Maschinenschreiber; 1936 – 50 sowj. Staatsbürgerschaft; nach der Evakuierung der KI im Okt. 1941 im Kolchos »Bolschewik« in Kamischla (b. Ufa) tätig, dann Stanzer im Artel Akkumulator in Ufa; 1942 Mobilisierung zur Arbeitsarmee, Arbeiter im Kohlebergwerk in Stalinogorsk; 1943 Mitarb. des EKKI in Ufa; Okt. 1943 – April 1945 Mitarb. im Inst. Nr. 99, Ltr. des Schreibmaschinenbüros des NKFD. 30.4.1945 Rückkehr nach Dtl. als Mitgl. der »Gruppe  Ulbricht«, Sekr. der Gruppe; ab Mai 1945 Hauptsachbearb. in der Kaderabt. des Berliner Rundfunks; nach 1952 in der Kaderabt. des Staatl. Rundfunkkomitees.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Fischer, Sven

* 16.4.1971

Geb. in Schmalkalden; begann als Leichtathlet bei BSG Werkzeugkombinat Schmalkalden; 1982/83 Wechsel zum Skilanglauf bei BSG Stahl Seligenthal; 1983 Biathlon; KJS Oberhof; ASK Vorwärts Oberhof; 1989 Abitur, NVA u. DDR-Juniorenmstr. 1990 verletzt; WSV Oberhof 05 (Trainer  Frank Ullrich, später  Mark Kirchner); 1991 Europacup Sprint (3. Pl.); 1992 Dt. Mstr. Staffel (Gold), 20 km (Bronze); vier Olymp. Spiele: 1994: Staffel (Gold), 20 km (Bronze); 1998: Staffel (Gold); 2002: Sprint (Silber), Staffel (Silber); 2006: Sprint (Gold), Staffel (Gold), Verfolgung (Bronze) – insgesamt acht olymp. Med.; siebenmal WM: 20 km (1999), Massenstart (1999), Team (1993), Staffel (1995, 1997, 2003, 2004); sechs WM-Silber- bzw. Bronzemedaillen; zweimal Sieger Gesamt-Weltcup (1996/97, 1998/99), dreimal Sieger Sprint-Weltcup (1992/93, 1993/94, 2001/02), je zweimal Sieger Weltcup Massenstart (1998/99, 2000/01) u. Verfolgungsrennen (1997/98, 2004/05); 33 Weltcup-Einzelsiege; 1991 – 97 Bundeswehr (Entlassung wegen einer IM-Registrierung sechs Wochen vor der Wende); danach Angest. eines Logistikunternehmens; 1995 Verdienstkreuz der Bundeswehr, »Goldener Lachs« (für Verdienste um die dt.-norw. Freundschaft); seit 2007/08 ZDF-Experte Biathlon; 2009 Mitgl. der 13. Bundesversammlung für die CDU; wohnt in Schmalkalden.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Fischer, Veronika (Vroni)

* 28.7.1951

Geb. in Wölfis (Krs. Gotha); POS; erster Auftritt mit ihren Schwestern bei einem Talentewettstreit; 1968 – 73 Studium an der HS für Musik »Carl Maria von Weber« Dresden (Gesang, Dipl. für Chanson u. Musical); 1970 Zusammenarbeit mit der Fred-Herfter-Combo; 1970/71 bei der Stern Combo Meißen; Dez. 1971 – 73 bei Panta Rhei (LP »Panta Rhei«, 1973); ab April 1974 Veronika Fischer & Band; 1975 LP »Veronika Fischer & Band«; 1. Preis am Internat. Tag des 4. Schlagerfestivals soz. Länder in Dresden; 1976 1. Preis am Poln. Tag des Festivals in Sopot (Polen); Preis beim Schlagerfestival »Goldener Orpheus« in Varna (Bulgarien); 1978 LP »Aufstehen«; 1979 LP »Goldene Brücken«; 1981 Genehmigung der Ausreise zu ihrem Mann nach West-Berlin; dort sechs LP (»Staunen«, »Unendlich weit«, »Sehnsucht nach Wärme«, »Spiegelbilder«, »Gefühle«, »Was ist dabei«); Mitgl. im Dt. Rockmusikerverb. e. V.; 24.2.1990 Auftritt in der DFF-Sendung »Glück muß man haben«, ostdt. Konzerttournee mit Andreas-Bicking-Band; LP »Veronika Fischer & Band: Die frühen Jahre«. 1992 CD »Rock aus Dtl. Ost: Veronika Fischer«; LP »Sommernachtsball«; 1994 CD »Ihre größten Erfolge«; 1995 CD »Träumer«; 1996 Kindermusical »Das Kind u. der Kater« (auch auf CD); »Ihre größten Hits 1972 – 80«; 1997 »Mehr in Sicht«; 1999 CD »Meine schönsten Kinderlieder«; 2000 CD »Ein Gefühl wie das Leben«; 2001 CD »Tief im Sommer«; 28.7.2001 Konzert anläßl. ihres 50. Geburtstags in der Freilichtbühne am Weißen See in Berlin (CD »Das Jubiläumskonzert – Live in Berlin«); 2004 CDs »Dünnes Eis«, »Meine Lieder« u. »In Liebe – meine schönsten Balladen«; 2005 DVD »V. F. in Classic«.Diese Sehnsucht nach Wärme. Berlin 2001 (mit -> Gisela Steineckert).Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Fißler, Reinhard

* 6.2.1949 – ✝ 13.2.2016

Geb. in Güstrow, aufgewachsen bei den Großeltern in Tangermünde; dort Mitgl. im Schulchor, frühe systemat. Beschäftigung mit Gesang u. Stimmbildung, ab 1960 autodidakt. Gitarrenausb.; 1963 Wechsel zur KJS des SC Einheit Dresden (Leichtathletik), daneben Beschäftigung mit Musik; 1966 – 69 Abitur- u. Berufsausb. als Laborant für Farben u. Lacke, Mitgl. einer Schülerband; 1969 – 73 Studium der Chemie an der TU Dresden, HS-Abschluß; 1971 Gründung der Studentenband »Lunas« mit mehreren ausländ. Musikern, intensive Bekanntschaft mit osteurop. Rockmusik, erste öff. Auftritte im Bez. Dresden; 1972 – 82 Sänger bei »Stern Meißen«, Abendstudium an der HS für Musik »Carl Maria v. Weber« in Dresden, insb. Gesangsausb. bei Hans-Herbert Schulz, ab 1974 Berufsmusiker; 1977 LP »Stern Combo Meißen« mit legendärem Titel »Kampf um den Südpol«, 1979 LP »Weißes Gold« u. »Der weite Weg«, 1981 LP »Reise zum Mittelpunkt des Menschen«, 1982 LP »Stundenschlag«; 1982 – 85 Trio FWH (mit Peter Werneburg u. dem DJ Holger Hempel, programmat. Verknüpfung von Live- u. Discomusik, Komposition u. erste eigene Texte, u. a. für die Rundfunktitel »Heiße Musik« u. »Maskenball«; 1985 – 87 Sänger bei »ReggaePlay«, hier Beschäftigung mit Roots Reggae, neue Impulse für Gesangsentw., Bulgarien-Tour, bei der letzten Veranstaltung »Rock für den Frieden« Präsentation des Titels »Get up, stand up for your rights« (mit  Dirk Zöllner); 1987 – 90 »Fißler Gang« (mit Heinz Prüfer u. Andreas Raab), versch. Reggae- u. Blueskompositionen, u. a. Rundfunktitel »Two Ways to Go« (TV-Prod. bei »elf 99«); 18. Sept. 1989 Mitunterz. u. Multiplikator der Resolution der Rockmusiker zur Unterstützung des Neuen Forums. Nach 1990 Gründung der Band »Fake It«, Fusion von Jazz, Reggae u. Blues, Konzerte in Dänemark u. Ostdtl., 1993/94 Programm »Happy Jazz Christmas mit Anke Schenker«; seit 1995 Mitgl. u. 1998 – 2000 Vorstandsmitgl. u. künstler. Betreuer des Kinder- u. Jugendzirkus »Cabuwazi« Berlin, 1997 Text für das Zirkusmusical »Clowns Garten«; 1999 Solo-CD »... und immer unterwegs«; seit 2000 Programm »R. F. Solo« mit versch. Gitarristen; 2001 – 02 Texte u. künstler. Betreuung des Kinderprojekts »Tanzwerkstadt No Limit« in Berlin-Weißensee; seit 2003 regelmäßige Gastauftritte bei der Jonathan Blues Band, 2003 Israel-Palästina-Tour mit Dirk Zöllner; 2005 Solo-CD »Was bleibt«; nach schwerer Erkrankung letzter öff. Auftritt im Sommer 2005; gest. in Berlin.Balitzki, J.: Geschichten vom Sachsendreier. Berlin 2001; Video »R. F.« (SUPERillu TV); Reitel, A.: Seelenbrennen. Ein Leben für die Musik. Berlin 2006.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Fitzner, Wilhelm

* 20.7.1891 – ✝ 16.1.1950

Geb. in Berlin; Gymnasium; 1909 / 13 Lehrerseminar; 1914 – 18 Militärdienst, Offz.; 1919 Abitur; 1919 – 23 Studium der Nationalökon. u. Philos. an der Univ. Berlin, Prom. zum Nat.-Ökon.; 1923 Presseref. des vorl. Reichswirtschaftsrats; SPD; 1922 – 26 Stadtrat in Landsberg (Warthe); 1926 – 28 Landrat in Eisleben; 1928/29 Ltr. der Schulabt. der Reg. Frankfurt (Oder); 1929 Reg.-Vize-Präs. in Gumbinnen; 1930 – 32 Reg.-Präs. in Frankfurt (Oder), aus pol. Gründen entlassen; 1933/34 U-Haft in Berlin-Moabit; Aufsichtsratsmitgl. versch. priv. Eisenbahngesellschaften; 1934 – 45 Rechts- u. Steuerberater in Berlin-Moabit; illeg. pol. Arbeit; 1935 wegen »Vorber. zum Hochverrat« verhaftet, vier Mon. KZ Columbia-Haus in Berlin-Tempelhof; zu sechs Mon. KZ Sachsenhausen verurteilt; schriftsteller. Arbeiten, 1942 den Roman »Nikodemus, ein Leben um Jesus von Nazareth« (1947 veröff.), 1943 ein Theaterstück verfaßt (1947 in Berlin-Grunewald voraufgeführt). 1945/46 SPD/SED; Mai – Juli 1945 Bevollm. des Landeshptm. der Provinz Brandenb. für fünf Landkrs.; 1.8.1945 – 31.3.1948 Chefpräs. der Dt. ZV des Verkehrs; Aug. 1945 – Jan. 1946 außerdem GD der HV der DR; Febr./ März 1948 Mitgl. der DWK als Ltr. der HV Verkehr; 1.4.1948 wegen kritischer Äußerungen zur pol. Arbeit in der ZV in seinen Funktionen nicht wieder bestätigt; Austritt aus der SED; Ende 1949 Flucht nach West-Berlin, als pol. Flüchtling anerkannt; SPD; gest. in West-Berlin.Kramer, E.: Die Entwicklung des Verkehrswesens in der DDR. Berlin 1978; Preuß, E.: Der Reichsbahn-Report 1945 – 1993. Berlin 1993; Ztschr. »Der Verkehr« (1947) 1.Alfred Gottwaldt / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Fleck, Rudi

* 24.12.1930 – ✝ 11.11.2012

Geb. in Greifswald; Vater Eisenbahnarb., Mutter Hausfrau; Volksschule, 1945 – 50 Lehre u. Arbeit als Verwaltungsangest. in der Gemeinde Kröslin (Krs. Wolgast); 1946 FDJ; 1950 – 52 Bürgermeister von Kröslin; 1951 SED; 1952 Abt.-Ltr. beim Rat des Krs. Greifswald; 1952 / 53 Planer im Kraftwerk Peenemünde; 1953 – 55 Ltr. der Abt. Staatliche Organe der SED-KL Wolgast; 1955 / 56 Stud. an der SED-BPS Rostock; 1956 / 57 Sekr. der SED-KL MTS-Bereich Stolpe; 1957 / 1958 Sekr. des Rats des Krs. Wolgast; 1958 – 60 Ltr. der Org.-Instrukteur-Abt. beim Rat des Bez. Rostock; 1960 / 61 Teiln. am Sonderlehrgang des ZK der SED zur Ausbildung leitender Staatsfunktionäre an der DASR Potsdam-Babelsberg, Dipl.-Staatswiss.; 1961 – 68 OB von Rostock (Nachf. von Wilhelm Solisch); 1968 bis 10.12.1989 Vors. des Rats des Bez. Schwerin (Nachf. von  Michael Grieb); 1968 – 89 Abg. des Bezirkstags Schwerin; 1976 / 77 Stud. an der PHS der SED »Karl Marx«, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 8.12.1989 – 10.4.1990 U-Haft, 2.2.1990 Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft des Bez. Schwerin wg. »Vertrauensmißbrauchs«; am 24.5.1990 Eröffnungsbeschluß des OG der DDR, Gegenstand des Verfahrens war die »Finanzierung außerplanm. u. gesetzwidriger Vorhaben u. Maßnahmen« durch Fonds des Rats des Bez. u. des Rats der Stadt Schwerin im Umfang von 7,5 Mio. Mark in der Zeit von 1978 – 89 beim Umbau zweier alter Gebäude zu einem Gästehaus in Schwerin-Frankenhorst sowie die Melioration u. Gestaltung des Geländes; 27.11.1996 durch Urteil des Landgerichts Schwerin aus rechtlichen Gründen in allen Anklagepunkten freigesprochen; April 1990 – Nov. 1992 arbeitslos; ab Dezember 1992 Altersrente, gest. in Rostock.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Fleischer, Karl-Heinz

* 5.6.1932

Geb. in Annaberg (Sachsen); Vater Kartonagenarbeiter, Mutter Hausfrau; 1939 – 46 Volksschule; 1946 – 49 Lehre als Kfz-Schlosser, anschl. Geselle in Annaberg; 1951 / 52 Kraftfahrer; 1952 / 53 Mitarb. der Staatl. Kontrolle, 1953 – 58 Mitarb. der Bezirksinspektion Karl-Marx-Stadt; 1954 SED; 1958 Sonderreifeprüfung der Volkshochschule; 1958 / 59 Beauftragter der Staatl. Kontrolle in Schwarzenberg; 1959 – 64 Fernstudium an einer Ingenieurschule für Maschinenbau u. Elektrotechnik, Maschinenbau-Ing.; 1960 – 63 stellv. Bevollm. der Zentralen Kommission für Staatl. Kontrolle Karl-Marx-Stadt, 1963 – 65 dort Bearbeiter für den Wettbewerb; 1965 / 66 Mitarb. im VVB Werkzeugmaschinen u. Werkzeuge Karl-Marx-Stadt; 1966 / 67 Studium an der PHS »Karl Marx«; 1967 / 68 Ltr. der Planinspektion, 1968 / 69 Gruppenltr., 1969 / 70 amt. Dir. für Plandurchführung im VVB Werkzeugmaschinen u. Werkzeuge Karl-Marx-Stadt; 1970 – 77 Werkltr. des VEB Werkzeugmaschinenfabrik Zeulenroda; 1977 – 83 Vors. des Rats des Bez. Gera (Nachf. von  Rudolf Bahmann); Mai 1983 wg. »Verletzung der Parteidisziplin, der sozialist. Gesetzlichkeit u. der Parteimoral« von dieser Funktion entbunden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Flierl, Bruno

* 2.2.1927

Geb. in Bunzlau (Niederschles./Bolesławiec, Polen); Vater Bauing.; Ausbildung zum Maurer; Wehrmacht; frz. Kriegsgefangenschaft. Abitur nach Abendschule; 1948 – 51 Studium an der HS der Künste Berlin-Charlottenburg, 1952/53 HS für Bauwesen Weimar, Dipl.-Ing.; 1952 – 61 wiss. Mitarb. der DBA; 1954 SED; 1955 – 58 Aspirantur; 1958 – 61 Inst. für Theorie u. Geschichte der Baukunst, Mitarb. von Hans Schmidt; erste krit. Auseinandersetzung mit Stadtgestaltungs- u. Raumaneignungsfragen; 1962 – 64 Chefred. der Ztschr. »Dt. Architektur«, Ablösung auf Veranlassung des Baumin. -> Wolfgang Junker; 1964/65 zur »Bewährung« Tätigkeit beim Chefarchitekten des Magistrats von Groß-Berlin, Ref. Bebauungsplanung; 1965 – 79 DBA, Inst. für Städtebau u. Architektur, Forschung zu gesellschaftstheoret. Aspekten von Architektur u. Städtebau u. zur Architekturentw. in der DDR; 1972 Dr.-Ing., Diss. »Ges. u. Architektur in unserer Epoche« an DBA; 1979 Dr. sc. phil. an HU Berlin; wiss. Publ. u. umfgr. Vortragstätigkeit, u. a. zur Stadtentw., Ästhetik u. Lebensweise im Soz. u. zu sozialräuml. Entwicklungsprozessen; 1980 Berufung an die HU Berlin, Sekt. Ästhetik u. Kunstwiss., Lehrtätigkeit u. hist. Forschung zur Berliner Stadtentw.; 1982 Ausschluß aus dem Präs. des BDA u. Androhung eines Parteiverfahrens nach Kritik am extensiven Plattenbau bei Vernachlässigung der innerstädt. Bereiche; Frühinvalidisierung; nach Rekonvaleszenz Vortragsreisen u. Studien in den USA u. Frankreich; Veröff. zum Verhältnis von Postmoderne u. Funktionalismus, zu Hochhaustypol. u. Berliner Baugeschichte.Industriegesellschaftstheorie im Städtebau. Berlin 1973; Zur soz. Architekturentw. in der DDR. Berlin 1979; Zur Wahrnehmung der Stadtgestalt. Berlin 1979; Architektur u. Kunst: Texte 1964 – 1983. Dresden 1984; Hundert Jahre Hochhäuser. Berlin 2000; Berlin baut um – wessen Stadt wird die Stadt? Berlin 2001; Kritisch denken für Architektur u. Gesell. Arbeitsbiogr. u. Werkdok. 1949 – 2006. Erkner 2007.Simone Hain

Handbuch Deutsche Kommunisten

Flohr, Gustav

* 12.11.1895 – ✝ 18.2.1965

Geboren am 12. November 1895 in Remscheid; Klempner und Schweißer, später auch kaufmännisch tätig. 1910 Mitglied des DMV und der SPD. Von 1914 bis 1918 Militärdienst, Flohr wurde Mitglied der USPD und schloß sich 1920 der KPD an. Er war ab 1926 Remscheider Stadtverordneter und später Leiter der RGO-Ortsgruppe, er gehörte der Reichsleitung des Kampfbundes gegen den Faschismus an und wurde im November 1932 auf dem Reichswahlvorschlag der KPD in den Reichstag gewählt. Am 16.März 1933 in Düsseldorf verhaftet, kam er in verschiedenen KZs in »Schutzhaft«. Am 20.April 1934 wegen »verbotenen Waffenbesitzes« zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. In weitere Hochverratsverfahren verwickelt, wurde Flohr aber »mangels Beweisen« freigesprochen und im Februar 1935 entlassen. Zunächst Arbeiter in der Eisenindustrie, dann selbständig. Im Januar 1936 emigrierte er in die Niederlande und arbeitete dort unter dem Decknamen Tom in der Propagandaabteilung der illegalen KPD. Im Oktober ging Flohr nach Spanien, wurde als Capitan der Internationalen Brigaden verwundet und im September 1938 nach Frankreich evakuiert, dort wegen öffentlicher Propaganda im Herbst 1938 verhaftet. Er war dann in verschiedenen Lagern interniert und später Zwangsarbeiter am Atlantik-Wall. Mit Gustav Flohr soll es, laut den Memoiren von Alexander Abusch, in Spanien, aber auch schon vor 1933, innerparteiliche Differenzen gegeben haben. Nachdem ihm im Mai 1943 die Flucht gelang, kämpfte Flohr in der Résistance, war 1944 Kommandeur des 8.Bataillons der Maquis-Einheit »Jean Pierson« und zuletzt Operationsoffizier im Divisionsstab im Department Saóne-et-Loire. Am 1. Juni 1945 kehrte Flohr nach Deutschland zurück, wurde im April 1946 zunächst stellvertretender Bürgermeister, von Mai bis November 1946 Oberbürgermeister von Remscheid. Flohr unterhielt nach 1945 zu seinen – vor allem aus Jugoslawien stammenden – Kameraden aus den Internationalen Brigaden weiterhin enge freundschaftliche Beziehungen. Ende der vierziger Jahre lehnte er die Stalinisierung der westdeutschen KPD ebenso ab wie die antititoistischen Kampagnen und trat deshalb 1948 aus der KPD aus. Später war er Betriebsratsvorsitzender der Diehl KG in Remscheid. Gustav Flohr starb am 18. Februar 1965 in seiner Heimatstadt Remscheid.

Wer war wer in DDR

Foerster, Karl

* 9.3.1874 – ✝ 27.11.1970

Geb. in Berlin; Vater Astronom u. Dir. der Berl. Sternwarte; Gymnasium; 1889 – 91 Ausbildung zum Gärtner in der Schloßgärtnerei Schwerin, anschl. Besuch der Gärtnerlehranstalt Wildpark (b. Potsdam); bis 1903 Gärtnergehilfe in versch. Gärtnereien; 1903 Gründung einer Staudengärtnerei in Berlin-Westend; 1907 erster Angebotskat.; 1910/11 Verlegung der Gärtnerei nach Bornim (b. Potsdam), Züchtung winterharter Blumenstauden; ab 1917 auch publizistisch tätig; 1928 Gründung der Arbeitsgemeinschaft Gartengestaltung in Bornim mit Herta Hammersbacher u. Hermann Mattern; DNVP; 1940 NSDAP. 1945 stellte die SMA die Gärtnerei unter ihren Schutz; 1946 – 48 Niederschrift der Erfahrungen als Staudenzüchter im Auftrag der AdW der UdSSR; 1950 Dr. h. c. der HU Berlin; 1955 NP; 1959 Umwandlung der Gärtnerei in eine Kommanditges. mit staatl. Beteiligung; 1964 Verleihung des Prof.-Titels; 1967 a. o. Mitgl. der AdK Berlin (West); zahlr. weitere Ehrungen. Züchtung von etwa 300 Staudensorten, insbes. Rittersporn u. Phlox; Entw. einer Konzeption des naturnahen Gartens; Ehrenmitgl. mehrerer gartenbaul. Ges. in der Bundesrep. Dtl.; Autor von etwa 30 Monographien zu gartenbaul. Themen (insges. 770.000 Exemplare bis 1970), u. a.: Der Steingarten der sieben Jahreszeiten; Einzug der Gräser u. Farne in die Gärten.Foerster, E., Rostin, G. (Hrsg.): Ein Garten der Erinnerung. 7 Kapitel von u. über K. F. Berlin 1985; Iven, M. (Hrsg.): 3 x Foerster. Milow 1995.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Forck, Gottfried

* 6.10.1923 – ✝ 24.12.1996

Geb. in Ilmenau; Vater Pfarrer; bis 1937 Gelehrtenschule des Johanneums Hamburg, bis 1942 Internatsschule der Brüdergemeinde in Niesky (Oberlausitz); 1942 – 45 Wehrmacht (Marine), zul. Ltn. zur See; 1945 – 47 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1947 – 51 Studium der Theol. in Bethel, Heidelberg, Basel u. Berlin (West), 1952 1. Theol. Examen; 1952 – 54 Assistent an der Kirchl. HS in Berlin (West) u. Vikar; 1954 Predigerseminar Brandenb.; 1954 2. Theol. Examen u. Ordination; 1956 Dr. theol. an der Univ. Heidelberg (b. Edmund Schlink); 1954 – 59 Studentenpfarrer an der HU Berlin; 1959 – 63 Pfarrer in Lautawerk (Niederlausitz); 1963 – 72 Ltr. des Predigerseminars Brandenb.; 1972 – 81 Gen.-Superintendent des Sprengels Cottbus (Nachf. von  Günter Jacob); 1975 Lizenzträger u. Gesellschafter der Ev. Verlagsanstalt Berlin; 25.4.1981 Wahl u. am 1.10.1981 Amtsantritt als Bischof der Ev. Kirche Berlin-Brandenb. (Nachf. von  Albrecht Schönherr); 1984 – 87 Vors. des Rats der Ev. Kirche der Union für den Bereich DDR (Nachf. von  Hanns-Joachim Wollstadt). 1991 Ruhestand. F. gehörte zu denjenigen kirchl. Amtsträgern, die in der innerkirchl. Diskussion der 80er Jahre dafür eintraten, opp. Gruppen einen begrenzten Wirkungs- u. Schutzraum unter dem Dach der ev. Kirche zu gewähren; er selbst trug 1981 demonstrativ das Zeichen »Schwerter zu Pflugscharen«, als zahlr. junge Menschen dafür polizeil. belangt wurden; im Herbst 1989 aktiv beteiligt an der Untersuchung polizeil. Übergriffe auf Demonstranten sowie an der Auflösung des MfS; seit 1990 wiederholte Mahnung zu mehr Behutsamkeit im Prozeß der dt. Vereinigung.Wie soll es weitergehen? Tauflehre u. Taufpraxis. Berlin 1970 (Hrsg.); Die Königsherrschaft Jesu Christi bei Luther. Berlin 1988. Sachse, Ch.: Dem Menschen eine Stimme geben. Bischof G. F. u. die Opposition in der DDR. Berlin 2009.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Fischer, Kurt

* 1.7.1900 – ✝ 22.6.1950

Geb. in Halle; Vater Schneider, Mutter Fabrikarb.; 1907 – 15 Volksschule in Halle, 1915 – 18 Präparandenanstalt in Unruhstadt; 1918 – 21 Studium am Lehrerseminar in Eisleben u. Merseburg; 1917 Spartakusbund; 1918 fünf Monate Haft; 1919 KPD; nach Teiln. an den bewaffneten Kämpfen in Mitteldtl. März 1921 Emigr. nach Sowjetrußland; Lehrer an dt.-spr. Schulen in Moskau u. Petrograd; Nov. 1921 amnestiert, Rückkehr nach Dtl.; ab Dez. 1921 als Red. bei KPD-Ztgn. in Essen, Halle u. Kassel sowie Mitarb. im zentr. Pressedienst der KPD in Berlin; KPD-Sekr. in Mecklenb.; emigrierte 1924 erneut in die UdSSR; 1924 – 45 Mitgl. der WKP(B); Jan. 1924 Ltr. der dt. Sektion im Volkskommissariat für Volksbildung in Moskau; 1924 – 28 Mitarb. im EKKI, März – Sept. 1924 Lehrer an der KUNMS; 1928 – 32 Kursant an der Militärakad. »M. W. Frunse« in Moskau; 1932 – 39 Agent des sowj. militär. Nachrichtendienstes GRU (in China, Japan u. versch. europ. Ländern); Nov. 1933 in Wien verhaftet, neun Mon. in Haft, Aug. 1934 Entlassung; 1939 – 41 Mitarb. einer sowj. Militärbehörde; 1941 Verwundung; 1942/43 Doz. an der Univ. »W. I. Uljanow-Lenin« in Kasan; 1943 – 45 erneut Mitarb. der EKKI-Presseabt., antifa. Arbeit in Kriegsgefangenenlagern; publizist. tätig für die Ztg. des NKFD. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl. als Mitgl. der KPD-Initiativgr. für Sachsen (Ltr.  Anton Ackermann); Mai – Juli 1945 OB in Dresden, danach bis Dez. 1948 1. Vizepräs. der LV bzw. Innenmin. des Landes Sachsen; Abg. des Landtags; Mitgl. des Verfassungsaussch.; Mitglied des SED-LV; 1946 Dr. h. c. der TU Dresden; 1948 – 50 Präs. der DVdI (Nachf. von  Erich Reschke) u. ab Nov. 1949 Chef der DVP, Gen.-Inspektor; 1949/50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; gest. in Bad Colberg (b. Hildburghausen).Die Berliner Abwehrkämpfe 1918/19. Berlin 1956. Richter, M., Schmeitzner, M.: Einer von beiden muß sobald wie möglich entfernt werden. Der Tod des sächs. Min.-Präs. Rudolf Friedrichs vor dem Hintergrund des Konfliktes mit dem sächs. Innenminister Kurt Fischer 1947. Leipzig 1999.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fischer, Erwin

* 17.8.1907 – ✝ 8.12.1942

Geboren am 17. August 1907 in Frauendorf bei Stettin, Sohn eines Arbeiters; wurde Werftarbeiter. Seit 1924 in der Kommunistischen Jugend, 1928 Gauführer der Roten Jungfront in Pommern. Von 1929 bis 1930 kam er wegen Zersetzung der Reichswehr in Festungshaft, danach leitete er den KJVD Pommern und wurde 1932 Mitglied der KPD-BL Pommern. 1933 Kurier des ZK in Berlin, von November 1933 bis September 1934 war er Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau. Anschließend in Amsterdam u. a. als »Abwehrmann« für den AM-Apparat sowie als Instrukteur für Westdeutschland tätig. 1936 wegen Kontakten zum britischen Geheimdienst seiner Funktion enthoben, weiterhin in der Roten Hilfe aktiv. Im Oktober 1937 wurde Fischer in Amsterdam wegen Paßvergehens verurteilt, seine Auslieferung an Deutschland nur dank öffentlicher Proteste verhindert. Er blieb aber bis zur deutschen Besetzung in den Niederlanden interniert. 1940 nach Deutschland überführt, verurteilte ihn der VGH im September 1942 zum Tode. Erwin Fischer wurde am 8.Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fischer, Helene (Lena)

* 28.5.1906 – ✝ 14.10.1985

Geboren am 28. Mai 1906 in München als Helene Schirmann, Tochter eines Ingenieurs. Nach der Handelsschule in Zürich Abitur, war von 1925 bis 1934 Stenotypistin und Bankkorrespondentin in Berlin. Seit 1927 im KJVD, seit 1930 in der KPD, leitete sie 1929 deren Groß-Berliner Kinderorganisation, 1933 illegale Oberinstrukteurin des ZK des KJVD für die sächsischen Bezirke, Ende 1934 auf der Reichskonferenz in das ZK des KJVD kooptiert. Am 12. April 1935 reiste sie zu einem verabredeten Treff mit einem Vertreter der illegalen KPD-BL Sachsen nach Dresden. Sie ahnte nicht, daß es ein Dresdener Gestapobeamter war, dem sie ausführlich über ihre Tätigkeit berichtete. Im Anschluß an diesen »Treff« festgenommen, wurde sie schwer gefoltert. Als sie erkannte, daß die Gestapo tief in das illegale Netz des KJVD in Sachsen eingedrungen war, empfahl sie anderen Verhafteten, die ihr gegenübergestellt wurden, bereits bekannte Fakten und Namen zuzugeben. Im August 1936 vom VGH zu lebenslänglicher Haft verurteilt, kam sie in das Zuchthaus Waldheim. Lena Fischer wurde im Sommer 1937 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs unter Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft freigelassen und durfte in die Sowjetunion ausreisen. Dort wurde sie nach einem detaillierten Bericht über ihre Verhöre Mitarbeiterin der Jugendinternationale, später bei der DZZ in Moskau. Sie mußte wegen der Verhaftung ihres Bruders durch das NKWD ausscheiden und kam als Instrukteurin in eine Trikotagenfabrik in Moskau. Ab 1940 Stenotypistin, dann Redakteurin beim Moskauer Rundfunk. Im Juni 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitete im Frauensekretariat des ZS der SED. Ende 1949 in das Sekretariat der SED-Landesleitung Groß-Berlin und 1950 auf dem III. Parteitag in das ZK der SED berufen. Am 17. März 1953 bestätigte das Politbüro einen Beschluß der ZPKK, Lena Fischer wegen »Verrats vor der Gestapo« aus der Partei auszuschließen. Daraufhin wurde sie verhaftet und im September 1953 vom Bezirksgericht Rostock zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Durch »Gnadenerlaß« des Präsidenten der DDR am 19. November 1955 freigelassen. Im Januar 1957 nichtöffentlich »rehabilitiert«, im kommunalen Großhandelsbetrieb für Molkerei-Erzeugnisse und Eier in Ost-Berlin tätig. Sie erhielt zwar später den VVO in Gold, wurde aber nie öffentlich rehabilitiert. Lena Fischer starb am 14. Oktober 1985 in Ost-Berlin. Andreas Herbst veröffentlichte 2001 eine biographische Skizze über Lena Fischer.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fischer, Paul

* 17.10.1894 – ✝ 18.11.1979

Geboren am 17. Oktober 1894 in Hohenölsen/Krs. Gera, Sohn eines Fabrikarbeiters; er war zunächst Rechtsanwaltsgehilfe in Weida und ließ sich anschließend beim Deutschen Schulschiffverein in Elsfleet bei Bremen ausbilden, um die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Von 1910 bis 1914 Leichtmatrose bei der Handelsflotte, 1914 zur Kriegsmarine eingezogen, gehörte er zu den Kieler Matrosen, die 1917 meuterten, und wurde deshalb im Juli 1917 zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, blieb bis zum Revolutionsausbruch in Siegburg und Bremerhaven eingesperrt. Seit 1917 in der USPD, von November 1918 bis Februar 1919 Redakteur der »Reußischen Volkszeitung« in Greiz, danach erwerbslos bzw. Notstandsarbeiter. Im März 1920 militärischer Leiter der Arbeiterwehr in Greiz. Von 1922 bis 1924 arbeitete Paul Fischer als Weber, kam 1923 in die BL Thüringen und war dort auch Leiter der Nachrichtenabteilung. Im Februar 1924 in den Thüringer Landtag gewählt, auch von 1927 bis 1930 Abgeordneter. Bei den Auseinandersetzungen zwischen den Rechten und den ZK-Anhängern in Thüringen 1928 gehörte Fischer zu den führenden Rechten, am 1.März 1929 wurde er aus der KPD ausgeschlossen. Danach Mitglied der KPO, er bildete mit weiteren fünf Abgeordneten (von insgesamt acht) bis Ende 1929 eine Fraktion der KPO im Thüringer Landtag. Für die KPO war Fischer bis 1933 aktiv, u. a. auch als Stadtverordneter in Greiz. Im Januar 1933 einige Zeit inhaftiert, bewirtschaftete er dann eine Hühnerfarm und arbeitete bis 1936 als Weber und anschließend als Nähmaschinenvertreter. 1940 zur Wehrmacht einberufen, diente zuletzt als Oberbootsmann in Aarhus/Dänemark. Im Juli 1945 kehrte Fischer zurück und wurde in Greiz Verlagsvertreter. Im August 1949 gründete er den Bilderbuchverlag Paul Fischer, der 1952 vom Thüringischen Volksverlag übernommen wurde, er war ab Februar 1952 Mitarbeiter des Kulturbundes. Da sich Fischer weder der KPD noch der SED anschloß und aus seiner kommunistisch-oppositionellen Einstellung keinen Hehl machte, hatte er viele Schwierigkeiten. Um seiner Tochter Traute Fischer (* 9. 2. 1928) zu helfen – sie war im Oktober 1953 in der DDR verhaftet und wegen »Spionageverdachts« zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt worden –, ließ er sich im November 1953 zum Schein durch die MfS-Bezirksverwaltung Gera als sogenannter Geheimer Mitarbeiter anwerben. Doch Paul Fischer wurde selbst am 22. Januar 1954 in Ost-Berlin verhaftet und am 4. Juni d. J. vom 1. Strafsenat des Bezirksgerichts Jena wegen »Verbrechens nach Art. 6, Abschnitt II der DDR-Verfassung und Verstoßes gegen die Kontrollratsdirektive 38« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Zunächst im Zuchthaus Torgau und dann im Zuchthaus Brandenburg eingesperrt, kam er erst nach achtjähriger Haft 1962 wieder frei. Paul Fischer wohnte zurückgezogen in Greiz, wo er am 18.November 1979 starb.

Wer war wer in DDR

Fister, Rolf

* 12.10.1929 – ✝ 19.3.2007

Geb. in Großdeuben (Krs. Leipzig); Vater Schlosser; Volksschule; 1944 – 48 Ausbildung zum Chemigraph, anschl. im Beruf tätig; 1948 Betriebsassistent; 1952 Einstellung beim MfS, Landesverw. Sachsen, Abt. IV; 1952/53 Kursant an der Schule des MfS Potsdam-Eiche; 1953 Versetzung zur HA IX (Untersuchungsorgan) des MfS Berlin; 1956 – 60 Fernstudium an der Zentralschule der VP Arnsdorf, später Mittlere Polizeischule Aschersleben, Kriminalist; 1958 Stellv., dann Abt.-Ltr. in der HA IX; 1962 – 66 Fernstudium Kriminalistik an der HU Berlin, Dipl.-Krim.; 1965 stellv. Ltr., 1973 Ltr. der HA IX; 1975 Prom. an der JHS Potsdam-Eiche; 1978 Gen.-Major; Jan. 1990 Entlassung, Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Flade, Hermann Joseph

* 22.5.1932 – ✝ 16.5.1980

Geb. in Würzburg; 1936 Umzug der Fam. nach Olbernhau (Erzgeb.); 1938 Grundschule; 1942 Umzug nach Dresden, Febr. 1945 Rückkehr nach Olbernhau, Besuch der Oberschule; Okt. 1949 auf eigenen Wunsch von der Schule beurlaubt, anschl. Hauer im Uranerzbergbau in der Wismut in Marienberg (Erzgeb.), April 1950 Arbeitsunfall, anschl. Ziegeleiarb.; ab Okt. 1950 wollte F. das Gymnasium in Olbernhau besuchen; Herstellung u. Verteilung von ca. 200 Flugblättern gegen den undemokrat. Charakter der bevorstehenden Volkskammerwahlen vom 15.10.1950; am 14.10.1950 verhaftet, nach Bekenntnis zum Widerstand u. als Gegner der SED-Diktatur am 10.1.1951 in einer öff. Gerichtsverhandl. vor etwa 1.200 Zuhörern in Olbernhau zum Tode verurteilt; massive Proteste gegen das Urteil im In- u. Ausland, u. a. durch die bundesdt. Politiker Konrad Adenauer, Ernst Reuter u. Ernst Lemmer, zahlr. illeg. Flugblattaktionen in der DDR, u. a. durch neue Widerstandsgr. wie z. B. den Kreis um  Achim Beyer in Werdau; 29.1.1951 Revision u. Umwandlung des Urteils durch das Oberlandesgericht Dresden in 15 Jahre Zuchthaus; Haft in Bautzen, Torgau u. Waldheim; Nov. 1960 Entlassung im Zuge einer Amnestie; Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; Abitur, Stud. der Politikwiss. u. Philos. in München u. Mainz, 1967 Prom. mit der Arbeit »Polit. Theorie in der abendländ. Kultur«; später wiss. Mitarb. am Gesamtdt. Inst. Bonn; gest. an den Spätfolgen der Haft.Deutsche gegen Deutsche – Erlebnisbericht. Freiburg 1963; Die Chance der Freiheit. Meisenheim am Glan 1968. Fricke, K. W.: Überzeugt von seiner gerechten Sache. In: Ders.: Der Wahrheit verpflichtet. Berlin 2000; König, K.: H. F. In: Fricke, K. W. u. a. (Hrsg.): Opposition u. Widerstand in der DDR. München 2002; Fricke, K. W.: H. J. F. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, Z. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Fleck, Werner

* 3.6.1931 – ✝ 12.1.2018

Geb. in Roßlau (Elbe); Vater Arbeiter; Grund- u. OS, Laborantenausbildung; SED; Studium der Berufspädagogik u. Chemie an der TU Dresden; Dipl. Gewerbelehrer für Chemie; Assistent am Institut für Berufspädagogik der TU Dresden, 1968 Promotion zum Dr. paed.; 1961/62 Referent im Staatssekr. für Hoch- u. Fachschulwesen; 1963 – 72 Leiter der Ständigen Arbeitsgruppe Bildung u. Kultur im Büro des Ministerrats der DDR, außerdem Sekr. der Staatl. Kommission zur Gestaltung u. Ltr. einer Ständigen Arbeitsgem. Bildung u. Kultur eines einheitl. sozialist. Bildungssystems beim Ministerrat der DDR; 1972 Berater für HS-Wesen u. Volksbildung in Syrien; 1973 – 76 Botschafter der DDR in Österreich (Nachf. von Günter Kämmler), 1976 – 83 Botschafter der DDR in Frankreich (Nachf. von  Ernst Scholz), 1984 – 89 Abt.-Ltr. Westeuropa im MfAA (Nachf. von Werner Plaschke); VVO.Method. Ansatz für die perspektiv. Reform des Bildungswesens. Dresden 1968.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fleischer, Helene

* 11.6.1899 – ✝ 26.6.1941

Geboren am 11. Juni 1899 in Leumnitz bei Gera als Helene Lätzsch, Tochter eines Arbeiters und langjährigen Sozialisten. 1914 aus der Schule entlassen, arbeitete sie als Stubenmädchen bei dem Rittergutspächter Wauer in Oberpöllnitz bzw. bei der AOK in Niederndorf bei Gera. Als junge Textilarbeiterin schloss sich Helene Lätzsch, später verh. Fleischer der sozialistischen Jugend an, wurde 1921 Mitglied der SPD und trat 1924 zur KPD über. Seit 1926 Betriebsratsvorsitzende der Textilfabrik "Louis Hirsch" Gera, zog sie im Juli 1932 im Wahlkreis Thüringen als Abgeordnete in den Reichstag ein, dem sie bis März 1933 angehörte. Helene Fleischer wurde am 13. Januar 1934 wegen illegaler Arbeit für die KPD in Apolda verhaftet und am 30. Mai d. J. vom OLG Jena zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die sie in Gräfentonna und anschließend in den KZs Lichtenburg und Moringen verbüßte. 1938 schwerkrank aus der Haft entlassen, anschließend in der Geraer-Greizer Kammgarnspinnerei beschäftigt. Im Februar 1941 erneut festgenommen und im Mai 1941 nach schweren Misshandlungen aus dem Gefängnis Gera in die Heilanstalt Stadtroda überführt. Dort wurde Helene Fleischer am 26. Juni 1941 ermordet.

Wer war wer in DDR

Flierl, Thomas

* 3.7.1957

Geb. in Berlin-Pankow; Vater Architekturtheoretiker  Bruno Flierl; POS; 1974 – 76 EOS »Carl von Ossietzky«, Abitur; 1976 – 81 Studium der Philos. an der HU Berlin, Dipl.; 1976 – 90 SED; 1981 – 84 Forschungsstudium der Kulturwiss. / Ästhetik an der HU Berlin; 1984 / 85 wiss. Ass.; 1985 Dr. phil.; 1985 / 86 am Zentrum für Kunstausstellungen; 1987 – 90 wiss. Mitarb., Referent bzw. Abt.-Ltr. im Bereich Kulturaustausch des Min. für Kultur; 1989 / 90 Ko-Vors. der Arbeitsgr. Kultur im Regionalaussch. Berlin-Brandenb.; Jan. 1990 Austritt aus der SED-PDS, beteiligt am Versuch der Gründung einer Unabh. Sozialist. Partei. Seit 1996 Mitgl. der PDS bzw. Linkspartei; 1990 – 96 Ltr. des Kulturamts Berlin-Prenzlauer Berg; Stellv. Dir. des Kulturwiss. Inst. bei der Akad. für Kultur u. Bildung Berlin; 1995 – 99 u. seit 2001 MdA Berlin; 1998 – 2000 Bezirksstadtrat für Ökolog. Stadtentw., Bauen u. Wohnen in Berlin-Mitte; 2001 freier Mitarb. der Rosa-Luxemburg-Stiftung; Jan. 2002 – Sept. 2006 Senator für Wiss., Forsch. u. Kultur des Landes Berlin; seit 2000 Mitgl. des Parteivorst. der PDS bzw. Linkspartei; lebt in Berlin.Ästhetik der Aneignung (Diss.). Berlin 1985; Mythos Antifaschismus. Berlin 1992.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Florin, Wilhelm

* 16.3.1894 – ✝ 5.7.1944

Als Sohn eines streng katholischen Arbeiters am 16. März 1894 in Köln-Poll geboren; lernte Nieter und arbeitete in Waggonfabriken, Kesselschmieden und Werften. Zunächst im katholischen Jungmännerverein organisiert, 1913 Mitglied der Gewerkschaft und einer sozialistischen Jugendorganisation. Von 1914 bis 1918 Soldat, als Infanterist verwundet, abkommandiert in eine Strafkompanie. 1917 trat Florin als Kriegsgegner der USPD bei und kam mit ihrem linken Flügel 1920 zur KPD. Er arbeitete in den Gasmotorenwerken, wo er auch Betriebsrat wurde. Bis 1923 ehrenamtlicher Funktionär, dann von Eugen Eppstein zu hauptamtlicher Tätigkeit herangezogen, Orgleiter im Bezirk Mittelrhein, wo ihn die französische Besatzungsmacht jedoch im Dezember 1923 auswies. Mit der Übernahme der Parteiführung durch die Linken begann der Aufstieg Florins in den zentralen Apparat der KPD. Auf dem IX. Parteitag 1924 in die Zentrale gewählt, zog er im Mai des gleichen Jahres als Abgeordneter des Wahlkreises Köln-Aachen in den Reichstag ein, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. Florin sollte im Mai 1924 die in Bayern weiterhin illegale KPD aufbauen, wurde verhaftet, aber als MdR nach wenigen Tagen wieder freigelassen. In einem Steckbrief von 1924 hieß es: »Augenbrauen leicht zusammengewachsen, niedrige steile Stirn, kräftige Gestalt, norddeutscher Dialekt.« Er ging nach Berlin zurück und übernahm dann als Polleiter die Führung des KPD-Bezirks Oberschlesien. Im Mai 1925 zur Bekämpfung der Ultralinken nach Gotha geschickt, war er von Juni bis September 1925 Polleiter des Bezirks Thüringen und seit dem X. Parteitag wieder Mitglied des Ruth-Fischer-ZK. Nach dem »Offenen Brief« im September 1925 war Florin einer der linken Führer, die gegen Ruth Fischer und für Ernst Thälmann auftraten. Als Vertrauensperson Thälmanns und des EKKI kam Florin im Dezember 1925 nach Essen, um als Polleiter den zerrütteten Bezirk Ruhr zu übernehmen. Er blieb in dieser Funktion bis Ende 1932. Dort behauptete er sich gegen die ultralinke und linke Opposition und hat 1928/29 die Stalinisierung der KPD an der Ruhr gegen Rechte und Versöhnler durchgesetzt. Bald wurde Florin als der »Führer des Ruhrproletariats« gefeiert. Von den Parteitagen 1927 und 1929 ins ZK gewählt, war er seit 1929 Mitglied des Polbüros, behielt aber weiter seine Funktion in Essen. Ende 1932 nach Berlin gerufen, löste er Walter Ulbricht als Polleiter im Bezirk Berlin-Brandenburg ab. Nunmehr feierte ihn die »Rote Fahne« als »Führer des Berlin-Brandenburger Proletariats«. 1933 arbeitete Florin kurze Zeit illegal, dann emigrierte er und leitete kurz das Nordbüro der KPD (Skandinavien). In den Auseinandersetzungen in der KPD gehörte er zum linken Flügel ( Hermann Schubert, Fritz Schulte, Franz Dahlem), der zunächst die Mehrheit im Polbüro hatte (gegen Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck). Als die Komintern 1935 eine Wendung nach rechts erkennen ließ, schwenkte auch Florin um. Auf der »Brüsseler Konferenz« wieder ins ZK und Politbüro gewählt, wurde er Mitglied des EKKI-Präsidiums und arbeitete von 1935 bis 1943 als Sekretär des EKKI. Zur gleichen Zeit Vorsitzender der Internationalen Kontrollkommission, war er in dieser Funktion stark in die stalinistischen Säuberungen verstrickt. Er wirkte auch noch im Nationalkomitee Freies Deutschland. Florin starb am 5.Juli 1944, wurde aber nicht an der Kremlmauer, sondern auf einem Friedhof in Moskau beigesetzt. Florins Frau Therese, geborene Althammer (*23. 6. 1902 – † 15. 4. 1990), erhielt anläßlich ihres 65. Geburtstages 1967 den VVO in Gold. Sein Sohn Peter Florin (*2. 10. 1921 in Köln) absolvierte 1942 u. a. mit Wolfgang Leonhard und Markus Wolf einen viermonatigen Sonderlehrgang der Komintern in Kuschnarenko, anschließend war er Redakteur beim NKFD in Moskau. Im Mai 1945 als Mitglied der Gruppe Ackermann nach Deutschland zurückgekehrt, machte er in der SBZ/DDR Karriere. Von 1953 bis 1966 leitete er die außenpolitische Abteilung des ZK der SED, 1969 wurde er Staatssekretär, 1973 stellvertretender Außenminister und behielt dieses Amt bis zum Herbst 1989. Peter Florin, der von 1954 bis 1989 dem SED-ZK und ab 1988 dem Staatsrat angehörte, war von 1973 bis 1982 Vertreter der DDR bei den Vereinten Nationen.

Wer war wer in DDR

Folk, Heinrich

* 7.7.1919 – ✝ 21.5.1980

Geb. in Hindenburg (Oberschles. / Zabrze, Polen); Vater Bergarb.; Volksschule; 1933 – 39 Ausbildung zum u. Arbeit als techn. Zeichner; 1939/40 Postarb.; 1940 – 44 Wehrmacht; 1943 Desertion zur Roten Armee, mit Auftrag zur illeg. Arbeit zurückgekehrt; 1944 sowj. Kriegsgefangenschaft, Frontschule, Aufklärer in der Roten Armee, schwer verwundet; 1947 Besuch der Schule der Roten Armee in Moskau, dann Mitarb. einer Antifa-Schule. Rückkehr nach Dtl.; 1948 Einstellung bei der VP Berlin, Abt. Politkultur; 1949 Lehrer an der VP-Schule Prora; SED; 1950 Einstellung beim MfS, stellv. Ltr. der Abt. VII (MdI/DVP) der Länderverw. Mecklenb.; 1951 Ltr. der Abt. IV (Spionageabwehr); 1952 Ltr. der BV Schwerin; 1954 stellv. Ltr. der HA II (Spionageabwehr); 1956 stellv. Ltr. der HV A-HA I (pol. Spionage); 1959 Ltr. der HV A-Abt. I (Staatsapparat der Bundesrep. Dtl.); 1960 Oberst; 1967 von seiner Funktion entbunden; 1968 Entlassung, Rentner; 1979 VVO.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Forest, Jean Kurt

* 2.4.1909 – ✝ 3.3.1975

Geb. in Darmstadt; Vater Tapezierer; 1916 – 25 Spangenburgsches Konservatorium Wiesbaden (ohne Abschluß); 1925 Kapellmstr. in Wiesbaden; 1926 – 30 Konzert- u. Filmkapellmstr. in Berlin; 1930 – 33 1. Solobratscher im Rundfunksinfonieorchester Frankfurt (Main), 1934 – 36 im Philharmon. Staatsorchester Hamburg; Dez. 1932 KPD; 1937 Emigr. nach Paris, 1938 Ausweisung nach Dtl.; Kapellmstr. am Stadttheater Neiße, 1939 am Staatstheater Braunschweig; 1939/40 kleinere Engagements; 1940 Einberufung, 1942 – 45 Arbeitskomp. der Wehrmacht; 1945 zur Roten Armee übergelaufen; Apr. 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifaschule. Aug. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 51 Ref. für aktuelle Chormusik beim Berliner Rundfunk; 1952 Chefkapellmstr. beim Fernsehzentrum; seit 1954 freischaff.; 1951 Gründungsmitgl. des VDK, 1967 – 71 dort Vors. des BV Berlin; 1965 NP; 1969 VVO; 1969 – 75 Ltr. des Kammerensembles »Musica Nova«; 1970 DAK; komponierte Vokalmusik (250 Lieder), Ballette u. bes. Opern, u. a. »Der arme Konrad«, »Tai Yang erwacht«, »Die Blumen von Hiroshima«; in den 1960er Jahren auch Filmmusikkomponist; gest. in Berlin.Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Fischer, Oskar

* 19.3.1923

Geb. in Asch (ČSR/Aš, Tschechien); Vater Arbeiter; 1929 – 37 Volksschule; 1937 – 40 Ausbildung zum Schneider; 1941 – 44 Wehrmacht; 1944 – 46 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1946/47 Schneider; 1947/48 Vors. des FDJ-KV Spremberg; 1949/50 Vors. des FDJ-LV Brandenb.; 1950/51 Abg. des Landtags Brandenb.; 1951 – 55 Sekr. des ZR der FDJ u. Sekr. des WBDJ; 1952 – 55 Mitgl. des Weltjugendrats; 1955 – 59 Botschafter in Bulgarien; 1960 – 62 Sektorenltr. im ZK der SED; 1962 – 65 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.- Wiss.; 1965 – 73 stellv. Min., 1973 – 75 Staatssekr. u. Ständ. Stellv., 1975 – April 1990 Min. für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von  Otto Winzer); 1971 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1973 VVO; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1983 KMO.DDR – UdSSR. 30 Jahre Beziehungen, 1949 – 79. Berlin 1982. Wentker, H.: Außenpolitik in engen Grenzen. Die DDR im internat. System. München 2007.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Fischer, Richard

* 24.3.1906 – ✝ 15.12.1991

Geb. in Ahrensdorf (Krs. Oststernberg, Neumark / Jarnatów, Polen); Vater Metallarbeiter, Mutter Arbeiterin; aufgew. in Berlin, 1912 – 16 Gemeindeschule in Berlin-Moabit; 1916 – 20 Volksschule in Königswalde (Krs. Oststernberg); 1920 – 23 Ausb. zum Bau- u. Möbeltischler in Grunzig (Krs. Meseritz); 1923 – 25 Tischlergeselle bei einem Mühlenbauer im Warthebruch u. versch. Firmen in Königswalde u. Landsberg (Warthe); 1925 / 26 Bautischler in Berlin; 1926 / 27 als Einsetzer (Fenster / Türen) in Berlin; 1928 / 29 Tischler-FS in Berlin (ohne Abschluß); 1928 Bühnentischler der Filmstudios in Berlin-Staaken; 1929 – 30 Tischler u. Polier in Berlin; 1930 KPD, RGO, Polit-Ltr. im graph. Block Berlin-Kreuzberg; 1932 Besuch der MASCH; 1932 – 34 illeg. Arbeit; 1933 / 34 Instrukteur für die graph. Betriebe im Berliner Zeitungsviertel; Febr. 1934 Verhaftung, wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« u. Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis, Haft in Berlin-Tegel; Aug. 1936 Entlassung, unter Polizeiaufsicht in Berlin, weiter illeg. tätig; Sept. 1936 – Okt. 1937 Arbeit als Einsetzer der Fa. Preul & Hoyer, Berlin-Dahlem; Okt. 1937 Verhaftung wg. »Beihilfe zum Hochverrat« zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus, Haft in Brandenburg-Görden u. Gollnow, 1941 KZ Sachsenhausen, dort Arbeit als Tischler u. Mitarbeit im Abwehrapparat der KPD (u. a. mit  Karl Raddatz,  Max Opitz u. Ernst Schneller); Apr. 1945 auf Außenmontage in Berlin, Flucht. Ab Mai 1945 stellv. Ltr. des Kriminalkommissariats Berlin-Neukölln; Juni 1946 stellv. Ltr., 1947 Ltr. der Kriminalpolizei Berlin-Friedrichshain; anschl. Ltr. der Kriminalinsp. E 1 (Einbruch) im Polizeipräs. Berlin, 1948/49 dort stellv. Ltr. der Kriminalinsp. F (Fahndung), dann stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Dienststelle KD 1 (Org., Verwaltung u. Planung) in Vertretung von  Hans Fruck, gleichz. Vertreter des Ltrs. der Kriminalpolizei  Alfred Schönherr; Apr. – Juni 1950 Hauptreferent im MfAA; 1950 – 52 Ltr. der HA Personal der HV Seepolizei in Berlin-Wilhelmsruh, Chefinspekteur; Okt. 1952 Konteradmiral; 1952 – 54 Stellv. des Chefs der HV Kader u. Ltr. der Abt. für See- u. Lufteinheiten der KVP; Mai 1954 – Okt. 1959 erster DDR-Botschafter in Nordkorea; Dez. 1959 Reaktivierung durch die NVA, Oberadjutant beim Minister für Nat. Verteidigung; Febr. 1960 Generalmajor; Okt. 1960 – Dez. 1961 Stellv. des Chefs der Polit. Verw. für Allg. Fragen des MfNV (militär. Nachrichtendienst); 1962 Ltr. der Zensurstelle des MfNV; Sept. 1962 – Mai 1967 Militär-, Marine- u. Luftwaffenattaché in der UdSSR; 1967 – 71 Dir. der Dt. Militärbibliothek in Strausberg bzw. Dresden; 1970 Banner der Arbeit; 1971 Rentner; VVO; 1985 KMO; gest. in Berlin.Drews, M., Stoll, M.: Soldaten der ersten Stunde. Fünf Lebensbilder. Berlin 1981.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Fischer, Ursula

* 6.9.1952

Geb. in Steinach (Krs. Sonneberg); Vater Handelsbereichsleiter; Mutter Verkaufsstellenleiterin; 1959 – 67 Grundschule in Steinach; 1967 – 71 EOS in Neuhaus am Rennweg, Abitur; 1971 – 73 Studium der Med. an der KMU Leipzig, 1973 – 76 an der Med. Akad. Erfurt, Dipl. med.; 1971 Mitgl. der SED; 1976 – 80 Ausbildung zur Fachärztin für Kinderheilkunde in Eisenach, 1980 – 82 in Nordhausen; 1982 – 86 tätig in der Kinderpoliklinik in Nordhausen; 1986 / 87 u. 1989 / 90 Ärztin in einer Kinderklinik in Nordhausen, 1987 – 1.9.1989 Kinderärztin in Managua (Nikaragua); 1989 Dr. med. an der Med. Akad. Erfurt; März-Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. 1990 – 94 MdB; 1994 – 2004 Mitgl. des Thür. Landtags, 1994 / 95 Vors., 1995 – 97 parlamentar. Geschäftsf. der PDS-Frakt.; 2000 aus der PDS ausgetreten; seit Nov. 2004 Fachärztin für Allg.-Medizin u. Psychotherapeutin in Elxleben (b. Erfurt); lebt in Elxleben.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Fischer, Werner

* 29.3.1950

Geb. in Caputh (b. Potsdam); Vater ltd. Angest., Mutter Ltr. einer Kinderkrippe; POS; 1964 nach der Weigerung, der FDJ beizutreten, nicht zur EOS zugelassen; 1964 – 67 Ausbildung zum Rohrleitungsmonteur, anschl. berufstätig; ab 1968 Wehrdienst bei den Grenztruppen; ab 1972 Bühnenarb., später Werbeorg. am Berliner Metropoltheater; 1976 öff. Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns, Teiln. an diversen illeg. pol. Zirkeln; seit 1981 in der unabh. Friedensbew. aktiv; 1985/86 Mitbegr. der opp. IFM; 1986 Berufsverbot; Jan. 1988 im Zusammenhang mit der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration Verhaftung wegen Verdachts auf »landesverräter. Agententätigkeit«, Abschiebung nach England (gem. mit  Bärbel Bohley); Aug. 1988 Rückkehr nach Berlin; Okt. 1989 Mitarb. im Kontaktbüro der Berliner Gethsemane-Kirche, wo Informationen zu Demonstrationen, polizeil. Übergriffen u. a. gesammelt wurden; Nov. 1989 als IFM-Vertreter Mitgl. der Vorbereitungsgr. des Zentr. Runden Tisches; 1990 Beauftragter der Reg.  Modrow, später des Berliner Magistrats zur Auflösung des MfS. 1991/92 Ltr. der Projektgr. zur Auflösung des MfS in der Berliner Senatsverw., anschl. arbeitslos; 1992 – 94 Pressesprecher der Bundestagsgr. Bündnis 90/Die Grünen; danach Mitarb. einer Kulturinitiative in Berlin.Findeis, H., Pollack, D., Schilling, M.: Die Entzauberung des Pol. Berlin, Leipzig 1994.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fittko, Hans (Johannes)

* 16.5.1903 – ✝ 15.9.1960

(* 1903 – † 1960) Geboren am 16. Mai 1903 in Finsterwalde, Sohn eines Vertreters; Angestellter, journalistische Tätigkeit, publizierte u. a. in Franz Pfemferts »Die Aktion«. Mitglied und Funktionär der KPD in Berlin, Polleiter und Abgeordneter in der Bezirksversammlung Berlin-Spandau. Nach 1933 im Widerstand, wurde nach Hans Fittko als »intellektueller Urheber« eines Kapitalverbrechens gefahndet, denn in Berlin war ein NSDAP-Mitglied bei Auseinandersetzungen erschossen worden. Er floh nach Prag und erfuhr, daß er in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war. Dort lernte er seine spätere Frau Lisa, geborene Ekstein (* 23. 8. 1909 – † 12. 3. 2005), kennen, eine Österreicherin, die im März 1932 Gabo Lewin geheiratet hatte, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen und bis 1933 im KJVD aktiv war. Auf Druck der NS-Behörden von der tschechischen Regierung ausgewiesen, reisten sie in die Schweiz. Hans Fittko übernahm hier als Nachfolger von Wilhelm Mauer die Emigrationsführung der KPD und unter dem Parteinamen Stefan in Basel die Grenzarbeit, um illegale Literatur nach Deutschland zu schaffen. Hans und Lisa Fittko konnten ihre Widerstandsarbeit in die Niederlande, später nach Frankreich verlegen. 1937 wurde Hans Fittko als »Abweichler« aus der KPD ausgeschlossen. Bei Kriegsausbruch interniert, verhalfen sie danach in Zusammenarbeit mit dem Emergency Rescue Committee vielen Emigranten, die durch das Vichy-Regime von Ausweisung bedroht waren, zur Flucht. Diesen Abschnitt ihres Lebens beschrieb Lisa Fittko in dem Band »Mein Weg über die Pyrenäen«. Sie flohen 1941 nach Kuba, arbeiteten in Havanna in einer Ausbildungsstätte für jüdische Flüchtlinge. 1948 übersiedelten sie in die USA. Hans Fittko starb am 15. September 1960 in Chicago. Für seine Tätigkeit im Widerstand wurde er in Yad Vashem in Israel als »Gerechter unter den Völkern geehrt«. Diese Auszeichnung nahm Lisa Fittko im Juli 2000 stellvertretend für ihren Mann entgegen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fladung, Johannes

* 12.2.1898 – ✝ 11.9.1982

Geboren am 12. Februar 1898 in Frankfurt/ M., der Vater war Steinbildhauer und SPD-Funktionär. Der gelernte Kunstschmied schloß sich 1913 der Arbeiterjugend und 1915 der SPD an. Von 1916 bis 1918 Soldat, nach dem Krieg Funktionär der USPD in Frankfurt/M. und Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag mit der KPD im Dezember 1920. Er arbeitete als Monteur. Von Mai bis August 1923 besuchte Fladung die Reichsparteischule, anschließend wurde er Bezirkssekretär in Kassel, später in Stettin, als Anhänger der linken Opposition 1924 zum Polleiter in Pommern gewählt. Fladung trennte sich jedoch 1924 von der Fischer-Maslow-Führung und wurde deshalb vom Orgleiter der KPD Werner Scholem seiner Funktion enthoben und in den Bezirk Niederrhein versetzt. Hier war er zunächst UB-Sekretär in Krefeld, von 1926 bis Anfang 1933 Sekretär für Landarbeit bzw. für Agitprop der BL Niederrhein. Im Dezember 1924 in den Preußischen Landtag gewählt, auch 1928 und 1932 Abgeordneter. Er war verheiratet mit einer Tochter des KPD-Abgeordneten Daniel Greiner. Bei einer Schlägerei mit NSDAP-Abgeordneten im Preußischen Landtag erlitt er im Mai 1932 einen Schädelbruch. 1933 wurde er als Nachfolger von Max Opitz Polleiter im Ruhrgebiet. Bei einer Besprechung mit John Schehr am 2.September 1933 in Berlin verhaftet und im berüchtigten Berliner Columbiahaus von der Gestapo schwer mißhandelt: »Wie oft ich bewußtlos geschlagen und anschließend mit Wasser wieder zu mir gebracht wurde, weiß ich nicht.« Nach mehrmonatiger Haft im KZ Oranienburg verurteilte ihn der VGH am 9.November 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, seine Frau Klara erhielt eineinhalb Jahre Gefängnis. Im August 1936 als dauernd arbeitsunfähig entlassen, war Fladung fast taub und hatte Störungen des zentralen Nervensystems. 1938 gelang die Emigration in die Schweiz und dann nach England, dort Mitbegründer des Kulturbundes deutscher Emigranten. 1946 Rückkehr nach Deutschland, wieder Mitglied der KPD, von 1946 bis 1948 war er Sekretär des westdeutschen Kulturbundes (Sitz Düsseldorf) und von 1951 bis 1958 Sekretär für Nordrhein-Westfalen. Diese Funktion legte er wegen Krankheit (fast erblindet) nieder. Ein Prozeß gegen Fladung vor dem Düsseldorfer Landgericht wegen »Staatsgefährdung« wurde im Januar 1964 wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten abgesetzt. Er hatte 1954 den Progreß-Verlag in Düsseldorf, später in Darmstadt gegründet. 1964 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Jena und 1975 den Stern der Völkerfreundschaft in Gold der DDR. Johannes Fladung starb am 11. September 1982 in Gundershausen bei Darmstadt. 1986 veröffentlichte der Röderberg-Verlag posthum Fladungs Erinnerungen unter dem Titel: »Erfahrungen vom Kaiserreich zur Bundesrepublik«.

Wer war wer in DDR

Flegel, Manfred

* 3.6.1927

Geb. in Magdeburg; Vater Reichsbahnangestellter; Volks- u. Oberschule; 1945 kurzz. Wehrmacht, Fahnenjunker; amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 47 erneut OS, Abitur; 1947/48 Volontär bei der IHK Magdeburg; 1948 NDPD; FDGB; 1948 – 52 Studium der Ges.-Wiss. u. Finanzökon. an den Univ. Rostock u. Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1950 – März 1990 Abg. der Volkskammer, 1950 – 54 Mitgl. des Wirtschaftsaussch.; 1954 – 67 Mitgl., 1963 – 67 Vors. ihres Aussch. für Haushalt u. Finanzen (Nachf. von  Max Seydewitz); ab Juni 1951 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD u. Referent für HS-Fragen beim PV; 1953 – 59 Abt.-Ltr. beim PV der NDPD; 1959 – Jan. 1990 Mitgl. ihres Hauptaussch.; 1959 – 64 Mitgl. des Sekr. des Präs. des NR der NF, anschl. ehrenamtl. Mitgl. des Präs.; 1964 – 67 Sekr. für Wirtschaft des Hauptaussch. der NDPD, anschl. bis Jan. 1990 Mitgl. des Präs. u. des Sekr. des Hauptaussch.; 1967 – Nov. 1989 Stellv. Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Lothar Bolz), 1971 – 74 Min. für Materialwirtschaft (Nachf. von  Erich Haase); 1974 – Nov. 1989 Vors. des Staatl. Vertragsgerichts (Nachf. von Gerhard Walter); 1977 VVO; 1987 – Nov. 1989 stellv. Vors. der NDPD; Nov. 1989 – April 1990 Min. für Handel u. Versorgung (Nachf. von  Gerhard Briksa); ab März 1990 zeitw. Beauftragter für Vermögensfragen der NDPD; März 1990 nach Beitritt der NDPD zum Bund Freier Demokraten dessen Mitgl., später FDP; 1990 Vorruhestand.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Fleißner, Werner

* 17.6.1922 – ✝ 27.12.1985

Geb. in Chemnitz; Vater Modelltischler; Volksschule; 1936 – 41 Ausbildung zum Modelltischler, danach im Beruf tätig; 1941 – 45 Wehrmacht, Uffz. u. Zugführer; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Arbeit als Modelltischler; 1946 Eintritt in die Polizei; später Ltr. der Schutzpolizei in Chemnitz, Kfz-Einsatzltr. in Fürstenwalde, VP-Kommissar; SED; 1948 – 50 Kdr. der kasernierten Polizeibereitschaft Großenhain, VP-Oberrat; 1951 – 56 Kdr. der Kfz-Offiziersschule der KVP Apollensdorf (b. Wittenberg) bzw. Stahnsdorf (b. Potsdam); 1953 Oberst; 1956 – 58 HS für Offz. der NVA Dresden; 1958 – 63 Chef Kfz-Wesen im Min. für Nat. Verteidigung; 7.10.1963 Gen.-Major; 1964 – 72 stellv. Min. (Nachf. von  Friedrich Dickel) u. ab 1972 Chef für Ausrüstung/Technik u. Bewaffnung; 1965 – 69 externes Studium an der Militärakad. Dresden, Dipl. rer. mil.; 7.10.1969 Gen.-Ltn., 7.10.1977 Gen.-Oberst; 1979 VVO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fließ, Walter Gustav

* 21.6.1857

Geboren in Berlin am 21. Juni 1857, entstammte einer begüterten Familie und besuchte ein Berliner Gymnasium bis zur Obersekunda. Er erlernte den Apothekerberuf, studierte in den USA Medizin und erhielt dort von der Science of Rochester (New Jersey) den Professorentitel. Nach Weiterbildung in London, Paris und Kopenhagen Rückkehr nach Berlin, war drei Jahre Assistent bei einem Naturarzt und leitete eine Heilanstalt für Epileptiker in Grünau. 1896 übersiedelte er nach Hamburg, wo er eine Heilanstalt gründete. Mitglied der SPD, schloß sich 1917 der USPD an und wurde für diese 1920 zum Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft gewählt. 1921 Mitglied der KPD, war er dann bis 1924 deren Abgeordneter in der Bürgerschaft. 1924 verließ Fließ die KPD, er trat politisch nicht mehr hervor, sein weiterer Lebensweg war nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Florin, Peter

* 2.10.1921 – ✝ 17.2.2014

Geb. in Köln-Soll; Vater Wilhelm F. KPD-Funktionär u. MdR; 1927 – 33 Volksschule u. Oberrealschule in Essen u. ab 1933 in Berlin; Ende 1933 Emigr. mit den Eltern nach Frankreich; hier teilw. in einem Kinderheim, Besuch der frz. Schule; nach Verhaftung seiner Mutter durch frz. Behörden 1935 durch die RH nach Moskau gebracht; dort Besuch der Karl-Liebknecht-Schule, 1940 Reifeprüfung; 1938 Mitgl. des Komsomol; 1939 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; ab 1940 Studium an der HS für Chemie (chemikotechnolog. Inst. »Mendelejew«) in Moskau, Dipl.-Ing.; 1941 Rote Armee; 1942 vier Mon. Sonderlehrgang an der KI-Schule in Kuschnarenkowo (zus. mit  Wolfgang Leonhard u.  Markus Wolf); Volontär bei der KI in Moskau; 1942/43 Red., 1943 Mitarb. im Red.-Koll. des NKFD in Moskau; 1943/44 Partisan in Belorußland; 1944/45 Schriftltr. im NKFD in Moskau; 1944 Orden des Roten Sterns (UdSSR). Mai 1945 Rückkehr nach Dtl. mit der KPD-Initiativgr. für Sachsen (Ltr.  Anton Ackermann); Mai – Juli 1945 Mitarb. der KPD-BL Sachsen-Anh.; 1945/46 stellv. Landrat in Wittenberg; 1945/46 KPD/SED; Mitgl. der BL der KPD Sachsen-Anh.; 1945/46 Chefred. der »Volksztg.« (KPD), 1946 – 48 der Ztg. »Freiheit« (Halle); 1946 – 48 Mitgl. des Sekr. des SED-LV Sachsen-Anh.; 1948/49 schwere Erkrankung, Sanatorien in der UdSSR u. Ungarn; Sept. 1949/50 Mitgl. der Außenpol. Kommission beim PB des ZK der SED (unter  Leo Zuckermann); ab Okt. 1949 stellv. Ltr. des Büros bzw. der Abt. Internat. Verbindungen im ZK der SED (zus. mit  Grete Fuchs-Keilson); Jan. 1950 – 52 stellv. Ltr. der HA Pol. Angelegenh. im Außenmin. (unter  Gerhard Kegel), gleichz. Ltr. der HA UdSSR bzw. HA I UdSSR u. Volksdemokratien; 1953 – 66 Ltr. der Abt. für außenpol. Fragen bzw. Außenpol. bzw. Internat. Verbindungen des ZK der SED (Nachf. von  Grete Fuchs-Keilson); 1954 Kand., 1958 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1954 – 90 Abg. der Volkskammer, 1954 – 63 Vors., 1963 – 67 stellv. Vors., 1967 – 71 Mitgl. ihres Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1956 VVO; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch. 1933 – 45; 1959 Mitgl. der DDR-Regierungsdelegation bei der Genfer Außenministerkonferenz der Großmächte; 1965 Banner der Arbeit; 1966/67 Studium an der HfÖ Berlin (Sonderlehrgang); 1967 – 69 Botschafter in der ČSSR (Nachf. von  Heinz Willmann); 1969 – 73 Staatssekr. im Außenmin. u. 1. Stellv. des Außenmin.; 1973 – 89 stellv. Außenmin.; 1970 VVO; Orden des Vaterländ. Krieges (UdSSR); 1971 Ehrenspange zum VVO; 1971 – 73 u. 1988/89 Mitgl. der Außenpol. Kommission beim PB des ZK der SED; 1973 – 81 Ständ. Vertreter der DDR bei den Vereinten Nationen in New York, Präs. der 42. Tagung der UN-Vollvers. u. der 3. Sondertagung über Abrüstung; 1982 – 88 Vors. der UNESCO-Kommission der DDR; 1981 KMO; 1985 Jubiläumsmedaille der UdSSR u. Großer Stern der Völkerfreundschaft; 1986 Held der Arbeit; 1988 – 90 Mitgl. des Staatsrats. 1990 Vors. des Prov. Vorst. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; Rentner, gest. in Berlin.Zur Außenpol. der souveränen soz. DDR. Berlin 1967. Leonhard, W.: Spurensuche. Vierzig Jahre nach »Die Revolution entläßt ihre Kinder«. Köln 1992; Haase-Hindenberg, G.: Die Reise nach New York. In: Die Welt, 17.9.2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Fomferra, Heinrich Karl

* 19.11.1895 – ✝ 31.5.1979

Geb. in Essen-Schonnebeck; Vater Bergarb.; Volksschule in Essen; 1912 – 15 Ziegeleiarb., dann Bergarb. in Essen-Stoppenberg (Ruhr); 1912 SPD; 1915 – 18 Militärdienst; 1919 erneut Bergarbeiter in Stoppenberg; Jan. 1919 USPD; Angeh. der »Roten Ruhrarmee«; 1920 Übertritt zur KAPD, für die er die Kasse des Straßenbahndepots in Essen-Schonnebeck überfiel, woraufhin er 1920 zu 18 Mon. Zuchthaus verurteilt wurde; Haft in Münster u. im Außenkommando Königsmoor (Oldenburg); anschl. Bauarb. in Essen u. Zimmermann in Jena; dort Mitgl. der Proletar. Hundertschaften; März 1923 im Ruhrgeb.; 1923 KPD; Ltr. der proletar. Hundertschaften im Ruhrgeb.; Febr. 1924 wegen »Waffen- u. Sprengstoffbesitzes« verhaftet u. zu 16 Mon. Gefängnis verurteilt; Haft im Gefängnis Bielefeld; 1925 – 30 mit Unterbrechungen Bau-, Straßen- u. Druckereiarb. in Essen; ab 1925 Ltr. des RFB Stoppenberg; 1926/27 Kassierer des RFB Essen; 1928 Pol.-Ltr. der KPD Stoppenberg; Mitarb. der Org.-Abt. u. Mitgl. der KPD-BL Ruhr; Nov. 1929 – Juli 1930 zus. mit  Hermann Dünow u. Paul Gräf Teiln. des ersten neu eingerichteten Speziallehrgangs an der M-Schule der KI bei Moskau (»Karl Schwarzmann«); 1930 Mitarb. des AM-Apparates der KPD-BL Ruhr, dort Waffen-, dann Betriebsmann (»Anton Franz«); 1932 Ltr. der BB-Gruppe des M-Apparates in den Krupp-Werken Essen; Nov. 1932 – 35 erneut Besuch der M-Schule bei Moskau; dort Lehrer für Waffen-, Spreng- u. Brandstoffe; anschl. in der Kurierabt. der Abt. Internat. Verbindungen (OMS) der KI in Moskau tätig; Juli 1936 – Mai 1937 Einsatz in Spanien (als Österreicher »Hans Laber«), Capitán (Hptm.) in der XIV. Internat. Brigade, Batterie-Kdr.; Organisator u. Lehrer einer Partisanenschule; anschl. in der UdSSR nachrichtendienstl. Ausbildung an der »Radioschule« der GRU bei Moskau; Aug. 1938 Funker von Johann Wenzel (»Rote Kapelle«) in Belgien; Nov. 1938 in Moskau zur Ausbildung an der GRU-Schule; Mai – Okt. 1939 Einsätze in Paris, Brüssel u. der Schweiz; Nov. 1939/40 nach Ungarn zum Aufbau einer Residentur der GRU für Sabotage in der dt. Rüstungsindustrie; 1940 – 42 Aufbau einer Subversionsgr. in der Slowakei; verhaftet u. zeitw. der Gestapo überstellt; 1944 in Bratislava zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt, durch slowakische Partisanen befreit; danach Politkommissar einer Partisaneneinheit u. kurzfr. im prov. slowakischen Innenministerium tätig; anschl. Partisan. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Mitarb. der Landesreg. von Brandenb.; Juni 1945 – Juli 1946 Personalltr. im Landesforstamt Brandenb.; ab Okt. 1946 Mitarb. der DVdI, Oberregierungsrat in der K 5, einem MfS-Vorläufer; Febr. – Aug. 1949 Mitarb. der HA Politkultur; ab Nov. 1949 zur HV zum Schutz der Volkswirtschaft; Febr. 1950 Übernahme in das MfS; dort Ltr. der Abt. Erfassung u. Statistik; 1951 Ltr. des Sekr. des Min.  Wilhelm Zaisser; ab 1952 Ltr. der PKK im MfS; Dez. 1953 beurlaubt u. entlassen wegen angebl. »Aussagen vor der Gestapo« 1942; ab Mai 1954 Oberst-Ltn. der Grenzpolizei in Pätz (b. Königs Wusterhausen); dort Mitarb. der PKK in der KVP, anschl. Vors. der PKK der Dt. Grenzpolizei; 1956 Hans-Beimler-Medaille; Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1956 VVO; stellv. Ltr. der Dienststelle Röbelen/Verw. für patriot. Erziehung der NVA, die Sabotageakte in der Bundesrep. Dtl. vorbereitete; Dez. 1959 Ausscheiden aus dem aktiven Dienst; 1961 Rentner; 1962 nachträgl. Beförderung zum Oberst a. D.; 1965 u. 1970 VVO; 1975 KMO u. Erinnerungsmedaille zum 30. Jahrestag der Befreiung der ČSR; gest. in Berlin.In besonderer Mission. Erinnerungen. In: Köpstein, H. (Hrsg.): Beiderseits der Grenze. Berlin 1965; Wie ich Politkommissar einer slowak. Partisaneneinheit wurde. In: Voßke, H. (Hrsg.): Im Kampf bewährt. Erinnerungen. Berlin 1969. Höhne, H.: Kennwort Direktor. Frankfurt (Main) 1970; Kaufmann, B. u. a.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937. Berlin 1993; Fingerle, S., Gieseke, J.: Partisanen des Kalten Krieges. Berlin 1996; Auerbach, T.: Einsatzgr. an der unsichtbaren Front. Die Sabotagevorber. des MfS gegen die Bundesrep. Berlin 1999.Bernd-Rainer Barth / Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Forgbert, Erhard

* 30.9.1898 – ✝ 10.11.1965

Geboren am 30. September 1898 in Berlin, Sohn einer Weberfamilie. Als Bürobursche besuchte er Abendkurse und war ab 1916 Kontorist. Ende 1916 Soldat, wurde im April 1918 als Verwundeter aus dem Heeresdienst entlassen. Seit 1920 KPD-Mitglied, Orgleiter im Bezirk Berlin-Lichtenberg. Arbeiter in der AEG Berlin, dort Mitglied des Angestelltenrats, 1923 aus politischen Gründen entlassen, bis 1926 selbständiger Handelsvertreter, anschließend bei der sowjetischen Handelsvertretung. 1929 besuchte Forgbert die Leninschule in Moskau, war danach hauptamtlicher Sekretär und Buchhalter/Kassierer der KPD-BL Berlin-Brandenburg, ab Ende 1932 Sekretär der IAH Berlin-Brandenburg und Mitglied der IAH-Reichsleitung. Im April 1933 zusammen mit Ewald Blau und Erich Krautter in Berlin-Lichtenberg festgenommen und schwer mißhandelt. Am 21. Februar 1934 vom Reichsgericht in Leipzig zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Danach setzte er die illegale Arbeit fort, hatte später Verbindungen zu Erich Rutha, zur Widerstandsgruppe um Alfred Kowalke und Wilhelm Knöchel. Im Februar 1943 verhaftet, vom Kammergericht Berlin, aus »Mangel an Beweisen« freigesprochen, im März 1944 freigelassen. Im August 1945 vom KPD-ZK nach Schwerin geschickt, dort leitende Funktionen beim Aufbau des Bankwesens u. a. als Direktor der Filiale der Deutschen Notenbank (DNB) in Schwerin. Forgbert, der seit Sommer 1950 der ZRK der SED und seit Oktober 1950 dem Landtag von Mecklenburg angehörte, wurde im Oktober 1951 von seinen Funktionen abberufen und durch die ZPKK ein Parteiverfahren gegen ihn eingeleitet, da er sich kritisch zum Hitler-Stalin-Pakt 1939/40 geäußert hatte. Bis November 1953 »Bewährung« als kaufmännischer Leiter u a. im VEB Hüttenwerk Halsbünde. Ende 1953 Hochschullehrer an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ab 1958 Professor an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin. Erhard Forgbert starb am 10. November 1965 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fischer, Albert

* 23.12.1883 – ✝ 28.5.1952

Geboren am 23. Dezember 1883 in Metzingen/ Württemberg; gelernter Weißgerber. Er schloß sich schon in früher Jugend der SPD und während des Krieges der USPD an. Delegierter des Spaltungsparteitags der USPD und des Vereinigungsparteitags mit der KPD 1920. In der KPD hatte er vor allem die Landpropaganda in Württemberg durchzuführen. Seit 1927 gehörte er der BL Württemberg an und leitete die Abteilung Land. Albert Fischer war von 1924 bis 1932 Abgeordneter im Landtag von Württemberg und hatte in seiner Heimat großen Einfluß. Während des Hitler-Regimes war er längere Zeit im KZ Buchenwald inhaftiert. Nach 1945 Rentner, schloß er sich wieder der KPD an, für die er bis zu seinem Tode aktiv war. Albert Fischer starb am 28.Mai 1952 in Metzingen. Sein Sohn Albert Fischer (* 2. 4. 1914 – † 14. 6. 2003) war ebenfalls im KZ Buchenwald und nach 1945 in der KPD aktiv.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fischer, Franz

* 13.1.1904 – ✝ 6.2.1986

Geboren am 13. Januar 1904 in Berlin als Sohn eines alleinerziehenden Dienstmädchens, kam in ein Waisenhaus und wuchs dann bei Pflegeeltern in einer kinderreichen Familie auf. Er wurde Straßenfeger, Pferdeknecht und Laufbursche, ab 1924 Transportarbeiter in Berlin. 1921 Mitglied der KJD und 1923 der KPD, ab 1926 Mitglied der KJVD-BL Berlin-Brandenburg. Er zog 1929 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung ein, wurde Mitglied des ZK des KJVD und Orgleiter der Antifaschistischen Jungen Garden. 1930 im hauptamtlichen Apparat des KJVD, ab August 1930 in Moskau Vertreter des KJVD im Sekretariat der KJI. Wegen schwerer Tbc 1931/32 Sanatoriumsaufenthalt auf der Krim. Fischer gehörte zur Neumann-Gruppe innerhalb des ZK des KJVD. Im Juli 1932 kehrte er nach Berlin zurück und geriet in die Auseinandersetzungen der KPD-Parteiführung. Da er nicht sofort von Heinz Neumann, Kurt Müller und Alfred Hiller abrückte, wurde er aus dem ZK des KJVD ausgeschlossen, verlor auch seine hauptamtliche Arbeit im Parteiapparat und wurde im September 1933 wegen »Zugehörigkeit zur Neumann-Gruppe« aus der KPD ausgeschlossen. Nach einem halben Jahr wieder in die illegale Parteiarbeit zurückgeholt, im Mai 1934 verhaftet, saß er bis Mai 1937 im KZ Lichtenburg. Im Dezember 1937 emigrierte Fischer in die Tschechoslowakei, im Mai 1939 nach Großbritannien, war Rohrleger in London und dort Mitglied des Freien Deutschen Kulturbundes. Im August 1946 Rückkehr nach Berlin, wurde dort 1. Kreisvorsitzender der SED-Tempelhof. 1947/48 Lehrgang an der PHS, anschließend Abteilungsleiter in der SED-Landesleitung Berlin. Von 1963 bis 1967 Vorsitzender des Sekretariats des ZV der DSF. Als Parteiveteran erhielt er 1973 den Karl-Marx-Orden. Franz Fischer starb am 6. Februar 1986 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fischer, Karl Ferdinand

* 19.1.1893 – ✝ 25.3.1940

(* 1893 – † 1940) Geboren am 19. Januar 1893 in Reichenschwand/Bayern, Sohn eines Arbeiters; lernte Schlosser und arbeitete in seinem Beruf, bis er 1914 als Soldat am Krieg teilnehmen mußte. Nach dem Weltkrieg als Schlosser in Nürnberg beschäftigt, trat er 1921 der KPD bei und hatte in der Partei verschiedene Funktionen inne. Anfang 1927 Orgleiter des Bezirks Nordbayern, Delegierter des Xl. Parteitags im März 1927, auf dem er als Kandidat ins ZK gewählt wurde. Im Herbst 1927 wurde Karl Fischer gemeinsam mit August Creutzburg als Kommissar des ZK in die Pfalz geschickt, um diesen ultralinken Bezirk zu leiten. Nach Creutzburgs Weggang blieb Fischer 1928 als Polleiter für die Pfalz in Ludwigshafen/Rhein. Auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929 wieder als Kandidat ins ZK gewählt, obwohl er sich über den jähen Umfall der Mehrheit des ZK bei der Wittorf-Affäre empört hatte. Nachdem er schon 1927 kurz eine deutsche Parteischule besucht hatte, wurde Fischer im September 1929 auf die Leninschule nach Moskau delegiert. Im Juni 1930 aus Moskau zurückgekehrt, übernahm er die politische Leitung des vereinigten Bezirks Baden-Pfalz in Mannheim. 1932 zog Karl Fischer im Wahlkreis Merseburg als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Er wurde im gleichen Jahr als Anhänger Heinz Neumanns aus dem ZK entfernt und auch als Polleiter in Baden-Pfalz abgesetzt. 1933 Leiter der illegalen KPD im Bezirk Hessen-Kassel; am 20.November 1933 wurde er von der Gestapo verhaftet und am 7. November 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Zuchthaus Luckau leitete er einen illegalen Schulungszirkel der KPD, nach Ablauf seiner Strafzeit im Februar 1937 ins KZ Sachsenhausen überführt. Karl Fischer starb am 25. März 1940 im KZ an einem Herzleiden, das er sich in der Haft zugezogen hatte.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fischer, Ruth

* 11.12.1895 – ✝ 13.3.1961

Elfriede Eisler, wie ihr richtiger Name lautete, wurde am 11. Dezember 1895 in Leipzig als Tochter des Philosophieprofessors Rudolf Eisler geboren. Sie war die älteste Schwester der Brüder Gerhart und Hanns Eisler. Ihre Mutter, geborene Ida Fischer, stammte aus einer Leipziger Musikerfamilie (nach ihr wählte Ruth Fischer ihr politisches Pseudonym). Da ihr Vater eine Professur in Wien übernahm, wuchs sie in Wien auf und studierte dort nach dem Besuch des Lyzeums acht Semester Philosophie und Nationalökonomie. Hier heiratete sie auch den Publizisten Dr. Paul Friedländer; Friedrich, ein Sohn aus dieser Ehe [* 1917] wurde Mathematikprofessor in England). Elfriede Friedländer schloß sich nach Ausbruch des Weltkrieges der österreichischen Sozialdemokratie an, sie stand auf deren linkem Flügel. Nach der Revolution 1918 gründete sie mit einer Reihe Gleichgesinnter die KPÖ. Bei den Unruhen in Wien 1918/19 gehörte die Studentin Friedländer zu den Anführern von Demonstrationen und mißglückten Aufständen. Im ersten Halbjahr 1919 redigierte sie »Die revolutionäre Proletarierin«, eine Frauenbeilage der Wiener kommunistischen Zeitung »Die sozialistische Revolution«. Außerdem publizierte sie ihr erstes Büchlein, »Sexualethik des Kommunismus« (Wien 1920), das von Lenin kritisiert wurde. 1919 siedelte sie nach Berlin über, wo sie bald in der KPD eine Rolle spielte und zum linken Flügel der Partei gehörte. Ab 1920 Mitarbeiterin am theoretischen Organ der KPD »Internationale«. 1921 zur Leiterin der Berliner Parteiorganisation gewählt, wurde sie besonders nach der März-Aktion 1921 (jetzt unter dem Namen Ruth Fischer) aktiv. Die fanatische junge Kommunistin, die bereits eine so wichtige Funktion wie die Leitung des bedeutendsten und stärksten deutschen KPD-Bezirks innehatte und ab 1921 auch dem ZA der KPD angehörte, blieb von mancherlei Anschuldigungen nicht verschont. Ihre Hauptgegnerin war die auf dem rechten Parteiflügel stehende Clara Zetkin, die Ruth Fischer kritisierte, denn »es gehe nicht an, seine politische Haltung von den wechselnden sexuellen Beziehungen abhängig zu machen«. Ruth Fischer wurde im Juni 1921 von Friedländer geschieden. Als die deutschen Behörden sie ausweisen wollten, ging sie im Januar 1923 eine Scheinehe mit dem Funktionär der Berliner KPD, Gustav Golke, ein und erhielt damit die deutsche Staatsangehörigkeit (amtlich, z. B. im Reichstag, hieß sie daher Elfriede Golke). Die Berliner KPD stand an der Spitze der linken Opposition gegen die Brandler-Führung und Ruth Fischer wurde neben Arkadi Maslow (den sie zur KPD gebracht hatte, liebte und mit dem sie auch zeitlebens eng liiert war) zur Führerin dieser Opposition. Besonders auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 kam es zu erbitterten Wortgefechten zwischen den Zentrale-Mitgliedern einerseits und Ruth Fischer, Maslow, Hugo Urbahns, Ernst Thälmann und anderen linken Oppositionellen andererseits. Da die Brandler-Führung keine Vertreter der Linken in die Zentrale aufnahm (bzw. nicht die von den Linken Vorgeschlagenen), kam es fast zum Bruch in der Partei. Am 17. Mai 1923 kooptierte dann der ZA aber Ruth Fischer und drei weitere Linke ( Ottomar Geschke, Thälmann und Arthur König) in die Zentrale. Nach der Niederlage der Partei im Oktober 1923 versuchte die energische Ruth Fischer – eine mitreißende Rednerin und attraktive junge Frau –, die Führung der Partei ganz in die Hände der Linken zu bringen. Das gelang auf dem IX. Parteitag im April 1924, auf dem die Anhänger Ruth Fischers die Mehrheit hatten. Da der Theoretiker der Partei, Maslow, bald nach dem Parteitag verhaftet wurde, leitete sie praktisch die KPD. Noch immer steckbrieflich gesucht (Steckbrief: »Elfriede Golke, geb. Eisler, genannt Ruth Fischer, volles Gesicht, etwas aufgeworfene Lippen, breite Nase, dunkle Haare und Augen«), aber im Mai 1924 in den Reichstag gewählt, konnte sie wieder legal leben. Sie benutzte öfter einen falschen Paß, der sie als »Liane Boßhardt, Lehrerin« auswies. Bei der Reichstagseröffnung im Juni 1924 demonstrierte sie, wie sich mit der von ihr begonnenen »Bolschewisierung« nicht nur der innere Kurs der KPD radikal verändert, sondern auch der Stil der Partei nach außen gewandelt hatte. Sie verhöhnte das Parlament als »Komödientheater« und die Abgeordneten als »Hampelmänner der Kapitalisten« und erklärte: »Wir Kommunisten sind alle Hochverräter.« Nach Auflösung des Reichstags im November 1924 verhaftet, wurde Ruth Fischer im Dezember 1924 erneut Reichstagsabgeordnete und kam deshalb wieder frei. Auf dem V. Weltkongreß der Komintern 1924 wurde sie als Kandidatin ins EKKI gewählt. Aber das gespannte Verhältnis zwischen Komintern und KPD-Führung eskalierte, besonders nachdem sich 1925 die linke Führung spaltete. Die Ultralinken Werner Scholem, Iwan Katz und Arthur Rosenberg traten gegen Ruth Fischer auf. Die ultraradikale Politik nach außen und die Bolschewisierung im Innern hatten die Partei geschwächt, Ruth Fischer wollte indes die Eingriffe der Komintern sabotieren. Auf dem X. Parteitag im Juli 1925 feierte sie nochmals Triumphe, doch bereits im August 1925, als der »Offene Brief« gegen sie angenommen wurde (sie sogar selbst dafür stimmte), endete ihre politische Parteikarriere. Als Ruth Fischer daran ging, ihre Anhänger in Deutschland zu mobilisieren, wurde sie von der Komintern nach Moskau beordert und festgehalten. Ihre Abreise aus Moskau am 5. Juni 1926 wurde als »schwerer Disziplinbruch« verurteilt, und sie verlor ihre Funktion als EKKI-Mitglied. Am 20.August 1926 teilte die »Rote Fahne« mit: »Ruth Fischer und Maslow sind aus der KPD ausgeschlossen.« Ruth Fischer war nunmehr bemüht, die linken Kreise der KPD gegen die Komintern zu sammeln. Sie hoffte auf die Schaffung einer linkskommunistischen Partei, insbesondere da Sinowjew in der Sowjetunion – zu dessen Fraktion sich Ruth Fischer rechnete – inzwischen in Opposition stand. Im Reichstag und im Preußischen Landtag bildeten die linken Kommunisten 1927 eine eigene Gruppe. Ruth Fischer war Ostern 1928 noch aktiv an der Gründung des Leninbundes beteiligt. Doch als Sinowjew kurz danach in der UdSSR vor Stalin kapitulierte, trat sie mit ihren Getreuen aus dem Leninbund aus, aber ihre Anstrengungen, wieder in die KPD aufgenommen zu werden, blieben erfolglos. Da die KPD 1928/29 einen ultralinken Kurs steuerte, war auch der früheren linken Opposition der Boden weitgehend entzogen. Als Ruth Fischers Reichstagsmandat 1928 erlosch, trat sie politisch nicht mehr hervor. Bis 1933 verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Pädagogin und Sozialpflegerin in Berlin-Wedding. Sie veröffentlichte auch ein Buch (Ruth Fischer und Fr. Heimann: »Deutsche Kinderfibel«, Berlin 1931). Nach Hitlers Machantritt als Jüdin und linke Kommunistin besonders verhaßt, wurde ihr Haus von der SA geplündert und ihr Sohn zunächst als Geisel festgehalten. Sie entkam nach Paris, wo sie – zusammen mit Maslow – bis 1940 lebte. Bereits 1933 war ihr als einer der ersten Exilanten die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden. In den Stalinschen Schauprozessen wurde sie in Abwesenheit verurteilt. Ruth Fischer flog 1940 über Lissabon in die USA, während Maslow in Kuba bleiben mußte. In Amerika entwickelte sie eine wissenschaftliche und publizistische Tätigkeit und gab im Auftrag der Harvard Universität die Zeitschrift »Die russische Staatspartei« heraus. Dort erschien 1948 ihr Hauptwerk »Stalin und der deutsche Kommunismus«, das später auch ins Deutsche übersetzt wurde, eine kritische (teilweise apologetische) Darstellung der KPD-Geschichte der zwanziger Jahre. Nach dem Krieg kam Ruth Fischer als amerikanische Staatsbürgerin nach Paris zurück und wurde durch viele Vorträge und Aufsätze auch im Nachkriegs-Deutschland bekannt. Ihre Haltung gegenüber ihrem Bruder Gerhart Eisler, den sie vor amerikanischen Gerichten belastete, blieb sehr umstritten. Zu ihren größeren Veröffentlichungen in den fünfziger Jahren in Deutschland zählten »Von Lenin bis Mao, Kommunismus in der Bandung-Ära« (1956) und »Die Umformung der Sowjetgesellschaft« (1958). An die Entstalinisierung von Nikita Chruschtschow nach 1956 knüpfte sie Erwartungen. 1958 glaubte sie, daß die »roten sechziger Jahre« und die großen Veränderungen in Europa kommen würden. Bei der Arbeit an einer Maslow-Biographie ist Ruth Fischer völlig überraschend am 13. März 1961 in Paris gestorben. Peter Lübbe gab 1990 den Briefwechsel Ruth Fischer–Maslow heraus; von Sabine Hering und Kurt Schilde erschien 1995 der Band »Kampfname Ruth Fischer«.

Wer war wer in DDR

Fitzner, Horst

* 23.6.1930

Geb. in Mühlberg (Krs. Liebenwerda); Vater Bäcker; 1946 Mittlere Reife; 1946 – 50 Ausbildung zum Kfz-Schlosser; Lokführer u. Kraftfahrer; 1950 Einstellung bei der VP, Krs.-Amt Liebenwerda; 1952 Lageoffz. im Operativstab des Bez.-Amts der VP Cottbus; 1952 SED; 1955 Einstellung beim MfS, BV Cottbus, Abt. II (Spionageabwehr); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS des MfS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1961 stellv. Abt.-Ltr., 1963 Ltr. der Arbeitgr. des Ltr. der BV; 1963 – 68 Vors. der SV Dynamo Cottbus; 1973 stellv. Operativ des Ltr. der BV; 1979/80 Besuch der PHS; 1981 Ltr. der BV Cottbus (Nachf. von  Hans Ullmann); 1981 Kand. der SED-BL Cottbus; 1982 Gen.-Major; 1984 Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1990 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Flatau, Joachim

* 18.3.1907 – ✝ 16.4.2000

Geb. in Tucheln (Westpr. / Tuchola, Polen); Vater Kreissekr.; Volksschule u. Gymn., 1926 Abitur, 1926 – 32 Studium der Germanistik, Philos. u. Gesch. an den Univ. in Berlin u. München; 1932 – 38 Mitarb. versch. Verlage u. Archive; 1939 – 45 wiss. Hilfsarbeiter in der Kulturabt. des Ausw. Amts; 1938 NSDAP; 1943 Wehrmacht, Febr. 1944 schwere Verwundung (beide Beine u. linker Arm amputiert); bis Frühjahr 1947 arbeitsunfähig. 1945 LDP; ab April 1947 Mitarb. des LDP-Landesvors. von Brandenburg Ingo v. Koerber im LDPD-LV Brandenburg; März 1949 Referent, anschl. HA-Ltr. im LDPD-ZV, 1951 – 55 Mitgl. des LDPD-ZV u. des Polit. Aussch., zeitw. auch stellv. Generalsekr. der LDPD; 1950 – 54 Chefred. der LDPD-Ztg. »Der Morgen« in Berlin (Nachf. von  Wilhelm John); 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1954 – 60 pers. Mitarb. von  Hans Loch; anschl. als freischaff. Journalist publizistisch tätig.Wilhelmine Schirmer-Pröscher. Die Welt vor meinen Augen. Erinnerungen aus 80 Jahren. Aufgezeichn. u. hrsg. von Annelis u. J.F. Berlin 1969; Max Suhrbier. Ein Blick zurück ins Leben – Letzte Gespräche. Aufgezeichn. u. hrsg. von J. F. Berlin 1973.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Fleischer, Johannes Filip (»Fips«)

* 2.5.1923 – ✝ 25.6.2002

Geb. in Hohenfichte (Krs. Flöha); 1937 – 41 Studium an der Musikschule Zschopau (Oboe, Schlagzeug, Klavier); Engagement im Orchester des Stadttheaters Meißen; Tournee mit Eduard Künneke; 1942/43 Rhein. Landeskulturorchester Köln; 1942 – 45 Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft, danach zunächst Auftritt für die US Army. Ab 1945 eigene Bands; 1947 – 57 Schlagzeuger, Vibraphonist, Sänger u. Komponist beim Tanzorchester des Senders Leipzig (später Rundfunk-Tanz-Orchester Leipzig, Ltg.  Kurt Henkels); ab 1957 Orchester Fips Fleischer, Plattenaufn., zahlr. Tourneen, u. a. im Nahen Osten (Fernsehauftritte), Show »Jede Sekunde ein Schilling« in Wien; 1959 Auftritt bei der 1. Bitterfelder Konferenz; Goldmedaille der syr. Reg. für Konzerte zur Messe in Damaskus; 1961 Mitwirkung im DEFA-Film »Eine Handvoll Noten«; 1961 – 71 Fips Fleischer u. sein Orchester, Engagements beim DFF, Sendungen »Da lacht der Bär«, »Da liegt Musike drin«, »Ein Kessel Buntes« u. a.; 1962 Fernsehfilm »Hallo Fips« (Regie u. Drehbuch: Wernfried Hübel); 1963 1st Internat. Festival of Folkloric Arts in Kairo; erste Schallplattenaufn. unter eigenem Namen in München u. Köln, ab 1968 bei Amiga; Tourneen u. a. mit Caterina Valente, Udo Jürgens u. Katja Ebstein; 1970 – 88 Ltr. der Abt. Tanz- u. Unterhaltungsmusik der HS für Musik in Leipzig, Doz.; F. schrieb ca. 200 Titel für sein Orchester, bekannteste Kompositionen: »Pinguin Mambo«, »Walker’s March«, »Großstadtbummel«. Nach 1990 gelegentl. Auftritte in Heimatsendungen des MDR, bei »Swing im Wartesaal« im Leipziger Hauptbahnhof u. beim »Tanz-Revival Aue«; 1995 CD »Fips Fleischer«; 2001 Übergabe der Orchesterltg. an den 1. Trompeter Joachim Wessel; gest. in Chemnitz.Rainer Bratfisch

Handbuch Deutsche Kommunisten

Flieg, Leopold

* 5.11.1893 – ✝ 14.3.1939

Leo Flieg, am 5. November 1893 in Berlin geboren, galt lange Jahre als die »Graue Eminenz« der KPD. Er war der Funktionär, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt, als Sekretär des Polbüros die entscheidenden Fäden in der Hand hielt. Flieg entstammte einer jüdischen Familie in Berlin (Mutter, Schwester und viele Verwandte wurden im KZ ermordet). Er wurde nach dem Besuch der Mittelschule kaufmännischer Angestellter bei einer Bank und war bis zum Krieg Bankbeamter. Mit 15 Jahren trat er 1908 der sozialistischen Jugendbewegung bei. Während des Krieges als Soldat Schreiber in der Geheimabteilung des Generalstabes. Flieg war bis 1918 für die Spartakusgruppe aktiv und seit Gründung Mitglied der KPD. Nach dem Krieg arbeitete Flieg, ein kleiner, zierlicher Mann, dessen gemessenes und schweigsames Wesen berühmt war, in der Jugendinternationale. 1918 wurde er als Sekretär von Leo Jogiches mit der Konspiration vertraut gemacht. Gemeinsam mit Willi Münzenberg – mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband – wurde Flieg Organisator der internationalen kommunistischen Jugendbewegung, in deren führenden Gremien er bis 1922 wirkte. Seit dem III. Parteitag 1920 nahm er an allen KPD-Parteitagen teil, von 1922 bis 1932 Sekretär des Polbüros. 1924 Abgeordneter des Preußischen Landtags, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. 1927 und 1929 wurde Flieg auch als Mitglied ins ZK gewählt. Schließlich auf dem VI. Weltkongreß der Komintern 1928 zum Mitglied der Internationalen Kontrollkommission berufen. Er übte seine Funktionen in allen Parteiführungen, gleich ob unter rechter, linker oder ultralinker Leitung, mit penibler Gewissenhaftigkeit aus. Erst 1932 wurde er als enger Freund Heinz Neumanns von seinen führenden Ämtern entbunden. Damals schrieb eine trotzkistische Zeitung über Flieg, die Mitglieder der KPD würden seinen Namen kaum kennen, aber er wäre der ruhende Pol des ZK gewesen: »... still und unscheinbar, kein hochfahrender Bonze, aber ein absolut zuverlässiger und pünktlicher Beamter, hat Leo Flieg manche Zentrale überlebt. Er hat Brandlers Geheimprotokolle geführt, ohne mit der Wimper zu zucken. Er hat die Rundschreiben von Ruth Fischer und Werner Scholem expediert, und Kenner behaupten, die Ruth-Fischer-Zentrale sei auch die einzige gewesen, mit der Flieg im Grunde einverstanden gewesen sei. Trotzdem hat er auch Ewert überlebt, der ihm wenig getraut hat, und er hat seit 1928 als Personalchef der Thälmann-Zentrale immerhin vier Jahre das Kunststück fertiggebracht, das Büro eines Thälmann zu leiten. Alle Achtung vor solchen diplomatischen Talenten...« Flieg kannte Pjatnitzki, Mirow-Abramow und die anderen Führer des illegalen Apparats der Komintern aus langjähriger Zusammenarbeit gut, er war zeitweise der für Deutschland verantwortliche Verbindungsmann der Geheimabteilung der OMS. Diese holte ihn vorübergehend zur Arbeit nach Moskau. Nach 1933 war er von Paris aus erneut für die KPD aktiv und konnte die wichtige Position eines technischen Sekretärs des Polbüros wieder ausüben. Auf der »Brüsseler Konferenz« der KPD 1935 erstattete Flieg (Pseudonym Alfons) den Kassenbericht und wurde nochmals zum Mitglied des ZK gewählt. Ostern 1937 erhielt er von der Komintern die Aufforderung, nach Moskau zu kommen. Während der Stalinschen Säuberung solcher Einladung Folge zu leisten, war mehr als riskant. Aber obwohl sein und Münzenbergs Freund, der schwedische Bankier Aschberg, ihm dringend riet, in Paris zu bleiben und ihm seine Unterstützung anbot, damit er als Emigrant in Paris leben könne, reiste Flieg nach Moskau. Da er für die Kasse der KPD verantwortlich war, befürchtete er, von der Komintern-Führung der Unterschlagung bezichtigt zu werden, wenn er ihrem Befehl nicht folgen würde. Flieg traf im Juni 1937 in Moskau ein, wo ihn die IKK befragte. Obwohl ihm eine Rüge erteilt wurde, beantragte der deutsche Vertreter beim EKKI, Philipp Dengel, noch Anfang 1938, Flieg ausreisen zu lassen. Statt dessen wurde er jedoch am 20. März 1938 vom NKWD verhaftet und der »Mitgliedschaft in einer rechtstrotzkistischen Spionageorganisation« angeklagt. Nach brutalen Folterungen durch das NKWD beschuldigte Flieg sich selbst und zahlreiche andere. Er bestätigte in seinem erpreßten »Geständnis«, einer kominternfeindlichen Verschwörung anzugehören. Am 14. März 1939 wurde Leo Flieg durch das Militärtribunal des Obersten Gerichts der UdSSR zum Tode verurteilt und erschossen; 1957 posthum »rehabilitiert«.

Wer war wer in DDR

Flint, Fritz

* 11.3.1917 – ✝ 7.6.1999

Geb. in Bad Doberan (b. Rostock); Vater selbst. Schmiedemstr.; priv. Vorschule u. Gymnasium in Bad Doberan; 1933 – 36 kfm. Ausbildung in Rostock; 1936 Verkäufer; 1937/ 38 Einkäufer u. Korrespondent in einer Werkzeugmaschinengroßhandlung in Braunschweig; 1938 – 45 Wehrmacht; 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Hilfsarb.; 1946 CDU; 1946 – 49 Buchhalter in einer priv. Weberei in Bad Doberan; 1946 – 51 Stadtverordneter in Bad Doberan u. Abg. des Krs.-Tags Rostock-Land; 1949 – 51 Stadtrat u. stellv. Bürgermstr. in Bad Doberan; 1951 – 53 Bürgermstr. von Grabow; 1953 – 57 Stadtverordneter u. stellv. OB von Schwerin; 1956 Fernstudium an der ASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1957/58 Vors. des CDU-BV Cottbus; danach Vors. des CDU-BV Groß-Berlin; Mitgl. des Präs. des HV der CDU; 1958 – 63 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. von Groß-Berlin u. Berliner Abg. in der Volkskammer; 1960 – 77 Stellv. des Staatssekr. für Kirchenfragen (Nachf. von Max Hartwig); 1977 VVO; 1977 Ruhestand.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Flügge, Matthias

* 5.2.1952

Geb. in Demmin; Vater Publizist, Mutter Lehrerin; ab 1964 aufgew. in Berlin; 1970 Abitur u. Facharb. für techn. Kohle; NVA; 1972 – 76 Studium der Kunstwiss. an der HU Berlin; 1977 – 86 Red. der Ztschr. »Bildende Kunst« in Berlin; 1978 VBK; freischaff. Tätigkeit; Veröff. zur Kunst des 20. Jh., insbes. der Gegenwartskunst; 1985 – 90 Mitgl. u. 1988 – 90 Vors. der Sektionsltg. Kunstwiss. des VBK Berlin. 1990 – 91 Chefred. der Ztschr. »Bildende Kunst«, 1991 – 2000 Chefred. der Ztschr. »neue bildende kunst« in Berlin; ab 2000 freiberufl. Publizist u. Ausstellungsmacher; 1993 – 95 Vizepräs. der dt. AICA; 1994 Mitgl. u. 1997 – 2006 Vizepräs. der AdK Berlin-Brandenb.; 2008 Kavalierskreuz des Verdienstordens der Rep. Polen; lebt in Berlin.Werner Stoetzer. Skulptur u. Zeichnung. Berlin 1991; Heinrich Zille. Zeichner der Großstadt. Amsterdam, Dresden 1997 (Hrsg. mit H.-J. Meyer); Souveräne Wege 1949 – 1989. Sechs Künstler in der DDR. Gerhard Altenbourg, Carlfriedrich Claus, Hermann Glöckner, Eberhard Göschel, Michael Morgner, Max Uhlig. Jena, Berlin, Chemnitz 1998 (mit Thomas, K., Ehrmann-Schindlbeck, A.-M.); Heinrich Zille – Berliner Leben: Zeichnungen, Photogr. u. Druckgraphiken 1890 – 1914. München 2008.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Fomferra, Heinrich Karl

* 19.11.1895 – ✝ 31.5.1979

Geboren am 19. November 1895 in Essen, Sohn einer Arbeiterfamilie. Berg-, Bau- und Druckereiarbeiter. 1912 Mitglied der SPD, von 1918 bis 1920 der USPD, von 1920 bis 1923 der KAPD. Wegen des Überfalls auf die Kasse des Straßenbahndepots in Essen-Schonnebeck zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Ab 1923 Mitglied der KPD, Leiter der Proletarischen Hundertschaften im Ruhrgebiet, wegen Sprengstoffvergehens wurde er zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Er arbeitete ab 1929 in der Orgabteilung der BL Ruhrgebiet. 1929/30 Kursant des ersten Lehrgangs an der M-Schule der Komintern in Moskau. Anschließend Mitarbeiter des AM-Apparats der BL Ruhr. Von 1932 bis 1935 erneut Aufenthalt und militärische Ausbildung in der Sowjetunion, gehörte dann der Kurierabteilung der OMS an. 1936/37 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien. Später Einsatz als Funker von Johann Wenzel in Belgien und beim Aufbau von GRU-Residenturen in verschiedenen europäischen Ländern. Von 1940 bis 1942 leitete er eine Sabotagegruppe in der Slowakei, wurde im Februar 1942 gemeinsam mit Hans Schwarz verhaftet, zeitweilig an die Gestapo in Berlin überstellt, wo er und Schwarz umfangreiche Aussagen machten, die u. a. zur Verhaftung von Johann Wenzel in Belgien und zur Zerschlagung des gesamten Organisationsnetzes der »Roten Kapelle« führten. Fomferra und Schwarz wurden im Januar 1944 vom Bezirksgericht Bratislava wegen Sabotage und Spionage zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Aus dem Zuchthaus Ruzomberok befreit, schloß er sich 1944 einer Partisaneneinheit an. 1945 Referent in der Landesverwaltung Brandenburg, ab 1946 in der Deutschen Verwaltung des Innern, später Offizier des MfS, zeitweilig Leiter des Sekretariats von Minister Wilhelm Zaisser. Ab 1952 Vorsitzender der PKK im MfS, im Dezember 1953 wurde Fomferra wegen seiner Aussagen bei der Gestapo 1942 »beurlaubt«. Ab 1954 wieder Offizier der Grenzpolizei und Leiter der PKK. Zuletzt Mitarbeiter einer geheimen Abteilung der NVA, 1959 schied er aus, erhielt 1975 den Karl-Marx-Orden. Heinrich Fomferra starb am 31. Mai 1979 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth / Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Förster, Wieland

* 12.2.1930

Geb. in Dresden; Vater Kraftfahrer; 1936 – 44 Volksschule; 1944 Ausbildung zum techn. Zeichner. 1946 – 50 verurteilt wegen angebl. Waffenbesitzes zu zehn Jahren Haft in Bautzen, 1950 amnestiert; 1950 – 53 Arbeit als techn. Zeichner u. Rohrleger; 1953 – 58 Studium an der HS für bildende Künste in Dresden (bei  Walter Arnold, Hans Steger, Gerd Jaeger); 1958 freischaff. in Dresden; 1959 – 61 Mstr.-Schüler an der DAK ( Fritz Cremer); ab 1960 lithogr. Arbeiten; 1961 freischaff. in Berlin; ab 1962 Radierungen u. erste Plastiken für den öffentl. Raum; 1967 Studienreise nach Tunesien; 1968 – 73 Ausstellungsverbot; 1972 Studienreise nach Kuks (ČSSR); 1974 AdK; 1974 erste große Werkausst. in Potsdam; 1975 Studienreise nach Bulgarien; 1976 u. 1983 NP; 1978 – 90 Vizepräs. der AdK, zuständig für die Ausbildung von Meisterschülern; 1985 Reise nach Frankreich; Prof. 1991 Austritt aus der AdK; Mitgl. des PEN-Zentrums; 1996 Gründungsmitgl. der Sächs. AdK, Dresden; 1998 Retrospektive seines Schaffens in Dresden, Halle u. Aurid; 2000 Bundesverdienstkreuz; 2009 Ehrenpreis des Brandenb. Ministerpräs. für sein Lebenswerk; lebt in Berlin u. in Wensickendorf.Begegnungen. Tagebuch, Gouachen u. Zeichnungen einer Reise in Tunesien. Berlin 1974; Rügenlandschaft. Hommage à Caspar David Friedrich. Berlin 1974; Plastik u. Zeichnungen. Dresden 1977; Die versiegelte Tür. Berlin 1982; Einblicke. Berlin 1985; Sieben Tage in Kuks. Berlin 1985; Labyrinth. 34 Zeichnungen 1974 – 85; Labyrinth 1973 – 1984 mit Naturstudien, Skizzen u. Entwürfen. Berlin 1988; Die Phantasie ist die Wirklichkeit. Rostock 2000; Als Fremder. Berlin 2003; Im Atelier abgefragt. München 2005; Der Andere. Briefe an Alena. Berlin 2009. Keisch, C.: Kat. W. F. Plastik u. Zeichnungen (mit Bibl.). Dresden 1977; Ausstellungskat. W. F. Plastik, Zeichnungen, Druckgrafik (mit Bibl.). Staatl. Museen u. AdK. Berlin 1980; Ausstellungskat. W. F. Plastik, Zeichnungen. Radierungen (mit Bibl.). AdK u. BAWAG Foundation. Wien 1990; Ausstellungskat. Portraitplastiken. Marbach 2000.Anke Scharnhorst / Helmut Müller-Enbergs