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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Geffke, Hans

* 18.7.1903 – ✝ 25.1.1985

Geb. in Frauendorf (Krs. Randow, Vorpomm./ Szczecin-Golęcino, Polen); Vater Schuhmacher, Mutter Plätterin; Schwester  Herta G.; Volksschule in Frauendorf u. Stettin; 1918 – 22 Ausbildung zum Maschinenbauschlosser; 1922 arbeitslos; Maschinenbauschlosser in Düsseldorf; Mitgl. des KJVD u. der BL Niederrhein; Aufbau u. Ltr. des »Ordner-Dienstes« im AM-Apparat des KPD-Bez. Niederrhein; 1924/25 nachrichtendienstl. Ausbildung an der M-Schule in Moskau; 1925/26 Ltr. der RJ Niederrhein; 1925 Mitgl. der KPD; 1926 Hilfsarb. in Stettin; 1926 – 28 Mitgl. der KPD-BL Stettin; 1928 – 33 Bez.-Ltr. der RH Pommern in Stettin; 1931/32 Instrukteur der RH in Berlin-Brandenb.; 1933 illeg. Weiterführung der RH in Pommern, Apr. 1933 verhaftet, 1933/34 »Schutzhaft« im KZ Gollnow, KZ Sonnenburg u. KZ Papenburg; 1934/35 Arbeit bei der Reichsautobahn Berlin-Stettin; 1935 – 44 Elektroschweißer in Stettin; 1942 – 44 dort illeg. pol. Arbeit; 1944 verhaftet; Febr. 1945 vom VGH wegen »Beihilfe zum Hochverrat« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt; Haft im Zuchthaus Gollnow; April 1945 – Okt. 1949 nach Verlust seiner Papiere Zivilinternierung in der UdSSR (Baranowice u. Minsk), 1947 – 49 Ltr. der Antifa-Arbeit im Lager. Okt. 1949 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Nov. 1949 – Jan. 1950 Instrukteur der Org.-Abt. der SED-LL Schwerin; Febr. 1950 – Jan. 1951 Mitgl. der LPKK Schwerin u. Ltr. der Kaderabt. der SED-LL Schwerin (Nachf. von  Hans Klein); 1951 – 53 Ltr. der neugeschaffenen Abt. Chiffre des ZK der SED, die u. a. für die Kommunikation mit sowj. Stelle in Berlin-Karlshorst u. Moskau zuständig war; 1951 – 65 stellv. Ltr. im Büro des PB des ZK der SED, verantw. für das Nachrichtenwesen des ZK-Apparats; 1951 – 53 Fernstudium an der PHS; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; Okt. 1965 Rentner; 1968 VVO; gest. in Berlin.Zur Arbeit der Roten Hilfe in der Zeit von 1928 – 1933. In: SED-BL Rostock (Hrsg.): Zur Geschichte der Arbeiterbew. in Pommern, 1917 – 1945. Rostock 1965. Benz, W.: Der Ort des Terrors. 2005; Wehner, G.: H. G. – Widerstehen hinter Kerkermauern. Ein Dok. des antifaschist. Widerstands in Pommern 1933. In: Rundbrief AG Rechtsextremismus/Antifaschismus der Linkspartei (2007) 1.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Gehler, Matthias

* 4.8.1954

Geb. in Crimmitschau; Vater Handwerker; 1961 – 71 POS; 1971 – 74 Ausbildung zum Elektriker, Abitur; 1975 – 80 Studium der Theolog. an der Theol.-HS Friedensau (b. Magdeburg); 1980 – 82 Praktikum bei der ev. Kirche in Werder (Havel); 1982 – 87 Sekr. u. Abt.-Ltr. in der Berlin-Märk. Vereinigung der Adventisten; 1984 Studium der Psychol. u. Kommunikation an der Univ. Exeter (Großbritannien); 1987 CDU; 1987 – 90 Red. im Verlag »Neue Zeit«, zgl. freischaff. Liedermacher; Febr. – Apr. 1990 pers. Mitarb. des CDU-Generalsekr.  Martin Kirchner; April – Okt. 1990 Reg.-Sprecher von  Lothar de Maizière. Okt. – Dez. 1990 Berater der Ltg. des Bundespresseamtes in Bonn; 1991 einer der Berater beim Rundfunkbeauftragten für die neuen Bundesländer, Rudolf Mühlfenzl; seit Nov. 1991 Hörfunkchef u. stellv. Dir. des Landesfunkhauses Thüringen in Erfurt; Lehrbeauftragter an der Univ. Erfurt; seit 1992 Programmchef von MDR 1, Radio Thür.; Medienprs. der Arbeitsgem. Dt. Schlager.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gehrke, Robert

* 1.1.1892 – ✝ 19.5.1972

Geboren am 1. Januar 1892 in Braunschweig; lernte Dekorateur und Tapezierer und war Zigarrenhändler, später Buchhändler. 1909 Mitglied der SPD, 1911 Leiter des Braunschweiger Jugendbildungsvereins. 1914 zum Militärdienst einberufen, 1915 wurde Gehrke schwer verwundet, kehrte als Kriegsversehrter nach Braunschweig zurück, Werkstattschreiber in verschiedenen Betrieben. Er schloß sich 1917 der USPD und der Spartakusgruppe an und war Wortführer eines Braunschweiger Jungarbeiterstreiks. Während der Novemberrevolution Mitglied des Braunschweiger Arbeiter- und Soldatenrates und der Räteregierung, Ende Dezember 1918 nahm er als Delegierter am Gründungsparteitag der KPD in Berlin teil. 1919 gehörte er in Braunschweig zu den Mitbegründern der KPD und war dort Sekretär der Partei. Bis 1929 hauptamtlicher Parteisekretär in verschiedenen KPD-Bezirken, er betrieb nebenbei einen Handel mit Tabakwaren und eine Leihbücherei, die von den Nazis im Februar 1933 sofort geschlossen wurde. Gehrke wurde am 12. August 1933 verhaftet, im Dezember 1933 in Hildesheim im »Peiner Kommunistenprozeß« zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach der Haft im Zuchthaus Hameln kam Gehrke 1935 in das KZ Dachau, später nach Flossenbürg, wo er erst 1945 befreit wurde. Zurückgekehrt nach Braunschweig, trat er sofort wieder in die KPD ein, war einer der führenden Funktionäre in der Stadt sowie in der BL Hannover. Vom 21. Februar bis 21. November 1946 Mitglied des ernannten Braunschweiger Landtags und Leiter der KPD-Fraktion. Ab 1947 betrieb er wieder eine Buchhandlung, war lange Jahre Vorsitzender der VVN in Braunschweig, ab 1968 gehörte er der DKP und deren Kreisvorstand in Braunschweig an. Robert Gehrke starb am 19. Mai 1972 in Braunschweig.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Geis, Philipp

* 6.2.1899 – ✝ 1940

Geboren am 6. Februar 1899 in Niederlahnstein; Schmied und Heizer. 1919 Mitglied der KPD, 1924 Zeitungskurier der »Sozialistischen Republik« und Stadtrat in Niederlahnstein. Anfang 1933 Orgleiter im Bezirk Baden-Pfalz. Am 1.August 1933 verhaftet, saß er bis 31.August 1934 im KZ Dachau. Nach der Freilassung illegale Arbeit als Leiter des UB Ludwigshafen. 1936 erneut inhaftiert und zu achtzehn Monaten Zuchthaus verurteilt. Anschließend Überführung in das KZ Buchenwald, dort Mitglied der illegalen Lagerorganisation der KPD. Im KZ Buchenwald wurde Philipp Geis 1940 ermordet.

Wer war wer in DDR

Geißler, Fritz

* 2.12.1907 – ✝ 22.9.1968

Geb. in Zeulenroda (Krs. Greiz, Thür.); Vater Gummiwerker; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Drahtweber; 1922 SAJ; 1923 KJVD; 1925 DMV; 1925 – 28 Vors. des KJVD Zeulenroda; 1928 KPD; 1928/29 Mitgl. der KJVD-BL Großthür.; 1929 – 31 Instrukteur des KPD-UB Greiz; 1930 Reichsparteischule der KPD, Juni 1931 Kursant an der Internat. Lenin-Schule in Moskau; Aug. 1933 Rückkehr nach Dtl.; illeg. pol. Arbeit, 26.10.1933 in Hamburg inhaftiert; 15.6.1934 Verurteilung durch das Hanseatische OLG wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 30 Mon. Zuchthaus, anschl. bis Mai 1939 KZ Sachsenhausen; Arbeit als Drahtweber, Polizeiaufsicht; ab Febr. 1943 Strafbat. 999; 1945 – 47 brit. Kriegsgefangenschaft in Griechenland, Ägypten u. Irak. März 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; Juli 1947 – Juli 1948 Sekr. des FDGB-KV Greiz; Aug. 1948 Sekr. des SED-KV Greiz, ab Nov. 1948 Vors. bzw. 1. Sekr. des SED-KV Greiz; 1951/52 Ltr. der Abt. Landw. der SED-LL Thür.; Juni 1952 – Mai 1955 1. Sekr. der SED-KL Eisenach; Mai 1955 – Mai 1956 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Erfurt (Nachf. von Walter Strobel); ab Juni 1956 – Mai 1960 Chefred. der Ztschr. »Neuer Weg« (im Rang eines Abt.-Ltr. des ZK der SED (Nachf. von  Rudi Wetzel); anschl. stellv. Abt. Ltr. im Büro des PB d. ZK d. SED; 1958 Med. f. Kämpfer geg. den Fasch.; 1959 VVO; 1967 Banner der Arbeit.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Geißler, Wilfried

* 8.3.1935 – ✝ 28.5.1998

Geb. in Oderan (Krs. Flöha); Vater Schriftsetzer, Mutter Schneiderin; Grund- u. Oberschule, 1954 Abitur; 1954 – 58 Journalistikstudium am Inst. für Publizistik u. Zeitungswiss. der KMU Leipzig, 1958 Dipl.-Journalist; 1956 SED; 1958 – 60 Red. der Dorfztg. der MTS Thurkow (Mecklenb.) bzw. polit. Mitarb. der SED-KL Teterow; 1960 – 62 Lokalredakteur in der Kreisred. Teterow der Ztg. »Freie Erde«, Organ der SED-BL Neubrandenburg; 1962 – 64 Redakteur der Ztg. »Freie Erde« in der Kreisred. Neustrelitz; 1964 – 66 stellv. Ltr. der Abt. Kulturpolitik in der Kreisred. Neustrelitz; 1966 polit. Mitarb. der Abt. Kulturpolitik der SED-BL Neubrandenburg; 1968 – 71 Ltr. der Abt. Kulturpolitik u. Mitgl. des Red.-Koll. der SED-Bezirksztg. »Freie Erde«; 1971 – 75 Aspirant an der AfG beim ZK der SED, Prom. zum Dr. phil.; Sept. 1977 Abt.-Ltr., 1980 stellv. Chefred., Nov. 1985 – 90 Chefred. der Wochenztg. »Sonntag« (Nachf. von  Hans Jacobus); Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1985 VVO; gest. in Sommerfeld (Landkrs. Oberhavel).Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S. (Hrsg.): Zwischen »Mosaik« u. »Einheit«. Zeitschriften in der DDR. Berlin 1999.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Gensichen, Hans-Peter

* 30.10.1943

Geb. in Pritzwalk; Vater Arzt; OS bis zur 11. Kl.; 1961 – 65 kirchl. Oberseminar Potsdam-Hermannswerder, dort Abitur; anschl. Studium der Theol. am Sprachenkonvikt u. 1967 – 72 an der HU Berlin; 1972/73 Vikar in Wittenberg; 1973 – 75 Prom. zum Dr. theol. bei Hans Georg Fritsche mit der Diss. »Natur u. Naturwiss. im Werk von Otto Kleinschmidt«; 1975 – 2002 Ltr. des Kirchl. Forschungsheims Wittenberg; Vertreter einer ökolog. Ethik u. Praxis in der Kirche, Förderer prakt. u. publ. Tätigkeit kirchl. Umweltgr.; seit 1979 Hrsg. der »Briefe zur Orientierung im Konflikt Mensch – Natur«; Veröff. zu ökolog. Themen u. Problemen kirchl. Umweltarbeit; 1990 Initiator u. Mitarb. des »Grünen Tisches der DDR« im Umweltmin. 1990 – 98 Gründungskurator der Dt. Bundesstiftung Umwelt; lebt seit 2007 in Tübingen.Genetik u. Ethik.Wittenberg 1976 (mit Ch. Borst); Die Erde ist zu retten. Berlin 1980. Aufsätze zur kirchl. Umweltarbeit; tun-lassen. Ökolog. Alltagsethik im 21. Jh. Halle 2003; Uckermark. Zukunftsroman. Wittenberg 2005; Auf dem Weg in eine Gesell. des Weniger. Brüssel 2008.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Georgi, Rudi

* 25.12.1927

Geb. in Bockau (Erzgeb.); Vater Arbeiter; Volks- u. Handelsschule in Aue; 1944 – 46 Ausbildung zum Industriekfm. in der Besteckfabrik Aue. 1945/46 SPD/SED, 1946 – 53 FDJ; 1950/51 Betriebsass., 1951 – 55 Produktionsltr., 1955 – 62 Werkltr. im VEB Besteck- u. Silberwaren-Werke Aue; 1957 – 61 Fernstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtschaftswiss.; 1963 – 65 GD der VVB Eisen, Bleche, Metallwaren Karl-Marx-Stadt; Apr. 1966 Prom. an der Wirtschaftswiss. Fak. der KMU Leipzig zum Dr. rer. oec.; 1966 – 73 Minister für Verarbeitungsmaschinen- u. Fahrzeugbau; 1967 – 76 Kand., 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1973 – 89 Min. für Werkzeug- u. Verarbeitungsmaschinenbau; 1964 u. 1977 Banner der Arbeit; 1970 u. 1986 VVO; Nov./Dez. 1989 Rücktritt mit dem Min.-Rat u. dem ZK der SED.Erfahrungen u. Schlußfolg. aus der Arbeit der VVB Eisen-, Blech-, Metallwaren zur Steigerung der Arbeitsprod. Berlin 1963; Probleme der weiteren Entw. der Erzeugnisgruppenarbeit in der VVB EBM zur Sicherung einer bedarfsgerechten Prod. im gesamten Industriezweig. Leipzig 1966; Erfahrungen bei der Zusammenarb. zwischen Min. u. Komb. zur Erschließung qualitativer Wachstumsfaktoren. Berlin 1981.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gerdes, Johannes (Jan)

* 16.4.1896 – ✝ 3.3.1933

(* 1896 – † 1933) Geboren am 16. April 1896 in Grio-Bornhorst/Oldenburg. Er schloß sich nach der Rückkehr als Soldat 1918 der USPD an und kam mit der linken USPD 1920 zur KPD. Gerdes arbeitete als Nieter und wurde 1932 als Abgeordneter in den Oldenburger Landtag gewählt. Am 3.März 1933 hatten ihn SA-Leute aus seiner Wohnung geholt und niedergeschossen, woraufhin er seinen Verletzungen erlag. Die SA-Mörder wurden schon am 17. März 1933 wieder freigelassen, der Hauptbeschuldigte erst 1947 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Wer war wer in DDR

Gericke, Hans

* 27.7.1912 – ✝ 15.2.2014

Geb. in Magdeburg; Vater Finanzbeamter; 1918 – 22 Grundschule in Naumburg; bedingt durch die vielfache berufl. Versetzung des Vaters Besuch von Gymn. in Magdeburg, Halle u. Naumburg, 1932 Abitur; 1932 – 37 Architekturstudium an der TH Hannover; 1935 1. Preis beim Wettbewerb Denkmalpflege für die Stadt Goslar; 1937 Stipendium für die Villa Massimo in Rom, Studienaufenthalt in Italien u. Griechenland; 1939 / 40 Wohnungsbauten in Hörnum (Sylt); 1939 – 45 Wehrmacht (Luftwaffenbauverwaltung); 1941 – 45 als Regierungsbaurat in Italien; Kriegsgef. 1945 Rückkehr nach Naumburg; 1945 – 51 freischaff. Architekt, Wiederaufbau u. Neubau von Wohn- u. Gewerbebauten in Naumburg, darunter das Kulturhaus; 1948 NDPD; 1951 pers. Referent des Ministers für Aufbau  Lothar Bolz; 1952 Stadtrat für Aufbau im Magistrat von Groß-Berlin (unter  Friedrich Ebert); 1953 – 58 Wiederaufbau des Geschäftshauses Mohrenstr. 3 in Berlin-Mitte (mit Erich Kuhnert) als Parteizentrale der NDPD (heute: Zentralverband des Dt. Handwerks); 1952 – 86 Vizepräs. des BDA; 1953 stellv. Dir. des Inst. für Theorie u. Gesch. der Baukunst an der DBA; 1953 – 63 Vorlesungen an der HU Berlin zur Stadt- u. Dorfplanung; 1958 – 65 Chefarchitekt von Berlin, Generalbebauungsplan für Berlin (u. a. mit  Dorothea Tscheschner); 1960 1. Preis beim Bauwettbewerb Halle-West; 1961 Goethepreis der Stadt Berlin; 1964 1. Preis beim Internat. Wettbewerb Bahnhof u. Südviertel Sofia; 1961 – 81 VVO (Bronze, Silber u. Gold); 1965 – 82 wiss. Ltg. des ISA (Industry Standard Architecture); 1968 Prof. h. c. der DBA; 1971 – 82 Vorbereitung der offz. Vertretung der DDR zur Habitat-Städtebaukonferenz in Vancouver (Kanada); 1982 Ruhestand; gest. in Berlin. Mehrere hundert Aufsätze zur Theorie des Städtebaus, die Samml. dazu befindet sich im Inst. für Regionalentw. u. Strukturplanung Erkner.Eindrücke aus neuen Pariser Wohngebieten. In: Dt. Architektur (1965) 12 (mit H. Trauzettel); Zu neuen Tendenzen bei der Planung von Wohngebieten. In: Architektur der DDR (AdDDR) (1975) 10; Grundlagen, Methoden u. Studien zur städtebaul. Planung u. Modernisierung, Rekonstruktion u. Umgestaltung von Altbaugebieten. In: AdDDR H. (1981) 6; Computergestützte Teilgebietsplanung. In: AdDDR (1988) 4; Vom Geschäftshaus zum Haus des Dt. Handwerks. Berlin 1999. Düwel, J.: Architektenporträt H. G. In: Dt. Architektenblatt (1977) 7; Kurzanalyse der nat. Trad. in der DDR. In: Düwel, J.: Baukunst voran! Architektur u. Städtebau in der SBZ / DDR. Berlin 1995; Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Gerlach, Manfred

* 8.5.1928 – ✝ 17.10.2011

Geb. in Leipzig; Vater Feinmechaniker; dort Volks- u. Mittelschule; 1943 Gründer einer illeg. Jugendgr.; 1944 Justizangest., wegen der Tätigkeit der Jugendgr. gemaßregelt u. im März 1944 Jugendarrest. 1945/46 erneut Justizangest. beim Amtsgericht Leipzig, dann Borna (b. Leipzig); 1945 LDPD; 1946 Mitbegr. der FDJ u. LDPD in Leipzig; 1946 – 50 Jugendref. der LDPD für Nordwestsachsen; 1947 – 52 Beisitzer u. Mitgl. des LV Sachsen der LDPD; Mitgl. des Beirats für Jugendfragen im Zentralverb. der LDPD, 1949 – 59 des ZR der FDJ; 1949 Abg. der Prov. Volkskammer, seit 1950 der Volkskammer; 1950 Stadtverordneter u. Bürgermstr., 1952 – 54 stellv. OB von Leipzig, stellv. Vors. des Rats der Stadt Leipzig; 1951 – 53 stellv. Vors., 1954 – 67 Gen.-Sekr. der LDPD (Nachf. von  Herbert Täschner); 30.11.1967 – 10.2.1990 Vors. der LDPD (Nachf. von  Max Suhrbier); 1960 – 90 einer der stellv. Vors. des Staatsrats; stellv. Vors. des Volkskammeraussch. für Nat. Verteidigung, 1963 – 67 Vizepräs. der Dt.-Brit. Ges.; 1951 – 54 Fernstudium, Dipl.-jur.; 1964 Prom. zum Dr. jur. an der DASR Potsdam, Diss. (mit  Kurt Wünsche) über die Rolle der LDPD im DDR-Parteiensystem; 1984 Prof.; 1954 Chefred. der »Liberal-Demokrat. Ztg.« (Halle); ab 1967 Mitgl. des Präs. des ZV der DSF u. Mitgl. des Präs. des NR der NF; stellte am 13.10.1989 als führender Politiker der DDR das Machtmonopol der SED in Frage u. forderte grundlegende Reformen; 6.12.1989 – März 1990 amtierender Vors. des Staatsrats (Nachf. von  Egon Krenz); März – Aug. 1990 Bund Freier Demokraten, danach FDP; 1964 VVO; Stern der Völkerfreundschaft; 1988 KMO. 1992 Einleitung eines Parteiausschlußverfahrens wg. des Vorwurfs, in der Nachkriegszeit Leipziger LDPD-Mitglieder bei sowj. Militärbehörden denunziert zu haben; Nov. 1993 Austritt aus der FDP; Febr. 2000 Anklage vor dem LG Leipzig wg. Verdachts der Denunziation von Jugendlichen beim NKWD in den Jahren 1947/48, Einstellung des Verfahrens wg. Verhandlungsunfähigkeit; Mitarb. des Alternativ. Geschichtsforums; lebte zuletzt in Berlin.Wortmeldungen zur Zeitgeschichte. o. O. 1980; Äußerungen über unsere Zeit. Berlin 1985; Standortbestimmung. Berlin 1989; Mitverantwortlich. Als Liberaler im SED-Staat. Berlin 1991.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gerstner, Karl-Heinz

* 15.11.1912 – ✝ 14.12.2005

Geb. in Berlin-Charlottenburg; Vater Botschafter Karl Ritter, Stiefvater Wirtschaftsprüfer, Paul G., seit 1945 verh. mit  Sibylle Gerstner, geb. Boden, Tochter  Daniela Dahn; 1917 – 31 Kaiser-Friedrich Gymnasium; 1921 – 30 Mitgl. der Pfadfinder, 1931/32 der Jugendorg. »dj 1.11«; 1931 – 35 Jurastudium an der Univ. Berlin, Repetitor Kurt Georg Kiesinger; Werkstudent der Dt. Bank; 1931 Mitgl. des Roten Studentenbundes u. ab Mai 1933 der NSDAP; 1935 Referendarausbildung am Amtsgericht Rheinsberg u. in einem jüd. Berliner Anwaltsbüro; 1936 – 39 Referendar an der Dt. Handelskammer in Paris; 1937 Prom. an der Univ. Erlangen zum Dr. jur. mit einer Diss. über Treugiroverkehr; 1939 Forts. der Referendarausbildung am Kammergericht Berlin; vom Militärdienst wegen spinaler Kinderlähmung befreit; Apr. 1940 Übersetzer bei der Rundfunkabt. des Ausw. Amtes; Juli 1940 – Mai 1944 wiss. Hilfsarb. in der Wirtschaftsabt. der dt. Botschaft in Paris; illeg. pol. Arbeit mit Angeh. der frz. Résistance (Nachrichtenübermittlung, Rettung zahlr. jüd. Familien vor der Deportation); 1944/45 formal Mitarb. im Auswärtigen Amt in Berlin, Sonderreferat für Nachrichtenbeschaffung; illeg. pol. Arbeit in Berlin-Wilmersdorf (zus. mit Leo Dyck, Herbert Eppinger, Gerhard Fuchs) im NKFD-Kampfverb. Berlin. April – Juli 1945 stellv. Bürgermstr. von Berlin-Wilmersdorf; 24.7.1945 durch brit. Militärpolizei verhaftet, Übergabe an sowj. Militärbehörden, geriet in den Verdacht, ein hoher NS-Beamter der dt. Botschaft in Paris gewesen zu sein; U-Haft zunächst im Lager Falkensee (b. Berlin), 21.9.1945 – 21.1.1946 sowj. Internierungslager Berlin-Hohenschönhausen, nach Beibringung zahlr. eidesstattl. frz. Erklärungen über seine Zusammenarbeit mit der Résistance entlassen; Herbst 1946 Ref. in der Dt. ZV für Außenhandel, Anf. 1947 persönl. Ref. von Präs.  Josef Orlopp; Dez. 1948 – Mai 1989 Red.-Mitgl. der »Berliner Ztg.«, Ltr. der Wirtschaftsabt., ab 1973 Chefreporter; nach zehn abgelehnten Anträgen 1957 Aufnahme in die SED; 1955 – 88 wöchentl. Kommentator in der Sendung »Sonntägl. Wirtschaftsbetrachtung« bei Radio DDR; 1965 – 78 Moderator des Magazins »Prisma« beim DFF; mehrfach Wahl zum »Fernsehliebling des Jahres«; ab 1975 als IM bzw. als IMB »Ritter« beim MfS erf.; 1982 VVO; 1987 Ehrenspange zum VVO; 1989 Rentner; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin).K.-H. G.; Th. Klamannn: Industriebauten in der DDR. Berlin 1962; Bauen und Wohnen in der DDR. Moderne Städteplanung im Soz. Berlin 1970; Rationalisieren – für wen? Berlin 1972; Sachl., krit., optimist. Eine sonntägl. Lebensbetrachtung. Berlin 1999. Weder ein Held, noch ein Feigling. In: Berl. Ztg., 11./12.3.2000; Hamacher, G.: Gegen Hitler – Deutsche in der Résistance. Berlin 2001; Aly, G.: Kritisch, optimistisch u. verlogen. In: Ders.: Rasse u. Klasse. Frankfurt (Main) 2003; Leo, G.: Unser Mann in Paris. K.-H. G. Dt. Antifaschist u. Mitgl. der Résistance. In: Antifa (2006) 5.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Geffke, Herta

* 19.8.1893 – ✝ 29.12.1974

Geb. in Bollinken (Krs. Randow, Vorpomm./ Szczecin-Golęcino, Polen); Vater Schuhmacher, Mutter Plätterin; Bruder  Hans G.; Volksschule; Hausgehilfin u. Arbeiterin in einer Druckerei; 1908 Arbeiterjugend; 1912 SPD; 1917 USPD, 1918 Mitgl. der BL Stettin, Mitgl. des Stettiner Arbeiter- u. Revolutionsrats; 1920 KPD, hauptamtl. Bezirkssekr. der VKPD Pommern, ab März 1921 Frauensekr. für die Bez. Niederrhein u. Ruhrgebiet; Juli 1921 Teiln. am III. Weltkongreß der KI in Moskau; 1921 – 24 Abg. des Preuß. Landtags; bis 1928 kleinere KPD-Funktionen im UB Berlin-Neukölln; anschl. Ltr. des RH-Kinderheims in Worpswede, später des Kinderheims in Elgersburg; ab 1930 Sekr. der KPD im Saargebiet, später der KPD-BL Ruhrgeb. u. 1931/ 32 Sekr. der RHD Baden-Pfalz; 1933 Mitgl. des ZV der RH; ab März 1933 illeg. Arbeit für die RHD im Bez. Hessen-Frankfurt bzw. im Ruhrgeb.; 13.9.1933 im Ruhrgeb. verhaftet, sechs Mon. »Schutzhaft«; 5.3.1934 vom OLG Hamm (Westf.) wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 30 Mon. Zuchthaus verurteilt, 1934 – 36 Haft in den Zuchthäusern Ziegenhain (Kassel) u. Jauer (Schles.); 1937 – 45 Ausbildung zur Herrenschneiderin in Stettin, anschl. im Beruf tätig; 1943/44 Mitgl. der »Empacher-Krause-Widerstandsorg.« in Stettin. Mai 1945 Antifa-Schule in Stettin-Krekow (Frontschule der Roten Armee); anschl. Mitgl. der KPD-Initiativgr.  Gustav Sobottka; ab Juli 1945 Frauenverantwortliche der KPD-LL Mecklenb.; Juni 1945 – März 1946 Ltr. des Landesjugendamts Mecklenb.-Vorpom.; Referentin für Sozialfragen in der Abt. Innere Verw. der Landesverw.; 1946 – 48 Sekr. für Frauen im SED-LV Mecklenb., ab 1947 Mitarb. des SED-LV Brandenb.; 1946 Mitgl. der Beratenden Vers. Mecklenb. u. dessen Vorst.; Okt. 1946 – 50 Abg. des Mecklenb. Landtags, dort 3. Vizepräs.; 1947/48 Mitgl. des ZV der VVN; 1948/49 Mitgl. der Prov. Volkskammer; März 1949 – Okt. 1958 Mitgl. der ZPKK der SED im Range einer Abt.-Ltrn. des ZS bzw. ZK der SED, neben  Hermann Matern verantw. für die Parteisäuberungen der 50er Jahre; ab Nov. 1949 Ltr. der Sonderkommission der ZPKK, die Kontakte von dt. Genossen zu Noel H. Field aufdecken sollte; 1954 – 58 stellv. Vors. der ZPKK; 1955 KMO; Frühjahr 1956 Mitgl. der Parteikommission, die über Rehabilitierung entschied; Nov. 1958 – 62 Kaderltr. des IfG; Juni 1962 Rentnerin, Ehrenrente der Partei; gest. in Berlin.Die Zusammenarbeit in den Frauenaussch. trug zur Vereinigung bei. In: Rosner, F., Schiel, I., Voßke, H. (Hrsg.): Vereint sind wir alles. Erinnerungen an die Gründung der SED. Berlin 1966. Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Weber, H., Mählert, U. (Hrsg.): Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936 – 1953. Paderborn 1998.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gehlert, Siegfried

* 19.7.1925 – ✝ 29.1.2010

Geb. in Raschau (Sachsen); Vater Verw.-Angest.; Volks- u. Handelsschule; 1943 RAD; 1944 Wehrmacht; 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1948 VP; 1949 SED; 1950 Einstellung im MfS, Dienststelle Aue der Landesverw. Sachsen; 1952 Ltr. der Krs.-Dienststelle Auerbach, dann Schwarzenberg, 1953 der Krs.-Dienststelle Zwickau; 1954 Ltr. der Abt. II (Spionageabwehr) der BV Karl-Marx-Stadt; 1955 stellv. Ltr., 1958 Ltr. der BV Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Hans Schneider); 1959 Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1960 – 65 Fernstudium an der HS des MfS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1973 dort Prom. zum Dr. jur.; 1979 VVO; 1987 Gen.-Ltn.; Febr. 1990 Entlassung; gest. in Chemnitz.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Gehrke, Bernd

* 11.6.1950

Geb. in Berlin; Vater Dreher, Mutter Näherin; 1969 Facharbeiterabschluß als Elektromonteur u. Abitur; 1969 – 73 Studium der Ökon. an der KMU Leipzig; 1970 SED; seit 1972 in versch. konspirativen Zirkeln kommunist.-opp. Ges.-Wiss. in Leipzig bzw. Berlin mit den Schwerpunkten Geschichte der Arbeiterbew., Soz.-Theorie u. der Absicht, die SED zu kritisieren u. »von links« zu unterwandern sowie Kontakte zu opp. Gruppen auch außerhalb der SED herzustellen; 1973 – 75 Instrukteur bzw. Sekr. für Agit. u. Prop. der FDJ-KL Berlin-Mitte; seit 1975/76 wiss. Oberassistent am ZI für Wirtschaftswiss. der AdW; 1976 Mitinitiator einer illeg. Solidaritätserklärung für den Arbeiteraufstand in Radom u. einer Spendensammlung für das poln. »Komitee zur Unterstützung der Arbeiter« (KOR); Nov. 1976 Mitunterz. eines Solidaritätsschreibens opp. SED-Mitgl. an  Wolf Biermann nach dessen Ausbürgerung; Vorbereitung eines Briefes an die KP Europas; Nov. 1977 Auflösung des Zirkels durch das MfS; Jan. 1978 Ausschl. aus der SED, fristlose Entlassung durch die AdW; 1979 Mitunterz. von Protestbriefen an den Staatsrat gegen den Ausschl. krit. Autoren aus dem SV; in den 80er Jahren Mitarb. in versch. pol. u. ökon. Zirkeln; bis 1984 versch. Gelegenheitsbeschäftigungen; 1984 – 90 Ökonom im Möbelkombinat Berlin; 1987 – 89 Mitarb. in der Interessengemeinschaft Stadtökol. beim KB Berlin-Pankow; Sept. 1989 Mitautor des Gründungsaufrufs der Vereinigten Linken (VL) »Böhlener Plattform«; beteiligt an der Gründung der Grünen Liga u. des  Havemann-Krs.; Dez. 1989 – April 1990 Vertreter der VL am Zentr. Runden Tisch; Mai – Aug. 1990 Sprecher der VL. 1991 – 98 Mitarb. im »Bündnis krit. GewerkschaftlerInnen Ost-West«; 1991 – 95 Mitarb. der Abgeordnetengr. Neues Forum/Bürgerbew. im Abgeordnetenhaus Berlin; seitdem gelegentl. Aufträge im Bereich der pol. Bildung, seit 2001 zeithistor. Projekte zur Gesch. der DDR-Opp., zeitw. freier Mitarb. am Zentrum für Zeithist. Forsch. Potsdam; lebt in Berlin.... das war doch nicht unsere Alternative. Münster 1999 (Hrsg. mit W. Rüddenklau); Der betriebl. Aufbruch im Herbst 1989: Die unbekannte Seite der DDR-Rev. Berlin 2001 (Hrsg. mit R. Hürtgen); 1968 u. die Arbeiter, Hamburg 2007 (mit G.-R. Horn).Silvia Müller

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Geisler, Paul

* 25.9.1895 – ✝ 2.4.1971

Geboren am 25. September 1895 in Hirschberg/Oberschlesien, Sohn eines Heizers; Maschinenbauer, 1913 Mitglied der SPD. 1914/15 Armierungssoldat, anschließend Munitionsarbeiter in Berlin. Wegen seiner Teilnahme am Munitionsarbeiterstreik wurde er erneut zum Militärdienst einberufen. Nach dem Versuch zu desertieren, von Januar bis August 1918 auf der Festung Küstrin inhaftiert. 1919 Mitglied der KPD und Instrukteur der KPD Schlesien. 1920 Delegierter Schlesiens auf dem IV. Parteitag der KPD. Danach in Sachsen und von dort nach Düsseldorf, zeitweise hauptamtlicher DMV-Funktionär in Benrath. 1924 durch die britische Besatzungsmacht ausgewiesen, ging er für einige Zeit nach Schlesien, kam aber 1926 erneut nach Düsseldorf. Geisler war nacheinander UB-Sekretär von Düsseldorf und bis 1928 Sekretär der BL Niederrhein in Düsseldorf, 1927/28 auch Gewerkschaftsredakteur an der »Freiheit«, 1928/29 Sekretär der IAH im Bezirk Niederrhein. Von 1929 bis 1931 war er Stadtverordneter in Düsseldorf und Leiter der Erwerbslosenbewegung im Bezirk Niederrhein. Ab 1931 im Reichskomitee der RGO, 1932/33 leitete er den »Reichsausschuß der Erwerbslosen Deutschlands«. Im November 1932 wurde Geisler im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Reichstag gewählt. Im Februar 1933 in »Schutzhaft«, wurde zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt und saß bis März 1936 im Gefängnis Berlin-Tegel. Nach erneuter Verhaftung im August 1936 war er bis April 1939 im KZ Sachsenhausen. 1944 bei der Verhaftungsaktion »Gewitter« abermals festgenommen, in das KZ Sachsenhausen überführt. Beim Evakuierungsmarsch Anfang Mai 1945 durch amerikanische Truppen befreit. Geisler kehrte nach Berlin zurück, wurde Mitbegründer des FDGB in der SBZ und bis 1953 stellvertretender Vorsitzender des FDGB Groß-Berlin. Ab Oktober 1950 Leiter der Orgabteilung des FDGB-Bundesvorstandes. Von 1958 bis 1960 Sekretär des ZV der IG Metall, ab 1960 Vorsitzender des Ausschusses für gesamtdeutsche Arbeiterkonferenzen. Er erhielt 1965 den Karl-Marx-Orden. Paul Geisler starb am 2. April 1971 in Ost-Berlin. Geboren am 19. März 1900 in Frankfurt am Main, Metallarbeiter; im Sommer 1918 noch zum Militär einberufen. Er arbeitete später als Fotograf. 1920 Mitglied der KPD, Kassierer der Ortsgruppe Frankfurt am Main, trat 1921 aus und wurde 1927 erneut KPD-Mitglied. Er kam 1930 als Kursant an die Leninschule nach Moskau; übernahm anschließend die Agitpropleitung der KPD-BL Hessen-Frankfurt. Ab Ende Februar 1933 illegale Arbeit mit Heinrich Rau. Am 23.Mai 1933 festgenommen und am 12.Dezember 1934 durch den Volksgerichtshof zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Haft in der Frankfurter Strafanstalt Preungesheim sowie im Gerichtsgefängnis Frankfurt/Höchst wurde im Sommer 1936 »Schutzhaft« über ihn verhängt. Geist kam zunächst in das Lager Esterwegen, anschließend in das KZ Sachsenhausen, aus dem er im März 1938 freigelassen wurde. Nach 1945 trat er politisch nicht mehr in Erscheinung, Karl Geist starb am 27. September 1982 in Frankfurt am Main. Seine Frau Maria Geist, geborene Gulbinat (*11. 12. 1898 – † 1. 1. 1975), gehörte von 1929 bis 1933 der KPD-Fraktion in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung an. Seit Mai 1930 Mitglied der BL Hessen-Frankfurt, wegen illegaler Arbeit wurde sie am 23. November 1933 festgenommen und am 8. November 1934 zu elf Monaten Gefängnis verurteilt, im November 1934 aus der Haft entlassen, blieb aber noch bis Mitte Februar 1935 in »Schutzhaft« im KZ Moringen. Später Sekretärin bei der Auto-Union. Karl und Maria Geist zogen 1943 nach Schlüchtern, 1955 wieder nach Frankfurt am Main. Michael Bermejo veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Karl und Maria Geist.

Wer war wer in DDR

Geißler, Fritz

* 16.9.1921 – ✝ 11.1.1984

Geb. in Wurzen; Vater Maurer; Volksschule; Abbruch einer Musiker-Lehre in Leipzig; Bar- u. Kaffeehausgeiger in Leipzig u. Privatunterricht in Geige, Klavier u. Musiktheorie; 1940 Wehrmacht (Militärmusiker), als Angeh. des Luftwaffen-Musikkorps auf Guernsey stationiert; 1945 – 48 brit. Kriegsgefangenschaft, dort 2. Geiger in einem Gefangenenorchester. 1948 – 50 Studium von Komposition u. Viola bei Wilhelm Weismann, Max Dehnert u. Arnold Matz an der HS für Musik in Leipzig, 1951 – 53 an der HS für Musik in Berlin-Charlottenburg bei Boris Blacher u. Hermann Wunsch; 1953/54 Bratscher im Staatl. Sinfonieorchester Gotha; 1954 – 59 Lehrbeauftr. u. Lektor für Musiktheorie u. 1962 – 78 Lehrbeauftr. für Komposition an der KMU Leipzig; 1957 Mitgl. des ZV u. Vors. des BV Leipzig des VDK; ab 1969 Lehrbeauftr. für Komposition an der HS für Musik in Dresden; ab 1974 ord. Prof. für Komposition an der Musik-HS; 1972 ord. Mitgl. der AdK; 1972 – 82 Vizepräs. des VDK; gest. in Bad Saarow-Pieskow. Komponierte Werke aller Genres: zehn Sinfonien, Kammermusik, die Opern »Der zerbrochene Krug« (nach Kleist), »Der verrückte Jourdain« (nach Molière), »Der Schatten« (nach Jewgeni Schwarz), sowie Ballette, Kantaten u. Lieder.Kneipel, E. (Hrsg.): F. G. Ziele, Wege, Kommentare, Positionen, Fakten. Ein Komponistenporträt. Berlin 1987.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Geithner, Otto

* 23.5.1876 – ✝ 31.7.1948

Geboren am 23. Mai 1876 in Merseburg. Noch vor der Jahrhundertwende Mitglied der SPD, 1907 in Berlin Expedient des SPD-Verlages, ab November 1907 Redakteur der »Sozialdemokratischen Partei-Correspondenz«. Ab 1910 Redakteur und schließlich Chefredakteur des »Gothaer Volksblattes« der SPD, das er nach Kriegsausbruch im internationalistischen Sinne leitete. Daraufhin wurde die Zeitung im Februar 1915 verboten. Geithner nahm an der Konferenz teil, die im März 1915 die Herausgabe der »Internationale« beschloß und stellte später in der Drukkerei des »Volksblattes« die illegalen Flugblätter des Spartakusbundes her. 1917 schloß er sich der USPD an und stand im November 1918 an der Spitze des Arbeiter- und Soldatenrates sowie des Vollzugsausschusses von Gotha. Nach der Revolution saß Geithner in der ersten Volksregierung von Sachsen-Gotha, die er auf der Konferenz der deutschen Bundesstaaten Ende November 1919 in Berlin vertrat. 1919 kam es in der von der USPD beherrschten Gothaer Regierung zum Bruch zwischen dem rechten USPD-Flügel um Emanuel Wurm und den Linken um Geithner, der aus der Regierung ausschied. 1920 war er Delegierter des USPD-Spaltungsparteitags, im Dezember 1920 Delegierter des Vereinigungsparteitages der linken USPD mit der KPD. Der Vereinigungsparteitag und auch der VII. KPD-Parteitag 1921 beriefen ihn in den ZA der Partei. Geithner hatte bereits seit 1912 dem Landtag von Sachsen-Coburg-Gotha angehört und war 1919 für die USPD in den Gothaer und 1920 in den Thüringer Landtag eingezogen, wurde auch 1921 und 1924 für die KPD wiedergewählt. Seit 1921 Redakteur, zeitweise Chefredakteur des KPD-Organs »Thüringer Volksblatt«. Da Geithner auf dem ultralinken Flügel der KPD stand, wurde er im März 1926 als einer der ersten Ultralinken aus der Partei ausgeschlossen. Er gründete die Kommunistische Arbeitsgemeinschaft, eine ultralinke Gruppe in Thüringen, die zu den Wahlen 1927 (erfolglos) eigene Listen aufstellte. Geithner schloß sich der Korsch-Gruppe an, für die er bis Ende der zwanziger Jahre aktiv war. Anfang der dreißiger Jahre wurde er Mitglied der SAP. Auch in den dreißiger Jahren sammelten sich linksoppositionelle Kreise in Gotha und Thüringen um ihn. Nach 1933 aktiv im antifaschistischen Widerstand, wurde er 1935 zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt und anschließend im Oktober 1938 ins KZ Buchenwald eingeliefert. Nach der Befreiung am 7. Mai 1945 kehrte der hochbetagte Revolutionär nach Gotha zurück. Er trat der KPD und 1946 der SED bei, wurde im Herbst 1946 Stadtverordneter von Gotha und 1945/46 Redakteur der »Thüringischen Volkszeitung«, dann Verwaltungsdirektor der Schloßbibliothek in Gotha. Otto Geithner starb am 31. Juli 1948.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gentsch, Erich

* 1.8.1893 – ✝ 3.3.1944

Geboren am 1. August 1893 in Altenburg, drittes von sieben Kindern eines Metallschleifers und aktiven SPD-Mitglieds; lernte von 1908 bis 1910 in Leipzig Bauschlosser. Er trat 1911 der SPD bei und ging auf Wanderschaft. Seit 1913 in Stuttgart beschäftigt und wegen eines Arbeitsunfalls militäruntauglich. Während des Krieges aktiver Anhänger der Linken und Mitglied der Spartakusgruppe in Stuttgart, trat nach Gründung der KPD bei und war 1920 Betriebsratsvorsitzender bei Daimler. Ab März 1921 hauptamtlicher Parteifunktionär, zunächst kam er als Redakteur nach Breslau und wurde auf dem VII. Parteitag 1921 für Schlesien als Kandidat in den ZA gewählt. 1922/23 Gewerkschaftsredakteur beim Pressedienst des ZK. Im Januar 1924 ging er (Pseudonym Fritz Graichen) als Gewerkschaftsredakteur nach Niedersachsen. Mitte 1924 Chefredakteur der Parteizeitung in Hannover, dann von 1925 bis 1927 Redakteur an der »Roten Fahne« in Berlin. Wegen Beleidigung der Regierung wurde er zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, die er 1925 in Cottbus verbüßte. Ab 1928 Chefredakteur des KP-Organs für Pommern »Volkswacht«, 1930 Leiter und 1.Sekretär der RGO im Bezirk Berlin. Obwohl nach seinen Angaben nicht zur Neumann-Gruppe gehörend, wurde Gentsch mit dieser 1932 abgelöst. Im April 1933 festgenommen, blieb bis September 1933 im KZ Sonnenburg inhaftiert, konnte im Juni 1934 ins Saargebiet emigrieren und beteiligte sich dort am Abstimmungskampf gegen den Anschluß des Saargebiets an Deutschland. 1935 leitete er von Prag aus die Grenzarbeit der KPD und übernahm dann von April 1936 bis 1939 als einer der wichtigen KPD-Führer jener Zeit die Abschnittsleitung der KPD in Amsterdam. Teilnehmer an der »Berner Konferenz« der KPD (in Paris). Seine Frau folgte ihm mit zwei Kindern in die Emigration. Nach Kriegsausbruch führte er die illegale Arbeit unter dem Namen Alwin von Amsterdam weiter und leitete verschiedene nach Westdeutschland geschickte KPD-Emmissäre an. Seit der deutschen Besetzung lebte Gentsch dort als Tom de Jager, er fiel durch die Aussagen Wilhelm Knöchels am 23. April 1943 der Gestapo in die Hände, auch seine Frau Erna, geb. Kuhn (* 9. 6. 1893), wurde verhaftet. Gentsch blieb standhaft und schrieb ihr am 3. März 1944, er habe »den Kopf noch nicht verloren«. Am 23.Juni 1944 wurde er in Nürnberg zum Tode verurteilt, seine Frau durfte ihn nicht mehr sprechen. Erich Gentsch wurde am 24. August 1944 in Stuttgart hingerichtet; noch auf dem Schafott rief er: »Nieder mit Hitler!« Gentschs Frau Erna kam am 5.Februar 1945 im KZ Ravensbrück ums Leben. Die beiden Töchter Hildegard (* 27. 2. 1915 – † 4. 11. 1969) und Ilse (* 9. 2. 1917 – † 23. 10. 1983) unterstützten ihre Eltern im Widerstandskampf. Ilse Gentsch wurde 1943 verhaftet und 1944 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach 1945 hauptamtliche FDJ und SED-Funktionärin, war sie später wissenschaftliche Mitarbeiterin am IML in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gerber, Rudolf

* 4.2.1901 – ✝ 11.11.1969

(* 1901 – † 1969) Geboren am 4. Februar 1901 in Wien als Rudolf Schlesinger, Sohn eines Arztes; Gymnasium. Während des Weltkrieges aktiv in der linksradikalen Mittelschülerbewegung, Studium der Medizin und Sozialwissenschaften an der Universität Wien, 1922 Promotion zum Dr. phil. Anschließend Volontär an der »Roten Fahne« in Wien. Übersiedlung nach Deutschland, Mitglied der KPD, ab Februar 1923 Mitarbeiter des von Eugen Varga gegründeten westeuropäischen Forschungsinstituts in Berlin. Gerber war Sympathisant der Mittelgruppe, dann Linker, ab 1924 Angestellter der IAH und Herausgeber von Betriebszeitungen in Berlin. Er kam 1925 kurzfristig als Chefredakteur der KPD-Zeitung »Der Klassenkampf« nach Halle. Aus dieser Funktion nach dem »Offenen Brief« des EKKI entlassen, wurde Gerber Mitarbeiter des Pressedienstes des ZK der KPD. Im Februar 1926 Übersiedlung in die UdSSR und in Moskau Mitarbeiter am Internationalen Agrarinstitut. 1927 Rückkehr nach Deutschland, in der Agitpropabteilung des ZK eingesetzt. Gerber wurde durch zahlreiche theoretische Arbeiten, u. a. in der Zeitschrift »Internationale« bekannt. Ab Februar 1933 illegale Arbeit, beteiligte sich an der Herausgabe vom Informationsdienst für Betriebs- und Häuserblockzeitungen sowie der illegalen »Roten Fahne«. Gerber, der zeitweise eng mit Wilhelm Florin zusammenarbeitete, wurde verhaftet, emigrierte dann in die Tschechoslowakei, war dort Schulungsleiter der KPD-Landesgruppe. 1935 kam er in die Sowjetunion und war in Moskau Redakteur der deutschen Ausgabe der Zeitschrift »Die Kommunistische Internationale«. Er mußte nach der Festnahme von Fritz David, mit dem er eng zusammengearbeitet hatte, und nach Verhören vor der IKK mit seiner Verhaftung rechnen. Wieder in der Tschechoslowakei, wurde Gerber im Dezember 1936 aus der KPD ausgeschlossen. Im Mai 1939 emigrierte er unter seinem richtigen Namen Schlesinger nach Großbritannien. Nach Kriegsende machte er sich als wissenschaftlicher Publizist einen Namen. Er baute in Glasgow das »Institut of Soviet and Eastern Studies« auf, das er später leitete, wurde Hochschullehrer und bekam eine Professur in Glasgow. Rudolf Gerber-Schlesinger starb am 11. November 1969.

Wer war wer in DDR

Gereke, Günther

* 6.10.1893 – ✝ 1.5.1970

Geb. auf dem Rittergut Gruna (b. Delitzsch); Studium der Rechts- u. Staatswiss., sowie Nationalökon. an den Univ. Leipzig, München, Würzburg u. Halle; St.-Ex. u. Prom zum Dr. jur. u. Dr. rer. pol.; Regierungsassessor der Landesreg. in Potsdam; Militärdienst (freiw. Teiln. am 1. Weltkrieg); 1917 Reg.-Ref. in Kyritz; Bürgermstr. in Meyenburg (b. Brandenb.); ab 1919 Landrat in Torgau; Abg. der DNVP im sächs. Provinziallandtag; 1922 aus dem Staatsdienst ausgeschieden; Bewirtschaftung seines Gutes Pressel (b. Torgau); 1924 – 28 Abg. der DNVP im Reichstag; 1929 Austritt aus der DNVP u. Mitgl. der Christl.-Nat. Bauern u. Landvolkpartei, stellv. Vors. dieser Partei; Präs. des Dt. Landgemeindetags u. Gründer des Verb. der Preuß. Landgemeinden; Doz. an der Landw. HS in Berlin; Mitgl. des Reichswirtschaftsrates; 1930 – 32 Abg. der Christl.-Nat. Bauern- u. Landvolkpartei im Dt. Reichstag; 1932/33 Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung in den Kabinetten Schleicher u. Hitler; März 1933 Amtsenthebung u. Verhaftung; wegen Unterschlagung von 1,2 Mio. RM zugunsten des Landgemeindetags; Verurteilung zu 30 Mon. Haft; 1935 aus der Haft entlassen; nach dem 20.7.1944 erneut verhaftet; bis 1945 Haft. 1945 Abt.-Ltr. Innenabt. in der Provinzialverw. Sachsen; 1946 Flucht in die brit. Zone; 1946/47 erster Innenmin. des Landes Niedersachsen; danach Geschäftsf. Vors. des CDU-Landesverb. Niedersachsen; Juni 1948 – Mai 1950 stellv. Min.-Präs. u. Min. für Ernährung, Landw. u. Forsten in Niedersachsen; Mitgl. des »Gesamdt. Arbeitskrs. für Land- u. Forstw.«; ab Mai 1949 erste inoff. Gesprächskontakte zu KPD bzw. SED-Vertretern; Juni 1950 Reise nach Berlin (Ost), 5.6.1950 Treffen mit  Walter Ulbricht, anschl. Ausschl. aus CDU wegen »schwerer Schädigung des Parteiansehens« u. Rücktritt von allen Ämtern; danach unabh. Landtagsabg.; 1950/51 Mitgl. des Bunds der Heimatvertriebenen u. Entrechteten, 1951 Austritt nach geheimen Absprachen mit Berlin (Ost); Nov. 1951 Mitbegr., Vors. u. Abg. der Dt.-Sozialen Partei im Niedersächs. Landtag; Juli 1952 Übertritt in die DDR, polit. Asyl; Mitgl. der CDU (DDR); Mitgl. des Präs. des NR u. Vors. des Bez.-Aussch. der NF in Frankfurt (Oder); 1952 – 68 Präs. der Zentralstelle für Vollblutzucht u. Leistungsprüfungen; ab 1955 Vizepräs. des Internationalen Meetings der Vollblutzucht; 1963 VVO; parallel dazu lief über 10 Jahre bei der Abwehr des MfS ein OV »Mephisto« gegen G.; 1969 Ehrenpräs. der Zentralstelle für Pferdezucht beim Rat für landwirtschaftl. Prod. u. Nahrungsgüterwirtsch. der DDR; gest. in Neuenhagen (b. Berlin).Ich war königlich-preußischer Landrat. Berlin 1970. Winterhager, F.: G. G. Ein Min. im Spannungsfeld des Kalten Krieges. Ludwigsfelde 2003; Scholz, M. F.: Bauernopfer der Dt. Frage. Der Kommunist Kurt Vieweg im Dschungel der Geheimdienste. Berlin 1997.Michael F. Scholz / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gerigk, Hermann

* 8.5.1924 – ✝ 2.2.1960

Geb. in Allenstein (Ostpr./Olsztyn, Polen); Abitur; Abbruch eines Jura-Studiums; Lehrer; Mitgl. der HJ, bis 1942 Stammführer in Lyck (Ostpr.); 1945 Wehrmacht, Strafbat. 1945 CDU, FDJ u. DSF; Neulehrer in Eberswalde-Finow; 1946 – 48 u. 1949/50 Beisitzer u. Abt.-Ltr. des CDU-LV Brandenb.; 1948 Oberref. im Brandenb. Volksbildungsmin.; 1948/49 Mitgl. des ZR der FDJ; 1949/50 Abg. der Volkskammer (CDU); 1948 – 50 Abt.-Ltr. im Min. der Landesreg. Brandenb.; 1950 – 52 Mitgl. des Landtags Brandenb. (Vizepräs., CDU) u. ab 24.5.1950 Landesvors. der CDU Brandenb. (Nachf. von  Karl Grobbel); 1950 Min. für Volksbildung des Landes Brandenb.; 1950/51 Vors. des LV der CDU u. Mitgl. des HV der CDU; Vizepräs. des Landtags Brandenb.; 1948 – 52 Mitgl. des ZR der FDJ; 1950 – 52 Bürgermstr. von Potsdam (Nachf. von Erwin Köhler); 1951/52 Sekr. des ZR der FDJ; April 1952 Ämterverlust, vorgebl. aus »gesundheitl. Gründen«; 24.8.1952 in Berlin (West) wegen »Beihilfe zu schwerer Freiheitsberaubung« festgenommen, Anwalt  Friedrich Karl Kaul; bis Febr. 1953 U-Haft, Verfahren eingestellt; 12.3.1953 CDU-Ausschl.; Flucht in die Bundesrep. Dtl.; lebte im Kloster St. Thomas-Kolleg in Vechta; Internatsltr. eines kath. Knabengymnasiums in Oberkassel; Juli 1957 wieder in der DDR (Potsdam); als IM des MfS erf.; ab Sept. 1957 Stadtbilderklärer bei Berlin-Tourist; 5.2.1960 am Flughafen Berlin-Tempelhof mit gefälschtem Ausweis festgenommen; Suizid (Gift) in der Haftzelle in Berlin (West).Hohenstein, E.: Potsdams junger Bürgermstr. In: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 22.9.1999; Richter, M.: Die Ost-CDU 1948 – 1952. 1991.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gersch, Manfred

* 12.8.1909 – ✝ 4.12.1981

Geb. in Dresden; 1916 – 29 Volks- u. Realschule in Dresden, Abitur; Studium der Zoologie, Botanik u. Chemie an der Univ. Leipzig, 1935 dort Prom.; 1935 – 39 Unterrichtsass. am Zoolog. Inst. der Univ. Leipzig, 1938 Habil., Privatdoz.; 1940 – 45 Kriegsdienst, Verwundung, sowj. Kriegsgef. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Ass. am Zool. Inst. der Univ. Leipzig; 1951 Prof. für vgl. Embryologie u. Morphologie an der Univ. Jena, dort ab 1953 Prof. mit Lehrstuhl für Zoologie u. Dir. des Zool. Inst. sowie Ltr. des Phyletischen Museums; 1955 ord. Mitgl. der DAW; 1958 NP; 1958 Mitgl. der Leopoldina Halle, 1961 Mitglied Sächs. AdW Leipzig; 1974 em.; gest. in Jena. Hauptarbeitsgebiete: Histophysiologie (1935 – 38), Entwicklungsphysiologie (1938 – 51), Endokrinologie u. vergl. Physiologie (ab 1951); ca. 200 Veröff.Ries, Erich u. M. G.: Biologie der Zelle. Leipzig 1953; Vergleichende Endokrinologie der wirbellosen Tiere. Leipzig 1964; Museumsführer – Phyletisches Museum (Jena 1965 – 75); Das peptiderge Neuron. Jena 1981 (Hrsg., mit K. Richter); The Evolution of Hormonal Systems. In: Nova Acta Leopoldina 56 (1984) 255 (mit P. Karlson). Penzlin, H. (Hrsg.): Geschichte der Zoologie in Jena (1909 – 1974). Jena 1994; Fischer, M. S., Brehm, G., Hoßfeld, U.: Das Phyletische Museum in Jena. Jena 2008.Uwe Hossfeld

Wer war wer in DDR

Gerstner, Sibylle

* 17.8.1920

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen) in einer dt.-jüd. Familie; Vater Pelzwarenfabrikant u. Versandhändler (vermutl. im Zuchthaus Öls / Schles. gest.), Mutter Geschäftsfrau; 1926 – 36 Privatschule, Realgymn. in Breslau; ab 1936 Studium an der Textil- u. Modeschule in Berlin, dann Studium der Malerei u. Illustration an der Berliner Kunstakad., Abbruch wg. der NS-Rassegesetzgebung, zeitw. Fortsetzung des Malerei-Studiums an der Kunstgewerbeschule Wien; 1939 / 40 Bekanntschaft mit ihrem späteren Mann  Karl-Heinz Gerstner (verh. seit 1945); durch dessen Vermittl. im Herbst 1940 illegal nach Paris; Fortsetzung der Malerei-Studien an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, dort 1942 zwei Hochschul-Kunstpreise, daneben Arbeit als Modejournalistin; Sommer 1944 Rückkehr nach Berlin; illeg. polit. Arbeit mit K.-H. Gerstner in Berlin-Wilmersdorf. 1945 Lehrerin an einer priv. Modeschule in Berlin-Wilmersdorf; ab 1949 als freischaff. Kostümbildnerin u. Malerin (als Sibylle Boden) in Zeuthen (b. Berlin), ab 1953 in Kleinmachnow; erwirkt 1946 durch Vermittl. von entlastenden Dokumenten der Résistance die Entlassung ihres Mannes aus dem sowj. »Speziallager« Berlin-Hohenschönhausen; 1949 Geburt der Tochter  Daniela G. (Dahn); 1952 Tochter Sonja G.; als Kostümbildnerin u. a. Zusammenarbeit mit  Wolfgang Staudte; ab 1951 festangest. Kostümbildnerin bei der DEFA, u. a. für  Slatan Dudows »Frauenschicksale« (1952),  Gustav von Wangenheims »Gefährl. Fracht« (1954); Juli 1956 Gründerin u. künstl. Ltr. der Kunst- u. Modeztschr. »Sibylle«, dort 1958 – 61 stellv. Chefred., verließ die Red. nach Kritik ihrer internat. ausgerichteten Modekonzeption als »zu französisch«; anschl. freischaff. Kostümbildnerin für die DEFA u. den DFF, Zusammenarbeit mit dem Reg. Hans-Joachim Kasprzik, u. a. »Wolf unter Wölfen« (1963), »Kleiner Mann, was nun?« (1967), »Die Brüder Lautensack« (1973), »Abschied vom Frieden« (1979); daneben auch freischaff. Dolmetscherin (französ., engl.); ihr 1981 publiziertes Buch »Flucht in die Wolken« über die psych. Erkrankung ihrer hochbegabten Tochter Sonja (Freitod 1971) avancierte durch die krit. Spiegelung der therapeut. Praxis, die sensible Darstellung psych. Krankheit u. den Tabubruch, Theorien von S. Freud u. C. G. Jung zur Interpretation psych. Krankheiten zu nutzen, in der DDR schnell zum Erfolgsbuch (Übers. in acht Sprachen, bundesdt. Ausg. 1982, Dramatisierung 1991, Filmdrehbuch). Seit 1990 mehrere Ausstellungen in Dtl. u. Frankreich; lebt in Kleinmachnow (b. Berlin).Jäger, H.: Es war die Hölle. Aber ich bewegte etwas. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 28.3.1998; Zylka, J.: Den Genossen war sie zu französisch. S. G. hatte viele Berufe – nun hat sie außerdem noch eine Ausstellung. In: taz, 17.4.1998; Bronnen, B.: Sibylle u. das Paradies. In: Süddt. Ztg., 16. / 17.10.1999; Kuhn, N.: »Erzähl mir, Sibylle, erzähl ...« Eine sozialist. Frauenztschr. mit internationalem Flair. In: Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S. (Hrsg.): Zwischen »Mosaik« u. »Einheit«. Zeitschriften in der DDR. Berlin 1999; Gerstner, K.-H.: Sachlich, kritisch, optimistisch. Berlin 1999.Bernd-Rainer Barth

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Geffke, Herta

* 19.8.1893 – ✝ 29.12.1974

Geboren am 19. August 1893 in Bollinken/Krs. Randow, Tochter eines Schuhmachers, ältestes von sechs Kindern. Dienstmädchen, Arbeiterin in einem Druckereibetrieb. 1908 Arbeiterjugend, 1912 Mitglied der SPD, 1917 der USPD. Als Mitglied der BL Stettin war sie in den Revolutionsmonaten Mitglied des Stettiner Arbeiter- und Soldatenrates. Mit dem linken Flügel der USPD 1920 zur KPD, hauptamtliche Bezirkssekretärin der VKPD Pommern, ab März 1921 Frauensekretärin für die Bezirke Niederrhein und Ruhrgebiet. Im Juli 1921 nahm sie am Internationalen Frauenkongreß und am III. Weltkongreß der Komintern in Moskau teil. Durch eine Nachwahl bekam sie in Schlesien das Mandat zum Preußischen Landtag, dem sie bis 1924 angehörte. Herta Geffke war von 1922 bis 1928 mit Wienand Kaasch verheiratet, gehörte in der KPD zur Mittelgruppe, deshalb zur Landtagswahl im Dezember 1924 nicht wieder Kandidatin. Mit ihrem Mann in verschiedenen Bezirken, übte sie nur kleinere Funktionen aus, bis Ende 1928 im UB Neukölln. Wegen Parteidifferenzen und nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte, folgte sie einem Angebot der Roten Hilfe und wurde Leiterin des Kinderheims in Worpswede, später des Kinderheims in Elgersburg, das aus Finanznot 1930 geschlossen wurde. Danach Sekretärin im Saargebiet bzw. im Bezirk Baden-Pfalz. Bis Mai 1933 Instrukteurin für den illegalen Bezirk Hessen-Frankfurt bzw. Ruhrgebiet der RHD. Am 11. September 1933 wurde sie in Essen verhaftet und im März vom II. Strafsenat des OLG Hamm zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung im Oktober 1936 Näherin in Stettin, soll sie an der illegalen Arbeit der KPD teilgenommen haben. Am 3. Mai 1945 nahm Herta Geffke Kontakt zu Gustav Sobottka auf. Nach dem Besuch einer Frontschule der Roten Armee kam sie mit der Gruppe Sobottka nach Schwerin und wurde im Juni 1945 Mitglied der KPD-Landesleitung und des Sekretariats. 1946 Leiterin der Frauenabteilung der SED Mecklenburg und im Oktober 1946 in den Mecklenburgischen Landtag gewählt. Im März 1949 wurde Herta Geffke Abteilungsleiterin im ZS des PV und Mitglied der gerade gebildeten ZPKK. Ab November 1949 leitete sie die berüchtigte Sonderkommission der ZPKK zur Überprüfung der Kontakte deutscher Emigranten zu Noel H. Field. Sie blieb bis 1958 stellvertretende Vorsitzende der ZPKK und war der Prototyp einer bedingungslosen und harten stalinistischen Funktionärin. Stundenlang, ohne große Gefühlsregungen, so erinnern sich Zeitgenossen, wurden all diejenigen verhört, die Noel H. Field irgendwann begegnet waren. Nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 kam ausgerechnet Herta Geffke, die für viele Parteiausschlüsse und Repressalien mitverantwortlich war, in die Parteikommission, die nun über Rehabilitierungen entscheiden sollte. Im Oktober 1958 aus der ZPKK ausgeschieden, bis zum Ruhestand 1962 Kaderleiterin des Institutes für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED. Sie erhielt 1955 den Karl-Marx-Orden. Herta Geffke starb am 29.Dezember 1974 in Ost-Berlin. Ihr Bruder Hans Geffke (* 18. 7. 1903 – †25.1.1985) war Schlosser und seit 1925 in der KPD und im RFB. 1928 hauptamtlicher Bezirksleiter der RHD Pommern, danach Gauleiter der Roten Jungfront für Pommern. 1933 verhaftet und bis Mai 1934 in »Schutzhaft«. Von 1935 bis 1944 Elektroschweißer in Stettin. Ende 1944 erneut festgenommen, wurde er Ende Februar 1945 durch die Rote Armee befreit, jedoch im Frontgebiet interniert und war bis Oktober 1949 Zivilinternierter in Minsk. Ab November 1949 Instrukteur der SED-Landesleitung Mecklenburg in Schwerin, 1950 Mitglied der LPKK und Leiter der Kaderabteilung. 1951 Leiter der Chiffrierabteilung des ZK der SED, von 1952 bis zu seinem Ausscheiden im September 1965 stellvertretender Leiter des Büros des Politbüros.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Gehlmann, Paul

* 2.8.1891 – ✝ 6.9.1970

Geboren am 2. August 1891 in Voigtstedt/Kreis Sangerhausen, Sohn eines Gutsinspektors. Lernte Schlosser und ging auf Wanderschaft. Nach dem Militärdienst Schlosser in Erfurt, Leipzig und Berlin, 1907 in die SPD eingetreten. Von 1914 bis 1917 Soldat im Ersten Weltkrieg, wurde er dann zur Firma Krupp nach Essen abkommandiert, später zur AEG nach Berlin-Oberspree. Seit 1917 Mitglied der USPD, war Gehlmann während der Revolution Obmann des Arbeiterrates in seinem Betrieb und später Betriebsratsvorsitzender. Ab 1920 in der KPD, gehörte er ab 1923 der BL Berlin-Brandenburg an. Von 1922 bis 1933 war er Abgeordneter der KPD in der Berliner Stadtverordnetenversammlung, 1926 und 1930 zum unbesoldeten Stadtrat im Bezirk Kreuzberg gewählt. Am 28. Februar 1933 verhaftet, im August 1933 aus dem KZ Sonnenburg entlassen, verließ Gehlmann Berlin und hielt sich bis 1936, ohne Arbeit zu finden, in Sachsen und Thüringen auf. Später wieder in Berlin bei Siemens beschäftigt. Im Zusammenhang mit dem Attentat von Georg Elser auf Hitler am 9. November 1939 in München kam Gehlmann für einige Wochen in das KZ Sachsenhausen. Im Zuge der Aktion »Gewitter« im August 1944 erneut im KZ Sachsenhausen. 1945 Angestellter des Berliner Magistrats, arbeitete beim Zentralamt der Feuerwehr. 1946 als Opfer des Faschismus anerkannt, stellte er später in West-Berlin einen Antrag auf Anerkennung beim Entschädigungsamt und wurde 1964 als politisch Verfolgter anerkannt und entschädigt. Paul Gehlmann starb am 6. September 1970 in West-Berlin.

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Gehrmann, Karl

* 30.4.1884 – ✝ 27.7.1953

Geboren am 30. April 1884 in Ferchesar bei Rathenow; lernte Mechaniker, war einige Zeit Hornarbeiter in Rathenow. 1906 Mitglied der SPD, gehörte zu deren linkem Flügel; 1917 Mitbegründer der Spartakusgruppe. Er flüchtete vor der Einberufung und lebte bis zur Revolution 1918 illegal. Nach der Revolution war Gehrmann Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Rathenow. Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD, Mitbegründer der KPD in Rathenow und deren langjähriger Leiter. 1921 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt, stand Gehrmann – wie fast der gesamte Bezirk Berlin-Brandenburg – auf dem linken Flügel der KPD, er kam 1924 wieder in den Landtag. Als Mitglied der BL Berlin-Brandenburg wandte er sich nach dem »Offenen Brief« 1925 zunächst gegen die Komintern. Im September 1926 unterschrieb er noch den »Brief der 700«, den die oppositionellen linken Kommunisten herausgaben. 1927 gelang es dem ZK, ihn von der Opposition zu trennen. Obwohl die Mehrheit der KPD-Ortsgruppe Rathenow bei den Linken blieb und zum Leninbund überging, entschied sich Gehrmann für die Linie des ZK. Daher von der KPD 1928 wieder als Kandidat für den Preußischen Landtag aufgestellt und gewählt. 1929 UB-Leiter der KPD Berlin-Süd, danach einige Jahre Parteisekretär der KPD für die Ost- und Westprignitz. 1932 nicht mehr für den Landtag nominiert. 1933/34 saß er achtzehn Monate im KZ Oranienburg. 1945 war Gehrmann einer der Mitbegründer der KPD in Rathenow und zunächst Landrat des Kreises Westhavelland, anschließend als Oberregierungsrat persönlicher Referent beim Brandenburgischen Minister für Wirtschaft Heinrich Rau. Zuletzt leitete er die Dienststelle der VVN im Kreis Westhavelland. Karl Gehrmann starb am 27. Juli 1953.

Wer war wer in DDR

Geisler, Otto

* 17.3.1930 – ✝ 5.6.2009

Geb. in Mährisch Schönberg (ČSR/Šumpevk, Tschechien); Vater kfm. Angest., Mutter Weberin; Mittlere Reife, Wirtschafts-OS; 1946 SED; Arbeit als Bohrer u. Fräser in der SAG Büromaschinenwerk »Olympia« Erfurt; 1948 Einstellung bei der VP; 1949 Pol.-Kultur-Instrukteur; 1952 Einstellung beim MfS, HA I (Abwehr in der KVP, später NVA); 1956/57 Studium an der HS der NVA; 1961 stellv. Abt.-Ltr., 1962 Abt.-Ltr. für Sonderaufgaben; 1966 stellv. Ltr. der Arbeitsgr. des Min. (AG M) im MfS; 1966 – 70 Studium an der HU Berlin, Dipl.-Krim.; 1970 – 72 Studium an der JHS des MfS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1977 Prom. zum Dr. jur. an der JHS des MfS; 1980 Ltr. der AG M; 1983 Gen.-Ltn.; 1983 Ernennung zum Dipl.-Mil.-Wiss. an der Militärakad. »Friedrich Engels« der NVA; 1987 VVO; 1987 wegen Krankheit von seinen Funktionen entbunden, Rentner.Jens Gieseke

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Geißler, Ines

* 16.2.1963

Geb. in Marienberg; Vater Tischler, Mutter Säuglingsschwester; TZ Schwimmen Lengefeld, 1973 Delegierung zur KJS, dort FDJ-Sekr. Schwimmen; dann SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Eberhard Mathes); Spezialdisz.: Delphin; 1980 Olympiasiegerin über 200 m; 1981 EM über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel; 1982 WM u. 1983 EM jeweils über 200 m u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel; 1984 endete ihre sportl. Laufbahn; 1990 Bankangest. in Chemnitz.Olaf W. Reimann

dissidenten.eu

Genow, Eduard

* 1946 – ✝ 2009

Menschenrechtsaktivist; einer der wenigen Bulgaren, die gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei protestierten.Eduard Genow wurde 1946 in Sofia geboren. Als er 1964 versuchte, Bulgarien illegal zu verlassen, wurde er an der Staatsgrenze verhaftet. Im September 1968 studierte Genow an der Universität Sofia Archäologie. Gemeinsam mit den Kommilitonen von der Historischen Fakultät Alexander Dimitrow und Walentin Radew beschloss er, gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei zu protestieren. In etlichen größeren Städten Bulgariens wollten sie Protestaufrufe verbreiten, um über die wahren Hintergründe des Einmarsches und die Reformbestrebungen des *Prager Frühlings zu informieren. In Sofia und Plowdiw verteilten sie Flugblätter mit der Losung „Marionettenarmee Schiwkows raus aus der ČSSR!“. Zur *Demonstration der Sieben in Moskau schrieben sie: „Fünf sowjetische Kommunisten haben auf dem Roten Platz demonstriert – und was machst DU?“ und „Fünf Sowjetbürger haben sich mit der Tschechoslowakei solidarisiert und dafür strenge Urteile erhalten. Leute, seid wachsam!“ Auch auf legalem Wege versuchte Genow zu protestieren und organisierte Diskussionen im Rahmen der kommunistischen Studentenorganisation Bereits im Oktober 1968 wurden alle drei Studenten verhaftet und im Januar 1969 vor Gericht gestellt. Genow verzichtete auf einen Verteidiger und plädierte auf nicht schuldig. Als Initiator der Aktion und als vermeintlicher „Rädelsführer einer konterrevolutionären Untergrundgruppe“ erhielt er mit fünf Jahren Gefängnis die höchste Strafe. Im Rahmen einer Revision wurde das Strafmaß auf dreieinhalb Jahre Haft reduziert. Im Gefängnis nahm Genow im Herbst 1969 an einer Meuterei von Häftlingen teil, die Anhänger des seit den 40er Jahren aufgelösten *Bulgarischen Bauernvolksbundes waren. Dafür erhielt er weitere acht Jahre Gefängnis. Auch nach seiner Haftentlassung wurde er unablässig vom Staatssicherheitsdienst observiert und bespitzelt. 1986 engagierte sich Genow erneut oppositionell und unterzeichnete gemeinsam mit einer Gruppe bulgarischer Bürgerrechtler einen von Grigor Boschilow verfassten „Offenen Brief – Appell“ an die KSZE-Konferenz in Wien. Die Reaktion der Behörden ließ auch dieses Mal nicht lange auf sich warten: Genow wurde in das Dorf Mihalkowo in den südbulgarischen Rhodopen verbannt. Aber bereits 1978 protestierte er erneut gegen Menschenrechtsverletzungen in Bulgarien, indem er einen entsprechenden Aufruf verfasste, der von westlichen Rundfunksendern ausgestrahlt wurde. Am 16. Januar 1988 gründete Genow in der Stadt Septemwri gemeinsam mit #Ilija Minew, Grigor Boschilow, Dimitri Tomow, Blagoj Topusljew und Petar Manolow die *Unabhängige Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte, die erste Organisation dieser Art in Bulgarien. Ihre Gründer beriefen sich auf die Festlegungen der KSZE-Schlussakte 1975 von Helsinki sowie auf die *Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Die Behörden verweigerten die offizielle Zulassung der Gesellschaft, obwohl sich ihre Mitglieder von der Bezeichnung „politische Organisation“ distanzierten. Im Parteiorgan „Rabotničesko delo“ wurde die Menschenrechtsgesellschaft als verfassungsfeindliche, staatsfeindliche und antisozialistische Organisation diskreditiert, die sich angeblich das Ziel gesetzt habe, mit physischem und moralischem Terror die herrschende Gesellschaftsordnung zu stürzen. Im Oktober 1988 wiesen die bulgarischen Behörden Genow in die USA aus, wo er sich in San Francisco niederließ. Kurz darauf folgten ihm Frau und Kind ins Exil. Auch in den USA setzte er sich für die Information der Öffentlichkeit über die Situation in Bulgarien während der letzten beiden Jahren des kommunistischen Regimes ein. Eduard Genow starb 2009 in Sacramento/USA.Iwan Spassow Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 08/17

Wer war wer in DDR

Gentz, Kurt

* 20.9.1901 – ✝ 13.7.1980

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule; 1916 – 23 Ausbildung zum u. Arbeit als Schlosser; 1924 – 28 Studium der Volkswirtschaft an der TH Dresden, Dipl.-Volkswirt; 1917 FSJ u. Soz. Studentenbund; 1920 SPD; 1924 – 27 Vors. der Jungsozialisten Sachsens; 1928 – 33 Red. bzw. stellv. Chefred. der »Volksztg.« (Bremen); anschl. arbeitslos; 1935 – 41 Versicherungsvertr. der Hanseatischen Sterbekasse u. der Allianz-Versicherung; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Chefred. der SPD-Ztg. »Volksstimme« (Dresden) (Nachf. von Hans Block); 1946 SED; 1946 – 49 Chefred. der »Sächs. Ztg.« (Dresden); 1947 – 49 Mitgl. des Sekr. des SED-LV Sachsen; 1946 – 50 Mitbegr. u. 1. Vors. des VDP/VDJ in Sachsen; Juni 1949 – 51 Chefred. der »Lausitzer Rundschau« (Cottbus) (Nachf. von Georg Porthmann); 1951 – 53 Chefred. der Ztschr. »Dtl. Stimme«; 1951 – 54 Fernstudium, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1953 – 61 Ltr. der Abt. der Natur- u. Heimatfreunde im Bundessekr. des KB; 1962 – 67 Chefred. beim Urania-Verlag, ab 1953 zugl. Chefred. der Ztschr. »Der Falke«, nach Zusammenlegung mehrerer Ztschr. Chefred. der Ztschr. »Ornithologie u. Vivarienkunde«; 1966 VVO.Andreas Herbst

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Gerbig, Max

* 1.10.1884 – ✝ 29.7.1941

Geboren am 1. Oktober 1884 in Leipzig; erlernte von 1898 bis 1902 das Tischlerhandwerk und ging anschließend auf Wanderschaft. Im Weltkrieg Soldat. 1919 Mitglied der USPD, kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Gerbig übte verschiedene ehrenamtliche Funktionen aus, er gehörte 1924 zu den führenden Linken der KPD in Leipzig. Mitglied der BL Westsachsen, mit deren Mehrheit unter Arthur Vogt 1925 Anhänger der Ultralinken (später Weddinger Opposition). Seit 1924 hauptamtlicher Funktionär, vertrat Gerbig auf dem Essener XI. Parteitag 1927 die Leipziger Gruppe der Weddinger Opposition und wurde für sie als Mitglied ins ZK gewählt. Er trennte sich Anfang 1928 von der Opposition und ging zur ZK-Mehrheit über. 1929 nicht wieder ins ZK gewählt, wurde Gerbig Leiter der Roten Hilfe in Westsachsen und Mitglied der BL der KPD. Nach dem Zusammenschluß der sächsischen Parteibezirke gehörte er der UBL Leipzig an und war vor allem unter den Arbeitslosen aktiv. Max Gerbig starb am 29. Juli 1941.

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Geremek, Bronisław

* 1932 – ✝ 2008

Historiker, 1978 Vorstandsmitglied der *Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse, in den 80er Jahren einer der führenden politischen Berater der *Solidarność und Lech Wałęsas: 1981 Mitautor des *Solidarność-Programms, 1987 Mitautor der „Erklärung der 62“ zum Polenbesuch Johannes Paul II., 1988/89 Initiator des *Bürgerkomitees beim *Solidarność-Vorsitzenden und einer der Architekten der Vereinbarungen des *Runden Tisches.Bronisław Geremek wurde 1932 in Warschau geboren. 1954 schloss er sein Studium an der Historischen Fakultät der Warschauer Universität ab, führte es dann aber an der École Pratiques des Hautes Études in Paris fort. Von 1955 bis 1985 arbeitete er (mit einer Pause in den Jahren 1960–1965) im Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften und leitete 1965–1980 die Arbeitsstelle für mittelalterliche Kulturgeschichte. 1962–1965 hielt er auch Vorlesungen an der Pariser Sorbonne und war Direktor des dortigen Polnischen Kulturzentrums. Als Zeichen des Protestes gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968 trat er aus der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza; PZPR) aus, deren Mitglied er seit 1950 war. Im Herbst 1968 nahm er an einem illegalen Seminar zu sozialen und ökonomischen Problemen teil, das bis 1971 stattfand und von einem Kreis ehemaliger „Revisionisten“ organisiert wurde: Włodzimierz Brus, Tadeusz Kowalik, Krzysztof Pomian. Geremek war zusammen mit Edward Lipiński, Krystyna Kersten, Krzysztof Wolicki und anderen Autor des „Briefes der 7“ vom 6. Dezember 1975, der an die Delegierten des VII. Parteitages der PZPR und ihren Ersten Sekretär Edward Gierek gerichtet war. Darin forderten sie unter anderem die Demokratisierung des Wahlsystems, die Beteiligung der Bürger an ökonomischen und sozialen Grundsatzentscheidungen, eine freie Presse sowie freie Arbeiterräte und Gewerkschaften. Im Frühjahr 1977 schrieb er mit Maria Dziewicka, Karol Modzelewski, Jan Strzelecki und anderen einen Brief an die Staatsmacht, in dem er sich mit den verhafteten Mitgliedern des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) solidarisierte. Seit Frühjahr 1978 engagierte sich Geremek in der Programmkommission der *Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse (Towarzystwo Kursów Naukowych; TKN), wo er staatlich unabhängige Vorlesungen und Seminare der sogenannten Fliegenden Universität mitorganisierte.Während der großen Streikwelle 1980 gehörte Geremek zu den Intellektuellen, die am 20. August mit ihrem „Appell der 64“ die Forderungen der Streikenden unterstützten und die kommunistischen Machthaber zum Dialog aufforderten. Gemeinsam mit Tadeusz Mazowiecki begab er sich am 22. August in das Zentrum der Streikbewegung, auf die Danziger Lenin-Werft, wo er am 24. August Mitglied der Expertenkommission beim Überbetrieblichen Streikkomitee wurde. Anschließend beriet er in Danzig auch das Überbetriebliche Gründungskomitee sowie die Landesverständigungskommission (Krajowa Komisja Porozumiewawcza; KKP) der *Solidarność. Er war Mitautor des *Solidarność-Statuts sowie der grundlegenden Programminhalte. Am 6. Januar 1981 wurde er Vorsitzender des Programm- und Konsultationsrates des Zentrums für sozial-gewerkschaftliche Probleme bei der Landesverständigungskommission. Während des I. Landesdelegiertenkongresses der *Solidarność im September/Oktober 1980 war er Vorsitzender der Programmkommission. Zugleich schrieb er am politischen Programm der *Solidarność „Selbstverwaltete Republik“ mit, das die Grundlage für ein demokratisches Polen in folgenden Elementen sah: Weltanschaulicher und politischer Pluralismus, Garantie der bürgerlichen Freiheiten und der Menschenrechte, Gleichheit vor dem Gesetz, Unabhängigkeit der Justiz, Arbeiterselbstverwaltung, demokratische Wahlen zu den regionalen Selbstverwaltungsorganen, freie Wahlen zum Sejm, Einrichtung einer zweiten Parlamentskammer und eines Verfassungsgerichts. Diese Veränderungen sollten sich „langsam“ und „von unten“ unter der Voraussetzung entwickeln, „dass es dabei zu keiner Destabilisierung des politischen Systems kommt“. In Übereinstimmung mit diesem Ansatz trat Geremek dafür ein, zwar eine Verständigung mit den Machthabenden zu suchen, jedoch keine Beteiligung an der Macht anzustreben. Während der durch einen brutalen Milizeinsatz gegen die *Solidarność ausgelösten „Bromberger Krise“ (Kryzys bydgoski) im März 1981 spielte Geremek eine Schlüsselrolle beim Zustandekommen der Verständigung in Warschau. Diese Übereinkunft mit den Machthabern führte dazu, dass der von der *Solidarność angekündigte Streik abgesagt wurde und die Staatsmacht zusagte, die Verantwortlichen für die Übergriffe in Bromberg zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem erklärte sie sich einverstanden, die bis dahin illegale *Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“ (Niezależny Samorządny Związek Zawodowy Rolników Indywidualnych „Solidarność“) zuzulassen. Im November 1981 nahm Geremek am Treffen einer *Solidarność-Delegation mit Primas Józef Glemp und an Gesprächen mit den kommunistischen Machthabern über die Einberufung eines Gesellschaftlichen Volkswirtschaftsrates teil, der die staatliche Wirtschaftspolitik kontrollieren sollte. Auch auf der letzten Sitzung der Landeskommission am 11. und 12. Dezember 1981 in Danzig gehörte Geremek zu den Verfechtern eines gemäßigten Kurses. Mit der Ausrufung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 wurde auch Geremek interniert. Man hielt ihn im Warschauer Stadtteil Białolęka sowie in Jaworze und Darłówko in Pommern fest, und ließ ihn erst im Dezember 1982 mit der letzten Gruppe Internierter frei. Am 17. Mai 1983 wurde er erneut unter dem Vorwurf der Organisation illegaler Versammlungen festgenommen. Im Juli kam er aufgrund einer Amnestie wieder auf freien Fuß. Wegen seiner Arbeit in der *Solidarność wurde Geremek mehrfach von der Staatssicherheit verhört, seine Wohnung wurde durchsucht. Von 1968 bis 1980 sowie von 1982 bis 1988 entzogen die Behörden ihm seinen Reisepass, 1985 verlor er seine Arbeit am Historischen Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Ab 1983 war Bronisław Geremek Berater des *Provisorischen Koordinierungsausschusses (Tymczasowa Komisja Koordynacyjna; TKK) der *Solidarność und Lech Wałęsas. Am 10. Februar 1983 schrieb er gemeinsam mit Tadeusz Mazowiecki und Lech Wałęsa einen Brief an den Sejm, in dem sie die Freilassung der Solidarność-Aktivisten und der *KOR-Mitglieder forderten, die auch nach Beendigung der Internierungen noch im Gefängnis saßen. Von Oktober 1983 bis in das Jahr 1984 hinein nahm er an Gesprächen über die Freilassung von Gefangenen teil, die unter der Schirmherrschaft des polnischen Episkopats stattfanden. Geremek war Mitautor des in Oppositionskreisen vorbereiteten Buches „Rapport: Polen fünf Jahre nach dem August“ (Raport: Polska 5 lat po sierpniu). Nach einer allgemeinen Amnestie 1986 sprach sich Geremek in einem Interview für den im Untergrund erscheinenden *„Tygodnik Mazowsze“ (Masowisches Wochenblatt) für eine neue Vereinbarung „im Geiste der Verständigung vom August [1980 zwischen *Solidarność und Regierung]“ aus, die dem Freiheitsbedürfnis der Gesellschaft Rechnung tragen und wirtschaftliche Reformen, die Unabhängigkeit der Kirche und die Entwicklung der Privatbauern voranbringen sollte. Er war einer der Unterzeichner des Appells vom 10. Oktober 1986, der zur Aufhebung der amerikanischen Wirtschaftssanktionen gegen Volkspolen aufrief. Zusammen mit Krzysztof Śliwiński, Tadeusz Mazowiecki, Janusz Onyszkiewicz nahm er an zahlreichen Treffen von *Solidarność-Vertretern mit Politikern und Journalisten aus dem Westen teil. Im Dezember 1988 fuhr er gemeinsam mit Lech Wałęsa nach Paris, zu seiner ersten Auslandsreise nach dem *Kriegsrecht.Die ideellen Wurzeln seines politischen Denkens stellte Geremek im November 1986 anlässlich eines öffentlichen Auftrittes im Französischen Kulturinstitut in Warschau vor (veröffentlicht in der Untergrundzeitschrift *„Krytyka“, Nr. 25). Deutlich auf die gegenwärtige Situation in Polen bezogen, betonte er, „dass ein allmächtiger Staat zur [...] Verschlechterung des Schicksals der Menschen führt“. Der etatistischen Vision des Staates, „die zur „totalitären Versuchung“ führt, stellte er eine Konzeption von Demokratie entgegen, in der der Mensch „durch die Bedürfnisse der Freiheit zum Bürger wird“. Indem er zwischen Markt und Kapitalismus differenzierte, erkannt er an, „dass der Ausgangspunkt aller reformatorischen Bemühungen im Markt liegen müsse“, welcher der Antrieb der Freiheit sei. Geremek bezog sich auf die Enzyklika „Laborem exercens“ Johannes Pauls II., auf den Personalismus Emmanuel Mouniers und die dem sozialdemokratischen Denken verwandten Ideen Edward Abramowskis und Stefan Ossowskis. Er schrieb über die Bedeutung der Moralität des individuellen Menschen, der Rückkehr seiner Herrschaft über alle Dinge – auch über den Staat – und bezog sich auf die Konzeptionen der Subjekthaftigkeit der Gesellschaft mit Hilfe von „Vermittlungsorganismen“ genannten Selbstverwaltungen und Vereinigungen zur Realisierung gemeinsamer Interessen von Menschen, die so tätig sind, dass sie die Rechte des Menschen und des Bürgers verteidigen und die Allmacht des Staates einschränken. Er sah in der *Solidarność ein Beispiel für die tatsächliche Beteiligung der Bürger am öffentlichen Leben, durch die „mehr Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ in ganz Europa erreicht werden könne. 1987 wurde er Berater der Landesarbeitskommission der *Solidarność. Grundzüge einer neuen Außenpolitik skizzierend, schrieb Geremek damals über die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit Polens Nachbarn Ukraine und Litauen, aber auch mit der Tschechoslowakei und Ungarn. Dabei unterstrich er die Wichtigkeit der Vereinigung der oppositionellen Aktivitäten in diesem Teil Europas und der Entstehung einer mitteleuropäischen Gemeinschaft, die gegenüber dem geteilten bzw. – was er voraussah – wiedervereinigten Deutschland und gegenüber Russland mit einer Stimme sprechen könnte und damit unabhängiger wäre. Von Anfang an sah er die Bedeutung von Michail Gorbatschows Reformen für den gesamten Ostblock. Die Freilassung Andrei Sacharows im Jahre 1987 begrüßte Geremek als Hoffnung auf eine auf das „souveräne Recht der Nationen“ gestützte Verständigung zwischen Polen und Russen. Er schrieb unter eigenem Namen in der Untergrundpresse, zum Beispiel in der von ihm mit geleiteten Zeitschrift „21“ sowie in *„Krytyka“ (Kritik), „Przegląd Polityczny“ (Politische Rundschau) und „Myśl Niezależna“ (Unabhängiges Denken). Am 24. April 1987 wurden er und Janusz Onyszkiewicz, Magdalena Sokołowska und Klemens Szaniawski von Regierungssprecher Jerzy Urban beschuldigt, Kontakte zu einem Agenten des amerikanischen Geheimdienstes zu unterhalten. (In den 90er Jahren wurde in diesem Zusammenhang gegen Urban ein Verleumdungsprozess angestrengt, der mit einer öffentlichen Entschuldigung Urbans endete.) Geremek war auch Mitautor der „Erklärung der 62“ vom 31. Mai 1987, die von *Solidarność-Aktivisten und der Gewerkschaft nahestehenden Intellektuellen unterschrieben wurde. Die Erklärung, die anlässlich des Polenbesuches von Papst Johannes Paul II. entstand, hob nicht nur das Recht Polens auf Unabhängigkeit deutlich hervor, sondern listete auch die Notwendigkeiten der Garantie der Gleichheit vor dem Gesetz, der Gewissensfreiheit, Überzeugungs- und Meinungsfreiheit, „der Anerkennung pluralistischer Prinzipien im gesellschaftlichen und politischen Leben“ auf. Ziel war die Souveränität Polens verstanden als „Freiheit im Bereich der Innenpolitik, Freiheit von äußerer Beeinflussung und gleichberechtigte Beziehungen mit anderen Staaten“.Einen neuen Vorschlag für Gespräche der Solidarność-Opposition mit den kommunistischen Machthabern machte Geremek am 15. Dezember 1987 in einem Interview für die legal erscheinende Zeitschrift „Konfrontacje“ (Konfrontationen; Nr. 2/1988): Er rief das Angebot zu einem „Anti-Krisen-Pakt“ des I. Solidarność-Kongresses in Erinnerung, nannte als Bedingung für die Aufnahme von Verhandlungen jedoch die Legalisierung der *Solidarność. Geremek schlug die Machtbegrenzung der Kommunisten auf die auswärtige Politik, die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik vor und sprach sich für die Rückkehr zu demokratischen Prinzipien und die Ausweitung der bürgerlichen Freiheitsrechte aus. Konkret schlug er die Einrichtung einer zweiten Parlamentskammer vor, „in der sich verschiedene gesellschaftliche Interessen artikulieren“ können, sowie die freie Betätigung von Vereinigungen und politischen Klubs, die Sozialfürsorgesystems sowie die Wiedereinführung lokaler Selbstverwaltungen. Nicht zuletzt hob er die Bedeutung des Marktes und Probleme des Privateigentums als Schlüsselfragen der Wirtschaftsreform hervor. Im Mai 1988 erklärte Geremek in einem Interview für die Zeitschrift „Res Publica“: „Die Polen wollen Freiheit und Unabhängigkeit, und sie haben ein Recht darauf. Der Realismus im politischen Denken [...] der 80er Jahre erkannte dagegen sowohl das real existierende politische System als auch die Möglichkeit seiner Reformierbarkeit an.“ Zukunftschancen sah er vor allem in der Wechselwirkung zwischen der von den Machthabern als notwendig erachteten Ausweitung wirtschaftlicher und den sich Freiraum verschaffenden gesellschaftlichen und politischen Freiheiten. Seit der Zeit der Arbeiterstreiks im August 1988 war Geremek an der Vorbereitung von Gesprächen mit den kommunistischen Machthabern beteiligt. Zusammen mit Andrzej Stelmachowski formulierte er am 24. August 1988 den Aktionsplan der Opposition, der Verhandlungen über die Legalisierung der *Solidarność, gesellschaftlich-politischen Pluralismus in Form freier Vereinigungen und politischer Klubs sowie einen Antikrisenpakt vorsah. Am 26. Oktober 1988 nahm Geremek im *„Tygodnik Mazowsze“ (Nr. 268) auf das Programm des I. *Solidarność-Kongresses Bezug und definierte Grundsätze für einen neuen „Gesellschaftsvertrag“, auf dem die Reformen des Wirtschaftssystems sowie die „Systemtransformation zur Demokratisierung des öffentlichen Lebens in Polen aufbauen sollten. Die Grundsätze waren: freie Wahlen, die Gleichheit aller Bürger sowie das Prinzip der Vertretung aller gesellschaftlichen Gruppen.“ Diese Veränderungen könnten in einem evolutionären Prozess vonstattengehen, der mit den „Ergebnissen der Beratungen eines Runden Tisches“ beginnen würde. Geremeks Konzeption war die einer „minimalen Zusammenarbeit“ mit den kommunistischen Machthabern, eine Koalitionsregierung mit den Herrschenden sah er nicht. Nachdem der erste Anlauf für einen *Runden Tisch im Oktober 1988 gescheitert war, mahnte Geremek im PEN-Club „die Unabhängigkeit Polens als nationale Aufgabe, als Aufgabe für heute“ an. Geremek war Mitorganisator des Bürgerkomitees beim *Solidarność-Vorsitzenden im Dezember 1988, dessen allgemeine Beratungen er neben der Kommission für politische Reformen leitete. Am 27. Januar 1989 nahm er zusammen mit Lech Kaczyński, Tadeusz Mazowiecki, Zbigniew Bujak und Lech Wałęsa an den Gesprächen mit Vertretern der Kommunistischen Partei in Magdalenka bei Warschau teil, um die Verhandlungen am *Runden Tisch vorzubereiten. Die Grundsatzfragen, um die es dabei ging, waren die Legalisierung der *Solidarność, die Zustimmung der Opposition zur Durchführung von „nichtkonfrontativen“ Wahlen zum Sejm, die Zusammensetzung der Teilnehmer und die Tagesordnung des *Runden Tisches. Geremek forderte freie Wahlen, den Zugang zu den Massenmedien, die Unabhängigkeit der Gerichte, die lokale Selbstverwaltung, die Zulassung des *Unabhängigen Studentenverbandes (Niezależne Zrzeszenie Studentów; NSZ) und der Selbstverwalteten Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“.Geremek war Mitglied der Plenarberatungen des *Runden Tisches und einer der Vorsitzenden der Arbeitsgruppe für politische Reformen. Auch an anderen vertraulichen Gesprächen am Rande der Verhandlungen in Magdalenka nahm er zusammen mit Tadeusz Mazowiecki und anderen teil. Die Erkenntnis, dass es nicht möglich sein werde, aus dem Stand einen völlig demokratischen Staat zu schaffen, führte ihn zu der Taktik, als Verhandlungsziel die Dynamisierung des Demokratisierungsprozesses zu sehen, und gleichzeitig die getroffenen Einzelentscheidungen als einmalige Vereinbarungen zu begreifen, die den Weg in Richtung vollkommen freie und demokratische Wahlen öffnen. Im Verlauf der Verhandlungen am *Runden Tisch erreichte die *Solidarność-Seite mit Geremek als einem ihrer Hauptunterhändler die Zustimmung, dass für 35 % der Parlamentssitze unabhängige Kandidaten aus der Gesellschaft aufgestellt werden können und diese vollkommen frei zu wählen seien. Außerdem einigte man sich auf freie Betätigungsmöglichkeiten von Parteien und Vereinigungen sowie auf die Abschaffung des Medienmonopols der Kommunisten. In den halbfreien Wahlen vom 4. Juni 1989 errang Bronisław Geremek ein Abgeordnetenmandat auf der Liste des *Bürgerkomitees (Komitet Obywatelski) und wurde Vorsitzender des Parlamentarischen Bürgerklubs (Obywatelski Klub Parlamentarny), der politischen Repräsentanz der *Solidarność im Sejm. In den vollkommen freien Wahlen 1991 und 1993 wurde Geremek wiedergewählt und blieb bis 1997 Abgeordneter. Er war nach dem Systemwechsel von 1990 zunächst im politischen Milieu der späteren Demokratischen Union (Unia Demokratyczna) aktiv (1991–94 als Fraktionsvorsitzender) und anschließend ab 1997 in der Freiheitsunion (Unia Wolności), dessen Vorsitzender er war. 1997–2000 war er Außenminister seines Landes (in seiner Amtszeit trat Polen der NATO bei) und ab 2004 Abgeordneter des Europaparlaments. Als Professor der Geschichte hielt er Vorlesungen an zahlreichen Universitäten in Europa und den USA – zum Beispiel 1993 am Collège de France – und erhielt die Ehrendoktorwürde vieler Hochschulen. Er leitete den Lehrstuhl für Europäische Zivilisation am College of Europe in Natolin bei Warschau, war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Vereinigungen, des polnischen und des französischen P.E.N.-Klubs und wurde mit höchsten staatlichen Auszeichnungen geehrt: in Frankreich als Offizier der Ehrenlegion, in Deutschland mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und in Polen mit dem Orden des Weißen Adlers.Bronisław Geremek kam 2008 bei einem Autounfall in Lubień in der Woiwodschaft Großpolen ums Leben. Marek Kunicki-Goldfinger Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 10/15

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Gerlach, Hans

* 22.12.1919 – ✝ 4.12.1986

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Möbeltischler; 1939 – 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgef. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Tätigkeit als Arbeitsschutzinspekteur bzw. Sekr. der NF in Löcknitz u. Ueckermünde; 1951 SED; 1951 – 53 Instrukteur, Abt.-Ltr. bzw. Sekr. der SED-KL Ueckermünde; 1954 – 56 1. Sekr. der SED-KL Demmin; 1956 – 59 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1959 / 60 1. Sekr. der SED-KL Ueckermünde; 1960 – 64 2. Sekr. der SED-BL Neubrandenb.; 1964 1. bzw. 2. Sekr. der SED-KL Neubrandenb.; später im VEB Sirokko-Gerätewerk Neubrandenb. tätig; 1961 VVO.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gersoni, Paul

* 24.9.1884 – ✝ 1938

Geboren am 24. September 1884 in Berlin; lernte Schriftsetzer. 1904 trat er der SPD bei und arbeitete bis zum Weltkrieg in seinem Beruf. Nach dem Krieg lebte Gersoni im Saarland, 1919 Mitglied der KPD, bis 1921 war er in der Bezirksleitung Saar als Parteisekretär tätig. Von 1921 an leitete er die KPD-Druckerei in Leipzig, war ab 1927 Geschäftsführer der KPD-Druckereien in Hamburg und Frankfurt/M., danach wieder in Saarbrücken, dort erneut in der BL aktiv. 1935 emigrierte Gersoni nach Paris und von da aus im Juli 1935 in die Sowjetunion, wo er wieder im Druckereiwesen tätig war. Paul Gersoni wurde im Juli 1937 vom NKWD verhaftet, er soll 1938 als Opfer der Stalinschen Säuberungen ermordet worden sein.

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Gertz, Karl-Erich

* 18.9.1936

Geb. in Berlin; Vater kaufm. Angest., Mutter Verkäuferin; Grund- u. OS, 1955 Abitur; 1955 /56 Vorpraktikum in versch. Glas- u. Keramikbetrieben; 1956 – 61 Studium an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Ing. für Silikathüttenkunde; 1961 – 64 Ass. u. Bearbeiter für Forsch. u. Entw. im VEB Fliesenwerk Boizenburg; 1964 SED; 1964 – 71 Dir. für Prod., 1967 – 74 Dir. für Forsch. u. Technik, ab 1973 stellv. GD des neu gegr. Kombinats Baukeramik; ab 1974 GD des VEB Kombinat Baukeramik (Nachf. von Werner Schneider); nach Erweiterung des Kombinats zum Kombinat Fliesen u. Sanitärkeramik von 1979 – 90 GD u. in Personalunion auch Dir. des Stammwerks VEB Fliesenwerke »Kurt Bürger« Boizenburg / Elbe (Produkte: Fliesen, Baukeramik, Ofenkacheln, Sanitärkeramik, technisches Tonmehl u. Zierkeramik); 1978 – 90 Mitgl. der SED-BL Schwerin; 1981 – 90 Nachfolgekand. der Volkskammer; Juni 1990 nach Überführung der Kombinatsbetriebe in Kapitalgesellschaften Abberufung als GD u. Weiterbeschäftigung im Stammwerk Boizenburg als Verkaufsltr. Nach Übernahme der Fliesenwerke Boizenburg durch die Gail-Inax AG Giessen bis 2001 Verkaufsltr. für die Bundesländer Mecklenburg-Vorp., Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen u. Hessen; lebt in Zarrentin (Meckelnburg / Vorp.).Andreas Herbst

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Geggel, Heinz

* 11.11.1921 – ✝ 15.11.2000

Geb. in München in einer jüd. Fam.; Vater Kfm.; Mutter Näherin u. Büroaushilfe; 1928 – 36 Volksschule u. Realgymnasium in München, dort 1935/36 zunehmend antisem. Verfolgung, deswegen Apr. 1936 Abbruch des Gymn. u. Ausreise in die Schweiz; 1936 Emigr. über die Schweiz nach Belgien u. Frankreich; Apr. 1936 – Sept. 1938 Höhere Handelsschule in Neuchâtel (Schweiz); 1938 Austritt aus der Jüd. Gemeinde; Sept. 1938 – Mai 1940 Studium an der Höheren Handels- u. FS für Textiling. in Verviers (Belgien), nach Einmarsch der Wehrmacht Flucht nach Brüssel, dort interniert u. nach Frankreich abgeschoben; Mai 1940 – Aug. 1941 Internierung in St. Cyprien, Gurs u. Les Milles, Entlassung durch Freikauf; Aug. – Dez. in La Ciotat (Bouches-du-Rhône); Dez. 1941 mit der Fam. Emigr. über Casablanca nach Kuba; 1940 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1942 in Havanna Gelegenheitsarbeiten, 1943 Lehre, 1943 – 45 Arbeit als Diamantenschleifer in Havanna; Mitgl. der IG Metall in der Konföderation der Arbeiter Kubas; seit Sept. 1943 Mitgl. u. später 1. Sekr. des Komitees Dt. Antifa. in Kuba (im Kontext des Lateinamerikan. Komitees der Freien Dt. in Mexiko); 1944 KPD, befaßte sich mit der Registrierung der in Kuba lebenden dt. Nazis; Jan. 1946 Mitbegr. u. Präs. des Freundeskrs. Alexander von Humboldt – Kulturvereinigung dt.-sprechender Demokraten in Kuba; 1946/47 Mitarb. der sozialist. Ztg. »Hoy«; 1946 – 48 Dir. der vom Freundeskrs. hrsg. Ztschr. »Noticias de Alemania«; 1947 Angest. der Handelsfirma Comerimpex in Havanna. Nov. 1947 Rückkehr nach Dtl.; Jan. 1948 in Frankfurt (Main); Febr. 1948 nach Berlin; März 1948 SED; März – Dez. 1948 Red. in der Rundfunkred. der SMAD (»Studio Grünau«); Dez. 1948 – März 1949 Mitarb. der »Süddt. Sendung« beim Berliner Rundfunk; 1949 – 52 Red. der »Westsendung«, dann Ressortltr. für Innenpolitik beim Berliner Rundfunk; 1952 – 57 beim Staatl. Rundfunkkomitee, Mitarb. der Red.-Gruppe »Wir sprechen für Westdtl.«, später »Aus Dtl. für Dtl.«; Herbst 1953 Fachlehrer, 1953/54 PHS der SED; 1957 – 60 Intendant des Dtl.-Senders Berlin; 1956 – 60 Stellv. des Vors. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1960 – 62 Ltr. der Arbeitsgr. SPD der Westkommission beim PB; 1962 Sekr. der Westkommission; 1963 – 65 stellv. Ltr. der Westkommission; 1965 – 73 Ltr. der Westabt. des ZK der SED (Nachf. von  Arne Rehahn); Dez. 1973 – Nov. 1989 Ltr. der Abt. Agit. des ZK der SED (Nachf. von  Hans Modrow); 1949 – 90 Mitgl. der Ltg. der VVN bzw. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1963 – 71 Kand., 1971 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1969 – 89 Mitgl. des NR der NF; 1971 – 90 Mitgl. des Vorst. des VDJ; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959, 1964, 1970 VVO; 1968 u. 1971 Banner der Arbeit; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1978 u. 1981 Banner der Arbeit; 1980 Mitgl. der ZL der Komm. der Antifasch. Widerstandskämpfer; 1981 u. 1986 KMO; 1984 Held der Arbeit; Nov. 1989 auf eigenen Wunsch von seiner Funktion entbunden; gest. in Berlin.Bürger, U.: Das sagen wir natürlich so nicht! Donnerstag-Argus bei Herrn Geggel. Berlin 1990.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Gehmert, Manfred

* 1.11.1931

Geb. in Demmin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1946/47 Lehre u. bis 1949 Arbeit als Elektromechaniker; Dez. 1949 Eintritt in die DVP, dort HV Ausbildung, später KVP, ab 1956 NVA; 1949/50 VP-Schule in Rostock, Offz.; 1950/51 Offz.-Schule in Dresden; 1953 SED; 1952 – 56 Kompaniechef bzw. stellv. Bat.-Kdr. in Hohenstücken, 1956/57 Bat.-Kdr. in der 1. Mot.-Schützendiv. der KVP-Bereitsch. (ab 1.3.1956 1. Infantrieregt. der NVA), 1957/58 Offiziershörer an der HS für Offiziere in Dresden, 1958/59 1. Stellv. u. 1960 – 63 Regt.-Kdr. in der 1. Mot.-Schützendiv. in Oranienburg u. der 3. Mot.-Schützendiv. in Hohenstücken; 1963/64 Vorbereitungslehrgang, 1964 – 67 Studium an der Militärakad. »M. W. Frunse« in Moskau, Dipl.-Militärwiss.; 1967/68 Regt.-Kdr. u. 1968 – 71 1. Stellv. des Kdr. der 8. Mot.-Schützendiv. in Schwerin-Stern Buchholz; 1969 Oberst; 1971 – 73 Offiziershörer an der Militärakad. des Generalstabs der Streitkräfte der UdSSR, Dipl.-Militärwiss.; 1973 – 77 Kdr. der 9. Panzerdiv. (Nachf. von Walter Krysmann), 1977 – 79 Stellv. des Chefs des Militärbez. Neubrandenb. (Nachf. von Walter Krysmann); 1977 Gen.-Major; 1979 – 86 Chef des Militärbez. Neubrandenb. (Nachf. von  Joachim Goldbach); 1981 Gen.-Ltn., 1986 – 90 Kdr. der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden (Nachf. von  Hans-Joachim Wiesner), ord. Prof; VVO; Kampforden für Verd. um Volk u. Vaterland; lebt in Neubrandenb.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gehrmann, Karl

* 24.6.1895

Geboren am 24. Juni 1895 in Elbing; lernte Stellmacher und war bis zum Krieg als Zimmerer in Elbing tätig. Im Weltkrieg Soldat. Schloß sich der USPD an und kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Bis 1924 Zimmerer, dann hauptamtlicher Funktionär der KPD. Als Anhänger der Linken 1924 Orgleiter in Ostpreußen, dann Sekretär in Elbing, auf dem X.Parteitag der KPD 1925 wurde er in die Mandatsprüfungskommission gewählt. Nach dem »Offenen Brief« 1925 Anhänger der linken Opposition, im Oktober 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Gehrmann hatte die Mehrheit der Ortsgruppe Elbing hinter sich und wurde einer der Mitbegründer des Leninbundes, in dem er noch bis 1929 aktiv wirkte. Dann wurde er nach »Selbstkritik« wieder in die KPD aufgenommen. Weitere Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

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Geißler, Erhard

* 17.12.1930

Geb. in Leipzig; 1950 Abitur; 1950 – 55 Studium der Biol. an der Univ. Leipzig; 1950 – 56 SED (Austritt); 1955 Diplom; 1955 – 65 Assistent, Oberassistent, Abt.-Ltr. im Inst. für Experiment. Krebsforschung der DAW; 1959 Prom.; 1964 Habil. an der HU Berlin; 1965 Prof. für Genetik an der Univ. Rostock; 1968 – 72 Vors. der Ges. für reine u. angewandte Biophysik; 1972 – 74 Vors. der Ges. für physikal. u. mathemat. Biol.; 1971 – 91 Abt.-Ltr. im ZI für Molekularbiol. der AdW Berlin-Buch; 1972 – 90 Mitgl. des Präs. der Urania (Nachf. von Joachim Herrmann), 1990 Präs.; seit 1983 Konsultant des SIPRI; 1987 NP. 1991 – 94 Präs. Neue Urania e. V.; 1992 – 2000 im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Med. Berlin-Buch Ltr. der Forschungsgr. Bioethik, seitdem dort freier Mitarbeiter; lebt in Berlin. Internat. anerkannte Forschungen zur Strahlenbiol., Virol., Mikroben- u. Zellgenetik sowie zu eth. u. philosoph. Problemen der Biowissenschaften.Biological and Toxin Weapons Today. SIPRI book. Oxford 1986; Strengthening the Biological Weapons Convention by Confidence-Building Measures. SIPRI Chemical & Biological Warfare Studies Nr. 10. Oxford 1990; Prevention of a Biological and Toxin Arms Race and the Responsibility of Scientists. Berlin 1991 (hrsg. von E. G. u. R. H. Haynes); Control of Dual-Threat Agents: The Vaccines for Peace Programme. SIPRI Chemical and Biological Warfare Studies, Nr. 15. Oxford 1994 (hrsg. von E. G. u. J. P. Woodall); Biologische Waffen – nicht in Hitlers Arsenalen. Biologische u. Toxin-Kampfmittel in Dtl. 1915 – 45. Münster 1998. Hitler u. die Biowaffen. Münster 1998; Anthrax u. das Versagen der Geheimdienste. Berlin 2003. E. G. In: Pasternak, L. (Hrsg.): Wissenschaftler im biomedizin. Forschungszentrum: Berlin-Buch 1930 – 2004. Frankfurt (Main) 2004.Dieter Hoffmann

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Geißler, Lothar

* 10.12.1927

Geb. in Piesteritz; Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau; Volksschule; 1942 – 44 Lehre als Schlosser im Stickstoffwerk Piesteritz; Febr. bis Mai 1945 Wehrmacht; Mai – Dez. 1945 in brit. Kriegsgefangenschaft. 1946 Schlosser im Stickstoffwerk Piesteritz; 1946 SED; 1946 / 47 Betonarbeiter in Thale; 1947 – 50 Angeh. der Betriebsfeuerwehr im Eisenhüttenwerk Thale; 1950 Eintritt in die DVP; 1950 / 51 Politkultur-Ltr., Politlehrer u. Brandmeister im VPKA Halberstadt, Wernigerode u. Magdeburg; 1951 – 54 Schlosser u. Schmelzer im VEB Eisen- u. Hüttenwerke Thale u. 1. Sekr. der FDJ-Betriebsorg.; 1954 / 55 Direktstudium, anschl. Fernstudium an der PHS »Karl Marx«; 1955 – 60 1. Sekr. der SED-KL Bernburg; 1960 – 62 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Halle, 1962 amt. Vors.; von Juli 1962 bis Februar 1967 Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg; zeitweise auch Vors. des Bezirkslandwirtschaftsrats Neubrandenburg; 1967 / 68 Studium an der PHS »Karl Marx«; danach Arbeit in der Abt. Kader des Ministerrats.Andreas Herbst

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Genschow, Rudolf

* 6.9.1925

Geb. in Plauen; Vater Heizungsmonteur; Volksschule; 1940 – 43 Ausbildung zum u. Arbeit als Schlosser; 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Schlosser; 1946 KPD/SED; 1946 – 49 ABF, dann Studium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Volksw.; 1949 Doz. an der DVA; 1953 Einstellung beim MfS, Kabinettltr. an der Schule der HA XV (später HV A); 1958 stellv. Ltr. der HV A-Schule; 1959 stellv. Ltr. der HV A-Abt. I (Staatsapparat der Bundesrep. Dtl.); 1974 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1974 Oberst; 1975 Ltr. der HV A-Abt. I; 1984 Offz. für Sonderaufgaben bei der HV A-Ltg.; 1985 Ltr. des HV A-Bereichs K (Nutzung legaler Beziehungen); 1988 Ltr. der HV A-Abt. XVI (Nutzung legaler Beziehungen); 1989/90 Entlassung.Jens Gieseke

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Gentzel, Heiko

* 9.1.1960

Geb. in Erfurt; Vater Bauing.; Mutter Krankenschwester; 1966 – 76 POS; 1976 – 78 Ausbild. zum Landmaschinenschlosser; 1979/80 NVA; 1980 – 89 Reparaturschlosser im Kombinat für Landtechnik Erfurt u. Automobilwerk Eisenach; 1989 Gründungsmitgl. der SDP Eisenach; 1989/90 Mitgl. am Runden Tisch gegen Amtsmißbr. u. Korrupt. im Landkrs. Eisenach; Jan. 1990 – 92 Vors. des SPD-KV Eisenach; Mai 1990 – 94 Abg. im Kreistag Eisenach, dort stellv. SPD-Frakt.-Vors. Seit Okt. 1990 MdL Thür., 1992 – 99 parl. Geschäftsf. der SPD-Frakt.; stellv. Vors. der AG für Arbeitnehmerfragen der SPD; 1996 – 2000 Vors. der SPD Eisenach u. seit 1999 Stadtrat in Eisenach, dort Vors. des Rechnungsprüfungsaussch; 1999 – 2004 Vors. der SPD-Frakt. im Thür. Landtag; Vors. der August-Bebel-Gesell.Helmut Müller-Enbergs

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Gercke, Hans-Hermann

* 20.7.1941

Geb. in Grabow (Mecklenb.); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser im VEB Baustoffmaschinen Ludwigslust, Facharbeiter; 1958 – 61 Studium an der Ingenieurschule für Schwermaschinenbau Karl-Marx-Stadt, 1961 Ing.; 1961 – 64 Produktionslenker u. stellv. Produktionsdir. im VEB Baustoffmaschinen Ludwigslust; 1964 SED; 1964 – 69 Dir. für Prod. bzw. amt. Betriebsdir., 1970 Dir. für Technik im VEB baukema; 1976 – 82 Betriebsdir. des VEB EBAWE Baustoffmaschinen Eilenburg; 1982 – 90 GD VEB Kombinat ORSTA-Hydraulik Leipzig.Andreas Herbst

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Gerhardt, Horst

* 24.2.1935

Geb. in Magdala (Thür.); Vater Arbeiter; 1953 Abitur, 1954 – 59 Studium der Fächer Bergbau u. Tiefbau an der Bergakad. Freiberg, 1959 Dipl.-Ing.; 1959 – 64 Assistent, Steiger, Technologe u. Ltr. der Bergbautechnol. des VEB Bleierzgruben »Albert Funk« in Freiberg; Honorardoz. an der Berging.-Schule in Eisleben; 1964 Assistent bzw. Oberassistent am Inst. für Bergbaukunde/Tiefbau der Bergakad. Freiberg; 1965 – 67 Abt.-Ltr. im Wiss.-Techn. Zentrum Erzbergbau in Sangerhausen; 1967 SED; 1968 – 72 Haupttechnologe im VEB Mansfeldkombinat »Wilhelm Pieck« in Eisleben, 1972 – 80 Techn. Ltr. des Werkes Kupferbergbau; 1969 Prom. zum Dr.-Ing., 1971 Honorardoz. für Bergbaukunde an der Ing.-Schule in Senftenberg; 1980 Habil., Berufung zum Prof. u. 1988 – 91 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Hans-Heinz Emons). 2000 em.; Mitgl. der Sächs. AdW zu Leipzig; seit 2002 Mitgl. des Konvents für Technikwiss. der Union Dt. Akad. der Wiss. »acatech«, lebt in Freiberg.Andreas Herbst

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Gerlach, Hans-Martin

* 10.12.1940

Geb. in Wimmelburg/Eisleben; Vater Bergmann; ab 1947 Grundschule, 1959 Abitur an der Martin-Luther-OS Eisleben; 1959 – 64 Studium der Philos. mit Nebenfach dt. Lit.-u. Kunstgeschichte an der KMU Leipzig; 1963 SED; 1964 – 69 wiss. Assistent am Inst. für Philos. der MLU Halle, 1968 Prom. mit der Arbeit »Die polit. Philos. Karl Jaspers«, 1979 – 75 wiss. Oberass., 1975 Habil. zum Thema »Von der Existenz zum Sein. Existenzphilosophie v. Jaspers u. Heidegger«; 1976 – 82 Doz. u. 1984 ord. Prof. für Geschichte der Philos. an der MLU; ab 1983 Mitgl. u. 1990 kurzz. Vors. des Wiss. Beirates für Philos. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen. 1991 nach Abwickl. der Sektion marxist.-leninist. Philos. trotz positiver Evaluierung an der MLU nicht weiter beschäftigt; 1990 – 98 Vors. der Förder- u. Forschungsgemeinschaft Friedrich Nietzsche e. V. (seit 1998 Nietzsche-Ges.); 1991 – 93 ABM-Beschäftigung zur Aufarb. der Universitätsgeschichte (während der Zeit der Aufklärung) in Vorbereitung auf das 300. Gründungsjubiläum der MLU; 1993 – 97 Vertretungsprof. am Phil. Seminar der Johannes-Gutenberg-Univ. zu Mainz, anschl. dort ord. Prof. für Philos. u. Ltr. der Kant-Forschungsstelle; seit 1999 Mitgl. des Vorstandes der Kant-Ges. in Dtl.; 2005 em.; lebt in Leipzig.Existenzphilos. u. Politik. Berlin 1974; Bürgerl. Philosophieren in unserer Zeit. Berlin 1982 (mit -> R. Mocek); Martin Heidegger. Denk- u. Irrwege eines spätbürgerl. Philosophen. Berlin 1982; Existenzphilosophie – Karl Jaspers. Berlin 1987; Husserl in Halle. Frankfurt (Main) 1994 (mit H. R. Sepp); Christian Wolff – seine Schule u. seine Gegner. Hamburg 2001 (Hrsg.); Ausgänge. Zur DDR-Philos. in den 70er u. 80er Jahren. Berlin 2009 (Hrsg. mit H.-C. Rauh).Hans-Christoph Rauh

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Gerster, Ottmar

* 29.6.1897 – ✝ 31.8.1969

Geb. in Braunfels (Lahn); Vater Neurologe; Mutter Pianistin; Gymnasium in Wetzlar; Violin- u. Klavierunterricht; 1913 – 20 Besuch des Hochschen Konservatoriums Frankfurt (Main), dort Bekanntschaft mit Paul Hindemith; 1916 – 18 Militärdienst; Konzertmstr. 1920/21 in Bad Homburg u. 1921 – 23 beim Sinfonieorchester Frankfurt (Main); 1923 – 27 dort Solobratscher, zugl. im Lanzewski- bzw. Witek-Quartett; 1927 – 47 Doz. an der Folkwangschule Essen, daneben Ltr. von Chören des Dt. Arbeiter-Sängerbunds; nach 1933 schwankte G. zwischen Anpassung (Auftragskompositionen, u. a. Kampfchoral der Dt. Christen »Ihr sollt brennen«) u. Distanz zum NS-Regime; 1939 fünf Mon. Wehrmacht, Straßenbausold.; 1941 Schumann-Preis der Stadt Düsseldorf; ab 1943 Auftragskompositionen für die Reichsstelle für Musikbearbeitung für die Oper »Rappelkopf«, 1943 Oper »Das verzauberte Ich«; 1943 – 45 nach Ausbombung in Landshut; 1944 Aufnahme in Hitlers »Gottbegnadeten-Liste«, daher Befreiung vom Kriegsdienst; Rückkehr nach Essen. Nach 1945 Aufnahme in die »Schwarzen Listen« der US-Militärreg.; 1945 – 47 Ltr. des Volkschors Werden in Essen; 1947 Übersiedl. in die SBZ, SED; 1947 – 51 Prof. für Komposition u. Musiktheorie an der HS für Musik Weimar; 1948 – 51 Rektor (Nachf. von Walter Schulz); 1951 – 62 Prof. für Komposition u. Musiktheorie an der HS für Musik Leipzig; 1950 eines der Gründungsmitgl. der DAK; Übernahme einer Mstr.-Kl.; 1951 – 60 Vors. des VDK; 1951 NP; 1962 VVO; Kunstpreis der Stadt Leipzig; 1962 em.; 1967 NP; komponierte Kammer- u. Orchestermusik, u. a. drei Sinfonien, Massenlieder u. Opern, u. a. »Enoch Arden« (1936), »Die Hexe von Passau« (1941), »Das verzauberte Ich« (Oper 1949), »Eisenhüttenkombinat Ost« (Kantate, Text  H. Marchwitza, 1951), »Der fröhliche Sünder« (Oper 1963), Ballett »Der ewige Krs.«; gest. in Borsdorf (b. Leipzig).Goldhammer, O.: O. G. Berlin 1953; Laux, K.: O. G. Leben u. Werk. Leipzig 1961; Pischner, H.: Premieren eines Lebens. Autobiogr. Berlin 1986; Malth, R.: O. G. Leben u. Werk. Leipzig 1988; Prieberg, F. K.: Handbuch Dt. Musiker 1933 – 1945. Kiel 2004.Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

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Geschke, Ottomar

* 16.11.1882 – ✝ 17.5.1957

Geb. in Fürstenwalde (Spree); Vater Schmied; Mittelschule; Ausbildung zum Schlosser; Arbeit als Monteur; 1910 SPD u. DMV; 1916/17 Militärdienst, entlassen wegen Krankheit, Zuteilung zum RAW in Berlin; 1917 USPD; 1919 KPD; versch. gewerkschaftl. u. Parteifunktionen auf regionaler u. zentr. Ebene; ab Mai 1923 Mitgl. der KPD-Zentr., 1924 – 46 des ZK der KPD; 1925 – 27 Mitgl. des PB, 1925 – 27 Mitgl. u. Sekr. des Org.-Büros des ZK, 1921 – 24 Abg. des Preuß. Landtags; 1923 – 33 Funktionen in der Zentr. bzw. im ZK der KPD; 1924 – 32 Abg. des Dt. Reichstags; 1924 als »Gebhardt« Teiln. am V. Weltkongreß der KI, dort zum Mitgl. des EKKI u. seines Sekr. gewählt; 1929/30 Mitgl. u. Geschäftsf. im ZV der RHD, danach Instrukteur für die Arbeit unter Arbeitslosen; 28.2.1933 verhaftet, »Schutzhaft«, Zuchthaus Spandau, 1933/34 KZ Sonnenburg, 1934 – 37 KZ Lichtenburg u. von 1937 – 40 im KZ Buchenwald; ab 1940 Arbeit unter Polizeiaufsicht als Schlosser bei der Maschinenfabrik Schäfer in Köslin (Pommern); Juli 1944 – 1.5.1945 erneut Haft im KZ Sachsenhausen, zul. Evakuierungsmarsch. 11.6.1945 Mitunterz. des Aufrufs der KPD u. 19.6. des Aktionsabkommens von KPD u. SPD; 1945/46 ZK der KPD u. Vors. der BL Groß-Berlin der KPD; 19.5.1945 – Dez. 1946 Stadtrat für Sozialwesen beim Magistrat von Groß-Berlin; Mitbegr. des Hauptamtes OdF beim Magistrat von Groß-Berlin; Nov. 1946 – Sept. 1948 stellv. Stadtverordnetenvorsteher; 1946 – 53 Mitgl. des LV bzw. der BL Berlin der SED; ab 1946 Präs. der Volkssolidarität Groß-Berlin; 1947 – 53 Vors. der VVN für die SBZ bzw. DDR, danach Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR u. des Rats der gesamtdt. VVN; 1947/48 Dir. des Verlags Volk u. Welt; 1948 – Mai 1950 Hauptref. in der Abt. Arbeit u. Soziales der DWK bzw. in der Abt. VdN im Min. für Arbeit u. Gesundheitswesen, anschl. Pensionär; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer, ab 1954 der Länderkammer der DDR; gest. in Berlin.Wierskalla, S.: Die VNN in der SBZ u. in Berlin 1945 – 1948. München 2007; VVN (Hg.): 60 Jahre VVN. Berlin 2007; Gleising, G.: Die VVN. Bochum 2008.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs