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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Gotsche, Otto

* 3.7.1904 – ✝ 17.12.1985

Geb. in Wolferode (b. Eisleben); Vater Schuhmacher u. Bergmann; Volksschule; 1918 – 21 Ausbildung zum Klempner, dann im Beruf tätig, später Branchenltr. der Klempner in Hamburg; Gewerkschaftsfunktionen; 1918 Mitbegr. der Freien Soz. Jugend im Mansfelder Land, Teiln. an der Novemberrev.; 1919 KPD; ab 1920 Arbeiterkorrespondent für die kommunist. Presse; Teiln. an der Abwehr des Kapp-Putsches; 1921 Teiln. an den Märzkämpfen in Mitteldtl., zu einer Gefängnisstrafe verurteilt; 1921 – 23 Ltr. des KJVD-UB Mansfeld, Teiln. an den Vorber. zum bewaffneten Aufstand im Herbst 1923; 1923/24 erneut Gefängnis, dann arbeitslos; weiterhin KPD-Funktionär; Ende 1924 auf Wanderschaft nach Norddtl.; 1927 Reise in die UdSSR; 1928 erste liter. Arbeit in der kommunist. »Hamburger Volksztg.«, Mitgl. des BPRS; 1932 Instrukteur der KPD-BL Wasserkante, Stadtverordneter der KPD in Hamburg-Harburg; 1932/33 sollte »Märzstürme« als erstes Buch erscheinen, die Aufl. wurde aber auf Veranlassung von NS-Dienststellen eingestampft; März 1933 verhaftet, Haft im KZ Sonnenburg, nach der Entlassung Ende Sept. 1933 unter Polizeiaufsicht; ab 1934 illeg. pol. Arbeit; 1939/40 berufstätig im Buna-Werk Schkopau; 1941 – 45 Werkmstr. im Treibstoffwerk Lützkendorf; ab 1940 beteiligt am Aufbau der »Antifa. Arbeitergr. Mitteldtl.« (mit Robert Büchner). April 1945 Mitbegr. des Bürgeraussch. in Eisleben, der (vor dem Einzug amerik. Truppen) die Stadtverw. übernahm; beteiligt am Neuaufbau der KPD; dann Landrat in Eisleben; 1945/ 46 1. Vizepräs. der BV Merseburg, verantw. für die Durchführung der Bodenreform; 1946 SED; März 1946/47 Bez.-Präs. im Reg.-Bez. Halle-Merseburg; 1947 – 49 Min.-Dir. im Min. des Innern der Landesreg. Sachsen-Anh., Ltr. der HA Landes-, Krs.- u. Gemeindeverw.; 1949 vom SED-PB nach Berlin berufen; 1949 – 60 persönl. Ref. des stellv. Min.-Präs. bzw. Ltr. des Sekr. des 1. Stellv. des Vors. des Min.-Rats  Walter Ulbricht; 1960 – 71 Sekr. des Staatsrats; 1961 Mitgl. der DAK; 1963 – 71 Abg. der Volkskammer; 1963 Kand. des ZK der SED; 1966 Mitgl. des ZK der SED; 1967 – 71 Mitgl. des Präs. der Volkskammer; ab 1969 Mitgl. des Vorst. des DSV; Mitgl. des Präs. der Dt.-Lateinamerik. Ges.; 1971 »Parteiveteran«; 1958 NP; 1965 KMO; 1969 VVO u. Verdienstmedaille des MdI; 1979 Ehrenspange zum VVO; 1984 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Zwischen Nacht u. Morgen. Halle 1955; Die Fahne von Kriwoj Rog. Berlin 1959; Unser kleiner Trompeter. Berlin 1961; Stärker als das Leben. Berlin 1967; Märzstürme. 2 Bde. Berlin 1962; Die seltsame Belagerung von St. Nazaire. Berlin 1979; Erlebt u. aufgeschrieben. Aufsätze, Repliken, Reden. Berlin 1981. Friedrich, W.: O. G. (mit Werkverz. u. Bibl.). Halle 1960; Rost, M.: O. G. Auswahl-Bibl. Leipzig 1984.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Gottschaldt, Kurt

* 25.4.1902 – ✝ 24.3.1991

Geb. in Dresden; Vater Fabrikbesitzer; Studium der Psychol., Philos. u. Naturwiss. in Berlin; 1926 Prom. bei Wolfgang Köhler mit einer wahrnehmungspsycholog. Arbeit; 1926 – 29 Assistent am Berliner Psycholog. Inst.; 1929 – 33 Assistent bzw. Oberassistent am Pathopsycholog. Inst. der Univ. Bonn, 1932 dort Habil.; zugl. Mitarb. in der Rhein. Anstalt für schwererziehbare Kinder; 1935 – 45 Ltr. der neugegr. »Erbpsycholog. Abt.« des Kaiser-Wilhelm-Inst. für Anthropol., menschl. Erblehre u. Eugenik in Berlin, hier Zwillingsforschung zu Grundfragen der Entw.- u. Verhaltensgenetik; zugl. Ltr. der Poliklinik für schwererziehbare Kinder in Berlin-Wedding; 1938 a. o. Prof. für Psychol. an der Berliner Univ.; 1939 – 40 bei der Heerespsychol. 1945 Wiederaufn. der Kliniktätigkeit; 1946 Prof. mit Lehrauftrag, 1947 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Psychol. an der HU Berlin; 1955 – 59 Dekan der Mathemat.-Naturwiss. Fak.; 1953 Ord. Mitgl. der DAW; ab 1954 Hrsg. der »Ztschr. für Psychol.«; ab 1955 Ltr. der DAW-Abt. für experiment. u. angewandte Psychol.; 1959 als einziger Psychologe der DDR Wahl in den Vorst. der Dt. Ges. für Psychol.; Forts. der in der NS-Zeit begonnenen Zwillingsforschung mit Unterstützung beider dt. Staaten; nach vergebl. Versuchen, die Psychol. vor Einflußnahmen seitens der SED zu schützen, sowie Konflikten im Inst. 1960 Niederlegung des Lehramts u. Rückzug auf die Stelle an der DAW; Aug. 1961 Ruf an die Univ. Göttingen, Febr. 1962 Flucht nach Göttingen; 1970 em.; 1982 Ehrenmitgl. der Dt. Ges. für Psychol.; gest. in Göttingen. Weitere Forschungsthemen: Kognitions-, Entw.- u. Persönlichkeitspsychol.; Sozialpsychol. von Arbeitsgr. in VEB.Der Aufbau des kindl. Handelns. Leipzig 1933; Zur Methodik d. Persönlichkeitsforschung in der Erbpsychol. Leipzig 1942; Probleme d. Jugendverwahrlosung. Leipzig 1950. Schmidt, H.-D.: Erinnerungen an K. G. In: Psycholog. Rundschau (1992) 43; Ash, M. G.: K. G. (1902 – 91) u. die psycholog. Forschung vom Nationalsoz. zur DDR – Konstruierte Kontinuitäten. In: Hoffmann, D., Macrakis, K. (Hrsg.): Naturwissenschaft u. Technik in der DDR. Berlin 1997.Mitchell Ash

Wer war wer in DDR

Grabner, Hasso

* 21.10.1911 – ✝ 3.4.1976

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter, Mutter Arbeiterin; aufgew. bei Großmutter u. Tante; Volks- u. Mittelschule; Lehre als Buchhändler; 1929 KJVD; 1930 KPD; Besuch der Reichsparteischule; nach 1933 illeg. Widerstandsarb.; 1934 verhaftet, 14.5.1935 Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus, bis 1938 im Zuchthaus Waldheim, anschl. bis 1940 im KZ Buchenwald inhaftiert; 1942 zum Strafbataillon 999 eingezogen. Nach Kriegsende Mitbegr. der FDJ; 1946 Ltr. der Kulturabt. des Jugendaussch. bzw. Stadtdir. beim Rat der Stadt Leipzig; 1946 SED; April / Mai 1946 Intendant des Mitteldt. Rundfunks, Sender Dresden; 1946 – 48 Regierungsrat bzw. Oberregierungsrat der Landesreg. Sachsen; 1948 – 51 Hauptdir. der VESTA (Vereinigung Volkseigener Stahlwerke); 1951 Hauptabteilungsltr. im Amt für Reparationen; 1951 / 52 Werkltr. im VEB Guss Köthen; nach mehreren Parteistrafen wegen vermeintl. polit.-ideol. Unzuverlässigkeit, Sabotage u. ä. bis 1958 wechselnde Tätigkeiten u. Funktionen in der Ind. (u. a. 1956 Aufbaultr. in »Schwarze Pumpe« u. 1956 / 57 Personalchef im Konstruktions- u. Ingenieurbüro Leipzig), zeitw. auch ohne Anstellung; 1955 – 57 Fernstudium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; ab 1958 freischaff. Schriftsteller; vom MfS staatsfeindl. Ansichten verdächtigt u. seit 1961 u. a. in den OVs »Schriftsteller« u. »Karrierist« erfaßt; nach dem 11. Plenum des ZK der SED 1965 vorübergehendes Berufsverbot. Lit. Anfänge in den 1930er Jahren mit Agitprop-Texten für KPD-Zeitungen; verfaßte Gedichte, Romane, Drehbücher für die DEFA (»Die Entscheidung des Dr. Ahrendt«, 1959), Hör- u. Fernsehspiele; schrieb didakt. Dramen nach dem Vorbild Brechtscher Lehrstücke (»Die Sieger«, 1958); zentraler Gegenstand seines lit. Werks ist der Widerstand gegen den NS, wie in den Romanen »Die Zelle« (1968) u. »Kopfsteinpflaster« (1973); 1958 Med. Kämpfer gegen den Faschismus; 1959 Lit.-Preis des FDGB; 1968 Kunstpreis der Stadt Leipzig, Jugendbuchpreis des MfK; 1969 Fontane-Preis; 1971 VVO; 1974 Banner der Arbeit; 1972 – 76 in zweiter Ehe verh. mit der Schriftstellerin Sigrid Grabner; gest. in Werder (b. Potsdam).u. a. In memoriam Pfarrer Schneider. In: Das war Buchenwald! Ein Tatsachenbericht. Hrsg. v. d. KPD. Leipzig 1945, S. 89 – 94; Der Takt liegt auf dem linken Fuß. Gedichte. Berlin 1958; Fünfzehn Schritte gradaus. Gedichte. Berlin 1959. Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Graetz, René

* 2.8.1908 – ✝ 17.9.1974

Geb. in Berlin, aufgew. in Genf; 1923 – 29 Ausbildung zum Tiefdrucker; 1929 – 38 in Kapstadt (Südafrika) Monteur einer Großdruckerei im Auftrag der Londoner »Times«; 1932 Aufn. in die Bildhauerkl. der Primavera-Kunstschule Kapstadt; 1934 Aufgabe der Tätigkeit als Drucker; 1935 Arbeit als Bildhauer; 1938 Abreise aus Südafrika, Verfolgung wegen Teiln. an antifa. Flugblattaktionen im Hafen von Kapstadt; 1939 über die Schweiz u. Paris ins Exil nach London; Arbeit als Drucker u. Heizer; nach 1939 Internierung in England, 1940 Deportation nach Kanada, dort u. a. Bekanntschaft mit  Theo Balden; illeg. pol. Arbeit; 1941 Rückkehr nach London; Arbeit für den Freien dt. KB in London u. für die Künstlerorganisation AIA, Bekanntschaft mit Henry Moore, 1944 Heirat mit Elizabeth Shaw. Rückkehr nach Dtl. (Berlin); 1946 KPD; 1946 – 48 Ltr. der Abt. Ausstellungen im Verlag Volk u. Wissen; seit 1948 freischaff. tätig, zunächst vorwiegend als Maler; 1949 mit  Arno Mohr u.  Horst Strempel Arbeit am Wandbild »Metallurgie Hennigsdorf« für die 2. Dt. Kunstausstellung in Dresden; 1952 Reise nach Moskau, 1956 Reise nach Italien; 1958 drei Stelen für die Mahn- u. Gedenkstätte Buchenwald, 1959 NP (im Koll.); Denkmal für die Mahn- u. Gedenkstätte Sachsenhausen; ab 1963 keram. Arbeiten; 1965 Reise nach Kuba, 1966 Reise nach Japan; 1973 Käthe-Kollwitz-Preis der AdK; 1974 Entwurf eines Wandbilds für den Palast der Rep.; gest. in Graal-Müritz.Kat. R. G. Berlin 1978; Barsch, B.: Zu Leben u. Werk des Bildhauers R. G. Diss. HU Berlin 1982; Jacobi, F.: R. G. Skulpturen: Körper als Figur u. Zeichen. Berlin 2002.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Gräf, Hugo

* 10.10.1892 – ✝ 23.10.1958

Geb. in Rehestädt (Krs. Arnstadt/Thür.); Vater Maurer; Mutter Dienstmagd u. Landarbeiterin; ab 1902 als Knecht bei einem Bauern; Volksschule; Ausb. zum Schlosser; im Beruf tätig, Wanderschaft; 1907 DMV; 1910 SPD; 1912 – 16 Militärdienst, schwer verwundet, 1916/17 zwangsverpflichtet in der Gewehrfabrik Erfurt; 1917 Mitbegr. des Reichsbunds der Kriegsbeschädigten in Thür.; 1917 USPD u. Spartakusbund in Erfurt; 1919 KPD, Mitbegr. der KPD-Ortsgr. Erfurt; 1919 Mitbegr. des Bundes der Kriegsopfer; 1920 KPD-Ausschluß wg. Weigerung, für den Reichstag zu kandidieren (1923 Wiederaufn.); 1920 Sekr. der dt. Sektion des Internat. Bundes der Opfer des Krieges u. der Arbeit, 1927 – 33 dessen Vors.; 1921 Mitbegr. u. Mitgl. der Exekutive der IAH; Mitbegr. der Roten Hilfe Dtl.; 1927 – 33 Mitarb. der Org.-Abt. des ZK der KPD u. Mitgl. der Exekutive der IAH; 1928 – 33 Mitgl. des Reichstags; März 1933 in Dresden verhaftet, März – Nov. 1933 Polizeihaft in Dresden; Nov. 1933 – Juni 1935 »Schutzhaft« im KZ Sachsenburg u. ab Mai 1934 im KZ Colditz, hier Ltr. der illeg. KPD-Gruppe, Ltr. der Lagerbibliothek u. Buchbinderei; 1935 Emigr. in die ČSR; 1935 in Moskau Schüler der KUNMS (»Engler«); 10.7.1938 Mitunterz. des Prager Volksfrontaufrufs; Dez. 1938 Emigr. nach Großbritannien; Juli 1940 – Okt. 1941 interniert auf der Isle of Man; Mitgl. der KPD-Landesltg. Großbritannien; 1942 – 45 Werkzeugmacher in Glasgow; 1943 Mitbegr. der »Dt. Freien Bewegung«; 1945 Ltr. des Scottish Refugee Centre. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED u. FDGB; 1946 – 48 Referent, dann Ltr. der Abt. Gesundheitswesen des ZS des SED-Parteivorst.; 1949 – 51 Vors. des Zentralvorst. der Gewerkschaft Gesundheitswesen; 1950 – 54 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1951 – 53 Landrat, ab 1952 Vors. des Rats des Krs. Gotha; Nov./Dez. 1952 Parteiuntersuchung, Rüge durch die SED-LL Thür. ohne ordentl. Parteiverfahren (1956 parteiinterne Rehabilitierung); Mai 1953 aus gesundheitl. Gründen Entbindung von allen Funktionen, Rentner; 1955 – 58 Mitgl. der SED-KL Gotha; gest. in Gotha.Köpstein, H. (Hrsg.): Beiderseits der Grenze (Erinnerungen). Berlin 1965; Hockerts, H. G. et al.: Geschichte der Sozialpolitik in Dtl. seit 1945. Baden-Baden 2001; Baganz, C.: Erziehung zur »Volksgemeinschaft«? Die frühen Konzentrationslager in Sachsen 1933 – 33/ 34. Berlin 2005.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Graffi, Arnold

* 19.6.1910 – ✝ 30.1.2006

Geb. in Bistritz (Rumänien/Bistrita); Vater Volksschullehrer; 1930 – 36 Med.-Studium in Marburg u. Leipzig; 1936 – 39 Tätigkeit an der Berliner Charité, dort 1940 Prom.; 1939/40 wiss. Mitarb. am Paul-Ehrlich-Inst. für Experiment. Therapie in Frankfurt (Main); 1940 – 42 wiss. Assistent am Patholog. Inst. der Univ. Prag, 1942/43 am Histolog. Inst. der Univ. Budapest; 1943 – 47 Mitarb. der Schering-AG Berlin. 1947/48 Abt.-Ltr. am Bakteriolog.-Serolog. Inst. in Perleberg; 1947 – 50 SED; 1948 Habil., 1951 Prof. an der HU Berlin; 1948 – 51 wiss. Mitarb. der Zentralstelle für Hygiene in Potsdam; 1948 – 55 zugl. Ltr. der Abt. Experiment. Krebsforschung am Inst. für Med. u. Biol. der DAW; 1955 NP; 1955 – 61 Dir. des Inst. für Experiment. Krebsforschung der DAW in Berlin-Buch; 1961 Ord. Mitgl. der DAW; 1961 – 75 Bereichsdir. des Inst. (ab 1972 ZI) für Krebsforschung der DAW/AdW; 1964 Mitgl. der Leopoldina; 1975 em.; 1980 NP. Arbeiten zur Wirkungsweise kanzerogener Kohlenwasserstoffe u. Nachweis onkogener Viren durch zellfreie Tumorübertragung; Untersuchungen zur Virusätiol. versch. Mäuseleukämien, erstmaliger Nachweis einer infektiösen Nukleinsäure in Leukämieviren; Entdecker des Polyoma-Virus (Graffi-Virus); Mithrsg. der »Acta biologica et medica germanica« u. a. Fachztschr.; gest. in Berlin.Experimente u. Betrachtungen zu Natur u. Ursachen des Krebses. Berlin 1964; Murine Virus Leukemias. Dresden 1974; DNA-repair and cancer research. Berlin 1979. A. G. In: Pasternak, L. (Hrsg.): Wissenschaftler im biomedizin. Forschungszentrum: Berlin-Buch 1930 – 2004. Frankfurt (Main) 2004.Jochen Richter

Wer war wer in DDR

Grande, Dieter

* 24.2.1930

Geb. in Waldenburg (Niederschles./Wałbrzych, Polen); 1949 Abitur in Nordenham (Weser); 1950 – 53 Studium der Theol. in Münster; 1953 Übersiedl. in die DDR u. Studium der Theol. in Erfurt; 1955 Priesterweihe in Neuzelle; 1956 Kaplan in Karl-Marx-Stadt, 1957 – 61 Kaplan in Leipzig, 1961 – 63 Pfarrvikar in Dresden-Pillnitz; 1963 – 69 Diözesanjugendseelsorger des Bistums Meißen; 1969 – 71 Sekr. der Diözesansynode des Bistums Meißen; 1972 – 75 Sekr. der Dresdner Pastoralsynode der kath. Jurisdiktionsbez. in der DDR; 1976 – 82 Pfarrer in Leipzig, ab 1979 zusätzl. Dekan; 1982 – 86 Diözesancaritasdir. des Bistums Dresden-Meißen; 1983 – 90 Ltr. der Arbeitsgr. »Justitia et Pax« in der DDR; 1985 Domkapitular; 1986 – 88 Dompfarrer u. Dekan in Dresden; 1988 – 91 Ltr. der Pressestelle der Berliner Bischofskonferenz in Berlin; 1988/89 Ltr. u. Pressesprecher der kath. Delegation bei der »Ökumen. Vers. für Frieden, Gerechtigkeit u. Bewahrung der Schöpfung« in Dresden u. Magdeburg, Mitgl. d. Präs. d. Ökumen. Vers. 1990 Prälat, Ordinariatsrat u. Pressebeauftr. des Bistums Dresden-Meißen; 1992 – 95 Ltr. des Kath. Büros Sachsen in Dresden; 1993 – 97 Ltr. der von den ostdt. kath. Bischöfen eingesetzten »Arbeitsgr. zur Aufarbeitung der Tätigkeit staatl. u. pol. Organisationen/MfS gegenüber der kath. Kirche«; seit 1995 Rektor des Diözesancaritasverb. des Bistums Dresden-Meißen; 2000 Ruhestand.Zur Kirchenpol. der SED. Leipzig 1994; Kirche im Visier. SED, Staatssicherh. u. kath. Kirche in der DDR. Leipzig 1998 (jeweils zus. mit B. Schäfer).Bernd Schäfer

Handbuch Deutsche Kommunisten

Granzow, Kurt

* 7.5.1909 – ✝ 19.8.1943

Geboren am 7. Mai 1909 in Berlin, Sohn eines Werkzeugmachers; lernte Goldschmied. Er trat 1925 dem KJVD und 1929 der KPD bei und wurde im November 1932 zur militärpolitischen Ausbildung nach Moskau geschickt. Ab Juli 1933 war er als Eugen für die illegale KPD in Berlin tätig. Er erhielt von Rudolf Schwarz Ende 1933 den Auftrag, den V-Mann der Gestapo Alfred Kattner zu »liquidieren«. Gemeinsam mit Hans Schwarz führte er am 1. Februar 1934 den »kommunistischen Fememord« aus. Granzow floh über Prag nach Paris, wirkte hier für die Rote Hilfe und wurde später »Abwehrleiter« in Zürich. Von 1936 bis 1938 Leiter des Nachrichtendienstes in Kopenhagen, verhandelte in Schweden und Norwegen über Asylmöglichkeiten für KPD-Flüchtlinge. Ab 1937 kämpfte Granzow bei den Internationalen Brigaden in Spanien und war danach 1939 in Frankreich interniert. Ende 1941 nach Algerien verschleppt, von dort wurde er nach der Landung der Alliierten Ende 1942 nach Südfrankreich zurückgebracht und nach Deutschland überführt. Kurt Granzow wurde am 19. August 1943 vom VGH zum Tode verurteilt und am 10. September 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Grasnick, Georg

* 25.4.1927

Geb. in Berlin; Vater Autoschlosser; Volks- u. OS, Notabitur; 1943 – 45 Wehrmacht (Luftwaffenoberhelfer). 1945 KPD u. Antifa-Jugend; Kurier, Angest., stellv. Unterbürgermeister in Berlin-Reinickendorf; Straßenobmann beim Antifa-Komitee u. Magistrat von Groß-Berlin; 1946 SED; 1946 – 52 Volontär bzw. Hilfsred. beim Berliner Rundfunk; Juli – Sept. 1946 Lehrgang an der Rundfunkschule; 1953 – 58 stellv. Gruppenltr., Chefred. u. 1958 kommissar. Intendant des Berliner Rundfunks; 1958 Fernstudium an der Journalist. Fak. der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1958 – 62 wiss. Aspirantur am IfG, Prom. zum Dr. phil.; 1962 – 65 Chefred. des Deutschlandsenders; Mai / Juni 1963 zeitw. Festnahme in der Bundesrep. Dtl. wg. agitatorischer Sendungen im Sinne der verbotenen KPD; 1965 – 71 leitender Mitarb. des Staatssekr. für gesamtdt. bzw. westdt. Fragen; ab 1971 Hauptabteilungsltr. am IPW; Mitgl. des Friedensrats der DDR; ab 1979 ord. Prof. an der AfG; ab 1982 stellv. Dir. des IPW; ab 1982 auch Vizepräs. des DDR-Komitees für europ. Sicherheit u. Zusammenarbeit; 1963 VVO. Nach 1990 ehrenamtl. Arbeit für den Sozial- u. Wohlfahrtsverb. Volkssolidarität, 2006 Paritätische Ehrennadel in Gold für langjähriges Engagement für die kulturelle und soziale Arbeit der Volkssolidarität; aktiv in der Gesell. zum Schutz von Bürgerrechten u. Menschenwürde e. V.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Grau, Günter

* 10.3.1940

Geb. in Quedlinburg (Harz); Vater Angest.; 1958 – 62 Studium der Volkswirtschaft; 1961 – 71 Red. der Wiss. Ztschr. der KMU Leipzig; 1968 – 70 externes Teilstudium der Psychol., 1971 Dr. phil.; nach Weigerung, der SED beizutreten, keine Zulassung zur Habil.; »Bewährung in der Praxis«: 1971 – 83 Arbeit im Verlag Edition Leipzig, 1983 – 86 in der Ev. Verlagsanstalt; seit 1973 nebenberufl. Studien zur Sexualität u. Weiterbildung in Psychotherapie u. Sexualberatung; 1985 – 90 Teilbeschäftigung als Fachberater in der Ehe-, Sexual- u. Familienberatung in Berlin; Mitinitiator der pol. Homosexuellenbew. der DDR; 1986 – 89 Aspirant am Inst. für Geschichte der Med. der KMU Leipzig, Forschungsschwerpunkte: Theoriebildung über Sexualität, Geschichte der Sexualitätsforschung in Dtl., soziale Situation homosexueller Männer; 1989 – 90 Gründung u. Ltg. der AIDS-Hilfe der DDR; Initiator des (1992 gescheiterten) Projekts »Gründung eines Inst. für Geschlechter- u. Sexualforschung« an der HU Berlin. 1991 – 2002 wiss. Mitarb. am Inst. für Geschichte der Med. der Charité Berlin; danach am Inst. für empir. u. angew. Soziol. in Bremen und am Inst. für Sexualwissenschaft Frankfurt (Main).Und diese Liebe auch – Theol. u. sexualwissenschaftl. Einsichten zur Homosexualität. Berlin 1989; Homosexualität in der NS-Christoph Links

Wer war wer in DDR

Graul, Walter

* 11.11.1913 – ✝ 1992

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1928 SAJ, 1931 KJVD; 1928 – 1931 Laufbursche u. Lehrling im Rechtsanwaltsbüro Landau in Berlin; 1931 – 34 kaufm. Angest. bei der Verwertungsgesell. für Urheberrechte Gema bzw. Stagma in Berlin, 1935 – 39 bei der Rhein.-Westfäl. Versicherungsgesell. in Berlin, 1939 – 43 bei Benzolvertrieb Berlin; 1939 – 41 illeg. Arbeit in Berlin-Neukölln; 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgef. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949 – 54 Red., Mitgl. des Red.-Kolleg. u. zeitw. Ltr. der Kaderabt. des »Neuen Deutschlands« sowie Sekr. der SED-BPO beim »Neuen Deutschland«; im Zusammenhang mit der Herrnstadt-Zaisser-Affäre Entbindung von allen Funktionen; 1954 – 56 Ltr. des VEB Übersetzungs- u. Ausschnittsdienstes »Globus«; 1956 – 60 Generalsekr. bzw. 1. Sekr. des Verbands der Journalisten der DDR; 1960 / 61 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1961 – 79 Dir. des Fremdsprachendienstes INTERTEXT; 1979 Ruhestand.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Greifzu, Paul

* 7.4.1902 – ✝ 10.5.1952

Geb. in Suhl; 1908 – 16 Volksschule; 1916 – 19 Lehre als Werkzeugmacher u. Mechaniker; ab 1919 in der väterl. Kfz-Reparaturwerkstatt Leonhard Greifzu, Eigenbau eines Sechssitzer-Bobs (Teiln. an Bob-Rennen in Oberhof); 1920 Volontariat in der Motorradfirma »Krieger & Gnädig« in Suhl (Umbau einer »KG« als erste Rennmaschine); 1921 erstmals Teiln. an einer Langstreckenfahrt; 1923 3. Pl. beim 1. Adlerbergrennen; 1924 Sieger der Bergprüfungsfahrt Saalfeld-Arnsgereuth; 1925 Sieg beim 2. Adlerbergrennen auf KG; 1926 Siege beim 3. Adlerbergrennen u. der Bergprüfungsfahrt am Ködelberg auf BMW R 47; 1927 Fahrlehrerprüfung, Sieg bei der 4. Bergprüfungsfahrt u. der Nordbayrischen Zuverlässigkeitsfahrt, 2. Pl. beim 8. Gabelbachrennen (erstmals Start auf Sportwagen); 1930 – 37 zahlr. Erfolge bei Gelände-, Langstrecken- u. Zuverlässigkeitsprüfungen mit serienmäßigen Motorrädern u. Wagen; 1931 als blinder Passagier auf der LZ 1927 »Graf Zeppelin« von Meiningen nach Friedrichshafen; 1938 Sieg im »Großen Preis von Dtl.« am Nürburgring auf BMW 328; schwerer Unfall am Großglockner; 1939 Berufung in die NSKK-Auswahl; 1940 –45 Meister im Kraftwagenpark des väterl. Betriebs (u.k-Stellung). Nach 1945 Juniorchef der Fa. Greifzu; 1949 erstmals wieder Motorrad- u. Autorennen; 1950 Vizepräs. der Sektion Motorsport des DS; Sieger mit BMW-Eigenbau »Silberpfeil« auf der Halle-Saale-Schleife, beim Leipziger Stadtparkrennen u. im Sternbergrennen Zella-Mehlis­Oberhof; schwerer Unfall auf dem Nürburgring; 1951 Siege auf der Autobahnspinne bei Dresden, im Internat. Avus-Rennen (auf AWE-Eigenbau), auf der Halle-Saale-Schleife sowie dem Sachsenring (vor Hans Stuck), 4. Pl. Nürburgring; 10.5.1952 tödl. Trainingsunfall auf der Rennstrecke bei Dessau bei 90 km / h durch Motorblockierung (BMW 328); zahlr. posthume Ehrungen: 1952 Paul-Greifzu-Stadion in Dessau u. Stralsund, Paul-Greifzu-Straße (1966) und -Schule (1995) in Suhl; Gedenkstein an der Autobahnabfahrt Dessau u. Denkmal auf dem Suhler Friedberg (2002).Herbert Beyer: P. G. Ein Leben für den Motorsport. Berlin 1954.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Gotte, Wolfgang

* 3.1.1929 – ✝ 13.3.2002

Geb. in Radeberg (Sachsen); Vater Verwaltungsangest.; 1948 Abitur; 1947 – 49 versch. Bergbaupraktika; 1949 – 54 Studium der Geol. an der Bergakad. Freiberg, Dipl. mit einer Arbeit zur Stratigraphie u. Tektonik des Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirges; 1950 – 54 zugl. Arbeiten für die Staatl. Geolog. Kommission Berlin; ab 1954 Objektgeologe im Geolog. Dienst Sachsen in Freiberg, hier insb. Aufgaben zur Erkundung von Erzvorkommen im Blei-Zink-Revier Brand-Erbisdorf u. Arbeiten zu den Gesteinen der Freiberger Gneiskuppel u. der ihr auflagernden paläozoischen Hülle; 1961 – 67 Chefgeologe des neu gegründeten VEB Geolog. Forsch. u. Erkundung Süd, hier systemat. Erarbeitung der Geologie der aus dem Land Sachsen hervorgegangenen Bezirke; 1962 SED; 1967 Prom. mit der Arbeit »Lithologie u. Tektonik als Faktoren der Bildung, Erkundung u. Bewertung von Lagerstätten« an der Bergakad. Freiberg; 1967 – 74 stellv. Staatssekr., 1974 – 83 Staatssekr. für Geologie im Min. für Geologie; 1974 VVO; 1979 Ehrenmitgl. der Gesell. für Geolog. Wiss. der DDR; 1981 Honorarprof. für Erkundungsgeologie an der Bergakad. Freiberg; 1983 Dir. des Zentralen Geolog. Inst. in Berlin, 1986 – 90 dort Berater. Maßgebl. beteiligt an der Entw. der zentral gesteuerten geolog. Forschungs- u. Erkundungsarbeiten in der DDR zur Erweiterung der Rohstoffbasis u. zur Energieversorgung; durch Kombination von geolog., geophysikal. und geochem. Forsch. wurde der Südteil der DDR zu einem der geologisch am besten untersuchten Gebiete Europas; weitere Arbeiten zur Erkundung von Lagerstätten in Zentral- u. Südostasien sowie Ostafrika; über 50 wiss. Veröff. u. über 150 unveröff. Geolog. Berichte u. Gutachten.Hoth, K.: W. G. verstorben. In: GMIT. Geowissenschaftliche Mitteilungen (2002) 8; Hetzer, H., Krüger, P.: Professor Dr. W. G. verstorben. In: Nachrichtenblatt zur Geschichte der Geowiss. Krefeld, Freiberg (2003) 13.Martin Guntau

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Götz, Joseph

* 15.11.1895 – ✝ 9.5.1933

Geboren als Sohn einer ledigen Mutter am 15.November 1895 in München, verlebte eine schwere Kindheit; lernte Schlosser. 1914 zum Militär eingezogen, Heizer bei der Marine. Hier spielte Götz als Oberheizer auf der »Nassau« bei der Matrosen-Meuterei 1917 eine führende Rolle. Er wurde deswegen am 6. Dezember 1917 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt und erst durch die Novemberrevolution 1918 befreit. Götz kehrte nach München zurück, schloß sich dem Spartakusbund und dann der KPD an und gehörte zur Matrosenkompanie, die sich für die Räterepublik einsetzte. Im Mai 1919 in Nürnberg verhaftet, weil er eine Demonstration gegen die Erschießung von Kommunisten organisiert hatte. Nach der Freilassung arbeitete Götz bis 1922 als Schlosser, dann erwerbslos, im Februar 1923 wurde er von der KPD als Sekretär für Gewerkschaftsfragen bei der BL Südbayern hauptamtlich angestellt. Götz saß von Oktober 1923 bis April 1924 in »Schutzhaft«, im Juli 1924 erneut zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Mitte 1924 Orgleiter der KPD Südbayern, als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt. Am 16. Februar 1925 auf der Süddeutschen Konferenz der KPD zusammen mit vielen anderen kommunistischen Funktionären verhaftet. Wegen Betätigung in der in Bayern noch immer illegalen KPD in Untersuchungshaft (zusammen mit dem Polleiter Joseph Schlaffer) und trotz seiner Immunität bis Dezember 1925 in Stadelheim festgehalten. Vom 18. bis 21. Januar 1926 Prozeß vor dem Reichsgericht in Leipzig, das ihn wegen Tätigkeit für die verbotene KPD zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilte. Da der Landtag im Juni 1926 seine Immunität aufhob, flüchtete Götz für einige Zeit nach Moskau und legte von dort aus im Januar 1927 sein Mandat nieder. Nach der Amnestie 1928 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde Götz erneut in den Bayerischen Landtag gewählt und wieder Orgleiter der KPD in Südbayern. Im März 1933 verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Dort wurde Joseph Götz von der SS unmenschlich gefoltert und sofort nach der Flucht von Hans Beimler am 9. Mai 1933 erschossen.

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Gräbner, Walter

* 18.5.1935

Geb. in Dresden; Vater Angest.; 1941 – 49 Grundschule in Dresden, 1953 Abitur an der OS Radebeul; anschl. Praktikant bei der DR; 1954 – 59 Studium der Eisenbahnmaschinentechnik an der HS für Verkehrswesen (HfV) Dresden, Dipl.-Ing.; 1959 – 70 Ass. am Lehrstuhl für Fördertechnik, 1963 Prom. mit einer Studie zur Berechnung von Aufzugstreibscheiben mit Keilrillen, 1969 Habil. mit einer Arbeit über die Planung von Personenaufzügen in Hochhäusern; 1970 Praxisjahr am Inst. für Verkehrsforsch. Berlin; 1971 / 72 Abt.- Ltr. Containertransportsysteme am Zentralen Forschungsinst. des Verkehrswesens Berlin; 1972 – 77 Dir. der Ingenieurschule für Verkehrstechnik »Erwin Kramer« Dresden; 1977 ord. Prof. für Fördertechnik an der HfV Dresden, dort 1979 – 83 Dir. der Sektion Fahrzeugtechnik, 1984 – 90 Rektor (Nachf. von  Edgar Meier). 1990 / 91 Dir. des Inst. für Baumaschinen, Förder- u. Entsorgungstechnik an der HfV; 1990 Dr. h. c. der TU Budapest; 1990 – 92 Vors. der Verkehrstechn. Gesell. in der KdT; 1991 Abberufung als Hochschullehrer; Gründung eines Ingenieurbüros, Beschäftigung mit Verkehrs-, Logistik- u. Umweltproblemen; lebt in Dresden. G. hat die experimentelle Seil- u. Treibscheibenforschung mit der Entw. rechnergestützter Seilkonstruktionen u. deren Erprobung an der HfV aufgebaut, wobei insb. seine Untersuchungen über Seilschmierstoffe internat. Anerkennung erfuhren; über 100 wiss. Veröff.Unstetigkeitförderer. Berlin 1983.Dieter Hoffmann

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Gräf, Paul

* 18.12.1895 – ✝ 9.2.1979

Geboren am 18. Dezember 1895 in Wallendorf/ Kreis Saalfeld, Sohn eines Porzellanformers. Arbeit als Maler und Emailleur in Pforzheim/ Baden. Im August 1914 Kriegsfreiwilliger, Ende 1916 schwer verwundet (Verlust des rechten Auges), danach Garnisionsdienst in Marienburg/Westpreußen, im November 1918 im Arbeiter- und Soldatenrat. Von 1920 bis 1923 Arbeiter in der Majolika-Manufaktur in Karlsruhe. 1922 Mitglied der KPD. Mitte 1923 gesucht wegen »Zersetzungsarbeit« unter der Polizei, floh er, lebte illegal in Mannheim und Frankfurt am Main, war bis zur Amnestie 1928 Redakteur. 1929 Kursant der M-Schule in Moskau (2. Militärpolitischer Lehrgang), nach seiner Rückkehr 1930 Mitarbeiter des zentralen AM-Apparates, redigierte u. a. die Zeitschrift »Oktober«. 1931 Leiter der AM-Arbeit im Bezirk Niederrhein. Gräf kam im Oktober 1932 erneut zur M-Schule nach Moskau, dort Hilfslektor. Im April 1933 kehrte er illegal über die âSR nach Deutschland zurück und leitete die AM-Arbeit in Berlin-Brandenburg. Am 24. Oktober 1933 mit Alexander Starck (Leiter AM-Arbeit–Reich des KJVD) festgenommen und am 25. Januar 1934 vom Kammergericht Berlin zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er in Berlin-Tegel verbüßte. Im Sommer 1936, noch während der Haft, wurde Gräf mehrmals zu Gestapo-Verhören in die Prinz-Albrecht-Straße gebracht. Nach Aufdeckung seiner AM-Tätigkeit durch Verrat eines Mitkursanten der M-Schule, drohte ihm die Gestapo mit einem neuen Verfahren, nutzte ihn als Auskunftsperson und versuchte ihn als V-Mann zu rekrutieren. Ende 1936 nach Thüringen freigelassen, arbeitete Gräf als Porzellanmaler und Zeichner. Von 1940 bis 1945 Soldat und im Mai 1945 kurzzeitig in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Danach Leiter der KPD-Kreisschule in Probstzella, später Leiter der SED-Landesparteischule in Camburg, bis 1951 Leiter der Abteilung Presse und Information des SED-LV Thüringen. Im Zuge der Parteiüberprüfungen 1951 von der Funktion entbunden, noch Redakteur bei der Zeitung »Das Volk« in Erfurt. Im Herbst 1952 schloß die BPKK Erfurt Gräf wegen »Feigheit« und als »Verräter der Arbeiterklasse« aus der SED aus. Als Chemiegraph in der Druckerei »Fortschritt« beschäftigt, war er von 1954 bis 1963 Mitarbeiter bei der Zeitung »Das Volk« und wurde am 30. Januar 1959 wieder in die SED aufgenommen. Paul Gräf starb am 9.Februar 1979 in Gräfenthal.

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Gräf, Hugo

* 10.10.1892 – ✝ 23.10.1958

Geboren am 10. Oktober 1892 in Rehestädt bei Arnstadt, Sohn eines Maurers; lernte Schlosser und ging auf Wanderschaft. 1910 Mitglied der SPD. Nach der Militärzeit wieder Schlosser, kam 1914 an die Front, von der er schwerverwundet heimkehrte, er hatte das linke Bein verloren. Ab 1917 aktiv im Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Er arbeitete als stellvertretender Meister in Erfurt. Gräf schloß sich 1917 der USPD an, wurde 1919 Mitglied der KPD. Nach Spaltung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten führte Gräf den neuen radikalen Internationalen Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit. Von April 1919 bis Juli 1920 angestellter Sekretär des Thüringer Verbandes des Bundes. Im Juni 1920 wegen Anti-Parlamentarismus aus der KPD ausgeschlossen, 1923 wieder aufgenommen. Ab Juni 1920 war Gräf Mitarbeiter des Bundesvorstandes und leitete die Org- und Rechtsabteilung des Internationalen Bundes in Berlin. Ende 1924 Bezirksvorsitzender des Bundes Nordwestdeutschland in Hamburg. Von April 1927 bis 1933 als Nachfolger Karl Tiedts Vorsitzender dieser Organisation. 1928 wurde er im Wahlkreis Dresden-Bautzen in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Gräf wurde am 13. März 1933 verhaftet und war bis 24. Juni 1935 in »Schutzhaft« in den KZs Colditz und Sachsenburg, leitete die Buchbinderei im Lager. Dort wurde er von der SS besonders schikaniert, durfte weder seinen Stock benutzen noch wurde er von Appellen oder Marschübungen freigestellt. Eine dramatische Begebenheit während einer Visite Himmlers im KZ Sachsenburg im Februar 1935 schildert Walter Janka in seinen Erinnerungen »Spuren eines Lebens«. Als Himmler die Buchbinderei betrat, »richtete er seinen Stock auf Gräf, den ehemaligen Kollegen im Reichstag. Lächelnd, beinahe freundlich fragte er: ?Wie geht es denn, Häftling Gräf?? Die Antwort ließ nicht auf sich warten. Hugo zeigte sich gefaßt und erwiderte: ?Ganz gut Herr Reichsführer.? Nach kurzer Überlegung fügte er hinzu: ?Ich mache halt auf einem Bein, was andere mit Mühe auf zwei Beinen schaffen.? Himmler senkte den Blick, sah auf die Prothese und antwortete: ?Sie haben in Frankreich gekämpft, wenn man mich richtig informiert hat.? ?So ist es, Herr Reichsführer. Und da ist auch das linke Bein geblieben.? Himmler, etwas verlegen, erwiderte: ?Das ehrt Sie.?« Später aus dem KZ entlassen, emigrierte Gräf in die âSR, im Dezember 1938 über Frankreich nach Großbritannien, wo er in Glasgow als Werkzeugmacher arbeitete. 1940/41 Internierung auf der Isle of Man. Er gehörte der KPD-Landesleitung in Großbritannien an und leitete 1945 das Scottish Refugee Centre (Schottisches Emigrantenzentrum) in Glasgow. Im August 1946 kehrte Gräf nach Deutschland zurück, war von 1946 bis 1949 in der Abteilung Arbeit und Sozialfürsorge des ZS der SED, zuletzt Leiter dieser Abteilung. Von 1949 bis 1951 Vorsitzender der FDGB-Gewerkschaft Gesundheitswesen. Er wurde im November 1951 Landrat bzw. Vorsitzender des Rates des Kreises Gotha. 1957 erhielt er den VVO in Silber. Hugo Gräf starb am 22.Oktober 1958 in Gotha. Gräfs erste Frau Herta, geborene Klaue (*28. 2. 1903 - † 4. 8. 2007), war Stenotypistin und Kontoristin. Seit 1918 Mitglied der SAJ, ab 1923 der KPD, arbeitete sie beim Internationalen Bund der Kriegsopfer, 1925 bei der KPD-BL Wasserkante in Hamburg, ab 1928 beim ZK der KPD in Berlin. Im Sommer 1928 Sekretärin in der deutschen Vertretung bei der Komintern, sie nahm im Februar 1933 an der KPD-Tagung in Ziegenhals bei Berlin teil. Im September 1933 unter Polizeiaufsicht Heirat mit Hugo Gräf. Bis 1936 illegale Arbeit, dann Emigration mit ihrem Sohn Arno (*1932) in die âSR. Ende 1938 nach Großbritannien, wo sie den Emigrantenklub in Glasgow leitete. Im September 1947 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED, bis 1958 in verschiedenen staatlichen und gesellschaftlichen Verwaltungen in der SBZ/DDR.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Graffunder, Heinz

* 23.12.1926 – ✝ 9.12.1994

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Ausbildung zum Maurer; 1949 – 52 Vereinigte Ing.-Schulen Berlin-Neukölln; SED; 1952 – 67 Architekt u. Abt.-Ltr. im VEB Bauprojektierung u. Nachfolgebetrieb; Wohnungsbauten in Berlin-Steglitz, -Friedrichshain, -Lichtenberg; seit 1954 Bauten des Tierparks Berlin-Friedrichsfelde einschließl. Alfred-Brehm-Haus; 1957 – 60 Freibad in Berlin-Pankow; 1963 – 65 Botschaft der DDR in Budapest; Gesamt- u. Einzelplanungen für Zoolog. Gärten u. a. in Rostock, Cottbus, Neustrelitz, Magdeburg, Erfurt; leitete 1964 – 66 die Projektierung der Appartementhäuser an der Berliner Friedrichsgracht sowie 1967 – 72 der Bebauung an der Liebknecht- u. Rathausstraße (Rathauspassagen); 1969 NP; ab 1970 Komplexarchitekt für das Wohngebiet Fennpfuhl; 1973 Ltr. des Entwurfskoll. u. Chefarchitekt des Palasts der Rep.; ab 1976 Ltr. der städtebaul. Projektierung der neuen Berliner Stadtbez. Marzahn u. Hellersdorf; 1984 – 90 Gast- u. ord. Prof. an der Bau-HS Cottbus; 1988 – 90 Entwicklungsplanung Berlin-Lichtenberg. Ab 1990 freischaff.; aktiv in einer Bürgerinitiative für den Erhalt des Palasts der Rep.; gest. in Berlin. 2004 wurde in Berlin-Marzahn ein Platz nach G. benannt.Der Palast der Rep. Leipzig 1979 (mit M. Beerbaum); Tierpark Berlin. Berlin o. J.; Der neunte Stadtbezirk. Berlin o. J.; Berliner Forum. Berlin 1992 (zus. mit L. Arzt u. L. Gericke).Simone Hain / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Grandetzka, Willi

* 10.3.1927 – ✝ 14.4.1979

Geb. in Mühlrätlitz (Krs. Lüben, Niederschles./Miloradzice, Polen); Vater Landarb.; Volksschule; Landarb.; 1944 NSDAP; Wehrmacht u. Kriegsgefangenschaft; Umsiedl. 1946/47 Mitarb. in der elterl. Landw.; 1947 – 51 Neubauer; 1949 Mitgl. der DBD; 1951 – 57 pol. Mitarb. der DBD im Krs. Merseburg u. beim PV in Berlin; 1956/57 Studium am Inst. zur Ausbildung von Funktionären für die soz. Landw. in Schwerin, staatl. geprüfter Landwirt; 1957 – 65 Mitgl. u. Sekr., 1965 – 79 1. Vors. des Bez.-Verb. Erfurt der DBD; 1959 – 64 als IM »Baum« des MfS erf.; Okt. 1963 – 69 Abg. des Bez.-Tags Erfurt; 1963 – 68 Kand., 1968 – 79 Mitgl. des PV der DBD u. seines Präs.; seit 1967 Abg. der Volkskammer u. Vors. des Aussch. für die Eingaben der Bürger; 1969 VVO; 1971 – 79 Mitgl. des Staatsrats der DDR.Helmut Müller-Enbergs

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Grapow, Hermann

* 1.9.1885 – ✝ 24.8.1967

Geb. in Rostock; Vater kfm. Angest.; Gymnasium, Abitur; 1906 – 10 Studium der Ägyptol. an den Univ. Berlin u. Göttingen; 1907 – 22 wiss. Hilfsarb. beim Wörterbuch der ägypt. Sprache an der Preuß. AdW; 1912 Prom. an der Univ. Berlin; 1922 – 37 wiss. Beamter der Preuß. AdW; 1937 NSDAP; 1938 Ord. Mitgl. der Preuß. AdW, 1939 – 45 Sekr. der Philosoph.-hist. Kl. u. 1943 – 45 Vizepräs. der Preuß. AdW; 1938 – 45 Honorarprof. bzw. ord. Prof. für Ägyptol. an der Univ. Berlin, 1940 – 45 Dekan, 1943 – 45 Prorektor. 1951 Abt.-Ltr. am Inst. für Orientforschung der DAW; 1955 Dr. med. h. c. der Univ. Rostock; 1956 – 62 Dir. des Inst. für Orientforschung der DAW (Nachf. von Richard Hartmann); 1962 Ord. Mitgl. des Inst. d’Egypte Kairo; 1953 u. 1959 NP; gest. in Berlin (West).Wörterbuch der ägypt. Sprache (mit Ägyptolog. Schriften. Fs., Bibl. Berlin 1955.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grasse, Paul

* 23.12.1883 – ✝ 24.1.1946

Geboren am 23. Dezember 1883 in Dahme bei Jüterbog. Nach der Lehre als Schlosser auf Wanderschaft. Ließ sich in Berlin nieder, wo er der SPD beitrat. Lange Jahre als Kaufmann beschäftigt, nach dem Krieg wieder als Schlosser. 1917 Mitglied der USPD, ging mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Seit 1925 gehörte Grasse der KPD-BL Berlin-Brandenburg an. Auf dem XI. Parteitag 1927 als Kandidat ins ZK gewählt, war er auch in der Politischen Kommission dieses Parteitags. 1928 Abgeordneter des Preußischen Landtags, gleichzeitig hauptamtlicher Sekretär, er leitete dann in der Berliner BL bis 1932 die Kommunalabteilung. 1932 nicht mehr in den Landtag gewählt, in die RGO versetzt. Im Februar 1933 in Berlin festgenommen und im Columbiahaus schwer mißhandelt. 1934 irrtümlich aus dem KZ entlassen, lebte Grasse mehrere Monate illegal in Berlin. Dann Emigration, zunächst in Prag Generalagent für die »Deutsche Volkszeitung«, 1937 in Paris. Er gehörte ab 1942 der neuen Westleitung der KPD an. Im November 1943 von der französischen Geheimpolizei verhaftet und an die Gestapo übergeben, kam er ins KZ Buchenwald. Dort 1945 befreit, kehrte im Juni 1945 krank nach Berlin zurück. Franz Dahlem bat im Oktober 1945 in einem Schreiben an Karl Raddatz vom OdF-Hauptausschuß, sich besonders um Paul Grasse zu kümmern, der nach einem Schlaganfall schwer behindert war. Paul Grasse starb am 24. Januar 1946 in Berlin an den Folgen der KZ-Haft.

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Graubner, Wolfgang

* 24.9.1933

Geb. in Wünschendorf (Krs. Marienberg); Vater Arbeiter; Grundschule; 1948 – 51 Lehre als Elektromonteur; 1950 FDJ; 1951 – 53 Elektromonteur im VEB Kombinat Espenhain; 1953 – 56 Abiturausbildung an der ABF »Wilhelm Pieck« in Freiberg; 1956 – 61 Studium an der TH Ilmenau, Dipl.-Ing.; 1957 SED; 1961 – 68 Ass. am Inst. für theoret. Elektrotechnik der TH Ilmenau; 1968 Prom. zum Dr.-Ing; 1968/ 69 Zusatzstudium an der Polytechn. Hochschule in Kiew; 1969 – 71 wiss. Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. in der VVB Elektrogeräte bzw. VVB Automatisierungsgeräte Berlin; 1971 – 79 Dir. des Inst. für Regelungstechnik Berlin u. Dir. für Forsch. u. Entw. im VEB Kombinat Elektroapparatewerke Berlin; 1979 – 84 wiss. Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. im Amt für Standardisierung, Meßwesen u. Warenprüfung (ASMW); 1984 – 86 hauptamtl. Sekr. der SED-GO im ASMW; 1987 – 90 Vizepräs. u. 1. Sekr. der KdT (Nachf. von  Rolf Werner).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Gregor, Kurt

* 21.8.1907 – ✝ 5.5.1990

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; Volksschule in Dresden; 1923 – 26 Ausbildung zum Maschinenbauer, bis 1927 im Beruf tätig; 1926 – 31 Weiterbildung in Abendkursen zum Maschinenbau-Ing.; 1927 – 32 Techniker bzw. Ing. in Arbeitsvorbereitungsbüros Dresdener Maschinenfabriken; 1931 KPD u. RH; 1932 – 38 Techniker bzw. Techn. Dir. in Maschinenfabriken der UdSSR; 1938 Rückkehr nach Dtl.; 1938 – 45 Ltr. der Normabt. bzw. Techn. Ltr. in dt. Maschinenfabriken, zumeist in Dresden; 1938 – 45 illeg. pol. Arbeit. 1946 FDGB u. SED; 1946 – 50 Ltr. der HA Wirtschaftsplanung der Landesreg. Sachsen; 1950/51 Staatssekr. im Min. für Schwerindustrie; 1951/52 Staatssekr. im Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel; 1952 – 54 Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel; 1954 strenge Rüge; 1954 – 56 wieder Staatssekr.; 1956 – 58 Stellv., ab 1958 1. Stellv. des Vors. der SPK u. Mitgl. des Min.-Rats (Nachf. von  Margarete Wittkowski); 1958 – 63 Abg. der Volkskammer; ab Juli 1961 Stellv. des Vors. des Volkswirtschaftsrats; 1964 – 68 Stellv. des Sekr. des RGW-Sekretariats in Moskau; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Greiner, Johann (Hans)

* 12.10.1923 – ✝ 9.5.2003

Geb. in Wien; Vater Dreher; 1930 – 33 wg. der berufl. Tätigkeit des Vaters in Singapur u. Malaysia; 1933 – 35 Volksschule in Wien; 1935 – 38 Bundesrealschule Wien; 1938 / 39 Lehre als Gärtner an der priv. Lehranstalt Wien-Kagran; 1939 – 42 Höhere Versuchs- u. Lehranstalt für Gartenbau Wien-Klosterneuburg, Abitur; 1942 Wehrmacht, Verwundung in der UdSSR; 1943 – 45 Studium am Inst. für Landschafts- u. Gartengestaltung an der HU Berlin. 1946 – 49 Tätigkeit beim Landschaftsarchitekten Walter Rossow in Berlin-Zehlendorf, 2. Preis beim Wettbewerb Hamburger Innenstadt; 1947 Wiederaufn. des Studiums bei  Georg Bela Pniower, 1948 Dipl.-Gärtner; 1949 – 51 Mitarb. bei  Reinhold Lingner in der Abt. Grünplanung beim Magistrat von Berlin auf Empfehlung von W. Rossow; 1950 / 51 leitender Mitarb. von Lingner in der Abt. Grünplanung am Inst. für Bauwesen der AdW; 1951 – 84 Mitarb. der DBA; 1953 Titel »wiss. Ass.«; 1953 Teiln. am Wettbewerb Frankfurter Tor Berlin (zus. mit  Hermann Henselmann u.  Erhard Stefke); 1953 – 88 Lehrtätigkeit Kunsthochschule Berlin auf Einladung von  Selman Selmanagic, Gastprof.; 1958 Prom. zum Dr. Ing.; 1957 Teiln. am Wettbewerb Domplatz zu Köln (mit E. Stefke); 1958 – 67 Vors. der Zentr. Fachgr. Landschaftsarchitektur; ab 1960 Mitbegr. u. Vors. des Red.-Koll. der Ztschr. »Dt. Gartenarchitektur« (seit 1972 »Landschaftsarchitektur«); 1964 Grundsätze u. Richtlinien für die Generelle Stadtplanung; 1968 / 69 Mitarb. an der Gestaltung des Volksparks Berlin-Friedrichshain (mit E. Stefke); 1969 »Grundlagen für die Planung stadtnaher Erholungsgebiete«; 1976 Prof.; 1984 Ruhestand; bis 1994 ständige Mitarb. in der Red. der »Landschaftsarchitektur«; gest. in Berlin. J. G. war als Schüler von Pniower u. Mitarbeiter von Lingner einer der bedeutendsten Landschaftsarchitekten der DDR, wobei seine Forschungsarbeit an der DBA im Mittelpunkt seines Schaffens steht.Grünanlagen für mehrgeschossige Wohnbauten. Berlin 1966; Grünflächen der Stadt. Berlin 1972 (mit H. Gelbrich); Berlin. Generalbebauungsplan u. sozialist. Landeskultur. In: Architektur der DDR (1975) 8; Der Garten von Versailles. Notizen über seine Geschichte u. Bilder von heute. In: Landschaftsarchitektur (1989) 18; Naturschutz im Ostteil Berlins. In: Landschaftsarchitektur (1992) 4. Hoffjan, T., Gerischer, A., Matthes, H. u. a.: Freiraum komplex. Berlin 2003; Günther, H., Landschaftsarchitektur in der DDR. In.: Garten u. Landschaft (2003) 8; Stadt u. Grün. Hrsg. vom Dt. Städtetag. Zum 100. Geburtstag von R. Lingner. Hannover / Berlin 2003 (52. Jg).Volker Wagner

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Götting, Gerald

* 9.6.1923 – ✝ 19.5.2015

Geb. in Nietleben (b. Halle); Vater kfm. Angest.; 1933 – 41 Lateinische Hauptschule der Franckeschen Stiftungen in Halle; 1941 Notabitur; 1942 – 45 RAD, Wehrmacht (Luftnachrichten), OGfr.; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 CDU; 1946/47 Angest. beim Kriegsschädenamt Halle; 1947 – 49 Studium der Philol., Germanistik u. Geschichte an der MLU Halle; 1947 Mitgl. u. 1948 3. Vors. des CDU-Landesverb. Sachsen-Anh. u. seitdem Mitgl. des CDU-HV; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949 – 66 Gen.-Sekr. der CDU (Nachf. von  Georg Dertinger); 1949 – März 1990 Abg. der (Prov.) Volkskammer, 1950 – 54 deren Vizepräs.; ab 1950 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1954 – 58 stellv. Präs. der Volkskammer; ab 1954 Mitgl. des Präs. der Liga für die Vereinten Nationen; ab 1955 Mitgl. des Präs. des Friedensrats u. des Präs. der DSF; 1958 – 63 Vors. der CDU-Fraktion in der Volkskammer; 1960 – 69 stellv. Vors. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 1960 – 89 stellv. Vors. des Staatsrats; 1961 VVO; 1961 – 69 Vizepräs. der Dt.-Afrikan. Ges.; seit 1963 Mitgl. des Albert-Schweitzer-Komitees; 1963 – 69 Vors. des Volkskammeraussch. für Ausw. Angelegenh.; 1966 – 89 CDU-Vors. (Nachf. von  August Bach); 1969 – 76 Präs. der Volkskammer (Nachf. von  Johannes Dieckmann), 1976 – 89 stellv. Präs.; ab 1976 Präs. der Liga für Völkerfreundschaft (Nachf. von  Paul Wandel); seit 1980 stellv. Präs. der Volkskammer; Mitgl. des Präs. der DSF u. des Präs. des Friedensrats; Vizepräs. des DDR-Komitees für europ. Sicherheit; 2.11.1989 Rücktritt als CDU-Vors.; 17.11. Abberufung aus dem Staatsrat; Dez. 1989 – Febr. 1990 U-Haft in der U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen wegen des Verdachts, Parteigelder für priv. Zwecke verwendet zu haben. Febr. 1991 aus der CDU ausgeschl.; 9.7.1991 vom Berliner LG wegen Veruntreuung von Parteigeldern zu 18 Mon. Haft auf Bewährung verurteilt; Mitarb. des Berliner Alternativen Geschichtsforums; gest. in Berlin.Begegnung mit Albert Schweitzer. Berlin 1961; Roter Oktober. Berlin 1977 (zus. mit P. A. Abrassimow); Christl. Demokraten in schöpfer. Mitarb. für das Wohl des Volkes. Berlin 1982; Beitrag christl. Demokraten zu Gegenwart u. Zukunft. Berlin 1987; Christl. Demokraten auf dem Weg in die 90er Jahre. Berlin 1988; Prediger für eine gerechte Welt. Berlin 1989; Was heißt Ehrfurcht vor dem Leben? Berlin 2008. Peter Joachim Lapp: Gerald Götting. CDU-Chef in der DDR. Eine politische Biografie, Aachen 2011.Helmut Müller-Enbergs

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Götzl, Eduard

* 18.2.1921 – ✝ 16.1.1986

Geb. in Petschau (Krs. Teplitz/ČSR/Bečov nad Teplou, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule in Petschau u. Karlsbad; Ausb. zum Mechaniker; 1936 SAJ in der ČSR; 1943 Wehrmacht; 1943 – 45 im Flugzeugbau dienstverpflichtet. 1945/46 KPD/SED; 1946 Dt. Volkspolizei; Instrukteur der SED-Landesltg. Thür.; 1949/50 Studium an der PHS; 1950/51 Sekr. der SED-BPO Maxhütte-Unterwellenborn; 1951 – 54 Dir. des Stahl- u. Walzwerks Brandenb.; 1952 Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1954/55 Studium in der UdSSR; 1950 Kand., 54 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1955 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Potsdam (Nachf. von  Berthold Handwerker); 1956/57 amt. 1. Sekr. der SED-BL Potsdam (Nachf. von  Kurt Seibt); 1958 –61 1. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Gerhard Grüneberg); 1958 – 61 Abg. des Bez.-Tags Frankfurt (Oder); 1958 –63 Mitgl. der Volkskammer; 1959 VVO; 1961 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Potsdam; 1963 – 70 Vors. des ABI Potsdam; 1970 – 79 1. Sekr. der SED-KL Rathenow; 1963 – 76 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1964 – 81 Mitgl. der SED-BL Potsdam.Helmut Müller-Enbergs

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Grade, Alfred

* 25.12.1899 – ✝ 25.8.1984

Geboren am 25. Dezember 1899 in Halle, Sohn eines Ingenieurs. Besuch des Gymnasiums. 1917 zum Militär eingezogen, bis Kriegsende Flieger. Grade, der sich bereits 1916 an Demonstrationen gegen den Krieg beteiligt hatte, schloß sich bei Kriegsende der sozialistischen Proletarierjugend an. Er trat als Volontär in den Volksbuchhandel Halle ein. Mitglied der USPD, ging mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Bis 1925 Leiter der Filialen des Volksbuchhandels Halle im Bezirk Halle-Merseburg. Am 1. April 1925 verurteilte ihn der Gerichtshof zum Schutz der Republik wegen eines Zeitungsaufsatzes gegen Hjalmar Schacht zu zehn Monaten Festungshaft. 1926 amnestiert, berief ihn die KPD in die Redaktion des »Klassenkampfes« in Halle. 1928 übernahm Grade die Chefredaktion des »Klassenkampfes«. Er zählte zu den Versöhnlern, trennte sich aber Anfang 1929 von ihnen. Anfang 1930 zum stellvertretenden Chefredakteur der »Roten Fahne« nach Berlin beordert, aber Ende 1930 wegen Eintretens für die »Einheitsfront um jeden Preis« in die Provinz verschickt. Von 1931 bis Herbst 1932 Chefredakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart. 1933 einer der Leiter der illegalen Widerstandsorganisation in Mitteldeutschland, zu der auch SAP- und SPD-Mitglieder gehörten. Am 25.November 1933 verhaftet, wurde Grade nach längerer Einzelhaft ins KZ überführt. 1938 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der illegalen kommunistischen Lagerleitung im KZ Buchenwald, damals erfolgte sein Bruch mit der KPD. 1939 aus dem KZ entlassen, blieb Grade unter Gestapoaufsicht und arbeitete bis Kriegsende in einer Fabrik. 1945 schloß er sich der SPD an, ließ sich als selbständiger Buchhändler nieder und wohnte dann bei Frankfurt/M. Alfred Grade starb am 25. August 1984.

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Graf, Otto

* 8.3.1892 – ✝ 1.9.1971

Geboren am 8. März 1892 in Zamdorf/Bayern, Sohn eines Ziegeleibesitzers. Nach dem Realgymnasium 1911 bis 1913 Lehrerseminar in Pasing. Von 1914 bis 1917 Soldat im Weltkrieg. 1917/18 Studium in Leipzig. Zunächst Mitglied des Alldeutschen Verbandes, schloß sich Graf, der als Lehrer in München arbeitete, 1919 der KPD an. Von 1919 bis 1921 war er Redakteur an der »Neuen Zeitung« und gehörte ab 1920 als Abgeordneter der KPD-Fraktion dem Bayerischen Landtag an. Auf dem IV. Parteitag im April sowie auf dem Vereinigungsparteitag im Dezember 1920 in Berlin wurde er als Vertreter Südbayerns in den ZA gewählt. Graf wurde 1921 als »Nationalkommunist« aus der KPD ausgeschlossen. Er trat zunächst der USPD, dann der SPD bei und blieb bis 1923 im Landtag, überließ aber sein bis 1924 gehendes Mandat Karl Grönsfelder. Graf war von 1922 bis 1929 Mitarbeiter des Arbeiter-Bildungskartells in München und von 1925 bis 1929 Schriftsteller und außenpolitischer Mitarbeiter der »Vossischen Zeitung« und der »Münchner Post«. Nach 1933 Berufsverbot und mehrmals für einige Wochen in Stadelheim inhaftiert. Von 1946 bis 1948 war Graf Leiter der Abteilung Volksbildung des Bayerischen Kulturministeriums und 1946/47 Staatskommissar der Universität München für die Entnazifizierung und die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs. Graf war ab 1945 in der SPD aktiv und ab 1953 ständiger Referent u. a. der IG Druck und Papier. Er gehörte als SPD-Abgeordneter von 1949 bis 1953 dem ersten Deutschen Bundestag an. Otto Graf starb am 1. September 1971 in München.

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Graf, Ingo

* 26.12.1938

Geb. in Gadebusch; Vater Lehrer u. Jungvolkführer, nach dem Krieg in Gefangenschaft verstorben, Mutter Hausfrau; 1956 Abitur; 1956 – 59 Lehrerstudium Math. u. Physik am Päd. Inst. Güstrow; 1959 SED; anschl. Lehrer in Laage u. Güstrow; 1963 – 65 Sekr. für Kultur in der FDL-KL Güstrow; 1964 von  Heinz Quermann u.  Gerd Natschinski in der Sendung »Herzklopfen kostenlos« für AMIGA u. das DDR-Fernsehen entdeckt; Durchbruch als Schlagersänger mit der Eigenkomposition »Versuch’s noch mal mit mir« (Amiga 1965); 1968 Mitwirkung im DEFA-Kultfilm »Heißer Sommer« (R.: Joachim Hasler) mit dem Titel »Es war mal ein Mädchen von kaum 17 Jahren«; eigene monatl. TV-Sendereihe »Schlager ’67, ’68 u.’69« (Vorläufer von »Schlagerstudio«); Teiln. an 9 Internat. Schlagerfestivals, Sieger in Budapest mit »Piroschka«; ab 1969 Lehrer an der PH Erfurt, gleichzeitig bis 1972 Fernstudium Kulturwiss.; danach Tourneen als Sänger mit dem Orchester Alfons Wonneberg in 25 Ländern; ab 1975 Lehrer im außerunterrichtl. Dienst in Erfurt u. Leipzig, u. a. acht Jahre lang Ltr. des Pionier- u. FDJ-Ensembles »Georg Schwarz«; 1982 – 88 Fernstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Philosoph; als solcher 1987 – 90 Lehrer an der FS für Tanz in Leipzig, dort nebenbei Sekr. der SED-Parteigr., Ende 1989 Austritt aus der SED u. Auflösung der Parteigruppe; Erich-Weinert-Med. der FDJ; Med. f. Verdienste im künstler. Volksschaffen. 1991 – 92 Math.- u. Physiklehrer; 1992 – 94 erfolgreiche Klagen durch 3 Instanzen gegen Entlassung aus dem Schuldienst, dann wieder Lehrer für Math. u. Musik an einer reformpäd. Schule in Leipzig, danach Rentner; 1994 – 99 parteiloser Stadtrat für die PDS in Leipzig; 1999 anläßl. des Kosovo-Kriegs Eintritt in die PDS; 2001 Comeback als Schlagersänger in der MDR-Sendung »Wiedersehen macht Freude«, seitdem wieder Bühnenauftritte; verh. mit der sächs. Landtagsabg. Dr. Monika Runge, lebt in Leipzig. 1964 – 73 25 Single-Titel auf AMIGA, diverse Rundfunkprod., Erfolgstitel insb.: »Allein wirst du das Glück nicht finden«, »Pech für mich« »Heute Nacht wird mal durchgemacht« (alle 1965), »Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen« (1966), »Piroschka« (1967), »Ein Jahr ist ein Hauch« (1967), »Student in einer fremden Stadt« (1968), »Das Lied von den Rosen und Träumen« (1968).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Gramkow, Angelika

* 27.9.1958

Geb. in Grevesmühlen; 1965 – 75 POS in Ludwigslust, Abitur; Ausb. zur Baufacharb. im Wohnungskomb. in Schwerin; 1981 – 86 Studium der Wirtschaftswiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Ökon. u. Dipl.-Lehrerin; 1978 SED; bis 1986 Fachschullehrerin an der FS für Finanzwirtsch. Gotha u. an der Bildungsstätte Schwerin; ab 1981 Mitgl. FDJ-KL Schwerin; 1986 – Jan. 1992 Lehrerin an der Berufsschule für Verw. u. Wirtsch. Juni 1991 – Okt. 2008 MdL Mecklenb.-Vorpomm., Jan. 2000 – 06 Vors. der PDS-Frakt., Nov. 2002 – 06 stellv. Vors., 2006 – 08 Vors. des Finanzaussch. u. Sprecherin der PDS-Frakt. für Gewerkschaften, Haushalt u. Finanzen; seit 1.11.2008 OB von Schwerin; Mitgl. des KV Schwerin der PDS bzw. Linkspartei.Helmut Müller-Enbergs

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Grandy, Theo

* 7.10.1919 – ✝ 31.10.1987

Geb. in Elchingen (Krs. Aalen, Württ.); Vater selbst. Stellmachermstr.; 1925 – 31 Volksschule, 1931 – 33 Gymnasium in Rottenburg a. Neckar, ohne Abschluß; 1932/33 kath. Jugendverb. Neues Dtl.; 1934 – 37 Ausbildung zum Elektroinstallateur, anschl. in Bopfingen tätig; 1938 RAD; 1938 – 41 Wehrmacht, Funker im Luftnachrichtenreg., dann Kampffliegerschule u. Einsatz als Kampfflieger, Uffz.; 1941 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1942/43 2. Antifa-Schule in Oranki unter  Rudolf Lindau; 1943 NKFD; 1944 Presse- u. Rundfunkarbeit für das NKFD in Moskau. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; anschl. Red. der »Dt. Volksztg.« (Berlin); 1946 SED; 1946 – 50 Red. u. Ltr. der Abt. Wirtschaft u. Jugend, ab 1947 der Abt. Innenpol. von »Neues Dtl.«; 1950 – 52 stellv. bzw. Chefred. der »Landes-Ztg.« (Schwerin); 1951 – 54 Fernstudium an der PHS; 1952 Chefred. der »Ostsee-Ztg.«; Mitgl. der SED-LL Mecklenb.; 1953 jeweils kurzz. Chefred. im MdI, bei der DEFA Berlin u. der »BZ am Abend«; 1953 – 55 stellv. Chefred. »Tägliche Rundschau«; 1955 – 57 Intendant des Berliner Rundfunks; 1955 VVO; 1956 Mitgl. des Kolleg. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1957 – 61 Chefred. der »Berliner Ztg.« (Nachf. von  Erich Henschke), am 16.12.1961 wegen angebl. »unmoral.« Verhaltens abberufen; 1958 Mitgl. der SED-BL Berlin; später Red. der Ztschr. »humanitas«.Elke Reuter

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Grashof, Christian

* 5.8.1943

Geb. in Gablonz (Nordböhmen/Jablonec nad Nisou, Tschechien); Vater Hilfsarb. in einer Schuhfabrik, Mutter Dienstmädchen; Schule in Löbau (Sachsen), Abitur; Kulissenschieber am Theater Frankfurt (Oder); 1964 – 67 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin; 1967 – 70 Engagement am Städt. Theater Karl-Marx-Stadt, 1970 – 90 am Dt. Theater Berlin, zugleich 1988 – 90 Gast am Thalia Theater Hamburg u. in München, Bühnenrollen u. a. in: 1972 »Clavigo« (R:  Adolf Dresen), 1973 »Die Insel« (R: Klaus Erforth), 1977 »Philoktet«, 1981 »Dantons Tod« (R:  Alexander Lang), 1985 »Die wahre Geschichte des Ah Q« (R: Alexander Lang), »Totentanz« von Au- gust Strindberg, »Onkel Wanja« von Anton Tschechow; Kunstpreis der DDR; 1986 NP; Film- u. TV-Rollen u. a. in: 1975 »Broddi« (R:  Ulrich Thein), 1980 »Lewins Mühle« (R:  Horst Seemann), 1983 »Mephisto« (R: István Szabó), 1988 »Faust« (R:  Thomas Langhoff), 1989 »Pestalozzis Berg« (R: von Gunten). 1990 – 92 am Schiller-Theater Berlin; seit 1992 wieder festes Engagement am Dt. Theater, u. a. 1990 »Hase, Hase« (R:  Benno Besson), 1991 »Reigen« (R: Jürgen Gosch), 1995 »Onkel Wanja« (R: T. Langhoff); 1997 »Ein Sommernachtstraum« (R: Jürgen Gosch), 1999 »Der kaukas. Kreidekreis« (R: T. Langhoff); 2008 »Onkel Wanja« u. »Die Möwe« (beide R.: Jürgen Gosch); seit 2000 Mitgl. der AdK; Filmrollen u. a. in »Willenbrock« (2004, R.:  Andreas Dresen).Gerd Dietrich

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Grätz, Manfred

* 9.1.1935

Geb. in Altmittweida (b. Chemnitz); Vater Zimmermann; OS in Altmittweida, Abitur; 1952 SED; bis 1954 KVP-Offz.-Schule, Ltn.; bis 1955 Stellv. des Stabschefs eines Panzerbat.; 1955 – 59 sowj. Militärakad.; 1959 Stabschef des Panzerregt. 11 »Otto Buchwitz« in Zeithain, Hptm.; 1961 – 71 in der Verw. Ausbildung des Min. für Nat. Verteidigung, zul. Stellv. des Ltr. der Abt. Gefechtsausbildung, Oberst-Ltn.; 1971 – 73 sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl. rer. mil.; 1973 – 76 Stellv. des Kdr. u. Stabschef der mot. Schützendiv. Potsdam, Oberst; 1976 – 78 Kdr. der mot. Schützendiv. Schwerin (Nachf. von Günter Malewsky); 1978 – 82 Stellv. des Chefs des Militärbez. Neubrandenb., zunächst Chef für Ausbildung (Nachf. von Klaus Winter), dann Chef des Stabs (Nachf. von  Manfred Gehmert), 7.10. 1979 Gen.-Major; 1981 VVO; Okt. 1982 – Jan. 1986 Chef des Militärbez. Leipzig (Nachf. von Horst Skerra), 1.3.1984 Gen.-Ltn.; 1.2. 1986 – 31.12.1989 Stellv. des Min. für Nat. Verteidigung, bis Ende 1989 Chef der Rückwärtigen Dienste (Nachf. von  Joachim Goldbach), 1.1. – 15.9.1990 Chef des Hauptstabs (Nachf. von  Fritz Streletz); 1989/90 auf eigenen Antrag Überprüfung durch den NVA-Aussch. zur Untersuchung von Amtsmißbrauch, Korruption u. persönl. Bereicherung, keine Belastung; 30.9.1990 Vorruhestand. 1998 als Beteiligter in den Mauerschützenprozessen im gleichen Verfahren wie Horst Brünner vom Berliner Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr u. 3 Monaten verurteilt.Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Graul, Elisabeth

* 1928 – ✝ 2009

Als Studentin kurzzeitig im West-Berliner „Widerstandskreis der Jugend der Sowjetzone“ engagiert, den sie wegen der Nazivergangenheit von dessen Funktionären wieder verließ, Verhaftung und zehn Jahre Haft im Frauengefängnis Hoheneck, nach der Haftentlassung Tätigkeiten am Puppentheater, als Klavierlehrerin und als Schriftstellerin.Wie viele ihrer Generation, die in frühen Lebensjahren die NS-Diktatur erlebt hatten, wollte Elisabeth Graul nach 1945 mit jugendlicher Begeisterung beim Neuaufbau einer demokratischen, humanistischen Gesellschaft mitwirken. Doch als plötzlich wieder Menschen in ihrer thüringischen Heimatstadt spurlos verschwanden und der Widerspruch zwischen den SED-Parolen und der Realität unerträglich wurde, suchte sie Gleichgesinnte, um sich zu widersetzen. Sie fand sie beim „Widerstandskreis der Jugend der Sowjetzone“, der von West-Berlin aus den Widerstand junger Menschen in der DDR unterstützte und koordinierte – sehr sorg- und skrupellos, wie sich bald herausstellen sollte. Elisabeth Graul, Jahrgang 1928, wuchs in Erfurt auf. Hier, später in Weimar und schließlich in West-Berlin studierte sie bis zu ihrer Verhaftung Musik. Bei aller Leidenschaft, mit der sie an einer Laufbahn als Pianistin arbeitete und trotz der Intensität, die die Arbeit an ersten literarischen Texten verlangte, blieb sie aufmerksam für die politische Entwicklung, die sich in der sowjetischen Besatzungszone abzeichnete. Immer wieder verschwanden plötzlich Menschen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, weil sie verhaftet wurden oder noch rechtzeitig in den Westen fliehen konnten. Als Studentin erlebte sie in Erfurt und Weimar die wachsende politische Indoktrination und Abstimmungen, deren Ergebnisse nur unter Drohungen zustande gekommen waren. Als sich 1950 die Gelegenheit bot, in West-Berlin das Studium weiterführen zu können, nutzte sie diese Chance. Zwischen der sowjetischen Besatzungszone und den Westzonen, zwischen Ost- und West-Berlin wurden die Grenzübergänge zwar bereits kontrolliert, doch war Nachkriegsdeutschland noch längst kein mental und durch unüberwindbare Grenzen geteiltes Land. Man konnte in der sowjetischen Besatzungszone oder Ost-Berlin seinen Wohnsitz haben und gleichwohl in West-Berlin zur Schule, zur Universität oder zur Arbeit gehen. Auch wenn sie ab 1950 in West-Berlin studierte, blieb Graul ihrer alten Heimat und dem alten Freundes- und Bekanntenkreis verbunden. Sie behielt den Wohnsitz in Erfurt, besuchte regelmäßig ihre Freunde in der Stadt und erlebte am 15. Oktober 1950, mit welchem massiven Druck sie und die Bewohner ihres Hauses veranlasst wurden, an den Scheinwahlen zur Volkskammer teilzunehmen. Was lag für einen jungen Menschen mit Widerspruchsgeist, der unter dieser Entwicklung litt, näher, als Kontakt zu Widerstandsgruppen aufzunehmen, die ihre legale Basis in den Westzonen bzw. West-Berlin hatten? Zufälligkeiten und Arglosigkeit führten dazu, dass Elisabeth Graul 1950 über einen Freund Kontakt zum „Widerstandskreis der Jugend der Sowjetzone“ aufnahm. Der Kreis war eine Nebenorganisation des von Paul Egon Lüth gegründeten „Bundes Deutscher Jugend“ (BDJ), einer nach außen als streng antitotalitär und antikommunistisch auftretenden bündischen Jugendorganisation mit einem eigenen illegalen Apparat, dem sogenannten „Technischen Dienst“, der von ehemaligen Wehrmachts- und SS-Angehörigen geführt wurde. Von der Existenz dieses geheimen Apparates erfuhr Elisabeth Graul allerdings erst nach ihrer Verhaftung. BDJ und Technischer Dienst wurden Ende 1952/Anfang 1953 auch in verschiedenen westdeutschen Bundesländern verboten. Graul übernahm Kurierfahrten in die DDR, transportierte heimlich Flugblätter und beteiligte sich in West-Berlin an Pressekonferenzen zur Situation in Ostdeutschland. Doch bald geriet sie in Widerspruch zur Politik des BDJ und insbesondere zu Paul Lüth. Es waren nicht nur die Leichtfertigkeit, mit der die BDJ-Führung Leben und Freiheit junger Menschen aus der DDR aufs Spiel setzte, sondern die langsam erkennbaren und für sie untragbaren politischen Vorstellungen des BDJ. Später erklärte sie: „Bitter, denn auf gar keinen Fall hatten wir die Restaurierung des Vergangenen gewollt. Aber wir hatten Politik zu machen versucht, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben.“ Elisabeth Graul hatte bereits mit dem BDJ vor Wochen gebrochen, als sie 23-jährig im Sommer 1951 wegen ihrer Mitgliedschaft im „Widerstandskreis der Jugend der Sowjetzone“ von Mitarbeitern des Staatssicherheitsdienstes anlässlich eines Besuchs in ihrer Heimatstadt Erfurt verhaftet wurde. Es folgten lange Monate der Untersuchungshaft in der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Hohenschönhausen, wo sie in fensterlosen Zellen unter der Erde eingesperrt war. Häftlinge prägten für diesen berüchtigten Zellentrakt den Begriff „U-Boot“. Nach endlosen nächtlichen Vernehmungen mit systematischem Schlafentzug wurde sie im Februar 1952 zusammen mit elf Gefährten vom Obersten Gericht der DDR unter Vorsitz der späteren Justizministerin Hilde Benjamin zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt; drei Mitangeklagte erhielten lebenslange Haftstrafen. Nahezu die gesamte Haftzeit von zehn Jahren verbrachte Elisabeth Graul in der Frauenhaftanstalt Hoheneck, bevor sie 1962 entlassen wurde. Inzwischen stand die Mauer – an eine Flucht nach West-Berlin war nicht mehr zu denken. In Magdeburg, ihrem Wohnort nach der Entlassung, hatte sie das Glück, auf Menschen zu treffen, die das Wagnis eingingen, der als Staatsfeindin Abgestempelten beruflich zu helfen. Zunächst arbeitete sie 13 Jahre am dortigen Puppentheater und durfte später sogar Regie führen, schließlich wurde ihr zugestanden, als Klavierlehrerin an der Georg-Philipp-Telemann-Musikschule tätig zu werden. Nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes konnte sie als Höhepunkt der 1951 so jäh abgebrochenen eigenen beruflichen Entwicklung erleben, dass eine ihrer Klavierschülerinnen die Ausbildung an der Juilliard School of Music in New York fortsetzte und eine erfolgreiche Laufbahn als Pianistin begann. Die Schülerin verwirklicht den Lebenstraum der Lehrerin. Neben der Leidenschaft zur Musik galt Elisabeth Grauls zweite künstlerische Neigung der Literatur. Beide Passionen halfen, die schweren Haftjahre zu überstehen – eine lebensprägende Zeit, die sie nach dem Ende der SED-Diktatur in ihrem autobiografischen Bericht „Die Farce“ beeindruckend schildert. Deutlich wird in diesem Band ihre Lebensmaxime erkennbar: „Es ist nicht entscheidend, was man erlebt, sondern wie man es erlebt […].“ Gesundheitlich schwer angeschlagen, doch voller Energie, war sie auch nach 1990 vielfältig politisch aktiv und fand gleichzeitig noch Muße und Kraft, einfühlsame, poetische Gedichtbände zu schreiben und einen Roman zu vollenden, der 1999 erschienen ist. In ihrem Gedicht „Mein Credo“ schrieb sie: „Solange ich mich regen kann, werde ich mich zu Wort melden gegen vergangenes Unrecht, gegenwärtiges und zukunftsträchtiges. Ich frage nicht, ob ich damit die Welt verändern kann […].“ Elisabeth Graul starb 2009 in Barleben bei Magdeburg.Falco Werkentin Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Gregori, Theo

* 31.7.1929

Geb. in Rochlitz (Krs. Mittweida); Vater Maurer; Volksschule; 1944/45 Montagearb.; 1945 Landarb. 1945 – 48 Ausbildung zum Zimmermann; 1947 SED; 1948/49 Angest. beim Rat des Krs. Rochlitz; 1949/50 Offz.-Schüler an der VP-Schule Döbeln (Bez. Leipzig); 1950/51 Abt.-Ltr. bei der VP Leipzig; 1951/52 Offz.-Hörer an der VP-Schule Kochstedt (b. Dessau); 1952/53 stellv. Ltr. der Abt. Militärfragen des FDJ-ZR; 1954 Offz.-Hörer an der HS für Offz.; 1954/55 Red. der Abt. Vorschriften im KVP-Stab; 1955 – 59 Offz.-Hörer an der Militärakad. in der UdSSR; 1959 – 61 Oberoffz.; 1961 – 64 stellv. Ltr. für op. Schulung in der Verw. Op. des MfNV; 1964 – 66 Ltr. der 2. Abt. der Verw. Op. des MfNV; 1966 – 68 Besuch der Gen.-Stabs-Akad. in der UdSSR; 1968 – 70 Abt.-Ltr. der Verw. Op. des MfNV; 1970 – 74 Oberoffz. im Sekr. der Verw. Aufklärung des MfNV; 1974 stellv., 1974 – 82 Chef der Verw. Aufklärung des MfNV (Nachf. von  Arthur Franke); 1.3.1976 Gen.-Major; 7.10.1979 Gen.-Ltn.; VVO; Herbst 1982 Funktionsverlust wegen »Veruntreuung u. Devisenvergehens«; 30.9.1982 Ruhestand.Wegmann, B.: Die Militäraufklärung der NVA. Berlin 2005.Helmut Müller-Enbergs

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Greiner, Daniel

* 27.10.1872 – ✝ 8.6.1943

Geboren am 27. Oktober 1872 in Pforzheim, Sohn eines Schuhmachers; studierte nach Abschluß des Gymnasiums in Worms Theologie und Philosophie an der Universität Gießen. Nach dem Studium und der Promotion über Immanuel Kant 1897 Rektor und Hilfsgeistlicher (Assistent) in Schotten/Oberhessen, 1899 Heirat mit Emilie Suppes. Zuletzt als Pfarrer tätig, schied 1902 nach Bruch mit der Kirche aus seinem Amt aus, blieb aber Christ. Ab 1903 arbeitete Greiner als Bildhauer und Maler, wurde dann zum Mitglied der berühmten Künstlerkolonie Darmstadt berufen und lebte ab 1908 in Jugenheim/Bergstraße. Vor dem Weltkrieg in der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Greiner stand auf dem linken Flügel der Partei und kam 1920 zur KPD. Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag im Dezember 1920 für den Bezirk Hessen. Er rückte im Juni 1924 für Adam Ebner, der in den Reichstag einzog, in den Hessischen Landtag nach. Im Dezember 1924 in den Landtag gewählt, spielte Greiner dort bis 1927 eine achtunggebietende Rolle. 1926 wurde ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat, das seit 1923/24 gegen ihn lief, durch eine Amnestie eingestellt. Greiner gehörte in der KPD zur Linken und war 1925 sehr aktiv. Sein Versuch, Christentum und Kommunismus zu verbinden, isolierte ihn, er zog sich nach 1926 von der direkten Politik zurück. Als Künstler war er eine bekannte Persönlichkeit, schuf zwischen 1924 und 1932 mit Holz- und Linolschnitten die »Greiner-Bilderbibel«, aber zugleich zahlreiche kämpferische, radikale, politische Arbeiten. Nach 1933 politisch verfemt, blieb er künstlerisch aktiv. Daniel Greiner starb am 8. Juni 1943 in Jugenheim/Bergstraße. 1948 stellte der Evangelische Preßverband Darmstadt die erste Gedächtnisausstellung »Daniel Greiner« zusammen, dann folgte zum 100. Geburtstag 1972 »Der Bildhauer und Maler Daniel Greiner«. Im September 2003 fand schließlich in Wetzlar zu Ehren des Künstlers eine Ausstellung seines vielfältigen Schaffens statt. Greiners Tochter Waltraud heiratete 1925 den KPD-Funktionär Johannes Fladung. Greiners Schwiegersohn Heinrich Bersch (*15. 9. 1901 in Jugenheim), verheiratet mit Tochter Helga, seit 1927 in der KPD, ging 1932 als Ingenieur in die UdSSR, wurde dort im Juli 1937 vom NKWD verhaftet und am 9. Oktober 1937 erschossen.

Wer war wer in DDR

Göttling, Willi

* 14.4.1918 – ✝ 18.6.1953

Geb. in einer Berliner Arbeiterfamilie; Vater nach 1946 Mitgl. der SED in West-Berlin; Militärdienst im 2. Weltkrieg, Kriegsgefangenschaft. Rückkehr nach Berlin, Arbeit als Chauffeur in West-Berlin; seit 1952 arbeitslos; am 16.6. 1953 auf dem Weg zum Arbeitsamt Neukölln in Ost-Berlin verhaftet u. wieder entlassen, am frühen Nachmittag des 17.6.1953 erneut verhaftet u. an die sowjet. Besatzungsmacht übergeben; kein Nachweis über Aktivitäten; am 18.6.1953 standrechtl. erschossen, Hinrichtungsort u. Verbleib des Leichnams bis heute ungeklärt. März 2003 vollst. Rehabilitierung durch die russ. Militärstaatsanwaltschaft. G. wurde zu einem Symbol der staatl. Willkür bei der Niederschlagung des Volksaufstands. Seine Hinrichtung war die erste bekanntgewordene Vollstreckung eines Standgerichtsurteils nach dem 17.6.1953. Ob sich G. an den Unruhen aktiv beteiligt hat, ist bis heute nicht endgültig geklärt, gilt aber als unwahrscheinlich.Scholz, A., Nieke, W.: Der 17. Juni. Berlin 1953.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Graaf, Jonny de

* 11.5.1894 – ✝ 2.12.1980

Geboren am 11. Mai 1894 in Nordenham als Johann de Graaf, Sohn eines Musikers. Verließ das Elternhaus und wurde Schiffsjunge bei der Handelsmarine, später Matrose. Wegen antimilitaristischer Propaganda im Oktober 1914 in Rotterdam verhaftet und als »lästiger Ausländer« nach Deutschland abgeschoben. Zur Kriegsmarine eingezogen, wegen Meuterei 1917 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Durch die Revolution befreit, kam er von Bremen ins Ruhrgebiet. Er war Hilfsarbeiter in Ahlen und gehörte der KPD seit ihrer Gründung an. Jonny de Graaf, von kräftiger Gestalt, war ein Draufgänger und entwickelte sich zu einem unter der Arbeiterschaft bekannten KPD-Funktionär. Er war lange Jahre Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Ahlen, ab 1926 zunächst RFB-Führer in Hamm und ab 1928 Führer des RFB Gau Ruhrgebiet und Sekretär des KPD-UB Hamm. Er war auch Mitarbeiter des AM-Apparats und wurde 1930 in den Provinziallandtag Westfalen gewählt. Da gegen ihn in einem Hochverratsverfahren ermittelt wurde, verließ er im Sommer 1930 Deutschland und fungierte in Moskau als Leiter eines Transports von Ruhrarbeitern, die sich als »Arbeitsemigranten« in die Sowjetunion gemeldet hatten. Jonny de Graaf besuchte die M-Schule der Komintern in Moskau, wirkte einige Zeit als Politinstrukteur für die deutschen Arbeitsemigranten im Donbass und wurde dann als Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der Komintern eingesetzt. Er war u. a. für die Komintern und die GRU in der Mandschurei, in Shanghai und später auch in Brasilien. Hier unterstützte er unter dem Decknamen Franz Gruber gemeinsam mit dem Komintern-Emissär Arthur Ewert die brasilianischen Kommunisten um Luis Carlos Prestes beim bewaffneten Aufstand Ende 1935. Der Aufstand scheiterte, de Graaf gelangte über Argentinien wieder zurück nach Moskau. Um seinen weiteren Lebensweg ranken sich Gerüchte. So soll Jonny de Graaf bereits Anfang der dreißiger Jahre vom britischen Geheimdienst MI6 angeworben worden sein und über den Komintern-Apparat berichtet haben. Während des Krieges Angehöriger der britischen Armee, er kehrte 1945 als Offizier nach Deutschland zurück, eine Zeitlang Verbindungsoffizier der britischen Armee zum Entnazifizierungsausschuß in Bad Oeynhausen. Später ging er nach Kanada, er nannte sich fortan de Graff. Er brachte es zu Reichtum, war Besitzer u. a. einer Ferienhaussiedlung mit über 30 Holzhäusern. Zusätzlich galt er als »Rußlandexperte«, er starb am 2.Dezember 1980 in Brockville, Ontario. Einer seiner Söhne, Jonny de Graaf jun. (*28.11. 1919), reiste mit der Mutter und den anderen Geschwistern in die Sowjetunion. Bereits im Frühjahr 1931 kehrte Maria de Graaf mit den Kindern wieder nach Deutschland zurück. Auf Druck des Vaters reiste de Graaf jun. erneut in die Sowjetunion, besuchte die Karl-Liebknecht-Schule in Moskau und die Berufsschule des Stalin-Autowerks. Am 11. Januar 1938 wurde de Graaf jun. verhaftet und beschuldigt, zum Kreis jener deutschen Kommunistenkinder zu gehören, die in Moskau eine »Hitler-Jugend-Organisation« gebildet hätten. Er wurde am 14.Mai 1938 aus der Haft entlassen, später jedoch erneut festgenommen und kam vermutlich im Gulag um.

Wer war wer in DDR

Graefrath, Bernhard

* 12.2.1928 – ✝ 3.1.2006

Geb. in Berlin; 1946 SED; 1947 Volksrichterlehrgang, anschl. Jurastudium u. 1951 Prom. an der HU Berlin; 1953/54 als Hauptref. u. Abt.-Ltr. im Staatssekr. für HFS-Wesen verantw. für die Jurist. Fak.; dann Doz. an der HU Berlin; zugl. Mitgl. des Präs. der Dt. Liga für die Vereinten Nationen; 1958 »Revisionismus«-Vorwürfe u. Maßregelung im Kontext der »Babelsberger Konferenz« zur Rechtspol., anschl. bis 1960 »Bewährung« als Bürgermstr. der Stadt Zossen; 1963 Habil.; Prof. für Völkerrecht an der HU Berlin; 1964 – 66 Dekan der Jurist. Fak.; 1969 – 73 u. 1980 – 82 Bereichsltr. für Völkerrecht an der Sekt. Rechtswiss. der HU; versch. Funktionen in der Ges. für Völkerrecht u. Präs. der Liga für die Vereinten Nationen in der DDR; ab 1973 DDR-Vertreter in versch. internat. Gremien für Menschenrechte sowie Völkerrecht, u. a. im Komitee für Menschenrechte u. Soziales der DDR-Kommission bei der UNO, 1977 – 86 im Menschenrechtskomitee; Mitarb. an zwei Ergänzungsprotokollen zu den Genfer Abkommen; ab 1986 in der Völkerrechtskommission der UNO; 1983 – 91 Bereichsltr. für Völkerrecht am Inst. für Theorie d. Staats u. d. Rechts bzw. f. Rechtswiss. d. AdW in Berlin u. stellv. Vors. d. Rats f. staats- u. rechtswiss. Forschung. 1992 Vorruhestand; gest. in Michaelsdorf (Vorpomm.).Völkerrechtl. Verantwortlichkeit der Staaten. Berlin 1977 (mit E. Oeser u. P. A. Steiniger); Probleme des Völkerrechts. Berlin 1985 ff. (Hrsg.); Menschenrechte u. internat. Kooperation. Berlin 1988.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Graf, Günter

* 17.9.1934

Geb. in Suhl; Vater Brauer u. Mälzer; Grund- u. Oberschule; 1949 FDJ; 1953 / 54 Praktikant im VEB Mansfeld-Kombinat Eisleben u. im VEB Berliner Metallhütten- u. Halbzeugwerke; 1954 – 59 Studium an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Ing.; 1958 SED; 1959 – 64 Ass. an der Bergakad., Prom. zum Dr.-Ing.; 1964 – 69 Ltr. der Hüttentechnol. u. Chefmetallurge im VEB Mansfeld-Kombinat Eisleben; 1969 / 70 Sekr. für Wirtschaftspolitik der SED-KL VEB Mansfeld-Kombinat; 1970 – 78 stellv. Minister für Erzbergbau, Metallurgie u. Kali; 1971/78 Ltr. der DDR-Delegation in der Ständigen Kommission für Buntmetallurgie im RGW; 1974/75 Studium an der PHS; 1979 – 86 Dir. des Forschungsinst. für Nichteisen-Metalle des VEB Mansfeld-Kombinat »Wilhelm Pieck«; 1980 Berufung zum Prof. an der Bergakad. Freiberg; 1980/1986 Leiter der Gruppe "Metallische Werkstoffe" im Forschungsrat der DDR; 1986 Einsatz als GD des VEB Bergbau- u. Hüttenkombinat »Albert Funk« Freiberg (Nachf. von Otto Ritschel); nach 1991 Fachbuchautor und Industrieberater, ab 1993 Rentner, lebt in Freiberg; 1984 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Gräf, Roland

* 13.10.1934 – ✝ 11.5.2017

Geb. in Meuselbach (Thür.); Vater Holzarb.; Grundschule bis 1949; 1949 – 52 Ausbildung zum Industriekfm.; ABF bis 1954; 1954 – 60 Studium an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, Fachrichtung Kamera; 1961 Kameramann im DEFA-Studio für Dok.-Filme; 1961 – 76 Kameramann u. Regisseur; Kameramann u. a. bei  Jürgen Böttcher,  Rainer Simon,  Lothar Warneke, Herrmann Zschoche; 1976 – 90 nur noch als Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme tätig; 1985 – 90 Vors. des Künstler. Rats im DEFA-Studio für Spielfilme; 1955 – 91 SED bzw. PDS; 1986 NP. Seit 1990 freier Regisseur; 1990 – 92 Vorstandsmitgl. des Filmverb. Brandenb.; zahlr. nat. u. internat. Preise; Professur an der HS für Film u. Fernsehen »Konrad Wolf«; gest. in Potsdam. Werke: 25 Filme (darunter Kurzfilme) als Kameramann, neun abendfüllende Spielfilme als Regisseur; Kamera bei: Jahrgang 45 (1966/90, R: Jürgen Böttcher), Das siebente Jahr (1968, R: F. Vogel), Weite Straßen – stille Liebe (1969, R: Herrmann Zschoche), Dr. med. Sommer II (1969, R: Lothar Warneke), Sechse kommen durch die Welt (1971/72, R: Rainer Simon); G.s Spielfilme thematisieren zunächst den Alltag in der DDR, sind wie die Warnekes u. Zschoches einem dokumentar. Stil verpflichtet: Mein lieber Robinson (1970, Kamera u. R), Bankett für Achilles (1975), Die Flucht (1977), P. S. (1978), Märkische Forschungen (1982); mit zunehmenden Schwierigkeiten, den DDR-Alltag darzustellen, rücken Stoffe der Vergangenheit in den Vordergrund, die aber eth. Fragen der Gegenwart thematisieren: Fariaho (1983), Das Haus am Fluß (1986), Fallada – letztes Kapitel (1988), Der Tangospieler (1991, Bundesfilmpreis), Das Bernsteinzimmer (1992).Richter, R. (Hrsg.): DEFA-Spielfilm-Regisseure u. ihre Kritiker. Berlin 1981; R. G. Gedanken beim Filmemachen. Aus Theorie u. Praxis des Films. Potsdam 1987; Filmmuseum Potsdam (Hrsg.): Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg 1946 – 92. Berlin 1994; Poss, I., Warnecke, P. (Hrsg.): Spur der Filme. Zeitzeugen über die DEFA. Berlin 2006.Elke Schieber

Wer war wer in DDR

Gramlich, Horst

* 31.3.1938

Geb. in Antonufka (UdSSR); aufgew. in Potsdam; Grundschule; Lehre als Bankkaufm.; Stud. an der Wirtschaftsfachschule u. an der HfÖ Berlin, Dipl.-Finanzwirt, 1972 Prom. zum Dr. rer. oec.; wiss. Mitarb., ab 1969 Doz. für Wirtschaftsplanung u. Planerfüllung an der ASR Potsdam; Herbst 1989 SDP, dann SPD; Mai 1990 – 98 OB von Potsdam (Nachf. von  Manfred Bille); in einem von CDU u. Bündnis 90 / Die Grünen initiierten Abwahlbegehren am 17. Mai 1998 mit 87,5 % der Stimmen als OB abgewählt.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Granz, Bruno Richard

* 6.12.1880 – ✝ 3.11.1937

(* 1880 – † 1937) Geboren am 6. Dezember 1880 in Callenberg in Sachsen, Sohn eines Kleinbauern und Zimmermanns; Lehre als Bäcker. Bis 1906 Bäckermeister in Callenberg und Limbach, von 1906 bis 1910 Hilfsarbeiter in Chemnitz. 1910 zog er nach Limbach und arbeitete im Vorstand des dortigen Konsumvereins. Seit 1906 in der SPD, wurde er 1912 Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe Limbach. Während des Weltkrieges entschieden gegen die Burgfriedenspolitik, nahm 1916 Verbindung zu Fritz Heckert und der Spartakusgruppe auf. 1916/17 Soldat, er setzte an der Front seine antimilitaristische Arbeit fort. Im Mai 1917 beschloß die Kreiskonferenz der SPD (Limbach-Flöha) mit 150 zu 33 Stimmen den Übertritt zur USPD und wählte Granz zum Kreisvorsitzenden. Im November 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Limbach, am Jahresende Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD. Von 1919 bis 1933 war Granz Fraktionsvorsitzender der KPD in der Stadtverordnetenversammlung Limbach sowie von 1920 bis 1926 Landtagsabgeordneter in Sachsen. Er arbeitete von 1924 bis 1933 als Geschäftsführer des Limbacher Konsumvereins und war von 1919 bis 1930 Mitglied der BL Erzgebirge-Vogtland. Granz war Anhänger von Heinrich Brandler, mit dem er auch nach dessen Absetzung 1923 freundschaftlich verbunden blieb. Ein Briefwechsel mit Brandler (bis 1928 im Moskauer »Exil«) wurde bekannt und brachte Granz Ärger ein, er blieb aber in der KPD. Im März 1933 Emigration in die âSR und 1934 in die Sowjetunion, wo er in einer großen Moskauer Bäckerei unter dem Namen Otto Stoll arbeitete. Seinen jüngsten Sohn ermordeten die Nazis am 9. März 1933. Bruno Granz und sein Sohn Kurt, der bereits seit 1930 in der Sowjetunion als Maurer lebte, wurden 1937 vom NKWD verhaftet. Kurt Granz wurde am 28. Februar 1938 ermordet. Bruno Granz wurde am 3. November 1937 in Butowo erschossen. Sein Schicksal blieb in der DDR ein Geheimnis. Das ZK der KPD erklärte dem dritten Sohn, Walter, auf Anfrage nach dem Verbleib seines Vaters und seines Bruders, nichts Genaues zu wissen. Als sich dann Mitte der fünfziger Jahre auch die SED-Kreisleitung Karl-Marx-Stadt-Land nach Bruno Granz erkundigte, weil eine Straße in Limbach nach ihm benannt werden sollte, vermerkte Walter Ulbricht am 21. Juli 1958 quer über eine Hausmitteilung der Abteilung Kaderfragen an die Allgemeine Abteilung: »Man kann die Straße mit seinem [Bruno Granz] Namen benennen.« Später war – wie ein Band über Gedenkstätten berichtete – auf einer Gedenktafel in Limbach sogar die Lüge zu lesen, Bruno Granz sei in der UdSSR »1937 nach langer Krankheit« verstorben.

Wer war wer in DDR

Graßhoff, Helmut

* 7.11.1925 – ✝ 18.7.1983

Geb. in Hamersleben (Krs. Oschersleben); Vater Kfm.; OS; 1943 RAD, 1943 – 45 Wehrmacht, Uffz.; 1945 – 47 Kriegsgefangenschaft. 1948 Abitur; SED; Ausbildung zum Landwirt u. Bankkfm.; Tätigkeit im landw. Genossenschaftswesen; 1950 Studium der Wirtschaftswiss., 1951 – 54 der Slawistik an der HU Berlin; 1954 – 56 wiss. Assistent u. Lehrbeauftr. für russ. Lit. am Slaw. Inst. der HU Berlin; 1956 – 59 wiss. Aspirant am Inst. für Slawistik der DAW, 1959 Prom. zum Dr. phil. an der HU Berlin; ab 1958 Sekr. des Nationalkomitees der Slawisten der DDR; 1958 – 68 stellv. Ltr. der Lit.-Wiss. Abt. des Inst. für Slawistik der DAW; 1965/66 wiss. Ref. der Kl. für Sprachen, Lit. u. Kunst der DAW; 1969 Habil. über »Russ. Lit. in Dtl. im Zeitalter der Aufklärung« an der HU Berlin (erschienen Berlin 1973); 1969 – 75 stellv. Ltr. des Bereichs Slawistik im ZI für Lit.-Geschichte der AdW; 1972 Prof.; 1975 Chefred. der »Ztschr. für Slawistik«; 1975 NP; gest. in Berlin. Forschungs-, Lehr-, publ. u. wissenschaftsorg. Tätigkeit auf dem Gebiet der russ. Lit. unter Einbeziehung der Folklore, Kultur- u. Wissenschaftsgeschichte; Mithrsg. der »Studien zur Geschichte der russ. Lit. des 18. Jh.« (1963 – 70) u. Hrsg. russ. Erzählungen, Satiren u. Reiseberichte.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Gratzik, Paul

* 30.11.1935 – ✝ 18.6.2018

Geb. in Lindenhof (Krs. Lötzen, Ostpr./Lipowy Dwor, Polen); Vater Landarb.; Volksschule; 1952 – 54 Ausbildung zum Tischler; arbeitete als Bauarb. im Ruhrgeb., in Berlin u. Weimar; danach im Braunkohletagebau in Schlabendorf; 1962 Funktionär der FDJ-KL Weimar, Sektorenltr. im Jugenklubhaus »Walter Ulbricht«; 1962 – 81 als IM »Peter« für das MfS erf., Beendigung der IM-Tätigkeit durch Verweigerung weiterer Zusammenarbeit; 1963 – 68 Studium am IfL in Weimar; 1968 Aufn. zum Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig, wurde jedoch nach kurzer Zeit relegiert; Arbeit als Erzieher; ab 1971 freischaff.; Mitgl. des SV; seit 1974 neben schriftsteller. Arbeit auch Teilzeitarbeit im VEB Transformatoren- u. Röntgenwerk in Dresden; seit 1977 in Berlin; Autor am Berliner Ensemble; 1980 Heinrich-Heine-Preis; 1984 – 89 in der OPK »Kutte« vom MfS erf. Debütierte als Dramatiker (»Umwege. Bilder aus dem Leben des jungen Motorenschlossers Michael Runna« UA 1970); Grundlage seiner liter. Arbeiten ist eigenes Erleben der realsoz. Arbeitswelt; kam mit seinem ungeschminkten Realismus – auch mit Berichten aus ges. Tabuzonen (Jugendwerkhof) – in Konflikte mit der Zensur. 1997 Uraufführung von G.s Bühnenbearbeitung der »Litauschen Claviere« ( Johannes Bobrowski) in Berlin. Gest. in Eberswalde.Umwege. Handbetrieb. Lisa. (Schauspiele). Berlin 1977; Transportpaule. Rostock 1977; Kohlenkutte. Berlin 1982. Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Graul, Ernst

* 10.7.1886 – ✝ 25.2.1958

Geboren am 10. Juli 1886 in Zeitz, Sohn eines Maurers. Lehre bei einem Rechtsanwalt, anschließend kaufmännischer Angestellter in Zeitz. 1906 Mitglied der Gewerkschaft und der SPD, war von 1911 bis 1920 Mitarbeiter der Geschäftsführung des Konsumvereins Eintracht in Essen. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg und Anschluß an die Gruppe Internationale und den Spartakusbund. Im September 1920 Mitglied der KPD. Von 1921 bis 1923 Sekretär der KPD in Essen. Bereits 1921 von der Polizei als »bekannter Kommunistenführer« bezeichnet. Als Rechter 1924/25 vorübergehend aus der Partei ausgeschlossen. Dann bis 1926 Sekretär der KPD des Bezirks Ruhrgebiet und von 1926 bis 1928 Bezirkssekretär der RHD Bezirk Ruhrgebiet, anschließend Mitglied des ZK der RHD. Graul war von Juni 1928 bis September 1930 2.Geschäftsführer der Konsum- und Spargenossenschaft Merseburg. 1930 wurde Graul, der immer auf dem rechten Flügel der Partei stand, wegen »rechtsopportunistischer Tendenzen« aus der KPD ausgeschlossen. Er trat der KPO bei, deren Vorsitzender er bis 1933 in Merseburg war. Von 1930 bis 1932 erwerbslos, half er ab November 1932 seiner Frau, die ein kleines Tabakgeschäft eröffnet hatte. Im August/September 1933 in Polizeihaft in Halle und von 1939 bis 1945 noch bei der Luftschutzpolizei in Merseburg dienstverpflichtet. Graul war ab Juni 1945 Kassenleiter der AOK in Merseburg und trat der KPD, 1946 der SED bei. Ab August 1945 Bürgermeister und von April 1946 bis Dezember 1950 Oberbürgermeister der Stadt Merseburg, anschließend Rentner. Ernst Graul starb am 25. Februar 1958.

Wer war wer in DDR

Grehn, Klaus

* 26.9.1940

Geb. in Grevesmühlen (Mecklenb.); Vater Arbeiter; 1947 – 55 Zentralgrundschule in Grevesmühlen; 1955 FDJ; 1955 – 58 Ausbildung zum Tischler; 1958 – 60 ABF Rostock, Abitur; 1960 – 62 Veterinärmedizinstudium an der HU Berlin, 1962 nach Kritik an Mängeln in der Versorgung wegen »Schädigung des Ansehens« der Univ. Relegation; 1962 Eisenmacher im Kabelwerk Oberspree Berlin; 1962 – 64 NVA, Uffz.; 1964 – 73 Mitarb. der Zollverw. Berlin, zul. Zollkommissar; 1965 – 68 FS der Zollverw.; 1966 – 89 SED; 1970 – 74 als IM »Hans-Otto Schütt« des MfS erf.; 1971 – 76 Fernstudium der Philos. u. Soziol. an der HU Berlin, Dipl.-Phil.; 1973 Parteiverfahren u. Entlassung aus der Zollverw.; 1973 – 77 Abt.-Ltr. für Arbeit u. Löhne bei der Dt. Post, Fernmeldebau; 1977 – 80 Aspirant am Inst. für Soziol. der HU, 1980 Prom. zum Dr. phil.; 1980 Mitarb. des GD des Kombinats Fernmeldebau; 1981 – 84 Assistent am Inst. für Soziol. der HU Berlin; 1984 – 90 Mitarb. am Lehrstuhl Sozialpol. der HS des FDGB Bernau, ab 1987 dort stellv. Ltr. einer Forschungsgr.; 1990 mit der HS abgewickelt u. arbeitslos; März 1990 – 2004 Gründer u. ehrenamtl. Präs. des Arbeitslosenverb. der DDR, später Arbeitslosenverb. Dtl. e. V., ab Sept. dort hauptamtl. tätig; ab April 1990 Moderator des Runden Tisches Arbeitslosigkeit, Entwurf eines Wirtschaftskonzepts gegen Arbeitslosigkeit. Seit 1994 Präs. des European Network of Unemployed; seit 1995 Mitgl. des Koll. der Plattform of European Social NGOs; Vizepräs. des Kuratoriums Ostdt. Verbände; Mitgl. des Verb.-Rats des Parität. Wohlfahrtsverb.; 1998 – 2002 Abg. des Dt. Bundestags, PDS-Fraktion; Mitgl. des Aussch. für Arbeit u. Sozialordnung; stellv. Mitgl. des Aussch. für Angelegenh. der Europ. Union; seit 2000 Mitgl. der PDS; 2005 als Bundestagsdirektkandidat gescheitert; Vizepräs. des European Network of the Unemployed (Europ. Netzwerk der Arbeitslosen); Mitgl. im Verbandsrat des Parität. Wohlfahrtsverb.Arbeitslos. Berlin 1990; Spannungsfeld Arbeitsmarkt. Berlin 1991; Arbeitslos in Dtl. München 1994.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Greiner-Petter, Werner

* 15.11.1927 – ✝ 15.5.1986

Geb. in Lauscha (Thür.); Vater Glasmacher; Volks- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Feinmechaniker u. Werkzeugmacher; 1943 – 45 RAD u. Wehrmacht; 1944 NSDAP; 1945 brit. Kriegsgef. 1946 Arbeiter im Demontagekommando Suhl, 1946 / 47 Werkzeugmacher in Suhl u. Steinach; 1947 – 51 Glasmacher, Meister, Planungsltr., Betriebsass. u. 1951 / 52 Werkltr. im VEB Glaswerke Lauscha; 1950 SED; 1952 – 54 Abt.-Ltr. in der HV Glas u. Keramik im Min. für Leichtind.; 1954 – 62 erneut Werkltr. im VEB Glaswerke Lauscha; 1959 – 63 Fernstudium an der FS für Industrieökonomik Plauen, Abschluß als Industrieökon.; 1962 / 63 Sekr. für Wirtschaftspolitik der SED-KL Neuhaus; 1963 Ltr. der Inspektion Glas / Keramik der ABI; 1964 – 67 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1968 1. Stellv. des Vors. des Komitees der ABI, 1969 – 72 Staatssekr. im Komitee der ABI; 1972 Staatssekr., 1972 – 83 Mitgl. des Min.-Rats u. Minister für Glas- u. Keramikindustrie. (Nachf. von  Karl Bettin).Andreas Herbst