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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Häber, Herbert

* 15.11.1930

Geb. in Zwickau (Sachsen); Vater Schmied, Mutter Textilarb.; Volks- u. Oberschule; 1945 Mitgl. der Antifa-Jugend; Hilfsarb. im Metallwerk Zwickau; 1946 SED u. FDJ; Besuch der FDJ-Schule am Bogensee; April – Aug. 1947 Org.-Ltr. des FDJ-KV Zwickau; 1947 FDGB; 1947/48 Laufbote des Jugendaussch. Zwickau; 1947/48 Korrespondent des SNB bzw. des ADN in Zwickau; 1948/49 Jugendsekr. der SED-KL Zwickau; 1949/50 Red. bzw. stellv. Chefred. der »Freien Presse« in Zwickau; 1949 Studium an der LPS; 1951 Instrukteur der Westkommission des ZK der SED; ab 1953 Sektorenltr. gesamtdt. Fragen in der Abt. Presse u. Rundfunk des ZK; 1954/55 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1955 – 60 Sektorenltr. des Arbeitsbüros; 1960 – 65 hauptamtl. Mitgl. im Range eines Abt.-Ltr. der Kommission für gesamtdt. Arbeit bzw. der späteren Westkommission beim PB; Juni – Nov. 1965 stellv. Ltr. der Westabt. des ZK; 17.12.1965 – Juli 1971 stellv. Staatssekr. für gesamt- bzw. westdt. Fragen; 1971 – 73 Dir. des IPW; 1971 Prof.; 1973 – 85 Ltr. der Westabt. bzw. der Abt. Internat. Pol. u. Wirtschaft im ZK (Nachf. von  Heinz Geggel), war über 10 Jahre Vertrauensmann v.  Erich Honecker für Kontakte zu bundesdt. Politikern (insbes. der CDU), so ab Jan 1975 inoff. Gespräche mit Walther Leisler Kiep (CDU-Schatzmeister), Philipp Jenninger, Olaf von Wrangel, Heinrich Windelen, Wolfgang Schäuble; 1976 – 78 Kand., 1978 – 86 Mitgl. des ZK der SED; Mai 1984 – 22.11.1985 Mitgl. des PB u. Sekr. des ZK der SED; 18.8.1985 Einlieferung in das Regierungskrankenhaus Berlin-Buch; am 16.9. 1986 diktierte ihm  Erich Honecker dort sein Rücktrittsgesuch (»aus gesundheitl. Gründen«); Jan. – März 1986 im Fachkrankenhaus in Bernburg; 1986 – 89 wiss. Mitarb. des Inst. für Imperialismusforschung der AfG; 1980 VVO. Ab Mai 2000 Prozeß wegen »Totschlags an DDR-Flüchtlingen« (zus. mit  Hans-Joachim Böhme u.  Siegfried Lorenz) vor dem LG Berlin; Freispruch im Herbst 2000; 2002 Aufhebung des Urteils durch den BGH; 11.5.2004 erneuter Freispruch durch das LG Berlin.Nakath, D., Stephan, G.-R.: Die H.-Protokolle. Schlaglichter der SED-Westpol. 1973 – 1985. Berlin 1999; Kohl, P.: Der Fall H. H. Vom Politbüro in die Psychiatrie (MDR/ DLF/RBBV 1999); Nitz, J.: Unterhändler zwischen Berlin u. Bonn. Berlin 2001.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hachenberg, Otto

* 25.6.1911 – ✝ 24.3.2001

Geb. in Anhausen (Rheinl.); Vater Schuldir.; Besuch des Realgymnasiums Koblenz, dort 1930 Abitur; 1930 – 37 Studium der Physik, Math. u. Astronomie an den Univ. Königsberg, Göttingen u. Berlin, dort 1938 Prom. mit der Arbeit »Der Aufbau des kugelförmigen Sternhaufens M92« bei Paul Guthnick; 1937 – 43 NSDAP; 1937 – 39 Ass. an der Universitätssternwarte Babelsberg; 1939 – 45 Mitarb. im Labor der Telefunken AG in Berlin; 1945 – 50 Mitarb. des Oberspreewerks in Berlin, zuletzt Ltr. des Versuchswerks; 1948 Erteilung der venia legendi für Physik an der HU Berlin u. Aufnahme regelmäßiger Lehrtätigkeit; 1951 Berufung zum Direktor des Heinrich-Hertz-Inst. der DAW in Berlin-Adlershof u. zugl. Berufung zum Prof. mit Lehrauftrag für Physik an der HU Berlin; 1959 NP; 1961 korr. Mitgl. der DAW; 1961 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; ab 1963 Prof. für Astronomie, später Radioastronomie an der Univ. Bonn; 1966 Dir. des Max-Planck-Inst. für Radioastronomie Bonn / Bad Münstereifel, 1979 em.; gest. in Bonn. Anknüpfend an seine frühen Arbeiten zur Ionosphärenphysik u. zur fernsehrelevanten Elektronenoptik u. Photoelektronik, profilierte sich H. in den 1950er Jahren zu einem Pionier der Radioastronomie. Mit dem von ihm entwickelten u. 1958 eingeweihten 36-m-Radioteleskop wurden nicht nur internat. gewichtige Untersuchungen zur Sonnenphysik durchgeführt, sondern das Großgerät wurde zugl. zum Markenzeichen des Akademie-Standorts Berlin-Adlershof u. Symbol für den Wissenschaftsaufschwung in der DDR.Taubenheim, J: O. H. In: Adlershofer Splitter (1999) 4; Wielebinski, R.: The new era of large paraboloid antennas: The life of Prof. Dr. O. H. In: Radio Science 2003.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Haesler, Otto

* 13.6.1880 – ✝ 2.4.1962

Geb. in München; Vater Maler; Realschule in Passau; 1898 – 1902 Ausbildung an den Baugewerkschulen in Augsburg u. Würzburg, 1902 Maurerlehre; 1906 – 33 freischaffender Architekt in Celle, hier zahlr. Einzelbauten, u. a. 1908 »Trüllerhaus«, 1924 Siedlung Italienischer Garten, 1926 Siedlung Georgsgarten; 1925 Mitgl. des Dt. Werkbundes, 1927 Mitgl. der Reichsforschungsges. für Wirtschaftlichkeit im Bau- u. Wohnungswesen; 1928 – 30 Entwurf der Friedrich-Ebert-Siedlung in Rathenow (260 Wohnungen), 1930 Entwurf der Rothenbergsiedlung Kassel (236 Wohnungen); 1934 Umzug nach Eutin; 1942 – 45 Stadtbaurat in Łódź u. Lemberg; 1943 Vorplanung des Wiederaufbaus der sowj. Stadt Sewastopol. 1946 Umzug nach Rathenow; 1946 – 55 Wiederaufbaupläne für die Altstadt von Rathenow (mit Karl Völcker); 1950 – 52 Ltr. des Wiederaufbaus des Zeughauses Berlin zum »Museum für Dt. Geschichte«; 1950/51 Ltg. der Wohnbebauung Platz der Jugend in Rathenow; 1950 Prof. für sozialen Wohnungsbau u. bis 1952 Ltr. der HS für Baukunst Weimar, Forschungsarb. zur Entw. des Plattenbausystems; 1951 Mitgl. der DBA; 1953 Umzug nach Wilhelmshorst (b. Potsdam). H. war neben Walter Gropius u. a. einer der führenden Architekten im sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik u. knüpfte nach 1945 in der SBZ/DDR wieder daran an. Mit der Gründung der DBA Ende 1951 erfolgte in der DDR-Architektur ein rigoroser Richtungswechsel zum »Nat. Bauen«, der fortan zur Stigmatisierung von Bauhaus u. Funktionalismus führte u. damit H. seiner wesentl. Arbeitsgrundlage beraubte.Aufbau der Rathenower Altstadt. In: Planen u. Bauen (1951) 17; Mein Lebenswerk als Architekt. Berlin 1957. Schumacher, A.: O. H. u. der Wohnungsbau in der Weimarer Rep. Marburg 1982; Oelker, S.: O. H. – Eine Architektenkarriere in der Weimarer Rep. Hamburg 2002.Volker Wagner

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hagemeister, August

* 5.4.1879 – ✝ 16.1.1923

Geboren am 5. April 1879 in Detmold/Lippe, Sohn eines Maurermeisters; Steindruckerlehre, ab 1911 in München tätig und Mitglied der SPD. Hagemeister wirkte vor dem Weltkrieg in der Münchner Filiale des Lithographen- und Steindruckerverbandes an führender Stelle. 1917 schloß er sich der USPD, Ende 1920 der KPD an. Während der Revolution 1918/19 Mitglied des Revolutionsausschusses des Landesarbeiterrats Bayern, nach dem Ende der Räterepublik wurde er verhaftet und zu langjähriger Festungsstrafe verurteilt. Im Juni 1920 für die USPD in den Bayerischen Landtag gewählt, saß Hagemeister aber während der gesamten Legislaturperiode in Festungshaft in Ansbach, wo er am 16.Januar 1923 starb. Sein Sohn August Hagemeister junior (* 1. 12. 1907), seit 1926 Mitglied der KPD, arbeitete als Funktionär in München und Berlin. Er war u. a. Leiter des Fuhrparks der Zeitung »Welt am Abend«, wurde im März 1933 verhaftet und emigrierte im Januar 1934 in die Sowjetunion. Hagemeister jr. lebte in der Autonomen Republik der Wolgadeutschen, wurde Ende 1935 verhaftet, im September 1936 aus der KPD ausgeschlossen und vermutlich später erschossen.

Wer war wer in DDR

Häger, Helge

* 15.4.1938

Geb. in Zabenstedt (Krs. Hettstedt); Vater Bergmann; Grundschule; 1952 – 55 Lehre u. Arbeit als Betriebsschlosser im Lehrkombinat Mücheln; 1955 – 58 Studium an der Berg-Ingenieurschule Senftenberg, Ing. für Kohleveredelung; 1962 SED; 1958/59 Assistent in Brikettfabriken, 1959 – 63 Ltr. der Techn. Kontrollorg. (TKO) im VEB Braunkohlenwerk »Gustav Sobottka« Röblingen, 1963 – 68 TKO-Ltr. der VVB Braunkohle Halle; 1968 – 71 Dir. für Absatz u. Bilanzierung des VEB Braunkohlenkombinat Geiseltal; 1975 – 80 Kombinatsdir. im Braunkohlenkombinat Geiseltal, ab 1980 GD des VEB Braunkohlekombinat Bitterfeld; 1981 – 89 Mitgl. der SED-BL Halle, 1981 – 90 Abg. der Volkskammer.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Hahn, Joseph (Sepp)

* 6.7.1896 – ✝ 24.2.1965

Geb. in Hof (Saale); Vater Textilarb.; Volks- u. Fortbildungsschule für Textil in Hof, Leipzig u. Mittweida; 1909 – 12 Ausbildung in einer Baumwollspinnerei in Hof (Saale); ab 1911 Jugendriege im Arbeitersport Hof, später Chemnitz-Leipzig; 1912 – 24 Dt. Textilarbeiterverb., ausgeschl.; 1912 SPD-Jugend in Hof; 1914 – 17 SPD in Chemnitz u. Leipzig, dann USPD; 1915 – 17 Kriegsdienst in Frankreich, Gefangenschaft; 1916 Kriegsgericht Brüssel, zu neun Jahren Festung in Passau verurteilt wegen »Flugblattverteilens«, Nov. 1918 entlassen; 1918 Spartakusbund in Ingolstadt; Arbeiter- u. Soldatenrat in Ingolstadt, 1919 in München; 1919 KPD; Mitgl. der Ortsgr.-Ltg. Ingolstadt; Mai 1919 verhaftet, neun Mon. Strafe in Niederschönefeld, Sept. 1919 amnestiert; Ausweisung aus Bayern nach Sachsen; 1920 – 24 Textilarb. u. Betriebsratsvors. in der Baumwollspinnerei Chemnitz; 1923/24 Vors. des DTV Chemnitz, nach einem Streik entlassen; 1920 Gewerkschaftsltr. im Unterbez. Chemnitz, 1921 Mitgl. der KPD-BL Erzgeb. (Vogtl.); 1924 in Chemnitz verhaftet, fünf Mon. U-Haft; 1924 – 31 Angest. des ZK der KPD; 1925 Mitgl. der KPD-BL Ostsachsen-Dresden; als Delegierter zum III. RGI-Kongreß u. zum V. Weltkongreß der KI 1925 in Moskau; Mitarb. der Gewerkschaftsabt. des ZK der KPD; 1926 KPD-Instrukteur; 1927 Mitgl. der KPD-BL Westsachsen-Leipzig; 1929/30 Org. Ltr. der KPD-BL Baden u. Stadtverordneter in Mannheim/Baden; 1931 Entsendung in die RGI Moskau; danach Mitarb. in der KI, Mitteleurop. Sekt.; 1933 Instrukteur in Dtl.; 8.2.1934 Verhaftung in Berlin-Schöneberg, 19.3.1935 vom Oberlandesgericht Hamburg zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus in Fuhlsbüttel verurteilt, anschl. KZ Sachsenhausen bis 1939; Juli 1939 Emigr. nach Dänemark; 15.8.1940 Verhaftung durch die Gestapo, Haft in den KZ Neuengamme u. Sachsenhausen bis 1945. 1945 Pol. Mitarb. des ZK der KPD; 1946 SED; Hauptref. im ZS der SED; danach ab 1948 Abt.-Ltr. u. stellv. Geschäftsf. bei der Zentrag, ab Okt. 1951 ihr Geschäftsltr., Jan. 1954 Ltr. der Zentrag; seit 1954 Mitgl. der ZRK, stellv. Vors.; 1956 VVO; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 Banner der Arbeit; 1961 KMO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hahn, Karl-Heinz

* 6.7.1921 – ✝ 5.2.1990

Geb. in Erfurt; Vater selbst. Schneidermstr.; Oberrealschule in Erfurt; 1941 – 43 Wehrmacht, schwer verwundet; 1943 – 45 Studium der Geschichte u. Germanistik in Marburg. 1945 kurze Zeit Neulehrer u. Doz. an der Pädagog. FS in Erfurt; 1947 – 50 Forts. des Studiums in Jena, Prom. zum Dr. phil. mit der Arbeit »Jakob Friedrich von Fritsch. Min. im klassischen Weimar«; 1950 – 54 wiss. Mitarb. am Thür. Landeshauptarchiv in Weimar; ab 1954 am Goethe-u.-Schiller-Archiv, 1958 – 86 dessen Dir.; 1961 SED; 1963 Habil.; 1964 Prof.; ab 1969 mit Pierre Grappin Ltg. der dt.-frz. Heinrich-Heine-Säkularausgabe; 1969 NP; 1966 – 90 Vors. des KB im Bez. Erfurt; 1974 – 90 Präs. der Goethe-Ges., der einzigen gesamtdt. liter. Vereinigung; Hrsg. der Goethe-Jahrbücher (1974 – 89), der »Briefe an Goethe. Gesamtausgabe in Regestform«, mehrerer Bde. der »Bibliothek dt. Klassiker« (BdK), der ersten Nietzsche-Ausgabe in der DDR (»Ecce homo«, mit Mazzino Montinari, 1985) sowie weiterer Werke der klass. dt. Lit.; gest. in Erfurt.Bettina von Arnim in ihrem Verhältnis zu Staat u. Pol. Weimar 1959; Aus der Werkstatt dt. Dichter. Halle 1963; Goethe in Weimar. Ein Kapitel dt. Kulturgeschichte. Leipzig 1986; Im Vorfeld der Lit. Vom Wert archivalischer Überlieferung für das Verständnis von Lit. u. ihrer Geschichte. Studien. Weimar 1991 (Hrsg.); Dann ist die Vergangenheit beständig. Goethestudien. Wien 2001.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Hähnel, Siegfried

* 9.6.1934 – ✝ 26.8.2010

Geb. in Chemnitz; Vater Dreher; Mutter Hausfrau; 1952 OS, ohne Abschluß; Einstellung beim MfS, Abt. VIII (Festnahmen/Observation) der BV Chemnitz; 1952 SED; 1953/54 Einjahreslehrgang an der Schule des MfS Potsdam-Eiche; 1954 HA IX (Untersuchungsorgan) des MfS Berlin; 1956 – 60 Fernstudium Kriminalistik an der FS des MdI Aschersleben; 1962 Ltr. der Abt. IX der Verw. Groß-Berlin; 1962 – 66 Fernstudium Kriminalistik an der HU Berlin, Dipl.-Krim.; 1974 stellv. Operativ des Ltr. der Verw. Groß-Berlin; 1980 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1986 Ltr. der BV Berlin (Nachf. von  Wolfgang Schwanitz); Mitgl. der SED-BL Berlin; 1987 Gen.-Major; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Febr. 1990 Entlassung; gest. in Berlin.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Haid, Bruno

* 2.2.1912 – ✝ 17.6.1993

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Schneidermeister (1942 im KZ ermordet), Mutter Fabrikarbeiterin; 1918 – 22 Volksschule, 1922 – 31 Realgymnasium; 1928 – 30 SAJ u. 1929 Jungsoz.; 1930 SPD; 1931 KPD, RH; 1931 – 33 Studium der Rechtswiss. an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Univ.; 1932 Vors. der »Roten Studenten« in Berlin u. Mitgl. der Reichsltg. des Verb. Freisozialist. Studenten; Jan. 1933 Mitarb. des KPD-Nachrichtendienstes (»Bruno«); Herbst 1933 Emigr. nach Frankreich; 1934 von  Wilhelm Koenen mit der Anti-Nazi-Arbeit im Weltstudentenkomitee gegen Krieg u. Fasch. beauftragt; 1935 – 38 Mitarb. im Sekr. der KPD-Auslandsltg. in Paris sowie Mitte 1936 – Mitte 1937 Mitarb. bzw. Ltr. der Nachrichtenstelle Paris (»Conrad«) des KPD-Nachrichtendienstes; ab 1937 Aufträge für die NKWD-Auslandsaufklärung INO; 1938 Wiederaufn. des jur. Studiums in Paris u. Straßburg; 1939 Internierung durch die frz. Behörden in versch. Lagern, 1940 Flucht vor dt. Truppen aus einem Lager in Nantes; dann Gelegenheitsarb. in der unbesetzten Zone Frankreichs; 1940/41 Forts. des Studiums, jurist. Staatsexamen in Limoges; Sept. 1941 erneute Internierung, Flucht vor drohender Deportation nach Dtl., Zuflucht im Rhône-Tal; 1942 – 44 KPF; 1942 – 44 Kämpfer der Résistance; Mai 1944 nach Denunziation bei franz. Behörden Abbruch des Kontakts zur Résistance; Okt. 1944 Mitgl. des Komitees »Freies Dtl.« in Lyon, dort 1944/45 im KPD-Auftrag Jurist für Emigrationsangelegenheiten. Herbst 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Mitarb. der Kaderabtl. beim ZK der KPD, 1946/47 der Personalabt. (Referat Schiedsgerichte bzw. »Abwehr«) beim PV der SED; 1947 Lehrgang für Kaderfunktionäre an der SED-PHS; ab 1947 zus. mit  Paul Laufer in der Personalpolit. Abtg. beim PV der SED, Ltr. des Referats Abwehr (»Untersuchungen u. Schiedsgerichte«); 1948 – 52 Ltr. des geheimen Abwehrapparats der SED mit der Aufgabe, das »Eindringen feindl. Elemente« in die Partei zu verhindern, zugl. zuständig für Spionageabwehr u. Gegenspionage; Sept. 1951 Mitbegr. des Inst. für Wirtschaftswiss. Forsch. (IWF, Vorläufer der HV A), 1952/53 Ltr. der Schule des IWF; 1953 – 54 Oberrichter u. stellv. Dir. des Bez.-Gerichts Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt u. Bez.-Staatsanwalt; 1954 stellv. HA-Ltr. bei der Obersten Staatsanwaltschaft, 1955 – 58 stellv. Gen.-Staatsanwalt; 1955 VVO; 1956 Mitgl. der Kommission des ZK der SED zur Überprüfung von Angelegenh. von Parteimitgl. u. ehem. Parteimitgl.; im Zusammenhang mit den Prozessen gegen  Wolfgang Harich,  Walter Janka u. a. u. der Forderung nach Entschädigung für Hans-H. Schrecker auf Beschluß der ZPKK vom 17.3. 1958 gerügt sowie auf Beschluß des PB des ZK der SED vom 1.4.1958 seiner Funktion als stellv. Gen.-Staatsanwalt enthoben, »da er den notwendigen Kampf gegen Feinde der DDR vernachlässigt hat« (10.2.1990 von der SED-PDS rehabil.); April 1958/59 Justitiar bei der VVB Werkzeugmaschinenbau Karl-Marx-Stadt, 15.4.1959/60 Justitiar im VEB »Hermann Schlimme« Berlin, Ltr. der Rechts- u. Vertragsstelle; 1.3.1960 Sektorltr. Gesellschaftswiss. u. ab 1.9.1960 – 63 Ltr. der Abt. für Lit. u. Verlagswesen im Min. für Kultur; 31.1.1962 Löschung der Parteistrafe durch Beschluß der ZPKK; auf Beschluß des Sekr. des ZK der SED 30.1.1963 – 13.3.1973 Ltr. der HV Verlage u. Buchhandel u. 1965 – 73 stellv. Min. für Kultur; 1969 Banner der Arbeit; mit Gründung 1970 Präs. des Kuratoriums für sozialhist. Kinderlit. u. des DDR-Zentrums für Kinderlit.; Mitgl. des Heinrich-Mann-Komitees in der DDR; 1973 Rentner; ab Febr. 1973 ehrenamtl. Vertreter im Copyright-Büro der UNESCO; 1977 VVO; 1990 PDS; gest. in Berlin.(E. Burger): Einige Lehren aus dem Rajk-Prozeß. In: Neues Dtl., 19.11.1949; Einige aktuelle Probleme der staatsanwaltl. Arbeit. In: Neue Justiz (1957) 24; Bücher für alle. Leipzig 1977 (Hrsg.) Kubina, M.: Was in dem einen Teil verwirklicht werden kann mit Hilfe der Roten Armee, wird im anderen Teil Kampffrage sein. In: Wilke, M. (Hrsg.): Die Anatomie der Parteizentrale. Berlin 1998; Amos, H.: Politik u. Org. der SED-Zentrale 1949 – 1963. Münster 2003; Mohnhaupt, H., Mollnau, K. A. (Hrsg.): Normdurchsetzung in osteurop. Nachkriegsgesellschaften. Bd. 5.2. Frankfurt (Main) 2004; Müller-Enbergs, H.: Markus Wolf u. die Ablösung des B. H. als Leiter der DDR-Nachrichtendienstschule 1952. In: Jb. für Hist. Kommunismusforsch. 2006.Bernd-Rainer Barth / Wilfriede Otto

Wer war wer in DDR

Halbritter, Walter

* 17.11.1927 – ✝ 11.4.2003

Geb. im Hoym (Krs. Aschersleben); Eltern Landarb.; 1934 – 42 Volksschule; 1942 – 44 Ausbildung zum Verw.-Angest. in Hoym; 1944 RAD, 1944/45 Wehrmacht; Mai – Dez. 1945 brit. Kriegsgefangenschaft in Schlesw.-Holstein u. in Belgien. 1946 Landarb. in Volpe; SED; 1946 – 50 Sachbearb., ab 1950 Krs.-Statistiker in der Krs.-Vers. Ballenstedt; 1947 Landesverw.-Schule Aschersleben; 1948 – 53 Mitgl. der FDJ; 1950/ 51 Studium an der DVA, Finanzlehrgang; 1951 – 54 Abt.-Ltr. in der HA Staatshaushalt im Min. der Finanzen; 1952 – 57 Fernstudium an der HU bzw. der HfÖ Berlin, 1957 Dipl.-Wirtsch.; ab 1954 pol. Mitarb. im ZK der SED; ab 1955 Instrukteur, 1957 – 60 Sektorenltr., 1960/61 stellv. Ltr. der Abt. Planung, Finanzen u. techn. Entw. des ZK der SED; 1961 – 63 stellv. Finanzmin.; 1963 u. 1969 Banner der Arbeit; 1963 – 65 stellv. Vors. der SPK u. Vors. des Komitees für Arbeit u. Löhne; Ltr. der Arbeitsgr. »Bernau« zur Ausarbeitung der Richtlinien für das »Neue Ökon. System der Planung u. Ltg. der Volkswirtschaft«; 1965 – 89 Min. u. Ltr. des Amtes für Preise beim Min.-Rat; 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED, 1967 – 73 Kand. des PB des ZK der SED; 1967 – 89 Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer; Vors. der RGW-Arbeitsgr. Preise; 1970 sowj. Lenin-Erinnerungsmedaille; 1977 VVO; 1984 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1987 Ehrenspange zum VVO; Dez. 1989 – Febr. 1990 Beauftr. von Min.-Präs.  Hans Modrow für die Vorber. der Gespräche am Zentr. Runden Tisch; Verbindungsmann zum AfNS u. zum MfS-Auflösungskomitee.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Halle, Günter

* 14.3.1927

Geb. in Molmeck (Krs. Hettstedt); Vater Hüttenarb.; Volksschule; 1941 – 44 Angest. in der Mansfeld AG; 1944 NSDAP; 1944/45 RAD. 1945/46 KPD/SED; Jugendsekr. des FDGB-Krs.-Vorst. Hettstedt, dann Sekr. des Antifa-Jugendaussch.; 1945/46 Antifa-OS Halle; 1946/47 ABF Halle, Abitur; 1947 – 49 Studium der Ges.-Wiss. an der Univ. Leipzig; 1949 Red. beim Mitteldt. Rundfunk; 1950 Hauptref. im Amt für Information, Berlin; ab 1950 als IM beim MfS erf.; 1953 – 56 freischaff. Journalist; Juni 1956 Einstellung beim MfS, Abt. Agit.; 1957 Ltr. der Abt. Agit., 1966 Oberst; 1971 Prom. an der JHS Potsdam-Eiche; 1975 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Halm, Gunter

* 23.7.1940

Geb. in Nürnberg; Vater Angest.; 1946 – 54 Grundschule; 1954 FDGB; 1954 – 65 FDJ; 1954 – 57 Ausbildung zum Chemielaboranten; 1957 – 60 ABF, Abitur; 1960 – 65 Studium an der TU Dresden, Dipl.-Phys.; 1965 – 70 wiss. Mitarb. u. Ltr. der Abt. Verfahrensforschung im Inst. für Wälz- u. Gleitlager Leipzig; 1970 – 72 Fachbereichsltr. u. stellv. Dir. für Wiss. u. Technik in der VVB Wälzlager Leipzig, 1972 – 78 HA-Ltr. u. Dir. für Forschung u. Entw. im VEB Kombinat Wälzlager Leipzig; 1978 – 84 Dir. für Forschung u. Entw. im VEB Kombinat Wälzlager u. Normteile Karl-Marx-Stadt; 1965 NDPD; 1971 Prom. zum Dr. rer. nat. an der Fak. für Math. u. Naturwiss. der TU Dresden; 1971 DSF; 1982 – 90 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1984 – 89 stellv. Min. für Glas- u. Keramikindustrie; ab 1985 Mitgl. des Präs. des Hauptaussch. bzw. des PV der NDPD u. ab 1989 Sekr. des Hauptaussch.; Nov. 1989 – April 1990 Min. für Leichtindustrie (Nachf. von Werner Buschmann); nach kooperativem Beitritt der NDPD zum Bund Freier Demokraten 28.3.1990 Mitgl. von dessen Präs.; April – Okt. 1990 Staatssekr. im Min. für Wirtschaft; 1990/91 Vorstandsmitgl. der Treuhandanstalt.Studien zur Ellipsometrie zur Untersuchung von Korrosionsschutzblechen. Dresden 1971.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Haberditzl, Werner

* 16.11.1924 – ✝ 2.7.1981

Geb. in Berlin-Mariendorf; 1942 Abitur; 1942 – 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 – 48 Schulhelfer an Berliner Schulen; 1946 SED (später SEW); 1946 – 54 Studium der Chemie in Berlin, 1953/54 Diplomarbeit am Inst. für Physikal. Chemie der HU Berlin, seit 1953 hier Assistent, 1957 Prom. bei  Robert Havemann; 1964 Habil.; 1965 ord. Prof. für Theoret. Chemie. W. H. lebte als österr. Staatsbürger in Berlin (West); trug wiss. u. wiss.-org. maßgebl. zur Entw. der Theoret. Chemie in der DDR bei; bes. Leistungen auf dem Gebiet der Magnetochemie (Diamagnetismus, Inkrementsystem, magnetokatalyt. Effekt u. a.); auch philosoph. u. wiss.-theoret. Arbeiten; gest. in Berlin.Magnetochemie. Berlin, Oxford, Braunschweig 1969; Bausteine der Materie u. chem. Bindung. Berlin 1972.Hans-Georg Bartel

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Hackenberg, Helmut

* 2.3.1926 – ✝ 25.4.1999

Geb. in Oppeln (Oberschlesien / Opole, Polen); Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1940 Lehre als Autoschlosser; 1940 – 44 Unteroffiziersschule; 1944 / 45 Kriegsdienst, 1945 sowj. Kriegsgef. in der ČSR. 1945 / 46 KPD / SED; 1946 – 51 Volontär bei der Versicherungsanstalt Dessau; 1951 / 52 Instrukteur der SED-LL Sachsen-Anh.; 1952 – 63 Abt.-Ltr. Org. / Kader in der SED-BL Magdeburg; Studium an der SED-PHS, 1957 Dipl.-Gesellschaftswiss.; später FS-Studium mit Abschluß als Ing.-Ökonom; 1963 – 71 1. Sekr. der SED-Stadtltg. Magdeburg; 1971 – 89 2. Sekr. der SED-BL Leipzig; Mitgl. des Redaktionskollektivs der theoret. SED-Ztschr. »Einheit«; 1977 VVO. H., der ansonsten nicht als reformorientierter Funktionär galt, spielte für die Ereignisse im Herbst 1989 insofern eine wichtige Rolle, als er unter dem Eindruck der gewaltigen Massendemonstration am Abend des 9. Okt. sowie des von  Kurt Masur im Leipziger Stadtfunk verlesenen Aufrufs zu Besonnenheit u. friedl. Dialog, an welchem mit Kurt Meier, Hans-Joachim Pommert u.  Roland Wötzel auch drei Sekretäre der SED-BL beteiligt waren, als amt. 1. Sekr. der SED-BL Leipzig u. Chef der Bezirkseinsatzleitung die bereitstehenden Sicherheitskräfte letztlich anwies, »keine aktiven Handlungen gegen Personen zu unternehmen, wenn keine staatsfeindl. Aktivitäten u. Angriffe auf Sicherheitskräfte, Objekte u. Einrichtungen erfolgen«.Mario Niemann / Andreas Herbst

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Haeusler, Helene

* 26.8.1904 – ✝ 10.7.1987

Geb. in Metz (Lothringen, Frankreich); 1922 Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Kassel, Textilkl.; 1923/24 Teiln. am Fröbel-Seminar Kassel, Abschluß als Kindergärtnerin; 1924/25 Studium der Kunstgeschichte an der Univ. Hamburg; zugl. Verkäuferin in den Hansa-Werkstätten; 1925 – 27 Studium der Buch- u. Gebrauchsgrafik an der Staatsschule für angewandte Kunst München bei Fritz Helmuth Ehmcke; 1927 – 32 Direktrice bei der Firma C. u. O. Dressel in Steinach (Thür.); 1932 – 34 selbst. Arbeit als Spielzeuggestalterin in eigener Werkstatt Sonneberg: Puppe »Heinerle«; 1934 – 40 freiberufl. als Grafikerin u. Entwerferin in München; 1940 – 45 vorw. betreuende Arbeit in kinderreichen Familien. 1945 – 50 Gutachterin an der Registerstelle für Spielwaren; Restaurierungsarbeiten Textil auf Schloß Pommersfelden; Mitgl. des Dt. Werkbunds, freie Arbeit als Spielzeuggestalterin; 1954 – 69 Doz. an der FS für Spielzeug Sonneberg; seit Anf. der 60er Jahre Entw. von therapeut. Spielmitteln aus Stoff u. Leder, u. a. Spieltiere (Ente, Nashorn) sowie Spielformen (Würfel, Zylinder) für körperl. u. geistig behinderte Kinder; Kurse für Eltern behinderter Kinder, für Pädagogen u. Therapeuten von Behinderteneinrichtungen. Eine Schule mit sonderpädagog. Förderschwerpunkt »Geistige Entw.« in Berlin-Prenzlauer Berg trägt seit 1997 ihren Namen.Gerd Dietrich

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Hagen, Eva-Maria

* 19.10.1934

Geb. in Költschen (Krs. Oststernberg, Ostbrandenb./Kolczyń, Polen), Eltern Landarb.; 1945 (nach Kriegsende) Zwangsumsiedl. nach Perleberg in Mecklenburg; 1952 Beginn des Schauspielstudiums in Berlin; 1953 Theater unter der Regie von  Bertolt Brecht im Berliner Ensemble; 1954 Heirat mit dem Schriftst. Hans-Oliva Hagen; 1957 Beginn der Karriere bei der DEFA mit der Gegenwartsfilmkomödie »Vergeßt mir meine Traudel nicht«; 1961 bei Gründung des Schauspiel-Ensembles des Fernsehfunks erstes Mitgl.; 1957 – 65 Mitw. in ca. 50 Film- u. Fernsehprod.; 1965 Begegnung mit dem Liedermacher  Wolf Biermann, der gerade verboten wird, Prozeß wegen Staatsverleumdung, Diskriminierung, Bedrohung durch die Staatssicherheit, Einschränkung der Arbeitsmöglichkeiten; 1966 – 76 Gastspiele, hauptsächlich in Dessau, Annaberg, Leipzig u. Frankfurt (Oder); 1976 fristlose Entlassung wegen Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns; 1977 Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR u. Übersiedl. nach Hamburg; Theaterauftritte in Hamburg (unter Georgio Strehler), Düsseldorf, Tourneetheater, Erfolge als Liedersängerin im In- u. Ausland; Tourneen mit Liedern von Wolf Biermann u. von ihm ins Dt. übertragener jidd. u. internat. Folklore, gemeinsame Auftritte mit dem Liedermacher; zahlr. TV-Filme; 1989 nach 13 Jahren Einreiseverbot auch in der DDR wieder Kino-Filme. Seit 1990: Gesangstourneen mit Klavierbegleitung, Theaterrollen als Mutter Courage u. Medea in Hamburg; 1998 Buchveröffentlichung »Eva und der Wolf«, gemeinsame Auftritte mit Tochter  Nina H. und Enkelin Cosma Shiva als »Hagen-Clan«; 1999 »Carl-Zuckmayer-Medaille für Verdienste um die dt. Sprache«; Ausstellungen als Malerin; März 2000 Auslieferung des Buchs »Evas schöne neue Welt« durch Beschluß des LG Berlin wegen »Verletzung der Intimsphäre« von Tochter Nina H. durch einstweilige Verfügung gestoppt.LP: Nicht Liebe ohne Liebe Russische Romanzen, Balladen, Zigeunerlieder – ins Deutsche gebracht von Wolf Biermann (1979); LP/CD: Ich leb mein Leben. Lieder von Wolf Biermann (1981); LP: Das mit den Männern und den Frauen, Michael, Michael (1985); CD: Wenn ich erstmal losleg. Baltische Lieder, übertragen von Wolf Biermann (1996); CD: Joe – Mach die Musik von damals nach. Eva-Maria Hagen singt Brecht (1997); CD Wolfslieder (1999); Bücher: Eva und der Wolf. München, 1998; Eva jenseits vom Paradies. Berlin 2005 (Autobiogr.).Andreas Öhler

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Hähle, Fritz

* 11.2.1942

Geb. in Chemnitz; Mutter Verkäuferin, Vater Handlungsgehilfe; 1948 – 56 Grundschule in Grüna, 1956 – 58 Mittelschule in Karl-Marx-Stadt (seit 1991 wieder Chemnitz); 1958 – 60 Ausbildung zum Mechaniker im VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt; ab 1960 Angest. der TH Karl-Marx-Stadt; 1964 – 69 Fernstudium zum Ing. für Elektronik an der Ingenieurschule für Elektrotechnik in Mittweida; 1968 – 72 Abendstudium zum Dipl.-Ing. für Regelungstechnik an der TH Karl-Marx-Stadt; 1986 dort Prom. auf dem Gebiet der Konstruktionstechnik, anschl. bis 1990 dort als Forschungsing. tätig; Jan. 1990 CDU, Febr. 1990 Mitgl. des CDU-Ortsvorst. Grüna; Mai 1990 – 94 Gemeindevorsteher in Grüna. Seit Okt. 1990 Mitgl. des Sächs. Landtags; 1991 – 95 1. stellv. Vors. u. 1995 – 2001 Landesvors. der CDU Sachsens; Sept. 1994 – Juni 2008 Vors. der CDU-Fraktion im Sächs. Landtag; seit Jan. 1999 Mitgl. im Ortschaftsrat Grüna; seit 2001 Vors. des CDU-KV Chemnitzer Land; seit April 2008 stellv. Vors. des CDU-KV Zwickau.Zur Bewegungstechnik flexibler Positioniersysteme. Karl-Marx-Stadt 1986; Neue Wege wagen. Holzgerlingen 2006.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hahn, Joseph (Sepp)

* 6.7.1896 – ✝ 24.2.1965

Geboren am 6. Juli 1896 in Hof, Sohn eines Hausdieners; lernte Elektriker und arbeitete vor dem Weltkrieg in einer Textilmaschinenfabrik in der Schweiz. 1912 Mitglied der Sozialistischen Jugend, 1914 der SPD. Bei Kriegsbeginn eingezogen, 1917 wurde er als Kriegsgegner wegen Gehorsamsverweigerung zu zwölf Jahren Festung verurteilt. Durch die Revolution 1918 aus der Festung Passau befreit. Seit 1919 Mitglied der KPD, im Frühjahr 1919 Angehöriger der Roten Armee in der Bayerischen Räterepublik, deshalb Verurteilung zu neun Monaten Festungshaft, jedoch im September 1919 amnestiert und aus Bayern nach Sachsen ausgewiesen. Ab 1921 Mitglied der BL Erzgebirge-Vogtland. 1924 war er auf einem Lehrgang in Moskau und nahm am V. Weltkongreß der Komintern und am II. RGI-Kongreß teil. Danach wurde er Agitpropleiter im Bezirk Erzgebirge-Vogtland. Sein kritischer Bericht über den V. Weltkongreß brachte ihm ein Parteiverfahren ein, das nach dem »Offenen Brief« des EKKI im September 1925 eingestellt wurde. In den Jahren 1926 bis 1928 war Hahn Sekretär und enger Vertrauter Ernst Thälmanns. Deshalb als ZK-Instrukteur längere Zeit in Ost- und Westsachsen eingesetzt, um die Rechten zu bekämpfen, 1929 schickte Thälmann Hahn als Orgleiter nach Baden, um dort die linke Kenzler-Ritter-Gruppe auszuschalten. Bis 1931 Stadtverordneter in Mannheim, zeitweise auch RGO-Vorsitzender in Baden. Von 1931 bis 1933 war Hahn Instrukteur in der Mitteleuropäischen Sektion des RGI in Moskau sowie Kursant an der Internationalen Leninschule. Ende 1933 Rückkehr zur illegalen Arbeit nach Deutschland, am 8. Februar 1934 in Berlin verhaftet. Im Gefängnis konnte er noch mit Dimitroff zusammenkommen und Nachrichten austauschen. Der Gestapo gelang es nicht, Hahns Identität nachzuweisen (er besaß falsche Papiere), und er konnte auch verheimlichen, aus Moskau nach Deutschland zurückgekehrt zu sein. Am 19. März 1935 vom OLG Hamburg zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Danach im Juli 1939 nach Dänemark emigriert, dort nach der Besetzung durch deutsche Truppen am 15.August 1940 von der Gestapo verhaftet und zunächst in das KZ Neuengamme und anschließend ins KZ Sachsenhausen gebracht. Hahn war 1945/46 Abteilungsleiter im Sekretariat des ZK der KPD, 1946 Hauptreferent im PV des SED, von 1948 bis 1954 Geschäftsführer bzw. Hauptdirektor der SED-eigenen Verlagsgruppe Zentrag. Von 1954 bis 1965 stellvertretender Vorsitzender der ZRK der SED in Ost-Berlin, er erhielt den Karl-Marx-Orden. Joseph Hahn starb am 24.Februar 1965 in Ost-Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Hahn-Scheiblich, Christine

* 31.12.1954

Geb. in Wilsdruff (b. Dresden); Vater Rinderzüchter; Mutter Steno-Phonotypistin; 1961 – 71 POS; 1968 – 78 aktive Ruderin beim SC Einheit Dresden (Trainer: Dieter Schubert); 1971 – 73 Ausbildung zur Schreibmaschinenmechanikerin; 1973 – 76 Ausbildung zur Physiotherapeutin, anschl. in diesem Beruf tätig; 1976 Olympiasiegerin; viermal 1974, 1975, 1977 u. 1978 WM (jeweils Einer); arbeitet als Physiotherapeutin in Dresden; Studium der Verfahrenstechnik in Dresden; Nachwuchstrainerin beim SC Einheit Dresden; verh. mit dem Rennschlittenfahrer Ulrich Hahn.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Hähnel, Walter

* 12.4.1905 – ✝ 9.10.1979

Geb. in Chemnitz; Vater Maschinist; Volksschule; 1919 – 22 Ausbildung zum Kfm.; 1919 FSJ; 1920 Mitgl. des KJVD u. 1923 der KPD; 1922 – 31 ZdA; 1923/24 Mitgl. der KJVD-BL Erzgeb. (Vogtl.), dort Ltr. des örtl. KPD-Nachrichtendienstes; 1924 – 27 Mitarb. im Apparat der KJVD-BL Erzgeb.-Vogtl., bis 1928 Angeh. der »Chemnitzer Linken«; 1926/27 Chefred. »Junge Kämpfer« (Chemnitz); 1927 – 31 Mitgl. des ZK des KJVD; 1928/29 in Berlin; 1929/30 in Moskau; Instrukteur der KJI in Prag; 1931 verhaftet, drei Mon. U-Haft in Leitmeritz (Litomĕřice, ČSR), wegen »Verstoßes gegen das Pressegesetz« zu Geldstrafe verurteilt u. ausgewiesen; Reichsjugendltr. des »Kampfbunds gegen den Fasch.« (KgdF), 1931/32 Mitgl. der Reichsltg.; 1933 – 35 Mitgl. der KPD-LL u. ab 1934 der KJVD-LL (Nachf. von  Erich Jungmann); 1935 – 38 Mitgl. des ZK des KJVD in Moskau (»Karl«); faktisch Vors. u. Kaderltr. des KJVD; Kand. des KJI-Sekr. u. KJVD-Vertreter in Moskau; ab Aug. 1938 im KJI-Auftrag in Frankreich, leitender KJVD-Funktionär in Paris; 1939/40 interniert, geflohen; 1940/41 illeg. in Toulouse; Mitbegr. der KPD-Ltg. in Toulouse (»Schwung«); Apr. – Juni 1941 im Lager Les Milles, 1941/42 in Le Vernet interniert (»Karl Kunert«); März – Sept. 1942 im Auswanderer-Lager Les Milles (geplante Ausreise nach Kuba wird von ihm abgelehnt), anschl. Flucht, ab Sept. 1942 illeg. in Toulouse; 1943 Mitgl. der KPD-Ltg. in Paris; Red. der »Stimme des Volkes«; 1943 Mitgr. u. Mitgl. des Komitees Freies Dtl. für den Westen; 1943 – 45 Red. von »Volk u. Vaterland«; 1945 in Paris als Parteisekr. der KPD in Frankreich. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 KPD/ SED; 1945/46 Mitarb. beim ZK der KPD, Abt. Reichsbez.; 1946 Mitgl. der »Zonenltg.«; später Mitarb. der AG SED-KPD in der Westabt. des ZS der SED; Dez. 1947 VVN; 1949 Hauptref. der Westkommission beim ZS der SED, ab April 1951 Ltr. des Sektors »westl. Kader« in der Abt. Kader des ZS bzw. ZK der SED; 1950 Abenduniv. an der PHS; 1952 – 60 stellv. Ltr. der Abt. Kaderregistratur, dann Abt. Arbeitsbüro (Anleitung u. Verbindungen zur KPD) des ZK der SED, zus. mit  Adolf Pöffel von der Funktion entbunden; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1961 – 70 Mitarb. beim ZK der KPD in Berlin (Ost); April 1970 Parteiveteran; 1961 Arthur-Becker-Medaille; 1960 u. 1965 Banner der Arbeit; 1970 VVO; 1975 KMO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Hájek, Jiří

* 1913 – ✝ 1993

Politiker und Außenminister während des *Prager Frühlings. Einer der ersten drei Sprecher der *Charta 77.Jiří Hájek wurde 1913 im mittelböhmischen Krhanice bei Benešov geboren. Sein Vater war Schulleiter, seine Mutter Lehrerin. 1924 zog die Familie nach Prag, dort ging er in Vinohrady auf das Gymnasium. 1932 begann er ein Studium der Rechtswissenschaft an der Karls-Universität und besuchte gleichzeitig Vorträge des französischen Ernest-Denis-Institutes. Die Weltwirtschaftskrise und der wachsende Einfluss der Nationalsozialisten in Deutschland waren der Grund, warum Hájek sich linken Jugendorganisationen anschloss. 1932 war er Mitbegründer eines Sozialistischen Seminars der Christlichen Vereinigung junger Männer (CVJM), ein Jahr später trat er der Vereinigung mittelloser und progressiver Studenten und dem Verband sozialdemokratischer Studenten bei. Nach Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs engagierte sich Hájek im Hilfskomitee für das demokratische Spanien. 1937 schloss er sein Jurastudium ab und begann als Finanzbeamter in einer Kreisverwaltung zu arbeiten. 1938 gehörte Hájek zum Führungskreis der „Vereinigung der jungen Tschechoslowakei“, in der die Jugendorganisationen der demokratischen Parteien zusammengeschlossen waren. Nach Unterzeichnung des Münchner Abkommens war er Mitbegründer der Nationalen Bewegung der Arbeiterjugend, in der junge Vertreter verschiedener Parteien vereint waren. Nach der Besetzung Böhmens und Mährens durch Deutschland im März 1939 begann deren konspirative Tätigkeit, obwohl keines der Mitglieder über Erfahrung mit der Untergrundarbeit verfügte. Hájek schrieb Artikel für den „Informationsdienst der nationalen Befreiung“ (Informační služba národního osvobození) und für die Zeitschrift „V boj“ (In den Kampf). Er beteiligte sich an der Demonstration gegen die deutsche Besatzung am 28. Oktober 1939 und an der Beerdigung des Studenten Jan Opletal, der auf der Demonstration am 28. Oktober angeschossen wurde und seinen Verletzungen erlegen war. Am 29. November 1939 wurde Hájek von der Gestapo verhaftet, wegen der Beteiligung an der Widerstandsbewegung angeklagt und zu 12 Jahren Haft verurteilt. Die Haft verbüßte er in Zuchthäusern in Deutschland und Norwegen. Direkt nach dem Krieg wollte Hájek in die Kommunistische Partei eintreten, aber seine Freunde, allen voran Rudolf Slánský, rieten ihm davon ab. Stattdessen legten sie ihm nahe, zu den Sozialdemokraten zurückzukehren, um so zu helfen, die Beziehungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten zu verbessern. Er wurde Sekretär des Zentralrates der Gewerkschaften und war gleichzeitig im Tschechischen Jugendverband aktiv, für den er ein Grundsatzprogramm verfasste. Ab 1945 war er außerdem Abgeordneter des Jugendverbandes der Sozialdemokratischen Partei in der provisorischen Nationalversammlung. Ab 1946 war er an der Arbeiterakademie tätig und hielt Vorlesungen an der Hochschule für Politik und Soziales. Zwischen 1945 bis 1948 bemühte sich Hájek um eine engere Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Kommunisten. Im Februar 1948 beteiligte er sich an der Absetzung der sozialdemokratischen Parteiführung und im April stimmte er für eine Vereinigung von Sozialdemokraten mit der Kommunistischen Partei (KPČ). In den ersten Wahlen wurde er zum Abgeordneten der Nationalversammlung und gleichzeitig zum Mitglied des Zentralkomitees der KPČ gewählt. Gemeinsam mit dem Literaturkritiker Ladislav Štoll reformierte er die Hochschule für Politik und Soziales, um sie auf die Anforderungen des neuen Systems auszurichten. 1952 wurde Hájek Rektor der Hochschule für politische Wissenschaften und Ökonomie. Als diese Hochschule zwei Jahre später aufgelöst wurde, wechselte Hájek ins Außenministerium, wo er eine diplomatische Karriere begann. Ab 1955 war er Botschafter in Großbritannien und ab 1957 Stellvertreter von Außenminister Václav David. 1962 wurde Hájek zum ständigen Vertreter der Tschechoslowakei bei den Vereinten Nationen ernannt. 1965 beendet er diese diplomatische Mission und kehrte in die Tschechoslowakei zurück. Dort übernahm er das Amt des Bildungsministers und hatte diese Position bis 1968 inne. Während des *Prager Frühlings im April 1968 wurde Hájek zum tschechoslowakischen Außenminister ernannt. Er bemühte sich einerseits um eine Verbesserung der Beziehungen zum Westen, überzeugte andererseits aber auch die Vertreter der sozialistischen Staaten, dass in der Tschechoslowakei keine Konterrevolution drohe. Im Augenblick des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei befand er sich im Urlaub in Jugoslawien. Hájek flog sofort nach New York zu einer Sitzung der Vereinten Nationen, wo er im Sicherheitsrat entgegen den Instruktionen von Präsident Ludvík Svoboda die Freiheit der Tschechoslowakei verteidigte und die Invasion als Verletzung der UN-Charta und des Warschauer Vertrages bezeichnete. Aufgrund dieses Auftrittes wurde Hájek für Moskau zu einer inakzeptablen Person. Svoboda empfahl ihm, vom Amt des Außenministers zurückzutreten, was er am 9. September 1968 auch tat. Dieser Schritt leitete eine Welle von Zwangsrücktritten von Reformpolitikern der Kommunistischen Partei ein.Vom Außenministerium wechselte Hájek ins Institut für Geschichte der tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften und begann, an der Karls-Universität Vorlesungen zu halten. Im August 1969 wurde er Leiter des neu entstandenen Instituts für Politikwissenschaft der Akademie der Wissenschaften, das wenige Monate später aufgelöst wurde. Im September 1969 schied Hájek aus dem Zentralkomitee der KPČ aus und wurde im März 1970 aus der Partei ausgeschlossen. Am Institut für Geschichte, wo er zu den Vereinten Nationen arbeitete, wurde er 1973 entlassen und ging in den Ruhestand. Von diesem Zeitpunkt an gab Hájek sein öffentliches Wirken auf. Er konzentrierte sich auf Studien zu den Vereinten Nationen und vermied Auseinandersetzungen mit staatlichen Behörden. Er traf sich oft mit Vertretern der ehemaligen Reformbewegung wie František Kriegel, Gertruda Sekaninová-Čakrtová, Zdeněk Mlynář, František Vodsloň und Josef Smrkovský. Im Dezember 1976 war Hájek an der Verfassung der Erklärung der *Charta 77 beteiligt. Zusammen mit Václav Havel und Jan Patočka war er erster Sprecher der *Charta 77. Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Erklärung setzten Repression ein: regelmäßige Verhöre, Durchsuchungen, Unterbrechungen von Telefongesprächen. Um ihn zur Distanzierung von der *Charta 77 zu zwingen, drohte der Staatssicherheitsdienst, Artikel über seinen vermeintlich privilegierten Status in der nationalsozialistischen Haft zu veröffentlichen. Diese wurden später in der Zeitschrift „Signál“ publiziert. Im März 1977 verhinderte die Staatssicherheit die Teilnahme von Hájek und Jan Patočka an den Gesprächen mit dem niederländischen Außenminister Max van der Stoel während dessen Besuches in der Tschechoslowakei.Nach der Inhaftierung Václav Havels und dem Tod von Jan Patočka war Hájek bis September 1977 der einzige Sprecher der *Charta 77. Über sechs Monate lang bis zu dem Moment, als er von Marta Kubišová und Ladislav Hejdánek unterstützt wurde, hing das Schicksal und die Ausrichtung dieser Bewegung von ihm allein ab. Hájek hielt nicht nur dem Druck stand, es gelang ihm auch, verschiedene Unterstützermilieus zu integrieren. 1978 beteiligte er sich intensiv an den Aktivitäten der *Charta 77 im Zusammenhang mit der KSZE-Folgekonferenz in Belgrad. Im August 1978 war Hájek Mitverfasser einer Veröffentlichung zum Jahrestag des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei, die als eines der bedeutendsten Dokumente der *Charta 77 angesehen wird. Ab 1979 war er Berater der *Charta 77 und stellte seine zahlreichen internationalen Kontakte zur Verfügung.Die Repressionen durch die Staatsicherheit betrafen auch Hájeks Familie: Seine Frau wurde an der Ausübung ihres Berufes gehindert und sein Sohn Jan erhielt keinen Studienplatz. 1988 war Hájek Mitbegründer und Vorsitzender des *Tschechoslowakischen Helsinki-Komitees und Mitglied des *Klubs für sozialistische Umgestaltung „Wiedergeburt“ (Klub za socialistickou přestavbu Obroda), in dem sich ehemalige kommunistische Reformer zusammengeschlossen hatten. Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Charta 77 begann er, seine persönlichen Erinnerungen zu verschriftlichen.Nach dem Ende des Kommunismus in der Tschechoslowakei nahm Hájek nicht mehr aktiv am politischen Leben teil, beschäftigte sich aber weiterhin mit dem Thema Menschenrechte. So leitete er das Tschechische Helsinki-Komitee, die Georg-von-Podiebrad-Stiftung für Europäische Zusammenarbeit, die Vereinigung der politischen Häftlinge und das Institut für Demokratiestudien. Jiří Hájek starb 1993 in Prag.Petr Pospíchal Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Halbrock, Christian

* 24.10.1963

Geb. in Crivitz; Vater Pfarrer, Mutter Kantorkatechetin; 1970 – 74 POS in Prebberrede (b. Laage), 1974 – 80 POS in Teterow, Zulassung zum Abitur verwehrt; 1980 – 82 Lehre im VEB Schiffselektronik Rostock, wg. Tragens des Aufnähers »Schwerter zu Pflugscharen« vierwöch. Verweis von der Berufsschule; 1982 / 83 Hilfspfleger in Lobetal; ab 1980 Kontakte zu kirchl. Umweltkreisen; ab 1983 beteiligt an Protestaktionen gegen den Autobahn-Bau bei Schwerin, das Waldsterben im Erzgebirge sowie Umweltverschmutzung in Wolfen u. Bitterfeld; lebt ab 1983 in Berlin-Prenzl. Berg in zwei besetzten Häusern, die als Anlaufpunkte der alternativen Szene gelten; 1983 – 90 tätig auf einem Friedhof, bei der Volkssolidarität u. in der kirchl. Versandbuchhandl. Paulusgesell. in Berlin-Lichtenberg; engagiert u. a. im Ökokreis der ESG Berlin; ab 1984 Mitorg. mehrerer Fahrraddemonstr. in Berlin; 1986 Mitbegr. des Friedens- u. Umweltkreises der Pfarr- u. Glaubenskirche Berlin-Lichtenberg u. der Berliner Umweltbibliothek (UB); beteiligt an der Herstellung der illeg. Ztschr. »Umweltblätter«; 1986 – 89 Mitgl. im Gemeindekirchenrat der Zionsgemeinde als Vertreter der UB; 1986 Wehrdienstverweigerung; Reisesperre, mehrere Festnahmen u. Ordnungsstrafverfahren; vom MfS bearbeitet in den OV »Ventil«, »Vorwand«, »Organisator« u. »Bibliothek«; bis Nov. 1989 aktiv in der UB; Sept. 1990 beteiligt an der Besetzung der ehem. MfS-Zentrale zur Durchsetzung der Sicherung u. Öffnung des MfS-Aktenbestands; 1993 – 98 Stud. der Gesch. u. Ethnol. an der HU Berlin, 2003 Prom.; Vors. des Vorstands des Bürgerkomitees 15. Januar e. V.; ab 2007 wiss. Mitarb. der BStU; lebt in Berlin.Ev. Pfarrer der Kirche Berlin-Brandenburg 1945 – 1961. Berlin 2004; Stasi-Stadt – Die MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Ein histor. Rundgang. Berlin 2009.Arno Polzin, Jg. 1962; 1978 – 90 Facharbeiterausbildung und Arbeit als Werkzeugmacher; 1982 – 84 Bausoldat in der NVA; 1984 – 89 Technologie-Fernstudium an der Fach- / Hochschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Berlin; 1990 Mitarbeit im Bürgerkomitee zur Kontrolle der Auflösung der Staatssicherheit Berlin; seit 1990 in verschiedenen Positionen bei dem / der BStU in Berlin, seit 2003 dort Mitarbeiter in der Abt. Bildung und Forschung.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Haller, Eugen

* 20.10.1882 – ✝ 28.10.1971

Geboren am 20. Oktober 1882 in Rottweil/ Württemberg; lernte Uhrmacher. Bis zum Weltkrieg Uhrmachergeselle in Schwenningen. Vor dem Krieg Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Haller war führend in der USPD Schwenningen, er kam mit der linken USPD 1920 zur KPD. Von 1923 an Parteisekretär, 1924 in den Württembergischen Landtag gewählt, übernahm er 1924 die Organisierung der Roten Hilfe in Württemberg. Haller zählte zum rechten Parteiflügel, im Frühjahr 1926 wurde er deswegen aus der KPD ausgeschlossen. Ihm wurde »Betrug, Unterschlagung und Korruption« vorgeworfen, er sollte – wie inzwischen üblich – kriminalisiert werden, allerdings wurden auch »rechte Abweichungen« genannt. Haller blieb bis 1928 als Fraktionsloser im Landtag, er schloß sich Ende 1928 wieder der SPD an und arbeitete in der Folgezeit in seinem Beruf als Uhrmacher. 1933 zunächst keinen Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt, doch am 30. Mai 1938 verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er illegal für die SPD tätig gewesen war. Nach Verbüßung seiner Strafe im Zuchthaus Ludwigsburg kam er ins KZ Welsheim, von dort 1941 überraschend entlassen, arbeitete er wieder in Schwenningen. Im August 1944 erneut inhaftiert, er sollte vom Amtsgericht am 16. April 1945 der Gestapo in Oberndorf ausgeliefert werden. Aber da das nicht mehr möglich war, erhielt die Gefängnisleitung telefonisch den Auftrag, Haller zu »erledigen«. Er wurde gerettet, weil Horb schon am 17.April 1945 von der französischen Armee besetzt wurde. Er trat 1945 sofort wieder der SPD bei und übte für sie verschiedene Funktionen aus. Eugen Haller wohnte bis zu seinem Tode am 28.Oktober 1971 in Schwenningen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Halperin, David

* 3.7.1891 – ✝ 3.8.1937

Geboren am 3. Juli 1891 in Schmergoni (Smorgon)/Wolynien, Sohn einer jüdischen Familie. Gerber, später Kaufmann und Reisender. Seit 1908 in der Arbeiterbewegung, kam nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland. 1925 Mitglied der KPD, bis 1933 in Dresden wohnhaft, arbeitete dort für den AM-Apparat der BL Sachsen. Halperin verließ Deutschland im Mai 1933, emigrierte in die Sowjetunion und war in der Druckerei der Moskauer Zigarettenfabrik »Java« beschäftigt. Am 3. August 1937 vom NKWD verhaftet, wurde er am 25. August wegen »trotzkistisch-sinowjewistischer und anderer konterrevolutionärer Verbrechen gegen die Arbeiterklasse und Parteiverrat« aus der KPD ausgeschlossen. Das Militärtribunal verurteilte ihn am 1.November 1937 wegen »Spionage« zum Tode. Am 3.November 1937 wurde David Halperin in Butowo erschossen. Er wurde im Oktober 1956 in der UdSSR juristisch rehabilitiert. Seine Frau Frida Halperin, geborene Waszkowiak (* 1901), ebenfalls Mitglied der KPD, wurde Anfang 1934 in Dresden festgenommen und bis 1936 im Berliner Frauengefängnis in der Barnimstraße inhaftiert. Nach ihrer Freilassung Anfang 1936 mit ihren vier Kindern aus Deutschland nach Polen ausgewiesen, emigrierte sie dann in die Sowjetunion. Dort wurde Frida Halperin gleich verhaftet und am 14. Oktober 1938 erschossen. Ihre Söhne Gerhard (* 1923) und Henry (* 1931) wurden nach Jalta »verschickt« und sind seitdem verschollen. Ihre Töchter Ruth (* 1922 – †2005) und Edith (*1925) kamen in ein Heim der IRH.

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Haberland, Ernst

* 3.12.1903 – ✝ 26.11.1992

Geb. in Essen; Vater Dreher; 1909 – 14 Volksschule in Utrecht, 1914 – 18 in Essen; 1918/19 Hilfsarbeiter in Essen; ab 1919 Ausbildung zum Dreher; 1921 Mitgl. des KJV; 1922 zu 21 Mon. Gefängnis verurteilt wegen »Teiln. an den Gruppen von Karl Plättner der KAJ«; 1923/24 illeg. pol. Arbeit; 1924 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt; 1928 amnestiert; 1928 Mitgl. der KPD Essen; 1928 – 33 Ltr. der RFB Dinslaken bzw. Org.-Ltr. des illeg. RFB-Gaus Ruhrgeb.; Mitarb. im M-Apparat der KPD; 1933/34 N-Ltr. des KPD-UB Ruhrgeb. u. Mitgl. der KPD-BL Ruhrgeb.; März 1934 verhaftet, vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1934 – 45 Haft im KZ Buchenwald; dort Mitgl. des Parteiaktivs u. der Militärorg., Ltr. des Sektors »Grün«; April 1945 maßgebl. am Selbstbefreiungsversuch der Häftlinge beteiligt. 1945 Mitgl. u. 1945/46 Geschäftsf. der KPD-BL Ruhrgeb., 1946/47 der KPD-LL NRW, Ltr. der Abt. Wirtschaft; Mitgl. des LV; 1947/48 Red. der KPD-Ztg. »Freies Volk«; 1948 Ltr. der personalpol. Abt. der KPD-LL in Düsseldorf; 1948/49 im N-Apparat (»Parteiaufklärung«) der KPD, Führungsoffz. der Quelle Lothar Weirauch (»X«); 1949/50 Verlagsltr. »Neue Volksztg.« in Herne; 1950 – 52 Resident der Parteiaufklärung (»Bern«); 1952 Übersiedl. in die DDR; 1952 – 55 Sekr., dann 1. Sekr. der GST Halle; 1955 – 57 stellv. Chefred., dann Chefred. der GST-Ztschr. »Das Banner« bzw. »Sport u. Technik«; Mitgl. des Sekr. des GST-ZV; Sept. 1957 Ltr. der Abt. für Ausbildung im MfNV; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; ab 1959 Ltr. der Abt. Ausbildung u. Schulung, zugl. 1959 – 62 Ltr. der Verw. 15 des MfNV, zuständig für »Partisaneneinsätze« in der Bundesrep. Dtl.; ab Juli 1962 am Aufbau des 1. Fallschirmjägerbat. der DDR beteiligt; 1963 Banner der Arbeit; Okt. 1963 Oberst der NVA; 1963 – 66 Dir. des Armeemuseums in Potsdam (Nachf. von Otto Schwab); Sept. 1966 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, übernahm eine ehrenamtl. Funktion im (illeg.) ZK der KPD in Berlin; 1973 VVO; 1978 KMO; 1983 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Der Pelerinenmann. Erinnerungen an die Selbstbefreiung der Häftlinge von Buchenwald. Berlin 1981. Müller-Enbergs, H. (Hrsg.): Inoffizielle Mitarb. des MfS. Teil 2: Anleitungen für die Arbeit mit Agenten, Kundschaftern u. Spionen. Berlin 1998.Bernd-Rainer Barth

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Hacks, Peter

* 21.3.1928 – ✝ 28.8.2003

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Rechtsanwalt; Gymnasium, 1946 Abitur in Wuppertal; Studium der Soziol., Philos., Germanistik u. Theaterwiss. in München; 1951 Prom. mit der Diss. »Das Theaterstück im Biedermeier«; Arbeit für Theater u. Rundfunk. 1955 Übersiedl. in die DDR; Dramaturg zunächst beim Berliner Ensemble, 1960 – 63 am Dt. Theater Berlin (DT); 1964 Mitgl. des Präs. des PEN-Zentrums; 1972 Mitgl. der AdK (1991 Austritt) u. der Akad. der darstellenden Künste in Frankfurt (Main); stellte sich dem Berliner Theaterpublikum 1956 mit der Komödie »Die Schlacht bei Lobositz« vor; thematisierte Widersprüche des entstehenden Soz. erstmals im Drama »Die Sorgen u. die Macht« (Erste Fassung 1958, UA 1960, Dritte Fassung 1962); dessen Absetzung v. Spielplan des DT aus pol. Gründen führte 1963 zum Rücktritt v. Intendant  Wolfgang Langhoff u. Dramaturg P. H.; Gegenwartskomödie »Moritz Tassow« (UA Okt. 1965 an der Berliner Volksbühne) wurde unmittelbar nach dem 11. Plenum des ZK der SED (Dez. 1965) abgesetzt; fortan bevorzugte P. H. für die Darstellung zeitgenöss. Konflikte klass. Stoffe; 1965 F.-C.-Weiskopf-Preis; 1971 Kritiker-Preis der Bundesrep. Dtl.; 1974 u. 1977 NP; 1981 Heinrich-Mann-Preis; 1998 Jugendliteraturpreis der Frankfurter Buchmesse; verfaßte u. a. »Omphale« (Komödie, 1970), »Adam u. Eva« (Komödie, UA 1973), »Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe« (Monodrama, UA 1976); »Fafne, die Bisam-Maus« (1992), »Der Geldgott« (1993), »Genovefa« (1995); schrieb Märchen u. Romane für Kinder, Lyrik (»Die Gedichte«, 1988) u. Essays (u. a. »Die Maßgaben der Kunst«, 1977; »Schöne Wirtschaft. Ästhet.-ökon. Fragmente«, 1988); »Jona« (Trauerspiel. Berlin u. Weimar 1989); Übertragungen bzw. Nachdichtungen von John M. Synge, Attila József, Carl M. Bellman u. a.; Werke in 15 Bd. Berlin 2003 ff.; gest. in Groß-Machnow (b. Berlin). 2007 Gründung der P.-H.-Gesell. e. V. auf dem ehem. Sommersitz in Groß-Machnow.Schmidt, G.: P. H. in Bundesrep. Dtl. u. DDR. Köln 1980; Thiele, A. (Hrsg.): In den Trümmern ohne Gnade. Fs. zum 75. Geburtstag von P. H. Berlin 2003; Müller, A.: Gespräche mit H. 1963 – 2003. Berlin 2008; Peter-Hacks-Bibliogr. Mainz 2008.Leonore Krenzlin

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Hagedorn, Werner

* 11.7.1894 – ✝ 17.6.1953

Geb. in Rhinow; Vater Arbeiter; 1900 – 08 Volksschule in Berlin; anschl. Malerlehre, Arbeit als Melker, Transportarb. u. Landarb., 1933 – 45 Maler in Rathenow; nach eigenen Angaben seit 1920 KPD, später auch Mitgl. des RGO u. RFK, 1933 – 45 nach eigenen Angaben mehrfach kurzz. verhaftet. 1945/46 KPD/SED; nach Kriegsende Mitarb. der polit. Polizei (K 1) in Rathenow, Potsdam u. Stendal; nach Gründung des MfS im Febr. 1950 Kommissar, 1951 krankheitsbedingt ausgeschieden; anschl. Wachmann, Ltr. Betriebsschutz des HO-Kaufhauses Rathenow; nach eigener Aussage nach 1945 für die sowj. Geheimpolizei tätig, Entlarvung von über 300 »Faschisten« u. »Agenten«, seitdem in Rathenow verhaßt u. isoliert; am 17.6.1953 wird H. von Demonstranten in Rathenow zielgerichtet gejagt u. durch die Stadt getrieben, mehrfach versucht die Menge, ihn umzubringen. SED-Mitgl. versuchen, H. in einem Krankenwagen abzutransportieren, die Menge zerrt ihn jedoch aus dem Fahrzeug, Tausende Schaulustige verlangen lautstark seinen Tod, Jugendl. schlagen immer wieder auf ihn ein. Die VP kann H. bergen, doch im Krankenhaus weigern sich Krankenschwestern u. Ärzte zunächst, den Schwerverletzten zu behandeln; wenige Stunden später erliegt H. im Krankenhaus seinen Verletzungen. Zur Beerdigung werden Hunderte SED-Genossen aus anderen Regionen herbeigeschafft, die Einwohner Rathenows bleiben der Veranstaltung aus Protest gegen die SED fern; 22.6.1953 Verurteilung von fünf Hauptangeklagten, darunter zwei 18jährigen, zum Tode, 27.6.1953 Umwandl. der Todesstrafen durch das OG in lebenslängl. Zuchthausstrafen. 1997 nach öffentl. Debatte Beseitigung des Grabsteins mit den Worten von Julius Fučik: »Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«; der Lynchmord an H. war der extremste Vorfall am 17. Juni 1953.Kowalczuk, I.-S.: 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR. Bremen 2003.Ilko-Sascha Kowalczuk

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Hagen, Nina (Catharina)

* 11.3.1955

Geb. in Berlin; Mutter Schauspielerin u. Chansonsängerin  Eva-Maria Hagen, Vater Drehbuchautor Hans H.; 1968 Urkunde beim »Treffen junger Talente«; 1970 erste Auftritte als Ballett-Tänzerin u. Chorsängerin am Krs.-Theater Annaberg-Buchholz; 1972 Auftritte mit dem  Reinhard-Lakomy-Chor; Auftritte mit dem Orchester Alfons Wonneberg; bis 1973 Studium am Zentr. Studio für Unterhaltungskunst (Gesang); Nebenrollen in den Filmen »Hostess«, »Unser stiller Mann«, »Liebesfallen«; enge emotionale Bindung an ihren Stiefvater  Wolf Biermann; ab Sommer 1974 Sängerin der Gruppe Automobil; 1974 Sonderpreis beim Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst für »Du hast den Farbfilm vergessen« (Heubach/ Kurt Demmler); Single »He, wir fahren aufs Land«, auch in der Bundesrep. Dtl. erschienen; 1975 Fritzens Dampferband (u. a. »Wir tanzen Tango«, »Hatschi-Waldera«); 1976 Aufn. mit Studioband, u. a. »Ich bin da gar nicht pingelig«, »Honigmann«; Dez. 1976 Ausreise nach Berlin (West); erster Auftritt im Quartier Latin; Dez. 1977 Nina Hagen Band in Berlin (West) vorgestellt; 1978 erste LP »Nina Hagen Band« (1979 Goldene Schallplatte); Frühjahr 1980 erste Dtl.-Tournee; Mai 1981 Tochter Cosma Shiva geb. (heute Schauspielerin); 1982 er- ste große USA-Tournee; 1987 Punkhochzeit mit Iroquois; zahlr. LP/CD, z. T. in Englisch, u. a. »Unbehagen« (1979), »Nunsexmonkrock« (1982), »Nina Hagen« (1989), »Street« (1991), »Du hast den Farbfilm vergessen« (Rock aus Dtl. Ost, Volume 12, 1992), »Revolution Ballroom« (1993), »Was denn. Hits 74 – 95«, »Bee Happy« (1996); »Sweet Lord Concept Al- bum« (mit Loka Nunda, 2000), »Return Of The Mother« (2000), »Om Namah Shivay« (2002), »Absolut Hagen« (2002), »TV-Glotzer« (2004); »Irgendwo auf dieser Welt« (2006); 2001 sang H. vor 73.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion den Vereinssong »Eiserne Union« des Kultvereins 1. FC Union; 2004 Auftritt in der Geburtstagsgala des Berliner Friedrichstadtpalastes; Rolle der bösen Königin im Film »7 Zwerge – Männer allein im Wald« sowie der Hexe in »7 Zwerge – der Wald ist nicht genug« (2004/06, R: Sven Unterwaldt); 2006 Tournee mit der Capital Dance Band; 2008 Show »N. H. unzensiert«.Ich bin ein Berliner. München 1988; N. H. – That’s why the lady is a punk. Berlin 2002 (mit M. Feige). Lang, M.: N. H. – Rocksängerin. Lerryn – Liedermacher. Frankfurt (Main) 1981; Hoppe, U.: N. H. München 1980.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Hahn, Erich

* 5.3.1930

Geb. in Kiel; Vater Wissenschaftler; 1948 Abitur in Berlin (West); 1951 SED; 1950 – 56 Studium der Geschichte u. Philos. an der HU Berlin, Dipl.-Philos.; anschl. Assistent u. Oberassistent am Inst. für Philos. der HU; 1961 Prom. mit der Arbeit »Über die Bedeutung des unmittelbar gesellschaftl. Charakters der Arbeit für die Herausbildung des soz. Bewußtseins der Genossenschaftsbauern«; 1965 Habil. mit der Schrift »Philosoph. Aspekte der soziolog. Theorie«; Studienaufenthalt in der UdSSR; 1966 – 71 Ltr. des Lehrstuhls marxist.-leninist. Soziol. am IfG u. 1966 – 71 Vors. des Wiss. Rats für soziolog. Forschungen (Nachf. von Horst Taubert); 1967 Ernennung zum Prof. für dial. u. hist. Materialismus am IfG; 1971 – 90 Dir. des Inst. für marxist.-leninist. Philos. an der AfG u. Vors. des Wiss. Rats für philosoph. Forschungen der DDR (später umbenannt in Wiss. Rat für marxist.-leninist. Philos.); 1972 – 90 Ko-Vors. der Gem. Kommission von Philosophen der DDR u. der UdSSR; 1970 Korr., 1980 Ord. Mitgl. der APW; 1974 Korr., 1980 Ord. Mitgl. der AdW; 1976 Kand., 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1969 u. 1971 VVO; 1977 NP; 1990 Vorruhestand. In den 60er Jahren war E. H. in wissenschaftspol. ltd. Stellung beteiligt an der Etablierung der soziolog. Forschung in der DDR; seine frühen Arbeiten trugen dazu bei, die disz. Eigenständigkeit der Soziol., die bis Anf. der 60er Jahre offiz. als »bürgerl. Wiss.« diffamiert wurde, im marxist.-leninist. Wissenschaftsverständnis zu legitimieren; als Vors. des Wiss.-Rats für Philos. war E. H. in den 70er u. 80er Jahren verantw. für die Koordinierung u. zentr. Planung sowie die ideolog. Kontrolle der philosoph. Forschung in der DDR; er ist Autor bzw. Mitautor von Lehrbüchern (Grundlagen des hist. Materialismus, Berlin 1976), Wörterbüchern, versch. propagandist. Schriften.Soziale Wirklichkeit u. soziolog. Erkenntnis. Berlin 1965; Hist. Materialismus u. marxist. Soziol. Berlin 1968; Ideologie. Berlin 1969; Materialist. Dialektik u. Klassenbewußtsein. Berlin, Frankfurt (Main) 1974; Friedenskampf ohne Ideologie? Berlin 1988; Ideologie – Parlamente u. Parteien. Schkeuditz 1998; SED u. SPD. Ein Dialog. Berlin 2002; Positionen zum SED-SPD-Dialogpapier von 1987. Berlin 2003.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

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Hahn, Hansjoachim

* 14.11.1934

Geb. in Dresden; Volks- u. OS, 1953 Abitur; 1953/54 Hilfsschlosser im VEB Chem. Werke Buna; 1953 – 58 Studium an der TH Dresden, 1959 Dipl.-Ingenieurökonom; 1955 SED; 1959 Mitarb., 1960 Abt.-Ltr., 1961 Produktionsdir. des VEB Transformatoren- u. Röntgenwerk »Hermann Matern« in Dresden, 1964 – 73 Werkdir.; 1970 Prom. zum Dr. oec., 1971 facultas docendi; 1974 – 88 GD des VEB Kombinat Elektromaschinenbau Dresden; 1982 Honorardoz., 1983 Honorarprof. an der TU Dresden, 1989 ord. Prof. für sozialist. Betriebswirtschaft; 1976 – 89 Mitgl. der SED-BL Dresden, 1969 – 81 Vors. des KdT-BV Dresden; Nov. 1989 1. Sekr. der SED-BL Dresden (Nachf. von  Hans Modrow), Jan. 1990 Rücktritt u. Austritt aus der SED-PDS.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hahne, Margarete

* 21.7.1898 – ✝ 3.9.1973

Margarete Lux wurde am 21. Juli 1898 in Breslau geboren. Kaufmännische Lehre, dann Stenotypistin in Breslau. Nach der Heirat mit dem Arbeiter Ferdinand Valentin Hahne 1919 Mitglied der KPD und aktive Funktionärin. 1926 Mitbegründerin des RFMB und Führerin des Bundes in Schlesien. 1928 Mitglied der BL, Leiterin der Frauenarbeit, noch im gleichen Jahr Kandidatin für den Preußischen Landtag (nicht gewählt), Stadtverordnete in Breslau. Auf dem XII. Parteitag 1929 wurde sie als Mitglied ins ZK berufen, danach Übersiedlung nach Berlin und Sekretärin der kommunistischen Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Organisationen (ARSO). 1932 Sekretärin in der Berliner Zentrale des RGO-Textilarbeiterverbandes. Margarete Hahne arbeitete bis September 1933 illegal in Berlin, dann flüchtete sie in die âSR und gab eine illegale Zeitschrift mit heraus, die nach Deutschland eingeschleust wurde. 1938 Emigration nach Frankreich, wo sie engen Kontakt zum Kreis um Willi Münzenberg hatte. Ihr Name stand unter dem Aufruf in der letzten Nummer der Münzenbergschen »Zukunft« (nach ihren Angaben ohne ihr Wissen, da sie mit dem Aufruf nicht einverstanden war). Die KPD suchte nun Margarete Hahnes Anerkennung als politischer Flüchtling zu vereiteln. Bei Ausbruch des Krieges war sie für zwei Monate im Gefängnis in Versailles, von 1940 bis 1943 im Lager Gurs in Südfrankreich und von 1943 bis 1945 in Yenne interniert. Im Lager Gurs wurde ihr mitgeteilt, sie sei aus der KPD ausgeschlossen. Margarete Hahnes erster Mann war in Deutschland geblieben, sie hatte in der Emigration den kommunistischen Funktionär Karl Kauschke (* 21. 11. 1892 – †11. 9. 1973) kennengelernt. Dieser wurde aber Ende 1942 von der Gestapo aus Frankreich abgeholt und arbeitete bis 1945 als Zwangsarbeiter in einem Potsdamer Industriebetrieb. Nach der Befreiung von der sowjetischen Besatzungsmacht in Potsdam als Dezernent für Post, Telegraphie und Verkehr eingesetzt, aber bereits im Juni desselben Jahres vom NKWD verhaftet und zu zehn Jahren Zucht- haus verurteilt, 1952 aber freigelassen. Margarete Hahne selbst konnte erst durch Vermittlung französischer Gewerkschafter Anfang 1946 nach Deutschland zurückkehren. Sie arbeitete in Berlin-Köpenick im »Kaufhaus des Ostens«, verlor später ihre Stellung. Im Sommer 1946 wurde ihr bei einer Reise nach Westdeutschland an der Demarkationslinie neben sämtlichen persönlichen Ausweis-Papieren auch der rote Ausweis »Opfer des Faschismus« (Kämpfer) Nr. 3322 von sowjetischen Grenzwächtern abgenommen. Wegen der Inhaftierung ihres Mannes war sie nicht der SED beigetreten. Ende 1948 übersiedelte sie nach Berlin-Wedding und schloß sich 1951 in West-Berlin der SPD an, war aber politisch nicht mehr aktiv, jedoch noch fürsorgerisch tätig. Margarete Hahne, seit 1958 offiziell verheiratete Kauschke starb am 3. September 1973 in West-Berlin. Werner Reutter veröffentlichte 2008 eine biographische Skizze über Margarete Hahne.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hähnel, Walter

* 12.4.1905 – ✝ 9.10.1979

Geboren am 12. April 1905 in Chemnitz, Sohn eines Arbeiters. Lehre als Kontorist, anschließend kaufmännischer Angestellter. 1919 Mitglied der FSJ, ab 1920 der kommunistischen Jugend, 1923 Mitglied deren BL Erzgebirge-Vogtland. Im Februar 1925 Mitglied der KPD. 1926/27 verantwortlich für den »Jungen Kämpfer«, einer Bei- lage der Chemnitzer KPD-Zeitung. Hähnel wur- de Ostern 1927 auf dem 10. Jugend-Kongreß in Hamburg in das ZK der KJVD und auf dem XI. Essener Parteitag 1927 als Jugendvertreter zum Mitglied des ZK der KPD gewählt. In der Wittorf-Affäre stellte sich Hähnel auf die Seite Ernst Thälmanns, wurde in das Büro des ZK des KJVD geholt, nach der Reichskonferenz vom November 1928 Redakteur der »Jungen Garde«. Auf dem XII. Parteitag der KPD 1929 nicht mehr ins ZK berufen. Von Oktober 1929 bis April 1930 bei der KJI in Moskau, anschließend Instrukteur der KJI beim tschechischen kommunistischen Jugendverband. In den Auseinandersetzungen zwischen Neumann-Remmele und Thälmann stand Hähnel mit Fritz Grosse gegen Kurt Müller und Al- fred Hiller auf seiten Thälmanns. 1931 wurde er Reichsjugendleiter, ab November 1931 Orgleiter des Kampfbundes gegen den Faschismus. Ab Februar 1933 Mitglied der illegalen RFB-Bundesführung in Berlin, dann Leiter des illegalen KJVD in Berlin. 1935 Emigration nach Moskau, dort mit der Leitung des KJVD beauftragt, da Gabo Lewin, der nach der Verhaftung Fritz Grosses den KJVD leitete, ein Anhänger Hermann Schuberts war. Delegierter des VII. Weltkongresses der Komintern 1935, Hähnel sprach in der Diskussion zur Jugendpolitik der KPD. Auf dem anschließenden VI. Weltkongreß der KJI erstattete er den Bericht des KJVD und wurde in das Exekutivkomitee der KJI geholt. Auf der »Brüsseler Konferenz« im Oktober 1935 wurde er in Moskau wieder als Mitglied ins ZK der KPD gewählt, hier vor allem für Kaderfragen verantwortlich. Im September 1938 fuhr Hähnel nach Paris, dort bis September 1939 im Auslandssekretariat der KPD. Auch die »Berner Konferenz« 1939 berief Hähnel er- neut als Mitglied ins ZK. Nach Kriegsausbruch in verschiedenen Lagern interniert, flüchtete er 1940 und lebte als Karl Kunert illegal in Toulouse, war dann bis September 1942 erneut interniert. Danach arbeitete er in der Résistance, war Mitglied der KPD-Leitung in Paris und aktiv in der Bewegung Freies Deutschland. Im Juli 1945 kehrte Hähnel nach Berlin zurück und wurde Mitarbeiter der Abteilung Reichsbezirke des ZK der KPD. 1946 zunächst leitender Mitarbeiter der KPD-Zonenleitung, später der Arbeitsgemeinschaft im ZS der SED. Ab 1949 Hauptreferent in der Westkommission, nach deren Auflösung Leiter bzw. Mitarbeiter des Kadersektors KPD bzw. des Arbeitsbüros im ZK der SED. Im April 1970 aus dem hauptamtlichen Apparat ausgeschieden, er erhielt 1975 den Karl-Marx-Orden. Walter Hähnel starb am 9. Oktober 1979 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hakenbeck, Harald

* 20.9.1926

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); bis 1944 Mittelschule, Kriegsdienst u. Kriegsgefangenschaft. 1947 – 53 Studium an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee bei  Arno Mohr u.  Bert Heller; 1954 VBK; zeitw. Ltr. der Sekt. Malerei/Grafik des VBK Berlin; 1954 – 57 Mstr.-Schüler bei  Heinrich Ehmsen an der DAK Berlin; dann freischaff.; 1964 Kunstpreis der DDR; 1965 – 68 Doz. für künstler. Gestalten an der EMAU Greifswald; 1974 – 80 Doz. für Malerei an der Kunst-HS Berlin-Weißensee. Werke: Albanisches Mädchen. 1958; Peter im Tierpark. 1961; Anne Frank. 1961; Den Kindern Algeriens. 1962; Fischerhaus auf Hiddensee. 1963.Lang, L.: H. H. Berlin 1963; Hütt, W.: Junge Künstler. Dresden 1965; Horn, U.: Maler u. Werk: H. H. Dresden 1973.Anke Scharnhorst

dissidenten.eu

Hall, Aleksander

* 1953

Historiker, Kopf der *Bewegung Junges Polen, 1982–84 Mitglied der *Solidarność-Führung in Danzig, Aktivist des Klubs für politisches Denken „Dekanat“ und 1988/89 dessen stellvertretender Vorsitzender.Aleksander Hall wurde 1953 in Danzig (Gdańsk) geboren. 1969 bildete er gemeinsam mit einigen Klassenkameraden des I. Allgemeinbildenden Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums eine Gruppe, die antikommunistische Aufschriften anbrachte, Flugblätter verteilte und Plakate der kommunistischen Partei in den Straßen der Dreistadt zerstörte. 1971 widmete sich die Mehrzahl der Gruppenmitglieder – außer Hall waren das Grzegorz Grzelak, Arkadiusz Rybicki und Wojciech Samoliński – dem Selbststudium. Sie standen in dieser Zeit unter der geistlichen Betreuung des Dominikanerpaters Ludwik Wiśniewski und nach dessen Wegzug nach Lublin, des Jesuitenpaters Bronisław Sroka. 1972–77 studierte Hall Geschichte an der Danziger Universität und arbeitete später gelegentlich als Geschichtslehrer und Psychotherapeut. 1976 sammelte Hall im Februar gemeinsam mit Freunden unter Studenten der Danziger und Lubliner Hochschulen Unterschriften für Protestbriefe gegen die geplante Verfassungsänderung und im August gegen den brutalen Milizeinsatz bei der Niederschlagung der Streiks und Demonstrationen in Radom und Ursus. Zu den Initiatoren der Unterschriftenaktion gehörten außer den oben genannten Personen auch Maciej Grzywaczewski, Jan Samsonowicz und Bogdan Borusewicz. Dadurch, dass sie unabhängige Schriften verbreiteten, gerieten sie ins Visier der Staatssicherheit. Ab Frühjahr 1977 war Hall Mitglied der Bewegung zur Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte (Ruch Obrony Praw Człowieka i Obywatela; *ROPCiO). Er war der geistige Schöpfer und ab der ersten Ausgabe im Oktober 1977 auch Redakteur der Zeitschrift „Bratniak“ (Bruderbund), einem Blatt mit national-patriotischer Ausrichtung, das sich vor allem an junge Leser richtete. Hall wurde zu einem der Führer der Danziger Jugendgruppe von *ROPCIO, die erhebliche Autonomie besaß und Leszek Moczulski nahestand. Gleichzeitig beteiligte er sich an der Organisation des *Studentischen Solidaritätskomitees (Studenckie Komitety Solidarności; SKS) in der Dreistadt und sammelte in dessen Namen Unterschriften für Protestbriefe. Die Aktivitäten des *Studentischen Solidaritätskomitees ebbten in Danzig jedoch bald ab. Im Konflikt zwischen Leszek Moczulski und Andrzej Czuma unterstützten die jungen Danziger 1978 Moczulski – unter ihnen auch Hall. 1979 gründeten sie eine eigene unabhängige Organisation, die *Bewegung Junges Polen (Ruch Młodej Polski; RMP). Hall war Mitbegründer und Unterzeichner der „Ideellen Deklaration“ (Deklaracja ideowa) vom 18. August 1979 und anschließend Sprecher der *Bewegung Junges Polen. Er galt als dessen Anführer. Seine Ansichten verbreitete er in zahlreichen Texten, die in „Bratniak“ erschienen und die Positionen der polnischen Rechten verteidigten, vor allem der Vorkriegs-Nationaldemokraten. Dabei forderte er die Opposition auch auf, klare politische Konzepte zu verfassen. Von 1978 an war Aleksander Hall aller Arbeitsmöglichkeiten beraubt und lebte von einem Stipendium der *Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse (Towarzystwo Kursów Naukowych; TKN). Er wurde mehrfach inhaftiert und durch Überfälle auf seine Wohnung bedroht. Am 3. Mai 1980 wurde er von Funktionären der Staatssicherheit zusammengeschlagen, als er zusammen mit Freunden von einer patriotischen Demonstration am Denkmal Jan Sobieskis zurückkehrte. Später organisierte er eine große Flugblattaktion mit, in der die Freilassung der auf dieser Demonstration verhafteten Dariusz Kobdziej (*Bewegung Junges Polen) und Tadeusz Szczudłowski (*ROPCiO) gefordert wurde.Seit Beginn der Streiks auf der Danziger Lenin-Werft im August 1980 war Hall Berater der Streikführer. Er begrüßte das Entstehen der *Solidarność enthusiastisch, schloss sich aber selbst nicht der Gewerkschaft an. Die Führung der *Bewegung Junges Polen forderte er auf, ihre eigene Gruppierung beizubehalten und sich für eine eigene Formation innerhalb der Gewerkschaft zu entscheiden. Im „Bratniak“ unterstützte er die gemäßigten Positionen Lech Wałęsas und rief zum Kompromiss mit der Regierung auf, drang aber gleichzeitig darauf, dass die Opposition ein deutliches politisches und ökonomisches Programm formulieren solle. Sein besonderes Engagement galt dem Komitee zur Verteidigung von Gewissensgefangenen (Komitet Obrony Więzionych na Przekonania), das am 10. Dezember 1980 durch die Landesverständigungskommission der *Solidarność gegründet worden war. Hall gehörte am 27. September 1981 zu den Unterzeichnern der Gründungserklärung der Klubs für den Dienst an der Unabhängigkeit (Kluby Służby Niepodległości), die unter der Führerschaft von Wojciech Ziembiński und Antoni Macierewicz ein radikales Unabhängigkeitsprogramm formulierten, aber er identifizierte sich nicht mit den Zielen dieser Gruppierung. Noch vor Verhängung des *Kriegsrechts erklärte er sich bereit, als Lech Wałęsas Berater zu fungieren, kam aber nicht mehr dazu, diese Aufgabe wahrzunehmen. Als das *Kriegsrecht ausgerufen wurde, entging er in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember dank der Warnung des Staatssicherheitsoffiziers Adam Hodysz, der mit der Opposition zusammenarbeitete, der Verhaftung. Hall versteckte sich in Danzig und gab seine Distanz gegenüber der Gewerkschaftsbewegung auf. Am 6. Mai 1982 gründete er gemeinsam mit Bogdan Borusewicz, Bogdan Lis, Stanisław Jarosz und Marian Świtek im Untergrund die Regionale Koordinationskommission der *Solidarność Danzig (Regionalna Komisja Koordynacyjna NSZZ „Solidarność“ Gdańsk; RKK). Er war an den wichtigsten Entscheidungen über weitere Protestaktionen und Warnstreiks beteiligt. Anfänglich verfolgte er die Taktik, den Widerstand von Gewerkschaftsseite anzufachen, hielt dieses Vorgehen jedoch ab 1983 für unzureichend. Ab Herbst 1982 schrieb Hall Artikel für die „Polityka Polska“ (Polnische Politik), ein Untergrundblatt das den „Bratniak“ als theoretisches Forum der *Bewegung Junges Polen ablöste. In dieser Zeit entstanden seine wichtigsten Texte. Er analysierte darin die Erfolge und Fehler der demokratischen Opposition sowie der *Solidarność, versuchte die Aufgaben einer künftigen polnischen Politik gegenüber der Sowjetunion zu formulieren, setzte die Bemühungen um eine teilweise Rehabilitierung des Denkens des national-demokratischen Vorkriegspolitikers Roman Dmowski fort. Er gehörte dem Redaktionskollegium des Blattes an, das faktisch den Führungskreis der Bewegung Junges Polen bildete. Im Februar 1984 erklärte Hall seinen Rückzug aus der Solidarność-Regionalkommission RKK. Für ihn stand fest, dass die Organisationsform einer nichtlegalen, zentralistisch geführten Gewerkschaft ihren Sinn verloren hatte und durch verschiedene – ebenfalls halblegale – politische, gesellschaftliche und Bildungsinitiativen ersetzt werden solle. Im Untergrund blieb er bis zur Verkündung der Amnestie im Juli 1984 tätig und unterzeichnete auch den geforderten Verzicht oppositioneller Aktivitäten nicht.Nach seiner Rückkehr aus dem Untergrund war er in der Redaktion des von der Warschauer Kurie herausgegebenen „Katholischen Blattes“ tätig und arbeitete mit dem *„Tygodnik Powszechny“ (Allgemeines Wochenblatt) zusammen. Seine Texte verbreitete er auch weiterhin über die Untergrundzeitschrift „Polityka Polska“. Dort propagierte er eine Abschwächung oppositioneller Aktivitäten gegen das kommunistische Regime, um eine stufenweise Evolution des volkspolnischen Systems vom „Parteistaat“ hin zu einem „Nationalstaat“ zu erreichen. Hall engagierte sich im von Stanisław Stomma geleiteten Klub für politisches Denken „Dekanat“ (Klub Myśli Politycznej „Dziekania“), dessen Vorsitzender er 1988/89 war. Trotz der Bemühungen, den Radius der bürgerlichen Freiheiten und des politischen Pluralismus zu verbreitern, lehnte er den durch einen Teil des Kreises um „Dekanat“ eingebrachten Vorschlag ab, bei den staatlich inszenierten Sejm-Wahlen im Juni 1985 katholische Kandidaten aufzustellen. 1985–87 war Hall (gemeinsam mit Grzegorz Grzelak, Lech Kaczyński, Jacek Merkel und Arkadiusz Rybicki) Teil des informellen Beratergremiums von Lech Wałęsa. Seine Distanz gegenüber der Untergrund-*Solidarność nahm allmählich ab. Gemeinsam mit anderen Oppositionellen, die in Warschau auf Einladung Wałęsas versammelt waren, unterschrieb er am 31. Mai eine Erklärung, in der grundlegende Ziele der Opposition vorgestellt wurden. Im Mai und August 1988 unterstützte er – ähnlich wie andere Danziger Aktivisten der *Bewegung Junges Polen – die beiden Streiks in der Danziger Werft. Damals befand er sich in einem immer deutlicheren ideellen Streit mit den sogenannten Posenern (Marek Jurek, Krzysztof Nowak, Marian Piłka). Während diese zur Schaffung einer nationalkatholischen Massenpartei auf der Grundlage der *Bewegung Junges Polen drängten, sprach sich Hall, unterstützt durch die Mehrzahl der Danziger, für die Zurückstellung der eigenen Ideen und für die Beteiligung der Rechten an einer breiten Oppositionsbewegung aus, die die Kreise des ehemaligen Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (Komitet Samoobrony Społecznej; *KSS „KOR“) und die Gewerkschaften umfasste. Auf dem ersten „halblegalen“ Kongress der *Bewegung Junges Polen im September 1988 in Buraków vor den Toren Warschaus setzte sich die Linie Halls durch. Im Dezember 1988 trat Hall in das Bürgerkomitee beim *Solidarność-Vorsitz ein und unterstützte die Idee eines *Runden Tisches. Er nahm an den Plenarversammlungen und den Verhandlungen der Arbeitsgruppe für politische Reformen teil, die vom 6. Februar bis zum 5. April 1989 tagten. Als im März 1989 über die Aufstellung von Kandidaten der *Solidarność für die Sejm-Wahlen entschieden wurde, forderte er die Öffnung der Liste auch für Mitglieder von Oppositionsgruppen, die im Konflikt mit der Solidarność-Führung standen (so zum Beispiel die Arbeitsgruppe der Landeskommission). Als sein Konzept zurückgewiesen wurde, entschied er sich, nicht für das Parlament zu kandidieren. Im September 1989 wurde Hall Mitglied der Regierung Tadeusz Mazowiecki, als Minister für Beziehungen zu politischen Parteien. Diese Funktion übte er bis 1991 aus. 1991–93 und 1997–2001 war Hall Parlamentsabgeordneter, 1991/92 stellvertretender Vorsitzender der Partei Demokratische Union (Unia Demokratyczna) und 1992–97 Vorsitzender der Konservativen Partei (Partia Konserwatywna). Ab 1997 engagierte sich Hall in der „Konservativen Volkspartei“ (Stronnictwo Konserwatywno-Ludowy), wo er das Amt des Vorsitzenden des Politischen Rates bekleidete. 1997–2001 war er Vizepräsident des Wahlbündnisses Wahlaktion Solidarność (Akcja Wyborcza Solidarność; AWS), im Jahre 2000 gründete er die liberal-konservative Bürgerplattform (Platforma Obywatelska; PO) mit, von der er sich heute distanziert. Nach den Wahlen von 2001 zog sich Aleksander Hall aus der aktiven Politik zurück und widmete sich der wissenschaftlichen Arbeit. Er ist Dozent an der Hochschule für Informatik und Verwaltungswesen in Rzeszów sowie an der Europäischen Józef-Tischner-Hochschule in Krakau.Piotr Zaremba Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 09/15

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Hallmeyer, Rudolf

* 3.2.1908 – ✝ 5.8.1943

Geboren am 3. Februar 1908 in Plauen/Vogtland, Sohn eines Buchdruckers; wurde Rohrleger. 1924 Mitglied der kommunistischen Jugend, 1931 der KPD. 1932 wurde er Stadtverordneter in Plauen. Im März 1933 flüchtete Hallmeyer aus Plauen und lebte illegal in Meerane. Instrukteur der KPD-BL Sachsen. Er emigrierte im April 1934 in die âSR, reiste als KJVD-Instrukteur nach Magdeburg und Hannover. Im September 1935 nahm Hallmeyer am VI. Weltkongreß der KJI in Moskau teil und besuchte anschließend die Internationale Leninschule. Ende 1937 ging er nach Prag und mußte im Laufe des Jahres 1938 öfter illegal nach Berlin, kam Ende 1938 nach Göteborg, wo er in der KPD-AL arbeitete und mehrmals zu illegalen Einsätzen nach Deutschland fuhr. Im Frühjahr 1940 sollte Hallmeyer im Reich am Aufbau einer KPD-Inlandsleitung mithelfen. Durch die Kriegsereignisse gelangte er erst Ende Juni 1940 über Stettin nach Berlin, wo ihm Robert Uhrig ein illegales Quartier besorgte, doch sein vorgesehener Anlaufpartner Willi Gall war bereits verhaftet. Nach Kontaktaufnahme zu früheren Genossen in Magdeburg, Halle und Dresden wurde er am 24.August 1940 in Berlin festgenommen. Rudolf Hallmeyer wurde am 5.August 1943 vom VGH zum Tode verurteilt und am 8.September 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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Hamann, Alfred

* 21.9.1882 – ✝ 29.8.1947

Geboren am 21. September 1882 im Kreis Jauer; lernte Stellmacher und war mehrere Jahre in diesem Beruf tätig. 1905 wanderte er nach Südamerika aus, wo er als Gaucho Beschäftigung fand. Nach Kriegsausbruch Rückkehr nach Deutschland. Als Soldat an der Front, dann Rüstungsarbeiter. Mitglied der SPD, 1917 USPD, ging 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. 1921 Kreistagsabgeordneter der KPD im Kreis Goldberg-Haynau, war Delegierter des VII. und VIII. KPD-Parteitages (1921 und 1923), vom VIII. Parteitag in die Gewerkschaftskommission gewählt, Orgleiter der KPD-BL Schlesien. Nachdem er 1924 zum linken Parteiflügel übergeschwenkt war, wurde Hamann Polleiter in Schlesien sowie von Mai bis Dezember 1924 Reichstagsabgeordneter. Als es der Polizei in Schlesien 1924/25 immer wieder gelang, führende Funktionäre, die die KPD-Zentrale nach Breslau geschickt hatte, zu verhaften, verdichtete sich der Verdacht, Hamann sei ein Polizeispitzel. Mit Hilfe eines höheren Polizeioffiziers in Liegnitz, der mit der KPD sympathisierte, wurde Hamann eine Falle gestellt. Dabei kam heraus, daß er seit 1923 für die Polizei tätig war. Wegen angeblicher intimer Beziehungen mit seiner Tochter war er von der Polizei 1923 festgenommen worden. Um diese Verfehlung zu vertuschen, hatte er das Angebot der Polizei, für sie als Agent zu arbeiten, angenommen. Hamann wurde nach der Entlarvung 1925 aus der KPD ausgeschlossen. Er verschwand aus der Politik, siedelte später nach Thüringen über und beantragte dort im Frühjahr 1932 seine Aufnahme in die KPD. Das ZK-Sekretariat teilte der BL am 10. Juni 1932 mit, da Hamann bereits vor Jahren als Polizeispitzel ausgeschlossen wurde, komme eine Wiederaufnahme nicht in Frage. 1933 kurzzeitig »Schutzhaft«. Im August 1944 als ehemaliger KPD-Reichstagsabgeordneter verhaftet und ins KZ Buchenwald eingeliefert. Im Mai 1945 befreit, wurde er 1945 Bürgermeister der Gemeinde Dorndorf/Rhön in der SBZ. Alfred Hamann starb am 29. August 1947 in Dorndorf/ Rhön.

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Häbich, Walter

* 15.10.1904 – ✝ 30.6.1934

Geboren als Sohn eines Mechanikers am 15. Oktober 1904 in Botnang (Stuttgart); lernte von 1918 bis 1921 Bandagist und war von 1923 bis 1925 Metallarbeiter. 1920 Mitglied des KJD, 1921 Vorsitzender einer Ortsgruppe, seit 1922 von Groß-Stuttgart. Häbich schloß sich 1923 auch der KPD an. Er kam im Herbst 1923 in »Schutzhaft« und wurde 1924 wegen seiner Tätigkeit bei den Aufstandsvorbereitungen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Von Januar bis August 1925 verbüßte er einen Teil der Strafe, der Rest wurde ihm erlassen. 1925 Leiter des KJVD Württemberg und hauptamtlicher Funktionär. Im Dezember 1925 unternahm Häbich eine Reise durch die Sowjetunion. Danach 1926 Leiter des KJVD Bezirks Wasserkante, außerdem von 1926 bis 1928 Mitglied der KPD-BL Wasserkante. 1928 Kursant an einer Parteischule in Moskau. Häbich arbeitete im KJVD als Leo, war eng mit Ernst Thälmann verbunden und wurde von diesem nach der Wittorf-Affäre nach Berlin geholt. Hier wurde Häbich Ende 1928 anstelle Konrad Blenkles Vorsitzender des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands. Als Führer des KJVD auf dem XII. KPD-Parteitag 1929 zum Mitglied des ZK gewählt, aber bereits Mitte 1929 als KJVD-Vorsitzender und ZK-Mitglied von Kurt Müller abgelöst. Im November 1929 kam er als Redakteur zum »Klassenkampf« nach Halle und 1930 zum KPD-Organ »Neue Zeitung« nach München. Dort im Januar 1932 als verantwortlicher Redakteur zu anderthalb Jahren Festung verurteilt, Weihnachten 1932 amnestiert, lebte er wieder in München. Wegen illegaler Arbeit für die KPD im September 1933 verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Dort wurde Walter Häbich am 30.Juni 1934 von der SS ermordet. Die Nachricht vom Tode ihres Sohnes erhielt seine Mutter erst vier Monate später.

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Hadermann, Ernst

* 22.5.1896 – ✝ 2.1.1968

Geb. in Schlüchtern (Hessen); Vater Mühlenbesitzer; 1902 – 11 Volks- u. Lateinschule in Schlüchtern, 1911 – 14 Gymnasium in Fulda, Abitur; 1914 – 18 Militärdienst (Ltn.); 1919 – 24 Studium Germanistik, Geschichte, Philosophie u. Romanistik an den Univ. Frankfurt (Main), Heidelberg, Berlin u. Marburg; Febr. – Herbst 1920 USPD; Juni 1923 Prom. zum Dr. phil.; 1924 St.-Ex. für das höhere Lehramt in Marburg; 1924/25 Studienreferendar, 1926 – 30 Studienassessor in Marburg; 1930 – 39 Studienrat in Kassel; Mai 1937 NSDAP; 1939 – 41 Wehrmacht (Hptm.); Juni 1941 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft; Mai 1942 erster Aufruf an dt. Offz. zur Beendigung des Krieges, Juni 1942 Verf. der Broschüre »Wie ist der Krieg zu beenden?«; Juli 1943 Mitbegründer des NKFD, Mitgl. von dessen geschäftsf. Aussch.; Mitarb. der Ztg. »Freies Dtl.«; 1943 propagandist. Einsätze im Kessel von Stalingrad; Mitgl. der Radio-Red., Verf. u. Sprecher zahlr. pol. Wochenbetrachtungen u. Kultursendungen; Febr. 1944 im Kessel von Kursan Aufruf zur Kapitulation. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Aug. 1945 stellv. Ltr., später Ltr. der Schulabt. in der Dt. ZV für Volksbildung; 1948 – 50 SED; 1948 –55 Prof. mit Lehrstuhl für Dt. Lit.-Geschichte an der Brandenb. Landes-HS u. späteren PH Potsdam, bis 1950 Dekan der PH Potsdam; 1955 –62 Prof. mit Lehrstuhl für Neuere Dt. Lit.-Geschichte an der MLU Halle, Dir. des dortigen Germanist. Inst.; 1956 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1961 VVO; Sept. 1962 em.; 1965 VVO; gest. in Halle.Ein guter Deutscher: Eine Mahnung an das westdt. Bürgertum. Berlin 1968. Finker, K.: Prof. Dr. E. H. – Ein dt. Humanist. Fs. Potsdam 1996.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hageman, Karl

* 26.5.1891 – ✝ 26.1.1972

Geb. in Wilna (Rußland/Vilnius, Litauen); Vater Musiker; Volks- u. Mittelschule; 1904 – 09 Ausbildung zum Buchbinder; 1905 SAJ; 1907 SPD; 1909 Lehrgang an der Akad. für Graph. Künste in Leipzig, danach auf Wanderschaft; 1910 – 14 Angest. in der Leipziger Spamerschen Buchbinderei; 1915 – 18 Militärdienst, Mitgl. des Soldatenrats von Luzk (Ukraine); 1919 Rückkehr nach Leipzig; KPD; 1919 – 21 erneut in o. g. Buchbinderei tätig; 1920 Verurteilung durch das Landesgericht Dresden wegen »Beihilfe zum Hochverrat« (Teiln. am mitteldt. Aufstand) zu 18 Mon. Gefängnis, Haft in Bautzen; vorzeitige Entlassung durch Amnestie; 1921 – 24 Sachbearb. in der Abt. Kniga der Russ. Handelsvertr.; 1924 – 28 Vertreter einer Berliner Großbuchbinderei; 1928 – 45 Teilhaber u. Geschäftsf. einer Berliner Buchgewerbefirma; 1943/44 illeg. pol. Arbeit, Mitgl. der Gruppe Schmidt u. Sass, 1944/45 der Gruppe Riemenschneider in Berlin. 1945 – 56 Ltr. des Lehrbuchverlags Volk u. Wissen; 1946 SED; 1950 – 54 Mitgl. des Vorst. des Börsenvereins Dt. Buchhändler; 1956 – 61 stellv. Kulturmin. der DDR; ab 1961 Ehrenpensionär des Min.-Rats; 1950 NP; 1971 VVO.Elke Reuter

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Hager, (Leonhard) Kurt

* 24.7.1912 – ✝ 18.9.1998

Geb. in Bietigheim (Enz); Vater Diener u. Arbeiter; Stiefvater Hilfsarb.; Mutter Putzfrau; 1920 – 31 Volks- u. Oberrealschule in Stuttgart, Abitur; Mitgl. des CVJM u. des Soz. Schülerbunds; 1929 KJVD u. 1930 KPD Stuttgart; 1931 arbeitslos; 1932 Mitgl. des RFB u. deren BL Württemberg (»Leo«); Mitarb. der Abt. Agit.-Prop. der KPD-BL Württemberg; journalist. Tätigkeit; kurzz. Volontär in der dt.-russ. Ölvertriebsgesellschaft DEROP in Stuttgart; Febr. 1933 wirkte er an der Störung der ersten Rede Hitlers im Rundfunk mit (»Kabelattentat«); 1.3.1933 in Stuttgart verhaftet, Haft im KZ Heuberg; 1934 in die Schweiz (Basel); 1934/35 Kurier des ZK des KJVD in der Schweiz u. der ČSR (»Leo« u. »Georg«); 1935/36 Oberberater des KJVD in Berlin u. Norddtl.; 1936 in der Schweiz (Zürich) inhaftiert; dann Grenzarbeit an der frz.-schweizer. Grenze für den KJVD u. die KPD; 1936 in Paris; 1937 – 39 Teiln. am span. Bürgerkrieg; Red. des Dt. Freiheitssenders 29,8 in Valencia, 1937 – 39 verantw. Ltr. des Auslandsprogramms von Radio Madrid; 1938 zugleich KJVD-Vertreter bei der Vereinigten Soz. Jugend Spaniens; in Abwesenheit von einem dt. Gericht zu einer Zuchthausstrafe verurteilt; 1939 in Frankreich, dort interniert (Lager Argelés, Gurs); dort Mitgl. der KPD-Ltg.; 1939 Exil in Großbritannien, unterstützt vom Czech Refugee Trust Fund; 1939/40 Pol.-Sekr. bzw. Pol.-Ltr. der KPD-Auslandsorg. in Großbritannien; Mitgl. des Vorst. u. dessen Arbeitsaussch. der Freien Dt. Bew.; 1940/41 interniert im Lager Huyton (b. Liverpool), dann Isle of Man; 1941 – 46 Forstarb., ab 1943 Schweißer u. journalist. Tätigkeit in England (»Felix Albin«); Mitgl. der Emigr.-Ltg. der KPD; Mitgl. der FDJ in Großbritannien; Mitarb. u. ab Juni 1945 Chefred. der Ztschr. »Freie Tribüne« (London); 1944 – 46 Pol.-Ltr. der KPD-Gruppe in Großbritannien. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Mitarb., 1947/48 stellv. Chefred. des »Vorwärts. Berliner Volksblatt«; Jan. 1948 durch das ZS der SED für wiss. Arbeit u. Ausbildung freigestellt; 1948 Teiln. am Dozentenlehrgang an der PHS in Kleinmachnow; 1949 – 52 Ltr. der Abt. Parteischulung u. -prop., ab 1952 Ltr. der Abt. Wiss. u. HS im PV bzw. ZK der SED; 1949 ord. Prof. für Philos. (Dial. u. hist. Materialismus) an der HU Berlin; 1950 Kand. des ZK, 1954 Mitgl. u. ab 1955 Sekr. des ZK der SED, verantw. für Wiss., ab Okt. 1957 für Volksbildung (Nachf. von Paul Wandel), ab 1960 Gesundheitspol., ab Jan. 1963 für Kultur; 1958 – 63 Kand., ab 1963 Mitgl. des PB u. Ltr. der Ideolog. Kommission beim PB; 1958 Abg. der Volkskammer, ab 1967 Vors. ihres Aussch. für Volksbildung; seit 1966 Mitgl. des Präs. des Forschungsrats; 1956 Hans-Beimler-Medaille; 1962 Banner der Arbeit; 1964 VVO; 1969 Held der Arbeit; 1972, 1977 u. 1982 KMO; 1976 – 89 Mitgl. des Staatsrats; 1978 Dr. rer. nat. h. c.; 1979 – 89 Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats der DDR; Nov. 1989 aus dem PB des ZK der SED, dem Staatsrat u. a. Funktionen ausgeschieden; Jan. 1990 Ausschl. aus der SED-PDS; Rentner; im Verfahren gegen ehem. PB-Mitgl. wegen »Totschlags an der Mauer« wurde angesichts seines Gesundheitszustands von einer Strafverfolgung abgesehen; DKP; gest. in Berlin.Der dial. Materialismus – die theoret. Grundlage der Pol. der SED. Berlin 1958; Humanismus u. Wiss. Berlin 1961; Zur Theorie u. Pol. des Soz. Reden u. Aufsätze. Berlin 1972; Soz. u. wiss.-techn. Rev. Berlin 1972; Wiss. u. Technologie im Soz. Berlin 1974; Die Ges.-Wiss. vor neuen Aufgaben. Berlin 1981; Beiträge zur Kulturpol. Berlin 1981; Kontinuität u. Veränderung. Berlin 1988; Erinnerungen. Leipzig 1996. Bohn, W.: Stuttgart: Geheim. Frankfurt (Main) 1970; Röder, W.: Die dt. soz. Exilgr. in Großbritannien 1940 – 1945. Bonn, Bad Godesberg 1973; Hering, S., Lützenkirchen, H.-G. (Hrsg.): Anderswerden. Die Anfänge der pol. Erwachsenenbildung in der DDR. Berlin 1995.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Hahn, Heinz

* 27.3.1929

Geb. in Wintersause (Krs. Westhavelland); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; kaufm. Lehre u. Arbeit als Verkäufer in Neustrelitz; März 1945 RAD. 1948 / 49 Verkäufer beim Kreiskonsum Neustrelitz, 1949 – 53 Verkaufsstellenltr., stellv. Lagerltr. u. Einkäufer bei der Konsumgenossensch. Neustrelitz; 1953 Vorstandsmitgl. der Konsumgenossensch. Strasburg, 1953 – 57 Vorstandsmitgl. bzw. Vors. der Konsumgenossensch. Neubrandenb.; 1956 SED; 1957 / 58 Lehrgang an der SED-BPS Neubrandenb.; 1958 – 60 Vorstandsmitgl. des Bezirksvorst. der Konsumgenossenschaft Neubrandenburg; 1960 – 62 Abt.-Ltr. Handel u. Versorgung beim Rat des Bez. Neubrandenb.; 1962 – 65 Stud. an der PHS der SED, Diplomgesellschaftswiss.; 1965 – 67 Dir. des HO-Kreisbetriebs Neubrandenb.; 1967 / 68 Stellv. des Vors. für Handel u. Versorgung des Rats des Krs. Neubrandenburg; Juli 1968 Bürgermstr., ab Jan. 1969 – Mai 1990 OB von Neubrandenburg (Nachf. von Ilse Schweinberger); 1984 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1989 VVO. 1990 – 96 Berater für die Mecklenburgische Versicherungsgesell. Hannover.Andreas Herbst

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Hahn, Karl

* 26.2.1899 – ✝ 7.11.1960

Geb. in Ulm; dort 1917 Abitur; anschl. Maschinenbaustudium an der TH München, 1922 Dipl.-Ing.; 1922 – 28 Industrietätigkeit; 1928 – 33 Ass. an der TH Karlsruhe, dort 1939 Prom. mit der Arbeit »Die Untersuchung der Strömung durch eine Flügelradturbine«; 1934 Prof. an der Tungchi Univ. Wusung (China); 1939 – 45 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Strömungsmaschinen u. Strömungslehre an der TH Dresden, dort 1944 – 45 Dekan der Fak. für Maschinenwesen. Mai – Aug. 1945 kommissar. Rektor der TH Dresden (Nachf. von Wilhelm Jost); nach Entlassung aus der TH 1946 – 54 Chefkonstrukteur im Industrie- u. Kraftwerksbau; ab 1953 Lehrtätigkeit an der TH München, dort ab 1954 ord. Prof. u. Dir. des Hydraul. Inst.; 1957 / 58 Gastprof. an der TU Istanbul (Türkei); gest. in München. Arbeitsgebiet: Theorie von Turbomaschinen wie Wasserkraftturbinen u. Kreiselpumpen.Dieter Hoffmann

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Hahne, Ruthild

* 19.12.1910 – ✝ 1.9.2001

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; 1917 – 27 Städt. Lyzeum in Berlin-Neukölln; 1927 – 29 Ausbildung zur Gymnastik- u. orthopäd. Turnlehrerin an der Univ.-Klinik Berlin; bis 1936 Turnlehrerin; 1930 Kunstgewerbeschule in Berlin; Arbeitertanzgr. »Rote Tänzer«; 1931 – 33 Auftritte bei KPD-Veranstaltungen; 1933 Teiln. an der 1. Rev. Theaterolympiade in Moskau; 1936 – 40 Studium an der HS für Bildende Kunst in Berlin; seit 1938 Angehör. der Spionageorg. »Rote Kapelle«; 1940/41 Aufenthalt in Rom; 1941/42 Mstr.-Schülerin; Mitarb. an der illeg. Schrift »Die innere Front«; 21.10.1942 verhaftet u. am 21.8.1943 vom VGH wegen illeg. Tätigkeit zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt; 19.2.1945 Flucht aus dem Frauengefängnis Cottbus zur Roten Armee. Juni 1945 Rückkehr nach Berlin; 1945/46 KPD/SED; 1946 – 50 Doz. für Bildhauerei an der HS für Bildende u. Angewandte Kunst in Berlin; ab 1947 Mitgl. des Vorstands des VBK; ab 1950 freischaff.; 1955 u. 1971 VVO; ab 1964 Mitgl. des Bundesvorstands des DFD. Werke: Wladimir I. Lenin. 1948; Ernst Thälmann. 1948; Karl Liebknecht. 1950;  Wilhelm Pieck. 1960;  Walter Ulbricht. 1963;  Bruno Apitz. 1966; Kurt Stern. 1968.Plastik, Pressezeichnung. Berlin 1978 (zus. mit E. Jazdewski). Fidorra, J., Müller, K. B.: R. H. Geschichte einer Bildhauerin. Berlin 1995.Helmut Müller-Enbergs

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Hahnemann, Helga

* 8.9.1937 – ✝ 20.11.1991

Geb. in Berlin; Abitur; 1956 – 59 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin; 1959 – 62 am Leipziger Kabarett »Die Pfeffermühle«; ab 1962 freischaff. Schauspielerin in Berlin; Rundfunk-, Fernseh- u. Synchron-Arbeit, im DFF u. a. in der Satire-Sendung »Tele-BZ«; ab 1969 im Schauspielerensemble des DFF; ab 1974 Zusammenarbeit mit der Textautorin Angela Gentzmer; 1977 erstes Soloprogramm: »Helgas Fitparade«, 1983 u. 1989 eigene Shows im Palast der Rep., 1984, 1987 u. 1990 Auftritte in Programmen des Friedrichstadtpalasts Berlin; 1987 NP; ab 1988 Gastspiele in Berlin (West), u. a. im Kabarett »Wühlmäuse« u. im ICC; 1978 – 91 im Berliner Rundfunk »Helgas Top(p)-Musike«; im DFF unter demselben Titel drei Shows, viermal Moderation der Fernseh-Show »Ein Kessel Buntes«; seit 1980 »Fernsehliebling«; ab 1984 Zusammenarbeit mit dem Komponisten  Arndt Bause (»Jetzt kommt dein Süßer«, »Wo ist mein Geld«, »Hundertmal Berlin« – alle Texte: Angela Gentzmer); drei LP; gest. in Berlin. Seit. 1995 jährl. Vergabe des nach H. (Spitzname »Henne«) benannten Publikumspreises »Goldene Henne«; 2003 Einweihung der H.-H.-Straße in Berlin-Mitte; 2004 DVD »H. H. – Die besten Sketche« (I. u. II.).Mensch, wo sind wir bloß hinjeraten! Erinnerungen. Berlin 1993. Gentzmer, A.: Wie’n kleenet Menschenkind. Berlin 1994; Dies.: Das dicke H. H.-Buch. Berlin 2006.Bernhard Hönig

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Halbe (Lang), Erna

* 30.6.1892 – ✝ 18.5.1983

Geboren am 30. Juni 1892 in Hamburg, Tochter von Ernst Demuth, Mitglied des Hauptverbandes der Kürschner-Gewerkschaft und SPD-Funktionär, der 1912 starb. Erna Demuth erhielt ihre Ausbildung als Kindergärtnerin am Hamburger Fröbelhaus und war dann fünf Jahre in diesem Beruf tätig. 1907 Mitglied des Hamburger Jugendbundes, 1910 der SPD, aus der sie wegen ihrer oppositionellen Haltung gegen die Kriegskreditbewilligung im Jahre 1916 ausgeschlossen wurde. Während des Krieges gehörte sie zu den aktiven Funktionären der Hamburger Linksradikalen. Da sie revolutionäre Flugblätter her- stellte und verbreitete, am 27. März 1918 wegen angeblichen »Landesverrats« zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihr Mann Max Halbe – Funktionär im Handlungsgehilfen-Verband, der ebenfalls 1916 aus der SPD ausgeschlossen wurde – kam im März 1918 schwerverwundet in ein Lazarett, in dem er im Juni 1918 starb. Durch die Revolution befreit, gehörte Erna Halbe zu den Mitbegründern der KPD in Hamburg und war bis April 1919 die einzige Frau in dem unter Führung der Linksradikalen stehenden 30köpfigen Arbeiter- und Soldatenrat. 1920 Frauensekretärin in der KPD-BL Wasserkante. Im November 1921 ging sie nach Magdeburg und wurde Polleiter im KPD-Bezirk Magdeburg-Anhalt. Delegierte des VIII. Parteitags 1923 und in die Gewerkschaftskommission gewählt. In jener Zeit stand sie auf dem linken Flügel der Partei. Nach der Übernahme der Parteiführung durch die Linken kam sie 1924 als Leiterin der Frauenabteilung in die Zentrale der KPD nach Berlin. Die Praktiken der Linken führten zu einer Entfremdung von dieser Gruppe. Mitte 1927 schied sie aus der Frauenabteilung aus. Auf dem XI. Parteitag 1927 noch in die Orgkommission gewählt, übernahm sie die Leitung eines Kinderheimes der RHD in Elgersburg/Thüringen. Sie gehörte nun der rechten Opposition in der KPD an. Als Anhängerin der Rechten wurde sie Anfang 1929 aus der Partei ausgeschlossen, verlor auch ihre Arbeit und verdiente sich von 1930 bis 1932 als Staubsaugervertreterin ihren Lebensunterhalt. Erna Halbe wurde Mitglied der KPO-Reichsleitung und 1932 der SAP. 1933 war sie einige Monate inhaftiert, arbeitete dann noch ein Jahr illegal weiter, bis es im Sommer 1934 zahlreiche Verhaftungen in ihrer Gruppe gab. Sie emigrierte nach Prag, setzte von dort aus die illegale Tätigkeit nach Deutschland fort. Durch die Festnahmen mehrerer Freunde in Berlin erhielt die Gestapo Kenntnis davon und verlangte von der tschechischen Regierung Erna Halbes Auslieferung. Das wurde zwar abgelehnt, aber sie dennoch »gebeten«, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. So kam Erna Halbe nach Frankreich, wo sie – wie alle deutschen Emigrantinnen – im Mai 1940 im Lager Gurs interniert wurde. Ende 1940 traf sie mit ihrem Mann – Joseph Lang (* 5. 4. 1902) –, der 1929 ebenfalls aus der KPD ausgeschlossen worden war und emigrieren mußte, in den USA ein. Nach dem Krieg unterstützten sie von dort aus viele ihrer Genossen in Deutschland. Ende 1950 kehrten beide nach Deutschland zurück. Erna Halbe-Lang wurde im Januar 1951 Mitglied der SPD und lebte in Frankfurt/M., wo sie am 18.Mai 1983 starb. Ihr Mann Joseph leitete seit 1952 die Buchhandlung des Bund-Verlages im Frankfurter Gewerkschaftshaus und spielte in der Frankfurter und in der südhessischen SPD eine maßgebliche Rolle. Joseph Lang starb am 10. September 1973.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Halle, Felix

* 1.5.1884 – ✝ 5.8.1937

Am 1. Mai 1884 in Berlin-Tiergarten geboren, Sohn eines jüdischen Kaufmanns. 1902 bis 1905 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, Promotion. Nach Beendigung seines Studiums lebte er in Berlin als Schriftsteller und gründete 1913 den Neuen Deutschen Verlag, den er 1924 Willi Münzenberg verkaufte. 1912 hatte er sich der SPD angeschlossen, während des Krieges trat er 1917 zur USPD über, für die er nach Gründung des Pressedienstes juristischer Mitarbeiter wurde. Im November 1918 durch die Volksbeauftragten für Kultur Adolph Hoffmann (USPD) und Konrad Haenisch (SPD) Berufung zum Professor an die juristische Fakultät der Berliner Universität, an der er jedoch nur kurz lehrte. Halle, der dem linken Flügel der USPD angehörte und für die Vereinigung mit der KPD eintrat, reiste Ende 1920 nach Sowjetrußland und arbeitete bis April 1921 als Mitglied des Wissenschaftskollegiums beim Volkskommissariat für Justiz. Im Frühjahr 1921 kehrte Halle nach Deutschland zurück und wurde Hauptberater der KPD in juristischen Fragen, von 1922 bis 1926 war er Syndikus der Juristischen Zentralstelle der kommunistischen Reichstags- und Landtagsfraktion. 1927 leitete er zugleich die Juristische Zentralstelle der Roten Hilfe. Halle verfaßte mehrere Schriften, darunter »Wie verteidigt sich der Proletarier in politischen Strafsachen vor Polizei, Staatsanwaltschaft und vor Gericht« und wurde zum wichtigsten theoretischen Mitarbeiter der RHD. Da er dem Staatsgerichtshof angehörte, führte er zähe Verhandlungen mit den Justizministern der Weimarer Kabinette, wie Eugen Schiffer und Gustav Radbruch. Auch in seiner eigenen Partei hatte er Probleme, soll innerhalb der Juristischen Zentralstelle antisemitischen Ausfällen ausgesetzt gewesen sein. Halles Bemühungen um ein Reichstagsmandat schlugen fehl. In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde er verhaftet, aber Ende März entlassen. Am 2. April 1933 emigrierte er mit seiner Ehefrau Ruth über Prag nach Paris, 1934 nach Moskau, wo Halle am Institut für Kriminalistik arbeitete. Im Januar 1935 in die Schweiz entsandt, um im Auftrag der Komintern die Auslieferung Heinz Neumanns an NS-Deutschland zu verhindern. Als die Komintern 1936 eine unter Leitung von Bela Kun stehende Kommission zur Verteidigung Ernst Thälmanns bildete, fuhr er nach Paris, um unter dem Dach des von Willi Münzenberg geleiteten »Thälmann-Komitees« die juristische Vorbereitung der Verteidigung Ernst Thälmanns zu koordinieren. Der 1936/37 von Halle erarbeitete »Bericht über die Anklageschrift des Reichsanwalts in Sachen des Genossen Ernst Thälmann« sowie seine »Bemerkungen zur Taktik der Verteidigung« fanden zunächst die ungeteilte Zustimmung der »Kun-Kommission« sowie der KPD-Führer in Paris und Moskau. Am 3. März 1936 von der Hitler-Regierung ausgebürgert, reiste Felix Halle mit seiner Frau Anfang 1937 mit einem Paß, der ihn als den Schweizer Staatsangehörigen Otto Wiess legitimierte, erneut in die Sowjetunion. Wilhelm Florin hatte zuvor jedoch schon handschriftlich vermerkt: »Vorsichtig betrachten, da Halle als Feind entlarvt ist.« Am 5.August 1937 wurde er vom NKWD verhaftet und am 25.August aus der KPD ausgeschlossen. Babette Gross, die Lebensgefährtin Willi Münzenbergs, hat überliefert, daß Mitgefangene im Moskauer Butyrka-Gefängnis Felix Halle aufforderten, nun eine Broschüre zu schreiben, wie sich ein deutscher Proletarier vor dem sowjetischen Gericht zu verteidigen hätte. Bereits nach dreimonatiger Haft vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR wegen »Teilnahme an einer konterrevolutionären trotzkistischen Verschwörung« angeklagt und am 1. November 1937 zum Tode verurteilt. Felix Halle wurde am 3. November 1937 in Butowo, in der Nähe von Moskau, erschossen. Seine Frau Ruth (* 15. 1. 1886), geborene Kamvich, hatte sich völlig verzweifelt bereits am 11. Oktober 1937 das Leben genommen. Über Felix Halle erschien 1997 von Josef Schwarz die Schrift: »Zu Unrecht vergessen«.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hallwass, Rudolf

* 8.10.1896

Geboren am 8. Oktober 1896 in Waldersee/Krs. Ortelsburg in Ostpreußen. Bis 1930 Maschinist in Gelsenkirchen bei Mannesmann, unterbrochen durch den Militärdienst im Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918. Seit 1924 in der KPD, war aktiv in der Arbeitersportbewegung und leitete ab 1926 den ATSB in Gelsenkirchen. Nach Spaltung der Arbeitersportbewegung Funktionär in der kommunistischen »Interessengemeinschaft zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport«. Im Februar 1932 kam Hallwass nach Berlin, war zunächst Organisationsleiter, zuletzt Reichsleiter der illegalen Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit. Reichsleiter Hallwass wurde am 9. Oktober 1933 festgenommen und am 6. Dezember 1934 vom VGH zusammen mit Bernhard Almstadt, Helene Riebe u. a. verurteilt. Hallwass erhielt drei Jahre, Almstadt zwei Jahre Zuchthaus, Helene Riebe eine Gefängnisstrafe von eineinhalb Jahren. Der weitere Lebensweg von Rudolf Hallwass war nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Hamann, Karl

* 4.3.1903 – ✝ 16.6.1973

Geb. in Hildesheim; 1922 – 27 Studium der Agrarwiss. in Hohenheim, Bonn u. Berlin, Dipl.-Landwirt; ab 1926 Ltr. von Arbeitsämtern in Schwerte, Hörde u. Dortmund, 1931 einer Siedlungsgenossenschaft in Thür.; Mitgl. der SPD; 1933 Prom. zum Dr. agr. an der Univ. Bonn; ab 1935 selbst. Landwirt in Hildburghausen (Thür.). 1945 dort Mitbegr. der LDPD; Ltr. des Landw.-Amts Hildburghausen; Mitgl. der Beratenden Landesvers.; 1945 – 52 LV der LDP Thür., 1948 – 52 Landesvors.; 1946 – 50 Abg. des Thür. Landtags, Ausschußvors.; 1946 – 52 Mitgl. des PV der LDPD, Okt. 1948 dessen Geschäftsf.; 1947 Vors. des Aussch. für Landw.; Febr. 1949 – Dez. 1952 Ko-Vors. der LDPD (mit  Hermann Kastner, dann  Hans Loch); 1948/49 Mitgl. der DWK; 1949 Mitgl. des Sekr. des Präs. des Dt. Volksrats; ab Okt. 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer u. Min. für Handel u. Versorgung; Dez. 1952 verhaftet, weil er angebl. die »planmäßige Versorgung der Bevölkerung sabotiert« habe; bis Mai 1954 in der zentralen U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert, aller Funktionen enthoben u. aus der LDPD ausgeschl.; am 24.5.1954 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt; Okt. 1956 begnadigt u. aus der Haft entlassen; Mai 1957 Flucht in die Bundesrep. Dtl.; gest. in München. Mai 1990 vom Bund Freier Demokraten pol., Aug. 1991 vom LG Berlin jur. rehabil.; Liberale Stiftung zur pol. Bildung im Land Brandenb. nach ihm benannt.Der Arbeitsmarkt in der westf. Landwirtsch. Gelnhausen 1934; Die Aufgaben für Einheit u. Frieden. Dresden 1951. Kowalczuk, I.-S.: Opfer der eigenen Politik? Zu den Hintergründen der Verurteilung von Minister K. H. In: Jahrbuch für Liberalismusforschung (2004) 16.Helmut Müller-Enbergs