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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Grotewohl, Otto Emil Franz

* 11.3.1894 – ✝ 21.9.1964

Geb. in Braunschweig; Vater Schneidermstr.; Volksschule; 1908 – 12 Ausbildung zum Buchdrucker; 1908 – 14 SAJ Braunschweig, dort 1910 Ortsvors.; seit 1912 Mitgl. der SPD u. des Verb. Dt. Buchdrucker; 1912 – 14 Buchdrucker, Angest.; 1914 – 18 Militärdienst (Infanterist), zweimal verwundet; 1918 USPD; von Nov. 1918 – Jan. 1919 Vors. des Arbeiter- u. Soldatenrats eines Truppenteils an der dt.-niederländ. Grenze; ab Jan.1919 Vors. des Arbeiter- u. Soldatenrats u. Mitgl. der Arbeiter-Wehr in Braunschweig; 1919 – 21 Angest. der Ortskrankenkasse Braunschweig; 1921 – 25 Abg. des Braunschweig. Landtags, 1921/22 Innen- u. Bildungsmin. in Braunschweig; 1922 SPD; Sekr. für Betriebsräte im ADGB; 1923/ 24 Min. für Justiz; 1924 – 26 Studium an der Leibniz-Akad. in Hannover; 1926 – 30 Gasthörer an der HS für Pol., der Handels-HS u. der Univ. Berlin; Mitarb. sozialdemokrat. u. gewerkschaftl. Ztgn.; 1925 – 33 Bez.-Vors. der Braunschweiger SPD u. Abg. des Dt. Reichstags; 1928 – 33 Präs. der Landesversicherungsanstalt, 1933 gemaßregelt; 1934 – 38 div. Tätigkeiten als selbst. Kfm. in Hamburg, u. a. Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts u. des Grude-Herd-Vertriebs; Mitgl. einer illeg. sozialdemokrat. Gruppe; 1937/38 Übersiedl. nach Berlin, kfm. Angest. in versch. Betrieben; 1938 – 45 illeg. Anlaufbüro Berlin-Heibacko-Gniffke; Aug. 1938 – März 1939 u. Nov. 1939 – Febr. 1940 U-Haft, Einstellung eines Verfahrens wegen Hochverrats; 1940 – 45 Geschäftsf. u. Bevollm. der Firma Gniffke (Grude-Herd-Vertrieb) in Berlin; Zusammenarbeit mit der sozialdemokrat. Widerstandsgr. Heibacko. 1945 Vors. des ZA der SPD (mit  Max Fechner u.  Erich W. Gniffke), Mitunterz. seines Aufrufs vom 15.6. sowie des Aktionsabkommens mit der KPD vom 19.6.; Mitbegr. des Blocks der Parteien; 1945/46 Teilnehmer beider »Sechziger-Konferenzen« u. Mitgl. der Studienkommission zur Erarbeitung der »Grundsätze u. Ziele« u. des Parteistatuts der SED; ab 1946 Mitgl. des PV der SED u. seines ZS, ab 1949 des ZK u. des PB, 1946 – 54 mit  Wilhelm Pieck paritätischer Vors. der SED; 1946 – 50 Abg. des Sächs. Landtags; seit 1947 Mitgl. des Ständ. Aussch. des Dt. Volkskongresses, 1948/49 des Dt. Volksrats, Vors. seines Verfassungsaussch.; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer, seit 1950 der Volkskammer; Okt. 1949 – Sept. 1964 Min.-Präs. bzw. Vors. des Min.-Rats der DDR, ab Sept. 1960 stellv. Vors. des Staatsrats; 1953 KMO; 1954, 1959 u. 1964 VVO; 1959 u. 1964 Held der Arbeit; 1960 Banner der Arbeit; seit Nov. 1960 schwer erkrankt u. an der Partei- u. Staatsführung nicht mehr unmittelbar beteiligt.Wo stehen wir – wohin gehen wir. Berlin 1945; Dreißig Jahre später. Die Novemberrev. u. die Lehren der Geschichte der dt. Arbeiterbew. Berlin 1948; Im Kampf um die einige dt. demokrat. Rep. Reden u. Aufsätze. 6 Bde. Berlin 1959 – 64. Voßke, H.: O. G. Biogr. Abriß. Berlin 1979; Rother, B.: O. G. (1894 – 1964). Biogr. Skizze seiner Braunschweiger Jahre (1894 – 1933). In: IWK (1992) 28; Jodl, M.: Amboß oder Hammer? O. G. Eine pol. Biogr. Berlin 1997; Treibel, W.: Gelobt u. geschmäht? Wer war O. G.? Berlin 1998; Loeding, M.: O. G. kontra Kurt Schumacher. Hamburg 2004.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grube, Ernst

* 22.1.1890 – ✝ 14.4.1945

Geboren als Sohn eines Bergarbeiters am 22.Januar 1890 in Neundorf/Anhalt; lernte Tischler. Er schloß sich dem Holzarbeiterverband und 1908 der SPD an. Nach Beendigung der Lehre Arbeit in der Waggonfabrik Werdau, dann einige Jahre Wandergeselle. Von 1910 bis 1912 lebte er in Berlin, wo er sich in Abendkursen weiterbildete. Während des Krieges in Zwickau Mitglied der Spartakusgruppe und der USPD, seit Gründung in der KPD organisiert. 1920 KPD-Sekretär in Zwickau, im gleichen Jahr zog Grube in den Sächsischen Landtag ein, dem er bis 1922 angehörte. 1921 Delegierter des VII. Parteitags, der VIII. Parteitag 1923 wählte ihn in die Gewerkschaftskommission und als Kandidat in den ZA. Er war von 1922 bis 1924 Stadtverordneter in Zwickau und bis Oktober 1924 Sekretär des UB Zwickau, 1923 einer der militärischen Führer der KPD in Sachsen. Von Mai bis Dezember 1924 Reichstagsabgeordneter, von Oktober 1924 bis 1928 Polleiter des Bezirks Magdeburg-Anhalt. Nach der Wittorf-Affäre kam Grube als Polleiter in den Bezirk Wasserkante. Von Dezember 1924 bis Mitte 1932 Abgeordneter des Preußischen Landtags und seit Juli 1932 wieder Reichstagsabgeordneter. Von 1925 bis 1929 Delegierter aller KPD-Parteitage, auf dem XI. Parteitag 1927 in Essen zum Kandidaten und auf dem XII. Parteitag 1929 in Berlin-Wedding zum Mitglied des ZK gewählt. Grube gehörte zu den Chemnitzer Linken ( Paul Bertz, Heinrich Wesche usw.), Anfang 1930 wurde er seiner Funktion als Polleiter in Hamburg enthoben. Er arbeitete 1930 kurze Zeit als Komintern-Emissär in Griechenland. Ende 1930 wurde Grube Reichsleiter der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit, bis 1933 im ZK der KPD für Sportangelegenheiten verantwortlich. In der Nacht des Reichstagsbrandes festgenommen und in den KZs Sonnenburg, Lichtenburg und Buchenwald inhaftiert. 1939 aus dem KZ entlassen, wieder als Tischler tätig. Im Krieg zunächst in Warschau dienstverpflichtet, kehrte Grube 1941 nach Berlin zurück, wurde 1942 einige Monate inhaftiert. In der Aktion »Gewitter« am 21. August 1944 erneut festgenommen, kam ins KZ Sachsenhausen, wo er schwer erkrankte. Er wurde Anfang April 1945 mit allen arbeitsunfähigen Häftlingen in Viehwagen verladen und ins KZ Bergen-Belsen transportiert. In diesem Vernichtungslager wurde Ernst Grube am 14. April 1945 ermordet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grühn, Udo

* 28.10.1910 – ✝ 15.2.1990

Geboren am 28. Oktober 1910 in Brandenburg/Havel; Mechaniker und seit 1926 Mitglied des KJVD bzw. seit 1930 der KPD. Bis April 1930 Org- bzw. Agitpropleiter des KJVD-UB Chemnitz, legte seine Funktion im KJVD wegen politischer Meinungsverschiedenheiten (Grühn trat gegen die politische Linie von Heinz Neumann und Hermann Remmele auf) nieder, dann Orgleiter des KgF, des Kampfbundes gegen Faschismus, in Chemnitz. Ab Februar 1932 persönlicher Mitarbeiter von Kurt Sindermann, er gehörte dem AM-Apparat der BL Sachsen (NSDAP-Beobachtung) an. Mitte April 1933 in »Schutzhaft« in das KZ Sachsenburg gebracht, aus dem er Ende 1933 freigelassen wurde. Bezirksleiter des illegalen KJVD zunächst für Sachsen und Süddeutschland, er arbeitete mit dem Reichstechniker Wilhelm Kox zusammen. Im Januar 1935 verhaftet und am 8. Juli 1937 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Im April 1945 durch die US-Armee aus dem Zuchthaus Ahlen bei Hannover befreit, bis 1950 Mitglied und Funktionär der KPD, u. a. Redakteur der »Freiheit« in Düsseldorf. Danach Mitarbeiter, dann Betriebsleiter der Correkta-Werke GmbH in Bad Wildungen. Im Februar 1957 Übersiedlung in die DDR, Mitglied der SED. Zuletzt Gruppenleiter im VEB Konstruktions- und Ingenieurbüro Leipzig. Udo Grühn starb am 15. Februar 1990 in Leipzig.

Wer war wer in DDR

Grünberg, Gottfried

* 29.5.1899 – ✝ 7.2.1985

Geb. in Beuthen (Oder, Niederschles./Bytom Odrzańskie, Polen); Vater Kleinbauer; 1905 – 13 Volksschule; 1913 – 15 Arbeiter in Ratibor-Hammer; 1915 – 17 Bergarb. in Zernitz (Oberschles.); Febr. – Dez. 1917 Kriegseinsatz an der Balkanfront, Kavallerie; 1917/18 Internierung in Ungarn; 1919 Rückkehr nach Dtl.; bis 1931 Bergmann im Ruhrgeb., zul. in Baesweller, Schacht »Karl Alexander«; 1920 Kämpfer in der Roten Ruhrarmee; Funktionär der RH u. des RFB; 1928 KPD, Pol.-Ltr. einer Ortsgr.; 1929 Ausschluß aus der Gewerkschaft; 1930/ 31 Mitgl. der KPD-UB-Ltg. Aachen; Mitgl. der BL des Freien Bergarbeiterverb.; 1931 Ermittlungsverfahren wegen »Waffenschmuggels«; im Auftrag der KPD mit seiner Frau Emigr. in die UdSSR; 1931 – 33 Bergmann im Donezbecken (Schacht Nr. 18 »Stalin«, ehem. »Amerikanka«); dort Mitgl. der Gewerkschaftsltg.; 1933 – 34 Studium an der KUNMS (»Hauer«); Mitgl. der Gewerkschaftsltg. der Univ.; 1934 – 35 Studium an der Lenin-Schule (»Weber«), 1934 Abg. des Moskauer Stadtbez.-Sowjets »Frunse«; 1935 sowj. Staatsbürgerschaft; 1935 – 37 Gewerkschaftsinstrukteur im Kusnezkbecken; 1937 Lehrgang für Taktik der Pioniertruppen an der Militärschule »Erste Reiterarmee« in Tambow; dann Teiln. am span. Bürgerkrieg, bis Febr. 1939 Führer einer Pionierkomp. im Bat. »Jaroslaw Dombrowski« der XIII. Internat. Brigade, Ltn.; 1938 KP Spanien; Febr. – Mai 1939 im frz. Internierungslager Argelés, dort Ltr. der poln. Gruppe; Mai 1939 Rückkehr in die UdSSR; bis 1940 Instrukteur der IRH im Autowerk in Gorki, Betreuung span. Emigranten; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erfaßt; Febr. 1941 Kursant der KI-Schule in Puschkino (b. Moskau); nach dem 22.6.1941 Freiw. bei der Roten Armee, nach militär. Spezialausbild. ab Okt. 1941 Angehöriger der I. mot. Schützenbrigade zur bes. Verfügung des NKWD; März 1942 Demobilisierung u. Delegierung zur KI-Schule in Kuschnarenkowo (»Fritz Weber«); 1942/43 Seminarltr. in einer Spezialschule der KI zur Ausbildung von Fallschirmspringern bei Moskau; Dez. 1942 strenge Rüge mit Verwarnung wegen wiederholten Verlusts des Ausweises; 1943 kurzfr. Einsatz in der Kriegsgefangenenschule in Krasnogorsk, dann Ltr. der Kriegsgefangenenschule in Taliza; ab Herbst 1944 Kursant der Parteischule Nr. 12 der KPD. Am 6.5.1945 als Mitgl. der Gruppe  Gustav Sobottka nach Stettin; Stadtrat in Waren; bis 1950 Mitgl. der KPD-BL Mecklenb.-Vorpom. bzw. der SED-LL; Mitgl. der FDGB-LL u. der KB-LL sowie Abg. des Landtags; 1945 – 46 3. Vizepräs. der LV Mecklenb. für die Ressorts Justiz, Kultur u. Volksbildung; 1946 Vorstand der Abt. Arbeit u. Sozialfürsorge; Dez. 1946 – 50 Min. für Volksbildung in Mecklenb.; Frühj. 1947 Mitbegr. u. ab Sommer 1947 Landesvors. der Ges. zum Studium der Kultur der Sowjetunion; 1950 – 56 Gen.-Sekr. der DSF; ab 1956 Oberst-Ltn. u. ab 1957 Oberst der NVA; Ltr. der Abt. Prop. der Pol. HV der NVA, 25.8.1956 – 27.11.1957 Ltr. der Pol. HV u. stellv. Min. (Nachf. von  Friedrich Dickel); 1958 – 60 Mitgl. der SED-KL im MfNV; 1960/61 Militärattaché in Moskau (Nachf. von  Hermann Gartmann); Mitgl. des NR der NF; 1962 aus gesundheitl. Gründen aus dem Dienst ausgeschieden; 1965 stellv. Bez.-Vors. der DSF in Berlin; 1966 Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1974 KMO; 1979 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Der Kampf der DSF für die nationalen Interessen des dt. Volkes. Berlin 1953; Atomenergie, zum Segen der Menschheit. Berlin 1955; Spaniens Freiheitskampf 1936 – 1939. In: G. G. (Hrsg.): »Wir kämpfen u. siegen für dich – Freiheit!« Berlin 1956; Als Mitgl. der Gruppe Sobottka im Einsatz. In: Rosner, F. u. a. (Hrsg.): Vereint sind wir alles. Erinnerungen an die Gründung der SED. Berlin 1966; Kumpel, Kämpfer, Kommunisten. Berlin 1977.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Grundig, Hans

* 19.2.1901 – ✝ 11.9.1958

Geb. in Dresden; Vater Dekorationsmaler; Ausbildung beim Vater; 1920 – 22 Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden, 1922 – 27 an der Dresdener Akad. der bildenden Künste; dort Beeinflussung durch Otto Dix, u. a. Gemälde »Arbeitslose Zigarettenarb.«, »Liebespaar« (beide 1925); 1926 KPD; 1927 Dekorationsmaler, dann arbeitslos; 1928 Heirat mit  Lea G.; 1929 Mitbegr. der Dresdener ASSO; für die KPD künstler. u. pol. tätig; in dieser Zeit entstanden zahlr. Bildnisse u. Stadtlandschaften sowie Gemälde wie »Hungermarsch« u. »KPD-Vers.« (1932); nach 1933 Berufsverbot, Hausdurchsuchungen u. mehrmalige Verhaftung; illeg. entstanden u. a. der Radier-Zyklus »Tiere u. Menschen« (1936 – 38), das Gemälde »Kampf der Bären u. Wölfe« (1938), das Triptychon »Das Tausendjährige Reich« (1935 – 38); 1940 – 44 KZ Sachsenhausen, 1944 Strafdiv. Dirlewanger; Übertritt zur Roten Armee, Besuch einer Antifa-Schule. Jan. 1946 Rückkehr nach Dresden; SED; 1947/48 Rektor u. Prof. an der HS für bildende Künste Dresden; 1946 Tafelbild »Den Opfern des Fasch.«; offene Ablehnung seiner Kunst im Kontext der Realismus-Diskussion; 1958 NP; gest. in Dresden.Zwischen Karneval u. Aschermittwoch. Berlin 1955. Frommhold, E.: H. u. Lea G. Dresden 1958; Zinserling, L.: H. G. Welt der Kunst. Berlin 1967; Frommhold, E.: H. G. – Rektor u. Lehrer 1946 – 49. In: Beck, R., Kardinar, N. (Hrsg.): Trotzdem. Neuanfang 1947. Zur Wiedereröffnung der Akademie der bildenden Künste Dresden. Dresden 1999; Weber, St., Frommhold, E.: H. G. Schaffen im Verborgenen. Dresden 2001.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Gruner, Werner

* 7.6.1904 – ✝ 29.6.1995

Geb. in Terpitzsch bei Colditz (Sachsen); Vater Volksschullehrer; Realgymnasium Döbeln; 1923 – 28 Maschinenbaustudium an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1928 – 30 wiss. Ass. am Lehrstuhl für Betriebswiss. der TH Dresden; 1930 – 45 Abt.-Ltr., Techn. Ltr. bzw. Chefkonstrukteur der Metallwarenfabrik Großfuß in Döbeln, Konstrukteur der Schnellfeuerwaffe »MG 42«; 1932 Prom. zum Dr.-Ing. an der Fak. für Maschinebau der TH Dresden; 1933 NSDAP; 1943/44 nebenamtl. Lehrtätigkeit für spanlose Formung von Blech an der TH Braunschweig. Nach 1945 parteilos; Aug. 1945 Arbeitsverpflichtung durch die SMA; Nov. 1946 – 52 als techn.-wiss. Spezialist in der UdSSR; 1952 Rückkehr in die DDR; Wahrnehmungsprof. für Umformtechnik an der TH Dresden, 1953 – 68 ord. Prof. mit Lehrstuhl, Gründer und Dir. des Instituts für Landmaschinentechnik (erste Einrichtung zur landtechn. Ingenieurausbildung in Dtl.); 1954 – 69 Vors. des Bezirksvorst. Dresden u. Mitgl. des Präsid. der URANIA; 1955 Prorektor für den wiss. Nachwuchs u. 1958 – 1961 Rektor der TH bzw. TU Dresden (Nachf. von → Kurt Pommer); anschl. Prorektor; Dir. der Sektion KfZ-, Land- u. Fördertechnik; 1958 Vors. des Zentr. Arbeitskr. für Landmaschinen- und Traktorenbau; 1959 VVO, 1961 NP; 1962 – 66 Mitgl. des Forschungsrats u. Mitgl. des Beirats für Techn. Wiss. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen; 1962 Ord. Mitgl. der DAL, 1963 – 69 Sekretar der Sekt. Landtechnik; 1969 em.; 1969 Banner der Arbeit; Ehrenprom. der HS für Landmaschinenbau Rostow am Don, an der WPU Rostock u. an der Ing.-HS Berlin-Wartenberg; 1979 Ehrensenator der TU Dresden; gest. in Dresden.Versuche über das maschinelle Sägen von Stein mit glattrandigen Stahlbändern u. Quarzsand. Berlin 1933; Meßtechnik u. Meßmethoden für Forschungsarbeiten im Rahmen der Landtechnik. Prag 1958; Zehn Jahre DDR, zehn Jahre TH Dresden: Festansprache. Dresden 1959; Hochschule u. Praxis. Dresden 1960; Probleme der Meß-, Steuerungs- u. Regelungstechnik in der Landwirtschaft. Berlin 1966. Interessenvereinigung Senioren der Landtechnik: W. G. – Leben & Werk. Rostock 2005; Petschel, D.: Die Professoren der TU Dresden 1828 – 2003. Köln u. a. 2003; G. W. In: Wagemann, H. (Hg.): Von der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin zur Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, Bd. 2: Biografien der Akademie-Mitglieder, Berlin 2006, S. 139–141.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grunert, Karl

* 29.8.1901 – ✝ 24.4.1980

Geboren am 29. August 1901 in Hamburg, Sohn eines Hafenschiffers, der bereits 1912 starb, die Mutter arbeitete als Putzfrau und Wäscherin. Steindruckerlehre, die er aus finanziellen Gründen nicht abschließen konnte. 1918 bis 1922 Arbeiter beim Hamburger Telegrafenbauamt, ab 1923 Verlagsangestellter. Er schloß sich dem Spartakusbund und 1919 der KPD an. Auf dem 7. Reichskongreß der KJD im April 1923 wurde Grunert in das ZK gewählt, ab 1924 von den Linken zurückgedrängt. Nach dem »Offenen Brief« des EKKI 1925 in das Sekretariat des ZK des KJVD berufen, übernahm er das Presseressort. Im April 1926 kam Grunert zu einem Zweijahreskurs an die Internationale Leninschule in Moskau, danach Funktionen in Hamburg. 1930 wurde Grunert als Versöhnler aus der KPD ausgeschlossen und verlor seine Arbeit im Parteiapparat. Ab Herbst 1930 Angestellter im Hamburger Arbeitsamt, 1933 entlassen. Er schloß sich der Widerstandsgruppe um Hans Westermann an, deshalb am 22. Oktober 1933 verhaftet und bis August 1934 im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert. Ab 1938 Angestellter in einer Foto-Großhandlung, von 1940 bis 1945 Soldat. 1945 wieder Mitglied der KPD und im Hamburger Arbeitsamt tätig, ab 1950 Standesbeamter. Grunert war ab 1948 Mitglied des KPD-Landesvorstandes Hamburg. Dort Anfang Januar 1950 abgesetzt »wegen seiner Beteiligung an der Führung der fraktionellen Gruppe, seiner Verbindung zu den Parteifeinden im In- und Ausland und seiner Desorientierung der Partei«. Einen Monat später aus der KPD ausgeschlossen, Mitte der fünfziger Jahre wurde er Mitglied der SPD. Als ihm nach dem XX. Parteitag der KPdSU nahegelegt wurde, wieder Mitglied der KPD zu werden, lehnte er dies ab. 1974 verließ Grunert wegen des »Extremisten-Beschlusses« die SPD und trat in die DKP ein. Er war 1976 Mitinitiator des Kuratoriums »Gedenkstätte Ernst Thälmann«. Karl Grunert starb am 24.April 1980 in Kaltenkirchen bei Hamburg.

Wer war wer in DDR

Grünler, Kurt

* 15.8.1906 – ✝ 28.7.1985

Geb. in Leipzig-Lindenau; Vater Eisendreher; höhere Bürgerschule; 1920 – 23 Ausbildung zum Elektriker in Makranstädt; 1922/23 Mitgl. der Soz. Proletarier-Jugend, 1922 – 28 KJVD; 1923 IAH, RFB; 1923 – 30 Arbeit als Elektriker u. Hilfsarb., zeitw. auf Wanderschaft; 1928 KPD; 1930 – 33 arbeitslos; u. a. Arbeitsgebietsltr. des illeg. RFB, deswegen als Rädelsführer gesucht u. bis 1933 illeg. in Markranstädt u. Leipzig; Apr. 1933 Emigr. nach Dänemark, Mai 1934 Schweden, Febr. 1936 ausgewiesen; 1937 – 39 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg (»Julio Gonzales Garcia«), XI. Internat. Brigade, Panzerbrigade, Ltn., Juli 1937 verwundet, dann in einer Partisaneneinheit; März 1939 Internierung in Frankreich in St. Cyprien u. Gurs, dort in der illeg. KP-Lagerltg.; 1940 Arbeitskompanie in Nordfrankreich; Juli 1940 Auslieferung nach Dtl., Haft in Berlin; Okt. 1940 – 45 KZ Buchenwald. 1945/46 KPD/SED; 1945 Sekr. des Antifa-Blocks in Altränstedt; 1945 – 47 dort Amtsvorsteher; 1947 Einstellung bei der VP, Ltr. der K 5 (pol. Polizei) in Magdeburg; Sept. 1949 Ltr. der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Mecklenb.; 1950 stellv. Operativ des Ltr. der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen-Anh. (ab Febr. 1950 Länderverw. Sachsen-Anh. des MfS); 1952 Ltr. der BV Frankfurt (Oder); 1953 Oberst-Ltn.; 1954/55 BPS Frankfurt (Oder); 1955 Ltr. der BV Suhl; 1960 aus gesundheitl. Gründen beurlaubt; 1961 Versetzung zur Abt. XII (Zentr. Auskunft/Speicher), MfS Berlin; 1964 Entlassung, Rentner; 1971 VVO.Jens Gieseke / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Grüß, Gerhard

* 16.3.1902 – ✝ 20.5.1950

Geb. in Berlin; Vater Schulrektor; 1911 – 20 Humboldt-Gymnasium Berlin, Abitur; 1920 – 25 Studium der Fächer Bauingenieurwesen, Math. u. Physik an der TH u. der Univ. Berlin; ab 1926 wiss. Ass. am Inst. für Angew. Math. der TH Berlin, dort 1926 Diplomhauptprüfung in Mathematik; 1927 Dr.-Ing., 1929 Habil., anschl. Privatdoz. für reine u. angew. Math.; 1934 – 35 Vertretungsprof. für Bauingenieurmechanik an der TH Stuttgart; 1935 kommissar. Ernennung zum ord. Prof. für Math. u. darstellende Geometrie an der Bergakad. Freiberg; 1936 endgültige Berufung u. Dir. des Mathemat. Inst., ab 1939 auch Ltr. des Lehrstuhls für Techn. Mechanik; April 1944 wg. »polit. Unzuverlässigkeit« Vorlesungsverbot u. Aufhebung der »UK-Stellung«; Sept. 1944 Wehrdienst; 1945 amerikan. Kriegsgef. Okt. 1945 Rückkehr nach Freiberg u. Übernahme der Ltg. des Inst. für Math. u. Techn. Mechanik; 1945 – 49 CDU; 1945 – 50 im Nebenamt Vorstand der Bücherei der Bergakad.; 1945 – 46 Prorektor; 1946 – 47 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Fritz Regler). Hauptarbeitsgebiete: analytisch-theoret. Math., speziell Differentialgeometrie u. Analysis.Stoyan, D.: Grüß u. Kneschke – zwei große Mathematiker der Bergakad. Freiberg. In: Zeitschr. für Freunde u. Förderer der TU Bergakad. Freiberg (2002) 9.Roland Volkmer

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grylewicz, Anton

* 8.1.1885 – ✝ 2.8.1971

Geboren als Sohn eines Tischlers am 8. Januar 1885 in Berlin. Mechanikerlehre, anschließend in diesem Beruf tätig. Von 1907 bis 1909 Militärdienst. 1912 in Berlin Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Während des Krieges zunächst zwei Jahre an der Ostfront, nach einer Verwundung 1917 zurück nach Berlin. Arbeit als Schlosser, dann einer der Führer der Berliner Revolutionären Obleute. Nach der Revolution war Grylewicz maßgebend in der Berliner Organisation der USPD tätig. Dort anfangs zweiter, 1920 erster Vorsitzender. Im Januar 1919 als Stellvertreter Emil Eichhorns an den bewaffneten Auseinandersetzungen auf seiten der Revolutionäre aktiv beteiligt. Grylewicz nahm als Vertreter des linken Flügels am USPD-Spaltungsparteitag in Halle teil und war Delegierter des Vereinigungsparteitags mit der KPD im Dezember 1920. Nach der Vereinigung Orgleiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg. Von 1920 bis 1924 Stadtverordneter in Berlin und seit 1921 unbesoldeter Stadtrat in Neukölln. Als einer der Führer der Fischer-Maslow-Gruppe behielt Grylewicz seine wichtige Funktion als Orgleiter in Berlin bis 1924. 1923 Teilnehmer an den Moskauer Verhandlungen über den geplanten deutschen Aufstand. Nach dem IX. Parteitag 1924 in die Zentrale berufen, wo er führend in der Orgabteilung arbeitete. Im Mai 1924 im Wahlkreis Potsdam II zum Abgeordneten des Reichstags, im Dezember 1924 des Preußischen Landtags gewählt. Als Mitglied der Berliner Bezirksleitung 1924 von der Polizei gesucht, verhaftet und vier Monate in Untersuchungshaft. Dann im August/September 1925 einer der Angeklagten im Maslow-Prozeß vor dem Reichsgericht. Zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die jedoch unter die Amnestie fiel. Nach dem »Offenen Brief« 1925 aus dem ZK entfernt, blieb er zunächst Sekretär der Landtagsfraktion. Grylewicz gehörte auch nach dem »Offenen Brief« zur Führung der Fischer-Maslow-Gruppe. Auf dem XI. Parteitag 1927 vertrat er zusammen mit Wolfgang Bartels und Paul Schlecht die linke Opposition und wurde deswegen am 1.April 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Danach Vorsitzender der Gruppe der linken Kommunisten im Landtag und Mitbegründer des Leninbundes, bis 1930 dessen Reichsorganisationsleiter. Im Februar 1930 trennte er sich mit einer Gruppe deutscher Trotzkisten vom Leninbund. Sie bildeten mit Teilen der Weddinger Opposition die trotzkistische »Linke Opposition« (LO). Grylewicz war in der Folgezeit führender deutscher Trotzkist und Herausgeber der Schriften Trotzkis in Deutschland. Im März 1933 flüchteten er und seine Frau Anna, geborene Bräuer (*1. 1. 1891 – †28. 11. 1970), mit der er seit 1912 verheiratet war, nach Prag. Dort wurde er aufgrund von Verleumdungen und Denunziationen einige Zeit inhaftiert. Im Moskauer Schauprozeß gegen Grigori Sinowjew u. a. im August 1936 war Grylewicz als »einer der Führer der deutschen Trotzkisten« angegriffen worden. 1937 flüchtete er nach Paris, dort Mitglied des Auslandskomitees der LO. Im August 1939 wurde er zusammen mit seiner Frau von den deutschen Behörden ausgebürgert. 1941 Flucht nach Kuba, dort lebte und arbeitete er trotz seines hohen Alters als Tischler. 1955 kam er nach West-Berlin, wohin seine Frau schon vorher gezogen war. Er trat der SPD bei. Anton Grylewicz starb am 2. August 1971 in West-Berlin.

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Gudzuhn, Jörg

* 23.3.1945

Geb. in Seilershof (Landkrs. Ruppin); 1951 – 59 Grundschule in Berlin, 1959 – 61 Berta-von-Suttner-Gymn. in Berlin-Reinickendorf, vorzeitiger Abbruch wg. des Mauerbaus; 1961 – 66 Schleifer im Wälzlagerwerk »Josef Orlopp« Berlin; Lehre u. Arbeit als Maurer; Volkshochschule, Abitur; 1966 – 70 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin-Schöneweide; 1970 – 74 Engagements am Theater in Karl-Marx-Stadt, 1974 – 76 am Hans-Otto-Theater Potsdam, 1976 – 87 am Maxim-Gorki-Theater in Berlin, vor allem in skurrilen Rollen, u. a. in Shakespeares »Sommernachtstraum« (R:  Thomas Langhoff) u. »Einer flog über das Kuckucksnest« (R: Wolf Winkelgrund); daneben in TV-Folgen von »Der Staatsanwalt hat das Wort« u. »Polizeiruf 110«, ab 1982 auch größere Rollen in DEFA-Filmen, z. B. in »Das Luftschiff« (R:  Rainer Simon), »Eine sonderbare Liebe« (1984, R:  Lothar Warneke, Kritikerpreis als Darsteller), »Die Grünstein-Variante« (1985, R: Bernhard Wicki); seit 1987 Engagement am Dt. Theater Berlin, u. a. in »Nathan der Weise« (1987, unter  Friedo Solter); 1988 Titelrolle im DEFA-Film »Fallada – Letztes Kapitel« (R:  Roland Gräf). Nach 1990 weiterhin Engagement am Dt. Theater, u. a. Dorfrichter Adam in »Der zerbrochene Krug« (1991, unter Th. Langhoff), in den Titelrollen von »König Ödipus« (1996), »Othello« (1998), beide unter  Alexander Lang, Soloauftritt mit »Leben bis Männer oder: Der Fußballtrainer« (2001 unter der Regie von  Peter Ensikat, nach einer Vorlage von Thomas Brussig); daneben Arbeit für Film: 1991 in »Verfehlung« (R:  Heiner Carow), 1992 in »Moebius« (R: Matti Geschonneck); auch in TV-Produktionen: 1991 in »Ende der Unschuld« (R:  Frank Beyer), 1994 in mehreren Folgen von »Liebling Kreuzberg«, 1998 – 2007 als Kommissar Hoffer an der Seite von  Ulrich Mühe in »Der letzte Zeuge« (ZDF); 1997 Adolf-Grimme-Preis; lebt bei Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

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Gummel, Margitta

* 29.6.1941

Geb. in Magdeburg; KJS, Abitur; Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrerin; wiss. Mitarb. am Forschungsinst. der DHfK-Leipzig; 1977 Prom. mit Diss. über sportl. Tätigkeit u. Emanzipation der Frau zum Dr. paed.; 1955 – 72 aktiv in der Leichtathletik (Kugelstoßen), zuerst in Magdeburg, ab 1959 beim SC DHfK Leipzig (Trainer: Prof. Dr. Karl-Heinz Bauersfeld); dreimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1964 5. Platz, 1968 Siegerin, 1972 2. Platz; dreimal Teiln. an Europameisterschaften: 1966 u. 1969 jeweils 2. Platz; 1971 3. Platz; 1966 Siegerin bei den Hallen-Europameisterschaften; 1968/69 viermal WR; VVO; 1974 – 90 Präs.-Mitgl. des Dt. Verb. für Leichtathletik (DVfL) u. des DTSB; 1990 Ehrenmitgl. des DVfL-Präs.; bis 1990 Gen.-Sekr. des Studenten-Sportverb. der DDR; Abg. des Leipziger Stadtparl.; 1990 – 93 Mitgl. beim LSB Brandenb.; lebt in Bad Bentheim.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Grothaus, Wilhelm

* 17.11.1893 – ✝ 1966

Geb. in Herten (Westfalen); Vater Bergarb., Mutter Landarb.; 1900 – 07 Volksschule; 1905 muß sich der Vater vor Gericht für G. wegen »Landfriedensbruchs« verantworten, weil G. das gegen streikende Arbeiter vorgehende Militär mit Steinen beworfen hatte; 1907 – 11 Landarb., Steinsetzerlehre, 1912 Gerichtsschreiber; 1913 Gewerkschaftsangest., 1913/ 14 Gerichtsschreiber; 1914 Militärdienst; 1916 – 20 Wirtschaftsamt in Herten, 1920 – 22 Lohnbuchhalter auf einer Steinkohlenzeche, ab 1922 Geschäftsf. einer Wein- u. Spirituosenhandl. in Recklinghausen; 1918/19 SPD; Mitgl. des Gemeinderats; 1926 Umzug nach Berlin, Geschäftsf. einer sozialdemokrat. Wohnungsbauges., anschl. bis 1934 Angest. beim Reichsbund Dt. Mieter; 1932 KPD; April 1934 Zwangsübersiedl. nach Dresden, Geschäftsf. einer Verlagsanstalt; 1937 – 39 erwerbslos, 1939/40 Geschäftsf. eines Radebeuler Schulbuchverlags, 1940 Angest. des Dresdner Finanzamts; März 1940 Buchhalter im Stahlbaubetrieb Kelle & Hillebrandt (der späteren ABUS) in Dresden; ab 1943 Mitgl. der illeg. Widerstandsgr. um Georg Schumann, März 1944 Festnahme durch die Gestapo, Flucht während der Dresdner Bombennacht vom 13. zum 14.2.1945, mehrere Mitgl. der Schumann-Gr. werden hingerichtet. 1945/46 SPD/SED; 1946 verantwortl. für die Durchführung der Landtagswahlen im Krs. Meißen; anschl. Mitarb. im Sächs. Min. für Land- u. Forstw., 1947 – 50 Ltr. der Abt. Bodenreform, Ministerialdir., 1950 Entlassung aus polit. Gründen; 1951 Buchhalter, 1953 Sachbearb. im Konstruktionsbüro des Stahlbaubetriebs ABUS; 17.6.1953 Streikführer in Dresden; in der Nacht zum 18.6. Festnahme; 22./23.7.1953 Prozeß am BG Dresden, Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus, Nov. 1960 Entlassung aus Haftanstalt Waldheim, Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl., Rentner, aktiv in Opferverbänden; gest. in Herten.Russig, P.: W. G. – Dresdner Antifaschist u. Aufstandsführer des 17. Juni. Dresden 1997; Roth, H.: Der 17. Juni 1953 in Sachsen. Köln 1999.Ilko-Sascha Kowalczuk

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Gruber, Lilo

* 3.1.1915 – ✝ 8.1.1992

Geb. in Berlin; Vater Ing.; ab 1920 Tanz- u. Ballettausbildung bei Tankred Rohrmoser, ab 1922 bei Mary Zimmermann in Berlin, 1932 Abschlußexamen; 1932 – 37 Engagement beim Tournee-Ensemble Dorian, Auftritte in der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Schweden, Dänemark, Norwegen; Zusatzstudium in Brüssel u. Kopenhagen; 1938 – 40 Solotänzerin beim Stadttheater Stettin; 1940 – 42 Studium im Opern- u. Schauspielstudio von Marie Schulze-Dornburg in Berlin; 1943 – 47 Ballettmstr. am Stadttheater Greifswald. 1947/48 Ballettmstr. am Stadttheater Plauen; 1948 – 51 Lehrkraft für klass. Tanz u. Folklore bei Mary Wigman in Leipzig; 1953 – 55 Ballettmstr. u. Choreographin am Opernhaus der Städt. Theater Leipzig; 1955 – 71 Ballettdir. u. Chefchoreographin der Dt. Staatsoper Berlin, 1971 dort Ehrenmitgl.; 1958 NP; 1965 DAK; Zusammenarbeit mit dem Maler  Bert Heller u. dem Bühnenbildner  Heinrich Kilger; Ausbildung der ersten Tänzergeneration der DDR; 1969 Mitgl. des NR der NF; 1974 Mitgl. des Friedensrats der DDR; Mitgl. der SED; verh. mit Fred Praski (Sänger, Regisseur). 1953 – 71 Inszenierung klass. Ballette in eigener Bearbeitung: in Leipzig 1953 »Die Flamme von Paris« u. Berlin »Coppelia«, 1955 »Gajaneh«, 1959 »Lysistrata«, 1959 »Schwanensee«, 1963 »Romeo u. Julia«, 1966 »Giselle«, 1967 »Dornröschen«; Opern-Inszenierung: 1961 »Orpheus u. Eurydike« (Berlin); Gastspiele mit eigenen Inszenierungen in Warschau, Prag, München, Bologna, Venedig, Neapel, Moskau, Helsinki, Tokio, Turin; gest. in Berlin. Sek.-Lit.: L. G.: Selbstaussagen u. Dok. Berlin 1984 (Hrsg. von der AdK); Renk, A.: Der schönste Befehl in meinem Leben. Die Choreographin L. G. wird 65. In: Mitteilungen der AdK (1980) 1; von Appen, S.: Zum 75. Geb. von L. G. In: Mitteilungen der AdK (1990) 1.Aune Renk

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Grünbaum, Kurt

* 5.4.1892 – ✝ 9.4.1982

Geb. in Storkow (Brandenburg); Vater Geheimer Sanitätsrat; Volksschule u. Gymnasium, Abitur; Studium der Rechtswiss. in Heidelberg u. Kiel; 1914 – 18 Kriegsdienst; Referendariat u. Gerichtsassessor; 1922 – 25 Rechtsanwalt in Berlin; 1923 jurist. Hilfsarbeiter im Konsistorium Berlin; 1925 Konsistorialrat der Kirchenprovinz Brandenburg; 1926 kommissar. Mitarb. im Preuß. Kulturmin.; 1928 – 45 Ministerialrat in der geistl. Abt. des Preuß. Min. für Wiss., Kunst u. Volksbildung, ab 1935 im Reichskirchenmin.; Febr. 1945 Volkssturm, Ende März 1945 Entlassung wg. jüd. Großvaters. Aug. 1945 Oberregierungsrat, dann Regierungsdir. im Finanzmin. der Provinzialverw. bzw. der Landesreg. Brandenburg; CDU; 1947 Entnazifizierung, sechs Wochen Haft, Entlassung auf Anweisung von Marschall Sokolowski; 1948 Domkurator von Brandenburg; 1.1. 1950 – 31.12.1952 Ltr. der Hauptabt. »Verbindung zu den Kirchen« in der Regierungskanzlei der DDR; ab 1.2.1953 hauptamtl. Oberkonsistorialrat im Konsistorium Berlin-Brandenburg, Mitgl. der EKD u. EKU-Synode; 21.2. – 21.7.1953 U-Haft; 1.7.1954 – 30.6.1958 Konsistorialpräsident von Magdeburg; 1954 – 57 Mitgl., ab 1956 Vizepräs. des Centralausschusses der Inneren Mission; 21.10.1957 Festnahme wg. illeg. Geldeinschleusung in die DDR (zus. mit Oberkonsistorialrat Siegfried Klewitz); 24.1.1958 Verurteilung durch das Bezirksgericht Magdeburg zu zweieinhalb Jahren Gefängnis auf Bewährung u. einer Geldstrafe von 10.000 DM; 1.7.1958 Versetzung in den Ruhestand, Ausscheiden aus dem Rat der EKU; ab Juli 1958 hauptamtl. Domkurator Brandenburg; 1961 – 71 Stellv. Ltr. der Kirchenkanzlei der EKU / Bereich DDR; Vizepräs. Ost im Centralaussch. der Inneren Mission; gest. in Prerow.Schultze, H.: Im Kontext verschärfter Angriffe auf die Kirche: K. G. u. der Geldumtauschprozess 1957 / 58. Leipzig 2009.Andreas Herbst

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Grünberg, Karl

* 5.11.1891 – ✝ 1.2.1972

Geb. in Berlin-Pankow; Vater Schuhmacher, SPD-Mitgl., Mutter Hausgehilfin; Besuch der Volksschule in Berlin; mußte früh zum Unterhalt der Familie beitragen, 1904 – 07 Laufbursche u. Hilfsarbeiter bei versch. Firmen in Berlin; 1908 – 10 Laborant in Berlin; 1911 SPD; 1910 – 12 Arbeiter-Bildungsschule in Berlin; 1912 – 14 Laborant in Berlin, Oldenburg u. Leverkusen; 1915 – 18 Armierungssoldat an der Ostfront; 1919 Organisator von Soldatenräten in Berlin; 1919 USPD, Teiln. an den Revolutionskämpfen in Berlin, 1920 Führer eines proletar. Abwehrbataillons gegen den Kapp-Putsch in Berlin; 1920 KPD, mit der Organisierung u. Schulung von Arbeiterkorresp. betraut; 1924 Redaktionsvolontär der »Roten Fahne«, 1924 / 25 verantw. Red.; 1926 Lokalred. der zum Münzenberg-Trust gehörenden »Welt am Abend«; 1925 beteiligt an der Hrsg. einer der ersten Betriebszellen-Zeitungen der KPD »Die Borsig-Lokomotive«; 1926 im KPD-Auftrag Hrsg. der illeg. »Korrespondenz für Zellenzeitungen«; 1926 / 27 arbeitslos, in dieser Zeit entstand sein wichtigster Roman »Brennende Ruhr« (Rudolstadt 1929), die erste literar. Gestaltung der Kämpfe der Roten Ruhrarmee, zahlr. Nachaufl. u. Übersetzungen; 1928 Mitbegr. des BPRS, erster Sekr. der Berliner Ortsgruppe; 1929 Teiln. der ersten BPRS-Deleg. in die UdSSR; 1928 – 31 zahlr. Reportagen in der KPD-Presse über drei Reisen in die UdSSR; Hrsg. des Almanachs proletar.-rev. Lyriker »Feder u. Faust« (Moskau 1930); 1930 / 31 Pressekorresp. der RH; ab 1933 illeg. Arbeit, Auslandsberichterstattung über Dänemark u. Schweden nach Moskau, Berichte für die skandinav. Presse; Juni 1933 verhaftet, Haft in Berlin-Spandau u. im KZ Sonnenburg; 1934 / 35 weiter illeg. Arbeit, Hrsg. der illeg. KPD-Wahlzeitung zur letzten Betriebsrätewahl 1935 (»Der Maulwurf«); 1936 – 43 Chemotechniker bei Schering AG in Berlin, später auch an anderen Orten; dauernde Überwachung durch die Gestapo; 1943 – 45 dienstverpfl. bei der Luftschutzpolizei (Feuerwehrmann) in Essen u. Berlin. 1945 Aufbau des Bezirksamts Pankow, Amtsgerichtsdir.; 1945 / 46 polit. Red. der »Tägl. Rundschau«; seit 1947 freischaff. Schriftsteller in Berlin; 1948 erschien der stark autobiogr. Roman »Das Schattenquartett«; 1949 die Novelle »Die Flucht aus dem Eden« beschreibt die Novemberrev. 1918 / 19 (u. a. die Ermordung K. Liebknechts u. R. Luxemburgs sowie die Flucht  Wilhelm Piecks aus dem Hotel »Eden«); wandte sich als einer der ersten der Produktionsproblematik zu mit dem wenig geglückten Stück »Golden fließt der Stahl«, das 1950 erst nach zahlr. Ablehnungen u. parteiinternen Auseinandersetzungen im Stadttheater Nordhausen uraufgeführt wurde; Hauptthemen blieben Geschehnisse aus der Gesch. der dt. Arbeiterbew.; Mitgl. d. DSV; 1953 NP; 1961 Banner der Arbeit; 1966 VVO; gest. in Berlin.Es begann im Eden. Erzählungen. Berlin 1951; Gloria Victoria. Roman. Berlin 1960; Mit der Zeitlupe durch die Weimarer Republik. Reportagen. Berlin 1960; Werke in Einzelausgaben. Hrsg. H. Baumgart. Berlin 1975 – 1983.Bernd-Rainer Barth

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Grundig, Lea

* 23.3.1906 – ✝ 10.10.1977

Geb. in Dresden in einer jüd. Fam., Vater Kfm., Mutter Schneiderin; 1912 – 22 Bürgerschule in Dresden; 1922 Studium an der Kunstgewerbeakad. Dresden, anschl. an der Kunstschule »Der Weg« u. ab 1923 an der Kunstakad. in Dresden; 1920 – 25 Mitgl. im zionist. Jüd. Wanderbund »Blau-Weiß«; 1925 Kommunist. Studentenverb; 1926 KPD; 1928 Austritt aus der Jüd. Gemeinde; 1928 Heirat mit  Hans G.; belegte Kurse der MASCH; Mitarb. in der Agitprop-Gruppe »Linkskurve«; 1928 Mitgl. der Dresdner Kunstgenossenschaft; 1929 Mitbegr. der Dresdener ASSO; seit dieser Zeit war ihr Werk themat. auf das Proletariat, bes. auf Frauen u. Kinder sowie auf pol. Aktionen bezogen (beeinflußt von Käthe Kollwitz); 1930 Lehrgang an der KPD-Parteischule in Berlin; Mitarb. der Abt. Frauen der KPD-BL Sachsen; ab 1933 illeg. Arbeit in der Widerstandsgr. um  Kurt Magritz,  Rudi Wetzel u. a.; 1936 kurzz. verhaftet; 1936 Reise in die Schweiz; illeg. entstanden zahlr. graf. Zyklen u. Folgen: »Krieg droht« (1935 – 37), »Unterm Hakenkreuz« (1933 – 37), »Der Jude ist schuld« (1935 – 38); Mai 1938 in Dresden verhaftet, im März 1939 wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu vier Mon. Gefängnis verurteilt, bis Nov. 1939 Haft im Gerichtsgefängnis Dresden; Ausreisegenehmigung u. Emigr. nach Palästina; 1940 – 42 im brit. Internierungslager Athlit; 1942 – 48 freischaff. in Haifa u. Tel-Aviv, dort graf. Werke »Antifa. Fibel« (1941), »Im Tal des Todes« (1942/43); ab 1942 Ausstellungen in Palästina, den USA, Frankreich, Südafrika u. Großbritannien; 1942 – 48 Mitgl. der illeg. KP Palästina, Zeichnerin der KP-Ztg. »Volksstimme«; Mitgl. der illeg. »Liga V« (Ges. der Freunde der Sowjetunion). Febr. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949/50 Doz. an der Kunsthochschule Dresden; 1950 Abg. des Sächs. Landtags, ab 1952 des Bezirkstags Dresden; 1950 – 67 Prof. an der HS für Bildende Künste Dresden, Mitgl. des ZV des VBKD; 1958, 1962 u. 1967 NP; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 Mitgl. der DDR-Deleg. zur Genfer Außenministerkonferenz; 1960 Reise nach China; 1961 Mitgl. der DAK; 1961 Reise mit  Bodo Uhse nach Kuba; 1962 Präs. der V. Dt. Kunstausstellung; seit 1963 Mitgl. des ZK der SED; 1964 – 70 Präs. des VBKD (Nachf. von  Walter Arnold); 1965 VVO; 1967 em.; 1967 Mitunterzeichn. der antiisrael. »Erklärung jüd. Bürger der DDR«; 1970 Ehrenspange zum VVO; ab 1970 Ehrenpräs. des VBK; 1972 Martin-Andersen-Nexö-Preis der Stadt Dresden, Dr. h. c. der EMAU Greifswald; 1976 KMO; gest. auf einer Mittelmeerreise auf der MS »Völkerfreundschaft«.Gesichte u. Geschichte. Berlin 1958; L. G.: Zeichnungen. Graphik. Ausstellung 1975/76 Berlin, Leipzig, Dresden. Berlin 1976; Über Hans Grundig u. die Kunst des Bildermachens. Berlin 1978. Frommhold, E.: H. u. L. G. Dresden 1958; Hütt, W.: L. G. Leipzig 1969; Birnbaum, B.: Die Maler aus der Ostbahnstraße. Aus dem Leben von Hans u. L. G. Berlin 1990; Brüne, G. u. a. (Hrsg.): L. G. Jüdin, Graphikerin, Kommunistin. Berlin 1996.Maren Horn / Bernd-Rainer Barth

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Grunert, Horst

* 10.4.1928 – ✝ 19.9.2005

Geb. in Waldenburg (Niederschles./Wałbrzych, Polen); Vater Zimmermann, Mutter Köchin; OS; 1944/45 Heimatflak, 1945 verwundet. 1947 Evakuierung aus Schles.; SED; Neulehrerausbildung, danach Geschichtslehrer im Krs. Perleberg; 1950/51 PHS; ab 1951 Mitarb. des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1953 – 56 2. Sekr. der Botschaft in Polen; 1955 – 58 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1956/57 2. Sekr. der Handelsvertr. in Finnland; danach persönl. Sekr. von Außenmin.  Lothar Bolz; 1961/62 Londoner Mitarb. der Kammer für Außenhandel; 1962 – 65 Ltr. der Kulturabt. im Min. für Ausw. Angelegenh.; Okt. 1965 – Nov. 1968 Gen.-Konsul in Syrien; 1965 – 72 Dir. des Zentrums für Information u. Dokumentation des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1971 Prom. zum Dr. rer. pol. an der DASR Potsdam; 1972/73 Ständ. Beobachter bei der UNO in New York, Botschafter; 1974 – 78 stellv. Min. für Ausw. Angelegenh.; 1978 – 83 Botschafter in den USA u. Kanada (Nachf. von  Rolf Sieber), Mai 1983 – Sept. 1986 in Österreich (Nachf. von Gerhard Schramm); 1988 Stern der Völkerfreundschaft; bis 1990 Prof. an der DASR Potsdam, Inst. für Internat. Beziehungen; 1990 Präs. der Liga für Völkerfreundschaft (Nachf. von  Gerald Götting); gest. in Schöneiche (b. Berlin).Für Honecker auf glattem Parkett. Erinnerungen eines DDR-Diplomaten. Berlin 1995.Helmut Müller-Enbergs

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Grünheid, Karl

* 20.7.1931 – ✝ 9.1.2004

Geb. in Berlin; Vater Maurer; Abitur; 1950 – 52 Ausbildung zum Maurer, danach im Beruf tätig; 1950 – 57 FDJ; 1952 – 56 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1953 SED; 1956 – 58 Mitarb. im Min. für Schwermaschinenbau; 1958 Planungsltr., 1959 – 61 1. stellv. Hauptdir., 1961 – 63 Haupt- bzw. GD der VVB Ausrüstungen für Schwerindustrie u. Getriebebau Magdeburg; Mitgl. der SED-BL Magdeburg; 1961 Prom. zum Dr. rer. oec.; März 1963 – 65 1. Stellv. des Vors. der SPK für Jahresplanung sowie Min. u. Mitgl. des Min.-Rats, 1965 – 67 Stellv. des Vors. der SPK für Perspektivplanung, 1967/68 für komplexe Rationalisierung, Automatisierung u. Datenverarbeitung; 1968 – 71 GD des VEB Metalleichtbaukombinats Leipzig; 1969 a. o. Mitgl. des Forschungsrats; Prof. für soz. Betriebswirtschaft an der HS für Bauwesen Leipzig; 1970 NP; 1971 Ord. Mitgl. der DBA; 1971 – 83 Staatssekr. in der SPK, Ltr. ihres Bereichs Außenwirtschaft, Stellv. des Vors. der parität. Regierungskommission für ökon. u. wiss.-techn. Zusammenarbeit DDR – UdSSR; 1981 VVO; 1983 – 89 Min. für Glas- u. Keramikindustrie (Nachf. von Werner Greiner-Petter); Nov. 1989 – Jan. 1990 Min. für Maschinenbau u. Jan. – April 1990 Vors. des Wirtschaftskomitees (für die Durchführung einer Wirtschaftsreform); gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

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Grünstein, Herbert

* 27.7.1912 – ✝ 9.1.1992

Geb. in Erfurt in einer jüd. Familie; Vater Lagerarb. u. Geschäftsmann; 1918 – 21 Grundschule, 1921 – 31 Gymnasium in Erfurt, Abitur; 1928 – 31 Mitgl. des SAJ, ab 1930 des KJVD, ab 1931 der KPD; 1931 Jurastudium an der Univ. Frankfurt (Main), abgebrochen; 1932 Hilfsarb.; 1932/33 Funktionär in KJVD u. KPD Erfurt; Instrukteur, dann Pol.-Ltr. des KJVD-UB Erfurt; 1933 illeg. pol. Arbeit, Instrukteur der KJVD-BL Thür.; Mai 1933 Emigr. nach Luxemburg, dann in das Saargeb.; 1934 von dort nach Luxemburg ausgewiesen; Aug. 1935 nach Palästina; dort Land- u. Straßenarb.; 1935/36 Kontakte zur illeg. KP Palästinas; pol. Arbeit in Gewerkschaft u. Spanienhilfe; 1936 – 38 Interbrigadist in Spanien, Hptm., Komp.-Chef u. Bat.-Kdr.; 1938 KP Spaniens; 1939 nach Frankreich; 1939 – 43 in Frankreich u. Algerien (Lager Gurs, Le Vernet u. Djelfa) interniert; 1943 Emigr. in die UdSSR; pol. Arbeit in Kriegsgefangenenlagern (u. a. Karaganda); 1943 – 45 »Spezialaufträge« in Schweden u. Rumänien; 1945 – 48 Lehrer an und stellv., dann Leiter der Antifa-Schule 165 (2041) in Taliza. Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Mitarb. des PV der SED; 1948/49 Ref. der Abt. Personalpol. im ZS der SED; 1949 Mitarb. der HA Polit-Kultur in der DVdI, ab 1950 Stellv. u. Ltr. der HA Polit-Kultur (später Pol. Verw.) in der HV DVP im MdI, ab 1949 Chefinspekteur; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; 1954 – 74 2. Vors. der ZL der SV Dynamo; 1955/56 Stellv., 1957 – 73 1. Stellv. Minister des Innern; 1961 Einjahreslehrgang (Höherer Akademischer Kurs) an der MA Dresden; Mai 1962 Gen.-Ltn. der VP; Sept. 1973 Rentner; ab 1974 – 84 stellv. Gen.-Sekr. u. Sekr. für internat. Beziehungen im ZV der DSF; 1975 – 89 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1976 – 89 Vors. des Berliner Bez.-Komitees u. Mitgl. des Präs. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; ab 1982 Mitgl. des Präs. der ZL der FIR, Vors. des Bez.-Komitees Berlin; 1954 u. 1972 VVO; 1956 Hans-Beimler-Medaille; 1969 Scharnhorst-Orden; Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1971 Orden des Vaterländ. Krieges (UdSSR); 1977 KMO; 1982 Stern der Völkerfreundschaft; 1987 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.An der Seite sowj. Genossen erfüllte ich meinen Parteiauftrag. In: Im Zeichen des roten Sterns. Berlin 1974; Der Kampf hat viele Gesichter. Berlin 1988.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Grüttner, Rudolf

* 5.3.1933

Geb. in Schweidnitz (Schles. / Swidnica, Polen); Vater Former u. Eisengießer, Mutter Handschuhmacherin; Volks- u. Hauptschule. 1947 – 52 Lehre u. Arbeit als Schilder- u. Plakatmaler in Zwickau; 1952 – 56 Studium der Gebrauchsgrafik an der FS für angewandte Kunst Berlin-Oberschöneweide, dort 1952 – 55 ehrenamtl. FDJ-Sekr.; 1956 – 89 SED; 1956 – 59 Ass. u. Fachschullehrer u. 1959 / 60 SED-Parteisekr. an o. g. FS; zeitgleich Fernstudium an der KMU Leipzig, 1959 Abschluß als Fachschulpädagoge; 1960 – 66 Chefgrafiker der Ztschr. »Freie Welt«; 1966 – 75 freiberufl.; Mitgl. u. 1970 – 73 stellv. Vors. der Sektion Gebrauchsgrafik des VBK Berlin, 1974 Vors. der Zentralen Sektionsltg. Gebrauchsgrafik u. Präsidiumsmitgl. des Zentralvorstands; ab 1975 Doz., seit 1978 Prof. an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; 1975 Kunstpreis der DDR, 1978 NP; 1982 Initiator der U-Bahn-Plakataktion am Bahnhof Berlin-Alexanderplatz; 1983 – 88 1. Stellv. des Präsidenten des VBK, 1984 – 88 Vors. VBK Berlin; 1988 Goethepreis der Stadt Berlin; 1988 – 90 Rek-tor der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Nachf. von  Walter Womacka), Rücktritt; seit 1967 zahlr. »Beste Plakate des Jahres«, 1976 1. Preis beim internat. Wettbewerb für Maiplakate in Warschau u. 1980 zu den Tagen der Freundschaft u. Kultur in Warschau. 1994 Beendigung der Lehrtätigkeit; seit 2004 Mitgl. des Freundeskreises »Kunst der DDR« bei der Gesell. zum Schutz von Bürgerrecht u. Menschenwürde; lebt in Oranienburg (b. Berlin). Ausstellungen: Kunstausstellungen der DDR in Dresden (VII–X), Internationale Buchkunstausstellung Leipzig (1982); Einzelausstellungen: Stadttheater Amsterdam (1978), Galerie Kunstsammlungen Cottbus (Plakate, 1982), Theater im Palast der Rep. (1985), Galerie des Moskauer Künstlerhauses (Gebrauchsgrafik, 1987), Holbeinhaus zu Augsburg (1989), Villa Stahmer b. Osnabrück (1990), Galerie Rathaus Treptow (Plakate, 1990), »Lange Nacht der Plakate« in Berlin (2003). Werke: Signets – Sender Radio Berlin International (1966); Schauspielhaus Berlin zus. mit  Axel Bertram (1984). Plakate für Theater u. Film für Staatsschauspiel Dresden: zu Brechts »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« (1967), Gorkis »Somow und andere« (1967), Dessaus »Lanzelott« (1971), Nerudas »Glanz und Tod des Joaquin Murietas« (1974), zu »Die Jungfrau von Orleans« u. »Faust« (1976); für Theater im Palast Berlin: zu L. Tolstois »Krieg und Frieden« (1986); politische Plakate: 1. Mai (1970, 1976), Lenin (1977), Vietnam im Herzen (1979), Der Frieden muß bewaffnet sein (1983), Tafelserie Lutherausstellung (1983); Buchgestaltung: Gesamtausgabe Nikolai Leskow (Berlin 1984), Hermann Raum: Bildende Kunst in der DDR. Werke –Tendenzen – Bleibendes (Berlin 1999).Eine Schule in Bewegung. Aus der Rede zur Investitur am 11.11.1988. In: Bildende Kunst (BK) (1989) 2. Frosch, H.: Gebrauchsgrafiker R. G. Versuch eines Porträts. In: Neue Werbung, H. (1970) 7; Nowak, B.: Plakatierte Musenkinder – zu Arbeiten von Rudolf Grüttner. In: BK (1971) 8; Gebrauchsgrafiker in der DDR. Dresden 1975; R. G. Katalog Galerie Kunstsammlung Cottbus 1982; Kunstdokumentation SBZ / DDR 1945 – 1990. Köln 1996.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

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Grzeschik, Paul

* 9.7.1900 – ✝ 1942

Geboren am 9. Juli 1900 in Königshütte/Oberschlesien; Bergmann, seit 1918 gewerkschaftlich organisiert, 1921/22 Mitglied der SPD, ab 1922 der KPD und der KJD. Von 1927 bis 1929 Ortsgruppenleiter, anschließend bis 1932 Orgleiter des KPD-UB Gelsenkirchen, 1932 zeitweise Agitpropleiter der BL Ruhr. Seit 1929 KPD-Stadtverordneter in Gelsenkirchen. 1932 reiste Grzeschik in die Sowjetunion und besuchte die Internationale Leninschule in Moskau. Ende 1934 Übersiedlung nach Prag, März 1935 illegale Rückkehr nach Deutschland, Einsatz als Orgleiter der illegalen Bezirksleitung Berlin unter Polleiter Wienand Kaasch. Am 9. Juli 1935 festgenommen und am 12. Februar 1936 durch den VGH zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Paul Grzeschik kam 1942 im Zuchthaus Sonnenburg ums Leben.

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Gueffroy, Chris

* 21.6.1968 – ✝ 5.2.1989

Geb. in Pasewalk; 1975 – 85 OS in Berlin, davon drei Jahre Besuch der Sportschule Dynamo, Leistungssportart Turnen; 1985 – 87 Ausbildung zum Kellner im Flughafenhotel Berlin-Schönefeld, erste Konfrontationen mit Vorgesetzten über pol. Starrheit u. Korruption im Staat; Ausreisewunsch, bestärkt durch die einsetzende Ausreisewelle im Freundeskreis; Herbst 1988 erster Einberufungsbefehl zur NVA, verschoben auf Mai 1989; beim Fluchtversuch mit Christian Gaudian in der Nacht zum 6.2.1989 in Berlin-Treptow als letztes Opfer an der Berliner Mauer erschossen. Sept. 1991 – Jan. 1992 Prozeß gegen die vier beteiligten Grenzsoldaten wegen Totschlags, Urteile nach Revision im März 1994 auf zwei Freisprüche u. zwei Bewährungsstrafen herabgesetzt; der zuständige Chef des Grenzkommandos Mitte wurde wegen Totschlags im März 1998 zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt; 21.6.2003 Errichtung einer Gedenkstele am Britzer Verbindungskanal im Rahmen der Geschichtsmeile Berliner Mauer.Grafe, R.: Deutsche Gerechtigkeit. Prozesse gegen DDR-Grenzschützen u. ihre Befehlshaber. München 2004; Hertle, H. H., Nooke, M. (Hrsg.): Die Todesopfer an der Berliner Mauer. Ein biograph. Handbuch. Berlin 2009.Christoph Links

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Gumpert, Ulrich

* 26.1.1945

Geb. in Jena; 1961 – 64 Studium an der HS für Musik »Franz Liszt« Weimar (Waldhorn, Klavier, Theorie); Pianist bei den Jenaer Oldtimern; 1967/68 Studium an der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; 1967 – 70 Pianist in der  Klaus-Lenz-Bigband; 1969 eigenes Quartett; 1970 – 73 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialkl. Tanzmusik, Klavier); 1971 – 73 SOK; 1973 Synopsis, Warschauer Jazz Jamboree (auch 1974 u. 1977); Beginn der Duo-Arbeit mit  Günter Sommer; ab 1972 versch. Werkstattorchester (Moers 1979, Berliner Jazztage 1979, JazzFest Berlin 1985); 1975 Jazz-Tage Nagykanizsa (Ungarn), 1977 Jazzbühne Berlin (beide mit Synopsis), Jazzfestival Ljubljana (Jugosl.) im Trio, »Jazz in der Kammer Nr. 100« in Berlin (mit Kent Carter & German Friends u. Ulrich Gumpert Workshop Band); 1980 erste Auftritte als Solist, u. a. mit Erik-Satie-Progr.; 1980 – 82 Trio mit Radu Malfatti u. Tony Oxley; 1984 Piano Project des Total Music Meeting in Berlin (West); enge Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Jochen Berg; ab 1984 Zentral-Quartett; 1985 Duo mit Steve Lacy; Solo-LP/CD: »The Secret Concert« (1987), »Satie: Trois Gymnopédies« (1991), mit Ulrich Gumpert Workshop Band: »’n Tango für Gitti« (1978), »Echos von Karolinenhof« (1979); »Aus teutschen Landen – Suite nach Motiven dt. Volkslieder« (1972, LP 1977); weitere Aufnahmen mit Günter Sommer/Manfred Hering, Synopsis,  Ernst-Ludwig Petrowsky, Radu Malfatti/Toni Oxley, Heinz Becker, Steve Lacy; Musik zu Theaterstücken, Filmen u. Hörspielen; 1989/90 Mitgl. des Jazzorchesters der DDR (JazzFest Berlin 1990). 1994 Auftritte mit Sainkho Namchylak u. neuer Ulrich Gumpert Workshop Band; 1994 CD »Zentralquartett: Plie«; 2001 Mitgl. des Trios »Jazzin’ The Blues«, das  Manfred Krug auf Tournee begleitete; Mitarbeit in der Silke Eberhard B3 Selection; 2005 Dt. Jazzpreis; 2007 CD »Quartette«; Filmmusiken, u. a. für den »Tatort«.Rainer Bratfisch

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Grothe, Hermann

* 13.1.1888 – ✝ 19.10.1961

Geboren am 13. Januar 1888 in Wulkow/Krs. Ruppin, Sohn eines Landarbeiters; Lehre und Arbeit als Bauschlosser. 1914 Soldat, kam 1916/17 ins Lazarett, war dann Schlosser in Marienfelde. Seit 1907 in der SPD, gehörte er 1917 der Spartakusgruppe in Berlin-Kreuzberg an und nahm an der Jahreswende 1918/19 am Gründungsparteitag der KPD teil. Von 1922 bis 1924 war er Vorsitzender des (kommunistischen) Reichsausschusses deutscher Betriebsräte und in der von der KPD unterstützten Erwerbslosenbewegung aktiv. Anhänger Ruth Fischers, 1921 bis 1923 Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, er schwenkte 1925 zu Ernst Thälmann über. Wegen Beleidigung der Reichsregierung wurde er zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Am 13. Mai 1933 verhaftet und am 13. Februar 1934 durch das Kammergericht Berlin zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Brandenburg-Görden absaß. 1936/37 stand er unter Beobachtung der Gestapo Berlin. Nach 1945 war Grothe eine Zeit lang Forstwart im Landesforstamt Brandenburg. Er erhielt den VVO in Bronze. Hermann Grothe starb am 19. Oktober 1961 in Berlin-Köpenick.

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Grüber, Heinrich

* 24.6.1891 – ✝ 29.11.1975

Geb. in Stolberg (Rheinl.); Vater Lehrer; 1910 – 14 Studium der Theol. in Bonn, Berlin u. Utrecht; 1915 – 18 Militärdienst (Freiw.); 1919/20 Domkandidatenstift u. Ordination in Berlin; anschl. bis 1925 Pfarrer in Dortmund; 1923/24 von frz. Besatzungsbehörden ausgewiesen; 1925/26 Pfarrer an den Düsseldorfer Anstalten; dann bis 1933 Dir. des kirchl. Erziehungsheims Waldhof in Templin (Uckermark); 1934 – 45 Pfarrer in Berlin, Mitgl. der Bekennenden Kirche; ab 1936 Hilfsaktionen für »Nichtarier« v. a. ev. Konfession; 1940 – 43 Haft in den KZ Sachsenhausen u. KZ Dachau. April/Mai 1945 Bürgermstr. in Berlin-Kaulsdorf; anschl. stellv. Ltr. des Beirats für kirchl. Angelegenh. beim Magistrat von Groß-Berlin; Propst zu Berlin; Pfarrer der Gemeinden St. Marien u. St. Nicolai; Mitgl. der Kirchenltg. von Berlin-Brandenb.; Bevollm. des Ev. Hilfswerks für die SBZ; Präs. der Bahnhofsmission; stellv. Vors. der VVN; 1948 Dr. h. c. der HU Berlin; ab 1949 Bevollm. des Rats der EKD bei der DDR-Reg., 10.6.1953 Mitgl. der Delegation der EKD zum Spitzentreffen mit der DDR-Reg.; 1954 Teilnehmer der Weltkirchenkonferenz in Evanston (USA), 1955 des Weltfriedenskongresses in Helsinki; 1956 Dr. h. c. der Prager Comeniusfak.; nach Abschluß des Militärseelsorgevertrags zwischen der EKD u. der Bundesreg. Dtl. erklärte die DDR-Reg. im Mai 1958 die Tätigkeit des EKD-Bevollm. in der DDR für beendet u. verhängte für G. Einreiseverbot; Mai 1961 Zeuge im Eichmann-Prozeß in Jerusalem; 1964 Teiln. an der II. CFK in Prag.An der Stechbahn. Leipzig 1951; »Dona nobis pacem!« Predigten u. Aufsätze. Berlin 1956; »Leben an der Todeslinie«. Dachauer Predigten. Stuttgart 1965; Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten. Autobiogr. Köln 1968. Wirth, G.: H. G. Berlin 1987; Beckmann, A., Kusch, R.: Gott in Bautzen. Die Gefangenenseelsorge in der DDR. Berlin 1994.Ehrhart Neubert

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Grünbein, Durs

* 9.2.1962

Geb. in Dresden; dort aufgewachsen u. 1981 Abitur; anschl. NVA; 1985 Umzug nach Berlin; 1985 – 87 Studium der Theaterwiss. an der HU Berlin, Abbruch; freier Mitarbeiter an Berliner Theatern; Mitwirkung an Performances in der alternativen Kunstszene von Berlin (Prenzlauer Berg) u. erste literar. Arbeiten, gefördert durch  Heiner Müller. Nach 1989 Reisen durch Europa, Südostasien u. die USA, Gastaufenthalte u. a. in Tokio, an der New York University, der Villa Aurora Pacific Palisades (1997) u. am Darthmouth College Hanover (2005); 1989 Leonce- u. Lena-Förderpreis; 1992 Marburger Literaturpreis; 1995 Peter-Huchel- u. Georg-Büchner-Preis; 1995 jüngstes Mitgl. der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt; 1999 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenburg; 2004 Friedrich-Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anh.; 2006 Berliner Literaturpreis, Heiner-Müller-Professur der Freien Univ. Berlin; 2006 Pier-Paolo-Pasolini-Lyrikpreis der Stadt Rom; seit 2007 Mitgl. im Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes u. Prof. für Poetik an der Kunstakad. Düsseldorf; 2008 Wahl in den Orden Pour le mérite für Wiss. u. Künste; 2009 Samuel-Bogumil-Linde-Preis (Göttingen / Toruń); 2009 Poetik-Dozentur der Univ. Frankfurt (Main); 2009 / 10 Stipendiat der Villa Massimo Rom; lebt als freier Schriftsteller in Berlin. G. gilt als eine der wichtigsten Literaturentdeckungen im dt. Sprachraum nach 1989. Im Mittelpunkt von G.s Poetik steht der Mensch, wobei nicht zuletzt die Zeit der Wiedervereinigung u. der Nachwende, aber vor allem enge Bezüge zu den mod. Naturwiss. thematisiert werden; internat. Anerkennung auch als Essayist sowie Übersetzter antiker Stücke (Die Perser; Thyestes).Grauzone morgens. Frankfurt (Main) 1988; Schädelbasislektion. Frankfurt (Main) 1991; Falten u. Fallen. Frankfurt (Main) 1994; Galilei vermißt Dantes Hölle u. bleibt an den Maßen hängen. Frankfurt (Main) 1996; Das erste Jahr. Berliner Aufzeichnungen. Frankfurt (Main) 2001; Vom Schnee oder Descartes in Dtl. Frankfurt (Main) 2003; Porzellan. Frankfurt (Main) 2005; Lob des Taifuns. Frankfurt (Main) 2008. Winkler, R.: Dichtung zwischen Großstadt u. Großhirn. Hamburg 2000; Heske, H.: Goethe u. Grünbein. Bonn 2004; R. Deckerts im Gespräch im D. G. In: Die wüste Stadt. Frankfurt (Main) 2005.Dieter Hoffmann

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Grünberg, Karl

* 5.11.1891 – ✝ 1.2.1972

Geboren am 5. November 1891 in Berlin, Sohn eines Schuhmachers; zunächst ungelernter Arbeiter, später Laborant. 1910 besuchte er die Arbeiterbildungsschule, wurde Gewerkschaftsmitglied und trat 1911 in die SPD ein. Von 1915 bis 1918 Soldat an der Ostfront. Er nahm 1919 an den Revolutionskämpfen in Berlin teil und war Organisator der Soldatenräte bei der Republikanischen Soldatenwehr. Mitglied der USPD, 1920 der KPD und freier Mitarbeiter an der »Roten Fahne«, Organisator der Arbeiterkorrespondentenbewegung und 1924 Herausgeber der ersten KPD-Betriebszeitung »Die Borsiglokomotive«. Seit 1924 Redaktionsvolontär bei der »Roten Fahne«, dann Lokalredakteur der »Welt am Abend«. 1928 Mitbegründer und 3.Vorsitzender ( Johannes R. Becher war 1.Vorsitzender, Paul Körner [ Paul Schrader] 2.Vorsitzender) des BPRS in Berlin. Sein bekanntestes Werk »Brennende Ruhr« erschien 1928. Zu dem Roman aus der Zeit des Kapp-Putsches, eingeführt von Johannes R. Becher, bemerkte Thomas Mann: »...daß das Buch starke künstlerische Eigenschaften besitzt«. In diesem Roman entfaltete Grünberg ein facettenreiches Bild der (lokal-)historischen Begebenheiten und der politischen Motive zentraler Führergestalten. Grünberg war außerdem Reichstagsberichterstatter sowie Chefredakteur der »Roten-Hilfe-Korrespondenz«. Nach 1933 im Widerstand, er wurde verhaftet und kam in das KZ Sonnenburg. Danach Arbeit als Steineklopfer und Chemotechniker und 1943 zur Feuerschutzpolizei einberufen. 1945 war er zeitweise Amtsgerichtsdirektor, dann Redakteur der SMAD-Zeitung »Tägliche Rundschau« und lebte schließlich als freischaffender Schriftsteller in Berlin-Grünau, 1953 erhielt er den Nationalpreis der DDR. Karl Grünberg starb am 1.Februar 1972.Bernd-Rainer Barth

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Grüneberg, Gerhard

* 29.8.1921 – ✝ 10.4.1981

Geb. in Lehnin (Krs. Zauch-Belzig); Vater Arbeiter; 1928 – 36 Volksschule in Michelsdorf; 1928 – 33 Rote Jungpioniere/Jungspartakus; 1936 – 39 Ausbildung zum Maurer in Lehnin; bis 1941 in Oranienburg im Beruf tätig; Febr. 1941 – Mai 1945 Wehrdienst; Mai – Aug. 1945 engl. Kriegsgefangenschaft; Aug. – Dez. 1945 Maurer in Oldenburg. Jan. 1946 Übersiedl. in die SBZ; 1946/47 Maurer in Fürstenberg (Oder) u. Oranienburg; 1946 KPD/SED; Febr. – Sept. 1947 KPS in Niederbarnim; 1947 Neulehrer in Oranienburg; 1947/48 Abt.-Ltr., 1948/49 1. Sekr. der SED-KL Guben; Juni – Nov. 1948 LPS Schmerwitz; 1949 – 52 Sekr. der SED-LL Brandenb.; 1952 – 58 1. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1952 – 56 PHS (Fernstudium), Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 81 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; Febr. – Juli 1958 Mitgl. des Sekr. des ZK der SED; 1958 – 69 Mitgl. des NR des NF; Dez. 1959 Kand., Sept. 1966 Mitgl. des PB des ZK der SED; 1960 – 81 Sekr. für Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Erich Mückenberger); maßgebl. an der Konzeption u. zunehmend administrativen Durchsetzung industrieähnl. Prod. in Großbetrieben getrennter Pflanzen- u. Tierprod. beteiligt; 1962/63 Mitgl. des Präs. des Min.-Rats u. Minister; ab 1963 Mitgl. des Rats für Landw. u. Nahrungsgüterwirtschaft der DDR; 1964 VVO; ab 1966 Mitgl. des Präs. des Forschungsrats der DDR; 1979 KMO; nach längerer schwerer Erkrankung gest.Auf soz. Art leiten, arbeiten u. leben. Berlin 1959; Zu einigen Fragen der Agrarpol. der SED. Leipzig 1975; Agrarpol. der Arbeiterklasse zum Wohle des Volkes. Ausgew. Reden u. Aufsätze 1957 – 1981. Berlin 1981.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Grünert, Bernhard

* 3.8.1906 – ✝ 21.10.1997

Geb. in Bergen (Krs. Schweidnitz, Niederschles./Borzygniew, Polen); Vater Gutsarb.; Einklassen-Dorfschule; Landarb., 1922 – 25 Ausbildung zum Maurer; 1923 KJVD; 1925 KPD, Org.-Ltr. der Ortsgr., später Mitgl. der BL Breslau; 1925 – 33 Maurer u. Gelegenheitsarb., 1933 inhaftiert; 1934 – 40 vorwiegend Bauarb. auf Großbaustellen; 1940 – 45 Wehrmacht, zul. Uffz.; bis Dez. 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft, Flucht. Dez. 1945 in die SBZ; zunächst Bauarb.; 1946 SED; März 1946 Neubauer in Worin (Krs. Lebus; etwa 1951 umbenannt in Krs. Seelow); Vors. des Ortsaussch. der VdgB u. Bürgermstr. in Gusow; Aug. 1946 – 48 zugl. Bez.-Bürgermstr. in Gusow; 1947 Vors. des Krs.-Aussch. der VdgB; 1949 Mitgl. des SED-KV Seelow u. -LV Brandenb.; Sept. – Dez. 1950 Bauern-HS Paretz; 1950 – 52 Abg. des Brandenb. Landtags; 27.6.1952 Mitbegr. der LPG »Thomas Müntzer« in Worin (einer der ersten LPG in der DDR) u. Autor ihres Statuts, das später Grundlage des Musterstatuts für die LPG Typ I wurde; Dez. 1952 Teiln. an der I. Konferenz der Vors. u. Aktivisten der LPG, mit der Vertr. der hier beschlossenen LPG-Musterstatuten vor dem Min.-Rat beauftragt; Vors. der 1969 zur Groß-LPG entwickelten LPG Worin bis 1975; viele Delegationsreisen in RGW-Länder; 1954 – 57 stellv. Vors. des Zentralvorst. der VdgB; 1954 – 76 Mitgl. des ZK der SED, 1956 – 81 der SED-BL Frankfurt (Oder); 1962 Zuerkennung des Titels Staatl. geprüfter Landwirt; 1963 – 65 Vors. des Bez.-Landw.-Rats, 1963 – 72 Mitgl. des Landw.-Rats bzw. Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft der DDR; 1966 VVO; 1968 KMO; 1981 Ehrenspange zum VVO; 1982 Vors. des Bez.-Vorst. Frankfurt (Oder) der VdgB; 1986 Stern der Völkerfreundschaft.Schlehufer, K.: B. G. Ein Pionier der soz. Landw. Berlin 1983.Siegfried Kuntsche

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Grüning, Uwe

* 16.1.1942

Geb. in Pabianice (b. Łodz, Polen); 1944 Übersiedl. in ein Dorf (b. Glauchau) (Sachsen); 1960 Abitur; bis 1966 Studium der Fertigungstechnik an der TH Ilmenau, anschl. dort Ass. u. Oberass., 1970 Prom.; 1975 – 82 Fachschullehrer in Jena; seit 1966 liter. Veröff. in Ztschr. u. Anthologien; seit 1982 freiberufl. Schriftsteller in Greiz; ab 1988 in Reichenbach (Vogtl.); zahlr. Übers. u. Nachdichtungen, u. a. Mandelstam, Rimbaud, Achmatowa, de Machaut, altfranz. Liebeslyrik; April – Okt. 1990 Mitgl. der letzten DDR-Volkskammer. 1990 – 2004 CDU-Abg. des Landtags in Sachsen; 1997 Andreas-Gryphius-Preis der Künstlergilde; 2005 Eichendorff-Literaturpreis; lebt seit 1993 in Neumark (Sachsen).Fahrtmorgen im Dezember. Gedichte. Berlin 1977; Auf der Wyborger Seite. Kurzroman. Berlin 1978; Hinter Gomorrha. Erzählungen. Berlin 1978; Spiegelungen. Gedichte. Berlin 1981; Laubgehölz im November. Gedichte. Berlin 1983; Moorrauch. Essays. Berlin 1986; Das Vierstromland hinter Eden. Roman. Berlin 1986; Landschafts- u. Kulturbilder um Jena. Text zum Bildband. Jena 1993; Grundlose Wanderschaft. Gedichte. Berlin u. Chemnitz 1996.Ingrid Kirschey-Feix

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Grünwald, Jochen

* 20.8.1931

Geb. in Schneidemühl (Piła, Polen); 1945 Volksschule in Mecklenburg; danach Gymnasium in Wismar, Abitur; 1950 – 52 Mitgl. im Landessportaussch. Mecklenburg-Vorpomm.; 1952 SED; 1952 – 57 beim Staatl. Komitee für Körperkultur u. Sport, Oberreferent für Großsportveranstaltungen (Wintersportmeisterschaften, 1953 Ltr. des Organisationskomitees der Friedensfahrt); 1954 – 57 Ltr. der Sektion Eis- u. Rollhockey; 1957 – 86 Generalsekr. des Dt. Eislauf-Verb. (DELV); 1968 Abschluß als Diplomsportlehrer im Fernstudium an der DHfK Leipzig; Mitgl. des Direktorats des Internat. Eishockey-Verbands (LIHG); 1984 – 88 Mitgl. der Appeals Commission der Internat. Eis- lauf-Union (ISU); 1986 – 88 Abteilungsltr. Sommersport im DTSB-Bundesvorst.; 1988 –90 DTSB-Vizepräs. für Sommersport; 1990 DTSB-Generalsekr.; Teiln. an den Olymp. Winterspielen 1956 – 84 (1960 in Squaw Valley wg. der Einreiseverweigerung für DDR-Sportjournalisten auch Reporter der Eisschnell- lauf-Wettbewerbe) u. Olymp. Sommerspielen 1988; 1960 Verdienter Meister des Sports; 1976 u. 1980 VVO; 1988 Stern der Völkerfreundschaft. 1991 – 98 Mitarbeiter der Internat. Sportwerbeagentur Gloria International in der Schweiz.Volker Kluge

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Grützner, Erich

* 30.7.1910 – ✝ 21.11.2001

Geb. in Pirna; Vater Stahlschmelzer; Volksschule in Pirna-Copitz; 1924 Jungspartakusbund; 1925 KJVD u. DMV; 1925 – 39 als Arbeiter in versch. Berufszweigen tätig, zeitw. arbeitslos; 1928 RH u. IAH; 1932 KPD; ab 1933 illeg. Tätigkeit, 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« 16 Mon. Zuchthaus; 1939 – 45 Chemiearb. in Pirna. 1945/46 Ltr. des Jugendaussch. in Pirna; 1946 SED; 1947 FDGB; 1947 – 49 Funktionär des Krs.-Vorst. Pirna des FDGB; 1948 LPS der SED in Ottendorf; 1948 – 50 Stadtverordne- ter u. Vors. der Stadtverordnetenvers. Pirna; 1950 – 54 Studium; Lehrer u. Lehrstuhlltr. an der Gewerkschafts-HS Bernau; 1954 – 81 Abg. des Bez.-Tags, seit 1954 Mitgl. der SED- BL Leipzig; 1954 – 59 Vors. des Bez.-Vorst. Leipzig u. Mitgl. des Präs. des FDGB-BV; 1956 – 63 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1959 – 74 Vors. des Rats des Bez. Leipzig (Nachf. von Karl Adolphs); seit 1974 Vors. des Bez.-Komitees Leipzig der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR; seit 1958 Abg. der Volkskammer; 1958 – 63 u. seit 1976 Mitgl. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; 1970 VVO; 1960 – 76 Mitgl. des Staatsrats; 1980 Ehrenspange zum VVO; 1985 KMO; 1986 wiedergewählt als Mitgl. der SED-BL Leipzig; gest. in Leipzig.Helmut Müller-Enbergs

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Grzimek, Waldemar

* 5.12.1918 – ✝ 26.5.1984

Geb. in Rastenburg (Ostpr./Kętrzyn, Polen), ab 1924 aufgew. in Berlin; 1937 Ausbildung zum Steinmetz; 1937 – 41 Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie u. angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg bei Wilhelm Gerstel, anschl. dessen Mstr.-Schüler; 1941 – 45 Kriegsdienst; 1942 für acht Mon. Studienaufenthalt in der Villa Massimo, Rompreis. 1946 – 48 Lehrtätigkeit am Inst. für künstler. Werkgestaltung Burg Giebichenstein in Halle; 1947 Mitgl. der Künstlervereinigung »Die Fähre«; 1948 – 51 Prof. an der HS für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg, Verlust des Lehrstuhls wegen solidar. Haltung zu Nordkorea; Mitarb. im Künstlerkabarett »Badewanne«; 1951 Studienreise in die UdSSR, 1952 nach Italien; 1952 erste Personalausstellung in der Galerie Franz in Berlin (West); 1952 – 57 freischaff. in Berlin; 1952 – 55 Arbeit am Heine-Denkmal für Berlin; 1952 mit einer Bildhauerdelegation Reise in die UdSSR; 1957 – 61 Prof. an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1959 NP; 1960 Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin; 1961 Korr. Mitgl. der AdK; Übersiedl. nach Friedrichshafen (Bodensee); 1961 – 67 freischaff. in Berlin (West) u. Friedrichshafen; 1962 Ausstellung im Badischen Kunstverein in Karlsruhe, 1964 im Städt. Museum Göttingen, 1967 in der Galerie Springer in Berlin (West); ab 1967 Prof. an der TH Darmstadt; gest. in Berlin. Werke: Heine-Denkmal in Berlin, 1955; Reliefs für das ehem. KZ Buchenwald, 1955; Futtermstr. einer LPG, 1958; Plastikgr. für die Mahn- u. Gedenkstätte KZ Sachsenhausen, 1959 – 60; Porträt Richard Scheibe, 1960; Gefesselter, 1963 u. 1968.Kat. W. G. Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie. Berlin 1960; Decho, U.: W. G. Dresden 1961 (Künstler der Gegenwart); Roters, E.: W. G. – Werkverz. der Plastik. Berlin 1979.Anke Scharnhorst

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Guillaume, Günter

* 1.2.1927 – ✝ 10.4.1995

Geb. in Berlin; Vater Musiker; Volksschule; Ausbildung zum Fotografen; HJ; 1944/45 Flakhelfer; NSDAP; bis Dez. 1945 Kriegsgefangenschaft, Flucht. Dez. 1945 Rückkehr nach Berlin; tätig als Fotograf; veröff. 1948 den Opernkalender; 1950 – 56 Mitarb. des Verlags Volk u. Wissen; in dieser Zeit Fahrten nach Berlin (West) u. in die Bundesrep. Dtl. mit Spionageaufträgen (Dienstname »Hansen«); 1952 SED; 13.5.1956 im Auftrag des MfS Übersiedl. mit Ehefrau Christel (»Heintze«) nach Frankfurt (Main), Deckname »Hansen«; 1957 SPD; bis 1963 Inhaber eines Tabak- u. Spirituosengeschäfts sowie freiberufl. Werbefotograf u. Journalist; 1963 – 68 Sekr. des SPD-UB Frankfurt (Main); ab Mai 1968 Geschäftsf. der SPD-Fraktion im Stadtrat u. Stadtverordneter in Frankfurt (Main); 1968/69 Wahlkampfbeauftr. des Bundesmin. Georg Leber; Jan. 1970 Hilfsref., dann Ref. im Bundeskanzleramt, seit 1972 einer der drei Ref. des Bundeskanzlers Willy Brandt; 24.4.1974 mit Ehefrau verhaftet, 15.12.1975 vom OLG Düsseldorf wegen Landesverrats zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt (Christel G. zu acht Jahren); 1.10.1981 Agentenaustausch; 1985 Verleihung des Dr. jur. h. c. an der JHS des MfS Potsdam-Eiche; Oberst; gest. in Eggersdorf.G. G. Die Aussage. Protokolliert von G. Karau. Berlin 1988, München 1990. G. – der Spion. Ein dokumentarischer Bericht. Landshut 1974; Knabe, H.: West-Arbeit des MfS. Berlin 1999; Boom, P., Haase-Hindenberg, G.: Der fremde Vater. Berlin 2005.Jens Gieseke / Helmut Müller-Enbergs

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Gundelach, Gustav

* 19.12.1888 – ✝ 8.7.1962

Geb. in Kiel; Vater Maler, Mutter Näherin; 1896 – 1904 Volksschule in Kiel; 1904 – 08 Ausbildung zum Dreher in Kiel; 1907 – 33 Mitgl. des DMV; 1908/09 Wanderschaft; 1909/10 Arbeiter in Kassel u. Kiel, 1910 – 14 Arbeit als Dreher in Hamburg, dort Vertrauensmann; 1909 SPD; 1910/11 Teiln. am Werftarbeiterstreik; 1914 – 18 Arbeit in der Rüstungsindustrie in Kiel; Teiln. am Jan.-Streik 1918 u. im Nov. 1918 am Matrosenaufstand; 1919 USPD; Unterkassierer Hamburg-Uhlenhorst-Winterhude u. Pol.-Ltr.; 1920 Mitgl. der KPD u. 1920 – 30 der KPD-BL Wasserkante; 1923 an der Vorber. des Hamburger Aufstands beteiligt, war während des Aufstands Hauptkurierltr. u. Mitgl. der Kampfltg.; verhaftet, U-Haft, freigesprochen; 1924 – 33 Mitgl. der Hamburger Bürgerschaft; KPD-Fraktionsvors.; 1927 u. 1928 zweiter Präs. der Bürgerschaft; 1924 – 33 Vors. u. Sekr. des RHD-Bez. Wasserkante, 1924 – 33 Mitgl. des RHD-ZV; 1933 illeg. pol. Arbeit; 1933 Vertreter der RHD bei der MOPR in Moskau; 1933/34 Ltr. der Reichsltg. der RHD in Berlin (»Karl«); 1934 Emigr. nach Frankreich; Mitarb. in der Ltg. der IRH; 1934 Instrukteur der IRH in Österreich (»Dügard«); 1935/36 Instrukteur der IRH in Skandinavien (Oslo), zuständig für die RH-LL in Norwegen, Dänemark u. Schweden (»Karl«); 1936 als Instrukteur der IRH der Schweiz; in Bukarest Unterstützung von Anna Pauker während ihres Prozesses; in Zürich verhaftet u. wegen »illeg. Grenzvergehens« verurteilt, nach einem Mon. Haft auf Lebenszeit aus der Schweiz ausgewiesen; 1936/37 Mitarb. im Verbindungsbüro der RHD in Paris; Jan. 1937 – Juli 1938 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, Chef der Administration des Sanitätsdienstes der Internat. Brigaden, Kapitän, Politkommissar; 1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1938 KP Spanien; Juli 1938 Instrukteur des Auslandskomitees der »Freunde der Sowjetunion« in Paris; unterhielt die Verbindungen zu den Länderkomitees der »Freunde der Sowjetunion« nach Dänemark u. Norwegen (»Jansen«, »Petersen«) in Stockholm; Sept. 1939 dort wegen »Spionageverdachts« verhafet u. interniert; Juli 1940 in die UdSSR; März 1941 – Juli 1942 Kursant an der KI-Schule für ltd. KPD-Funktionäre in Puschkino (b. Moskau), später Ufa u. Kuschnarenkowo (Baschkirien) (»Jansen«); 1942 milit. Ausbildung an einer Spezial-Schule b. Moskau; 1942 – 45 Sprecher u. Hilfsredakteur beim Dt. Volkssender in Moskau, Apr. 1943 – Sept. 1944 Mitarb. der EKKI-Presseabt. Ende April 1945 Rückkehr mit der KPD-Initiativgr.  Walter Ulbricht nach Dtl.; 1946 SED; beteiligt am Aufbau der Berliner Bez.-Vers. u. der Landesverw. Sachsen-Anh.; Sekr. der Org-Abt. des KPD-PV, zuständig für die Kader in Westdtl.; 1945/46 Präs. der Dt. ZV Arbeit u. Sozialfürsorge; 1946 – 48 Mitgl. des PV der SED; 1946 – 49 Vors. der KPD-LL Wasserkante u. später Vors. der KPD Hamburg; 1949 – 53 Abg. des Dt. Bundestages, Sekr. der KPD-Fraktion; ab 1951 Mitgl. der KPD-LL; Mitgl. u. Sekr. des ZR zur Verteidigung demokrat. Rechte, ab Dez. 1953 2. Vizepräs.; 1960 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; gest. in Hamburg.Der Sanitätsdienst wird reorganisiert. In: Brigada Internacional ist unser Ehrenname. Bd. 1. Berlin 1974. Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Nachexil u. Remigration. Stuttgart 2000.Bernd-Rainer Barth

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Grotrian, Walter Robert Wilhelm

* 21.4.1890 – ✝ 3.3.1954

Geb. in Aachen; Vater Prof. für Elektrotechnik; Gymnasium; Physikstudium in Aachen u. Göttingen, 1914 Prom.; 1914 – 18 Militärdienst (Flieger); 1918 – 22 Assistent am Physikal. Inst. der Univ. Göttingen, 1921 Habil.; 1922 – 39 Observator bzw. Hauptobservator am Astrophysikal. Observatorium Potsdam; 1923 Privatdoz. u. 1928 a. o. Prof. für Astrophysik an der Univ. Berlin; 1939 – 45 Wehrmacht, Ltr. einer Spezialeinheit für Hochfrequenztechnik u. Ionosphärenforschung; 1945/46 Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Wiedereintritt in das nunmehr zur DAW gehörende Astrophysikal. Observatorium Potsdam; Prof. mit Lehrauftrag, 1951 Prof. mit Lehrstuhl für Astrophysik an der HU Berlin; 1949 NP; 1951 Ord. Mitgl. der DAW; 1951 – 54 Dir. des Astrophysikal. Observatoriums u. kommissar. Ltr. der Akad.-Sternwarte Potsdam-Babelsberg; Vorstandsmitgl. der Astronom. Ges. u. Phys. Ges.; Mitarbeit in der Ev. Akad. G. gilt als führender Astrophysiker mit bes. Leistungen in bezug auf Deutungen der Sonnenkorona u. graf. Darstellung komplexer Spektren; er war 1930 Mitbegr. u. bis 1954 Schriftltr. bzw. Red. der »Ztschr. für Astrophysik«.Klaus-Harro Tiemann

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Grubert, Helmut

* 24.12.1908

Geb. in Nekla (Krs. Schroda, Westpr./Nekla, Polen); Stiefvater Angest. bei der Reichsbahn; Volksschule; 1923 – 45 Ausbildung zum u. Arbeit als Werkzeugmacher. 1945/46 KPD/SED; 1945 Bürgermstr. in Beenz (Krs. Prenzlau); 1948 Personalltr. der Krs.-Verw. Prenzlau; 1949 auch stellv. Landrat; 1950 Einstellung beim MfS, Ltr. der Krs.-Dienststelle Prenzlau; 1951 Versetzung zur Länderverw. Brandenb., dann Ltr. der Abt. VI (Staatsapparat); 1952 stellv. Operativ des Ltr., 1954 Ltr. der BV Frankfurt (Oder) u. Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1956 Oberst-Ltn.; 1960/61 Lehrgang an der BPS; 1961 MfS-OibE als Ltr. der Abt. Postzollfahndung des Amts für Zoll u. Kontrolle des Warenverkehrs; 1969 Entlassung, Rentner; bis 1976 ehrenamtl. Ermittler der HA KuSch.Jens Gieseke

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Grünberg, Gerhard

* 18.5.1920

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Schlosser; Volksschule; Ausbildung zum Expedient in Stettin; 1939 freiw. zum RAD; 1940 – 44 Wehrmacht, Luftbildauswerter; 1943 dreieinhalb Mon. U-Haft wegen »Verdachts der Partisanenunterstützung«, danach Wachdienstausbildung u. Einsatz in Italien; 1944 Desertion u. Kampf in einer Partisaneneinheit. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; 1945/46 Org.-Ltr. der Antifa-Bühne Nordhausen; 1946 Studium an der Pädagog. FS in Nordhausen; dann Arbeit als Grundschullehrer; 1949 Mitarb. beim FDJ-KV Nordhausen; 1951 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Nordhausen; 1952 Ltr. der Krs.-Dienststelle Worbis; 1954 stellv. Operativ des Ltr. der BV Erfurt; 1962 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1965 stellv. Ltr. der HA VII (Abwehr MdI/DVP), 1970 Ltr. des Zentr. Operativstabs des MfS; 1973 Oberst; 1985 Entlassung, Rentner; VVO.Jens Gieseke

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Grund, Iris

* 16.3.1933

Geb. in Berlin; Vater Maurermeister; 1951 Abitur; 1952 FDGB; 1955 DSF; 1952 – 57 Studium an der HS für bildende u. angew. Kunst Berlin-Weißensee bei Selman Selmanagic; 1957 Dipl.-Architektin; 1957 – 59 Mitarb. im Büro des Chefarchitekten von Groß-Berlin,  Hermann Henselmann; 1958 SED; 1959/60 Mitarb. im Büro Ernst May in Hamburg; 1961 Chefarchitektin des Kulturzentrums Neubrandenb.; 1965 Haus der Kultur u. Bildung, Neubrandenb.; 1965 – 67 Ltr. der Abt. Städtebau des VEB Hochbauprojektierung Neubrandenb.; 1967 – 70 Chefarchitektin des Neubaugebiets Neubrandenb.-Ost; 1968 Mitgl. der DBA; 1969 VVO; 1967 – 70 außerplanmäßige Aspirantur an der DBA; 1970 – 90 Chefarchitektin beim Rat der Stadt Neubrandenb.; 1971 Prom.; 1975 – 90 Ltg. des Generalbebauungsplans Neubrandenb.; 1976 u. 1981 Schinkel-Med., 1977 Architekturpreis der DDR, 1984 KMO; 1989 Projektltr. Wohnbebauung der Wilhelm-Pieck-Str. (heute: Torstr.) in Berlin. Seit 1990 freie Architektin in Neustrelitz, Projekte: 1996 Doppelsporthalle in Lychen, 1999 Umbau der Hotelanlage Domäne Neu-Garz im Müritz-Seenpark. Als Chefarchitektin von Neubrandenb., eines städtebaulichen Vorzeigeprojekts der DDR, war I. G. maßgebl. an der Planung einer Vielzahl von Wohngebieten beteiligt, in denen vor allem die neuen Wohnbauten vom Typ WBS 70 konsequent zur Verwendung kamen.Wohngebiet Neubrandenb.-Ost. In: Dt. Architektur (1969) 8; Bauten zur kulturellen Freizeitbeschäftigung als Bestandteil des sozialist. Wohnmilieus u. ihre städtebaul.-räuml. Organisation (Dissertation). Berlin 1971; Zum Wiederaufbau des Magdeburger Domes. In: Dt. Architektur (1982) 10; Geschichte einer Architektin. Hamburg 2004. Wiesemann, A.: Der Aufbau von Neubrandenb. 1945 – 70. Neubrandenb. 1995.Volker Wagner

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Gruner, Jürgen

* 17.12.1930

Geb. in Zwickau; Vater Lehrer; 1949 – 54 Studium der Geschichte, Philos. u. Kultursoziol. in Leipzig, zwischenzeitl. ein Jahr »Bewährung in der Produktion«; 1953 SED; 1954/55 Ltd. Lektor im Verlag Neues Leben Berlin; 1955 – 60 Lektor u. Lektoratsltr. im Verlag des Min. für Nat. Verteidigung; 1960 – 62 Cheflektor des Kongreß-Verlags Berlin; 1963 – 68 Fachgebietsltr. im Min. für Kultur u. persönl. Ref. des Min.  Klaus Gysi; 1968 – 70 Cheflektor (Programmschwerpunkt ausländ. Lit.), 1970 – 91 Ltr. des Verlags Volk u. Welt Berlin (Nachf. von  Walter Czollek); 1980 – 91 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1982 Stellv., 1983 – 90 Vorsteher des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig (Nachf. von  Siegfried Hoffmann); 1982 – 89 als GMS/IME »Ernst« des MfS erf.; 1987 NP; lebt als Rentner in Berlin.Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S. (Hrsg.): Fenster zur Welt. Eine Geschichte des DDR-Verlags Volk u. Welt. Berlin 2003.Carsten Wurm

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Grünert, Werner

* 1.12.1924

Geb. in Bobenneukirchen (Vogtl.); Volksschule; 1939 – 42 Ausbildung zum Klempner; 1942 – 45 Militärdienst. 1945 Arbeit als Klempner; 1947 SED; 1947 Einst. bei der VP, Krs.-Amt Oelsnitz, K5 (Pol. Polizei); 1949 Einst. bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 Verw. des MfS) Sachsen; 1950 Versetzung zur Abt. IV (Spionageabwehr westl. Geheimdienste), MfS Berlin; 1953 Abt.-Ltr. in der HA II (Spionageabwehr) des MfS; 1956/57 Besuch der SED-BPS in Berlin; 1958 stellv. Ltr., 1960 Ltr. der HA II; 1970 Gen.-Major; 1974 VVO; 1976 Offz. für Sonderaufg. beim 1. Stellv. des Min.; 1977 Offz. für Sonderaufgaben in der HA Kader u. Schulung; 1983 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

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Grünke, Klaus-Jürgen

* 30.3.1951

Geb. in Bad Lauchstädt (Sachsen-Anh.); zuerst Fußballspieler; 1966 Wechsel zum Radsport; 1967 Rennfahrerlizenz für die BSG Chemie Buna; Ausbildung zum Stahlbauer im VEB Buna Schkopau; 1970 Wechsel zum TSC Berlin; 1974 Vize-WM im 4.000-m-Mannschaftsverfolgungsfahren; 1975 WM über 1.000 m u. WM-Dritter im 4.000-m-Mannschaftsverfolgungsfahren; 1976 Olympiasieger über 1.000 m; mehrfacher DDR-Mstr.; 1976 – 90 SED; nach der sportl. Laufbahn Busfahrer in Berlin.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Grünwald, Siegfried

* 20.5.1938

Geb. 1938 in Loppnow (Krs. Greifenberg, Hinterpomm. / Łopianów, Polen); Vater Landarbeiter, Mutter Hausfrau; 1945 – 53 Grundschule in Zielitz (Sachsen-Anh.); 1952 FDJ; 1953 – 55 Lehre; 1955 – 57 Arbeit als Dreher in Magdeburg u. Abschluß der mittl. Reife; 1957 – 63 NVA; 1962 SED; 1963 – 67 stellv. Abt.-Ltr., 1967 – 69 Ratsmitgl. u. Ltr. der Abt. örtl. Versorgungswirtschaft beim Rat des Krs. Wolmirstedt; 1965 – 70 Fernstudium an der Ingenieurschule Plauen, Ing.-Ökonom Maschinenbau; 1969 – 71 Vors. der Kreisplankommission Wolmirstedt; 1972 – 76 1. Stellv. des Vors. der Bezirksplankommission Magdeburg; 1972 – 77 Fernstudium an der ASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1976 – 85 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Magdeburg; 1976 – 31. Mai 1990 Abg. des Bezirkstags Magdeburg; 1982 / 83 Studium an der PHS »Karl Marx«; 1985 – 11.6.1990 Vors. des Rats des Bez. Magdeburg (Nachf. von  Kurt Ranke). 1990 bis 1992 tätig in der Projektentw.; ab 1993 selbständig; Rentner.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grybowski, Franz

* 4.10.1901

Geboren am 4. Oktober 1901 in Krojanke/Krs. Flatow in Westpreußen. Anfang der zwanziger Jahre in Berlin-Adlershof Angestellter in einem Laboratorium bei AEG, später Chemielaborant. Seit 1919 Mitglied der USPD, seit 1920 der KPD, ab 1925 Abnahmebeamter bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, anschließend Revisionsbeamter bei der Dachgesellschaft der Derop-Gesellschaft »Dero Napht«. Seit 1929 Mitarbeiter der Geschäftsabteilung des ZK der KPD (Pressereklame), reiste Grybowski mehrfach ins Ausland und führte Aufträge der Komintern (Sicherung von Dokumenten und Geldvermögen) aus. Seit 1929 gehörte er dem Reichs-AM-Apparat der KPD an, war 1929/30 Reichsleiter des BB-Apparates, 1930/31 besuchte er unter dem Decknamen Adolf die M-Schule in Moskau. Nach 1933 in der Illegalität, organisierte von Prag und Saarbrücken aus den Vertrieb von Druckschriften und arbeitete eng mit dem Reichstechniker Wilhelm Kox als »Obertechniker West« im Rheinland zusammen. Am 1. Februar 1935 festgenommen und am 5.Februar 1936 durch den VGH zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Da er zum illegalen Apparat der KPD und zur geheimen Arbeit der Komintern umfassend aussagte, und später offenbar V-Mann der Gestapo war, wurde seine Strafe auf drei Jahre herabgesetzt. Nach Kriegsende lebte er in Berlin-Köpenick und wurde von überlebenden Widerstandskämpfern belastet, andere Personen verraten zu haben. Längere Zeit konnte er sich wehren und alle Verdächtigungen als böswillige Unterstellungen zurückweisen. Er verfaßte »Persönliche Bemerkungen«, in denen er ausführlich über sich und die Arbeit des AM-Apparates berichtete. Im Juli 1945 beantragte er die Anerkennung als »Opfer des Faschismus«. Ein Angebot, für die Parteiabwehr der KPD/SED zu arbeiten, soll er abgelehnt haben. Daraufhin wurde Grybowski am 6.November 1946 vom NKWD verhaftet und in Moskau durch ein Militärtribunal zu 25 Jahren Lager verurteilt. Nach fünf Jahren in Workuta kehrte er nach Ost-Berlin zurück und wurde Elektroingenieur im VEB Fotochemische Werke. Später soll er Geheimer Informant des MfS gewesen sein. Wann und wo Franz Grybowski gestorben ist, war nicht zu ermitteln. 2008 veröffentlichte Siegfried Grundmann über Franz Grybowskis Zusammenarbeit mit der Gestapo eine Monographie.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Guddorf, Wilhelm

* 20.2.1902 – ✝ 3.2.1943

Geboren am 20. Februar 1902 in Melle bei Gent/Belgien, Sohn eines Universitätsprofessors. Schon auf dem Gymnasium fiel seine Sprachbegabung auf, er beherrschte später fast alle westeuropäischen und slawischen sowie eine Reihe weiterer Sprachen. Nach dem Krieg Umzug nach Osnabrück, Abitur und Studium der Volkswirtschaft, Geschichte, Musik- und Kunstwissenschaft an den Universitäten Münster, Leiden und Paris, wo er mit dem Kommunismus in Berührung kam. 1922 Eintritt in die KPD. 1924/25 Redakteur der »Freiheit« und des »Rhein-Ruhr-Pressedienstes« der KPD. 1925/26 mehrmonatige Haft. Dann Mitarbeiter der »Roten Fahne« in Berlin, von 1927 bis 1932 leitete Guddorf das außenpolitische Ressort des KPD-Zentralorgans (Pseudonym Paul Braun). Im Sommer 1932 schied er wegen parteiinterner Differenzen aus der Redaktion aus und arbeitete als Übersetzer. 1933 illegal für die KPD tätig, am 22. März 1934 verhaftet und am 17. Juli 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Strafverbüßung Einlieferung in das KZ Sachsenhausen. Im April 1939 freigelassen, in einem Berliner Antiquariat beschäftigt, wo er Eva-Maria Buch (*31. 1. 1921 – † 5. 8. 1943) kennenlernte. Beide waren in der Folgezeit eng befreundet und gemeinsam illegal aktiv. Tätigkeit als Übersetzer, wurde einer der Herausgeber der Widerstandszeitschrift »Die innere Front«, die in fünf Sprachen erschien. Er hatte Verbindung zu der Gruppe Schulze-Boysen (»Rote Kapelle«) und wurde am 15. Oktober 1942 erneut verhaftet und furchtbar gefoltert. Am 3.Februar 1943 vom 2.Senat des Reichskriegsgerichts zum Tode verurteilt, wurde Wilhelm Guddorf am 13. Mai 1943 in Plötzensee hingerichtet. Seine Frau Hilde (* 5. 7. 1907 – †6. 11. 1980), mit der er von 1930 bis 1942 verheiratet war, war die Tochter des Ehepaars Edwin und Gertrud Morgner, beide Delegierte des Gründungsparteitages der KPD.

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Gummel, Hans

* 3.8.1908 – ✝ 27.5.1973

Geb. in Berlin; Vater Stadtoberinspektor; 1928 – 33 Med.-Studium in Rostock, Innsbruck u. Berlin, hier 1935 Prom.; 1934 – 37 Assistenzarzt an der Berliner Charité; 1935 – 38 NSDAP; 1935/36 Arzt in der HJ; 1937 – 39 Assistenzarzt in Breslau u. Graz; 1939 – 45 Oberarzt an der Univ.-Klinik Breslau. 1946/47 Abt.-Ltr. beim Rat der Stadt Dresden; 1947 SED; 1947/48 als Wiss. Ltr. der HV Volkseigener Betriebe Sachsens verantw. für den Aufbau der Penicillinprod. in der SBZ; 1949 – 55 Ärztl. Dir. der Geschwulstklinik am Inst. für Med. u. Biol. der DAW in Berlin-Buch; 1953 Prof.; 1955 – 73 Dir. der Robert-Rössle-Klinik (ab 1972 ZI für Krebsforschung der AdW); 1959 NP; 1961 Ord. Mitgl. der DAW; 1961 – 67 stellv. Vors. der Forschungsgemeinschaft der naturwiss., techn. u. med. Inst. der DAW u. Ltr. des Fachbereichs Med.; 1964 Mitgl. der Leopoldina; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Chirurg. Behandlung von Krebsleiden; klin. Forschungen zur Ätiol., Diagnostik u. Therapie maligner Tumoren des Magen-Darm-Trakts u. der Brustdrüse sowie zur Früherkennung u. Kombinationsbehandlung von Organkrebsen.Atlas zur klinischen Diagnostik des Brustdrüsenkrebses. Berlin 1968 (zus. mit W. Widow); Probleme der Organtransplantation. Berlin 1971 (zus. mit H. Dutz). H. G. In: Pasternak, L. (Hrsg.): Wissenschaftler im biomedizin. Forschungszentrum: Berlin-Buch 1930 – 2004. Frankfurt (Main) 2004.Jochen Richter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gundelach, Gustav

* 19.12.1888 – ✝ 8.7.1962

Geboren am 19. Dezember 1888 in Kiel, Sohn eines Malers; von 1908 bis 1923 als Dreher in Hamburg beschäftigt. 1909 Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD, ab März 1920 in der Hamburger USPD-Leitung. Mit dem linken Flügel im Dezember 1920 zur KPD. 1924 wurde Gundelach in die BL Wasserkante gewählt. Als Leiter der Roten Hilfe Wasserkante bis 1933 hauptamtlicher Funktionär sowie Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft von 1924 bis 1933, dort 1927/28 Vizepräsident. Von Juli 1933 bis Februar 1934 Leiter der illegalen RGO Berlin, anschließend Emigration über Wien und Zürich nach Paris, bis Oktober 1936 Instrukteur der IRH in Österreich, Schweiz und Skandinavien. Gundelach kämpfte ab Januar 1937 im Spanischen Bürgerkrieg und war im Range eines Kapitäns Leiter des Roten Kreuzes für die Interbrigaden. Von September bis November 1939 und von Januar bis Juli 1940 war er in Stockholm interniert. Im Juli 1940 erhielt er ein Visum zur Einreise in die UdSSR und flog nach Moskau, dort bis 1942 Spezialausbildung. Danach bis April 1945 Lehrer, Sprecher und Redakteur am Deutschen Volkssender. Ende April 1945 kehrte Gundelach als Mitglied der Gruppe Ulbricht nach Berlin zurück. Ab Mai 1945 zunächst Sekretär der Orgabteilung des ZK der KPD, im September 1945 von der SMAD zum Präsidenten der Deutschen Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge berufen. Im April 1946 übersiedelte er im Auftrag der SED nach Hamburg und übernahm von Friedrich Dettmann den Vorsitz der dortigen KPD-Leitung. Im April 1949 als Vorsitzender wiedergewählt, wechselte er im August nach Bonn und wurde Sekretär der KPD-Bundestagsfraktion. Gundelach wurde 1946 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt und im August 1949 als Abgeordneter in den ersten Deutschen Bundestag. Ab 1951 gehörte Gundelach der Landesleitung Hamburg an und war Mitglied des KPD-PV. Nach dem Verbot der KPD in der Bundesrepublik arbeitete er illegal für die Partei, er versuchte 1961 vergeblich als Einzelbewerber für den Bundestag zu kandidieren. 1960 wurde ihm von der DDR die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus« verliehen. Gustav Gundelach starb am 7. Juli 1962 in Hamburg.Bernd-Rainer Barth