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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Gundermann, Gerhard

* 21.5.1955 – ✝ 21.6.1998

Geb. in Weimar; Vater Uhrmachermstr., Mutter Lagerarb.; 1961 – 73 POS, EOS, Abitur; 1973 – 75 Offz.-HS Löbau, abgebrochen; 1975 im Braunkohletagebau, zuerst Hilfsmaschinist, dann Baggerfahrer; 1971 Singeklub; 1978 – 88 »Brigade Feuerstein«; 1972 erste eigene Texte u. Kompositionen; seit 1980 Soloprogramme; 1977 – 90 Auftritte beim Berliner Festival des pol. Liedes; 1976 – 84 vom MfS als IM »Grigori« erf.; 1975 SED, 1984 Ausschl. (Rehabil. 1990); 1983 Porträtfilm »Gundi Gundermann« im DFF; 1988 erste LP »Männer, Frauen u. Maschinen«; ab 1988 Texte für die Rockband Silly (CD »Februar«); 1989 Programm »Erinnerung an die Zukunft«; ab 1989 Auftritte mit versch. Bands. 1992 CD »Einsame Spitze« (in Zusammenarbeit mit Silly); eigene Tourband »Seilschaft«; G. verstand es, das Lebensgefühl vieler Ostdt. nach der Vereinigung künstler. zu artikulieren, u. erlangte dadurch große Popularität; 1994 Auftritte mit Bob Dylan u. Joan Baez; Video »Silly, Gundermann & Seilschaft«; 1995 CD »Frühstück für immer«; 1997 CD »Engel über dem Revier«; Ende der Arbeit im Tagebau; Umschulung zum Tischler; 1998 CD »Krams. Das letzte Konzert«; gest. in Spreetal; 1999 Gründung des Vereins Gundermanns Seilschaft e.V.Liederbuch. 45 Texte mit Noten. Berlin 1995; Liederbuch Teil 2. Berlin 1999; Werkstücke I-III (2003 – 05, auf CD). G. G. Rockpoet u. Baggerfahrer. Gespräche mit Hans-Dieter Schütt. Berlin 1996.Lutz Kirchenwitz

Wer war wer in DDR

Günther, Eberhard

* 11.5.1931

Geb. in Dresden; Abitur; nach kurzem Lehrgang Neulehrer; Studium der Pädagogik, Germanistik u. Geschichte; 1954 SED; Doz. an der ABF Dresden; verantw. Red. der Hochschulztg. der TU Dresden; Mitgl. der Univ.-Parteiltg.; 1964 Prom. mit der Diss. »Die frühen Dramen Friedrich Wolfs«; 1964 – 73 ltd. Mitarb. der HV Verlage u. Buchhandel im Min. für Kultur; 1966 Parteiverfahren, weil er die Druckgenehmigung für  Manfred Bielers Roman »Das Kaninchen bin ich« erteilt hatte; ab 1973 Verlagsdir. des Mitteldt. Verlags Halle, Leipzig (Gegenwartslit. der DDR); 1976 – 90 Mithrsg. der Reihe »Kritik – Rezensionen zur DDR-Lit.« u. 1984 – 89 der Reihe »Positionen – Wortmeldungen zur DDR-Lit.«; 1975 – 87 beim MfS als IMS/IME »Richard« erf.; 1978 kritisiert wegen der Veröff. der Romane »Es geht seinen Gang« von  Erich Loest u. »Tod am Meer« von  Werner Heiduczek; zugl. wiederholt ausgezeichnet (u. a. NP im Koll.), 1989 NP. Nach der Privatisierung des Verlags auf dem Wege des Management-Buy-out ab 1990 Geschäftsf. u. Gesellschafter der GmbH; Erweiterung des Verlagsprogramms um Regionalia, Sachbücher u. Behördenverzeichnisse von Bundesländern; 1990 – 98 Vorstandsmitgl. im Verb. der Verlage u. Buchhandlungen von Sachsen, Sachsen-Anh. u. Thür.; seit 1996 Ruhestand, lebt seit 2007 in Dresden.Mitteldt. Verlag 1946 – 2006. Halle (Saale) 2006. Walther, J.: Sicherungsbereich Lit. Berlin 1996; de Bruyn, G.: Vierzig Jahre. Ein Lebensbericht. Frankfurt (Main) 1996; Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S.: »Jedes Buch ein Abenteuer«. Zensursystem u. liter. Öffentlichkeit in der DDR bis Ende der 60er Jahre. Berlin 1997.Carsten Wurm / Frank Wagner

Wer war wer in DDR

Günther, Jürgen

* 24.2.1938 – ✝ 30.5.2015

Geb. in Halle; Vater Kunsthistoriker; 1952 – 55 Ausbildung zum Drucker in Halle; 1958 – 61 Hauptphasenzeichner beim DEFA-Trickfilmstudio in Dresden; erste Veröff. in der Kinderztschr. »ATZE«, seit 1960 regelmäßig Arbeiten für die Kinderztschr. »FRÖSI«; anschl. freiberufl.; erste Bildergeschichten zus. mit seiner Frau, der Malerin Herta Günther; Mitte der 70er Jahre für »FRÖSI« Entw. der populären Comic-Figuren »Otto u. Alwin«, 1979 zeichnete er mit ihnen 55 Folgen für die ersten u. einzigen Kaugummibilder der DDR (OK Big Babaloo); 1980 sehen 35.000 Besucher die Ausstellung »J. G. – Bildergeschichten in Moritzburg«; weitere Comicarbeiten für DDR-Illustrierte: »Flitzi u. Schlappi« (»NBI«), »Mischa u. Kalle« (»Freie Welt«). Nach 1990 Comics für die »Berliner Ztg.« (die Blaubären »Ed u. Eddy« erlebten 300 Folgen) u. für die »Sächs. Ztg.« (»Kasimir u. Josefine«).Otto & Alwin. Ein Bastel- u. Ausmalbuch. Berlin 1985; Otto u. Alwin. Gesamtausgabe. Dresden 2008; Kinder, wie die Zeit vergeht. Bildgeschichten. Dresden 2008. Lettkemann, G., Scholz, M. F.: »Schuldig ist schließlich jeder ...« – Comics in der DDR. Berlin 1994; Mit Herzblut u. kecker Feder. Interview. In: mosaiker (1998) 26.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Guse, Werner

* 18.7.1922 – ✝ 2.11.1977

Geb. in Schönebeck; Vater Schriftsetzer; 1928 – 32 Volksschule, 1932 – 37 Mittelschule; 1937 – 41 Lehre u. Arbeit als Buchdrucker; 1941 RAD; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 – 47 sowj. Kriegsgef., Mitgl. der Antifa-Lagerltg. u. Jugendpropagandist. 1947 Rückkehr nach Dtl.; 1947 / 48 Buchdrucker; 1947 SED; 1948 – 50 Abt.-Ltr. in einer Druckerei; 1950 Org.-Instrukteur beim Rat des Krs. Haldensleben; 1950 – 52 Landrat in Eisleben; 1952 / 53 1. Sekr. der SED-KL Haldensleben; 1953 / 54 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1954 – 59 1. Sekr. der SED-Stadtltg. Magdeburg; 1959 / 60 Ltr. der Abt. Leitende Parteiorgane des ZK der SED; 1959 VVO; 1960 – 64 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; später stellv. Dir. für Industrieanlagen im VEB Schwermaschinenbau »Karl Liebknecht« in Magdeburg; gest. in Magdeburg.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Gute, Herbert

* 30.8.1905 – ✝ 8.11.1975

Geb. in Dresden; Vater Buchhalter; Gymnasium; 1920 KJVD; 1922 Ausbildung zum Zimmermann; 1923 – 25 Akad. für Kunstgewerbe in Dresden; 1925 Studienaufenthalt in Wien; 1925/26 Werbegrafiker, danach bis 1933 freischaff.; ab 1926 Veröff. erster liter. Arbeiten in Arbeiterztg.; 1928 KPD; 1929 Mitbegr. u. Vors. der ASSO in Dresden; 1929 – 33 Stellv. bzw. Ltr. der MASCH; 1931 Mitgl. der Reichsltg. der ASSO u. Delegierter bei der Gründungsveranstaltung der Interessengem. für Arbeiterkultur; ab 1933 illeg. pol. Arbeit; Mai 1933 – Dez. 1934 in Haft, Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 15 Mon. Zuchthaus; nach Entlassung Ltr. eines Ateliers für Gebrauchsgrafik; Mai 1938 – Pfingsten 1939 u. 1941 erneute Haft, verurteilt zu 33 Mon. Zuchthaus, bis April 1945 KZ Buchenwald. 1945 Lektor an der KPD-LPS in Ottendorf (Sachsen); dann Instrukteur der Abt. Agit.-Prop. der KPD in Sachsen u. Abt.-Ltr. für Kunst u. Lit. in der sächs. Landesreg.; dort bis 1948 Staatssekr. im Min. für Volksbildung; 1948/49 Ministerialdir. in der ZV für Volksbildung in Berlin; Vors. der Volksbühne u. Vors. des Büros für Theaterfragen; Cheflektor des Verlags Tribüne u. 1952/53 Gen.-Sekr. des VBK; 1949/50 Prof. u. stellv. Dir. an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; 1950 – 58 Prof. für allg. Theorie u. Kunst an der HU Berlin u. Dir. des Inst. für Kunsterziehung; 1958 – 61 OB von Dresden; Mitgl. der SED-BL Dresden (Nachf. von  Walter Weidauer); 1961/62 Dir. der DEFA-Studios für Trickfilme in Dresden; danach freischaff. Schriftst.; 1958 u. 1970 VVO.Partisanen ohne Gewehr. Ein Tagebuch aus der Erinnerung. Berlin 1970.Elke Reuter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gutsche, Joseph

* 5.4.1895 – ✝ 4.5.1964

Geboren am 5. April 1894 in Gräditz/Krs. Schwiebus. Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Buchbinder. Seit 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg, geriet in russische Kriegsgefangenschaft und schloß sich der Roten Armee und SDAPR an. 1918 nach Deutschland zurückgekehrt, trat er in die USPD und 1920 in die KPD ein, war militärischer Berater bei den bewaffneten Kämpfen in Berlin, nach dem Hamburger Aufstand 1923 Mitarbeiter der Zentrale der KPD. Als Anhänger Ruth Fischers M-Leiter für den Bezirk Berlin-Brandenburg, im Februar 1924 zum ersten militärpolitischen Lehrgang der Komintern nach Moskau geschickt, mit ihm u.a. Hans Kippenberger, Heinz Neumann und Wilhelm Zaisser. Nach seiner Rückkehr wurde Gutsche Ende Oktober 1924 auf der ersten Konferenz der Leiter des Ordner-Dienstes (OD) Berlin-Brandenburg mit zahlreichen Funktionären verhaftet, im Oktober 1925 vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu drei Jahren verurteilt, die er im Zuchthaus Sonnenburg verbüßte. Während der Haft wandte sich Gutsche von Ruth Fischer ab und wurde Anhänger Ernst Thälmanns. Nach seiner Freilassung 1927 erneut Angestellter des Parteiapparates. Das ZK der KPD beauftragte ihn gemeinsam mit Franz Dahlem »zur Bekämpfung der oppositionellen Gruppierung um Ruth Fischer« im Wedding. Nach dieser »Bewährungsprobe« gehörte Gutsche zum reorganisierten AM-Apparat der KPD unter Leitung von Hans Kippenberger, 1929 für den Aufbau sogenannter Sprenggruppen verantwortlich. Einer drohenden Verhaftung entging er im April 1931 durch Flucht in die Sowjetunion, wurde dort Mitglied der KPdSU(B) und diente bis 1942 in der Roten Armee. Als Angehöriger der sowjetischen Aufklärung u. a. in China und den USA, zeitweise Lehrer an der M-Schule der Komintern. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion kämpfte Gutsche mit seinem Sohn Rudolf (* 4. 11. 1919 – † 3. 10. 1988) in einer Partisaneneinheit in der Ukraine. Im Herbst 1945 Rückkehr nach Deutschland, sein Versuch, für die Kommunisten Mitglied der SPD in Leipzig zu werden, um diese zu unterwandern, scheiterte. Gutsche übernahm als KPD- bzw. SED-Mitglied führende Funktionen, u. a. von 1947 bis 1949 Präsident des Landespolizeiamts Sachsen, nach Gründung des MfS 1950 Leiter der Landesverwaltung Sachsen bzw. bis Anfang 1953 der Bezirksverwaltung Dresden, dann Leiter der Hauptabteilung Information des MfS in Ost-Berlin. Generalmajor und im November 1953 Chef der streng geheimen Abteilung »zur besonderen Verwendung« (z.b.V.), deren Operationsgebiet die Bundesrepublik Deutschland war, 1957 Ruhestand. Rudolf Gutsche starb am 4.Mai 1964 in Ost-Berlin. Mike Schmeitzner veröffentlichte 2004 eine biographische Skizze über Rudolf Gutsche.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Gutzeit, Martin

* 30.4.1952

Geb. in Cottbus; Vater Pfarrer; POS; 1968 – 70 Ausbildung zum Elektromonteur in Calau; 1971 Abitur an der Abendschule in Cottbus; 1970/71 Relaismechaniker bei der Energieversorgung Cottbus; 1971 Totalverweigerung des Wehrdienstes; 1971/72 Diakoniehelfer auf dem Martinshof in Rothenburg (Oberlausitz); 1972 – 79 Studium der Theol. u. Philos. am Sprachenkonvikt Berlin, 1979/80 priv. Studien (Georg W. F. Hegel, Immanuel Kant); bildete 1977 – 81 u. a. mit  Markus Meckel einen »Hegel-Krs.«, vom MfS überwacht; 1980 – 82 Vikariat in Berlin-Pankow; 1982 – 86 Pastor in Schwarz (b. Neustrelitz); 1983 – 87 Teiln. an den mobilen Mecklenb. Friedensseminaren; 1984 Mitarb. im Arbeitskrs. Theol. u. Philos. beim Bund der Ev. Kirchen in Berlin; 1986 – Jan. 1990 Repetent bzw. Assistent bei  Richard Schröder am Sprachenkonvikt Berlin, Arbeit über Hegels Logik u. Religionsphilos.; 24.7.1989 Verf. des Initiativaufrufs zur Gründung der SDP (mit Markus Meckel), 7.10. Mitbegr. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Wahl in den Vorst., später stellv. Geschäftsf.; Sept. – Nov. Teiln. an den Treffen der Kontaktgr. der Opp., die im Nov. den Zentr. Runden Tisch initiierten, seit 7.12. dort SDP-Vertreter; Jan. – Sept. 1990 Mitgl. des PV der SPD (DDR), Mitarb. in der Grundsatzkommission; März – Okt. Abg. der Volkskammer, parl. Geschäftsf., Mitgl. des Präs. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; Febr. – Sept. 1991 Assistent an der Theol. Fak. der HU Berlin; Okt. 1991 – Dez. 1992 Werkvertrag bei der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Opp. des Herbstes 1989; Okt. 1992 gewählt u. seit Jan. 1993 Landesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR in Berlin; März 1992 – Juni 1994 Sachverständiger in der Enquete-Kommission des Dt. Bundestags zur Aufarbeitung von Geschichte u. Folgen der SED-Diktatur in Dtl.; 1995 Bundesverdienstkreuz; Mitgl. des BStU-Beirats.Opposition in der DDR. Köln 1994 (zus. mit M. Meckel).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gysi, Gregor

* 16.1.1948

Geb. in Berlin; Vater  Klaus Gysi; 1954 – 62 POS, 1962 – 66 EOS, Abitur u. Lehrabschl. als Facharbeiter für Rinderzucht; 1962 FDJ u. DSF; 1963 FDGB; 1966 – 70 Jurastudium an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1970/71 Assistentenausbildung am Stadtbez.-Gericht Berlin-Friedrichshain u. im Rechtsanwaltskolleg.; 1967 SED; Mitgl. der Vereinigung Demokrat. Juristen; ab 1971 Rechtsanwalt, vertrat u. a.  Robert Havemann u.  Rudolf Bahro sowie Mitgl. von opp. Gruppen; 1976 Prom. an der HU Berlin zum Dr. jur. mit einer Diss. zum soz. Rechtsverwirklichungsprozeß; 1988/89 Vors. des Kolleg. der Rechtsanwälte Berlins u. des Rats der Vors. der Kollegien in der DDR; Nov. 1989 legte G. G. einen Gegenentwurf der Rechtsanwälte zum Reisegesetzentwurf der Reg. vor; 3.12.1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des a. o. Parteitags der SED, verantw. für die Untersuchung von Amtsmißbrauch u. Korruption; Dez. 1989 – März 1990 SED-PDS-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; 9.12.1989 – Jan. 1993 Vors. der SED-PDS bzw. PDS; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Vors. der PDS-Fraktion. Okt. 1990 – Febr. 2002 Abg. des Dt. Bundestags (Direktmandat), bis 1998 Vors. der Gruppe der PDS (mehrmals bestätigt), Okt. 1998 – 29.9.2000 der PDS-Fraktion; widersprach stets dem Verdacht, als IM »Notar« für das MfS tätig gewesen zu sein; Juli 1992 Mitbegr. der »Komitees für Gerechtigkeit«; Kuratoriumsmitgl. der Stiftung Archiv der Parteien u. Massenorg. der DDR; 17.1.2002 – 31.7.2002 Berliner Bürgermstr. u. Wirtschaftssenator; seit Aug. 2002 wieder als Rechtsanwalt tätig; seit Sept. 2005 erneut Abg. des Dt. Bundestags (Direktmandat), Dez. 2005 bis zum Gründungsparteitag der Linkspartei im Juni 2007 auch Mitgl. der WASG; zus. mit Oskar Lafontaine Vors. der Fraktion »Die Linke«.Wir brauchen einen dritten Weg (Hrsg.). Hamburg 1990; Handbuch für Rechtsanwälte (mit Autorenkoll.). Berlin 1990; Sturm aufs Große Haus. Der Untergang der SED (mit T. Falkner). Berlin 1990; Das war’s. Noch lange nicht. München 1997; Freche Sprüche. Berlin 1998; Ein Blick zurück, ein Schritt nach vorn. Reinbek 2002; Was nun? Hamburg 2003. Runge, I., Stellbrink, U.: G. G. »Ich bin Opposition«. Berlin 1990; Sabath, W.: G. G. Berlin 1993; Mytze, A. (Red.): G. G. u. das MfS. London 1995; König, J.: G. G. Eine Biogr. Berlin 2005.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Haag, Alfred

* 15.12.1904 – ✝ 8.8.1982

Geboren am 15. Dezember 1904 in Schwäbisch-Gmünd; Lehre und Arbeit als Schreiner. 1923 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Gmünd. 1931 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach Rückkehr Ende 1931/32 Redakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung«. 1928 und 1932/33 Stadtrat in Schwäbisch-Gmünd und im April 1932 als jüngster Abgeordneter in den Württembergischen Landtag gewählt. Am 10.Februar 1933 wurde Haag in Ulm verhaftet und wegen einer zurückliegenden Schlägerei mit Nazis zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, anschließend »Schutzhaft« u.a. in den KZs Dachau und Mauthausen. Dann im Februar 1940 auf persönliche Anweisung des Reichsführers SS Heinrich Himmler aus dem Gestapogefängnis Prinz-Albrecht-Straße in Berlin entlassen. Haag arbeitete in einem kleinen Handwerksbetrieb, wurde später zur Wehrmacht eingezogen und kam in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1948 nach München zurückkehrte. Er fand Arbeit als Schreiner, später Angestellter einer Krankenkasse. Alfred Haag, der sich wieder der KPD und 1968 der DKP anschloß, war langjähriger Vorsitzender der VVN in Bayern. Er starb am 8. August 1982 in München. Seine Frau Lina Haag (* 18. Januar 1907), geborene Jäger, war Hilfsarbeiterin, Mitglied des KJVD und der KPD. Auch sie wurde 1933 verhaftet und befand sich bis 1939 in Haft, davon längere Zeit in Dunkelarrest. Nach einer Ausbildung als Krankengymnastin arbeitete sie nach 1945 in München. 1945 wieder Mitglied der KPD, sie veröffentlichte 1947 das Buch: »Eine Handvoll Staub«.

Wer war wer in DDR

Haase, Helga

* 9.6.1934 – ✝ 16.6.1989

Geb. in Schidlitz (Krs. Danzig/Siedlce, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; nach 1945 in Neumühle (b. Schwerin); 1949 – 52 Ausbildung zur Buchhalterin; 1952 – 65 im Beruf tätig; Handballerin in Berlin; 1951 – 66 aktiv als Eisschnelläuferin beim SC Dynamo Berlin (Trainer u. Ehemann Helmut Haase); 1952 – 89 Buchhalterin bei der DVP, zul. Major (als erste Frau in der DDR); 1961 – 79 Mitgl. des DTSB-Präs.; 1965 – 84 Trainerin; 1966 Fernstudium an einer Trainer-FS; 1957, 1958, 1962, 1963, 1965 DDR-Mstr. im Mehrkampf; zweimal Teiln. an Weltmeisterschaften im Mehrkampf; zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1960 Siegerin über 500 m (1. olymp. Goldmedaille einer DDR-Sportlerin), 2. Platz über 1.000 m u. 8. über 1.500 m, 1964 8. Platz über 500 m, 4. über 1.000 m u. 5. über 1.500 m; Trainerin beim SC Dynamo Berlin; Ehrenmitgl. des DDR-Eislaufverb.; ab 1984 Invalidenrentnerin; VVO.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Haberland, Ernst

* 3.12.1903 – ✝ 26.11.1992

Geb. in Essen; Vater Dreher; 1909 – 14 Volksschule in Utrecht, 1914 – 18 in Essen; 1918/19 Hilfsarbeiter in Essen; ab 1919 Ausbildung zum Dreher; 1921 Mitgl. des KJV; 1922 zu 21 Mon. Gefängnis verurteilt wegen »Teiln. an den Gruppen von Karl Plättner der KAJ«; 1923/24 illeg. pol. Arbeit; 1924 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt; 1928 amnestiert; 1928 Mitgl. der KPD Essen; 1928 – 33 Ltr. der RFB Dinslaken bzw. Org.-Ltr. des illeg. RFB-Gaus Ruhrgeb.; Mitarb. im M-Apparat der KPD; 1933/34 N-Ltr. des KPD-UB Ruhrgeb. u. Mitgl. der KPD-BL Ruhrgeb.; März 1934 verhaftet, vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1934 – 45 Haft im KZ Buchenwald; dort Mitgl. des Parteiaktivs u. der Militärorg., Ltr. des Sektors »Grün«; April 1945 maßgebl. am Selbstbefreiungsversuch der Häftlinge beteiligt. 1945 Mitgl. u. 1945/46 Geschäftsf. der KPD-BL Ruhrgeb., 1946/47 der KPD-LL NRW, Ltr. der Abt. Wirtschaft; Mitgl. des LV; 1947/48 Red. der KPD-Ztg. »Freies Volk«; 1948 Ltr. der personalpol. Abt. der KPD-LL in Düsseldorf; 1948/49 im N-Apparat (»Parteiaufklärung«) der KPD, Führungsoffz. der Quelle Lothar Weirauch (»X«); 1949/50 Verlagsltr. »Neue Volksztg.« in Herne; 1950 – 52 Resident der Parteiaufklärung (»Bern«); 1952 Übersiedl. in die DDR; 1952 – 55 Sekr., dann 1. Sekr. der GST Halle; 1955 – 57 stellv. Chefred., dann Chefred. der GST-Ztschr. »Das Banner« bzw. »Sport u. Technik«; Mitgl. des Sekr. des GST-ZV; Sept. 1957 Ltr. der Abt. für Ausbildung im MfNV; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; ab 1959 Ltr. der Abt. Ausbildung u. Schulung, zugl. 1959 – 62 Ltr. der Verw. 15 des MfNV, zuständig für »Partisaneneinsätze« in der Bundesrep. Dtl.; ab Juli 1962 am Aufbau des 1. Fallschirmjägerbat. der DDR beteiligt; 1963 Banner der Arbeit; Okt. 1963 Oberst der NVA; 1963 – 66 Dir. des Armeemuseums in Potsdam (Nachf. von Otto Schwab); Sept. 1966 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, übernahm eine ehrenamtl. Funktion im (illeg.) ZK der KPD in Berlin; 1973 VVO; 1978 KMO; 1983 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Der Pelerinenmann. Erinnerungen an die Selbstbefreiung der Häftlinge von Buchenwald. Berlin 1981. Müller-Enbergs, H. (Hrsg.): Inoffizielle Mitarb. des MfS. Teil 2: Anleitungen für die Arbeit mit Agenten, Kundschaftern u. Spionen. Berlin 1998.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hacks, Peter

* 21.3.1928 – ✝ 28.8.2003

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Rechtsanwalt; Gymnasium, 1946 Abitur in Wuppertal; Studium der Soziol., Philos., Germanistik u. Theaterwiss. in München; 1951 Prom. mit der Diss. »Das Theaterstück im Biedermeier«; Arbeit für Theater u. Rundfunk. 1955 Übersiedl. in die DDR; Dramaturg zunächst beim Berliner Ensemble, 1960 – 63 am Dt. Theater Berlin (DT); 1964 Mitgl. des Präs. des PEN-Zentrums; 1972 Mitgl. der AdK (1991 Austritt) u. der Akad. der darstellenden Künste in Frankfurt (Main); stellte sich dem Berliner Theaterpublikum 1956 mit der Komödie »Die Schlacht bei Lobositz« vor; thematisierte Widersprüche des entstehenden Soz. erstmals im Drama »Die Sorgen u. die Macht« (Erste Fassung 1958, UA 1960, Dritte Fassung 1962); dessen Absetzung v. Spielplan des DT aus pol. Gründen führte 1963 zum Rücktritt v. Intendant  Wolfgang Langhoff u. Dramaturg P. H.; Gegenwartskomödie »Moritz Tassow« (UA Okt. 1965 an der Berliner Volksbühne) wurde unmittelbar nach dem 11. Plenum des ZK der SED (Dez. 1965) abgesetzt; fortan bevorzugte P. H. für die Darstellung zeitgenöss. Konflikte klass. Stoffe; 1965 F.-C.-Weiskopf-Preis; 1971 Kritiker-Preis der Bundesrep. Dtl.; 1974 u. 1977 NP; 1981 Heinrich-Mann-Preis; 1998 Jugendliteraturpreis der Frankfurter Buchmesse; verfaßte u. a. »Omphale« (Komödie, 1970), »Adam u. Eva« (Komödie, UA 1973), »Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe« (Monodrama, UA 1976); »Fafne, die Bisam-Maus« (1992), »Der Geldgott« (1993), »Genovefa« (1995); schrieb Märchen u. Romane für Kinder, Lyrik (»Die Gedichte«, 1988) u. Essays (u. a. »Die Maßgaben der Kunst«, 1977; »Schöne Wirtschaft. Ästhet.-ökon. Fragmente«, 1988); »Jona« (Trauerspiel. Berlin u. Weimar 1989); Übertragungen bzw. Nachdichtungen von John M. Synge, Attila József, Carl M. Bellman u. a.; Werke in 15 Bd. Berlin 2003 ff.; gest. in Groß-Machnow (b. Berlin). 2007 Gründung der P.-H.-Gesell. e. V. auf dem ehem. Sommersitz in Groß-Machnow.Schmidt, G.: P. H. in Bundesrep. Dtl. u. DDR. Köln 1980; Thiele, A. (Hrsg.): In den Trümmern ohne Gnade. Fs. zum 75. Geburtstag von P. H. Berlin 2003; Müller, A.: Gespräche mit H. 1963 – 2003. Berlin 2008; Peter-Hacks-Bibliogr. Mainz 2008.Leonore Krenzlin

Wer war wer in DDR

Gundermann, Marianne

* 20.8.1902 – ✝ 29.5.1974

Geb. in Crimmitschau (Sachsen) in einer jüd. Familie; Vater Mützenmacher; Mittelschule in Berlin, Handelsschule; nach 1917 Arbeit bei versch. Verlagen in Berlin; 1919 – 24 KAP; 1924 KPD; Kultur-Red. der Ztschr. »Klassenkampf«, wegen Zugehörigkeit zu den »Versöhnlern« Ausscheiden aus der Red.; 1930 in Berlin Red. bei der Ztschr. »Weg der Frau«; 1933 Emigr. nach Paris; Mitarb. der RH; 1934/ 35 illeg. Arbeit in Dtl. u. im Saargeb.; über Paris in die UdSSR; 1936 Parteischule (Lenin-Schule), Red.; 1938 mit Parteiauftrag in die Niederlande, Abhördienst ausländ. Rundfunkstationen bei Abschnitts-Ltg. West in Amsterdam (»Toni«); Mitgl. der KPD-Emigr.-Ltg.; April 1943 in Amsterdam verhaftet, gab der Gestapo nach mißglücktem Suizidversuch Informationen preis, die zu Verhaftungen führten; 1943 KZ Auschwitz u. KZ Ravensbrück; über Rot-Kreuz-Aktion 1945 nach Schweden; Red. der »Pol. Information« in Stockholm. März 1946 Rückkehr in die SBZ; erhielt wegen ihrer Aussagen bei der Gestapo ihr Parteibuch nicht zurück; Red. u. HA-Ltr. beim Berliner Rundfunk; 1949 – 53 Red. des »Neuen Dtl.«; 1953 beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1956 durch ZPKK Aufnahme in die SED; Abt.-Ltr. HA Schöne Lit. im Min. für Kultur; 1959 Lessing-Preis u. Händel-Preis; 1964 Dr. phil. mit »Händels Rolle als Aufklärer«; 1969 NP; 1970 ZPKK erkennt ihre Parteimitgl. rückwirkend ab 1919 an; gest. in Berlin.Sabotage im Lager Auschwitz. In: Pol. Information (Stockholm) (1945) 13; Der Humanist Arnold Zweig. Berlin 1955; Händel-Renaissance. Berlin 1960/69; Lebendiges Erbe. Reden u. Aufsätze zur Kunst u. Lit. Leipzig 1972. Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Stuttgart 2000.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Günther, Egon

* 30.3.1927 – ✝ 31.8.2017

Geb. in Schneeberg (Erzgeb.); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Schlosser; techn. Zeichner in einem Konstruktionsbüro für Maschinenbau; 1944/45 Wehrmacht; Kriegsgefangenschaft in den Niederlanden u. Goslar, Flucht. Rückkehr nach Dtl.; Neulehrer; 1948 – 51 Studium der Pädagogik, Germanistik u. Philos. in Leipzig; anschl. Lehrer; später Verlagslektor in Halle; verfaßte Dramen, Libretti, Romane; ab 1958 Dramaturg, Regisseur u. Szenarist bei der DEFA; SED; seit 1961 freischaff.; Verfilmung von Gegenwartsstoffen, u. a. »Der Dritte« (UA 1972) u. »Die Schlüssel« (1974); Adaptationen liter. Vorlagen, so »Abschied« nach  Johannes R. Becher (1968, zus. mit  Günter Kunert u.  Heinz Kamnitzer) sowie »Die Leiden des jungen Werther« nach Johann W. v. Goethe (1976), 1972 NP; kulturpol. Restriktionen nach dem 11. Plenum des ZK der SED (Dez. 1965) verhinderten die Fertigstellung des satir. Gegenwartsfilms »Wenn du groß bist, lieber Adam«; in der DDR wiederholt in seiner Arbeit behindert; ab 1979 als Autor u. Regisseur von TV-Filmen in der Bundesrep. Dtl. tätig. Nach 1990 u. a.: »Stein« (1990); »Lenz« (1992); »Das 7. Jahr – Ansichten zur Lage der Nation« (1997; »Else, Geschichte einer leidenschaftl. Frau« (1998/99); »Die Braut« (1999); 1992 Berufung zum Prof. an der Film-HS Babelsberg; 1999 Bundesfilmpreis für sein Gesamtwerk; lebte in Groß-Glienicke (b. Potsdam), gest. in Potsdam. Kennzeichnend für G.s Filme waren Konfliktorientierung u. formale Innovationen, insb. subtile Bildverfremdung.Einmal Karthago u. zurück. Berlin, Weimar 1974; Reitschule. Berlin, Weimar 1981; Der Pirat. Berlin, Weimar 1988; Rosamunde. Bergisch-Gladbach 1990; Palazzo Vendramin: Richard Wagners letzte Liebe. Bergisch-Gladbach 1999. Beutelschmidt, Th.: Zwischen den Stühlen. Leipzig 2005.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

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Günther, Karl-Heinz

* 13.2.1926 – ✝ 1.10.2010

Geb. in Eisenach; Vater Eisenbahner; Gymnasium, 1944 Abitur; Aufnahme eines Med.-Studiums in Berlin; Ende 1944/45 Offz.-Anwärter im Sanitätsdienst der Luftwaffe, Jan. 1945 Sanitäter im Fronteinsatz; Mai – Juli 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft, zul. im antifa. Jugendaktiv. Studium der Geschichte u. Pädagogik an der MLU Halle-Wittenberg; Jan. 1950 SED; Sept. 1951 wiss. Assistent; 1955 Prom. zu Hugo Gaudig bei  Hans Ahrbeck; anschl. wiss. Mitarb. für Geschichte der Erziehung u. Studiendir. für Aspirantur, 1961 stellv. Dir. für Aspirantur u. Weiterbildung am Dt. Pädagog. ZI; 1962 Habil. mit einer Arbeit über bürgerl.-demokrat. Pädagogen des 19. Jh. an der HU Berlin; 1970 Ord. Mitgl. u. bis Dez. 1989 Vizepräs. der APW; Prof. für Geschichte der Pädagogik; 1974 NP; 1982 Korr. Mitgl. der AdW; 1978 bis zur Auflösung 1990 Vors. der Kommission für dt. Erziehungs- u. Schulgeschichte. Gest. in Berlin. Publ. zu bildungshist., allgemeinpädagog. u. erziehungstheoret. Themen; Mithrsg.: Geschichte der Erziehung (16 Aufl.). Berlin 1957 – 88; Pädagog. Bibl.; Jb. für Erziehungs- u. Schulgeschichte (ab 1967).Gert Geißler

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Güßfeld, Käthe

* 15.5.1899

Geboren am 15. Mai 1899 in Berlin; bis 1923 Volksschullehrerin. Sie gehörte seit Mai 1920 der USPD, seit Ende 1920 der KPD an und war 1923/24 Frauenvertreterin der BL Berlin-Brandenburg. Dann war sie Übersetzerin und Redakteurin der Zeitschrift »Kommunist« und für die internationale Abteilung der Komintern (OMS) und den sowjetischen Nachrichtendienst tätig. Einsätze führten sie in die USA, nach Großbritannien und nach Frankreich, zeitweilig war sie dort inhaftiert. Von 1924 bis 1927 im Sekretariat der IAH in Berlin, ab 1927 in der Sowjetunion. 1928 Anhängerin Heinrich Brandlers. Käthe Güßfeld war bis 1931 in der sozial-ökonomischen Abteilung der RGI, anschließend bis 1935 als Dozentin am Institut der »Roten Professur« in Moskau. Sie wurde am 27. Oktober 1936 vom NKWD verhaftet. Kurz zuvor hatte sie noch einen schwedischen Staatsbürger geheiratet (Katy Swenson). Ihr Sohn konnte von ihrer Schwester nach Berlin geholt werden. Käthe Güßfeld saß mit Carola Neher und Hilda Duty ab 1938 in einer Zelle im Zuchthaus Orjol, später soll sie im Lager Sol-Ilzek gewesen sein. Laut einer Auskunft aus dem Jahre 1948 kam Käthe Güßfeld als Opfer der Stalinschen Säuberungen im sowjetischen Gulag ums Leben.

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Guter, Kurt

* 1.9.1921 – ✝ 27.10.2001

Geb. in Berlin; Vater Filmspielltr. der Universum Film AG (UFA), Mutter Schauspielerin; Grundschule u. Gymnasium in Potsdam, Abitur; Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Berlin (drei Semester); 1940 / 41 Kamera-Ass. der Universum Film AG in Potsdam; 1941 – 45 Wehrmacht; April – Dez. 1945 in Westdtl.; Ende 1945 mit einem Transport nach Zingst gekommen. 1946 SED; 1946 – 48 Gemeindesekr. u. Gemeinderat in Zingst; 1948 Sonderlehrgang an der SED-LPS Mecklenb. in Wiligrad; 1948 / 49 Bürgermstr. in Franzburg; 1949 / 50 Kreisrat für Inneres in Stralsund; 1950 – 53 Vors. des Rats des Krs. Malchin; 1954 – 56 1. Sekr. der SED-KL Malchin; Fernstudium an der DASR Potsdam-Babelsberg, 1955 Dipl.-Jurist; 1956 –58 1. Sekr. der SED-KL Neubrandenburg; 1958 / 59 1. Stellv. des Vors., 1959 – 62 Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg; 1962 – 67 erneut stellv. Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg; Studium an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss. u. Dipl.-Staatswiss.; 1967 – 89 1. Sekr. der SED-KL Prenzlau; danach Rentner.Andreas Herbst

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Gutsche, Rudolf

* 4.11.1919 – ✝ 3.10.1988

Geb. in Berlin; Sohn von  Joseph G.; 1931 Emigr. in die UdSSR; 1932/33 Agenteneinsatz in China; 1933 Mittelschule; 1933 – 35 Militärschule in Moskau, Ausbildung als Radiotechniker; 1935 – 38 Einsatz als illeg. Funker in Shanghai; 1938 Lehrer in mehreren Militärschulen der UdSSR; 1940 – 43 außerdem Ltr. von zwei Spezialschulen für Aufklärer; 1943 – 45 Partisanen- u. Agenteneinsätze. 1945/46 Spezialschule für Flugtechnik; 1946 SED; Einstellung bei der VP Leipzig, erst Dolmetscher, dann Ltr. der K 5 (pol. Polizei); 1949 stellv. Ltr. der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Thür. (ab Febr. 1950 Länderverw. Thür. des MfS); 1950 Ltr. der Abt. VIII (Observation/Festnahmen) des MfS Berlin; 1953 Oberst-Ltn.; 1957 stellv. Ltr. der Abt. F (Funk); 1961/62 Einjahreslehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; 1962 Ltr. der Koordinierungsstelle Karlshorst in der Verw. Rückwärtige Dienste; 1975 Entlassung, Rentner; 1985 VVO; gest. in Berlin.Jens Gieseke

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Gwisdek, Michael

* 14.1.1942

Geb. in Berlin; Eltern Gastronomen; 1949 – 57 Schulbesuch; 1957 – 61 Lehre als Gebrauchswerber u. Dekorateur; 1961 – 64 versch. Tätigkeiten, Mitarb. im Tanzcafé seiner Eltern, Jugendklubleiter, Verlader im Transformatorenwerk Oberspree; 1965 – 68 Ausbildung an der Staatl. Schauspielschule Berlin; 1968 – 73 Engagement am Theater in Karl-Marx-Stadt (u. a. Titelrolle in »Lorbass« von Horst Salomon, in Goldonis »Diener zweier Herren«); ab 1968 zunächst auch in kleineren Filmrollen (Indianerfilm »Spur des Falken«); 1973 – 83 Engagement an der Volksbühne unter Intendant  Benno Besson, u. a. in Shakespeare-Insz. »Wie es euch gefällt« (1975), »Hamlet« (1977), »Was ihr wollt« (1981), in der Urauff. von  Heiner Müllers »Der Bau« (1980) u. in Müllers »Macbeth« (1982); 1976 erste größere Filmrolle in  Kurt Maetzigs »Mann gegen Mann«, 1981 in  Ulrich Weiß’ »Dein unbekannter Bruder« u. 1983 »Olle Henry« (Kritikerpreis der DDR); 1983 – 91 Engagement am Dt. Theater in Berlin, u. a. Titelrolle in Oscar Wildes »Bunbury oder Die Wichtigkeit ernst zu sein« (1984), in H. Müllers »Die Lohndrücker« (1988) u. in »Ein Monat auf dem Lande« (1989); 1984 – 90 auch Rollen in bundesdt. Produktionen unter Hark Bohm u. Bernhard Wicki; ab 1988 auch Filmregie, Debüt mit »Treffen in Travers« (mehrf. ausgezeichnet, Hauptrolle:  Corinna Harfouch, mit ihr 1985 – 2007 verh.). Ab 1991 freischaff.; 1991 Hauptrolle in »Der Tangospieler« von  Roland Gräf, nach einem Roman von  Christoph Hein (Filmband in Gold als Darsteller); als Regisseur u. Hauptdarst.: 1994 »Abschied von Agnes« (auch Autor) sowie 1998 »Das Mambospiel«; ab 1999 vor allem Filmdarsteller: in  Andreas Dresens »Nachtgestalten« (Silberner Bär der 49. Berlinale u. 2000 Ernst-Lubitsch-Preis), in Oskar Roehlers »Die Unberührbare« (1999), in Zoltan Spirandellis »Vaya con Dios« (2002), in Wolfgang Beckers »Good bye, Lenin!«, in Leander Haußmanns »Herr Lehmann« sowie im Fernsehen u. a. in »Tatort«-Folgen u. »Marga Engel« (ARD), in der Serie »Der letzte Zeuge« u. dem TV-Film »Das Wunder von Berlin« (ZDF); lebt in Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Gysi, Irene

* 10.3.1912 – ✝ 6.5.2007

Geb. in St. Petersburg; Vater Hüttening., Bruder  Gottfried Lessing; seit 1918 in Dtl.; Volksschule u. Gymn. in Berlin-Zehlendorf; 1931 – 35 Studium der Volkswirtschaft in Berlin, dann an der Sorbonne in Paris u. an der School of Economics in London; 1937 Aufenthalt in Südafrika bei ihrem Bruder; 1937 Mitgl. der KPD; 1939 Emigr. nach Frankreich; im Frauenlager Gurs (Pyrenäen) interniert; 1941 im KPD-Auftrag Rückkehr nach Dtl.; 1941 – 45 freie Mitarb. des kath. Verlags Hoppenstedt & Co. in Berlin, Verf. von Firmenjubiläumsschriften, in dieser Zeit zus. mit ihrem späteren Ehemann  Klaus Gysi (verh. 1945 – 58); illeg. pol. Arbeit. 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Red. der Ztschr. »Frau von heute«, Berlin; 1946 – 49 Ref. u. HA-Ltr. in der ZV für Wirtschaft/DWK; 1949 – 51 Ltr. des Verlags Kultur u. Fortschritt Berlin, als »Westemigrantin« abgelöst; 1951 – 56 Ltr. des Verlags Rütten & Loening Berlin; 1956 – 77 Ltr. der HV Internat. Beziehungen des Min. für Kultur; 1972 VVO; 1978 – 88 Dir. des DDR-Zentrums des Internat. Theaterinst. der UNESCO für die DDR; 1988 Ruhestand; gest. in Berlin.Ensikat, D.: I.O.L.G. Ein Anachronismus, der in das Jahrhundert passte. In: Tagesspiegel, 21.6.2007.Carsten Wurm

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Haas, Leo

* 15.4.1901 – ✝ 13.8.1983

Geb. in Troppau (Österreichisch Schles./Opava, Tschechien); Volks- u. Oberrealschule; 1919 – 24 Studium der Malerei an den Kunstakad. in Karlsruhe u. Berlin; ab 1925 Pressezeichner in Wien bei den Ztg. »Abend«, »Arbeiterztg.« u. »Stunde«; 1926 – 38 freischaff. als Maler, Pressezeichner, Gebrauchsgrafiker u. Bühnenbildner in Troppau; 1939 Verhaftung durch die Gestapo; Haft in den KZ Lublin, Nisko, Uljanow, Theresienstadt, Auschwitz, Sachsenhausen, Redl-Zipf, Schlier, Mauthausen u. Ebensee. 1945 erste Ausstellung in Prag; ab 1945 Mitgl. der tschech. Gewerkschaft der Journalisten u. 1946 der KPČ; Pressezeichner u. Karikaturist für das KPČ-Ztg. »Rudé Právo«, die satir. Ztschr. »Dikobraz« u. »Roháč« (Bratislava); 1955 Übersiedl. in die DDR; 1956 Mitgl. des VDJ; ständ. Mitarb. für »Eulenspiegel«, »Neues Dtl.« u. »Wochenpost«; gehört zu den Pionieren der Fernseh-Karikatur; mit dem DFF entstanden die Senderreihe »Zeitgezeichnet« u. die Filme »Mord in Lwow« u. »Aktion J.«; zahlr. Preise auf internat. Ausstellungen; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 Mitgl. der Ltg. der Sekt. Pressezeichner u. Karikaturisten im VDJ u. des VBK; 1964 VVO; Kunstpreis der DDR; 1966 Ernennung zum Prof.; 1971 ČSSR-Orden der Arbeit; Banner der Arbeit; 1976 VVO; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; Ehrenbürger der Stadt Opava; gest. in Berlin.Links überholt! Zeichnungen. Berlin 1961; Terezin, Theresienstadt. Berlin 1972; Kinder im KZ ? u. draußen blühen Blumen. Hrsg. von D. Stanić. Berlin (West) 1982 (Zeichnungen). Wagner, W. H.: Der Hölle entronnen. Stationen eines Lebens. Eine Biogr. des Malers u. Graphikers L. H. Berlin 1987.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Haase, Horst

* 2.1.1929

Geb. in Schönwalde (b. Berlin); Vater Bauarb.; Volks- u. Handelsschule; 1946 – 48 Vorstudienanstalt Berlin; 1948 – 51 Studium der Germanistik, Geschichte u. Pädagogik an der HU Berlin; ab 1951 Lektor, wiss. Assistent bzw. Hochschullehrer; 1953 SED; 1955/56 wiss. Mitarb. im DSV; 1956 Prom. über die expressionist. Ztschr. »Weiße Blätter«; 1963 Habil. über  Johannes R. Bechers Dtl.-Dichtung; 1964 Prof. u. bis 1966 Dir. des Inst. für Lit.-Geschichte der KMU Leipzig; ab 1969 an IfG bzw. AfG, seit 1986 hier Dir. des Inst. für marxist.-leninist. Kunst- u. Kulturwiss. (Nachf. von  Hans Koch); 1976 NP (im Koll.); 1990 Ruhestand; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebt in Berlin. Lehre u. Forschungen zur neueren dt. Lit., bes. zur Lit. des 20. Jh. sowie zur Kulturpol. in der DDR; Hauptautor u. Ltr. versch. Autorenkoll., so von Bd. 11 (Lit. der DDR) der »Geschichte der dt. Lit.« (1977), »Die SED u. das kulturelle Erbe« (1986) u. »Österr. Lit. des 20. Jh.« (1988); viele Artikel u. Kritiken zur Lit. der DDR.Lit. als Angebot. Halle, Leipzig 1983; Die SED u. das kulturelle Erbe. Berlin 1986; Johannes R. Becher. Leben u. Werk. Berlin 1987; Österr. Lit. des 20. Jahrhunderts. Berlin 1990; Gerhard Scholz u. sein Kreis: zum 100. Geburtstag des Mitbegr. der Literaturwiss. der DDR. Berlin 2004.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Häbich, Walter

* 15.10.1904 – ✝ 30.6.1934

Geboren als Sohn eines Mechanikers am 15. Oktober 1904 in Botnang (Stuttgart); lernte von 1918 bis 1921 Bandagist und war von 1923 bis 1925 Metallarbeiter. 1920 Mitglied des KJD, 1921 Vorsitzender einer Ortsgruppe, seit 1922 von Groß-Stuttgart. Häbich schloß sich 1923 auch der KPD an. Er kam im Herbst 1923 in »Schutzhaft« und wurde 1924 wegen seiner Tätigkeit bei den Aufstandsvorbereitungen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Von Januar bis August 1925 verbüßte er einen Teil der Strafe, der Rest wurde ihm erlassen. 1925 Leiter des KJVD Württemberg und hauptamtlicher Funktionär. Im Dezember 1925 unternahm Häbich eine Reise durch die Sowjetunion. Danach 1926 Leiter des KJVD Bezirks Wasserkante, außerdem von 1926 bis 1928 Mitglied der KPD-BL Wasserkante. 1928 Kursant an einer Parteischule in Moskau. Häbich arbeitete im KJVD als Leo, war eng mit Ernst Thälmann verbunden und wurde von diesem nach der Wittorf-Affäre nach Berlin geholt. Hier wurde Häbich Ende 1928 anstelle Konrad Blenkles Vorsitzender des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands. Als Führer des KJVD auf dem XII. KPD-Parteitag 1929 zum Mitglied des ZK gewählt, aber bereits Mitte 1929 als KJVD-Vorsitzender und ZK-Mitglied von Kurt Müller abgelöst. Im November 1929 kam er als Redakteur zum »Klassenkampf« nach Halle und 1930 zum KPD-Organ »Neue Zeitung« nach München. Dort im Januar 1932 als verantwortlicher Redakteur zu anderthalb Jahren Festung verurteilt, Weihnachten 1932 amnestiert, lebte er wieder in München. Wegen illegaler Arbeit für die KPD im September 1933 verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Dort wurde Walter Häbich am 30.Juni 1934 von der SS ermordet. Die Nachricht vom Tode ihres Sohnes erhielt seine Mutter erst vier Monate später.

Wer war wer in DDR

Hadermann, Ernst

* 22.5.1896 – ✝ 2.1.1968

Geb. in Schlüchtern (Hessen); Vater Mühlenbesitzer; 1902 – 11 Volks- u. Lateinschule in Schlüchtern, 1911 – 14 Gymnasium in Fulda, Abitur; 1914 – 18 Militärdienst (Ltn.); 1919 – 24 Studium Germanistik, Geschichte, Philosophie u. Romanistik an den Univ. Frankfurt (Main), Heidelberg, Berlin u. Marburg; Febr. – Herbst 1920 USPD; Juni 1923 Prom. zum Dr. phil.; 1924 St.-Ex. für das höhere Lehramt in Marburg; 1924/25 Studienreferendar, 1926 – 30 Studienassessor in Marburg; 1930 – 39 Studienrat in Kassel; Mai 1937 NSDAP; 1939 – 41 Wehrmacht (Hptm.); Juni 1941 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft; Mai 1942 erster Aufruf an dt. Offz. zur Beendigung des Krieges, Juni 1942 Verf. der Broschüre »Wie ist der Krieg zu beenden?«; Juli 1943 Mitbegründer des NKFD, Mitgl. von dessen geschäftsf. Aussch.; Mitarb. der Ztg. »Freies Dtl.«; 1943 propagandist. Einsätze im Kessel von Stalingrad; Mitgl. der Radio-Red., Verf. u. Sprecher zahlr. pol. Wochenbetrachtungen u. Kultursendungen; Febr. 1944 im Kessel von Kursan Aufruf zur Kapitulation. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Aug. 1945 stellv. Ltr., später Ltr. der Schulabt. in der Dt. ZV für Volksbildung; 1948 – 50 SED; 1948 –55 Prof. mit Lehrstuhl für Dt. Lit.-Geschichte an der Brandenb. Landes-HS u. späteren PH Potsdam, bis 1950 Dekan der PH Potsdam; 1955 –62 Prof. mit Lehrstuhl für Neuere Dt. Lit.-Geschichte an der MLU Halle, Dir. des dortigen Germanist. Inst.; 1956 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1961 VVO; Sept. 1962 em.; 1965 VVO; gest. in Halle.Ein guter Deutscher: Eine Mahnung an das westdt. Bürgertum. Berlin 1968. Finker, K.: Prof. Dr. E. H. – Ein dt. Humanist. Fs. Potsdam 1996.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gundermann, Marianne

* 20.8.1902 – ✝ 29.5.1974

(* 1902 – † 1974) Geboren am 20. August 1902 in Crimmitschau; arbeitete nach der Handelsschule bei verschiedenen Verlagen in Berlin. Von 1920 bis 1923 in der KAP, sie trat 1924 der KPD bei, wurde Redakteurin am »Klassenkampf« in Halle, dort 1929 als Mitglied der Versöhnler abgesetzt. Von 1930 bis 1932 leitete sie die Redaktion der kommunistischen Zeitschrift »Weg der Frau«. 1933 Emigration nach Paris, 1933/34 illegale Arbeit in Deutschland. 1935 nach Moskau, dort 1936 Studium an der Internationalen Leninschule. 1938 nach Holland geschickt, gehörte sie der KPD-Emigrationsleitung an. 1943 verhaftet, soll sie der Gestapo (nach mißglücktem Selbstmordversuch) Informationen gegeben haben. In den KZs Auschwitz und Ravensbrück inhaftiert, kam sie über das Rote Kreuz 1945/46 nach Schweden. Seit 1946 arbeitete sie beim Berliner Rundfunk, 1949 bis 1953 auch in der Redaktion »Neues Deutschland«. Sie gehörte 1953 vermutlich zur Zaisser-Herrnstadt-Gruppe. Wegen ihrer Aussagen bei der Gestapo soll sie intern erst ab 1956 in die SED aufgenommen, 1970 aber voll rehabilitiert worden sein. Ab 1956 Abteilungsleiterin im Ministerium für Kultur; sie erhielt 1959 den Händel-Preis, promovierte 1964 und bekam 1969 den Nationalpreis. Zwar eine einflußreiche DDR-Kulturpolitikerin, wirkte jedoch mehr im Hintergrund. 1972 erschien eine Sammlung ihrer Reden und Aufsätze. Marianne (Änne) Gundermann starb am 29. Mai 1974.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Günther, Joachim

* 7.10.1918 – ✝ 5.1.1976

Geb. in Oelsnitz; Vater Bergmann; 1925 – 29 Volksschule Oelsnitz, danach Oberschule Stollberg, dort 1938 Abitur; anschl. Arbeitsdienst u. Wehrmacht; 1941 – 43 Studium der Staatswiss. an der Univ. Leipzig; 1943 – 45 Wehrmacht. 1945 – 47 Fortsetzung des Studiums an der MLU Halle, dort 1947 Dipl.; 1947 – 49 Ass. am Staatswiss. Seminar u. Studium der Rechtswiss., 1949 Prom. mit der Arbeit »Die Entw. der sächsischen, insb. des Zwickau-Oelsnitzer Steinkohlenbergbaus seit 1937 u. seine Bedeutung im Rahmen der dt. Steinkohlenwirtschaft«; 1949 – 52 Abt.-Ltr. Finanzen bei der Reichsbahndirektion Erfurt; zugleich ab 1951 Lehrtätigkeit an der TH Dresden, dort 1952 Prof. für Verkehrsökon., mit Gründung der HS für Verkehrswesen Dresden ab Sept. 1952 Übernahme als Prof. mit Lehrstuhl für Verkehrswirtschaft, 1952 – 56 Dekan der Fak. für Verkehrsökon., 1956 – 60 Rektor der HS für Verkehrswesen Dresden (Nachf. von  Otto Jentsch); 1957 – 62 Dir. des Inst. für Verkehrswirtschaftslehre u. Verkehrsstatistik, 1956 – 58 Prof. für Verkehrswirtschaftslehre u. Verkehrsstatistik, 1958 Prof. für Statistik u. Grundlagen der Transportökonomik; 1967 VVO; 1962 – 68 Dir. des Inst. für Verkehrsstatistik, 1964 – 73 Dir. des Industrie-Inst.; 1964 Habil.; 1969 ord. Prof. für marxist.-leninist. Organisationswiss. (Informatik); 1974 Invalidisierung; gest. in Dresden. Als zweiter Rektor hat G. den Ausbau der HS für Verkehrswesen maßgebl. vorangetrieben; ca. 100 wiss. Veröff. vor allem über Probleme u. Methoden der Verkehrsstatistik.Transportstatistik. Berlin 1963; Statistik des Nachrichtenwesens. Berlin 1969; Ökonomisches Lexikon. Berlin 1966 (Mithrsg.); Lexikon die Wirtschaft, Verkehr. Berlin 1972 (Mithrsg.).Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Günther, Hans

* 8.9.1899 – ✝ 10.11.1938

(* 1899 – † 1938) Geboren am 8. September 1899 in Bernburg. Nach dem Studium promovierte er 1923 mit einer Arbeit zur Marxschen Mehrwerttheorie. Er veröffentlichte in der kommunistischen Presse theoretische Beiträge, Theater-, Film- und Literaturkritiken. Er trat 1930 der KPD bei und wurde Mitarbeiter der Agitpropabteilung des ZK in Berlin und der »Roten Fahne«. 1932 Übersiedlung nach Moskau und Redakteur der »Internationalen Literatur«. 1935 erschien dort sein Werk »Der Herren eigener Geist. Die Ideologie des Nationalsozialismus«. Er wurde am 4.November 1936 in der UdSSR verhaftet und zu fünf Jahren Lager verurteilt. Hans Günther starb am 10. November 1938 im Durchgangslager Wladiwostok an Typhus. 1956 in der Sowjetunion »rehabilitiert«, erschienen in der DDR erst 1981 seine Ausgewählten Schriften.

Wer war wer in DDR

Guske, Hubertus

* 21.3.1930

Geb. in Breslau (Schles./Wrocław, Polen) als Sohn eines Bankkfm.; 1946 Abitur in Großenhain (Sachsen); CDU; 1947 – 51 Ausbildung u. Anstellung im Landratsamt Großenhain; anschl. Volontär u. bis 1961 Red. der CDU-Ztg. »Neue Zeit« in Berlin; 1957 – 61 zugl. Abg. der Stadtbez.-Vers. Berlin-Weißensee; 1958 – 64 Fernstudium der Geschichtswiss. an der HU Berlin; 1959 – 89 beim MfS als IMV »Georg« erf.; 1961 – 69 Mitarb. bzw. Red. der kath. Ztschr. »begegnung«; 1964 Mitbegr. der Berliner Konferenz europ. Katholiken; 1965 – 90 Mitgl. des Internat. Fortsetzungsaussch., ab 1985 Mitgl. des Präs. u. 1987 – 91 Gen.-Sekr. bzw. Geschäftsf. der Berliner Konferenz (Nachf. von Norbert Kraja); 1972 – 89 stellv. Vors. der Arbeitsgemeinschaft Kirchenfragen beim HV der CDU; 1977 – 87 Chefred. u. anschl. bis 1989 Hrsg. der »begegnung«; 1981 VVO; 1987 – 89 Mitgl. des CDU-Hauptvorst.; 1989/90 Mitgl. der CDU-Grundwertekommission; 1990 Mitbegr. des Christl.-Sozialen Aussch., ab 1959 beim MfS als IM »Hubert«, 1979 – 89 als IMB »Georg« erf. Bis 2002 Geschäftsf. des Ökumen. Friedensforums Europ. Katholiken; lebt in Berlin.Kirche in gewandelter Welt. Berlin 1966; Kath. Leben in der DDR (Ltr. des Autorenkoll.). Berlin 1967; Hélder Câmara. Katholiken Lateinamerikas suchen neue Wege. Berlin 1973; Chronik der Berliner Konferenz europ. Katholiken 1964 – 93. Berlin 1999.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gutjahr, Karl

* 13.11.1894 – ✝ 2.12.1971

Geboren am 13. November 1894 in Lützen/Krs. Weißenfels, Sohn eines Maurers; Lehre und Arbeit als Koch und Kellner. Von 1913 bis 1918 war Gutjahr Fremdenlegionär, bis 1920 interniert, im Frühjahr 1920 konnte er nach Deutschland zurück. Abraumarbeiter in Zeitz, dort im August 1923 Mitglied der KPD und 1924 Stadtrat. Gutjahr leitete ab 1927 die KPD in Zeitz und gehörte der BL Halle-Merseburg an, 1928 Bezirkssekretär für den Halle-Saalekreis. Er wurde Mitglied des Provinzialausschusses Sachsen und saß mit Wilhelm Pieck als KPD-Vertreter im Preußischen Staatsrat. Am 25. Juli 1933 in Hamburg verhaftet, der VGH verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis, anschließend Überführung in das KZ Sachsenhausen, aus dem er Ende April 1939 entlassen wurde. Arbeit als Steinträger in Zeitz, mußte 1942 zur Wehrmacht. 1946 in der SBZ Hauptdirektor Bergbau der AG Brennstoffindustrie. 1948/49 Sekretariatsmitglied der SED Sachsen-Anhalt, 1951 wurde er Hauptdirektor im VEB Mansfeld. 1957 verzog er nach Rostock, ehrenamtlich tätig. Karl Gutjahr starb am 2. Dezember 1971 in Rostock. Sein Sohn, Karl Gutjahr junior (* 21. 11. 1928 – † 12. 3. 1988) war von 1952 bis 1971 persönlicher Mitarbeiter für Landwirtschaftsfragen im Büro von Walter Ulbricht.

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Güttler, Ludwig

* 13.6.1943

Geb. in Sosa (Erzgeb.); 1961 – 65 Studium an der HS für Musik »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig; erstes Engagement beim Händel-Festspielorchester Halle; 1969 – 81 Solotrompeter der Dresdener Philharmonie; seit 1972 Lehrbeauftr. an der HS für Musik »Carl Maria von Weber« Dresden; 1980 – 90 dort Prof.; seit 1978 Gastprof. beim Internat. Musikseminar in Weimar; 1980 Prof.; seit 1982 Ltr. einer Mstr.-Kl. für Trompete; gründete 1976 das Leipziger Bachkolleg., 1978 das Blechbläserensemble Ludwig Güttler in Dresden, 1985 das Kammerorchester Virtuosi Saxoniae; 1979 u. 1985 NP (Dez. 1989 zurückgegeben), 1983 Schallplattenpreis der Dt. Phonoakad. Hamburg. Erforschte u. spielte zahlr. vergessene oder lange ungespielte Meisterwerke; viele Gastspiele im In- u. Ausland; 1991 Gründungsmitgl. des Fördervereins zum Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche; 1993 Initiator u. seitdem künstler. Ltr. des jährl. Festivals »Sandstein u. Musik« in der Sächs. Schweiz; 1996 Dt. Stifterpreis; 2000 Claus-Brendel-Preis u. »Goldene Henne«; Mitgl. der Sächs. AdK; 2007 Bundesverdienstkreuz u. »Officer of the Order of the British Empire«; 1979 – 83 als IME »Friedrich« des MfS erf., von G. als unzutreffend bestritten; lebt in Dresden.Nolle, K.: Sonate für Blockflöte u. Schallmeien. Dresden 2009.Bernd-Rainer Barth

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Gyptner, Richard

* 3.4.1901 – ✝ 2.12.1972

Geb. in Hamburg; Volksschule; kfm. Ausbildung; Schiffbauhelfer; Teiln. an der Nov.-Rev. 1918; 1919 KPD-Mitbegr. in Hamburg; 1920 – 26 Vors. des KJVD u. Jugendvertreter im PB der KPD; 1922 Mitgl. des EKKI der KVJ, Jugendvertreter im EKKI; 1929 Sekr. des Westeurop. Büros der KI (unter Georgi Dimitroff); 1931 KI-Vertreter bei der Schweizer KP; Kand. des EKKI; 1933 Sekr. im Weltkomitee gegen Krieg u. Fasch. in Paris; seit 1933 Sekr. des EKKI der IAH in Paris; Aufenthalte in Dänemark u. Schweden; ab 1935 pol. Gehilfe des KI-Vors. Georgi Dimitroff bzw. des Sekr.-Mitgl. Wilhelm Florin, nach Auflösung der KI Mitarb. in der inoffiz. Nachfolgeorg. »Inst. Nr. 205«; antifa. Radioprop. 30.4.1945 Rückkehr nach Dtl. mit der KPD-Initiativgr.  Walter Ulbricht, Aufbau der Berliner KPD; Juni 1945 Sekr. des ZK u. Ltr. des Büros des Sekr., nach SED-Gründung einer der beiden parität. Sekr. des ZS; 1949/50 Vizepräs. der Berliner VP; als »Westemigrant« abberufen, mußte sich vor ZPKK verleumderischer Vorwürfe erwehren; SED-LPS Liebenwalde; 1951 – 53 HA-Ltr. im Amt für Information; 1953 MfAA, Mitgl. des Kolleg., Ltr. versch. HA Kap. Ausland, dann Konsular. Angelegenh., 1954 Kap. Länder, 1955 Internat. Org., Rechts- u. Vertragswesen; 1954 Mitgl. u. später Ehrenpräs. der Dt. Liga für die Vereinten Nationen; Nov. 1955 – 58 Botschafter in Peking (Nachf. von  Johannes König); 1958 – 61 Bevollm. der Reg. für die Arab. Staaten in Kairo (Nachf. von  Ernst Scholz); 1961 VVO; März 1961 – April 1963 Botschafter in Warschau (Nachf. von  Josef Hegen); 1964 Ruhestand; 1965 KMO; gest. in Berlin.Från forening till massorganisation. Stockholm 1924; Aktivisten der ersten Stunde. In: Wir sind die Kraft. Berlin 1959; Das Westeurop. Büro der kommunist. Internationale (1928 – 33). In BzG 1963; Über den antifaschistischen Sender während des 2. Weltkriegs. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbew. 1964; Mein Sohn, der Partisan. In: Sport u. Technik (1966) 10. Kennerstrom, B.: Dokumenti en kominternrepresentant i Stockholm 1931. In: archiv Lund; Winkler, H.: Lebensbild über den Sohn Rudolf Gyptner. In: Lebendige Tradition. Lebensbilder dt. Kommunisten u. Antifaschisten. 2. Halbband. Berlin 1974.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Gysi, Klaus

* 3.3.1912 – ✝ 6.3.1999

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Arzt, Mutter Buchhalterin; Volksschule in Berlin-Neukölln, Realgymnasium, 1931 Abitur in Darmstadt; 1928 Mitgl. des KJVD, der IAH u. des Soz. Schülerbunds, 1931 der KPD in Frankfurt (Main); 1931 – 35 Studium der Volkswirtschaft in Frankfurt (Main), 1931/32 in Paris (Sorbonne), Innsbruck u. ab Sommer 1933 in Berlin, Jan. 1935 Abschlußprüfung an der Univ. Berlin, Dipl.-Volkswirt; 1931 – 33 Mitgl. der Roten Studentenbew.; Pol.- u. Org.-Sekr. in Frankfurt (Main) u. Berlin; ab 1933 Mitgl. der Reichsltg. der Roten Studentenbew., 1933/34 dort illeg. Arbeit (»Paul Riemer«); Kurierfahrten; 1935 Relegation von der Univ. Berlin; Frühj. 1936 in Cambridge (Kontakt mit Prof. Maurice Dobb); 1939 Mitgl. der Studentenltg. der KPD in Paris; 1939/40 vorübergehend in Frankreich interniert (Lager Virzou, Bourges u. a.); 1940 nach Toulouse zu  Franz Dahlem, auf KPD-Beschluß zurück nach Dtl. (legale Einreise über Freiburg); 1940 – 45 illeg. pol. Tätigkeit in Berlin; war zus. mit seiner damaligen Frau  Irene Gysi freischaff. als wiss. Mitarb. des Verlags Hoppenstedt & Co. in Berlin, Spezialarchiv der dt. Wirtschaft. 1945 Bez.-Bürgermstr. in u. Mitgl. der KPD-KL Berlin-Zehlendorf; 1946 SED; 1945 – 48 Chefred. der kulturpol. Ztschr. »Aufbau«; ab 1945 Mitgl. des Präsidialrats, 1949 – 51 Bundessekr. des KB; Mai 1951 Funktionsverbot wegen angebl. Unklarheiten in seiner Vergangenheit (1940 – 45); 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1952 – 57 stellv. Abt.-Ltr. u. Ltr. des Ressorts Dt. Lit.-Geschichte im Verlag Volk u. Wissen in Berlin, Mitgl. der ZPL des Verlags; 1956 – 65 als IM »Kurt« beim MfS erf.; 1957 – 66 Ltr. des Aufbau-Verlags (Nachf. des verhaft.  Walter Janka); 1957 – 77 Mitgl. des Präs. des KB; 1958 – 62 Stadtverordneter in Berlin; 1959 – 66 Vorsteher des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig (Nachf. von  Heinrich Becker); ab 1963 ehrenamtl. Mitgl. der Westkommission des PB; 1966 – 73 Min. für Kultur (Nachf. von  Hans Bentzien); Mitgl. des Min.-Rats u. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; 1967 – März 1990 wiederum Abg. der Volkskammer; 1969 Banner der Arbeit; 1970 Erinnerungsmed. d. MfS; Lenin-Erinnerungsmed.; 1972 VVO; 1973 – 78 Botschafter in Italien u. Malta; 1977 KMO; 1979 Gen.-Sekr. d. Komitees f. Europ. Sicherheit u. Zusammenarbeit; Nov. 1979 – 88 Staatssekr. für Kirchenfragen (Nachf. von  Hans Seigewasser); 1982 Ehrenspange zum VVO; 1987 Großer Stern d. Völkerfreundschaft; Dr. h. c. der FSU Jena; 1988 Ruhestand; 1990 PDS; gest. in Berlin.Reich-Ranicki, M.: Ein Fanatiker, mit dem sich reden läßt. Der neue Kulturminister der DDR: K. G. In: Die Zeit, 28.1. 1966; Janka, W.: Die Unterwerfung. München, Wien 1994; Wolffsohn, M.: Die Dtl.-Akte. München 1995; Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Schrifts. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996; Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Jüd. Kommunisten in der DDR 1945 – 1990. Weimar 2000; König, J.: Gregor Gysi. Eine Biogr. Berlin 2005. BRB; HME

Wer war wer in DDR

Haase, Erich

* 7.9.1928

Geb. in Großenhain; Vater Heizungsmonteur; Grund- u. Oberschule; Lehre u. Arbeit als Maurer; 1946 SED; 1946 / 47 VHS, Abitur; 1947 – 52 Studium der Wirtschaftswiss. an der TH Dresden, Dipl.-Wirtschaftler; 1952 – 56 Oberass., 1956 – 58 stellv. Dir. des Inst. für Rechnungswesen u. Finanzen der TH Dresden; 1958 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1958 – 61 1. Stellv. des Hauptdir. der VVB Maschinenbau u. Abt.-Ltr. für Ökonomie; 1961 Mitarb., 1962 / 63 Abt.-Ltr. Industrie des VWR, 1963 Sekr. des VWR; 1966 1. Stellv. des Ministers, 1968 – 71 Minister für Materialwirtschaft (Nachf. von  Alfred Neumann) u. Mitgl. des Min.-Rats; anschl. Staatssekr. u. Ltr. der Ständigen Kommission für Materialwirtschaft beim Min.-Rat der DDR.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Häber, Herbert

* 15.11.1930

Geb. in Zwickau (Sachsen); Vater Schmied, Mutter Textilarb.; Volks- u. Oberschule; 1945 Mitgl. der Antifa-Jugend; Hilfsarb. im Metallwerk Zwickau; 1946 SED u. FDJ; Besuch der FDJ-Schule am Bogensee; April – Aug. 1947 Org.-Ltr. des FDJ-KV Zwickau; 1947 FDGB; 1947/48 Laufbote des Jugendaussch. Zwickau; 1947/48 Korrespondent des SNB bzw. des ADN in Zwickau; 1948/49 Jugendsekr. der SED-KL Zwickau; 1949/50 Red. bzw. stellv. Chefred. der »Freien Presse« in Zwickau; 1949 Studium an der LPS; 1951 Instrukteur der Westkommission des ZK der SED; ab 1953 Sektorenltr. gesamtdt. Fragen in der Abt. Presse u. Rundfunk des ZK; 1954/55 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1955 – 60 Sektorenltr. des Arbeitsbüros; 1960 – 65 hauptamtl. Mitgl. im Range eines Abt.-Ltr. der Kommission für gesamtdt. Arbeit bzw. der späteren Westkommission beim PB; Juni – Nov. 1965 stellv. Ltr. der Westabt. des ZK; 17.12.1965 – Juli 1971 stellv. Staatssekr. für gesamt- bzw. westdt. Fragen; 1971 – 73 Dir. des IPW; 1971 Prof.; 1973 – 85 Ltr. der Westabt. bzw. der Abt. Internat. Pol. u. Wirtschaft im ZK (Nachf. von  Heinz Geggel), war über 10 Jahre Vertrauensmann v.  Erich Honecker für Kontakte zu bundesdt. Politikern (insbes. der CDU), so ab Jan 1975 inoff. Gespräche mit Walther Leisler Kiep (CDU-Schatzmeister), Philipp Jenninger, Olaf von Wrangel, Heinrich Windelen, Wolfgang Schäuble; 1976 – 78 Kand., 1978 – 86 Mitgl. des ZK der SED; Mai 1984 – 22.11.1985 Mitgl. des PB u. Sekr. des ZK der SED; 18.8.1985 Einlieferung in das Regierungskrankenhaus Berlin-Buch; am 16.9. 1986 diktierte ihm  Erich Honecker dort sein Rücktrittsgesuch (»aus gesundheitl. Gründen«); Jan. – März 1986 im Fachkrankenhaus in Bernburg; 1986 – 89 wiss. Mitarb. des Inst. für Imperialismusforschung der AfG; 1980 VVO. Ab Mai 2000 Prozeß wegen »Totschlags an DDR-Flüchtlingen« (zus. mit  Hans-Joachim Böhme u.  Siegfried Lorenz) vor dem LG Berlin; Freispruch im Herbst 2000; 2002 Aufhebung des Urteils durch den BGH; 11.5.2004 erneuter Freispruch durch das LG Berlin.Nakath, D., Stephan, G.-R.: Die H.-Protokolle. Schlaglichter der SED-Westpol. 1973 – 1985. Berlin 1999; Kohl, P.: Der Fall H. H. Vom Politbüro in die Psychiatrie (MDR/ DLF/RBBV 1999); Nitz, J.: Unterhändler zwischen Berlin u. Bonn. Berlin 2001.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hachenberg, Otto

* 25.6.1911 – ✝ 24.3.2001

Geb. in Anhausen (Rheinl.); Vater Schuldir.; Besuch des Realgymnasiums Koblenz, dort 1930 Abitur; 1930 – 37 Studium der Physik, Math. u. Astronomie an den Univ. Königsberg, Göttingen u. Berlin, dort 1938 Prom. mit der Arbeit »Der Aufbau des kugelförmigen Sternhaufens M92« bei Paul Guthnick; 1937 – 43 NSDAP; 1937 – 39 Ass. an der Universitätssternwarte Babelsberg; 1939 – 45 Mitarb. im Labor der Telefunken AG in Berlin; 1945 – 50 Mitarb. des Oberspreewerks in Berlin, zuletzt Ltr. des Versuchswerks; 1948 Erteilung der venia legendi für Physik an der HU Berlin u. Aufnahme regelmäßiger Lehrtätigkeit; 1951 Berufung zum Direktor des Heinrich-Hertz-Inst. der DAW in Berlin-Adlershof u. zugl. Berufung zum Prof. mit Lehrauftrag für Physik an der HU Berlin; 1959 NP; 1961 korr. Mitgl. der DAW; 1961 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; ab 1963 Prof. für Astronomie, später Radioastronomie an der Univ. Bonn; 1966 Dir. des Max-Planck-Inst. für Radioastronomie Bonn / Bad Münstereifel, 1979 em.; gest. in Bonn. Anknüpfend an seine frühen Arbeiten zur Ionosphärenphysik u. zur fernsehrelevanten Elektronenoptik u. Photoelektronik, profilierte sich H. in den 1950er Jahren zu einem Pionier der Radioastronomie. Mit dem von ihm entwickelten u. 1958 eingeweihten 36-m-Radioteleskop wurden nicht nur internat. gewichtige Untersuchungen zur Sonnenphysik durchgeführt, sondern das Großgerät wurde zugl. zum Markenzeichen des Akademie-Standorts Berlin-Adlershof u. Symbol für den Wissenschaftsaufschwung in der DDR.Taubenheim, J: O. H. In: Adlershofer Splitter (1999) 4; Wielebinski, R.: The new era of large paraboloid antennas: The life of Prof. Dr. O. H. In: Radio Science 2003.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Haesler, Otto

* 13.6.1880 – ✝ 2.4.1962

Geb. in München; Vater Maler; Realschule in Passau; 1898 – 1902 Ausbildung an den Baugewerkschulen in Augsburg u. Würzburg, 1902 Maurerlehre; 1906 – 33 freischaffender Architekt in Celle, hier zahlr. Einzelbauten, u. a. 1908 »Trüllerhaus«, 1924 Siedlung Italienischer Garten, 1926 Siedlung Georgsgarten; 1925 Mitgl. des Dt. Werkbundes, 1927 Mitgl. der Reichsforschungsges. für Wirtschaftlichkeit im Bau- u. Wohnungswesen; 1928 – 30 Entwurf der Friedrich-Ebert-Siedlung in Rathenow (260 Wohnungen), 1930 Entwurf der Rothenbergsiedlung Kassel (236 Wohnungen); 1934 Umzug nach Eutin; 1942 – 45 Stadtbaurat in Łódź u. Lemberg; 1943 Vorplanung des Wiederaufbaus der sowj. Stadt Sewastopol. 1946 Umzug nach Rathenow; 1946 – 55 Wiederaufbaupläne für die Altstadt von Rathenow (mit Karl Völcker); 1950 – 52 Ltr. des Wiederaufbaus des Zeughauses Berlin zum »Museum für Dt. Geschichte«; 1950/51 Ltg. der Wohnbebauung Platz der Jugend in Rathenow; 1950 Prof. für sozialen Wohnungsbau u. bis 1952 Ltr. der HS für Baukunst Weimar, Forschungsarb. zur Entw. des Plattenbausystems; 1951 Mitgl. der DBA; 1953 Umzug nach Wilhelmshorst (b. Potsdam). H. war neben Walter Gropius u. a. einer der führenden Architekten im sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik u. knüpfte nach 1945 in der SBZ/DDR wieder daran an. Mit der Gründung der DBA Ende 1951 erfolgte in der DDR-Architektur ein rigoroser Richtungswechsel zum »Nat. Bauen«, der fortan zur Stigmatisierung von Bauhaus u. Funktionalismus führte u. damit H. seiner wesentl. Arbeitsgrundlage beraubte.Aufbau der Rathenower Altstadt. In: Planen u. Bauen (1951) 17; Mein Lebenswerk als Architekt. Berlin 1957. Schumacher, A.: O. H. u. der Wohnungsbau in der Weimarer Rep. Marburg 1982; Oelker, S.: O. H. – Eine Architektenkarriere in der Weimarer Rep. Hamburg 2002.Volker Wagner

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Günther, Dettlef

* 27.8.1954

Geb. in Erlabrunn (Erzgeb.); Vater Jockey u. Turnierreiter; zuerst Rennschlittensport bei der BSG Fortschritt Raschau (Erzgeb.), später bei der KJS u. Mitgl. des SC Traktor Oberwiesenthal (Trainer: Eberhard Illing); Spezialdisz.: Herren-Einsitzer; 1975 EM; 1976 Olympiasieger; 1979 WM; Ausbildung zum Elektromonteur; bis 1984 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; danach Trainer für Rennschlittensport in Oberwiesenthal; nach 1989 Nachwuchstrainer.Olaf W. Reimann

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Günther, Joachim

* 22.10.1948

Geb. in Syrau (Krs. Plauen); Vater Reichsbahn-Angest.; OS; 1965 – 67 Ausbildung zum Maschinenbauer; 1967 – 70 FS-Ausbildung zum Maschinenbau-Konstrukteur in Karl-Marx-Stadt, Dipl.-Ing.; 1970 – 75 in einem Ing.-Büro in Plauen tätig; 1971 LDPD; 1975 – 77 Krs.-Sekr. in Oelsnitz (Vogtl.); 1977 – 82 Studium an der ASR Potsdam, Dipl. auf dem Gebiet des Wirtschaftsrechts; 1982 – 90 LDPD-Krs.-Sekr. in Plauen, dort Stadtverordneter; Febr. 1990 Hauptgeschäftsf. der LDP, März – Aug. 1990 des Bunds Freier Demokraten; 1990 – 94 Mitgl. des Präs. des FDP-BV. Sept. 1990 – 95 amtl., dann Landesvors. u. seit 2000 stellv. Vors. der FDP Sachsen; seit Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; Jan. 1991 –Okt. 1998 parl. Staatssekr. im Bundesmin. für Raumordnung, Bauwesen u. Städtebau; seit 1995 Vors. des FDP-KV Vogtland; stellv. Vors. des Arbeitskrs. Außen-, Sicherheits-, Europa- u. Entwicklungspol. u. Sprecher für wirtschaftl. Zusammenarbeit der FDP-Bundestagsfraktion; Obmann im Aussch. für wirtschaftl. Zusammenarbeit.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Günther, Philipp

* 26.1.1883 – ✝ 9.3.1963

Geboren am 26. Januar 1883 in Stollberg/Sachsen, Sohn eines Webermeisters. Maschinenarbeiter, Wanderschaft durch skandinavische Länder. 1906 wurde er in Chemnitz Mitglied der SPD, 1913 Besuch der Parteischule. 1914 Einberufung zum Militär, als Soldat (Marine) 1917 zur Gründung der USPD nach Berlin delegiert. Anschluß an die Spartakusgruppe. Im September 1918 wegen Vorbereitung zur Meuterei inhaftiert, am 26. Oktober befreit und Rückkehr nach Chemnitz. Dort am 9. November in den Arbeiter- und Soldatenrat gewählt. 1919 Mitglied der KPD, 1920 Vorsitzender des KPD-Bezirks Chemnitz. Ab 1923 Stadtverordneter, ab 1924 Stadtrat und von 1924 bis 1930 Redakteur des »Kämpfers«. 1930 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen und aus der Redaktion entlassen. Erwerbslos, aktives Mitglied der KPO und arbeitete an deren Zeitung »Arbeiterpolitik« mit. Ab 1933 in der von Robert Siewert geleiteten KPO-Widerstandsgruppe tätig. Im November 1934 wurde Günther verhaftet und schwer mißhandelt. Am 14. Mai 1935 zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Im November 1936 aus dem Zuchthaus Bautzen in das KZ Sachsenburg überführt, später nach Buchenwald gebracht. Am 16. September 1938 freigelassen, aber unter Polizeiaufsicht gestellt, er arbeitete als Vertreter einer Seifenhandelsfirma in Dresden. 1946 Mitglied der SED; Günther erhielt eine Rüge und wurde 1948 aus der Partei ausgeschlossen. Angeblich waren Briefe von ihm an den Nazi-Bürgermeister von Chemnitz aufgetaucht, in denen Günther 1939 erfolglos versucht hatte, eine Anstellung als Bestattungsredner zu erwirken und Zugeständnisse an »die chauvinistische Ideologie der Nazisten« gemacht haben soll. Infolge seines frühen Parteiausschlussess wurde er von der 1949 einsetzenden Kampagne gegen frühere KPO-Mitglieder in der SED nur noch gestreift. Die ZPKK hatte Günthers Einspruch gegen seinen Parteiausschluß 1950 abgelehnt, im Januar 1960 wurde der Ausschluß aber aufgehoben. Die Medaille für »Kämpfer gegen den Faschismus« wurde ihm allerdings erst im Oktober 1960 verliehen. Philipp Günther starb am 9.März 1963 in Karl-Marx-Stadt.

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Gusner, Iris

* 16.1.1941

Geb. in Tratenau (Trutnow, Tschechien); Vater Regierungsrat, Mutter Sekretärin; ab 1945 in Leipzig; Schulbesuch in Markkleeberg, 1959 Abitur; 1960 Aufnahme zum Regiestudium an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, 1961 – 67 Studium am Moskauer Allunionsins. für Kinematographie, u. a. bei Michail Romm; kurzzeitig in der DFF-Red. des Magazins »Prisma« u. Arbeit als Szenaristin u. Regie-Ass.; ab 1970 im DEFA-Studio für Spielfilme angestellt, Regie-Ass. bei »Goya« von  Konrad Wolf; 1972 / 73 Regiedebüt mit »Die Taube auf dem Dach«, Verbot des Films bei der Rohschnittabnahme (erst 1990 uraufgeführt); 1974 Szenarium zu »Einer trage des anderen Last« nach einem Roman von Wolfgang Held (durfte zunächst nicht realisiert werden – 1987 gibt es den Film von  Lothar Warneke, Buch u. Regie); Regiearbeiten u. a.: 1976 erster zur Aufführung gelangter Spielfilm »Das blaue Licht« nach einem Märchen der Gebr. Grimm, 1977 Kriminalfilm »Einer muß die Leiche sein«, 1980 Gegenwartsfilm »Alle meine Mädchen«, 1984 »Kaskade rückwärts«, 1987 »Ich liebe dich – April, April!« (letzte Arbeit bei der DEFA), viele ihrer Filme thematisierten das Leben der werktätigen Frau im Sozialismus; blieb anläßlich einer Besuchsreise in der Bundesrepubl. Dtl. 1993 vorerst letzte Arbeit: Buch u. Regie zum TV-Spielfilm »Sommerliebe«; lebt in Köln.Ingrid Kirschey-Feix

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Gutsche, Joseph

* 5.4.1895 – ✝ 4.5.1964

Geb. in Gräditz (Krs. Züllichau-Schwiebus, Ostbrandenb./Grodziszcze, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Buchbinder; 1915 Soldat, russ. Gefangenschaft, Flucht nach Rostow (Don); 1917/18 als Rotgardist Teiln. an den rev. Kämpfen; Mitgl. der Sozialdemokrat. Arbeiterpartei Rußlands (Bolschewiki); 1918 Rückkehr nach Dtl.; USPD; militär. Berater u. Org. bei den bewaffneten Kämpfen in Berlin; 1920 KPD; bis 1923 Arbeit als Buchbinder; 1923 Teiln. am Hamburger Aufstand; danach Mitarb. des ZK der KPD; 1923/24 militär.-pol. Lehrgang in Moskau; 1924 – 27 Haft im Zuchthaus Sonnenburg (b. Küstrin) wegen »Hochverrats«; 1930 Emigr. in die UdSSR; Mitgl. der KPdSU; 1931 – 42 Regt.-Kommissar im militär. Geheimdienst der Roten Armee, Einsatz in China u. a. Ländern; 1942 Eintritt in die US-Marine; später wieder in der Roten Armee, mit seinem Sohn  Rudolf G. Partisan u. Aufklärer in der Ukraine. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; Mitarb. der Dresdener Stadtverw.; 1946/47 Dir. des Industriekontors; 1947 – 49 Präs. des Landespolizeiamts Sachsen in Dresden; Mai 1949 – Febr. 1950 Ltr. der Abt. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab Febr. 1950 Verw. für Staatssicherheit Sachsen); 1952 Ltr. der BV Dresden des MfS; Jan. 1953 Ltr. des Informationsbüros beim Minister für Staatssicherheit bzw. der Abt. zur bes. Verwendung (Untergrundaktionen in der Bundesrep. Dtl.); Gen.-Major; 1955 Ltr. der Kontrollinspektion; 1957 Ruhestand.Als Partisan an der Seite des Sowjetvolkes gegen den Hitlerfasch. In: Freundschaft für immer. Dt. Genossen berichten über die Traditionen der dt.-sowj. Freundschaft. Berlin 1960; Der Sumpf – Freund der Partisanen. In: In den Wäldern Belorußlands. Erinnerungen sowj. Partisanen u. dt. Antifaschisten. Berlin 1976. Schmeitzner, M.: Ein dt. Tschekist der ersten Stunde. In: Timmermann, H. (Hrsg.): Das war die DDR. Münster 2004.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Guttmann, Katharine (Ketty)

* 28.4.1883 – ✝ 25.9.1967

(* 1883 – † 1967) Geboren am 28. April 1883 in Hungen/Krs. Schotten als Katharina Ekey. Sie heiratete in Hamburg den Sozialdemokraten Guttmann und trat in die SPD ein, 1917 Übertritt in die USPD. Während der Revolution wurde Ketty Guttmann eine bekannte Agitatorin. Sie ging 1920 mit der linken USPD zur KPD und wurde für diese 1921 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, der sie bis 1924 angehörte. 1921 Gründerin der Zeitschrift »Der Pranger«, Organ einer Hamburger Prostituierten-Vereinigung, für deren Belange sie sich einsetzte. Nach dem Oktoberaufstand 1923 flüchtete sie nach Moskau, kam aber 1924 desillusioniert zurück. Unter der Losung »Los von Moskau« (so auch der Titel ihrer Broschüre von 1924) führte sie einen Feldzug gegen die KPD und Komintern, wobei sie die Unterstützung einer Gruppe Arbeiterlinke in Hamburg fand. Mit ihrer These, die Komintern müsse zerschlagen werden, weil sie nicht die Arbeiterrevolution, sondern die Interessen der sowjetischen Außenpolitik vertrete, näherte sie sich der KAPD. Ketty Guttmann wurde im Juli 1924 aus der KPD ausgeschlossen, blieb aber als ultralinke Kommunistin aktiv. Sie überlebte die NS-Diktatur und korrespondierte von ihrem Wohnort Burscheid aus noch 1947 mit Ruth Fischer in New York. Ketty Guttmann starb am 25. September 1967.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gyptner, Richard

* 3.4.1901 – ✝ 2.12.1972

Geboren am 3. April 1901 in Hamburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; kaufmännischer Angestellter. Von 1916 bis 1918 Mitglied der Gruppe Linksradikale. 1919 Mitbegründer der KPD in Hamburg, Ende 1920 wurde er Vorsitzender des ZK der KJD, in dieser Zeit war er als Jugendvertreter ZA-Mitglied der KPD. Im August 1922 wurde Gyptner nach Moskau berufen, auf dem III. Kongreß der KJI in Moskau im Dezember 1922 mit Otto Unger und Walter Schulz in das Exekutivkomitee der KJI gewählt. Er war bis 1928 zunächst Kandidat, dann Mitglied und von 1924 bis 1928 einer der drei Sekretäre des Exekutivkomitees. Im Sommer 1923 Sekretär des Westeuropäischen Büros der KJI in Berlin. Unmittelbar nach dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 wurde er von der neuen Führung unter Ruth Fischer entlassen, reiste zurück nach Moskau und nahm dort seine Arbeit in der KJI wieder auf. Ende 1928 Rückkehr nach Berlin, war Gyptner hier bis Februar 1933 unter Georgi Dimitroff Sekretär des Westeuropäischen Büros der Komintern. Im April 1933 Emigration nach Skandinavien und Frankreich, von Ende 1933 bis Ende 1935 einer der Sekretäre des ZK der IAH in Paris, danach in der UdSSR bis 1941 persönlicher Sekretär beim Generalsekretär der Komintern Dimitroff. Nach Auflösung der KI Mitarbeiter in der inoffiziellen Nachfolgeorganisation, des »Instituts Nr. 205«, dann Redakteur am Deutschen Volkssender in Moskau bzw. in Ufa. Ende April 1945 kam Gyptner mit der Gruppe Ulbricht nach Deutschland und war in Berlin führend am Aufbau der KPD-Organisation beteiligt. Er leitete ab April 1946 mit dem aus der SPD kommenden Fritz Schreiber »paritätisch« das Büro des ZS der SED. Schreiber trat Ende 1948 aus der SED aus, flüchtete in die Westzonen und schilderte Gyptner als bedingungslosen Vertrauten Walter Ulbrichts. Inzwischen auch bei einstigen KPD-Kadern umstritten, wurde Gyptner im März 1949 Vizepräsident der Ostberliner Volkspolizei. Am 2.Mai 1950 von dieser Funktion beurlaubt, er wurde auf die Landesparteischule nach Liebenwalde geschickt. Von 1951 bis 1953 im Amt für Information, danach wechselte er ins Außenministerium, von Dezember 1955 bis Februar 1958 war er Botschafter in Peking, anschließend Regierungsbevollmächtigter der DDR für die arabischen Staaten in Kairo und von März 1961 bis Mai 1963 Botschafter in Polen. 1964 pensioniert, erhielt er 1965 den Karl-Marx-Orden. Richard Gyptner starb am 2. Dezember 1972 in Ost-Berlin. Sein Sohn Rudolf (* 4. 1. 1923) fiel als Partisan in Polen am 28. 11. 1944.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Haack, Hermann Otto

* 29.10.1872 – ✝ 22.2.1966

Geb. in Friedrichswerth (b. Gotha); Vater Postbeamter; 1878 – 83 Dorfschule, 1884/85 Privatunterricht, 1886 – 93 Gymnasium Ernestinum in Gotha; 1893 – 96 Studium der Geogr. u. Geol. in Halle, Göttingen, Berlin u. Halle, 1896 Prom.; 1896/97 Militärdienst; 1897 – 1944 Kartograph bzw. Ltr. der Geograph. Anstalt Justus Perthes Gotha; 1902 »Kleiner dt. Schüleratlas« u. »Kleiner dt. Lernatlas«; 1920 Prof.; 1922 korr. Mitgl. der Königl. Preuß. Akad. gemeinnütziger Wiss. in Erfurt; 1922 Errichtung der Hermann-Haack-Stiftung des Verb. dt. Schulgeographen; 1932 korr. Mitgl. der Staatl. Geogr. Ges. in Leningrad (später Geogr. Ges. der UdSSR) sowie Ehrenmitgl. der Geogr. Ges. in München; 1942 Ernennung z. Ehrenmitgl. d. Dt. Kartogr. Ges.; Goethe-Medaille für Kunst u. Wiss.; 1944 vorübergehend Rückzug aus dem Berufsleben. Nach 1945 Übernahme der verwaisten Herausgeberschaft mehrerer Verlagswerke, so 1948 – 53 von »Petermanns Geograph. Mitteilungen« u. 1948 – 56 dem »Geograph. Jb.«; ab 1951 Mithrsg. der Ztschr. »Sowjetwiss.«, 1951 – 54 Mitgl. des Red.-Beirates dieser Ztschr.; Mitgl. des LV der DSF; 1952 Dr. h. c. der Univ. Jena; 1953 NP; Ehrenbürger der Stadt Gotha u. der Gemeinde Friedrichswerth; 1954 Rückzug aus dem Berufsleben; 1957 VVO; 1960 stiftet die Geogr. Ges. der DDR die Hermann-Haack-Medaille; gest. in Gotha. Einer der großen Kartographen des 20. Jh.; Begründer u. langj. Hrsg. von »Geograph. Anzeiger« (1899 – 42) u. »Geograph. Bausteine« (1913 – 36); Ehren- bzw. Korr. Mitgl. von zwölf nat. u. internat. geograph. Ges.; 1955, anläßl. seines 83. Geburtstags, wurde seine langj. Wirkungsstätte in »VEB Hermann Haack, Geograph.-Kartograph. Anstalt Gotha« umbenannt.Klaus-Harro Tiemann / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Haase, Hans-Herbert

* 21.3.1927 – ✝ 4.9.2011

Geb. in Halle; Gymnasium; Ausb. als Landw. in Merbitz (Saalkrs.); Studium der Pharmazie u. Med.; Apotheker in Holeben; 1956 Prom. mit einer »Untersuchung über das sog. Farnblattphänomen«; dann Facharzt für Hygiene in Teutschenthal; Oberarzt am Hygiene-Inst. der MLU Halle; Doz., Prof., Dir. des Hygiene-Inst.; Febr. 1990 Mitgl. der FDP, bis Sept. 1990 Vors, dann stellv. Vors. des FDP-Landesverb. Sachsen-Anh. 1990 – 94 MdL Sachsen-Anh. u. Vors. der FDP-Frakt.; danach Apotheker in Halle; unterstützte 1994 LaRouche (Bündnis Solidarität).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Haberditzl, Werner

* 16.11.1924 – ✝ 2.7.1981

Geb. in Berlin-Mariendorf; 1942 Abitur; 1942 – 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 – 48 Schulhelfer an Berliner Schulen; 1946 SED (später SEW); 1946 – 54 Studium der Chemie in Berlin, 1953/54 Diplomarbeit am Inst. für Physikal. Chemie der HU Berlin, seit 1953 hier Assistent, 1957 Prom. bei  Robert Havemann; 1964 Habil.; 1965 ord. Prof. für Theoret. Chemie. W. H. lebte als österr. Staatsbürger in Berlin (West); trug wiss. u. wiss.-org. maßgebl. zur Entw. der Theoret. Chemie in der DDR bei; bes. Leistungen auf dem Gebiet der Magnetochemie (Diamagnetismus, Inkrementsystem, magnetokatalyt. Effekt u. a.); auch philosoph. u. wiss.-theoret. Arbeiten; gest. in Berlin.Magnetochemie. Berlin, Oxford, Braunschweig 1969; Bausteine der Materie u. chem. Bindung. Berlin 1972.Hans-Georg Bartel

Wer war wer in DDR

Hackenberg, Helmut

* 2.3.1926 – ✝ 25.4.1999

Geb. in Oppeln (Oberschlesien / Opole, Polen); Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1940 Lehre als Autoschlosser; 1940 – 44 Unteroffiziersschule; 1944 / 45 Kriegsdienst, 1945 sowj. Kriegsgef. in der ČSR. 1945 / 46 KPD / SED; 1946 – 51 Volontär bei der Versicherungsanstalt Dessau; 1951 / 52 Instrukteur der SED-LL Sachsen-Anh.; 1952 – 63 Abt.-Ltr. Org. / Kader in der SED-BL Magdeburg; Studium an der SED-PHS, 1957 Dipl.-Gesellschaftswiss.; später FS-Studium mit Abschluß als Ing.-Ökonom; 1963 – 71 1. Sekr. der SED-Stadtltg. Magdeburg; 1971 – 89 2. Sekr. der SED-BL Leipzig; Mitgl. des Redaktionskollektivs der theoret. SED-Ztschr. »Einheit«; 1977 VVO. H., der ansonsten nicht als reformorientierter Funktionär galt, spielte für die Ereignisse im Herbst 1989 insofern eine wichtige Rolle, als er unter dem Eindruck der gewaltigen Massendemonstration am Abend des 9. Okt. sowie des von  Kurt Masur im Leipziger Stadtfunk verlesenen Aufrufs zu Besonnenheit u. friedl. Dialog, an welchem mit Kurt Meier, Hans-Joachim Pommert u.  Roland Wötzel auch drei Sekretäre der SED-BL beteiligt waren, als amt. 1. Sekr. der SED-BL Leipzig u. Chef der Bezirkseinsatzleitung die bereitstehenden Sicherheitskräfte letztlich anwies, »keine aktiven Handlungen gegen Personen zu unternehmen, wenn keine staatsfeindl. Aktivitäten u. Angriffe auf Sicherheitskräfte, Objekte u. Einrichtungen erfolgen«.Mario Niemann / Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Haeusler, Helene

* 26.8.1904 – ✝ 10.7.1987

Geb. in Metz (Lothringen, Frankreich); 1922 Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Kassel, Textilkl.; 1923/24 Teiln. am Fröbel-Seminar Kassel, Abschluß als Kindergärtnerin; 1924/25 Studium der Kunstgeschichte an der Univ. Hamburg; zugl. Verkäuferin in den Hansa-Werkstätten; 1925 – 27 Studium der Buch- u. Gebrauchsgrafik an der Staatsschule für angewandte Kunst München bei Fritz Helmuth Ehmcke; 1927 – 32 Direktrice bei der Firma C. u. O. Dressel in Steinach (Thür.); 1932 – 34 selbst. Arbeit als Spielzeuggestalterin in eigener Werkstatt Sonneberg: Puppe »Heinerle«; 1934 – 40 freiberufl. als Grafikerin u. Entwerferin in München; 1940 – 45 vorw. betreuende Arbeit in kinderreichen Familien. 1945 – 50 Gutachterin an der Registerstelle für Spielwaren; Restaurierungsarbeiten Textil auf Schloß Pommersfelden; Mitgl. des Dt. Werkbunds, freie Arbeit als Spielzeuggestalterin; 1954 – 69 Doz. an der FS für Spielzeug Sonneberg; seit Anf. der 60er Jahre Entw. von therapeut. Spielmitteln aus Stoff u. Leder, u. a. Spieltiere (Ente, Nashorn) sowie Spielformen (Würfel, Zylinder) für körperl. u. geistig behinderte Kinder; Kurse für Eltern behinderter Kinder, für Pädagogen u. Therapeuten von Behinderteneinrichtungen. Eine Schule mit sonderpädagog. Förderschwerpunkt »Geistige Entw.« in Berlin-Prenzlauer Berg trägt seit 1997 ihren Namen.Gerd Dietrich