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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Greiner-Pol, André

* 12.5.1952 – ✝ 15.12.2008

Geb. in Berlin; Mutter Tänzerin, Vater Komponist u. Ltr. des Erich-Weinert-Ensembles, aufgewachsen bei den Großeltern in Berlin; ab 1961 klass. Violinenunterricht; Lehre als Elektronikschlosser bei der DR, anschl. Arbeiter im Gleisbau; Wehrdienst bei der Volksmarine, dort Gründung der Band »WAF-Expression«; Rückkehr nach Berlin, Gelegenheitsarb. als Bote, Verkäufer, Pförtner, Schwarztaxifahrer; Gitarrenausb. an der Musikschule Berlin-Friedrichshain; 1975 Geiger in der Rockgruppe »Elephant«; 1976 Unterz. einer Protestresolution gegen die Ausbürgerung von  Wolf Biermann; 1977 sechs Wochen Haft in Berlin-Rummelsburg wegen »öff. Herabwürdigung eines Polizisten«; Nov. 1977 Vernehmung durch das MfS wegen Unterstützung der »Republikflucht« eines Kollegen, danach bis 1982 als IM »Benjamin Karo« vom MfS geführt; 1977 Gründer u. seitdem Bandleader u. Sänger der Gr. »Freygang«, die, ursprüngl. im Bluesrockmilieu angesiedelt, bald zu einer Kult-Band der ostdt. Independent-Szene u. führendem Vertreter der sog. anderen Bands wird; 1983 Konzertmitschnitt in Ketzin (CD »Live in Ketzin«, 1998); 1983 Verbot der Band, 1985 Wiederzulassung, Konzertmitschnitt in Forst (CD »Berlinverbot«, 2003), 1986 erneutes Verbot der Band u. unbefristetes Auftrittsverbot für G.-P., 1987 unter Ps. »O.K-Rockband« Freygang-Tournee über die Baustellen der sowj. Erdgastrasse im Ural, G.-P. ist offz. als Techniker gemeldet u. umgeht so das Auftrittsverbot; Okt. 1987 Gründung des musikal. Session-Projekts »Tacheles«, Auftritte in Kirchen u. Privaträumen, weitere inoffz. Auftritte bei versch. Formationen, insb. der »F-FB-EKB-HIP-Connection« u. der Thüringer Rockband »Pasch«; 1989 Beteiligung an versch. Performances u. Veranstaltungen in Berlin u. Dresden, u. a. Lesungen von  Bert Papenfuß, Jana-Milev-Aktionen; 1989 Neuformierung von »Freygang«; 1990 Beteiligung an spektakulären Hausbesetzungen in Berlin (»Eimer«, »Tacheles«), Mitbegr. u. Kandidat der »Autonomen Aktion Wydoks« zur Kommunalwahl in Berlin-Mitte; 3.10.1990 Konzert »Halt’s Maul Dtl.« auf dem Berliner Alexanderplatz, gewaltsame Auflösung d. Veranstalt. durch d. Polizei. Seit 1992 zahlr. Tourneen durch Ostdtl. sowie die Schweiz (1992), Italien (1992), England (1993), Schottland (2005); 1993 Premiere von  Bertolt Brechts »Brotladen« (R:  Thomas Heise) mit G.-P. als Darsteller u. anschl. Freygang-Konzert im Berliner Ensemble; 2007 Jubiläumskonzert »30 Jahre Freygang« in Packebusch (Altmark). CDs: »Die letzten Tage von Pompeji« (Sampler mit den Bands Ich-Funktion u. Die Firma, 1990), »Wenn der Wind sich dreht« (1992), »Golem« (1994), »Steil & geil« (1996), »Land unter« (1998), »No 9« (2004); Live vom Zwiebelmarkt 2006 (DVD 2007).Peitsche Osten Liebe. Das Freygang-Buch. Berlin 2000 (hrsg. von M. Rauhut); X-X-X Songs 1977 – 2007. Das Songbuch von Freygang. Berlin 2007. Lutter, K.: Steil & geil. In: Rauhut, M., Kochan, Th. (Hrsg.): Bye Bye, Lübben City. Berlin 2004; Müller, D.: Rock ’n’ Roll der Maskenzeit. Berlin 1997; »20 Jahre Bewegung« (Video-Dok.-Film von S. Rohrbach).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Greßmann, Uwe

* 1.5.1933 – ✝ 30.10.1969

Geb. in Berlin; unehel. Kind eines Dienstmädchens; aufgew. bei versch. Pflegeeltern, in Waisenhäusern u. Kinderheimen; Volksschule; 1949 Ausbildung zum Elektroinstallateur, abgebrochen infolge Erkrankung an Tuberkulose; Krankenhausaufenthalt bis 1954; autodidakt. Bildungsdrang, begünstigt durch die Krankheit lyr. u. zeichner. Versuche, die seinen Lebenswillen stärkten; ungelernte Tätigkeiten (bis 1958 Montierer, 1958 – 65 Bote u. Mitarb. der Poststelle des HO-Gaststättenbetriebs Berlin); schloß sich um 1957/58 einem Lit.-Zirkel in Berlin-Pankow an; seit 1961 Veröff. in der »Neuen Dt. Lit.« u. in Anthol.; die Teiln. an der Lesung der DAK »Junge Lyrik – unbekannt u. unveröff.« (Initiator  Stephan Hermlin) am 11.12.1962 machte ihn einer breiteren Öffentlichkeit bekannt (für den talentvollen u. eigenwilligen G. setzten sich u. a. ein:  Heinz Czechowski,  Adolf Endler,  Günther Deicke,  Franz Fühmann,  Sarah Kirsch,  Günter Kunert,  Jo Schulz,  Paul Wiens,  Gerhard Wolf); ab 1965 freischaff. Schriftst. u. Nachdichter; gest. in Berlin.Der Vogel Frühling. Halle 1966; Lebenskünstler. Leipzig 1982 (Hrsg. R. Pietraß). Serke, J.: Zu Hause im Exil. Dichter, die eigenmächtig blieben in der DDR. München 1998.Jürgen Kaulfuß

Wer war wer in DDR

Grieb, Michael

* 12.2.1921 – ✝ 17.10.2003

Geb. in Tännesberg (Oberpfalz); Vater Schuhmachergeselle, Mutter Putzfrau u. Küchenhilfe; 1927 – 35 Volksschule in Tännesberg, 1935 – 38 Berufsschule u. Lehre als Bäcker in München; 1938 / 39 Arbeit als Bäcker in München u. Heidelberg; 1940 – 45 Wehrmacht; Mai bis Sept. 1945 in brit. Kriegsgefangenschaft in Wendorf bei Kiel als Ziegelputzer tätig. 1945 Bauhilfsarbeiter in Kiel; Nov. 1945 Übersiedl. nach Waren (Müritz); 1946 – 48 dort Bäckergeselle in einer Bäckerei; 1946 SED; 1947 Meisterprüfung als Bäcker; 1948 –50 Ltr. einer Konsumbäckerei in Waren (Müritz); 1950 – 51 Sekr. für Aufklärung beim Kreisaussch. der NF in Waren (Müritz); 1951 / 52 Sekr. beim Kreisaussch. der NF in Stralsund u. Waren (Müritz); 1952 – 54 Abt.-Ltr. für Org. sowie Aufklärung, Presse u. Schulung beim NF-Bezirksaussch. Schwerin; 1954 – 56 Instrukteur für schriftl. Agitation bzw. Instrukteur für Presse u. Funk der SED-BL Schwerin; 1954 – 60 Fernstudium an der PHS »Karl Marx«, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1956 / 57 stellv. Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. der SED-BL Schwerin; 1957 – 60 Persönl. Referent des 1. Sekr. der SED-BL Schwerin, Bernhard Quandt; 1960 – 68 Vors. des Rats des Bez. Schwerin; 1960 – 68 Abg. des Bezirkstags Schwerin; April 1968 von der Funktion abberufen; 1968 / 69 Teiln. am 2. Einjahreslehrgang für Parteifunktionäre an der HfÖ Berlin; 1969 – 82 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Rostock, 1969 – 82 Abg. des Bezirkstags Rostock; 1982 invalidisiert. Ab 1997 parteilos; gest. in Schwerin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Griewank, Karl

* 16.8.1900 – ✝ 27.10.1953

Geb. in Bützow (Mecklenb.); Vater Arzt; Studium der Geschichte, Germanistik, Philos. u. Volkswirtschaftslehre in Göttingen, Leipzig, Rostock u. Berlin; 1922 Prom. in Rostock mit einer ideengeschichtl. Studie (40er Jahre des 19. Jh.); 1922 – 26 Hauslehrer, Red. einer Berliner Ztg.; 1926 – 46 tätig in der Notgemeinschaft der dt. Wiss. bzw. der Dt. Forschungsgemeinschaft, dort zunächst persönl. Referent von F. Schmidt-Ott, dann Ltr. der Abt. Geisteswiss. u. Verlagswesen; 1934 Mitgl. der Bekennenden Kirche; 1942 Habil. an der Univ. Frankfurt (Main) mit einer Arbeit zum Wiener Kongreß. 1946 Tätigkeit an der DAW als Red. der Ztschr. »Forschungen u. Fortschritte«; 1946 – 53 Haupthrsg. der »Dt. Lit.-Ztg.«; 1946 Prof. mit vollem Lehrauftrag an der Univ. Berlin; 1946 Mitgl. der Hist. Kommission bei der Bayr. AdW; 1947 – 53 ord. Prof. an der Univ. Jena, Fachrichtungsltr. u. Dir. des Hist. Seminars; 1948 – 51 Dekan u. 1951 – 53 Prodekan der Philosoph. Fak.; 1949 – 53 Mitgl. im Geschäftsf. Aussch. des Verb. der Historiker Dtl.; 1951 – 53 Sekr. der Hist. Kommission bei der Bayr. AdW; 1952 – 53 Mitgl. des Wiss. Beirats des Museums für Dt. Geschichte, der Sekt. Geschichte bei der DAW u. im Wiss. Beirat für Geschichte beim Staatssekr. für HS-Wesen; gest. in Berlin (Suizid). Forschungen zur dt. Geschichte des 19. Jh.; G.s Arbeiten zur Rev.-Geschichte u. zum Wiener Kongreß gelten als Standardwerke; nach Kriegsende war sein Bemühen darauf gerichtet, der Spaltung der dt. Geschichtswiss. entgegenzuwirken, weshalb er auch in beiden Teilen Dtl. in wichtigen geschichtswiss. Gremien mitarbeitete.Staat u. Wiss. im Dt. Reich. Freiburg i. Br. 1927; Dt. Studenten u. Univ. in der Rev. von 1848. Weimar 1949; Der neuzeitl. Rev.-Begriff. Weimar 1955. Noack, K.-H.: K. G. In: Wegbereiter der DDR-Geschichtswiss. Berlin 1989; Schäfer, P.: K. G. u. die Jenaer Geschichtswiss. nach 1945. In: GWU 1992; Kaiser, T.: K. G. (1900 – 1953) – ein dt. Historiker im »Zeitalter der Extreme«. Stuttgart 2007.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grimm, Wilhelm

* 23.11.1907 – ✝ 24.2.1973

Geboren am 23. November 1907 in Mannheim; Schlosser. In den zwanziger Jahren Mitglied der KPD. Bis 1932 im KJVD und Mitglied der RGO-Leitung Baden, Redakteur der »Arbeiter-Zeitung« und der Zeitung »Der schaffende Bauer« in Mannheim. 1932 wurde Grimm nach Nordbayern geschickt, Anfang 1933 Chefredakteur des KPD-Organs »Neue Zeitung« in München. Dort im April 1933 verhaftet, kam er in das KZ Dachau, im September 1939 in das KZ Mauthausen. Im Dezember 1943 als sogenannter Vorbeugehäftling entlassen, sofort zum Gebirgsjägerregiment in Garmisch eingezogen, geriet er im Mai 1945 südlich von Bologna in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Aufgrund einer Denunziation wurde Grimm dann von Sonderlager zu Sonderlager gebracht und saß bis 1946 in einem amerikanischen Internierungslager, obwohl zahlreiche Mitgefangene aus Dachau seine einwandfreie Haltung im KZ bestätigten. Erst Ende 1946 konnte Grimm nach Mannheim zurückkehren, trat der KPD bei und wurde Chefredakteur des »Badischen Volksechos«. Er war Bezirks- und Kreisvorsitzender der KPD in Mannheim, wurde aber 1948/49 gerügt und dann abgesetzt, weil er gegenüber seinem Vorgänger, dem »trotzkistischen Parteifeind« Willy Boepple zu »liberal« war. Nach dem KPD-Verbot arbeitete er bis 1969 als Korrektor am »Mannheimer Morgen«, 1968 Mitglied der DKP. Wilhelm Grimm starb am 24. Februar 1973 in Mannheim.

Wer war wer in DDR

Grobbel, Karl

* 29.10.1896 – ✝ 3.1.1971

Geb. in Berlin; Volksschule; Gymnasium »Zum Grauen Kloster« in Berlin; Ausbildung zum Bankkfm.; im 1. Weltkrieg Wehrdienst, schwer verwundet, zul. Ltn.; 1917 Gefangenschaft in Frankreich u. der Schweiz; 1919 Abitur; anschl. Studium der Volkswirtschaft u. Jura in Berlin; Bankkfm.; 1920 Zentrumspartei; 1924 – 33 deren Gen.-Sekr. in Ost-Mittel-Dtl., für die Diasporagebiete; 1925 – 33 Hrsg. der Monatsschrift »Der Weckruf«; Juni 1933 Schnellgerichtsverfahren u. drei Mon. »Schutzhaft«; Wehrdienst; bis 1945 selbst. Handelsvertreter u. Geschäftsf. einer kirchl. Hilfsorg. für die Diasporagebiete (vereidigter Meßweinlieferant u. Geschäftsf. der »Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft«); zul. dienstverpflichtet als Registraturgehilfe u. Magazinschreiber. 1945 Mitbegr. der CDU; Mitarb. der Ortsverw. Berlin-Wilhelmshagen; Ref.-Ltr. in der Reichsgeschäftsstelle der CDU; Okt. 1945 – April 1946 Beisitzer u. 1945/46 Geschäftsf. der CDU Brandenb., April 1946 – Nov. 1948 stellv. Vors., danach bis Juni 1950 1. Vors.; zugl. Verlagsltr. der »Märkischen Union«; 1947 – 50 Mitgl. des Landtags Brandenb.; Sept. 1948 – April 1953 3. Vors. u. Vors. des Pol. Aussch. beim HV der CDU; 1948 – 50 Abg. des Volksrats bzw. der Volkskammer; April 1950 Min. für Arbeit u. Sozialwesen bzw. für Arbeit u. Gesundheitswesen; Okt. 1950 – Juli 1952 Min. für Handel u. Versorgung im Land Brandenb.; 1952/53 stellv. Vors. des Rats des Bez. Cottbus; 14.8.1953 von allen Funktionen entbunden, gerügt wegen »parteischädigenden Verhaltens«; Journalist u. Red. für Wirtschaftspol. der »Neuen Zeit«; 1957 Ehrennadel der CDU; ab 1961 Begr. u. erster Hrsg. der kath. Monatsschrift »Begegnung« in Berlin; 1961 Verdienstmedaille der DDR; 1964 Mitbegr. der Berliner Konferenz europ. Katholiken.Vom Glauben zum Bekenntnis. Berlin 1961; Bernhard Lichtenberg. Berlin 1967 u. 1989.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Groh-Kummerlöw, Grete

* 6.2.1909 – ✝ 16.2.1980

(* 1909 – † 1980) Geboren am 6. Februar 1909 in Plauen/Krs. Zwickau als Grete Groh, Tochter einer Arbeiterfamilie. Von 1924 bis 1945 Textilarbeiterin, sie trat 1927 in den KJVD und 1930 in die KPD ein. Grete Groh wurde 1930 Abgeordnete des Sächsischen Landtages, damals jüngste Abgeordnete in ganz Deutschland. Von 1931 bis 1933 Orgleiterin des KJVD Sachsens. 1933 illegale Arbeit, wurde am 28. Juni 1933 in Bitterfeld verhaftet. Vom OLG Dresden am 8. Juni 1934 zu einem Jahr und acht Monaten Zuchthaus verurteilt, die sie in Waldheim verbüßte. Nach ihrer Entlassung heiratete sie 1937 Heinrich Kummerlöw, von dem sie sich 1950 trennte. Nach der Geburt ihres Sohnes Fritz war sie Hausfrau. Durch Kurt Sindermann bekam sie Verbindung zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow. Am 10.August 1944 verhaftet, wurde sie angeklagt und am 9. Februar 1945 zum VGH nach Potsdam transportiert. Dort am 27. April 1945 durch die Rote Armee befreit. 1945 zunächst für die KPD in Plauen aktiv. Grete Groh-Kummerlöw gehörte von 1946 bis 1980 dem FDGB-Bundesvorstand an und war zeitweise auch Mitglied des Präsidiums. Von 1946 bis 1949 3. Vorsitzende des FDGB Sachsen, von 1949 bis 1957 Abteilungsleiterin und Sekretärin des Bundesvorstandes. Von 1946 bis 1949 Abgeordnete des Sächsischen Landtags, von 1949 bis 1971 der DDR-Volkskammer. Sie erhielt 1979 den Karl-Marx-Orden. Grete Groh-Kummerlöw starb am 16.Februar 1980. Sigrid Koch-Baumgarten veröffentlichte 2001 in der IWK eine biographische Skizze über Grete Groh-Kummerlöw.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gromzig, Waldemar

* 6.1.1924 – ✝ 9.3.2004

Geb. in Lintfort / Moers; Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule, Notabitur; 1942 – 45 Wehrmacht, Offiziersanwärter. 1946 / 47 Ausbildung, anschl. Arbeit als Maurer; 1948 / 49 Holzfäller beim Forstamt Zella-Mehlis; 1949 – 52 Stud. an der Ingenieurschule für Bauwesen Gotha; 1952 Ing. bei der GD für Kraftverkehr u. Straßenwesen; 1951 SED; 1952 – 55 Prüf-Ing. für Statik, Entwurfsing., Gruppenltr. u. 1955 – 59 Techn. Ltr. im Entwurfsbüro für Straßenwesen Berlin; 1959 – 61 Haupting. in der Verw. der HA Straßenwesen des Min. für Verkehrswesen; 1961 / 62 Aufbaultr. beim Bau der Autobahn Berlin – Rostock; 1962 – 66 Betriebsdir. des VEB Straßenbau Potsdam; 1966 – 90 GD des VEB Spezialbaukombinat Verkehrsbau Magdeburg bzw. des VEB Autobahnbaukombinat (Nachf. von Wolfgang Heier); gest. in Berlin.Doßmann, A.: Begrenzte Mobilität. Eine Kulturgesch. der Autobahnen in der DDR. Essen 2003; Ders. / Kroske, G.: Autobahn Ost. Dok.-Film, 2004.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Gropp, Rugard Otto

* 22.3.1907 – ✝ 4.7.1976

Geb. in Magdeburg; Vater Stadtinspektor; 1926 – 29 Werkstudent der Germanistik, Geschichte, Philos. u. Kunstgeschichte in Leipzig, München u. Halle; 1929 KPD; versch. Beschäftigungen als Stenotypist, u. a. in der sowj. Handelsvertr. in Berlin; 1940 Wiederaufn. des Studiums in Halle; Teiln. an illeg. pol. Arbeit gegen das NS-Regime; 1941 Verhaftung durch die Gestapo wegen »Verdachts auf Hochverrat«, ein Jahr Gefängnishaft, anschl. KZ Sachsenhausen, 1944 Versetzung ins Strafbat. 999, Flucht zur Roten Armee. 1945 Forts. des Studiums an der MLU Halle; 1948 Prom. u. Lehrgang an der PHS; anschl. bis 1950 Lehrtätigkeit an der MLU Halle, danach an der KMU Leipzig; 1952 Habil. u. Berufung zum Prof. für dial. u. hist. Materialismus, stellv. Dir. des Inst. für dial. u. hist. Materialismus der KMU; ab 1960 Ltr. einer Arbeitsgr. am Inst. für Philos. der DAW in Berlin; 1965 em.; VVO. G. gehörte zu den einflußreichsten Propagandisten des dial. Materialismus der frühen DDR-Geschichte; er war in bes. Maße mitverantw. für die offiz. Dogmatisierung der philosoph. Lehre u. Forschung; insbes. in den 40er u. 50er Jahren war er maßgebl. beteiligt an der ideolog. u. institutionellen Ausgrenzung nonkonformist. Philosophen (u. a.  Leo Kofler 1949/50;  Ernst Bloch 1957).Der dial. Materialismus. Kurzer Abriß. Leipzig 1957; Ernst Blochs Revision des Marxismus. Berlin 1957 (Mitautor); Zu Fragen der Geschichte der Philos. u. des dial. Materialismus. Berlin 1958; Grundlagen des dial. Materialismus. Berlin 1969. Herzberg, G.: Anpassung u. Aufbegehren. Die Intelligenz der DDR in den Krisenjahren 1956/58. Berlin 2006.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Groß, Otto

* 18.2.1917 – ✝ 15.8.1974

Geb. in Perleberg; Vater Maurer; 1923 – 31 Volksschule in Perleberg, 1931 – 37 kath. Gymnasium in Berlin-Charlottenburg; 1937 RAD; 1937 – 42 Studium der Theol. in Fulda; 1943 Priesterweihe; 1943 – 48 Kaplan in Berlin-Lichtenberg. 1948 – 53 Kuratus in Berlin-Adlershof, 1953 – 67 Kuratus u. Pfarrer in Berlin-Friedrichshain; 1953 – 58 Red. der kath. Berliner Kirchenztg. »St. Hedwigsblatt«, 1958 – 74 deren Chefred.; 1962 – 74 Ordinariatsrat im Bischöfl. Ordinariat Berlin, 1966 Prälat; langjährige enge Freundschaft mit Kardinal  Alfred Bengsch; 1967 – 74 Beauftr. des Vors. der Berliner Ordinarienkonferenz zu Verhandlungen mit der Dienststelle des Staatssekr. für Kirchenfragen, dem MfS u. dem Min. für Außenwirtschaft bzw. Außenhandel; 1967 – 74 vom MfS als IM »Otto« erf.; gest. in Berlin.Schäfer, B.: Staat u. kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998.Bernd Schäfer

Handbuch Deutsche Kommunisten

Große, Fritz Willibald

* 5.2.1904 – ✝ 12.12.1957

Geboren am 5. Februar 1904 in Altenberg/Erzgeb., Sohn eines Zimmermanns; 1918 Holzarbeiter. Anfang 1920 wanderte Große nach Sowjetrußland aus und kämpfte in der Roten Armee im Feldzug gegen Polen. Ende 1920 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Hausdiener in Aschersleben. 1921 in Chemnitz Bauarbeiter, dann Hilfsdrucker in der KPD-Druckerei. 1921 Mitglied der KJD und der KPD. Im KJVD aktiv (Pseudonym Ignaz), 1923 Sekretär im Bezirk Erzgebirge-Vogtland, 1925 ins ZK des KJVD gewählt, 1927 Sekretär des KJVD in Halle, auf dem 11. Verbandskongreß im September 1929 zum 2. Sekretär des ZK des Jugendverbandes nach Berlin berufen, rückte Große Mitte 1929 auch als Kandidat ins ZK der KPD nach, wurde aber im Juni 1930 durch Artur Becker als Orgleiter abgelöst. Später schrieb er: »Wegen politischer Differenzen schied ich im Jahre 1929 aus dem ZK aus, fuhr nach Rußland und arbeitete in Moskau im Zentralrat der Gewerkschaften.« 1931 von Moskau nach England geschickt, um dort die illegale Arbeit der kommunistischen Jugend zu organisieren. Große wurde in London festgenommen und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, danach wieder in Moskau tätig. 1932 Rückkehr nach Berlin, »wo ich nach den parteipolitischen Auseinandersetzungen mit Neumann und dem damaligen Leiter des Jugend- ZK Kurt Müller mit der Leitung des ZK beauftragt wurde«. Als Vorsitzender des KJVD im November 1932 in den Reichstag gewählt, blieb er bis Juni 1933 Leiter des illegalen KJVD. Im Juni 1933 nach Amsterdam geschickt, fuhr Große im Herbst 1933 nach Paris, kehrte im Januar 1934 nach Berlin zurück, um als 2.Sekretär die illegale Jugendarbeit fortzuführen. Im August 1934 verhaftet, wurde er am 17.März 1936 zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt, war bis 1945 im Zuchthaus Brandenburg und im KZ Mauthausen. 1945 wieder Mitglied der KPD, 1948/49 Vorsitzender der Staatlichen Kontrollkommission, 1949 wurde Große erster Botschafter der DDR in der Tschechoslowakei. 1952 Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der DDR. Er erhielt 1955 den VVO. Nach langer Krankheit starb Fritz Große am 12.Dezember 1957 in Ost-Berlin. Seine Frau Lea Große, geborene Lichter (*12.5. 1906), Tochter eines jüdischen Gerbers und Lederhändlers, übersiedelte mit den Eltern 1914 wegen der Pogrome nach Deutschland. Sie wurde orthopädische Gymnastiklehrerin. 1925/26 Mitglied des jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß, 1927 Mitglied des KJVD, 1929 der KPD. 1930 reiste sie mit ihrem Mann nach Moskau, dort im Sekretariat der KJI und des EKKI beschäftigt. 1933 kehrte sie zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück, wurde im August 1934 in Düsseldorf verhaftet und zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im November 1938 als Ausländerin nach Polen abgeschoben, flüchtete Lea Große im September 1939 nach dem Überfall auf Polen in die Sowjetunion, dort Apothekenhelferin im Hauptlazarett des NKWD, von 1940 bis 1942 Mitarbeiterin der KJI in Moskau, dann Redakteurin am Sender Freies Deutschland. Im November 1945 in der SBZ Redakteurin am Landessender Dresden. Von 1953 bis 1955 Kaderleiterin des DEFA-Spielfilmstudios, 1955 Dramaturgin und von 1960 bis 1971 Chefredakteurin des vornehmlich auf die Bundeswehr zielenden »Deutschen Soldatensenders 935«. Als Angehörige der Politischen Hauptverwaltung der NVA erhielt sie 1986 den Karl-Marx-Orden. Lea Große starb am 10. Juni 1997 in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Großkopf, Richard

* 1.5.1897 – ✝ 16.3.1977

Geboren am 1. Mai 1897 in Berlin, Sohn eines Tischlers; bis 1916 Ausbildung zum Kartographen. Seit 1912 in der Arbeiterjugend, trat er im Mai 1916 in die SPD ein. 1916/17 technischer Zeichner der Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof, 1917 Mitglied der USPD und Einberufung zum Militärdienst. Nach Kriegsende Litograph in verschiedenen Berliner Betrieben. Ab 1919 Mitglied der KPD, von 1920 bis 1933 Mitarbeiter der Zentrale bzw. des ZK der KPD, gehörte dem AM-Apparat an und war zuständig für Paßfälschungen. Im Auftrag der Partei gründete er deshalb 1920 die Klischee-Werkstatt Schulz & Großkopf in Berlin-Charlottenburg und wurde 1923 Leiter des gesamten Paßfälscherapparates der KPD. Am 3. Mai 1933 festgenommen und nach langer Untersuchungshaft am 13.Januar 1935 vom VGH zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Vom Zuchthaus Luckau ab April 1937 in verschiedenen KZs, 1942 im KZ Buchenwald. Hier war er Funktionshäftling und leitete bis zur Befreiung den Abwehrapparat des illegalen Internationalen Lagerkomitees. Im April 1945 zunächst in der Prüfstelle des Lagers Buchenwald tätig und mit der Fahndung nach aktiven Nationalsozialisten beauftragt, im Juli 1945 im Landesamt für Arbeit in Weimar, zugleich Kurier der KPD-BL Thüringen. Im Zusammenhang mit parteiinternen Ermittlungen über Funktionshäftlinge im Februar 1946 kurzzeitig aus der KPD ausgeschlossen. Im Mai 1946 nach Berlin berufen, übernahm Großkopf die Leitung der Personalabteilung der Kriminalpolizei im Polizei-Präsidium von Groß-Berlin. Nach einer schweren Erkrankung im Herbst 1948 war er von Mai 1949 bis Oktober 1951 Leiter der Abteilung Paß- und Meldewesen im VP-Präsidium von Ost-Berlin. Ende 1951 im Außenpolitischen Nachrichtendienst (Vorläufer der HV A), wurde dort Leiter der Abteilung Dokumentation. Später baute er als Stellvertreter des Leiters der Hauptabteilung Technik eine Fälschungsabteilung auf und blieb beim MfS bis Oktober 1961 beschäftigt und war u. a. für die Herstellung »operativer Dokumente« zuständig. Richard Großkopf starb am 16. März 1977 in Ost-Berlin. Siegfried Grundmann veröffentlichte 2004 in der IWK eine Arbeit über »Richard Großkopf und die kommunistische Paßfälscherorganisation«.Jens Gieseke / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Grell, Günter

* 11.1.1926 – ✝ 28.4.1997

Geb. in Lichterfelde (Krs. Oberbarnim); Vater Arbeiter; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Verwaltungsangest.; 1943 RAD; 1943 / 44 Wehrmacht; 1944 – 47 in brit. u. amerikan. Kriegsgef. 1947 Landarb.; 1947 – 51 Angest. der Sozialversicherungskasse Oberbarnim; 1951/52 Sachbearb. im VEB Rohrleitungs- u. Apparatebau Finow; 1952 – 54 Sekr. der SED-BPO im VEB Walzwerk Finow; 1954 / 55 Lehrgang an der SED-BPS in Beeskow; 1955 – 60 Ass., Lehrer u. Lehrstuhlltr. an der SED-BPS in Eberswalde; 1955 – 64 Fernstudium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1960 – 62 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-KL Eberswalde; 1962 – 66 1. Sekr. der SED-KL Bernau; 1966 – 68 Studium an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Abschluß als Dipl.-Wirtsch.; 1968 – 71 1. Sekr. der SED-KL Eisenhüttenstadt; 1971 – 89 2. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1981 VVO; gest. in Frankfurt (Oder).Mario Niemann

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Gretschko, Andrej Antonowitsch

* 17.10.1903 – ✝ 26.4.1976

Geb. in Golodajewka (Samaraka, Asowsches Meer); ab 1919 in der Kavallerie der Roten Armee; bis 1925 Infanterieschule; 1928 Mitgl. der KPdSU; Frunse-Militärakad.; 1936 Regt.-Kdr., dann in Stabsstellungen; 1939/40 im sowj.-finnischen Krieg Kdr. eines Schützenregt., später Chef der Org.-Abt. eines Korpsstabs; Juni 1941 Oberst; 1941 Chef einer Kavalleriediv.; 1942 Befehlshaber erst der 12., dann der 47., 18. u. 1943 der 56. Armee, Gen.-Ltn.; zugl. stellv. Oberbefehlshaber der 1. Ukrain. Front; 1945 – 53 Befehlshaber des Militärbez. Kiew; 1949 u. 1952 Mitgl. des ZK der KP der Ukraine u. Kand. des PB; 1952 – 61 Kand., ab 1961 Mitgl. des ZK der KPdSU. 5.6.1953 – Nov. 1957 Oberbefehlshaber der Gruppe der sowj. Streitkräfte in Dtl. (Nachf. von  W. I. Tschuikow); während der Unterdrückung des Volksaufstandes am 17.6.1953 wurde er durch den Ersten Stellv. Kriegsmin. der UdSSR, Marschall  W. D. Sokolowski, u. den Min. für Staatssicherheit der UdSSR, L. P. Berija, unterstützt; 1955 Marschall der UdSSR; 1957 – 60 Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte der Sowj. Armee; 1960 – 67 Oberbefehlshaber der Streitkräfte des Warschauer Pakts; 1967 – 76 Verteidigungsmin. der UdSSR; 1961 Mitgl. des ZK u. ab 1973 des PB des ZK der KPdSU; zweimal Held der Sowjetunion, vier Lenin-Orden, drei Rotbannerorden; gest. in Moskau.Bitwa sa Kawkas. Moskwa 1967; Gody woiny 1941 – 1943. Moskwa 1976; Istorija wtoroi mirawoi woiny 1939 – 1945. Moskwa 1976 (Ltr. der Red.-Kommission); Sowetskaja wojennaja enziklopedija. Moskwa 1976 ff. (Ltr. der Red.

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Gries, Wilhelm

* 4.5.1894 – ✝ 22.9.1971

Geb. in Koblenz; Gymnasium, Abitur; Studium der Rechts- u. Staatswiss.; 1914 Kriegsfreiwilliger, 1915 – 20 franz. Kriegsgef.; 1920 Zentrumspartei; ab 1921 Redakteur am »Düsseldorfer Tageblatt«; 1928 – 33 stellv. bzw. Chefred. des Zentralorgans der Zentrumspartei »Germania«; 1934 – 38 Chefred. der »Saarbrücker Landesztg.« (Befürworter des Anschlusses des Saargebiets an Dtl.); 1938 – 45 Redakteur des in Berlin erscheinenden »Dienstes für Deutschland« (ein für das Ausland bestimmter tägl. Artikeldienst). 1945 CDU; 1945 zunächst stellv. Chefred., Jan. 1946 – Dez. 1947 Chefred. u. Lizenzträger des CDU-Zentralorgans »Neue Zeit« (Nachf. von Rudolf Pechel); Dez. 1947 Absetzung durch die SMAD (zus. mit  Jakob Kaiser u.  Ernst Lemmer) sowie Entzug der Lizenz; 1948 – 57 Chefred. der Ztg. »Der Tag« in West-Berlin; 1957 – 65 Chefred. der »Saarbrücker Ztg.«; 1961 Großes Bundesverdienstkreuz; gest. in Saarbrücken.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Grigorenko, Pjotr

* 1907 – ✝ 1987

Militärischer und politischer Funktionär. Menschenrechtsaktivist und Publizist.Geboren wurde Pjotr Grigorenko (Ukrainisch: Petro Hryhorenko) 1907 in einer Bauernfamilie in dem südukrainischen Dorf Borisowka bei Saporischschja. Er arbeitete als Schlosser, Bahnarbeiter, Heizer und Lokführer und war in der Bewegung des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol aktiv. Grigorenko organisierte 1922 eine Komsomol-Gruppe in seinem Heimatdorf, war 1930 Delegierter des Komsomol-Treffens und 1929–31 Mitglied des Zentralkomitees des Komsomol der Ukraine. 1927 trat er der Kommunistischen Partei bei. 1929 schloss er die Arbeiter-Universität ab und studierte anschließend bis 1931 an der Fakultät für Ingenieur-und Bauwesen des Technologischen Instituts in Charkiw im Nordosten der Ukraine. 1931 wurde er Berufssoldat, schloss die Militärische Ingenieurhochschule „W. W. Kuibyschew“ ab, diente von 1934 bis 1937 in der Führung der Roten Armee im Weißrussischen Armeebezirk und studierte anschließend an der Akademie des Generalstabes. 1939–43 diente er im Fernen Osten, wo er 1939 an den Kämpfen am Fluss Chalchin-Gol im japanisch-sowjetischen Grenzkonflikt beteiligt war. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er 1944/45 gegen die Deutschen, wobei er zwei Mal verwundet wurde. Das Kriegsende erlebte er im Rang eines Obersts als Stabschef einer Division. Grigorenko erhielt den Lenin-Orden und andere hohe Auszeichnungen. Von Dezember 1945 bis September 1961 war er Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Militärakademie „M. W. Frunse“. Er promovierte 1948 in Militärwissenschaften und schrieb zahlreiche Arbeiten zur Geschichte und Theorie des Militärwesens und der Kybernetik. Ab 1959 leitete er im Rang eines Generalmajors den Lehrstuhl für operativ-taktische Ausbildung. Im August 1961 vollendete er seine Habilitationsschrift. Nach dem XX. Parteitag der KPdSU, auf dem erstmals mit Stalins Verbrechen abgerechnet wurde, zog Grigorenko die Schlussfolgerung, dass das politische System der Sowjetunion nicht den Idealen des Leninismus entspräche. Er entschied sich, seine Meinung öffentlich zu machen und nutzte hierfür die im Sommer und Herbst 1961 stattfindende Diskussion über den Entwurf des KPdSU-Parteiprogramms: „In meiner Seele war ein Durcheinander entstanden. Es fiel mir schwer, die Heuchelei der Regierenden schweigend zu ertragen, obwohl mir gleichzeitig bewusst war, dass ein Aufbegehren mich den vollständigen Verlust meiner stabilen und zufriedenstellenden Verhältnisse kosten würde [...]. Immer heftiger bedrängte mich der bereits seit Langem bestehende Gedanke: Ich darf nicht schweigen.“ Am 7. September 1961 trat Grigorenko auf der Regionalkonferenz der Partei in Moskau mit folgendem Appell auf: „Es ist Nachdruck auf die Demokratisierung von Wahlen und auf die Rotation der Kader zu legen, auf Verantwortung gegenüber den Wählern. Alle Umstände müssen beseitigt werden, die Verstöße gegen leninistische Normen und Prinzipien darstellen, insbesondere die hohen Gehälter und die Unantastbarkeit der Ämter.“ Auf Anordnung des ZK der KPdSU wurde ihm daraufhin wegen „politischer Unreife“ das Mandat als Delegierter entzogen. Kurze Zeit später durfte er keine Vorlesungen an der Akademie mehr halten, er wurde mit einer harten Parteistrafe belegt und in den Armeebezirk Fernost strafversetzt. In Ussurijsk im äußersten Südosten der Sowjetunion kam er zu der Überzeugung, dass er gegen die Führung der KPdSU vorgehen müsse. Er begann ein kritisches Pamphlet zu schreiben und schickte es an eine Zeitung. Im Herbst 1963, als er im Urlaub in Moskau war, organisierte er eine Gruppe in der Untergrundbewegung für den Kampf um die Wiedergeburt des Leninismus, der sich seine Söhne und einige von deren Freunden – Studenten und Offiziere – anschlossen. Er verfasste sieben Flugblätter, die in Moskau, Wladimir, Kaluga und unter den Soldaten der Armeebezirke Leningrad und Mittelasien verbreitet wurden, einige davon in einer Auflage von bis zu 100 Exemplaren. Die Flugblätter kritisierten die Bürokratisierung des Staates, die repressive Politik gegenüber den Arbeitern, die bei der Niederschlagung von Protesten in Nowotscherkassk, Temirtau und Tiflis zum Tragen gekommen war, sowie die Lebensmittelkrise im Land. Am 1. Februar 1964 wurde Grigorenko auf dem Flughafen von Chabarowsk vom KGB festgenommen, nach Moskau gebracht und dort in einem KGB-Gefängnis inhaftiert. Beim ersten Verhör lehnte er den Vorschlag des KGB-Vorsitzenden Wladimir Semitschastny ab, Selbstkritik zu üben und so Verhaftung und Gerichtsverfahren zu entgehen. Grigorenko wurde nach *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR angeklagt und zur gerichtspsychiatrischen Begutachtung ins *Serbski-Institut überstellt. Das Gutachten vom 19. April 1964 stellte seine vermeintliche Unzurechnungsfähigkeit fest und diagnostizierte eine „paranoide Persönlichkeitsentwicklung, die mit psychopathischen Charaktereigenschaften einhergeht“. Nach Grigorenkos Meinung wurde die Entscheidung, ihn für verrückt zu erklären, direkt vom Politbüro getroffen. Anderen Mitgliedern seiner Untergrundorganisation wurde im Ermittlungsverfahren vorgeworfen, „sich unter dem Einfluss eines Geisteskranken zu befinden“ und sie selbst außergerichtlichen Repressionen ausgesetzt. Am 17. Juli 1964 wurde Grigorenko auf Beschluss des Obersten Militärgerichtes der UdSSR zur Zwangsbehandlung in ein *psychiatrisches Krankenhaus besonderen Typs in Leningrad eingewiesen und am 29. August per Ministerratsbeschluss auf den Rang eines einfachen Soldaten degradiert. Dies ließ erkennen, dass die Machthaber ihn nicht als psychisch Kranken, sondern als politischen Verbrecher behandelten. Während seiner Inhaftierung lernte er Alexei Dobrowolski kennen, der wegen konspirativer Tätigkeiten verurteilt worden war. Kurz nach der Entmachtung Nikita Chruschtschows, der das hauptsächliche Ziel von Grigorenkos Kritik gewesen war, wurde er am 22. April 1965 als „geheilt“ aus dem Krankenhaus entlassen. Er arbeitete fortan als Wächter, Touristenführer, Belader und Meister in einer Baufirma. Im Frühjahr 1966 machte ihn Alexej Dobrowolski mit Wladimir Bukowski bekannt, über den er in Moskauer Kreise von unabhängig denkenden Menschen gelangte. Grigorenko freundete sich mit dem Altbolschewiken Sergei Pisarew an, der erstmals das System der Strafpsychiatrie in der UdSSR offenlegte, sowie mit dem Schriftsteller Alexei Kosterin. Grigorenko erhielt von ihnen unabhängige Publikationen und schloss sich, nachdem er von den stalinistischen Repressionen gegen kleinere Völker erfahren hatte, dem Kampf der Krim-Tataren um die Rückkehr in ihre historische Heimat an. Im Herbst 1967 schrieb er die historisch-publizistische Streitschrift „Das Verschweigen der historischen Wahrheit ist ein Verbrechen am Volk“ (Sokrytie istoričeskoj pravdy – prestuplenie pered narodom), in der er eine detaillierte Analyse der Ursachen für die Niederlagen der Roten Armee in der Anfangsphase des Zweiten Weltkrieges entwickelte und mit Stalin und den ihm unterstellten Militärführerern die direkten Schuldigen benannte. Grigorenkos Schrift wurde im Samisdat verbreitet, verschaffte ihm als Autor Popularität und machte ihn zu einer wichtigen Figur in der aufkommenden Dissidentenbewegung. 1967/68 war Grigorenko Mitinitiator und aktiver Teilnehmer an einer Kampagne, in der Petitionen für die Angeklagten im *Prozess der Vier verfasst wurden. Er trat auch für die Verteidigung von Anatoli Martschenko, Irina Belogrodskaja und anderer ein. Gemeinsam mit Alexei Kosterin schrieb er im Februar 1968 einen *Brief an das Präsidium des Beratungstreffens der kommunistischen und Arbeiterparteien in Budapest mit der Bitte, ihnen beiden als Vertreter der „kommunistischen Opposition“ in der Sowjetunion Rederecht einzuräumen. Nachdem ihr Schreiben ohne Antwort geblieben war, richteten sie einen Appell an die Kommunisten der Sowjetunion und anderer Länder, in dem sie den Stalinismus als „tödliche Krankheit des Kommunismus“ brandmarkten. In der Zeit des *Prager Frühlings unterstützte Grigorenko den demokratischen Wandel in der Tschechoslowakei, war einer der Verfasser eines offenen Briefes an die Mitglieder der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei und an das tschechoslowakische Volk, in dem er diesen zu den Veränderungen in ihrem Land gratulierte. Er schrieb auch einen persönlichen Brief an den tschechoslowakischen Parteichef Alexander Dubček mit Ratschlägen zur Verteidigung seines Landes für den Fall einer sowjetischen Invasion. Diesen Brief übermittelte er an die Botschaft der Tschechoslowakei in Moskau. Grigorenko setzte sich außerdem für die Teilnehmer der *Demonstration der Sieben ein und forderte die Sowjetbürger auf, einen Rückzug der Truppen aus der Tschechoslowakei zu verlangen. Ende 1968 schrieb Grigorenko den Aufsatz „Über psychiatrische Spezialkliniken (Irrenanstalten)“ (O special’nych psichiatričeskich bol’nicach/durdomach), der in das Buch „Mittag“ (Polden‘) von Natalia Gorbanewska aufgenommen wurde: „Die Struktur der Irrenhäuser, die völlige Rechtlosigkeit und das Fehlen einer realen Perspektive, die Freiheit wiederzuerlangen – auf diese furchtbaren Tatsachen trifft jeder, der in eine psychiatrische Spezialklinik eingewiesen wird. Wir müssen für eine vollständige Änderung des Begutachtungssystems und der Einsperrung von Patienten in psychiatrische Kliniken kämpfen, sowie darum, eine tatsächliche gesellschaftliche Kontrolle über die Bedingungen von Unterbringung und Behandlung der Patienten in diesen Krankenhäusern zu erreichen.“Ab 1968 initiierte Grigorenko Diskussionen über die Notwendigkeit, der entstehenden Dissidentenbewegung organisatorische Formen zu geben. Er war glühender Verfechter der Gründung eines Menschenrechtskomitees. Diese Idee wurde, nachdem er bereits verhaftet worden war, mit der Einberufung der *Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR umgesetzt. Den Krimtataren half Grigorenko oftmals, er wurde ihr informeller Anführer im Kampf um die Rückkehr auf die Krim. Bei einem Bankett, das von krimtatarischen Vertretern in einem Moskauer Hotel zum 72. Geburtstag von Alexei Kosterin gegeben wurde, sagte Grigorenko: „Hört auf zu bitten! Nehmt das zurück, was euch dem Recht nach zusteht und was euch widerrechtlich genommen wurde!“ Am 17. Mai 1968 nahm er an einer Demonstration der Krimtataren vor dem Gebäude des Zentralkomitees der KPdSU teil und forderte, ihn zusammen mit den Tataren zu verhaften. Im Sommer 1968 stellte er Informationen über Verstöße gegen die Rechte der Krimtataren, die versuchten, von ihren Verbannungsorten auf die Krim zurückzukehren, für westliche Korrespondenten zusammen. Grigorenko war Organisator der Trauerfeier für Alexei Kosterin, die eine eindrucksvolle erste Demonstration der Moskauer Opposition war. Grigorenko hielt die Trauerrede, die er mit folgenden Worten beendete: „Die Freiheit wird kommen! Die Demokratie wird kommen! Deine Asche wird auf der Krim ruhen!“ Grigorenko erstellte anschließend an der Zensur vorbei den Sammelband „Zum Gedenken an A. J. Kosterin“ (Pamiati A. J. Kosterina), der im November 1968 herauskam, und schrieb einen Aufsatz, der die Fälschung der Zahl der Toten bei der *Deportation der Krimtataren 1944 durch sowjetische Behörden kritisierte. Die sowjetischen Behörden versuchten, Grigorenkos Kontakte zur Bewegung der Krimtataren zu unterbinden: Am 19. November 1968 wurde auf Befehl der usbekischen Staatsanwaltschaft in seiner Moskauer Wohnung eine mehrstündige Hausdurchsuchung durchgeführt, wobei sein gesamtes Archiv konfisziert wurde. Auf Bitten von Krimtataren begann er im Frühjahr 1969, sich auf die Rolle als Bürgervertreter im Prozess gegen die Teilnehmer an den *Ereignissen in Chirchiq (Usbekistan) vorzubereiten. Trotz Drohungen des KGB flog er mit der vorbereiteten Verteidigungsrede „Wer sind hier die Verbrecher?“ (Kto že prestupniki?) nach Taschkent, der Hauptstadt der Usbekischen SSR. Dort wurde Grigorenko am 7. Mai 1969 verhaftet, bis Oktober desselben Jahres in Untersuchungshaft des usbekischen KGB festgehalten und nach Paragraf 1 des *Artikels 70 Strafgesetzbuch der RSFSR angeklagt. Vom 13. bis 28. Juni trat er aus Protest gegen seine rechtswidrige Verhaftung in den Hungerstreik, worauf hin man ihn zwangsernährte, schlug und erniedrigte. Seine Tagebucheintragungen über diese Zeit, das aus dem Gefängnis geschmuggelt werden konnte, wurde in der *„Chronik der laufenden Ereignisse“ veröffentlicht. Ein in Taschkent erstelltes gerichtspsychiatrisches Gutachten stellte fest, dass Grigorenko zurechnungsfähig sei. Diese Entscheidung stellte die Behörden nicht zufrieden, woraufhin er im Oktober 1969 nach Moskau gebracht wurde, wo Psychiater des *Serbski-Instituts das Taschkenter Gutachten als fehlerhaft einstuften. Am 4. Dezember wurde er wieder zurück nach Usbekistan gebracht, wo der Prozess stattfinden sollte. Das Stadtgericht von Taschkent wies ihn am 27. Februar 1970 zur Zwangsbehandlung in ein *psychiatrisches Krankenhaus besonderen Typs in Tschernjachowsk (Region Kaliningrad) ein. Mit Grigorenkos Verhaftung begann innerhalb und außerhalb der Sowjetunion eine lebhafte Kampagne zu seiner Freilassung. Die Krimtataren protestierten vor dem Gefängnis in Taschkent. Auch auf einer krimtatarischen Demonstration am 6. Juni 1969 auf dem Majakowski-Platz in Moskau wurde seine Freilassung gefordert. Hunderte unterzeichneten eine entsprechende Petitionen und im Samisdat erschienen zwei wichtige Aufsätze: „Licht im Fenster“ (Svet v okonce) von Anatoli Lewitin-Krasnow und „Zur Verhaftung General Grigorenkos“ (K arestu generala Grigorenko) von Boris Zukerman. Zwei Studenten aus Skandinavien ketteten sich am 6. Oktober 1969 im Moskauer Warenhaus GUM an ein Geländer an und verteilten Flugblätter zur Verteidigung von Grigorenko. In Moskau und Leningrad fanden im Januar 1970 ähnliche Aktionen von norwegischen, italienischen und belgischen Menschenrechtsaktivisten statt. Mit der Verteidigung von Grigorenko begann auch <a href="laender/russland/biografien/andrei-sacharow/" class="internal-link">Andrei Sacharow</a>, regelmäßig für die Menschenrechte einzutreten. Im Samisdat wurde die anonyme Publikation „Externes psychiatrisches Gutachten in der Sache Grigorenko“ (Psichiatričeskaja zaočnaja ėkspertiza po delu Grigorenko) verbreitet; später bekannte sich Simon Glusman dazu, sie verfasst zu haben. Als Wladimir Bukowski 1971 eine Kopie der Schlussfolgerungen aus gerichtspsychiatrischen Gutachten über Grigorenko und andere Dissidenten, die für unzurechnungsfähig erklärt worden waren, in den Westen schmuggelte, begannen westliche Mediziner, Druck auf sowjetische Psychiater auszuüben. In Amsterdam erschien 1973 eine Auswahl von Grigorenkos Texten unter dem Titel „Gedanken eines Verrückten“ (Mysli sumasšedšego), zu denen auch seine Gefängnistagebücher gehörten. Das Buch wurde im gleichen Jahr in England verfilmt. Am 19. September 1973 wurde Grigorenko in ein *psychiatrisches Krankenhaus allgemeinen Typs in der Nähe von Moskau verlegt. Am 24. Juni 1974 entschied das Moskauer Stadtgericht am Vortag des Staatsbesuches von US-Präsident Richard Nixon, seine Zwangsbehandlung einzustellen. Kurz nach seiner Freilassung nahm Grigorenko seine dissidentischen Aktivitäten wieder auf. Er setzte sich für Mustafa Dschemiljew ein und unterschrieb eine Erklärung gegen die Pressekampagne gegen Andrei Sacharow, nachdem diesem der Friedensnobelpreis verliehen worden war. Grigorenko unterzeichnete den „Offenen Appell“ an die Delegierten und Gäste des XXV. Parteitags der KPdSU, der in der Sowjetunion und den anderen Ländern Osteuropas eine allgemeine Amnestie für politische Häftlinge forderte. Im Sommer 1977 unterschrieb er einen Brief an das Politbüro und kritisierte darin, dass die geplante Verfassungsänderung die Macht der kommunistischen Partei weiter ausweite. Zu dieser Frage gründete er das unabhängige Bulletin „Rund um den Verfassungsentwurf der UdSSR“ (Vokrug Projekta Konstitucii). Grigorenko war Gründungsmitglied der *Moskauer Helsinki-Gruppe, unterschrieb die meisten ihrer 1976/77 entstandenen Dokumente und war einer der Initiatoren der *Arbeitskommission zur Erforschung des Einsatzes der Psychiatrie zu politischen Zwecken bei der *Moskauer Helsinki-Gruppe. An der Gründung der *Ukrainischen Helsinki-Gruppe beteiligte er sich ebenfalls als Gründungsmitglied. Er setzte sich für verhaftete Mitglieder der Helsinki-Gruppe ein, darunter Alexander Ginsburg, Juri Orlow, Anatoli Schtscharanski, Wladimir Slepak, Nikolai Rudenko, Alexei Tychy und Swiad Gamsachurdia. Im Februar 1977 gab er die Broschüre „Unser Alltag“ (Naši budni) heraus, die die Bekämpfung der Helsinki-Bewegung durch den KGB thematisierte. Er führte außerdem den Kampf für die Rechte der Krimtataren fort und setzte durch, dass die *Moskauer Helsinki-Gruppe eine Erklärung verabschiedete, die mit den Worten „Die Diskriminierung der Krimtataren dauert an“ begann. Am 5. Dezember 1976 nahm Grigorenko an der regelmäßigen Demonstration von Menschenrechtsaktivisten auf dem Moskauer Puschkin-Platz teil (siehe *Glasnost-Kundgebung) und hielt dort eine kurze Ansprache, in der er sagte: „Ich danke allen, die hierher gekommen sind, um an Millionen unschuldig getöteter Menschen zu erinnern! Ich danke euch auch dafür, dass ihr mit eurer Anwesenheit die Solidarität mit Gewissenshäftlingen zum Ausdruck bringt!“Im November 1977 erhielt Grigorenko die Ausreisegenehmigung in die USA für eine halbjährliche medizinische Behandlung. Während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten enthielt er sich politischer Auftritte, trotzdem wurde ihm vom Präsidium des Obersten Sowjets am 13. Februar 1978 die sowjetische Staatsbürgerschaft wegen angeblicher „Handlungen, die eines Sowjetbürgers unwürdig sind“, entzogen. Auf einer daraufhin in New York einberufenen Pressekonferenz äußerte Grigorenko, dass dies der schmerzhafteste Tag seines Lebens sei: „Man hat mir das Recht genommen, in meiner Heimat zu sterben.“ Auf eigenen Wunsch unterzog sich Grigorenko 1978 in den USA einer psychiatrischen Begutachtung. Anzeichen für eine psychische Erkrankung wurden nicht gefunden: „Alle Eigenschaften seiner Persönlichkeit wurden von den sowjetischen Diagnostikern verzerrt. Dort, wo sie Zwangsvorstellungen diagnostizierten, haben wir Beharrlichkeit gefunden. Dort, wo sie Wahnvorstellungen feststellten, haben wir einen gesunden Menschenverstand gesehen. Wo sie Unbesonnenheit fanden, stellten wir eine konsequente Entschlossenheit fest. Was sie als pathologisch bewerteten, ist Ausdruck seiner seelischen Gesundheit.“ Grigorenko war fortan Vertreter der *Ukrainischen Helsinki-Gruppe im Ausland. Im Exil verlor er endgültig seine kommunistischen Überzeugungen, wurde Mitglied der ukrainischen Exilgesellschaft in den USA und bekannte sich zum orthodoxen Glauben. Pjotr Grigorenko starb 1987 in New York. Er wurde auf dem ukrainischen Friedhof in Bound Brook, New Jersey, beigesetzt. Im November 1991 kam eine medizinische Kommission der Obersten Militärstaatsanwaltschaft nach erneuter Auswertung von Grigorenkos Akten zu dem Schluss, dass er gesund war. Nach dem Ende der Sowjetunion verlieh ihm der Präsident der Russischen Föderation 1993 posthum wieder den Dienstgrad eines Generalmajors. Nach Grigorenko sind eine Allee in Kiew und Straßen in verschiedenen Orten auf der Krim benannt.Dmitrij Zubariew, Giennadij Kuzowkin Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Sonja Stankowski Letzte Aktualisierung: 03/16

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Grimmer, Gerhard

* 6.4.1943

Geb. in Katharinaberg (Krs. Brüx, ČSR/Hora Svaté Kateřiny, Tschechien); Grundschule in Seligenthal; begann 1955 als Fußballer u. Skisportler bei der BSG Stahl Seligenthal, Kreismstr. Viererkombination; Lehre als Maschinenschlosser in Schmalkalden; 1961 NVA (Gotha), Wechsel zum ASK Vorwärts Oberhof (Trainer Horst Wagner); 1966 SED; dreimal Teiln. an Olymp. Winterspielen, 1968 7. Platz 4 x 10 km, 1972 6. Platz 4 x 10 km, 1976 5. Platz 50 km; 1970 Vize-WM 30 km, 4 x 10 km u. Bronze 50 km; 1974 WM über 50 km u. 4 x 10 km, Vize-WM 16 km; weitere Siege: 1970 u. 1971 Holmenkollenrennen 50 km, 1971 Internat. Skiwettbewerbe Sapporo 30 km, 1973 Oberhofer Skispiele 15 km, 1974 Tatra-Pokal 30 km; 1974 Wasa-Lauf 85 km (2. Platz); Fernstudium der Ökon. für Allgem. Maschinenbau, Ing.-Ökon.; 1977 – 80 Studium an der Militärpolit. HS der NVA; 1981 – 90 Ltr. des ASK Vorwärts Oberhof, Abschied als Oberst; 1974 – 84 Mitgl. des Präs. des DTSB-Bundesvorst.; 1985 Techn. Deleg. des Internat. Skiverb. zur WM in Seefeld. 1990/91 arbeitslos; 1990 – 95 Präs. des Thür. Skiverb.; 1991 – 2003 Referent Leistungssport beim Landessportbund Thüringen; lebt in Seligenthal.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grobis, Paul

* 3.6.1894 – ✝ 26.11.1943

Geboren am 3. Juni 1894 in Neudörfel/Böhmen; wuchs in Berlin-Wedding auf und lernte Schlosser. Soldat im Weltkrieg. Danach Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel er 1920 zur KPD ging. Er war dann seit 1923 im hauptamtlichen Parteiapparat. Nachdem die Linken die Parteiführung übernommen hatten, kam Grobis als Ruth-Fischer-Anhänger am Mai 1924 nach Hannover, Orgleiter im Bezirk Niedersachsen. Im Oktober 1924 kurze Zeit inhaftiert. Während der Auseinandersetzungen mit den Ultralinken in Niedersachsen ( Iwan Katz, Theodor Gohr usw.) war Grobis Anhänger der Fischer-Zentrale. Nach dem »Offenen Brief« schwenkte er zur Thälmann-Führung über. 1926 aus Hannover abberufen, war er einige Zeit in Berlin, dann Parteisekretär in Frankfurt/Oder und Berlin-Brandenburg-Ost. 1928 Abgeordneter des Preußischen Landtags, dem er bis 1932 angehörte. Ab Februar 1930 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. 1931 wurde er als Nachfolger Hermann Schuberts Polleiter des Bezirks Ostpreußen, Mitte 1932 kam er zurück in den zentralen Parteiapparat. Nach dem Verbot der KPD arbeitete Grobis noch einige Monate illegal im Verbindungsapparat, wodurch sich seine Kenntnisse der KPD-Organisation erweiterten. 1934 von Werner Kraus denunziert und von der Gestapo verhaftet. Im Gefängnis wurde er von Kraus »bearbeitet« und trat schließlich in den Dienst der Gestapo, die mit seiner Hilfe vor allem in Ostpreußen dann viele KPD-Funktionäre festnehmen konnte. Im Zweiten Weltkrieg Soldat, fiel Paul Grobis am 26.November 1943 an der Ostfront.

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Grohe, Marlis

* 2.7.1940 – ✝ 11.11.1990

Geb. in Erfurt; 1947 – 55 Volksschule; Ausbildung zur Bibliothekshelferin; ab 1950 aktiver Schwimmsport beim SC Turbine Erfurt, Spezialdisz.: Brustschwimmen; 1955 DDR-Mstr. über 200 m; DDR-Rekorde über 100 m u. 200 m; 1956 aus gesundheitl. Gründen leistungssportl. Laufbahn beendet; 1957 – 59 Arbeit als Kontoristin; 1959 – 62 Fernstudium an einer FS für Trainer; 1959 – 81 Schwimmtrainerin; 1973/74 Cheftrainerin beim SC Turbine Erfurt; trainierte u. a. den vierfachen Olympiasieger  Roland Matthes; 1974 – 76 Fernstudium, Dipl.-Sportlehrerin; 1978 Prom. zum Dr. paed. an der DHfK Leipzig; 1981 – 84 Sichtungstrainerin beim DTSB-BV Erfurt; 1984 – 87 erneut Cheftrainerin; 1987 invalidisiert.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Gronau, Heinz

* 1.1.1912 – ✝ 28.10.1977

Geb. in Leipzig; Vater Buchdrucker; Volksschule; 1926 – 30 Ausbildung zum Dentalmechaniker, dann arbeitslos; 1930 KPD; bis 1933 Mitgl. der KJVD-BL Sachsen; 1933 viermal vorübergehend verhaftet; 1934/35 Hilfsarb.; 1935 erneut verhaftet, wegen Hochverrats zu 30 Mon. Zuchthaus verurteilt, verbüßt bis 1938 in Zwickau, dann KZ Buchenwald, hier Mitgl. der illeg. Partei- u. der Internat. Militärorg., 11.4.1945 an der Selbstbefreiung der Häftlinge beteiligt. 1945/46 Personalltr. des Sozial- u. Jugendamts der Stadt Leipzig; 1946 Einstellung bei der Polizei, Ltr. des Krs.-Polizeiamts Rochlitz bzw. Großenhain, dann stellv. Chef der Landesbehörde Sachsen in Dresden; 1949/50 Speziallehrgang für Panzer am Militärinst. Moskau; 1950 Einstellung beim MfS; Ltr. der HA I (Abwehr in den VP-Bereitschaften); 1953 Kdr. der Grenzbereitschaft Blumberg; dann Stabschef der HV Dt. Grenzpolizei; 1957 Ltr. der Abt. Grenzdienst, dann Stellv. des Stabschefs beim Kdo. der Dt. Grenzpolizei; 1958 – 62 Besuch der Grenztruppen-Fak. der HS des KGB, Dipl. rer. mil.; 1962 – 72 Beauftr. des MfS, dann Kdr. des Wachregt. des MfS (ab 1967: »Feliks Dzierżyński«); 1966 Gen.-Major; 1971 VVO; 1972 Ruhestand.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gropper, Roberta

* 16.8.1897 – ✝ 1.2.1993

Geboren am 16. August 1897 in Memmingen, Tochter eines Webers; 1905 Umzug nach Ulm, dort von 1911 bis 1924 Arbeiterin in einer Zigarettenfabrik. 1915 schloß sie sich der Arbeiterjugend an und wurde 1918 Mitglied der Gewerkschaft, im Januar 1919 gehörte sie zu den Mitbegründern der Ulmer KPD. 1924 zunächst Kassiererin, wurde sie 1925 Frauenleiterin der BL Württemberg in Stuttgart. Hier lernte sie ihren späteren Mann, den Chefredakteur der »Arbeiterzeitung«, Paul Langner kennen. 1927 war sie Delegierte Württembergs auf dem XI. Parteitag in Essen. Ende 1927 folgte sie ihrem Mann nach Mannheim, wo sie als Stenotypistin in der KPD-BL Pfalz arbeitete und Frauenleiterin war. Von Herbst 1928 bis Frühjahr 1929 mit Langner im Bezirk Oberschlesien in Gleiwitz tätig. Ab Juni 1929 Stenotypistin in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin bzw. in der Informationsabteilung des ZK der KPD. Im Sommer 1930 wurde sie Leiterin der Frauenabteilung der BL Berlin-Brandenburg, danach bis Juni 1932 der Frauenabteilung des ZK der KPD. Wegen ihrer Zugehörigkeit zur Neumann-Remmele-Gruppe abgesetzt, dann Instrukteurin des ZK. Roberta Gropper wurde im September 1930 im Wahlkreis Berlin als Abgeordnete in den Reichstag gewählt, dem sie bis Juli 1932 angehörte. Nach illegaler Arbeit emigrierte sie im Mai 1934 unter dem Decknamen Paula Brenner nach Paris, über Kopenhagen und Stockholm kam sie Ende Februar 1935 in die Sowjetunion, bei der IAH in Moskau beschäftigt. Im Mai 1935 starb ihr Mann Paul Langner, und sie war zunächst ohne Funktion, dann Redakteurin in der VAA. Im November 1937 wurde Roberta Gropper vom NKWD verhaftet und zu dreieinhalb Jahren Lager verurteilt, wegen Zugehörigkeit zu einer »antisowjetischen Gruppierung« (Neumann-Remmele-Gruppe). Margarete Buber-Neumann, die mit Roberta Gropper u. a. deutschen Frauen im berüchtigten Moskauer NKWD-Gefängnis Butyrka inhaftiert war, schilderte in ihrem Buch »Als Gefangene bei Stalin und Hitler« eine beklemmende Szene. Auf die Frage von Roberta Gropper, ob Buber-Neumann nach der Entlassung über das in der Sowjetunion Geschehene im Ausland berichten würde, und sie antwortete, »daß das unsere Pflicht sei«, sagte Gropper: »Um Gottes willen, tue das nicht! Du darfst den Arbeitern nicht ihre Illusionen, nicht ihre Hoffnung rauben!« Nach ihrer Freilassung war Roberta Gropper Korrektorin an der »Roten Fahne« in der Autonomen Republik der Wolgadeutschen. Im September 1941 verbannt, überlebte sie in Sibirien als Hausangestellte und Schneiderin. 1947 konnte Roberta Gropper nach Berlin zurückkehren, wurde Mitglied der SED und zunächst Instrukteurin der Frauenabteilung des PV, anschließend bis 1949 Frauensekretärin der SED Groß-Berlin, dann von 1949 bis 1952 Vorsitzende des DFD Berlin und ab 1952 Direktorin der Sozialversicherung von Ost-Berlin, sie erhielt 1977 den Karl-Marx-Orden. Ihre Zeit im Gulag in der Sowjetunion wurde wie bei allen Überlebenden in der DDR verschwiegen, auch im Gropper-Porträt der Ost-Berliner Autorin Luise Dornemann von 1981. Roberta Gropper starb am 1. Februar 1993 in Berlin.

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Groß, Ricco

* 22.8.1970

Geb. in Schlema (Erzgeb.); 1977 POS Bockau, 1978 POS Schwarzenberg, begann 1982 bei SG Dynamo Schwarzenberg mit Biathlon; 1983 KJS Altenberg bzw. SG Dynamo Zinnwald (Trainer Klaus Siebert); sechsmal DDR-Jugendmstr.; Junioren-WM: 1989: Team (Gold), Staffel (Bronze); 1990: Staffel (Gold); 1991 Bundeswehr (später Hauptfeldwebel), Wechsel zum SC Ruhpolding (Trainer Fritz Fischer); acht Olympiamedaillen: viermal Gold: Staffel (1992, 1994, 1998, 2006); dreimal Silber: Sprint (1992, 1994), Staffel (2002); einmal Bronze: Verfolgung (2002); neunmal WM: fünfmal Staffel (1991, 1995, 1997, 2003, 2004); dreimal Verfolgungsrennen (1999, 2003, 2004); einmal 20 km (1997); je vier WM-Silber- u. Bronzemedaillen; Gesamt-Weltcup Zweiter (1997/98), zweimal Dritter (2002/03, 2003/04); 1992 Silbernes Lorbeerblatt; Rücktritt 2007 u. Trainerausbildung Trainerakademie Köln; seit 2007/08 ARD-Experte Biathlon; lebt in Ruhpolding.Volker Kluge

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Große, Lea

* 12.5.1906 – ✝ 10.6.1997

Geb. in Tschenstochau (Russisch Polen / Częstochowa, Polen) in einer jüd.-orthodoxen Fam.; Vater Gerber u. Lederhändler; bis 1914 in Leipzig aufgew., zivilinterniert; Volksschule in Chemnitz, 1918 Realschule (mit Staatsstipendium); 1922 – 26 gymnast. Unterricht, später Balettunterricht u. Ausbildung als orthopäd. Gymnastiklehrerin in Chemnitz u. Leipzig; Arbeit in versch. Textilfabriken; 1925/26 Mitgl. des jüd. Wanderbundes Blau-Weiß; 1927 Austritt aus der Jüd. Gemeinde u. Mitgl. des KJVD; 1928 Mitgl. der erw. KJVD-BL Halle-Merseburg; 1929 Mitarb. des KJVD-UB Berlin-Osten; 1929 Mitgl. der KPD; 1929 in Wolfen verhaftet, Ausweisung aus u. Arbeitsverbot in Preußen; 1930 nach Moskau; 1930 – 32 Mitgl. der KPdSU; 1930 – 33 hauptamtl. Mitarb. der KJI in Moskau (»Gottfeld«), Ltr. des vertraul. Archivs; später Mitarb. im Westeurop. Büro; März 1933 Instrukteurin des ZK des KJVD in Berlin; Mitgl. der ersten illeg. kommunist. u. kath. Gruppe in Düsseldorf; anschl. illeg. pol. Arbeit in Berlin, Niederlande, Belgien u. Frankreich; Kurierdienste; Aug. 1934 in Düsseldorf verhaftet, 19 Mon. U-Haft in Düsseldorf u. Berlin; 1936 wg. »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Haft verurteilt; 1936 – 38 Einzelhaft im Zuchthaus Jauer (Schles.); nach Polen (Chorzow) ausgewiesen; arbeitslos, Fabrikarb. u. Hauslehrerin in Radom bzw. Kattowitz (Polen); 1939 n. Lwow (UdSSR); kurzz. Reinemachefrau u. Apothekenhelferin im Hauptlazarett des NKWD; 1940 – 42 Mitarb. der KJI in Moskau; ab 1941 Red. des Jugendsenders Sturmvogel, der kurzz. nach Ufa evakuiert worden war; 1944 Sendeltr. am Sender Freies Dtl. in Moskau; Mitarb. d. Arbeitsgr. f. Jugendfragen beim PB d. ZK d. KPD in Moskau. Nov. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Nov. 1945 Red. im Mitteldt. Rundfunk, Landessender Dresden; 1946 Medaille für heldenmütige Arbeit im Großen Vaterländ. Krieg der UdSSR; Chefred. des Landessenders Dresden; 1949 – 53 in Prag; 1953 – 55 Kaderltr. des DEFA-Spielfilmstudios; 1955 Dramaturgin; 1956 PHS; danach erneut Dramaturgin; Sept. 1960 – Mai 1966 Chefred. am Dt. Soldatensender 935 (dieser Sender richtete sich an Bundeswehrsoldaten) bzw. Chefred. der 9. Abt. der Pol. Verw. des Min. für Nat. Verteidigung (zus. mit  Erhard Reichardt); 1964 Verdienstmedaille der NVA; 1976 VVO; 1981 Ehrenspange zum VVO; 1986 KMO. 1990 PDS; Rentnerin; verh. mit  Fritz Große; gest. in Berlin.Fritz der Rotgardist. Berlin 1971; Eine Inventur. Autobiogr. Berlin 1982. Mählert, U.: Kein Leben aus dem Geschichtsbuch. In: »Berliner Ztg.« vom 10.5.1996.Bernd-Rainer Barth

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Großmann, Ernst

* 11.8.1911 – ✝ 21.2.1997

Geb. in Mohren (Krs. Hohenelbe, Nordböhmen/Javornik, Tschechien); Vater Landwirt; Volks- u. Bürgerschule; Ausbildung zum Molkereigehilfen; ab 1928 beschäftigt in der Molkereigenossenschaft Rokitnitz (ČSR); zwischenzeitl. 1931 – 33 Dienst im tschechoslowak. Heer; 1938 Sudetendt. Freikorps, SS, NSDAP, ab 1944 Angehöriger der 5. SS-Totenkopf-Standarte, 1944 SS-Unterscharführer. 1945 Zwangsumsiedl. der Familie in die SBZ; 1945/46 SPD/SED; VdgB, ab 1947 versch. VdgB-Funktionen; Neubauer in Merxleben (Krs. Langensalza, Thür.); 1950 Ausz. als Meisterbauer; Dez. 1950 beteiligt an der Bildung einer Liefergemeinschaft der Neubauern, die im Mai 1951 auf Druck der SED-Landesltg. als »verfrühte« LPG-Gründung aufgelöst wurde; Juni 1952 maßgebl. beteiligt an der Gründung der ersten LPG in der DDR u. bis 1965 Vors. der LPG »Walter Ulbricht« in Merxleben, deren Statut später als Grundlage für das Musterstatut der LPG Typ II diente; 1952 Kand. des ZK der SED; Mitgl. der SED-Delegation zum XIX. KPdSU-Parteitag; 1953 Held der Arbeit; 1954 – 59 Mitgl. des ZK der SED; zweijähriges Studium an der LPG-HS Meißen, Abschluß als Dipl.-Agronom; 1958 – 63 Abg. des Erfurter Bez.-Tags; nach Bekanntmachung der SS-Zugehörigkeit durch den U-Aussch. Freiheitl. Juristen in Berlin (West) im Juni 1959 strenge Rüge u. Ausschl. aus dem ZK der SED wegen »falscher Angaben über seine Vergangenheit«; 1965 – 82 Mitarb. der VdgB-Bäuerl. Handelsgenossenschaft Bad Langensalza; gest. in Bad Langensalza.Dok.-Film: Ernte in Merxleben (Regie: Erich Barthel) DEFA 1953; Schneider, A.: Erinnerungsbericht. In: Beiträge zur Geschichte Thür. Bd. III. Erfurt 1980; Schier, B.: Alltagsleben im »soz. Dorf«. Münster 2001; Joseph, D.: Nazis in der DDR. Berlin 2002.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Grell, Heinrich

* 3.2.1903 – ✝ 21.8.1974

Geb. in Lüdenscheid (Westf.); Vater Metzgermstr.; Gymnasium; 1922 – 27 Studium der Mathematik u. Naturwiss. an der Univ. Göttingen, 1926 Prom. bei Emmy Noether zur Idealtheorie; 1928 – 34 an der Univ. Jena, 1930 Habil. u. Doz.; 1934 Umhabilitierung an die Univ. Halle, dort im April 1935 verhaftet u. amtsenthoben; 1935 – 39 arbeitslos, Gelegenheitsarbeiten; 1939 – 44 Arbeitsgr.-Ltr. im Entw.-Büro der Messerschmitt-AG in Augsburg; 1944/45 Mathematiker beim Reichsforschungsrat Erlangen. 1947/48 Lehrtätigkeit an der Univ. Erlangen u. der HS Bamberg; Dez. 1948 Prof. mit Lehrauftrag an der HU Berlin, 1953 – 59 hier Fachrichtungsltr. für Mathematik; 1959 – 62 geschäftsf. Dir. am Inst. für reine Mathematik der DAW; 1962 Korr. u. 1964 Ord. Mitgl. der DAW; 1960 VVO; 1962 Mitbegr. u. stellv. Vors. der Mathemat. Ges.; 1964 – 72 stellv. Gen.-Sekr. der DAW; 1968 em.; gest. in Berlin. Internat. anerkannte Forschungen zur kommutativen Algebra u. Idealtheorie, Begründung einer Algebraiker-Schule in der DDR; Mitgestaltung der Mathematiklehrpläne u. -lehrbücher für die allgemeinbildende Schule; Ltg. einer Schüler-Arbeitsgemeinschaft in der Berliner Spezialschule »Heinrich Hertz«.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Grewe, Günther

* 7.8.1924

Geb. in Essen-Borbeck; Vater Grubenangest.; Mittelschule; 1939 – 41 Ausbildung zum Elektroinstallateur; 1942 – 45 Wehrmacht, OGfr. 1945 – 49 Elektroinstallateur; Geschäftsf. u. Prokurist; 1945 FDGB; 1946 CDU; 1948 Mitbegr. der Volkskongreßbew. in Thür.; Besuch der Landesschule für Nat. Pol. in Eisenach; 1949 DSF; 1949/50 Org.-Sekr. der NF in Altenburg; 1950 – 52 dort stellv. Landrat; 1952/ 53 stellv. Vors. des CDU-Bez.-Verb. Gera; 1953/54 stellv. OB von Gera; 1954 – 60 Vors. des CDU-Bez.-Verb. Gera u. Abg. des Bez.-Tags; Vors. der Ständ. Kommission für Handel u. Versorgung; stellv. Vors. des Bez.-Verb. Gera der DSF; ab 1954 Mitgl. des CDU-HV, 1960 – 89 in dessen Präs.; 1960 – 90 Mitgl. des Präs. u. des Sekr. des NR der NF, Ltr. der Arbeitsgemeinschaft »Christl. Krs.«; 1963 – März 1990 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Eingaben der Bürger; 1968 – 72 Präs. der Liga für Völkerfreundschaft der DDR; 1969 – 71 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; seit 1971 stellv. Vors. des Aussch. für Handel u. Versorgung; Vors. der Arbeitsgemeinschaft für Kirchenfragen beim HV der CDU; 1982 – 89 Vors. der Freundschaftsges. DDR – Norwegen; 1984 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Griesbach, Walter

* 7.5.1902 – ✝ 1943

Geboren am 7. Mai 1902 in Stettin, Sohn einer Arbeiterfamilie, wuchs im Kreis von acht Geschwistern in zerrütteten Familienverhältnissen auf; bis 1932 als Hofgänger in der Landwirtschaft sowie als ungelernter Arbeiter tätig. Seit 1919 war Griesbach gewerkschaftlich organisiert, er trat 1928 dem RFB und 1929 der KPD bei, war Vorsitzender des Erwerbslosenausschusses Güstrow. Von Oktober 1932 bis März 1933 in Moskau, war Griesbach unter dem Decknamen Hermann Kursant an einem militärpolitischen Lehrgang, später kehrte er illegal nach Deutschland zurück. Mit gefälschten Papieren auf den Namen Ernst Hamprecht lebte Griesbach in Berlin und wirkte als Kurier der illegalen Landesleitung für den Oberbezirk Süd-West. Er fuhr zur Anleitung nach Kassel, Frankfurt/M., Mannheim, Stuttgart und München und überbrachte gefälschte Pässe und Geldbeträge an illegal arbeitende Funktionäre. Zusammen mit Adolf Rembte, Max Maddalena, Robert Stamm und Käthe Lübeck am 27. März 1935 in Berlin verhaftet und vom 2. Senat des VGH am 4.Juni 1937 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Walter Griesbach starb 1943 im Zuchthaus Sonnenburg.

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Grimm, Johannes (Hans)

* 7.2.1910 – ✝ 1.4.1995

Geb. in Zwickau; Vater Angest.; 1917 – 26 Schulbesuch in Zwickau, anschl. Schlosserlehre u. Laborantenausbildung an der Ingenieurschule Zwickau, 1929 Abschluß als Chemotechniker; danach bis 1931 Betriebschemiker in der Taschenlampenfabrik Tabarz; externes Studium an der MLU Halle u. der Univ. Leipzig, dort 1932 Begabtenabitur; 1932 – 35 Studium der Biologie an der MLU Halle, ab 1936 an der Univ. Kiel, dort 1937 Dipl. u. 1938 Prom. mit der Arbeit »Schädelproportionen u. absolute Größe in der Primatenreihe«; ab 1937 Ass. am Anthropolog. Inst. der Univ. Breslau, zugl. Studium der Medizin, 1943 Staatsexamen u. Prom.; anschl. Truppenarzt; 1945 Internierung. 1945 – 47 Ass. an der Kinderklinik der MLU Halle; 1947 Jugendarzt beim Gesundheitsamt Halle, zugleich Lehrtätigkeit an der MLU, dort 1950 Habil. mit »Untersuchungen über die körperl. Entw. bei den Schilddrüsenvergrößerungen der jungen Mädchen« u. Berufung zum Doz. für Soziale Medizin; letztere nicht wahrgenommen, da 1951 als Doz. für Anthropol. u. Konstitutionsbiol. an die HU Berlin berufen; dort ab 1952 Prof. mit Lehrauftrag für das Fach Anthropol., 1955 kommissar. Dir. des Inst. für Anthropol., 1958 Lehrstuhlinhaber; 1951 – 59 zugl. Dir. des Inst. für Sozialhygiene an der Akad. für Sozialhygiene, Arbeitshygiene u. ärztl. Fortbildung in Berlin-Lichtenberg; 1969 Virchow Med.; Hrdlicka-Med. der Tschechoslowak. Anthropolog. Gesell.; 1975 em.; gest. in Berlin. G.s Forschungen waren grenzüberschreitend u. breitgefächert von der histor. Anthropol. über die Entwicklungs- u. Konstitutionsanthropol. bis zum Schulgesundheitswesen sowie der Ehe- u. Sexualberatung; gehörte zu den schulenbildenden Pionieren anthropolog. Forsch. in der DDR.Einführung in die Anthropologie. Jena 1961. H. Greil: Nachruf für H. G. In: Anthropologischer Anzeiger (1996) 54; H. Ullrich: Johannes (Hans) Grimm 1910 – 1995. In: Mitteilungen der Berliner Gesell. für Anthropologie, Ethnologie u. Urgeschichte (1995) 16.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Grimmer, Reginald Otto

* 1.5.1926 – ✝ 4.10.1994

Geb. in Leipzig; Vater Schlosser, Mutter Schneiderin; 1940 – 43 Ausbildung zum Dreher, im Beruf in Leipzig tätig; 1943 – 45 Truppführer, RAD; 1945 Arbeit als Schmelzer u. Schmied; sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1949 SED; VDJ; Sekr. der FDJ-KL Leipzig u. Vors. der Pionierorg. Leipzig; 1949 Ressortltr., Sekr. der FDJ-KL u. Vors. der Pionierorg. Leipzig; 1949/50 Sekr. für Agit.-Prop. der SED-KL Leipzig; 1950/51 Sektoren-Ltr. in der Abt. Agit. SED-LL Dresden; 1951/52 Instrukteur u. 1952 – 54 Sektorenltr. Rundfunk in der Abt. Agit. des ZK der SED; 1953 – 71 Mitgl. der Kommission für UNESCO-Arbeit der DDR; 1954/55 PHS der KPdSU in Moskau; 1955 – 62 stellv. Ltr. der Abt. Agit. des ZK der SED; 1962 – 81 Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB; 1962 – 68 1. Stellv. Vors. u. 1968 – 71 Vors. des Staatl. Komitees für Rundfunk (Nachf. von  Gerhart Eisler); 1967 Mitgl. des ZV des VDJ, Mitgl. des Präs.; 1968/69 maßgebl. beteiligt am Geheimsender Vltava in Berlin bzw. Wilsdruff (b. Dresden), der gegen den »Prager Frühling« Prop. u. Desinforma- tion betrieb; ab 1969 stellv. Vors. des VDJ; ab 1971 Abg. der Stadtverordnetenvers. Berlin; 1971 – 88 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Berlin (Nachf. von  Hans Modrow); 1979 VVO; Dez. 1988 aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; ab 1981 Mitgl. der ZRK der SED; 1989 »Parteiveteran«; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Grodotzki, Hans

* 4.4.1936

Geb. in Preußisch-Holland (Ostpr./Pasłęk, Polen); Mai 1945 Aussiedl. nach Menterode (Thür.); 1942 – 51 Grundschule; 1951 – 54 Lehre als Bergmann im VEB Kali-Werk Volkenroda; begann als Tischtennisspieler, ab 1952 Fußballspieler bei der BSG Aktivist Menterode; Wechsel zur Leichtathletik, 1955 beim SC Aktivist Brieske-Senftenberg, Rückkehr nach Menterode nach einem halben Jahr; 1956 KVP/NVA; 1956 – 58 beim ASK Vorwärts Erfurt (Trainer Erich Bock); 1956 DDR-Juniorenrekord 5.000 m (14:18,0); Herbst 1958 Wechsel zum ASK Vorwärts Berlin (Trainer Curt Eins); 1957 – 62 17 Länderkämpfe; 1960 Silber bei den Olymp. Spielen über 5.000 m u. 10.000 m; 1958 Sieger beim SATUS-Cross Genf, Bronze bei der SKDA-Spartakiade 10.000 m; 1959 DDR-Mstr. 5.000 m u. Sieger 3.000 m Kusociński-Memorial in Warschau; 1960 DDR-Mstr. im Waldlauf 7.500 m; 1960 u. 1961 2. Platz beim Silvesterlauf von São Paulo; 1959/60 dreimal DDR-Rekord 10.000 m (Bestleistung 1960 in Rom 28:37,0 min); 1960 VVO; 1962 Achillessehnenriß; 1964 Heirat mit der Turnerin Karin Jorcik; 1965 offz. Verabschiedung mit 800-m-Lauf in Menteroda; 1964 – 69 Studium an der PH Potsdam, Dipl.-Sportlehrer; 1969 – 81 Trainer bzw. Mitarb. beim ASK Vorwärts Potsdam; 1981 Abschied als Major; 1981 – 90 Zivilbeschäftigter. 1990 – 95 Angehöriger der Bundeswehr; 1991 Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis; seit 1995 Angest. bei Germania Flugring; 2000 Mitgl. des WSV Oberhof, Ehrenmitgl. des FC Rot-Weiß Erfurt, 2002 Mitgl. des FC Schalke 04; lebt in Potsdam.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Gröllmann, Jenny

* 5.2.1947 – ✝ 9.8.2006

Geb. in Hamburg; Vater Bühnenbildner, Mutter Theaterfotografin; 1949 Übersiedl. der Fam. nach Schwerin; 1953 – 55 Schulbesuch in Schwerin, 1955 – 63 in Dresden; zugl. 1961 Debüt in der Hauptrolle des Brecht-Stücks »Die Gesichte der Simone Machard« am Dresdner Theater; 1963 – 66 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin; 1966 – 92 Engagement am Maxim-Gorki-Theater Berlin, zunächst in kleineren Rollen; ab 1967 zunehmend Rollen auch in DEFA- u. vor allem Fernsehfilmen; nach dem Debüt im Episodenfilm »Geschichten jener Nacht«; bei der DEFA: 1968 in »Ich war neunzehn« (R:  Konrad Wolf), 1971 »Kennen Sie Urban« (R: Ingrid Reschke, auch Drehbuch zus. mit  Ulrich Plenzdorf), 1977 »Die Flucht« (R.:  Roland Gräf), 1981 »Dein unbekannter Bruder« (R.:  Ulrich Weiß), 1985 »Hälfte des Lebens« (R.: Herrmann Zschoche); im Fernsehen: Hauptrollen in mehreren Teilen von »Polizeiruf 110« (u. a. 1972 »Die Maske«, 1978 »Bonnys Blues«, 1983 »Die Spur des 13. Apostels«, 1984 »Draußen am See«, 1987 »Unheil aus der Flasche«, 1988 »Flüssige Waffe«) sowie in der TV-Reihe »Der Staatsanwalt hat das Wort« (1982 »Hoffnung für Anna« u. a.) u. in »Die Birke da oben« (1979), »Es geht einer vor die Hunde« (1983), in der Fontane-Verfilmung »Die Poggenpuhls« (1984); 1969 Geburt der Tochter Jeanne (Vater Thomas Goguel), 1973 Heirat mit dem Regisseur Michael Kann, 1984 – 90 verh. mit dem Schauspieler  Ulrich Mühe, 1985 Geburt der Tochter Anna Maria; 1974 Ernst-Zinna-Preis der Stadt Berlin (Ost). Ab 1992 freischaff. Schauspielerin; Gastengagements an Renaissance- u. Schlosspark-Theater in Berlin sowie an den Hamburger Kammerspielen, bis 2005 in zahlr. Fernsehrollen, u. a. in TV-Serien: 1994 an der Seite von  Manfred Krug in »Liebling Kreuzberg« (ARD), 2002 in »Im Visier der Zielfahnder« (Sat.1), zuletzt 2005 in »Sturm der Liebe« (ARD); Krebserkrankung; 2001 bzw. 2006 Vorwürfe der IM-Tätigkeit für das MfS, per Gerichtsbescheid vom 18.4.2008 untersagt; 2004 Heirat mit dem Filmarchitekten Claus-Jürgen Pfeiffer; gest. in Berlin. Porträt: »Ich will da sein – J. G.« Dokumentarfilm von Petra Weisenburger, 2008.Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grönsfelder, Karl

* 18.1.1882 – ✝ 20.2.1964

Geboren am 18. Januar 1882 in Frankfurt/M. als Sohn einer Köchin und eines Dieners und Kutschers, verbrachte die Kindheit bei den Großeltern im württembergischen Landstädtchen Bartenstein; lernte Mechaniker und arbeitete von 1900 bis 1903 in Frankfurt, Köln und anderen Orten. 1903 Übersiedlung nach Nürnberg, wo er bis zu seinem Tode wohnte. Im Jahre 1908 trat Grönsfelder der SPD und dem Metallarbeiterverband bei. Von 1910 bis 1913 gehörte er zum Zirkel junger Genossen, die sich mit sozialistischer Literatur befaßten und Anhänger Rosa Luxemburgs waren. Während des Krieges als Mechaniker reklamiert, schloß er sich 1917 der USPD an und wurde 1919 einer der Mitbegründer der KPD (Spartakusbund) in Nürnberg. 1920 Betriebsrat und Delegierter des III. KPD-Parteitags. Nach der Vereinigung mit der USPD Mitglied der Bezirksleitung der KPD Nordbayern, dann von 1921 bis 1924 Vorsitzender der BL. Auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 in die Gewerkschaftskommission delegiert und auf diesem Parteitag auch in den ZA gewählt. Als Nachfolger von Otto Graf zog er 1923 in den Bayerischen Landtag ein, 1924 als Abgeordneter gewählt, blieb er bis 1928 in diesem Parlament. Im Juni 1924 wegen Weiterführung der verbotenen KPD festgenommen, einige Zeit in »Schutzhaft«. 1925 führte er – neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter – als Instrukteur den UB Augsburg; 1926 Landessekretär der KPD und nach Ablauf der Legislaturperiode Sekretär für Gewerkschaftsfragen bei der BL Nordbayern. Im Februar 1930 wurde Grönsfelder aus der KPD ausgeschlossen, da er gegen den RGO-Kurs und die Thesen vom »Sozialfaschismus« aufgetreten war. Danach Mitglied der KPO, für diese bis 1933 aktiv. Im April 1933 von der Gestapo verhaftet, kam er bis 1935 ins KZ Dachau. Bis 1937 erwerbslos, dann Mechaniker. Grönsfelder trat 1946 wieder der KPD bei, 1947 in die BL Bayern gewählt, aber 1949 als Titoist und Brandler-Anhänger erneut ausgeschlossen. Danach Mitglied der Gruppe Arbeiterpolitik, in der er bis zu seinem Tode einen Zirkel leitete. Karl Grönsfelder starb am 20. Februar 1964. Seine Frau Emma Grönsfelder (* 3. 1. 1883 – †10.11. 1967) machte seit 1918 sämtliche Etappen seiner politischen Laufbahn mit. Sie war Delegierte des VII. Parteitags 1921. 1933 verhaftet, saß Emma Grönsfelder von April bis September 1933 in »Schutzhaft« im Zuchthaus Aichach.

Wer war wer in DDR

Groß, Alfred

* 22.5.1945

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; OS; 1960 FDJ; 1959 – 62 Ausb. zum Landwirt, Meisterabschluß; 1964 – 67 Instrukteur der FDJ-KL Brand-Erbisdorf; 1965 SED; 1967 Lehrgang an der BPS; 1968 2. Sekr., 1969 – 72 1. Sekr. der FDJ-KL Brand-Erbisdorf; 1972 stellv. Ltr., dann Abt.-Ltr. im ZR der FDJ; 1978 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1979 – 89 Mitgl. des ZR der FDJ u. des Büros; 1982 – 89 Sekr. des ZR der FDJ; VVO; Nov. 1989 Ltr. der Abt. Parteibetriebe, Druckereien, Verlage u. Gebäude des ZK der SED (Nachf. von  Günter Glende).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Groschopp, Richard

* 19.2.1906 – ✝ 8.7.1996

Geb. in Kölleda (Krs. Sömmerda); Vater Wirt, Mutter Köchin; Volksschule; Ausbildung zum Konditor; ab 1929 Schmalfilmamateur; Preise auf nat. u. internat. Filmwettbewerben; ab 1936 hauptberufl. Kameramann u. Regisseur bei einer Dresdener Werbefilmfirma; 1936 Kameramann bei Leni Riefenstahls »Olympia«-Film. 1946 Regisseur, Kameramann, Cutter bei der DEFA-Wochenschau »Der Augenzeuge« in Dresden; ca. 100 Kurzfilme; 1950 – 71 Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg; Debüt 1951 mit »Modell Bianka«; 1953 – 58 etwa 50 satir. Kurzspielfilme der von ihm mitbegr. Reihe »Das Stacheltier«; Spielfilme vor allem im Krimi- u. Komödiengenre, u. a. 1958 »Sie kannten sich alle«; 1959 Kunstpreis der DDR; 1959 »Ware für Katalonien«, 1960 »Die Liebe u. der Co-Pilot«, 1962 »Die Glatzkopfbande«, 1963 »Carl v. Ossietzky« (TV), 1967 »Chingachgook, die große Schlange«, der zweite DEFA-Indianerfilm; langjähriger Präs. des Nat. Zentrums für Amateurfilme der DDR; 1955 – 60 Chefred. der Ztschr. »Film für alle«; gest. in Kleinmachnow.Ralf Schenk / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Große, Ludwig

* 27.2.1933

Geb. in Zeutsch (Saale); Vater Pfarrer; 1951 – 56 Studium der Theol. an der FSU Jena, anschl. Vikar in Kahla; 1957 – 70 Pfarrer in Tannroda (Ilm, Krs. Weimar); 1959 Mitgl. der Luth. Bekenntnisgemeinschaft in Thür., die sich für eine Beendigung des »Thür. Wegs« (bes. kooperative Beziehungen zum Staat) engagierte; 1960 Mitgl. im »Landesbruderrat«; 1966 Wahl in die Thür. Landessynode; 1970 – 88 Superintendent in Saalfeld; ab 1973 Mitgl. der Synode des Bunds der Ev. Kirchen der DDR (BEK); 1977 – 89 Mitgl. der Konferenz der Ev. Kirchenltg.; Arbeitsschwerpunkte: Frieden, Menschenrechte, Ökol.; Mitautor von Stellungnahmen der Bundessynoden zu Pol. u. Ges., ab 1977 Teiln. an themat. Gesprächen zwischen der Kirchenltg. u. der DDR-Reg.; 1979 öffentl. Kontroversen um den »friedensgefährdenden« Charakter der TV-Sendung »Der schwarze Kanal« von  Karl-Euard von Schnitzler sowie um »Rassismus«-Vorwürfe an die Politiker der DDR; ab 1980 Vors. der Luth. Bekenntnisgem. u. Mitgl. der Konsultationsgr. zwischen BEK u. EKD für Friedensfragen u. öffentl. Verantw., Autor der »Ordnung der Friedensgebete« für BEK u. EKD; Mitarb. an Friedensgebeten u. 1981 an der Vorber. der ersten »Umweltsynode« in Thür.; 1989 Moderator am Thür. Runden Tisch Bildung in Erfurt. 1990 Mitgl. im Vorbereitungsaussch. für das Land Thür., Arbeitsgr. Bildung u. Erziehung; Mitbegr. u. Vorstandsmitgl. der Gemeinschaft der christl. Lehrer u. Erzieher u. der Gemeinschaft Christl. Eltern; 1992 Mitgl. der EKD-Synode; 1998 Mitgl. des Beirats des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Seit 1968 regelmäßige Mitarb. am Andachtsbuch »Haltet uns bei festen Glauben«, an Rundbriefen der Luth. Bekenntnisgem.; Publ. zu ges.- u. kirchenpol. Themen, sowie zur Aufarbeitung des Stasiproblems der Kirchen; religiöse Rundfunksendungen.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Großmann, Werner

* 9.3.1929

Geb. in Ober-Ebenheit (Krs. Pirna), Vater Zimmermann, Mutter Küchenhilfe; OS (ohne Abschluß); 1945 Volkssturm. Ausbildung zum Maurer; 1947 – 49 Vorstudienanstalt, Abitur; 1949 – 51 Studium, dann FDJ-Sekr. an der TH Dresden (ohne Abschluß); 1952 Besuch der Schule des Inst. für Wirtschafts-Wiss. Forschung (IWF, Vorläufer der HV A); 1953 Mitarb. in der HA I (Spionage im Staatsapp. der Bundesrep. Dtl.); 1954 HA II (Militärspionage); 1956 stellv. Ltr. der HV A-Abt. IV (Militärspionage), 1958 der HV A-Abt. 1 (Spionage im Staatsapp. der Bundesrep. Dtl.), 1959 wieder HV A-Abt. IV, 1962 Abt.-Ltr.; 1966/67 Besuch der PHS der KPdSU in Moskau; 1969 – 72 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1975 stellv. Ltr., 1983 1. Stellv. des Ltr. der HV A; 1980 VVO; 1986 stellv. Min. u. Ltr. der HV A (Nachf. von  Markus Wolf); 1989 Gen.-Oberst; 1990 Entlassung; Rentner; 3.10.1990 Verhaftung, kurzztg. U-Haft, Anklage wegen Agententätigkeit u. Landesverrat, 15.5.1995 auf Beschluß des BVG Einstellung des Verfahrens.Bonn im Blick. Die DDR-Aufklärung aus der Sicht ihres letzten Chefs. Berlin 2001. Müller-Enbergs, H.: Die Nachrichtendienstschule. Berlin 2006.Jens Gieseke / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Greß, Wolfgang

* 9.5.1929 – ✝ 21.3.2000

Geb. in Berlin; Vater Lehrer, Mutter Schneiderin; Schule; Praktikant in einem Stahlbaubetrieb in Berlin-Reinickendorf; 1947 SED; 1948 – 51 Studium an der HfÖ Berlin u. der HU Berlin, 1951 Dipl.-Wirtsch.; Wirtschaftsfunktionär; 1951 – 58 Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. Planung im Min. für Maschinenbau bzw. Schwermaschinenbau; 1958 – 63 Abt.-Ltr. im VVB Energiemaschinenbau; 1964 GD VVB Rohrleitungen u. Isolierungen in Leipzig; 1965 Ltr. der Abt. Chemieanlagen im Volkswirtschaftsrat; 1966 – 71 stellv. Min., 1971 – 79 Staatssekr. u. 1. stellv. Min. für Schwermaschinen- u. Anlagenbau; 1975/76 Besuch der PHS; 1979 – 89 Mitgl. des Min.-Rats u. Staatssekr. der SPK für den Bereich Investitionen u. Wiss./Technik (Nachf. von  Kurt Fichtner); 1981 – 89 Kand. des ZK der SED, ab 1981 auch Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB; 1969 Verdienstmedaille; 1970 u. 1982 VVO; 1974 Banner der Arbeit; 1989 Ehrenspange zum VVO; 1990 Staatssekr. im Wirtschaftskomitee.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grewe, Richard

* 17.3.1894 – ✝ 25.12.1937

Geboren am 17. März 1894 in Hamburg; Maurer. Seit 1920 in der KPD, er nahm 1923 am Hamburger Aufstand teil, flüchtete 1924 in die Sowjetunion und wurde als Politemigrant anerkannt. Redakteur an der »Deutschen Zentral-Zeitung« (DZZ) in Moskau, dort Leiter der Landwirtschaftsredaktion, Mitte der dreißiger Jahre zum Parteisekretär der Redaktion gewählt. Grewes Unterschrift stand unter vielen Beurteilungen, die das NKWD über verhaftete Mitarbeiter einforderte. Im Oktober 1937 amtierender Chefredakteur der DZZ, aber bereits am 14.November 1937 vom NKWD verhaftet. Obwohl er bei der Gerichtsverhandlung die in den Verhören erzwungenen Aussagen widerrief, wurde Richard Grewe am 25. Dezember 1937 vom MKOG als »aktiver Teilnehmer der antisowjetischen trotzkistischen Sabotage- und Terroristenorganisation« zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen. Grewes Lebensgefährtin und spätere Frau Gertraut Bernier (* 4. 8. 1901 – † 13. 12. 1969) war Stenotypistin, seit 1919 in der KJD, ab 1923 in der KPD. Bis 1930 bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin beschäftigt, anschließend bei Metalloimport in Moskau, ab 1934 Sekretärin der DZZ in Moskau. Nach ihrem Mann verhaftet und zu drei Jahren Lager verurteilt, war sie bis 1941 in Kasachstan, dann Arbeit im Lazarett in Alexandrow, ab 1946 beim dortigen Postamt und zuletzt in einer Möbelwerkstatt. Im April 1956 durfte Gertraut Bernier in die DDR, wurde Mitglied der SED und war Sekretärin im Cheflektorat des Dietz Verlages.

Wer war wer in DDR

Griesheimer, Dietmar

* 26.7.1938

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; Grund- u. OS; 1952 FDJ; 1957 / 58 u. 1960 / 61 Volontär bei der Ztg. »Volksstimme« in Karl-Marx-Stadt; 1958 – 62 Journalistikstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1959 SED; 1962 – 64 Red. der Ztg. »Neuer Tag« in Bad Freienwalde; 1964 – 66 Stellv. des Vors. des Rats des Kreises Bad Freienwalde; 1966 – 70 Abt.-Ltr., 1970 1. Stellv. des Chefred. u. 1976 – 89 Chefred. der SED-Bezirksztg. »Freie Presse« Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Werner Kessel); 1976 – 89 Vors. des VDJ im Bez. Karl-Marx-Stadt; 1977 Mitgl. des ZV, 1982 – 89 des Präs. des VDJ-ZV; zeitw. Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; Nov. 1989 Einleitung eines Parteiverfahrens u. Dez. 1989 Ausschluß aus der SED wg. »Amtsmißbrauchs u. Korruption«.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Grimm, Peter

* 24.3.1965

Geb. u. aufgewachsen in Berlin; Vater Dipl.-Ökonom, Mutter Vermessungsing.; 10. OS u. EOS »Gerhart Hauptmann« in Berlin-Friedrichshagen sowie EOS »Alexander von Humboldt« in Berlin-Köpenick; 1982 Teiln. an der Beerdigung von  Robert Havemann, danach Kontakt zu  Werner Fischer,  Ralf Hirsch u.  Katja Havemann; 1983 nach einem ver- gebl. Anwerbeversuch neun Tage vor dem Abitur auf Veranlassung des MfS von der Schule verwiesen; anschl. bis 1986 Hilfsarbeiter im Transformatorenwerk Berlin-Oberspree (TRO), danach wechselnde Beschäftigungen; 1983 beteiligt an der Gründung eines Friedenskreises in der Bekenntniskirche in Berlin-Treptow u. aktiv im Friedenskreis »Wühlmaus« in der Christuskirche Berlin-Oberschöneweide, 1983 – 86 engagiert im Friedens- u. Umweltkreis der Pfarr- u. Glaubenskirche, 1985 Erstunterzeichner des Briefs zum »Jahr der Jugend« sowie Mitinitiator eines Menschenrechtsseminars, das vom Berliner Konsistorium untersagt wurde; im daraufhin hrsg. sog. Dokument 3, das auch im Westen veröffentlicht wurde, neben  Gerd Poppe u. Ralf Hirsch als Sprecher der IFM benannt; ab 1986 Mithrsg. u. Red. der Untergrundztschr. »grenzfall«, 1988 Red. der Samizdat-Schrift »Ostkreuz«, Veröff. von Artikeln in den »Umweltblättern«; 24.4.1987 zus. mit  Bärbel Bohley, Ralf Hirsch u. a. festgenommen bei dem Versuch der IFM, mit der Buchung eines Fluges nach Prag gegen das Auslandsreiseverbot für Aktivisten oppositioneller Gruppen zu protestieren; 10.12.1988 festgenommen bei dem Versuch, anläßl. des Tags der Menschenrechte eine Protestresolution abzugeben u. zu demonstrieren; im Sept. / Okt. 1989 beteiligt an Solidaritätsveranstaltungen für polit. Gefangene in Leipzig u. der Mahnwache an der Berliner Gethsemanekirche; Herbst 1989 Mithrsg. der Ztschr. »telegraph«; vom MfS erfaßt im OV »Robert«; 1989 – Jan. 1990 Mitgl. der SDP; 1990 Red. der ersten unabh. Tagesztg. »die andere«. Nov. 1990 – Juni 1991 Pressesprecher der Frakt. Bündnis 90 / Die Grünen im sächs. Landtag in Dresden; danach freier Fernsehjournalist u. Autor von Dokumentarfilmen, u. a. »Der Sohn des Staatsfeindes« (2004), »Die Kinder der Erschossenen« (2005), »Aufsässig oder Arbeitsscheu« (2006); seit 2007 Verantw. Red. der Ztschr. »Horch und Guck«; lebt in Berlin.Hirsch, R., Kopelew, L. (Hrsg.): Initiative Frieden u. Menschenrechte. Grenzfall. Vollständiger Nachdruck aller in der DDR erschienenen Ausgaben (1986 / 87). Berlin 1989.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

Wer war wer in DDR

Grimmling, Hans-Hendrik

* 13.7.1947

Geb. in Zwenkau bei Leipzig; Vater Chemiewerker, Mutter Krankenschwester; 1966 Abitur; 1966 – 68 Armeedienst; danach Transportarb., Bühnenarb. u. Bühnenbildass. an der Volksbühne Berlin; ab 1969 Studium an der HS für Bildende Künste Dresden, ab 1970 an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1974 – 77 Meisterschüler bei  Gerhard Kettner an der HS für Bildende Künste Dresden; 1975 Arbeit an einer »Dokumentation für 12 Grafiken u. 16 Instrumente« mit dem Komponisten Thomas Hertel; 1977 VBK, freischaff. als Maler u. Grafiker; seit Ende der 1970er Jahre zus. mit  L. Dammbeck,  G. Firit,  F. Heinze,  G. Huniat u.  O. Wegewitz Arbeit an den intermedialen Ausstellungskonzepten »Tangente I« und »Tangente II«; 1981 Verbot von Ausstellungen mit O. Wegewitz in Halle, 1982 in Merseburg; 1984 Mit-Initiator des »1. Leipziger Herbstsalons«, einer außerhalb des VBK organisierten Ausstellung; Ende 1984 Ausreiseantrag; 1986 Ausreise nach Berlin (West). Seit 2001 Doz. an der Berliner Techn. Kunstschule, seit 2006 dort Prof.; 2005 Gast des Künstlerhauses Casa Poli in der Nähe von Coliumo (Chile); seit Beginn seiner Künstlerlaufbahn immer wieder auch Gedichte u. Essays; lebt in Berlin. Werke: im namen der geheiligten mittel (1972), juntamusik (1973), abwicklung einer umarmung (1976), selbstportrait mit vogel, muse und palette (1977), ich in leipzig (1978), windstille (1979), Zyklus »les oiseaux« (1980), umerziehung der vögel (1981), schuld der mitte I und II (1981 / 82), ruderer (1983), Bilderserie zum »1. Leipziger Herbstsalon« (1984), zu schnell gelaufener hase (1985), fallada (1986), vögel über berlin (1987), überfahrt (1989), porta germanica (1991), salto germanico (1992), fusion I und II (1993), gordischer knoten (1994), sprechmühle (1994), immerfort (1996), Bilderzyklus »erdungen I und II« (1996), alle wege führen dorthin (1998), Bilderzyklus »das auge gibt dem körper licht« (1998), Bilderzyklus »windsturz« (2000), Bilderzyklus »argonauten« (2002), Bilderzyklus »sechs mal zehn« (2007), Bilderzyklus »es ist immer noch die passion vom ganzbleiben« (2008).Les oiseaux. Berlin 1980; Sperrungen. Berlin 1987; Stadtstand II. Berlin 1988; Erdungen II. Malerei – Zeichnungen 1989 – 92. Altenburg 1992; Futur III – Verbunden. Berlin 1995; Die Wucht der Bilder, hrsg. von Fiebig, L. u. Hüneke, A. Ostfildern-Ruit 1997; herbstballade – bilder von deutschland. Berlin, 1999; 1:1. Potsdam, Dresden 2000; Das Auge gibt dem Körper Licht (mit M. Paul). Schwerin 2001; Windfraß. Potsdam 2003; Argonauten –Bilder vom Bleiben. Berlin, 2004; Argonauten nach Chile. Concepción 2005; meine träume sind schwarz-weiß. Jena, 2007; Grimmling – Sechsmalzehn. Potsdam 2007; Die Umerziehung der Vögel. Ein Malerleben. Halle 2008. Liebermann, D.: Der 1. Leipziger Herbstsalon, in: Deutschland Archiv (2005) 3; Argonaut, Ikarus, Gordischer Knoten, in: Deutschland Archiv (2007) 3.Doris Liebermann

Wer war wer in DDR

Groh-Kummerlöw, Grete

* 6.2.1909 – ✝ 16.2.1980

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; 1924 – 32 Textilarb.; 1925 Dt. Textilarbeiterverb.; 1927 KJVD, 1930 KPD; 1930 – 33 Abg. des Sächs. Landtags (jüngste Abg. in Dtl.); 1931 – 33 KJVD-Funktionen, Org.-Ltr. des KJVD; 1933 illeg. pol. Arbeit als KJVD-Instrukteurin; 28.6.1933 Verhaftung in Bitterfeld, »Schutzhaft«, 8.6.1934 Verurteilung durch das OLG Dresden wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 20 Mon. Zuchthaus, Haft im Zuchthaus Waldheim; nach Entlassung Arbeit als Textilarb.; 1941 – 44 Hausfrau; Kontakte zur Widerstandsgr. Saefkow durch Kurt Sindermann; 10.8.1944 erneut inhaftiert, Anklage wegen »Vorber. zum Hochverrat«, 9.2.1945 Transport nach Potsdam, bis 27.4.1945 Haft. 1945 Sekr. für Betriebszellen der KPD-KL Plauen; 1946 Sekr. des FDGB-KV Plauen; 1946 SED; 1946 – 80 Mitgl. des FDGB-BV, zeitw. auch Mitgl. des Präs.; 1946 – 49 3. Vors. des FDGB-LV Sachsen; 1949 – 57 Abt. Ltr. u. Sekr. des FDGB-BV; 1946 – 49 Abg. des Landtags Sachsen; 1949 bzw. 1952 Studium an der SED-LPS Ottendorf bzw. BPS Liebenwalde; 1949 – 71 Abg. der (Prov.) Volkskammer, 1954 – 63 Stellv. des Präs. der Volkskammer; 1963 – 67 Mitgl. des Präs. der Volkskammer; 1950 – 57 Mitgl. des Gen.-Rats des WGB; 1957/58 Sekr. des ZV der IG Örtl. Wirtschaft; 1967 aus gesundheitl. Gründen Aufgabe der hauptamtl. Funktionen; 1977 – 80 Mitgl. des Arbeitskrs. verdienter Gewerkschaftsveteranen beim FDGB-BV; 1955, 1959 u. 1975 VVO; 1959 Verdienstmedaille; 1965 Banner der Arbeit; 1979 KMO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gromulat, Albert

* 6.7.1882 – ✝ 24.8.1950

Geboren am 6. Juli 1882 in Nestowethen/Krs. Ragnit in Ostpreußen. Kam mit 15 Jahren nach Berlin, war Hilfsarbeiter, Krankenpfleger und Heilgehilfe im Krankenhaus Berlin-Moabit. Nach seinem Militärdienst 1902 bis 1904 Hilfsmonteur in der Autofabrik Horch & Co. Seit 1907 Mitglied der SPD. Von 1907 bis 1914 Kraftfahrer, während des Krieges als Kraftwagenführer eingesetzt. 1919 Revisor bei der Mineralwasserversorgungsgesellschaft Berlin. 1920 Bürovorsteher, von 1921 bis 1923 Expedient. 1917 Mitglied der USPD, 1919 der KPD. Von 1923 bis 1933 hauptamtlicher Mitarbeiter der KPD-Zentrale bzw. des ZK. Gromulat war der »Quartiermacher« des ZK der KPD und arbeitete unter dem Decknamen Günther in einem speziellen Ressort des AM-Apparates. Im Auftrag von Herbert Wehner sicherte er Anfang 1933 den Thälmann-Nachlaß und durchsuchte auch die Wohnung von Hermann Remmele nach Material, was diesen in den Fraktionskämpfen belasten sollte. Im November 1933 emigrierte Gromulat nach Frankreich und war dort offiziell Sekretär der »Sozialvereinigung deutscher politischer Emigranten«. Ab September 1939 Internierung, Mai 1941 Emigration mit seiner Frau Berta nach Mexiko, hier Mitglied der KPD-Leitung unter Paul Merker. 1947 Rückkehr nach Deutschland, zunächst Mitarbeiter der Deutschen Verwaltung des Innern, zuletzt Sekretär der SED-Parteigruppe in der Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei. Gromulat lag ab Sommer 1950 schwerkrank in der Charité und wurde dennoch zu einer Stellungnahme zum Beschluß des ZK vom 24. August 1950 über die Verbindungen deutscher Emigranten zu Noel H. Field aufgefordert. Albert Gromulat starb am 22.November 1950 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Gropp, Arno

* 26.8.1910 – ✝ 14.6.1990

Geb. in Magdeburg; Vater Beamter (Stadtinspektor); Volksschule u. Realgymn.; 1925 –28 Ausbildung zum kaufm. Angest.; 1928 – 33 Lagerist u. Verkäufer; 1930 KPD u. RGO; nach 1933 illeg. Arbeit u. zeitw. inhaftiert; 1935 – 39 Abt.-Ltr. bei der Fa. Brettig & Röhmer in Magdeburg; 1939 – 45 Wehr- macht (Feldwebel); 1945 kurzzeitige amerikan. Kriegsgef. 1945 Verkäufer in Magdeburg; KPD; 1946 pers. Referent des Vors. der KPD-BL Magdeburg; 1946 SED, 1946 / 47 Sekr. des SED-KV Magdeburg; 1947 Hilfsred. bei der »Volksstimme« Magdeburg; 1945 Studium an der LPS u. 1946 an der PHS der SED; 1948 Red., 1950 – 53 erster Chefred. der SED-Ztg. »Volksstimme« in Magdeburg; 1953 – 58 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Volkswacht« Gera (Nachf. von  Erich Jungmann), ab Mai 1958 stellv. Chefred.; anschl. Mitarb. der SED-BL Gera.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Groß, Jurij

* 1.1.1931

Geb. in Wendischbaselitz (Krs. Kamenz, Sachsen); Vater Steinarb.; Volksschule; 1945 – 48 Ausbildung zum Tischler; 1948 SED; 1948/49 Studium am sorb. Lehrerbildungs-Inst. in Radibor (Krs. Bautzen); bis 1953 als Lehrer tätig; 1950 FDGB; 1952 – 55 Abg. des Krs.-Tags Kamenz; 1954 Instrukteur der SED-KL Kamenz, 1954/55 dort 1. Sekr. der FDJ-KL; 1955 – 64 2. Sekr., Juni 1964 – Nov. 1989 1. Sekr. des BV der Domowina; 1959 – 71 Mitgl. des ZR der FDJ; 1962 – 67 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1969 – 89 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1973 – 89 Mitgl. der SED-BL Dresden; 1978 – 89 Mitgl. des ZV der DSF; 1981 – 86 Nachfolgekand. u. 1986 – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, März – Okt. 1990 für die PDS-Fraktion; 1989 Vors. des Arbeitsaussch. des BV u. ab März 1990 stellv. Vors. der Domowina; April Niederlegung aller Funktionen in der Domowina. 1994 – 98 Vors. des PDS-KV Bautzen; seit 1999 Mitgl. des Krs.-Tags Bautzen; Pressesprecher der Fraktion, Stellv. Mitgl. des Krs.-Ausschusses.Staatsangehörigkeit: Deutsch – Nationalität: Sorbe. Nicht nur Lebenserinnerungen. Schkeuditz 2004.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Große, Fritz Willibald

* 5.2.1904 – ✝ 12.12.1957

Geb. in Altenberg (Erzgeb.); Vater Zimmermann, Mutter Textilarb.; 1910 – 18 Volksschule in Reifland (Erzgeb.); 1918 – 20 dort Holzarb.; 1918 Dt. Holzarbeiterverb.; 1920 in die UdSSR übergesiedelt; 1920/21 Angeh. der Roten Armee (Kavallerie-Regt. 88), dann einer »besonderen Brigade« in Minsk; 1920 Mitgl. der KP Rußlands (B); 1921 Rückkehr nach Dtl.; 1921 KPD, 1922 KJVD; 1921 – 23 Bauarb.; 1923 – 27 graf. Hilfsarb. in einer KPD-Druckerei in Chemnitz; 1922/23 Ltr. des KJVD-UB Siegmar-Hohenstein; 1923 Mitarb. im AM-Apparat (KPD-Nachrichtendienst); 1923/24 Ltr. des KJVD-UB Erzgeb., 1924/25 Ltr. der KJVD-Militärorg. im Erzgeb.; 1924 – 27 Mitgl. der KJVD-BL Chemnitz u. der KPD-BL Erzgeb.-Vogtl., 1925 – 32 Mitgl. des ZK des KJVD; 1927 – 29 Sekr. der KJVD-BL u. der KPD-BL Halle-Merseburg; 1929 Kand. des ZK der KPD; 1929/30 Org.-Sekr. im ZK des KJVD; 1930 – 32 Mitarb. im EK der Kommission Jugendinternat., Aug. 1931 –Okt. 1932 dessen Vertreter in Großbritannien, dort April 1932 verhaftet u. sechs Mon. Gefängnis; Nov. 1932 – März 1933 Abg. des Dt. Reichstags; Okt. 1932 – Aug. 1934 Vors. KJVD (»Kurt«); Mai 1933 nach Prag, dann nach Moskau; Juni 1933 nach Frank- reich (Paris); bis Nov. 1933 zur Kontrolle jugendl. Emigranten in Amsterdam, später in Paris; Febr. 1934 illeg. nach Berlin (»Alois Steinberg«) (zus. mit  Ewald Kaiser); Aug. 1934 in Düsseldorf verhaftet, März 1936 zu lebenslängl. Zuchthaus verurteilt; 1936 – 45 Haft im Zuchthaus Brandenb.-Görden, dort Mitgl. des illeg. Parteiaktivs; Jan. 1944 KZ Mauthausen; Juni 1945 nach Moskau. 1.7.1945 Rückkehr nach Dtl. (zus. mit  Wilhelm Pieck u.  Franz Dahlem); ab Juli 1946 Mitarb. der KPD-LL Sachsen, Ltr. der Kaderabt. der KPD-BL Sachsen; ab 1946 Mitgl. des KPD/SED-LV Sachsen u. seines Sekr., Sekr. der Org.-Abt. u. zuständig für Jugendarbeit im SED-LV; 1946 Abg. des Landtags Sachsen; 1947 Sekr. für Kaderfragen im SED-LV Sachsen; 1947 – 49 Landesvors. der VVN Sachsen; 1948/49 Vors. der LPKK der SED Sachsen; 1948/49 Ltr. der Staatl. Kontrollkommission in Sachsen; ab Nov. 1949 persönl. Ref. von  Anton Ackermann; anschl. 1949 – 52 DDR-Botschafter in der ČSR; Vertreter von A. Ackermann im MfAA; 1953 – 57 Ltr. der HA I Soz. Länder u. Mitgl. des Kolleg. im Min. für Ausw. Angelegenh.; 1955 VVO; 1957 maßgebl. an der Vorbereitung dipl. Beziehungen mit Jugosl. beteiligt.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Großkopf, Richard

* 1.5.1897 – ✝ 16.3.1977

Geb. in Berlin; Vater Tischler; 1903 – 12 34. Gemeindeschule; 1912 – 16 Ausbildung zum Kartographen; 1912 Mitgl. der SAJ u. des Verb. der Lithographen, Steindrucker u. verwandter Berufe; Mai 1916 SPD; Teiln. an der Antikriegsdemonstration auf dem Potsdamer Platz in Berlin; 1916/17 techn. Zeichner der Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof; 1917 USPD; 1917/18 Militärdienst; Teiln. an der Novemberrev.; 1918/19 Litograph in versch. Berliner Betrieben; 1919 Mitgl. des Spartakusbunds, der KPD, RH, IAH u. Liga gegen den Imperialismus; 1919 – 23 Vors. der Graphischen Jugend in Berlin; 1920 – 33 Mitarb. des ZK der KPD u. dort Mitarb. des M-Apparats, zuständig für Paßfälschungen; deshalb 1920 die Klischee-Werkstatt Schulz & Großkopf in Berlin-Charlottenburg gegr. (»Ernst-Heinrich Schneider«); ab 1923 Ltr. des »Paßfälscherapparats« der KPD (AG Papiere); 3.5.1933 Verhaftung durch die Gestapo; 13.1.1935 vom 2. Senat des VGH zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt; Haft zunächst im Zuchthaus Luckau, ab April 1937 im Moorlager Emsland, 1938 – 40 Börgermoor, Esterwegen u. Aschendorfer Moor, 1940 – 42 Zuchthaus Luckau, 1942 – 45 KZ Buchenwald; dort Ltr. des kommunist. Abwehrapparats, später des Internat. Lagerkomitees; April – Juni 1945 in der Prüfstelle des Lagers Buchenwald tätig, beauftragt mit der Fahndung nach aktiven Nationalsozialisten. Juli 1945 – Mai 1946 Angest. im thür. Landesamt für Arbeit in Weimar, Aufbau u. Ltr. des neu geschaffenen Ref. OdF; zugl. Kurier der KPD-BL Thür. zum KPD-ZK; Febr. 1946 aus der KPD ausgeschl., März 1946 zurückgenommen; 16.5.1946 Ltr. der Personalabt. der Kriminalpolizei im Polizei-Präsidium Berlin, Inspekteur der VP; Herbst 1948 schwer erkrankt; 1.5.1949 – Okt. 1951 Ltr. der Abt. V (Abt. Paß- u. Meldewesen) im VP-Präsidium Berlin, dort Auswertung der aus dem brit. Sektor geraubten »3-Millionen-Kartei« (NS-Kartei über Berlins Bürger); ab 1.11.1951 Ltr. der Abt. 2 (Dokumentation) des Außenpol. Nachrichtendienstes (APN) – Vorläufer der HV A; Stellv. HA-Ltr. für operative Technik; Aufbau der Fälschungsabt.; 1951 – 61 Oberst des MfS (bzw. APN, ab 1953 HA XV, ab 1956 HV A des MfS); 1953 mit der Eingliederung des APN in das MfS Übernahme in das damalige Sekr. für Staatssicherheit (SfS), Bestätigung in seinen bisherigen Funktionen u. Ernennung zum Oberst-Ltn.; infolge von Umstrukturierungen innerhalb der HV A ab 29.1.1959 Ltr. der Abt. L bzw. 35 des MfS (»Herstellung operativer Dokumente«); 1.10.1961 Ruhestand; 1955 VVO; 1957 Held der Arbeit; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; Medaille für Teilnahme an den Kämpfen 1918 bis 1923; Verdienstmedaille der NVA; 1965 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1967 VVO u. Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1977 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Im Kampf bewährt. Erinnerungen an R. G. Leipzig 1984 (MfS-intern); Grundmann, S.: R. G. u. die kommunist. Paßfälscherorg. In: IWK 2004 (4).Jens Gieseke / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Gross, Rudolf Josef

* 22.10.1888 – ✝ 12.7.1954

Geb. in Gaustadt (b. Bamberg); Vater Baumeister; ab 1909 – 13 Studium an den Univ. Jena u. Rostock, 1913 Prom. in Rostock; 1912 / 13 Ass. am mineralog.-geolog. Inst., 1913 / 14 am mineralog.-petrograph. Inst. der Univ. Leipzig u. am mineralog.-geolog. Inst. der EMAU Greifswald, dort 1918 Habil.; Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, verwundet; 1919 –22 außerord. Prof. an der Univ. Hamburg, dort Ltr. des mineralog.-geolog. Laboratoriums; 1922 ord. Prof. u. Dir. des mineralog.-geolog. Inst. der EMAU Greifswald; 1929 Dekan der Philosoph. Fak. 1946 Entlassung aus dem Staatsdienst; 1946 –47 Forschungsbeauftragter des mineralog.-geolog. Inst.; 1948 Wiederernennung zum ord. Prof., letzter Dir. des mineralog.-geolog. Inst. (nach 1954 aufgelöst); 1948 Dekan der Philosoph. Fak.; 1949 – 50 Rektor der EMAU. Forschungsschwerpunkte: Kristallographie, insb. Kristallwachstum; Röntgenometrie (bedeutende apparative u. method. Anregungen); Bodenkunde; enge Zusammenarbeit mit der Studiengesell. für elektr. Beleuchtung OSRAM.Zur Entstehung des Warnowtals von Eikhof bis Rostock (1913); Zur Theorie der Wachstums- u. Lösungsprozesse kristalliner Materie (1918); Über die experimentelle Erforschung der Kristallstruktur mit Hilfe von Röntgenstrahlen. In: Jahrbuch der Radioaktivität u. Elektronik (1919) 15; Röntgenometr. Methoden zur Ermittl. der Kristallstruktur. In: Fortschritte der Mineralogie, Kristallographie u. Petrographie. 1922. Gross, N.: Die Gesch. des Mineralog. Inst. der EMAU. In: EMAU: FS zur 500-Jahr-Feier der Univ. Greifswald, Bd. II. Greifswald 1956.