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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Gudzuhn, Jörg

* 23.3.1945

Geb. in Seilershof (Landkrs. Ruppin); 1951 – 59 Grundschule in Berlin, 1959 – 61 Berta-von-Suttner-Gymn. in Berlin-Reinickendorf, vorzeitiger Abbruch wg. des Mauerbaus; 1961 – 66 Schleifer im Wälzlagerwerk »Josef Orlopp« Berlin; Lehre u. Arbeit als Maurer; Volkshochschule, Abitur; 1966 – 70 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin-Schöneweide; 1970 – 74 Engagements am Theater in Karl-Marx-Stadt, 1974 – 76 am Hans-Otto-Theater Potsdam, 1976 – 87 am Maxim-Gorki-Theater in Berlin, vor allem in skurrilen Rollen, u. a. in Shakespeares »Sommernachtstraum« (R:  Thomas Langhoff) u. »Einer flog über das Kuckucksnest« (R: Wolf Winkelgrund); daneben in TV-Folgen von »Der Staatsanwalt hat das Wort« u. »Polizeiruf 110«, ab 1982 auch größere Rollen in DEFA-Filmen, z. B. in »Das Luftschiff« (R:  Rainer Simon), »Eine sonderbare Liebe« (1984, R:  Lothar Warneke, Kritikerpreis als Darsteller), »Die Grünstein-Variante« (1985, R: Bernhard Wicki); seit 1987 Engagement am Dt. Theater Berlin, u. a. in »Nathan der Weise« (1987, unter  Friedo Solter); 1988 Titelrolle im DEFA-Film »Fallada – Letztes Kapitel« (R:  Roland Gräf). Nach 1990 weiterhin Engagement am Dt. Theater, u. a. Dorfrichter Adam in »Der zerbrochene Krug« (1991, unter Th. Langhoff), in den Titelrollen von »König Ödipus« (1996), »Othello« (1998), beide unter  Alexander Lang, Soloauftritt mit »Leben bis Männer oder: Der Fußballtrainer« (2001 unter der Regie von  Peter Ensikat, nach einer Vorlage von Thomas Brussig); daneben Arbeit für Film: 1991 in »Verfehlung« (R:  Heiner Carow), 1992 in »Moebius« (R: Matti Geschonneck); auch in TV-Produktionen: 1991 in »Ende der Unschuld« (R:  Frank Beyer), 1994 in mehreren Folgen von »Liebling Kreuzberg«, 1998 – 2007 als Kommissar Hoffer an der Seite von  Ulrich Mühe in »Der letzte Zeuge« (ZDF); 1997 Adolf-Grimme-Preis; lebt bei Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Gummel, Margitta

* 29.6.1941

Geb. in Magdeburg; KJS, Abitur; Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrerin; wiss. Mitarb. am Forschungsinst. der DHfK-Leipzig; 1977 Prom. mit Diss. über sportl. Tätigkeit u. Emanzipation der Frau zum Dr. paed.; 1955 – 72 aktiv in der Leichtathletik (Kugelstoßen), zuerst in Magdeburg, ab 1959 beim SC DHfK Leipzig (Trainer: Prof. Dr. Karl-Heinz Bauersfeld); dreimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1964 5. Platz, 1968 Siegerin, 1972 2. Platz; dreimal Teiln. an Europameisterschaften: 1966 u. 1969 jeweils 2. Platz; 1971 3. Platz; 1966 Siegerin bei den Hallen-Europameisterschaften; 1968/69 viermal WR; VVO; 1974 – 90 Präs.-Mitgl. des Dt. Verb. für Leichtathletik (DVfL) u. des DTSB; 1990 Ehrenmitgl. des DVfL-Präs.; bis 1990 Gen.-Sekr. des Studenten-Sportverb. der DDR; Abg. des Leipziger Stadtparl.; 1990 – 93 Mitgl. beim LSB Brandenb.; lebt in Bad Bentheim.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Gundermann, Gerhard

* 21.5.1955 – ✝ 21.6.1998

Geb. in Weimar; Vater Uhrmachermstr., Mutter Lagerarb.; 1961 – 73 POS, EOS, Abitur; 1973 – 75 Offz.-HS Löbau, abgebrochen; 1975 im Braunkohletagebau, zuerst Hilfsmaschinist, dann Baggerfahrer; 1971 Singeklub; 1978 – 88 »Brigade Feuerstein«; 1972 erste eigene Texte u. Kompositionen; seit 1980 Soloprogramme; 1977 – 90 Auftritte beim Berliner Festival des pol. Liedes; 1976 – 84 vom MfS als IM »Grigori« erf.; 1975 SED, 1984 Ausschl. (Rehabil. 1990); 1983 Porträtfilm »Gundi Gundermann« im DFF; 1988 erste LP »Männer, Frauen u. Maschinen«; ab 1988 Texte für die Rockband Silly (CD »Februar«); 1989 Programm »Erinnerung an die Zukunft«; ab 1989 Auftritte mit versch. Bands. 1992 CD »Einsame Spitze« (in Zusammenarbeit mit Silly); eigene Tourband »Seilschaft«; G. verstand es, das Lebensgefühl vieler Ostdt. nach der Vereinigung künstler. zu artikulieren, u. erlangte dadurch große Popularität; 1994 Auftritte mit Bob Dylan u. Joan Baez; Video »Silly, Gundermann & Seilschaft«; 1995 CD »Frühstück für immer«; 1997 CD »Engel über dem Revier«; Ende der Arbeit im Tagebau; Umschulung zum Tischler; 1998 CD »Krams. Das letzte Konzert«; gest. in Spreetal; 1999 Gründung des Vereins Gundermanns Seilschaft e.V.Liederbuch. 45 Texte mit Noten. Berlin 1995; Liederbuch Teil 2. Berlin 1999; Werkstücke I-III (2003 – 05, auf CD). G. G. Rockpoet u. Baggerfahrer. Gespräche mit Hans-Dieter Schütt. Berlin 1996.Lutz Kirchenwitz

Wer war wer in DDR

Günther, Eberhard

* 11.5.1931

Geb. in Dresden; Abitur; nach kurzem Lehrgang Neulehrer; Studium der Pädagogik, Germanistik u. Geschichte; 1954 SED; Doz. an der ABF Dresden; verantw. Red. der Hochschulztg. der TU Dresden; Mitgl. der Univ.-Parteiltg.; 1964 Prom. mit der Diss. »Die frühen Dramen Friedrich Wolfs«; 1964 – 73 ltd. Mitarb. der HV Verlage u. Buchhandel im Min. für Kultur; 1966 Parteiverfahren, weil er die Druckgenehmigung für  Manfred Bielers Roman »Das Kaninchen bin ich« erteilt hatte; ab 1973 Verlagsdir. des Mitteldt. Verlags Halle, Leipzig (Gegenwartslit. der DDR); 1976 – 90 Mithrsg. der Reihe »Kritik – Rezensionen zur DDR-Lit.« u. 1984 – 89 der Reihe »Positionen – Wortmeldungen zur DDR-Lit.«; 1975 – 87 beim MfS als IMS/IME »Richard« erf.; 1978 kritisiert wegen der Veröff. der Romane »Es geht seinen Gang« von  Erich Loest u. »Tod am Meer« von  Werner Heiduczek; zugl. wiederholt ausgezeichnet (u. a. NP im Koll.), 1989 NP. Nach der Privatisierung des Verlags auf dem Wege des Management-Buy-out ab 1990 Geschäftsf. u. Gesellschafter der GmbH; Erweiterung des Verlagsprogramms um Regionalia, Sachbücher u. Behördenverzeichnisse von Bundesländern; 1990 – 98 Vorstandsmitgl. im Verb. der Verlage u. Buchhandlungen von Sachsen, Sachsen-Anh. u. Thür.; seit 1996 Ruhestand, lebt seit 2007 in Dresden.Mitteldt. Verlag 1946 – 2006. Halle (Saale) 2006. Walther, J.: Sicherungsbereich Lit. Berlin 1996; de Bruyn, G.: Vierzig Jahre. Ein Lebensbericht. Frankfurt (Main) 1996; Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S.: »Jedes Buch ein Abenteuer«. Zensursystem u. liter. Öffentlichkeit in der DDR bis Ende der 60er Jahre. Berlin 1997.Carsten Wurm / Frank Wagner

Wer war wer in DDR

Günther, Jürgen

* 24.2.1938 – ✝ 30.5.2015

Geb. in Halle; Vater Kunsthistoriker; 1952 – 55 Ausbildung zum Drucker in Halle; 1958 – 61 Hauptphasenzeichner beim DEFA-Trickfilmstudio in Dresden; erste Veröff. in der Kinderztschr. »ATZE«, seit 1960 regelmäßig Arbeiten für die Kinderztschr. »FRÖSI«; anschl. freiberufl.; erste Bildergeschichten zus. mit seiner Frau, der Malerin Herta Günther; Mitte der 70er Jahre für »FRÖSI« Entw. der populären Comic-Figuren »Otto u. Alwin«, 1979 zeichnete er mit ihnen 55 Folgen für die ersten u. einzigen Kaugummibilder der DDR (OK Big Babaloo); 1980 sehen 35.000 Besucher die Ausstellung »J. G. – Bildergeschichten in Moritzburg«; weitere Comicarbeiten für DDR-Illustrierte: »Flitzi u. Schlappi« (»NBI«), »Mischa u. Kalle« (»Freie Welt«). Nach 1990 Comics für die »Berliner Ztg.« (die Blaubären »Ed u. Eddy« erlebten 300 Folgen) u. für die »Sächs. Ztg.« (»Kasimir u. Josefine«).Otto & Alwin. Ein Bastel- u. Ausmalbuch. Berlin 1985; Otto u. Alwin. Gesamtausgabe. Dresden 2008; Kinder, wie die Zeit vergeht. Bildgeschichten. Dresden 2008. Lettkemann, G., Scholz, M. F.: »Schuldig ist schließlich jeder ...« – Comics in der DDR. Berlin 1994; Mit Herzblut u. kecker Feder. Interview. In: mosaiker (1998) 26.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Guse, Werner

* 18.7.1922 – ✝ 2.11.1977

Geb. in Schönebeck; Vater Schriftsetzer; 1928 – 32 Volksschule, 1932 – 37 Mittelschule; 1937 – 41 Lehre u. Arbeit als Buchdrucker; 1941 RAD; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 – 47 sowj. Kriegsgef., Mitgl. der Antifa-Lagerltg. u. Jugendpropagandist. 1947 Rückkehr nach Dtl.; 1947 / 48 Buchdrucker; 1947 SED; 1948 – 50 Abt.-Ltr. in einer Druckerei; 1950 Org.-Instrukteur beim Rat des Krs. Haldensleben; 1950 – 52 Landrat in Eisleben; 1952 / 53 1. Sekr. der SED-KL Haldensleben; 1953 / 54 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1954 – 59 1. Sekr. der SED-Stadtltg. Magdeburg; 1959 / 60 Ltr. der Abt. Leitende Parteiorgane des ZK der SED; 1959 VVO; 1960 – 64 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; später stellv. Dir. für Industrieanlagen im VEB Schwermaschinenbau »Karl Liebknecht« in Magdeburg; gest. in Magdeburg.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Gute, Herbert

* 30.8.1905 – ✝ 8.11.1975

Geb. in Dresden; Vater Buchhalter; Gymnasium; 1920 KJVD; 1922 Ausbildung zum Zimmermann; 1923 – 25 Akad. für Kunstgewerbe in Dresden; 1925 Studienaufenthalt in Wien; 1925/26 Werbegrafiker, danach bis 1933 freischaff.; ab 1926 Veröff. erster liter. Arbeiten in Arbeiterztg.; 1928 KPD; 1929 Mitbegr. u. Vors. der ASSO in Dresden; 1929 – 33 Stellv. bzw. Ltr. der MASCH; 1931 Mitgl. der Reichsltg. der ASSO u. Delegierter bei der Gründungsveranstaltung der Interessengem. für Arbeiterkultur; ab 1933 illeg. pol. Arbeit; Mai 1933 – Dez. 1934 in Haft, Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 15 Mon. Zuchthaus; nach Entlassung Ltr. eines Ateliers für Gebrauchsgrafik; Mai 1938 – Pfingsten 1939 u. 1941 erneute Haft, verurteilt zu 33 Mon. Zuchthaus, bis April 1945 KZ Buchenwald. 1945 Lektor an der KPD-LPS in Ottendorf (Sachsen); dann Instrukteur der Abt. Agit.-Prop. der KPD in Sachsen u. Abt.-Ltr. für Kunst u. Lit. in der sächs. Landesreg.; dort bis 1948 Staatssekr. im Min. für Volksbildung; 1948/49 Ministerialdir. in der ZV für Volksbildung in Berlin; Vors. der Volksbühne u. Vors. des Büros für Theaterfragen; Cheflektor des Verlags Tribüne u. 1952/53 Gen.-Sekr. des VBK; 1949/50 Prof. u. stellv. Dir. an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; 1950 – 58 Prof. für allg. Theorie u. Kunst an der HU Berlin u. Dir. des Inst. für Kunsterziehung; 1958 – 61 OB von Dresden; Mitgl. der SED-BL Dresden (Nachf. von  Walter Weidauer); 1961/62 Dir. der DEFA-Studios für Trickfilme in Dresden; danach freischaff. Schriftst.; 1958 u. 1970 VVO.Partisanen ohne Gewehr. Ein Tagebuch aus der Erinnerung. Berlin 1970.Elke Reuter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gutsche, Joseph

* 5.4.1895 – ✝ 4.5.1964

Geboren am 5. April 1894 in Gräditz/Krs. Schwiebus. Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Buchbinder. Seit 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg, geriet in russische Kriegsgefangenschaft und schloß sich der Roten Armee und SDAPR an. 1918 nach Deutschland zurückgekehrt, trat er in die USPD und 1920 in die KPD ein, war militärischer Berater bei den bewaffneten Kämpfen in Berlin, nach dem Hamburger Aufstand 1923 Mitarbeiter der Zentrale der KPD. Als Anhänger Ruth Fischers M-Leiter für den Bezirk Berlin-Brandenburg, im Februar 1924 zum ersten militärpolitischen Lehrgang der Komintern nach Moskau geschickt, mit ihm u.a. Hans Kippenberger, Heinz Neumann und Wilhelm Zaisser. Nach seiner Rückkehr wurde Gutsche Ende Oktober 1924 auf der ersten Konferenz der Leiter des Ordner-Dienstes (OD) Berlin-Brandenburg mit zahlreichen Funktionären verhaftet, im Oktober 1925 vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu drei Jahren verurteilt, die er im Zuchthaus Sonnenburg verbüßte. Während der Haft wandte sich Gutsche von Ruth Fischer ab und wurde Anhänger Ernst Thälmanns. Nach seiner Freilassung 1927 erneut Angestellter des Parteiapparates. Das ZK der KPD beauftragte ihn gemeinsam mit Franz Dahlem »zur Bekämpfung der oppositionellen Gruppierung um Ruth Fischer« im Wedding. Nach dieser »Bewährungsprobe« gehörte Gutsche zum reorganisierten AM-Apparat der KPD unter Leitung von Hans Kippenberger, 1929 für den Aufbau sogenannter Sprenggruppen verantwortlich. Einer drohenden Verhaftung entging er im April 1931 durch Flucht in die Sowjetunion, wurde dort Mitglied der KPdSU(B) und diente bis 1942 in der Roten Armee. Als Angehöriger der sowjetischen Aufklärung u. a. in China und den USA, zeitweise Lehrer an der M-Schule der Komintern. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion kämpfte Gutsche mit seinem Sohn Rudolf (* 4. 11. 1919 – † 3. 10. 1988) in einer Partisaneneinheit in der Ukraine. Im Herbst 1945 Rückkehr nach Deutschland, sein Versuch, für die Kommunisten Mitglied der SPD in Leipzig zu werden, um diese zu unterwandern, scheiterte. Gutsche übernahm als KPD- bzw. SED-Mitglied führende Funktionen, u. a. von 1947 bis 1949 Präsident des Landespolizeiamts Sachsen, nach Gründung des MfS 1950 Leiter der Landesverwaltung Sachsen bzw. bis Anfang 1953 der Bezirksverwaltung Dresden, dann Leiter der Hauptabteilung Information des MfS in Ost-Berlin. Generalmajor und im November 1953 Chef der streng geheimen Abteilung »zur besonderen Verwendung« (z.b.V.), deren Operationsgebiet die Bundesrepublik Deutschland war, 1957 Ruhestand. Rudolf Gutsche starb am 4.Mai 1964 in Ost-Berlin. Mike Schmeitzner veröffentlichte 2004 eine biographische Skizze über Rudolf Gutsche.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Gutzeit, Martin

Es gibt eine Reihe von Frauen und Männern, die ganz zu Recht Mütter oder Väter der ostdeutschen Revolution von 1989 genannt werden. Nur ganz wenige aber können behaupten, auch zu den Architekten des Systemumsturzes zu zählen. Dazu bedurfte es neben moralischer Entrüstung, humanen Empfindens und energischen Mutes auch intellektueller Redlichkeit, optimistischer Geschichtssicht und Lust auf die Rückkehr von Geschichte und Politik in die eigene Gesellschaft. Der Kampf gegen die Feinde der offenen Gesellschaft hat Martin Gutzeit nicht nur Spaß gemacht, er hat dabei auch Gespür und Sinn für die Frage entwickelt, die eine Revolution erfolgreich und irreversibel werden lässt: die Machtfrage. Mit der Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR im Herbst 1989 haben Gutzeit und Markus Meckel, auf den Schultern des Weltgeistes stehend gewagt, wozu viele andere ihrer Freunde in der Opposition noch nicht bereit waren – das Machtmonopol der Kommunisten nicht nur zu hinterfragen, sondern unmissverständlich anzugreifen und die von den Herrschenden entworfene Selbstlegitimation nachhaltig zu unterhöhlen. Gutzeit und Markus Meckel bildeten viele Jahre ein Team, und doch gebührt Martin Gutzeit allein der unverdiente Titel, eine der am meisten unterschätzten und verkannten Persönlichkeiten der Opposition und der Revolution von 1989/90 zu sein.In einem Dorf bei Cottbus wuchs Martin Gutzeit auf, nachdem er am 30. April 1952 das Licht der Welt erblickt hatte. Sein Vater war Pfarrer, der mehrere Dörfer betreute. Vor 1945 gehörte er zur Bekennenden Kirche. Die Mutter starb bereits 1957. Die politische Haltung von Gutzeits Vater war deutlich gegen das kommunistische System ausgerichtet, es herrschte geistige Offenheit im Pfarrhaus. Anfang der 90er Jahre formulierte Martin Gutzeit einmal mit Blick auf sein Elternhaus: „Es gibt gewisse Werte, Normen, Prinzipien, Verantwortung, zu denen man steht. Und da spielt es keine Rolle, was andere Menschen dazu sagen, ob man diskreditiert wird oder nicht.“ Diese Überlegung hat Gutzeits Weg und Entwicklung maßgeblich begleitet und beeinflusst. Abitur durfte er nicht ablegen, da stand das Elternhaus politisch aus Sicht der SED im Wege. Deshalb begann Gutzeit 1968 in Calau eine Elektromonteurlehre, die er 1970 erfolgreich abschloss. Gleichzeitig belegte er an einer Abendschule in Cottbus einen Abiturkurs. Die Hochschulreife erwarb Gutzeit 1971, obwohl sein Betrieb versucht hatte, ihm auch diesen Bildungsweg zu untersagen. Was er genau mit dem Abitur anfangen würde, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Am liebsten hätte er Mathematik studiert. Seine Vorliebe für Logik war längst ausgeprägt. Die aufregenden Zeiten in den 60er und frühen 70er Jahren haben Marlin Gutzeit nicht unberührt gelassen. Literatur und Musik beeinflussten ihn, während seine Haare immer länger wurden. Der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King avancierte zu seinem Vorbild. Die Studentenunruhen, das antiautoritäre Auftreten faszinierten den freiheitsliebenden jungen Mann an der deutsch-polnischen Grenze. Ebenso schaute er voller Begeisterung in die Tschechoslowakei, wo reformkommunistische Kräfte versuchten, im *Prager Frühling einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu praktizieren. Als der *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei die wahre Fratze des Kommunismus wieder zum Vorschein bringt, ist Gutzeit weniger geschockt und entsetzt als viele andere. Zwar hatte auch er Hoffnungen gehegt, aber so viel hatte er schon von Macht, Geschichte und Kommunismus verstanden, dass rollende Panzer gegen die eigene Bevölkerung durchaus immer im Bereich des Möglichen lagen. Er war enttäuscht und zugleich motiviert, verstehen zu wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Seine christliche Prägung kam 1971 nicht nur dadurch zum Ausdruck, dass er den Armeedienst total verweigerte, Gutzeit arbeitete zugleich als Diakoniehelfer auf dem Martinshof in Rothenburg (Oberlausitz). Er wusste zu gut, was Totalverweigerung hieß, denn nach Rothenburg war gerade ein Diakon nach zwei Jahren Zuchthaus zurückgekehrt. Als Gutzeit hingegen weder verhaftet noch eingesperrt wurde, stellte sich die Frage, was nun zu tun sei. „Es gab für mich zwei Möglichkeiten. Studieren war bei keiner staatlichen Universität möglich. Entweder ich machte eine Diakonieausbildung […] oder ich studierte Theologie an einer kirchlichen Ausbildungsstätte.“ 1972 nahm er ein Theologie- und Philosophiestudium am Berliner Sprachenkonvikt auf. Hier konnte frei und unabhängig im Schutzwinkel der Kirche und mit finanzieller Unterstützung des Westens studiert werden. Philosophie und Philosophiegeschichte wurden das Steckenpferd des Theologiestudenten Martin Gutzeit. 1974 lernte er Markus Meckel kennen, der sein 1971 in Naumburg begonnenes Theologiestudium nun am Sprachenkonvikt fortsetzte. Im Kern der Debatten, die Gutzeit, Markus Meckel und andere führten, standen Fragen nach Freiheit, Eigentum, Recht, Staatsbeschaffenheit, Gesellschaft und „Was ist Politik?“. Diskutiert wurden die großen Philosophen ebenso wie aktuelle Texte der Opposition. Dass dabei Rudolf Bahro, Robert Havemann oder Wolf Biermann auf viel Sympathie bei Gutzeit stießen, ist fast selbstverständlich, aber für ihre politischen Überzeugungen und Annahmen galt das nicht in gleichem Maße. Der Protestant Gutzeit, der sein Denken an Hegel und Kant schulte, konnte mit kommunistischen Gesellschaftsentwürfen, und seien sie noch so gegen die kommunistischen Machthaber gerichtet, nicht viel anfangen. In einem eigenen Hegel-Kreis, der 1977–81 vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) überwacht wurde, haben Gutzeit, Markus Meckel und einige andere ihre philosophischen Debatten auch mit Fragen der Gegenwart und Zukunft zu verbinden gewusst.Ende der 70er Jahre ließ sich Martin Gutzeit übrigens auch seine langen Haare abschneiden. Er hielt die Zeit für gekommen, weil er seine Widerständigkeit gegen verordnete Normen nicht mehr symbolisch vor sich hertragen musste. Innerlich war er nun so unabhängig, sich die Freiheit zu nehmen, die er zum Leben benötigte. 1979 endete Gutzeits Studium offiziell. Mit Gelegenheitsjobs hielt er sich über Wasser, um seine Studien privat am Sprachenkonvikt fortführen zu können. Erst 1982 trat er eine Pfarrstelle in Mecklenburg an. Seine Frau Gudrun, mit der er seit 1973 verheiratet ist, kam ein halbes Jahr später nach und machte dort zunächst zwei Jahre ein Vikariat, ehe sich das Ehepaar ab 1984 die Pfarrstelle teilte. Neben dieser zeit-und kraftaufwändigen Arbeit betrieb Gutzeit weiterhin seine philosophischen Studien und arbeitete mit Markus Meckel in der unabhängigen Friedensbewegung mit. Friedens- und Menschenrechtsseminare, die mobilen Mecklenburger Friedensseminare und der Vipperower Friedenskreis sind nur einige der Schlagwörter, die im politischen Leben Gutzeits eine große Rolle in den 80er Jahren spielten. Er pflegte intensive Kontakte vor allem nach West-Berlin, in die Bundesrepublik und die Niederlande. Neben der Gemeindearbeit war die geistige Auseinandersetzung mit Gesellschaftstheorien immer ein Standbein von Gutzeits Arbeit. Ab 1984 arbeitete er im Arbeitskreis Theologie und Philosophie beim Bund der Evangelischen Kirchen mit, ab 1986 wirkte er dann als Assistent von Richard Schröder erneut am Sprachenkonvikt. Er unterrichtete Philosophie, lehrte Sprachen und schrieb an einer Dissertation über Hegels Logik und Religionsphilosophie. Zum Glück, so würde Gutzeit wohl sagen, konnte er die ihm eng ans Herz gewachsene Arbeit nicht zu Ende schreiben, weil das eintrat, woran kaum jemand geglaubt hatte: der Kommunismus verschwand. Zu den wenigen, die sich einen solchen Untergang schon lange und konkret vorstellen konnten, gehörte Martin Gutzeit. In den Oppositionsgruppen, die er zumeist kannte, fühlte er sich nicht recht wohl. Es war ihm dort zu wenig Theorie und vor allem zu wenig Politik. Ihm fehlte bei vielen anderen der Drang, die nichtlegitimierte Macht zu beseitigen. Im Frühjahr 1988, nach den Ereignissen im Zusammenhang mit der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration im Januar, kam Gutzeit zu der Einsicht, dass die bisherige Arbeit der Opposition in der DDR praktisch gescheitert sei. Der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) zum Beispiel warf er vor, keine klaren politischen, auf die Systemüberwindung orientierten Ziele zu haben. Die Arbeit müsse insgesamt neu orientiert und organisiert werden. Gutzeit arbeitete gemeinsam mit Markus Meckel ein Vereinsprojekt „Bürgerbeteiligung“ aus. Satzungsziel sollte die Herstellung einer demokratischen Öffentlichkeit, die Demokratisierung und Pluralisierung der Gesellschaft sein, was auf die Abschaffung der kommunistischen Diktatur hinauslief. In diesem Projekt fanden die Erfahrungen und Ideen der letzten Jahre zusammen. Vom Ansatz ähnelte diese Idee den späteren Bürgerbewegungen wie Neues Forum und Demokratischer Aufbruch. Bei seiner Beschäftigung mit Hegels Philosophie kam Gutzeit immer mehr zu dem Schluss, dass die ihn umgebende Wirklichkeit nicht nur aufgebrochen werden müsse, sondern dass dies auch möglich sei. Jahre später schrieb er einmal über diesen Erkenntnisprozess: „Ich verhehle nicht, dass mich eine euphorische Stimmung erfasste, als ich glaubte, eine Gegenlogik gegen die scheinbar unüberwindlichen Machtverhältnisse gefunden zu haben, denen ich mich bis dahin ziemlich ohnmächtig ausgeliefert fühlte.“ Zugleich überkamen ihn aber auch Zweifel, ob mit einem Verein tatsächlich das Gewaltmonopol des Staates entscheidend herausgefordert werden könne. Gutzeit war im Gegensatz zu vielen anderen Oppositionellen kein prinzipieller Gegner des Staates – sehr wohl aber des totalitären Staates. Vor diesem Hintergrund reifte immer stärker die Einsicht, nur mit einer neuen Partei wirklich etwas bewegen und Staat wie Gesellschaft demokratisieren zu können. Mit Markus Meckel, der sogleich angetan war, besprach er die Idee. Als Meckel im Februar 1989 auf einem Oppositionstreffen erste vage Überlegungen zur Gründung einer Partei vortrug, wurden diese abgelehnt. Ein solches Vorhaben überforderte die meisten Oppositionellen noch erheblich. Weder Markus Meckel noch Gutzeit waren von dieser Ablehnung sonderlich überrascht, kannten sie doch – wie sie sagen würden – „ihre Pappheimer“.Gutzeit und Meckel ließen sich jedoch nicht beirren, in den folgenden Wochen und Monaten reifte ihre Idee immer weiter. Im Juli 1989 entstand der Aufruf zur Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP), der am 26. August der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. In oppositionellen Kreisen war die Initiative bereits vorher bekannt gemacht worden. Den Aufruf unterschrieben neben Gutzeit und Meckel auch der Theologe Arndt Noack, ein alter Studienfreund der beiden, sowie Ibrahim Böhme, der 1990 als einflussreicher Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des MfS enttarnt wurde. Gutzeit hatte schon in den 80er Jahren eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, um IMs zu enttarnen und sich und sein Umfeld, so dies überhaupt möglich war, vor der Staatssicherheit zu schützen. Böhme war ihm zwar stets suspekt, aber Gutzeit hatte keine Beweise in der Hand, weshalb er nichts unternehmen konnte. Dass Gutzeit und Meckel eine sozialdemokratische Partei gründeten, war kein Zufall. „Freiheit, Demokratie, soziale Gerechtigkeit, der Begriff der Solidarität waren für uns eine Selbstverständlichkeit in unserer Tradition, und ökologische Aspekte“, sagte Gutzeit Anfang der 90er Jahre. Außerdem studierte Gutzeit in der zweiten Hälfte der 80er Jahre die Geschichte der europäischen Sozialdemokratie. Für ihn bestanden keine Zweifel, dass eine soziale Marktwirtschaft, so wie sie die Sozialdemokratie in Europa nach 1945 vertreten hatte, die beste Alternative für die DDR wäre. Hinzu kam der unübersehbar provokative Ansatz, mit einer sozialdemokratischen Partei in der DDR die SED besonders herauszufordern und ihr ihren Machtanspruch streitig zu machen. Gutzeit und Markus Meckel zählen nicht zu der Sorte Revolutionäre, von denen es heißt, sie verlegten den Umsturz auf das Wochenende und in die Feierabendstunden. Als sie ihre Unternehmung „SDP-Gründung“ – mit einer durchaus angenehmen Portion Größenwahn – angingen, konnten sie nicht wissen, wie dies enden und vor allem nicht, wie schnell alles gehen würde. Eigentlich wartete auf die beiden für viele Jahre das Zuchthaus und anschließend die Fahrt gen Westen ohne Rückfahrtschein. Dass es anders kam, lag an vielen Faktoren, die zusammen die Revolution schnell und erfolgreich ausbrechen und siegen ließen. Martin Gutzeit hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet. Er und seine Freunde von der SDP waren die ersten, die mit der SED nicht nur in einen Dialog treten, sondern ihr die Macht entreißen wollten. Davon lernten schnell auch viele andere, weshalb die Revolution bald unumkehrbar wurde. Es war nicht nur eine symbolische Idee, dass die Parteigründung der SDP ausgerechnet am 7. Oktober 1989, als die SED-Führung den 40. Jahrestag der DDR feiern wollte, in Schwante bei Berlin erfolgte. Die Aufregung in Berlin versprach den Gründungsmitgliedern die Chance, etwas weniger beobachtet zu werden – dies glaubte Martin Gutzeit jedenfalls. Für manche war es dann dennoch ein echtes Abenteuer, nach Schwante zu kommen und den MfS-Observateuren zu entfliehen. Nach diesem Gründungsparteitag war Gutzeit in den nächsten Monaten an allen wichtigen Entscheidungen und Handlungen der Opposition beteiligt. Er war kein Mann der Öffentlichkeit, sondern einer, der beharrlich im Hintergrund die Fäden zog und diese auch oft genug in den Händen hielt. In der ersten frei gewählten Volkskammer war er parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Nach einer kurzen Übergangszeit im Bundestag (1990), einer Assistenz an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (1991) und einer einjährigen Werkvertragszeit bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, trat Gutzeit zum Januar 1993 das neu geschaffene Amt des Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen an. Dieses Wahlamt hat er noch immer inne. Gutzeit hat 1992–98 in den beiden Enquete-Kommissionen des Bundestages, die sich mit der Aufarbeitung und den Folgen der SED-Diktatur beschäftigten, als Sachverständiger mitgearbeitet. Wiederum gemeinsam mit Markus Meckel hatte er die Idee zur Einsetzung dieser Kommissionen überhaupt erst entwickelt. Das geschah in Abwehr anderer kursierender Vorschläge, etwa zur Errichtung außerparlamentarischer Tribunale. Martin Gutzeit hat zwei erwachsene Kinder und ist mittlerweile auch Großvater. Schon mit seinem Vater saß er gern auf der gemütlichen Veranda, um über „Gott und die Welt“ zu plaudern. So weiß er auch heute zu genießen, sei es in der Politik, der Musik, bei Hegel und Aristoteles oder auf seinen kulturhistorischen Reisen, die ihn in jenes alte Europa führen, das er jahrzehntelang nur theoretisch studieren konnte. Nun, da vorerst keine neue Revolution geplant zu werden braucht, rücken auch allmählich die alten Hegel-Studien wieder stärker in den Vordergrund. Es bleibt abzuwarten, was Martin Gutzeit diesmal für eine politische Lehre daraus ziehen wird.Ilko-Sascha Kowalczuk Letzte Aktualisierung: 12/16

Wer war wer in DDR

Gyptner, Richard

* 3.4.1901 – ✝ 2.12.1972

Geb. in Hamburg; Volksschule; kfm. Ausbildung; Schiffbauhelfer; Teiln. an der Nov.-Rev. 1918; 1919 KPD-Mitbegr. in Hamburg; 1920 – 26 Vors. des KJVD u. Jugendvertreter im PB der KPD; 1922 Mitgl. des EKKI der KVJ, Jugendvertreter im EKKI; 1929 Sekr. des Westeurop. Büros der KI (unter Georgi Dimitroff); 1931 KI-Vertreter bei der Schweizer KP; Kand. des EKKI; 1933 Sekr. im Weltkomitee gegen Krieg u. Fasch. in Paris; seit 1933 Sekr. des EKKI der IAH in Paris; Aufenthalte in Dänemark u. Schweden; ab 1935 pol. Gehilfe des KI-Vors. Georgi Dimitroff bzw. des Sekr.-Mitgl. Wilhelm Florin, nach Auflösung der KI Mitarb. in der inoffiz. Nachfolgeorg. »Inst. Nr. 205«; antifa. Radioprop. 30.4.1945 Rückkehr nach Dtl. mit der KPD-Initiativgr.  Walter Ulbricht, Aufbau der Berliner KPD; Juni 1945 Sekr. des ZK u. Ltr. des Büros des Sekr., nach SED-Gründung einer der beiden parität. Sekr. des ZS; 1949/50 Vizepräs. der Berliner VP; als »Westemigrant« abberufen, mußte sich vor ZPKK verleumderischer Vorwürfe erwehren; SED-LPS Liebenwalde; 1951 – 53 HA-Ltr. im Amt für Information; 1953 MfAA, Mitgl. des Kolleg., Ltr. versch. HA Kap. Ausland, dann Konsular. Angelegenh., 1954 Kap. Länder, 1955 Internat. Org., Rechts- u. Vertragswesen; 1954 Mitgl. u. später Ehrenpräs. der Dt. Liga für die Vereinten Nationen; Nov. 1955 – 58 Botschafter in Peking (Nachf. von  Johannes König); 1958 – 61 Bevollm. der Reg. für die Arab. Staaten in Kairo (Nachf. von  Ernst Scholz); 1961 VVO; März 1961 – April 1963 Botschafter in Warschau (Nachf. von  Josef Hegen); 1964 Ruhestand; 1965 KMO; gest. in Berlin.Från forening till massorganisation. Stockholm 1924; Aktivisten der ersten Stunde. In: Wir sind die Kraft. Berlin 1959; Das Westeurop. Büro der kommunist. Internationale (1928 – 33). In BzG 1963; Über den antifaschistischen Sender während des 2. Weltkriegs. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbew. 1964; Mein Sohn, der Partisan. In: Sport u. Technik (1966) 10. Kennerstrom, B.: Dokumenti en kominternrepresentant i Stockholm 1931. In: archiv Lund; Winkler, H.: Lebensbild über den Sohn Rudolf Gyptner. In: Lebendige Tradition. Lebensbilder dt. Kommunisten u. Antifaschisten. 2. Halbband. Berlin 1974.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Gysi, Klaus

* 3.3.1912 – ✝ 6.3.1999

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Arzt, Mutter Buchhalterin; Volksschule in Berlin-Neukölln, Realgymnasium, 1931 Abitur in Darmstadt; 1928 Mitgl. des KJVD, der IAH u. des Soz. Schülerbunds, 1931 der KPD in Frankfurt (Main); 1931 – 35 Studium der Volkswirtschaft in Frankfurt (Main), 1931/32 in Paris (Sorbonne), Innsbruck u. ab Sommer 1933 in Berlin, Jan. 1935 Abschlußprüfung an der Univ. Berlin, Dipl.-Volkswirt; 1931 – 33 Mitgl. der Roten Studentenbew.; Pol.- u. Org.-Sekr. in Frankfurt (Main) u. Berlin; ab 1933 Mitgl. der Reichsltg. der Roten Studentenbew., 1933/34 dort illeg. Arbeit (»Paul Riemer«); Kurierfahrten; 1935 Relegation von der Univ. Berlin; Frühj. 1936 in Cambridge (Kontakt mit Prof. Maurice Dobb); 1939 Mitgl. der Studentenltg. der KPD in Paris; 1939/40 vorübergehend in Frankreich interniert (Lager Virzou, Bourges u. a.); 1940 nach Toulouse zu  Franz Dahlem, auf KPD-Beschluß zurück nach Dtl. (legale Einreise über Freiburg); 1940 – 45 illeg. pol. Tätigkeit in Berlin; war zus. mit seiner damaligen Frau  Irene Gysi freischaff. als wiss. Mitarb. des Verlags Hoppenstedt & Co. in Berlin, Spezialarchiv der dt. Wirtschaft. 1945 Bez.-Bürgermstr. in u. Mitgl. der KPD-KL Berlin-Zehlendorf; 1946 SED; 1945 – 48 Chefred. der kulturpol. Ztschr. »Aufbau«; ab 1945 Mitgl. des Präsidialrats, 1949 – 51 Bundessekr. des KB; Mai 1951 Funktionsverbot wegen angebl. Unklarheiten in seiner Vergangenheit (1940 – 45); 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1952 – 57 stellv. Abt.-Ltr. u. Ltr. des Ressorts Dt. Lit.-Geschichte im Verlag Volk u. Wissen in Berlin, Mitgl. der ZPL des Verlags; 1956 – 65 als IM »Kurt« beim MfS erf.; 1957 – 66 Ltr. des Aufbau-Verlags (Nachf. des verhaft.  Walter Janka); 1957 – 77 Mitgl. des Präs. des KB; 1958 – 62 Stadtverordneter in Berlin; 1959 – 66 Vorsteher des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig (Nachf. von  Heinrich Becker); ab 1963 ehrenamtl. Mitgl. der Westkommission des PB; 1966 – 73 Min. für Kultur (Nachf. von  Hans Bentzien); Mitgl. des Min.-Rats u. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; 1967 – März 1990 wiederum Abg. der Volkskammer; 1969 Banner der Arbeit; 1970 Erinnerungsmed. d. MfS; Lenin-Erinnerungsmed.; 1972 VVO; 1973 – 78 Botschafter in Italien u. Malta; 1977 KMO; 1979 Gen.-Sekr. d. Komitees f. Europ. Sicherheit u. Zusammenarbeit; Nov. 1979 – 88 Staatssekr. für Kirchenfragen (Nachf. von  Hans Seigewasser); 1982 Ehrenspange zum VVO; 1987 Großer Stern d. Völkerfreundschaft; Dr. h. c. der FSU Jena; 1988 Ruhestand; 1990 PDS; gest. in Berlin.Reich-Ranicki, M.: Ein Fanatiker, mit dem sich reden läßt. Der neue Kulturminister der DDR: K. G. In: Die Zeit, 28.1. 1966; Janka, W.: Die Unterwerfung. München, Wien 1994; Wolffsohn, M.: Die Dtl.-Akte. München 1995; Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Schrifts. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996; Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Jüd. Kommunisten in der DDR 1945 – 1990. Weimar 2000; König, J.: Gregor Gysi. Eine Biogr. Berlin 2005. BRB; HME

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Haase, Erich

* 7.9.1928

Geb. in Großenhain; Vater Heizungsmonteur; Grund- u. Oberschule; Lehre u. Arbeit als Maurer; 1946 SED; 1946 / 47 VHS, Abitur; 1947 – 52 Studium der Wirtschaftswiss. an der TH Dresden, Dipl.-Wirtschaftler; 1952 – 56 Oberass., 1956 – 58 stellv. Dir. des Inst. für Rechnungswesen u. Finanzen der TH Dresden; 1958 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1958 – 61 1. Stellv. des Hauptdir. der VVB Maschinenbau u. Abt.-Ltr. für Ökonomie; 1961 Mitarb., 1962 / 63 Abt.-Ltr. Industrie des VWR, 1963 Sekr. des VWR; 1966 1. Stellv. des Ministers, 1968 – 71 Minister für Materialwirtschaft (Nachf. von  Alfred Neumann) u. Mitgl. des Min.-Rats; anschl. Staatssekr. u. Ltr. der Ständigen Kommission für Materialwirtschaft beim Min.-Rat der DDR.Andreas Herbst

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Gueffroy, Chris

* 21.6.1968 – ✝ 5.2.1989

Geb. in Pasewalk; 1975 – 85 OS in Berlin, davon drei Jahre Besuch der Sportschule Dynamo, Leistungssportart Turnen; 1985 – 87 Ausbildung zum Kellner im Flughafenhotel Berlin-Schönefeld, erste Konfrontationen mit Vorgesetzten über pol. Starrheit u. Korruption im Staat; Ausreisewunsch, bestärkt durch die einsetzende Ausreisewelle im Freundeskreis; Herbst 1988 erster Einberufungsbefehl zur NVA, verschoben auf Mai 1989; beim Fluchtversuch mit Christian Gaudian in der Nacht zum 6.2.1989 in Berlin-Treptow als letztes Opfer an der Berliner Mauer erschossen. Sept. 1991 – Jan. 1992 Prozeß gegen die vier beteiligten Grenzsoldaten wegen Totschlags, Urteile nach Revision im März 1994 auf zwei Freisprüche u. zwei Bewährungsstrafen herabgesetzt; der zuständige Chef des Grenzkommandos Mitte wurde wegen Totschlags im März 1998 zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt; 21.6.2003 Errichtung einer Gedenkstele am Britzer Verbindungskanal im Rahmen der Geschichtsmeile Berliner Mauer.Grafe, R.: Deutsche Gerechtigkeit. Prozesse gegen DDR-Grenzschützen u. ihre Befehlshaber. München 2004; Hertle, H. H., Nooke, M. (Hrsg.): Die Todesopfer an der Berliner Mauer. Ein biograph. Handbuch. Berlin 2009.Christoph Links

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Gumpert, Ulrich

* 26.1.1945

Geb. in Jena; 1961 – 64 Studium an der HS für Musik »Franz Liszt« Weimar (Waldhorn, Klavier, Theorie); Pianist bei den Jenaer Oldtimern; 1967/68 Studium an der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; 1967 – 70 Pianist in der  Klaus-Lenz-Bigband; 1969 eigenes Quartett; 1970 – 73 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialkl. Tanzmusik, Klavier); 1971 – 73 SOK; 1973 Synopsis, Warschauer Jazz Jamboree (auch 1974 u. 1977); Beginn der Duo-Arbeit mit  Günter Sommer; ab 1972 versch. Werkstattorchester (Moers 1979, Berliner Jazztage 1979, JazzFest Berlin 1985); 1975 Jazz-Tage Nagykanizsa (Ungarn), 1977 Jazzbühne Berlin (beide mit Synopsis), Jazzfestival Ljubljana (Jugosl.) im Trio, »Jazz in der Kammer Nr. 100« in Berlin (mit Kent Carter & German Friends u. Ulrich Gumpert Workshop Band); 1980 erste Auftritte als Solist, u. a. mit Erik-Satie-Progr.; 1980 – 82 Trio mit Radu Malfatti u. Tony Oxley; 1984 Piano Project des Total Music Meeting in Berlin (West); enge Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Jochen Berg; ab 1984 Zentral-Quartett; 1985 Duo mit Steve Lacy; Solo-LP/CD: »The Secret Concert« (1987), »Satie: Trois Gymnopédies« (1991), mit Ulrich Gumpert Workshop Band: »’n Tango für Gitti« (1978), »Echos von Karolinenhof« (1979); »Aus teutschen Landen – Suite nach Motiven dt. Volkslieder« (1972, LP 1977); weitere Aufnahmen mit Günter Sommer/Manfred Hering, Synopsis,  Ernst-Ludwig Petrowsky, Radu Malfatti/Toni Oxley, Heinz Becker, Steve Lacy; Musik zu Theaterstücken, Filmen u. Hörspielen; 1989/90 Mitgl. des Jazzorchesters der DDR (JazzFest Berlin 1990). 1994 Auftritte mit Sainkho Namchylak u. neuer Ulrich Gumpert Workshop Band; 1994 CD »Zentralquartett: Plie«; 2001 Mitgl. des Trios »Jazzin’ The Blues«, das  Manfred Krug auf Tournee begleitete; Mitarbeit in der Silke Eberhard B3 Selection; 2005 Dt. Jazzpreis; 2007 CD »Quartette«; Filmmusiken, u. a. für den »Tatort«.Rainer Bratfisch

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Gundermann, Marianne

* 20.8.1902 – ✝ 29.5.1974

Geb. in Crimmitschau (Sachsen) in einer jüd. Familie; Vater Mützenmacher; Mittelschule in Berlin, Handelsschule; nach 1917 Arbeit bei versch. Verlagen in Berlin; 1919 – 24 KAP; 1924 KPD; Kultur-Red. der Ztschr. »Klassenkampf«, wegen Zugehörigkeit zu den »Versöhnlern« Ausscheiden aus der Red.; 1930 in Berlin Red. bei der Ztschr. »Weg der Frau«; 1933 Emigr. nach Paris; Mitarb. der RH; 1934/ 35 illeg. Arbeit in Dtl. u. im Saargeb.; über Paris in die UdSSR; 1936 Parteischule (Lenin-Schule), Red.; 1938 mit Parteiauftrag in die Niederlande, Abhördienst ausländ. Rundfunkstationen bei Abschnitts-Ltg. West in Amsterdam (»Toni«); Mitgl. der KPD-Emigr.-Ltg.; April 1943 in Amsterdam verhaftet, gab der Gestapo nach mißglücktem Suizidversuch Informationen preis, die zu Verhaftungen führten; 1943 KZ Auschwitz u. KZ Ravensbrück; über Rot-Kreuz-Aktion 1945 nach Schweden; Red. der »Pol. Information« in Stockholm. März 1946 Rückkehr in die SBZ; erhielt wegen ihrer Aussagen bei der Gestapo ihr Parteibuch nicht zurück; Red. u. HA-Ltr. beim Berliner Rundfunk; 1949 – 53 Red. des »Neuen Dtl.«; 1953 beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1956 durch ZPKK Aufnahme in die SED; Abt.-Ltr. HA Schöne Lit. im Min. für Kultur; 1959 Lessing-Preis u. Händel-Preis; 1964 Dr. phil. mit »Händels Rolle als Aufklärer«; 1969 NP; 1970 ZPKK erkennt ihre Parteimitgl. rückwirkend ab 1919 an; gest. in Berlin.Sabotage im Lager Auschwitz. In: Pol. Information (Stockholm) (1945) 13; Der Humanist Arnold Zweig. Berlin 1955; Händel-Renaissance. Berlin 1960/69; Lebendiges Erbe. Reden u. Aufsätze zur Kunst u. Lit. Leipzig 1972. Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Stuttgart 2000.Michael F. Scholz

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Günther, Egon

* 30.3.1927 – ✝ 31.8.2017

Geb. in Schneeberg (Erzgeb.); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Schlosser; techn. Zeichner in einem Konstruktionsbüro für Maschinenbau; 1944/45 Wehrmacht; Kriegsgefangenschaft in den Niederlanden u. Goslar, Flucht. Rückkehr nach Dtl.; Neulehrer; 1948 – 51 Studium der Pädagogik, Germanistik u. Philos. in Leipzig; anschl. Lehrer; später Verlagslektor in Halle; verfaßte Dramen, Libretti, Romane; ab 1958 Dramaturg, Regisseur u. Szenarist bei der DEFA; SED; seit 1961 freischaff.; Verfilmung von Gegenwartsstoffen, u. a. »Der Dritte« (UA 1972) u. »Die Schlüssel« (1974); Adaptationen liter. Vorlagen, so »Abschied« nach  Johannes R. Becher (1968, zus. mit  Günter Kunert u.  Heinz Kamnitzer) sowie »Die Leiden des jungen Werther« nach Johann W. v. Goethe (1976), 1972 NP; kulturpol. Restriktionen nach dem 11. Plenum des ZK der SED (Dez. 1965) verhinderten die Fertigstellung des satir. Gegenwartsfilms »Wenn du groß bist, lieber Adam«; in der DDR wiederholt in seiner Arbeit behindert; ab 1979 als Autor u. Regisseur von TV-Filmen in der Bundesrep. Dtl. tätig. Nach 1990 u. a.: »Stein« (1990); »Lenz« (1992); »Das 7. Jahr – Ansichten zur Lage der Nation« (1997; »Else, Geschichte einer leidenschaftl. Frau« (1998/99); »Die Braut« (1999); 1992 Berufung zum Prof. an der Film-HS Babelsberg; 1999 Bundesfilmpreis für sein Gesamtwerk; lebte in Groß-Glienicke (b. Potsdam), gest. in Potsdam. Kennzeichnend für G.s Filme waren Konfliktorientierung u. formale Innovationen, insb. subtile Bildverfremdung.Einmal Karthago u. zurück. Berlin, Weimar 1974; Reitschule. Berlin, Weimar 1981; Der Pirat. Berlin, Weimar 1988; Rosamunde. Bergisch-Gladbach 1990; Palazzo Vendramin: Richard Wagners letzte Liebe. Bergisch-Gladbach 1999. Beutelschmidt, Th.: Zwischen den Stühlen. Leipzig 2005.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Günther, Karl-Heinz

* 13.2.1926 – ✝ 1.10.2010

Geb. in Eisenach; Vater Eisenbahner; Gymnasium, 1944 Abitur; Aufnahme eines Med.-Studiums in Berlin; Ende 1944/45 Offz.-Anwärter im Sanitätsdienst der Luftwaffe, Jan. 1945 Sanitäter im Fronteinsatz; Mai – Juli 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft, zul. im antifa. Jugendaktiv. Studium der Geschichte u. Pädagogik an der MLU Halle-Wittenberg; Jan. 1950 SED; Sept. 1951 wiss. Assistent; 1955 Prom. zu Hugo Gaudig bei  Hans Ahrbeck; anschl. wiss. Mitarb. für Geschichte der Erziehung u. Studiendir. für Aspirantur, 1961 stellv. Dir. für Aspirantur u. Weiterbildung am Dt. Pädagog. ZI; 1962 Habil. mit einer Arbeit über bürgerl.-demokrat. Pädagogen des 19. Jh. an der HU Berlin; 1970 Ord. Mitgl. u. bis Dez. 1989 Vizepräs. der APW; Prof. für Geschichte der Pädagogik; 1974 NP; 1982 Korr. Mitgl. der AdW; 1978 bis zur Auflösung 1990 Vors. der Kommission für dt. Erziehungs- u. Schulgeschichte. Gest. in Berlin. Publ. zu bildungshist., allgemeinpädagog. u. erziehungstheoret. Themen; Mithrsg.: Geschichte der Erziehung (16 Aufl.). Berlin 1957 – 88; Pädagog. Bibl.; Jb. für Erziehungs- u. Schulgeschichte (ab 1967).Gert Geißler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Güßfeld, Käthe

* 15.5.1899

Geboren am 15. Mai 1899 in Berlin; bis 1923 Volksschullehrerin. Sie gehörte seit Mai 1920 der USPD, seit Ende 1920 der KPD an und war 1923/24 Frauenvertreterin der BL Berlin-Brandenburg. Dann war sie Übersetzerin und Redakteurin der Zeitschrift »Kommunist« und für die internationale Abteilung der Komintern (OMS) und den sowjetischen Nachrichtendienst tätig. Einsätze führten sie in die USA, nach Großbritannien und nach Frankreich, zeitweilig war sie dort inhaftiert. Von 1924 bis 1927 im Sekretariat der IAH in Berlin, ab 1927 in der Sowjetunion. 1928 Anhängerin Heinrich Brandlers. Käthe Güßfeld war bis 1931 in der sozial-ökonomischen Abteilung der RGI, anschließend bis 1935 als Dozentin am Institut der »Roten Professur« in Moskau. Sie wurde am 27. Oktober 1936 vom NKWD verhaftet. Kurz zuvor hatte sie noch einen schwedischen Staatsbürger geheiratet (Katy Swenson). Ihr Sohn konnte von ihrer Schwester nach Berlin geholt werden. Käthe Güßfeld saß mit Carola Neher und Hilda Duty ab 1938 in einer Zelle im Zuchthaus Orjol, später soll sie im Lager Sol-Ilzek gewesen sein. Laut einer Auskunft aus dem Jahre 1948 kam Käthe Güßfeld als Opfer der Stalinschen Säuberungen im sowjetischen Gulag ums Leben.

Wer war wer in DDR

Guter, Kurt

* 1.9.1921 – ✝ 27.10.2001

Geb. in Berlin; Vater Filmspielltr. der Universum Film AG (UFA), Mutter Schauspielerin; Grundschule u. Gymnasium in Potsdam, Abitur; Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Berlin (drei Semester); 1940 / 41 Kamera-Ass. der Universum Film AG in Potsdam; 1941 – 45 Wehrmacht; April – Dez. 1945 in Westdtl.; Ende 1945 mit einem Transport nach Zingst gekommen. 1946 SED; 1946 – 48 Gemeindesekr. u. Gemeinderat in Zingst; 1948 Sonderlehrgang an der SED-LPS Mecklenb. in Wiligrad; 1948 / 49 Bürgermstr. in Franzburg; 1949 / 50 Kreisrat für Inneres in Stralsund; 1950 – 53 Vors. des Rats des Krs. Malchin; 1954 – 56 1. Sekr. der SED-KL Malchin; Fernstudium an der DASR Potsdam-Babelsberg, 1955 Dipl.-Jurist; 1956 –58 1. Sekr. der SED-KL Neubrandenburg; 1958 / 59 1. Stellv. des Vors., 1959 – 62 Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg; 1962 – 67 erneut stellv. Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg; Studium an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss. u. Dipl.-Staatswiss.; 1967 – 89 1. Sekr. der SED-KL Prenzlau; danach Rentner.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Gutsche, Rudolf

* 4.11.1919 – ✝ 3.10.1988

Geb. in Berlin; Sohn von  Joseph G.; 1931 Emigr. in die UdSSR; 1932/33 Agenteneinsatz in China; 1933 Mittelschule; 1933 – 35 Militärschule in Moskau, Ausbildung als Radiotechniker; 1935 – 38 Einsatz als illeg. Funker in Shanghai; 1938 Lehrer in mehreren Militärschulen der UdSSR; 1940 – 43 außerdem Ltr. von zwei Spezialschulen für Aufklärer; 1943 – 45 Partisanen- u. Agenteneinsätze. 1945/46 Spezialschule für Flugtechnik; 1946 SED; Einstellung bei der VP Leipzig, erst Dolmetscher, dann Ltr. der K 5 (pol. Polizei); 1949 stellv. Ltr. der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Thür. (ab Febr. 1950 Länderverw. Thür. des MfS); 1950 Ltr. der Abt. VIII (Observation/Festnahmen) des MfS Berlin; 1953 Oberst-Ltn.; 1957 stellv. Ltr. der Abt. F (Funk); 1961/62 Einjahreslehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; 1962 Ltr. der Koordinierungsstelle Karlshorst in der Verw. Rückwärtige Dienste; 1975 Entlassung, Rentner; 1985 VVO; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Gutzeit, Martin

* 30.4.1952

Geb. in Cottbus; Vater Pfarrer; POS; 1968 – 70 Ausbildung zum Elektromonteur in Calau; 1971 Abitur an der Abendschule in Cottbus; 1970/71 Relaismechaniker bei der Energieversorgung Cottbus; 1971 Totalverweigerung des Wehrdienstes; 1971/72 Diakoniehelfer auf dem Martinshof in Rothenburg (Oberlausitz); 1972 – 79 Studium der Theol. u. Philos. am Sprachenkonvikt Berlin, 1979/80 priv. Studien (Georg W. F. Hegel, Immanuel Kant); bildete 1977 – 81 u. a. mit  Markus Meckel einen »Hegel-Krs.«, vom MfS überwacht; 1980 – 82 Vikariat in Berlin-Pankow; 1982 – 86 Pastor in Schwarz (b. Neustrelitz); 1983 – 87 Teiln. an den mobilen Mecklenb. Friedensseminaren; 1984 Mitarb. im Arbeitskrs. Theol. u. Philos. beim Bund der Ev. Kirchen in Berlin; 1986 – Jan. 1990 Repetent bzw. Assistent bei  Richard Schröder am Sprachenkonvikt Berlin, Arbeit über Hegels Logik u. Religionsphilos.; 24.7.1989 Verf. des Initiativaufrufs zur Gründung der SDP (mit Markus Meckel), 7.10. Mitbegr. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Wahl in den Vorst., später stellv. Geschäftsf.; Sept. – Nov. Teiln. an den Treffen der Kontaktgr. der Opp., die im Nov. den Zentr. Runden Tisch initiierten, seit 7.12. dort SDP-Vertreter; Jan. – Sept. 1990 Mitgl. des PV der SPD (DDR), Mitarb. in der Grundsatzkommission; März – Okt. Abg. der Volkskammer, parl. Geschäftsf., Mitgl. des Präs. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; Febr. – Sept. 1991 Assistent an der Theol. Fak. der HU Berlin; Okt. 1991 – Dez. 1992 Werkvertrag bei der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Opp. des Herbstes 1989; Okt. 1992 gewählt u. seit Jan. 1993 Landesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR in Berlin; März 1992 – Juni 1994 Sachverständiger in der Enquete-Kommission des Dt. Bundestags zur Aufarbeitung von Geschichte u. Folgen der SED-Diktatur in Dtl.; 1995 Bundesverdienstkreuz; Mitgl. des BStU-Beirats.Opposition in der DDR. Köln 1994 (zus. mit M. Meckel).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gyptner, Richard

* 3.4.1901 – ✝ 2.12.1972

Geboren am 3. April 1901 in Hamburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; kaufmännischer Angestellter. Von 1916 bis 1918 Mitglied der Gruppe Linksradikale. 1919 Mitbegründer der KPD in Hamburg, Ende 1920 wurde er Vorsitzender des ZK der KJD, in dieser Zeit war er als Jugendvertreter ZA-Mitglied der KPD. Im August 1922 wurde Gyptner nach Moskau berufen, auf dem III. Kongreß der KJI in Moskau im Dezember 1922 mit Otto Unger und Walter Schulz in das Exekutivkomitee der KJI gewählt. Er war bis 1928 zunächst Kandidat, dann Mitglied und von 1924 bis 1928 einer der drei Sekretäre des Exekutivkomitees. Im Sommer 1923 Sekretär des Westeuropäischen Büros der KJI in Berlin. Unmittelbar nach dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 wurde er von der neuen Führung unter Ruth Fischer entlassen, reiste zurück nach Moskau und nahm dort seine Arbeit in der KJI wieder auf. Ende 1928 Rückkehr nach Berlin, war Gyptner hier bis Februar 1933 unter Georgi Dimitroff Sekretär des Westeuropäischen Büros der Komintern. Im April 1933 Emigration nach Skandinavien und Frankreich, von Ende 1933 bis Ende 1935 einer der Sekretäre des ZK der IAH in Paris, danach in der UdSSR bis 1941 persönlicher Sekretär beim Generalsekretär der Komintern Dimitroff. Nach Auflösung der KI Mitarbeiter in der inoffiziellen Nachfolgeorganisation, des »Instituts Nr. 205«, dann Redakteur am Deutschen Volkssender in Moskau bzw. in Ufa. Ende April 1945 kam Gyptner mit der Gruppe Ulbricht nach Deutschland und war in Berlin führend am Aufbau der KPD-Organisation beteiligt. Er leitete ab April 1946 mit dem aus der SPD kommenden Fritz Schreiber »paritätisch« das Büro des ZS der SED. Schreiber trat Ende 1948 aus der SED aus, flüchtete in die Westzonen und schilderte Gyptner als bedingungslosen Vertrauten Walter Ulbrichts. Inzwischen auch bei einstigen KPD-Kadern umstritten, wurde Gyptner im März 1949 Vizepräsident der Ostberliner Volkspolizei. Am 2.Mai 1950 von dieser Funktion beurlaubt, er wurde auf die Landesparteischule nach Liebenwalde geschickt. Von 1951 bis 1953 im Amt für Information, danach wechselte er ins Außenministerium, von Dezember 1955 bis Februar 1958 war er Botschafter in Peking, anschließend Regierungsbevollmächtigter der DDR für die arabischen Staaten in Kairo und von März 1961 bis Mai 1963 Botschafter in Polen. 1964 pensioniert, erhielt er 1965 den Karl-Marx-Orden. Richard Gyptner starb am 2. Dezember 1972 in Ost-Berlin. Sein Sohn Rudolf (* 4. 1. 1923) fiel als Partisan in Polen am 28. 11. 1944.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Haack, Hermann Otto

* 29.10.1872 – ✝ 22.2.1966

Geb. in Friedrichswerth (b. Gotha); Vater Postbeamter; 1878 – 83 Dorfschule, 1884/85 Privatunterricht, 1886 – 93 Gymnasium Ernestinum in Gotha; 1893 – 96 Studium der Geogr. u. Geol. in Halle, Göttingen, Berlin u. Halle, 1896 Prom.; 1896/97 Militärdienst; 1897 – 1944 Kartograph bzw. Ltr. der Geograph. Anstalt Justus Perthes Gotha; 1902 »Kleiner dt. Schüleratlas« u. »Kleiner dt. Lernatlas«; 1920 Prof.; 1922 korr. Mitgl. der Königl. Preuß. Akad. gemeinnütziger Wiss. in Erfurt; 1922 Errichtung der Hermann-Haack-Stiftung des Verb. dt. Schulgeographen; 1932 korr. Mitgl. der Staatl. Geogr. Ges. in Leningrad (später Geogr. Ges. der UdSSR) sowie Ehrenmitgl. der Geogr. Ges. in München; 1942 Ernennung z. Ehrenmitgl. d. Dt. Kartogr. Ges.; Goethe-Medaille für Kunst u. Wiss.; 1944 vorübergehend Rückzug aus dem Berufsleben. Nach 1945 Übernahme der verwaisten Herausgeberschaft mehrerer Verlagswerke, so 1948 – 53 von »Petermanns Geograph. Mitteilungen« u. 1948 – 56 dem »Geograph. Jb.«; ab 1951 Mithrsg. der Ztschr. »Sowjetwiss.«, 1951 – 54 Mitgl. des Red.-Beirates dieser Ztschr.; Mitgl. des LV der DSF; 1952 Dr. h. c. der Univ. Jena; 1953 NP; Ehrenbürger der Stadt Gotha u. der Gemeinde Friedrichswerth; 1954 Rückzug aus dem Berufsleben; 1957 VVO; 1960 stiftet die Geogr. Ges. der DDR die Hermann-Haack-Medaille; gest. in Gotha. Einer der großen Kartographen des 20. Jh.; Begründer u. langj. Hrsg. von »Geograph. Anzeiger« (1899 – 42) u. »Geograph. Bausteine« (1913 – 36); Ehren- bzw. Korr. Mitgl. von zwölf nat. u. internat. geograph. Ges.; 1955, anläßl. seines 83. Geburtstags, wurde seine langj. Wirkungsstätte in »VEB Hermann Haack, Geograph.-Kartograph. Anstalt Gotha« umbenannt.Klaus-Harro Tiemann / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Haase, Hans-Herbert

* 21.3.1927 – ✝ 4.9.2011

Geb. in Halle; Gymnasium; Ausb. als Landw. in Merbitz (Saalkrs.); Studium der Pharmazie u. Med.; Apotheker in Holeben; 1956 Prom. mit einer »Untersuchung über das sog. Farnblattphänomen«; dann Facharzt für Hygiene in Teutschenthal; Oberarzt am Hygiene-Inst. der MLU Halle; Doz., Prof., Dir. des Hygiene-Inst.; Febr. 1990 Mitgl. der FDP, bis Sept. 1990 Vors, dann stellv. Vors. des FDP-Landesverb. Sachsen-Anh. 1990 – 94 MdL Sachsen-Anh. u. Vors. der FDP-Frakt.; danach Apotheker in Halle; unterstützte 1994 LaRouche (Bündnis Solidarität).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Guillaume, Günter

* 1.2.1927 – ✝ 10.4.1995

Geb. in Berlin; Vater Musiker; Volksschule; Ausbildung zum Fotografen; HJ; 1944/45 Flakhelfer; NSDAP; bis Dez. 1945 Kriegsgefangenschaft, Flucht. Dez. 1945 Rückkehr nach Berlin; tätig als Fotograf; veröff. 1948 den Opernkalender; 1950 – 56 Mitarb. des Verlags Volk u. Wissen; in dieser Zeit Fahrten nach Berlin (West) u. in die Bundesrep. Dtl. mit Spionageaufträgen (Dienstname »Hansen«); 1952 SED; 13.5.1956 im Auftrag des MfS Übersiedl. mit Ehefrau Christel (»Heintze«) nach Frankfurt (Main), Deckname »Hansen«; 1957 SPD; bis 1963 Inhaber eines Tabak- u. Spirituosengeschäfts sowie freiberufl. Werbefotograf u. Journalist; 1963 – 68 Sekr. des SPD-UB Frankfurt (Main); ab Mai 1968 Geschäftsf. der SPD-Fraktion im Stadtrat u. Stadtverordneter in Frankfurt (Main); 1968/69 Wahlkampfbeauftr. des Bundesmin. Georg Leber; Jan. 1970 Hilfsref., dann Ref. im Bundeskanzleramt, seit 1972 einer der drei Ref. des Bundeskanzlers Willy Brandt; 24.4.1974 mit Ehefrau verhaftet, 15.12.1975 vom OLG Düsseldorf wegen Landesverrats zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt (Christel G. zu acht Jahren); 1.10.1981 Agentenaustausch; 1985 Verleihung des Dr. jur. h. c. an der JHS des MfS Potsdam-Eiche; Oberst; gest. in Eggersdorf.G. G. Die Aussage. Protokolliert von G. Karau. Berlin 1988, München 1990. G. – der Spion. Ein dokumentarischer Bericht. Landshut 1974; Knabe, H.: West-Arbeit des MfS. Berlin 1999; Boom, P., Haase-Hindenberg, G.: Der fremde Vater. Berlin 2005.Jens Gieseke / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Gundelach, Gustav

* 19.12.1888 – ✝ 8.7.1962

Geb. in Kiel; Vater Maler, Mutter Näherin; 1896 – 1904 Volksschule in Kiel; 1904 – 08 Ausbildung zum Dreher in Kiel; 1907 – 33 Mitgl. des DMV; 1908/09 Wanderschaft; 1909/10 Arbeiter in Kassel u. Kiel, 1910 – 14 Arbeit als Dreher in Hamburg, dort Vertrauensmann; 1909 SPD; 1910/11 Teiln. am Werftarbeiterstreik; 1914 – 18 Arbeit in der Rüstungsindustrie in Kiel; Teiln. am Jan.-Streik 1918 u. im Nov. 1918 am Matrosenaufstand; 1919 USPD; Unterkassierer Hamburg-Uhlenhorst-Winterhude u. Pol.-Ltr.; 1920 Mitgl. der KPD u. 1920 – 30 der KPD-BL Wasserkante; 1923 an der Vorber. des Hamburger Aufstands beteiligt, war während des Aufstands Hauptkurierltr. u. Mitgl. der Kampfltg.; verhaftet, U-Haft, freigesprochen; 1924 – 33 Mitgl. der Hamburger Bürgerschaft; KPD-Fraktionsvors.; 1927 u. 1928 zweiter Präs. der Bürgerschaft; 1924 – 33 Vors. u. Sekr. des RHD-Bez. Wasserkante, 1924 – 33 Mitgl. des RHD-ZV; 1933 illeg. pol. Arbeit; 1933 Vertreter der RHD bei der MOPR in Moskau; 1933/34 Ltr. der Reichsltg. der RHD in Berlin (»Karl«); 1934 Emigr. nach Frankreich; Mitarb. in der Ltg. der IRH; 1934 Instrukteur der IRH in Österreich (»Dügard«); 1935/36 Instrukteur der IRH in Skandinavien (Oslo), zuständig für die RH-LL in Norwegen, Dänemark u. Schweden (»Karl«); 1936 als Instrukteur der IRH der Schweiz; in Bukarest Unterstützung von Anna Pauker während ihres Prozesses; in Zürich verhaftet u. wegen »illeg. Grenzvergehens« verurteilt, nach einem Mon. Haft auf Lebenszeit aus der Schweiz ausgewiesen; 1936/37 Mitarb. im Verbindungsbüro der RHD in Paris; Jan. 1937 – Juli 1938 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, Chef der Administration des Sanitätsdienstes der Internat. Brigaden, Kapitän, Politkommissar; 1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1938 KP Spanien; Juli 1938 Instrukteur des Auslandskomitees der »Freunde der Sowjetunion« in Paris; unterhielt die Verbindungen zu den Länderkomitees der »Freunde der Sowjetunion« nach Dänemark u. Norwegen (»Jansen«, »Petersen«) in Stockholm; Sept. 1939 dort wegen »Spionageverdachts« verhafet u. interniert; Juli 1940 in die UdSSR; März 1941 – Juli 1942 Kursant an der KI-Schule für ltd. KPD-Funktionäre in Puschkino (b. Moskau), später Ufa u. Kuschnarenkowo (Baschkirien) (»Jansen«); 1942 milit. Ausbildung an einer Spezial-Schule b. Moskau; 1942 – 45 Sprecher u. Hilfsredakteur beim Dt. Volkssender in Moskau, Apr. 1943 – Sept. 1944 Mitarb. der EKKI-Presseabt. Ende April 1945 Rückkehr mit der KPD-Initiativgr.  Walter Ulbricht nach Dtl.; 1946 SED; beteiligt am Aufbau der Berliner Bez.-Vers. u. der Landesverw. Sachsen-Anh.; Sekr. der Org-Abt. des KPD-PV, zuständig für die Kader in Westdtl.; 1945/46 Präs. der Dt. ZV Arbeit u. Sozialfürsorge; 1946 – 48 Mitgl. des PV der SED; 1946 – 49 Vors. der KPD-LL Wasserkante u. später Vors. der KPD Hamburg; 1949 – 53 Abg. des Dt. Bundestages, Sekr. der KPD-Fraktion; ab 1951 Mitgl. der KPD-LL; Mitgl. u. Sekr. des ZR zur Verteidigung demokrat. Rechte, ab Dez. 1953 2. Vizepräs.; 1960 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; gest. in Hamburg.Der Sanitätsdienst wird reorganisiert. In: Brigada Internacional ist unser Ehrenname. Bd. 1. Berlin 1974. Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Nachexil u. Remigration. Stuttgart 2000.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gundermann, Marianne

* 20.8.1902 – ✝ 29.5.1974

(* 1902 – † 1974) Geboren am 20. August 1902 in Crimmitschau; arbeitete nach der Handelsschule bei verschiedenen Verlagen in Berlin. Von 1920 bis 1923 in der KAP, sie trat 1924 der KPD bei, wurde Redakteurin am »Klassenkampf« in Halle, dort 1929 als Mitglied der Versöhnler abgesetzt. Von 1930 bis 1932 leitete sie die Redaktion der kommunistischen Zeitschrift »Weg der Frau«. 1933 Emigration nach Paris, 1933/34 illegale Arbeit in Deutschland. 1935 nach Moskau, dort 1936 Studium an der Internationalen Leninschule. 1938 nach Holland geschickt, gehörte sie der KPD-Emigrationsleitung an. 1943 verhaftet, soll sie der Gestapo (nach mißglücktem Selbstmordversuch) Informationen gegeben haben. In den KZs Auschwitz und Ravensbrück inhaftiert, kam sie über das Rote Kreuz 1945/46 nach Schweden. Seit 1946 arbeitete sie beim Berliner Rundfunk, 1949 bis 1953 auch in der Redaktion »Neues Deutschland«. Sie gehörte 1953 vermutlich zur Zaisser-Herrnstadt-Gruppe. Wegen ihrer Aussagen bei der Gestapo soll sie intern erst ab 1956 in die SED aufgenommen, 1970 aber voll rehabilitiert worden sein. Ab 1956 Abteilungsleiterin im Ministerium für Kultur; sie erhielt 1959 den Händel-Preis, promovierte 1964 und bekam 1969 den Nationalpreis. Zwar eine einflußreiche DDR-Kulturpolitikerin, wirkte jedoch mehr im Hintergrund. 1972 erschien eine Sammlung ihrer Reden und Aufsätze. Marianne (Änne) Gundermann starb am 29. Mai 1974.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Günther, Joachim

* 7.10.1918 – ✝ 5.1.1976

Geb. in Oelsnitz; Vater Bergmann; 1925 – 29 Volksschule Oelsnitz, danach Oberschule Stollberg, dort 1938 Abitur; anschl. Arbeitsdienst u. Wehrmacht; 1941 – 43 Studium der Staatswiss. an der Univ. Leipzig; 1943 – 45 Wehrmacht. 1945 – 47 Fortsetzung des Studiums an der MLU Halle, dort 1947 Dipl.; 1947 – 49 Ass. am Staatswiss. Seminar u. Studium der Rechtswiss., 1949 Prom. mit der Arbeit »Die Entw. der sächsischen, insb. des Zwickau-Oelsnitzer Steinkohlenbergbaus seit 1937 u. seine Bedeutung im Rahmen der dt. Steinkohlenwirtschaft«; 1949 – 52 Abt.-Ltr. Finanzen bei der Reichsbahndirektion Erfurt; zugleich ab 1951 Lehrtätigkeit an der TH Dresden, dort 1952 Prof. für Verkehrsökon., mit Gründung der HS für Verkehrswesen Dresden ab Sept. 1952 Übernahme als Prof. mit Lehrstuhl für Verkehrswirtschaft, 1952 – 56 Dekan der Fak. für Verkehrsökon., 1956 – 60 Rektor der HS für Verkehrswesen Dresden (Nachf. von  Otto Jentsch); 1957 – 62 Dir. des Inst. für Verkehrswirtschaftslehre u. Verkehrsstatistik, 1956 – 58 Prof. für Verkehrswirtschaftslehre u. Verkehrsstatistik, 1958 Prof. für Statistik u. Grundlagen der Transportökonomik; 1967 VVO; 1962 – 68 Dir. des Inst. für Verkehrsstatistik, 1964 – 73 Dir. des Industrie-Inst.; 1964 Habil.; 1969 ord. Prof. für marxist.-leninist. Organisationswiss. (Informatik); 1974 Invalidisierung; gest. in Dresden. Als zweiter Rektor hat G. den Ausbau der HS für Verkehrswesen maßgebl. vorangetrieben; ca. 100 wiss. Veröff. vor allem über Probleme u. Methoden der Verkehrsstatistik.Transportstatistik. Berlin 1963; Statistik des Nachrichtenwesens. Berlin 1969; Ökonomisches Lexikon. Berlin 1966 (Mithrsg.); Lexikon die Wirtschaft, Verkehr. Berlin 1972 (Mithrsg.).Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Günther, Hans

* 8.9.1899 – ✝ 10.11.1938

(* 1899 – † 1938) Geboren am 8. September 1899 in Bernburg. Nach dem Studium promovierte er 1923 mit einer Arbeit zur Marxschen Mehrwerttheorie. Er veröffentlichte in der kommunistischen Presse theoretische Beiträge, Theater-, Film- und Literaturkritiken. Er trat 1930 der KPD bei und wurde Mitarbeiter der Agitpropabteilung des ZK in Berlin und der »Roten Fahne«. 1932 Übersiedlung nach Moskau und Redakteur der »Internationalen Literatur«. 1935 erschien dort sein Werk »Der Herren eigener Geist. Die Ideologie des Nationalsozialismus«. Er wurde am 4.November 1936 in der UdSSR verhaftet und zu fünf Jahren Lager verurteilt. Hans Günther starb am 10. November 1938 im Durchgangslager Wladiwostok an Typhus. 1956 in der Sowjetunion »rehabilitiert«, erschienen in der DDR erst 1981 seine Ausgewählten Schriften.

Wer war wer in DDR

Guske, Hubertus

* 21.3.1930

Geb. in Breslau (Schles./Wrocław, Polen) als Sohn eines Bankkfm.; 1946 Abitur in Großenhain (Sachsen); CDU; 1947 – 51 Ausbildung u. Anstellung im Landratsamt Großenhain; anschl. Volontär u. bis 1961 Red. der CDU-Ztg. »Neue Zeit« in Berlin; 1957 – 61 zugl. Abg. der Stadtbez.-Vers. Berlin-Weißensee; 1958 – 64 Fernstudium der Geschichtswiss. an der HU Berlin; 1959 – 89 beim MfS als IMV »Georg« erf.; 1961 – 69 Mitarb. bzw. Red. der kath. Ztschr. »begegnung«; 1964 Mitbegr. der Berliner Konferenz europ. Katholiken; 1965 – 90 Mitgl. des Internat. Fortsetzungsaussch., ab 1985 Mitgl. des Präs. u. 1987 – 91 Gen.-Sekr. bzw. Geschäftsf. der Berliner Konferenz (Nachf. von Norbert Kraja); 1972 – 89 stellv. Vors. der Arbeitsgemeinschaft Kirchenfragen beim HV der CDU; 1977 – 87 Chefred. u. anschl. bis 1989 Hrsg. der »begegnung«; 1981 VVO; 1987 – 89 Mitgl. des CDU-Hauptvorst.; 1989/90 Mitgl. der CDU-Grundwertekommission; 1990 Mitbegr. des Christl.-Sozialen Aussch., ab 1959 beim MfS als IM »Hubert«, 1979 – 89 als IMB »Georg« erf. Bis 2002 Geschäftsf. des Ökumen. Friedensforums Europ. Katholiken; lebt in Berlin.Kirche in gewandelter Welt. Berlin 1966; Kath. Leben in der DDR (Ltr. des Autorenkoll.). Berlin 1967; Hélder Câmara. Katholiken Lateinamerikas suchen neue Wege. Berlin 1973; Chronik der Berliner Konferenz europ. Katholiken 1964 – 93. Berlin 1999.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gutjahr, Karl

* 13.11.1894 – ✝ 2.12.1971

Geboren am 13. November 1894 in Lützen/Krs. Weißenfels, Sohn eines Maurers; Lehre und Arbeit als Koch und Kellner. Von 1913 bis 1918 war Gutjahr Fremdenlegionär, bis 1920 interniert, im Frühjahr 1920 konnte er nach Deutschland zurück. Abraumarbeiter in Zeitz, dort im August 1923 Mitglied der KPD und 1924 Stadtrat. Gutjahr leitete ab 1927 die KPD in Zeitz und gehörte der BL Halle-Merseburg an, 1928 Bezirkssekretär für den Halle-Saalekreis. Er wurde Mitglied des Provinzialausschusses Sachsen und saß mit Wilhelm Pieck als KPD-Vertreter im Preußischen Staatsrat. Am 25. Juli 1933 in Hamburg verhaftet, der VGH verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis, anschließend Überführung in das KZ Sachsenhausen, aus dem er Ende April 1939 entlassen wurde. Arbeit als Steinträger in Zeitz, mußte 1942 zur Wehrmacht. 1946 in der SBZ Hauptdirektor Bergbau der AG Brennstoffindustrie. 1948/49 Sekretariatsmitglied der SED Sachsen-Anhalt, 1951 wurde er Hauptdirektor im VEB Mansfeld. 1957 verzog er nach Rostock, ehrenamtlich tätig. Karl Gutjahr starb am 2. Dezember 1971 in Rostock. Sein Sohn, Karl Gutjahr junior (* 21. 11. 1928 – † 12. 3. 1988) war von 1952 bis 1971 persönlicher Mitarbeiter für Landwirtschaftsfragen im Büro von Walter Ulbricht.

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Güttler, Ludwig

* 13.6.1943

Geb. in Sosa (Erzgeb.); 1961 – 65 Studium an der HS für Musik »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig; erstes Engagement beim Händel-Festspielorchester Halle; 1969 – 81 Solotrompeter der Dresdener Philharmonie; seit 1972 Lehrbeauftr. an der HS für Musik »Carl Maria von Weber« Dresden; 1980 – 90 dort Prof.; seit 1978 Gastprof. beim Internat. Musikseminar in Weimar; 1980 Prof.; seit 1982 Ltr. einer Mstr.-Kl. für Trompete; gründete 1976 das Leipziger Bachkolleg., 1978 das Blechbläserensemble Ludwig Güttler in Dresden, 1985 das Kammerorchester Virtuosi Saxoniae; 1979 u. 1985 NP (Dez. 1989 zurückgegeben), 1983 Schallplattenpreis der Dt. Phonoakad. Hamburg. Erforschte u. spielte zahlr. vergessene oder lange ungespielte Meisterwerke; viele Gastspiele im In- u. Ausland; 1991 Gründungsmitgl. des Fördervereins zum Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche; 1993 Initiator u. seitdem künstler. Ltr. des jährl. Festivals »Sandstein u. Musik« in der Sächs. Schweiz; 1996 Dt. Stifterpreis; 2000 Claus-Brendel-Preis u. »Goldene Henne«; Mitgl. der Sächs. AdK; 2007 Bundesverdienstkreuz u. »Officer of the Order of the British Empire«; 1979 – 83 als IME »Friedrich« des MfS erf., von G. als unzutreffend bestritten; lebt in Dresden.Nolle, K.: Sonate für Blockflöte u. Schallmeien. Dresden 2009.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Gwiazda, Andrzej

* 1935

Elektroingenieur, unabhängiger Gewerkschaftsaktivist; 1978 Mitbegründer der *Freien Gewerkschaften der Küste, einer der Streikführer im August 1980 auf der Danziger Lenin-Werft, danach Mitglied der *Solidarność-Führung.Andrzej Gwiazda wurde 1935 in Pinczów in der heutigen Woiwodschaft Heiligkreuz geboren. 1940 wurde zusammen mit seiner Familie von den Sowjets nach Kasachstan deportiert, von wo er 1946 zurückkehrte. 1953–55 und 1957–66 studierte er Elektrotechnik bzw. Elektronik am Danziger Polytechnikum, wo er ab 1966 als Konstrukteur und Oberassistent tätig war. Gwiazda war am Polytechnikum an den Protesten des *März 1968 beteiligt und nahm an den Straßenprotesten im *Dezember 1970 teil. 1973 bekam er eine Anstellung im Werk für elektrische Schiffsausrüstungen und Automatik „Elmor“ in Danzig (Gdańsk). Gemeinsam mit seiner Frau Joanna Duda-Gwiazda richtete er 1976 einen Brief an den Sejm, in dem er die Forderungen des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) unterstützte. Im April 1977 nahm er Kontakt zu Bogdan Borusewicz auf. Kurz danach begann er mit der Verbreitung des *„Robotnik“ (Arbeiter) und arbeitete mit dem Interventionsbüro des *KOR zusammen. Am 29. April 1978 stellte er gemeinsam mit Antoni Sokołowski und Krzysztof Wyszkowski die Deklaration des Gründungskomitees der *Freien Gewerkschaften der Küste (Wolne Związki Zawodowe Wybrzeża; WZZ) vor, deren Vorsitzender er wurde. Kurze Zeit später schlossen sich Bogdan Borusewicz, Alina Pieńkowska, Anna Walentynowicz und Lech Wałęsa den *Freien Gewerkschaften der Küste an. Für die ab August 1978 erscheinende unabhängige Zeitung „Robotnik Wybrzeża“ (Arbeiter der Küste) beteiligte er sich an der Redaktionsarbeit, organisierte Diskussionsveranstaltungen mit Sympathisanten, druckte und verteilte unabhängige Literatur und Flugblätter und war Mitorganisator der jährlichen Gedenkfeiern zum *Dezember 1970: „Bei den Begegnungen sprachen wir nicht über Patriotismus, sondern über fehlende Arbeitshandschuhe und darüber, ob es im Buffet Grützwurst gibt, über die ökonomische Situation der einzelnen Betriebe. Aus der Analyse der Löhne und Preise erwuchs uns die Frage der Unabhängigkeit von selbst.“ Bis zum August 1980 wurde er elf Mal für 48 Stunden inhaftiert und seine Wohnung wurde durchsucht.Am 16. August 1980 initiierte er gemeinsam mit Bogdan Lis und Janusz Satora einen Streik bei „Elmor“ und ermutigte Arbeiter aus anderen Betrieben der Dreistadt, sich dem Protest anzuschließen. Als auf der Danziger Lenin-Werft die Entscheidung fiel, den dortigen Streik fortzusetzen, ging er in das Überbetriebliche Streikkomitee und beteiligte sich an der Formulierung von 21 Forderungen. Gwiazda war an den Verhandlungen mit der Regierungsdelegation beteiligt, wo er die Forderungen nach freien Gewerkschaften und nach Freiheit für politische Gefangene vortrug.Nach Unterzeichnung der *Danziger Vereinbarung am 31. August 1980 blieb Gwiazda in der Leitung der sich formierenden Gewerkschaft als stellvertretender Vorsitzender des Danziger Überbetrieblichen Gründungskomitees aktiv. Am 17. September wurde er auf dem Treffen von Vertretern aller Gründungskomitees in Danzig stellvertretender Vorsitzender der dort ins Leben gerufenen Verständigungskommission (ab 29. September hieß diese Landesverständigungskommission/Krajowa Komisja Porozumiewawcza; KKP) der *Solidarność. Am 12. Februar 1981 wurde er stellvertretender Vorsitzender ihres provisorischen Präsidiums und war im Sommer 1981 Mitglied der aus Regierungs- und *Solidarność-Vertretern zusammengesetzten Arbeitsgruppe für ein neues Gewerkschaftsgesetz. Während der sogenannten „Krise von Bydgoszcz“ war er Mitglied des am 23. März 1981 gebildeten Landesstreikkomitees. Am 1. April 1981 erklärte er auf der Sitzung der KKP seinen Rücktritt vom Posten des stellvertretenden Vorsitzenden, weil er anerkannte, dass das Landesstreikkomitee seine Befugnisse überschritten hatte, als es die Vereinbarung mit der Regierung schloss. Sein Rücktritt wurde jedoch nicht angenommen. Ausdruck seiner zunehmend kritischen Haltung gegenüber Lech Wałęsa war ein offener Brief Gwiazdas an ihn, in dem er gegen die Verletzung demokratischer Prinzipien in der Führung der *Solidarność protestierte.Bei den Vorstandswahlen in der Region Danzig am 13. Juli 1981 kandidierte Gwiazda, verlor jedoch gegen Lech Wałęsa, wurde aber Mitglied des Vorstandes. Auf dem ersten Landesdelegiertenkongress der *Solidarność im September und Oktober 1981 in Danzig war er einer der Initiatoren der „Botschaft an die Arbeiter Osteuropas“ (Posłanie do ludzi pracy Europy Wschodniej). Bei den Wahlen zum Vorsitz der Gewerkschaft unterlag er erneut Wałęsa und wurde Mitglied der Landeskommission. Am 22. November 1981 trat Gwiazda während des II. *Solidarność-Regionalkongresses aus dem Vorstand der Region Danzig aus, um gegen die Abberufung mit ihm verbundener Gewerkschaftsaktivisten zu protestieren. Gemeinsam mit ihm verließen elf weitere Mitglieder den Vorstand. Nach der Ausrufung des *Kriegsrechts wurde Gwiazda am 13. Dezember 1981 in Strzebielinek in der Woiwodschaft Pommern und anschließend im Warschauer Stadtteil Białolęka interniert. Gut ein Jahr später, am 23. Dezember 1982, änderte sich sein Status als Internierter in den eines Arrestgefangenen und Gwiazda wurde das Warschauer Rakowiecka-Gefängnis gebracht. Gegen ihn und sechs weitere Danziger Gewerkschaftsführer (Seweryn Jaworski, Marian Jurczyk, Karol Modzelewski, Grzegorz Palka, Andrzej Rozpłochowski und Jan Rulewski) wurde ein Prozess vorbereitet, in dem ihnen gewaltsame Aktivitäten zum Sturz der staatlichen Ordnung vorgeworfen wurden. Wie die anderen Inhaftierten, so weigerte sich auch Gwiazda, künftig auf politische Betätigungen zu verzichten oder in den Westen zu emigrieren. Im Juli 1984 kam er schließlich im Rahmen einer Amnestie frei. Gwiazdas weitere Oppositionsarbeit spielte sich außerhalb des im Untergrund tätigen *Provisorischen Koordinierungsausschusses (Tymczasowa Komisja Koordynacyjna; TKK) der *Solidarność ab. Er war zu Vorträgen im Land unterwegs und publizierte in der Untergrundpresse. Schon im Gefängnis hatte er Kassiber geschmuggelt, die dann im Untergrundblatt „Poza układem“ (Außerhalb des Paktes) gedruckt wurden, das 1984 –86 erschien und von seiner Frau redaktionell betreut wurde. Am 16. Dezember 1984 wurde er während des Marsches zum Denkmal der bei den Unruhen im *Dezember 1970 gefallenen Werftarbeiter in Danzig festgesetzt und von einem Kollegialgericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Zur Unterstützung von Gwiazda und den andern politisch Inhaftierten fand in der Stanisław-Kostka-Kirche in Danzig-Oliwa ein Hungerstreik (23.–26. Dezember) statt. In der Marienkirche organisierte Stanisław Kowalski 63 Tage lang Gebete für ihre Freilassung.Im Februar 1985 wurde Andrzej Gwiazda in Jastrzębie in Abwesenheit zu zwei Monaten Arrest „für das Ausstoßen von Ausrufen und das demonstrative Tragen des *Solidarność-Zeichens am 7. Dezember 1984“ (er war damals zu Vorträgen unterwegs) verurteilt. Am 15. Mai 1985 wurde Gwiazda aus dem Gefängnis entlassen und beteiligte sich am 23. Mai während des Prozesses gegen Bogdan Lis, Wladysław Frasyniuk und Adam Michnik an einer Demonstration vor dem Gerichtsgebäude in Danzig. Am 1. Juli wurde er Sprecher einer Gruppe von Rentnern, die in der Danziger Jakobskirche einen mehrtägigen Hungerstreik durchführten, mit dem sie gegen die Erhöhung der Lebensmittelpreise protestierten. Gwiazda war Ende 1986 einer der Initiatoren einer Arbeitsgruppe der Landeskommission der *Solidarność (zusammen mit Seweryn Jaworski, Marian Jurczyk, Jerzy Kropiwnicki, Jan Rulewski, Andrzej Słowik und Stanisław Wądołowski). Diese forderte am 20. September 1987 in einem Brief an Lech Wałęsa, die Zusammensetzung der Landeskommission von 1981 wiederherzustellen. Als im Oktober 1989 die Landesarbeitskommission der *Solidarność gegründet wurde, ging die Arbeitsgruppe in Opposition zu Lech Wałęsa und seinen Mitarbeitern. Im Juni 1988 trat Gwiazda auf Einladung der dortigen polnischen Minderheiten (Polonia) gemeinsam mit seiner Frau eine mehrmonatige Reise nach England, die USA und Kanada an, wo er sich unter anderem mit der polnischen Emigrationsregierung traf. Gwiazda protestierte 1989 gegen die Vereinbarungen am *Runden Tisch, organisierte dazu am 1. Mai eine Demonstration in Danzig und schrieb unter anderem im wieder aufgelegten Untergrundblatt „Poza układem“ kritische Artikel. Im Juni gründete er gemeinsam mit Andrzej Kujawa, Joanna Radecka, Bogdan Spodziej und Anna Walentynowicz neue Freie Gewerkschaften, die bis 1993 existierten. Beruflich war Gwiazda 1986–91 bei der Firma „Absolvent“ als Maler und Höhenarbeiter beschäftigt, kehrte 1991 zu seiner Arbeit bei „Elmor“ zurück und ging 1999 in Rente. 2005 organisierte er gemeinsam mit Anna Walentynowicz alternative Feiern zum 25. Jubiläum der Gründung der *Solidarność. 2007 wurde er vom Polnischen Senat in den Beirat des Instituts für Nationales Gedenken gewählt.Zofia Płużańska Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 09/15

Wer war wer in DDR

Gysi, Gregor

* 16.1.1948

Geb. in Berlin; Vater  Klaus Gysi; 1954 – 62 POS, 1962 – 66 EOS, Abitur u. Lehrabschl. als Facharbeiter für Rinderzucht; 1962 FDJ u. DSF; 1963 FDGB; 1966 – 70 Jurastudium an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1970/71 Assistentenausbildung am Stadtbez.-Gericht Berlin-Friedrichshain u. im Rechtsanwaltskolleg.; 1967 SED; Mitgl. der Vereinigung Demokrat. Juristen; ab 1971 Rechtsanwalt, vertrat u. a.  Robert Havemann u.  Rudolf Bahro sowie Mitgl. von opp. Gruppen; 1976 Prom. an der HU Berlin zum Dr. jur. mit einer Diss. zum soz. Rechtsverwirklichungsprozeß; 1988/89 Vors. des Kolleg. der Rechtsanwälte Berlins u. des Rats der Vors. der Kollegien in der DDR; Nov. 1989 legte G. G. einen Gegenentwurf der Rechtsanwälte zum Reisegesetzentwurf der Reg. vor; 3.12.1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des a. o. Parteitags der SED, verantw. für die Untersuchung von Amtsmißbrauch u. Korruption; Dez. 1989 – März 1990 SED-PDS-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; 9.12.1989 – Jan. 1993 Vors. der SED-PDS bzw. PDS; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Vors. der PDS-Fraktion. Okt. 1990 – Febr. 2002 Abg. des Dt. Bundestags (Direktmandat), bis 1998 Vors. der Gruppe der PDS (mehrmals bestätigt), Okt. 1998 – 29.9.2000 der PDS-Fraktion; widersprach stets dem Verdacht, als IM »Notar« für das MfS tätig gewesen zu sein; Juli 1992 Mitbegr. der »Komitees für Gerechtigkeit«; Kuratoriumsmitgl. der Stiftung Archiv der Parteien u. Massenorg. der DDR; 17.1.2002 – 31.7.2002 Berliner Bürgermstr. u. Wirtschaftssenator; seit Aug. 2002 wieder als Rechtsanwalt tätig; seit Sept. 2005 erneut Abg. des Dt. Bundestags (Direktmandat), Dez. 2005 bis zum Gründungsparteitag der Linkspartei im Juni 2007 auch Mitgl. der WASG; zus. mit Oskar Lafontaine Vors. der Fraktion »Die Linke«.Wir brauchen einen dritten Weg (Hrsg.). Hamburg 1990; Handbuch für Rechtsanwälte (mit Autorenkoll.). Berlin 1990; Sturm aufs Große Haus. Der Untergang der SED (mit T. Falkner). Berlin 1990; Das war’s. Noch lange nicht. München 1997; Freche Sprüche. Berlin 1998; Ein Blick zurück, ein Schritt nach vorn. Reinbek 2002; Was nun? Hamburg 2003. Runge, I., Stellbrink, U.: G. G. »Ich bin Opposition«. Berlin 1990; Sabath, W.: G. G. Berlin 1993; Mytze, A. (Red.): G. G. u. das MfS. London 1995; König, J.: G. G. Eine Biogr. Berlin 2005.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Haag, Alfred

* 15.12.1904 – ✝ 8.8.1982

Geboren am 15. Dezember 1904 in Schwäbisch-Gmünd; Lehre und Arbeit als Schreiner. 1923 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Gmünd. 1931 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach Rückkehr Ende 1931/32 Redakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung«. 1928 und 1932/33 Stadtrat in Schwäbisch-Gmünd und im April 1932 als jüngster Abgeordneter in den Württembergischen Landtag gewählt. Am 10.Februar 1933 wurde Haag in Ulm verhaftet und wegen einer zurückliegenden Schlägerei mit Nazis zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, anschließend »Schutzhaft« u.a. in den KZs Dachau und Mauthausen. Dann im Februar 1940 auf persönliche Anweisung des Reichsführers SS Heinrich Himmler aus dem Gestapogefängnis Prinz-Albrecht-Straße in Berlin entlassen. Haag arbeitete in einem kleinen Handwerksbetrieb, wurde später zur Wehrmacht eingezogen und kam in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1948 nach München zurückkehrte. Er fand Arbeit als Schreiner, später Angestellter einer Krankenkasse. Alfred Haag, der sich wieder der KPD und 1968 der DKP anschloß, war langjähriger Vorsitzender der VVN in Bayern. Er starb am 8. August 1982 in München. Seine Frau Lina Haag (* 18. Januar 1907), geborene Jäger, war Hilfsarbeiterin, Mitglied des KJVD und der KPD. Auch sie wurde 1933 verhaftet und befand sich bis 1939 in Haft, davon längere Zeit in Dunkelarrest. Nach einer Ausbildung als Krankengymnastin arbeitete sie nach 1945 in München. 1945 wieder Mitglied der KPD, sie veröffentlichte 1947 das Buch: »Eine Handvoll Staub«.

Wer war wer in DDR

Haase, Helga

* 9.6.1934 – ✝ 16.6.1989

Geb. in Schidlitz (Krs. Danzig/Siedlce, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; nach 1945 in Neumühle (b. Schwerin); 1949 – 52 Ausbildung zur Buchhalterin; 1952 – 65 im Beruf tätig; Handballerin in Berlin; 1951 – 66 aktiv als Eisschnelläuferin beim SC Dynamo Berlin (Trainer u. Ehemann Helmut Haase); 1952 – 89 Buchhalterin bei der DVP, zul. Major (als erste Frau in der DDR); 1961 – 79 Mitgl. des DTSB-Präs.; 1965 – 84 Trainerin; 1966 Fernstudium an einer Trainer-FS; 1957, 1958, 1962, 1963, 1965 DDR-Mstr. im Mehrkampf; zweimal Teiln. an Weltmeisterschaften im Mehrkampf; zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1960 Siegerin über 500 m (1. olymp. Goldmedaille einer DDR-Sportlerin), 2. Platz über 1.000 m u. 8. über 1.500 m, 1964 8. Platz über 500 m, 4. über 1.000 m u. 5. über 1.500 m; Trainerin beim SC Dynamo Berlin; Ehrenmitgl. des DDR-Eislaufverb.; ab 1984 Invalidenrentnerin; VVO.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Gummel, Hans

* 3.8.1908 – ✝ 27.5.1973

Geb. in Berlin; Vater Stadtoberinspektor; 1928 – 33 Med.-Studium in Rostock, Innsbruck u. Berlin, hier 1935 Prom.; 1934 – 37 Assistenzarzt an der Berliner Charité; 1935 – 38 NSDAP; 1935/36 Arzt in der HJ; 1937 – 39 Assistenzarzt in Breslau u. Graz; 1939 – 45 Oberarzt an der Univ.-Klinik Breslau. 1946/47 Abt.-Ltr. beim Rat der Stadt Dresden; 1947 SED; 1947/48 als Wiss. Ltr. der HV Volkseigener Betriebe Sachsens verantw. für den Aufbau der Penicillinprod. in der SBZ; 1949 – 55 Ärztl. Dir. der Geschwulstklinik am Inst. für Med. u. Biol. der DAW in Berlin-Buch; 1953 Prof.; 1955 – 73 Dir. der Robert-Rössle-Klinik (ab 1972 ZI für Krebsforschung der AdW); 1959 NP; 1961 Ord. Mitgl. der DAW; 1961 – 67 stellv. Vors. der Forschungsgemeinschaft der naturwiss., techn. u. med. Inst. der DAW u. Ltr. des Fachbereichs Med.; 1964 Mitgl. der Leopoldina; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Chirurg. Behandlung von Krebsleiden; klin. Forschungen zur Ätiol., Diagnostik u. Therapie maligner Tumoren des Magen-Darm-Trakts u. der Brustdrüse sowie zur Früherkennung u. Kombinationsbehandlung von Organkrebsen.Atlas zur klinischen Diagnostik des Brustdrüsenkrebses. Berlin 1968 (zus. mit W. Widow); Probleme der Organtransplantation. Berlin 1971 (zus. mit H. Dutz). H. G. In: Pasternak, L. (Hrsg.): Wissenschaftler im biomedizin. Forschungszentrum: Berlin-Buch 1930 – 2004. Frankfurt (Main) 2004.Jochen Richter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gundelach, Gustav

* 19.12.1888 – ✝ 8.7.1962

Geboren am 19. Dezember 1888 in Kiel, Sohn eines Malers; von 1908 bis 1923 als Dreher in Hamburg beschäftigt. 1909 Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD, ab März 1920 in der Hamburger USPD-Leitung. Mit dem linken Flügel im Dezember 1920 zur KPD. 1924 wurde Gundelach in die BL Wasserkante gewählt. Als Leiter der Roten Hilfe Wasserkante bis 1933 hauptamtlicher Funktionär sowie Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft von 1924 bis 1933, dort 1927/28 Vizepräsident. Von Juli 1933 bis Februar 1934 Leiter der illegalen RGO Berlin, anschließend Emigration über Wien und Zürich nach Paris, bis Oktober 1936 Instrukteur der IRH in Österreich, Schweiz und Skandinavien. Gundelach kämpfte ab Januar 1937 im Spanischen Bürgerkrieg und war im Range eines Kapitäns Leiter des Roten Kreuzes für die Interbrigaden. Von September bis November 1939 und von Januar bis Juli 1940 war er in Stockholm interniert. Im Juli 1940 erhielt er ein Visum zur Einreise in die UdSSR und flog nach Moskau, dort bis 1942 Spezialausbildung. Danach bis April 1945 Lehrer, Sprecher und Redakteur am Deutschen Volkssender. Ende April 1945 kehrte Gundelach als Mitglied der Gruppe Ulbricht nach Berlin zurück. Ab Mai 1945 zunächst Sekretär der Orgabteilung des ZK der KPD, im September 1945 von der SMAD zum Präsidenten der Deutschen Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge berufen. Im April 1946 übersiedelte er im Auftrag der SED nach Hamburg und übernahm von Friedrich Dettmann den Vorsitz der dortigen KPD-Leitung. Im April 1949 als Vorsitzender wiedergewählt, wechselte er im August nach Bonn und wurde Sekretär der KPD-Bundestagsfraktion. Gundelach wurde 1946 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt und im August 1949 als Abgeordneter in den ersten Deutschen Bundestag. Ab 1951 gehörte Gundelach der Landesleitung Hamburg an und war Mitglied des KPD-PV. Nach dem Verbot der KPD in der Bundesrepublik arbeitete er illegal für die Partei, er versuchte 1961 vergeblich als Einzelbewerber für den Bundestag zu kandidieren. 1960 wurde ihm von der DDR die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus« verliehen. Gustav Gundelach starb am 7. Juli 1962 in Hamburg.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Günther, Dettlef

* 27.8.1954

Geb. in Erlabrunn (Erzgeb.); Vater Jockey u. Turnierreiter; zuerst Rennschlittensport bei der BSG Fortschritt Raschau (Erzgeb.), später bei der KJS u. Mitgl. des SC Traktor Oberwiesenthal (Trainer: Eberhard Illing); Spezialdisz.: Herren-Einsitzer; 1975 EM; 1976 Olympiasieger; 1979 WM; Ausbildung zum Elektromonteur; bis 1984 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; danach Trainer für Rennschlittensport in Oberwiesenthal; nach 1989 Nachwuchstrainer.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Günther, Joachim

* 22.10.1948

Geb. in Syrau (Krs. Plauen); Vater Reichsbahn-Angest.; OS; 1965 – 67 Ausbildung zum Maschinenbauer; 1967 – 70 FS-Ausbildung zum Maschinenbau-Konstrukteur in Karl-Marx-Stadt, Dipl.-Ing.; 1970 – 75 in einem Ing.-Büro in Plauen tätig; 1971 LDPD; 1975 – 77 Krs.-Sekr. in Oelsnitz (Vogtl.); 1977 – 82 Studium an der ASR Potsdam, Dipl. auf dem Gebiet des Wirtschaftsrechts; 1982 – 90 LDPD-Krs.-Sekr. in Plauen, dort Stadtverordneter; Febr. 1990 Hauptgeschäftsf. der LDP, März – Aug. 1990 des Bunds Freier Demokraten; 1990 – 94 Mitgl. des Präs. des FDP-BV. Sept. 1990 – 95 amtl., dann Landesvors. u. seit 2000 stellv. Vors. der FDP Sachsen; seit Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; Jan. 1991 –Okt. 1998 parl. Staatssekr. im Bundesmin. für Raumordnung, Bauwesen u. Städtebau; seit 1995 Vors. des FDP-KV Vogtland; stellv. Vors. des Arbeitskrs. Außen-, Sicherheits-, Europa- u. Entwicklungspol. u. Sprecher für wirtschaftl. Zusammenarbeit der FDP-Bundestagsfraktion; Obmann im Aussch. für wirtschaftl. Zusammenarbeit.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Günther, Philipp

* 26.1.1883 – ✝ 9.3.1963

Geboren am 26. Januar 1883 in Stollberg/Sachsen, Sohn eines Webermeisters. Maschinenarbeiter, Wanderschaft durch skandinavische Länder. 1906 wurde er in Chemnitz Mitglied der SPD, 1913 Besuch der Parteischule. 1914 Einberufung zum Militär, als Soldat (Marine) 1917 zur Gründung der USPD nach Berlin delegiert. Anschluß an die Spartakusgruppe. Im September 1918 wegen Vorbereitung zur Meuterei inhaftiert, am 26. Oktober befreit und Rückkehr nach Chemnitz. Dort am 9. November in den Arbeiter- und Soldatenrat gewählt. 1919 Mitglied der KPD, 1920 Vorsitzender des KPD-Bezirks Chemnitz. Ab 1923 Stadtverordneter, ab 1924 Stadtrat und von 1924 bis 1930 Redakteur des »Kämpfers«. 1930 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen und aus der Redaktion entlassen. Erwerbslos, aktives Mitglied der KPO und arbeitete an deren Zeitung »Arbeiterpolitik« mit. Ab 1933 in der von Robert Siewert geleiteten KPO-Widerstandsgruppe tätig. Im November 1934 wurde Günther verhaftet und schwer mißhandelt. Am 14. Mai 1935 zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Im November 1936 aus dem Zuchthaus Bautzen in das KZ Sachsenburg überführt, später nach Buchenwald gebracht. Am 16. September 1938 freigelassen, aber unter Polizeiaufsicht gestellt, er arbeitete als Vertreter einer Seifenhandelsfirma in Dresden. 1946 Mitglied der SED; Günther erhielt eine Rüge und wurde 1948 aus der Partei ausgeschlossen. Angeblich waren Briefe von ihm an den Nazi-Bürgermeister von Chemnitz aufgetaucht, in denen Günther 1939 erfolglos versucht hatte, eine Anstellung als Bestattungsredner zu erwirken und Zugeständnisse an »die chauvinistische Ideologie der Nazisten« gemacht haben soll. Infolge seines frühen Parteiausschlussess wurde er von der 1949 einsetzenden Kampagne gegen frühere KPO-Mitglieder in der SED nur noch gestreift. Die ZPKK hatte Günthers Einspruch gegen seinen Parteiausschluß 1950 abgelehnt, im Januar 1960 wurde der Ausschluß aber aufgehoben. Die Medaille für »Kämpfer gegen den Faschismus« wurde ihm allerdings erst im Oktober 1960 verliehen. Philipp Günther starb am 9.März 1963 in Karl-Marx-Stadt.

Wer war wer in DDR

Gusner, Iris

* 16.1.1941

Geb. in Tratenau (Trutnow, Tschechien); Vater Regierungsrat, Mutter Sekretärin; ab 1945 in Leipzig; Schulbesuch in Markkleeberg, 1959 Abitur; 1960 Aufnahme zum Regiestudium an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, 1961 – 67 Studium am Moskauer Allunionsins. für Kinematographie, u. a. bei Michail Romm; kurzzeitig in der DFF-Red. des Magazins »Prisma« u. Arbeit als Szenaristin u. Regie-Ass.; ab 1970 im DEFA-Studio für Spielfilme angestellt, Regie-Ass. bei »Goya« von  Konrad Wolf; 1972 / 73 Regiedebüt mit »Die Taube auf dem Dach«, Verbot des Films bei der Rohschnittabnahme (erst 1990 uraufgeführt); 1974 Szenarium zu »Einer trage des anderen Last« nach einem Roman von Wolfgang Held (durfte zunächst nicht realisiert werden – 1987 gibt es den Film von  Lothar Warneke, Buch u. Regie); Regiearbeiten u. a.: 1976 erster zur Aufführung gelangter Spielfilm »Das blaue Licht« nach einem Märchen der Gebr. Grimm, 1977 Kriminalfilm »Einer muß die Leiche sein«, 1980 Gegenwartsfilm »Alle meine Mädchen«, 1984 »Kaskade rückwärts«, 1987 »Ich liebe dich – April, April!« (letzte Arbeit bei der DEFA), viele ihrer Filme thematisierten das Leben der werktätigen Frau im Sozialismus; blieb anläßlich einer Besuchsreise in der Bundesrepubl. Dtl. 1993 vorerst letzte Arbeit: Buch u. Regie zum TV-Spielfilm »Sommerliebe«; lebt in Köln.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Gutsche, Joseph

* 5.4.1895 – ✝ 4.5.1964

Geb. in Gräditz (Krs. Züllichau-Schwiebus, Ostbrandenb./Grodziszcze, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Buchbinder; 1915 Soldat, russ. Gefangenschaft, Flucht nach Rostow (Don); 1917/18 als Rotgardist Teiln. an den rev. Kämpfen; Mitgl. der Sozialdemokrat. Arbeiterpartei Rußlands (Bolschewiki); 1918 Rückkehr nach Dtl.; USPD; militär. Berater u. Org. bei den bewaffneten Kämpfen in Berlin; 1920 KPD; bis 1923 Arbeit als Buchbinder; 1923 Teiln. am Hamburger Aufstand; danach Mitarb. des ZK der KPD; 1923/24 militär.-pol. Lehrgang in Moskau; 1924 – 27 Haft im Zuchthaus Sonnenburg (b. Küstrin) wegen »Hochverrats«; 1930 Emigr. in die UdSSR; Mitgl. der KPdSU; 1931 – 42 Regt.-Kommissar im militär. Geheimdienst der Roten Armee, Einsatz in China u. a. Ländern; 1942 Eintritt in die US-Marine; später wieder in der Roten Armee, mit seinem Sohn  Rudolf G. Partisan u. Aufklärer in der Ukraine. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; Mitarb. der Dresdener Stadtverw.; 1946/47 Dir. des Industriekontors; 1947 – 49 Präs. des Landespolizeiamts Sachsen in Dresden; Mai 1949 – Febr. 1950 Ltr. der Abt. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab Febr. 1950 Verw. für Staatssicherheit Sachsen); 1952 Ltr. der BV Dresden des MfS; Jan. 1953 Ltr. des Informationsbüros beim Minister für Staatssicherheit bzw. der Abt. zur bes. Verwendung (Untergrundaktionen in der Bundesrep. Dtl.); Gen.-Major; 1955 Ltr. der Kontrollinspektion; 1957 Ruhestand.Als Partisan an der Seite des Sowjetvolkes gegen den Hitlerfasch. In: Freundschaft für immer. Dt. Genossen berichten über die Traditionen der dt.-sowj. Freundschaft. Berlin 1960; Der Sumpf – Freund der Partisanen. In: In den Wäldern Belorußlands. Erinnerungen sowj. Partisanen u. dt. Antifaschisten. Berlin 1976. Schmeitzner, M.: Ein dt. Tschekist der ersten Stunde. In: Timmermann, H. (Hrsg.): Das war die DDR. Münster 2004.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Guttmann, Katharine (Ketty)

* 28.4.1883 – ✝ 25.9.1967

(* 1883 – † 1967) Geboren am 28. April 1883 in Hungen/Krs. Schotten als Katharina Ekey. Sie heiratete in Hamburg den Sozialdemokraten Guttmann und trat in die SPD ein, 1917 Übertritt in die USPD. Während der Revolution wurde Ketty Guttmann eine bekannte Agitatorin. Sie ging 1920 mit der linken USPD zur KPD und wurde für diese 1921 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, der sie bis 1924 angehörte. 1921 Gründerin der Zeitschrift »Der Pranger«, Organ einer Hamburger Prostituierten-Vereinigung, für deren Belange sie sich einsetzte. Nach dem Oktoberaufstand 1923 flüchtete sie nach Moskau, kam aber 1924 desillusioniert zurück. Unter der Losung »Los von Moskau« (so auch der Titel ihrer Broschüre von 1924) führte sie einen Feldzug gegen die KPD und Komintern, wobei sie die Unterstützung einer Gruppe Arbeiterlinke in Hamburg fand. Mit ihrer These, die Komintern müsse zerschlagen werden, weil sie nicht die Arbeiterrevolution, sondern die Interessen der sowjetischen Außenpolitik vertrete, näherte sie sich der KAPD. Ketty Guttmann wurde im Juli 1924 aus der KPD ausgeschlossen, blieb aber als ultralinke Kommunistin aktiv. Sie überlebte die NS-Diktatur und korrespondierte von ihrem Wohnort Burscheid aus noch 1947 mit Ruth Fischer in New York. Ketty Guttmann starb am 25. September 1967.

Wer war wer in DDR

Gwisdek, Michael

* 14.1.1942

Geb. in Berlin; Eltern Gastronomen; 1949 – 57 Schulbesuch; 1957 – 61 Lehre als Gebrauchswerber u. Dekorateur; 1961 – 64 versch. Tätigkeiten, Mitarb. im Tanzcafé seiner Eltern, Jugendklubleiter, Verlader im Transformatorenwerk Oberspree; 1965 – 68 Ausbildung an der Staatl. Schauspielschule Berlin; 1968 – 73 Engagement am Theater in Karl-Marx-Stadt (u. a. Titelrolle in »Lorbass« von Horst Salomon, in Goldonis »Diener zweier Herren«); ab 1968 zunächst auch in kleineren Filmrollen (Indianerfilm »Spur des Falken«); 1973 – 83 Engagement an der Volksbühne unter Intendant  Benno Besson, u. a. in Shakespeare-Insz. »Wie es euch gefällt« (1975), »Hamlet« (1977), »Was ihr wollt« (1981), in der Urauff. von  Heiner Müllers »Der Bau« (1980) u. in Müllers »Macbeth« (1982); 1976 erste größere Filmrolle in  Kurt Maetzigs »Mann gegen Mann«, 1981 in  Ulrich Weiß’ »Dein unbekannter Bruder« u. 1983 »Olle Henry« (Kritikerpreis der DDR); 1983 – 91 Engagement am Dt. Theater in Berlin, u. a. Titelrolle in Oscar Wildes »Bunbury oder Die Wichtigkeit ernst zu sein« (1984), in H. Müllers »Die Lohndrücker« (1988) u. in »Ein Monat auf dem Lande« (1989); 1984 – 90 auch Rollen in bundesdt. Produktionen unter Hark Bohm u. Bernhard Wicki; ab 1988 auch Filmregie, Debüt mit »Treffen in Travers« (mehrf. ausgezeichnet, Hauptrolle:  Corinna Harfouch, mit ihr 1985 – 2007 verh.). Ab 1991 freischaff.; 1991 Hauptrolle in »Der Tangospieler« von  Roland Gräf, nach einem Roman von  Christoph Hein (Filmband in Gold als Darsteller); als Regisseur u. Hauptdarst.: 1994 »Abschied von Agnes« (auch Autor) sowie 1998 »Das Mambospiel«; ab 1999 vor allem Filmdarsteller: in  Andreas Dresens »Nachtgestalten« (Silberner Bär der 49. Berlinale u. 2000 Ernst-Lubitsch-Preis), in Oskar Roehlers »Die Unberührbare« (1999), in Zoltan Spirandellis »Vaya con Dios« (2002), in Wolfgang Beckers »Good bye, Lenin!«, in Leander Haußmanns »Herr Lehmann« sowie im Fernsehen u. a. in »Tatort«-Folgen u. »Marga Engel« (ARD), in der Serie »Der letzte Zeuge« u. dem TV-Film »Das Wunder von Berlin« (ZDF); lebt in Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Gysi, Irene

* 10.3.1912 – ✝ 6.5.2007

Geb. in St. Petersburg; Vater Hüttening., Bruder  Gottfried Lessing; seit 1918 in Dtl.; Volksschule u. Gymn. in Berlin-Zehlendorf; 1931 – 35 Studium der Volkswirtschaft in Berlin, dann an der Sorbonne in Paris u. an der School of Economics in London; 1937 Aufenthalt in Südafrika bei ihrem Bruder; 1937 Mitgl. der KPD; 1939 Emigr. nach Frankreich; im Frauenlager Gurs (Pyrenäen) interniert; 1941 im KPD-Auftrag Rückkehr nach Dtl.; 1941 – 45 freie Mitarb. des kath. Verlags Hoppenstedt & Co. in Berlin, Verf. von Firmenjubiläumsschriften, in dieser Zeit zus. mit ihrem späteren Ehemann  Klaus Gysi (verh. 1945 – 58); illeg. pol. Arbeit. 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Red. der Ztschr. »Frau von heute«, Berlin; 1946 – 49 Ref. u. HA-Ltr. in der ZV für Wirtschaft/DWK; 1949 – 51 Ltr. des Verlags Kultur u. Fortschritt Berlin, als »Westemigrantin« abgelöst; 1951 – 56 Ltr. des Verlags Rütten & Loening Berlin; 1956 – 77 Ltr. der HV Internat. Beziehungen des Min. für Kultur; 1972 VVO; 1978 – 88 Dir. des DDR-Zentrums des Internat. Theaterinst. der UNESCO für die DDR; 1988 Ruhestand; gest. in Berlin.Ensikat, D.: I.O.L.G. Ein Anachronismus, der in das Jahrhundert passte. In: Tagesspiegel, 21.6.2007.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Haas, Leo

* 15.4.1901 – ✝ 13.8.1983

Geb. in Troppau (Österreichisch Schles./Opava, Tschechien); Volks- u. Oberrealschule; 1919 – 24 Studium der Malerei an den Kunstakad. in Karlsruhe u. Berlin; ab 1925 Pressezeichner in Wien bei den Ztg. »Abend«, »Arbeiterztg.« u. »Stunde«; 1926 – 38 freischaff. als Maler, Pressezeichner, Gebrauchsgrafiker u. Bühnenbildner in Troppau; 1939 Verhaftung durch die Gestapo; Haft in den KZ Lublin, Nisko, Uljanow, Theresienstadt, Auschwitz, Sachsenhausen, Redl-Zipf, Schlier, Mauthausen u. Ebensee. 1945 erste Ausstellung in Prag; ab 1945 Mitgl. der tschech. Gewerkschaft der Journalisten u. 1946 der KPČ; Pressezeichner u. Karikaturist für das KPČ-Ztg. »Rudé Právo«, die satir. Ztschr. »Dikobraz« u. »Roháč« (Bratislava); 1955 Übersiedl. in die DDR; 1956 Mitgl. des VDJ; ständ. Mitarb. für »Eulenspiegel«, »Neues Dtl.« u. »Wochenpost«; gehört zu den Pionieren der Fernseh-Karikatur; mit dem DFF entstanden die Senderreihe »Zeitgezeichnet« u. die Filme »Mord in Lwow« u. »Aktion J.«; zahlr. Preise auf internat. Ausstellungen; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 Mitgl. der Ltg. der Sekt. Pressezeichner u. Karikaturisten im VDJ u. des VBK; 1964 VVO; Kunstpreis der DDR; 1966 Ernennung zum Prof.; 1971 ČSSR-Orden der Arbeit; Banner der Arbeit; 1976 VVO; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; Ehrenbürger der Stadt Opava; gest. in Berlin.Links überholt! Zeichnungen. Berlin 1961; Terezin, Theresienstadt. Berlin 1972; Kinder im KZ ? u. draußen blühen Blumen. Hrsg. von D. Stanić. Berlin (West) 1982 (Zeichnungen). Wagner, W. H.: Der Hölle entronnen. Stationen eines Lebens. Eine Biogr. des Malers u. Graphikers L. H. Berlin 1987.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Haase, Horst

* 2.1.1929

Geb. in Schönwalde (b. Berlin); Vater Bauarb.; Volks- u. Handelsschule; 1946 – 48 Vorstudienanstalt Berlin; 1948 – 51 Studium der Germanistik, Geschichte u. Pädagogik an der HU Berlin; ab 1951 Lektor, wiss. Assistent bzw. Hochschullehrer; 1953 SED; 1955/56 wiss. Mitarb. im DSV; 1956 Prom. über die expressionist. Ztschr. »Weiße Blätter«; 1963 Habil. über  Johannes R. Bechers Dtl.-Dichtung; 1964 Prof. u. bis 1966 Dir. des Inst. für Lit.-Geschichte der KMU Leipzig; ab 1969 an IfG bzw. AfG, seit 1986 hier Dir. des Inst. für marxist.-leninist. Kunst- u. Kulturwiss. (Nachf. von  Hans Koch); 1976 NP (im Koll.); 1990 Ruhestand; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebt in Berlin. Lehre u. Forschungen zur neueren dt. Lit., bes. zur Lit. des 20. Jh. sowie zur Kulturpol. in der DDR; Hauptautor u. Ltr. versch. Autorenkoll., so von Bd. 11 (Lit. der DDR) der »Geschichte der dt. Lit.« (1977), »Die SED u. das kulturelle Erbe« (1986) u. »Österr. Lit. des 20. Jh.« (1988); viele Artikel u. Kritiken zur Lit. der DDR.Lit. als Angebot. Halle, Leipzig 1983; Die SED u. das kulturelle Erbe. Berlin 1986; Johannes R. Becher. Leben u. Werk. Berlin 1987; Österr. Lit. des 20. Jahrhunderts. Berlin 1990; Gerhard Scholz u. sein Kreis: zum 100. Geburtstag des Mitbegr. der Literaturwiss. der DDR. Berlin 2004.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth