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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Hass, Karl Dieter

* 23.10.1934 – ✝ 11.7.1996

Geb. in Brandenburg; Vater Schlosser; Besuch der Volksschulen in Wusterwitz u. Genthin, OS in Genthin, 1953 Abitur; anschl. Studium der Chemie an der HU Berlin, 1957 vorzeitige Diplomprüfung, 1957 – 60 dort Aspirantur, 1960 Prom. bei  Lothar Kolditz; 1960 – 66 wiss. Oberass. an der FSU Jena, dort 1965 Habil.; 1966 Doz. an der HU Berlin, ab 1968 dort ord. Prof. für Chemie; 1971 SED; 1971 – 80 Dekan der math.-naturwiss. Fak. der HU Berlin, 1979 – 85 Dir. der Sektion Chemie, 1988 – April 1990 Rektor der HU Berlin (Nachf. von  Helmut Klein); ab 1983 Ltr. des Arbeitskreises »Chem. Veredlung einheim. mineral. Rohstoffe« des Min. für Wiss. u. Technik; 1967 Friedrich-Wöhler-Preis der Chem. Ges. der DDR, 1972 Verdienstmed. der DDR; 1987 VVO; 1990 Dr. h. c. des Longwood College, USA. Zum 31.12.1993 Kündigung als Prof. der HU Berlin; gest. in Berlin. Forschungsschwerpunkte: Halogenchemie, insb. Fluorchemie, u. a. Kinetik u. Mechanismen des heterogenen Halogenaustausches, Gasphasenkatalyse von Freonen, Chemie von Polyfluorosultonen; mehr als 100 Publ. u. über 20 Patente.Horst Kant

Wer war wer in DDR

Hauff, Monika

* 17.4.1944

Geb. in Wernigerode; EOS, dort im Chor der Gerhart-Hauptmann-OS; Ausb. zur med.-techn. Ass. in Saalfeld; in versch. Bands; 1967 beim Schlagerfestival der Ostseeländer in Rostock 1. Preis, 1968 2. Preis; 1968 im Studio für Unterhaltungskunst; bildete mit  Klaus-Dieter Henkler das Gesangsduo »Hauff & Henkler«, 300 Lieder aufgen.; zu den Erfolgstiteln gehören: »Es bleibt eine Spur im Sand«, »Gib dem Glück eine Chance«, »Heimat«, »Kinder Europas«, »Mondschein in der Heide«, »Stürme«. Nach 1990 Auftritte in Fernsehsendungen wie »So schön ist unser Dtl.« (ZDF), »Großes Wunschkonzert der Volksmusik« (SAT 1); 1996 Album »Das war ein Meisterschuß – Unsere großen Stimmungshits«; 1998 Album »Leise rieselt der Schnee« (zus. mit Monika Herzog); 1999 Album »Jeder braucht das Licht der Sonne«; 1999 Album »Der Weihnachtsmann tanzt Polka«; 1999 Album »Mexiko«; 2000 Album »Nur für euch«; 2002 Album »Ein kleines Lied«; 2005 Album »Als ich Dich heut’ wiedersah«.Bernhard Hönig / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hausen, Erich

* 5.2.1900 – ✝ 19.12.1973

Als Sohn des Schlossers und späteren Elektrikers Hartwig Hausen am 5. Februar 1900 in Muskau/Oberlausitz geboren; lernte Elektriker. Gegen Kriegsende zum Heer eingezogen, kehrte er im Januar 1919 aus Belgien nach Weißwasser zurück, wo er der USPD beitrat. Bald Vorsitzender und später UB-Leiter der USPD in Weißwasser, 1920 ging Hausen mit der linken USPD zur KPD. Nach der März-Aktion 1921 wurde er Lokalredakteur der »Roten Fahne der Lausitz« in Cottbus. Auf dem VII. Parteitag in Jena 1921 als Kandidat für den Bezirk Lausitz in den ZA gewählt. Mitglied der BL Lausitz und Ende 1922 Polleiter dieses Bezirks. Delegierter des VIII. Parteitags 1923, erneut als Mitglied in den ZA berufen. Am 7. Dezember 1923 im illegalen Parteiquartier verhaftet, anschließend vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Haftentlassung Ende 1925 erwerbslos, anschließend Sekretär der Roten Hilfe in Thüringen. 1926 vom ZK für den Bezirk Schlesien als Polleiter nach Breslau entsandt und später durch Wahl in dieser Funktion bestätigt. Auf dem XI. Essener Parteitag 1927 als Kandidat ins ZK gewählt, vertrat Hausen zusammen mit Heinrich Galm und Albert Bassüner im ZK die sogenannten Rechten. Wegen seiner Opposition nach der Wittorf-Affäre der Funktion in Breslau, wo er die Mehrheit hatte, enthoben. Hausen verteidigte im November/Dezember 1928 vor dem EKKI in Moskau seinen Standpunkt und lehnte gemeinsam mit Galm die Bedingungen des EKKI ab. Als er einige Tage vor dem Bezirksparteitag im Dezember 1928 nach Breslau zurückkehrte, war es dem Apparat bereits gelungen, die Mehrheit der Delegierten für Ernst Thälmann zu gewinnen. Hausen und 16 Oppositionelle wurden aus der KPD ausgeschlossen. Bereits vorher hatte er in Breslau (mit dem Kindergärtnerinnen-Gehalt seiner Frau) die Zeitschrift »Gegen den Strom« herausgegeben, die zum ersten Organ der Rechten, der KPO, wurde. 1929 übernahm er in Stuttgart als Sekretär die Leitung der KPO und gehörte gleichzeitig zu deren Reichsleitung. Am 7.März 1933 verließ Hausen Stuttgart, ging nach Straßburg, kehrte nach kurzer Zeit nach Deutschland zurück, um die Inlandsarbeit der KPO zu übernehmen. Er wurde (Pseudonym Ernst Fabel) Polleiter des illegalen Dreierkopfes der KPO in Berlin ( Robert Siewert, Org., Fritz Wiest, Gewerkschaft). Bei einem Grenzübertritt in Bad Elster verhaftet und zunächst unter Spionageverdacht und wegen Devisenvergehens festgehalten. Da Hausen im Besitz eines gültigen französischen Passes (Charles Bischoff) war und sich keinerlei belastendes Material bei ihm befand, nach sechs Monaten aus dem Gefängnis entlassen und nach Frankreich abgeschoben. Er bekam keine Aufenthaltsgenehmigung, daher lebte er illegal in Straßburg, von dort aus leitete er die KPO-Arbeit und siedelte mit seiner Frau 1936 nach Troyes und 1938 nach Vincennes über. Bei Kriegsausbruch verhaftet und in verschiedenen Internierungslagern festgehalten, konnte Hausen mit seiner Frau 1941 in die USA entkommen. Erst nach elfjährigem Streit mit den dortigen Behörden als Flüchtling anerkannt, lebte er als Elektriker in Swarthmore/Pennsylvania. Erich Hausen starb dort am 19. Dezember 1973.

dissidenten.eu

Havel, Václav

* 1936 – ✝ 2011

Schriftsteller, Publizist und Dramaturg. Mitbegründer der *Charta 77 und Mitverfasser der wichtigsten Oppositionsdokumente. Führungsfigur der *Samtenen Revolution und führende Persönlichkeit des *Bürgerforums. Präsident der Tschechoslowakei und der Tschechischen Republik.Václav Havel wurde 1936 in Prag als Kind bekannter Unternehmer geboren, deren Eigentum nach der kommunistischen Machtübernahme verstaatlicht wurde. Da er nach Abschluss der Mittelschule keinen Platz an der Oberschule erhielt, begann Havel eine Ausbildung zum Zimmermann, wechselte dann aber zu einer Ausbildung als Chemielaborant. Parallel dazu besuchte er ein Abendgymnasium, das er 1954 abschloss. Nachdem Havel an keiner humanistisch ausgerichteten Hochschule einen Studienplatz erhalten konnte, entschied er sich für ein Wirtschaftsstudium. Nach dem zweiten Studienjahr an der ökonomischen Fakultät der Tschechischen Polytechnischen Hochschule in Prag begann Havel 1957 seinen Grundwehrdienst und wurde einem Pionierregiment zugeteilt. In der Armee gründete er gemeinsam mit Karel Brynda eine Theatergruppe. Nach Ende des Armeedienstes arbeitete Václav Havel zunächst als Techniker in Prag am „Theater ABC“ und ab 1960 im „Theater am Geländer“ (Divadlo na zábradlí), das von Ivan Vyskočil geleitet wurde. 1963 war er außerdem Regieassistent bei mehreren Inszenierungen von Alfréd Radok an den Prager Städtischen Bühnen. Václav Havel begann, eigene Theaterstücke zu schreiben. Im „Theater am Geländer“ fanden die Premieren seiner ersten Stücke statt: Anfang 1963 „Das Gartenfest“ (Zahradní slavnost) und im Juli 1965 „Das Memorandum“ (Vyrozumění). Havel arbeitete eng mit dem künstlerischen Direktor Jan Grossman zusammen. 1964 heiratete Havel Olga Šplíchalová. Im folgenden Jahr wurde er Redaktionsmitglied der Monatszeitschrift des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbands *„Tvář“ (Gesicht). Auf einer Konferenz des Verbandes im Mai 1966 hielt Havel eine kritische Rede über dessen Arbeit und die Diskriminierung einzelner Schriftsteller. 1962–66 absolvierte er ein Fernstudium der Dramaturgie an der Theaterfakultät der Akademie der musischen Künste in Prag. Als Abschlussarbeit seines Studiums schrieb er einen Kommentar zu seinem Stück „Eduard“, der später die Grundlage des Dramas „Erschwerte Möglichkeit der Konzentration“ (Ztížená možnost soustředění) wurde, das im April 1968 im „Theater am Geländer“ Premiere hatte. Nachdem Havel im Juli 1967 eine zweite kritische Rede auf dem IV. Tschechoslowakischen Schriftstellerkongress gehalten hatte, wurde er auf Anweisung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (KPČ) gemeinsam mit Ivan Klíma, Pavel Kohout und Ludvík Vaculík von der Kandidatenliste für den Vorstand des Schriftstellerverbands gestrichen. Im März 1968 war er Mitunterzeichner eines offenen Briefs von 150 Schriftstellern und Kulturschaffenden an das ZK der KPČ mit Forderungen nach Demokratisierung, im April wurde er zum Vorsitzenden des Klubs unabhängiger Schriftsteller gewählt und Mitglied des *Klubs engagierter Parteiloser (Klub angažovaných nestraníků; KAN). Zu den Premieren seines Stückes „Das Memorandum“ hielt sich Havel im Mai und Juni 1968 in New York und Westeuropa auf. Nach seiner Rückkehr entschied er sich, die Anstellung als Dramaturg am „Theater am Geländer“ aufzugeben.Während des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei am 27. August schrieb Havel Kommentare für das Programm des Tschechoslowakischen Radios in Liberec und beteiligte sich an den Protesten gegen die Besetzung des Landes. Im Herbst 1968 übernahm er die Funktion des Redaktionsleiters der reaktivierten Zeitschrift *„Tvář“, die zuvor auf Druck der KPČ-Führung eingestellt worden war. Anfang August schrieb er einen offenen Brief an Parteichef Alexander Dubček und zählte außerdem zu den zehn Verfassern des am 21. August 1969 herausgegebenen Aufrufs „Zehn Punkte“ (Deset bodů), der sich gegen die Politik der sogenannten *„Normalisierung“ richtete. Im Herbst wurde Havel zusammen mit anderen Unterzeichnern verhört und anschließend wegen angeblich krimineller staatsfeindlicher Tätigkeiten angeklagt. Das Verfahren wurde jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt. Anfang der 70er Jahre erhielt er wie auch viele andere Publikationsverbot und seine Bücher wurden aus allen Bibliotheken der ČSSR entfernt. Im Dezember 1972 verfasste Havel gemeinsam mit 35 Schriftstellern eine Petition an den neuen Parteichef Gustáv Husák, in der sie eine Amnestie für alle politischen Gefangenen forderten. Im April 1975 schrieb er einen offenen Brief an den mittlerweile zum Staatspräsidenten ernannten Husák, in dem er auf die zunehmenden sozialen Konflikte in der tschechoslowakischen Gesellschaft hinwies. Dieser Brief zirkulierte in zahlreichen Kopien. Am 1. November 1975 fand in Prag-Horní Počernice die Premiere von Havels Adaption der „Beggar’s Opera“ statt, die durch Andrej Kobas alternatives Amateurtheater „Na tahu“ (Auf Tour) aufgeführt wurde. Ende 1975 geründete Václav Havel den unabhängigen Verlag *Expedice (Expedition), in dem Werke von tschechoslowakischen und ausländischen Autoren erschienen. Im August 1976 richtete Havel zusammen mit Jiří Němec, Jaroslav Seifert und fünf anderen Schriftstellern und Philosophen einen Brief an den Nobelpreisträger und früheren Vorsitzenden des Internationalen PEN-Clubs, Heinrich Böll, mit der Bitte um Solidarität für die verurteilten Mitglieder der Musikbands „Plastic People oft the Universe“ und „DG 307“. Dieser Prozess sowie die Schlussakte von Helsinki, die in der Tschechoslowakei im Herbst desselben Jahres in Kraft trat, waren wichtige Impulse für die Zusammenarbeit zwischen bisher voneinander isolierten Gruppen von Schriftstellern, Häftlingen aus der Zeit der Niederschlagung des *Prager Frühlings, christlichen Gruppen, alternativen Künstlern und anderen. Als ein Resultat dieser Zusammenarbeit entstand die *Charta 77. Deren erste Erklärung wurde von Václav Havel, Pavel Kohout, Zdeněk Mlynář und Jan Patočka gemeinsam formuliert und am 1. Januar 1977 veröffentlicht. Zusammen mit Jan Patočka und Jiří Hájek war Václav Havel einer der ersten drei Sprecher der *Charta 77. Genau wie die übrigen Sprecher und die überwiegende Mehrzahl der Unterzeichner der Charta-Erklärung wurde Havel wiederholt durch den Staatssicherheitsdienst verhört. Vom 14. Januar bis zum 20. Mai 1977 befand er sich unter dem Vorwurf angeblicher „antistaatlicher Tätigkeit“ in Untersuchungshaft, während ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet wurde. Nach seiner Freilassung verzichtete Havel wegen der massiven Kampagne, die gegen seine Person in den tschechoslowakischen Medien losgetreten worden war, auf die Position des Sprechers der *Charta 77. Am 1. Oktober 1977 fand in Havels Sommerhaus in Hrádeček bei Trutnov das dritte „Festival der unabhängigen Kultur“ statt. Noch im gleichen Monat wurde er zu 14 Monaten Freiheitsentzug und drei Jahre auf Bewährung für den angeblichen Versuch verurteilt, Staatsinteressen im Ausland zu beschädigen. Ende Januar 1978 wurde er zusammen mit anderen Unterzeichnern der Charta-Erklärung verhaftet und blieb bis zum 13. März in Untersuchungshaft. Am 27. April 1978 gründete sich nach monatelangen Vorbereitungen das *Komitee zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných; VONS), zu dessen Gründungsmitgliedern Havel gehörte. Im August und September nahm er an Treffen mit polnischen Oppositionellen an der polnisch-tschechoslowakischen Grenze im Riesengebirge teil.Im Oktober verfasste Havel seinen bekanntesten Essay „Versuch, in der Wahrheit zu leben“ (Originaltitel: „Moc bezmocných“/Die Macht der Ohnmächtigen). Darin zeichnet Havel das Bild vom Niedergang des Menschen im „posttotalitären System“, von Korruption, Heuchelei und Unterdrückung. Er stellt die Frage, wer Dissidenten sind, woher sie stammen, welchen Sinn ihre Einstellung hat und wo letztendlich die Quellen der Macht der „Ohnmächtigen“ liegen könnten. Seine Antwort lautet: im Dienst an der Wahrheit, die eine Bedrohung für das Leben in der Lüge ist, das im posttotalitären System „einen Machtfaktor darstellt bzw. selbst eine politische Macht ist“. Die Aufgabe der Dissidenten sei es, zur verborgenen Sphäre der eigentlichen Intentionen des Lebens vorzudringen und zu seiner „verborgenen Aufgeschlossenheit der Wahrheit gegenüber“. Er führte weiter in seinem Essay aus, dass „die Konfrontation dieser oppositionellen Kraft mit der bestehenden Macht (…) freilich eine grundsätzlich andere Form als in einer offenen Gesellschaft oder in einer ‚klassischen Diktatur‘ habe: es ist ursprünglich keine Konfrontation auf der Ebene der faktischen, institutionalisierten (…) Macht“, sondern sie finde auf einer „ganz anderen Ebene“ statt: „auf der Eben des menschlichen Bewusstseins und Gewissens, auf der existentiellen Ebene (…). Die verborgenen Bewegungen, die sie da hervorruft, können aber – und es ist schwierig, im Voraus auszurechnen, wann, wo, wie und in welchem Ausmaß – in etwas Sichtbares übergehen: In eine reale politische Tat oder ein Ereignis, in eine gesellschaftliche Bewegung, in einen plötzlichen Ausbruch der Unzufriedenheit der Bürger, in einen scharfen Konflikt innerhalb der bisher scheinbar monolithischen Machtstruktur oder einfach in einen unaufhaltsamen Wechsel des gesellschaftlichen und geistigen Klimas.“ Von November 1978 bis Februar 1979 war Havel erneut zusammen mit Ladislav Hejdánek Sprecher der *Charta 77. Am 29. April wurde er zusammen mit anderen Mitgliedern des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten im Rahmen der Staatssicherheits-Aktion „Kmen“ (Stamm) verhaftet und anschließend wegen „staatsfeindlicher Tätigkeit“ angeklagt. Im Prozess gegen die „Gruppe Petr Uhl“ zu der Jiří Dienstbier, Otka Bednářová, Václav Benda und Dana Němcová gehörten, wurde Havel im Oktober 1979 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Er saß ab Januar 1980 im Gefängnis Heřmanice bei Ostrava und ab Juli 1981 in der Strafvollzugsanstalt Bory bei Pilsen. In Haft schrieb Havel im März 1983 den Essay „Identitätskrise“ (Krize identity). Im Januar 1983 veröffentlichte Jan Lopatka im Samisdat Auszüge aus 144 Briefen, die Havel zwischen Juni 1979 und September 1982 aus dem Gefängnis an seine Frau geschrieben hatte („Briefe an Olga“/Dopisy Olze). Da Havel im Januar 1983 an einer schweren Lungenentzündung erkrankte, wurde er in das Gefängniskrankenhaus nach Prag gebracht. Anfang Februar wurde seine Strafe ausgesetzt und er konnte sich im Krankenhaus „Pod Petřínem“ behandeln lassen. Auch in den folgenden Jahren arbeitete Havel wieder für die *Charta 77 und schrieb weitere Theaterstücke: „Largo desolato“ (1984), „Versuchung“ (Pokušení; 1985), „Sanierung“ (Asanace; 1987); außerdem Essays: „Politik und Gewissen“ (Politika a svědomí; 1984), „Über den Sinn der Charta 77“ (O smyslu Charty 77; 1986) und viele weitere Texte. Im August 1987 nahm Havel am nächsten Treffen mit der polnischen Opposition an der polnisch-tschechoslowakischen Grenze teil. Am 3. September 1988 trat er nach 19-jähriger Pause erstmals öffentlich auf dem Folk-Festival in Lipnice auf. Er beteiligte sich auch an der Vorbereitung des Manifestes „Demokratie für alle“ (Demokracie pro všechny) der *Bewegung für Bürgerfreiheit (Hnutí za občanskou svobodu; HOS), welches im Oktober 1988 veröffentlicht wurde. Havel war eines der Gründungsmitglieder des *Tschechoslowakischen Helsinki-Komitees, das am 5. November 1988 entstand. Außerdem übernahm er den Vorsitz des Organisationskomitees für das Symposium „Tschechoslowakei 1988“, das bereits am 11. November 1988, dem ersten Sitzungstag, durch die Sicherheitsorgane aufgelöst wurde. Havel wurde für mehre Tage inhaftiert. Am 16. Januar 1989, dem Jahrestag der Selbstverbrennung von Jan Palach, wurde Havel erneut inhaftiert, als er zusammen mit anderen Oppositionellen Blumen für Palach an der Prager Wenzel-Statue niederlegte. Am 21. Februar erfolgte das Urteil wegen „Anstiftung und Behinderung der Dienstausübung eines Mitarbeiters der staatlichen Gewalt“: neun Monate Gefängnis. Ein Berufungsgericht revidierte zwar das erste Urteil, verkürzte das Strafmaß jedoch nur um vier Wochen. Im Mai wurde die verbleibende Haft auf Bewährung für 18 Monate ausgesetzt. Im Juni schrieb Havel den Essay „Ein Wort über das Wort“ (Slovo o slovu) und war Mitautor der Erklärung *„Einige Sätze“ (Několik vět), die am 29. Juni veröffentlicht und während des Sommers von mehreren tausend Bürgern unterzeichnet wurde. Von September bis November 1989 vertrat er Saša Vondra als Sprecher der *Charta 77, nachdem dieser verhaftet worden war.Zwei Tage, nachdem in Prag die friedliche *Studentendemonstration am 17. November 1989 brutal auseinandergetrieben wurde, gründete sich im „Činoherní klub“ (Schauspielklub) das *Bürgerforum (Občanské fórum; OF), das alle Persönlichkeiten vereinigte, die einen grundlegenden politischen Wandel in der Tschechoslowakei unterstützten. Das *Bürgerforum war gemeinsam mit der *Öffentlichkeit gegen Gewalt (Verejnosť proti násiliu; VPN) im slowakischen Landesteil die treibende Kraft in der *Samtenen Revolution. Václav Havel war als bekanntester Vertreter der Opposition auch Gesicht und Symbolfigur des Umsturzes vom Herbst 1989. Als das kommunistische Regime im November unter den Massendemonstrationen im ganzen Land innerhalb weniger Tage zusammenbrach, forderten die Menschen nicht nur Demokratie und Freiheit, zunehmend erklang auch der Ruf „Havel auf die Burg!“ – gemeint war der Sitz der Staatsführung auf dem Prager Hradschin. Am 29. Dezember 1989 wählte das Parlament, die Föderalversammlung, den noch Anfang des Jahres inhaftierten Regimegegner und Dissidenten Václav Havel zum Präsidenten der Tschechoslowakei. In seiner Antrittsrede kündigte er freie Wahlen an, die im Juni 1990 stattfanden. Die nunmehr frei gewählte Föderalversammlung bestätigte Havel im Amt des Staatspräsidenten. Zwei Jahre später, am 20. Juli 1992, trat er aus Protest gehen die Teilung der tschechoslowakischen Föderation von diesem Amt zurück, was die Teilung des Landes jedoch nicht aufhalten konnte. Am 26. Januar 1993 wurde Havel durch die Abgeordnetenkammer, das Tschechische Parlament, zum ersten Präsidenten der nunmehr eigenständigen Tschechischen Republik gewählt, was er bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit im Februar 2003 blieb. Am 18. Dezember 2011 starb Václav Havel auf seinem Landsitz im nordböhmischen Hrádeček.Luboš Veselý Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Heartfield, John

* 19.6.1891 – ✝ 26.4.1968

Geb. in Berlin-Schmargendorf; Vater Schriftst. (Franz Held); Mutter Textilarbeiterin; aufgew. in der Schweiz u. Österreich, 1899 verschwanden die Eltern unter ungeklärten Umständen; 1905/06 Ausbildung zum Buchhändler in Wiesbaden; 1907 – 11 Studium an der Münchener Kunstgewerbeschule, 1912 – 14 an der Kunst- u. Handwerkerschule in Berlin-Charlottenburg; 1914 – 16 Militärdienst; 1916/ 17 zus. mit seinem Bruder  Wieland Herzfelde als »John Heartfield« Mitbegr. des Verlags Neue Jugend u. des Malik-Verlags; Dez. 1918 KPD; 1920 Auftreten bei Veranstaltungen der Dadaisten; entwickelte unter d. Einfluß v. George Grosz die künstler. Form der pol. Fotomontage; seit 1919 Mitarb. an linken satir. Blättern wie »Die Pleite« u. »Der Knüppel«; 1928 Mitgl. der ASSO; ab 1930 ständ. Mitarb. der »AIZ«; 1933 – 38 Emigr. n. Prag; Wiederaufn. d. Arbeit mit dem Malik-Verlag u. der »AIZ«; Nov. 1934 Ausbürgerung aus Dtl.; 1938 – 50 in London; 1940 als »feindl. Ausländer« interniert; Beteiligung am antifa. Widerstandskampf, Buchgestalter für engl. Verlage. Aug. 1950 Rückkehr nach Dtl.; wurde wg. seiner Kontakte zum angebl. US-amerikan. Agenten Noel Field nicht in die SED aufgenommen; lebte zunächst in Leipzig; 1955 Ehrenmitgl. des VBK u. des Tschech. Künstlerverb. Prag; seit 1956 in Berlin; arbeitete freischaff. für Verlage, Theater u. Org.; 1956 Mitgl. der DAK; 1957 dort erste große Nachkriegsretrospektive; NP; 1960 Prof.; 1961 Dt. Friedenspreis; 1965 VVO; 1967 KMO; gest. in Berlin.Dtl., Dtl. über alles. Ein Bilderbuch von Kurt Tucholsky u. vielen Fotografen, montiert von J. H. Berlin 1929; Der Schnitt entlang der Zeit. Dresden 1981 (Hrsg. R. März); H. montiert: 1930 – 1938. Leipzig 1993. Herzfelde, W.: J. H. Leben u. Werk. Dresden 1988; J. H. In Selbstzeugnissen u. Bilddokumenten, dargestellt von M. Töteberg. Reinbek 1978; Kahn, D.: J. H. Art and Mass Media. New York 1985; AdK zu Berlin u. a. (Hrsg.): J. H. (Ausstellungskatalog). Köln 1991; Pachnicke, P., Honnef, K.: J. H. Köln 1991; Siepmann, E.: Montage: J. H. – vom Club Dada zur Arbeiter-Illustrierten-Ztg. Dok. – Analysen – Berichte. Berlin 1992; Schätzke, A.: J. H. in der DDR (1950 – 1968). In: Exil (Hamburg) (1995) 2; Hoevels, F.: Dadaismus u. Surrealismus – J. H. Vorbereiter u. Weggenossen. Freiburg 2003.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Heckert, Otto

* 15.4.1905 – ✝ 3.12.1963

Geb. in Chemnitz; Vater Schmied; 1911 – 19 Volks- u. Berufsschule; 1919 – 22 Lehre als Gärtner; 1920 KJVD; 1922 – 24 Lehre als Zimmermann; 1923 KPD; 1923 Ltr. des Jung-Spartakusbundes Chemnitz-Süd; 1924 RFB; 1924 – 30 Arbeit als Zimmermann; 1928 Gauführer der »Roten Jungfront«, anschl. 2. Gauführer des RFB, ab 1929 Gauführer des illeg. RFB Erzgebirge-Vogtland; 1929 Aufenthalt u. illeg. Arbeit als Instrukteur der Bundesltg. des RFB in Wien, Verhaftung u. Ausweisung; 1930 als Teiln. einer RFB-Deleg. Aufenthalt in der UdSSR; am 29.8.1931 Verhaftung, U-Haft, Jan. 1933 Prozeß wg. »Hochverrats« vor dem Reichsgericht in Leipzig, Freispruch; am 2.3. 1933 erneute Verhaftung, »Schutzhaft« bis Juli 1934 im KZ Sachsenburg; 1935 / 36 erneut im KZ Sachsenburg; Verurteilung zu eineinhalb Jahren Zuchthaus, 1936 / 37 Haft im Zuchthaus Zwickau; 1939 – 45 inhaftiert im KZ Buchenwald, hier Mitgl. des Zentrums der illeg. KPD-Ltg. 1945 Vors. des Antifa-Komitees in Chemnitz; 1945 / 46 polit. Mitarb. der Abt. Agit. u. Prop. des ZK der KPD bzw. des SED-PV; 1946 / 47 Ass. u. Lehrer, 1947 – 49 Sekr. der SED-PO an der PHS; 1949 – 54 Sektorltr. im ZK der SED; 1954 – 62 2. Sekr. der SED-BL Leipzig; 1962 / 63 Vors. der SED-BPKK Leipzig; 1963 VVO; gest. in Leipzig.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Hegenbarth, Josef

* 15.6.1884 – ✝ 27.7.1962

Geb. in Böhmisch Kamnitz (Nordböhmen/ Česká Kamenice, Tschechien); seit 1905 in Dresden; 1908 – 15 Studium an der Dresdener Kunstakad., Mstr.-Schüler v. Gotthardt Kuehl; 1917 – 19 Aufenthalt in Prag; Mitbegr. der Prager Sezession; 1919 Mitgl. der Dresdener Künstlervereinigung; 1925 Mitgl. der Wiener Sezession u. des Dt. Künstlerbunds; Mitarb. an den Ztschr. »Jugend« u. »Simplizissimus«; 1943 – 45 Aufenthalt in Böhmisch Kamnitz. 1945 Rückkehr nach Dresden; Mitarb. der Ztschr. »Ulenspiegel«; 1946 – 49 Prof. an der HS für Bildende Künste Dresden; 1954 NP; 1955 Korr. Mitgl. der AdK; 1956 a. o. Mitgl. der AdK Berlin (West); 1960 Ord. Mitgl. der Bayr. Akad. der schönen Künste in München; 1957 Rückgabe eines Teils des 1945 in Böhmisch Kamnitz verlorenen Lebenswerks durch die ČSR; gest. in Dresden. Neben einem umfgr. zeichner. u. maler. Werk schuf H. vor allem Feder- u. Pinselzeichnungen (in der Frühzeit Radierzyklen) zu zahlr. Werken der Weltlit. u. wurde damit einer der bedeutendsten Illustratoren des 20. Jh.Löffler, F.: J. H. Dresden 1980; Sichowsky, R. von: J. H. Aufzeichnungen über seine Illustrationsarbeiten. Hamburg 1964. Kat. J. H. zum 100. Geburtstag. Dresden 1984.Dieter Gleisberg

Wer war wer in DDR

Heibich, Walter

* 1.4.1910 – ✝ 6.2.1969

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Polizist; Grundschule; Ausbildung zum u. Arbeit als kfm. Angest., Verkäufer, Dekorateur u. Filialltr. in Oppeln u. Berlin; 1939/40 Angest. bei der Reichsmonopolverw. für Branntwein; 1940 Wehrmacht, 1941 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft; 1942 Ltr. eines antifa. Lageraktivs an der Antifa-Schule Oranki (b. Gorki); 1943 Angehöriger des NKFD; Frontbevollm. bzw. ab 1947 Ltr. der Lehrabt. der ersten Antifa-Schule in der Kasach. SSR. Okt. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; Instrukteur der SED-Stadtteilltg. Halle; 1948 Assistent an der LPS »Wilhelm Liebknecht« der SED-LL Sachsen-Anh. in Wettin; anschl. bis 1951 Wirtschaftsltr. der LPS Wettin u. Ballenstedt; 1951 Ltr. der Wirtschaftsabt. der PHS; 1952 Sektorltr. Versorgung u. ab Nov. stellv. Ltr. der Abt. Verw. der Wirtschaftsbetriebe des ZK der SED, 1958 – 64 Ltr. dieser ZK-Abt. (Nachf. von  Emil Scheweleit); 1964 – 69 stellv. Ltr. der Abt. Finanzverw. u. Parteibetriebe, zugl. Ltr. des Sektors Heime u. Schulen; 1960 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Heidenreich, Gerhard

* 5.10.1916 – ✝ 23.2.2001

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Arb., Mutter Landarb.; Volksschule; 1930 – 32 Laufbursche; 1931 Vertreter der Roten Pioniere in der KJVD-BL Breslau; 1934 kfm. Ausbildung; 1934 Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis wegen »Vorbereitung zum Hochverrat«, danach arbeitslos; 1937/38 versch. Hilfsarbeiten; 1938 – 45 Transportarb. u. Ofenbauer; 1944/45 Teilnahme am antifa. Widerstand im Kessel Breslau. 1945 Umsiedl. nach Dresden; KPD; Jugend-Sekr. der KPD-KL Plauen; 1946 Lehrgang an der Antifa-Schule der SMAD in Königs Wusterhausen; 1947 Sachbearb. für Kaderfragen beim ZR der FDJ; 1947 – 49 Mitgl. der LL u. des Sekr. der SED Sachsen; 1947 – 49 1. Sekr. der FDJ-LL Sachsen; 1948 – 50 Mitgl., 1949/50 2. Sekr. des ZR der FDJ; 1950 Kand. des ZK der SED; Abg. der Volkskammer; stellv. Ltr. der Abt. Kader des ZK der SED; 1951 stellv. Ltr. des APN (später HA XV bzw. HV A des MfS); 1957 1. Sekr. der SED-KL im MfS (Nachf. von  Alfred Schönherr); 1963 – 81 Mitgl. des ZK der SED; 1965/66 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1970 Gen.-Major; 1974 VVO; 1979 Ruhestand; 1986 Stern der Völkerfreundschaft.Jens Gieseke

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Heiduczek, Werner

* 24.11.1926

Geb. in Hindenburg (Oberschles./Zabrze, Polen); Vater Maschinenbauschlosser; aufgew. im kath. Bergbaumilieu; 1937 – 44 OS; 1943 Luftwaffenhelfer, 1944 RAD u. Wehrmacht, 1945 Kriegsgefangenschaft. 1945 Gelegenheitsarbeit in Landw. u. Gleisbau; 1946 Neulehrerkurs u. Lehrer im Krs. Herzberg; 1946 – 49 Studium der Pädagogik u. Germanistik in Halle; anschl. wieder Schuldienst, zul. Krs.-Schulrat in Merseburg; 1953/ 54 germanist. Erweiterungsstudium an der PH Potsdam; anschl. freier Mitarb. der DAK, Arbeit am Nachlaß von  Friedrich Wolf; 1955 – 59 Geschichts- u. Dt.-Lehrer an der KJS Halle; 1958 erstes Kinderbuch »Jule findet Freunde«; 1959 Bauhilfsarb. im VEB Chem. Werke Buna; 1960 freischaff. Schriftst.; 1961 – 64 Dt.-Lehrer am Fremdsprachengymn. in Burgas (Bulgarien); ab 1965 freischaff. Schriftst. zunächst in Halle, ab 1972 in Leipzig; 1968 – 81 operative Bearbeitung u. Überwachung durch das MfS u. a. in der OPK »Atelierkrs.« (ab 1973) u. OV »Schreiber« (1978 – 81); 1969 Heinrich-Mann-Preis; Händel-Preis; 1976 Kunstpreis der Stadt Leipzig; nach der  Wolf-Biermann-Ausbürg. Forderung nach »Ablösung der alten Funktionärsgeneration« in der BL der SED u. im Präs. des SV (zus. mit  Erich Loest); 1986 Alex-Wedding-Preis. 1991 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums (Ost); 1995 Eichendorff-Preis der Stadt Swangen; 1999 Bundesverdienstkreuz; lebt in Leipzig. Viel gelesene Werke u. a.: »Abschied von den Engeln« (Roman, 1968), »Mark Aurel oder Ein Semester Zärtlichkeit« (Erzählung, 1971), »Tod am Meer« (1977), diese fiktive selbst- u. gesellschaftskrit. Lebensbilanz eines DDR-Schriftst. erschien erst nach Überwindung großer Schwierigkeiten u. (Selbst)Zensur, danach offiz. Protest des sowj. Botschafters bei  Erich Honecker wegen der Darstell. »bestimmter Brutalitäten der Roten Armee« nach 1945; Hrsg. von Sagen anderer Völker.Im gewöhnl. Stalinismus. Meine unerlaubten Texte. Leipzig, Weimar 1991; Verfall einer Stadt – Beispiel Leipzig. Halle 1992; Der kleine Gott der Diebe. Leipzig 1992; Dtl. – kein Wintermärchen oder Draußen vor der Tür. Berlin 1993; King Lear. Chemnitz 2000; Der singende Fisch. Berlin 2000; Die Schatten meiner Toten. Leipzig 2005. Leipziger Städtische Bibliotheken (Hrsg.): W. H. zum 70. Geburtstag. Leipzig 1996.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

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Heilemann, Werner

* 18.5.1925

Geb. in Hartha (Krs. Döbeln); Vater Arbeiter; Volksschule, 1939 – 42 Ausbildung zum Bauschlosser; 1942/43 Studium an der FS für Hoch- u. Tiefbau München; 1945 FDGB; 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Angest. bei der Stadtverw. Hartha; 1946 – 48 Landessekr. für Jugend im FDGB-LV Sachsen; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949/50 geschäftsf. FDGB-Bundesvorst. u. Ltr. Abt. Jugend; 1949 – 55 Mitgl. des ZR der FDJ; 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 52 Ltr. der Abt. Jugend im FDGB-Bundesvorst.; 1953 PHS; 1954 – 62 Ltr. des Sektors Gewerkschaften u. Sozialpol. im ZK der SED; 1962 – 67 Vors. des FDGB-Bez.-Vorst. Dresden; Mitgl. der SED-BL Dresden u. ihres Sekr.; Abg. des Bez.-Tags; 1962 – 89 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1967/68 Studium an der Gewerkschafts-HS Bernau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1968 – 89 Mitgl. des Präs. u. Sekr. des FDGB-Bundesvorst.; 1981 – März 1990 erneut Abg. der Volkskammer, bis 1989 Mitgl. ihres Präs., stellv. Vors. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 1983 VVO; Nov. 1989 Entbindung von den Funktionen im FDGB-Bundesvorst.; Nov 1989/90 Ltr. der AG »innengewerkschaftl. Demokratie« des FDGB. Nach 1990 Mitgl. der Volkssolidarität Berlin.Die Aufgaben der Gewerkschaften im Kampf gegen die Remilitarisierung Dtl. Berlin 1951.Helmut Müller-Enbergs

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Heilmann, Friedrich Wilhelm

* 1.3.1892 – ✝ 30.6.1963

Geb. in Berlin; Vater Schuhmacher, Kell- ner, Mutter Köchin; 1898 – 06 Volksschule; 1906 – 10 Ausbildung zum Vergolder u. Modelleur, dann bis 1914 im Beruf tätig; 1907 SAJ; 1910 SPD; 1911 – 13 Jugendfunktionär in Hannover; 1914 – 16 Metallarb. in Berliner Betrieben; März 1915 verhaftet u. wegen Antikriegsprop. zu neun Mon. Gefängnis verurteilt; 1916 – 18 Soldat; 1916 Spartakusbund; 1919 KPD; Jan. 1919 Mitgründer u. bis 1921 Mitgl. des Reichsaussch., ab 1922 leitender Sekr. der FSJ bzw. der KJD; Chefred. des Verlags »Junge Garde«; Nov. 1919 Teiln. am Gründungskongreß der KJI in Berlin; 1920/21 Vertreter der KJD beim ZK der KPD; 1921 Sekr. im ZK der KPD; 1921/22 Obersekr. der BL Mitteldtl. der KPD; 1922/23 Ltr. der BL Baden, auf dem 8. Parteitag der KPD 1923 zum Ersatzmitgl. des ZA gewählt; 1923/24 Chefred. der »Arbeiter-Ztg.« in Mannheim; 1923 Anhänger der »Mittelgr.«; 1925 – 30 Chefred. des »Thür. Volksblatts« in Gotha; ab 1925 Mitgl. der KPD-BL Groß-Thür.; 1929 – Febr. 1933 Abg. des Thür. Landtags, 1930 Vors. u. Sprecher der KPD-Fraktion; 1930 – 33 Sekr. für Landes- u. Kommunalpol. der KPD-Ltg. Thür.; April – Aug. 1933 Ltr. der KPD in Norderbayern in Nürnberg; Sept. 1933 Emigr. in die UdSSR; anschl. bis 1935 Ref. für Agit.-Prop. u. Ref. für die Niederlande u. Schweiz im Mitteleurop. Sekr. des EKKI; dann bis 1937 Ltr. der Informationsabt. im EK der IRH; Kursusltr. an der KUNMS; am 24.3.1936 vom OLG München in Abwesenheit zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; ab 1936 Sprecher in Abendsendungen des Moskauer Rundfunks; 1937/38 zur Verfügung der Vertr. der KPD beim EKKI; 1938 Hilfsred. im Verlag für fremdspr. Lit., verantw. für die Marx-Engels-Ausgabe; 1939 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft, 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; nach dem 22.6.1941 Prop.-Arbeit in der Glav PURKK; 1941 Evakuierung mit dem Verlag nach Engels; 1942 Rückkehr nach Moskau; 1942/43 Mitarb. der GlavPURKKA; Red. der Ztg. für Kriegsgefangene »Das freie Wort«; dann Sprachlehrer an der Leningrader Schule für Politkommandeure; 1943 – 45 Chefsprecher des Senders Freies Dtl.; Unterstützung  Erich Weinerts bei der Abfassung einer kurzen Geschichte des NKFD. 7.11.1945 Rückkehr nach Dtl.; bis Dez. 1948 Chefred. der »Thür. Volksztg.« bzw. vom »Thür. Volk«; Mitgl. des Sekr. des SED-LV Thür.; 1946 – 52 Mitgl. u. 1947 – 50 Vizepräs. des Landtags; stellv. Vors. der DSF in Thür.; 1948 – 50 Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung im SED-LV; 1949 – 52 Mitgl. der Prov. bzw. Länderkammer der DDR; 1950 – 53 1. Landesvors. der DSF in Thür. bzw. Vors. des DSF-Bez. Erfurt; 1951 – 53 Fernstudium an der PHS; 1952/53 Mitgl. der SED-BL u. 1952 – 54 Mitgl. des Bez.-Tags Erfurt, Vors. der Ständ. Kommission für örtl. Polizei u. Justiz; 1954 – 57 Chefred. der »Freien Welt« (Nachf. von  Harald Hauser); VVO; 1957 – 63 stellv. Chefred. der Wochenztg. des KB »Der Sonntag«; 1962 KMO; gest. in Berlin.Dt. Kinderfibel. Berlin 1931 (mit R. Fischer); Zur Rolle des Senders »Freies Dtl.« bei der Anleitung u. Orientierung der antifa. dt. Widerstandsbew. In: Das Nationalkomitee »Freies Dtl.« u. seine militärpol. Bedeutung. 1963.Peter Erler

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Hasse, Sella

* 12.2.1878 – ✝ 27.4.1963

Geb. in Bitterfeld, ab 1891 in Berlin; ab 1896 Studium bei Franz Skarbina, Walter Leistikow u. Lovis Corinth in Berlin; seit 1902 enger persönl. Kontakt zu Käthe Kollwitz, unter deren Einfluß neben Porträts u. Landschaften Grafiken mit sozialkrit. Motiven sowie zum Thema Arbeitswelt/Arbeiter entstehen; 1904 Übersiedl. nach Hamburg, 1910 nach Wismar; Pressezeichnungen für die »Hamburg Woche«; 1912 Reise nach Paris, später zahlr. Reisen nach Worpswede, Rügen, Prag, Wien, Amsterdam, Kopenhagen, ins Saargeb., in das Elsaß u. nach Lothringen; 1926 Aufenthalt in Paris; 1930 Umzug nach Berlin; 1937 erneuter Aufenthalt in Paris; während des Fasch. Einschränkung der künstler. Arbeit u. Vernichtung eines großen Teils des Werks. Ab 1947 künstler. Studien in Betrieben, u. a. im Stahl- u. Walzwerk Hennigsdorf; 1955 Ehrenmitgl. des VBKD, Korr. Mitgl. der AdK; 1962 Käthe-Kollwitz-Preis, VVO; gest. in Berlin. Werke: Rhythmus der Arbeit. Linolschnittfolge 1912 – 16; Kriegsblätter. Holzschnitte 1914 – 16; Zyklus »Telegrafenarbeiter u. Kabelleger«. Holzschnitte 1912 – 48; Nieter im Tunnel. Holzschnitt 1951; Rosa Luxemburg. Holzschnitt.Mielke, G.: S. H. Dresden 1958; Kat. S. H. zum 100. Geburtstag. AdK u. Nationalgalerie Berlin 1978 (Bibl.); Karnahl, R.: S. H. In: Kat. Rev. u. Realismus. Staatl. Museen zu Berlin 1978.Anke Scharnhorst

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Hauptmann, Elisabeth

* 20.6.1897 – ✝ 20.4.1973

Geb. in Peckelsheim (Westf.); Vater Sanitätsrat; Volksschule; Lyzeum, 1912 – 18 Lehrerstudium in Droyßig (b. Zeitz); 1918 – 22 Lyzeal-Lehrerin in Linde (Westpr.), erste literarische Schreibversuche; 1922 – 33 Berlin; 1922/23 Sekr.; 1924 Beginn der Zusammenarbeit mit  Bertolt Brecht; 1925 – 27 als Lektorin für Bertolt Brecht u. Ernst Toller angest. beim Gustav Kiepenheuer Verlag; 1927 – 33 freischaff. Schriftst. u. Mitarb. Bertolt Brechts; eigene Kurzgeschichten (veröff. in Ztg. u. Ztschr.), Buchkritiken, Hörspiele, Stück »Happy End« (unter Ps. Dorothy Lane, UA 1929); 1924 – 33 Mitarbeit an zahlr. Brecht-Stücken durch Anregungen, Übersetzungen, v. a. aus dem Englischen (Übers. der »Beggar’s Opera« von John Gay als Grundlage für Bertolt Brechts »Dreigroschenoper«, 1928) u. Amerikanischen (Rudyard Kipling), Materialbereitstellung, Recherchen u. a.; Einfluß auf die Ausformung von Bertolt Brechts »epischem Theater« durch eingehende Beschäftigung mit dem ostasiatischen Theater; Red. von Bertolt Brechts »Versuche«, Hefte 1 – 8 (1930 – 33); 1929 KPD; 1931 Verb. Dt. Bühnenschriftst. u. Bühnenkomponisten; Nov. 1933 kurze Haft; Ende 1933 Emigr. zu Verwandten in die USA über Paris u. New York; 1934 – 40 St. Louis/Missouri; 1934 Aushilfstätigkeiten; Jan. 1935 – 40 (m. Unterbrechungen) Lehrerin am W.P.A. College der Univ. Missouri / St. Louis u. Lehrerin an der John Burroughs High School / St. Louis County; 1935 Mitarbeit an Bertolt Brechts Inszenierung »Die Mutter« nach Maxim Gorki in New York; 1936 – 38 Sekr. des kommunist. German-American Club/Ortsgr. St. Louis; 1937 in New York bei der Org. einer dt.-amerik. Spanienhilfe; 1937 Beiträge für die nach Prag emigrierte »Arbeiter Illustrierte Ztg.«; Sommer 1939 in St. Louis Arbeit an antifa. Radioprogramm »Labor Speaks Against Nazism«; Juni 1940 amerik. Staatsbürgerschaft; 1940 in Los Angeles/Santa Monica Mitarbeit an einer antifa. Studentengr. der University of California; 1941 – 46 in New York Lebensgemeinschaft mit dem Sozialdemokraten Horst Baerensprung; freie Red.; 1943 – 44 Executive secretary des Council for a Democratic Germany; 1946 – 48 in Los Angeles Arbeit mit Bertolt Brecht u. Peter Lorre; 1943 – 51 in zweiter Ehe mit  Paul Dessau verh. Okt. 1948 Rückkehr nach Europa; Febr. 1949 Ankunft in Berlin; SED; 1949/50 dramaturg. Mitarb. bei der DEFA; 1950 – 54 freie Schriftst. u. Übersetzerin, Red. der »Versuche«-Hefte 9 – 15 (1949 – 56); ab 1954 Dramaturgin u. liter. Mitarb. im Berliner Ensemble, Übersetzung u. Bearbeitung zahlr. Schauspiele, u. a. gem. mit  Benno Besson; 1951 Schutzverb. Dt. Autoren; Mai 1952 Verzicht auf amerik. Staatsbürgerschaft; 1953 DSV, KB; 1957 – 60 SED-Parteisekr. im BE; 1958 – 67 Mithrsg. der »Gesammelten Werke« von Bertolt Brecht sowie zahlr. Einzelausgaben u. Sonderbände; 1961 Lessing-Preis; 1969 Korresp. Mitgl. der DAK zu Berlin; 1967 u. 1972 VVO; gest. in Berlin.Julia ohne Romeo. Geschichten, Stücke, Aufsätze, Erinnerungen. Berlin, Weimar 1977. Horst, A.: Prima inter pares. E. H. Die Mitarb. Bertolt Brechts. Würzburg 1992; Hanssen, P.: E. H. Brechts silent collaborator. Bern, Berlin, Frankfurt (Main), New York, Paris, Wien 1995; Kebir, S.: Ich fragte nicht nach meinem Anteil. E. H. Arbeit mit Bertolt Brecht. Berlin 1997.Sabine Wolf

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Hauser, Harald

* 17.12.1912 – ✝ 6.8.1994

Geb. in Lörrach (Baden); Vater Hochschullehrer; Volksschule, Realgymnasium; 1930 – 33 Studium der Rechtswiss. in Freiburg i. Br. u. Berlin; 1930 KJVD; 1931 längere Studienreise in die UdSSR; 1932 KPD; Agit.-Prop.-Ltr. der »Roten Studentengr.« an der Univ. Berlin; Jan. 1933 Emigr. nach Frankreich; Gelegenheitsarbeiten, Journalist, Chauffeur, Sportlehrer; Mitarb. des M-Apparates (Nachrichtendienst der KPD), im Auftrag  Bruno Haids zus. mit seiner Frau Edith Loewenstein »Gegnerarbeit«; arbeitete ab 1935 verdeckt in der Gruppe um Ruth Fischer und Arkadi Maslow, sowie gegen eine »Trotzkistengr.« in Strasbourg; seit Mitte der 1930er Jahre geheimer Mitarb. eines sowj. Nachrichtendienstes; Apr. 1939 Ausbürgerung aus Dtl.; Sept. 1939 Internierung, Dez. 1939 Freiwilliger der frz. Armee (Ausländer-Freiwilligen-Regt.), nach der Demobilisierung Kämpfer in der Résistance; ab 1940 illeg. pol. Arbeit in Paris, u. a. Wehrmachtsprop. (»Jean Louis Maurel«); ab 1943 Hauptred. der illeg. Ztg. »Volk u. Vaterland«, zus. mit  Otto Niebergall Ltr. bzw. Gen.-Sekr. des Komitees Freies Dtl. für den Westen. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; zunächst Reorg. der KPD im Saargeb. u. im Rheinl.; dann Red. der »Dt. Volksztg.«, Mitarb. des »Neuen Dtl.«; 1946 KPD/SED; 1949 – 55 Chefred. der DSF-Monatsschrift »Die Neue Ges.«; Begr. u. bis 1954 Ltr. der Illustrierten »Freie Welt«; ab 1955 freischaff. Schriftst. in Berlin; Mitgl. des Vorst. des DSV; 1959 Lessing-Preis; 1962 Mitgl. des Präs. der Dt.-Frz. Ges.; Mitgl. des Präs. der Urania; 1960 NP; 1960, 1972 u. 1977 VVO; 1982 Stern der Völkerfreundschaft; seit 1978 als IM »Harry« für das MfS erf.; Gestaltung seiner Résistance-Erlebnisse in der dreizehnteiligen TV-Serie »Salut Germain!« (1971); Verf. linientreuer, propagandist. Stücke u. Filme, u. a. »Abschied vom Ruhm« (Fernsehspiel, 1983).Wo Dtl. lag. Berlin 1947; Der illegale Casanova. Erzählungen. Berlin 1967; Es waren zwei Königskinder. Kinderbuch. Berlin 1979; Botschafter ohne Agrément. Berlin 1979; Gesichter im Rückspiegel. Autobiogr. 1989. Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der BFD für den Westen in Frankreich (1943 – 1945). Berlin 1974; Wirth, G.: Die Hauser-Chronik. Berlin 1982; Leo, G.: Frühzug nach Toulouse. Berlin 1988; H. H. Ein dt. Kommunist in der Résistance. In: Faller, K., Wittich, B.: Abschied vom Antifa. Frankfurt (Oder) 1997.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Havemann, Robert

* 1910 – ✝ 1982

Robert Havemann ist mit seinem politischen Lebensweg die Ausnahme in der DDR geblieben: vom zum Tode verurteilten Antifaschisten über den SED-loyalen Naturwissenschaftler und Funktionär zum intensiv verfolgten Oppositionellen, der sich bis an sein Lebensende weigerte, in den Westen zu emigrieren. Mit seiner mutigen Haltung, seinem Freiheitsbegriff und seiner politischen Lebenserfahrung wurde er zu einem Symbol der DDR-Opposition.Robert Havemann wurde am 11. März 1910 in München geboren. Seine Mutter war Malerin, sein Vater Lehrer, Autor und Redakteur. Nach dem Studium der Chemie promovierte er 1935 an der Berliner Universität. Bereits 1933 hatte er sich der Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“ angeschlossen, die sich aus oppositionellen KPD- und SPD-Mitgliedern zusammensetzte. Im Juli 1943 gründete er die Widerstandsgruppe „Europäische Union“ mit, die Verbindungen zu illegalen Organisationen ausländischer Zwangsarbeiter aufbaute und von der Deportation bedrohte Juden versteckte. Im Herbst 1943 wurden Mitglieder der Gruppe schlagartig verhaftet. Der Volksgerichtshof verurteilte Havemann und 13 weitere Angeklagte zum Tode. Befreundete Wissenschaftler erreichten jedoch, dass Havemanns Hinrichtung wegen vorgeblich „kriegswichtiger“ Forschungen mehrfach aufgeschoben wurde. In der Todeszelle, in der er für die Wehrmacht forschen sollte, baute er einen Radioempfänger und gab täglich sein illegales Nachrichtenblatt „Der Draht“ an die Mithäftlinge heraus. Nach dem Ende der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges setzen die sowjetischen und ostdeutschen Kommunisten Havemann im Juli 1945 als Leiter der Kaiser-Wilhelm-Institute in Berlin-Dahlem ein, die im künftigen amerikanischen Sektor lagen. Er widmete sich sofort dem Aufbau einer neuen, antifaschistischen Gesellschaft, gehörte dem Hauptausschuss „Opfer des Faschismus“ an und wurde Mitbegründer des Kulturbunds. Der sowjetische Geheimdienst warb ihn an, damit er über die überlebenden Angehörigen von „Neu Beginnen“ berichtete, die als SPD-Mitglieder die Zwangsvereinigung mit der KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) verhindern wollten. Der Kontakt wurde 1948 beendet, weil Havemann keine brauchbaren Informationen lieferte. Im gleichen Jahr setzten ihn die misstrauisch gewordenen Amerikaner als Leiter der Kaiser-Wilhelm-Institute ab, beließen ihn aber dort noch als Abteilungsleiter. Als er im Februar 1950 die amerikanischen Pläne zur Entwicklung der Wasserstoffbombe in der SED-Zeitung „Neues Deutschland“ kritisierte, wurde er endgültig entlassen. Havemann siedelte in die DDR über und wurde Professor und Direktor des Physikalisch-Chemischen Instituts an der Humboldt-Universität Berlin. 1951 trat er in die SED ein und übernahm eine Reihe politischer und wissenschaftlicher Funktionen. Als Vertreter des Kulturbundes blieb er bis 1963 Volkskammerabgeordneter. Kurz bevor ihn die Geheimrede Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU erschüttern sollte, ließ er sich im Februar 1956 vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als „Geheimer Informator“ (GI) dazu verpflichten, westliche Wissenschaftler wie Werner Heisenberg und Max Born auszuhorchen und sie für die DDR zu gewinnen. Ab 1959 überwachte ihn das MfS jedoch als verdächtig gewordenen Mitarbeiter. Während seiner letzten Vorlesungsreihe eröffnete das MfS 1964 gegen ihn einen Operativen Vorgang (OV). Mit den zaghaften Enthüllungen des XX. Parteitags der KPdSU über Stalins Verbrechen fand Havemann seine eigene kritische Sicht und forderte auch die Entstalinisierung der SED. Er bewertete auf Parteiversammlungen die Streiks in Polen vom *Juni 1956 und die *Ungarische Revolution von 1956 als ein Drängen nach Demokratisierung, dem die kommunistischen Parteien nachgeben müssten und forderte Informations- und Meinungsfreiheit als Voraussetzung zur Überwindung des Stalinismus. In einem Kolloquiumsvortrag im September 1962 legte er dar, dass der Marxismus durch seine offiziellen Vertreter zunehmend diskreditiert worden sei. Da der Vortrag nicht veröffentlicht werden durfte, verschickte Havemann sein Manuskript im In- und Ausland. Als Folge wurde er 1963 aus der Universitätsparteileitung ausgeschlossen. Im Wintersemester 1963/64 hielt er seine letzte, Aufsehen erregende Vorlesungsreihe „Naturwissenschaftliche Aspekte philosophischer Probleme“, in die über 1.000 Hörer aus dem ganzen Land und aus West-Berlin strömten. Die Vorlesungsskripte wurden von Studenten vervielfältigt und verbreitet. In den Vorlesungen erläuterte Havemann seine Vorstellung von der Freiheit des Einzelnen im Sozialismus: „Freiheit ist nur erstrebenswert, ist nur moralisch, die nicht die Freiheit Einzelner ist, sondern die Freiheit aller. […] Wahre Freiheit haben wir erst, wenn es für unser Tun und Lassen eine breite Skala von Möglichkeiten gibt […], sodass jeder ganz nach seinem individuellen Streben handeln kann, nicht beschnitten und eingeengt durch Anordnungen, Befehle und Grundsätze.“ Die SED-Führung sah darin eine Gefährdung ihrer Herrschaft. Havemann wurde als Hochschullehrer fristlos entlassen und aus der Partei ausgeschlossen. Als Vorwand diente seine Äußerung in einer Hamburger Zeitung, dass den DDR-Bürgern mehr Freiheit gegeben werden müsse als den Bewohnern westlicher Länder, denn nur auf dieser Grundlage könne der Sozialismus erfolgreich sein. Seine Entlassung aus der Arbeitsstelle für Photochemie im Dezember 1965 und der Ausschluss aus der Akademie der Wissenschaften führten zum endgültigen Berufsverbot. Der Grund hierfür war sein Artikel zur Neuzulassung der KPD in der Bundesrepublik, die er mit dem Aufruf zur demokratischen Erneuerung der SED verbunden hatte. Die SED startete daraufhin politisch und publizistisch eine Kampagne zur „politisch-ideologischen Zerschlagung und Isolierung Havemanns“.Doch Havemann ließ sich nicht mundtot machen und prägte eine neue oppositionelle Handlungsweise. In einem Staat ohne Öffentlichkeit nahm er sich die Freiheit und wurde politischer Publizist, der über westliche Medien Einfluss auf die politischen Verhältnisse zu nehmen und Gehör bei seinen Landsleuten zu finden suchte. Jahre später entwickelten Oppositionelle daraus die Praxis, Publizität im Westen als Schutz vor Verfolgung im Osten zu schaffen. In den 60er und 70er Jahren bildeten sich um Havemann Kreise von Oppositionellen – darunter Schriftsteller und Künstler wie seine Freunde Wolf Biermann und Jürgen Fuchs. Über die Mauer hinweg suchte und fand er den Austausch mit Eurokommunisten und demokratischen Linken im Westen, die ihn unterstützten. Havemann verteidigte die Reformen des *Prager Frühlings in der Tschechoslowakei, weil Kommunisten „zum ersten Mal nicht nur mit Worten, sondern in ihren Taten die Ideen des Sozialismus mit der Idee der Freiheit“ verbunden hätten. Seine Söhne Frank und Florian wurden wegen ihrer Proteste gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei im August 1968 verhaftet. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns im November 1976 stellte die SED-Führung Havemann bis Mai 1979 unter Hausarrest. Mit Mut, Fantasie und Hilfe von Freunden aus dem Osten und Westen gelang es ihm, die Isolation seines von der Staatssicherheit scharf bewachten Wohnhauses in Grünheide bei Berlin gelegentlich zu durchbrechen. So gelang es ihm beispielsweise, sich im Februar 1977 in Berlin mit Lucio Lombarde-Radice, einem Mitglied des Zentralkomitees der italienischen Kommunistischen Partei, zu treffen. Im Herbst 1978 war Havemanns Stimme im Westradio zu hören: Er hatte seine Antworten auf Fragen des in West-Berlin lebenden Manfred Wilke auf Tonbandkassetten gesprochen, aus denen, nachdem sie in den Westen geschmuggelt worden waren, das Buch „Ein deutscher Kommunist. Rückblicke und Perspektiven aus der Isolation“ entstand.Im Mai 1979 hob die Staatsmacht den Hausarrest auf. Gleich darauf wurde Havemann wegen seiner Publikationen im Westen in einem vom MfS konzipierten Gerichtsverfahren zu einer Geldstrafe von 10.000 Mark verurteilt. Dennoch meldete er sich mit „Zehn Thesen zum 30. Jahrestag der DDR“ wieder öffentlich zu Wort, kritisierte die Verschärfung der Strafgesetze und forderte unter anderem die Zulassung einer Opposition in der Volkskammer, Meinungsfreiheit, die Haftentlassung politisch Verurteilter, die Aufhebung der Zensur, ein unabhängiges Presseorgan und die Veröffentlichung seiner Thesen im „Neuen Deutschland“. Viele dieser Forderungen standen beim politischen Aufbruch im Herbst 1989 an erster Stelle. 1980 erschien Havemanns letztes Buch „Morgen. Die Industriegesellschaft am Scheideweg. Kritik und reale Utopie“. Er zog eine schonungslose Bilanz der sozialen Katastrophen und Krisen des 20. Jahrhunderts und legte dar, dass weder moderner Kapitalismus noch realer Sozialismus die globalen Probleme der Menschheit lösen könnten. In seinen letzten Lebensjahren unterstützte er die entstehende unabhängige Friedensbewegung und gab ihr fruchtbare Impulse. In einem Brief vom Juli 1981 forderten Havemann und Rainer Eppelmann Staats- und Parteichef Erich Honecker auf, das gesellschaftliche Leben in der DDR zu entmilitarisieren und sich für eine kernwaffenfreie Zone und für den Abzug aller ausländischen Truppen in Mitteleuropa einzusetzen. Eine Antwort blieb aus. Am 20. September richtete Havemann einen offenen Brief an den sowjetischen Parteichef Leonid Breschnew. Havemann schlug vor, die Teilung Europas in militärische Blöcke durch Friedens- und Abrüstungsverträge zu überwinden und die beiden deutschen Staaten zu vereinigen, denn „die Teilung Deutschlands ist die Voraussetzung der tödlichsten Bedrohung, die es in Europa jemals gegeben hat“. Der Brief fand als gesamtdeutsche Initiative auch im Westen zahlreiche Mitunterzeichner. Ende 1981 arbeiteten Havemann und Rainer Eppelmann am Text des „Berliner Appells“, der diese Vorschläge erneut aufgriff und sie mit der Forderung nach Demokratie und Entmilitarisierung in der DDR verband. Dieser Appell wurde im Januar 1982 veröffentlicht, wenige Wochen vor Havemanns Tod. Robert Havemann starb am 9. April 1982 in Grünheide. Trotz des Großaufgebots der Staatssicherheit nahmen mehrere Hundert Menschen von ihm Abschied. Das Haus, in dem er gelebt hatte, wurde auf Initiative seiner Frau Katja am 10. September 1989 zum Gründungsort des Neuen Forums.Werner Theuer Letzte Aktualisierung: 09/16

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Heartfield, John

* 19.6.1891 – ✝ 26.4.1968

Geboren am 19. Juni 1891 in Berlin-Schmargendorf als Helmut Herzfeld, Sohn des sozialistischen Dichters und Schriftstellers Franz Herzfeld (Pseudonym Franz Held), Helmut war Neffe von Joseph Herzfeld; wuchs in Salzburg auf, anschließend Buchhändlerlehre in Wiesbaden, 1906/07 Unterricht bei dem Wiesbadener Maler Bouffier. Von 1907 bis 1911 studierte er an der Kunstgewerbeschule in München und war 1911/12 Erster Zeichner in der Werbeabteilung einer Mannheimer Firma. Von 1912 bis 1914 Besuch der Kunst- und Handwerksschule in Berlin-Charlottenburg, dann von 1914 bis 1916 Soldat im Weltkrieg, aus Protest gegen den Chauvinismus nannte er sich seit 1916 John Heartfield. Er gründete mit seinem Bruder Wieland Herzfelde den Verlag Neue Jugend und den Malik-Verlag. Seit 1919 Mitglied der KPD, neben George Grosz war er der bekannteste Graphiker der KP-Presse und entwickelte die künstlerische Form der politischen Fotomontage. Gemeinsam mit seinem Bruder Wieland zeichnete er, gestaltete Bücher und montierte satirische Blätter und Plakate für die KPD. Seit 1930 ständiger Mitarbeiter der AIZ; 1933 flüchtete er in die âSR und setzte von dort aus seinen Kampf gegen das NS-Regime fort. 1938 emigrierte er nach Großbritannien, schloß sich dem Freien Deutschen Kulturbund an und kehrte erst im September 1950 über Prag in die DDR zurück. Heartfield wurde 1960 Professor an der Hochschule für angewandte Graphik in Leipzig und schuf zahlreiche Bühnenausstattungen für das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater. Der international anerkannte Graphiker geriet 1951 wegen seiner Westemigration in die stalinistische Säuberungskampagne der SED. Die ZPKK beschloß am 19. März 1951, daß John Heartfield »wegen Verbindung zu Mitarbeitern der von Noel Field geschaffenen USC in London aus Sicherheitsgründen nicht in die Partei aufgenommen werden kann«. Erst im Juli 1956 wurde er in die Partei aufgenommen. Seit 1956 Ehrenmitglied des VBK und des Künstlerverbandes der âSSR, seit 1957 gehörte er auch der AdK in Ost-Berlin an. Er erhielt 1967 den Karl-Marx-Orden. John Heartfield starb am 26.April 1968 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Hedeler, Walter

* 17.11.1911 – ✝ 11.5.1994

Geb. in Leipzig; Vater Buchbinder, Angest., Mutter Kontoristin; Volks- u. Oberschule, Abitur; 1928 – 30 Ausbildung im Waldorf-Verlag in Stuttgart; 1928 KJVD; 1929 KPD; 1931/32 Besuch der Buchhändlerlehranstalt in Leipzig; ab 1933 illeg. pol. Arbeit; Org.-Ltr. der BL Württemberg der KPD; 1935 in Abwesenheit zum Tode verurteilt; Emigr. in die ČSR u. dann in die UdSSR; 1935 – 37 Kursant an der Lenin-Schule (»Walter Hegele«); 1937 – 38 dort Parteiorganisator des dt. Sektors; 1938/39 Red. u. stellv. Ltr. der Auslandsabt. der DZZ; 1939/40 Mitarb. in der Vertr. der KPD im EKKI, Unterstützung von  Rudolf Lindau bei der Ausarbeitung eines Abrisses der KPD-Geschichte; dann Mitarb. der Presseabt. des EKKI; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 1941 sowj. Staatsbürgerschaft, Paß auf den Namen Walter Hedeler; Okt. 1941 Evakuierung in den Kolchos Ilmursa bei Ufa; 1942 Sprecher u. Red. beim Dt. Volkssender in Ufa; Ende 1942 nach einer Verleumdungskampagne gegen dt. KI-Mitarb. Entlassung von der Arbeit u. Ausschl. aus der KPD; Anf. 1943 Verbannung nach Tomsk, Schwarz- u. Gelegenheitsarbeiten, 1946 – 55 Hauptbibliothekar an der Univ.-Bibliothek, 1948 Registrierung v. MWD als Zwangsangesiedelter bzw. Verbannter. Am 27.7.1955 Übersiedl. in die DDR; 9.11. 1955 ZPKK-Beschluß zur Aufhebung des Parteiausschl. von 1942 u. Aufnahme in die SED; bis Febr. 1956 stellv., 1957 – 59 Chefred. der »Leipziger Volksztg.« (Nachf. von  Kurt Hanke); Mitgl. der SED-BL Leipzig; nach Kritik durch  Horst Sindermann auf der 3. Pressekonferenz des ZK der SED 1960 Versetzung in die Red. der »Einheit«; 1961 – 75 Mitarb. bei der Ztschr. »Probleme des Friedens u. des Soz.« in Berlin; danach ehrenamtl. Mitarb. der »Einheit«; 1976 Ehrenspange zum VVO; 1982 u. 1986 Stern der Völkerfreundschaft.Erler, P.: Zwischen stalinistischem Terror u. Repression. In: JHK 1996. Berlin 1996; Tischler, C.: Flucht in die Verfolgung: Dt. Emigranten im sowj. Exil. Münster 1996.Peter Erler

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Hegewald, Heidrun

* 21.10.1936

Geb. in Meißen; OS; 1951 – 54 Ausbildung zur Damenmaßschneiderin; 1954/55 in Dresden Schneiderin im Modesalon Rakette; 1955 – 58 Studium im Fach Entwurf an der FS für Bekleidung in Berlin; 1958 – 61 Studium der Grafik an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; 1960 – 71 freischaff. Grafikerin in Berlin; 1963 – 93 VBK; 1971 – 74 Mstr.-Schülerin der AdK bei  Werner Klemke; 1974 – 83 Mitgl. der Sektionsltg. Malerei/Grafik des VBK Berlin; seit 1975 freischaff.; seit 1976 auch publizist. Arbeiten; 1978 – 88 Mitgl. im ZV u. im Präsidium des VBK; 1989 NP. Seit 1990 zahlr. Lesungen sowie (kultur-) polit. Aktivitäten im Umfeld der PDS; 1993 Mitgl. des Bundesverb. Bildender Künstlerinnen u. Künstler e. V.; seit 1993 zur Existenzsicherung auch als Arzthelferin tätig; 2003 Ausst. »H. H. – Malerei, Zeichnung u. Grafik« in der Berliner Inselgalerie; lebt in Berlin-Karow. Werke: Buchillustrationen zu  Peter Hacks, John Erpenbeck; Tafelbilder: u. a. Spielendes Kind (1974), Kind u. Eltern (1976), Schlaf (1977), Die Tanzmeister. Ein Bild über die falschen Töne (1981), Gegensätzliche (1982), Mütter (1982), Die Mutter mit dem Kinde (1984/85), Prometheus bemerkt das Spiel mit dem Feuer (1986).Meine Sehnsucht ist krisenfrei. In: Förster, G. (Hrsg.): Es zählt nur, was ich mache. Gespräche mit bildenden Künstlerinnen aus Berlin (Ost) seit 1990. Berlin 1992; Frau K. Die zwei Arten, zu erbleichen. Berlin 1993. Kat. H. H. Malerei – Grafik – Handzeichnungen. Bezirksmuseum Potsdam/Staatl. Galerie Moritzburg. Halle 1980; Bertram, A.: H. H. Zeichnungen – Malerei – Graphik – Texte. Berlin 2004.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Heicking, Wolfram

* 19.5.1927

Geb. in Leipzig; Volksschule, Gymn.; 1946 – 51 Studium Klavier, Musiktheorie, Komposition u. Musikwiss.; 1951 St.-Ex.; 1951/52 wiss. Assistent am Inst. für Musikerziehung der HU Berlin; seit 1957 Doz. für Tonsatz an der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin; 1959 Prom.; 1969 Prof. für Tonsatz u. Komposition; 1972 – 82 Vors. des Bez.-Vorst. Berlin des VDK; 1973 Kunstpreis der DDR; 1974 VVO; 1979 NP (im Koll.); 1982 – 89 Vizepräs. des VDK; 1983 AdK; 1988 Vors. des Berliner Musikbeirats; 1997/98 Musik für den Film »Abgehauen«; lebt in Werneuchen. Zahlr. Werke der Orchester- u. Kammermusik, Lieder, Chansons, Jazz- u. Tanzmusik sowie Musik zu zahlr. Spiel-, Dok.- u. Fernsehfilmen, u. a. »Spur der Steine« (1965/66), »Hochzeitsnacht im Regen« (1966/67), »Schüsse unterm Galgen« (1967/68), »Anton, der Zauberer« (1977/78), »Asta, mein Engelchen« (1980).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Heider, Günther

* 13.10.1928 – ✝ 24.8.2006

Geb. in Ilmenau; Vater Werkzeugmacher; Volksschule; 1943 – 47 Landwirtschaftsschule, landw. Gehilfe, 1948 Examen an der Ackerbauschule; 1949 SED; 1949 – 51 Abiturausb. an der ABF Jena; 1951 – 56 Studium der Veterinärmed. an der Univ. Leipzig, anschl. Assistent bzw. Oberassistent, 1957 tierärztl. Approbation, 1958 Prom. zum Dr. med. vet. mit einer Arbeit zur Salmonelleninfektion bei Zuchtenten; 1962 Berufung an die HU Berlin, Doz., Dir. des Inst. für Geflügelkrankheiten u. Dir. der Lehr- u. Versuchsstation Damsdorf, 1967 Prof. mit Lehrauftrag, 1968 ord. Prof. für Geflügelkrankheiten u. bis 1975 Dir. der neuen Sektion Tierprod. u. Veterinärmed.; 1962 Sekr., 1973 – 90 Präs. der Wiss. Ges. für Veterinärmed. (Nachf. von  Karl Rothe); 1977 Kand., 1981 ord. Mitgl. der AdL; Mitgl. des Wiss. Beirats für Agrarwiss. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen, der Wiss. Räte des Kombinats Industrielle Tierprod. u. des Geflügelwirtschaftsverb. der DDR sowie des Rats für Biotechnol. der HU; Dr. h. c. der AdW der VR Polen, 1989 VVO. 1993 Altersrentner; seit 1990 Mitgl. des Parteirats u. Ältestenrats beim PV der PDS. Forschungen u. Publ. zu Geflügelkrankheiten, Virol., Immunol. u. zur Molekularbiol.; maßgebl. beteiligt an der Entw. der industriemäßigen Geflügelprod. in der DDR.Vorbeugender Gesundheitsschutz in der industriellen Geflügelproduktion. Jena 1972; W. Busch (Hrsg.): Grundriß der Tiergesundheitslehre. Jena 1989 (Mitautor); Krankheiten des Wirtschaftsgeflügels. Jena 1992, 2 Bde. (Hrsg. u. Mitautor).Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Heil, Alfred

* 13.2.1921

Geb. in Dresden; Vater Bankangestellter; Gymnasium, Abitur; ab 1938 Bauingenieurstudium an der TH Dresden; 1940 – 45 Wehrmacht (Griechenland, Balkan), zuletzt Wachtmstr., 1945 NKFD in Italien. 1946 Mitgl. im antifasch. Jugendaussch. in Dresden; Mitbegr. der FDJ in Dresden, Sekr. für Kultur u. Bildung; 1947 Mitgl. des FDJ-KV Freiberg; 1948 / 49 stellv. Vors. für Agit. u. Prop. des Landessportaussch. Sachsen; 1950 –52 Studium an der PHS der SED; 1952 – 54 Abt.-Ltr. Agitation u. Propaganda im Staatl. Komitee f. Körperkultur u. Sport; 1954 – 59 Chefred. der Ztg. »Dt. Sport-Echo«; 1957 – 78 Mitgl. des DTSB-Bundesvorst., 1957 – 73 Mitgl. des Präsidiums, 1959 – 66 Sekr., 1966 – 73 Vizepräs. des DTSB-Bundesvorst.; 1958 – 60 Präs. des Dt. Tennisverb., später Vizepräs.; 1969 – 90 Vizepräs. der Gesell. zur Förderung des olymp. Gedankens; 1973 – 87 GD der Auslandspresseagentur »Panorama DDR«; danach Rentner; 1960 u. 1972 VVO; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; lebt in Berlin.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Heilig, Bruno

* 26.4.1888 – ✝ 21.7.1968

Geb. in Hohenau a. d. March (Österreich) in einer jüd. Fam.; Vater Kfm.; Volksschule, Gymnasium in Lundenburg, 1908 Abitur; anschl. sieben Semester Jurastudium an der Univ. Wien; danach journalist. tätig; ab 1912 Mitarb. der ungar. Nachrichtenagentur MTI in Budapest; 1914 – 18 Soldat bei einem ungar. Telegrafen-Regt.; anschl. journalist. tätig, 1920 für die Ztg. »Pesti Napló« (Budapest) u. Korrespondent der »Vossischen Ztg.«; Nov. 1928 aus pol. Gründen Ausweisung aus Österreich u. Ungarn; 1928 – März 1931 Mitarb. im Ullstein-Verlag Berlin, anschl. Berliner Korresp. des »Wiener Tags« u. der »Prager Presse«; Sept. 1933 vor drohender Verhaftung Flucht nach Wien; Journalist für die Ztg. »Der Wiener Tag« u. »Der Morgen«; Aug. 1934 – Jan. 1935 Red. der jüd. Ztg. »Die Stimme«; Aug. 1935 Leitartikler der Montagsztg. »Der Morgen«; März 1938 von der Gestapo in Wien inhaftiert, 1938/39 Haft in den KZ Dachau u. Buchenwald; Apr. 1939 Entlassung, Sommer 1939 Flucht über Italien nach England; Mitarb. der Ztg. »Land and Liberty«; Mitgl. des KP-Forums »Austria of Tomorrow«; verarbeitete seine KZ-Erfahrungen in dem Reportageroman »Men Crucified« (London 1941, dt. »Menschen am Kreuz« 1948); Frühj. 1941 Schlosserlehre, anschl. bis 1944 Arbeit als Dreher u. Werkzeugmacher; Dez. 1941 Mitunterz. der »Deklaration österr. Vereinigungen in Großbritannien«; Mitgl. der Free Austrian Movement. 1947 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Mitarb. im Office of Chief of Council for War Crimes; SED; ab 1948 Red. der Ztg. »Dtl. Stimme«, 1949 – 52 mit  Max Spangenberg ihr gleichber. Chefred., zuständig für Außenpol.; gleichz. außenpol. Kommentator des Rundfunks; ab 1953 freischaff. Schriftst., Übersetzer aus dem Engl. u. Ungar., wichtiger Mittler der ungar. Lit. in der DDR, übersetzte u. a. István Örkény, Zsigmond Móricz, Mór Jókai; gest. in Berlin.Nicht nur die Juden geht es an. Wien 1936; Der lange Marsch. Ein Bericht vom Werden des neuen China. Berlin 1951; Menschen am Kreuz. Dachau – Buchenwald. Weitra 2002; Wiener Beiträge. 1933 – 1938. Weitra 2003. Maimann, H.: Pol. im Wartesaal. Österr. Exilpol. in Großbritannien 1938 – 1945. Wien 1975.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heimburger, Arthur

* 24.7.1895 – ✝ 21.12.1989

Geboren am 24. Juli 1895 in Leipzig, Sohn eines Drechslers; Lehre und Angestellter bei der Volksfürsorge in Hamburg. Im Weltkrieg Soldat, 1916 Mitglied der SPD, 1919 der KPD. Heimburger, der ab 1920 der BL Mitteldeutschland angehörte und zeitweise Orgleiter in Leipzig, Dresden und Hannover war, arbeitete ab 1922 in der Zentrale der KPD im Bereich »Abwehr«. Mehrmalige Verhaftungen (1926 und 1928). Ende 1928 Ausschluß aus der KPD und Mitglied der KPO. Redakteur der KPO-Zeitung »Arbeiterpolitik« bis Anfang 1933. Heimburger leistete nach 1933 mit anderen KPO-Mitgliedern illegale Arbeit, wurde aber angeblich 1934 aus der KPO ausgeschlossen. Von 1940 bis 1945 Angestellter in Berlin. 1945 wieder Mitglied der KPD, 1946 der SED, deren Sekretariatsmitglied in Berlin-Neukölln. Im FDGB aktiv, er wurde Redakteur im Verlag Tribüne und gehörte bis zum 3. FDGB-Kongreß dem Bundesvorstand des FDGB an. Später stellvertretender Chefredakteur der FDGB-Zeitschriften »Kulturelles Leben« bzw. von 1956 bis 1961 der »Rundschau«. Erst 1961 hat die ZPKK Parteistrafen gegen ihn wegen früherer KPO-Tätigkeit aufgehoben. Seine Ehefrau Lucie Heimburger (* 25. 5. 1897 – † 23. 10. 1983), geborene Gottschar, war gelernte Stenosekretärin und arbeitete während der Revolution im Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte. Sie war Stenographin während der Verhandlungen auf dem Gründungsparteitag der KPD. Von 1922 bis 1924 bei der sowjetischen Handelsvertretung beschäftigt und von 1924 bis 1929 im ZK der KPD (Ressort Polizei- und Zersetzung der Reichswehr). Auch sie wurde im Dezember 1929 aus der KPD ausgeschlossen, trat wie ihr Mann in die KPO ein und war mit ihm im Widerstandskampf aktiv. Arthur Heimburger starb am 21. Dezember 1989 in Ost-Berlin.

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Hassel, Wilhelm

* 16.7.1892 – ✝ 13.7.1967

Geboren am 16. Juli 1892 in Eupel; nach der Lehrzeit als Schlosser nach Hamburg, trat dort 1913 der SPD und 1917 der USPD bei. Er kam als enger Freund Ernst Thälmanns mit diesem 1920 zur KPD. Hassel arbeitete als Maschinenbauer in Hamburg. 1924 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, der er bis 1927 angehörte. Mitte 1925 als Orgleiter in den KPD-Bezirk Ruhr entsandt, wo er nach dem »Offenen Brief« im Oktober 1925 auch für einige Wochen Polleiter war. 1926 ging er wieder nach Hamburg. Er sympathisierte einige Zeit mit der linken Opposition, unterschrieb 1926 den oppositionellen »Brief der 700«, zog seine Unterschrift wieder zurück und wurde Anfang 1927 vom ZK als Polleiter nach Hessen-Kassel geschickt, Delegierter des XI. Parteitags in Essen. Im Oktober 1927 in Kassel von Robert Neddermeyer abgelöst (wegen »Trunkenheit«), doch die Oppositionspresse behauptete, Hassel habe Gelder unterschlagen und Saufgelage abgehalten. Er wurde UB-Sekretär der KPD in Lübeck, kehrte 1929 zurück nach Hamburg und war wieder kurz Mitglied der BL. Dann trat er politisch nicht mehr hervor. Wilhelm Hassel starb am 13.Juli 1967 in Hamburg.

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Hauschild, Robert

* 28.4.1900

Geboren am 28. April 1900 in Gera; wurde nach dem Besuch des Gymnasiums Journalist. Seit 1919 Mitglied der KPD, Mitte der zwanziger Jahre Redakteur und Mitarbeiter an verschiedenen KPD-Zeitungen. Hauschild machte sich einen Namen als Experte für militärpolitische Fragen und arbeitete im AM-Apparat der KPD mit. Auch als Autor für philosophische Themen (etwa das Verhältnis von Marx und Feuerbach) oder als Engels-Editor wurde er bekannt. 1932 in die Sowjetunion übergesiedelt, arbeitete Hauschild unter dem Pseudonym Rudolf Haus als Redakteur der »Deutschen Zentral-Zeitung« und der Zeitschrift »Gegen-Angriff« in Moskau. Am 31. August 1936 vom NKWD verhaftet und im Mai 1937 zu fünf Jahren Lager verurteilt. Robert Hauschild wurde im Gulag ermordet, das genaue Todesdatum ist nicht bekannt.

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Hausladen, Hans

* 19.1.1901 – ✝ 20.4.1938

Geboren am 19. Januar 1901 in Wendelstein/ Krs. Mittelfranken in Bayern, Sohn eines Arbeiters; bis 1929 Bergmann in Essen und Bottrop. 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD und bis 1929 auch Funktionär der KPD und des RFB in Bottrop. Im April 1929 wurde Hausladen Redaktionsvolontär in der Gewerkschaftsabteilung der BL Ruhrgebiet in Essen. Von Juli 1929 bis Februar 1931 UB-Sekretär, besuchte von Januar bis März 1930 einen Lehrgang an der Reichsparteischule Berlin-Fichtenau. Ab Februar 1931 Leiter des Einheitsverbandes der Bergarbeiter im Ruhrgebiet, im Mai 1932 im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Preußischen Landtag gewählt. Im März 1933 verhaftet und bis April 1934 im Polizeigefängnis Essen sowie im KZ Sonnenburg inhaftiert, wo er schwer gefoltert wurde. Nach seiner Freilassung arbeitete Hausladen illegal, emigrierte im August 1934 zunächst in die Niederlande, anschließend ins Saargebiet und nach Frankreich. Von Februar bis Juli 1935 war er für die RGI (Bergbau) in Paris tätig. Anschließend kam er in die Sowjetunion, dort im Büro der RGI in Moskau Referent unter dem Parteinamen Henry Jakob. 1937 vom NKWD verhaftet. Obwohl Wilhelm Pieck sich für ihn am 20. April 1938 bei Dimitroff einsetzte, wurde Hans Hausladen am 10. August 1938 vom NKWD erschossen. Sein älterer Bruder Anton Hausladen, geboren am 7. März 1894 ebenfalls in Wendelstein, von Beruf Metalldrücker, seit 1919 Mitglied der KPD, gehörte ab Februar 1927 der erweiterten BL Nordbayern an. Im Mai 1930 UB-Sekretär für Nürnberg-Fürth und Mitglied der engeren BL Nordbayern, außerdem stand er an der Spitze der RGO Nordbayerns, 1928 auch zum Stadtrat von Fürth gewählt. Anton Hausladen wurde am 20. April 1933 verhaftet und 1934 freigelassen, aber kurz danach erneut festgenommen und am 15. Mai 1934 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, er kam anschließend ins KZ. Über zehn Jahre in Haft, davon 28 Monate im Strafblock. 1943 entlassen und zur Zwangsarbeit in die Tschechoslowakei geschickt, nach Kriegsende kehrte er nach Fürth zurück, bis Juli 1948 Wohnungsreferent der Stadt Fürth. Anton Hausladen starb an den Folgen des in der Haft zugezogenen schweren Leberleidens am 12. September 1949 in Fürth.

Wer war wer in DDR

Havemann, Katja

* 30.11.1947

Geb. in Neubarnim (Oderbruch) in einer Bauernfamilie; 1954 – 64 POS Neubarnim; anschl. bis 1967 Berufsausbildung mit Abitur im VEG(Z) Tierzucht Neuenhagen (b. Berlin); 1967 / 68 Studium an der HfÖ in Berlin-Karlshorst, Abbruch auf eigenen Wunsch; ab 1968 Arbeit in einem Kinderheim in Berlin; 1973 Abschluß eines Studiums zur Heimerzieherin in Hohenprießnitz (b. Leipzig); 1974 Heirat mit Robert Havemann, seitdem mitbetroffen von diversen Repressionen des MfS gegen Robert H., u. a. einem mehr als zweijährigen Hausarrest; in den 1970er u. 1980er Jahren zeitw. Hausfrau bzw. versch. Erwerbstätigkeiten, u. a. als Heimerzieherin, in einer Autowerkstatt sowie in der Keramikwerkstatt von Bärbel Bohley; ab 1982 engagiert in der opp. Gruppe Frauen für den Frieden, ab 1986 in der IFM, beteiligt an zahlr., z. T. dt.-dt. bzw. internat. Aktionen der unabh. Friedensbew.; Mitunterz. des »Berliner Appells« u. diverser Offener Briefe gegen die Politik der SED; 1989 Mitbegr. des Neuen Forums; vom MfS erfaßt in den OV »Diskussionsklub«, »Leitz« u. »Leitz II«; im Sept. 1990 beteiligt an der Besetzung der MfS-Zentrale Berlin zur Durchsetzung der Sicherung u. Öffnung der Aktenbestände. Seit 1990 Arbeit in versch. Projekten mit Behinderten u. benachteiligten Jugendl.; 1996 Mitbegr. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur; lebt in Grünheide bei Berlin.Geschützte Quelle – Gespräche mit Monika H. alias Karin Lenz. Berlin 1990 (mit I. Kukutz); Robert Havemann oder Wie die DDR sich erledigte. München 2003 (mit J. Widmann).Arno Polzin, Jg. 1962; 1978 – 90 Facharbeiterausbildung und Arbeit als Werkzeugmacher; 1982 – 84 Bausoldat in der NVA; 1984 – 89 Technologie-Fernstudium an der Fach- / Hochschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Berlin; 1990 Mitarbeit im Bürgerkomitee zur Kontrolle der Auflösung der Staatssicherheit Berlin; seit 1990 in verschiedenen Positionen bei dem / der BStU in Berlin, seit 2003 dort Mitarbeiter in der Abt. Bildung und Forschung.

Wer war wer in DDR

Hecht, Friedrich (Fritz)

* 29.8.1918

Geb. in Holzhausen (Ostprignitz); Vater Maurer; Volks- u. Mittelschule; Tiefbauarb.; 1939 RAD, Wehrmacht. 1945 – 49 Angest. der Sozialversicherungskasse in Köthen; 1945 SPD, 1946 SED; 1949 zunächst Geschäftsf. des Raiffeisenverb. Köthen, anschl. Sekr. des VdgB-KV Köthen, 1949/50 Abt.-Ltr. im VdgB-LV Sachsen-Anh.; 1951/52 Instrukteur, Sektorenltr. u. Sekr. für Landw. der SED-LL Sachsen-Anh.; 1952/53 Sekr. für Landw. der SED-BL Halle; 1953/54 Ltr. der Abt. Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Albert Schäfer); 1954 – 58 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 60 1. Sekr. der SED-KL Gräfenhainichen; 1960 – 62 Sekr. für Landw. der SED-BL Dresden (Nachf. von Rudolf Gellenthin); 1962 Mitarb. der ZKSK in Berlin; 1963 – 84 stellv. Vors. der ZKSK bzw. Vors. der ABI im Bez. Neubrandenb.; 1964 – 83 Mitgl. der SED-BL Neubrandenb., 1967 – 83 Abg. des Bez.-Tags; 1985 Ruhestand; seit 1994 Mitgl. der SPD.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Hegen, Josef

* 23.4.1907 – ✝ 28.2.1969

Geb. in Hunschgrün (Krs. Elbogen, Nordböhmen/Podhoří, Tschechien); Vater Bergmann; Volksschule; 1921 – 27 Arbeiter in Ziegeleien u. im Bergbau; 1921 Soz. Jugend; 1924 KPČ; 1927 – 29 Militärdienst in der ČSR; 1930 – 35 Instrukteur u. Bez.-Sekr. des KJVC in Reichenberg u. Mährisch Schönberg, 1933 kooptiertes Mitgl. des ZK des KJVC; 1934 Verhaftung u. zwei Wochen Militärgefängnis wegen Verweigerung der Teiln. an Waffenübungen; 1935 – 38 Lenin-Schule Moskau; 1938 Rückkehr in die ČSR; Verhaftung u. sechs Wochen strenger Arrest nach Anklage als »internat. Deserteur«; 1938/39 Instrukteur der KPČ in Südmähren; Mitgl. des Flüchtlingskomitees für Mähren u. Schles. in Brünn; 1939 – 42 Emigr. in die UdSSR; Arbeit als Schlosser u. Mechaniker; 1942 Vorber. zum Partisaneneinsatz; März 1943 Fallschirmabsprung in Polen; einige Tage später Verhaftung durch die Gestapo, Gefängnishaft in Krakau, Mährisch-Ostrau u. Brünn, ab Okt. 1943 KZ Mauthausen. 1945/46 Instrukteur der KPČ in Karlovy Vary (Karlsbad), leitet die Aussiedl. von Dt. aus der ČSR in die SBZ; 1946 Übersiedl. in die SBZ; 1946/47 Instrukteur, dann Vors. der SED- BL Südwestsachsen; 1947 Sekr. der SED-KL Zwickau; 1948 – 50 Chef der Landesbehörde der VP in Sachsen-Anh. (Nachf. von  Wilhelm Zaisser); 1950 – 52 Innenminister von Sachsen-Anh. (Nachf. von Robert Siewert); Mitgl. des SED-Landessekr.; 1952/53 Vors. des Rats des Bez. Magdeburg, Mitgl. der SED-BL u. deren Sekr.; 1953 – 56 Staatssekr. für innere Angelegenh. im MdI der DDR; 1957 –61 Botschafter in der VR Polen (Nachf. von  Stefan Heymann), 1961 – 64 in der VR China (Nachf. von  Paul Wandel); 1964 2. Stellv. Min., 1966 Staatssekr. u. 1. Stellv. Min. für Auswärtige Angelegenh.; 1967 VVO.Elke Reuter

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Hegewald, Helmar

* 27.6.1941

Geb. in Radebeul; Vater Arbeiter; 1956 FDJ; 1960 Abitur an der Kreuzschule Dresden u. Abschluß als Chemiefacharb.; 1961 – 65 Studium der Chemie u. Pädagogik an der TU Dresden; dort 1965 – 80 wiss. Assistent u. Oberassistent; 1968 SED; 1971 Prom. zum Dr. phil.; 1979 Habil. zu ethisch-moral. Fragen der wiss.-techn. Arbeit; 1980 – 87 Doz. an der Sekt. Philos. u. Kulturwiss. der TU Dresden; 1987 Prof. für Ethik; ab 1981 ltd. Mitarb. in der Ges. für Natur u. Umwelt beim KB; 1986 – 90 Abg. des Bez.-Tags Dresden; Arbeiten zu philosoph. Problemen der ökolog. Erneuerung der Ges., Ing.-Ethos, Umwelttechnik u. Entw. von Umweltbewußtsein; ab 8.12.1989 Mitgl. des Präs. des PV der SED-PDS, Ltr. der Kommission Umweltpol.; Jan. – März 1990 PDS-Vertreter am Zentr. Runden Tisch u. in dessen Arbeitsgr. »Ökolog. Umbau«; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer. Okt. 1990 – 94 Abg. des Sächs. Landtags, Vors. des Umweltaussch.; 1994 Direktbewerber für den Dt. Bundestag; Prof. an der Sächs. Verwaltungs- u. Wirtschaftsakad. Moritzburg.Helmut Müller-Enbergs

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Heidebroek, Enno

* 15.11.1876 – ✝ 1.2.1955

Geb. in Hannover; Gymnasium, Abitur; 1895 – 99 Studium des Maschinenbaus an der TH Hannover, Dipl.-Ing.; 1. Staatsprüfung als Reg.-Bauführer; 1900 Assistent am Lehrstuhl für Maschinenelemente u. Wasserkraftmaschinen an der TH Berlin-Charlottenburg; 1901 Prom. zum Dr.-Ing. an der TH Hannover mit der Diss. »Vergleichende Untersuchungen über die hydraul. Eigenschaften der Überdruckturbinen« (Zweite Maschinenbauprom. in Dtl.); 1903 – 11 in der Pumpenfabrik Weise & Monski in Halle Konstrukteur, Obering., Prokurist; 1911 ord. Prof. für Maschinenelemente, Getriebelehre u. Industriebetriebslehre an der TH Darmstadt; ab 1915 in der techn. Ltg. des Fahrzeugwerks Eisenach; 1919 DDP; 1923 Rektor der TH Darmstadt; 1931 Lehrstuhl für Maschinenkunde u. Fördertechnik an der TH Dresden; 1931 – 34 Vors. des Dt. Studentenwerks; mehrere Jahre Mitgl. im HV des Vereins Dt. Ing.; 1939/40 Betriebsltg. der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. 1945 LDPD; 1945 – 47 Rektor der TH Dresden (Nachf. von  Karl Hahn); Abg. des Sächs. Landtags, 1949 der (Prov.) Volkskammer; 1946 – 49 Präs. der KdT; 1948 Mitgl. der Sächs. AdW; Dr.-Ing. h. c. der TH Darmstadt; 1951 em.; 1952 NP. Arbeitsgebiete: Auswuchtmaschinen, Gleitlager, Schmierung. Fördertechnik für Massengüter. (1952) 3.Klaus-Peter Meinecke

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Heidorn, Günter

* 23.8.1925 – ✝ 23.9.2010

Geb. in Hamburg in einer Arbeiterfamilie; Volksschule u. Gymnasium; 1943 – 45 Kriegsmarine; 1943 NSDAP, 1945 Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Hospitant am Landgericht Limburg (Lahn), 1946 zeitw. Studium der Rechtswiss. an der Univ. Köln; 1946 FDP, Geschäftsf. der FDP-Kreisgr. Köln-Land; 1947 Übersiedl. in die SBZ; 1947 – 51 Studium der Gesellschaftswiss. u. Geschichte an der Univ. Rostock; 1949 SED; 1953 Prom. mit einer Arbeit über die Entw. der Ztg. von der Weimarer Rep. bis zur Gegenwart in der DDR; Doz. am Histor. Inst. in Rostock; 1956 – 58 Prorektor für Gesellschaftswiss. der Univ. Rostock, 1958/59 Prorektor für wiss. Nachwuchs; 1959 Habil. mit einer Studie zum Zusammenhang von Presse- u. Außenpolitik 1902 – 1912; 1959 – 65 erneut Prorektor für Gesellschaftswiss.; 1963 –76 Prof. mit Lehrstuhl für Geschichte der Arbeiterbewegung u. 1965 – 76 Rektor der WPU Rostock (Nachf. von  Rudolf Schick); 1968 – 77 Vizepräs. der Historiker-Ges.; 1976 – 88 stellv. Min. für Hoch- u. Fachschulwesen, zugl. Prof. für Geschichte an der HU Berlin; Mitgl. zahlr. nat. u. internat. Gremien; 1989 Gastprof. in Göteborg; 1.9. 1990 an der HU Berlin em.; 1969 VVO; 1976 Banner der Arbeit; Dr. h. c. Univ. Riga. Mitgl. des Bundesvorst. u. Vors. des KV Bad Doberan/Rostock Land der Volkssolidarität; gestorben in Kritzmow (bei Rostock).Rostocker Arbeiter schlugen den Kapp-Putsch nieder. Rostock 1955 (Mitautor); Monopole – Presse – Krieg. Berlin 1960; Ein Weltkrieg wird vorbereitet. Berlin 1962; Geschichte der Univ. Rostock. Berlin 1969 (Ltg.).Ilko-Sascha Kowalczuk

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Heiland, Karl

* 18.10.1919 – ✝ 17.1.1987

Geb. in Halle; Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer, 1939 RAD, 1940 – 45 Wehrmacht. 1945 – 50 Schriftsetzer, Kalkulator, Betriebsassistent bzw. Instrukteur für Wettbewerb bei der Mitteldt. Druckerei-Verlag Halle; 1946 KPD/SED; 1950 – 53 Hauptreferent u. stellv. Abt.-Ltr. bei der Zentrag; 1953 Lehrgang an der PHS der SED; 1954/55 Ltr. der Abt. Arbeit u. Sozialwesen in der Zentrag; 1956 – 60 stellv. Hauptdir. für Kultur u. Arbeit der Lufthansa bzw. der Interflug, 1961 – 70 Dir. bzw. GD der Interflug (Nachf. von  Arthur Pieck); 1970 – 75 Ltr. der Verkehrspolit. Abt. der DDR-Botschaft in Ungarn; 1975 – 87 Abt.-Ltr. in der Zentrag.Andreas Herbst

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Heiliger, Karl-Heinz

* 13.12.1924 – ✝ 9.3.2001

Geb. in Düsseldorf; Vater Maurer; 1931 – 39 Volksschule; 1939 – 42 Lehre als Maschinenbauer; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945 sowj. Kriegsgef. 1945 Maschinenschlosser; 1946 / 47 Glasarb.; 1946 SED, 1947 FDJ; 1947 Arbeitsgebietsltr., 1948 / 49 Vors. des FDJ-KV Rudolstadt; 1948 Studium an der FDJ-HS in Bogensee; 1949 – 51 2. Sekr. des FDJ-LV Thür.; 1951 / 52 Studium an der HS des Komsomol in Moskau; 1952 – 56 Schulltr. an der FDJ-HS in Bogensee; 1955 – 59 Mitgl., 1956 / 57 polit. Mitarb. des FDJ-ZR; 1957 / 58 Werkltr. des VEB Glüh- u. Glimmlampenwerks Cursdorf (Thür.); 1958 2. Sekr., 1958 – 64 1. Sekr. der SED-KL Sonneberg; 196 – 70 2. Sekr. der SED-BL Suhl; 1969 VVO; 1971 Studium an der HfÖ Berlin-Karlshorst; 1972 – 74 polit. Mitarb. im MfAA; 1973 / 74 Generalkonsul der DDR in Leningrad; 1975 – 78 Betriebsdir. des VEB ELSTAWA Steinbach; gest. in Suhl.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hein, Wilhelm

* 10.1.1889 – ✝ 17.2.1958

Geboren am 10. Januar 1889 in Goldbeck/Pommern als Sohn des Büdners (Kleinbauern) August Hein, siedelte in der Jugend nach Berlin über. Er lernte Maschinenformer und arbeitete in diesem Beruf. 1913 Eintritt in die Gewerkschaft. Im Krieg einige Zeit Soldat. Hein organisierte sich politisch erst 1918 in der USPD, mit deren linkem Flügel kam er im Dezember 1920 zur KPD. 1924 ehrenamtlicher Funktionär im Deutschen Metallarbeiterverband. Ab Oktober 1925 KPD-Stadtverordneter in Berlin. Der Berliner Bezirksparteitag delegierte ihn 1927 in die Bezirksleitung, im gleichen Jahr wurde Hein auf dem XI. Essener Parteitag als Mitglied ins ZK berufen. Hein wurde 1928 als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Der XII. Weddinger Parteitag 1929 wählte ihn erneut zum ZK-Mitglied, er wurde nun auch Kandidat des Polbüros. Die rasche Parteikarriere des Freundes Ernst Thälmanns hielt bis 1933 an. 1930 aus dem DMV ausgeschlossen, übernahm Hein in der RGO führende Funktionen, er war stellvertretender Branchenleiter des Revolutionären Formerverbandes, blieb bis 1933 im Polbüro der KPD. Nach dem Reichstagsbrand verhaftet, jedoch schon nach wenigen Wochen wieder freigelassen. Danach eröffnete Hein eine Gastwirtschaft in Berlin-Wedding, laut Gerüchten soll er das im Auftrag und mit Unterstützung der Gestapo getan haben. Die KPD schloß ihn aus und warnte vor ihm. Nach 1945 betrieb er seine Gastwirtschaft weiter, politisch betätigte er sich nicht mehr. Wilhelm Hein starb am 17.Februar 1958 in West-Berlin.

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Hattenhauer, Katrin

* 10.11.1968

Geb. in Nordhausen; Vater vor der Geburt gest., Mutter Krankenschwester; Schule in Nordhausen; Ausbildung zur Facharbeiterin für Schreibtechnik in Nordhausen; währenddessen Mitarbeit am Theater Nordhausen u. a. als Puppenspielerin u. Kulissenmalerin; Mitarbeit im Kirchl. Forschungsheim Wittenberg u. Praktikum in der Zionsgemeinde Dresden; 1988 Aufnahme eines Studiums am Theolog. Seminar in Leipzig, Febr. 1989 exmatrikuliert nach verdeckter staatl. Einflußnahme, danach keine längeren Anstellungen, da das MfS bei den Arbeitgebern vorstellig wird; Mitarbeit im kirchl. Arbeitskreis Gerechtigkeit, Mitwirkung an Friedensgebeten, Juni 1988 beteiligt an einer Eingabe mit der Forderung zum Ausstieg aus der Atomenergie; 24.10.1988 nach Plakataktion vor der Leipziger Nikolaikirche Festnahme u. Ordnungsstrafe; Verbreitung eines Flugblattes in der Nacht vom 11. / 12.1.1989, in dem zu einer Protestdemonstration anläßl. des Jahrestages der Festnahmen in Berlin am Rande der Luxemburg-Demonstration in Leipzig aufgefordert wurde; im Anschluß an das Friedensgebet in der Nikolaikirche am 8.5. 1989 wg. passiven Widerstands Festnahme u. Belehrung durch die VP; beteiligt am Zustandekommen des verbotenen Leipziger Straßenmusikfests am 10.6.1989; Aug. 1989 Hungerstreik in der Nikolaikirche; demonstrierte am 4.9.1989 vor der Nikolaikirche mit dem Transparent »Für ein offenes Land mit freien Menschen«; am 11.9.1989 nach dem Ende des Friedensgebets auf dem Nikolaikirchplatz in Leipzig festgenommen u. inhaftiert wg. Weigerung, den Platz zu verlassen, nach Protesten in Berlin u. Leipzig am 13.10.1989 Einstellung des Ermittlungsverfahrens u. Entlassung aus der U-Haft; vom MfS erf. im OPK »Meise«; 1989 Mitarbeit am »Grünbuch«, Mitbegr. des Archivs Bürgerbewegung e. V. Tätig als Künstlerin, Ausstellungen in Berlin, Florenz, Leipzig (Nikolaikirche), Nordhausen u. Houston; lebt in Berlin-Wilmersdorf u. Pelle (Italien).Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

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Hauschild, Thea

* 3.12.1932

Geb. in Weißenfels; Vater Schlosser; Volksschule; 1948 – 50 Hausgehilfin; 1949 FDGB; 1950 FDJ; 1950 Anlernstepperin in einer Weißenfelser Schuhfabrik; 1950 – 53 ABF Halle, Abitur; 1954 SED, 1953 – 57 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1957 – 62 Stellv. des Vors. bzw. Vors. der Plankommission beim Rat des Krs. Weißenfels; 1961 – 63 Abg. des Krs.-Tags; 1959 – 62 Mitgl. der SED-KL; 1962/63 Ltr. der Unterabt. Koordinierung beim Rat des Bez. Halle; Aug. 1963 – Juni 1984 OB von Dessau (Nachf. von Helmuth Kapproth); ab 1963 Stadtverordnete u. Mitgl. der SED-KL, ab 1969 der SED-BL Halle; 1971 – 86 Abg. der Volkskammer; 1973/74 PHS; Juni 1984 aus ihren Funktionen ausgeschieden; überregional bekannt geworden durch den Dok.-Film »T. H. – Oberbürgermeisterin, Dessau« (Bayer. Rundfunk 1980).Helmut Müller-Enbergs

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Hauswald, Harald

* 03.05.1954

Geb. in Radebeul; Vater Fotografenmeister, Mutter Hausfrau; 1970 – 71 Lehre als Fotolaborant u. Fotograf, Abbruch der Lehre; Gelegenheitsjobs auf dem Bau u. Techniker der Leipziger Rockband Bürkholz-Formation; 1973 – 76 Wehrdienst; 1974 – 76 Ausbildung als Fotograf an der TU Dresden, Zweigstelle Potsdam; ab 1978 versch. Jobs in Berlin, u. a. Telegrammbote, Heizer bei der Dt. Post; 1980 Fotolaborant am Dt. Theater; 1981 ohne Auftrag Fotos von der Solidarność-Bew. auf der Danziger Lenin-Werft; ab 1983 Fotograf mit 3-Stunden-Vertrag bei der evang. Stephanus-Stiftung in Berlin; ca. 50 Fotoausstellungen vor allem in Privatwohnungen, Kirchen u. Jugendklubs zum Thema »Älter werden« (1982), über Umweltverschmutzung an der Elbe (1985, u. a. im Meißner Dom vorzeitig abgehängt), über Kontraste in Ostberlin (1987, auch Buchveröff. in München); Beteiligung an einer Anthologie mit Friedenstexten (»einst war ich fänger im schnee«, Hrsg. Lutz Rathenow. Berlin (West) 1984); Fotoprojekte u. a. über »Menschen«, »Tanzen«, Leben in DDR-Kirchengemeinden, Altenpflege sowie Randgruppen u. Jugendszene in der DDR; Fotoreportagen vor allem in westl. Medien (GEO, Stern, Zeitmagazin, Merian), ab 1988 auch in DDR-Medien (Sonntag, Das Magazin) u. freier Fotograf für die DEFA und verschied. Theater; Sept. 1989 Aufn. in den VBK. Seit 1977 teils intensive Bespitzelung durch bis zu 35 IMs des MfS, OPK »Radfahrer«; 1989 Gründungsmitgl. der Fotoagentur Ostkreuz. 1997 Bundesverdienstkreuz; 2006 Einheitspreis – Bürgerpreis zur dt. Einheit; lebt in Berlin.Berlin-Ost. Die andere Seite einer Stadt. Berlin 1990; Die dritte Halbzeit – Hooligans in Berlin-Ost. Berlin 1998; Die DDR wird 50 – Texte und Fotografien. Berlin 1998; Seitenwechsel – Fotografien 1979 – 1999. Berlin 1999; Ost-Berlin. Leben vor dem Mauerfall (mit L. Rathenow), Berlin 2005; Gewendet – Vor und nach dem Mauerfall. Fotos u. Texte aus dem Osten (mit L. Rathenow). Berlin 2006; Alexanderplatz – Fotografische u. lit. Erinnerungen. Berlin 2007; Ultras Kutten Hooligans (mit F. Willmann). Berlin 2008. Hartewig, K.: Das Auge der Partei. Fotografie und Staatssicherheit. Berlin 2004.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Havemann, Robert

* 11.3.1910 – ✝ 9.4.1982

Geb. in München; Vater Lehrer; 1929 Abitur in Bielefeld; 1929 – 33 Chemiestudium in München u. Berlin; seitdem der KPD nahestehend; 1935 Prom. mit einer Arbeit zur Kolloidchemie an der Univ. Berlin; gleichz. Forschungen am Kaiser-Wilhelm-Inst. für physik. Chemie in Berlin-Dahlem u. an Berliner Krankenhäusern; seit 1937 Assistent am Pharmakolog. Inst. der Univ. Berlin, 1943 Habil.; Sept. 1943 Verhaftung als Mitbegr. u. Ltr. der antifa. Widerstandsgr. »Europ. Union«, 16.12. Todesurteil durch den VGH; 1944/45 Beschäftigung mit »kriegswichtigen Arbeiten« in der Todeszelle des Zuchthauses Brandenb.-Görden. 1945 – 50 Dir. der Berliner Inst. der Kaiser-Wilhelm-Ges., ab 1947 zugl. Ltr. der Verw. des zur Ges. gehörenden Inst. für Physikal. Chemie u. Elektrochemie; ab 1946 auch Prof. mit vollem Lehrauftrag an der HU Berlin; 1945 Mitbegr. des KB, 1947 – 58 Mitgl. des Präsidialrats; ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 wegen öffentl. Protests gegen die amerik. Nuklearpol. fristlose Entlassung durch den Senat aus den Ämtern in Berlin-Dahlem; endgültige Übersiedl. in die DDR; 1950 SED; Mitgl. des Dt. Friedenskomitees (ab 1953 des Präs. des Friedensrats); ord. Prof. u. Dir. des Physikal.-Chem. Inst. der HU; 1950 – 54 Studentendekan; 1957 – 62 Prodekan der Mathemat.-Naturwiss. Fak.; 1956 – 63 als IM »Leitz« beim MfS erf.; 1959 NP; ab 1960 zugl. Ltr. der Arbeitsstelle für Photochemie an der DAW; 1961 Korr. Mitgl. der DAW; mit seinen Beiträgen zur Photo- u. Magnetochemie einer der Pioniere der physikochem. Forschung in der DDR. Angeregt vom XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurde R. H. in den 60er Jahren zum bedeutendsten u. bekanntesten Systemkritiker in der DDR, äußerte prinzipielle marxist. Kritik an den pol. Verhältnissen u. der Gängelung der Wiss. u. a. in seiner stark besuchten Vorlesungsreihe an der HU Berlin 1963/64 (veröff. unter dem Titel »Dialektik ohne Dogma«, Reinbek 1964); 1963 nicht wieder als Kand. für die Volkskammer nominiert, 1964 Ausschl. aus der SED u. fristlose Entlassung durch die HU, 1966 Entlassung durch die DAW u. statutenwidrige Streichung als Korr. Mitgl.; fakt. Berufsverbot, Überwachung, Haus- arrest (26.11.1976 – 8.5.1979) u. a. Repressalien durch das MfS; wirkte dennoch bis zu seinem Tode für einen demokrat. Soz. u. suchte in diesem Sinne publizist. über westdt. Medien auf Pol. u. Ges. in der DDR Einfluß zu nehmen; Mitbegr. der unabh. Friedens- u. Bürgerrechtsbew.; gest. in Grünheide (b. Berlin). 16.11.1989 Aufhebung der Streichung durch die AdW; 28.11. Rehabil. durch die ZPKK der SED mit der Erklärung, R. H. habe »zum damaligen Zeitpunkt pol. richtige Einschätzungen der Pol. der Partei vorgenommen«; 2006 Ausz. als »Gerechter« durch den Staat Israel.Einführung in die chem. Thermodynamik. Berlin 1957; Fragen – Antworten – Fragen. Aus der Biogr. eines dt. Marxisten. München 1970; Rückantworten an die Hauptverw. »Ewige Wahrheiten«. München 1971; Ein dt. Kommunist. Rückblicke u. Perspektiven aus der Isolation. Hamburg 1978; Morgen. Die Industrieges. am Scheideweg. München 1980; R. H.: Warum ich Stalinist war u. Antistalinist wurde. Berlin 1990 (Hrsg. D. Hoffmann u. H. Laitko); R. H. Dokumente eines Lebens. Berlin 1991 (Hrsg. D. Hoffmann u. a., mit Bibl.); R. H. Bibliogr. mit unveröff. Texten aus dem Nachlass. Hrsg. von W. Theurer, B. Florath. Berlin 2007; Aktenlandschaft Havemann. Nachlass u. Archivbestände zu R. H. Hrsg. von der Robert-Havemann-Gesell. Berlin 2008. Müller, S., Florath, B.: Die Entlassung R. H. u. die AdW Berlin 1996; Vollnhals, C.: Der Fall H. Ein Lehrstück pol. Justiz. Berlin 1998; K. Havemann, J. Widmann: R. H. oder Wie die DDR sich erledigte. Berlin 2003; M. Wilke, W. Theuer: R. H. u. die Widerstandsgruppe Europ. Union. In: Dtl.-Archiv 32, 1999 (6); A. Polzin: Der Wandel R. H.s vom inoffz. Mitarb. zum Dissidenten im Spiegel der MfS-Akten. Berlin 2006; R. Allertz (Hrsg.): Sänger u. Souffleur. Biermann, H. u. die DDR. Berlin 2006; Ch. Sachse: Die polit. Sprengkraft der Physik. Berlin 2006; F. Havemann: Havemann. Frankfurt (Main) 2007.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heckert, Fritz

* 28.3.1884 – ✝ 6.4.1936

Geboren am 28. März 1884 in Chemnitz. Sein Vater Paul war Schlosser, später beim Konsum beschäftigt, die Mutter verrichtete Heimarbeit. Beide waren aktive Sozialdemokraten. Fritz Hekkert lernte Maurer. 1902 Eintritt in die Gewerkschaft und die SPD. Ab 1904 auf Wanderschaft, kam er im Januar 1907 nach Berlin, dann nach Bremen. Anhänger des linken Flügels der SPD. Von 1908 bis 1911 Arbeit in der Schweiz, wo er seine Frau Wilma, geborene Stammberg, eine Lettin und Mitglied der SDAPR, kennenlernte; er bekam dort Kontakt zu Lenin und geriet unter den Einfluß der Bolschewiki. Anfang 1912 Rückkehr nach Chemnitz, vom 1. Februar an Vorsitzender der örtlichen Bauarbeitergewerkschaft, dann hauptamtlicher Sekretär. 1916 einer der Mitbegründer der Chemnitzer Spartakusgruppe, die mit 400 Mitgliedern zu den stärksten in Deutschland zählte. 1917 trat er mit der Spartakusgruppe der USPD bei, obwohl er als Lenin-Anhänger die Schaffung einer eigenen linksradikalen Partei vorgezogen hätte. Heckert war neben Heinrich Brandler der führende Kopf der USPD in Chemnitz, er hielt Verbindung zur zentralen USPD und lud auch Karl Kautsky zu Versammlungen ein. Das örtliche Polizeiamt bezeichnete Heckert als »Seele der linksradikalen Bewegung in Chemnitz und Umgebung« und »gefährlichen Hetzer«. Kurz vor Ausbruch der Revolution verhaftet, durch die Revolution 1918 befreit, übernahm Heckert den Vorsitz des Arbeiter- und Soldatenrates in Chemnitz. Er war auch einer der wenigen Spartakisten, die als Delegierte am Reichskongreß der Arbeiter- und Soldatenräte im Dezember 1918 in Berlin teilnahmen und wurde in den Reichsvollzugsrat gewählt. Heckert war für eine rasche Trennung von der USPD. Er war derjenige Delegierte des Gründungsparteitages der KPD, der dort den Namen »Kommunistische Partei Deutschlands (Spartakusbund)« vorschlug. Die Chemnitzer USPD-Gruppe ging fast einmütig zur neu gegründeten KPD über, die hier ihre einzige Massenbasis hatte. Brandler und der mit ihm befreundete Heckert waren die Leiter dieser Chemnitzer KPD-Organisation. Auf dem II. Parteitag der KPD 1919 kam Heckert als Kandidat in die Zentrale der KPD, in dieser Funktion bestätigten ihn auch die folgenden Parteitage des Jahres 1920. Seit dem Vereinigungsparteitag mit der USPD im Dezember 1920 zum Mitglied der Zentrale gewählt, gehörte er dieser bzw. dem ZK (mit kurzer Unterbrechung 1924) bis zu seinem Tode an. Zunächst noch in Sachsen tätig, war er dann einige Zeit Vertreter der KPD bei der RGI in Moskau. 1922 unter Jacob Walcher stellvertretender Leiter der Gewerkschaftsabteilung der Zentrale in Berlin. Als Mitglied der Brandler-Führung wurde Heckert im Oktober 1923 Wirtschaftsminister der Sächsischen Regierung. Nach der Oktoberniederlage der KPD zusammen mit Brandler und Paul Böttcher wegen ihrer Haltung in der Regierung scharf angegriffen. Er schwenkte Anfang 1924 von den Rechten zur Mittelgruppe über und wurde als einer ihrer Vertreter 1924 kurz nach dem IX. Frankfurter Parteitag wieder in die Zentrale aufgenommen. Im Mai 1924 als Abgeordneter der KPD in den Reichstag gewählt, behielt er das Mandat ununterbrochen bis 1933. Da Heckert 1923 und während der Illegalität der KPD 1923/24 die Abteilung Verkehr leitete, war er aktiv an den Bürgerkriegsvorbereitungen beteiligt. Deswegen im Oktober 1924 festgenommen und erst als der Reichstag seine Freilassung beschlossen hatte, im Juli 1925 aus der Haft entlassen. Vom XI. Parteitag 1927 ins Polbüro gewählt, leitete er bis April 1928 die Gewerkschaftsabteilung des ZK, danach zur RGI nach Moskau versetzt. Von hier aus distanzierte er sich während der Wittorf-Affäre von der Absetzung Ernst Thälmanns und wurde wieder in die zentrale Leitung der KPD nach Deutschland zurückgerufen. Vom VI. Weltkongreß der Komintern 1928 ins EKKI-Präsidium gewählt sowie vom XII. Parteitag 1929 wieder ins ZK und Polbüro berufen. Als es 1931 in Gelsenkirchen in einer Versammlung, in der Heckert sprach, zu Zusammenstößen mit der SA kam, wurde er schwer verletzt. 1932 ging er als Vertreter der KPD wieder ins EKKI nach Moskau, wo er auch in den folgenden Jahren blieb. 1935 von der »Brüsseler Konferenz« erneut ins ZK und Politbüro berufen. Heckert hielt am 6. April 1936 aus Anlaß des 50. Geburtstags des inhaftierten Ernst Thälmann noch ein Referat. Am nächsten Morgen, am 7. April 1936, ist Fritz Heckert gestorben und wurde in Moskau an der Kremlmauer beigesetzt. Seine Frau Wilma (*31.3. 1885) starb am 2. April 1967 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Hegenbarth, Johannes

* 16.5.1925 – ✝ 8.11.2014

Geb. in Böhmisch Kamnitz (Nordböhmen/ Česká Kamenice, Tschechien); Vater Glasraffinerieinhaber, Glasgraveur; bis 1943 Studium an der HS für angewandte Kunst in Wien; 1943 – 45 Wehrmacht. 1947 – 50 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig; 1950 – 54 Karikaturist im Berliner Verlag, u. a. für »Frischer Wind« u. »Das Magazin«; 1955 – 75 Schöpfer der einzigen DDR-Comic-Ztschr. »Mosaik«, zuerst im Verlag Neues Leben, dann Junge Welt, u. der Comic-Figuren Dig, Dag u. Digedag. 1995 entstand im Studio Babelsberg als Pilotfilm der Zeichentrickfilm »Dig, Dag u. Ritter Runkel«; H.s Klage gegen die Abrafaxe ( Lothar Dräger), seit 1976 die erfolgr. Nachf. der Digedags, als Plagiat wurde im Mai 1995 vom BGH zurückgewiesen; 2008 Max- u.-Moritz-Preis; 2009 Übergabe seines Archivs an das Zeithist. Forum Leipzig; gest. in Berlin.Mosaik Nr. 1 – 223, zahlr. Buchnachauflagen u. Reprintmappen. Scholz, M. F., Lettkemann, G.: H. H. In: Lexikon der Comics, 9. Erg.-Lfg. (März 1994). Meitingen 1991 ff.; Kramer, T.: Das Mosaik-Fan-Buch. Berlin 1993/94; Lettkemann, G., Scholz, M. F.: Schuldig ist schließlich jeder ... Comics in der DDR. Die Geschichte eines ungeliebten Mediums. Berlin 1994; Kramer, T., Lehmstedt, M.: Abgründe u. Hintergründe. Mosaik zwischen Pol. u. Kulturgeschichte. Berlin 1995 (Privatdruck); Rufledt, H.: Auf den Spuren der Digedags. In: Das Blatt (1990) 4 (Interview mit H. H.); Scholz, M. F.: Mosaik – die ersten Jahre. In: Dt. Comicforschung. Bd. 2, hrsg. von E. Sackmann. Hildesheim 2006.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hehnen, Karl

* 3.11.1893 – ✝ 21.4.1956

Geboren am 3. November 1893 in Hannover-Linden; Arbeiter, später Fuhrunternehmer, Soldat im Ersten Weltkrieg. Mitglied der SPD, der USPD und ab 1920 der KPD, wurde er auf dem VII. Parteitag 1921 in Jena zum Ersatzmitglied des Bezirks Niedersachsen in den Zentralausschuß gewählt. Zeitweise lebte er illegal bzw. hielt sich in Sowjetrußland auf. Hehnen gehörte 1945 wieder der KPD an, er vertrat sie vom 19.Januar 1946 bis 28. November 1948 als Mitglied im Rat von Hannover. Zunächst von den englischen Besatzungsbehörden delegiert, dann durch die Kommunalwahlen vom Herbst 1946 bestätigt und legitimiert. Karl Hehnen starb am 21.April 1956 in Hannover.

Wer war wer in DDR

Heidecke, Heidrun

* 1.7.1954 – ✝ 10.4.2015

Geb. in Magdeburg; EOS in Magdeburg, 1973 Abitur; 1973 – 77 Studium der Biol. u. Chemie an der MLU Halle, Dipl.-Lehrerin; 1977 – 90 Lehrerin; Herbst 1989 Mitbegr. der Grünen Partei im Bez. Magdeburg, 1989/90 deren Vertreterin am Runden Tisch des Bez. Magdeburg, Sprecherin der Grünen Partei Magdeburg. 1990 – 98 MdL Sachsen-Anh., 1990 – 94 parl. Geschäftsf. der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen; 1991 – 94 parteilos; 1994 – 2000 Mitgl. von Bündnis 90 / Die Grünen, Austritt nach Kritik an der Regierungspoliltik der Bundes-Grünen; 1994 – 98 Min. für Umwelt, Naturschutz u. Raumordn. (Nachf. von  Wolfgang Rauls) u. stellv. Ministerpräs. des Landes Sachsen-Anh.; 1998 – 2001 Mitgl. des Bundesvorst. u. Schatzmeisterin des BUND, Ltr. des BUND-Projekts »Wildnis für Dtl.« in der Bitterfelder Bergbaulandschaft an der Goitzsche; Lehrbeauftragte an der HS Anhalt für angew. Wiss.; 2004 Prom. an der Univ. Kassel; 2005 dort Gastprof., seit 2007 hauptamtl. in der Geschäftsst. des Naturschutzbundes BUND tätig.Vergleichende Betrachtungen von Planungs- u. Innovationsprozessen. o. O. 2003.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Heidrich, Horst

* 7.2.1920 – ✝ 16.8.1992

Geb. in Satzung (Krs. Marienberg, Sachsen); Vater Bauarbeiter; Volksschule; 1934 – 39 Waldarb. im Forstamt Steinbach, Forstanwärter; 1939 NSDAP; 1940 – 45 Wehrmacht, Uffz. 1945/46 Forstwart bzw. Forstbetriebsangest. im Forstamt Naunhof (Krs. Grimma); 1945/46 SPD/SED; 1946 – 48 FS für Forstw. in Tharandt, Försterexamen, 1949 Revierförsterprüfung; 1948 – 50 Revierförster u. Fachlehrer in Wermsdorf (Sachsen); 1951 Forstschutzref. im sächs. Min. für Land- u. Forstw.; 1951 – 58 Ref., Hauptref. bzw. Sektorenltr. in der Abt. Forstw. des Min. für Land- u. Forstw. der DDR; 1956/57 PHS; 1959 – 63 kommissar. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. Forstw. des Min.; 1963 – 65 Ltr. der HV Forstw. der Produktionsltg. des Landw.-Rats, Gen.-Forstmstr.; 1965 – 75 Vors. des Staatl. Komitees für Forstw., Gen.-Forstmstr., Ltr. der Obersten Jagdbehörde; 1968 – 71 stellv. Vors. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft, 1972 – 75 Stellv. des Min. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtschaft; ab 1969 Mitgl. der Ständ. Arbeitsgr. für soz. Landeskultur beim Min.-Rat; 1975 invalidisiert.Waldbrandbekämpfung u. -verhütung. Radebeul 1953 (zus. mit W. Baak).Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heilborn, Ismar

* 30.4.1893 – ✝ 18.6.1978

Als Sohn eines Kaufmanns am 30. April 1893 in Oppeln/Oberschlesien geboren; lernte Gärtner bei der Israelischen Erziehungsanstalt Ahlem bei Hannover, 1910 Gärtnergehilfe in Dresden. 1914 Mitglied der SPD, 1915 Armierungssoldat an der Westfront. 1919 kaufmännischer Angestellter. Im April 1919 trat Heilborn der KPD bei und war von Ende 1921 bis Sommer 1925 Abgeordneter der Lübecker Bürgerschaft. Auf dem VIII. Parteitag 1923 als Kandidat in den ZA gewählt, wurde er Ende 1923 hauptamtlicher Funktionär, 1924 Redakteur der Zeitung »Der Kommunist«, Ende 1925 Redakteur der »Volkszeitung« in Rostock, im Februar nach Königsberg an das »Echo des Ostens« berufen, schließlich 1927 Chefredakteur dieses KPD-Organs und Mitglied des Sekretariats der BL Ostpreußen. Da Heilborn zu den Versöhnlern gehörte, wurde er 1929 als Chefredakteur abgesetzt, blieb aber zunächst in Königsberg. Dann von September 1929 bis Mai 1931 zweiter politischer Redakteur am »Klassenkampf« in Halle und von 1931 bis Ende Februar 1933 Redakteur, dann Chefredakteur der »Sozialistischen Republik« in Köln sowie Mitglied des Sekretariats der BL Mittelrhein. Mitte April 1933 verhaftet, verurteilte ihn das OLG Hamm Ende August 1933 zu eineinhalb Jahren Gefängnis. Anfang Juni 1935 emigrierte Heilborn in die Niederlande, anschließend nach Frankreich, dort an der Herausgabe der »Deutschlandberichte des ZK der KPD« beteiligt. Im September 1939 im Lager Gurs interniert, flüchtete er im Oktober 1942 nach Toulouse und arbeitete als Knecht in einer Gemüsegärtnerei. Ab 1944 Redakteur der Zeitung »Bewegung Freies Deutschland« in Toulouse. Im Juni 1945 kehrte Heilborn nach Deutschland zurück, wurde zunächst in Trier, ab Juli in Köln Mitarbeiter der KPD. Er war von Februar 1946 an Lizenzträger und Chefredakteur der »Volksstimme«, des KPD-Organs Mittelrhein, von November 1949 bis August 1950 Leiter der Presseabteilung des PV und von August 1950 bis Februar 1951 Chefredakteur des »Sozialistischen Informationsdienstes« des KPD-Vorstandes, zwei Monate lang auch Chefredakteur des Zentralorgans »Freies Volk«. Nach dem Verbot der KPD 1956 bis 1963 wissenschaftlicher Mitarbeiter des KPD-PV in Ost-Berlin. 1968 trat er der DKP bei und lebte in Bergisch Gladbach. Ismar Heilborn starb am 18.Juni 1978.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heilmann, Friedrich

* 2.3.1892 – ✝ 30.6.1963

Am 2. März 1892 in Berlin geboren, Sohn eines Schuhmachers; lernte Vergolder, später als Expedient tätig. Er schloß sich 1908 der sozialistischen Jugend in Berlin an, trat 1910 der SPD bei und wurde nach Ausbruch des Krieges Mitglied der Gruppe Internationale, später des Spartakusbundes. Wegen Verbreitung des Liebknecht-Flugblattes »Der Hauptfeind steht im eigenen Land« 1915 zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, anschließend war er bis 1918 Soldat. Heilmann war Teilnehmer des Gründungsparteitages der KPD. Er gehörte zu den Organisatoren der FSJ und war 1919/20 deren Generalsekretär. Bis März 1921 Vertreter der Jugend in der Zentrale der KPD, nach der März-Aktion 1921 bis Oktober 1921 dort Sekretär im Orgbüro. Ende 1922 bis März 1923 Sekretär der KPD in Baden, anschließend bis August 1924 Chefredakteur der Mannheimer »Arbeiter-Zeitung«. Auf dem VIII. Parteitag 1923 für Baden als Kandidat in den ZA gewählt, war Heilmann von September 1924 bis Oktober 1925 Chefredakteur der »Freiheit« in Düsseldorf, von November 1925 bis Dezember 1929 Chefredakteur des »Thüringer Volksblattes« bzw. des »Roten Echos« in Gotha, zugleich Mitglied der BL Groß-Thüringen. Im Dezember 1929 als Abgeordneter in den Thüringer Landtag gewählt und dort 1930 bis 1933 Vorsitzender der KPD-Fraktion. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten in Thüringen war er zunächst Versöhnler, dann trat er aktiv gegen die Opposition auf. 1931 nach Düsseldorf und später nach Solingen versetzt, aber 1932 erneut in den Thüringer Landtag gewählt. Ab Februar 1933 Bezirksleiter in Nordbayern, im September 1933 emigrierte Heilmann in die Sowjetunion. Zunächst Referent im Mitteleuropäischen Büro des EKKI der IRH in Moskau, später Leiter von deren Informationsabteilung. Ab Juni 1938 Redakteur in der deutschen Sektion des Verlages für fremdsprachige Literatur, er wurde mit diesem Verlag von Oktober 1941 bis April 1942 in die Wolgarepublik nach Engels evakuiert. Ab Mai 1942 war Heilmann Angehöriger der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee und wurde ab Juli 1943 Mitarbeiter am Institut 99, Sprecher und Redakteur am NKFD-Sender Freies Deutschland sowie Lehrer in Antifa-Lagern. Im November 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Chefredakteur des »Thüringer Volksblattes«, später »Thüringer Volk«, zugleich Mitglied der BL bzw. des LV der KPD bzw. SED Thüringen und hier 1949 bis 1951 Leiter der Abteilung Kultur und Erziehung. 1950 1. Sekretär der DSF Thüringen bzw. ab 1952 des Bezirkes Erfurt, 1954 Chefredakteur der »Freien Welt«, im Mai 1957 stellvertretender Chefredakteur der kulturpolitischen Wochenzeitung »Sonntag«. Er erhielt 1946 die sowjetische »Medaille für standhafte Arbeit im Großen Vaterländischen Krieg« und 1962 den Karl-Marx-Orden. Friedrich Heilmann starb am 30.Juni 1963 in Ost-Berlin. Heilmanns Lebensgefährtin und spätere Frau Trude Schimpf (*24.5. 1898 – † 26. 6. 1976) war Fabrikarbeiterin. Seit 1916 SPD-Mitglied, sie kam 1917 zur USPD und 1919 zur KPD. Ab 1921 hauptamtliche Parteiangestellte, Kassiererin und Mitglied der BL Westsachsen, übernahm die Gauleitung des RFMB Thüringen und gehörte auch der RFMB-Reichsleitung an. Von 1929 bis 1932 Sekretärin des Verbandes der Proletarischen Freidenker in Thüringen. Von Mai bis Oktober 1933 »Schutzhaft«, gehörte später zur Widerstandsgruppe um Theodor Neubauer, war von August bis September 1944 sowie von November 1944 bis April 1945 in Gestapo-Haft in Erfurt. Danach gehörte sie in Thüringen zu den führenden Funktionären der KPD/SED, war bis 1949 Mitglied des Sekretariats des SED-LV Thüringen.

Wer war wer in DDR

Hein, Christoph

* 8.4.1944

Geb. in Heizendorf (Schles.), aufgew. in Bad Düben (Sachsen); Vater Pfarrer; 1958 – 60 Internatsschüler eines Gymasiums für alte Sprachen in Berlin (West); 1960 Übersiedl. der Familie nach Berlin (Ost); anschl. Broterwerb als Montagearb., Kellner u. Buchhändler; Regieassistent bei  Benno Besson am Dt. Theater u. der Volksbühne Berlin, erste Buchkritiken; 1964 Abitur an einer Abendschule; 1967 – 71 Philos.- u. Logikstudium in Leipzig u. Berlin; 1971 – 73 erneute Assistenz an der Berliner Volksbühne; ab 1973 (neben  Heiner Müller) Hausautor an diesem Theater; 1974 UA der ersten Theaterstücke (»Vom hungrigen Hennecke«, »Schlötel oder Was solls«); bis 1983 kamen von 15 geplanten Inszenierungen nur fünf UA zustande (u. a. »Die Geschäfte des Herrn John D.« 1979, »Cromwell« 1980, »Die wahre Geschichte des Ah Q« 1983, eine Parabel vom Scheitern intellektueller rev. Utopien); ab 1979 freischaff.; 1982 Heinrich-Mann-Preis für den Erzählungsbd. »Einladung zum Lever Bourgeois« u. einige Theaterstücke; 1983 Lit.-Preis des Verb. dt. Kritiker; 1985 Mitgl. des PEN-Zentrums der DDR; 1986 Lit.-Preis der Neuen Liter. Ges. Hamburg; 1987 öffentl. Protest gegen die Zensur auf dem X. Schriftst.-Kongreß (zus. mit  Günter de Bruyn); 1989 zus. mit  Rolf Schneider Einforderung einer Protestresolution des PEN-Zentrums DDR gegen die Verhaft. von Václav Havel; UA von »Die Ritter der Tafelrunde«, das den Untergang der gerontokrat. Politbürokratie vorwegnimmt; Lessing-Preis; Stefan-Andres-Förderpreis; Poetikvorlesungen u. a. in Essen u. Leipzig; 4.11.1989 Ansprache »Der alte Mann u. die Straße« auf dem Berliner Alexanderplatz. 1990 Erich-Fried-Preis; 1991 Mitgl. der AdK Berlin; 1992 Berliner Lit.-Preis, Ludwig-Mülheims-Preis für religiöse Dramatik; 1996 zugl. Mitgl. des PEN-Zentrums; 1998 Wahl zum ersten Präs. des vereinigten PEN-Zentrums Dtl., 2004 nach öffentl. Kontroversen um seine Person Verzicht auf die vom Berliner Kultursenator angebotene Intendanz des Dt. Theaters; Peter-Weiss-Preis, Preis der »Literatour Nord«; Mitgl. der Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt u. der sächs. AdK; 1990 – 2006 Mithrsg. der Wochenztg. »Freitag«; Sohn Jakob H. (geb. 1971) Schriftsteller; 2008 Walter-Hasenclever-Literaturpreis. Mit der Novelle »Der fremde Freund« (1982) – aus Gründen des Titelschutzes in der Bundesrep. Dtl. »Drachenblut« (1983), übersetzt in 23 Sprachen – wurde H. ein internat. bekannter Autor, der menschl. Deformierungen, Gefühlskälte, Liebesunfähigkeit u. Bindungsangst als kontinent- u. systemübergreifende Begleiterscheinungen mod. Industrieges. deutl. machte; die Romane »Horns Ende« (1985) u. »Der Tangospieler« (1988, verfilmt 1991) sind wichtige Auseinandersetzungen mit pol. Alltagsdeformationen im Leben von Intellektuellen verschiedener DDR-Epochen; C. H. versteht sich als Chronist in der Tradition der Aufklärung, der weder Botschaft noch Moral vermitteln will.Cromwell u. andere Stücke. Berlin, Weimar 1981; Das Wildpferd unterm Kachelofen (Kinderbuch). Berlin 1984; Essays u. Gespräche. Berlin, Weimar 1987; Als Kind habe ich Stalin gesehen. Essays u. Reden. Berlin, Weimar 1990; Das Napoleon-Spiel. Roman. Berlin, Weimar 1993; Exekution eines Kalbes. Erzählungen. Berlin, Weimar 1994; Von allem Anf. an. Berlin 1997 (Autobiogr.); Willenbrock. Frankfurt (Main) 2000 (verfilmt von -> Andreas Dresen); Landnahme. Frankfurt (Main) 2004; In seiner frühen Kindheit ein Garten. Frankfurt (Main) 2005; Frau Paula Trousseau. Frankfurt (Main) 2007. Edition Text + Kritik: C. H. München 1991; Kiewitz, C.: Der stumme Schrei: Krise u. Kritik der soz. Intelligenz im Werk C. H.s. Tübingen 1995; Hilbk, A.: Von Zirkularbew. u. kreisenden Utopien: Zur Geschichtsdarstellung in der Epik C. H.s. Augsburg 1998; Krol, M.: C. H.s chronikalische Aufzeichnungen als »Geschichten zur Geschichte«. Michigan 1999.Therese Hörnigk / Andreas Kölling