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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Geschke, Ottomar

* 16.11.1882 – ✝ 17.5.1957

Geboren am 16. November 1882 in Fürstenwalde/Spree, Sohn eines Schmieds; er besuchte die Knaben-Mittelschule, lernte Schlosser und ging anschließend auf Wanderschaft und war dann bei der Eisenbahn tätig. 1910 Mitglied der SPD, gehörte in Berlin zum linken Flügel. Geschke wurde 1916/17 Soldat, im Januar 1918 wegen Krankheit entlassen, dann Monteur beim Werkstättenamt der Reichsbahndirektion Berlin. Anhänger der Spartakusgruppe, trat 1917 zur USPD über. 1918 Mitglied der Revolutionären Obleute Berlins, ab 10. November 1918 war er im Berliner Arbeiter- und Soldatenrat. Seit Parteigründung 1919 in der KPD, nahm Geschke am sogenannten Spartakusaufstand teil und befand sich von Juni bis November 1919 in »Schutzhaft«. Ab November 1919 Sekretär der Betriebsrätezentrale Berlin, er saß auch in der engeren Leitung der KPD Berlin-Brandenburg, war seit Dezember 1920 2. Orgsekretär und wurde auf dem VII. Parteitag 1921 in den ZA berufen. Von 1921 bis 1924 Abgeordneter des Preußischen Landtags (Wahlkreis Berlin), 1921 wurde er zum Vorsitzenden des Berliner Eisenbahnerverbandes gewählt, aber vom Hauptvorstand nicht bestätigt. In den folgenden Jahren spielte Geschke als einer der Führer der linken Opposition in der KPD eine Rolle. Auf dem VIII. Parteitag 1923 von den Linken als Mitglied der Zentrale vorgeschlagen, aber nicht gewählt, doch im Mai 1923 berief ihn dann der ZA (ebenso wie Ruth Fischer, Ernst Thälmann und Arthur König) in die Zentrale. Während der Vorbereitung des Oktober 1923 gehörte er zum Militärapparat (Pseudonym: Eisbär), in dem er bis 1926 tätig war. Nachdem die Linken 1924 die Parteiführung übernahmen, wurde Geschke auf dem IX. Parteitag in die Zentrale gewählt. Neben Werner Scholem leitete er die Orgarbeit der KPD und führte die Bolschewisierung durch. Unter dem Decknamen Gebhardt berief ihn der V. Weltkongreß der Komintern 1924 zum Mitglied und Sekretär ins EKKI-Präsidium. Da Scholem 1925 die ultralinke Opposition gegen die Fischer-Führung leitete, übernahm Geschke hauptverantwortlich die Orgarbeit. Auf dem X. Parteitag 1925 verteidigte er vehement die Ruth-Fischer-Führung und fuhr den Jugenddelegierten unter Konrad Blenkle grob über den Mund, als diese opponierten. Geschke wurde nunmehr auch ins Polbüro gewählt. Als die Komintern-Führung mit dem »Offenen Brief« 1925 die Fischer-Führung absetzte, rückte Geschke ebenso schnell von dieser ab. Er war neben Thälmann und Philipp Dengel der prominenteste deutsche Linke, den die Komintern zu sich herüberziehen konnte. Im Dezember 1924 im Wahlkreis Potsdam in den Reichstag gewählt, dem er ununterbrochen bis 1932 angehörte. 1927 wieder ins ZK berufen und verantwortlich für die Funktionärszeitschrift »Der Parteiarbeiter«. Da er sich bei der Wittorf-Affäre 1928 von Thälmann distanzierte, wurde er in den Hintergrund gedrängt. Zwar wurde er auch 1929 wieder ins ZK gewählt, bekam aber keine wichtigen Funktionen mehr. Im Juli 1932 auch nicht mehr MdR, abgeschoben als Sekretär der RHD, danach Instrukteur für die Arbeit unter den Erwerbslosen. Am 28. Februar 1933 wurde Geschke verhaftet, kam zunächst ins Zuchthaus, anschließend ins KZ, von 1937 bis 1940 KZ Buchenwald. 1940 unter Auflagen entlassen, arbeitete er unter Polizeiaufsicht als Schlosser in Köslin/Pommern. Im Juli 1944 erneut verhaftet und bis Ende April 1945 im KZ Sachsenhausen. Erst auf dem Evakuierungsmarsch von der Roten Armee befreit, kehrte Geschke nach Berlin zurück und wurde auf Empfehlung Walter Ulbrichts am 19. Mai 1945 durch Befehl des sowjetischen Generalobersten Nikolai Bersarin Stadtrat für Sozialwesen im ersten Berliner Nachkriegsmagistrat. Im Juni 1945 Mitunterzeichner des Aufrufs der KPD, Vorsitzender der ersten BL der KPD Groß-Berlin, aber bereits im Juli von Waldemar Schmidt abgelöst. Bei Gründung der VVN 1947 zum Vorsitzenden dieser Organisation gewählt, trat Geschke in der SED nicht mehr besonders hervor, er wurde auch niemals Mitglied des Parteivorstandes bzw. des ZK der SED. 1947/48 Direktor des Verlages Volk und Welt und von Ende 1948 bis Mai 1950 Hauptreferent in der Abteilung Arbeit und Soziales der DWK bzw. im Ministerium für Arbeit und Gesundheitswesen, ab 1950 Pensionär, erhielt er 1954 den VVO in Silber. Ottomar Geschke starb am 17. Mai 1957 an einem Herzschlag in Ost-Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Geyer, Curt

* 19.11.1891 – ✝ 24.6.1967

Geboren am 19. November 1891 in Leipzig als Sohn des sozialdemokratischen Funktionärs Friedrich Geyer. Nach der Oberrealschule studierte er von 1911 bis 1914 an der Universität Leipzig und promovierte zum Dr. phil. Curt Geyer trat 1911 der SPD bei und fing 1914 als Redaktionsvolontär in Leipzig an, wurde dann Redakteur bei der »Fränkischen Tagespost« in Nürnberg, von 1915 bis 1917 Redakteur des »Fränkischen Volksfreunds« in Würzburg und von 1917 bis 1920 bei der »Leipziger Volkszeitung«. Er ging 1917 zur USPD und war während der Novemberrevolution Mitglied und ab Februar 1919 Vorsitzender des engeren Ausschusses des Arbeiterrates von Leipzig, dann im Dezember 1919 und im April 1920 Delegierter zu den Reichrätekongressen in Berlin. Geyer stand auf dem linken Flügel der USPD, übernahm im Sommer 1920 die Leitung der »Hamburger Volkszeitung«. Auf dem Spaltungsparteitag in Halle im Oktober 1920 wurde er zum Beisitzer in das ZK der USPD-Linke gewählt, schließlich im Dezember 1920 (bis Mai 1921) Mitglied der Zentrale der VKPD. Er hatte bereits der Nationalversammlung angehört und war im Juni 1920 für die USPD als Abgeordneter in den Reichstag gekommen. Da er Paul Levis Kritik an der März-Aktion unterstützte, forderte die Mehrheit im ZA im April 1921 u. a. auch Curt Geyer auf, sein Reichstagsmandat zur Verfügung zu stellen. Geyer weigerte sich, sein Mandat zurückzugeben, was der ZA mißbilligte. Nachdem der III. Weltkongreß der Komintern im Sommer 1921 die Haltung Levis verurteilte, wurde auch Curt Geyer offiziell auf dem VII. Parteitag im August 1921 aus der VKPD ausgeschlossen. Er ging zunächst wie viele andere ausgeschlossene Funktionäre zur KAG, im Februar 1922 zur USPD bzw. im September 1922 zur SPD. 1923 erschien Geyers bekanntestes Buch »Der Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung. Ein soziologischer Versuch«. Von März 1924 bis Anfang 1933 arbeitete Geyer als Redakteur beim »Vorwärts«, emigrierte im Oktober 1933 in die Tschechoslowakei, wo er als Chefredakteur des »Neuen Vorwärts« unter dem Pseudonym Max Klinger schrieb. 1934 erschien in Karlsbad seine Anti-Nazi-Schrift »Volk in Ketten«. Geyer war ein scharfer Gegner der »Einheitsfront« mit den Kommunisten. Ende 1937 gelangte er nach Frankreich und 1941 über Lissabon nach Großbritannien, er verließ die SPD. Nach 1945 britischer Staatsangehöriger, war er Auslandskorrespondent westdeutscher Zeitungen in London. Während eines Kuraufenthaltes in der Schweiz starb Curt Geyer am 24. Juni 1967 in Lugano. 1976 erschienen posthum seine Erinnerungen »Die revolutionäre Illusion. Zur Geschichte des linken Flügels der USPD«.

Wer war wer in DDR

Geyer, Heinz

* 30.4.1929 – ✝ 3.6.2008

Geb. in Lauban (Niederschles./Lubań, Polen); Vater Friseur, Mutter Arbeiterin; Volksschule; 1943/44 Ausbildung zum Friseur; 1944 dienstverpflichtet; Jan. 1945 Soldat der Roten Armee. 1945 KPD/SED; Forts. der Ausbildung; Friseur; 1949 Einstellung bei der VP, Kursant der VP-Schule; 1950 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Görlitz, 1951 Krs.-Dienststelle Leipzig; 1952 Ltr. der Abt. II (Spionageabwehr); 1953 – 64 stellv. Operativ des Ltr. der BV Leipzig; 1958 kommissar. Ltr., Sept. – Dez. 1960 zum MfS Berlin kommandiert; 1964 Versetzung zur HV A-Abt. III, Ltr. der Beratergr. in Sansibar; 1960 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1965 stellv. Ltr. der Abt. III der HV A; 1968 zeitw. Ltr. der HV A-Einsatzgr. in der ČSSR; 1971 Ltr. der Abt. XI der HV A; 1973 Ltr. der HV A IX (westl. Geheimdienste); 1977 stellv. Ltr. der HV A; 1978/79 Besuch der PHS; 1982 außerdem Ltr. des Stabs der HV A, Gen.-Major; 1985 VVO; 1990 Entlassung; 1994 – 2002 im Wachschutz tätig; gest. in Berlin.Zeitzeichen. 40 Jahre in Spionageabwehr u. Aufklärung. Berlin 2007. Müller-Enbergs, H.: Tod der Tschekisten. In: Dtl. Archiv (2008) 4.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Gies, Gerd

* 24.5.1943

Geb. in Stendal; 1961 Abitur; 1961/62 Tierpfleger im VEG (Z) Kölitzsch, 1962/63 in der Bez.-Tierklinik Stendal; 1963 – 69 Studium der Veterinärmed. an der KMU Leipzig; 1970 Referent des Kreistierarztes in Osterburg; 1970 – 81 Tierarzt in der staatl. Tierärztl. Gemeinschaftspraxis im Krs. Osterburg; 1973 Prom. an der KMU; 1981 – 84 Tierarzt im Krs. Stendal; 1984 – 90 Obertierarzt im VEB Fleischkombinat Magdeburg, Betriebsteil Stendal; 1987 – 90 Mitgl. des CDU-KV Stendal; Dez. 1989 – Okt. 1990 Mitgl. des CDU-Parteivorst.; Febr. 1990 – Nov. 1991 Landesvors. der CDU Sachsen-Anh.; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. 1990 – 92 Mitgl. des CDU-Bundesvorst.; 1990 – 98 MdL Sachsen-Anh.; 28.10.1990 – 4.7.1991 Ministerpräs. des Landes Sachsen-Anh., Rücktritt nach Vorwürfen in den Medien, Abgeordnete des Landtags auf unlautere Weise mit Informationen über deren mutmaßl. frühere Verbindungen zum MfS zum Verzicht auf ihr Mandat gedrängt zu haben; 1998 – 2003 Vorstandsmitgl., 2000 – 02 Vorstandsvors. der Electrabel Dtl. AG, danach Vertreter dieser Firma; 2. Vors. im Bundesverb. Neuer Energieanbieter; 2006 Gründungsmitgl. u. Vors. des Freundeskreises »Korvette Magdeburg« (Betreuung der Besatzung der Korvette).Untersuchung zur passiven Immunisierung neugeborener Kälber. Leipzig 1973 (mit B. Schütze).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gietzelt, Fritz

* 21.12.1903 – ✝ 29.5.1968

Geb. in Frankenberg (Sachsen); Vater Postbeamter; Fürstenschule (Gymnasium) Grimma; 1925 – 33 Med.-Studium in Leipzig, Graz u. Düsseldorf; 1933 – 39 Assistenzarzt an der Inneren Klinik des Krankenhauses St. Georg in Leipzig; hier 1935 Prom. über »Diabetes mellitus bei Zwillingen«; 1939 – 44 private Praxis für Magen- u. Darmkrankheiten in Leipzig; Juni 1944 Verhaftung wegen Widerstands gegen das NS-Regime, Dez. 1944 vom VGH zum Tode verurteilt, Jan. 1945 zur Urteilsvollstreckung nach Dresden verbracht, während des Bombenangriffs vom 13./14.2.1945 Flucht aus dem Gefängnis; lebte bis zum Kriegsende illeg. in Meißen. Juli 1945 KPD; 1946 SED; Rückkehr nach Leipzig; Juli 1945 – Dez. 1946 Oberarzt am Krankenhaus St. Georg u. an der Med. Univ.-Klinik im Stadtkrankenhaus St. Jakob in Leipzig; Dez. 1946 kommissar. Ltr. des Univ.-Röntgeninst.; 1950 hier Habil. über »Röntgentherapie u. Blutgerinnungsmethoden«; 1951 Prof. mit vollem Lehrauftrag; 1951 ord. Prof. an der HU Berlin als Ltr. des Inst. für Röntgenol. u. Radiol. u. Dir. der Geschwulstklinik der Charité; 1951 – 62 Prorektor für Forschung der HU, maßgebl. an der Einführung des nat. Krebsregisters in der DDR beteiligt; 1962 – 66 Mitgl. des Präs. des Rats für Planung u. Koordinierung der med. Wiss. beim Min. für Gesundheitswesen; 1964 Ord. Mitgl. der DAW; Teilnehmer der Konferenz über die Atombombenschäden in Hiroshima; 1966 Mitarb. im Staatl. Amt für Atomsicherheit u. Strahlenschutz beim Min.-Rat; 1958 Mitgl. des Weltfriedensrats; 1955 VVO, 1960 NP; gest. in Berlin.Oelßner, W.: F. G. (1903 – 1968). In: Namhafte Hochschullehrer der KMU Leipzig. Bd. 8. Leipzig 1986.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Gilsenbach, Reimar

* 16.9.1925 – ✝ 22.11.2001

Geb. in einer Anarchistensiedlung bei Vörde (Niederrhein); 1932 Freie Schule Duisburg, 1933 Volks-, 1938 Aufbauschule in Dresden; nach Tod des Vaters ab 1935 Pflegeeltern in Fördergersdorf b. Tharandt; 1943/44 RAD, Wehrmacht; 1944 bei Narva zur Roten Armee übergelaufen; 1944 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1947 Rückkehr nach Dtl.; Heimkehrerabitur; bis 1949 Red. der »Sächs. Ztg.«, aus pol. Gründen fristlos entlassen; 1951 – 61 Red. der KB-Ztschr. »Natur u. Heimat«; bis 1989 Mitgl. der Zentr. Kommission Natur u. Heimat des KB u. des ZV der Ges. für Natur u. Umwelt; seit 1961 freischaff. Schriftst.; 1964 – 83 Freundschaft mit  Robert Havemann; 1976 Mitunterz. der Resolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1984 – 88 vom MfS im OV »Schreiber« erf.; ab 1984 Texter gem. Liederprogramme mit Hannelore Kurth. G. lebte seit 1975 in Brodowin am Rande des Naturschutzgebiets Plagefenn im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin; in zahlr. Reportagen, Sachbüchern, Liedertexten u. Romanen setzt er sich gegen alle staatl. Widerstände für den Naturschutz ein; 1981 Initiator der Brodowiner Gespräche über das menschl. Verhalten zur Umwelt; seit 1965 Engagement für die Kultur u. Bürgerrechte der Sinti u. Roma, lieferte eine der ersten krit. Beschreibungen ihrer Situation in der DDR (»Oh Django, sing Deinen Zorn! Sinti u. Roma unter den Dt.« Berlin 1993); Mitgl. des Romani PEN-Clubs; Mitgl. des VDS; 1989 Mitbegr. der Grünen Liga in der DDR. 1994 Erwin-Strittmatter-Preis für Umweltlit. des Landes Brandenb.; Mitbegr. des Bundes für Naturvölker e. V.; 2000 Hugo-Conwetz-Med. des dt. Naturschutzes; gest. in Brodowin.Die Erde dürstet. Berlin 1961; Rund um die Natur. Leipzig 1982; Jakobsleiter. Berlin 1986; Weltchronik der Zigeuner. Bd. 1. Frankfurt (Main) 1993; Rußlands Zigeuner: Ihre Geschichte u. Gegenwart. Berlin 1994; Von Tschudemann zu Seemann. Berlin 2000; Wer im Gleichschritt marschiert, geht in die falsche Richtung. Berlin/Bonn 2004 (Autobiogr.).Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Giwan, Heinrich

* 1.8.1881 – ✝ 26.2.1957

Am 1. August 1881 in Rosendorf geboren; Hilfsarbeiter, später zum Maschinisten ausgebildet. Nach Ableistung der Militärzeit Übersiedlung nach Berlin. 1902 Eintritt in die SPD, 1917 Übertritt zur USPD, 1920 KPD. Stadtverordneter in Berlin, dort seit 1923 Polleiter des wichtigen Bezirks Wedding. 1924 hauptamtlicher Funktionär zunächst in der Gewerkschaftsabteilung der BL Berlin-Brandenburg, dann in der Orgabteilung. Giwan war einer der Wortführer der Berliner KP in der Ruth-Fischer-Ära. Er war nach der Abspaltung der ultralinken Opposition im Mai 1925 aktiver Anhänger dieser Gruppe. Giwan war Teilnehmer der Erweiterten EKKI-Sitzung im Mai 1925, dort sowohl KPD-Vertreter in der Holländischen Kommission als auch auf der Orgkonferenz der Komintern. Als Delegierter des X. Parteitags 1925 kam er für die ultralinke Opposition in die Politische Kommission des Parteitages. Bei der Spaltung der Ultralinken 1926 ging er zu den »Entschiedenen Linken« von Karl Korsch. Am 1. Oktober 1926 aus der KPD ausgeschlossen »wegen konterrevolutionärer Handlungen gegen Sowjetrußland« (er hatte die russischen Proletarier zu verschärftem Klassenkampf und zur Vorbereitung einer zweiten Revolution aufgerufen). Wieder als Arbeiter beschäftigt, trat Giwan noch 1926 von der Korsch-Gruppe zur Kommunistischen Arbeiterpartei über und war bis 1933 Mitglied der KAP. Da er bereits vor 1933 von Wedding nach Spandau verzogen war, blieb den örtlichen NS-Behörden seine politische Einstellung unbekannt, und er entging dadurch Gestapo-Verfolgungen. Nach 1945 betätigte er sich nicht mehr politisch, wohnte als Rentner in West-Berlin, wo Heinrich Giwan am 26. Februar 1957 starb.

Wer war wer in DDR

Glaser, Heinz

* 18.1.1920 – ✝ 29.7.1978

Geb. in Dresden; Vater Kleinhändler; Volksschule; Ausb. zum Schlosser, anschl. im Beruf tätig; 1932 / 33 Mitgl. des Arbeitersportvereins Dresden-Neustadt; 1934 / 35 Studium an der Techn. Lehranstalt; 1941 – 45 Wehrmacht. 1945 KPD; 1945 Ltr. der Kaderabt. der KPD Dresden-Radeberg; 1946 hauptamtl. SED-Sekr.; 1947 Studium, 1948 / 49 Lehrer u. Seminarltr. an der SED-LPS Sachsen in Ottendorf; 1949 Mitgl. des Sekr. der SED-KL Dresden; 1950 –52 2. Sekr. der SED-Landesltg. Sachsen (Nachf. von Arthur Schliebs); 1951 / 52 Abg. des Sächs. Landtags; 1952 / 53 Ltr. der Abt. Ltd. Organe im ZK der SED; 1953 / 54 Abg. des Bez.-Tags Halle; 1953 / 54 1. Sekr. der SED-BL Halle (Nachf. von  Bernard Koenen); 1954 / 55 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1955 – Aug. 1959 1. Sekr. der SED-BL Gera (Nachf. von  Otto Funke), abgesetzt wegen »ungenügender kollektiver Arbeit«; 1958 – 63 Abg. des Bez.-Tags Gera; 1959 – 64 Red. bei der »Sächs. Ztg.«; 1966 / 67 Schlosser in der Montageabt. der Reichsbahn-Brückenwerkstatt Dresden-Friedrichstadt; März 1967 Ausschluß aus der SED; 1967 – 69 Betriebsschlosser, Niederdruckheizer in Dresden; 1969 Ltr. der Abt. Verwaltung bei der »Weißen Flotte« in Dresden; 1969 – 75 Fräser, Schleifer bzw. Schlosser im VEB RFT Meßelektronik bzw. VEB »Polypack« Dresden; von Januar 1976 bis Juni 1977 Mitarbeiter des Staatsarchivs Dresden; ab Juli 1977 invalidisiert; gest. in Dresden.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Glass, Bernhard

* 6.11.1957

Geb. in Stapelburg (Harz); Dez. 1970 Beginn mit dem Rennschlittensport in Stapelburg, später bei der BSG Motor Ilsenburg (Harz); 1972 2. Platz bei der Jugendspartakiade; 1973 Wechsel ins Rennschlittenzentrum der DDR; KJS in Oberhof u. Mitgl. des ASK Vorwärts Oberhof (Trainer: Gottfried Legler); Spezialdisz.: Herren-Einsitzer; 1979 3. Platz bei den EM; 1980 Olympiasieger; Studium der Elektrotechnik in Ilmenau; bis Anf. 1990 NVA, Ltn. der NVA a. D. Ab 1992 Rennschlittentrainer in Winterberg; angestellt bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Oberhof.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Glende, Gisela

* 30.10.1925

Geb. in Lengefeld (Erzgeb.); Vater Metalldrücker; Volksschule; kfm. Ausbildung an der Höheren Handelsschule u. Arbeit als Angest. u. Kontoristin in der Kunstharzpresserei Lengefeld. 1945/46 KPD/SED; 1945 – 48 Stenotypistin bzw. Ltr. der Personalabt. der SED-KL Marienberg, zul. Sekr. für Agit.-Prop. der SED-KL Marienberg; 1949/50 u. 1955 – 60 Lehrgang bzw. Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; Jan. 1951 – 68 stellv. Ltr. des Büros des Sekr. des ZK bzw. des PB der SED; 1959 VVO; ab 24.9.1968 – 86 Ltr. des Büros des PB des ZK der SED (Nachf. von  Otto Schön); 1969 VVO u. Clara-Zetkin-Medaille; 1971 – 86 Mitgl. des ZK, 1986 – 89 Mitgl. der ZRK; 1975 VVO u. Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1981 Banner der Arbeit; 1984 Ehrenspange zum VVO; Okt. 1985 u. Juni 1986 KMO; verh. mit  Günter G.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Globig, Fritz

* 25.1.1892 – ✝ 24.2.1970

Als Sohn eines Schneidermeisters, der elf Kinder hatte, am 25. Januar 1892 in Leipzig geboren. Globig verlebte eine harte Kindheit, als Vierjährigem wurde ihm von einer Straßenbahn der rechte Unterarm abgefahren. Obwohl streng christlich erzogen, kam er über die Gewerkschaft bald zur sozialistischen Jugendbewegung. Von April 1906 bis 1910 Lehre als Chemigraph. Auf Wanderschaft fand Globig 1911 Arbeit in Stuttgart, dann in Dresden und Genf. Bei Kriegsausbruch nach Berlin, hier in der sozialistischen Jugendorganisation für die Spartakusgruppe aktiv. Als Vertreter der oppositionellen sozialistischen Jugend Berlins Teilnehmer der Gründungskonferenz der Spartakusgruppe im Januar 1916 und der Reichskonferenz im Oktober 1918. Auf dem Gründungsparteitag der KPD als Jugenddelegierter in die Programmkommission gewählt. Im Verlag der Jungen Garde erschien 1919 Globigs Schrift: »Was wir wollen«. Gemeinsam mit Leo Flieg und Fritz Heilmann im August 1919 als Vertreter der Freien Sozialistischen Jugend zur internationalen Jugendkonferenz delegiert. Er gehörte zur Leitung der FSJ, die sich im September 1920 in Kommunistische Jugend Deutschlands umbenannte, Redakteur ihres Organs »Junge Garde«. Vom Herbst 1919 bis Frühjahr 1921 wirkte Globig auch als Sekretär und Referent der KPD-Zentrale in Berlin. Er war von März bis November 1921 politischer Redakteur an der »Hamburger Volkszeitung«, anschließend Redakteur und Sekretär. 1922 arbeitete er bei der diplomatischen Vertretung der RSFSR in Berlin, dann von März 1923 bis Mai 1926 als Redakteur bzw. Chefredakteur der »Arbeiterzeitung« in Bremen. Globig war ab 1923 Abgeordneter und von 1924 bis 1926 Fraktionsvorsitzender der KPD in der Bremer Bürgerschaft. Auf dem Bezirksparteitag 1924 in Bremen stimmte Globig für die Brandler-Richtung, ging dann aber im Mai 1924 zu den Linken über und blieb unter Polleiter Eugen Eppstein als einziger aus der früheren Bremer BL deren Mitglied und Chefredakteur. Er war von Mai 1926 bis Juni 1930 politischer Redakteur bzw. ab 1929 Chefredakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. Im Juni 1930 reiste Globig in die Sowjetunion, dort gehörte er von Juni 1930 bis 1931 als Mitglied zur Zentrale der IAH und fuhr als Leiter der Abteilung Presse und Propaganda mehrmals nach Deutschland. Am 22. April 1932 wurde er in die KPdSU übernommen. 1934 erhielt Globig wegen »mangelnder Wachsamkeit« eine Rüge, weil er in seiner Moskauer Wohnung zusammen mit Heinrich Kurella und Friedrich Heilmann Gespräche mit den »Trotzkisten« Lasar Schatzkin und Voja Vujovic geführt hatte. Zunächst wurde sein erster Parteiausschluß 1935 noch in eine »strenge Rüge« umgewandelt, aber am 25.November 1937 wurde Globig vom NKWD verhaftet und am 29. Dezember 1937 zu zehn Jahren Arbeitslager »wegen konterrevolutionärer Tätigkeit« verurteilt. In verschiedenen Zwangsarbeitslagern festgehalten, erkrankte Globig im Mai 1943 an doppelter Lungenentzündung und Tbc. 1943 trennte sich seine Frau Marta Globig von ihm. Seine Entlassung und Überweisung in ein Krankenhaus erfolgte erst am 12. Dezember 1947. Danach mußte er von März 1948 bis Mai 1955 als Schlosser im Schacht 36 in Karaganda arbeiten. Am 1. Juni 1955 kam Fritz Globig in die DDR. Er gehörte von 1957 bis Anfang 1961 als politischer Mitarbeiter der SED-BL Leipzig an und war vor allem in der Bezirkskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung tätig. 1958 veröffentlichte er das Erinnerungsbuch über seine Jugend: »... aber verbunden sind wir mächtig«. 1962 erhielt er den Karl-Marx-Orden (dabei bestätigte ihm die BL der SED, »unter zum Teil schwierigsten persönlichen Bedingungen« gekämpft zu haben). Er gehörte zum Autoren-Kollektiv der achtbändigen »Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung«. Fritz Globig starb am 24. Februar 1970 in Leipzig.

Wer war wer in DDR

Glöckner, Rudi

* 20.3.1929 – ✝ 25.1.1999

Geb. in Markranstädt (b. Leipzig); 1939 – 51 Fußballspieler bei Sportfreunde bzw. Glückauf Markranstädt, 1951 – 53 bei Rotation NO Leipzig; 1953 – 77 Schiedsrichter in 1.165 Spielen (davon 251 Oberliga, 24 A-Länder- bzw. 39 Europacupspiele), Höhepunkt: WM-Endrundenfinale 1970 in Mexiko-Stadt Brasilien-Italien 4:1; Schiedsrichter bei der EM-Endrunde 1972 sowie bei je einem Weltpokal- bzw. Supercup-Finale; 1965 – 90 Geschäftsf. des Bez.-Fachaussch. Fußball in Leipzig; ab 1978 Mitgl. der UEFA-Schiedsrichterkommission; 1986 – 90 Vors. der Schiedsrichterkommission des Dt. Fußballverb.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Geschonneck, Erwin

* 27.12.1906 – ✝ 12.3.2008

Geb. in Bartenstein (Ostpr./Bartoszyce, Polen); Vater Flickschuster u. Nachtwächter; 1909 Umzug nach Berlin, Tod der Mutter; nach dem Schulabschluß Bürobote, Gelegenheitsarb., Hausdiener; Mitgl. des Arbeitersportvereins »Fichte«; seit 1929 wiederholt arbeitslos; 1929 KPD; spielt in Laienspiel- u. Agit.-Prop.-Gruppen, 1930 – 33 im Kabarett der RH u. als Komparse an der Volksbühne; 1932 Statist im Film »Kuhle Wampe«; 1933 Emigr. nach Polen, Lettland, in die ČSR u. in die UdSSR; hier in versch. Schauspielgr. u. an dt.-spr. Theatern (Dnepropetrowsk, Odessa); 1938 vom NKWD zum Verlassen der UdSSR gezwungen; am 31.3.1939 in der Tschechoslowakei verhaftet u. der Berliner Gestapo ausgeliefert; 1939 – 45 in den KZ Sachsenhausen, Dachau u. Neuengamme; Überlebender des am 3.5.1945 in der Kieler Bucht versenkten KZ-Schiffs »Cap Arcona«. 1946 – 48 an den Hamburger Kammerspielen, hier u. a. Titelrolle in »Bürger Schippel« (Sternheim); Hörspielprod. beim NWDR u. Filmrollen bei Hamburger Filmges.: »In jenen Tagen« (1947), »Finale« (1948), »Hafenmelodie« (1949); 1949 von  Bertolt Brecht u.  Helene Weigel ans Berliner Ensemble geholt; wichtigste Rollen: Matti in »Herr Puntila u. sein Knecht Matti«, Feldprediger in »Mutter Courage«, Dorfrichter Adam in »Der zerbrochene Krug«, Pedro in »Die Gewehre der Frau Carrar«, Don Juan in Molières »Don Juan«; seit 1949 außerdem zahlreiche Filmrollen bei der DEFA u. beim DFF: 1949 Mottes in »Der Biberpelz«, 1951 Albert Teetjen in »Das Beil von Wandsbek« (R: Falk Harnack) nach dem gleichn. Roman von  Arnold Zweig (der Film wird nach wenigen Aufführungen zurückgezogen, verstümmelt u. erst 1981 auf Druck E. G.s in seiner ursprüngl. Form wiederaufgeführt), 1953 Wilhelm Liebknecht in »Die Unbesiegbaren« (R: Artur Pohl), 1956 Hans Karjanke in »Der Hauptmann von Köln« (R:  Slátan Dudow), 1957 Stahlarm in der Koprod. DDR/Frankr. »Die Abenteuer des Til Ulenspiegel« (R: Gérard Philipe) u. Bröker in »Schlösser und Katen« (R:  Kurt Maetzig), 1958 Johan Jönsson in »Der Lotterieschwede« nach dem Roman von Martin Anderson Nexö (R: Joachim Kunert) u. Jupp König in dem ges.-krit. Wismut-Film »Sonnensucher« (R:  Konrad Wolf), der von 1958 – 72 verboten bleibt, 1960 unter der Regie von Konrad Wolf in »Leute mit Flügeln« u. »Fünf Patronenhülsen«, 1961 Oberst Petershagen in »Gewissen in Aufruhr« (5 Teile, R:  Hans-Joachim Kasprzik), 1963 Lagerältester Kramer in der Verfilmung von  Bruno Apitz’ Roman »Nackt unter Wölfen« (R:  Frank Beyer), 1964 Karbid-Kalle in der Nachkriegskomödie »Karbid u. Sauerampfer« (R: Frank Beyer), 1967 Ewald Honig in »Ein Lord vom Alexanderplatz« (R:  Günter Reisch), Otto Brosowski in »Die Fahne von Kriwoi Rog« (R: Kurt Maetzig), 1970 in dem dreiteiligen TV-Film nach dem gleichn. Roman von  Hans Fallada »Jeder stirbt für sich allein« (R: Hans-Joachim Kasprzik), 1972 in der sechsteiligen TV-Serie »Täter unbekannt« u. in dem fünfteiligen TV-Film »Das Geheimnis der Anden«, 1975 Bienes Vater in »Looping« (R: Kurt Tetzlaff), Kowalski in »Jakob der Lügner« (Buch:  Jurek Becker, R: Frank Beyer), 1976 in »Das Licht auf dem Galgen« (R: Helmut Nitzschke) nach der gleichn. Erz. von  Anna Seghers, 1977 Oberst von Bühlow in der Koprod. DDR/ ČSSR »Die Insel der Silberreiher«, Knut Brümmer im TV-Film »Die Millionen des Knut Brümmer« u. Oliver Gant in »Schau heimwärts, Engel« (R: Gerd Keil), 1978 Vater Grubske in »Anton der Zauberer« (Buch:  Karl Georg Engel, R: Günter Reisch), Pappke in der TV-Serie »Rentner haben niemals Zeit« (R: Horst Zaeske), 1979 Dr. Rankl in »Abschied vom Frieden« nach dem gleichn. Roman von  F. C. Weiskopf (R: Hans-Joachim Kasprzik), 1980 Johann in »Levins Mühle« (R:  Horst Seemann nach einem Roman von  Johannes Bobrowski), 1981 Otto Gratzig u. Hermann Geschwindner in »Asta, mein Engelchen« (R: Roland Oehme), Meschka in »Meschkas Enkel« (R: Klaus Gendries), 1982 Erwin Gregorek in dem autobiogr. Film »Der Mann von der ?Cap Arcona?« (R:  Lothar Bellag); 1949 – 89 SED; seit 1969 Ord. Mitgl. der AdK; Vizepräs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; Mitgl. des Präs. des Komitees zum Schutz der Menschenrechte u. des Präs. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; Dez. 1958 – Jan. 1982 als IM-Vorlauf »Erwin« beim MfS erf.; 1954, 1960, 1961 u. 1968 NP; 1976 VVO; 1981 KMO; 1985 Kunstpreis des FDGB; Jan. 1990 Mitgl. des Beirats der Alten beim PV der PDS. 1992 in einer Kritikerumfrage zum besten DDR-Schauspieler gewählt; Bundesfilmpreis; 1993 für sein Gesamtschaffen mit dem Dt. Filmpreis ausgezeichnet; 1995 unter der Regie seines Sohnes Matti Geschonneck letzte Titelrolle in der TV-Produktion »Matulla u. Busch«; 1997 »Goldene Henne«; Dez. 2004 Ehrenmitgl. der Dt. Filmakad.; gest. in Berlin.Meine unruhigen Jahre. Autobiogr. Berlin 1984 (2. erw. Aufl. 1995). Hörnigk, F.: E. G. – eine dt. Biogr. Berlin 2006.Monika Kaiser

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Geyer, Friedrich

* 12.3.1853 – ✝ 22.1.1937

Geboren am 12. März 1853 in Großenhain/ Sachsen, Sohn eines Fleischermeisters. Zigarrenarbeiter und Wanderschaft, 1868 Eintritt in die Gewerkschaft, 1871 Mitglied der Sozialdemokratie. Er gehörte bis 1874 den Vorständen der Filialen des Zigarrenarbeiterverbandes von Frankenberg in Sachsen, Pirna, Leipzig und Berlin an, war von 1874 bis 1879 Bevollmächtigter des Verbandes in Großenhain. Ab 1882 selbständiger Zigarrenfabrikant in Großenhain, während des Sozialistengesetzes 1882 wurde er zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Von 1890 bis 1894 Redakteur der Zeitung »Der Wähler« in Leipzig, 1894/95 der »Volkszeitung«, hat er von November 1895 bis November 1918 das Verbandsorgan »Tabakarbeiter« mit Sitz in Leipzig redigiert. Friedrich Geyer war von 1898 bis 1902 Vorsitzender der SPD Leipzig, gehörte von 1913 bis 1916 der Zentralen SPD-Kontrollkommission an. Nach Ausbruch des Weltkrieges in Opposition zur Politik der Reichstagsfraktion und des SPD-Vorstandes, wurde 1916 Mitglied der SAG, 1917 der USPD und von 1917 bis 1920 Mitglied der zentralen USPD-Kontrollkommission. Friedrich Geyer gehörte von 1885 bis 1897 dem Sächsischen Landtag, von März 1886 bis Februar 1887 auch dem Reichstag an. Im Februar 1890 wurde er erneut in den Reichstag gewählt und blieb dessen Abgeordneter bis zur Novemberrevolution. Im November 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates von Leipzig, leitete er vom 15.November 1918 bis 21. Januar 1919 als Volksbeauftragter das Finanzressort in der sächsischen Revolutionsregierung unter Richard Lipinski. Geyer stand wie sein Sohn Curt Geyer und seine Schwiegertochter Anna Geyer auf dem linken Flügel der USPD und trat für die Annahme der 21 Bedingungen der Komintern ein. Im Dezember 1920 Delegierter des Vereinigungsparteitages, wurde Mitglied der zentralen VKPD-Revisionskommission. Im Januar 1919 im Wahlkreis Sachsen in die Deutsche Nationalversammlung gewählt und im Juni 1920 wieder in den Reichstag, dem er bis 1924 angehörte. Zusammen mit den linken USPD-Abgeordneten (u. a. Ernst Däumig, Joseph Herzfeld, Hermann Remmele) sowie seinem Sohn Curt Geyer bildete Friedrich Geyer am 9. Oktober 1920 zunächst die USPD-Fraktion (Linke) und Anfang Dezember 1920 mit den beiden KPD-Abgeordneten Clara Zetkin und Paul Levi die gemeinsame VKPD-Reichstagsfraktion. Friedrich Geyer, der wie sein Sohn auf seiten Paul Levis stand und dessen Kritik an der VKPD teilte, verließ die VKPD, schloß sich im September 1920 zunächst der KAG an und kehrte über die USPD in seine alte Partei, die SPD, zurück. Friedrich Geyer wohnte seit 1933 in Tharandt in Sachsen, wo er am 22.Januar 1937 hochbetagt starb.

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Ghimpu, Gheorghe

* 1937 – ✝ 2000

Physiker, Mitgründer der Untergrundorganisation National-Patriotische Front, politischer Gefangener.Gheorghe Ghimpu wurde 1937 in dem bessarabischen Dorf Colonița (damals Rumänien) in eine bäuerliche Familie geboren. 1960 schloss er sein Physik- und Mathematikstudium am Staatlichen Pädagogischen Institut in Tiraspol, der zweitgrößten Stadt des mittlerweile an die Sowjetunion gefallenen Moldau, ab. 1962–65 arbeitete er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Gemeinsam mit Alexandru Usatiuc gründete Ghimpu im Herbst 1967 die National-Patriotische Front (Frontul Național Patriotic din Basarabia și Nordul Bucovinei; FNP), deren Ziel es war, gegen die Russifizierung der moldauischen Bevölkerung und für den Anschluss Bessarabiens und der Nordbukowina an Rumänien zu kämpfen. Er bemühte sich, junge Leute aus der Akademie der Wissenschaften sowie aus den Instituten und Technischen Hochschulen der moldauischen Hauptstadt Chișinău an die Organisation heranzuführen. 1968/69 verfasste Ghimpu zusammen mit Alexandru Usatiuc den „Bericht vom 1. Treffen der National-Patriotischen Front zur Befreiung Bessarabiens und der Bukowina vom russisch-sowjetischen Joch“ (Raport la Congresul I al Frontului national-patriotic pentru eliberaria Basarabiei si Bucovinei des sub jugul ruso-sovietic). Der Bericht erachtete es als möglich, dass Moldau in Übereinstimmung mit der sowjetischen Verfassung aus der UdSSR austreten könne, und kritisierte die Nationalitätenpolitik der KPdSU. Im Dezember 1969 wurde Ghimpu vom Institut für Angewandte Physik der Moldauischen Akademie der Wissenschaften zum Promotionsstudium an das Moskauer Institut für Biophysik delegiert. Während seines Aufenthalts in der sowjetischen Hauptstadt schrieb er Artikel und Aufrufe zum Kampf gegen das kommunistische System, darunter 1971 den „Appell an die Jugend und die Studenten Moldaus“. Ghimpu wurde von der sowjetischen Geheimpolizei KGB überwacht und im Oktober 1971 vom Promotionsstudium ausgeschlossen. Daraufhin kehrte er nach Chișinău zurück, wo er einen „Aufruf an die Jugend und Studenten Bessarabiens, der Nordbukowina und Transnistriens“ schrieb, den Valeriu Graur, Mitglied der National-Patriotischen Front, nach Rumänien schleusen sollte. Am 7. Januar 1971 wurde Ghimpu verhaftet und am 13. Juli vom Obersten Gericht der Moldauischen Sowjetrepublik nach Artikel 67, Paragraf 1 und Artikel 69 des Strafgesetzbuches der Moldauischen SSR (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR und *Artikel 72 Strafgesetzbuch der RSFSR) schuldig gesprochen. Unter anderem warf man ihm die „Mitgliedschaft in einer antisowjetischen Organisation“ vor. Er wurde zu sechs Jahre Gefängnis verurteilt. Seine Strafe verbüßte Ghimpu in den *mordwinischen Lagern und in den *Permer Lagern. Während seiner Haft beteiligte er sich an Widerstandsaktionen und setzte sich weiter für die nationalen Rechte der Moldauer ein. So richtete er aus dem Lager eine Erklärung an das Präsidium des Obersten Sowjets mit der Forderung, die Sowjetunion solle in nächster Zeit „das Problem der Rückkehr Bessarabiens nach Rumänien lösen“. Außerdem kündigte an, er werde am 28. Juni, dem Jahrestag der Annexion Bessarabiens 1940 durch die Sowjetunion, in Hungerstreik treten. Er verlangte, seine Erklärung in der Presse zu veröffentlichen und sie dem rumänischen Botschafter zu schicken. 1977 protestierte er gegen einen Artikel in der weißrussischen Presse, der #Wladimir Bukowski verunglimpfte. Im Januar 1977 kam Ghimpu aus dem Lager frei, wurde aber weiterhin überwacht. Erfolglos versuchte er, eine Anstellung als Lehrer zu finden. Von 1978 bis 1988 war er gezwungen, als Materialverwalter zu arbeiten. 1988 nahm er schließlich seine politische Tätigkeit wieder auf und wurde bald einer der Anführer der demokratischen und nationalen Bewegung in der Moldauischen Sowjetrepublik. Er war unter anderem Mitglied des Exekutionskomitees der Volksfront Moldaus. Am 9. November 1989 organisierte Ghimpu eine Massendemonstration in Chișinău unter der Losung „Weg mit dem imperialistischen Denken! Weg mit dem Diktat der Kommunisten! Für Souveränität!“. Den Demonstranten gelang es, eine staatliche Militärparade zu verhindern, es kam zu Gefechten mit der Miliz. Am 10. November nahm Ghimpu erneut an einer großen Demonstration teil, die den Rücktritt der Regierung und die Freilassung der bei der vorangegangenen Aktion Verhafteten forderte. Die Demonstranten versuchten, das Gebäude des Innenministeriums zu stürmen. Nach der Unabhängigkeit der Republik Moldau wurde Ghimpu 1991 Abgeordneter Parlamentsabgeordneter und arbeitete an der Gesetzesvorlage „Über die Rehabilitierung der Opfer der kommunistischen Okkupation“ mit. Er wurde Sekretärs der Parlamentarischen Kommission für Menschenrechte und Internationale Beziehungen und beteiligte sich an der Vorbereitung des Gesetzes zur „Staatsbürgerschaft der Republik Moldau“. Nicht zuletzt gehörte er zu den Gründern der Demokratischen Partei Moldaus. 1991 wurde er Kanzleichef des moldauischen Parlaments. Im Januar 1998 wurde er Vorsitzender des Verbandes der Opfer der kommunistischen Okkupation und der Kriegsveteranen der rumänischen Armee, aus dem im Juni 2000 die Rumänische Nationalpartei hervorging. 1999 veröffentlichte er ein Buch über das Nationalbewusstsein der moldauischen Rumänen. Gheorghe Ghimpu kam 2000 bei einem Verkehrsunfall in Chișinău ums Leben. Ion Şișcanu Aus dem Polnischen von Beata Kosmala Letzte Aktualisierung: 06/17

Handbuch Deutsche Kommunisten

Giese, Adolf

* 20.7.1906 – ✝ 7.11.1969

Geboren am 20. Juli 1906 in Thurow/Krs. Neustrelitz, Sohn einer Landarbeiterfamilie; Hofgänger, Land- und Forstarbeiter auf verschiedenen Gütern. Wegen eines Landarbeiterstreiks 1922 gemeinsam mit den Eltern ausgesperrt. Wanderschaft, Tiefbauarbeiter in Hamburg, hier Mitglied des RFB und der RHD. 1926 Rückkehr nach Neubrandenburg, bis 1933 Arbeit auf dem Staatsforst Rowa. 1928 trat er der KPD bei. Als der Leiter der KPD-Ortsgruppe Neubrandenburg und Landtagsabgeordnete Erich Schmidt 1930 mit der Mehrheit der Mitglieder zur KPO ging, baute Giese die KPD Neubrandenburg neu auf. Am 13. März 1932 zog Giese für die KPD in den Landtag von Mecklenburg-Strelitz ein, dem er bis Anfang 1933 angehörte. Er wurde am 2. März 1933 in Neustrelitz durch die Gestapo verhaftet und saß bis Juli 1933 in »Schutzhaft«. Anschließend Tiefbauarbeiter, 1943 zur Wehrmacht einberufen. An der Ostfront verwundet, kam er nach Lazarettaufenthalt nach Norwegen. Im Juli 1945 kehrte Giese nach Neubrandenburg zurück und wurde Bürgermeister der Gemeinde Zirzow im Kreis Neubrandenburg, 1946 Sekretär der KPD in Neubrandenburg und ab April Sekretär der SED. Im Mai 1948 erhielt Giese den Parteiauftrag, die DBD mit aufzubauen und amtierte bis 1950 als Vorsitzender der Bauernpartei in Neubrandenburg. Ab Dezember 1950 Landrat des Kreises Grimmen, 1953 Vorsitzender des Rates des Bezirkes Neubrandenburg und von 1955 bis 1959 Vorsitzender der LPG »Roter Stern« Neustrelitz. Adolf Giese starb am 7.November 1969 in Neustrelitz.

Wer war wer in DDR

Gigo, Fred

* 4.6.1919 – ✝ 12.4.2004

Geb. in Waltershausen (Thür.); Realgymnasium in Chemnitz; Arbeit als Patroneur u. Musterzeichner; 1933 kurzz. als Werkstudent in den USA; Aufenthalt beim Vater, der dort als Vortragskünstler arbeitete; 1939 – 45 Wehrmacht. Sommer 1945 erster Bühnenauftritt im Allotria-Varieté Chemnitz als Ansager u. Parodist; 22.6.1947 erste Rundfunksendung mit Wilhelm Bendow u. Beate Riehmann; später eigene Reihen bei Dtl.-Sender u. DFF; auch Reporter bei Motorsportveranstaltungen; 1964 – 74 keine Arbeitsmöglichkeiten in Rundfunk u. Fernsehen, ausschl. Bühnenauftritte als Conférencier; ab 1975 wieder eigene Rundfunkreihen, u. a. »Alle Neune«, »Spaß mit Freunden«, »Na denn ...«; regelm. Bühnenauftritte u. a. im Steintor-Varieté Halle, bei Programmen der Konzert- u. Gastspieldirektionen (zehn Jahre mit der Benny-Baré-Show); Auftritte im Ausland, v. a. UdSSR, ČSSR, Ungarn, Polen; im Komitee für Unterhaltungskunst beteiligt an der Nachwuchsförderung von Sprechern, Spielmstrn. u. Diskjockeys.Dietmar Winkler

dissidenten.eu

Ginsburg, Alexander

* 1936 – ✝ 2002

Journalist, Menschenrechtsaktivist und Gründer der ersten unabhängigen Zeitschrift in der UdSSR. Herausgeber von Dokumenten über politische Verfolgungen und wichtigste Figur vom *Prozess der Vier. Erster Leiter des *Hilfsfonds für politische Häftlinge und ihre Familien, Mitglied der *Moskauer Helsinki-Gruppe sowie dreimal wegen seiner Überzeugungen in Haft.Alexander Ginsburg wurde 1936 in Moskau geboren. Seine Mutter zog ihn allein groß, da sein Vater, ein bekannte Architekt und Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Sovremennaja architektura“ (Zeitgenössische Architektur), 1936 verhaftet worden und im Gefängnis gestorben war. Als Ginsburg Anfang 1953 einen Personalausweis bekam, nahm er aus Protest gegen die im Land entfesselte antisemitische Kampagne den jüdischen Nachnamen seiner Mutter an. 1956 begann er ein Studium an der Fakultät für Journalistik der Moskauer Universität, arbeitete am Theater und beim Fernsehen und war Korrespondent der Zeitung „Moskovskij Komsomolez“ (Moskauer Komsomolze). Ende der 50er Jahre näherte er sich den Künstlern und Literaten der *Lianosowo-Gruppe an, nahm an den Sonntagstreffen von Oskar Rabin teil und war Mitorganisator einiger nichtoffizieller Kunstausstellungen. 1959 diskutierte Ginsburg mit dem Dichter Genrich Sapgir und einigen anderen Personen aus dem Umfeld der nonkonformistischer Künstler über die Idee, eine mit der Schreibmaschine vervielfältigte Zeitschrift herauszugeben, in der literarische Werke – an erster Stelle Gedichte – veröffentlicht werden sollten, die in den offiziellen Verlagen auf Zensurbarrieren stießen. Ende des Jahres verwirklichte er diese Idee und gab im Kreis seiner Bekannten die erste Nummer des Poesiealmanachs *„Sintaksis“ (Syntax) in Moskau heraus. Dort erschienen bislang unveröffentlichte Gedichte von Natalja Gorbanewskaja, Genrich Sepgir, Igor Chlin, Nikolaj Glaskow, Alexander Aronow, Bulat Okudschawa, Bella Achmadulina und anderen Dichtern. Höchstwahrscheinlich war *„Sintaksis“ nicht die erste Publikation dieser Art, aber frühere Versuche, eine Zeitschrift unter Umgehung der Zensur herauszugeben, kamen nie über den engen Kreis der Initiatoren selbst hinaus und erreichten keine größere gesellschaftliche Bekanntheit. Mit *„Sintaksis“ war das anders. Es wurde begonnen, über die Zeitschrift zu sprechen, sie erreichte ein relativ breites Publikum mit einer – unterschiedlichen Einschätzungen zufolge – Auflage von 300 Stück und wurde zu einer bedeutenden Erscheinung des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Die Mehrheit der Sowjetforscher geht heute davon aus, dass *„Sintaksis“ das erste Periodikum in der Geschichte des Samisdat darstellt. Grundlegend neu war außerdem, dass es sich nicht nur um eine Untergrundzeitschrift im traditionellen Sinne handelte. Auf dem Einband waren die Namen und Adressen der Herausgeber angegeben, was auf die Leser einen tiefen Eindruck machte. Das von Alexander Ginsburg entwickelte Modell einer verlegerischen Tätigkeit wurde zum Vorbild für andere Initiativen von Dissidenten in der zweiten Hälfte der 60er und 70er Jahre. Auch im Ausland wurde über *„Sintaksis“ berichtete; die Zeitschrift *„Grani“ druckte sie 1965 in Nr. 58 nach. Auch die sowjetische Presse meldete sich zu Wort. 1960 erschien in der „Izvestija“ ein spöttischer Artikel unter dem Titel „Die Müßiggänger erklimmen den Parnass“. Alexander Ginsburg gab drei Ausgaben der Zeitschrift heraus. In der dritten Ausgabe stellte er die Leningrader Dichter Gleb Gorbowski, Alexander Kuschner, Dmitri Bobyschew und Josef Brodsky vor. Die vierte und fünfte Ausgabe konnte er noch teilweise vorbereiten. Nach seinen Plänen sollten in der vierten Ausgabe Leningrader und in der fünften Ausgabe Dichter aus den baltischen Republiken publizieren. Außerdem begannen Ginsburg und seine Freunde Juri Galanskow, Natalja Gorbanewskaja und Wladimir Ossipow, eine zweite Zeitschrift mit dem Titel „Vtoraja kultura“ (Zweite Kultur) vorzubereiten, in der neben Poesie und Prosa auch publizistische Texte erscheinen sollten. Im Juli 1960 wurde Ginsburg jedoch verhaftet. Die Bemühungen des KGB, Ginsburg nach Artikel 7 des Gesetzes über Staatsverbrechen vom 25. Dezember 1958 (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu belangen, blieben erfolglos. Er wurde nach einem „unpolitischen“ Paragrafen wegen Urkundenfälschung angeklagt, nachdem herausgekommen war, dass er für einen Studienkollegen an der Abendschule eine Prüfung abgelegt hatte, wofür das Foto dieses Kommilitonen in dessen Ausweis überklebt worden war. Ginsburg erhielt die Höchststrafe von zwei Jahren Freiheitsentzug. Nach seiner Freilassung im Sommer 1962 kehrte Ginsburg nach Moskau zurück und arbeitete als Dreher, Beleuchter beim Fernsehen und Hausmeister im Literaturmuseum. Er versuchte, im Haus der Kultur des Moskauer Energetik-Instituts eine Aufführung französischer Filme über Picasso und andere europäische Maler zu organisieren, die Vorführung wurde jedoch nicht zugelassen und die Filme konfisziert. 1964 wurden bei Ginsburg zahlreiche Bücher beschlagnahmt, unter anderem „Die neue Klasse“ von Milovan Đilas, die er von den Veranstaltern einer Ausstellung amerikanischer Grafik in Moskau erhalten hatte. Aus diesem Grund wurde Ginsburg Anfang 1965 erneut verhaftet, nach drei Tagen jedoch wieder freigelassen nachdem er zugestimmt hatte, einen offenen Brief zu unterzeichnen, in dem er sich von der Aufmerksamkeit distanzierte, die die westliche Presse seiner Person entgegenbrachte. Dieser Brief erschien am 3. Juni 1965 ohne das Wissen Ginsburgs mit einer Reihe redaktioneller Ergänzungen in der Zeitung „Večernaja gazeta“ (Abendzeitung). 1966 begann Ginsburg ein Abendstudium am Moskauer Institut für Geschichte und Archivkunde. Im gleichen Jahr trug er alle zugänglichen 165 Dokumente über den *Prozess gegen Andrei Sinjawski und Juli Daniel zusammen und gab sie als „Weißbuch“ (Belaja kniga) heraus, das große Bekanntheit erlangte. Auf diese Weise begründete Ginsburg eine neue Literaturgattung des Samisdat: die Dokumentation politischer Prozesse. Im Oktober und November 1966 wurde das „Weißbuch“ an offizielle sowjetische Institutionen versandt, einigen Kulturschaffende übergeben und im Ausland veröffentlicht. Am 23. Januar 1967 wurde Ginsburg zum dritten Mal verhaftet. Sein Prozess wurde mit den Prozessen von einige Tage zuvor verhafteten Bekannten – Juri Galanskow, Alexei Dobrowolski und Wera Laschkowa – zusammengefasst. Alle vier wurden der Herstellung und Verbreitung antisowjetischer Literatur und der Kontaktaufnahme zu antisowjetischen Einrichtungen im Ausland bezichtigt. Ginsburg wurde wegen dreier Texte des „Weißbuchs“ angeklagt. Der Prozess fand vom 8. bis 12. Januar 1968 im Moskauer Stadtgericht statt. Ginsburg wurde nach *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR für schuldig befunden und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Dieser sogenannte *Prozess der Vier löste eine große Resonanz in der Sowjetunion und weltweit aus. Mit ihm setzten Petitionskampagnen ein, die Konsolidierung der Menschenrechtsbewegung in der UdSSR fand damit ihren Abschluss. Seine Strafe verbüßte Ginsburg in den *mordwinischen Lagern und im *Wladimir-Gefängnis. Nach der Freilassung ließ er sich in Tarussa im Gebiet Kaluga nieder, wo er unter Polizeibewachung stand. Als der aus der UdSSR ausgewiesene Alexander Solschenizyn 1974 die Gründung eines russischen sozialen *Hilfsfonds für politische Häftlinge und ihre Familien bekannt gab, übernahm Ginsburg die Verwaltung des Fonds. Im Mai 1976 war Ginsburg Mitgründer der *Moskauer Helsinki-Gruppe. Er verfasste und redigierte Dokumente über die Situation der politischen Häftlinge in der UdSSR, woraufhin seine Wohnung wiederholt durchsucht, er verhört und festgenommen wurde. Im Januar 1977 stellte KGB-Chef Juri Andropow dem ZK der KPdSU einen Bericht mit Vorschlägen zur Verhaftung einer Reihe von Personen vor, die an der Spitze der sowjetischen Helsinki-Bewegung stünden und zu denen auch Ginsburg gehörte. Am 2. Februar desselben Jahres veröffentlichte die „Literaturnaja Gazeta“ (Literaturzeitschrift) den Artikel „Lügner und Pharisäer“ des Literaten und ehemaligen politischen Häftlings Alexander Petrow-Agatow. Darin wurden Ginsburg die Zuarbeit für westliche Geheimdienste sowie persönliche Vorteilsnahme und die intransparente Verwaltung des Hilfsfonds unterstellt. Ginsburg konnte noch eine Pressekonferenz ausrichten, auf der er einen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Hilfsfonds für die letzten drei Jahre präsentierte, bevor er am 3. Februar ein viertes Mal verhaftet wurde.Der Prozess gegen Ginsburg fand vom 10. bis 13. Juli 1978 vor dem Gebietsgericht in Kaluga statt. Den Hauptanklagepunkt bildete die Mitwirkung an der Erstellung von Dokumenten der *Moskauer Helsinki-Gruppe. Ginsburg wurde nach Paragraf 2 von *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR schuldig gesprochen und zu acht Jahren Lagerhaft mit strengem Vollzug und drei Jahren Verbannung verurteilt. Die Strafe trat er erneut in den *mordwinischen Lagern an. Nach Verhandlungen zwischen der UdSSR und den USA, von denen Ginsburg nichts wusste, wurde er im April 1979 gemeinsam mit vier anderen politischen Häftlingen gegen zwei sowjetische Bürger ausgetauscht, die in den USA wegen Spionage verurteilt worden waren. Ginsburg lebte zunächst in den USA und später in Frankreich. Er leitete das Russische Kulturzentrum in Montgeron bei Paris und wurde anschließend bis Oktober 1997 Chefkommentator der Pariser Exilwochenzeitung *„Russkaja Mysl“ (Russisches Denken). Alexander Ginsburg starb 2002 in Paris.test eintragAlexander Ginsburg wurde 1936 in Moskau geboren. Seine Mutter zog ihn allein groß, da sein Vater, ein bekannte Architekt und Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Sovremennaja architektura“ (Zeitgenössische Architektur), 1936 verhaftet worden und im Gefängnis gestorben war. Als Ginsburg Anfang 1953 einen Personalausweis bekam, nahm er aus Protest gegen die im Land entfesselte antisemitische Kampagne den jüdischen Nachnamen seiner Mutter an. 1956 begann er ein Studium an der Fakultät für Journalistik der Moskauer Universität, arbeitete am Theater und beim Fernsehen und war Korrespondent der Zeitung „Moskovskij Komsomolez“ (Moskauer Komsomolze). Ende der 50er Jahre näherte er sich den Künstlern und Literaten der *Lianosowo-Gruppe an, nahm an den Sonntagstreffen von Oskar Rabin teil und war Mitorganisator einiger nichtoffizieller Kunstausstellungen. 1959 diskutierte Ginsburg mit dem Dichter Genrich Sapgir und einigen anderen Personen aus dem Umfeld der nonkonformistischer Künstler über die Idee, eine mit der Schreibmaschine vervielfältigte Zeitschrift herauszugeben, in der literarische Werke – an erster Stelle Gedichte – veröffentlicht werden sollten, die in den offiziellen Verlagen auf Zensurbarrieren stießen. Ende des Jahres verwirklichte er diese Idee und gab im Kreis seiner Bekannten die erste Nummer des Poesiealmanachs *„Sintaksis“ (Syntax) in Moskau heraus. Dort erschienen bislang unveröffentlichte Gedichte von Natalja Gorbanewskaja, Genrich Sepgir, Igor Chlin, Nikolaj Glaskow, Alexander Aronow, Bulat Okudschawa, Bella Achmadulina und anderen Dichtern. Höchstwahrscheinlich war *„Sintaksis“ nicht die erste Publikation dieser Art, aber frühere Versuche, eine Zeitschrift unter Umgehung der Zensur herauszugeben, kamen nie über den engen Kreis der Initiatoren selbst hinaus und erreichten keine größere gesellschaftliche Bekanntheit. Mit *„Sintaksis“ war das anders. Es wurde begonnen, über die Zeitschrift zu sprechen, sie erreichte ein relativ breites Publikum mit einer – unterschiedlichen Einschätzungen zufolge – Auflage von 300 Stück und wurde zu einer bedeutenden Erscheinung des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Die Mehrheit der Sowjetforscher geht heute davon aus, dass *„Sintaksis“ das erste Periodikum in der Geschichte des Samisdat darstellt. Grundlegend neu war außerdem, dass es sich nicht nur um eine Untergrundzeitschrift im traditionellen Sinne handelte. Auf dem Einband waren die Namen und Adressen der Herausgeber angegeben, was auf die Leser einen tiefen Eindruck machte. Das von Alexander Ginsburg entwickelte Modell einer verlegerischen Tätigkeit wurde zum Vorbild für andere Initiativen von Dissidenten in der zweiten Hälfte der 60er und 70er Jahre. Auch im Ausland wurde über *„Sintaksis“ berichtete; die Zeitschrift *„Grani“ druckte sie 1965 in Nr. 58 nach. Auch die sowjetische Presse meldete sich zu Wort. 1960 erschien in der „Izvestija“ ein spöttischer Artikel unter dem Titel „Die Müßiggänger erklimmen den Parnass“. Alexander Ginsburg gab drei Ausgaben der Zeitschrift heraus. In der dritten Ausgabe stellte er die Leningrader Dichter Gleb Gorbowski, Alexander Kuschner, Dmitri Bobyschew und Josef Brodsky vor. Die vierte und fünfte Ausgabe konnte er noch teilweise vorbereiten. Nach seinen Plänen sollten in der vierten Ausgabe Leningrader und in der fünften Ausgabe Dichter aus den baltischen Republiken publizieren. Außerdem begannen Ginsburg und seine Freunde #Juri Galanskow, Natalja Gorbanewskaja und #Wladimir Ossipow, eine zweite Zeitschrift mit dem Titel „Vtoraja kultura“ (Zweite Kultur) vorzubereiten, in der neben Poesie und Prosa auch publizistische Texte erscheinen sollten. Im Juli 1960 wurde Ginsburg jedoch verhaftet. Die Bemühungen des KGB, Ginsburg nach Artikel 7 des Gesetzes über Staatsverbrechen vom 25. Dezember 1958 (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu belangen, blieben erfolglos. Er wurde nach einem „unpolitischen“ Paragrafen wegen Urkundenfälschung angeklagt, nachdem herausgekommen war, dass er für einen Studienkollegen an der Abendschule eine Prüfung abgelegt hatte, wofür das Foto dieses Kommilitonen in dessen Ausweis überklebt worden war. Ginsburg erhielt die Höchststrafe von zwei Jahren Freiheitsentzug. Nach seiner Freilassung im Sommer 1962 kehrte Ginsburg nach Moskau zurück und arbeitete als Dreher, Beleuchter beim Fernsehen und Hausmeister im Literaturmuseum. Er versuchte, im Haus der Kultur des Moskauer Energetik-Instituts eine Aufführung französischer Filme über Picasso und andere europäische Maler zu organisieren, die Vorführung wurde jedoch nicht zugelassen und die Filme konfisziert. 1964 wurden bei Ginsburg zahlreiche Bücher beschlagnahmt, unter anderem „Die neue Klasse“ von Milovan Đilas, die er von den Veranstaltern einer Ausstellung amerikanischer Grafik in Moskau erhalten hatte. Aus diesem Grund wurde Ginsburg Anfang 1965 erneut verhaftet, nach drei Tagen jedoch wieder freigelassen nachdem er zugestimmt hatte, einen offenen Brief zu unterzeichnen, in dem er sich von der Aufmerksamkeit distanzierte, die die westliche Presse seiner Person entgegenbrachte. Dieser Brief erschien am 3. Juni 1965 ohne das Wissen Ginsburgs mit einer Reihe redaktioneller Ergänzungen in der Zeitung „Večernaja gazeta“ (Abendzeitung). 1966 begann Ginsburg ein Abendstudium am Moskauer Institut für Geschichte und Archivkunde. Im gleichen Jahr trug er alle zugänglichen 165 Dokumente über den *Prozess gegen Andrei Sinjawski und Juli Daniel zusammen und gab sie als „Weißbuch“ (Belaja kniga) heraus, das große Bekanntheit erlangte. Auf diese Weise begründete Ginsburg eine neue Literaturgattung des Samisdat: die Dokumentation politischer Prozesse. Im Oktober und November 1966 wurde das „Weißbuch“ an offizielle sowjetische Institutionen versandt, einigen Kulturschaffende übergeben und im Ausland veröffentlicht.Александр Ильич Гинзбург Aleksandr Il’ič Ginzburg  Gennadi Kusowkin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 02/16

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gladewitz, Richard

* 30.8.1898 – ✝ 23.11.1969

Geboren am 30. August 1898 in Zwickau, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Kellner; 1917/18 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Von 1919 bis 1921 Hilfsarbeiter in Chemnitz, von 1921 bis 1923 Kellner in Cuxhaven, zeitweise Ortsvorsitzender der KPD Cuxhaven, danach in Chemnitz. Ende 1928 bis Frühjahr 1929 Sekretär der RHD im Bezirk Erzgebirge-Vogtland, von 1929 bis 1933 Vorsitzender des Mieterverbandes Chemnitz. 1932 vom Reichsgericht zu achtzehn Monaten Festungshaft verurteilt, durch die Weihnachtsamnestie wieder frei. Im Januar 1933 noch zum Stadtverordneten und Stadtrat in Chemnitz gewählt, emigrierte er im Februar in die Tschechoslowakei. Ab Juli 1934 wieder in Deutschland, KPD-Orgleiter in Berlin, von Oktober 1934 bis Mai 1935 Polleiter der KPD in Oberschlesien. 1935 Teilnehmer des VII. Weltkongresses der Komintern in Moskau und der »Brüsseler Konferenz« der KPD. Anschließend übernahm Gladewitz mit Elli Schmidt die illegale Leitung der KPD in Berlin. Ab September 1937 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, dort 1938/39 Kaderkommissar des »Hans-Beimler-Bataillons«, danach 1939 illegale Arbeit in Frankreich und Belgien, von September 1939 bis 1941 im Lager Gurs interniert. Später in der Résistance und Mitglied der illegalen KPD-Landesleitung. Im August 1945 1. Sekretär der KPD Plauen, von Dezember 1945 bis 1948 Leiter des Informationsamtes der Landesregierung Sachsen. 1950 leitete er die Abteilung Sowjetunion beim Berliner Rundfunk. Am 6.Dezember 1950 wurde Gladewitz in West-Berlin verhaftet und wegen »Menschenraubes« angeklagt, im August 1951 wegen »Mangels an Beweisen« aber freigesprochen. Von 1952 bis 1954 Redakteur bei der »Täglichen Rundschau«, dann stellvertretender Vorsitzender der GST. Von 1956 bis 1962 arbeitete er am IML. Er erhielt 1957 die französische Widerstandsmedaille, 1968 den VVO in Gold. Gladewitz war mit Hilde Janka (* 15. 1. 1906) verheiratet, einer Schwester von Albert Janka und Walter Janka (* 29. 4. 1914 – † 17. 3. 1994). Seine Tochter Sonja heiratete den späteren Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in der Bundesrepublik, Ewald Moldt. Richard Gladewitz starb am 23.November 1969.

Wer war wer in DDR

Glaser, Roland

* 23.5.1935

Geb. in Jena; Vater Ing. bei Carl Zeiss u. 1946 – 52 zur wiss. Tätigkeit in der UdSSR zwangsverpflichtet; 1953 Abitur in Jena, anschl. Studium der Biologie an der FSU Jena, 1958 Dipl., 1961 bei  Manfred Gersch Prom. mit Untersuchungen zur radiolog. Gewässerverschmutzung; 1958 – 61 wiss. Mitarb. beim Amt für Kerntechnik, 1962 – 65 am Inst. für Med. u. Biol. der DAW in Berlin-Buch; 1965 Habil. an der FSU Jena, 1965 – 70 dort Doz. für Zoologie; ab 1970 ord. Prof. an der HU Berlin; 1979 korr. Mitgl. der AdW; 1981 – 90 Vors. der Gesell. für physikal. u. mathemat. Biologie; 1990 Dekan der math.-naturwiss. Fak. der HU Berlin. 1992 Neuberufung als ord. Prof. an die HU Berlin; 2000 em.; lebt in Berlin. G. gehört zu den Pionieren der modernen biophysikal. Forsch. in der DDR, maßgebl. beteiligt an der Institutionalisierung des Gebiets u. seiner Etablierung in der universitären Lehre; Mithrsg. der Ztschr. »studia biophysica« u. »Biologische Rundschau«.Einführung in die Biophysik. Berlin 1970; Umweltbiophysik. Berlin 1976 (Mithrsg.); Grundriß der Biomechanik. Berlin 1983.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Glatzeder, Winfried

* 24.4.1945

Geb. in Zoppot (b. Danzig/Sopot, Polen); Vater Arzt (gest. in sowj. Kriegsgefangenschaft), Mutter gelernte Kunstweberin; nach dem Abitur Ausbildung zum Maschinenbaufacharb.; 1965 – 69 Schauspielstudium an der HFF, u. a. bei  Fritz Marquardt u.  Bernhard K. Tragelehn; erstes Engagement am Potsdamer Hans-Otto-Theater; 1971 – 82 Mitgl. des Ensembles der Berliner Volksbühne; u. a. in den Uraufführungen »Weiberkomödie« (1971) u. »Die Bauern« (1975) von  Heiner Müller, in Molières »Der Misanthrop« (1975), Goethes »Bürgergeneral« (1977), beweist seine große Wandlungsfähigkeit in diesen Inszenierungen; Mitwirkung in zahlr. DEFA-Prod., u. a. »Zeit der Störche« (1970), »Der Mann, der nach der Oma kam« (1971), filmischer Durchbruch als erfrischend-charmanter Liebhaber im DDR-Kultfilm »Die Legende von Paul u. Paula« (zus. mit  Angelica Domröse, nach einem Szenarium v.  Ulrich Plenzdorf) u. »Till Eulenspiegel« (1974); 1982 nach mehreren Ausreiseanträgen Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. Zunächst am Schiller-Theater in Berlin (West); 1986 – 1996 regelmäßige Gastspiele am Schauspielhaus Düsseldorf; versch. Filmrollen, u. a. in »Bali« (1983, TV), »Die Geduld der Rosa Luxemburg« (R: Margarethe von Trotta, 1985), »Spreepiraten« (1989, TV-Serie); nach 1989 Mitarb. an den letzten DEFA-Prod., »Zwischen Pankow u. Zehlendorf« (R:  Horst Seemann, 1991) u. »Das Land hinter dem Regenbogen« (R: Herwig Kipping, 1992); 1996 – 98 Hauptkommissar Ernst Roiter im SFB-»Tatort«, 1999 in Leander Haußmanns »Sonnenallee«; ab Mitte der 1990er Jahre auch wieder Theaterarb. im Berliner Theater am Kurfürstendamm, der Komödie am Winterhuder Fährhaus in Hamburg sowie in Dresden u. Essen; 2007 zus. mit  Angelica Domröse am Hans-Otto-Theater in Potsdam; Sohn Robert G. (Jg. 1971) Schauspieler; lebt in Berlin.Paul u. ich. Autobiogr. Berlin 2008 (mit M. Runge).Matthias Braun / Christian Krause

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Glende, Günter

* 9.1.1918 – ✝ 23.7.2004

Geb. in Stolp (Hinterpomm./Słupsk, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Elektriker u. Landmaschinenschlosser; 1938 RAD; 1940/41 Studium an der Höheren Flugtechn. Schule in Berlin u. Jüterbog; 1941 – 45 Wehrmacht. 1945 Neubauer auf dem Gut Moltow (Krs. Wismar); 1945/46 KPD/SED; 1946 – 48 Landmaschinenschlosser u. Bürgermstr. auf dem Gut Moltow; 1946 – 49 Krs.-Maschinenbeauftr. des VdgB-Krs.-Aussch. Wismar; 1949 – 51 Techn. Ltr. der MAS bzw. MTS-Krs.-Verw. Dorf Mecklenb.; 1951/52 Techn. Ltr. u. Fahrlehrer der MAS-Landesschule Güstrow; 1953 Lehrgang an der ASR Potsdam; 1953 Sekr. beim Rat des Krs. Güstrow; 1953 – 58 Instrukteur in der Abt. Maschinenbau u. Metallurgie des ZK der SED; ab 1958 Sektorenltr. u. Ltr. des Fahrdienstes in der Abt. Verw. der Wirtschaftsbetriebe des ZK der SED; 1961 stellv. Ltr. u. 1964 – 89 Ltr. dieser ZK-Abt. (Nachf. von  Walter Heibich); 1960 Mitgl., 1962 – 89 Vors. der Revisionskommission der SED-PO beim ZK der SED; 1964, 1967 u. 1988 VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

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Globig, Marta

* 9.7.1901 – ✝ 21.3.1991

Als Marta Jogsch am 9. Juli 1901 in Kiel-Gaarden geboren. Stenotypistin, Mitbegründerin der FSJ bzw. der KJD. 1919 gehörte sie der Zentrale der FSJ an und war bis 1921 für das Ressort Kinder- und Mädchenarbeit verantwortlich. Von 1922 bis 1924 Angestellte der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, wurde 1925 Mitarbeiterin des ZK der KPD. Von 1928 bis 1930 war Marta Globig Mitglied der KPD-BL Westsachsen, Leiterin des RFMB Westsachsen. 1930/31 erneut Angestellte im ZK, Abteilung Information. 1931 folgte sie ihrem Mann Fritz Globig in die UdSSR und war dort von August 1931 bis August 1933 Mitarbeiterin der OMS, anschließend bis März 1935 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Institut der Kommunistischen Akademie. Ab Juni 1936 sowjetische Staatsbürgerin, 1937 Redakteurin im Verlag ausländischer Arbeiter. Am 30. November 1937 vom NKWD verhaftet und am 28.Dezember 1937 durch die Sonderkommission zu zehn Jahren Freiheitsentzug wegen »konterrevolutionärer Tätigkeit« verurteilt. In ein Arbeitslager nach Karaganda verbannt, trennte sie sich 1943 von ihrem Mann. Ab November 1947 noch Zwangsansiedlung in Karaganda, wo sie Arbeiterin in einer Schuhfabrik war. Der Sohn Hans Globig (geb. 1921) kam 1941 in die berüchtigte »Arbeitsarmee« und verschwand. Mehrere Bittgesuche des PV der SED an das ZK der KPdSU um Rückkehr von Marta Globig blieben ergebnislos. Erst im Februar 1956 vom Moskauer Stadtgericht rehabilitiert, durfte sie im April 1956 in die DDR übersiedeln und war bis 1963 wissenschaftliche Mitarbeiterin am IML. Marta Globig starb am 21. März 1991 in Berlin.

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Glombitza, Ewald

* 16.11.1878 – ✝ 15.12.1969

Geboren am 16. November 1878 in Halbau/ Schlesien, Sohn eines Webers; nach der Weberlehre Arbeit in einer englischen Weberei in Grünberg in Schlesien. 1902 Mitglied des Textilarbeiterverbandes, 1904 der SPD. 1913 zog Glombitza nach Limbach/Sachsen und war dort in der Folgezeit Vorsitzender des Textilarbeiterverbandes. 1913 Delegierter zum SPD-Parteitag in Jena. Von 1914 bis zu seiner Verwundung 1917 Soldat im Weltkrieg. Glombitza trat 1917 der USPD und 1918 dem Spartakusbund bei. Während der Novemberrevolution Mitglied des Limbacher Arbeiter- und Soldatenrates. Bis 1925 arbeitete er hauptamtlich im ADGB, war von 1925 bis 1930 Geschäftsführer des als »roter Konsum« bekannten Konsumvereins Limbach. Im April 1925 kam er als Nachfolgekandidat für den ausscheidenden Paul Bertz in den Sächsischen Landtag, dem er bis zum Ende der Legislaturperiode 1926 angehörte. 1925 zum Bürgermeister von Kändler bei Limbach-Oberfrohna gewählt, übte er dieses Amt bis 1931 aus. Glombitza wurde 1928 wegen »Disziplinbruchs« von der BL Erzgebirge-Vogtland aus der KPD ausgeschlossen, weil er sich als Bürgermeister nicht an den Beschluß der BL gehalten hatte, gegen die von der Sächsischen Landesregierung geplante Erhöhung der Grundsteuer zu kämpfen. Er arbeitete von 1931 bis zum Rentenalter in einer Gießerei bei Chemnitz, wohnte dann, politisch zurückgezogen, in Kändler. Ewald Glombitza starb am 15. Dezember 1969.

Wer war wer in DDR

Geweniger, Ute

* 24.1.1964

Geb. in Karl-Marx-Stadt; 1970 BSG Motor Schönau Karl-Marx-Stadt; 1972 Beginn mit dem aktiven Schwimmsport; 1974 Wechsel zum SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Joachim Rother); 1977 zweifache Spartakiadesiegerin; 1980 erster WR über 100 m Brust (1:10,20 Min.); 1980 Olympiasiegerin über 100 m Brust u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel; 1981 fünffache EM (100 m u. 200 m Brust, 100 m Delphin, 200 m Lagen, 4 x 100-m-Lagenstaffel); 1982 dreifache WM (100 m u. 200 m Brust, 4 x 100-m-Lagenstaffel), Vize-WM über 200 m Lagen; 1983 vierfache EM (100 m u. 200 m Brust, 200 m Lagen, 4 x 100-m-Lagenstaffel); DDR-Sportlerin des Jahres 1981; Ausbildung zur Kosmetikerin; VVO; Verdienter Meister des Sports; nach 1989 Eröffnung eines Kosmetiksalons in Chemnitz.Olaf W. Reimann

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Geyer, Eduard (Ede)

* 7.10.1944

Geb. in Bielitz (Krs. Freystadt, Oberschles./ Bielice Kozuchowskie, Polen); nach Kriegsende Übersiedl. mit der Fam. nach Dresden; beginnt 1954 als Fußballspieler bei der BSG Aufbau Dresden-Mitte, zunächst Torwart, später Verteidiger; 1957 – 68 beim SC Einheit/ FSV Lokomotive Dresden; 1968 – 75 bei Dynamo Dresden, 1969 Aufstieg in die Oberliga, 1991 FDGB-Pokalsieger, 1971 u. 1973 DDR-Mstr., insg. 112 Einsätze u. 12 Tore; ab 1971 beim MfS als IM »Jahn« erf.; Ing.-Studium, dann Ausb. zum Dipl.-Sportlehrer; 1975 – 86 Junioren- u. Assistenztrainer, 1986 – 90 Trainer der Oberligamannschaft von Dynamo Dresden (Nachf. von Klaus Sammer), 1989 DDR-Mstr. u. Halbfinalist im UEFA-Pokal; 1989/90 letzter Trainer der DDR-Nationalmannschaft. 1990/91 Spielervermittler bei Schalke 04; 1991/92 Trainer der ungar. Erstligamannschaft Bányász Siófok (heute Balaton FC); 1992 – 94 beim FC Sachsen Leipzig (3. Liga); 1994 – 2004 Trainer des FC Energie Cottbus, 1997 Aufstieg von der Regionalliga in die 2. Bundesliga u. DFB-Pokalfinalist, 2000 Aufstieg in die 1. Bundesliga, 2003 Abstieg; 2005/06 Trainer bei Al Nasr (Dubai, Vereinigte Arab. Emirate); 2000 »Goldene Henne«; 2006/07 Sportdir. u. Trainer des FC Sachsen Leipzig; 2007/08 Trainer der SG Dynamo Dresden; lebt in Dresden.Baingo, A.: E. G. – Fußball mit Herz u. Verstand. Bremen 2001; Pleil, I.: Mielke, Macht u. Meisterschaft. Berlin 2001.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Gibtner, Horst

* 23.8.1940 – ✝ 2.4.2006

Geb. in Hirschberg am See (Krs. Böhm. Leipa/ Doksy u. Máchova Jezera, Tschechien); 1958 Abitur in Quedlinburg; 1958/59 Praktium bei der DR in Magdeburg; 1959 – 64 Studium an der HS für Verkehrswesen »Friedrich List« in Dresden, Dipl.-Ing.; 1964 – 69 Mitarb. im Werk für Signal- u. Sicherungstechnik in Berlin, zeitw. in einer Entw.-Stelle der DR; 1969 – 90 Mitarb. des Min. für Verkehrswesen; 1971 CDU; 1979 – 81 Bezirksstadtrat in Berlin-Friedrichshain; 1981 – 90 Vors. des CDU-KV Berlin-Treptow; 12.4. – 3.10.1990 Min. für Verkehrswesen (Nachf. von Heinrich Scholz). 1990 – 94 MdB; 1994 – 2000 Bereichsltr. Ausrüstung der Planungsgesell. Bahnbau Dt. Einheit, zuständig für die Modernisierung der Leit- u. Sicherungstechnik, u. a. Pilotstrecke Ludwigsfelde-Bitterfeld; 1997 – 2005 Konzernbeauftragter der Dt. Bahn AG für das Land Mecklenb.-Vorpomm. in Schwerin; Mai 2005 Ruhestand; gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

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Gießmann, Ernst-Joachim

* 12.2.1919 – ✝ 17.10.2004

Geb. in Berlin; Vater Lehrer u. Kantor in Friedrichsthal (b. Oranienburg); Reformrealgymnasium in Oranienburg, 1937 Abitur; 1.5. 1937 NSDAP; Studium der Mathematik u. Physik an der TH u. Univ. Berlin, 1943 Dipl.-Phys.; 1943 Wehrdienst; 1943 – 45 Mitarb. am Inst. für techn. Physik an der TH Berlin; Mitgl. der Bekennenden Kirche. 1945 – 48 Lehrer u. Dir. von OS in Oranien- burg u. Frankfurt (Oder); 1945 FDGB, KB; 1946 SED; Prom. zum Dr. rer. nat.; 1948 DSF; 1946 – 48 Stadtverordn. in Oranienburg; 1948 – 51 Mitarb. für Volksbildung des Landes Brandenb. u. des Min. für Schwermaschinenbau, dort Ltr. der gesamten metallurgischen Forschung der DDR; 1951 – 53 Oberassistent an der PH Potsdam, anschl. Habil.-Aspirantur; 1954 – 57 Mitgl. der Urania; 1954 Physikal. Ges., 1984 – 90 stellv. Vors.; 1954 Habil.; ord. Prof. u. Dir. des Physikal. Inst. an der HS für Schwermaschinenbau in Magdeburg (ab 1961 TH »Otto von Guericke«), 1956 – 62 amtl. Rektor (Nachf. von Heinz Schrader); zeitw. Mitgl. der SED-BL Magdeburg; 1957 – 65 Mitgl. der Sekt. Physik der DAW; 1958 – 63 Vizepräs. des KB; 1958 – 63 Abg. der Volkskammer; 1962 – 67 Staatssekr. (Nachf. von  Wilhelm Gernus), 1967 – 70 Min. für HS- u. FS-Wesen; 1969 Banner der Arbeit; 1970 – 84 Prof. für Physik an der IHS Berlin-Wartenberg; em.; Vors. der Zentr. Kommission Wiss. beim Präsidialrat des KB; 1984 – 89 stellv. Vors. des Clubs der Kulturschaffenden; gest. in Neudorf. Hauptarbeitsgebiete: Festigkeitseigenschaften v. Materialien, Agrarphysik, Physikgeschichte.Wie sich Geschosse bewegen. Leipzig 1955; Über Wissenschaft u. techn. Rev. beim umfassenden Aufbau des Soz. in der DDR. Berlin 1966; Physikal.-techn. Methoden u. ihre Anwendung in Landw. u. Technik. Berlin 1984.Horst Kant / Helmut Müller-Enbergs

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Gilde, Werner

* 9.6.1920 – ✝ 2.2.1991

Geb. in Horst (Holstein) als Sohn eines Maurers; 1939 Abitur am Realgymnasium; RAD; Studium der Metallkunde, Mineralogie u. Physik in Göttingen; freiw. Kriegsdienst in einem Artillerie-Rgt., zul. Ltn. 1945 Forts. des Studiums u. 1947 Prom.; 1948 Übersiedl. in die SBZ; Ltr. der Gütekontrolle in der Maxhütte Unterwellenborn; SED; Forschung auf dem Gebiet der Schweißmetallurgie, Dipl. als Schweißing. u. Plastanwendungsing.; 1952/53 Abt.-Ltr. im Eisenforschungsinst. Hennigsdorf; 1953 – 85 Dir. des ZI für Schweißtechnik in Halle; 1962 Habil. an der TH Magdeburg; 1964 NP; 1965 Prof. mit Lehrauftrag für Schweißtechnik an der THC Merseburg, zugl. Lehrtätigkeit an der TH Ilmenau; 1968 NP (im Koll.); 1971 DDR-Mstr. im Hochseesegeln; Mitgl. des Forschungsrats; Bevollm. der DDR im RGW-Koordinierungszentr. für Schweißtechnik; Ehrenmitgl. der Japan. Ges. für Schweißtechnik; Inhaber von ca. 100 Patenten; zahlr. fachl. Publ., populärwiss., publizist. u. belletrist. Veröff.Das Schweißen der Nichteisenmetalle. (2. Aufl.). Berlin 1968; Leben ohne Rückfahrkarte. Autobiogr. Halle, Leipzig 1980; Dienstreisen mit Augenzwinkern. Halle 1984; Wege zum Erfolg. Halle 1985; Das abenteuerl. Leben des Herrn von Platen. Halle 1987; Nachahmung empfohlen. Gedanken u. Erfahrungen. Halle 1988.Jan Wielgohs

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Girnus, Wilhelm

* 27.1.1906 – ✝ 10.7.1985

Geb. in Allenstein (Ostpr./Olsztyn, Polen); Vater Gerber; 1912 – 25 Volksschule, Gymnasium, Abitur; 1925 – 32 Werkstudium (Ausbildung zum Kunsttischler u. Studium Malerei/ Kunstgeschichte) an der Akad. für Kunst u. Kunstgewerbe Breslau (frz. Lit. u. a. an der Sorbonne Paris), Examen für Werklehrer u. Kunsterzieher; 1929 KPD; 1931 Reichsltg. »Rote Studenten«; 1932 Mitgl. der erw. KPD-BL Ostpr.; nach dem 2. St.-Ex. höherer Schuldienst; 1932/33 Studienassessor am Gymn. in Hohenstein, entlassen; 1933 – 45 illeg. pol. Arbeit, pol. Instrukteur der KPD-BL Ostpr. in »Nordost« (Tilsit, Insterburg, Gumbinnen, Stallupönen, Pillkallen); 11.3.1935 verhaftet; Haft im Zuchthaus Amberg; Febr. 1937 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt; 1937 – 45 Haft im KZ Sachsenhausen, ab 1942 im KZ Flossenbürg; April 1945 geflohen während des Marsches nach Dachau. Juli 1945 Verw.-Funktionär im Thür. Schulwesen; Nov. 1945 Aufbau des Rundfunks in der SBZ (ZV für Volksbildung), 1946 – 49 Intendant des Berliner Rundfunks; 1949 – 53 Red. der Ztg. »Neues Dtl.«, verantw. für Innen-, anschl. Kulturpol.; 1951/52 in der Formalismus-Debatte vertrat er hinsichtlich der Barlach-Ausstellung der DAK u.  Paul Dessaus Oper »Die Verurteilung des Lukullus« den doktrinären Standpunkt der SED-Führung; Frühjahr 1953 Kontroverse mit  Hanns Eisler in der DAK (»Mittwochsges.«) über das Libretto der Oper »Johann Faustus« (Musik u. Text von Hanns Eisler), maßgebl. Anteil an deren Absetzung; 1953 Prom. zum Dr. phil an der KMU Leipzig; 1953 – 57 Sekr. des »Aussch. für dt. Einheit«; ehrenamtl. Lehrstuhlltr. am ZfG; 1957 – 62 Staatssekr. für HFS-Wesen (Nachf. von  Gerhard Harig); 1962 – 71 Prof. für Allg. Lit.-Wiss. an der HU Berlin; 1964 – 81 Chefred. der Lit.-Ztschr. »Sinn u. Form« (hrsg. von der DAK) (Nachf. von  Bodo Uhse); 1965 Mitgl. der DAK; Mitgl. in Ltg.-Gremien, u. a. seit 1952 im Vorst. der Goethe-Ges.; 1957 – 74 Vizepräs. der Dt.-Frz. Ges.; gest. in Berlin.Voltaire, eine Biogr. Berlin 1958; Wozu Lit.? Leipzig 1976; Aus den Papieren des Germain Towardschus. Autobiogr. Roman. Rostock 1982. Parker, St.: Sinn u. Form unter W. G. In: Sinn u. Form (1977) 2; Braun, M.: Die Literaturztschr. »Sinn u. Form«. Bremen 2004.Jürgen Kaulfuß / Bernd-Rainer Barth

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Glaeser, Wolfgang

* 9.7.1940

Geb. in Brandenburg (Havel); Vater kfm. Angest.; 1946 – 58 Volks- u. Oberschule, Abitur; 1958 – 62 Pädagogikstudium (Sport u. Geographie) an der HU Berlin; St.-Ex., Fachlehrer; 1962 – 73 Schwimmtrainer an einer KJS in Brandenb.; 1973 – 85 Lehrer für Geogr. u. Sport an einer POS in Brandenb.; 1966 NDPD; Vors. eines Wohngebietsverb. in Brandenb., ab 1974 Mitgl. des Krs.-Vorst. Brandenb., 1986 – 90 dort Sekr.; 1974 – 89 Stadtverordneter; 21.1.1990 Vors. der NDPD (Nachf. von  Günter Hartmann), 23.1. Rücktritt (nach Intrigen der alten Führung), ab 11.2. Mitgl. des PV der NDPD bis zum kooperativen Beitritt zum Bund Freier Demokraten am 28.3., danach dessen Mitgl. im Bundesvorst., später FDP; seit 1990 stellv. FDP-Krs.-Vors. Brandenburg (Havel). 1991 Geschäftsf. des Landesschwimmverb. Brandenb.; Okt. 1991 – Dez. 2001 hauptamtl. Geschäftsf. der Karl-Haman-Stiftung Brandenb., anschl. ehrenamtl.; seit 1991 Mitgl. des LV der FDP Brandenb., Vors. des Landesfachaussch. Sport u. seit 1992 Mitgl. des Bundesfachaussch. Sport der FDP; 1992 – 2004 Vors. der Wasserfreunde Brandenb.; 1991 – 2005 ehrenamtl. Geschäftsf. des VLK-LV Brandenb.; seit 2002 Referent u. Ltr. des Regionalprogramms Brandenb. der Friedrich-Naumann-Stiftung in Potsdam-Babelsberg.Helmut Müller-Enbergs

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Gläser, Georg

* 3.5.1915 – ✝ 23.8.1994

Geb. in Berlin; Vater Kesselschmied; Volksschule; Ausbildung zum Drucker, abgebrochen; mit den Eltern 1931 in die UdSSR; 1933 Ausbildung zum Maschinensetzer; Ltr. der dt. Jugendgr. im Klub ausländ. Arbeiter; Mitgl. des Komsomol; 1934 Vorbereitungskurs für illeg. pol. Arbeit in Dtl. unter  Paul Verner; Okt. 1934 über Prag nach Hannover, Magdeburg u. Berlin, bis Herbst 1935 in Hannover; Teiln. am KJI-Kongreß in Moskau; Lehrgang an der kommunist. Univ. der nat. Minderheiten des Westens bis zur Auflösung, Übergang zur Lenin-Schule; KPD; 1938 über Prag, Paris, Berlin nach Kopenhagen u. Malmö; Instrukteur der Abschnittsltg. Mitte unter  Karl Mewis; Übersiedl. nach Göteborg; nach weiterer Berlin-Fahrt sollte er in Schweden bleiben; in Malmö mit Herstellung der »Berliner Volksztg.« befaßt; 1940 verhaftet, Internierung in Smedsbo, zus. mit  Anton Plenikowski u. Paul Verner; Mitgl. der dortigen KPD-Ltg.; 1943 Entlassung nach Söderhamn; Arbeit als Maschinensetzer; Mitarbeit an den Ztgn. »Söderhamnskuriren« u. »Pol. Information«. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Ref. für Kommunalpol. im SED-Parteiapparat unter Plenikowski; 1949 zwecks »Disziplinierung« zum Studium an die PHS delegiert; anschl. dort bis 1955 Parteisekr. unter  Hanna Wolf; dann Mitarb. der Abt. Parteiorgane, dort verantw. für Parteischulen; trat gegen Hanna Wolf für offene Auseinandersetzung mit westl. Ideologien auf, was ihm den Ruf einbrachte, zur  Schirdewan-  Wollweber-Gruppe zu gehören; 1956 vom PB des ZK der SED in die Kommission Rehabil. als Sekr. berufen; nach Abschluß der Auseinandersetzungen mit Schirdewan u. Wollweber 1958 ohne Parteistrafe von Berlin nach Grimma versetzt; dort bis 1961 Ratsvors. des Krs. u. Mitgl. des Büros der SED-KL; 1961 nach Leipzig in den Bez.-Aussch. der NF (bis 1967); Sekr. der GO der BPS Leipzig; danach Rentner; gest. in Leipzig.Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Stuttgart 2000.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Glatzer, Helene

* 8.2.1902 – ✝ 26.1.1935

Geboren am 8. Februar 1902 in Weinböhla/ Sachsen. Die Eltern waren seit 1905 Mitglied der SPD. Da der Vater früh verstarb, mußte die Mutter zwei Töchter allein erziehen. In Not aufgewachsen, schloß sich Helene Glatzer 1921 der Kommunistischen Jugend Deutschlands an. Sie arbeitete als Kontoristin in Dresden und war die Ernährerin der Familie. Funktionärin des KJVD in Ostsachsen, 1922 Eintritt in die KPD, 1925 verantwortlich für Frauenarbeit in der Bezirksleitung der KPD Ostsachsen (Dresden) und aktiv im Roten Frauen- und Mädchenbund. Von 1929 bis 1930 Abgeordnete des Sächsischen Landtags, setzte sie sich vor allem ein für die Gleichberechtigung und soziale Sicherung der proletarischen Frauen. 1930 in die UdSSR delegiert, arbeitete Helene Glatzer zunächst im Büro der Komintern und studierte dann über drei Jahre an der Internationalen Leninschule in Moskau. Sie heiratete dort den Arzt Max Tschalewitschow, wurde Anfang 1935 zur illegalen Arbeit nach Deutschland geschickt. Es gelang der Gestapo, sie am 26.Januar 1935 in Halle zu verhaften. Wenige Tage nach der Festnahme wurde Helene Glatzer am 31. Januar 1935 im Polizeigefängnis von Halle ermordet und am 6.Februar 1935 in Halle beigesetzt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Glienke, Franz Richard Hugo

* 25.2.1900 – ✝ 24.10.1979

(* 1900 – † 1979) Geboren am 25. Februar 1900 in Hamburg; Zimmermann, Soldat im Ersten Weltkrieg. Er desertierte, kam in Haft und schloß sich während der Revolution Heinrich Laufenberg an. Später war er unter dem Decknamen Moise Grimberg in Frankreich bei den Anarchisten aktiv. Danach Eintritt in die Fremdenlegion und Einsatz in Marokko. Nach Desertion wurde er durch ein Kriegsgericht verurteilt, 1924 amnestiert. Glienke kam nach Deutschland zurück, veröffentlichte den vielbeachteten Erlebnisbericht »Ein Proletarier in der Fremdenlegion«. Arbeiterkorrespondent für die kommunistische Presse, trat 1929 in die KPD ein, Redakteur bei der »Hamburger Volkszeitung« und Mitarbeiter der BL Wasserkante. Seit 1930 Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der Komintern. Nach einigen Wochen »Schutzhaft« im KZ Fuhlsbüttel soll Glienke 1933 angeblich für die Gestapo gearbeitet haben und in deren Auftrag nach Moskau gereist sein. Hier offenbarte er sich der sowjetischen Geheimpolizei und trat in die Dienste der GPU. Nach Deutschland zurückgekehrt, kam er in Konflikte mit der Gestapo, die ihm nun mißtraute. Er flüchtete nach Schweden und unterstützte die KP Schwedens, bekam keine Einreisepapiere für die Sowjetunion. In Exilzeitungen wurde vor Glienke als Gestapospitzel gewarnt, daraufhin begab er sich in die Obhut der deutschen Botschaft in Paris, erhielt von dieser Geld und Rückreisepapiere. Dann in Deutschland festgenommen, kam er in das KZ Sachsenhausen, konnte nach Dänemark fliehen. Durch Vermittlung des Matteotti-Komitees und Kontakten zur dänischen SP veröffentlichte er die Broschüre »Im Dienste der GPU und der Gestapo«. Anfang September 1940 in Dänemark interniert, wurde er im August 1941 nach Hamburg überführt und am 5.Februar 1943 vom OLG Hamburg zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, ab Juni 1944 im Ausländergefängnis in Köslin/Pommern. Nach 1945 Mitarbeit in der VVN Hamburg, ab 1950 im Vorstand des BVN Hamburg, später engagierte er sich bei der Erstellung des Totenbuches des KZ Neuengamme. Franz Glienke starb am 24. Oktober 1979 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Glöckner, Herbert

* 8.1.1909 – ✝ 6.1.1990

Geb. in Dresden; Vater Brauer; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Fleischer; 1930 KPD; ab 1933 illeg. Arbeit; verhaftet u. wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren u. drei Monaten Haft verurteilt, Haft im Zuchthaus Waldheim u. im KZ Sachsenburg; 1937 – 41 Bauarb.; 1941 erneut festgenommen u. zu 15 Jahren Haft verurteilt, Haft im Zuchthaus Waldheim, anschl. im KZ Mauthausen. 1945 Mitarb. der KPD-KL Dresden; 1946 SED; 1946 – 48 Mitarb. der SED-LL Sachsen; 1948 – 50 2. Sekr. der SED-Gebietsparteiltg. Wismut; 1951 / 52 Ass. u. Lehrer an der PHS der SED; 1952 / 53 1. Sekr. der SED-BPO im VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« in Wildau; 1953 1. Sekr. der SED-BPO im Min. für Lebensmittelind.; anschl. Parteiorganisator des ZK.; VVO.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Glückauf, Erich

* 12.9.1903 – ✝ 23.4.1977

Geb. in Wittlich (Eifel); Vater Buchdrucker, Mutter Verkäuferin; Volks- u. Realschule; 1919 – 22 Berg-, Land- u. Bauarb.; ADGB; 1921 KJVD, Rote Ruhrarmee; 1922 KPD; 1923 Mitgl. der KPD-UBL Bielefeld; 1924 – 27 Volontär beim KPD-Organ »Schlesische Arbeiterztg.«; 1927 – 32 Ltr. der Presseabt. der KPD-Reichstagsfraktion, 1930 pol. Red. im Pressedienst des ZK der KPD; 1932/33 Mitgl. der KPD-BL Niederrhein u. Chefred. der »Freiheit«; 1933 – 35 illeg. pol. Arbeit als Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Niederrhein u. in Prag.; bis 1934 Ref. im mitteleurop. Sekr. der KI in Moskau; als Mitgl. der KPD-BL im Saargeb. u. ZK-Instrukteur in Berlin; 1936 – 39 Internat. Brigaden in Spanien, Red. des Dt. Freiheitssenders 29,8; 1939 in Amsterdam inhaftiert u. nach drei Mon. Haft nach Belgien abgeschoben; 1939 – 45 Exil in Norwegen, 1940 Schweden, dort kurzz. interniert; Juli 1941 – 43 »illeg. Spezialarbeit«; ab 1943 Mitgl. der Emigr.-Ltg.; Chefred. der dt.-spr. antifa. Ztschr. »Pol. Information« u. freier Journalist. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 KPD-BL Mecklenb.; 1946 Intendant des Landessenders Schwerin; Chefred. der »Mecklenb. Landesztg.«; 1946 – 50 Mitgl. des SED-LV Mecklenb.-Vorpom. u. Abg. des dortigen Landtags (Präs.-Mitgl.), Landessekr.; 1950 Mitgl. der Westkommission des SED-PB; 1951 stellv. Ltr. für Gesamtdt. Arbeit u. ab 1952 Ltr. des entsprechenden Arbeitsbüros des ZK der SED, mit Unterbrechungen; 1961 – 68 Mitgl. des PB des ZK der illeg. KPD (Bundesrep. Dtl.); 1971 – 73 Vertreter des ZK der SED im Red.-Kolleg. der Ztschr. »Probleme des Friedens u. des Soz.« in Prag (Nachf. von  Helene Berg); 1970 KMO; 1973 VVO; 1974 – 77 wiss. Mitarb. am IML.Begegnungen u. Signale. Erinnerungen eines Revolutionärs. Berlin 1976 (nach Erscheinen u. a. auf Betreiben von Karl Mewis wiedereingezogen). Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Stuttgart 2000.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Geyer, Anna

* 13.3.1893 – ✝ 2.3.1973

Geboren am 13. März 1893 in Frankfurt/M. als Anna Elbert, Tochter eines Bildhauers. Nach Schulbesuch Tätigkeit als Sekretärin und Hausfrau. 1917 heiratete sie den Redakteur der »Leipziger Volkszeitung« Curt Geyer und wurde Mitglied der USPD. Obwohl sie in dieser Zeit nur als Schriftsteller- und Parteiredakteursgattin galt, engagierte sie sich innerhalb der USPD. Sie war Mitglied der USPD-Zentralstelle für Betriebsräte und Herausgeberin eines parteieigenen Informationsdienstes. Ab 1919 Stadtverordnete der USPD in Leipzig, kam sie im Februar d.J. als Abgeordnete in den Sächsischen Landtag. Gemeinsam mit ihrem Mann warb sie für den Anschluß der USPD an die Komintern und trat im Dezember 1920 in die VKPD ein, wo sie Leiterin des Parteipressedienstes wurde. Da Anna Geyer mit Paul Levis Haltung sympathisierte und diesen nach dessen Kritik am putschistischen Kurs der Zentrale auch noch mit internen Dokumenten der Komintern und der VKPD-Zentrale versorgte, wurde sie nach dem VII. Parteitag 1921 gemeinsam mit ihrem Mann aus der VKPD ausgeschlossen. Sie trat erst der KAG, im März 1922 der USPD und im September der SPD bei. Sie ist 1933 in die Tschechoslowakei emigriert, 1937 nach Frankreich und 1940 über Portugal in die USA. Anna Geyer starb am 2.März 1973 in Detroit.

Wer war wer in DDR

Geyer, Fritz

* 30.12.1888 – ✝ 24.6.1966

Geb. in Großenhain; Vater Zigarrenmacher; Volksschule u. Gymnasium; 1908 – 12 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Leipzig, Prom. zum Dr. phil.; 1915 Militärdienst, Ltn. der Reserve; 1919 USPD, 1920 VKPD, 1922 erneut SPD; 1920 – 33 Ministerialrat im sächs. Justizmin., 1933 aus polit. Gründen entlassen; 1933 – 45 Gelegenheitsarbeiter. 1945 SPD, 1946 SED; 1946 – 49 Ltr. des Büros des sächs. Ministerpräs.  Rudolf Friedrichs bzw.  Max Seydewitz; 1949 – 56 Chef der Regierungskanzlei bzw. des Büros des Ministerrats; anschl. Prof. für Völkerrecht an der DASR Potsdam, 1962 Prorektor für die Ausbildung leitender Funktionäre für den ausw. Dienst, zeitw. Dir. des Inst. für Völkerrecht u. internat. Beziehungen; Ehrensenator der TH Dresden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Gienke, Horst

* 18.4.1930

Geb. in Schwerin; Vater städt. Beamter; Gymnasium; 1949 – 54 Studium der Theol. in Rostock; 1954 Ordination, erste Pfarrstelle in Blankenhagen (Mecklenb.), dort ab 1957 zunehmend Konflikte mit der restriktiven staatl. Kirchenpol.; 1960 Pfarrer an der Johanneskirche in Rostock; 1964 – 71 Rektor des Predigerseminars der Mecklenb. Ev.-Luth. Landeskirche in Schwerin u. bis 1972 Mitgl. der Landessynode; seit Gründung des Bundes der Ev. Kirchen in der DDR im Jahr 1969 – 89 Mitgl. der Bundessynode u. der Konferenz der Ev. Kirchenltg., in wachsendem Maße Vertreter des Konzepts »Kirche im Soz.« u. einer v. a. friedenspol. Zusammenarbeit mit dem Staat, zugl. Verfechter einer glaubens- u. theologiebetonten Arbeit des Kirchenbunds; 1972 Landessuperintendent in Schwerin; 1972 Wahl zum Bischof der Ev. Landeskirche Greifswald (Nachf. von  Friedrich-Wilhelm Krummacher); seitdem Mitarb. im Norddt. Kirchenkonvent; 1973 Teiln. am Weltkongreß der Friedenskräfte in Moskau; 1973 – 76 (Nachf. von  Hans-Joachim Fränkel) u. 1987 – 89 Vors. des Rats der Ev. Kirche der Union (Nachf. von  Gottfried Forck); 1976 – 81 Vors. der Arbeitsgemeinschaft Christl. Kirchen in der DDR; 1977 Delegierung zur Vollvers. des Luth. Weltbunds in Daressalam; 1980 Dr. h. c. theol. der EMAU Greifswald; 1980 – 85 Vors. des Nationalkomitees des Luth. Weltbunds in der DDR; 1981 – 86 stellv. Vors. der Konferenz der Ev. Kirchenltg.; 1982 Ltr. der Delegation des Kirchenbunds zur Weltkonferenz »Religiöse Vertreter für die Rettung der hl. Gaben des Lebens vor einer nuklearen Katastrophe« in Moskau; 1984 Teiln. am Treffen des schwed. Min.-Präs. Olof Palme mit  E. Honecker in Stralsund; 1984 – 89 Mitgl. des EK des Luth. Weltbunds; 1987 – 89 Vors. des Bibelwerks in der DDR; 11.6.1989 Wiedereinweihung des Greifswalder Doms unter Teiln. des von G. eingeladenen Staatsratsvors. Erich Honecker; in der Folgezeit wachsende innerkirchl. Kritik an G.s (auch theolog. motiviertem) freundl. Kurs gegenüber der DDR-Staatsführung sowie seinem als autoritär gekennzeichneten Ltg.-Stil, Nov. 1989 Vertrauensentzug durch die Landessynode (32 zu 30 Stimmen), Rücktritt vom Bischofsamt, auf eigenen Wunsch Versetzung in den Ruhestand; 1990 Übersiedl. nach Lübeck; beim MfS als IM »Orion« erf.; lebt in Westerstede (Niedersachsen).Dome, Dörfer, Dornenwege. Lebensbericht eines Altbischofs. Rostock 1996. Findeis, H., Pollack, D. (Hrsg.): Selbstbewahrung o. Selbstverlust. Berlin 1999.Uwe Funk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Giesselmann, Otto

* 2.4.1904 – ✝ 3.8.1944

Geboren am 2. April 1904 in Schildesche/Krs. Bielefeld, Sohn einer Arbeiterfamilie; kaufmännische Lehre, Metallarbeiter. 1921 Mitglied der kommunistischen Jugend, 1922 der KPD. Giesselmann leitete 1927 die KPD in Bielefeld-Ost und führte die kommunistische Fraktion im DMV Bielefeld. 1928 erwerbslos, meldete er sich beim ZK, um als Facharbeiter in die Sowjetunion zu kommen und konnte 1929 zum Studium an der Internationalen Leninschule nach Moskau reisen. Nach seiner Rückkehr wurde er vom ZK 1931 zum Nachfolger von Eugen Wiedmaier als Polleiter des Bezirks Danzig eingesetzt. Im Februar 1933 in Danzig verhaftet und der Gestapo in Marienburg übergeben, die ihn in ein KZ überführte, aus dem er im Januar 1936 entlassen wurde. Giesselmann ging nach Bielefeld zurück und arbeitete als kaufmännischer Angestellter. Ende 1941 beteiligte er sich in der Gruppe Hermann Kleinewächter u. a. am Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Mit zahlreichen Mitgliedern dieser Gruppe Ende 1943 verhaftet, wurden er und mehrere Mitangeklagte am 3. August 1944 vom 2. Senat des VGH zum Tode verurteilt. Otto Giesselmann wurde am 22. September 1944 in Bielefeld hingerichtet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gill, Hugo

* 6.2.1897 – ✝ 14.5.1972

Geboren am 6. Februar 1897 in Berlin, Sohn eines Tischlers, 1898 Umzug nach Hamburg; ungelernter Arbeiter. 1915 Eintritt in die SPD. 1917/18 Kriegsdienst. 1920 Mitglied der USPD, 1922 der KPD. Gill wurde Polleiter in einem Hamburger UB und später auch Mitarbeiter der BL Wasserkante bzw. Angestellter bei der sowjetischen Handelsgesellschaft Derutra. Im April 1932 wurde Gill in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, der er bis März 1933 angehörte. Ab Januar 1933 war er Instrukteur und für die Verbindung zur Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit verantwortlich. Am 24. Oktober 1933 verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, im Dezember 1937 zwar entlassen, aber im Februar 1938 erneute Festnahme und Verurteilung zu eineinhalb Jahren Zuchthaus. Anschließend dienstverpflichtet, 1940 kam Gill nach Dänemark, zum Luftgaukommando Aalborg. Im Herbst 1944 zur Wehrmacht einberufen, kehrte er im Sommer 1945 schwer krank nach Hamburg zurück; Gill war bis 1956 hauptamtlicher Mitarbeiter der KPD-Landesleitung Hamburg und 1953 Bürgerschaftsabgeordneter. Nach dem KPD-Verbot zunächst arbeitslos, später Bote bei einer Hamburger Firma. Er gehörte seit 1956 der illegalen KPD-Landesleitung Schleswig-Holstein an und war ab 1968 in Hamburg Mitglied der DKP. Hugo Gill starb am 14. Mai 1972 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Gißke, Ehrhardt

* 2.3.1924 – ✝ 19.7.1993

Geb. in Schönstedt (Krs. Bad Langensalza); Vater Maurer; 1938 – 40 Ausbildung zum Maurer; 1941 – 43 Staatsbauschule Gotha; 1942 NSDAP; 1943 – 45 Wehrmacht. 1945 Ing.-Schule für Bauwesen Gotha, Bauing.; SED; 1945 – 50 Ltr. des volkseigenen Entwurfsbüros in Bad Langensalza; leitete den Wiederaufbau des durch eine Naturkatastrophe zerstörten Ortes Bruchstedt, den Bau von Sportstätten in Oberhof u. Leipzig; 1952 Abt.-Ltr. im thüring. Min. für Wirtschaft u. Arbeit in Erfurt; 1951/52 Sonderbeauftr. im Min. für den Aufbau Berlins; 1952 – 55 Abt.-Ltr. im Baustab beim Nat. Aufbauprogr. in Berlin, Sonderbaustab Stalinallee, Org. der Trümmerbahn; 1955 – 58 stellv. Chefarchitekt u. 1958 – 63 Stadtbaudir. von Berlin; 1964/65 stellv. Dir. des VEB Typenprojektierung Berlin; 1966 – 73 Dir. des Inst. für Industriebau der DBA; 1969 Prom., Dr.-Ing.; 1973 Prof. an der DBA; 1974 – 89 GD der Baudir. Berlin des Min. für Bauwesen, leitete u. a. den Bau der Sondervorhaben Palast der Rep., Friedrichstadtpalast, Grand-Hotel, Palast-Hotel, Platz der Akad. mit Schauspielhaus u. Frz. Dom, Berliner Dom, Sport- u. Erholungszentrum, Nikolaiviertel in Berlin; 1969 u. 1986 NP; 1979 VVO; 1984 KMO. Prägte durch seinen Einfluß auf Großprojekte die hist. Phase des innerstädt. Bauens in Berlin.Der Bebauungsplan für das Zentrum der Hauptstadt der DDR. Berlin 1961; Bauen in Berlin. Berlin 1987 (Hrsg.); Bauen – mein Leben. Berlin 1987; Nikolaiviertel u. Friedrichswerdersche Kirche. Berlin 1988.Simone Hain / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Glaß, Harry

* 11.10.1930 – ✝ 14.12.1997

Geb. in Klingenthal (Vogtl.); Vater Schuhmacher; Volksschule; 1946 – 50 Ausbildung zum Schuhmacher, dann Hauer u. 1954 – 56 Schießer bei der SDAG Wismut; zunächst Fußballspieler, ab 1950 Skispringer beim SC Dynamo Klingenthal; 1954 – 58 viermaliger DDR-Mstr.; gewann mit der Bronzemedaille bei den Olymp. Winterspielen 1956 die erste olymp. Medaille für die DDR; ab 1956 Angeh. der DVP, zul. Major; 1960 Beendigung der sportlichen Laufbahn; 1960 – 64 Mitgl. des Präs., dann bis 1988 Mitgl. des BV des DTSB; ab 1962 Trainer für Skispringen beim SC Dynamo Klingenthal; zugl. 1962 – 67 Sportstudium mit FS-Abschluß u. 1971 – 76 Studium an der DHfK Leipzig mit Abschluß als Dipl.-Sportlehrer; ab 1982 Mitarb. beim SC Dynamo Kleingenthal; 1988 invalidisiert; Mitgl. der SED; VVO; gest. in Rodewisch (b. Plauen).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Gläser, Peter (»Cäsar«)

* 7.1.1949 – ✝ 23.10.2008

Geb. in Leipzig; ab 1956 Volksmusikschule in Leipzig; 1965 Elektromonteurlehre beim VEB Energieversorgung Leipzig; ab 1966 in versch. Bands von  Klaus Renft; 1967 – 89 beim MfS als IM »Klaus Weber« erf.; 1971 erste Erfolge der Klaus-Renft-Combo mit seinen Komp.: »Wer die Rose ehrt« (Text:  Kurt Demmler), »Zwischen Liebe u. Zorn«, 1972 »Cäsars Blues« (Texte:  Gerulf Pannach); 1972 – 75 Abendstudium an der HS für Musik in Leipzig (Gitarre); 1973 »Ketten werden knapper« (Lied zu den X. Weltfestspielen), »Chilen. Metall« (Text:  Kunert/Demmler), LP »Klaus-Renft-Combo«; 1974 LP »Renft«; Gitarrist des Jahres (insges. dreimal); 1975 – 80 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Tanzmusik, Gitarre); 1975 »Rockballade vom kleinen Otto« (Text: Schoppe/Pannach) – letzter Anlaß zum Verbot von Renft in der DDR, weil »die Texte mit unserer soz. Wirklichkeit nicht das geringste zu tun haben«; die bereits produzierte dritte LP erschien nicht; 1976 – 83 bei der Gruppe Karussell (1979 LP »Entweder – oder«, 1980 LP »Das einzige Leben«, 1982 LP »Schlaraffenberg«); 1980 LP »Rock aus Leipzig« (Renft, in der Bundesrep. Dtl. erschienen); 1983 Amiga Blues Band (»Rock für den Frieden«, LP »Not Fade Away«); 1983 – 86 Cäsar’s Rockband; 1988/89 Cäsar u. die Spieler; LP »Kerschowski & Blankenfelder Boogie Band«; Frühjahr 1989 Ausreiseantrag, zurückgezogen, trotzdem aus der DDR ausgewiesen. 1991 – 94 Cäsars Band, 1994 – 99 Cäsars Trio, danach Cäsar & die Spieler; 1991 Neuaufl. der Renft-LP bei Dt. Schallplatten GmbH (Rock aus Dtl. Ost, Volume 3 u. 4); 1993 CD »Zwischen Liebe u. Zorn«; 1994 »Das Erbe – Wer die Rose ehrt« (beide: Renft); 1995 – 99 Komp. zu »Theodor Fontane – Wanderungen durch die Mark Brandenb.« (24 CD u. MC, gelesen von  Gunter Schoß), 1995 CD »Cäsar 1«, 1996 CD »Cäsar – Die Zweite«, 1996 CD »30 Jahre Cäsar: GLÄSERklirren – Best of«, 1996 Musik zum Dok.-Film »Verborgen im Regenwald – Dituks Hochzeit«, 1998 Musik zur CD »Ekkehard Schall liest aus ?Mein Kampf?«, 1998 Produzent von Kai Niemann, 1999 »Wandersmann«, 2000 CD »ich möcht mich nicht erinnern – ein ZeitDokument« (Aufnahmen 1988/89), 2001 CD »zeitSprünge live«. 2000 Gründung des eigenen Labels »cäsar music«; 2002 Tour u. CD »väter & söhne: wie du mir – so ich dir« (mit Sohn Moritz,  Wolfram Bodag u. dessen Sohn Hannes); gest. in Leipzig.Der Freund – der Tod. Berlin 1992 (mit I. Blümel); Wer die Rose ehrt. Die Autobiogr. Leipzig 2007 (mit G. Pötzsch). Nach der Schlacht. (Die Renft-Story – von der Band selbst erzählt). Berlin 1998.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Glauche, Hans

* 7.2.1928 – ✝ 9.8.1981

Geb. in Freital; Ausbildung zum Rechtspfleger; daneben Amateurauftritte als Kabarettist, u. a. beim Wismutkabarett »Die Funken«; 1959 in Berlin bei der »Berliner Spottgemeinschaft«; ging nach deren (Neu-)Gründung 1961 zur Dresdner »Herkuleskeule«; Mitw. in allen Programmen, besonders bekannt mit Standardszenen »Einzelfahrscheine« u. »Gustav u. Erich« (mit Fritz Ehlert), daneben Fernsehrollen u. Rundfunkarbeit; verfaßte zahlr. Kabarettexte, u. a. die »Gustav u. Erich«-Dialoge u. als erstes Kabarettstück der DDR die My-Fair-Lady-Adaption »Ein kleines bißchen Stück«, wurde von anderen Bühnen nachgespielt; gest. in Freital.Unterhaltungskunst A – Z. Berlin 1975; Otto, R., Rösler, W.: Kabarettgeschichte. Berlin 1977; Günther, E.: ... u. montags wird geschrieben, in Kassette 4. Berlin 1980.Gisela Winkler

Wer war wer in DDR

Glißmeyer, Hans

* 20.6.1936 – ✝ 6.7.2008

Geb. in Wethau (Krs. Naumburg); 1959 Abschluß als Dipl.-Ing. f. Eisenbahnbetrieb an der HS f. Verkehrswesen Dresden, 1965 dort Dr.-Ing.; 1971 Lehrbefähigung f. Straßenverkehrstechnik; Sekretär des DDR-Forschungsrats; Mitgl. versch. ministerieller Arbeits- u. Forschungskreise; 1972 Prof. für Verkehrsplanung; 1977 – 83 Prorektor der HAB Weimar, 1983 – 89 Rektor, 1991 aus der HAB ausgeschieden; ab 1985 kandidierendes Mitgl. der Bauakad. der DDR. Nach 1990 in Berlin Teilnehmer an Projekten zur Generalverkehrsplanung, aktive Mitwirkung an der Verkehrsentwicklungsplanung in den Neuen Bundesländern; gest. in Berlin.Lexikon Stadtverkehr. transpress Berlin 1985; 4. Bauhaus-Kolloquium 1986. In: Wiss. Zeitschrift HABW (1987) 4 – 6; 5. Bauhaus-Kolloquium 1989. In: Wiss. Zeitschrift HABW (1990) 1 – 3; H. G.: Rede des scheidenden Rektors zur Investitur, 7. Juli 1989. In: Achim Preiß, A. u. Winkler, K.-J.: Weimarer Konzepte. Die Kunst- u. Bauhochschule 1860 – 1995. Weimar 1996, Dokument 101. Kunstdokumentation SBZ / DDR 1945 – 1990. Köln 1996.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Wer war wer in DDR

Glöckner, Hermann

* 21.1.1889 – ✝ 10.5.1987

Geb. in Cotta (b. Dresden), aufgew. in Dresden u. Niederneukirch (Lausitz); Vater Schlosser u. Justierer; Volks- u. 1903 Gewerbeschule Leipzig; 1904 – 07 Ausbildung zum Textilmusterzeichner in Dresden; 1909 – 13 freiberufl. Tätigkeit als Künstler; 1915 – 18 Ausbildung als Infanterist in Breslau; Militärdienst; 1919 Zivilangest. in Zittau u. Dresden; 1919 – 22 freiberufl.; 1923/24 Studium an der Dresdener Akad. der bildenden Künste bei Otto Gußmann; 1927 Mitgl. des Dt. Künstlerbundes; erste Personalausstellung in Berlin; 1930 – 37 entstand das 150 Arbeiten umfassende konstruktivist. Tafelwerk; 1938 – 45 Ausführung von baugebundenen Aufträgen, Spezialisierung auf Sgraffito-Putzschnitt, Schrift u. dekorative Gestaltung. 1945 Verlust eines Teils der künstler. Arbeiten; Forts. der baugebundenen Arbeit; Beteiligung an der ersten Nachkriegsausstellung in Dresden »Der Ruf«; 1946 Ausstellung in der Galerie Kühl in Dresden; 1949 Mitgl. der Vorjury zur 2. Dt. Kunstausstellung; ab 1954 freie Blätter, u. a. Collagen u. Monotypien; bis 1967 entstanden ca. 135 Entwürfe für Kunst am Bau, damit Sicherung des Lebensunterhalts; 1969 Ausstellung im Kupferstichkabinett Dresden; es entstanden die ersten »Faltungen«; 1974 wesentl. Beitrag zur Ausstellung »Der Konstruktivismus u. seine Nachfolge« in Stuttgart; 1977 Ausstellung in »Das Studio«, Nationalgalerie, Berlin; 1984 NP; ab 1979 Dauervisum der DDR, zeitw. Aufenthalt in Berlin (West); ab 1986 bis zu seinem Tod ständig dort. G. gilt als Vertreter des Konstruktivismus von internat. Rang. Werke: Giebel u. Dächer (1936 – 38); Rot u. Blau auf Schwarz (1957); Schwarzer u. roter Haken (1971); Buchausstattung für John Erpenbeck »Alleingang«; Mappe mit Faltungen »3 Phasen« (1980); Stahlplastik »Mast mit 2 Faltungszonen« (1984) vor der Mensa der TU Dresden.Die Entdeckung der Konstruktion. In: Dresdener Kunstblätter 27 (1984) 1. Kat. H. G. Nationalgalerie Berlin 1977; Kat. H. G. zum 100. Geburtstag (mit Bibl.). Kupferstichkabinett Dresden. Moritzburg. Halle 1989; Dittrich, C.; Mayer, R.; Schmidt, W.: H. G. Die Tafeln 1919 – 1985. Hrsg. vom H. Glöckner-Archiv. Dresden 1992; Kat. H. G. Museum Mod. Kunst. Wien 1992.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Glückauf, Erich

* 12.9.1903 – ✝ 23.4.1977

Geboren am 12. September 1903 in Wittlich/ Mosel, Sohn eines Buchdruckers; von 1919 bis 1922 Berg-, Land- und Bauarbeiter. 1919 Mitglied der AAU. Während des Kapp-Putsches Angehöriger der Roten Ruhrarmee und Mitglied der KPD. Von 1924 bis 1927 Redaktionsvolontär bzw. Lokalredakteur an der »Arbeiterzeitung« in Breslau und an der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung« in Hannover. Von 1927 bis 1932 leitete Glückauf den Pressedienst, war Sekretär der Reichstagsfraktion und Redakteur des Mitteilungsblattes »Rote Wähler«. Ende 1932 Chefredakteur der »Freiheit« in Düsseldorf, gehörte er bis Anfang März 1933 dem Sekretariat der BL Niederrhein an. Im Mai 1933 illegal Polleiter dieses KPD-Bezirks, emigrierte er Ende 1933 nach Moskau, war dort 1934 zunächst Referent im Mitteleuropäischen Sekretariat der Komintern. Danach Chefredakteur der Saarbrücker »Arbeiterzeitung«. Anfang 1935 arbeitete Glückauf mit Wienand Kaasch als illegaler ZK-Instrukteur in Berlin, anschließend in der âSR und Belgien. 1936 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien und Lektor an Partei- und Offiziersschulen sowie Redakteur des Deutschen Freiheitssenders 29,8 in Valencia. Ab 1939 ZK-Instrukteur in den Niederlanden, dort verhaftet und nach dreimonatiger Haft von Amsterdam nach Belgien ausgewiesen, er hielt sich in Frankreich auf. Von August 1939 bis 1945 lebte Glückauf in Schweden, war 1940/41 in Langmora interniert und arbeitete von 1942 bis 1945 als Dreher in Stockholm. Er gehörte zur Leitung der deutschen Kommunisten in Schweden und war Verbindungsmann zum sowjetischen Nachrichtendienst, redigierte die deutschsprachige antifaschistische Zeitschrift »Politische Information«. Ende 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde Glückauf Chefredakteur der »Volkszei- tung« bzw. der »Landeszeitung« in Schwerin. 1948/49 stellvertretender Vorsitzender des SED-LV Mecklenburg. Im Juni 1949 gemeinsam mit Karl Schirdewan zum Leiter der Abteilung Agitation und Propaganda in der Westkommission der SED berufen, er gehörte zu den wichtigsten Funktionären, die von Ost-Berlin aus die westdeutsche KPD anleiteten. Von 1959 bis 1971 Mitglied des Politbüros der verbotenen KPD, schied dann aus der Westarbeit aus und kam 1971 ins Redaktionskollegium der Zeitschrift »Probleme des Friedens und des Sozialismus« in Prag. Seit 1975 wissenschaftlicher Mitarbeiter am IML, veröffentlichte 1976 seine Erinnerungen unter dem Titel: »Begegnungen und Signale«, die auf Veranlassung von Karl Mewis zurückgezogen wurden. Er erhielt 1970 den Karl-Marx-Orden. Erich Glückauf starb am 23. April 1977 in Ost-Berlin.Michael F. Scholz