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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Funcke, Walter

* 20.11.1907 – ✝ 14.12.1987

Geb. in Scheelshof (Krs. Plön, Lüneburger Heide); Ausbildung zum Gärtner in Hamburg-Nienstedt; 1927 – 29 FS für Gartenbau in Oranienburg, Abschluß als Gartentechniker; 1931 KPD; 1933 kurzzeitige KZ-Haft in Sachsenhausen; 1935 – 43 selbständiger Gartenarchitekt im Planungsbüro von Hermann Mattern in Potsdam-Bornim; Mitarbeit in der NS-Org. Todt beim Reichsautobahnbau, deshalb Freistellung von der Wehrmacht; nach 1940 Siedlungsplanungen in den besetzten poln. u. tschech. Gebieten; mit H. Mattern Planung von Gemüseanbaubetrieben, Abt. Landbau im besetzten Lettland u. Nordrußland. 1945 – 47 selbständiger Architekt in der Lüneburger Heide; 1947 Rückkehr nach Potsdam, Aufbauplanungen für Dresden, Potsdam u. Dessau; 1950 Planung der Gartenschau »Erfurt blüht«; 1950 Soldatenfriedhof Halbe; 1951 – 54 Ltr. der Abt. Grünplanung im VEB Industrieentwurf Berlin; 1952 Planungen für die Freundschaftsinsel Potsdam; 1952 – 54 Freiflächengestaltung für Stalinstadt (Eisenhüttenstadt) u. die EKO-Werke; 1952 Mitbegr. der BDA; 1954 / 55 Gründung der zentr. Fachgr. Landschaftsarchitektur im BDA (mit  Reinhold Lingner u. Werner Bauch), 1957 – 72 Vors. der zentr. Fachgr.; 1972 Vorsitz in der Bezirksgruppe Potsdam; 1955 – 87 selbständiger Gartenarchitekt; 1958 Thüringer Zoopark »Roter Berg« u. Dendrologischer Garten in Erfurt; 1959 Brigadeleiter für Grünplanung im Büro für Gebiets-, Stadt- u. Dorfplanung Potsdam, Planungen Potsdam-Waldstadt; 1963 2. Preis im Wettbewerb für die Neugestaltung des Hauptfriedhofs in Erfurt; 1965 – 72 Brigadeltr. für Landschaftsplanung im Büro für Territorialplanung im Bez. Potsdam; Beteiligung an der Ausarbeitung des Landeskulturgesetzes der DDR; Schinkelmed.; VVO; 1972 Ruhestand; gest. in Potsdam. 2000 Benennung einer Straße im Bornstedter Feld mit seinem Namen (BUGA-Gelände).Kulturpark Potsdam-Babelsberg. In: Deutsche Architektur (1957) 3. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Karn, S.: Freiflächen- u. Landschaftsplanung in der DDR am Beispiel W. F. Münster 2005; Durth, W., Düwel, J., Gutschow, N.: Architektur u. Städtebau der DDR. Berlin 2007.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Funkat, Walter

* 16.6.1906 – ✝ 4.6.2006

Geb. in Hannover; Abitur; 1925 – 27 Studium der Kunstgeschichte an der Univ. u. Grafikstudium an der Kunstakad. Königsberg; 1927 – 30 Studium am Bauhaus Dessau; 1929/30 Werbegestalter; 1930 Bauhaus-Dipl.; 1931 – 40 selbst. Ausstellungsarchitekt u. Grafiker in Berlin; 1940 – 45 Soldat u. Gefangenschaft. 1946 Umzug nach Halle; Nov. 1946 – 49 stellv. Dir., 1949 – 58 Dir. der Kunstschule Burg Giebichenstein, Halle, 1950 Prof., 1958 – 64 Rektor der neu organisierten u. umbenannten HS für Industrielle Formgestaltung; 1964 – 71 Dir. des Inst. für Werkkunst an der HS Burg Giebichenstein, 1971 em., 1971 – 82 Ltr. der Weiterbildung von Kunsthandwerkern; bis 1952 MdL von Sachsen-Anh.; später Abg. des Bezirkstags Halle; seit 1950 ltd. Funktionen im VBKD/VBK der DDR. 1994 Ehrensenator der reorganisierten Burg Giebichenstein-HS für Kunst u. Design Halle; gest. in Halle. Sek.-Lit.: W. F. zum 90. Geb. Halle (Saale) 1996.Kunsthandwerk in der DDR. Berlin 1970.Beatrice Vierneisel

Wer war wer in DDR

Fürnberg, Louis

* 24.5.1909 – ✝ 23.6.1957

Geb. in Iglau (Mähren/Jihlava, Tschechien) in einer jüd. Familie, Vater Fabrikant (im KZ Auschwitz ermordet), Mutter starb nach seiner Geburt; Kindheit u. Jugend in Karlsbad/Karlovy Vary; 1920 – 26 Gymnasium in Karlovy Vary, gehörte dort zum Kreis junger dt.-nationalist. Dichter; Ausbildung zum Porzellanmacher, Kunstkeramiker; ab 1927 Handelsschule in Prag, Ausbildung zum Kfm. aus gesundheitl. Gründen abgebrochen; 1928 Mitgl. der dt. Sekt. der KPČ; journalist. Gelegenheitsarbeiten, Werbetexter; besuchte germanist. u. philosoph. Vorlesungen an der Univ. Prag; 1929 in Berlin Barpianist u. Lektor im Ullstein-Verlag; in Prag Mitarb. an den Ztgn. »Internat. Lit.«, »Der Gegenangriff«, »Linksfront«, »AIZ«, »Rote Fahne«; 1932 – 36 Ltr. d. bedeutendsten dt. Agit.-Prop. Gruppe in der ČSR »Echo von links«, mit ihr 1933 Reisen n. Moskau u. Paris; 1936 in der Schweiz (schwere Tbc); 1936/37 Ltr. der Agit.-Prop. Truppe »Neues Leben«; arbeitete 1938 für eine Volksfront geg. fasch. Kräfte in der ČSR; März 1939 in die Illegalität; April 1939 an der tschech.-poln. Grenze verhaftet, Haft in 13 dt. Gefängnissen, Folterungen mit schweren gesundheitl. Folgen; Aug. 1939 entlassen; 1939/40 Flucht nach Italien, Febr. 1940 nach Jugoslawien, Kontakte zur KP Jugoslawiens; Apr. 1941 Flucht nach Palästina; 1941 – 46 Exil in Jerusalem, dort Kontakte mit der illeg. KP Palästinas; Mitbegr. des antifasch. Jerusalem Book-Club; 1944/45 Sprecher beim brit. Propagandasender in Jerusalem. Mai 1946 Rückkehr in die ČSR; 1946 – 49 Prager Korrespondent osteurop. Partei-Ztgn. u. der sowj. »Österr. Ztg.«; ab 1948 Ltr. der Abt. für kulturelle Beziehungen zu dt.-spr. Ländern im Informationsmin. der ČSR; Dez. 1949 – 52 Erster Botschaftsrat für Kultur der ČSR in der DDR, im Kontext des Slánský-Prozesses im Dez. 1952 abberufen; Untersuchungen u. Verhöre durch die tschechoslowak. Staatssicherheit; 1953/54 Ltr. der Abt. für kulturelle Betreuung andersspr. nat. Gruppen im Min. für Schulwesen u. Volkskultur der ČSR; Aug. 1954 Übersiedl. nach Weimar; DDR-Staatsbürgerschaft, SED; 1954 – 57 stellv. Ltr. der Nat. Forschungs- u. Gedenkstätten der klass. dt. Lit.; 1955 (zus. mit  Hans-Günter Thalheim) Mitbegr. u. -hrsg. der »Weimarer Beiträge. Ztschr. für dt. Lit.-Geschichte« u. der »Bibl. dt. Klassiker«; 1955 Mitgl. der DAK u. Gen.-Sekr. der Dt. Schiller-Stiftung; 1956 NP; 1956 Mitgl. des Vorst. des DSV; gest. in Weimar; 1959 posthum Ehrenbürger der Stadt Weimar, Lit. u. Kunstpreis der Stadt Weimar; 1969 von der KPČ wg. der Verfolgung 1952/ 53 posthum rehabilitiert. Verfaßte Gedichte, Lieder (z. T. selbst vertont) u. Poeme, Erzählungen (»Mozart-Novelle« 1947, »Die Begegnung in Weimar« 1952), den autobiogr. Roman »Urlaub« (1962) sowie zahlr. Essays u. Nachdichtungen; zwiespältig berühmt wurde sein »Lied der Partei« (1949).Gesammelte Werke. 6 Bde. Berlin, Weimar 1964 – 73 (Hrsg.: L. Fürnberg u. G. Wolf); Gedicht-Ausw. Leipzig 1969 (Hrsg.: G. Wolf); Der Briefwechsel zwischen L. F. u. Arnold Zweig. Dok. einer Freundschaft. Berlin, Weimar 1978 (Hrsg.: H. Poschmann u. G. Wolf); Briefe 1932 – 1957. 2 Bde.. Berlin, Weimar 1986 (Hrsg.: L. F. u. H. Poschmann); Wolf, G., Fürnberg, A. (Hrsg.): Lebenslied. Ausgew. Gedichte. Leipzig 2009. Wolf, G.: Der Dichter L. F. Berlin 1961; Pleßke; H.-M.: L. F. Sein Leben in Bildern. Leipzig 1962; Fürnberg, L.: Ohne Utopie kann ich nicht leben. In: Edschmid, U.: Verletzte Grenzen. Hamburg, Zürich 1992; Bernhard, R. (Hrsg.): Wanderer in den Morgen. L. F. u. Arnold Zweig. München 2005; Schiller, D.: Der Träumer u. die Politik. L. F. zum 50. Todestag. Berlin 2007.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gäbel, Otto

* 4.12.1885 – ✝ 1.5.1953

Geboren am 4. Dezember 1885 in Festenberg/ Schlesien; lernte Buchbinder. 1905 in Berlin Mit-glied der SPD. 1914 Gegner der Kriegspolitik, auf der Konferenz im März 1915 einer der Initiatoren der Zeitschrift »Die Internationale« sowie der oppositionellen »Schulungsbriefe« der Niederbarnimer SPD-Organisation. Obwohl ursprünglich im Spartakusbund, schloß er sich der KPD bei ihrer Gründung nicht an, sondern blieb in der USPD. Delegierter des Spaltungsparteitags im Oktober 1920 (Mitglied des ZK der linken USPD); dann auf dem Vereinigungsparteitag im Dezember 1920 sowie auf dem VII. Parteitag im August 1921 als Beisitzer in die Zentrale der VKPD gewählt. Im Dezember 1921 protestierte Gäbel mit Otto Brass u. a. gegen die Haltung der Zentrale zur März-Aktion und zur KAG, blieb aber in der Partei. 1921/22 verantwortlich für die »Kommunistische Parteikorrespondenz« und Sekretär der Preußischen Landtagsfraktion, von 1926 bis 1929 Leiter der Kommunalabteilung des ZK. Seit 1921 Stadtverordneter und später unbesoldeter Stadtrat in Berlin, auch Vorsitzender der kommunistischen Stadtverordnetenfraktion. Gäbel war Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Roten Hilfe, Begründer und Vorstandsmitglied der Arbeiterhilfe für Sowjet-Rußland, aus der später die IAH hervorging. Als 1929 in Berlin der Sklarek-Skandal (ein Unterschlagungsfall in der Berliner Stadtverwaltung) aufgedeckt wurde, erhielt er wegen seiner Verbindung zu Sklarek zunächst eine Rüge und wurde dann am 9. Oktober 1929 wegen »unproletarischen Verhaltens« aus der KPD ausgeschlossen. Er blieb aber von 1930 bis 1932 Leiter des »Illustrierten Pressedienstes«, einer Unternehmung des »Münzenberg-Konzerns«, und war Mitarbeiter der kommunistischen »Welt am Abend« sowie »Berlin am Morgen«. Da Gäbel ebenso wie der KPD-Stadtverordnete Gustav Degner in den Sklarek-Prozeß verwickelt war, wurde er am 28.Juni 1932 zu einer Gefängnisstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt und im Gerichtssaal festgenommen. Trotz »Hindenburg-Amnestie« im Dezember 1932 nicht entlassen, er saß bis März 1934 in Haft. Gegen ihn wurde nach 1933 wegen Steuerhinterziehung ermittelt, da er bis zu seinem Parteiausschluß Mitgesellschafter diverser KPD-Unternehmen war, u. a. der Vulkan GmbH und der Peuvag A.G. (der Zeitungsdruckereien der KPD). Diese Untersuchung wurde eingestellt. Nach seiner Haftentlassung 1934 nahm Gäbel Verbindung zu illegalen Gruppen auf. Von 1934 bis 1937 war er erwerbslos, ab 1935 zeitweise Hilfsarbeiter bei Berliner Korrespondenzen. Im Februar 1937 wurde Gäbel vorübergehend verhaftet und wegen Verbindung zum Tschechischen Nachrichtendienst angeklagt, aber aus »Mangel an Beweisen« freigesprochen. Von 1938 bis 1945 war er u. a. Chefarchivar des »Spezialarchivs der deutschen Wirtschaft« in Berlin. Ab Mai 1945 baute Gäbel das Referat Opfer des Faschismus im Bezirksamt Berlin-Zehlendorf auf, ab September 1945 war er Polleiter der KPD im Stadtteil Nikolassee und ab Februar 1946 Mitglied des Bezirksausschusses des FDGB Berlin-Zehlendorf. Ende der vierziger Jahre mußte Gäbel sich erneut wegen des Sklarek-Prozesses verantworten, so z. B. im Oktober 1949 vor dem Hauptausschuß der Berliner VVN. Er gab Auskunft über seine Rolle im Sklarek-Prozeß und benannte eine Reihe von Zeugen, die alle seine antifaschistische Arbeit bestätigten. Die VVN-Bezirksgruppe Zehlendorf schrieb am 27. November 1951 an den VVN-Hauptvorstand: »Wir sind, da sich der Kamerad Otto Gäbel in der Zeit von 1945 bis heute unsere absolute Wertschätzung durch seine aktive, selbstlose und einwandfreie Arbeit errungen hat, in höchstem Maße daran interessiert, daß in keinem Falle aus Unklarheiten und unberechtigten Verallgemeinerungen an einem bewährten Mit- und Vorkämpfer ein vernichtendes Unrecht verübt wird, weil er auf einem anderen Gebiete vor 22 Jahren gefehlt hatte.« Otto Gäbel starb am 1.Mai 1953 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Gäbler, Fritz

* 12.1.1897 – ✝ 26.3.1974

Geb. in Meißen; Vater Pantoffelmacher; 1903 – 11 Volksschule; Ausbildung zum Töpfer bzw. Ofenformer; 1913 2. Vors. des Arbeiterjugend-Bildungsvereins in Meißen; 1914 SPD in Jena; ab Nov. 1914 festangest. Mitarb. der Expedition der »Weimarischen Volksztg.« (Jena); illeg. Antikriegsarbeit unter Jugendlichen; 1916 – 18 Militärdienst; 1919 KPD; 1920/21 Sekr., Aug. 1922 Vors. der KJD in Thür., Dez. 1922 ihr Vertr. beim III. Weltkongreß der KJI in Moskau u. auch Teiln. am IV. Weltkongreß der KI im Nov. 1922 in Moskau (als Vertr. der KJI); April 1923 – Okt. 1923 Instrukteur des EKKI der KJI in der Schweiz; Vertr. des ZK der KJD in Dresden (Bildung der SPD-KPD-Reg.); Mitte 1924 – März 1926 Einsatz als Red. bei der »Hamburger Volksztg.«; März 1926 – Febr. 1927 12 Mon. Gefängnis Bautzen wegen »Vorber. zum Hochverrat«; Mai 1927 – Anf. 1928 Red. beim »Roten Echo« (Erfurt); 1928 – Nov. 1929 Red. bei der »Neuen Ztg.« (Jena); Nov. 1929 – April 1931 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zwei Jahre Haft Festung Gollnow u. Auerbach; Ltr. der kommunist. Gruppe in der Festung Gollnow; ab April 1931 Abg. des Landtags Thür. u. Instrukteur/Sekr. der KPD für Ostthür.; Febr. 1933 – Sept. 1934 KZ Nohra, Ichtershausen u. Bad Sulza; 1934/35 illeg. pol. Arbeit für die KPD-BL Berlin-Brandenb.; Febr. 1935 in Berlin verhaftet, Verurteilung zu zwölf Jahren Zuchthaus, 1935 – 45 Brandenb.-Görden. Mai – Sept. 1945 Mitarb. an der Ztg. »Tägl. Rundschau«, Mitgl. der Red. der »Dt. Volkszeitung«; 1.10.1945 – April 1946 1. Krs.-Sekr. der KPD Erfurt-Weißensee; April 1946 – Okt. 1947 Vors. SED-KV Erfurt; Mitgl. der Stadtverordnetenvers.; ab 16.10.1947 – Mai 1949 Ltr. der HA landeseigene Betriebe; ab 15.4. 1948 Ltr. der HA Industrie im Min. für Wirtschaft der Landesreg. Thür. in Weimar, außerdem Vors. der KdT-Landeskammer Land Thür.; ab Mai 1949 zunächst stellv. Ltr. der HV für Wissenschaft u. Technik der DWK, bzw. bis 1952 stellv. HA-Ltr. der HA Wissenschaftl.-techn. Zusammenarb. der SPK/Zentralamt für Forschung u. Technik, dort 1952/53 Sekr. der SED-PO; 1952 – 54 Ltr. des Büros für wiss.-techn. Zusammenarbeit; 1954 – 74 Mitgl. u. bis 1967 Vors. der ZRK der SED (Nachf. von  Alfred Oelßner); Vors. der Zentr. Kommission beim ZK der SED zur Betreuung alter verdienter Parteimitgl.; 1955 u. 1965 VVO; 1957 Banner der Arbeit; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 Verdienstmedaille der DDR; 1962 KMO; 1967 Ehrenspange zum VVO.Altes Denken mußte überwunden werden. In: Rosner, F. et al.: Vereint sind wir alles. Berlin. 1966.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gaida, Erich

* 23.6.1928 – ✝ 13.2.2015

Geb. in Hennersdorf (Krs. Hohenelbe, ČSR/ Dolny Branná, Tschechien); Vater Lagerhalter; Mittelschule; 1944/45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1948 SED; Montierer; 1950 Einstellung beim MfS, Länderverw. Thür., Abt. III (Volkswirtschaft); 1954 Versetzung zur Krs.-Dienststelle Putbus (Rügen); 1955 Versetzung zur HV A, HA IV (Wirtschaftsspionage); 1959/60 HV A-Lehrgang; 1967 – 69 Studium an der HS für Elektrotechnik Ilmenau; 1969 HV A-Abt. V (Wirtschaftsspionage); 1971 stellv. Ltr. der HV A-Abt. XIV (Elektronik- u. Optikspionage); 1978 Ltr. der AG 3 des Sektors Wissenschaft u. Technik der HV A; 1980 Oberst; 1989/90 Entlassung.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Galanskow, Juri

* 1939 – ✝ 1972

Dichter, Publizist und politischer Häftling. Redakteur von Samisdat-Almanachen und Angeklagter im *Prozess der Vier.Juri Galanskow 1939 wurde als Kind einer Arbeiterfamilie in Moskau geboren. In seiner Schulzeit war er aktives Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol. Nach Abschluss der Abendschule für junge Arbeiter wurde er Elektriker in einem Theater, später Laborant an einer technischen Fachschule und Angestellter des Staatlichen Literaturmuseums. Zwei Jahre studierte Galanskow an der Geschichtsfakultät der Universität Moskau. Danach absolvierte er ein Abendstudium in der Fachrichtung Verwaltung am Moskauer Institut für Geschichte und Archivkunde. 1959 und 1960 wurde Galanskow als eine der Hauptfiguren der inoffiziellen *Dichterlesungen auf dem Majakowski-Platz in Moskau bekannt. Ljudmila Polikowskaja schrieb in ihren Erinnerungen: „Ein großgewachsener, schlanker, braunhaariger Mann mit schwungvollen Bewegungen und den Augen eines biblischen Propheten. Wenn er auf dem Podest stand, verstummte – ich bezeuge es – der Platz. Nicht deshalb, weil seine Verse genial waren, sondern deshalb, weil er verwegene Worte fand, mit denen sich das junge Publikum, das die Fehler der Väter vermeiden wollte, identifizierte. Juri Galanskows ‚Menschliches Manifest‘ war Banner und Hymne des Majakowski-Platzes: Steht auf! Steht auf! Steht auf! O, purpurnes Blut der Rebellion! Geht und reißt den morschen Staat, das Gefängnis ein!“ Galanskow erhielt Anerkennung von jungen Menschen, die auf den Majakowski-Platz kamen, und aus deren Gruppen sich später die Dissidentenbewegung entwickelte. Seine politischen Ansichten zeichneten sich durch einen gewissen Eklektizismus aus: Sie enthielten Elemente des anarchistischen Pazifismus, des Solidarismus – im letzten Jahr vor seiner Verhaftung arbeitete er eng mit dem *Volksarbeitsbund der russischen Solidaristen (Narodno-trudovoj sojuz rossijskich solidaristov) zusammen – und des radikalen Antikommunismus. 1960 und 1961 ergriff er die Initiative zur Gründung einer gesellschaftlichen Vereinigung mit dem Namen „Weltverband der Anhänger der allgemeinen Abrüstung“, für die er sogar ein Statut verfasste. Anfang der 60er Jahre erörterten einige der Besucher des Majakowski-Platzes ernsthaft Optionen eines bewaffneten Kampfs gegen das Regime. Galanskow hingegen, der ein konsequenter Anhänger der Gewaltfreiheit war, setzte entschieden auf das Wort als Mittel des Kampfes. Im Frühjahr 1961 arbeitete er an der Herausgabe des unabhängigen Almanachs *„Feniks“ (Phönix), der Gedichte, Essays und Kritiken junger Moskauer Literaten enthielt und 1962 auch in der Exilzeitschrift *„Grani“ veröffentlicht wurde (Nr. 52). Nach der Festnahme von Wladimir Ossipow, Eduard Kusnezow, Anatoli Iwanow und Ilja Bokstejn nach einer Lesung auf dem Majakowski-Platz im Oktober 1961 schickte Galanskow einen Brief an den KGB und an Nikita Chruschtschow, in dem er die politische Angemessenheit derartiger Repressionen in Zweifel zog. Dieser Brief ist – ohne auf die Argumentation einzugehen – eines der wenigen Beispiele aus dieser Zeit, in dem die Auseinandersetzung mit den Behörden weder in Form einer Forderung noch einer Bitte erfolgte: Galanskow stellte in seinem Schreiben vielmehr seinen eigenen politischen Standpunkt dar. Galanskow wurde in der Folgezeit mehrmals Opfer staatlicher Repressionen: er wurde mehrmals zwangsweise in psychiatrische Kliniken eingewiesen, zwei Mal fanden Hausdurchsuchungen bei ihm statt. Die sowjetische Presse nannte ihn einen „‚Theoretiker‘, der die Jugend geistig verderben will“. Am 11. Juli 1965 demonstrierte Galanskow als Einzelperson vor der US-Botschaft in Moskau gegen die amerikanische Intervention in der Dominikanischen Republik. Am 5. Dezember 1965 nahm er an der *Glasnost-Kundgebung auf dem Puschkin-Platz in Moskau teil. Als er eine Rede halten wollte, wurde er festgenommen. 1966 gab Galanskow die zweite Nummer des *„Feniks“ heraus, die 1968 im Westen nachgedruckt wurde. In „Feniks 66“, wie die Ausgabe genannt wurde, veröffentlichte er zwei eigene Texte: das Vorwort als Herausgeber, in dem er den Almanach als Beginn der freien Presse in der UdSSR angekündigte, und einen offenen Brief an Michail Scholochow, in dem er dessen literarische und politische Haltung und vor allem seine Rede auf dem XXIII. Parteitag der KPdSU gegen die verurteilten Schriftsteller Andrei Sinjawski, Juli Daniel und ihre Verteidiger scharf kritisierte. Am 17. Januar 1967 wurde Galanskow verhaftet und wegen der Herstellung des Almanachs „Feniks 66“, dessen Weitergabe in den Westen sowie für die Kontakte zum *Volksarbeitsbund der russischen Solidaristen angeklagt. Sein Brief an Scholochow und weitere im *„Feniks“ veröffentlichte Texte anderer Autoren wurden als Straftat eingestuft. Während des Untersuchungsverfahrens legte Galanskow sich widersprechende Geständnisse ab, beim Prozess vom 8. bis 12. Januar 1968 selbst verweigerte er ein Schuldgeständnis. Das Moskauer Stadtgericht verurteilte ihn nach Absatz 1 von *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR und nach Artikel 88 Strafgesetzbuch („illegaler Devisenhandel“) zu sieben Jahren strenger Lagerhaft. Der Prozess gegen Galanskow und drei weitere Dissidenten löste als *Prozess der Vier eine breite Welle gesellschaftlichen Protestes aus. Seine Haftstrafe verbüßte Galanskow in den *mordwinischen Lagern. Obwohl schwer an einem Magengeschwür erkrankt, lehnte er es trotz hartnäckigen Drängens der Behörden ab, einen Begnadigungsantrag zu stellen. Im Lager selbst beteiligte er sich an Widerstandsaktionen. Juri Galanskow starb noch immer in Haft 1972 in der Siedlung Baraschewo an einer Bauchfellentzündung, zu der es nach einer misslungenen Operation gekommen war. Sein tragischer Tod löste ein starkes Echo aus. Es erschienen ein Nachruf, der von seinen Häftlingsgenossen unterzeichnet wurde, Protestbriefe, die eine Bestrafung der Schuldigen an seinem Tod forderten und Gedichte, die seinem Gedächtnis gewidmet waren. „Die ganze Geschichte des kurzen, intensiven Lebens von Juri Galanskow war die Geschichte eines freiwilligen, unerschrockenen Weges ans Kreuz“, hieß es im Nachruf von Andrei Sacharow, Wladimir Maximow, Andrei Sinjawski und von Freunden Galanskows, die nicht inhaftiert worden waren. In London, Frankfurt am Main, Hamburg, Genf, Paris und New York wurden Trauergottesdienste für ihn abgehalten. Auf seinem Grab in Baraschewo in der Nähe des Lagers wurde entgegen den Lagerregeln ein großes hölzernes Kreuz aufgestellt. Ab 1989 wurden auch in der Sowjetunion Galanskows Texte und Erinnerungen an ihn publiziert. Am 1. September 1991 wurden seine sterblichen Überreste feierlich nach Moskau überführt und dort auf dem Kotlakowski-Friedhof beigesetzt. Während einer Trauerfeier auf dem Majakowski-Platz – dort, wo Galanskows künstlerische Arbeit und sein gesellschaftliches Engagement begonnen hatten – sprachen Anfang der 90er Jahre seine Freunde Wladimir Bukowski, Gennadi Gawrilow sowie Larisa Bogoras-Bruchman, Lew Kopelew und weitere Personen des öffentlichen Lebens und trauerten gemeinsam um ihn.Юрий Тимофеевич Галансков Jurij Timofeevič Galanskov Nikolai Mitrochin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 02/16

Wer war wer in DDR

Galley, Michael

* 14.11.1944 – ✝ 4.5.2004

Geb. in Schwerin; Vater ev. Pfarrer; Oberschule u. ev. Musikschule Naumburg; Ausbildung als Kirchenjurist im Kirchl. Oberseminar; 1969 CDU; Fernstud. an der HU Berlin, Dipl.-Jurist; anschl. Einsatz als Jurist in Großbetrieben, zuletzt im VEB Elementenwerk Henningsdorf; 1983 – 1990 hauptamtl. Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. im Sekr. des Hauptvorst. der CDU; Sekr. der CDU-Volkskammerfraktion; 1985 ehrenamtl. Vors. des CDU-KV Marzahn; 1989 / 90 Vors. des CDU-BV Gera; 1989 / 90 Mitgl. des CDU-Parteivorst.; 1990 – 93 OB von Gera (Nachf. von  Horst Jäger). Nov. 1993 Rücktritt als OB wg. inoffz. Zusammenarb. mit dem MfS; anschl. Rechtsanwalt in Gera, 1996 Austritt aus der CDU.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Ganter-Gilmans, Hans-Paul

* 30.4.1917 – ✝ 20.1.1955

Geb. in Wien; Vater selbst. Kfm.; ab 1922 Volks- u. Hauptschule, Realgymnasium in Wien u. Berlin; 1934/35 Handels-HS in München u. Wien, 1935 Dipl.-Kfm.; 1925 – 29 Mitgl. der Roten Falken, Österreich; 1929 – 33 SPD; 1935 – 38 Volontär u. Verkäufer in einer Wiener Firma; nach 1937 Teiln. an der Rhein. Freiheitsbew.; 1938/39 Mitarb. in der elterl. Firma in Berlin; 1939 – 41 Wehrmacht; 1941 von einem Kriegsgericht in Paris wegen »Zersetzung der Wehrkraft« zu einem Jahr Gefängnis verurteilt; 1941/42 Haft; 1942 – 44 Ein- u. Verkäufer in Köln; 1944/45 Illeg. 26.6.1945 Mitbegr. der CDU in Brandenb. u. der VVN; 1945/46 Stadtrat für Handel u. Versorgung in Potsdam; 1946 Ltr. Abt. Verkehr im Finanzmin. des Landes Brandenb.; 1946 – 50 Abg.; 1946/47 Geschäftsf. der CDU-Landtagsfraktion in Brandenb.; ab 1948 Vors. des Aussch. für Kreis- u. Gemeindeangelegenh. (Nachf. von Willi Hein); 1947/48 Min.-Dirigent für Verkehr im Finanzmin. des Landes Brandenb.; 1948/49 Ltr. der HV Handel u. Versorgung in der DWK; seit 1949 Staatssekr. im Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel, später Stellv. des Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel; Sept. 1948 – Jan. 1955 Mitgl. des HV u. des Pol. Aussch. der CDU sowie des Präs. des HV, Hauptschatzmstr. der CDU; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer.Ganter-Gilmans, M.: Leben auf Hoffnung. In: Fink, H.: Stärker als die Angst. Berlin. 1968.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Garske, Charlotte

* 4.12.1906 – ✝ 30.1.1943

Geboren am 4. Dezember 1906 in Berlin als Charlotte Schaepe; kaufmännische Lehre, Kontoristin. Aus einer 1926 geschlossenen Ehe, die schon 1930 wieder geschieden wurde, ging ein Kind hervor. 1933 heiratete sie den Bauhilfsarbeiter Erich Garske (* 21. 11. 1907), später Bauzeichner. Bereits vor 1933 Mitglieder der KPD, beteiligten sich beide nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am Widerstand gegen das NS-Regime. Sie stellten ihre Wohnung in Berlin-Mitte den illegal nach Deutschland kommenden Instrukteuren des ZK der KPD zur Verfügung. So fand 1934 in dieser Wohnung u.a. Eugen Schwebinghaus, ein enger Mitarbeiter Robert Stamms, Quartier. Ab 1942 war ihre Wohnung Anlauf- und Arbeitsstelle für Wilhelm Knöchel. Erich Garske unterstützte Knöchel bei seiner Arbeit, so fertigte er Zeichnungen für die von Knöchel herausgegebenen illegalen Druckschriften u. a. der Zeitschrift »Der Friedenskämpfer«. Charlotte Garske reiste als Kurier Knöchels u. a. nach Wuppertal und überbrachte Willi Seng illegales Material. Sie organisierte auch Straßentreffs Knöchels in Berlin. Erich Garske wurde am 30.Januar 1943, seine Frau am 17. Februar 1943 verhaftet. Am 9. November 1943 wurden beide vom VGH zum Tode verurteilt. Erich Garske wurde am 13.Dezember 1943, Charlotte Garske am 16. Dezember 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Wer war wer in DDR

Gartmann, Hermann

* 24.12.1906 – ✝ 18.3.1972

Geb. in Waldheim (Krs. Osthavelland); Va- ter Maurer; Volksschule; 1921 – 24 Landarb. in Oggerschütz, 1925 – 28 Bauhilfsarb. in Berlin; 1924 RJ, 1925 KJVD u. Baugewerbebund; 1927 KPD; 1928 Reichsschule des KJVD in Dresden, Mitarb. des M-Apparats; Apr. 1928 mit Olga Benario Teiln. an der Befreiung v.  Otto Braun; 1929/30 Mitgl. der KJVD-BL Berlin-Brandenb.; 1929/30 Mitarb. im Abwehrapparat der KPD-BL Berlin-Brandenb.; 1930 Halbjahreslehrgang an der Militärpol. Schule in Moskau, danach Ltr. für »Zersetzung« im M-App. Berlin-Brandenb.; Nov. 1930 Verhaftung, 9 Mon. U-Haft, Sept. 1931 wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Festungshaft, bis Mai 1933 Haft in Groß-Strehlitz; Nov. 1933 zehn Tage Gestapo-Haft; 1933/34 arbeitslos, illeg. Arbeit im Berliner Abwehr-Apparat; 1934 – 36 Eisenflechter; 1936/37 Tabellierer bei Siemens u. Halske; März 1937 nach erneuter Verhaftung durch die Gestapo Emigr. in die ČSR; ab Aug. 1937 Teiln. am span. Bürgerkrieg; Parteisekr. einer Internat. Panzerwagenkompanie; 1938/39 Mitgl. der KP Spaniens; Febr. 1939 nach Frankreich, Internierung in St. Cyprien, Gurs u. Le Vernet; 1941 Auslieferung nach Dtl., Juni – Nov. 1941 Gestapo-Haft in Berlin, dann KZ Dachau, hier ab 1943 Mitgl. der illeg. Parteiltg.; später »Bewährungseinsatz« als Flughafenarb. in Berlin-Schöneweide. Juli 1945 Krs.-Sekr. der KPD, ab 1946 der SED in Templin; Aberkennung des Mandats zum 15. KPD-Parteitag im Apr. 1946 wg. Vorwürfen angebl. Zusammenarbeit mit der Gestapo in Spanien (die nicht belegt werden konnten); 1946 – 48 Abg. des Kreistags Templin; 1948 Einstellung bei der VP, stellv. Ltr. für pol. Arbeit der VP-Landesbehörde Brandenb.; Dez. 1949 Ltr. der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Brandenb. (ab 1950 Länderverw. Brandenb. des MfS); Okt. 1951 – Juli 1952 stellv. Min. für Staatssicherheit; 1952/53 zugl. Ltr. der HV Dt. Grenzpolizei im MfS; ab Juli 1953 stellv. Min. des Innern; 1953 Gen.-Major; stellv. Staatssekr. im MfS (militär. Fragen); 1955 erneut stellv. Min. für Staatssicherheit u. militär. Berater von  Ernst Wollweber; mit der Übernahme der Grenzpolizei durch das MdI wieder Chef der Grenzpolizei; 1956 Ltr. der HV Innere Sicherheit; 1956 Hans-Beimler-Med.; Mai 1957 Wechsel zum MfNV, Mitarb. des militär. Nachrichtendienstes; Okt. 1957 – Dez. 1959 Militärattaché an der DDR-Botschaft in Moskau; 1958 Med. Kämpfer gegen den Fasch.; 1960 Kursus an der Militärakad. »Friedrich Engels«, Kdr. der NVA-Offz.-Schule in Frankenberg (Sachsen); Dez. 1963 vorzeitige Versetzung in den Ruhestand; 1966 – 72 Sekr. des Solidaritätskomitees für das span. Volk; 1971 VVO; gest. in Berlin.Uhl, M.: Mythos Spanien. Bonn 2004.Jens Gieseke / Bernd-Rainer Barth

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Gauder, Hartwig

* 10.11.1954

Geb. in Vaihingen (Baden-Württ.); 1960 nach Ilmenau (Thür.) übergesiedelt; EOS; Skilaufen u. Springen bei der BSG Empor Ilmenau; seit 1970 aktiv in der Leichtathletik (Gehen), zuerst in Ilmenau (Übungsltr.: Horst Stäps), dann beim SC Turbine Erfurt (Trainer: Hans-Dieter Neumüller, ab 1980 Siegfried Herrmann); 1973 Junioren-EM; 1978 ER; viermal Teiln. an Europameisterschaften: 1978 7. Platz, 1982 4. Platz, 1986 Sieger, 1990 3. Platz; dreimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1980 Sieger, 1988 3. Platz; 1985 u. 1986 DDR-Hallen-Mstr.; 1985 Sieger beim Weltcup; 1987 Sieger bei den Weltmeisterschaften; 15mal DDR-Mstr.; sechs DDR- u. ein Europarekord. 1991 3. Platz bei der Weltmeisterschaft (50 km); 1993 Dt. Mstr. (50 km) u. 2. Platz (20 km); Studium an der HS für Architektur u. Bauwesen in Weimar; 1992 6. Platz bei den Olymp. Spielen (50 km); Rudolf-Herbig-Preis; 1997 2. Preis des Georg-von-Opel-Preises »Die stillen Sieger«; 1998 Herztransplantation, danach Marathon gelaufen; ab 1998 Architekt bei der Thür. Landesreg.; 2003 Besteigung des Fujiyama als erster transplantierter Mensch; 2003 – 05 persönl. Mitglied NOK; 2. Vors. des Vereins »Sportler für Organspende«; ab 2007 Ltr. Stabsstelle Gesundheitsmarketing der Universitätsklinik Jena.Die zweite Chance. Mein Leben mit dem dritten Herzen. Berlin 1998.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Funk, Albert

* 15.10.1894 – ✝ 16.4.1933

Geboren am 15. Oktober 1894 in Zwickau, Sohn eines Bergarbeiters; Hilfsarbeiter, dann Bergarbeiter. 1913 schloß er sich der Gewerkschaft an. 1914 Militärdienst, nach einer Verwundung im August 1917 als Bergarbeiter reklamiert, war er auf dem »Morgensternschacht« in Zwickau tätig. Er trat 1918 der USPD bei. Im Juni 1918 fand er Arbeit in Ahlen/Westfalen und war Funktionär der Union der Hand- und Kopfarbeiter. Im März 1920 Vorsitzender des Betriebsrates in Ahlen, leitete den Ahlener Aktionsausschuß in den Kämpfen des Kapp-Putsches. Von der Zechenleitung entlassen, mußte ihn diese nach Protesten der Belegschaft wieder einstellen. 1929 aus dem Bergarbeiterverband ausgeschlossen, war er hauptamtlich für die RGO aktiv, in deren Reichsleitung er seit 1930 für die Betriebsrätebewegung verantwortlich war. Im September 1930 wurde er im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Reichstag gewählt, dem er als Abgeordneter bis Juni 1932 angehörte. Funk wurde am 11. Januar 1931 Vorsitzender des kommunistischen Einheitsverbandes der Bergarbeiter Deutschlands, bis er im November 1932 die Leitung der KPD Dortmund übernahm. Am 16. April 1933 wurde Funk in Dortmund verhaftet und am 27. April in das Polizeipräsidium Recklinghausen überführt. Hier hat er sich nach schweren Folterungen durch Gestapobeamte aus dem dritten Stock des Polizeipräsidiums gestürzt, wurde schwer verletzt ins Hospital transportiert, wo Albert Funk noch am gleichen Abend starb.

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Funke, Ewald

* 30.7.1905 – ✝ 4.3.1938

Geboren am 30. Juli 1905 in Remscheid, Sohn eines Schreiners und Gewerkschaftssekretärs. Kaufmännischer Angestellter, war bis März 1933 beim Arbeitsamt in Wuppertal beschäftigt. Von 1921 bis 1923 leitete er den KJVD-UB Wuppertal, trat aber 1924 wegen des ultralinken Kurses aus der KPD aus. Seit 1927 Mitglied der SPD, er gehörte u. a. zur Gauleitung der Jungsozialisten. 1931 aus der SPD ausgeschlossen, kam Funke 1932 wieder zur KPD und wurde in deren AM-Apparat aufgenommen. Nach kurzer »Schutzhaft« war er von Oktober 1933 bis Frühjahr 1934 AM-Leiter der BL-Düsseldorf. Danach Flucht nach Amsterdam und im Juni/Juli 1934 in der illegalen KPD-Inlandsleitung in Berlin aktiv. Erneute Emigration nach Prag und Paris, baute 1935/36 in Süddeutschland ein konspiratives KPD-Netz auf. Beim dritten geheimen Deutschlandaufenthalt am 17. Mai 1936 in Stuttgart festgenommen, im August 1937 vom VGH zum Tode verurteilt, wurde Ewald Funke am 4. März 1938 in Berlin hingerichtet. Funkes jüngerer Bruder Otto (* 23. 8. 1915 – †22. 12. 1997) trat 1931 in den KJVD und 1933 in die KPD ein. Im März 1935 inhaftiert und im Juli 1935 durch das OLG Hamm zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Danach Angestellter in Düsseldorf. 1944 Wehrmacht und Gefangenschaft in Norwegen. Von 1946 bis September 1949 Orgsekretär bzw. Vorsitzender der FDJ-Landesleitung Thüringen, dann bis 1955 2. Sekretär der SED-Landesleitung Thüringen bzw. 1. Sekretär der SED-BL Gera. Bis 1968 1. Sekretär der SED-BL Suhl, anschließend Vorsitzender der Zentralleitung des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. Otto Funke gehörte von 1958 bis zum Herbst 1989 dem ZK der SED an und war Abgeordneter der Volkskammer.

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Fürneisen, Bodo

* 30.6.1950

Geb. in Berlin; aufgewachsen bei den Großeltern; Oberschule, Abitur; Lehre als Schriftsetzer; 1970 – 72 NVA; 1973 – 77 Regiestudium an der HFF, Diplomfilm »Die Entdeckung« (auch Drehbuch / DB); 1977 – 79 Regieass., 1979 – 91 Regisseur beim DFF: »Komm mit mir nach Chikago« (1982), »Robert in Berlin« (1983, DB), »Die Geschichte vom goldenen Taler« (1984, nach einer Geschichte von  Hans Fallada, Kritikerpreis 1985, bester Kinderfilm), »Vaters Frau« (1985, DB), »Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache« (1987, nach einem Roman von D. Diderot), »Die Weihnachtsgans Auguste« (1988, nach einer Geschichte von  Friedrich Wolf), Folgen für »Der Staatsanwalt hat das Wort«, Spielfilm »Zum Teufel mit Harbolla« (1989). Nach 1990 weiterhin TV-Filme u. a. »Der Rest, der bleibt« (1990, DB), »Scheusal« (1992, Juryauszeichnung als erster gesamtdt. Beitrag beim Prix Italia 1991), »Eine Frau will nach oben« (1994, ARD), »Gefährliche Wahrheit« (1999, ZDF), »Zwei Seiten einer Liebe« (2002, ARD), »Eine unter Tausend« (2004, Pro7), »Meine Tochter, mein Leben« (2004, ARD), »Mein Mann, der Trinker« (2006, ARD), »Frau Holle« (2007, ARD); seit 1991 auch Folgen für »Polizeiruf 110« (z. B. »Tanners neuer Job«) u. »Tatort« (ARD), »Ein Fall für zwei« u. »Stubbe« (ZDF), »Wolffs Revier« (Sat1), »Kommissar Rex« u. »Stok-kinger« (ORF / Sat1), »Die Cleveren« (RTL); seit 2009 Mitgl. der Dt. Filmakad. u. Honorarprof. an der HS für Musik u. Theater »F. M. Bartholdy« (Abt. Schauspiel) in Leipzig; lebt in Panketal (b. Berlin).Ingrid Kirschey-Feix

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Gäbel, Otto Max

* 7.12.1889 – ✝ 13.4.1970

Am 7. Dezember 1889 in Dresden geboren und aufgewachsen; bei der Eisenbahn beschäftigt, später Eisenbahnschaffner. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD und Vorsitzender des USPD-Bezirks Ostsachsen. Mit dem linken Flügel der USPD (Gäbel war sowohl Delegierter des Spaltungsparteitags im Oktober 1920 in Halle sowie des Vereinigungsparteitages im Dezember 1920 in Berlin) Ende 1920 Übertritt zur VKPD. 1921 erfolgte seine Wahl in die BL Ostsachsen, der er bis 1930 angehörte. Er war Delegierter des III. Weltkongresses der Komintern 1921 und des IX. Parteitages im April 1924. Im November 1921 als Spitzenkandidat der KPD in die Dresdener Stadtverordnetenversammlung gewählt, in der er bis 1933 blieb. Nachdem Gäbel bereits bei den Landtagswahlen von 1920 (noch auf der Liste Däumig) kandidiert hatte, kam er 1924 als Nachrücker für den ausgeschiedenen Otto Zipfel in den Landtag, in dem er bis Ende der Legislaturperiode im Herbst 1926 blieb. 1922/23 Leiter des Nachrichtenwesens des KPD-Oberbezirks Mitte (Sachsen). Von 1926 bis 1928 war Gäbel Orgleiter des Bezirks Ostsachsen, danach arbeitete er bis 1933 als Redakteur bei der »Arbeiterstimme« in Dresden. 1933 emigrierte er in die Tschechoslowakei und betätigte sich nicht mehr in der KPD – bis 1935 leitete er in Dittersbach ein Heim der Naturfreunde, danach war er Gelegenheitsarbeiter in Prag. 1940 wanderte Gäbel nach Bolivien aus, wo er sich seinen Lebensunterhalt als Kellner und Ziegelträger verdiente. Dort schloß er sich dem vorwiegend von tschechischen und österreichischen Emigranten besuchten Klub »Amistad« an. Er bemühte sich Ende der vierziger Jahre um Rückkehr nach Deutschland. Wann er aus Bolivien nach Deutschland zurückkehrte, ist unklar. Otto Max Gäbel starb am 13. April 1970 in Bischofswiesen.

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Gäbler, Fritz

* 12.1.1897 – ✝ 26.3.1974

Geboren am 12. Januar 1897 in Meißen, aus einer sozialistischen Arbeiterfamilie stammend, der Vater starb kurz nach seiner Geburt. Töpferlehre, im Herbst 1913 wurde er 2. Vorsitzender des Arbeiterturnvereins. 1914 Mitglied der SPD, ab November d. J. festangestellter Mitarbeiter der Expedition der SPD-Zeitung »Weimarische Volkszeitung« in Jena. Während des Krieges schloß er sich den Linken an. Weil er in Jena die Jugendopposition organisierte, wurde er 1916 zum Militär einberufen. Im Januar 1919 nach Jena zurückgekehrt, übernahm er die Leitung der FSJ und trat in die KPD ein. Kurz als Ingenieur tätig, begann Gäbler 1920 hauptamtlich für den kommunistischen Jugendverband zu arbeiten, war Ende 1920 bis November 1921 Sekretär der Kommunistischen Jugend Thüringens und wurde Anfang 1922 in die Reichszentrale der KJD kooptiert und übernahm im August 1922 die Leitung der Zentrale der KJD in Berlin. Von April bis Mitte Oktober 1923 ging Gäbler als Instrukteur der KJI in die Schweiz und war dann Vertreter des ZK der KJVD in Dresden. Da er zur Mittelgruppe gehörte, wurde er 1924 von den Linken abgesetzt und übersiedelte nach Hamburg, wo er von Mitte 1924 bis März 1926 als Redakteur der »Hamburger Volkszeitung« arbeitete. Im März 1926 verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, wurde Gäbler nach der Entlassung aus dem Gefängnis Bautzen im Mai 1927 Redakteur des »Roten Echos« in Erfurt, 1928 politischer Redakteur an der »Neuen Zeitung« in Jena, deren Chefredaktion er Mitte 1929 übernahm. Im September 1929 erneut zu zwei Jahren Festung verurteilt, nach der Haftentlassung im April 1931 Instrukteur bzw. Sekretär der KPD für Ostthüringen in Gera. Gäbler zog 1932 als Abgeordneter in den Thüringer Landtag ein. Im Februar 1933 verhaftet, saß er bis September 1934 im KZ. Wegen illegaler Arbeit für die KPD im Februar 1935 erneut festgenommen, wurde er am 9. August 1935 in Berlin zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und erst am 27. April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit. Im Oktober 1945 Vorsitzender der KPD und dann der SED in Erfurt. Von Oktober 1947 bis Mai 1949 im Ministerium für Wirtschaft der Landesregierung Thüringen, danach in der Hauptverwaltung für Wissenschaft und Technik der DWK. Nach Bildung der DDR-Regierung in der Hauptabteilung wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit. Im April 1954 wurde er Mitglied der ZRK der SED, bis 1967 dann deren Vorsitzender, er bekam zu seinem 65. Geburtstag 1962 den Karl-Marx-Orden. Fritz Gäbler starb am 26. März 1974.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gaida, Wilhelm

* 6.11.1902 – ✝ 27.11.1988

Geb. in Oberhohenelbe (Krs. Hohenelbe, Nordböhmen/Horni Vrchlabi, Tschechien); Vater Drechsler, Mutter Weberin; Volksschule; 1916 – 18 Ausbildung zum Karosseriebauer, danach im Beruf mit Unterbrechungen tätig; 1924 KPČ; 1930 – 32 KPČ-Ortsgr.-Ltr.; 1932 – 38 KPČ-Pol.-Ltr. des Bez.; 1937 Verurteilung zu sechs Mon. Haft wegen Werbung von Spanienkämpfern; 1938 Emigr. nach Prag, 1939 nach Tscheljabinsk, dort Arbeit im Traktorenwerk; 1943/44 Parteischule in Moskau; 1944/ 45 Partisaneneinsatz in der Slowakei. 1945 Vors. des Antifa-Komitees des Bez. Oberhohenelbe; Umsiedl. mit einem Antifa-Transport; 1946 – 48 Mitarb. der SED-LL Thür. in Weimar; 1947/48 Halbjahreslehrgang an der PHS; 1948/49 Sozialdir. bei BMW Eisenach; 1949 Einstellung bei der Länderverw. zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 Länderverw. für Staatssicherheit) Thür., Ltr. der Abt. VI, 1951 stellv. Operativ des Ltr.; 1952 Ltr. der BV Erfurt des MfS; Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1957 Ltr. der HV B (Innere Verw.) des MfS; Oberst; 1965 Entlassung, Rentner; 1969 VVO; 1977 KMO; 1987 Stern der Völkerfreundschaft.Als Partisan in den Bergen der Slowakei. In: Doernberg, S. (Hrsg.): Im Bunde mit dem Feind. Dt. auf alliierter Seite. Berlin 1995.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Galitsch, Alexander

* 1918 – ✝ 1977

Dichter und Liedermacher, Dramaturg und Drehbuchautor. Sein ursprünglicher Familienname lautete Ginsburg.Alexander Galitsch wurde 1918 als Kind einer Beamtenfamilie in Jekatarinoslaw, dem heutigen Dnipropetrowsk in der Ukraine geboren, lebte aber seit seiner Kindheit in Moskau. Als Schüler gehörte einem Lyrikkreis von Eduard Bagrizki an. 1935–38 lernte er Schauspiel am Studio des Moskauer Künstlertheaters (MChAT), das von Konstantin Stanislawski geleitet wurde. Parallel dazu studierte er mehrere Jahre an der Fakultät für Poesie des Gorki-Literatur-Instituts. 1940 und 1941 beteiligte er sich unter der Leitung von Alexei Arbusow und Valentina Plutschka an der Inszenierung des Stückes „Gorod na zare“ (Stadt in der Dämmerung) – eine der herausragendsten Theateraufführungen in Moskau in der letzten Spielsaison vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Galitsch an Fronttheatern. Von 1946 bis 1968 wurden seine Stücke – zum Beispiel „Vas vyzyvaet Tejmyr“ (Tejmyr ruft Sie), „Parochod zovut ‚Orlënok’“ (Das Schiff heißt ‚Adlerjunge’), „Pochodnyj marš“ (Feldmarsch), „Pod ščastlivoj svezdoj“ (Unter glücklichem Stern) und „Budni i prazdniki“ (Werk- und Feiertage) an vielen sowjetischen Theatern aufgeführt. Galitsch wurde auch geschätzter Komödienautor, nach dessen Drehbüchern mehrere Filme entstanden, die sich in der Sowjetunion großer Beliebtheit erfreuten. Die Aufführung seines 1956 fertiggestellten Stückes „Matrosskaja tišyna“ (Matrosenstille), dessen Bezeichnung auf den Namen einer Straße und eines Gefängnisses in Moskau zurückging und das am Moskauer Sovremennik-Theater inszeniert werden sollte, wurde 1957 jedoch von der Partei nach der Generalprobe verboten. Dies war der Auslöser für die schrittweise Entfremdung Galitschs von der offiziellen Ideologie. 1962 kam es im Leben und Schaffen Galitschs zu einem tiefen Einschnitt: Mit „Lenočka“ (Lena) begann sein erster Zyklus von auf Tonband aufgezeichneten Liedern. Der Literaturkritiker Stanislaw Rassadin beschreibt diesen neuen Lebensabschnitt Galitschs wie folgt: „Der erfolgreiche Filmemacher, Lustspielautor, Publikumsliebling, Bonvivant und Spötter wurde zum Liedermacher, der schnellen und gefährlichen Ruhm erlangte.“ Galitsch gehörte neben Bulat Okudschawa und Wladimir Wysotzki zu den Begründern einer neuen Gattung der russischen Literatur, dem mit Gitarrenbegleitung vorgetragenen Autorenlied. Die in stilistischer Hinsicht außergewöhnlich vielfältigen Lieder Galitschs, die alle Genres von der Tragödie bis hin zur Farce abdeckten, verband eine konsequente ideelle und politische Überzeugung. Sie forderten die herrschende Ideologie heraus und verteidigten die von ihr angegriffenen kulturellen und humanistischen Werte. Die „Magnitisdat“ genannten und privat mit Tonbandgeräten (Russisch „magnitofon“) aufgenommenen und verbreiteten Lieder erlangten vor allem innerhalb der Intelligenz an enormer Popularität. Einige Liedzeilen gingen sogar als Zitate in die Sprache der Dissidenten ein, wie beispielsweise die Ausdrücke „Ich wähle die Freiheit.“ oder „Bürger, das Vaterland ist in Gefahr, unsere Panzer stehen auf fremder Erde.“. Das Lied „Wir sind nicht schlechter als Horaz“ (My ne chuže Goracyja) wurde zu einer Hymne des Samisdat. Im Unterschied zu anderen Liedermachern führte Galitsch seine Lieder fast ausschließlich in Privatwohnungen auf. Der Versuch eines öffentlichen Auftritts in dem Nowosibirsker Klub „Pod Calka“ endete mit einem großen Skandal und einer strengen Verwarnung des Moskauer Schriftstellerverbandes. Im Mai 1967 unterzeichnete Galitsch einen Brief von 80 Schriftstellern mit der Forderung, den *Brief Alexander Solschenizyns zur Zensur auf dem IV. Schriftstellerkongress der UdSSR zu erörtern. Nach 1968 konnte Alexander Galitsch nicht mehr offiziell veröffentlichen. Ab 1962 zirkulierten einzelne seiner Liedtexte im Samisdat. 1967 erschien im Untergrund die von Galitsch zusammengestellte Liedsammlung „Kniga pesen“ (Liederbuch), 1969 publizierte die Exilzeitschrift *„Grani“ seine Gedichte und im selben Jahr erschien seine Sammlung „Pesni“ (Lieder) beim *Posev-Verlag in Frankfurt am Main. Von den 60er bis in die 80er Jahre wurden Abschriften und Tonbänder seiner Lieder immer wieder bei Hausdurchsuchungen im ganzen Land konfisziert und deren Besitzer deswegen in politischen Prozessen vor Gericht gestellt. 1970 gab das *Komitee für Menschenrechte in der UdSSR Galitsch als ihr „korrespondierendes Mitglied“ an. Er unterzeichnete eine Reihe von Dokumenten zur Verteidigung der Menschenrechte. Am 29. Dezember 1971 entzog ihm daraufhin die Leitung des Moskauer Schriftstellerverbandes nach dreitägigen Beratungen die Mitgliedschaft. Anfang 1972 wurde Galitsch ebenfalls aus der Schriftstellergewerkschaft „Litfond“ und der Gewerkschaft der Filmschaffenden ausgeschlossen. 1972 erschien im Frankfurter *Posev-Verlag seine neue Gedichtsammlung „Pokolenie obrečonnych“ (Generation der Verdammten). Galitsch unterschrieb zu jener Zeit Appelle zur Verteidigung von Andrei Sacharow, Alexander Solschenizyn, Pablo Neruda und Gabriel Superfin. Galitsch durfte nicht ins Ausland reisen, alle seine entsprechenden Bemühungen endeten mit Absagen. Schließlich entschied er sich für die Emigration und verließ die UdSSR am 25. Juni 1974 für immer. Kurz vor der Ausreise beendete er noch seinen autobiografischen Roman „Generalnaja repeticija“ (Generalprobe), in dem er am Beispiel seines Theaterstückes „Matrosenstille“ den Prozess der Befreiung von der sowjetischen Ideologie aufzeigte. Der Roman erschien 1974 im *Posev-Verlag. Galitsch lebte fortan in Norwegen, der Bundesrepublik Deutschland sowie in Frankreich. Er gab Konzerte in europäischen Ländern, den USA sowie Israel und hatte bei *Radio Liberty eine regelmäßige Sendung mit dem Titel „Galitsch am Mikrofon“. Seine Gedichte und Lieder aus der Zeit von 1972 bis 1977 erschienen im 1977 vom *Posev-Verlag herausgegebenen Buch „Kogda ja vernus‘“ (Wenn ich zurückkehre). Galitsch schrieb außerdem für die Zeitschriften *„Grani“, *„Kontinent“ und „Vremja i my“. Alexander Galitsch erlag 1977 in Paris den Folgen eines Unfalls, bei dem er einen Stromschlag erlitt, und wurde auf dem Friedhof Sainte-Geneviève-des-Bois beigesetzt.Александр Аркадьевич Галич (1918–77) Aleksandr Arkad’evič Galič  Dmitri Subarew, Gennadi Kusowkin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 03/16

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Galm, Heinrich

* 23.10.1895 – ✝ 30.10.1984

Am 23. Oktober 1895 in Seligenstadt/Main geboren. In seiner Heimat war Galms Vater ein bekannter Sozialist. Auch Heinrich Galm kam früh zur Arbeiterjugendbewegung, lernte Sattler und arbeitete bis 1916 in seinem Beruf, dann eingezogen und bis 1918 Soldat. 1917 der USPD beigetreten. 1920 als Delegierter des Spaltungsparteitages der USPD in Halle, er stimmte für den Anschluß an die Komintern und kam mit dem linken Flügel zur KPD. Bis 1920 blieb er in seinem Beruf, dann hauptamtlicher Sekretär des Sattler- und Portefeuillerverbandes in Offenbach. Galm wurde 1924 in den Hessischen Landtag gewählt, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. Auf dem X. KPD-Parteitag 1925 in die Gewerkschaftskommission delegiert und 1927 auf dem XI. Parteitag als Kandidat ins ZK gewählt. Galm besaß als Person in Offenbach einen überragenden Einfluß. Er war in der Hauptsache Gewerkschafter, ihm erschienen die lokalen Interessen bedeutender als innerparteiliche Fehden. Er wandte sich vehement gegen die ultralinke Wendung der KPD, die 1928 besonders in der Gewerkschaftsfrage begann. Zusammen mit Erich Hausen und Albert Bassüner bildete er den rechten Flügel im ZK. Galm war die ganzen Jahre über Vorsitzender der KPD in Offenbach, nach der Wittorf-Affäre wurde er am 20. Oktober 1928 seiner Funktion enthoben. Doch als ZK-Kandidat konnte über seinen Parteiausschluß nur das EKKI entscheiden. Deswegen wurde er nach Moskau geladen, vertrat dort im Dezember 1928 gemeinsam mit Erich Hausen den Standpunkt der rechten Opposition. So wie Hausen inzwischen in Breslau die Zeitung »Gegen den Strom« als Organ der Rechten gegründet hatte, benutzte er die in Offenbach erscheinende Wochenzeitung »Volksrecht« als sein Sprachrohr. Nach Galms Ausschluß aus der KPD Anfang 1929 blieb die überwältigende Mehrheit der KP Offenbachs auf seiner Seite und ging mit ihm in die KPO. Wie sehr dies vor allem sein persönlicher Erfolg war, erwies sich, als er im November 1931 sein Landtagsmandat wieder erringen konnte, diesmal für die KPO. Nach der Spaltung der KPO ging Galm mit der Minderheit zur SAP, und erneut hatte er die Mehrheit der Offenbacher Kommunisten hinter sich. Er kam im Juni 1932, bei der letzten Landtagswahl in Hessen – nun für die SAP – wieder in den Landtag. In Offenbach war seine politische Stellung sehr stark, er blieb bis 1933 Sekretär des Sattlerverbandes, und alle Versuche der KPD, ihn abwählen zu lassen, schlugen fehl. Noch im März 1932 erhielt Galm 446 Stimmen, der Spitzenkandidat der KPD 107 und der SPD-Kandidat 37 Stimmen. Wie bei dem linken Guido Heym in Suhl oder August Ziehl in Geesthacht besaß er als kommunistischer Führer so viel Autorität, daß ihm Funktionäre und Mitglieder auch gegen die Parteiinstanzen folgten. Nach 1933 wurde Galm mehrmals verhaftet. Im Juli 1944 wieder festgenommen, sollte er nach Dachau gebracht werden. Durch einen glücklichen Zufall saß er jedoch nur einige Monate in Bebra und Darmstadt fest. Sein Freund und Fraktionskollege Heinrich Angermeier, der zur gleichen Zeit ins KZ Dachau kam, fand dort den Tod. 1945 erwies sich Galm wieder als geschickter Kommunalpolitiker und Gewerkschafter. Er gründete 1946 in Offenbach die Arbeiter-Partei, die im Stadtrat unter seiner Führung bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1954 eine wichtige Rolle spielte. Die Arbeiter-Partei war die einzige sozialistische Gruppe außerhalb der SPD und KPD, die nach 1945 in Westdeutschland (lokale) Bedeutung erringen konnte. Ab 1954 gehörte Galm der SPD an, die er auch im Stadtrat von Offenbach vertrat. 1980 erschienen Heinrich und Marie Galms Erinnerungen unter dem Titel: »Ich war halt immer ein Rebell«. Heinrich Galm starb am 30. Oktober 1984.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gantze-Leu, Willy (genannt Leu)

* 22.11.1890 – ✝ 1.3.1976

(* 1890 – † 1976) Geboren am 22. November 1890 in Dresden, Sohn des Zigarrenarbeiters Sigmund Lewinsohn. 1908 Kunstgewerbeschule, kaufmännische Lehre und Arbeit als Angestellter im Seiden-Engros-Haus in Dresden (Einkäufer, Reisender). 1906/07 Mitbegründer der Sozialistischen Jugend in Dresden, seit 1908 Mitglied der SPD. 1914 Leiter des größten Seiden-Engros-Hauses in Zürich, ab 1916 Soldat im Weltkrieg, 1918 Mitglied im Soldatenrat, im November 1918 Anhänger des Spartakusbundes und seit 1919 Mitglied der KPD. Redakteur der kommunistischen Presse, u. a. Herausgeber des »Kommunist«, gehörte zeitweise der KAP an. Bis 1929 Mitarbeiter in der von Eugen Varga geleiteten Handelsabteilung der sowjetischen Botschaft in Berlin. Er war Berichterstatter über Parteitage der KPD, USPD und SPD und Verfasser vieler Aufsätze in KPD-Organen. Als Leiter der Künstlergruppe REKAMERA (Industrie-Werbung) von 1930 bis 1945 wurde er vom NS-Regime nicht verfolgt. 1945 wieder Mitglied der KPD, 1946 der SED. Ab Februar 1948 Leiter der Presse- und Werbeabteilung der staatlichen Handelsorganisation HO in der SBZ. Willy Gantze-Leu starb am 1. März 1976 in Ost-Berlin.

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Garstecki, Joachim

* 28.2.1942

Geb. in Magdeburg; 1960 Abitur; 1960 – 65 Studium der kath. Theol. am Philosoph.-Theolog. Studium Erfurt, Theologicum; 1965 – 70 Ref. für Jugendseelsorge im Erzbischöfl. Kommissariat bzw. Bischöfl. Amt Magdeburg; ab 1971 als kath. »Gastarbeiter« Studienref. für Friedensfragen im Sekr. des Bunds der Ev. Kirchen, Erarbeitung eines Konzepts für Friedenserziehung; ab 1971 Mitgl. im (1969 gegr.) Aktionskrs. Halle (AKH), der einzigen org. pol.-krit. Gruppierung innerhalb der kath. Kirche in der DDR, 1973 – 76 Mitgl. des Sprecherkrs. des AKH; 1974 – 90 Ref. für Friedensfragen in der Theolog. Studienabt. beim Bund der Ev. Kirchen, maßgebl. beteiligt an der Formulierung der Positionen des Bunds zu Friedensfragen; in den 80er Jahren beratende Mitarbeit im Netzwerk kirchl. Friedens-, Umwelt- u. Menschenrechtsgr. »Konkret für den Frieden«; 1988/89 Berater der Ökumen. Vers. der Kirchen u. Christen in der DDR; Mai 1989 Berater der auf der »Zukunftswerkstatt Europa« der Europ. Ökumen. Vers. vertretenen kirchl. Basisgr. 1991 – 2000 Gen.-Sekr. von Pax Christi Dtl.; 2001 – 07 geschäftsf. Studienltr. der Stiftung Adam von Trott Imshausen (Hessen), Ruhestand; seit 1990 Mithrsg. der Ztschr. »Publik-Forum«; zahlr. Veröff. zu friedenseth. u. pol. Themen; 2007 Lothar-Kreyssig-Friedenspreis der Ev. Kirchenprov. Sachsen; lebt in Magdeburg.Menschenrechte in christl. Verantwortung. Berlin 1980 (Mithrsg.); Zeitansage Umkehr. Dok. eines Aufbruchs. Stuttgart 1990.Ehrhart Neubert

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Gass, Karl

* 2.2.1917 – ✝ 29.1.2009

Geb. in Mannheim; Vater Automechaniker; ab 1925 wohnhaft in Köln; OS, 1936 Abitur; ab 1936 kfm. Volontariat bei einer Wohn- u. Siedlungsgemeinschaft; dann Studium der Betriebs- u. Volkswirtschaft in Köln; 1940 Dt. Mstr. im Ruder-Achter; 1940 – 45 Wehrmacht (Panzergrenadierbrigade »Großdtl.«), zul. Ltn. der Reserve; 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. Dez. 1945 »Wirtschaftsred. mit Kenntnis der Geschichte der letzten 100 Jahre« beim NWDR in Köln; lernte  Karl-Eduard von Schnitzler u.  Karl Georg Egel kennen; Anwürfe wegen pol. Kommentare u. KPD-Nähe; 1948 Übersiedl. nach Berlin (Ost) u. Ltr. der Wirtschaftsred., Kommentator u. Reporter beim Berliner Rundfunk; nach der Bekanntschaft mit  Andrew Thorndike u. Joop Huisken (Schüler Joris Ivens’) Arbeit als Texter u. Autor für Dok.-Filme u. die Wochenschau »Der Augenzeuge«; 1954 künstler. Ltr. des DEFA-Studios für Populärwiss. Filme; 1960 Arbeit als Regisseur im DEFA-Studio für Wochenschau u. Dok.-Filme; 1961 Gründung einer künstler. Arbeitsgr., später die Gruppe »Effekt«, bis 1972 deren Ltr.; zwischen 1960 u. 1970 tätig als Ltr. der Regiekl. für Dok.-Filme, Gastdoz. an der HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg; verh. mit  Gitta Nickel von 1964 – 70; SED; 1977 u. 1985 NP; Mitbegr. der Internat. Leipziger Dok.- u. Kurzfilmwoche sowie des Nat. Festivals für Dokumentar- u. Kurzfilme der DDR; Mitgl. des Vorst. bzw. Präs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden der DDR: Vizepräs. der Association International des Documentaristes; nat. u. internat. Auszeichnungen; seit 1990 versch. publizistische Arbeiten; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin). Werke: Insg. 121 Filme als Texter, Autor, Regisseur; Reportagen dem »cinéma vérité« nahe u. Porträts über Leben u. Arbeiten in der DDR: Feierabend (1963/64), Asse-Anno ’74 (1974), Richard der Bauer (1977), Ecken u. Kanten (1980); Auslandsberichte über sozial rückständige Gebiete: Hellas ohne Götter (1957), Licht für Palermo (1960), Sorah u. Ali (1961), Toscanerinnen (1975), Die grüne, weiße, rote Toscana (1975), Wollt ihr unser Elend filmen (1976); pol. Auseinandersetzung mit Ereignissen der Geschichte vom Standpunkt der Überlegenheit des soz. Systems: Freiheit, Freiheit über alles (1959), Schaut auf diese Stadt (1962), Racketeers, Sternenbanner u. Bundesadler in der NATO (1972, Regie mit Eduard Schreiber, Peter Rocha), Zwei Tage im August (1982), Wenn NATO-Generale träumen (1982); polem. Auseinandersetzung mit der dt. Geschichte: Das Jahr 1945 (1984), Nürnberg – nicht schuldig (1985), Eine dt. Karriere (1987).Der Militärtempel der Hohenzollern. Berlin 1999; Zielt gut, Brüder! Wilhelmshorst 2000. Herlinghaus, H. (Hrsg.): Dokumentaristen der Welt. Berlin 1982; K. G. Ich glaube an den Dok.-Film, wenn ... Aus Theorie u. Praxis des Films. Potsdam 1987; Schwarzweiß u. Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946 – 92 (Hrsg. vom Filmmuseum Potsdam). Berlin 1996.Elke Schieber

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Gebhardt, Manfred

* 6.1.1927 – ✝ 17.7.2013

Geb. in Ziegelrode (Mannsfelder Gebirgskr.); Vater Lok-Führer, Mutter Verkäuferin; Volksschule, ab 1933 Staatl. Lutherschule Eisleben, Soldat, poln. Kriegsgefangenschaft, Antifaschule Warschau, 1948 / 49 Redakteur der Kriegsgefangenen-Zeitung »Die Brücke«. Dez. 1949 Rückkehr nach Dtl. (DDR); SED (bis 1989); 1950 Redakteur, ab 1952 stellv. Chefredakteur der Tagesztg.»Junge Welt«; 1958 / 59 Mitgl. des Red.-Koll. der »Berliner Zeitung«; 1959 – 62 Mitarb. des NR, verantw. für Presse, u. a. Chefred. der Ztschr. »Die Stimme«; 1962 – 79 stellv. Chefredakteur u. 1976 – 91 Chefredakteur der Ztschr. »Das Magazin« (Nachf. von  Hilde Eisler); Vaterländischer Verdienstorden (Silber); verfaßte Biographien über Max Hoelz (1983), Mathilde Franziska Anneke (1985) u. Sophie v. Hatzfeldt (1987). Ab 1991 Rentner; gest. in Naumburg.Deutsche in Polen nach 1945 (zus. mit J. Küttner u. D. Bingen). München 1997; Ein Hauch von Maienblüte. Postkarten der Sozialdemokratie zum 1. Mai. Berlin 1989; Die Nackte unterm Ladentisch. Berlin 2002 / 06; Heimwege. Unzeitgemäße Betrachtungen über meinen Vater. Jena 2009.Ingrid Kirschey-Feix

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Funk, Erich

* 17.9.1903 – ✝ 4.7.1967

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Hafenarbeiter, Sägewerksarbeiter (1909 gest.), Mutter Landarbeiterin, Dienstmädchen; Volksschule in Königsberg; 1918 – 21 Lauf- u. Arbeitsbursche; 1919 Dt. Transportarbeiterverb.; 1920 Mitgl. der KPD Königsberg; KJVD-Funktionär; 1922 – 25 Bauarb., Eisenflechter; 1925 Mitgl. des RFB, der RH, IAH; im RFB Gruppenführer, Zugführer u. Abt.-Ltr. der »Roten Jungfront«; 1926 – 28 Gaultr. des RFB Ostpr.; 1926 – 31 Instrukteur u. Sekr. der RFB-Gaultg. Königsberg; 1928/29 Instrukteur der RFB-Bundesltg. in Danzig u. Magdeburg; ab 1929 Mitgl. der BL Ostpr.; 1929 Bauarbeiterverb.; 1929 – 31 Kassierer der KPD-BL Königsberg; 1931 – 33 Gau-Ltr. des Einheitsverb. der Land- u. Forstarb.; 1931 – 33 Abg. der Stadtverordnetenvers. Königsberg; Dez. 1932 mit der Umstellung der RGO u. a. Verbände auf die Illegalität betraut; bei dieser Arbeit im März 1933 verhaftet wegen Kandidatur zum Reichs- u. Landtag; bis April 1933 »Schutzhaft« in Quedenau, bis Sept. 1933 Haft im KZ Sonnenburg; Nov. 1933 erneut verhaftet, anschl. im Straflager Ballupönen; Febr. 1934 vom OLG Königsberg wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 15 Mon. Zuchthaus verurteilt; März 1934 – Juni 1935 im Zuchthaus Wartenburg; Juli – Nov. 1935 Pol.-Ltr. der illeg. KPD Ostpr.; 1935 – 37 Bauarb. in Königsberg; Okt. 1937 erneut verhaftet u. Febr. 1939 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt; 1937 – 45 Haft im Zuchthaus Wartenburg u. Waldheim (Sachsen). 1945 – Aug. 1947 Bürodir. u. Personalchef im Oberlandratsamt Bernau; 1946 KPD/SED; Anfang 1947 schwer erkrankt (Haftfolgeschäden); Nov. 1947 – Nov. 1948 Dir. der SVK Beeskow; Dez. 1948 Instrukteur, Hauptref. bzw. Ltr. einer Unterabt. Kader des ZK der SED; zeitw. 2. Sekr. der SED-Betriebsgr. im SED-PV; ab Febr. 1949 Instrukteur in der Personalpol. Abt. des ZS bzw. des ZK der SED, Unterabt. Gewerkschaften; ab Aug. 1950 Instrukteur im Sektor Registrierung leitender Kader (Nomenklatur) der Abt. Kader im ZK der SED, Sektor II (verantw. für Kader des MdI, ZKSK); 1951 während der »Parteisäuberung« freigestellt als Mitgl. der zentr. Kommission zur Parteiüberprüfung u. der entspr. Landeskommission Groß-Berlin; ab Sept. 1951 – Juni 1959 Ltr. der HA Personal bzw. Kader u. Schulung im MdI u. Stellv. des Staatssekr. für Innere Angelegenh. im MdI; 1954 Kand., ab 1958 Mitgl. der ZRK der SED; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1958/59 Ltr. der Abt. Kaderfragen im Staatssekr. für Örtliche Räte beim MdI, Ablösung u. a. wegen »Beharren auf dem alten, administrativen, bürokratischen Arbeitsstil«; ab Juni 1959 Ltr. des Archivs für Staatsdokumente bzw. durch Strukturänderungen ab Juli 1960 Ltr. der Abt. Verw.-Org. u. Bürotechnik im Min. für Finanzen; seit 1962 Ltr. des Archivs für Staatsdokumente im Büro des Min.-Rats; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Funke, Joachim

* 21.12.1930

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Lokomotivschlosser; Grund- u. OS, 1945 Streckenarb. bei der DR; 1950/51 Instrukteur beim Statist. Landesamt Thür.; 1951 SED; 1951 – 55 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1955 – 65 Stellv. bzw. Ltr. der Bezirksstelle Frankfurt (Oder) der Staatl. ZV für Statistik; 1960 Mitgl., 1962 – 66 stellv. Vors. der Revisionskommission der SED-BL Frankfurt (Oder); 1966 – 72 stellv. Ltr. der Staatl. ZV für Statistik; 1966 Kand., 1967 – 89 Mitgl. der ZRK der SED; 1970 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1972/73 Lehrgang an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1973/74 erneut stellv. Ltr. der ZV für Statistik; 1975 – 80 GD der VVB Maschinelles Rechnen Berlin, ab 1980 GD des VEB Kombinat Datenverarbeitung; Ruhestand.Andreas Herbst

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Fuß, Walter Eberhardt

* 24.5.1921 – ✝ 1.4.1996

Geb. in Hamburg; seit 1945 Theaterschauspieler in Berlin u. Potsdam; in über 60 DEFA-Filmen in zumeist kleineren Rollen, u. a. in »Das kalte Herz« (1950), »Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse« (1954), »Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse« (1955), »Alter Kahn u. junge Liebe« (1957), »Meine Frau macht Musik« (1958), »Das Lied der Matrosen« (1958), »Die schwarze Galeere« (1962), »Geliebte weiße Maus« (1964), »Lots Weib« (1965), »Wenn du groß bist, lieber Adam« (1965), »Die Söhne der großen Bärin« (1966) sowie in den Fernsehfilmen »Krupp u. Krause« (1969) u. »Der blaue Helm« (1979); 1958 – 80 Moderator der samstägl. DFF-Kindersendung »Professor Flimmrich«; 1980 Ruhestand aus gesundheitl. Gründen; gest. in Potsdam. IKF G

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Gabel-Thälmann, Irmgard

* 6.11.1919 – ✝ 10.12.2000

Geb. in Hamburg; Vater KPD-Vors. Ernst Thälmann; 1926 – 34 Volksschule; Jungpionier, 1932 KJVD; 1934 – 36 Berufsschule, Abbruch wegen Verhaftung des Vaters; arbeitslos; Beteiligung an illeg. Aktivitäten für die Befreiung ihres Vaters, u. a. Nachrichtenübermittlung bei Gefängnisbesuchen; 15.4.1944 Verhaftung in Singen, Haft (ohne Prozeß) in Singen, Hamburg u. Berlin (geführt als »Martha Suhren«), anschl. KZ Ravensbrück, dann Außenlager Neubrandenb. 1945/46 KPD/SED; 1945 Mitbegr. von antifa. Frauenaussch.; 1945/46 mit der Mutter in versch. Sanatorien in der UdSSR; dann Vors. des DFD-KV Berlin-Treptow; aktive Mitarb. in der Lagerarbeitsgemeinschaft Ravensbrück; 1984 VVO; 1986 Nebenklägerin im Prozeß gegen den mutmaßl. Mörder ihres Vaters in Krefeld; wirkte als Symbolfigur v. a. für die Pionierorganisation »Ernst Thälmann«. 1994 Wechsel aus der PDS in die KPD, für die sie 1994 im Wahlkrs. Berlin-Friedrichshain/-Lichtenberg erfolglos für den Dt. Bundestag kandidierte (266 Stimmen); 1995 Mitbegr. des Rev. Freundschaftbundes e.V.; gest. in Berlin.Ernst Thälmann. Erinnerungen an meinen Vater. Berlin 1954; Im Kampf gegen Fasch. u. Krieg. In: Lernen u. Handeln. Berlin 1985. Zimmermann, M. (Hrsg.): Was macht eigentlich ...? 100 DDR-Prominente heute. Berlin 1994; Gabelmann, T.: Thälmann ist niemals gefallen? Berlin 1996.Elke Reuter

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Gäbler, Klaus

* 5.10.1931

Geb. in Steinpleis (Krs. Werdau); Vater Arbeiter; OS, 1950 Abitur; 1947 SED; 1950 – 52 Studium an der Univ. Leipzig, 1952 – 57 an der Lomonossow-Univ. Moskau, Dipl.-Philos.; 1957/58 Mitarb. der SED-BL Leipzig; 1958 – 61 Assistent u. Oberassistent am Philos. Inst. der KMU Leipzig; 1961 – 63 Mitarb., 1963 – 67 Sektorenltr., 1967 – 79 stellv. Ltr. u. Febr. 1979 – Dez. 1989 Ltr. der Abt. Prop. des ZK der SED (Nachf. von  Kurt Tiedke); 1974 u. 1981 VVO; 1978 Prom. zum Dr. phil. am IML mit einer philosophiegeschichtl. Arbeit; 16.4.1981 – Dez. 1989 Mitgl. des ZK der SED, Mitgl. des Präs. der Urania; Banner der Arbeit.Wessen Freiheit meinen Sie, Herr Bundeskanzler? Berlin 1965; Philos., Arbeiterklasse u. Rev. Berlin 1978.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Gailat, Kurt

* 14.7.1927 – ✝ 8.11.2010

Geb. in Klein-Dräwen; Volksschule; 1941/42 Laufbursche; 1942 – 45 Lehre u. Arbeit als Tischler; 1945 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schüler. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Sekr. der FDJ-KL Wismar, dann 1. Vors. der FDJ-KL Greifswald; 1950 SED; Abt.-Ltr. beim FDJ-LV Mecklenb.; 1950/51 PHS; 1951 Einstellung beim APN (ab 1953 HA XV, ab 1956 HV A des MfS), HA I (später Abt. II, Parteien u. Org. in der Bundesrep. Dtl.); 1961 – 67 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1970 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1979 Oberst; 1983 Ltr. der HV A-Abt. II; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gall, Willi

* 3.10.1908 – ✝ 23.1.1941

Geboren am 3. Oktober 1908 in Falkenstein/ Vogtland. Nach einer Lehre zunächst Dreher und bis 1932 LKW-Beifahrer. Er trat 1929 der KPD bei, wirkte in der Ortsgruppe Pethau bei Zittau und kam 1932 in den dortigen Gemeinderat. Im April 1933 emigrierte Gall in die Tschechoslowakei, sicherte als Kurier die Verbindung nach Zittau und arbeitete von 1934 bis 1938 in Prag. 1938 wurde er als Instrukteur der Abschnittsleitung Zentrum der KPD eingesetzt und fuhr 1938/39 mehrmals von der Tschechoslowakei und Dänemark aus illegal nach Berlin. 1939 organisierte er in Berlin im früheren KPD-UB Süd die illegale Arbeit. Mit Gruppen aus den südöstlichen Stadtteilen Altglienicke, Bohnsdorf und Adlershof brachte er eine Reihe von Flugblättern und im November 1939 eine Nummer der »Berliner Volkszeitung« heraus. Er hielt Kontakte zu verschiedenen Betrieben, dem Deutschen Theater und den »Neuköllner Sportfreunden«. Stimmungsberichte flossen in Galls Druckschriften ein. Im Dezember 1939 wurden er und über 100 NS-Gegner aus Berlin-Adlershof verhaftet. Willi Gall wurde am 23. Januar 1941 vom VGH zum Tode verurteilt und am 25.Juli 1941 in Berlin-Plötzensee ermordet.

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Gampe, Wolfgang

* 2.8.1928 – ✝ 14.2.1999

Geb. in Naunhof (Krs. Grimma); Vater Maurer; Volksschule, 1941 – 45 Wirtschafts-OS Leipzig. 1945 Internierung durch die sowj. Besatzungsmacht im Lager Buchenwald, danach Arbeit auf dem elterl. Neubauernhof; 1950/51 Landw. FS in Wurzen, 1951 – 54 Studium der Landw. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Landw.; 1954/55 Lehrer an der FS für Landw. in Stadtroda; 1956 – 58 wiss. Mitarb. der Forschungsstelle für Landarbeit Gundorf der DAL; 1958 – 66 Arbeitsgr.- bzw. Abt.-Ltr. für Betriebs- u. Arbeitsorg. der neugegr. Forschungsstelle für Agrarökonomik der DAL in Anklam; 1960 Prom. zum Dr. agr. an der KMU Leipzig mit einer Diss. über Methoden zur Ermittlung der Arbeitsproduktivität in den LPG; 1960 Mitgl. der SED-KL Anklam; 1962 – 65 Vors. der LPG Neetzow; ab 1963 Mitgl. des Krs.-Landw.-Rats Anklam; 1965 Doz. für soz. Betriebswirtschaft an der HS für LPG Meißen; 1966 – 69 Tätigkeit in der »Winter-Akad.« des DFF; 1967 Habil.; 1967 – 71 Prof. mit Lehrstuhl für soz. Betriebswirtschaft an der HS für LPG; Dir. des Inst. für soz. Betriebswirtschaft u. zugl. wiss. Dir. des Lehr- u. Versuchsguts Kalkreuth; 1968 Kand. der DAL; Herbst 1971 Abberufung aus dem Lehramt wegen agrarpol. Differenzen; 1972 keine Wiederwahl in die DAL; 1971 – 79 Dir. des VEG Kalkreuth; 1979 Prof. an der MLU Halle; 1985 Rückberufung an die HS für LPG; 1989 Dir. des Wiss.-Bereichs Betriebsorg.; März 1990 Rehabilitierungsbeschluß des AdL-Plenums; Aug. 1990 vom ZV der awig zum amtl. Präs. gewählt; 1990/91 Lehrtätigkeit am Zentrum für Landw. u. Genossenschaftswesen der TU Dresden.Soz. Betriebswirtsch. der Landw. Handbuch. Berlin 1986.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Garbe, Gerald

* 31.1.1941

Geb. in Zollbrück; Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule, Abitur; 1955 FDJ; 1959 – 65 Studium an der TH Magdeburg, Dipl.-Ing.; 1965 – 68 Ing. im VEB Magdeburger Armaturenwerk (MAW) »Karl Marx«; 1967 SED; 1968 – 70 Gruppenltr. im VEB MAW; 1971 – 73 wiss. Oberass. am Inst. für Schiffbau Rostock; 1973/74 wiss. Oberass. an der WPU Rostock, 1974 Prom. zum Dr. oec.; 1975 stellv. Haupttechnologe, HA-Ltr.; 1975 – 80 Fachbereichsltr. Rationalisierung im VEB MAW; 1980 Lehrgang an der SED-BPS Magdeburg; 1981 – 83 Betriebsteilltr. Stahlgußschieber, 1983 – 85 stellv. Dir. für Erzeugnisentw. u. Technol. auf Kombinatsebene, 1985 1. Stellv. des GD u. Dir. für Plandurchführung des VEB MAW; 1988 – 90 GD des VEB Kombinat Schienenfahrzeugbau Berlin.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Gartenschläger, Michael

* 1944 – ✝ 1976

Als Schüler protestierte er gegen die innerdeutsche Grenze, wofür er zehn Jahre in politischer Haft saß, bis er von der Bundesrepublik freigekauft wurde. Danach betätigte er sich als Fluchthelfer und organisierte spektakuläre Protestaktionen gegen das DDR-Grenzregime – an der innerdeutschen Grenze baute er Selbstschussanlagen ab. Beim Versuch, eine dritte Selbstschussanlage abzubauen, wurde er von einem Spezialkommando der Staatssicherheit erschossen.Gartenschlägers kurzes und auf tragische Weise verpfuschtes Leben stand konsequent quer zum herrschenden Zeitgeist. Das ruhmlose Ende des SED-Systems könnte als eine späte Rechtfertigung seines kämpferischen und aktionistischen Antikommunismus empfunden werden. Doch der Prozess vor dem Landgericht Schwerin gegen die Mitglieder des Sonderkommandos der Staatssicherheit, das ihn erschossen hatte, und der Freispruch zehn Jahre nach dem Ende der DDR lassen erneut die tragische Einsamkeit dieses unzeitgemäßen Helden deutlich werden. Die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten war das Schicksal dieses am 13. Januar 1944 in Strausberg bei Berlin geborenen Arbeiterjungen. Als am 13. August 1961 die Mauer gebaut wurde, war er 17 und machte eine Lehre als Autoschlosser. In diesen Tagen legten sich Lethargie und lähmendes Schweigen über die nun endgültig eingeschlossene DDR. Die Westmächte taten nichts, die Bonner Regierung mahnte zur Besonnenheit und die öffentliche Empörung der West-Berliner, der insbesondere Willy Brandt Ausdruck verlieh, drohte bald schon in Alltagsnormalität zu verebben. Auch viele DDR-Bürger hielten es jetzt für vernünftiger, abzuwarten, als ins offene Messer zu laufen. Gartenschläger und seine Freunde wollten nicht vernünftig und besonnen abwarten. Sie zogen nachts los und malten Parolen an die Häuserwände. „Lieber tot als rot“, soll da gestanden haben. Um ein Zeichen des Widerstandes zu setzen, zündeten sie schließlich eine Feldscheune an. Ein Mitglied der Gruppe wurde aus Angst zum Verräter. Bereits am 19. August 1961 wurden alle Teilnehmer der Aktion verhaftet. Der Staatsmacht kam der Fall gerade recht, um ein Exempel zu statuieren. Gartenschläger und seine Freunde waren wohl das, was man damals in Ost und West „Halbstarke“ nannte. Sie waren gern nach West-Berlin gefahren, um dort ins Kino oder zu Rock’n’Roll-Konzerten zu gehen. Insofern passten sie nicht nur in das Feindbild des Staates, sondern auch in das vieler Kleinbürger. Der Tatbestand der Brandstiftung bediente zudem das Propagandaklischee von den „Achtgroschenjungen“, die aufgehetzt durch den Westsender RIAS angeblich in der DDR Sabotageakte durchführen sollten, um eine Aggression des westdeutschen Imperialismus vorzubereiten. Der Prozess gegen die Jugendlichen wurde deswegen im Beisein von Vertretern aus Betriebskollektiven und Schulen durchgeführt und entgegen den sonstigen Gepflogenheiten in der Presse breit dargestellt. Gartenschläger wurde im September 1961, obwohl er zur Tatzeit noch nicht volljährig gewesen war, zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Gert Resag zu lebenslanger Haft verurteilt. Weitere Mitglieder der losen Gruppe erhielten Haftstrafen zwischen sechs und 15 Jahren. Gartenschläger verbrachte zehn Jahre seiner Jugend hinter Gittern, dann kaufte ihn der Westen frei. Inzwischen standen deutschlandpolitisch die Zeichen auf „Wandel durch Annäherung“. Doch Gartenschläger, der nun in Hamburg lebte, wollte keine Annäherung an den hassenswerten Mauerstaat. Er tat sich mit anderen ehemaligen DDR-Häftlingen zusammen, um Fluchtaktionen über die Transitstrecke zu organisieren. Schließlich plante er jene spektakulären Aktionen, die ihm das Leben kosten sollten. Bereits eine Woche vor seinem Tod gelang es ihm, zwei Selbstschussanlagen vom Typ „SM-70“ vom Metallgitterzaun der DDR-Sperranlagen an der innerdeutschen Grenze abzubauen. Diese Geräte verschossen – durch einen Draht ausgelöst – kleine scharfkantige Metallwürfel, die ihre Opfer regelrecht zerfetzten. Nichts konnte der SED-Führung angesichts ihrer Bemühungen um internationale Anerkennung peinlicher sein, als dass diese menschenverachtenden Tötungsmaschinen nun der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Eilfertig erklärte man die Objekte für Attrappen. Als man in Ost-Berlin von dem Plan hörte, einen solchen Selbstschussautomaten am 1. Mai vor der DDR-Vertretung in Bonn am Fahnenmast hochzuziehen, müssen alle Alarmglocken geläutet haben. Was ganz genau in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1976 am Grenzpfahl 231 geschah, ist auch nach dem Prozess in Schwerin noch unklar. Sicher ist, dass es einen Spitzel in der Gruppe von Gartenschläger gab. Unbestreitbar ist auch, dass ein Exekutionskommando der DDR-Staatssicherheit auf die drei Männer gewartet hatte, die sich in der mondhellen Nacht der Grenze näherten. Nach Aussagen der beiden Begleiter erfolgte kein Anruf und kein Warnschuss. Die Behauptung der Todesschützen, Gartenschläger habe zuerst geschossen, ist wohl eine spätere Notlüge. Wenig glaubhaft bleibt auch die Aussage, sie hätten den Befehl gehabt, den „Grenzverletzer“ festzunehmen. Fast 24 Jahre nach der Tat entscheiden die Richter des Landesgerichts Schwerin dennoch aufgrund dieser Aussagen zugunsten der Angeklagten, die das Gerichtsgebäude als unbescholtene Männer verlassen können. Aktenkundig ist jedoch, dass im Einsatzbuch unter der Rubrik „Erfüllung“ der Vermerk „sehr gut“ steht. Die Täter bekamen einst einen Orden und eine Geldprämie. Das Opfer wurde als angebliche „anonyme Wasserleiche aus der Elbe“ in aller Heimlichkeit von den DDR-Behörden beerdigt.Stefan Wolle Letzte Aktualisierung: 08/16

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gässler, Ernst

* 12.12.1889 – ✝ 1945

Geboren am 12. Dezember 1889 in Kirchen-Hausen/Baden; arbeitete auf dem Hof der Eltern, den er später erbte. Vor dem Weltkrieg Eintritt in die SPD, kam über die USPD zur KPD, für die er 1921 in den Badischen Landtag einzog. Bis 1925 Abgeordneter, dann nicht wiedergewählt. Von 1929 bis 1932 war Gässler Leiter eines kommunistisch orientierten Bauernbundes in Baden. 1930 Kandidat auf der Reichsliste der KPD, aber nicht gewählt. Nach 1933 einige Zeit in Haft, wurde gegen Ende des Krieges noch zum Militär eingezogen und an die Front geschickt. Ernst Gässler starb im April 1945 in einem sowjetischen Gefangenenlager in Debreczin (Ungarn).

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Gebhardt, Willy

* 20.6.1901 – ✝ 12.5.1973

Geb. in Niedersynderstedt (Krs. Weimar); Vater Kraftfahrer u. Schlosser; Volks- u. gewerbl. Fortbildungsschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Schlosser; 1916 DMV u. SAJ; 1919 SPD; 1923 KPD; Red. des KPD-Organs »Neue Ztg.« (Jena); 18.3.1930 Verurteilung durch das Reichsgericht in Leipzig wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu einem Jahr Festungshaft in Gollnow; 1931/32 Org.-Sekr. des Proletar. Freidenkerverb. Thür., nach Verbot des Verb. 1932/33 Sekr. der KPD Suhl u. Abg. des Thür. Landtags; nach 1933 illeg. pol. Arbeit; bis 1934 »Schutzhaft« im KZ Bad Sulza; 1934 – 44 Bauarb. bzw. Hilfsmonteur; 1944 erneut inhaftiert, KZ Buchenwald. 1945/46 Betriebsratsvors. im Elektrizitätswerk Jena; ab März 1946 Org.-Sekr. der KPD-KL bzw. des SED-KV für den Stadt- u. Landkrs. Stadtroda; ab Febr. 1947 Landrat des Landkrs. Stadtroda; Okt. 1947 – 31.7.1952 Innenmin. des Landes Thür. (Nachf. von  Werner Eggerath); 1946 – 71 Mitgl. der SED-LL Thür. bzw. der BL Erfurt, zeitw. des Sekr. bzw. des Büros der BL; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; 1952 – 62 Vors. des Rats des Bez. Erfurt, Abg. des Bez.-Tags; 1961 – 72 Vors. des DSF-BV Erfurt.Andreas Herbst

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Funk, Erich

* 17.9.1903 – ✝ 4.7.1967

Geboren am 17. September 1903 in Königsberg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Laufbursche und Bauarbeiter. 1920 Mitglied des KJVD und der KPD, 1926 Sekretär der RFB-Gauleitung Ostpreußen. 1928/29 Instrukteur der KPD-BL Ostpreußen und von 1929 bis 1931 dort Kassierer, zusätzlich 1929 Orgleiter, bis 1933 im Sekretariat der BL Ostpreußen. Von 1931 bis 1933 in der Stadtverordnetenversammlung Königsberg. Funk war von April bis September 1933 im KZ Sonnenburg und anschließend im Straflager Ballupöen inhaftiert. Im Februar 1934 vom OLG Königsberg zu 15 Monaten Zuchthaus verurteilt. Im Juni 1935 freigelassen, Bauarbeiter in Königsberg und zugleich Leiter der illegalen KPD Ostpreußens, im November 1937 verhaftet und vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, saß bis 1945 in Wartenberg und Waldheim. Von 1945 bis 1949 war Funk Personalchef im Oberlandratsamt Bernau bzw. Leiter der Sozialversicherung in Beeskow, von 1950 bis 1967 Kandidat bzw. Mitglied der ZRK der SED. Er war von 1951 bis 1959 Leiter der Hauptabteilung Kader des DDR-Ministeriums des Innern, aber von dieser Funktion entbunden, weil er sich kritisch zum Führungsstil Walter Ulbrichts geäußert hatte. Danach im DDR-Ministerium der Finanzen bzw. Leiter des Archivs für Staatsdokumente im Büro des Ministerrats, erhielt 1963 den VVO in Silber. Erich Funk starb am 4.Juli 1967 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Funke, Otto

* 23.8.1915 – ✝ 22.12.1997

Geb. in Lennep (Rheinl.); Vater Arbeiter; bis 1932 Realgymnasium in Wuppertal-Elberfeld; 1930 SAJ; 1931 KJVD; 1933 KPD; ab Febr. 1933 illeg. pol. Arbeit, Mitgl. der illeg. KJVD-UBL Wuppertal u. der KPD-BL Niederrhein; März 1935 inhaftiert; Juli 1935 Verurteilung durch das OLG Hamm zu zwei Jahren Gefängnis; bis 15.3.1937 Haft in Wuppertal, Berlin-Moabit, Hamm u. Wittich; 1938 – 44 Ausbildung u. Tätigkeit als techn. Angest. in der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG in Düsseldorf; bis 1944 »wehrunwürdig«, 1944/45 Wehrmacht; Gefangenschaft in Norwegen. Ab Nov. 1945 Jugendinstrukteur der KPD-BL Thür.; Dez. 1945 – März 1946 Landesjugendref. des Landesamtes für Volksbildung Thür.; 1946 SED, FDJ; März 1946 – April 1949 Org.-Sekr. der FDJ-LL; April – Sept. 1949 Vors. der FDJ-LL Thür.; Sept. 1949 – Aug. 1952 2. Sekr. der SED-LL Thür. (Nachf. von Kurt Leßig); 1950 – 54 u. 1958 – 89 Abg. der Volkskammer; Aug. 1952 – 55 1. Sekr. der SED-BL Gera, 1952 – 56 Mitgl. des Bez.-Tags Gera; 1955/56 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1956 – 68 1. Sekr. der SED-BL Suhl (Nachf. von  Kurt Schneidewind), 1963 – 69 Abg. des Bez.-Tags Suhl; 1958 Kand. des ZK der SED; 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1969 Stellv. des ltd. Sekr., 1971 ltd. Sekr., 1974 – 89 Vors. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR; seit 1972 Vizepräs. der FIR; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 u. 1965 VVO, 1969 Ehrenspange zum VVO; 1975 KMO; 1980 Stern der Völkerfreundschaft; 1985 Held der Arbeit.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Gabbey, Theodor Ernst

* 17.1.1891 – ✝ 8.12.1938

(* 1891 – † 1938) Geboren am 17. Januar 1891 in Berlin. Er lernte Schriftsetzer und ging auf Wanderschaft. 1913 Soldat, im Oktober 1914 an der Westfront verwundet und 1916 aus der Armee entlassen. Seit 1911 in der SPD, 1919 trat er zur USPD über und kam mit dem linken Flügel 1920 zur KPD. In der Zentrale bzw. dem ZK war Gabbey Mitarbeiter der Gewerkschaftsabteilung und Vorsitzender für die Buchdrucker. Als Anhänger Heinrich Brandlers 1929 aus der KPD ausgeschlossen, trat Gabbey der KPO bei. Ab 1935 gehörte er zur illegalen Reichsleitung der KPO. Im Februar 1937 verhaftet, wurde er im November 1937 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Schwerkrank aus dem Zuchthaus Brandenburg entlassen, starb Theodor Ernst Gabbey am 8.Dezember 1938 in einem Krankenhaus.

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Gabelin, Bernward (Franz)

* 15.2.1891 – ✝ 20.10.1983

(* 1891 – † 1983) Geboren am 15. Februar 1891 in Krefeld, Sohn eines Steuerbeamten; Angestellter. Von 1911 bis 1913 Militärdienst, von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. 1917 Mitglied der SPD, trat 1918 der USPD und 1920 der KPD bei, ab 1921 hauptamtlicher Mitarbeiter im zentralen Literaturvertrieb der KPD. 1924 Leiter des Buchvertriebs und Literaturobmann der BL Oberschlesien, 1925/26 im Bezirk Württemberg, 1926/27 im Bezirk Brandenburg. 1927/28 war Gabelin zunächst Mitarbeiter, dann Sekretär für Agitation und Propaganda der BL Berlin-Brandenburg, kurze Zeit auch in gleicher Funktion im ZK der KPD. Von 1928 bis 1930 leitete er den Internationalen Arbeiter-Verlag und den Agis-Verlag, dann bis 1933 den RGO-Verlag und war Mitglied der RGO-Reichsleitung. 1934 Emigration in die âSR, Mitarbeiter des ZK der KPD in Prag. Er kam 1935 in die UdSSR und arbeitete als Vertreter bzw. Kontrollredakteur in Engels (Wolgarepublik). Im Februar 1938 wurde Gabelin mit seiner Frau Selma, geborene Hartog (*5.10. 1896 – † 20. 8. 1978), vom NKWD verhaftet, im Frühjahr 1939 jedoch freigelassen. Anschließend Kontrollredakteur der Zeitung des Gebietskomitees in Engels. 1942 Politinstrukteur und Lektor in Kriegsgefangenenlagern bei Stalingrad, 1944/45 Redakteur bei der Zeitung des NKFD und bis zur Rückkehr nach Deutschland 1945/46 Redakteur in der Deutschlandabteilung von TASS in Moskau. Von 1946 bis 1948 in der SBZ Direktor der höheren Polizeischule der Deutschen Verwaltung des Innern. 1948/49 Chefredakteur der DSF-Zeitschrift »Die neue Gesellschaft«, im September 1948 wurde er Direktor des Sachsenverlages in Dresden und von 1951 bis 1958 Direktor des Akademie-Verlages in Ost-Berlin. Bernward Gabelin starb am 20. Oktober 1983.

Wer war wer in DDR

Gadamer, Hans-Georg

* 11.2.1900 – ✝ 13.3.2002

Geb. in Marburg (Lahn); Vater Johannes G., pharmazeut. Chemiker, Prof. u. Dir. des Pharmazeut. Inst. der Univ. Breslau; 1909 – 18 Besuch der Schule zum Hlg. Geist in Breslau; 1918 – 23 Studium der Philos. in Breslau, Marburg, München u. Freiburg; 1922 Prom. in Marburg mit der Diss. »Das Wesen der Lust nach den platon. Dialogen«; 1924 – 27 Studium der Klass. Philol. in Marburg; 1927 Staatsexamen für das höhere Lehramt; 1929 Habil. über »Platos dialekt. Ethik« bei Martin Heidegger u. Paul Friedländer; 1929 – 37 Privatdoz., 1937 – 39 außerord. Prof. für Philos. an der Univ. Marburg; 1939 – 47 ord. Prof. für Philos. u. Dir. des Philosoph. Inst. der Univ. Leipzig. 1946 – 47 Rektor der Univ. Leipzig; 1947 – 49 ord. Prof. für Philos. an der Univ. Frankfurt (Main); 1949 – 68 ord. Prof. für Philos. an der Univ. Heidelberg; 1953 (mit Helmut Kuhn) Begr. u. bis 1974 Hrsg. der Ztschr. »Philos. Rundschau«; 1962 Mitbegr. u. 1967 – 70 Präs. der internat. Vereinigung zur Förderung der Hegel-Studien; 1971 Orden Pour le mérite. 1993 Großkreuz des Bundesverdienstordens; 1996 Ehrendoktor der Univ. Leipzig; 2001 Einrichtung einer Gadamer-Professur an der Univ. Heidelberg.Bach u. Weimar. Weimar 1946; Goethe u. die Philos. Leipzig 1947; Über die Ursprünglichkeit der Wiss. Leipzig 1947; Wahrheit u. Methode. Tübingen 1960; Kleine Schriften Bd. 1 – 4. Tübingen 1967 – 77; Philos. Lehrjahre. Eine Rückschau. Frankfurt (Main) 1977; Gesammelte Werke Bd. 1 – 10. Tübingen 1985 – 1995; Hermeneutische Entwürfe: Vorträge u. Aufsätze. Tübingen 2000. Grondin, J.: H.-G. G. Eine Biographie. Tübingen 1999; Figal, G. (Hrsg.): Hermeneutische Wege: H.-G. G. zum Hundertsten. Tübingen 2000; Malpas, J. (Hrsg.): Gadamer’s century: essays in honor of H.-G. G. Cambridge, Mass. 2002; Kaysa, V.: Der andere G. u. sein Leipziger Rektorat. In: V. Gerhardt u. H.-C. Rauh (Hrsg.): Anfänge der DDR-Philosophie. Berlin 2001.Hubert Laitko

Wer war wer in DDR

Gaile, Karl

* 11.10.1905 – ✝ 19.11.1979

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Maurer, Mutter Reinemachefrau u. Wäscherin; Volks- u. Fortbildungsschule in Berlin; 1919/20 Lehre als Automechaniker (nicht abgeschl.); 1920 SAJ; 1920 – 32 Arbeiter, Kraftfahrer; 1925 RJ; 1931 KPD; ab 1933 illeg. pol. Arbeit, Betriebsinstrukteur im KPD-UB 5 in Berlin; Mai –Dez. 1933 Haft im Polizeigefängnis Berlin, Strafanstalt Plötzensee u. KZ Brandenb.; Ende 1933 Emigr. in die Schweiz; Dez. 1933 –Aug. 1935 dort Grenzarb. u. Instrukteur im Sudetenland (Mitarb. von  Walter Fisch und Wilhelm Firl); Sept. 1935 – Febr. 1937 in der UdSSR, Aufenthalt in Krankenhaus u. Sanatorium; Jan. – Dez. 1936 Studium am Inst. für ausländ. Sprachen in Moskau; ab Febr. 1937 in Spanien (»Walter Kohrt«); Offz.-Schule Pozo Rubio; dann als Sergeant zur XI. Brigade, ab Okt. 1937 als Adj. des Bat.-Kommissars, Jan. –April 1938 Pol.-Ltr. der XI. Brigade; später Prop.-Ltr. der dt. Abt. beim Gen.-Kriegskommissariat (unter André Marty u. Luigi Longo, »Gallo«); bis Febr. 1939 pol. Arbeit im Kommissariat der XI. Brigade; ab Febr. 1939 nach Frankreich, interniert in St. Cyprien, Gurs u. anderen Lagern; Selbstbefreiung u. Bildung einer Partisaneneinheit, zul. stellv. Bat.-Kdr. Maquis-Einheit Jean Pirson in Südfrankreich (»Charles Cailler«); Spätherbst 1944 Mitgl. der Ltg., später Ltr. der Sekt. Südfrankreich des CALPO (Komitee »Freies Dtl. für den Westen«) in Marseille; 1945/46 für die pol. Arbeit der KPD in den Kriegsgefangenenlagern in Frankreich verantw. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 49 Mitarb., Hauptref. der HV Verkehr in der DWK; daneben Lehrer an der LPS Berlin; April – Dez. 1949 Ltg. der Münze; ab Dez. 1949 im Apparat des ZK der SED, Hauptref. für Verkehr in der Abt. Wirtschaftspol. des ZK der SED; April 1950 stellv. Ltr. der Abt. Wirtschaftspol. des ZK der SED (Nachf. von W. Hockenholz); Nov. 1951 – 53 stellv. Ltr. Abt. Handel u. Verkehr des ZK der SED (Nachf. von W. Hockenholz); 1952 Mitarb. der Abt. Wirtschaftspol., verantw. für die Anleitung der KPD; 1953 Ltr. der neugebildeten Abt. Handel, Verkehr u. Verbindungswesen des ZK der SED; Mai 1953 – Sept. 1959 Ltr. der Zentr. Abt. Kader u. Ausbildung im Min. für Verkehrswesen; 1956 Hans-Beimler-Med.; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; ab 1959 Mitarb. im MfAA; 1960 Ltr. der DDR-Handelsvertr. (Generalkonsul) in Syrien (Damaskus), 1961 – 65 dort Konsul; 1965 »Parteiveteran«, Invalidisierung; Banner der Arbeit u. Arthur-Becker-Medaille; 1970 VVO; 1975 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Episoden aus dem Maquis. In: Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973. Pech, K.: An der Seite der Résistance. Berlin 1974; Uhl, M.: Mythos Spanien. Bonn 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Gallerach, Ernst

* 7.3.1930

Geb. in Podletzki (ČSR); Vater Handwerker; Volks- u. Mittelschule, 1948 – 50 Abitur an der ABF Halle; 1948 SED; 1950 – 54 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Ökonom; 1954 Assistent des Planungsltr., 1955 Planungsltr. u. 1959 – 62 Werkltr. des VEB Meßgeräte- u. Armaturenwerk »Karl-Marx« in Magdeburg; 1963 1. Stellv. des GD u. 1966 – 71 GD des VEB Carl Zeiss Jena (Nachf. von Hugo Schrade); 1963 – 71 Abg. der Volkskammer, 1967 – 71 Mitgl. des ZK der SED; später Dir. des VEB »Erich-Weinert-Werk« in Magdeburg.Mühlfriedel, W., Hellmuth, E.: Carl Zeiss in Jena 1945 – 1990. Köln 2004; Müller, A.: Institutionelle Brüche u. personelle Brükken.Werkleiter in Volkseigenen Betrieben der DDR in der Ära Ulbricht. Köln, Weimar, Wien 2006.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Ganse, Robert

* 24.3.1909 – ✝ 12.8.1972

Geb. in Kassel; Vater Apotheker; Gymnasium in Hamborn; 1930 – 36 Studium der Med. in Köln, Frankfurt (Main), Münster u. Hamburg, dort 1936 Prom.; April – Okt. 1933 Inhaftierung u. »Schutzhaft« im KZ Brauweiler, Hochverratsprozeß, Freispruch wegen »Mangels an Beweisen«; Medizinalpraktikant in Hamburg u. Hamborn; 1937/38 gynäkolog. Ausbildung bei Hans Hinselmann in Hamburg-Altona, Entlassung aus pol. Gründen; 1938 – 43 Assistenzarzt an der Privat-Frauenklinik Mackenrodt in Berlin; hier 1943 Facharzt für Gynäkol. u. Geburtshilfe; da wehrdienstuntaugl., Dienstverpflichtung als Praxisvertreter u. 1944/45 im besetzten Posen als klin. tätiger Gynäkologe. 1945 Rückkehr nach Dtl. (Coburg); 1946/47 Assistenzarzt, später Ltr. der Poliklinik der Univ.-Frauenklinik Erlangen; KPD; Vors. der VVN in Bayern, pol. motivierte Entlassung aus dem HS-Dienst; 1947 Übersiedl. nach Dresden; Chefarzt der Frauenklinik des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt; SED; 1951/52 Abg. des Sächs. Landtags; 1954 – 72 Dir. der Frauenklinik der Med. Akad. Dresden; 1955 Prof. mit Lehrauftrag, 1957 ord. Prof.; Vorstandsmitgl. der Ges. für Geschwulstforschung der DDR; 1969 VVO; wiss. Arbeiten zur gynäkolog. Krebsfrühdiagnostik durch Kolposkopie u. Vervollkommnung der Kolpofotogr.; Hrsg. der Schriftenreihe »Kolposkop. u. zytolog. Studien«; gest. in Berlin.Kolpofotogramme zur Einführung in die Kolposkopie. Bd. 1 – 3. Berlin 1953 – 55; Das normale u. das patholog. Gefäßbild der Portio vaginalis uteri. Berlin 1958. Kühn, K., Schneck, P.: R. G. Das Schicksal eines Frauenarztes in den Kämpfen seiner Zeit (mit Bibl.). Leipzig 1986.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Garling, Adolf

* 11.1.1925

Geb. in Teterow (Landkrs. Güstrow); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; 1940 – 43 Lehrling in der Stadtverw. Teterow; April 1943 NSDAP; 1943 – 45 Wehrmacht, 1945 – 47 amerikan. Kriegsgefangenschaft in Belgien, dort Arbeit im Bergwerk. 1947 – 52 Angest. der Abt. Finanzen der Stadtverw. Teterow; 1948 SED, 1950 SED-LPS Mecklenb.; 1952 – 54 Abt.-Ltr. Finanzen beim Rat des Krs. Malchin; 1954 – 60 Vors. des Rats des Krs. Malchin; 1956 / 57 Direktstudium, 1958 – 60 Fernstudium an der DASR Potsdam, 1961 Dipl.-Staatswiss.; 1961 – 64 Vors. des Rats des Krs. Pasewalk; 1964 – 66 1. Sekr. der SED-KL Pasewalk; 1964 Fernstudium an der FS für Landw. Tollenseheim; 1966 / 67 1. Stellv., dann bis März 1972 Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg (Nachf. von  Lothar Geisler); April 1972 Entbindung von sämtl. Funktionen wg. »unparteil. Verhaltens« (Zugehörigkeit zur NSDAP); bis 1989 Dir. im VEB Bekleidungswerk Greifswald, seitdem Rentner.Andreas Herbst

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Gartenschläger, Michael

* 13.1.1944 – ✝ 30.4.1976

Geb. in Strausberg (b. Berlin); Eltern Gastwirte; Schulbesuch in Strausberg; 1958 GST, 1959 Schlossergehilfe, Autoschlosserlehre; regelmäßige Besuche in West-Berlin; 1960 Gründung eines Ted-Herold-Fanclubs; Protestparolen gegen den Mauerbau am 13.8.1961, 16.8. Brandstiftung in einer LPG, 19.8. Verhaftung, 15.9.1961 Verurteilung zu lebenslanger Haft, 1964 Fluchtversuch aus der Jugendstrafanstalt Torgau, während der Haft in Brandenb.-Görden Berufsausb. zum Dreher, 1969 scheitert ein zweiter Fluchtversuch, 1970 Antrag auf Ausweisung in die Bundesrep. Dtl., 1971 von der Bundesreg. für 45.000 DM freigekauft; 1973 Abbruch einer Ausbildung zum Betriebswirt; 1974 Pächter einer Tankstelle in Hamburg; Beteiligung an bezahlten Fluchthilfeaktionen für 31 Personen aus der DDR, im März u. April 1976 Demontage von zwei Selbstschußanlagen SM 70 an der innerdt. Grenze u. Präsentation vor der Weltöffentlichkeit; Beschluß des MfS, G. bei einer weiteren Aktion zu »verhaften oder zu vernichten«; beim Versuch der Demontage einer dritten Splitterminenanlage bei Büchen an der Grenze von Mecklenburg zu Schleswig-Holstein bei einem Schußwechsel mit einem MfS-Sonderkommando tödlich getroffen; im Mai 1976 als »unbekannte Wasserleiche« in Schwerin beerdigt. 1992 Aufhebung des Urteils von 1961 durch das LG Frankfurt (Oder); 2000 u. 2003 Anklage gegen zwei Offiziere des MfS wegen geplanten Totschlags an G., Freispruch, da nicht ausgeschlossen werden konnte, daß G. zuerst geschossen hat; die Revision beim BGH hatte 2005 wegen Verjährung keinen Erfolg.Ritter, J., Lapp, P. J.: Die Grenze. Ein dt. Bauwerk. Berlin 1997; Lienecke, L., Bludau, F.: Todesautomatik. Die Staatssicherheit u. der Tod des M. G. Kiel 2001; Frost, A.: M. G. – Der Prozeß. Schwerin 2002; Klier, F.: M. G. Kampf gegen Mauer u. Stacheldraht. Berlin 2009.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Gauck, Joachim

* 24.1.1940

Geb. in Rostock; Vater Kapitän (1951 – 55 inhaftiert, nach Sibirien deportiert); Grund- u. Oberschule, 1958 Abitur; 1958 – 65 Studium der ev. Theol. in Rostock; seit 1965 im Dienst der Ev.-luth. Landeskirche Mecklenb., bis 1967 Vikariat, ordiniert, dann Pfarrer in Lüssow (Krs. Güstrow); seit 1971 im Neubaugebiet Rostock-Evershagen; im Nebenamt Krs.- bzw. Stadtjugendpfarrer; 1982 – 90 Ltr. der Kirchentagsarbeit in Mecklenb.; Mitgl. des Präs. des ev. Kirchentags; Funktionen, die eine Förderung von Themen u. Gruppen mit krit. Positionen in Friedens-, Menschenrechts- u. Umweltfragen ermöglichten; aus diesen Gründen in den 80er Jahren vom MfS in einem OV erf.; ab Okt. 1989 Mitinitiator der kirchl. u. pol. öffentl. Protestbew. in Mecklenb., u. a. durch die Ltg. wöchentl. Gottesdienste mit anschl. Großdemonstration in Rostock; Mitgl. im Neuen Forum Rostock u. in dessen Sprecherrat seit seiner Gründung; März – Okt. Abg. des Bündnis 90 in der Volkskammer, dort Vors. des »Sonderaussch. zur Kontrolle der Auflösung des MfS/AfNS«, Mitinitiator des am 24.8.1990 durch die Volkskammer beschlossenen Stasi-Unterlagen-Gesetzes (Hauptinhalt: Öffnung der Stasiakten für die pol., jur. u. hist. Aufarbeitung). 2.10.1990 von der Volkskammer einstimmig, tags darauf von Bundespräs. Richard von Weizsäcker u. Bundeskanzler Helmut Kohl zum »Sonderbeauftr. der Bundesreg. für die personenbezogenen Unterlagen des ehem. Staatssicherheitsdienstes der DDR« gewählt bzw. berufen; 29.12.1991 – 3.10.2000 »Bundesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR«; 1991 Theodor-Heuss-Medaille zus. mit fünf weiteren Bürgerrechtlern (u. a.  Jens Reich,  Ulrike Poppe) stellv. für die aufbegehrenden Bürger der DDR; 1995 Bundesverdienstkreuz 1. Kl.; 20.9.1995 mit 565 von 636 Stimmen des Dt. Bundestags für fünf weitere Jahre im Amt bestätigt; Dez. 1996 Hermann-Ehlers-Preis; Nov. 1997 Hannah-Arendt-Preis (gem. mit Freimut Duve); 20.1.1999 Dr. h. c. der Univ. Rostock; 1999 ungar. Imre-Nagy-Gedenkplakette; 2000 Talkmaster; 2000 Dolf-Sternberger-Preis, 2003 Courage-Preis (Bad Iburg); seit Nov. 2004 Vors. des Vereins »Gegen Vergessen – für Demokratie«; 2008 Thomas-Dehler-Preis; Mitgl. von Atlantik-Brücke e.V.Die Stasi-Akten. Das unheiml. Erbe der DDR. Reinbek 1991; Von der Würde der Unterdrückten. In: H.-J. Schädlich (Hrsg.): Aktenkundig. Berlin 1992; Verlust u. Übermut. Ein Kapitel über den Untertan als Bewohner der Moderne. In: Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung (Hrsg.): Jb. Darmstadt 1993; Plädoyers für Gerechtigkeit. Rostock 1994; Wahrnehmen – aushalten – widerstehen. Tübingen 1994; Vom Untertan zum Citoyen. Leipzig 1997; Vom schwierigen Umgang mit der Wahrnehmung. In: Courtois, S.: Das Schwarzbuch des Kommunismus. München, Zürich 1998; Winter im Sommer – Frühling im Herbst. Erinnerungen. München 2009. Robers, N.: J. G. Die Biographie einer Institution. Berlin 2000.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gebhardt, Willy

* 20.6.1901 – ✝ 12.5.1973

Geboren am 20. Juni 1901 in Niedersynderstedt/ Krs. Weimar, Sohn eines Kraftfahrers; Schlosserlehre. Gebhardt trat 1916 dem DMV und der Arbeiterjugend bei. 1919 wurde er Mitglied der SPD, 1923 der KPD. Von 1922 bis 1925 Werkzeugschlosser im Leuna-Werk, ab 1925 Fräser bei Zeiss in Jena. Von 1927 bis 1930 zunächst Volontär, dann Redakteur des KPD-Organs »Neue Zeitung« Jena. Da Gebhardt für die Zeitung verantwortlich zeichnete (»Sitzredakteur«), wurde er am 18. März 1930 durch das Reichsgericht in Leipzig zu einem Jahr Festungshaft verurteilt, die er bis April 1931 auf der Festung Gollnow verbüßte. 1931/32 war Gebhardt Orgsekretär des Proletarischen Freidenker-Verbandes Thüringen. Nach dessen Verbot KPD-Sekretär in Suhl, er wurde im Juli 1932 als Abgeordneter in den Thüringer Landtag gewählt. 1933 verhaftet und bis 1934 im KZ. Nach der Freilassung Arbeiter, ab 1937 Hilfsmonteur im Jenaer Elektrizitätswerk, im August 1944 erneut inhaftiert und in das KZ Buchenwald gebracht. 1945/46 Betriebsratsvorsitzender des Elektrizitätswerkes in Jena, ab März 1946 Orgsekretär der KPD bzw. ab April 1946 der SED Jena und kam im Oktober 1946 in den Thüringer Landtag. Ab Februar 1947 Landrat von Stadtroda, dann im Oktober 1947 Nachfolger von Ernst Busse als Innenminister des Landes Thüringen. Nach der Auflösung der Länder im Juli 1952 bis 1962 Vorsitzender des Rates des Bezirks Erfurt. Er erhielt den VVO in Silber. Willy Gebhardt starb am 12. Mai 1973 in Erfurt.Andreas Herbst