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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Grosse, Herwart

* 17.4.1908 – ✝ 26.10.1982

Geb. in Berlin; Vater Büroangest.; kfm. Ausbildung; Laienspieler in der Agit.-Prop. Gruppe des Fichte-Sprechchors; Schauspielunterricht bei Paul Bildt; 1932 KPD; 1933 Junge Volksbühne Berlin, 1934 – 38 Theater der Jugend Berlin, 1938 – 44 Schiller-Theater Berlin; Wehrmacht (Panzergrenadier). Seit 1945 Dt. Theater Berlin; 1946 KPD/SED; 1966 NP; Theaterrollen: 1946 Wurm in Schillers »Kabale u. Liebe«, 1955 Derwisch in Lessings »Nathan der Weise«, 1956 Musketier Theobald Kosegarten in  P. Hacks’ »Die Schlacht bei Lobositz«, 1958 Alter Fritz in Hacks’ »Der Müller von Sanssouci«, 1960 Wirt in Lessings »Minna von Barnhelm«, 1964 Polonius in Shakespeares »Hamlet« u. Kilty in Shaws »Geliebter Lügner«, 1968 Göring in  Rolf Schneiders »Prozeß in Nürnberg«, 1972 Serebrjakow in Tschechows »Onkel Wanja«, 1976 Narr in Shakespeares »König Lear«; vereinzelt Regiearbeiten, u. a. 1951 »Maria Stuart« von Schiller, 1953 »Shakespeare dringend gesucht« von  Heinar Kipphardt; Filmrollen: 1959 in  Kurt Maetzigs »Rat der Götter«, 1961 Gestapochef Müller in »Der Fall Gleiwitz«, 1981 Prof. Lankwitz im Fernsehfilm »Kippenberg«. G. war ein Charakterdarsteller mit scharfer, pointierter Ausdrucks- u. Darstellungsweise sowie großer sprachl. Präzision; er wurde bevorzugt für Negativrollen eingesetzt, denen er stets Individualität u. Vielschichtigkeit verlieh.Schwarz-Stötzer, H.: Mit Leib u. Seele. Berlin 1990.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Groszer, Lucie

* 23.11.1914 – ✝ 12.3.1997

Geb. in Grünau (b. Berlin); Vater Goldschmied, Mutter Strickerin; 1925 – 34 Lyzeum in Berlin-Köpenick; Gärtnergehilfin, Verkäuferin, Sprechstundenhilfe; über die Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus u. die wiss. Versandbuchhandlung eines Freunds Einstieg in den Buchhandel; 1941/42 Buchhandelsgehilfenprüfung; Geschäftsf. einer Buchhandlung in Berlin-Schöneberg; 1943 Kauf der Breitkreutz’schen Buchhandlung mit Antiquariat in der Neuen Schönhauser Str. 8, die sie 1944 in die Altberliner Bücherstube Lucie Groszer umwandelte. 1945 Gründung des Altberliner Verlags Lucie Groszer; 1950 Vorstandsmitgl., später Ltr. des Ostteils der Berliner Buchhändler- u. Verlegervereinigung; Mitgl. im Verlegeraussch. des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig; unter Mitwirkung der Lektoren  Johannes Bobrowski u. Alfred Könner entwickelte sie den Verlag zu einem internat. geachteten Kinder- u. Jugendbuchverlag; erste große Verkaufserfolge 1945 mit Grimms »Brüderchen u. Schwesterchen« u. 1951 mit  Liselotte Welskopf-Henrichs Indianerbuch »Die Söhne der großen Bärin«; 1979 Verkauf des Verlags an den SED-eigenen Kinderbuchverlag; 1981 Rentnerin. 1990 Wiedereinstieg in den Beruf mit der Gründung des Lucie Groszer Verlags in Berlin-Friedrichshagen für brandenb. Regionallit., nachdem der Rückkauf des Altberliner Verlags gescheitert war; gest. in Berlin.Als ich im Mai 1945 ... In: Marginalien (1995) 3; Erinnerungen an Johannes Bobrowski. In: Marginalien (1996) 1.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Grothaus, Wilhelm

* 17.11.1893 – ✝ 1966

Geb. in Herten (Westfalen); Vater Bergarb., Mutter Landarb.; 1900 – 07 Volksschule; 1905 muß sich der Vater vor Gericht für G. wegen »Landfriedensbruchs« verantworten, weil G. das gegen streikende Arbeiter vorgehende Militär mit Steinen beworfen hatte; 1907 – 11 Landarb., Steinsetzerlehre, 1912 Gerichtsschreiber; 1913 Gewerkschaftsangest., 1913/ 14 Gerichtsschreiber; 1914 Militärdienst; 1916 – 20 Wirtschaftsamt in Herten, 1920 – 22 Lohnbuchhalter auf einer Steinkohlenzeche, ab 1922 Geschäftsf. einer Wein- u. Spirituosenhandl. in Recklinghausen; 1918/19 SPD; Mitgl. des Gemeinderats; 1926 Umzug nach Berlin, Geschäftsf. einer sozialdemokrat. Wohnungsbauges., anschl. bis 1934 Angest. beim Reichsbund Dt. Mieter; 1932 KPD; April 1934 Zwangsübersiedl. nach Dresden, Geschäftsf. einer Verlagsanstalt; 1937 – 39 erwerbslos, 1939/40 Geschäftsf. eines Radebeuler Schulbuchverlags, 1940 Angest. des Dresdner Finanzamts; März 1940 Buchhalter im Stahlbaubetrieb Kelle & Hillebrandt (der späteren ABUS) in Dresden; ab 1943 Mitgl. der illeg. Widerstandsgr. um Georg Schumann, März 1944 Festnahme durch die Gestapo, Flucht während der Dresdner Bombennacht vom 13. zum 14.2.1945, mehrere Mitgl. der Schumann-Gr. werden hingerichtet. 1945/46 SPD/SED; 1946 verantwortl. für die Durchführung der Landtagswahlen im Krs. Meißen; anschl. Mitarb. im Sächs. Min. für Land- u. Forstw., 1947 – 50 Ltr. der Abt. Bodenreform, Ministerialdir., 1950 Entlassung aus polit. Gründen; 1951 Buchhalter, 1953 Sachbearb. im Konstruktionsbüro des Stahlbaubetriebs ABUS; 17.6.1953 Streikführer in Dresden; in der Nacht zum 18.6. Festnahme; 22./23.7.1953 Prozeß am BG Dresden, Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus, Nov. 1960 Entlassung aus Haftanstalt Waldheim, Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl., Rentner, aktiv in Opferverbänden; gest. in Herten.Russig, P.: W. G. – Dresdner Antifaschist u. Aufstandsführer des 17. Juni. Dresden 1997; Roth, H.: Der 17. Juni 1953 in Sachsen. Köln 1999.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Gruber, Lilo

* 3.1.1915 – ✝ 8.1.1992

Geb. in Berlin; Vater Ing.; ab 1920 Tanz- u. Ballettausbildung bei Tankred Rohrmoser, ab 1922 bei Mary Zimmermann in Berlin, 1932 Abschlußexamen; 1932 – 37 Engagement beim Tournee-Ensemble Dorian, Auftritte in der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Schweden, Dänemark, Norwegen; Zusatzstudium in Brüssel u. Kopenhagen; 1938 – 40 Solotänzerin beim Stadttheater Stettin; 1940 – 42 Studium im Opern- u. Schauspielstudio von Marie Schulze-Dornburg in Berlin; 1943 – 47 Ballettmstr. am Stadttheater Greifswald. 1947/48 Ballettmstr. am Stadttheater Plauen; 1948 – 51 Lehrkraft für klass. Tanz u. Folklore bei Mary Wigman in Leipzig; 1953 – 55 Ballettmstr. u. Choreographin am Opernhaus der Städt. Theater Leipzig; 1955 – 71 Ballettdir. u. Chefchoreographin der Dt. Staatsoper Berlin, 1971 dort Ehrenmitgl.; 1958 NP; 1965 DAK; Zusammenarbeit mit dem Maler  Bert Heller u. dem Bühnenbildner  Heinrich Kilger; Ausbildung der ersten Tänzergeneration der DDR; 1969 Mitgl. des NR der NF; 1974 Mitgl. des Friedensrats der DDR; Mitgl. der SED; verh. mit Fred Praski (Sänger, Regisseur). 1953 – 71 Inszenierung klass. Ballette in eigener Bearbeitung: in Leipzig 1953 »Die Flamme von Paris« u. Berlin »Coppelia«, 1955 »Gajaneh«, 1959 »Lysistrata«, 1959 »Schwanensee«, 1963 »Romeo u. Julia«, 1966 »Giselle«, 1967 »Dornröschen«; Opern-Inszenierung: 1961 »Orpheus u. Eurydike« (Berlin); Gastspiele mit eigenen Inszenierungen in Warschau, Prag, München, Bologna, Venedig, Neapel, Moskau, Helsinki, Tokio, Turin; gest. in Berlin. Sek.-Lit.: L. G.: Selbstaussagen u. Dok. Berlin 1984 (Hrsg. von der AdK); Renk, A.: Der schönste Befehl in meinem Leben. Die Choreographin L. G. wird 65. In: Mitteilungen der AdK (1980) 1; von Appen, S.: Zum 75. Geb. von L. G. In: Mitteilungen der AdK (1990) 1.Aune Renk

Wer war wer in DDR

Grünbaum, Kurt

* 5.4.1892 – ✝ 9.4.1982

Geb. in Storkow (Brandenburg); Vater Geheimer Sanitätsrat; Volksschule u. Gymnasium, Abitur; Studium der Rechtswiss. in Heidelberg u. Kiel; 1914 – 18 Kriegsdienst; Referendariat u. Gerichtsassessor; 1922 – 25 Rechtsanwalt in Berlin; 1923 jurist. Hilfsarbeiter im Konsistorium Berlin; 1925 Konsistorialrat der Kirchenprovinz Brandenburg; 1926 kommissar. Mitarb. im Preuß. Kulturmin.; 1928 – 45 Ministerialrat in der geistl. Abt. des Preuß. Min. für Wiss., Kunst u. Volksbildung, ab 1935 im Reichskirchenmin.; Febr. 1945 Volkssturm, Ende März 1945 Entlassung wg. jüd. Großvaters. Aug. 1945 Oberregierungsrat, dann Regierungsdir. im Finanzmin. der Provinzialverw. bzw. der Landesreg. Brandenburg; CDU; 1947 Entnazifizierung, sechs Wochen Haft, Entlassung auf Anweisung von Marschall Sokolowski; 1948 Domkurator von Brandenburg; 1.1. 1950 – 31.12.1952 Ltr. der Hauptabt. »Verbindung zu den Kirchen« in der Regierungskanzlei der DDR; ab 1.2.1953 hauptamtl. Oberkonsistorialrat im Konsistorium Berlin-Brandenburg, Mitgl. der EKD u. EKU-Synode; 21.2. – 21.7.1953 U-Haft; 1.7.1954 – 30.6.1958 Konsistorialpräsident von Magdeburg; 1954 – 57 Mitgl., ab 1956 Vizepräs. des Centralausschusses der Inneren Mission; 21.10.1957 Festnahme wg. illeg. Geldeinschleusung in die DDR (zus. mit Oberkonsistorialrat Siegfried Klewitz); 24.1.1958 Verurteilung durch das Bezirksgericht Magdeburg zu zweieinhalb Jahren Gefängnis auf Bewährung u. einer Geldstrafe von 10.000 DM; 1.7.1958 Versetzung in den Ruhestand, Ausscheiden aus dem Rat der EKU; ab Juli 1958 hauptamtl. Domkurator Brandenburg; 1961 – 71 Stellv. Ltr. der Kirchenkanzlei der EKU / Bereich DDR; Vizepräs. Ost im Centralaussch. der Inneren Mission; gest. in Prerow.Schultze, H.: Im Kontext verschärfter Angriffe auf die Kirche: K. G. u. der Geldumtauschprozess 1957 / 58. Leipzig 2009.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Grünberg, Karl

* 5.11.1891 – ✝ 1.2.1972

Geb. in Berlin-Pankow; Vater Schuhmacher, SPD-Mitgl., Mutter Hausgehilfin; Besuch der Volksschule in Berlin; mußte früh zum Unterhalt der Familie beitragen, 1904 – 07 Laufbursche u. Hilfsarbeiter bei versch. Firmen in Berlin; 1908 – 10 Laborant in Berlin; 1911 SPD; 1910 – 12 Arbeiter-Bildungsschule in Berlin; 1912 – 14 Laborant in Berlin, Oldenburg u. Leverkusen; 1915 – 18 Armierungssoldat an der Ostfront; 1919 Organisator von Soldatenräten in Berlin; 1919 USPD, Teiln. an den Revolutionskämpfen in Berlin, 1920 Führer eines proletar. Abwehrbataillons gegen den Kapp-Putsch in Berlin; 1920 KPD, mit der Organisierung u. Schulung von Arbeiterkorresp. betraut; 1924 Redaktionsvolontär der »Roten Fahne«, 1924 / 25 verantw. Red.; 1926 Lokalred. der zum Münzenberg-Trust gehörenden »Welt am Abend«; 1925 beteiligt an der Hrsg. einer der ersten Betriebszellen-Zeitungen der KPD »Die Borsig-Lokomotive«; 1926 im KPD-Auftrag Hrsg. der illeg. »Korrespondenz für Zellenzeitungen«; 1926 / 27 arbeitslos, in dieser Zeit entstand sein wichtigster Roman »Brennende Ruhr« (Rudolstadt 1929), die erste literar. Gestaltung der Kämpfe der Roten Ruhrarmee, zahlr. Nachaufl. u. Übersetzungen; 1928 Mitbegr. des BPRS, erster Sekr. der Berliner Ortsgruppe; 1929 Teiln. der ersten BPRS-Deleg. in die UdSSR; 1928 – 31 zahlr. Reportagen in der KPD-Presse über drei Reisen in die UdSSR; Hrsg. des Almanachs proletar.-rev. Lyriker »Feder u. Faust« (Moskau 1930); 1930 / 31 Pressekorresp. der RH; ab 1933 illeg. Arbeit, Auslandsberichterstattung über Dänemark u. Schweden nach Moskau, Berichte für die skandinav. Presse; Juni 1933 verhaftet, Haft in Berlin-Spandau u. im KZ Sonnenburg; 1934 / 35 weiter illeg. Arbeit, Hrsg. der illeg. KPD-Wahlzeitung zur letzten Betriebsrätewahl 1935 (»Der Maulwurf«); 1936 – 43 Chemotechniker bei Schering AG in Berlin, später auch an anderen Orten; dauernde Überwachung durch die Gestapo; 1943 – 45 dienstverpfl. bei der Luftschutzpolizei (Feuerwehrmann) in Essen u. Berlin. 1945 Aufbau des Bezirksamts Pankow, Amtsgerichtsdir.; 1945 / 46 polit. Red. der »Tägl. Rundschau«; seit 1947 freischaff. Schriftsteller in Berlin; 1948 erschien der stark autobiogr. Roman »Das Schattenquartett«; 1949 die Novelle »Die Flucht aus dem Eden« beschreibt die Novemberrev. 1918 / 19 (u. a. die Ermordung K. Liebknechts u. R. Luxemburgs sowie die Flucht  Wilhelm Piecks aus dem Hotel »Eden«); wandte sich als einer der ersten der Produktionsproblematik zu mit dem wenig geglückten Stück »Golden fließt der Stahl«, das 1950 erst nach zahlr. Ablehnungen u. parteiinternen Auseinandersetzungen im Stadttheater Nordhausen uraufgeführt wurde; Hauptthemen blieben Geschehnisse aus der Gesch. der dt. Arbeiterbew.; Mitgl. d. DSV; 1953 NP; 1961 Banner der Arbeit; 1966 VVO; gest. in Berlin.Es begann im Eden. Erzählungen. Berlin 1951; Gloria Victoria. Roman. Berlin 1960; Mit der Zeitlupe durch die Weimarer Republik. Reportagen. Berlin 1960; Werke in Einzelausgaben. Hrsg. H. Baumgart. Berlin 1975 – 1983.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Grundig, Lea

* 23.3.1906 – ✝ 10.10.1977

Geb. in Dresden in einer jüd. Fam., Vater Kfm., Mutter Schneiderin; 1912 – 22 Bürgerschule in Dresden; 1922 Studium an der Kunstgewerbeakad. Dresden, anschl. an der Kunstschule »Der Weg« u. ab 1923 an der Kunstakad. in Dresden; 1920 – 25 Mitgl. im zionist. Jüd. Wanderbund »Blau-Weiß«; 1925 Kommunist. Studentenverb; 1926 KPD; 1928 Austritt aus der Jüd. Gemeinde; 1928 Heirat mit  Hans G.; belegte Kurse der MASCH; Mitarb. in der Agitprop-Gruppe »Linkskurve«; 1928 Mitgl. der Dresdner Kunstgenossenschaft; 1929 Mitbegr. der Dresdener ASSO; seit dieser Zeit war ihr Werk themat. auf das Proletariat, bes. auf Frauen u. Kinder sowie auf pol. Aktionen bezogen (beeinflußt von Käthe Kollwitz); 1930 Lehrgang an der KPD-Parteischule in Berlin; Mitarb. der Abt. Frauen der KPD-BL Sachsen; ab 1933 illeg. Arbeit in der Widerstandsgr. um  Kurt Magritz,  Rudi Wetzel u. a.; 1936 kurzz. verhaftet; 1936 Reise in die Schweiz; illeg. entstanden zahlr. graf. Zyklen u. Folgen: »Krieg droht« (1935 – 37), »Unterm Hakenkreuz« (1933 – 37), »Der Jude ist schuld« (1935 – 38); Mai 1938 in Dresden verhaftet, im März 1939 wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu vier Mon. Gefängnis verurteilt, bis Nov. 1939 Haft im Gerichtsgefängnis Dresden; Ausreisegenehmigung u. Emigr. nach Palästina; 1940 – 42 im brit. Internierungslager Athlit; 1942 – 48 freischaff. in Haifa u. Tel-Aviv, dort graf. Werke »Antifa. Fibel« (1941), »Im Tal des Todes« (1942/43); ab 1942 Ausstellungen in Palästina, den USA, Frankreich, Südafrika u. Großbritannien; 1942 – 48 Mitgl. der illeg. KP Palästina, Zeichnerin der KP-Ztg. »Volksstimme«; Mitgl. der illeg. »Liga V« (Ges. der Freunde der Sowjetunion). Febr. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949/50 Doz. an der Kunsthochschule Dresden; 1950 Abg. des Sächs. Landtags, ab 1952 des Bezirkstags Dresden; 1950 – 67 Prof. an der HS für Bildende Künste Dresden, Mitgl. des ZV des VBKD; 1958, 1962 u. 1967 NP; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 Mitgl. der DDR-Deleg. zur Genfer Außenministerkonferenz; 1960 Reise nach China; 1961 Mitgl. der DAK; 1961 Reise mit  Bodo Uhse nach Kuba; 1962 Präs. der V. Dt. Kunstausstellung; seit 1963 Mitgl. des ZK der SED; 1964 – 70 Präs. des VBKD (Nachf. von  Walter Arnold); 1965 VVO; 1967 em.; 1967 Mitunterzeichn. der antiisrael. »Erklärung jüd. Bürger der DDR«; 1970 Ehrenspange zum VVO; ab 1970 Ehrenpräs. des VBK; 1972 Martin-Andersen-Nexö-Preis der Stadt Dresden, Dr. h. c. der EMAU Greifswald; 1976 KMO; gest. auf einer Mittelmeerreise auf der MS »Völkerfreundschaft«.Gesichte u. Geschichte. Berlin 1958; L. G.: Zeichnungen. Graphik. Ausstellung 1975/76 Berlin, Leipzig, Dresden. Berlin 1976; Über Hans Grundig u. die Kunst des Bildermachens. Berlin 1978. Frommhold, E.: H. u. L. G. Dresden 1958; Hütt, W.: L. G. Leipzig 1969; Birnbaum, B.: Die Maler aus der Ostbahnstraße. Aus dem Leben von Hans u. L. G. Berlin 1990; Brüne, G. u. a. (Hrsg.): L. G. Jüdin, Graphikerin, Kommunistin. Berlin 1996.Maren Horn / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Grunert, Horst

* 10.4.1928 – ✝ 19.9.2005

Geb. in Waldenburg (Niederschles./Wałbrzych, Polen); Vater Zimmermann, Mutter Köchin; OS; 1944/45 Heimatflak, 1945 verwundet. 1947 Evakuierung aus Schles.; SED; Neulehrerausbildung, danach Geschichtslehrer im Krs. Perleberg; 1950/51 PHS; ab 1951 Mitarb. des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1953 – 56 2. Sekr. der Botschaft in Polen; 1955 – 58 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1956/57 2. Sekr. der Handelsvertr. in Finnland; danach persönl. Sekr. von Außenmin.  Lothar Bolz; 1961/62 Londoner Mitarb. der Kammer für Außenhandel; 1962 – 65 Ltr. der Kulturabt. im Min. für Ausw. Angelegenh.; Okt. 1965 – Nov. 1968 Gen.-Konsul in Syrien; 1965 – 72 Dir. des Zentrums für Information u. Dokumentation des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1971 Prom. zum Dr. rer. pol. an der DASR Potsdam; 1972/73 Ständ. Beobachter bei der UNO in New York, Botschafter; 1974 – 78 stellv. Min. für Ausw. Angelegenh.; 1978 – 83 Botschafter in den USA u. Kanada (Nachf. von  Rolf Sieber), Mai 1983 – Sept. 1986 in Österreich (Nachf. von Gerhard Schramm); 1988 Stern der Völkerfreundschaft; bis 1990 Prof. an der DASR Potsdam, Inst. für Internat. Beziehungen; 1990 Präs. der Liga für Völkerfreundschaft (Nachf. von  Gerald Götting); gest. in Schöneiche (b. Berlin).Für Honecker auf glattem Parkett. Erinnerungen eines DDR-Diplomaten. Berlin 1995.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Grünheid, Karl

* 20.7.1931 – ✝ 9.1.2004

Geb. in Berlin; Vater Maurer; Abitur; 1950 – 52 Ausbildung zum Maurer, danach im Beruf tätig; 1950 – 57 FDJ; 1952 – 56 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1953 SED; 1956 – 58 Mitarb. im Min. für Schwermaschinenbau; 1958 Planungsltr., 1959 – 61 1. stellv. Hauptdir., 1961 – 63 Haupt- bzw. GD der VVB Ausrüstungen für Schwerindustrie u. Getriebebau Magdeburg; Mitgl. der SED-BL Magdeburg; 1961 Prom. zum Dr. rer. oec.; März 1963 – 65 1. Stellv. des Vors. der SPK für Jahresplanung sowie Min. u. Mitgl. des Min.-Rats, 1965 – 67 Stellv. des Vors. der SPK für Perspektivplanung, 1967/68 für komplexe Rationalisierung, Automatisierung u. Datenverarbeitung; 1968 – 71 GD des VEB Metalleichtbaukombinats Leipzig; 1969 a. o. Mitgl. des Forschungsrats; Prof. für soz. Betriebswirtschaft an der HS für Bauwesen Leipzig; 1970 NP; 1971 Ord. Mitgl. der DBA; 1971 – 83 Staatssekr. in der SPK, Ltr. ihres Bereichs Außenwirtschaft, Stellv. des Vors. der parität. Regierungskommission für ökon. u. wiss.-techn. Zusammenarbeit DDR – UdSSR; 1981 VVO; 1983 – 89 Min. für Glas- u. Keramikindustrie (Nachf. von Werner Greiner-Petter); Nov. 1989 – Jan. 1990 Min. für Maschinenbau u. Jan. – April 1990 Vors. des Wirtschaftskomitees (für die Durchführung einer Wirtschaftsreform); gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Grünstein, Herbert

* 27.7.1912 – ✝ 9.1.1992

Geb. in Erfurt in einer jüd. Familie; Vater Lagerarb. u. Geschäftsmann; 1918 – 21 Grundschule, 1921 – 31 Gymnasium in Erfurt, Abitur; 1928 – 31 Mitgl. des SAJ, ab 1930 des KJVD, ab 1931 der KPD; 1931 Jurastudium an der Univ. Frankfurt (Main), abgebrochen; 1932 Hilfsarb.; 1932/33 Funktionär in KJVD u. KPD Erfurt; Instrukteur, dann Pol.-Ltr. des KJVD-UB Erfurt; 1933 illeg. pol. Arbeit, Instrukteur der KJVD-BL Thür.; Mai 1933 Emigr. nach Luxemburg, dann in das Saargeb.; 1934 von dort nach Luxemburg ausgewiesen; Aug. 1935 nach Palästina; dort Land- u. Straßenarb.; 1935/36 Kontakte zur illeg. KP Palästinas; pol. Arbeit in Gewerkschaft u. Spanienhilfe; 1936 – 38 Interbrigadist in Spanien, Hptm., Komp.-Chef u. Bat.-Kdr.; 1938 KP Spaniens; 1939 nach Frankreich; 1939 – 43 in Frankreich u. Algerien (Lager Gurs, Le Vernet u. Djelfa) interniert; 1943 Emigr. in die UdSSR; pol. Arbeit in Kriegsgefangenenlagern (u. a. Karaganda); 1943 – 45 »Spezialaufträge« in Schweden u. Rumänien; 1945 – 48 Lehrer an und stellv., dann Leiter der Antifa-Schule 165 (2041) in Taliza. Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Mitarb. des PV der SED; 1948/49 Ref. der Abt. Personalpol. im ZS der SED; 1949 Mitarb. der HA Polit-Kultur in der DVdI, ab 1950 Stellv. u. Ltr. der HA Polit-Kultur (später Pol. Verw.) in der HV DVP im MdI, ab 1949 Chefinspekteur; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; 1954 – 74 2. Vors. der ZL der SV Dynamo; 1955/56 Stellv., 1957 – 73 1. Stellv. Minister des Innern; 1961 Einjahreslehrgang (Höherer Akademischer Kurs) an der MA Dresden; Mai 1962 Gen.-Ltn. der VP; Sept. 1973 Rentner; ab 1974 – 84 stellv. Gen.-Sekr. u. Sekr. für internat. Beziehungen im ZV der DSF; 1975 – 89 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1976 – 89 Vors. des Berliner Bez.-Komitees u. Mitgl. des Präs. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; ab 1982 Mitgl. des Präs. der ZL der FIR, Vors. des Bez.-Komitees Berlin; 1954 u. 1972 VVO; 1956 Hans-Beimler-Medaille; 1969 Scharnhorst-Orden; Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1971 Orden des Vaterländ. Krieges (UdSSR); 1977 KMO; 1982 Stern der Völkerfreundschaft; 1987 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.An der Seite sowj. Genossen erfüllte ich meinen Parteiauftrag. In: Im Zeichen des roten Sterns. Berlin 1974; Der Kampf hat viele Gesichter. Berlin 1988.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Grüß, Gerhard

* 16.3.1902 – ✝ 20.5.1950

Geb. in Berlin; Vater Schulrektor; 1911 – 20 Humboldt-Gymnasium Berlin, Abitur; 1920 – 25 Studium der Fächer Bauingenieurwesen, Math. u. Physik an der TH u. der Univ. Berlin; ab 1926 wiss. Ass. am Inst. für Angew. Math. der TH Berlin, dort 1926 Diplomhauptprüfung in Mathematik; 1927 Dr.-Ing., 1929 Habil., anschl. Privatdoz. für reine u. angew. Math.; 1934 – 35 Vertretungsprof. für Bauingenieurmechanik an der TH Stuttgart; 1935 kommissar. Ernennung zum ord. Prof. für Math. u. darstellende Geometrie an der Bergakad. Freiberg; 1936 endgültige Berufung u. Dir. des Mathemat. Inst., ab 1939 auch Ltr. des Lehrstuhls für Techn. Mechanik; April 1944 wg. »polit. Unzuverlässigkeit« Vorlesungsverbot u. Aufhebung der »UK-Stellung«; Sept. 1944 Wehrdienst; 1945 amerikan. Kriegsgef. Okt. 1945 Rückkehr nach Freiberg u. Übernahme der Ltg. des Inst. für Math. u. Techn. Mechanik; 1945 – 49 CDU; 1945 – 50 im Nebenamt Vorstand der Bücherei der Bergakad.; 1945 – 46 Prorektor; 1946 – 47 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Fritz Regler). Hauptarbeitsgebiete: analytisch-theoret. Math., speziell Differentialgeometrie u. Analysis.Stoyan, D.: Grüß u. Kneschke – zwei große Mathematiker der Bergakad. Freiberg. In: Zeitschr. für Freunde u. Förderer der TU Bergakad. Freiberg (2002) 9.Roland Volkmer

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grylewicz, Anton

* 8.1.1885 – ✝ 2.8.1971

Geboren als Sohn eines Tischlers am 8. Januar 1885 in Berlin. Mechanikerlehre, anschließend in diesem Beruf tätig. Von 1907 bis 1909 Militärdienst. 1912 in Berlin Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Während des Krieges zunächst zwei Jahre an der Ostfront, nach einer Verwundung 1917 zurück nach Berlin. Arbeit als Schlosser, dann einer der Führer der Berliner Revolutionären Obleute. Nach der Revolution war Grylewicz maßgebend in der Berliner Organisation der USPD tätig. Dort anfangs zweiter, 1920 erster Vorsitzender. Im Januar 1919 als Stellvertreter Emil Eichhorns an den bewaffneten Auseinandersetzungen auf seiten der Revolutionäre aktiv beteiligt. Grylewicz nahm als Vertreter des linken Flügels am USPD-Spaltungsparteitag in Halle teil und war Delegierter des Vereinigungsparteitags mit der KPD im Dezember 1920. Nach der Vereinigung Orgleiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg. Von 1920 bis 1924 Stadtverordneter in Berlin und seit 1921 unbesoldeter Stadtrat in Neukölln. Als einer der Führer der Fischer-Maslow-Gruppe behielt Grylewicz seine wichtige Funktion als Orgleiter in Berlin bis 1924. 1923 Teilnehmer an den Moskauer Verhandlungen über den geplanten deutschen Aufstand. Nach dem IX. Parteitag 1924 in die Zentrale berufen, wo er führend in der Orgabteilung arbeitete. Im Mai 1924 im Wahlkreis Potsdam II zum Abgeordneten des Reichstags, im Dezember 1924 des Preußischen Landtags gewählt. Als Mitglied der Berliner Bezirksleitung 1924 von der Polizei gesucht, verhaftet und vier Monate in Untersuchungshaft. Dann im August/September 1925 einer der Angeklagten im Maslow-Prozeß vor dem Reichsgericht. Zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die jedoch unter die Amnestie fiel. Nach dem »Offenen Brief« 1925 aus dem ZK entfernt, blieb er zunächst Sekretär der Landtagsfraktion. Grylewicz gehörte auch nach dem »Offenen Brief« zur Führung der Fischer-Maslow-Gruppe. Auf dem XI. Parteitag 1927 vertrat er zusammen mit Wolfgang Bartels und Paul Schlecht die linke Opposition und wurde deswegen am 1.April 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Danach Vorsitzender der Gruppe der linken Kommunisten im Landtag und Mitbegründer des Leninbundes, bis 1930 dessen Reichsorganisationsleiter. Im Februar 1930 trennte er sich mit einer Gruppe deutscher Trotzkisten vom Leninbund. Sie bildeten mit Teilen der Weddinger Opposition die trotzkistische »Linke Opposition« (LO). Grylewicz war in der Folgezeit führender deutscher Trotzkist und Herausgeber der Schriften Trotzkis in Deutschland. Im März 1933 flüchteten er und seine Frau Anna, geborene Bräuer (*1. 1. 1891 – †28. 11. 1970), mit der er seit 1912 verheiratet war, nach Prag. Dort wurde er aufgrund von Verleumdungen und Denunziationen einige Zeit inhaftiert. Im Moskauer Schauprozeß gegen Grigori Sinowjew u. a. im August 1936 war Grylewicz als »einer der Führer der deutschen Trotzkisten« angegriffen worden. 1937 flüchtete er nach Paris, dort Mitglied des Auslandskomitees der LO. Im August 1939 wurde er zusammen mit seiner Frau von den deutschen Behörden ausgebürgert. 1941 Flucht nach Kuba, dort lebte und arbeitete er trotz seines hohen Alters als Tischler. 1955 kam er nach West-Berlin, wohin seine Frau schon vorher gezogen war. Er trat der SPD bei. Anton Grylewicz starb am 2. August 1971 in West-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grosse, Hermann

* 28.5.1906 – ✝ 10.3.1986

Geboren am 28. Mai 1906 in Berlin, Sohn eines Briefträgers; Lehre und Arbeit als Maschinenschlosser. 1921 trat er dem DMV und der KJD bei, 1926 Mitglied der KPD. 1927 Wahl zum Kandidaten des ZK des KJVD. Hermann Grosse war Mitbegründer der Antifaschistischen Jungen Garde und Redakteur der Jugendzeitschrift »Der junge Antifaschist«. Von 1929 bis 1931 Redakteur an der »Roten Fahne«. 1931 Chefredakteur der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim und im November 1932 Chefredakteur des »Thüringer Volksblattes«. Im Februar 1933 Nachfolger von Walter Duddins als Polleiter der illegalen BL Thüringen, dann im Juli 1933 Orgleiter der BL Ruhrgebiet. Am 20. Oktober 1933 wurde Grosse verhaftet und im Juli 1934 durch das OLG Hamm zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Danach 1936/37 Werkzeugmaschinenschlosser in Berlin. Im September 1937 emigrierte Grosse in die âSR, 1938 über Polen und Dänemark nach Großbritannien. Hier fand er Arbeit als Schlosser und Planungsingenieur bzw. Betriebsleiter in London. Im August 1946 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED. Ab September 1946 technischer Direktor, ab 1947 Chef der Hauptverwaltung landeseigener Betriebe Sachsens. 1948/49 Leiter der Hauptverwaltung Maschinenbau und Elektrotechnik der DWK und 1949/50 im Ministerium für Industrie, von 1955 bis 1958 Stellvertreter des Ministers für Schwermaschinenbau und von 1966 bis 1970 des Ministers für Verarbeitungs- und Fahrzeugbau. Er erhielt 1976 den Karl-Marx-Orden. Hermann Grosse starb am 10. März 1986 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Grote, Claus

* 8.8.1927

Geb. in Bückeburg (Niedersachsen); Vater Arbeiter; 1942 – 46 Berufsausbildung; Kriegsdienst u. amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 – 50 Bergarb. bei der Wismut AG; SED; 1950 – 53 Abiturlehrgang an der ABF Leipzig; 1953 – 58 Physikstudium an der HU Berlin; 1958 – 63 Mitarb. der Forschungsstelle für Physik hoher Energien der DAW in Zeuthen (b. Berlin), 1959 am Vereinigten Inst. für Kernforschung Dubna (UdSSR); 1963 Prom.; 1963 – 70 Ltg. der Abt. Blasenkammer im Zeuthener Inst.; 1970 Prof. der DAW; 1970 – 72 Stellv. des Präs. für Forschung u. 1972 – 90 Gen.-Sekr. der AdW (Nachf. von  Ernst August Lauter); 1974 Ord. Mitgl. der AdW; Vors. des Koordinierungskomitees für Erforschung u. Nutzung des Kosm. Raumes; Mitgl. der AdW der UdSSR; lebt in Berlin.Horst Kant

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grothe, Hermann

* 13.1.1888 – ✝ 19.10.1961

Geboren am 13. Januar 1888 in Wulkow/Krs. Ruppin, Sohn eines Landarbeiters; Lehre und Arbeit als Bauschlosser. 1914 Soldat, kam 1916/17 ins Lazarett, war dann Schlosser in Marienfelde. Seit 1907 in der SPD, gehörte er 1917 der Spartakusgruppe in Berlin-Kreuzberg an und nahm an der Jahreswende 1918/19 am Gründungsparteitag der KPD teil. Von 1922 bis 1924 war er Vorsitzender des (kommunistischen) Reichsausschusses deutscher Betriebsräte und in der von der KPD unterstützten Erwerbslosenbewegung aktiv. Anhänger Ruth Fischers, 1921 bis 1923 Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, er schwenkte 1925 zu Ernst Thälmann über. Wegen Beleidigung der Reichsregierung wurde er zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Am 13. Mai 1933 verhaftet und am 13. Februar 1934 durch das Kammergericht Berlin zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Brandenburg-Görden absaß. 1936/37 stand er unter Beobachtung der Gestapo Berlin. Nach 1945 war Grothe eine Zeit lang Forstwart im Landesforstamt Brandenburg. Er erhielt den VVO in Bronze. Hermann Grothe starb am 19. Oktober 1961 in Berlin-Köpenick.

Wer war wer in DDR

Grüber, Heinrich

* 24.6.1891 – ✝ 29.11.1975

Geb. in Stolberg (Rheinl.); Vater Lehrer; 1910 – 14 Studium der Theol. in Bonn, Berlin u. Utrecht; 1915 – 18 Militärdienst (Freiw.); 1919/20 Domkandidatenstift u. Ordination in Berlin; anschl. bis 1925 Pfarrer in Dortmund; 1923/24 von frz. Besatzungsbehörden ausgewiesen; 1925/26 Pfarrer an den Düsseldorfer Anstalten; dann bis 1933 Dir. des kirchl. Erziehungsheims Waldhof in Templin (Uckermark); 1934 – 45 Pfarrer in Berlin, Mitgl. der Bekennenden Kirche; ab 1936 Hilfsaktionen für »Nichtarier« v. a. ev. Konfession; 1940 – 43 Haft in den KZ Sachsenhausen u. KZ Dachau. April/Mai 1945 Bürgermstr. in Berlin-Kaulsdorf; anschl. stellv. Ltr. des Beirats für kirchl. Angelegenh. beim Magistrat von Groß-Berlin; Propst zu Berlin; Pfarrer der Gemeinden St. Marien u. St. Nicolai; Mitgl. der Kirchenltg. von Berlin-Brandenb.; Bevollm. des Ev. Hilfswerks für die SBZ; Präs. der Bahnhofsmission; stellv. Vors. der VVN; 1948 Dr. h. c. der HU Berlin; ab 1949 Bevollm. des Rats der EKD bei der DDR-Reg., 10.6.1953 Mitgl. der Delegation der EKD zum Spitzentreffen mit der DDR-Reg.; 1954 Teilnehmer der Weltkirchenkonferenz in Evanston (USA), 1955 des Weltfriedenskongresses in Helsinki; 1956 Dr. h. c. der Prager Comeniusfak.; nach Abschluß des Militärseelsorgevertrags zwischen der EKD u. der Bundesreg. Dtl. erklärte die DDR-Reg. im Mai 1958 die Tätigkeit des EKD-Bevollm. in der DDR für beendet u. verhängte für G. Einreiseverbot; Mai 1961 Zeuge im Eichmann-Prozeß in Jerusalem; 1964 Teiln. an der II. CFK in Prag.An der Stechbahn. Leipzig 1951; »Dona nobis pacem!« Predigten u. Aufsätze. Berlin 1956; »Leben an der Todeslinie«. Dachauer Predigten. Stuttgart 1965; Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten. Autobiogr. Köln 1968. Wirth, G.: H. G. Berlin 1987; Beckmann, A., Kusch, R.: Gott in Bautzen. Die Gefangenenseelsorge in der DDR. Berlin 1994.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Grünbein, Durs

* 9.2.1962

Geb. in Dresden; dort aufgewachsen u. 1981 Abitur; anschl. NVA; 1985 Umzug nach Berlin; 1985 – 87 Studium der Theaterwiss. an der HU Berlin, Abbruch; freier Mitarbeiter an Berliner Theatern; Mitwirkung an Performances in der alternativen Kunstszene von Berlin (Prenzlauer Berg) u. erste literar. Arbeiten, gefördert durch  Heiner Müller. Nach 1989 Reisen durch Europa, Südostasien u. die USA, Gastaufenthalte u. a. in Tokio, an der New York University, der Villa Aurora Pacific Palisades (1997) u. am Darthmouth College Hanover (2005); 1989 Leonce- u. Lena-Förderpreis; 1992 Marburger Literaturpreis; 1995 Peter-Huchel- u. Georg-Büchner-Preis; 1995 jüngstes Mitgl. der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt; 1999 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenburg; 2004 Friedrich-Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anh.; 2006 Berliner Literaturpreis, Heiner-Müller-Professur der Freien Univ. Berlin; 2006 Pier-Paolo-Pasolini-Lyrikpreis der Stadt Rom; seit 2007 Mitgl. im Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes u. Prof. für Poetik an der Kunstakad. Düsseldorf; 2008 Wahl in den Orden Pour le mérite für Wiss. u. Künste; 2009 Samuel-Bogumil-Linde-Preis (Göttingen / Toruń); 2009 Poetik-Dozentur der Univ. Frankfurt (Main); 2009 / 10 Stipendiat der Villa Massimo Rom; lebt als freier Schriftsteller in Berlin. G. gilt als eine der wichtigsten Literaturentdeckungen im dt. Sprachraum nach 1989. Im Mittelpunkt von G.s Poetik steht der Mensch, wobei nicht zuletzt die Zeit der Wiedervereinigung u. der Nachwende, aber vor allem enge Bezüge zu den mod. Naturwiss. thematisiert werden; internat. Anerkennung auch als Essayist sowie Übersetzter antiker Stücke (Die Perser; Thyestes).Grauzone morgens. Frankfurt (Main) 1988; Schädelbasislektion. Frankfurt (Main) 1991; Falten u. Fallen. Frankfurt (Main) 1994; Galilei vermißt Dantes Hölle u. bleibt an den Maßen hängen. Frankfurt (Main) 1996; Das erste Jahr. Berliner Aufzeichnungen. Frankfurt (Main) 2001; Vom Schnee oder Descartes in Dtl. Frankfurt (Main) 2003; Porzellan. Frankfurt (Main) 2005; Lob des Taifuns. Frankfurt (Main) 2008. Winkler, R.: Dichtung zwischen Großstadt u. Großhirn. Hamburg 2000; Heske, H.: Goethe u. Grünbein. Bonn 2004; R. Deckerts im Gespräch im D. G. In: Die wüste Stadt. Frankfurt (Main) 2005.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grünberg, Karl

* 5.11.1891 – ✝ 1.2.1972

Geboren am 5. November 1891 in Berlin, Sohn eines Schuhmachers; zunächst ungelernter Arbeiter, später Laborant. 1910 besuchte er die Arbeiterbildungsschule, wurde Gewerkschaftsmitglied und trat 1911 in die SPD ein. Von 1915 bis 1918 Soldat an der Ostfront. Er nahm 1919 an den Revolutionskämpfen in Berlin teil und war Organisator der Soldatenräte bei der Republikanischen Soldatenwehr. Mitglied der USPD, 1920 der KPD und freier Mitarbeiter an der »Roten Fahne«, Organisator der Arbeiterkorrespondentenbewegung und 1924 Herausgeber der ersten KPD-Betriebszeitung »Die Borsiglokomotive«. Seit 1924 Redaktionsvolontär bei der »Roten Fahne«, dann Lokalredakteur der »Welt am Abend«. 1928 Mitbegründer und 3.Vorsitzender ( Johannes R. Becher war 1.Vorsitzender, Paul Körner [ Paul Schrader] 2.Vorsitzender) des BPRS in Berlin. Sein bekanntestes Werk »Brennende Ruhr« erschien 1928. Zu dem Roman aus der Zeit des Kapp-Putsches, eingeführt von Johannes R. Becher, bemerkte Thomas Mann: »...daß das Buch starke künstlerische Eigenschaften besitzt«. In diesem Roman entfaltete Grünberg ein facettenreiches Bild der (lokal-)historischen Begebenheiten und der politischen Motive zentraler Führergestalten. Grünberg war außerdem Reichstagsberichterstatter sowie Chefredakteur der »Roten-Hilfe-Korrespondenz«. Nach 1933 im Widerstand, er wurde verhaftet und kam in das KZ Sonnenburg. Danach Arbeit als Steineklopfer und Chemotechniker und 1943 zur Feuerschutzpolizei einberufen. 1945 war er zeitweise Amtsgerichtsdirektor, dann Redakteur der SMAD-Zeitung »Tägliche Rundschau« und lebte schließlich als freischaffender Schriftsteller in Berlin-Grünau, 1953 erhielt er den Nationalpreis der DDR. Karl Grünberg starb am 1.Februar 1972.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Grüneberg, Gerhard

* 29.8.1921 – ✝ 10.4.1981

Geb. in Lehnin (Krs. Zauch-Belzig); Vater Arbeiter; 1928 – 36 Volksschule in Michelsdorf; 1928 – 33 Rote Jungpioniere/Jungspartakus; 1936 – 39 Ausbildung zum Maurer in Lehnin; bis 1941 in Oranienburg im Beruf tätig; Febr. 1941 – Mai 1945 Wehrdienst; Mai – Aug. 1945 engl. Kriegsgefangenschaft; Aug. – Dez. 1945 Maurer in Oldenburg. Jan. 1946 Übersiedl. in die SBZ; 1946/47 Maurer in Fürstenberg (Oder) u. Oranienburg; 1946 KPD/SED; Febr. – Sept. 1947 KPS in Niederbarnim; 1947 Neulehrer in Oranienburg; 1947/48 Abt.-Ltr., 1948/49 1. Sekr. der SED-KL Guben; Juni – Nov. 1948 LPS Schmerwitz; 1949 – 52 Sekr. der SED-LL Brandenb.; 1952 – 58 1. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1952 – 56 PHS (Fernstudium), Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 81 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; Febr. – Juli 1958 Mitgl. des Sekr. des ZK der SED; 1958 – 69 Mitgl. des NR des NF; Dez. 1959 Kand., Sept. 1966 Mitgl. des PB des ZK der SED; 1960 – 81 Sekr. für Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Erich Mückenberger); maßgebl. an der Konzeption u. zunehmend administrativen Durchsetzung industrieähnl. Prod. in Großbetrieben getrennter Pflanzen- u. Tierprod. beteiligt; 1962/63 Mitgl. des Präs. des Min.-Rats u. Minister; ab 1963 Mitgl. des Rats für Landw. u. Nahrungsgüterwirtschaft der DDR; 1964 VVO; ab 1966 Mitgl. des Präs. des Forschungsrats der DDR; 1979 KMO; nach längerer schwerer Erkrankung gest.Auf soz. Art leiten, arbeiten u. leben. Berlin 1959; Zu einigen Fragen der Agrarpol. der SED. Leipzig 1975; Agrarpol. der Arbeiterklasse zum Wohle des Volkes. Ausgew. Reden u. Aufsätze 1957 – 1981. Berlin 1981.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Grünert, Bernhard

* 3.8.1906 – ✝ 21.10.1997

Geb. in Bergen (Krs. Schweidnitz, Niederschles./Borzygniew, Polen); Vater Gutsarb.; Einklassen-Dorfschule; Landarb., 1922 – 25 Ausbildung zum Maurer; 1923 KJVD; 1925 KPD, Org.-Ltr. der Ortsgr., später Mitgl. der BL Breslau; 1925 – 33 Maurer u. Gelegenheitsarb., 1933 inhaftiert; 1934 – 40 vorwiegend Bauarb. auf Großbaustellen; 1940 – 45 Wehrmacht, zul. Uffz.; bis Dez. 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft, Flucht. Dez. 1945 in die SBZ; zunächst Bauarb.; 1946 SED; März 1946 Neubauer in Worin (Krs. Lebus; etwa 1951 umbenannt in Krs. Seelow); Vors. des Ortsaussch. der VdgB u. Bürgermstr. in Gusow; Aug. 1946 – 48 zugl. Bez.-Bürgermstr. in Gusow; 1947 Vors. des Krs.-Aussch. der VdgB; 1949 Mitgl. des SED-KV Seelow u. -LV Brandenb.; Sept. – Dez. 1950 Bauern-HS Paretz; 1950 – 52 Abg. des Brandenb. Landtags; 27.6.1952 Mitbegr. der LPG »Thomas Müntzer« in Worin (einer der ersten LPG in der DDR) u. Autor ihres Statuts, das später Grundlage des Musterstatuts für die LPG Typ I wurde; Dez. 1952 Teiln. an der I. Konferenz der Vors. u. Aktivisten der LPG, mit der Vertr. der hier beschlossenen LPG-Musterstatuten vor dem Min.-Rat beauftragt; Vors. der 1969 zur Groß-LPG entwickelten LPG Worin bis 1975; viele Delegationsreisen in RGW-Länder; 1954 – 57 stellv. Vors. des Zentralvorst. der VdgB; 1954 – 76 Mitgl. des ZK der SED, 1956 – 81 der SED-BL Frankfurt (Oder); 1962 Zuerkennung des Titels Staatl. geprüfter Landwirt; 1963 – 65 Vors. des Bez.-Landw.-Rats, 1963 – 72 Mitgl. des Landw.-Rats bzw. Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft der DDR; 1966 VVO; 1968 KMO; 1981 Ehrenspange zum VVO; 1982 Vors. des Bez.-Vorst. Frankfurt (Oder) der VdgB; 1986 Stern der Völkerfreundschaft.Schlehufer, K.: B. G. Ein Pionier der soz. Landw. Berlin 1983.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Grüning, Uwe

* 16.1.1942

Geb. in Pabianice (b. Łodz, Polen); 1944 Übersiedl. in ein Dorf (b. Glauchau) (Sachsen); 1960 Abitur; bis 1966 Studium der Fertigungstechnik an der TH Ilmenau, anschl. dort Ass. u. Oberass., 1970 Prom.; 1975 – 82 Fachschullehrer in Jena; seit 1966 liter. Veröff. in Ztschr. u. Anthologien; seit 1982 freiberufl. Schriftsteller in Greiz; ab 1988 in Reichenbach (Vogtl.); zahlr. Übers. u. Nachdichtungen, u. a. Mandelstam, Rimbaud, Achmatowa, de Machaut, altfranz. Liebeslyrik; April – Okt. 1990 Mitgl. der letzten DDR-Volkskammer. 1990 – 2004 CDU-Abg. des Landtags in Sachsen; 1997 Andreas-Gryphius-Preis der Künstlergilde; 2005 Eichendorff-Literaturpreis; lebt seit 1993 in Neumark (Sachsen).Fahrtmorgen im Dezember. Gedichte. Berlin 1977; Auf der Wyborger Seite. Kurzroman. Berlin 1978; Hinter Gomorrha. Erzählungen. Berlin 1978; Spiegelungen. Gedichte. Berlin 1981; Laubgehölz im November. Gedichte. Berlin 1983; Moorrauch. Essays. Berlin 1986; Das Vierstromland hinter Eden. Roman. Berlin 1986; Landschafts- u. Kulturbilder um Jena. Text zum Bildband. Jena 1993; Grundlose Wanderschaft. Gedichte. Berlin u. Chemnitz 1996.Ingrid Kirschey-Feix

dissidenten.eu

Gruntorád, Jiří

* 1952

Bibliothekar, Archivar und Herausgeber oppositioneller Publikationen. Unterzeichner der *Charta 77.Jiří Gruntorád wurde 1952 in Prag geboren. Er lernte an einer Forstwirtschaftsschule im mittelböhmischen Třebenice bei Sedlčany. 1969 wurde er kurz vor seinem Abschluss wegen Kritik an Nachrichtensendungen des tschechoslowakischen Staatsfernsehens relegiert und arbeitete fortan als Holzfäller, Straßenbahnfahrer, Lagerarbeiter und Maurer. Zur Dissidentenbewegung stieß er während der Kampagne gegen die *Charta 77. 1978 lernte er Václav Benda kennen. Gruntorád schrieb die Zeitschrift „Informace o Chartě 77 (INFOCH)“ (Informationen über die Charta 77) und andere Samisdat-Publikationen ab, was der Staatssicherheit bis dahin verborgen geblieben war. Als die Polizei seine Wohnung auf der Suche nach einer Waffe durchsuchte – die sie jedoch nicht finden konnte –, beschlagnahmte sie stattdessen eine größere Zahl an verbotenen Publikationen. Gruntorád wurde verhaftet und am 8. November 1979 in einem inszenierten Prozess ohne jegliche Beweise zu drei Monaten Freiheitsentzug wegen „unerlaubten Besitzes einer Feuerwaffe“ verurteilt. Nach der Rückkehr aus der Haft in Pilsen (Plzeň) unterzeichnete Gruntorád die Erklärung der *Charta 77. Er schrieb Samisdat-Veröffentlichungen ab und verbreitete sie. In der Reihe „Popelnice“ (Mülleimer) gab er unter anderem Bücher von Egon Bondy, das Pseudonym von Zbyněk Fišer, Bohumil Hrabal, Jaroslav Seifert und die ersten Werke von Vlastimil Třešňák und Jaroslav Hutka heraus. Im Dezember 1980 wurde Gruntorád erneut inhaftiert und im Juli 1981 zu vier Jahren Haft wegen einer Straftat verurteilt, die laut der Urteilsbegründung „hauptsächlich“ darin bestanden habe, „Publikationen vervielfältigt und verbreitet zu haben, welche die Situation in der ČSSR, die führende Rolle der KPČ, das staatliche Handeln und den sozialistischen Charakter der Republik verhöhnen und herabwürdigen, sowie von ausländischen Diensten herausgegebene Schriften mit dem Ziel der Verbreitung zu sammeln, um dadurch die sozialistische Ordnung der ČSSR zu schwächen und zu zersetzen.“ Als einer der ersten Dissidenten wurde Gruntorád außerdem zu drei Jahren so genannter „Sicherheitsaufsicht“ verurteilt, während der er verpflichtet war, sich täglich auf einer Polizeiwache zu melden. Den ersten Teil der Haft verbrachte er in einem wegen seiner schlechten Haftbedingungen berüchtigten Gefängnis Minkovice in Nordböhmen. Nach zwei Jahren wurde Gruntorád in das Gefängnis nach Valdice verlegt, wo auch der Poet Ivan Martin Jirous inhaftiert war. Die Gedichtsammlung „Magors Schwanengesänge“ (Magorovy labutí písně), die Jirous in Haft geschrieben hatte, schmuggelte Jiří Gruntorád Ende 1984 aus dem Gefängnis heraus und veröffentlichte sie sofort im Samisdat. Trotz dreijähriger „Sicherheitsaufsicht“ setzte Gruntorád die Herausgabe der Reihe „Popelnice“ fort, um die sich Oleg Hejnyš während Gruntoráds Haft gekümmert hatte. Bis Ende 1989 wurden in dieser Reihe etwa 130 Titel herausgegeben und jeder in 12 bis 15 Exemplaren abgeschrieben. Ab Herbst 1988 beteiligte sich Jiří Gruntorád auch an den Arbeiten der „Initiative zur gesellschaftlichen Verteidigung“, der *Bewegung für Bürgerfreiheit (Hnutí za občanskou svobodu; HOS) sowie des Solidaritätskomitees für Ivan Polanski. Während dieser Zeit ging Gruntorád verschiedenen Beschäftigungen nach: Er war Maurer, Magazinarbeiter und bis 1991 Heizer. Nach der *Samtenen Revolution erhielt Jiří Gruntorád seine konfiszierten Bücher und Samisdat-Zeitschriften sowie das Archiv des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných; VONS) zurück. Dies ermöglichte ihm die Gründung eines Archivs für Samisdat-Publikationen: Im Oktober wurde „Libri prohibiti“ feierlich in Prag eröffnet. Zwischen 1991 und 1994 war Gruntorád Sekretär des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten, zwischen 1993 und 1999 arbeitete er zudem als Archivar in der *Behörde für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus (Úřad dokumentace a vyšetřování zločinů komunismu; ÚDV), das bei der Polizei der Tschechischen Republik angesiedelt war. Seit 1999 ist er Leiter des Archivs „Libri prohibiti“, das Samisdat aus der Tschechoslowakei und anderen sozialistischen Staaten sowie Exilpublikationen und Archivmaterialien der Jahre 1945–1989 sammelt.Luboš Veselý Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Grüttner, Rudolf

* 5.3.1933

Geb. in Schweidnitz (Schles. / Swidnica, Polen); Vater Former u. Eisengießer, Mutter Handschuhmacherin; Volks- u. Hauptschule. 1947 – 52 Lehre u. Arbeit als Schilder- u. Plakatmaler in Zwickau; 1952 – 56 Studium der Gebrauchsgrafik an der FS für angewandte Kunst Berlin-Oberschöneweide, dort 1952 – 55 ehrenamtl. FDJ-Sekr.; 1956 – 89 SED; 1956 – 59 Ass. u. Fachschullehrer u. 1959 / 60 SED-Parteisekr. an o. g. FS; zeitgleich Fernstudium an der KMU Leipzig, 1959 Abschluß als Fachschulpädagoge; 1960 – 66 Chefgrafiker der Ztschr. »Freie Welt«; 1966 – 75 freiberufl.; Mitgl. u. 1970 – 73 stellv. Vors. der Sektion Gebrauchsgrafik des VBK Berlin, 1974 Vors. der Zentralen Sektionsltg. Gebrauchsgrafik u. Präsidiumsmitgl. des Zentralvorstands; ab 1975 Doz., seit 1978 Prof. an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; 1975 Kunstpreis der DDR, 1978 NP; 1982 Initiator der U-Bahn-Plakataktion am Bahnhof Berlin-Alexanderplatz; 1983 – 88 1. Stellv. des Präsidenten des VBK, 1984 – 88 Vors. VBK Berlin; 1988 Goethepreis der Stadt Berlin; 1988 – 90 Rek-tor der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Nachf. von  Walter Womacka), Rücktritt; seit 1967 zahlr. »Beste Plakate des Jahres«, 1976 1. Preis beim internat. Wettbewerb für Maiplakate in Warschau u. 1980 zu den Tagen der Freundschaft u. Kultur in Warschau. 1994 Beendigung der Lehrtätigkeit; seit 2004 Mitgl. des Freundeskreises »Kunst der DDR« bei der Gesell. zum Schutz von Bürgerrecht u. Menschenwürde; lebt in Oranienburg (b. Berlin). Ausstellungen: Kunstausstellungen der DDR in Dresden (VII–X), Internationale Buchkunstausstellung Leipzig (1982); Einzelausstellungen: Stadttheater Amsterdam (1978), Galerie Kunstsammlungen Cottbus (Plakate, 1982), Theater im Palast der Rep. (1985), Galerie des Moskauer Künstlerhauses (Gebrauchsgrafik, 1987), Holbeinhaus zu Augsburg (1989), Villa Stahmer b. Osnabrück (1990), Galerie Rathaus Treptow (Plakate, 1990), »Lange Nacht der Plakate« in Berlin (2003). Werke: Signets – Sender Radio Berlin International (1966); Schauspielhaus Berlin zus. mit  Axel Bertram (1984). Plakate für Theater u. Film für Staatsschauspiel Dresden: zu Brechts »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« (1967), Gorkis »Somow und andere« (1967), Dessaus »Lanzelott« (1971), Nerudas »Glanz und Tod des Joaquin Murietas« (1974), zu »Die Jungfrau von Orleans« u. »Faust« (1976); für Theater im Palast Berlin: zu L. Tolstois »Krieg und Frieden« (1986); politische Plakate: 1. Mai (1970, 1976), Lenin (1977), Vietnam im Herzen (1979), Der Frieden muß bewaffnet sein (1983), Tafelserie Lutherausstellung (1983); Buchgestaltung: Gesamtausgabe Nikolai Leskow (Berlin 1984), Hermann Raum: Bildende Kunst in der DDR. Werke –Tendenzen – Bleibendes (Berlin 1999).Eine Schule in Bewegung. Aus der Rede zur Investitur am 11.11.1988. In: Bildende Kunst (BK) (1989) 2. Frosch, H.: Gebrauchsgrafiker R. G. Versuch eines Porträts. In: Neue Werbung, H. (1970) 7; Nowak, B.: Plakatierte Musenkinder – zu Arbeiten von Rudolf Grüttner. In: BK (1971) 8; Gebrauchsgrafiker in der DDR. Dresden 1975; R. G. Katalog Galerie Kunstsammlung Cottbus 1982; Kunstdokumentation SBZ / DDR 1945 – 1990. Köln 1996.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

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Grzeschik, Paul

* 9.7.1900 – ✝ 1942

Geboren am 9. Juli 1900 in Königshütte/Oberschlesien; Bergmann, seit 1918 gewerkschaftlich organisiert, 1921/22 Mitglied der SPD, ab 1922 der KPD und der KJD. Von 1927 bis 1929 Ortsgruppenleiter, anschließend bis 1932 Orgleiter des KPD-UB Gelsenkirchen, 1932 zeitweise Agitpropleiter der BL Ruhr. Seit 1929 KPD-Stadtverordneter in Gelsenkirchen. 1932 reiste Grzeschik in die Sowjetunion und besuchte die Internationale Leninschule in Moskau. Ende 1934 Übersiedlung nach Prag, März 1935 illegale Rückkehr nach Deutschland, Einsatz als Orgleiter der illegalen Bezirksleitung Berlin unter Polleiter Wienand Kaasch. Am 9. Juli 1935 festgenommen und am 12. Februar 1936 durch den VGH zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Paul Grzeschik kam 1942 im Zuchthaus Sonnenburg ums Leben.

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Grossman, Victor

* 11.3.1928

Geb. in New York City (USA) als Stephen Wechsler; Vater Kunsthändler, Mutter Bibliothekarin; Schule in u. um New York; 1942 Mitgl. der Young Communist League; 1945 Mitgl. der KP der USA; 1945 – 49 Studium, 1949 Dipl. der Harvard University; Transportarb.; 1951 Einberufung in die US-Armee, stationiert in Bayern; nach der Aufforderung, als Linker vor einem amerik. Militärgericht zu erscheinen, Flucht in die sowj. besetzte Zone Österreichs am 12.8.1952, um von dort in die UdSSR zu gelangen, dann über die ČSSR nach Potsdam; dort zwei Monate in sowj. Gewahrsam; zwecks Schutzes der (in den USA verbliebenen) Familie Annahme einer neuen Identität als Victor Grossman; bis 1954 in einem offenen Lager für westl. Deserteure in Bautzen, dort Transportarb. im VEB Waggonbau; Kulturltr. eines Klubs für Ausländer; Sonderlehre als Dreher; 1954 – 58 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig; 1958 Lektor beim Verlag Seven Seas Publishers in Berlin; 1959 – 63 Mitarb. am englischspr. »German Democratic Report«, hrsg. von John Peet; 1963 – 65 bei Radio Berlin International, Red. Nordamerika; 1965 – 68 Ltr. des Paul-Robeson-Archivs an der AdK; ab 1968 freischaff. Journalist, Dolmetscher, Übersetzer, Englischlehrer; zahlreiche Vorträge, u. a. über die amerik. Bürgerrechtsbewegung u. das Leben in den USA; Engagement in der dt. Solidaritätsbew. für den afroamerikan. Journalisten Mumia Abu-Jamal. 1994 erste Reise (nach der Flucht) in die USA, nach einer Anhörung offizielle Entlassung aus der US-Armee; mehrere USA-Reisen; lebt in Berlin.Nilpferd u. Storch. Berlin 1965; Von Manhattan bis Kalifornien. Berlin 1974; Per Anhalter durch die USA. Berlin 1976; Der Weg über die Grenze. Berlin 1985; If I Had A Song – Lieder u. Sänger der USA. Berlin 1988; Crossing the River. Amherst 2003 (Autobiogr.); Madrid, du Wunderbare. Ein Amerikaner blättert in der Geschichte des Spanienkrieges. Schkeuditz 2006.Rainer Bratfisch

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Grote, Heinz

* 31.3.1925

Geb. in Bückeburg (Niedersachsen); Vater Arbeiter; OS, Abitur; 1943 RAD, 1943 – 45 Wehrmacht, Fw.; amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 SED; 1946 – 48 Red.-Volontariat beim Berliner Rundfunk; 1948 – 54 hier Ltr. des Jugendfunks; 1953 – 60 Journalistikfernstu- dium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1954 – 90 ltd. journalist. Tätigkeit beim DFF, 1954 – 64 stellv. Ltr. u. Chefred. der »Aktuellen Kamera«; 1964 – 68 Chefred. für Reportagen u. Dokumentationen; 1968 – 74 Mitgl. der Kommentatorengr.; 1974 – 77 Korrespondent des DFF in der Bundesrep. Dtl.; 1977 – 83 stellv. Chefred. der »Aktuellen Kamera«; 1984 – 89 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Fernsehen, Ltr. der Publizistik, 1990 Bereichsltr.; vertrat gelegentl. den Kommentator  Karl-Euard von Schnitzler in »Der schwarze Kanal«; 1966 – 90 Doz. für Theorie u. Praxis der Fernsehjournalistik an der KMU Leipzig; 1972 – 90 Präs.-Mitgl. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden, 1972 – 74 Vizepräs. des Verb.; 1979 – 84 Kand. der SED-BL Berlin; 1990 Rentner; lebt in Berlin.Über die erzieher.-pol. Funktion der Aktuellen Kamera. Berlin 1960; K.-E. v. Schnitzler: Frühe Denkanstöße. Fundsachen aus dem Archiv. Berlin 2008 (Hrsg.).Bernd-Rainer Barth

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Grotrian, Walter Robert Wilhelm

* 21.4.1890 – ✝ 3.3.1954

Geb. in Aachen; Vater Prof. für Elektrotechnik; Gymnasium; Physikstudium in Aachen u. Göttingen, 1914 Prom.; 1914 – 18 Militärdienst (Flieger); 1918 – 22 Assistent am Physikal. Inst. der Univ. Göttingen, 1921 Habil.; 1922 – 39 Observator bzw. Hauptobservator am Astrophysikal. Observatorium Potsdam; 1923 Privatdoz. u. 1928 a. o. Prof. für Astrophysik an der Univ. Berlin; 1939 – 45 Wehrmacht, Ltr. einer Spezialeinheit für Hochfrequenztechnik u. Ionosphärenforschung; 1945/46 Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Wiedereintritt in das nunmehr zur DAW gehörende Astrophysikal. Observatorium Potsdam; Prof. mit Lehrauftrag, 1951 Prof. mit Lehrstuhl für Astrophysik an der HU Berlin; 1949 NP; 1951 Ord. Mitgl. der DAW; 1951 – 54 Dir. des Astrophysikal. Observatoriums u. kommissar. Ltr. der Akad.-Sternwarte Potsdam-Babelsberg; Vorstandsmitgl. der Astronom. Ges. u. Phys. Ges.; Mitarbeit in der Ev. Akad. G. gilt als führender Astrophysiker mit bes. Leistungen in bezug auf Deutungen der Sonnenkorona u. graf. Darstellung komplexer Spektren; er war 1930 Mitbegr. u. bis 1954 Schriftltr. bzw. Red. der »Ztschr. für Astrophysik«.Klaus-Harro Tiemann

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Grubert, Helmut

* 24.12.1908

Geb. in Nekla (Krs. Schroda, Westpr./Nekla, Polen); Stiefvater Angest. bei der Reichsbahn; Volksschule; 1923 – 45 Ausbildung zum u. Arbeit als Werkzeugmacher. 1945/46 KPD/SED; 1945 Bürgermstr. in Beenz (Krs. Prenzlau); 1948 Personalltr. der Krs.-Verw. Prenzlau; 1949 auch stellv. Landrat; 1950 Einstellung beim MfS, Ltr. der Krs.-Dienststelle Prenzlau; 1951 Versetzung zur Länderverw. Brandenb., dann Ltr. der Abt. VI (Staatsapparat); 1952 stellv. Operativ des Ltr., 1954 Ltr. der BV Frankfurt (Oder) u. Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1956 Oberst-Ltn.; 1960/61 Lehrgang an der BPS; 1961 MfS-OibE als Ltr. der Abt. Postzollfahndung des Amts für Zoll u. Kontrolle des Warenverkehrs; 1969 Entlassung, Rentner; bis 1976 ehrenamtl. Ermittler der HA KuSch.Jens Gieseke

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Grünberg, Gerhard

* 18.5.1920

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Schlosser; Volksschule; Ausbildung zum Expedient in Stettin; 1939 freiw. zum RAD; 1940 – 44 Wehrmacht, Luftbildauswerter; 1943 dreieinhalb Mon. U-Haft wegen »Verdachts der Partisanenunterstützung«, danach Wachdienstausbildung u. Einsatz in Italien; 1944 Desertion u. Kampf in einer Partisaneneinheit. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; 1945/46 Org.-Ltr. der Antifa-Bühne Nordhausen; 1946 Studium an der Pädagog. FS in Nordhausen; dann Arbeit als Grundschullehrer; 1949 Mitarb. beim FDJ-KV Nordhausen; 1951 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Nordhausen; 1952 Ltr. der Krs.-Dienststelle Worbis; 1954 stellv. Operativ des Ltr. der BV Erfurt; 1962 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1965 stellv. Ltr. der HA VII (Abwehr MdI/DVP), 1970 Ltr. des Zentr. Operativstabs des MfS; 1973 Oberst; 1985 Entlassung, Rentner; VVO.Jens Gieseke

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Grund, Iris

* 16.3.1933

Geb. in Berlin; Vater Maurermeister; 1951 Abitur; 1952 FDGB; 1955 DSF; 1952 – 57 Studium an der HS für bildende u. angew. Kunst Berlin-Weißensee bei Selman Selmanagic; 1957 Dipl.-Architektin; 1957 – 59 Mitarb. im Büro des Chefarchitekten von Groß-Berlin,  Hermann Henselmann; 1958 SED; 1959/60 Mitarb. im Büro Ernst May in Hamburg; 1961 Chefarchitektin des Kulturzentrums Neubrandenb.; 1965 Haus der Kultur u. Bildung, Neubrandenb.; 1965 – 67 Ltr. der Abt. Städtebau des VEB Hochbauprojektierung Neubrandenb.; 1967 – 70 Chefarchitektin des Neubaugebiets Neubrandenb.-Ost; 1968 Mitgl. der DBA; 1969 VVO; 1967 – 70 außerplanmäßige Aspirantur an der DBA; 1970 – 90 Chefarchitektin beim Rat der Stadt Neubrandenb.; 1971 Prom.; 1975 – 90 Ltg. des Generalbebauungsplans Neubrandenb.; 1976 u. 1981 Schinkel-Med., 1977 Architekturpreis der DDR, 1984 KMO; 1989 Projektltr. Wohnbebauung der Wilhelm-Pieck-Str. (heute: Torstr.) in Berlin. Seit 1990 freie Architektin in Neustrelitz, Projekte: 1996 Doppelsporthalle in Lychen, 1999 Umbau der Hotelanlage Domäne Neu-Garz im Müritz-Seenpark. Als Chefarchitektin von Neubrandenb., eines städtebaulichen Vorzeigeprojekts der DDR, war I. G. maßgebl. an der Planung einer Vielzahl von Wohngebieten beteiligt, in denen vor allem die neuen Wohnbauten vom Typ WBS 70 konsequent zur Verwendung kamen.Wohngebiet Neubrandenb.-Ost. In: Dt. Architektur (1969) 8; Bauten zur kulturellen Freizeitbeschäftigung als Bestandteil des sozialist. Wohnmilieus u. ihre städtebaul.-räuml. Organisation (Dissertation). Berlin 1971; Zum Wiederaufbau des Magdeburger Domes. In: Dt. Architektur (1982) 10; Geschichte einer Architektin. Hamburg 2004. Wiesemann, A.: Der Aufbau von Neubrandenb. 1945 – 70. Neubrandenb. 1995.Volker Wagner

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Gruner, Jürgen

* 17.12.1930

Geb. in Zwickau; Vater Lehrer; 1949 – 54 Studium der Geschichte, Philos. u. Kultursoziol. in Leipzig, zwischenzeitl. ein Jahr »Bewährung in der Produktion«; 1953 SED; 1954/55 Ltd. Lektor im Verlag Neues Leben Berlin; 1955 – 60 Lektor u. Lektoratsltr. im Verlag des Min. für Nat. Verteidigung; 1960 – 62 Cheflektor des Kongreß-Verlags Berlin; 1963 – 68 Fachgebietsltr. im Min. für Kultur u. persönl. Ref. des Min.  Klaus Gysi; 1968 – 70 Cheflektor (Programmschwerpunkt ausländ. Lit.), 1970 – 91 Ltr. des Verlags Volk u. Welt Berlin (Nachf. von  Walter Czollek); 1980 – 91 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1982 Stellv., 1983 – 90 Vorsteher des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig (Nachf. von  Siegfried Hoffmann); 1982 – 89 als GMS/IME »Ernst« des MfS erf.; 1987 NP; lebt als Rentner in Berlin.Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S. (Hrsg.): Fenster zur Welt. Eine Geschichte des DDR-Verlags Volk u. Welt. Berlin 2003.Carsten Wurm

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Grünert, Werner

* 1.12.1924

Geb. in Bobenneukirchen (Vogtl.); Volksschule; 1939 – 42 Ausbildung zum Klempner; 1942 – 45 Militärdienst. 1945 Arbeit als Klempner; 1947 SED; 1947 Einst. bei der VP, Krs.-Amt Oelsnitz, K5 (Pol. Polizei); 1949 Einst. bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 Verw. des MfS) Sachsen; 1950 Versetzung zur Abt. IV (Spionageabwehr westl. Geheimdienste), MfS Berlin; 1953 Abt.-Ltr. in der HA II (Spionageabwehr) des MfS; 1956/57 Besuch der SED-BPS in Berlin; 1958 stellv. Ltr., 1960 Ltr. der HA II; 1970 Gen.-Major; 1974 VVO; 1976 Offz. für Sonderaufg. beim 1. Stellv. des Min.; 1977 Offz. für Sonderaufgaben in der HA Kader u. Schulung; 1983 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

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Grünke, Klaus-Jürgen

* 30.3.1951

Geb. in Bad Lauchstädt (Sachsen-Anh.); zuerst Fußballspieler; 1966 Wechsel zum Radsport; 1967 Rennfahrerlizenz für die BSG Chemie Buna; Ausbildung zum Stahlbauer im VEB Buna Schkopau; 1970 Wechsel zum TSC Berlin; 1974 Vize-WM im 4.000-m-Mannschaftsverfolgungsfahren; 1975 WM über 1.000 m u. WM-Dritter im 4.000-m-Mannschaftsverfolgungsfahren; 1976 Olympiasieger über 1.000 m; mehrfacher DDR-Mstr.; 1976 – 90 SED; nach der sportl. Laufbahn Busfahrer in Berlin.Olaf W. Reimann

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Grünwald, Jochen

* 20.8.1931

Geb. in Schneidemühl (Piła, Polen); 1945 Volksschule in Mecklenburg; danach Gymnasium in Wismar, Abitur; 1950 – 52 Mitgl. im Landessportaussch. Mecklenburg-Vorpomm.; 1952 SED; 1952 – 57 beim Staatl. Komitee für Körperkultur u. Sport, Oberreferent für Großsportveranstaltungen (Wintersportmeisterschaften, 1953 Ltr. des Organisationskomitees der Friedensfahrt); 1954 – 57 Ltr. der Sektion Eis- u. Rollhockey; 1957 – 86 Generalsekr. des Dt. Eislauf-Verb. (DELV); 1968 Abschluß als Diplomsportlehrer im Fernstudium an der DHfK Leipzig; Mitgl. des Direktorats des Internat. Eishockey-Verbands (LIHG); 1984 – 88 Mitgl. der Appeals Commission der Internat. Eis- lauf-Union (ISU); 1986 – 88 Abteilungsltr. Sommersport im DTSB-Bundesvorst.; 1988 –90 DTSB-Vizepräs. für Sommersport; 1990 DTSB-Generalsekr.; Teiln. an den Olymp. Winterspielen 1956 – 84 (1960 in Squaw Valley wg. der Einreiseverweigerung für DDR-Sportjournalisten auch Reporter der Eisschnell- lauf-Wettbewerbe) u. Olymp. Sommerspielen 1988; 1960 Verdienter Meister des Sports; 1976 u. 1980 VVO; 1988 Stern der Völkerfreundschaft. 1991 – 98 Mitarbeiter der Internat. Sportwerbeagentur Gloria International in der Schweiz.Volker Kluge

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Grützner, Erich

* 30.7.1910 – ✝ 21.11.2001

Geb. in Pirna; Vater Stahlschmelzer; Volksschule in Pirna-Copitz; 1924 Jungspartakusbund; 1925 KJVD u. DMV; 1925 – 39 als Arbeiter in versch. Berufszweigen tätig, zeitw. arbeitslos; 1928 RH u. IAH; 1932 KPD; ab 1933 illeg. Tätigkeit, 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« 16 Mon. Zuchthaus; 1939 – 45 Chemiearb. in Pirna. 1945/46 Ltr. des Jugendaussch. in Pirna; 1946 SED; 1947 FDGB; 1947 – 49 Funktionär des Krs.-Vorst. Pirna des FDGB; 1948 LPS der SED in Ottendorf; 1948 – 50 Stadtverordne- ter u. Vors. der Stadtverordnetenvers. Pirna; 1950 – 54 Studium; Lehrer u. Lehrstuhlltr. an der Gewerkschafts-HS Bernau; 1954 – 81 Abg. des Bez.-Tags, seit 1954 Mitgl. der SED- BL Leipzig; 1954 – 59 Vors. des Bez.-Vorst. Leipzig u. Mitgl. des Präs. des FDGB-BV; 1956 – 63 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1959 – 74 Vors. des Rats des Bez. Leipzig (Nachf. von Karl Adolphs); seit 1974 Vors. des Bez.-Komitees Leipzig der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR; seit 1958 Abg. der Volkskammer; 1958 – 63 u. seit 1976 Mitgl. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; 1970 VVO; 1960 – 76 Mitgl. des Staatsrats; 1980 Ehrenspange zum VVO; 1985 KMO; 1986 wiedergewählt als Mitgl. der SED-BL Leipzig; gest. in Leipzig.Helmut Müller-Enbergs

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Grzimek, Waldemar

* 5.12.1918 – ✝ 26.5.1984

Geb. in Rastenburg (Ostpr./Kętrzyn, Polen), ab 1924 aufgew. in Berlin; 1937 Ausbildung zum Steinmetz; 1937 – 41 Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie u. angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg bei Wilhelm Gerstel, anschl. dessen Mstr.-Schüler; 1941 – 45 Kriegsdienst; 1942 für acht Mon. Studienaufenthalt in der Villa Massimo, Rompreis. 1946 – 48 Lehrtätigkeit am Inst. für künstler. Werkgestaltung Burg Giebichenstein in Halle; 1947 Mitgl. der Künstlervereinigung »Die Fähre«; 1948 – 51 Prof. an der HS für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg, Verlust des Lehrstuhls wegen solidar. Haltung zu Nordkorea; Mitarb. im Künstlerkabarett »Badewanne«; 1951 Studienreise in die UdSSR, 1952 nach Italien; 1952 erste Personalausstellung in der Galerie Franz in Berlin (West); 1952 – 57 freischaff. in Berlin; 1952 – 55 Arbeit am Heine-Denkmal für Berlin; 1952 mit einer Bildhauerdelegation Reise in die UdSSR; 1957 – 61 Prof. an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1959 NP; 1960 Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin; 1961 Korr. Mitgl. der AdK; Übersiedl. nach Friedrichshafen (Bodensee); 1961 – 67 freischaff. in Berlin (West) u. Friedrichshafen; 1962 Ausstellung im Badischen Kunstverein in Karlsruhe, 1964 im Städt. Museum Göttingen, 1967 in der Galerie Springer in Berlin (West); ab 1967 Prof. an der TH Darmstadt; gest. in Berlin. Werke: Heine-Denkmal in Berlin, 1955; Reliefs für das ehem. KZ Buchenwald, 1955; Futtermstr. einer LPG, 1958; Plastikgr. für die Mahn- u. Gedenkstätte KZ Sachsenhausen, 1959 – 60; Porträt Richard Scheibe, 1960; Gefesselter, 1963 u. 1968.Kat. W. G. Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie. Berlin 1960; Decho, U.: W. G. Dresden 1961 (Künstler der Gegenwart); Roters, E.: W. G. – Werkverz. der Plastik. Berlin 1979.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grosz, George

* 26.7.1893 – ✝ 5.7.1959

Geboren am 26. Juli 1893 in Berlin als Georg Ehrenfried Groß, Sohn eines Gastwirts. 1909 Aufnahme in die Königliche Kunstakademie Dresden, von 1912 bis 1917 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Berlin. Kriegsfreiwilliger 1914, wurde aber bereits im Mai 1915 als dienstuntauglich entlassen. 1916 Namensänderung in George Grosz. Mit der Veröffentlichung von Zeichnungen in »Neue Jugend« und »Die weißen Blätter« wurde Grosz in der Kunstszene bekannt. Anfang Januar 1917 als Landsturmpflichtiger erneut eingezogen, nach Aufenthalten in einem Lazarett für Schwerverletzte und einer Nervenheilanstalt als dauernd kriegsdienstuntauglich entlassen. Aktiver Kriegsgegner, enge Zusammenarbeit mit Wieland Herzfelde, in dessen Malik-Verlag die »Kleine Grosz-Mappe« erschien. Während des Spartakusaufstands im Januar 1919 verhaftet, konnte aber entkommen und untertauchen. Grosz trat in die KPD ein und entwickelte sich zum Chronisten und Kritiker seiner Zeit. Vor allem der Militarismus und das konservativ-reaktionäre Bürgertum der Weimarer Republik waren Hauptthemen vieler seiner Gemälde und Karikaturen u. a. in »Das Gesicht der herrschenden Klasse« (1921), »Abrechung folgt« (1923) und im »Spießer-Spiegel« (1925). Gemeinsam mit Martin Andersen Nexö unternahm er 1922 eine fünfmonatige Rußlandreise, traf dort u. a. Wladimir Lenin und Leo Trotzki. Seine Erlebnisse in Rußland verstärkten seine Abneigung gegen jede Form der Diktatur und veranlaßten ihn zum Austritt aus der KPD. Grosz war aber weiter für die IRH aktiv und 1928 an der Gründung der ASSO beteiligt. Er war Mitbegründer des Club 1926 e.V., eine Gesellschaft für Politik, Wissenschaft und Kunst. Anfang Januar 1933 emigrierte Grosz, der bekannteste Satirezeichner Deutschlands, nach New York. Nach ihrer Machtübernahme haben die Nationalsozialisten seine Wohnung und sein Atelier verwüstet, sie diffamierten Grosz’ Werke 1937 als »entartete Kunst« und entfernten 285 davon aus deutschen Museen. Von 1934 bis 1936 arbeitete er für amerikanische Satirezeitschriften. Durch die Nazibehörden 1938 ausgebürgert, erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. In der Folgezeit litt Grosz unter depressiven Stimmungen. 1946 veröffentlichte er seine Autobiographie »A Little Yes and a Big No«, die 1955 im Hamburger Rowohlt Verlag erschien. Grosz wurde 1954 Mitglied der »American Academy of Arts and Letters«, und die Westberliner Akademie der Künste wählte ihn 1959 zum außerordentlichen Mitglied der Abteilung »Bildende Kunst«. George Grosz starb am 5. Juli 1959, wenige Tage nach seiner Übersiedlung nach West-Berlin.

Wer war wer in DDR

Grotewohl, Otto Emil Franz

* 11.3.1894 – ✝ 21.9.1964

Geb. in Braunschweig; Vater Schneidermstr.; Volksschule; 1908 – 12 Ausbildung zum Buchdrucker; 1908 – 14 SAJ Braunschweig, dort 1910 Ortsvors.; seit 1912 Mitgl. der SPD u. des Verb. Dt. Buchdrucker; 1912 – 14 Buchdrucker, Angest.; 1914 – 18 Militärdienst (Infanterist), zweimal verwundet; 1918 USPD; von Nov. 1918 – Jan. 1919 Vors. des Arbeiter- u. Soldatenrats eines Truppenteils an der dt.-niederländ. Grenze; ab Jan.1919 Vors. des Arbeiter- u. Soldatenrats u. Mitgl. der Arbeiter-Wehr in Braunschweig; 1919 – 21 Angest. der Ortskrankenkasse Braunschweig; 1921 – 25 Abg. des Braunschweig. Landtags, 1921/22 Innen- u. Bildungsmin. in Braunschweig; 1922 SPD; Sekr. für Betriebsräte im ADGB; 1923/ 24 Min. für Justiz; 1924 – 26 Studium an der Leibniz-Akad. in Hannover; 1926 – 30 Gasthörer an der HS für Pol., der Handels-HS u. der Univ. Berlin; Mitarb. sozialdemokrat. u. gewerkschaftl. Ztgn.; 1925 – 33 Bez.-Vors. der Braunschweiger SPD u. Abg. des Dt. Reichstags; 1928 – 33 Präs. der Landesversicherungsanstalt, 1933 gemaßregelt; 1934 – 38 div. Tätigkeiten als selbst. Kfm. in Hamburg, u. a. Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts u. des Grude-Herd-Vertriebs; Mitgl. einer illeg. sozialdemokrat. Gruppe; 1937/38 Übersiedl. nach Berlin, kfm. Angest. in versch. Betrieben; 1938 – 45 illeg. Anlaufbüro Berlin-Heibacko-Gniffke; Aug. 1938 – März 1939 u. Nov. 1939 – Febr. 1940 U-Haft, Einstellung eines Verfahrens wegen Hochverrats; 1940 – 45 Geschäftsf. u. Bevollm. der Firma Gniffke (Grude-Herd-Vertrieb) in Berlin; Zusammenarbeit mit der sozialdemokrat. Widerstandsgr. Heibacko. 1945 Vors. des ZA der SPD (mit  Max Fechner u.  Erich W. Gniffke), Mitunterz. seines Aufrufs vom 15.6. sowie des Aktionsabkommens mit der KPD vom 19.6.; Mitbegr. des Blocks der Parteien; 1945/46 Teilnehmer beider »Sechziger-Konferenzen« u. Mitgl. der Studienkommission zur Erarbeitung der »Grundsätze u. Ziele« u. des Parteistatuts der SED; ab 1946 Mitgl. des PV der SED u. seines ZS, ab 1949 des ZK u. des PB, 1946 – 54 mit  Wilhelm Pieck paritätischer Vors. der SED; 1946 – 50 Abg. des Sächs. Landtags; seit 1947 Mitgl. des Ständ. Aussch. des Dt. Volkskongresses, 1948/49 des Dt. Volksrats, Vors. seines Verfassungsaussch.; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer, seit 1950 der Volkskammer; Okt. 1949 – Sept. 1964 Min.-Präs. bzw. Vors. des Min.-Rats der DDR, ab Sept. 1960 stellv. Vors. des Staatsrats; 1953 KMO; 1954, 1959 u. 1964 VVO; 1959 u. 1964 Held der Arbeit; 1960 Banner der Arbeit; seit Nov. 1960 schwer erkrankt u. an der Partei- u. Staatsführung nicht mehr unmittelbar beteiligt.Wo stehen wir – wohin gehen wir. Berlin 1945; Dreißig Jahre später. Die Novemberrev. u. die Lehren der Geschichte der dt. Arbeiterbew. Berlin 1948; Im Kampf um die einige dt. demokrat. Rep. Reden u. Aufsätze. 6 Bde. Berlin 1959 – 64. Voßke, H.: O. G. Biogr. Abriß. Berlin 1979; Rother, B.: O. G. (1894 – 1964). Biogr. Skizze seiner Braunschweiger Jahre (1894 – 1933). In: IWK (1992) 28; Jodl, M.: Amboß oder Hammer? O. G. Eine pol. Biogr. Berlin 1997; Treibel, W.: Gelobt u. geschmäht? Wer war O. G.? Berlin 1998; Loeding, M.: O. G. kontra Kurt Schumacher. Hamburg 2004.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Grube, Ernst

* 22.1.1890 – ✝ 14.4.1945

Geboren als Sohn eines Bergarbeiters am 22.Januar 1890 in Neundorf/Anhalt; lernte Tischler. Er schloß sich dem Holzarbeiterverband und 1908 der SPD an. Nach Beendigung der Lehre Arbeit in der Waggonfabrik Werdau, dann einige Jahre Wandergeselle. Von 1910 bis 1912 lebte er in Berlin, wo er sich in Abendkursen weiterbildete. Während des Krieges in Zwickau Mitglied der Spartakusgruppe und der USPD, seit Gründung in der KPD organisiert. 1920 KPD-Sekretär in Zwickau, im gleichen Jahr zog Grube in den Sächsischen Landtag ein, dem er bis 1922 angehörte. 1921 Delegierter des VII. Parteitags, der VIII. Parteitag 1923 wählte ihn in die Gewerkschaftskommission und als Kandidat in den ZA. Er war von 1922 bis 1924 Stadtverordneter in Zwickau und bis Oktober 1924 Sekretär des UB Zwickau, 1923 einer der militärischen Führer der KPD in Sachsen. Von Mai bis Dezember 1924 Reichstagsabgeordneter, von Oktober 1924 bis 1928 Polleiter des Bezirks Magdeburg-Anhalt. Nach der Wittorf-Affäre kam Grube als Polleiter in den Bezirk Wasserkante. Von Dezember 1924 bis Mitte 1932 Abgeordneter des Preußischen Landtags und seit Juli 1932 wieder Reichstagsabgeordneter. Von 1925 bis 1929 Delegierter aller KPD-Parteitage, auf dem XI. Parteitag 1927 in Essen zum Kandidaten und auf dem XII. Parteitag 1929 in Berlin-Wedding zum Mitglied des ZK gewählt. Grube gehörte zu den Chemnitzer Linken ( Paul Bertz, Heinrich Wesche usw.), Anfang 1930 wurde er seiner Funktion als Polleiter in Hamburg enthoben. Er arbeitete 1930 kurze Zeit als Komintern-Emissär in Griechenland. Ende 1930 wurde Grube Reichsleiter der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit, bis 1933 im ZK der KPD für Sportangelegenheiten verantwortlich. In der Nacht des Reichstagsbrandes festgenommen und in den KZs Sonnenburg, Lichtenburg und Buchenwald inhaftiert. 1939 aus dem KZ entlassen, wieder als Tischler tätig. Im Krieg zunächst in Warschau dienstverpflichtet, kehrte Grube 1941 nach Berlin zurück, wurde 1942 einige Monate inhaftiert. In der Aktion »Gewitter« am 21. August 1944 erneut festgenommen, kam ins KZ Sachsenhausen, wo er schwer erkrankte. Er wurde Anfang April 1945 mit allen arbeitsunfähigen Häftlingen in Viehwagen verladen und ins KZ Bergen-Belsen transportiert. In diesem Vernichtungslager wurde Ernst Grube am 14. April 1945 ermordet.

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Grühn, Udo

* 28.10.1910 – ✝ 15.2.1990

Geboren am 28. Oktober 1910 in Brandenburg/Havel; Mechaniker und seit 1926 Mitglied des KJVD bzw. seit 1930 der KPD. Bis April 1930 Org- bzw. Agitpropleiter des KJVD-UB Chemnitz, legte seine Funktion im KJVD wegen politischer Meinungsverschiedenheiten (Grühn trat gegen die politische Linie von Heinz Neumann und Hermann Remmele auf) nieder, dann Orgleiter des KgF, des Kampfbundes gegen Faschismus, in Chemnitz. Ab Februar 1932 persönlicher Mitarbeiter von Kurt Sindermann, er gehörte dem AM-Apparat der BL Sachsen (NSDAP-Beobachtung) an. Mitte April 1933 in »Schutzhaft« in das KZ Sachsenburg gebracht, aus dem er Ende 1933 freigelassen wurde. Bezirksleiter des illegalen KJVD zunächst für Sachsen und Süddeutschland, er arbeitete mit dem Reichstechniker Wilhelm Kox zusammen. Im Januar 1935 verhaftet und am 8. Juli 1937 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Im April 1945 durch die US-Armee aus dem Zuchthaus Ahlen bei Hannover befreit, bis 1950 Mitglied und Funktionär der KPD, u. a. Redakteur der »Freiheit« in Düsseldorf. Danach Mitarbeiter, dann Betriebsleiter der Correkta-Werke GmbH in Bad Wildungen. Im Februar 1957 Übersiedlung in die DDR, Mitglied der SED. Zuletzt Gruppenleiter im VEB Konstruktions- und Ingenieurbüro Leipzig. Udo Grühn starb am 15. Februar 1990 in Leipzig.

Wer war wer in DDR

Grünberg, Gottfried

* 29.5.1899 – ✝ 7.2.1985

Geb. in Beuthen (Oder, Niederschles./Bytom Odrzańskie, Polen); Vater Kleinbauer; 1905 – 13 Volksschule; 1913 – 15 Arbeiter in Ratibor-Hammer; 1915 – 17 Bergarb. in Zernitz (Oberschles.); Febr. – Dez. 1917 Kriegseinsatz an der Balkanfront, Kavallerie; 1917/18 Internierung in Ungarn; 1919 Rückkehr nach Dtl.; bis 1931 Bergmann im Ruhrgeb., zul. in Baesweller, Schacht »Karl Alexander«; 1920 Kämpfer in der Roten Ruhrarmee; Funktionär der RH u. des RFB; 1928 KPD, Pol.-Ltr. einer Ortsgr.; 1929 Ausschluß aus der Gewerkschaft; 1930/ 31 Mitgl. der KPD-UB-Ltg. Aachen; Mitgl. der BL des Freien Bergarbeiterverb.; 1931 Ermittlungsverfahren wegen »Waffenschmuggels«; im Auftrag der KPD mit seiner Frau Emigr. in die UdSSR; 1931 – 33 Bergmann im Donezbecken (Schacht Nr. 18 »Stalin«, ehem. »Amerikanka«); dort Mitgl. der Gewerkschaftsltg.; 1933 – 34 Studium an der KUNMS (»Hauer«); Mitgl. der Gewerkschaftsltg. der Univ.; 1934 – 35 Studium an der Lenin-Schule (»Weber«), 1934 Abg. des Moskauer Stadtbez.-Sowjets »Frunse«; 1935 sowj. Staatsbürgerschaft; 1935 – 37 Gewerkschaftsinstrukteur im Kusnezkbecken; 1937 Lehrgang für Taktik der Pioniertruppen an der Militärschule »Erste Reiterarmee« in Tambow; dann Teiln. am span. Bürgerkrieg, bis Febr. 1939 Führer einer Pionierkomp. im Bat. »Jaroslaw Dombrowski« der XIII. Internat. Brigade, Ltn.; 1938 KP Spanien; Febr. – Mai 1939 im frz. Internierungslager Argelés, dort Ltr. der poln. Gruppe; Mai 1939 Rückkehr in die UdSSR; bis 1940 Instrukteur der IRH im Autowerk in Gorki, Betreuung span. Emigranten; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erfaßt; Febr. 1941 Kursant der KI-Schule in Puschkino (b. Moskau); nach dem 22.6.1941 Freiw. bei der Roten Armee, nach militär. Spezialausbild. ab Okt. 1941 Angehöriger der I. mot. Schützenbrigade zur bes. Verfügung des NKWD; März 1942 Demobilisierung u. Delegierung zur KI-Schule in Kuschnarenkowo (»Fritz Weber«); 1942/43 Seminarltr. in einer Spezialschule der KI zur Ausbildung von Fallschirmspringern bei Moskau; Dez. 1942 strenge Rüge mit Verwarnung wegen wiederholten Verlusts des Ausweises; 1943 kurzfr. Einsatz in der Kriegsgefangenenschule in Krasnogorsk, dann Ltr. der Kriegsgefangenenschule in Taliza; ab Herbst 1944 Kursant der Parteischule Nr. 12 der KPD. Am 6.5.1945 als Mitgl. der Gruppe  Gustav Sobottka nach Stettin; Stadtrat in Waren; bis 1950 Mitgl. der KPD-BL Mecklenb.-Vorpom. bzw. der SED-LL; Mitgl. der FDGB-LL u. der KB-LL sowie Abg. des Landtags; 1945 – 46 3. Vizepräs. der LV Mecklenb. für die Ressorts Justiz, Kultur u. Volksbildung; 1946 Vorstand der Abt. Arbeit u. Sozialfürsorge; Dez. 1946 – 50 Min. für Volksbildung in Mecklenb.; Frühj. 1947 Mitbegr. u. ab Sommer 1947 Landesvors. der Ges. zum Studium der Kultur der Sowjetunion; 1950 – 56 Gen.-Sekr. der DSF; ab 1956 Oberst-Ltn. u. ab 1957 Oberst der NVA; Ltr. der Abt. Prop. der Pol. HV der NVA, 25.8.1956 – 27.11.1957 Ltr. der Pol. HV u. stellv. Min. (Nachf. von  Friedrich Dickel); 1958 – 60 Mitgl. der SED-KL im MfNV; 1960/61 Militärattaché in Moskau (Nachf. von  Hermann Gartmann); Mitgl. des NR der NF; 1962 aus gesundheitl. Gründen aus dem Dienst ausgeschieden; 1965 stellv. Bez.-Vors. der DSF in Berlin; 1966 Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1974 KMO; 1979 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Der Kampf der DSF für die nationalen Interessen des dt. Volkes. Berlin 1953; Atomenergie, zum Segen der Menschheit. Berlin 1955; Spaniens Freiheitskampf 1936 – 1939. In: G. G. (Hrsg.): »Wir kämpfen u. siegen für dich – Freiheit!« Berlin 1956; Als Mitgl. der Gruppe Sobottka im Einsatz. In: Rosner, F. u. a. (Hrsg.): Vereint sind wir alles. Erinnerungen an die Gründung der SED. Berlin 1966; Kumpel, Kämpfer, Kommunisten. Berlin 1977.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Grundig, Hans

* 19.2.1901 – ✝ 11.9.1958

Geb. in Dresden; Vater Dekorationsmaler; Ausbildung beim Vater; 1920 – 22 Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden, 1922 – 27 an der Dresdener Akad. der bildenden Künste; dort Beeinflussung durch Otto Dix, u. a. Gemälde »Arbeitslose Zigarettenarb.«, »Liebespaar« (beide 1925); 1926 KPD; 1927 Dekorationsmaler, dann arbeitslos; 1928 Heirat mit  Lea G.; 1929 Mitbegr. der Dresdener ASSO; für die KPD künstler. u. pol. tätig; in dieser Zeit entstanden zahlr. Bildnisse u. Stadtlandschaften sowie Gemälde wie »Hungermarsch« u. »KPD-Vers.« (1932); nach 1933 Berufsverbot, Hausdurchsuchungen u. mehrmalige Verhaftung; illeg. entstanden u. a. der Radier-Zyklus »Tiere u. Menschen« (1936 – 38), das Gemälde »Kampf der Bären u. Wölfe« (1938), das Triptychon »Das Tausendjährige Reich« (1935 – 38); 1940 – 44 KZ Sachsenhausen, 1944 Strafdiv. Dirlewanger; Übertritt zur Roten Armee, Besuch einer Antifa-Schule. Jan. 1946 Rückkehr nach Dresden; SED; 1947/48 Rektor u. Prof. an der HS für bildende Künste Dresden; 1946 Tafelbild »Den Opfern des Fasch.«; offene Ablehnung seiner Kunst im Kontext der Realismus-Diskussion; 1958 NP; gest. in Dresden.Zwischen Karneval u. Aschermittwoch. Berlin 1955. Frommhold, E.: H. u. Lea G. Dresden 1958; Zinserling, L.: H. G. Welt der Kunst. Berlin 1967; Frommhold, E.: H. G. – Rektor u. Lehrer 1946 – 49. In: Beck, R., Kardinar, N. (Hrsg.): Trotzdem. Neuanfang 1947. Zur Wiedereröffnung der Akademie der bildenden Künste Dresden. Dresden 1999; Weber, St., Frommhold, E.: H. G. Schaffen im Verborgenen. Dresden 2001.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Gruner, Werner

* 7.6.1904 – ✝ 29.6.1995

Geb. in Terpitzsch bei Colditz (Sachsen); Vater Volksschullehrer; Realgymnasium Döbeln; 1923 – 28 Maschinenbaustudium an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1928 – 30 wiss. Ass. am Lehrstuhl für Betriebswiss. der TH Dresden; 1930 – 45 Abt.-Ltr., Techn. Ltr. bzw. Chefkonstrukteur der Metallwarenfabrik Großfuß in Döbeln, Konstrukteur der Schnellfeuerwaffe »MG 42«; 1932 Prom. zum Dr.-Ing. an der Fak. für Maschinebau der TH Dresden; 1933 NSDAP; 1943/44 nebenamtl. Lehrtätigkeit für spanlose Formung von Blech an der TH Braunschweig. Nach 1945 parteilos; Aug. 1945 Arbeitsverpflichtung durch die SMA; Nov. 1946 – 52 als techn.-wiss. Spezialist in der UdSSR; 1952 Rückkehr in die DDR; Wahrnehmungsprof. für Umformtechnik an der TH Dresden, 1953 – 68 ord. Prof. mit Lehrstuhl, Gründer und Dir. des Instituts für Landmaschinentechnik (erste Einrichtung zur landtechn. Ingenieurausbildung in Dtl.); 1954 – 69 Vors. des Bezirksvorst. Dresden u. Mitgl. des Präsid. der URANIA; 1955 Prorektor für den wiss. Nachwuchs u. 1958 – 1961 Rektor der TH bzw. TU Dresden (Nachf. von → Kurt Pommer); anschl. Prorektor; Dir. der Sektion KfZ-, Land- u. Fördertechnik; 1958 Vors. des Zentr. Arbeitskr. für Landmaschinen- und Traktorenbau; 1959 VVO, 1961 NP; 1962 – 66 Mitgl. des Forschungsrats u. Mitgl. des Beirats für Techn. Wiss. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen; 1962 Ord. Mitgl. der DAL, 1963 – 69 Sekretar der Sekt. Landtechnik; 1969 em.; 1969 Banner der Arbeit; Ehrenprom. der HS für Landmaschinenbau Rostow am Don, an der WPU Rostock u. an der Ing.-HS Berlin-Wartenberg; 1979 Ehrensenator der TU Dresden; gest. in Dresden.Versuche über das maschinelle Sägen von Stein mit glattrandigen Stahlbändern u. Quarzsand. Berlin 1933; Meßtechnik u. Meßmethoden für Forschungsarbeiten im Rahmen der Landtechnik. Prag 1958; Zehn Jahre DDR, zehn Jahre TH Dresden: Festansprache. Dresden 1959; Hochschule u. Praxis. Dresden 1960; Probleme der Meß-, Steuerungs- u. Regelungstechnik in der Landwirtschaft. Berlin 1966. Interessenvereinigung Senioren der Landtechnik: W. G. – Leben & Werk. Rostock 2005; Petschel, D.: Die Professoren der TU Dresden 1828 – 2003. Köln u. a. 2003; G. W. In: Wagemann, H. (Hg.): Von der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin zur Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, Bd. 2: Biografien der Akademie-Mitglieder, Berlin 2006, S. 139–141.Siegfried Kuntsche

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Grunert, Karl

* 29.8.1901 – ✝ 24.4.1980

Geboren am 29. August 1901 in Hamburg, Sohn eines Hafenschiffers, der bereits 1912 starb, die Mutter arbeitete als Putzfrau und Wäscherin. Steindruckerlehre, die er aus finanziellen Gründen nicht abschließen konnte. 1918 bis 1922 Arbeiter beim Hamburger Telegrafenbauamt, ab 1923 Verlagsangestellter. Er schloß sich dem Spartakusbund und 1919 der KPD an. Auf dem 7. Reichskongreß der KJD im April 1923 wurde Grunert in das ZK gewählt, ab 1924 von den Linken zurückgedrängt. Nach dem »Offenen Brief« des EKKI 1925 in das Sekretariat des ZK des KJVD berufen, übernahm er das Presseressort. Im April 1926 kam Grunert zu einem Zweijahreskurs an die Internationale Leninschule in Moskau, danach Funktionen in Hamburg. 1930 wurde Grunert als Versöhnler aus der KPD ausgeschlossen und verlor seine Arbeit im Parteiapparat. Ab Herbst 1930 Angestellter im Hamburger Arbeitsamt, 1933 entlassen. Er schloß sich der Widerstandsgruppe um Hans Westermann an, deshalb am 22. Oktober 1933 verhaftet und bis August 1934 im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert. Ab 1938 Angestellter in einer Foto-Großhandlung, von 1940 bis 1945 Soldat. 1945 wieder Mitglied der KPD und im Hamburger Arbeitsamt tätig, ab 1950 Standesbeamter. Grunert war ab 1948 Mitglied des KPD-Landesvorstandes Hamburg. Dort Anfang Januar 1950 abgesetzt »wegen seiner Beteiligung an der Führung der fraktionellen Gruppe, seiner Verbindung zu den Parteifeinden im In- und Ausland und seiner Desorientierung der Partei«. Einen Monat später aus der KPD ausgeschlossen, Mitte der fünfziger Jahre wurde er Mitglied der SPD. Als ihm nach dem XX. Parteitag der KPdSU nahegelegt wurde, wieder Mitglied der KPD zu werden, lehnte er dies ab. 1974 verließ Grunert wegen des »Extremisten-Beschlusses« die SPD und trat in die DKP ein. Er war 1976 Mitinitiator des Kuratoriums »Gedenkstätte Ernst Thälmann«. Karl Grunert starb am 24.April 1980 in Kaltenkirchen bei Hamburg.

Wer war wer in DDR

Grünler, Kurt

* 15.8.1906 – ✝ 28.7.1985

Geb. in Leipzig-Lindenau; Vater Eisendreher; höhere Bürgerschule; 1920 – 23 Ausbildung zum Elektriker in Makranstädt; 1922/23 Mitgl. der Soz. Proletarier-Jugend, 1922 – 28 KJVD; 1923 IAH, RFB; 1923 – 30 Arbeit als Elektriker u. Hilfsarb., zeitw. auf Wanderschaft; 1928 KPD; 1930 – 33 arbeitslos; u. a. Arbeitsgebietsltr. des illeg. RFB, deswegen als Rädelsführer gesucht u. bis 1933 illeg. in Markranstädt u. Leipzig; Apr. 1933 Emigr. nach Dänemark, Mai 1934 Schweden, Febr. 1936 ausgewiesen; 1937 – 39 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg (»Julio Gonzales Garcia«), XI. Internat. Brigade, Panzerbrigade, Ltn., Juli 1937 verwundet, dann in einer Partisaneneinheit; März 1939 Internierung in Frankreich in St. Cyprien u. Gurs, dort in der illeg. KP-Lagerltg.; 1940 Arbeitskompanie in Nordfrankreich; Juli 1940 Auslieferung nach Dtl., Haft in Berlin; Okt. 1940 – 45 KZ Buchenwald. 1945/46 KPD/SED; 1945 Sekr. des Antifa-Blocks in Altränstedt; 1945 – 47 dort Amtsvorsteher; 1947 Einstellung bei der VP, Ltr. der K 5 (pol. Polizei) in Magdeburg; Sept. 1949 Ltr. der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Mecklenb.; 1950 stellv. Operativ des Ltr. der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen-Anh. (ab Febr. 1950 Länderverw. Sachsen-Anh. des MfS); 1952 Ltr. der BV Frankfurt (Oder); 1953 Oberst-Ltn.; 1954/55 BPS Frankfurt (Oder); 1955 Ltr. der BV Suhl; 1960 aus gesundheitl. Gründen beurlaubt; 1961 Versetzung zur Abt. XII (Zentr. Auskunft/Speicher), MfS Berlin; 1964 Entlassung, Rentner; 1971 VVO.Jens Gieseke / Bernd-Rainer Barth

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Grünwald, Siegfried

* 20.5.1938

Geb. 1938 in Loppnow (Krs. Greifenberg, Hinterpomm. / Łopianów, Polen); Vater Landarbeiter, Mutter Hausfrau; 1945 – 53 Grundschule in Zielitz (Sachsen-Anh.); 1952 FDJ; 1953 – 55 Lehre; 1955 – 57 Arbeit als Dreher in Magdeburg u. Abschluß der mittl. Reife; 1957 – 63 NVA; 1962 SED; 1963 – 67 stellv. Abt.-Ltr., 1967 – 69 Ratsmitgl. u. Ltr. der Abt. örtl. Versorgungswirtschaft beim Rat des Krs. Wolmirstedt; 1965 – 70 Fernstudium an der Ingenieurschule Plauen, Ing.-Ökonom Maschinenbau; 1969 – 71 Vors. der Kreisplankommission Wolmirstedt; 1972 – 76 1. Stellv. des Vors. der Bezirksplankommission Magdeburg; 1972 – 77 Fernstudium an der ASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1976 – 85 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Magdeburg; 1976 – 31. Mai 1990 Abg. des Bezirkstags Magdeburg; 1982 / 83 Studium an der PHS »Karl Marx«; 1985 – 11.6.1990 Vors. des Rats des Bez. Magdeburg (Nachf. von  Kurt Ranke). 1990 bis 1992 tätig in der Projektentw.; ab 1993 selbständig; Rentner.Andreas Herbst

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Grybowski, Franz

* 4.10.1901

Geboren am 4. Oktober 1901 in Krojanke/Krs. Flatow in Westpreußen. Anfang der zwanziger Jahre in Berlin-Adlershof Angestellter in einem Laboratorium bei AEG, später Chemielaborant. Seit 1919 Mitglied der USPD, seit 1920 der KPD, ab 1925 Abnahmebeamter bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, anschließend Revisionsbeamter bei der Dachgesellschaft der Derop-Gesellschaft »Dero Napht«. Seit 1929 Mitarbeiter der Geschäftsabteilung des ZK der KPD (Pressereklame), reiste Grybowski mehrfach ins Ausland und führte Aufträge der Komintern (Sicherung von Dokumenten und Geldvermögen) aus. Seit 1929 gehörte er dem Reichs-AM-Apparat der KPD an, war 1929/30 Reichsleiter des BB-Apparates, 1930/31 besuchte er unter dem Decknamen Adolf die M-Schule in Moskau. Nach 1933 in der Illegalität, organisierte von Prag und Saarbrücken aus den Vertrieb von Druckschriften und arbeitete eng mit dem Reichstechniker Wilhelm Kox als »Obertechniker West« im Rheinland zusammen. Am 1. Februar 1935 festgenommen und am 5.Februar 1936 durch den VGH zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Da er zum illegalen Apparat der KPD und zur geheimen Arbeit der Komintern umfassend aussagte, und später offenbar V-Mann der Gestapo war, wurde seine Strafe auf drei Jahre herabgesetzt. Nach Kriegsende lebte er in Berlin-Köpenick und wurde von überlebenden Widerstandskämpfern belastet, andere Personen verraten zu haben. Längere Zeit konnte er sich wehren und alle Verdächtigungen als böswillige Unterstellungen zurückweisen. Er verfaßte »Persönliche Bemerkungen«, in denen er ausführlich über sich und die Arbeit des AM-Apparates berichtete. Im Juli 1945 beantragte er die Anerkennung als »Opfer des Faschismus«. Ein Angebot, für die Parteiabwehr der KPD/SED zu arbeiten, soll er abgelehnt haben. Daraufhin wurde Grybowski am 6.November 1946 vom NKWD verhaftet und in Moskau durch ein Militärtribunal zu 25 Jahren Lager verurteilt. Nach fünf Jahren in Workuta kehrte er nach Ost-Berlin zurück und wurde Elektroingenieur im VEB Fotochemische Werke. Später soll er Geheimer Informant des MfS gewesen sein. Wann und wo Franz Grybowski gestorben ist, war nicht zu ermitteln. 2008 veröffentlichte Siegfried Grundmann über Franz Grybowskis Zusammenarbeit mit der Gestapo eine Monographie.

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Guddorf, Wilhelm

* 20.2.1902 – ✝ 3.2.1943

Geboren am 20. Februar 1902 in Melle bei Gent/Belgien, Sohn eines Universitätsprofessors. Schon auf dem Gymnasium fiel seine Sprachbegabung auf, er beherrschte später fast alle westeuropäischen und slawischen sowie eine Reihe weiterer Sprachen. Nach dem Krieg Umzug nach Osnabrück, Abitur und Studium der Volkswirtschaft, Geschichte, Musik- und Kunstwissenschaft an den Universitäten Münster, Leiden und Paris, wo er mit dem Kommunismus in Berührung kam. 1922 Eintritt in die KPD. 1924/25 Redakteur der »Freiheit« und des »Rhein-Ruhr-Pressedienstes« der KPD. 1925/26 mehrmonatige Haft. Dann Mitarbeiter der »Roten Fahne« in Berlin, von 1927 bis 1932 leitete Guddorf das außenpolitische Ressort des KPD-Zentralorgans (Pseudonym Paul Braun). Im Sommer 1932 schied er wegen parteiinterner Differenzen aus der Redaktion aus und arbeitete als Übersetzer. 1933 illegal für die KPD tätig, am 22. März 1934 verhaftet und am 17. Juli 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Strafverbüßung Einlieferung in das KZ Sachsenhausen. Im April 1939 freigelassen, in einem Berliner Antiquariat beschäftigt, wo er Eva-Maria Buch (*31. 1. 1921 – † 5. 8. 1943) kennenlernte. Beide waren in der Folgezeit eng befreundet und gemeinsam illegal aktiv. Tätigkeit als Übersetzer, wurde einer der Herausgeber der Widerstandszeitschrift »Die innere Front«, die in fünf Sprachen erschien. Er hatte Verbindung zu der Gruppe Schulze-Boysen (»Rote Kapelle«) und wurde am 15. Oktober 1942 erneut verhaftet und furchtbar gefoltert. Am 3.Februar 1943 vom 2.Senat des Reichskriegsgerichts zum Tode verurteilt, wurde Wilhelm Guddorf am 13. Mai 1943 in Plötzensee hingerichtet. Seine Frau Hilde (* 5. 7. 1907 – †6. 11. 1980), mit der er von 1930 bis 1942 verheiratet war, war die Tochter des Ehepaars Edwin und Gertrud Morgner, beide Delegierte des Gründungsparteitages der KPD.