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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Bassarak, Gerhard

* 3.2.1918 – ✝ 22.9.2008

Geb. in Willenberg (Krs. Braunsberg, Ostpr./ Garbina, Polen); Vater Diakon; 1934 Mitgl. der Bekennenden Kirche; 1937 – 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 – 50 Studium der Theol. an der MLU Halle; 1951/52 Vikar in Halle, 1953 Ordination; 1953 – 57 Reisesekr. der ESG der DDR u. Studentenpfarrer in Berlin; 1957 – 66 Studienltr. der Ev. Akad. Berlin-Brandenb.; 1958 Mitbegr. u. Ltg.-Mitgl. des »Weißenseer Arbeitskrs.«, einer Berlin-Brandenburger Bruderschaft, Befürworter der Abtrennung der ev. Kirchen der DDR von der EKD; 1959 – 89 Mitarb. in der Red. der Ztschr. »Zeichen der Zeit«; Mitgl. des Friedensrats der DDR u. zeitw. des Präs.; ab 1959 Mitarb., zeitw. Ltr. der Studienabt. u. 1963 – 76 Internat. Sekr. der CFK; 1964 VVO; 1965 Prom. an der Comenius-Fak. Prag; 1967 Prof. für Ökumen. Theol. an der MLU Halle, 1969 Prof. für Ökumenik an der HU Berlin; 1977 Habil. mit der Arbeit »Missionsstrategie im Wandel«; ab 1978 einer der Vizepräs. der CFK; 1983 em.; 1990 Austritt aus der CFK; gest. in Schildow. G. B. galt in der DDR als geförderter staatsloyaler Theologe; beim MfS als IM »Bus« erf. mit dem Schwerpunkt Kirche u. theolog. Einrichtungen.Theol. des Genitivs? Wider falsche Wege des Dienstes am Wort. Berlin 1975; Luther u. Luthertum in Osteuropa. Berlin 1983; Sprache des Friedens. Prag 1987. Auswahlbibl. In: Standpunkt (1988) 1. Bräuer, S. Vollnhals, C. (Hrsg.): »In der DDR gibt es keine Zensur«. Leipzig 1996; Bullisch, J.: Ev. Presse in der DDR. »Die Zeichen der Zeit« (1947 – 1990). Göttingen 2008.Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bästlein, Bernhard

* 3.12.1894 – ✝ 18.9.1944

Am 3. Dezember 1894 in Hamburg geboren, entstammte einem sozialistischen Elternhaus. Nach der Lehre Feinmechaniker. 1911 Eintritt in die Arbeiterjugend. Kurz vor dem Weltkrieg, den er als Soldat an der Westfront mitmachte, trat er der SPD bei. 1918 schloß er sich der USPD an und kam mit deren linkem Flügel im Dezember 1920 zur KPD. 1921 wurde er Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Wegen seiner Teilnahme an den Märzkämpfen 1921 von der Polizei gesucht, flüchtete Bästlein an Bord eines Schiffes, das russische Kriegsgefangene von Stettin nach Petrograd brachte, nach Sowjetrußland, wo er in der Autonomen Republik der Wolgadeutschen die »Deutsche Bauernzeitung« redigierte. Nach einer Amnestie Anfang 1923 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Redakteur der »Westfälischen Arbeiterzeitung« in Dortmund. 1924 gehörte Bästlein zur Mittelgruppe und wurde deshalb nach Hagen und später nach Barmen versetzt. Ab 1926 Redakteur der »Bergischen Volksstimme« in Remscheid und Vorsitzender des Remscheider RFB, 1929 Chefredakteur der »Solinger Bergischen Arbeiterstimme«. Im Oktober 1929 UB-Leiter der KPD in Düsseldorf, von Februar 1931 bis Mai 1933 Polleiter des Bezirks Mittelrhein, seit April 1932 auch MdL Preußen und am 5. März 1933 noch in den Reichstag gewählt. Im Mai 1933 wurde Bästlein – mit dem Aufbau der illegalen KPD im Großraum Frankfurt/M. beauftragt – verhaftet und im Dezember 1934 zu 20 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach der Strafzeit im Zuchthaus Siegburg war er fünf Jahre im KZ, Anfang 1940 entlassen, arbeitete er als Wagenwäscher, dann als Chauffeur in Hamburg. Dort organisierte er mit den ehemaligen KPD-Funktionären Robert Abshagen und Franz Jacob eine Widerstandsgruppe. Er wurde am 17. Oktober 1942 erneut verhaftet und von einem Gestapobeamten beim Fluchtversuch durch einen Steckschuß verletzt. Einen anschließenden Selbstmordversuch im Stadthaus, dem Hamburger Gestapo-Hauptquartier, überlebte er. Im Sommer 1943 wurde Bästlein zur Aburteilung nach Berlin gebracht, wo es ihm während eines Luftangriffes am 30. Januar 1944 gelang, aus dem Gefängnis Plötzensee zu entfliehen. Er fand Anschluß an die KP-Widerstandsgruppe Anton Saefkow. Am 30. Mai 1944 abermals verhaftet und am 5. September 1944 zum Tode verurteilt, wurde Bernhard Bästlein am 18. September 1944 zusammen mit Saefkow im Zuchthaus Brandenburg/Havel hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Bauch, Siegfried

* 3.10.1934

Geb. in Crimmitschau (Sachsen); Vater Tuchmacher; Volksschule; 1949 – 51 Ausbildung zum Wollstoffmacher im VEB Crimmitschauer Volltuchfabriken u. Weber, Meister der VE-Industrie; 1951 – 54 Studium an der Ing.-Schule für Textilind. Forst, Textil-Ing.; 1954 – 56 Referent / Oberreferent in der VVB Industriezweigltg. Cottbus; 1956 / 57 Ass. an der Ingenieurschule für Textilind.; 1956 SED; 1957 – 59 Abt.-Ltr. im VEB Ostdt. Tuchfabrik Forst; 1959 – 63 Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Forst u. Vors. der Kreisplankommission; 1963 – 65 Ltr. der Industrieabt. Textil – Bekleidung – Leder – Glas des Bezirkswirtschaftsrats Cottbus, 1965 – 70 stellv. Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Cottbus; 1970 – 73 Betriebsdir. im VEB Textilkombinat Cottbus, Betrieb VEB Forster Tuchfabriken; Fernstudium an der TU Dresden, 1967 Dipl.-Ing.-Ökonom; 1978 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1973 – 85 GD des VEB Textilkombinat Cottbus, 1985 Abberufung aus gesundheitl. Gründen; 1974 Banner der Arbeit.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bauer, Roland

* 19.3.1928

Geb. in Eibenberg (Krs. Graslitz, ČSR / Tisová, Tschechien); Eltern Arbeiter, Mitgl. der KPČ; aufgew. in Grünberg (Krs. Kraslice); Volksschule, Gymnasium; 1934 – 38 Mitgl. der Pionierorg. des KJVČ; 1942 – 45 Ausbildung zum Uhrmacher; 1944/45 RAD. April 1946 Übersiedl. in die SBZ (Krs. Weimar); Mitgl. der FDJ u. der SED; FDJ-Funktionär in Apolda (Thür.); 1946/47 Uhrmacher in Apolda; 1947 LPS in Bad Berka; 1948/49 Jugendsekr. der SED-KL Weimar; 1949/50 PHS, dort 1950 – 54 Assistent, dann Doz.; 1954 – 58 Aspirant am IfG beim ZK der KPdSU in Moskau, Lehrstuhl für Neue Geschichte, Prom. zum Dr. phil.; 1958 – 62 Mitarb. der Direktion, dann stellv. Dir. der PHS; 1962 – 64 Dir. des IML (Nachf. von  Ludwig Einicke); 1962 – 64 Vizepräs. der Historiker-Ges.; 1964 – 67 Sekr. für Agit. u. Prop. u. Ltr. der Ideolog. Kommission (Nachf. von  Erich Selbmann), 1967 – 71 Sekr. für Wiss., Volksbildung u. Kultur der SED-BL Berlin; 1967 – 71 Kand., 1971 – 81 Mitgl. des ZK der SED, 1971 – 78 Mitgl. der Kulturkommission des ZK; 1971 – 81 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin; 1975 Verdienstmedaille des MdI; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1978 VVO; 1978 – 89 Vertreter des ZK der SED in der Red. der Ztschr. »Probleme des Friedens u. des Soz.« in Prag (Nachf. von  Rudolf Wettengel), Mitgl. des Red.-Kolleg., dort bis Aug. 1990 SED/PDS-Vertreter. Herbst 1990 Austritt aus der PDS; Rentner; Mitarb. in der Alternativen Enquete-Kommission von  Wolfgang Harich; lebt in Berlin.Kriegspol. u. Friedenskampf. Berlin 1963; Berlin – 800 Jahre Geschichte in Wort u. Bild (Mithrsg. u. Autor). Berlin 1980; Berlin – Illustrierte Chronik bis 1870. Berlin 1987.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Baumbach, Fritz

* 8.9.1935

Geb. in Weimar; begann 1949 im Schachklub Gera-Untermhaus; 1951 bei Lichtenberg 47 DDR-Jugendmstr.; danach bei ADW Berlin (nach 1990 mit Friesen Berlin-Lichtenberg fusioniert); 1960 erstmals im Finale der DDR-Meisterschaften (4. Platz); 1961 Abschluß des Studiums als Dipl.-Chemiker, 1966 Prom., danach Mitarb. der Patentabt. der AdW; 1967 Internat. Mstr.; 1968 DDR-Vizemstr.; 1970 DDR-Mstr., 9. Platz bei der (Nah-)Schach-Olympiade; ab 1971 Patenting. bei der DAW (ab 1972 AdW) in Berlin-Buch; 1972 Internat. Großmstr.; 1988 11. Platz bei der Fernschach-WM; 1995 3. Platz Fernschach-Olympiade, die 1987 begonnen hatte (damit letzte WM-Med. für die DDR). Nach 1990 Patentassessor; seit 1996 selbst. Patentanwalt; seit 1993 Präs. des Dt. Fernschachbundes; 1995 – 99 Generalsekr. des ICCF; 1998 Goldmed. Fernschach-Olympiade; 2004 Turnier der Weltmeister (2. – 4.).Fernsehschach 52 – 54 – Stipp. Berlin 1991; Die Schachuhr läuft. Berlin 1993; Who is the champion of the champions? Berlin 2008.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Baumgärtel, Karl

* 24.12.1899 – ✝ 19.1.1968

Geboren am 24. Dezember 1899 in Delitzsch als Sohn eines Buchbindermeisters. Kaufmännischer Angestellter. Nach der Revolution 1918 schloß er sich der KPD an und übte verschiedene Funktionen aus. Wegen seiner Tätigkeit bei den Aufstandsvorbereitungen vom Oktober 1923 am 24.Juli 1924 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Die KPD-Presse feierte ihn, weil er noch im Gerichtssaal ausrief: »Es lebe die KPD, es lebe die Weltrevolution!« Baumgärtel kam zur Strafverbüßung ins Zentralgefängnis Cottbus, im März 1926 wurde er amnestiert. 1927 gegen den Protest der Linken zum Agitpropsekretär des Bezirks Halle-Merseburg gewählt, am 23. April 1927 wurde er Orgleiter der BL Westsachsen unter Polleiter Georg Schumann. Mit der Mehrheit dieser BL gehörte Baumgärtel zu den Versöhnlern und wurde deshalb Anfang 1929 seiner Funktion enthoben. Er näherte sich den Rechten, woraufhin ihn die KPD-Führung als »Adjutanten Brandlers« bezeichnete und am 25. Februar 1930 aus der Partei ausschloß. Danach aktiv in der KPO, 1932 ging er zur SAP, arbeitete als Lagerarbeiter in Delitzsch. 1945 schloß sich Baumgärtel weder der KPD noch 1946 der SED an. Er lebte in seinem Geburtsort Delitzsch und war Lagerhalter der Deutschen Saatgutzentrale. Da er keine herausragenden Funktionen ausübte, lediglich der DBD beitrat, wurde er wegen seiner früheren KPO-Zugehörigkeit auch nicht gemaßregelt. Karl Baumgärtel starb am 19. Januar 1968 in Delitzsch.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Baumgarten, Hans

* 26.3.1892 – ✝ 16.10.1979

Geboren am 26. März 1892 in Eisleben als Sohn eines Tischlers. Metalldreher, seit 1908 Mitglied des DMV, seit 1910 der SPD. Nach Wanderschaft 1914 in Berlin, von 1915 bis 1917 Soldat im Ersten Weltkrieg, dann als Metallarbeiter reklamiert. Er gehörte zu den Mitorganisatoren des Berliner Aprilstreiks (»Brotstreik«). Seit 1917 in der USPD und im Spartakusbund, seit 1919 KPD-Mitglied. Er war Betriebsratsvorsitzender der Optischen Werke in Teltow, wurde während des Kapp-Putsches verwundet und kam 1921 in die KPD-Buchhandlung. 1925 RFB-Funktionär in Berlin, arbeitete er ab 1926 für den Nachrichtendienst der Komintern (OMS). 1933 illegale Tätigkeit in Deutschland, emigrierte Ende 1933 mit seiner Lebensgefährtin Charlotte Ruge, geborene Schwarz in die Sowjetunion. Charlotte Schwarz (* 7. 10. 1895 in Berlin) hatte 1914 den Lehrer und Studienrat Edwin Ruge geheiratet, 1929 geschieden. Seit 1927 KPD-Mitglied, arbeitete sie für die sowjetische Handelsvertretung und war ebenfalls für OMS tätig. Von Ende 1933 bis 1938 arbeitete sie in Moskau als Dolmetscherin bei der OMS, zwischenzeitlich erledigte sie Auslandseinsätze für die Komintern. 1937 konnten sie gemeinsam nach Frankreich ausreisen, waren dort von 1939 bis 1941 interniert, Ende 1941 gelangten sie nach Mexiko. Beide arbeiteten in der Bewegung Freies Deutschland, Charlotte Baumgarten war von 1943 bis 1952 Chefredakteurin einer deutschsprachigen Zeitschrift. Im Sommer 1952 kamen Hans und Charlotte Baumgarten in die DDR, er arbeitete bis 1953 an der Akademie für Staat und Recht in Potsdam-Babelsberg. Hans Baumgarten starb am 16. Oktober 1979 in Potsdam. Bis 1960 leitete seine Frau das Institut für Literatur und Sprachen an der Akademie für Staat und Recht, anschließend journalistische Arbeit. Charlotte Baumgarten starb am 27.Dezember 1986 in Potsdam. Ihre beiden Söhne aus erster Ehe (Walter * 7. 6. 1915 und Wolfgang * 1. 11. 1917) emigrierten 1933 als Jungkommunisten in die Sowjetunion. Walter Ruge wurde 1941 verhaftet und zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Sein Bruder Wolfgang wurde im September 1941 nach Kasachstan verbannt, arbeitete u. a. als Holzfäller. Er konnte 1948 in Swerdlowsk sein Geschichtsstudium abschließen. 1955 bzw. 1958 kamen beide in die DDR, Walter Ruge begann als Fotograf bei der DEFA, Wolfgang arbeitete am Zentralinstitut für Geschichte der AdW, promovierte und habilitierte sich. Wolfgang Ruge, der am 26.Dezember 2006 starb, veröffentlichte 2003 seine Lebenserinnerungen »Berlin – Moskau – Sosswa. Stationen eines Lebens«. 2006 schuf Stefan Mehlhorn das biographische Filmporträt »Über die Schwelle«, das dem Leben Walter Ruges nachgeht.

Wer war wer in DDR

Bautsch, Hans-Joachim

* 20.9.1929 – ✝ 22.6.2005

Geb. in Samswegen (b. Wolmirstedt); Vater Kaufm., Mutter Schneidermeisterin; 1936 – 49 Schulbesuch, Abitur an der OS Haldesleben; anschl. Stahlschmelzer; 1946 SED; ab 1951 Studium der Mineralogie an der HU Berlin, dort 1956 Dipl., 1960 Prom. mit »Mineralog.-petrograph. Untersuchungen an Chrommagnesit- u. Forsteritsteinen«, 1966 Habil. mit »Kristallograph.-mineralog. u. petrograph. Untersuchungen zu Metabasiten u. ihren leukophyrischen Einschaltungen«; 1955 – 68 wiss. Ass. bzw. Oberass. am Inst. für Mineralogie der HU Berlin; 1968 Doz. für Mineralogie u. Petrologie an der EMAU Greifswald; 1970 ord. Prof. für Kristallographie an der HU Berlin, ab 1984 für das Fachgebiet Mineralogie u. Petrographie u. Ltr. des Bereichs Mineralogie am Museum für Naturkunde; 1986 – 90 Vors. der Geolog. Gesell.; 1994 em.; gest in Berlin. Forschungsschwerpunkt: kristallograph., mineralog. u. petrograph. Bearbeitung von Metabasiten, Aufklärung der kristallchem. u. kristallstrukturellen Grundlagen der Petrogenese u. die damit zusammenhängende Ermittl. von Kriterien für die Technol. der Erkundung u. des Abbaus von Erdöl- u. Erdgaslagerstätten.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Becher, Lilly

* 27.1.1901 – ✝ 20.9.1978

Geb. in Nürnberg in einer jüd. Fam.; Vater Ing., Mutter 1942 im KZ Auschwitz ermordert; 1906 – 15 Volks- u. Mittelschule, 1915 – 18 Gymnasium in München; 1918/19 Sprachstudium Frz., Russ. u. Engl. an der Univ. Heidelberg; 1919 Spartakusbund/KPD München-Schwabing, daraufhin Verweigerung der Studienfinanzierung durch die Fam., Abbruch des Studiums; 1919 Red.-Volontär bei der »Vossischen Ztg.«; 1920 Angest. der Telegrafen-Agentur München, dann der Megola Werke; ab 1921 Stenotypistin im Delphinverlag München, dann Mitarb. des Ullsteinhauses, 1921 der Ztg. »Roten Fahne« in Berlin; ab 1922 freie Mitarb. der »Weltbühne«; 1922/23 stellv. Pol.-Ltr. u. Frauenltr. der KPD Berlin-Neukölln; bis 1925 Mitgl. der »ultralinken« Fraktion in der KPD (um Ruth Fischer); 1924 – 26 Gründerin u. Ltr. der Frauenztschr. »Die Arbeiterin«; 1926 – 33 Lektorin u. Red. des Neuen Dt. Verlags, dort 1927 – 33 Ltr. der kulturpol. Red., 1932/33 Chefred. der »AIZ«, mit Alexander Rado Hrsg. der »Geograph. Presse Korrespondenz«; März 1933 mit ihrer achtj. Tochter Flucht nach Österreich; 1933/34 in Wien; 1934/35 Mitarb. des Verlags Editions du Carrefour in Paris, Zusammenarbeit mit Willi Münzenberg; Lebensgemeinschaft u. später Heirat mit  Johannes R. Becher; folgte im Nov. 1935 ihrem Mann nach Moskau; 1936 Hrsg. der ersten Dokumentation über die Verfolgung der Juden im Nationalsoz. »Der gelbe Fleck«; 1935 – 45 in Moskau, Übersetzerin beim Staatsverlag für die »Internat. Lit.«; enge Zusammenarbeit mit Johannes R. Becher, Mitarb. der Ztschr. »Internat. Lit.« (Ps. u. a.: »Lotte Franken«, »Lilly Franken«, »Lotte Paul«, »Lilly Patell«); ab 1941 Mitarb. der EKKI-Presseabt. u. des Sowinformbüros (zuständig für die Auslandspresse); 1942 – 45 Mitarb. der dt. Abt. des Moskauer Rundfunks (»Inoradio«); pol. u. liter. Beiträge; Mitarbeit im NKFD. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 KPD/ SED, OdF; Dolmetscherin u. Red. beim Sowj. Nachrichtenbüro (SNB) in Berlin-Weißensee; 1945 – 50 Chefred. der »Neuen Berliner Illustrierten« (NBI); ab 1950 Mitgl. des DFD-Bundesvorst.; 1958 nach dem Tod ihres Mannes Johannes R. Becher Ltr. des nach ihm benannten Archivs in der AdK; 1961 VVO; ab 1963 Ehrenmitgl. des ZV des DSV, ab Juli 1963 stellv. Vors. der DSF Berlin; 1969 Banner der Arbeit; 1971 VVO; 1976 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Rote Signale. Gedichte u. Lieder. Berlin 1931 (Hrsg.); Johannes R. Becher. Bildchronik seines Lebens. (mit G. Prokop). Berlin 1963.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Beck, Hans

* 4.1.1894 – ✝ 25.8.1937

Geboren am 4. Januar 1894 in Erfurt. Feinmechanikerlehre, Eintritt in die Gewerkschaft, 1913 Mitglied der SPD. 1914 zum Militär eingezogen. Später Mechaniker im Reichsbahnausbesserungswerk Erfurt. Beck trat 1917 der USPD bei, gehörte im Januar 1919 zu den Mitbegründern der KPD in Thüringen. Später in den Zeiss-Werken tätig, dort 1923 Arbeiterratsvorsitzender. 1924 zum Abgeordneten des Thüringer Landtags gewählt. Von Juli bis August 1925 leitete er die erste deutsche Arbeiterdelegation in die Sowjetunion und hielt sich seit Mitte 1926 erneut in der Sowjetunion auf. Hier lernte er seine Frau, eine Russin, kennen. Mit seiner Frau Tatjana Beck (*30. 12 1900 – † 23. 2. 1983) kehrte er Ende 1926 nach Deutschland zurück und wurde zunächst Mitarbeiter in der Gewerkschaftsabteilung des ZK, dann Mitglied der KPD-BL Thüringen und Redakteur der »Neuen Zeitung« in Jena. Er zeichnete mitverantwortlich für die Zeitschrift »Einheit«, die Sozialdemokraten unter den Arbeiterdelegationen in Sowjetrußland für die KPD gewinnen sollte. Wie die ganze Gruppe um die »Einheit« war auch Beck Anhänger des rechten Flügels der KPD. Auf dem XI.Parteitag 1927 wandte er sich gegen die Schaffung eigener kommunistischer Gewerkschaftsorganisationen. Im Oktober 1928 aus der KPD ausgeschlossen, wurde Beck Mitglied der KPO, deren Reichsleitung er von 1929 bis 1932 angehörte. Wegen eines Hochverratsverfahrens flüchtete er im September 1932 nach Norwegen. Hier arbeitete er mit seiner Frau, die Mitglied der KPD blieb, an der sowjetischen Handelsvertretung in Oslo. 1933 begann in norwegischen Zeitungen eine Kampagne gegen die Becks. Der Vorwurf lautete, sie wären Kom-intern-Agenten. Daraufhin emigrierten sie im Oktober 1933 von Norwegen in die UdSSR, nach Kusnezk/Stalinsk. Er arbeitete bis 1935 im Metallurgischen Kombinat Nowokusnezk, danach im Moskauer Werk für Präzisionsmeßgeräte Tispribor. Hans Beck, der noch regelmäßigen Briefkontakt zu Heinrich Brandler hielt, wurde am 9. August 1936 verhaftet und vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 25.August 1937 wegen »Teilnahme an konterrevolutionärer Tätigkeit« zum Tode durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde am gleichen Tag vollstreckt. Becks Frau, Tatjana Beck, wurde am 11. Dezember 1937 verhaftet und am 16. April 1938 zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt. Sie überlebte Lager und Verbannung und kam mit ihren beiden Kindern im Februar 1959 in die DDR. Im August 1956 wurde sie und im April 1958 Hans Beck posthum durch das Oberste Gericht der UdSSR »rehabilitiert«. Tatjana Beck arbeitete von 1959 bis 1968 als Übersetzerin am Deutschen Institut für Zeitgeschichte bzw. ab 1968 freischaffend für das IPW. Sie erhielt 1965 den VVO in Silber.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Ernst

* 1900 – ✝ 1.7.1932

Als Kind einer proletarischen Sozialistenfamilie ( Karl Albin Becker war sein Bruder, Lina Becker seine Schwester) 1900 geboren. Schon als Schüler Mitglied der revolutionären Jugendorganisation. Nach dem Krieg in KPD-Organisationen in Hamburg (u. a. in der IAH) tätig. Später Redakteur in Breslau. 1922 wurde Becker zu einem Jahr Festung verurteilt, anschließend arbeitete er im Pressedienst der KPD in Berlin. Ab 1925 Redakteur der KPD-Zeitung in Gotha, Anfang 1927 Chefredakteur der Solinger »Bergischen Arbeiterstimme«. Becker stand auf dem rechten Flügel der Partei und setzte sich schon im Februar 1927, auf dem Bezirksparteitag Niederrhein, für die rechte Gruppe um Paul Herbert Böttcher ein. Nach der Wittorf-Affäre 1928 als Rechter entlassen und im Dezember 1928 aus der KPD ausgeschlossen. Becker trat der KPO bei und gab seit April 1929 deren Organ »Klassenkampf« in Düsseldorf heraus, später war er Gewerkschaftsredakteur des KPO-Organs »Arbeiterpolitik«. Ernst Becker starb am 1. Juli 1932 an einem Herzleiden. Becker war mit der kommunistischen Funktionärin Martha Moritz verheiratet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Karl

* 3.9.1896 – ✝ 5.12.1961

Geboren am 3. September 1896 in Gülchen/ Schlesien; Schmied. 1913 bis 1918 Militärdienst und Soldat im Weltkrieg. Seit 1919 Mitglied des DMV und Mitglied der KPD, Becker gehörte in den zwanziger Jahren zu den führenden KPD-Funktionären im Waldenburger Bergbaugebiet in Niederschlesien. 1929 Gemeindevertreter in seinem Heimatort Dittersbach, wo er als Schmied arbeitete. Er wurde im September 1930 für den Wahlkreis Breslau in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. 1933 lebte er zehn Monate illegal in Schlesien, floh im Dezember 1933 in die âSR. Im Februar 1939 ausgewiesen, emigrierte er nach Großbritannien, wo er von 1940 bis 1942 insgesamt 20 Monate interniert war. Becker gehörte in Großbritannien dem Vorstand der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter an, war von 1941 bis 1945 außerdem Mitglied der Bergarbeiter-Internationale. 1946 im Arbeitsausschuß freigewerkschaftlicher Bergarbeiter Deutschlands in Paris, im gleichen Jahr kehrte er nach Deutschland zurück, zunächst war er von Juni bis November 1946 Sekretär der IG Bergbau Bezirk Gelsenkirchen-Buer, von Dezember 1946 bis Dezember 1948 Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der IG Bergbau Bochum und von Januar 1949 bis Dezember 1951 Sekretär in der Hauptverwaltung der IG Bergbau in Bochum, verantwortlich für Schulung und Bildung, er wurde Mitglied der SPD. Karl Becker starb am 5. Dezember 1961 in Gelsenkirchen.

Wer war wer in DDR

Bassenge, Friedrich

* 12.3.1901 – ✝ 17.2.1970

Geb. in Leipzig; Vater Dir. der Kammgarnspinnerei Leipzig; Volksschule u. Realgymnasium, 1920 Abitur; anschl. Studium der Staats- u. Rechtswiss., 1920 – 21 in Freiburg (Ethik u. Logik bei Edmund Husserl), 1921 in München, 1921 – 23 in Leipzig, dort 1. jurist. Staatsprüfung u. 1924 Prom. zum Dr. jur. mit der Arbeit »Rechtsverhältnis u. Staat«; 1925 Referendar in den Amtsgerichten Wurzen u. Dresden; Philosophiestudium 1926 in Köln, 1927 / 28 in Leipzig; 1930 Prom. zum Dr. phil. mit der Schrift »Das Versprechen. Ein Beitrag zur Philos. der Sittlichkeit u. des Rechts«; 1930 Referendar in Bautzen; 1931 2. jurist. Staatsexmen (Assessor); 1931 – 33 Hilfsrichter am Amtsgericht Klingenthal u. am Landesgericht Dresden; 1933 wg. antifasch. Äußerungen aus dem Staatsdienst entlassen; 1933 – 34 arbeitslos; 1935 – 41 selbständiger Rechtsanwalt in Neustadt (Sachsen); 1941 – 53 Justitiar bei Raiffeisen in Erfurt u. Berlin. 1954 – 70 Lektor für Philos. im Aufbau-Verlag; gest. in Staaken bei Berlin. Hrsg. von Hegels »Ästhetik«, Diderots »Ästhetischen Schriften« sowie Werken anderer Philosophen; Übers. der »Metaphysik« des Aristoteles; zahlr. Aufsätze in west- u. ostdt. Fachztschr.; hat als »nichtmarxist.« Philosoph in u. neben seiner Tätigkeit als Verlagslektor tiefgründige Aufsätze u. unveröff. Texte zur Logik, Naturphilos., Handlungstheorie, Ästhetik u. zu Aristoteles verfaßt; der philosoph. Nachlaß wird erst erschlossen.Über Fragen der Logik. Dt. Ztschr. für Philos. (1955) 4, 5 u. 6.Guntholf Herzberg

Wer war wer in DDR

Batereau, Gustav

* 23.8.1908 – ✝ 19.4.1974

Geb. in Leipzig; Vater Jurist, Mutter Hausfrau; 1915 – 18 Höhere Bürgerschule Leipzig, 1919 – 28 Petrischule Leipzig, Abitur; 1928 – 31 Bauingenieurstudium an der TH Dresden, Spezialrichtungen Stahlbau u. Schweißen; 1932 Dipl.; 1926 KPD, Mitgl. einer sozialist. Studentengr. u. bis 1933 der RH; 1928 – 32 Gewerkschaft Bund der Techniker, Angest. u. Beamten (Butab), Zellenleiter u. Kassierer in Dresden; 1933 – 45 Konstrukteur u. Statiker bei der Fa. Eisenhochbau Grohmann & Frosch; als Ing. in der Industrie vom Militärdienst zurückgestellt; 1934 Verhaftung, 1935 – 36 KZ Sachsenburg; 1936 – 40 Fachkurse in Schweißtechnik für die Dt. Arbeitsfront in Leipzig; Volkssturm (ohne Funktion); 1940 – 42 kurzzeitig als Sachverständiger in Nordfrankreich, Paris u. in Belgien. 1945 Statiker im Baupolit. Amt beim Rat der Stadt Leipzig; anschl. bis März 1947 Treuhänder, Sequester u. Dir. bei Grohmann & Frosch; 1946 SED; 1947 – 49 selbst. Statiker; nebenberufl. Doz. beim Rat der Stadt Leipzig; April 1949 – März 1951 Doz. u. ab Juni 1950 kommissar. Ltr. der Ingenieurschule für Bauwesen Leipzig; 1950 – 55 bei der VVB Industrie-Entwurf Berlin, Betrieb Leipzig, seit 1951 dort Dir. u. u. a. mit Berechnungen u. Herstellung von Stahlbaukonstruktionen für das Kraftwerk Leuna befaßt; ab 1. Juli 1955 Prof. mit Lehrauftrag, Lehrstuhl für Festigkeitslehre u. Stahlbau an der HAB Weimar; ab Juni 1957 – 63 deren Rektor (Nachf. von  Otto Englberger); 1969 em. aus gesundheitl. Gründen; gest. in Weimar.Rechenschaftsbericht des scheidenden Rektors anläßl. der Rektoratsübergabe am 23. Okt. 1963. In: Preiß, A., Winkler, K.-J.: Weimarer Konzepte. Die Kunst- u. Bauhochschule 1860 – 1995. Weimar 1996 (Dokument 98).Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

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Bauer, Helmut

* 17.10.1930

Geb. in Judenbach (Krs. Sonneberg); Vater Holzhauer; Volksschule. 1945 – 51 Ausbildung zum u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1949 SED; 1951 Einstellung beim MfS, Abt. IV (Spionageabwehr) der Länderverw. Thür.; 1951 Versetzung zum MfS Berlin, Abt. II (Spionage), später HA II (Spionageabwehr); 1960 Abt. XXI (Innere Sicherheit); 1962/63 BPS Kleinmachnow; 1963 stellv. Ltr., 1970 Ltr. der Abt. XXI; 1975 Oberst; 1978 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

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Baum, Bruno

* 3.2.1910 – ✝ 13.12.1971

Geb. in Berlin in einer jüd. Familie; Vater Schneider u. Bügler; 1916 – 24 jüd. Knabenschule in Berlin; 1924 – 28 Ausbildung zum Elektriker, 1929/30 im Beruf tätig; 1926 DMV; KJVD, Rote Jungfront; 1927 KPD; 1928 Austritt aus der Jüd. Gemeinde; KJVD-Verb.-Schule (Rosa-Luxemburg-Schule) in Dresden; 1929 Mitgl. des RFB, UB-Ltr. u. Gauführer der Roten Jungfront Berlin-Brandenb.; kurzz. Inhaftierungen, 1931 ein Mon. Gefängnis wegen Weiterführung des verbotenen RFB; 1933/34 Ltr. des KJVD-UB Berlin-Friedrichshain u. Instrukteur für Siemens AG (»Kurt Schmidt«); 1934/35 Kursant der Internat. Lenin-Schule in Moskau (»Fritz Anders«); Mai 1935 Pol.-Ltr. u. Sekr. des KJVD in Berlin (»Fritz Anders«, »Walter Schwarz«) zus. mit  Erich Honecker, Gerhard Rolack,  Kurt Hager; Dez. 1935 zus. mit E. Honecker u. Edwin Lautenbach verhaftet; 18 Mon. U-Haft; wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 13 Jahren verurteilt; Haft in Plötzensee, 1937 – 43 in Brandenb.-Görden, 1943 – 45 KZ Auschwitz, hier Mitgl. der internat. Parteiltg.; 1945 KZ Mauthausen, Ltr. des Internat. Komitees des Krankenlagers. 1945/46 KPD/SED; 1945 pol. Mitarb. der Abt. Schulung des ZK der KPD; 1945 – 49 Sekr. für Kultur u. Erziehung, 1946 – 51 Mitgl. der KPD/SED-LL Berlin; 1948 VVN; 1949 – 51 Stadtrat für Wirtschaft beim Magistrat Groß-Berlin (Nachf. von  Karl Maron); 1951 – 59 Sekr. der SED-BL Groß-Berlin, dort 1953 – 59 für die Arbeit nach Berlin (West) zuständig; 1955 VVO; ab 1957 Abg. der Volkskammer; 1958 Mitgl. des ZK der SED; 1959/60 Bereichsltr. im Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel (MAI); 1960 Banner der Arbeit; VVO; ab 1960 Mitgl. der SED-BL Potsdam, dort Sekr. für Wirtschaft u. Ltr. des Büros für Industrie u. Bauwesen (Nachf. von  Ernst Lungewitz); bis 1963 Fernstudium an der IHS für Starkstromtechnik Velten-Hohenschöpping, Elektro-Ing.; 1964 Mitgl. des reorg. Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1965 KMO; 1970 VVO; gest. in Berlin.Widerstand in Auschwitz. Bericht der internat. antifa. Lagerltg. Berlin 1949; Häftlings-Nummer 118.359. In: Arbeitsgr. der ehem. Häftlinge des KZ Auschwitz beim Komitee der Antifasch. Widerstandskämpfer in der DDR (Hrsg.): IG-Farben – Auschwitz – Massenmord. Berlin 1964 Die letzten Tage von Mauthausen. Berlin 1965. Pikarski, M.: Jugend im Berliner Widerstand. Herbert Baum u. Kampfgefährten. Berlin 1978; Erich Hackl: Die Hochzeit von Auschwitz. Zürich 2002.Bernd-Rainer Barth

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Baumbach, Peter

* 8.3.1940

Geb. in Wenigensömmen (Thür.); Vater Polier; 1950 – 58 OS Sandershausen (Thür.), Abitur; 1958 SED; 1958 / 59 Maurerpraktikum; 1958 – 64 Studium an der TU Dresden (bei Rolf Göpfert u. Helmut Trauzettel), Dipl-Ing; 1964 – 87 Technologe u. Architekt beim Wohnungsbaukombinat Rostock; 1967 Wettbewerb Halle-Neustadt (mit seiner Frau Ute B.), 1971 Großsiedl. Rostock-Evershagen; 2. Preis; 1975 Kunstpreis des FDGB; 1977 Schinkelmed.; 1980 Ausstellungspavillon in Moskau (mit  Ulrich Müther); 1981 – 83 Rekonstruktion »Haus der Architekten« (got. Gebäude um 1480) in Rostock; 1983 Gastprof. an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; 1984 u. 1987 NP; 1987 Fünfgiebelhaus Rostock; 1987 – 91 Masterplan-Entw. u. Beratung Stadtentw. für Addis Abeba (Äthiopien). 1991 Rückkehr nach Dtl., freier Architekt (Büro mit Ute B. u. Michael Bräuer); 1992 Lehraufträge an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; 1992 / 93 Wettbewerb Uferzone Rostock, 1. Preis; 1993 ord. Prof.; 2005 Ruhestand; 2008 Gewächshaus im Palmengarten Rostock; lebt in Rostock.Eckbebauung Breite / Kröpeliner Straße. In: Architektur der DDR (AdDDR) (1961) 11; Studie Wohneinheit Rostock-Evershagen. In: Dt. Architektur (1969) 8; Zur weiteren Entw. des Erzeugnisangebots im WBK Rostock. In: AdDDR (1976) 5; Hauptzentrum Rostock-Evershagen. In: AdDDR (1977) 9; Viergeschossiger Wohnungsbau. WBS 70-AR in Rostock-Evershagen. In: AdDDR (1978) 5; Architektur u. bild. Kunst bei der Gestaltung der Wohnumwelt. In: AdDDR (1979) 3; Mehrgeschossiger Wohnungsbau in Rostock-Schmarl. In: AdDDR (1980) 1; Wiederverwendungsprojekt für Schulspeiseeinrichtungen in Rostock. In: AdDDR (1980) 5. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Baumgarten, Arthur

* 31.3.1884 – ✝ 27.11.1966

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Bakteriologe u. Pathologe, Med.-Prof.; Volksschule; 1893 Umzug der Fam. nach Tübingen; Gymnasium in Tübingen; Studium der Rechtswiss. in Tübingen, Genf, Leipzig u. Berlin, 1907 Jurist. Staatsprüfung in Tübingen; 1909 Prom. bei Franz von Liszt zur Ideal- u. Gesetzeskonkurrenz; 1909 Prof. für Strafrecht an der Univ. Genf, ab 1920 Ordinarius an der Univ. Köln, ab 1923 an der Univ. Basel u. ab 1930 an der Univ. Frankfurt (Main); 1933 Emigr. in die Schweiz; 1933 – 45 Erziehungsrat in der Stadt Basel; Schweizer Staatsbürger (bis zu seinem Tod); 1934 Prof. für Rechtsphilos. u. allg. Rechtslehre an der Univ. Basel; 1935 Studienreise durch die UdSSR; seit Mitte der 1930er Jahre Anbindung an den sowj. Auslandsnachrichtendienst INO des NKWD (später KGB); 1935 Gutachter im Berner Prozeß um die »Protokolle der Weisen von Zion«; 1936, 1937 u. 1938 Gastdoz. an der Univ. Kaunas (Litauen); 1944 Mitbegr. der Schweizer »Partei der Arbeit« u. der Schweizer.-sowj. Ges.; gehörte zum Freundeskrs. um Noel H. Field; Red. der PdA-Ztschr. »Soz.«. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 SED; ab Mai 1947 Gastprof. an den Univ. Berlin u. Leipzig; Okt. 1948 in die Schweiz; März 1949 ord. Prof. für Rechtsphilos. u. Völkerrecht an der HU Berlin; ab Febr. 1949 Ord. Mitgl. der DAW u. Mitgl. des Wiss. Senats beim Min. für Volksbildung; 1951/52 zugl. Rektor der Potsdamer Landes-HS; 1951 NP; 1952 Vors. des Jurist. Arbeitskrs. der DAW; 1951 – 60 Präs. der DASR Potsdam u. Chefred. der Fachztschr. »Staat u. Recht«; 1953 als Prof. der HU Berlin em.; 1954 VVO; März 1958 öff. Revisionismus-Vorwürfe; 1958 Dr. h. c. der FSU Jena; 1959 Verdienter Wiss. des Volkes; 1960 Rentner; 1960 Mitgl. der DAW u. der Sächs. AdW; 1. Vors. (Nachf. von  Kurt Schumann) u. ab 1962 Ehrenpräs. der dt. Sekt. der Vereinigung Demokrat. Juristen; ab Nov. 1964 Ehrenpräs. der »Ges. für Völkerrecht der DDR«; gest. in Berlin.Die Wiss. vom Recht u. ihre Methode. 3 Bde. Tübingen 1920; Geschichte der abendländ. Philos. Basel 1945; Bemerkungen zur Erkenntnistheorie des dial. u. hist. Materialismus. Berlin 1957; Rechtsphilos. auf dem Wege (mit Bibl.). Berlin 1973. Teubner, H.: Exilland Schweiz. Dok. Bericht über den Kampf emigrierter dt. Kommunisten 1933 – 1945. Berlin 1975; Dähn, U. (Hrsg.): Vom Liberalismus zum Sozialismus. Zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. h. c. A. B. Potsdam 1984; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Der Freundeskrs. um Noel H. Field u. Paul Merker. Berlin 1994; Peschel, Ch.: A. B. In: Schröder, H., Simon, D.: Rechtsgeschichtswiss. in Dtl. 1945 bis 1952. Frankfurt (Main) 2001; Klenner, H., Oberkofler, G.: A. B. Rechtsphil. u. Kommunist. Daten u. Dok. zu seiner Entwickl. Innsbruck 2003.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Baumgärtner, Friedrich

* 14.3.1897 – ✝ 10.4.1957

Geboren am 14. März 1897 in Dielkirchen. Schon in jungen Jahren Arbeiter bei der BASF Ludwigshafen/Rhein. 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. 1923 hauptamtlicher Sekretär des Industrieverbandes der chemischen Arbeiter, der sich von den freien Gewerkschaften abgespaltet hatte. 1924 KPD-Abgeordneter des Bayerischen Landtags. 1925, als der selbständige Chemie-Verband wieder in die freie Gewerkschaft übergeführt wurde, Sekretär der KPD. Mit der Mehrheit des Bezirks Pfalz gehörte Baumgärtner zum linken Flügel der Partei (Weddinger Opposition). Nach dem »Offenen Brief« 1925 Nachfolger von Hans Weber als Polleiter der KPD in der Pfalz. Noch auf dem Bezirksparteitag 1927 – gegen den Willen des ZK – zum Polleiter wiedergewählt. Am 7. Februar 1928 aus der KPD ausgeschlossen, ging er nun zu der von Max Frenzel geleiteten Oppositionsgruppe der Pfalz, die sich aber im Oktober 1929 von ihm trennte. Baumgärtner näherte sich wieder der KPD und wurde 1931 Leiter der RGO in Ludwigshafen. 1933 verhaftet, saß er bis April 1934 im KZ-Dachau, anschließend 18 Monate im Gefängnis. Im Mai 1936 entlassen, bis zur Einberufung zur Wehrmacht Schlosser. Im Juni 1944 kam er erneut in »Schutzhaft«. 1945 Erster Bezirksvorsitzender der pfälzischen KPD, Mitbegründer der KPD Hessen-Pfalz, bis 1948 Mitglied des Sekretariats des Landesvorstandes. Baumgärtner war zunächst Sekretär, dann bis zu seinem Tod Landesvorsitzender der Industriegewerkschaft Metall in Rheinland-Pfalz sowie Betriebsratsvorsitzender der Firma Halberg in Ludwigshafen. 1946/47 Mitglied der Beratenden Landesversammlung Rheinland-Pfalz, von 1947 bis 1951 Abgeordneter im Rheinland-Pfälzischen Landtag. Bei den ersten Bundestagswahlen 1949 noch KPD-Kandidat im Wahlkreis Zweibrücken-Pirmasens-Bergzabern, geriet Baumgärtner wegen der Gewerkschaftshaltung in Konflikt mit seiner Partei. Er trat am 20.Februar 1951 aus der KPD aus und blieb bis Ende der Legislaturperiode fraktionsloser Landtagsabgeordneter, er war nicht mehr parteipolitisch organisiert. Friedrich Baumgärtner starb am 10. April 1957 in Ludwigshafen/Rh. an Diabetes.

Wer war wer in DDR

Beater, Bruno

* 5.2.1914 – ✝ 9.4.1982

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1928 – 32 Ausbildung zum Zimmermann, dann arbeitslos; 1933 Brotausfahrer; 1934 RAD; 1935 – 39 Zimmermann bei Rheinmetall-Borsig; 1936 – 38 Wehrdienst; 1939 – 44 Kriegsdienst, Ofw.; Juni 1944 zur Roten Armee übergelaufen, Frontpropagandist des NKFD (Grabensprecher), Aufklärer im Kessel Breslau; bis März 1945 Besuch der Antifa-Schule in Babenkow; Mai – Okt. 1945 Instrukteur u. Ltr. des Antifa-Aktivs im Kriegsgefangenenlager Breslau-Hundsfeld. 1945/46 KPD/SED; 1945 Einstellung bei der VP, Ltr. der Kripo Hennigsdorf; dann Ltr. der Kripo des Krs. Osthavelland in Nauen; 1949/50 Aufbau der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft in Brandenb.; April 1950 Ltr. der Abt. V der Verw. Groß-Berlin des MfS; Aug. 1950 Ltr. der Abt. V (Untergrund) des MfS Berlin; ab 1953 Hauptabt. V; 1955 Stellv. des Min.; 1962/63 Besuch der PHS; 1963 – 73 Kand. des ZK der SED; 1964 – 82 1. Stellv. des Min. (Nachf. von  Otto Walter); Verleihung des Titels Dipl.-Jur. an der JHS; 1969 VVO; ab 1973 Mitgl. des ZK der SED; 1974 KMO; 1980 Gen.-Oberst; gest. in Berlin; nach seinem Tod wurde umfangr. Korruption u. Vetternwirtschaft MfS-intern bekannt u. kritisiert.Jens Gieseke / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becher, Lilly

* 27.1.1901 – ✝ 20.9.1978

Geboren am 27. Januar 1901 in Nürnberg, Tochter des Ingenieurs Emil Korpus (ihre Mutter ist im KZ Auschwitz umgekommen). Gymnasium in München, 1918 Studium an der Universität Heidelberg, mußte das Studium abbrechen, da ihr die Familie die Finanzierung versagte. 1919 Redaktionsvolontärin bei der »Vossischen Zeitung«, 1921 Stenotypistin u. a. in der Münchner Redaktion im Ullsteinhaus. Lilly Korpus, die seit 1919 Mitglied der KPD war, übersiedelte Ende 1921 nach Berlin, wurde hier Redakteurin der »Roten Fahne« und arbeitete auch hauptamtlich für die Partei. 1922/23 zunächst Frauenleiterin in Berlin-Neukölln, anschließend Frauenleiterin der BL Berlin-Brandenburg, 1924 Gründerin und bis 1925 Redakteurin der kommunistischen Zeitschrift »Die Arbeiterin«. Als Anhängerin der Linken wurde sie 1924 2. Polleiter des Bezirks Berlin-Brandenburg. Da Ruth Fischer als nomineller 1. Polleiter zugleich Parteivorsitzende der KPD war, übte Lilly Korpus de facto diese Funktion aus. Ab Frühjahr 1925 Orgleiter der Berliner KPD, stellte sie sich mit der Mehrheit der Berliner Funktionäre nach dem »Offenen Brief« 1925 gegen die neue Führung Ernst Thälmanns und gegen die Parteilinie. Weil sie im Berliner Funktionärorgan »Funke« die Position Ruth Fischers verteidigte, aus dem hauptamtlichen Funktionärsapparat entfernt, aber nach Abkehr von der linken Opposition 1926 und auch durch Fürsprache von Wilhelm Pieck in kommunistischen Massenorganisationen eingesetzt. Zunächst Mitarbeiterin der »Weltbühne«, dann 1926 Lektorin und Redakteurin im Neuen Deutschen Verlag. Von 1926 bis 1933 leitete sie die von Willi Münzenberg herausgegebene AIZ als Chefredakteurin und veröffentlichte einige Novellen. Ihre Ehe mit dem kommunistischen Funktionär Paul war inzwischen geschieden. In der Nacht vom 7. zum 8. März 1933 von SA-Leuten in Berlin überfallen, flüchtete sie mit ihrem Kind Marianne (* 8. 11. 1925) nach Wien und emigrierte Ende 1933 nach Paris. Dort Redakteurin und Lektorin bei der Zeitschrift »Editions du Carrefour« und Mitautorin am antifaschistischen Sammelwerk »Der gelbe Fleck«. Ende 1935 reiste sie nach Moskau. Obwohl sie nach ihrer »ultralinken Periode« 1925 keinerlei Abweichungen mehr gezeigt hatte, mußte sie doch während der Stalinschen Säuberung Schlimmes befürchten. Aber inzwischen eng mit Johannes R. Becher liiert, blieb sie verschont und war ab 1936 ständige Mitarbeiterin an der von Becher herausgegebenen Zeitschrift »lnternationale Literatur – Deutsche Blätter«. Im Juni 1945 kehrte sie als Ehefrau J. R. Bechers nach Deutschland zurück und war ab September 1945 Chefredakteurin der »Neuen Berliner Illustrierten«, ab 1951 freie Mitarbeiterin beim Berliner Verlag. Nach Bechers Tod leitete sie zeitweilig das J. R. Becher-Archiv der Akademie der Künste in Ost-Berlin. 1971 erhielt sie den VVO in Gold, doch ihre führende Rolle in der linken KPD 1924/25 wurde nicht erwähnt. Lilly Korpus-Becher starb am 20. September 1978 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Beck, Volker

* 30.6.1956

Geb. in Nordhausen (Harz); Turner bei der BSG Lok Nordhausen, 1968 Wechsel zur Leichtathletik an die KJS in Erfurt, Mitgl. des SC Turbine Erfurt (Trainer: Hans Hirt, Klaus Fiedler); Spezialisierung zunächst auf 110 m Hürden, ab 1971 400 m Hürden, bei Europa- u. Weltcup-Wettkämpfen auch Starts auf der 400-m-Sprintstrecke; 1976 – 89 SED; 1980 Olympiasieger über 400 m Hürden; Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; Trainer in Erfurt. 1990 Vertreter eines japan. Autokonzerns in Thür.; DLV-Disziplintrainer für Hürdenlauf u. Trainer von  Nils Schumann bei der LG Eintracht Frankfurt ; lebt in Bad Orb.Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Friedrich

* 5.11.1886

Geboren am 5. November 1886 in Schlagbrügge; Arbeiter. Er gehörte vor dem Ersten Weltkrieg der SPD an und ging 1919 in Bremen zur KPD. Er war zeitweise Vorsitzender der KPD in Bremen-Stadt und von 1924 bis 1927 sowie von 1927 bis 1933 Mitglied der Bremer Bürgerschaft. Anfang 1931 wurde seine Immunität vorübergehend aufgehoben. 1933 inhaftiert, später arbeitete er als Vertreter für Elektrowaren. Sein weiteres Schicksal ließ sich nicht ermitteln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Lina Maria

* 22.3.1898 – ✝ 1976

Geboren am 22. März 1898 in Hannover als Kind einer sozialistischen Arbeiterfamilie; schloß sie sich wie ihre Brüder Ernst Becker und Karl Albin Becker nach 1918 der KPD an und war in Hamburg aktiv. Von 1924 bis 1927 vertrat sie die KPD in der Hamburger Bürgerschaft. Verheiratet mit Emil Unfried; Übersiedlung nach Berlin. Wie ihre Brüder und ihr Mann stand sie den rechten Kommunisten nahe. Sie zog sich später aus der Politik zurück, starb 1976, wohlhabend durch den Kinobesitz ihres Mannes Emil Unfried, in Bremen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bassüner, Albert

* 25.1.1891 – ✝ 23.3.1946

Geboren am 25. Januar 1891 in Wittenberg. Arbeiter in den Stickstoffwerken Piesteritz, wo er Mitte der zwanziger Jahre Betriebsratsvorsitzender wurde. 1920 Übertritt von der USPD zur KPD. Mitglied des Provinziallandtages Merseburg. Auf dem XI. Parteitag (1927) Schriftführer, wurde als Kandidat ins ZK gewählt. 1928 stand Bassüner gemeinsam mit Erich Hausen und Heinrich Galm auf dem rechten Flügel im ZK der KPD und trat in der Wittorf-Affäre aktiv gegen Ernst Thälmann auf. Weil er sich weigerte, die Forderungen des ZK zu akzeptieren, wurde er am 29. Dezember 1928 aus der KPD ausgeschlossen. Die Komintern stimmte (da er im ZK saß, war dies formell notwendig) seinem Ausschluß zu. Bassüner war dann ein führendes Mitglied der KPO. Gegen den Widerstand der KPD im Februar 1929 wieder zum Vorsitzenden des ADGB in Wittenberg gewählt, eine Funktion, die er schon längere Zeit inne hatte. 1932 trat er zur SAP über. Im Juli 1935 wurde er im KZ Prettin inhaftiert. Albert Bassüner starb am 23. März 1946 in Piesteritz.

Wer war wer in DDR

Bathke, Karl

* 9.1.1901 – ✝ 14.3.1970

Geb. in Berlin; Vater Metallarb.; Mutter Dienstmädchen; 1907 – 15 Volksschule, ab 1913 Laufbursche; 1915 – 19 Ausbildung zum Schriftsetzer; 1919 – 33 im Beruf in Köln u. Berlin tätig; ab 1919 Freie Soz. Jugend, dann KJD; 1919 Buchdruckerverb.; 1920 in Köln; USPD/VKPD; 1920/21 Mitgl. der KJVD-Ltg. Köln; 1921 Abenduniv. in Berlin; 1921/22 Mitgl. der KJVD-Ltg. u. 1922/23 1. Sekr. (Pol.-Ltr.) des KJVD Berlin-Kreuzberg; 1921 – 23 Mitgl. des Bildungsaussch. der KJVD-Zentr.; 1923/24 Pol.-Ltr. der KPD-Druckerei Dr. Selle-Eisler in Berlin; 1925 – 27 KPD-Funktionär in Berlin-Kreuzberg; 1927 – 33 Org.-Ltr. u. Betriebszellensekr. der Ztg. »Rote Fahne«, Mitgl. der Reichsltg. der RGO-Graphik; ab Febr. 1933 illeg. pol. Arbeit, Instrukteur (»Karl Blond«, »Blond«), organisierte illeg. Druckereien; Mai 1933 über Prag in die UdSSR emigriert; 1933/34 Red. der »Dt. Zentral-Ztg.« Moskau; 1935/36 Instrukteur der KPD in Dresden u. Hamburg (»Conrad«), gleichzeitig nachrichtendienstl. Aufträge für die GRU in Dtl.; Ende 1936 Flucht über Kopenhagen nach Prag; 1936 – 38 Instrukteur des ZK der KPD in Prag; Sept./Okt. 1937 Lehrerkurs an der Intern. Lenin-Schule in Moskau; Ende 1937 in Paris, dann erneut Prag; Dez. 1938 verhaftet u. ausgewiesen; ab Dez. 1938 in Großbritannien, schwer erkrankt, lebte zunächst in Manchester, ab Mai 1939 in London, 1939/40 Ltr. des Verlages »Inside Nazi Germany«: Mai 1940 interniert auf der Isle of Man, dann in Kanada, wegen Haftunfähigkeit nach England entlassen; 1941 unter Polizeiaufsicht in Manchester, Mitgl. der KPD-LL Großbritannien u. ab 1943 des Initiativaussch. der FDB; 1942 nach London; 1943 Mitgl. im Vorstand der BFD; 1945/46 Ltr. des Rückwanderungsbüros für dt. Flüchtlinge in London. Okt. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; mit  Josef Miller im ZS der SED verantw. für Rückwanderungsangelegenheit; 1946 – 50 Chefred. des ADN, Ltr. der Auslandsred.; 1950 – 53 Chefred. der »Leipziger Volksztg.« (Nachf. von  Herbert Bergner); 1952 Mitgl. der SED-BL Leipzig; 1953 – 56 Invalide; 1956 – 61 wiss. Mitarb. des IML beim ZK der SED, ab 1957 zeitw. Ltr. des Parteiarchivs, maßgebl. an dessen Aufbau beteiligt; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 aus gesundheitl. Gründen Ruhestand; ab 1966 Mitgl. der Veteranenkommission der IG Druck u. Papier; gest. in Berlin.Schmidt, W. A.: Damit Deutschland lebe. Berlin 1959; Röder, W.: Die dt. soz. Exilgr. in Großbritannien 1940 – 1945. Ein Beitrag zur Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsoz. Bonn, Bad Godesberg 1973.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bauer, Konrad (Conny)

* 4.7.1943

Geb. in Halle; 1964 – 68 Studium an der HS für Musik »Carl Maria von Weber« Dresden (Abt. Tanzmusik, Posaune); 1968 – 70 Sänger u. Gitarrist im Manfred-Ludwig-Sextett; 1968 – 71 Unterricht beim Soloposaunisten der Dt. Staatsoper Berlin; 1970 – 73 Modern Soul Band (erstmalig Posaune als Hauptinstrument); 1971 – 74 eigene Band Exis; 1972 Absolvent der Musikschule Berlin-Friedrichshain (Tanzmusik); Mitarb. im Jazz-Werkstatt-Orchester (Ltg.  Ulrich Gumpert); 1974 – 77 FEZ (LP 1975); 1973 – 75 Synopsis (LP 1974); 1973 Jazz Jamboree Warschau (auch 1974 u. 1977); 1974 Jazz-Tage Nagykanizsa (Ungarn),  Klaus-Lenz-Band; ab 1974 Solo-Konzerte; 1977 »Jazz in der Kammer Nr. 100« in Berlin (K.-B-Quartett u. a.); ab 1978 Auftritte auch in Westeuropa; 1978 – 80 K.-B.-Quartett; 1979 Jazzbühne Berlin; 1980/81 K.-B.-Trio; ab 1981 Quartett Doppelmoppel (LP 1986 u. 1999); ab 1983 Auftritte mit Performance-Künstlern (u. a. Tadashi Endo, Sheryl Banks); ab 1984 Zentral-Quartett (LP 1994); 1985 Donaueschingen Festival; 1985/86 Japan-Tournee; 1986 Klangprojekt bei Jazz in der Kammer; 1987/88 Ltr. des ersten Jazzorchesters der DDR (u. a. Jazzbühne Berlin, Internat. Jazzfestival Münster, LP 1987); 1987 – 90 Vors. der Sekt. Jazz des Komitees für Unterhaltungskunst der DDR; 1988 – 91 Tiny Island, Klaus König Orchestra (LP 1991). 1991/92 Double Dosis; 1992 K.-B.-Trio; Auftritte u. Platten mit der Ulrich Gumpert Workshop Band,  Ernst-Ludwig Petrowsky, Peter Kowald, Hans Rempel,  Uwe Kropinski u. a.; European Jazz Ensemble (LP 1996, 2001); LP/CD unter eigenem Namen: 1979 Secret Points (mit Gianluigi Trovesi), 1980 K. B. Solo; 1982 Round about Mittweida; 1988 Live im Völkerschlachtdenkmal; 1991 Torontotöne; 1992 Three Wheels – Four Directions; 1995 Generations from (East) Germany (mit Joachim Kühn); 2000 Alice im Wunderland (mit  Walfriede Schmitt); 2002 News from Berlin (mit Aki Takase); 2003 Between Heaven and Earth (mit Peter Kowald u.  Günter Sommer); 11.1.2003 Teiln. am Peter-Kowald-Gedenkkonzert »a night of joy and music« in der Oper Frankfurt (Main); 2007 Duo-Tournee mit Han Benniuk; 1994 Verdienstorden des Landes Berlin; 2004 Jazzpreis des SWR u. Preisträgerkonzert im SWR-Funkhaus Mainz; 2008 Preis der Dt. Schallplattenkritik.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Baumann, Edith (verh. Honecker-Baumann)

* 1.8.1909 – ✝ 7.4.1973

Geb. in Berlin; Vater Maurer; Mutter Arbeiterin; Grund-, Mittel- u. 1924 – 30 Städt. Höhere Handelsschule, Ausbildung zur Stenotypistin; 1926 – 33 Mitgl. der Gewerkschaft ZdA; 1925 – 29 Stenotypistin im Apotheken-Bedarfs-Contor Berlin; 1926 – 31 SAJ, Vors. einer Jugendgr., Mitgl. des KV Berlin-Prenzlauer Berg, dann des BV Berlin; 1927 – 31 SPD, 1930 Mitgl. des SAJ-HV; 1929 – 33 Stenotypistin in der Reichsforschungsstelle für landw. Marktwesen; Okt. 1931 SPD-Ausschluss; 1931 – 33 SAP u. deren Jugendorg. SJV, 1. Vors. der SJV-Reichsltg., Mitgl. des PV der SAP; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit für den SJV; Apr. – Aug. 1933 Stenotypistin bei der Reichsstelle für Milcherzeugnisse, Öle u. Fett in Berlin; 1933 DAF; Aug. 1933 verhaftet, U-Haft in Berlin-Moabit u. Berlin-Barnimstraße, Dez. 1934 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, bis Okt. 1936 Haft im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße; 1936 – 38 Stenotypistin bei einem Patent-Anwalt in Berlin; 1936 – 45 Buchhalterin bei der A.G. der Kohlenwertstoff-Verbände in Berlin. Okt. 1945 – Juni 1946 stellv. Ltr. der ZV für Volksbildung; 1945/46 SPD/SED, FDJ, stellv. Vors. des zentr. Jugendaussch., 26.2.1946 Mitunterz. des FDJ-Gründungsbeschl., Juni 1946 – Jan. 1949 Gen.-Sekr. u. stellv. Vors. der FDJ; 1946 – 73 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1947 – 55 verh. mit  Erich Honecker, seit Jan. 1952 getrennt lebend; 1947 – 64 Mitbegr. des DFD u. Mitgl. des BV; 1948 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 73 Abg. der (Prov.) Volkskammer (1963 – 73 Berliner Vertreterin); 1949 – 53 Mitgl. des Sekr. des ZK der SED, 1953 – 55 des Sekr. der SED-BL Berlin; ab 1953 Mitgl. des Rats u. des EK der IDFF; 1955 u. 1960 Banner der Arbeit; 1955 – 61 Ltr. der Arbeitsgr. bzw. Abt. Frauen beim ZK, 1958 – 63 Kand. des PB u. 1961 – 63 Sekr. des ZK der SED (zuständig für Handel u. Versorgung sowie Leicht- u. Lebensmittelind.); 1958 Med. Kämpfer gegen den Fasch.; 1960/ 61 Lehrgang an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1963 – 73 Stadtverordnete, Stadtrat u. Sekr. des Magistrats von Berlin, Mitgl. des Bez.-Aussch. der NF u. seines Sekr.; 1965 VVO; 1969 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Die Geschichte der dt. Jugendbew. Berlin 1947; Bericht über die Ratstagung der IDFF in Peking. Berlin 1956. Amos, H.: Politik u. Org. der SED-Zentrale 1949 – 1963 Münster 2003; Stuhler, E., Ehrlich, K.: Honecker und die Frauen. MDR, 17.6.2003; Stuhler, E., Grimm, Th.: Die Honeckers privat. Liebespaar u. Kampfgemeinschaft. Berlin 2005.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bäumer, Ludwig

* 1.9.1888 – ✝ 28.8.1928

Geboren am 1. September 1888 in Melle bei Hannover; 1911 brach er das Jura-Studium in Göttingen ab und kam in die Künstlerkolonie nach Worpswede bei Bremen. Hier mit Heinrich und Martha Vogeler befreundet, begann er ein Liebesverhältnis mit Martha Vogeler, die ihren Mann und das Haus in Worpswede verließ. Bäumer war ein enger Mitarbeiter Franz Pfemferts und der von ihm herausgegebenen Zeitschrift »Aktion«. Im Ersten Weltkrieg Unteroffizier, dann Kriegsgegner, gehörte er während der Novemberrevolution zu den aktivsten Bremer Kommunisten. Ende 1918 nahm er als Worpsweder Delegierter am Gründungsparteitag der KPD in Berlin teil. Er wurde im Januar 1919 Mitglied des Rates der Volksbeauftragten der Bremer Räterepublik und war nach deren Niederwerfung inhaftiert. Bäumer tendierte zum Syndikalismus und trat im Juni 1919 aus der KPD aus, war seitdem parteilos. 1919 erschien seine Schrift »Das Wesen des Kommunismus«. Der zum Bremer Künstlerkreis gehörende Bäumer wohnte bis 1922 in Worpswede, war zuletzt Geschäftsführer eines Lokals. Später heiratete er eine vermögende Frau und zog nach Süddeutschland, er lebte als freier Schriftsteller in München und Berlin. Ludwig Bäumer starb am 28. August 1928.

Wer war wer in DDR

Baumgarten, Klaus-Dieter

* 1.3.1931 – ✝ 17.2.2008

Geb. in Werna (b. Ellrich, Thür.); Vater Gärtner; Mittelschule. 1945 – 49 Ausbildung zum u. Arbeit als Zimmermann in Ellrich; 1946 FDJ; 1948 – 2001 SED/PDS; 1949 Eintritt in die VP, zunächst in Nordhausen, dann bis 1953 beim Wachbat. der Reg., Posten-, Gruppen-, Zugführer bzw. Sachbearb. für Ausbildung, VP-Kommissar; 1953/ 54 HS für Offz. der KVP, Major; 1954/ 55 Ltr. Abt. Ausbildung im Kdo. der Bereitschaftspolizei; 1955/56 Ltr. Ausbildung beim Stellv. des Staatssekr. für Staatssicherheit; 1956/57 Ltr. Abt. Gefechtsausbildung Hauptverw. Innere Truppen; 1957 – 59 Stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. Gefechtsausbildung im Kdo. der Grenzpolizei; 1959 – 63 sowj. Militärakad., Dipl. rer. mil.; 1963/64 1. Stellv. des Kdr. der Grenzbrigade Calbe/Milde, 1964/65 Ltr. der Fachrichtung bzw. Lehrstuhlltr. für allgemeine Kdr. der Grenztruppen an der Militärakad. Dresden; 1965 – 70 1. Stellv. des Chefs der Grenztruppen (Nachf. von Rudolf Bürger), 1.3.1966 Oberst; 1970 – 72 sowj. Gen.-Stabsakad.; 1972/73 1. Stellv. des Chefs der Grenztruppen (Nachf. von Karl Leonhardt), 1973 – 78 Kdr. des Grenzkdo. Süd (Nachf. von  Gerhard Lorenz), 7.10.1974 Gen.-Major; 1974 – 79 Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1978/79 Stellv. des Chefs der Grenztruppen u. Chef des Stabes (Nachf. von  Rudi Schütz), 1.8.1979 – 31.12.89 Stellv. des Min. u. Chef der Grenztruppen (Nachf. von  Erich Peter), 7.10.1979 Gen.-Ltn.; 1981 Kand. des ZK der SED; 7.10.1988 Gen.-Oberst; 28.2.1990 Ruhestand. Okt. 1995 Beginn der Verhandlungen im Grenztruppenprozeß, 10.9.1996 Verurteilung durch das LG Berlin wegen »Totschlags u. versuchten Totschlags bzw. der Beihilfe, begangen an DDR-Flüchtlingen« zu sechseinhalb Jahren Haft; ab 12.11.1996 U-Haft in Berlin-Moabit wegen Fluchtgefahr; 30.4.1997 verwarf der 5. Senat des BGH seine Revision; Haft in Berlin-Plötzensee; seit Okt. 1997 Freigänger, entlassen am 15.3.2000, April 2000 vom Berliner Senat begnadigt (als erster hoher DDR-Repräsentant); gest. in Zeuthen.Die Grenzen der DDR. Berlin 2004; (Hrsg. mit P. Freitag): Erinnerungen. Autobiogr. des Chefs der Grenztruppen der DDR. Berlin 2008. Grafe, R.: Dt. Gerechtigkeit. Prozesse gegen DDR-Grenzschützer u. ihre Befehlsgeber. München 2004.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bäuml, Luise

* 22.11.1919 – ✝ 14.6.2004

Geb. in Plauen (Vogtland); Vater Schneider; Volks- u. Berufsschule; nach 1933 antifasch. Arbeit; 1934 – 40 Textilarb.; 1940 – 45 Bürohilfe u. Karteiführerin. 1945 KPD, 1946 FDJ, SED; 1945/46 Angest. in der Stadtverw. Plauen; 1946 Besuch der Landesjugendschule in Sachsen; 1946 – 50 MdL Sachsen; 1946 – 49 Stadtverordn. in Plauen; 1946/47 Mitgl. u. Org.-Ltr. in der FDJ-KL Plauen; 1948/49 Ltr. des Jugendamtes Plauen; 1949 – 54 Abg. der Volkskammer; 1949 – 50 Abt.-Ltr. im FDJ-LV Sachsen; 1950/51 Sekr. der SED-LL Sachsen; 1951/52 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1952 erneut Sekr. der SED-LL Sachsen; 1952 – 54 2. Sekr., 1954/ 55 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Leipzig; 1955 – 73 polit. Mitarb., später stellv. Abt.-Ltr. im ZK der SED; Red. der Ztschr. »Neuer Weg«; später verh. unter dem Namen Zahn; 1971 VVO.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Becher, Johannes R.(obert)

* 22.5.1891 – ✝ 11.10.1958

Geb. in München; Vater Amtsrichter; 1897 – 1911 Volksschule u. Gymnasium in München, Öttingen u. Ingolstadt; 1911 – 18 Studium der Philol., Philos. u. Med. an den Univ. in München, Berlin u. Jena; 1911 erste liter. Veröff.; wegen der Folgen eines Suizidversuches (1910) kein Militärdienst; 1914 – 18 Aufenthalte in psychiatr. Kliniken wegen Morphiumabhängigkeit; 1917 USPD; ab 1918 freier Schriftst. in Berlin; 1919/20 u. ab 1923 KPD; 1920 – 22 starke religiöse Orientierung; 1925 – 28 wegen »liter. Hochverrats« angeklagt, Eröffnung des Verfahrens unterblieb nach nat. u. internat. Protesten, eingestellt; zwischen 1927 u. 1932 mehrfache Besuche der UdSSR; 1928 Mitbegr. des BPRS, Mitgl. im Büro für rev. Lit. Moskau; 1932 Reichstagskand. der KPD; 1933 Emigr. nach Prag, Paris u. Moskau; 1934 dt. Staatsangehörigkeit aberkannt; ab 1935 Chefred. der Ztschr. »Internat. Lit., Dt. Blätter«« in Moskau; Lebensgemeinschaft mit Lilly Korpus (seiner späteren Ehefrau  Lilly Becher); KPD-Führung unterstellte ihm »trotzkist. Schwankungen u. pol. Unzuverlässigkeit«; er bekam keine Erlaubnis, die UdSSR zu verlassen (wollte 1936 nach Spanien); 1941 Evakuierung nach Taschkent; mehrere Suizidversuche; 1943 Gründungsmitgl. des NKFD; Mitarb. an programmat. Dok. der KPD zur künftigen Kulturpol. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitbegr. u. erster Präs. des KB; ab 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; Nov. 1948 Mitgl. der dt. PEN-Gr.; 1949 Textautor der DDR-Nationalhymne; 1949 u. 1950 NP; 1949/50 gem. Ltg. (mit  Anna Seghers u.  Arnold Zweig) des »Dt. Komitee für den Frieden«, Vorgänger des Friedensrats; ab 1950 Abg. der Volkskammer; 1950 Gründungsmitgl. u. 1953 – 56 Präs. der DAK (Nachf. von  Arnold Zweig); 1953 Stalin-Friedenspreis; 1954 – 58 Min. für Kultur; 1956 Eintreten für eine liberalere Politik, nach Kritik der SED-Führung Kursänderung; verlor 1957 jeden pol. Einfluß, nunmehr nur nominell Minister; Sept. 1958 aus gesundh. Gründen Aufgabe aller Ämter; gest. in Berlin.Gesammelte Werke. 18 Bde. Berlin 1966 – 81; Briefe von u. an J. R. B. Berlin 1993. Rohrwasser, M.: Der Weg nach oben. J. R. B. Politiken des Schreibens. Frankfurt (Main) 1980; Gansel, C. (Hrsg.): Der gespaltene Dichter. Berlin 1991; Mayer, H.: Der Turm von Babel. Erinnerung an eine Dt. Demokrat. Rep. Frankfurt (Main) 1991; Dwars, J.-F.: Abgrund des Widerspruchs. Das Leben des J. R. B. Berlin 1998; Behrens, A.: J. R. B. Eine pol. Biogr. Köln 2003.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bechert, Helmut

* 1.1.1933

Geb. in Allenstein (Ostpr./Olsztyn, Polen); Vater Automechaniker; 1952 Abitur; 1952 – 56 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1956 SED u. Einstellung beim MfS, Abt. Agit.; 1971 stellv. Ltr., 1975 Ltr. der Abt. Agit.; 1976 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1977 Oberst; 1985 – 89 als MfS-OibE stellv. Ltr. der Abt. Presse des Min. für Ausw. Angelegenh.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Anton

* 19.4.1883 – ✝ 12.4.1965

Geboren am 19. April 1883 in Stoßdorf/Krs. Siegburg als Sohn eines Landarbeiters (»Äckerers«). Zunächst selbst Landarbeiter, dann Lehre und Tätigkeit als Dreher. Vor dem Weltkrieg Übersiedlung nach Hamburg, Mitglied der SPD. Nach dem Krieg Übertritt zur USPD, 1920 mit der linken USPD zur KPD. In den zwanziger Jahren lange erwerblos, wurde Becker einer der Führer der Hamburger Arbeitslosen; 1925 Mitglied der BL Wasserkante, von 1926 bis 1931 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. 1931 schied er wegen Differenzen aus der BL aus und zog sich von der aktiven Politik zurück. 1943 verzog er von Hamburg nach Düsseldorf. Nach 1945 lebte er als Rentner in Geesthacht, war politisch aber nicht mehr aktiv. Anton Becker starb am 12. April 1965 in Geesthacht.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Gesine

* 16.4.1888 – ✝ 9.12.1968

Gesine Bolle wurde am 16. April 1888 in Meinershausen/Krs. Osterholz bei Bremen als Tochter eines Kleinbauern geboren. Sie arbeitete als Laden- und Haushaltshilfe, von 1911 bis 1925 als Hausmeisterin, später als Kontoristin. 1910 wurde sie Mitglied der SPD und kam über die Bremer Linksradikalen 1919 zur KPD. Ihr Mann, Gottfried Becker (*1.2.1884 – †22.10.1956) war 1921 Leiter der Bremer KPD. Von 1919 bis 1929 vertrat Gesine Becker die KPD in der Bremer Bürgerschaft. 1923/24 arbeitete sie aktiv in der Mittelgruppe. Von 1925 bis 1927 Kontoristin, half sie später ihrem Ehemann, der ein Werbebüro für die Reichsbahn unterhielt. 1929 war Gesine Becker einige Monate Orgleiter des KPD-Bezirks Nordwest. Im Dezember 1930 verzog sie mit ihrem Mann (er war bis zum Machtantritt der Nazis als Akquisiteur für die gesamte KPD-Presse zuständig) aus Bremen nach Berlin-Lichtenberg. Von 1934 bis 1936 war Gesine Becker hier Inhaberin des Cafés »Derby« in der Schlesischen Straße. Von 1939 bis 1944 als Kontoristin dienstverpflichtet. Nach 1945 zunächst Hausfrau, wurde Gesine Becker 1946 Mitglied der SED, ohne wichtige Funktionen auszuüben. Bis 1955 Büroangestellte im VEB Schrott Berlin-Lichtenberg, danach Sachbearbeiterin in der Kaderabteilung der Humboldt-Universität Berlin. Gesine Becker starb am 9. Dezember 1968 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Ludwig

* 25.10.1892 – ✝ 9.4.1974

Geboren am 25. Oktober 1892 in Gmünd/ Württemberg als Sohn eines Goldschmieds und Sozialisten; erlernte den Beruf eines Fassers (Spezialberuf der Goldschmiedebranche) und ging anschließend auf Wanderschaft. 1907 Eintritt in die Gewerkschaft und die sozialistische Jugendorganisation, 1910 in die SPD. Übersiedelte 1911 von Gmünd nach Berlin, besuchte hier die Arbeiterbildungsschule, an der auch Rosa Luxemburg wirkte. 1913 Einberufung zum Militär, bis 1918 Soldat. Von der Front aus hielt er enge Verbindung mit der Stuttgarter radikalen Gruppe Westmeyer. 1918 in den Soldatenrat gewählt. Mitglied des Spartakusbundes, seit der Gründung für die KPD aktiv. Bis 1922 in seinem Beruf tätig. Mit anderen Stuttgarter Funktionären wurde Becker wegen seiner Tätigkeit für die illegale KPD Anfang 1924 verhaftet und am 27. September 1924 zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Während der Haft im Mai 1924 in den Württembergischen Landtag gewählt, so daß er als Abgeordneter einige Monate früher aus dem Gefängnis entlassen werden mußte. Im Juli 1925 Parteisekretär in Stuttgart. In den folgenden Jahren im Bezirk Württemberg tätig; Anhänger des rechten Parteiflügels. 1928 erneut in den Landtag gewählt. 1929 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen. Er trat zur KPO über und blieb für diese bis 1932 im Württembergischen Landtag. Im Dezember 1930 hauptamtlicher Bevollmächtigter des Metallarbeiterverbandes in Schwenningen; diese Funktion behielt er bis 1933. 1933 versuchte die Deutsche Arbeitsfront, ihn für die NSDAP zu gewinnen. Becker lehnte alle Angebote ab und arbeitete bis 1938 in seinem Beruf. Als oppositioneller Kommunist kam er von 1938 bis 1945 ins KZ Buchenwald. Nach Schwenningen zurückgekehrt, baute Becker 1945 die KPD auf und war hier einige Monate stellvertretender Bürgermeister. 1948 Leiter der IG Metall Südwürttemberg-Hohenzollern und KPD-Abgeordneter des Landtags Südwürttemberg-Hohenzollern. Nach neuen Differenzen mit der KPD wurde er 1951 aus der Partei ausgeschlossen, er trat 1955 der SPD bei. Von 1953 bis 1959 war Becker Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg in Stuttgart, seit 1969 im Ruhestand. Ludwig Becker starb am 9.April 1974 in Stuttgart.

Wer war wer in DDR

Bastian, Horst

* 5.12.1939 – ✝ 13.4.1986

Geb. in Exin (b. Posen) (Kcynia, Polen); Vater Gärtner, Mutter Hausfrau; 1946 – 54 Schulausbildung in Damelang; schweres Asthmaleiden; 1954 landwirtschaftl. Berufsschule in Golzow; 1955 – 57 Maurerlehre in Potsdam, Möbelträger; 1957 / 58 ABF; ab 1958 Arbeit als Requisiteur am Dt. Theater Berlin, körperl. Zusammenbruch, danach freischaff. Publizist; ab 1960 erste Erzählungen, Hörspiele u. Drehbücher; Filmszenarien zus. mit  Manfred Krug: 1961 »Gestorbene Angst« (nicht realisiert), 1962 »Der Kinnhaken«; 1964 SV; 1965 / 66 Literaturinst. »Johannes R. Becher« Leipzig; schrieb vielbeachtete Kinder- u. Jugendbücher mit Geschichten über die Nachkriegszeit (»Die Moral der Banditen«, 1964, »Wegelagerer«, 1968), Hörspiel »Deine Chance zu leben« (1971), Erzählungsband »Drei Welten auf einem Stern« (1971), als DDR-Entwicklungsroman angelegte Tetralogie »Gewalt u. Zärtlichkeit« (1974 – 86 unvoll.), Kriminalromane, »Die Brut der schönen Seele« (1976), »Nicht jeden Tag ist Beerdigung« (1980), daneben Filmszenarien, Reportagen; zahlr. Lesungen in Jugendgr. u. Betrieben; Studienreisen nach Vietnam (1980, 1983 u. 1985); 1965 Kunstpreis der FDJ; 1975 Kunstpreis des FDGB; 1978 SED; 1979 Goethe-Preis der Hauptstadt der DDR; 1980 Theodor-Körner-Medaille; 1984 NP; 1958 – 86 als GI / IM »Hartmut Möwe« für das MfS erf.; gest. in Berlin.Barfuß ins Vaterland. Berlin 1987 (posthum). Walther, J.: Sicherungsbereich Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Batt, Kurt

* 11.7.1931 – ✝ 20.2.1975

Geb. in Hamburg; Vater Buchdrucker; 1938 – 42 Volksschule in Teterow; 1942 – 51 OS mit kriegsbedingten Unterbrechungen, Abitur; 1951 – 55 Germanistikstudium in Leipzig; 1955 – 59 Doz. für Dt. u. Lit.-Geschichte am Konservatorium Rostock; 1958 Prom. zum Dr. phil. an der Philosoph. Fak. der KMU Leipzig mit einer Diss. über niederdt. Lit. des 19. Jh.; ab 1959 Lektor im Hinstorff Verlag Rostock, 1960 stellv. Verlagsltr.; 1961 Cheflektor; Förderung u. Entw. junger Autoren, langjähriger engagierter Lektor von  Franz Fühmann; regelmäßige Vortragstätigkeit; Vorlesungen an Univ. in Warschau, Wrocław, Poznań, Toruń, Budapest, Frankfurt (Main); ab 1964 Mitarb. der Ztschr. »Sinn u. Form«; ab 1966 Mitgl. der KB-KL Rostock; ab 1966 Mitgl. mehrerer Gremien zur Lenkung des Lit.-Prozesses bei der HV Verlage u. Buchhandel im Min. für Kultur; Mitgl. des Beirats für Lit.-Wiss. des Aufbau-Verlags; 1968 Lehrgang für Ltg.-Kader des Min. für Kultur; 1967 – 71 Mitgl. des BV des DSV; 1971 – 74 in der OPK »Batt« vom MfS erf., Anwerbeversuch gescheitert; 1973 Graduierung an der EMAU Greifswald zum Dr. sc. phil.; literaturwiss. Studien über dt.-spr. Lit. vergangener Jh.; Darstellung von Leben u. Werk Fritz Reuters (»Fritz Reuter. Leben u. Werk.« 1967); 1974 große Schwierigkeiten mit der SED-BL Rostock, die keinen parteilosen Cheflektor duldete; gest. in Rostock.Anna Seghers. Entw. u. Werke. Leipzig 1973; Die Exekution des Erzählers. Frankfurt (Main) 1974; Revolte internat. Betrachtungen zur Lit. der Bundesrep. Dtl. Leipzig 1974; Widerspruch u. Übereinkunft: Aufsätze zur Lit. Leipzig 1978; Editionen zu Fritz Reuter, Klaus Groth, Georg Christoph Lichtenberg, Jeremias Gotthelf.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Bauer, Leo

* 18.12.1912 – ✝ 18.9.1972

Geb. in Skalat (b. Tarnopol, Ostgalizien, Österr.-Ungarn/Ukraine) in einer jüd. Familie; Vater Uhrmacher u. Goldwarenhändler (alle Angehörigen wurden später in dt. Vernichtungslagern ermordet); 1914 nach Pogromen Flucht der Fam. nach Sachsen; aufgew. in Chemnitz, dort 1919-30 Realschule u. Gymnasium; 1925 dt. Staatsangehörigkeit; 1927 SAJ, 1928 SPD, 1930 Übersiedl. nach Berlin, dort 1930/31 Privatunterricht, 1932 Abitur; 1931 SAP u. ab 1932 KPD; als Werkstudent 1932/33 Studium der Rechtswiss. u. Nat.-Ökon. an der Univ. Berlin, aus »rass. Gründen« relegiert; 1932/33 Mitarb. der Abwehr des M-Apparates der KPD (»Rudi«); März – Juni 1933 kurzz. inhaftiert; anschl. weiter für den M-Apparat tätig; Dez. 1933 Emigr. nach Prag, Febr. 1934 nach Paris (»Plau«); hier aktiv in den »Freundeskreisen der dt. Volksfront«, ab 1935 in der Flüchtlingsarbeit; ab 1936 Sekr. der »Zentralvereinigung der dt. Emigr.« (ZVE); 1936 – 39 Beigeordneter Sekr. beim Völkerbund-Hochkommissar für Flüchtlinge aus Dtl. in Paris, 1938/39 in Prag (»Rudolf Katz«), maßgebl. beteiligt an der Evakuierungsaktion von KPD-Kadern nach Großbritannien; Sept. 1939 in Paris verhaftet, in versch. Lagern interniert u. zus. mit  Paul Bertz im Juli 1940 in die Schweiz geflohen; Vertrauensmann der KPD für die Westschweiz, Grenzarbeit nach Frankreich; lebte illeg. unter der Identität eines Bankangest. in Genf (»Paul-Eric Perret«); Sept. 1942 Kontakte zum Office of Strategic Services (OSS) der USA (durch Noel H. Field); Okt. 1942 in Genf unter Spionageverdacht verhaftet; Okt. 1943 wg. Fälschung v. Ausweisen, nachrichtendienstl. Tätigkeit, Verletzung d. Neutralität der Schweiz u. kommunist. Betätigung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt; in Genf u. im Internierungslager Bascourt inhaftiert; Mai 1944 vorzeitige Entlassung auf Bewährung; ab Juni 1944 Mitarb. der Bew. »Freies Dtl.« u. deren Ltr. in der Region Westschweiz, Verbindungsmann zur illeg. Partei der Arbeit der Schweiz; Sekr. der KP-nahen Hilfsorg. Centrale Sanitaire Suisse (»Erwin Zoller«). Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; Beauftragter des Centrale Sanitaire Suisse in Frankfurt (Main); ab 1945 geheimer Mitarb. eines sowj. Nachrichtendienstes; 1945/46 freier Mitarb. der »Frankfurter Rundschau«; 1945 – 49 Mitgl. des Sekr. der KPD-LL Hessen; 1946 Migl. des Beratenden Landesaussch. u. der verfassungsberatenden Versamml. Groß-Hessen, 1946 – 48 Abg. im Hess. Landtag, KPD-Fraktionsvors., Vizepräs. des Hess. Landtags; 1946/47 Hrsg. der KPD-Ztschr. »Wissen u. Tat«; 1947 Verkehrsunfall u. bis 1949 Krankenhausaufenthalt in der SBZ; 1949/50 Chefred. des Dtl.-Senders; 23.8.1950 wegen Verbindungen zu Noel H. Field u. angebl. umfangr. Hilfe für den »Klassenfeind« aus der SED ausgeschl. u. zus. mit seiner Ehefrau vom MfS verhaftet; Haft in den MfS-U-Haftanstalten Schumannstr. (Friedrich-Karl-Bunker) u. Berlin-Hohenschönhausen sowie ab Aug. 1951 im MGB-Gefängnis in Berlin-Karlshorst, Folterungen durch dt. u. sowj. Vernehmer; Dez. 1952 zus. mit Erica Glaser vom sowj. Militärgericht in Berlin-Lichtenberg als »amerik. Spion« zum Tode verurteilt; Jan. 1953 in die UdSSR deportiert u. wartete dort in einer Todeszelle auf seine Hinrichtung; Juni 1953 begnadigt zu 25 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien; Haft im Straflager Taischet, im Lager 013 b. Bratsk u. ab Nov. 1954 im Krankenlager Vichorevka; Okt. 1955 in die Bundesrep. Dtl. entlassen (aufgrund der dt.-sowj. Vereinbarung über Gefangenenrückführung); Herbst/Winter 1955/56 CIA-Befragungen; lebte in Frankfurt (Main), pol. Bildungsarbeit; 1956 SPD; 1957/58 Mitarb. der Illustrierten »Quick«; 1959 – 61 freier Mitarb, ab 1961 sozialpol. Red. des »Stern«; gehörte ab Mitte der 1960er Jahre zum Beraterkrs. von Willy Brandt; ab 1967 Gesprächsführer im geheimen Dialog zw. SPD u. KPI in Rom; 1968 – 72 Chefred. der SPD-Ztschr. »Die Neue Ges.«; ab 1969 polit. Mitarb. im Bundeskanzleramt, außenpolit. Berater des Bundeskanzlers Willy Brandt in Fragen der Ost- u. Dtl.-Politik; schwere Erkrankung (Haftfolgeschäden), gest. in Bonn.»Die Partei hat immer recht.« Bemerkungen zum geplanten dt. Rajk-Prozeß. In: Das Parlament vom 4.7.1956; Autobiogr. Beitrag. In: Krüger, H. (Hrsg.): Das Ende einer Utopie. Hingabe u. Selbstbefreiung früherer Kommunisten. Olten 1963; Perspektiven im Übergang zu den 70er Jahren (mit Horst Ehmke). Bonn 1968; Gespräche. Vorw. von Herbert Wehner. Bonn 1973. Lewis, F.: Bauer im Roten Spiel. Das Leben des Noel H. Field. Berlin, Frankfurt (Main) 1965; Brandt, P. u. a.: Karrieren eines Außenseiters: L. B. zwischen Kommunismus u. Sozialdemokratie 1912 – 1972. Bonn 1983; Hodos, G. H.: Schauprozesse. Frankfurt (Main) 1988; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Barth, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. 2 Bde. Berlin 2005 u. 2007.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Baumann, Rudolf

* 19.8.1911 – ✝ 19.6.1988

Geb. in Düsseldorf; Vater Versicherungsdir.; Gymnasium; 1930 – 36 Med.-Studium in Bonn, München, Berlin u. Rostock, hier 1937 Prom.; 1936 – 41 Facharztausbildung an der II. Internist. Klinik des Städt. Krankenhauses Neukölln; 1940 NSDAP; 1941 – 44 Lazarettarzt. 1945 Chefarzt des Städt. Ost-Krankenhauses, 1948 – 51 2. Ärztl. Dir., 1951 – 57 Chefarzt u. Ärztl. Dir. des Städt. Krankenhauses Berlin-Buch; 1951 SED; 1957 Prof. für Innere Med.; 1958 – 78 Dir. des Inst. für kortiko-viszerale Pathol. u. Therapie der DAW (seit 1972 ZI für Herz-Kreislauf-Regulationsforschung der AdW) in Berlin-Buch; 1965 NP; 1966 Ord. Mitgl. der DAW, 1975 – 88 Vors. ihrer Kl. für Med., 1974 Ausländ. Mitgl. der Akad. der Med. Wiss. der UdSSR; 1978 em.; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Untersuchungen zur Neuropathophysiol., bes. von Ursachen u. Entstehungsmechanismen des Diabetes mellitus u. der essentiellen Hypertonie; Beiträge zur patholog. Bedeutung der Fehlverarbeitung des psychoemotionalen Stresses; führte 1955 die an Iwan P. Pawlow anknüpfende kortiko-viszerale Pathol. K. M. Bykows in der DDR ein u. stellte damit sukzessive den Anschluß an die psychosomat. Med. der westl. Länder her.Physiol. des Schlafes u. Klinik der Schlaftherapie. Berlin 1953; Coma diabeticum. Berlin 1959; Kortiko-viszerale Physiol., Pathol. u. Therapie (zus. mit K. Fichtel). Berlin 1966; Streß, Neurose u. Herzkreislauf (mit K. Hecht). Berlin 1975; Arterielle Hypertonie (zus. mit H. Dutz, St. Nitschkoff u. H. Baumann). Berlin 1981. R. B. In: Pasternak, L. (Hrsg.): Wissenschaftler im biomedizin. Forschungszentrum: Berlin-Buch 1930 – 2004. Frankfurt (Main) 2004.Jochen Richter

Wer war wer in DDR

Baumgärtel, Gerhard

* 25.11.1931 – ✝ 27.7.1997

Geb. in Reumtengrün (Krs. Auerbach, Vogtland); Vater Landwirt; Mittelschule. 1946 – 49 Ausbildung zum Tischler; 1949 – 54 Studium an der FS für angewandte Kunst Erfurt, Innenarchitekt; 1954 – 60 Studium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing.; 1960 – 62 Architekt u. Projektbearb. im VEB Projektierung Polygraph Leipzig; 1962 – 69 wiss. Assistent, 1969 – 74 wiss. Oberassistent an der HAB Weimar, 1965 Prom. zum Dr.-Ing., 1970 Dr.-Ing. habil.; 1969 CDU; 1973/74 Zusatzstu-dium an der TU Budapest; 1975 – 82 Doz. u. stellv. Sektionsdir. an der HAB Weimar, 1982 Honorarprof.; 1977 – 89 Mitgl. des HV der CDU, 1984 – 89 Mitgl. seines Präs.; 1982 – 89 OB von Weimar (Nachf. von  Franz Kirchner), 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer u. Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 18.11.1989 – 25.1./9.2.1990 Min. für Bauwesen (Nachf. von  Wolfgang Junker in der Reg.  Hans Modrow). Bis 1995 als Architekt tätig; gest. in Weimar.Raumgestaltung in Industriebauten. Berlin 1969.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Baumgarten, Oskar

* 25.10.1907 – ✝ 1.12.2008

Geb. in Halle; Vater Bautechniker; Volks- u. Oberrealschule; 1926 – 28 Ausbildung zum Landwirt; 1928 – 31 Studium an der Univ. Halle, Dipl.-Landw.; 1931 – 33 hier Studium der Staatswiss., anschl. Assistent bei Ernst Grünfeld, 1933 Prom. zum Dr. rer. pol. mit einer Diss. zur Freihandels- u. Schutzzollpol. als Mittel der Agrarpol.; 1931 – 35 Buchhalter; 1935 NSDAP; 1935 – 43 Sachbearb. bzw. Abt.-Ltr. u. Ltr. der Außenstelle Salzwedel der Landesbauernschaft Sachsen-Anh., Landw.-Rat; 1943 – 45 Wehrmacht, Ltn.; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Lager-Schule Rjasan. 1949/50 Abt.-Ltr. im ZV der VdgB, 1950/51 Hauptgeschäftsf. der Dt. Landw.-Ges. (Nachf. von Reinhard Bennecke); 1950 SED (1951 gestrichen, 1961 zum Wiedereintritt veranlaßt); Aufbau der ersten Landw.-Ausstellung der DDR in Leipzig; NP; 1951 Mitgl. des Vorst. des Gesamtdt. Arbeitskr. für Land- u. Forstw.; Aufnahme eines Fernstudiums an der DVA; Delegationssekr. bei der ersten Studienreise von DDR-Agrarwiss. in die UdSSR; 1951 beauftragt mit dem Aufbau der Ständ. Landw.-Ausstellung agra in Leipzig-Markkleeberg, als agra-Dir. bis 1972 maßgebl. beteiligt an der Entw. der »Univ. im Grünen«; 1955 – 58 Mitgl. des Zentr.-Vorst. der DSF; 1957 VVO; 1963 Verleihung des Prof.-Titels durch die Reg.; ab 1963 Mitgl. des Zentr.-Vorst. der Dt. Agrarwiss. Ges; 1969 Held der Arbeit. 1990 Austritt aus der SED/PDS; 24.11.2007 anlässl. seines 100. Geburtstags zum Ehrenbürger von Markkleeberg ernannt; gest. in Markkleeberg.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Bause, Arndt

* 30.11.1936 – ✝ 11.2.2003

Geb. in Leipzig; Vater Buchhalter; 1951 – 54 Ausbildung zum Apparateglasbläser; ab 1948 Klavierunterricht, ab 1955 in versch. Bands, 1960 – 63 Posaunenunterricht; 1962 erste Rundfunkprod. eines eigenen Titels, 1969 – 74 externes Studium von Komposition u. Tonsatz an der HS für Musik Leipzig (St.-Ex.); 1983 NP. Kompositionen u. a. für  Frank Schöbel (1968 – 76 »Gold in deinen Augen«, »Ich geh vom Nordpol zum Südpol«, Texte: Dieter Schneider), Jürgen Walter (1976 – 82 »Schallali Schallala«, »Barbara«, Texte:  Gisela Steineckert, drei LP),  Jürgen Hart (1979 »Sing, mei Sachse, sing«, Text:  J. Hart, eine LP),  Helga Hahnemann (1982 – 91 »Jetzt kommt dein Süßer«, »Hundertmal Berlin», Texte: Angela Gentzmer, drei LP), Wolfgang Lippert (1982 – 86 »Erna kommt«, Text: Wolfgang Brandenstein), seine Tochter Inka (ab 1985 »Spielverderber«, Text: D. Schneider, »Es ist Sommer«, Text: W. Brandenstein, vier LP). Insges. ca. 1200 Tanzmusiktitel, 25 Musiken zu Trickfilmen des DEFA-Studios Dresden, ein Musical: »Gesang der Grille« (Libretto: Gerda Malig, 1987), eine Kinderlieder-LP: »In Dingsbumshausen ist was los« (Texte: Hans-Gerald Otto, 1986); gest. in Berlin.Der Mann mit der goldenen Nase. Berlin 2001 (Autobiogr., mit G. Steineckert).Bernhard Hönig

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becher, Johannes R.(obert)

* 22.5.1891 – ✝ 11.10.1958

Geboren am 22. Mai 1891 in München als Sohn des Amtsrichters Heinrich Becher. Schon früh erwachte in Johannes Becher das Interesse an der Literatur, zunächst schlug er aber auf Drängen des Vaters eine militärische Laufbahn ein. Nach dem Abitur veröffentlichte er die Kleist-Hymne »Der Ringende« sowie den Lyrikband »Verfall und Vernunft«, in dem er die Gesellschaftsordnung des Kaiserreichs angriff. Im April 1910 wollte er mit seiner Freundin Selbstmord begehen, sie starb, Becher kam mit schweren Schußverletzungen sechs Monate ins Krankenhaus. Er studierte von 1911 bis 1918 in München und Jena Philosophie und Medizin, allerdings ohne Abschluß. Als Mitarbeiter an der Zeitschrift »Aktion« von Franz Pfemfert sowie »Die neue Kunst« gehörte er zu den Wortführern des Expressionismus. Von 1914 bis 1918 wegen Morphiumabhängigkeit in einer psychiatrischen Klinik. 1917 trat er in die USPD ein und wurde 1918 Mitglied des Spartakusbundes, 1919 der KPD. Damals erschien seine bekenntnishafte Gedichtsammlung »An Alle«. Enttäuscht über die fehlgeschlagene Novemberrevolution, verließ er die KPD und wandte sich der Religion zu. Ab 1923 engagierte er sich wieder in der KPD, publizierte 1926 den Antikriegsroman »Levisite oder Der einzig gerechte Krieg«, wurde deswegen angeklagt (»Vorbereitung zum Hochverrat«), das Verfahren aber nach nationalen und internationalen Protesten eingestellt. 1928 Mitbegründer und Erster Vorsitzender des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS), gab er ab 1929 dessen Organ »Die Linkskurve« heraus. Becher emigrierte 1933 zuerst nach Prag, dann nach Paris und 1935 nach Moskau, dort Chefredakteur der Exilzeitschrift »Internationale Literatur – Deutsche Blätter«. Hier wurde Lilly Korpus ab 1936 seine ständige Mitarbeiterin und Lebensgefährtin, sie kam im Juni 1945 als Frau Johannes R. Bechers nach Deutschland zurück. Im Moskauer Exil unternahm er Selbstmordversuche, weil ihn die KPD-Führung für politisch unzuverlässig hielt. Durch die Freundschaft mit dem Philosophen Georg Lukács (*1885 – †1971) wandte sich Becher »dem klassischen Erbe« zu und entdeckte die Form des Sonetts für sich. 1940 erschien sein autobiographischer Roman »Abschied«. Becher gehörte 1943 zu den Mitbegründern des NKFD. Bereits im Juni 1945 nach Berlin zurückgekehrt, hat er hier den »Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands« mitbegründet und wurde dessen erster Präsident. Durch seine Initiative entstand der Aufbau-Verlag, die Monatszeitschrift »Aufbau« und die Wochenzeitung »Sonntag«. Becher gehörte dem Parteivorstand der SED (ab 1950 ZK) an, 1953 wurde er Präsident der DDR-Akademie der Künste und war seit 1954 Kulturminister der DDR, verlor aber ab 1957 seinen politischen Einfluß. Mehrfach mit dem Nationalpreis ausgezeichnet (u. a. als Verfasser des Textes der DDR-National-Hymne). Er gilt zwar als wichtiger Vertreter des »sozialistischen Realismus« in Deutschland, doch sein Lebensweg vom wortgewaltigen Expressionisten zum Verkünder des »sozialistischen Realismus« machte ihn zu einem der umstrittensten deutschen Schriftsteller. Johannes R. Becher starb am 11.Oktober 1958 in Ost-Berlin. Bechers Gesammelte Werke in 18 Bänden wurden zwischen 1966 und 1981 publiziert, Briefe von ihm im Jahre 1993. Eine neue Biographie veröffentlichte 1998 Jens-Fietje Dwars, 2003 erschien eine politische Biographie Bechers von Alexander Behrens.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bechler, Bernhard Max

* 9.2.1911 – ✝ 30.11.2002

Geb. in Lengenfeld-Grün (Vogtl.); Vater Fabrikdir.; Volks- u. Privatschule, bis 1930 Gymnasium; 1931 – 43 Wehrmacht, 1932/33 Offz.-Ausbildung u. Regt.-Kdr. an der Infanterie-Schule Dresden; 1934 Ltn., 1936 Oblt., Regt.-Adjudant; 1940 – 42 beim Gen. z. b. V. im OKH Zossen u. Ostpr., Teiln. an den Lagebesprechungen beim Chef des Gen.-Stabs des Heeres, Kontakte u. a. zu Friedrich Olbricht; Jan. 1943 bei Stalingrad als Major u. Bat.-Kdr. in sowj. Kriegsgefangenschaft, Lager Frolow u. Jelabuga; 1943 Mitgl. des NKFD in Lumowa (b. Moskau); 1944 Zentr. Antifa-Schule Krasnogorsk, Vorstandsmitgl. des Bundes Dt. Offz.; durch ein dt. Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt; als NKFD-Frontbevollm. mit der 2. Beloruss. Front nach Berlin. 1945/46 KPD/SED; 1. Vizepräs. der Provinzialverw.; ab 1946 Abg. des Landtags Brandenb.; Dez. 1946 – Sept. 1949 Min. des Innern des Landes Brandenb.; 1949/50 militär. Sonderlehrgang in Privolsk (UdSSR) an der Militärakad. des Gen.-Stabs der Sowjetarmee; Nov. 1950 – Aug. 1952 Stabschef der HV für Ausbildung im MdI (Nachf. von  Heinrich Heitsch), Chefinspekteur; Sept. 1952 – Dez. 1954 stellv. Chef des Hauptstabs der KVP; Jan. 1955 – Febr. 1956 stellv. Chef des Stabes der KVP für Org.-Fragen; März 1956 – April 1957 1. stellv. Chef des Hauptstabs der NVA für Org.-Fragen, Gen.-Major; Mai 1957 stellv. Chef des Hauptstabs der NVA für operative Arbeiten; Juni 1957 – Nov. 1959 sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl. rer. mil.; 1957 Verdienstmedaille der NVA; 1958 Medaille Kämpfer gegen den Fasch. 1933 – 45; 1959 – 65 stellv. Kdr. der Militärakad. Dresden u. Ltr. der Fak. für operativ-takt. Ausbildung der Landstreitkräfte, Doz., interne Forschung u. Veröff. zu Problemen der Anfangsperiode eines mod. Krieges beim Einsatz von NVA-Verb.; 1960 Banner der Arbeit; 1965 VVO; 1965 – 70 Ltr. der Forschungsstelle für Truppenführung des MfNV u. Dir. des Inst. für Mechanisierung u. Automatisierung der Truppenführung in Dresden; 1966 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1970 sowj. Orden des Vaterländ. Krieges; 1971 Ruhestand, lebte danach in Kleinmachnow (b. Berlin); 1981 Ehrenspange zum VVO; bis 1989 Mitgl. des Bez.-Komitees Potsdam der Antifa. Widerstandskämpfer. Okt. 1990 – 2002 Mitgl. der IVVdN; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin).Bechler, M.: Warten auf Antwort. Ein dt. Schicksal. München 1978; Diedrich, T.: B. B. – Der hemmungslose Karrierist. In: H. Ehlert, A. Wagner (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Artur

* 12.5.1905 – ✝ 13.4.1938

Geboren am 12. Mai 1905 in Remscheid, Sohn eines Feilenhauers, der nach dem Kriege der USPD angehörte; Schlosserlehre. 1920 Mitglied der FSJ. 1923 Eintritt in die KPD; Orgleiter und ab Januar 1925 Polleiter des UB Remscheid des KJVD. Von 1926 bis 1928 Leiter des Bezirks Niederrhein der kommunistischen Jugend, ab August 1928 Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Jugendinternationale in Moskau. Auf dem 11. KJVD-Kongreß in Berlin im September 1929 in das ZK des Jugendverbandes gewählt, wurde er im April 1930 2. Vorsitzender des KJVD. 1930 jüngster Reichstagsabgeordneter, ab Juni 1931 Vorsitzender des KJVD. Im Frühjahr 1932 für die Fehlschläge der KJVD-Arbeit verantwortlich gemacht, aus dem ZK des KJVD entfernt und zur Jugendarbeit in der RGO abgestellt. Becker wurde im November 1932 »rehabilitiert« und seine Absetzung als Intrige der Neumann-Gruppe bezeichnet. Er übersiedelte nach Moskau und arbeitete im EKKI der Jugendinternationale. Ab Ende August 1937 Angehöriger, später Kommissar der XI. Internationalen Brigade im Spanischen Bürgerkrieg. Am 13.April 1938 geriet Artur Becker verwundet in die Gefangenschaft der Franco-Truppen, die ihn am 16. Mai 1938, vier Tage nach seinem 33. Geburtstag, in Burgos erschossen. 2005 veröffentlichte Karl-Heinz Jahnke eine Broschüre über Artur Becker.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Becker, Karl Albin

* 19.11.1894 – ✝ 1.12.1942

Geboren am 19. November 1894 in Hannover als Kind einer sozialistischen Familie; von Beruf Schriftsetzer. Auch seine Geschwister waren später Kommunisten ( Ernst Becker, Lina Becker). Mit 15 Jahren 1909 Mitglied der sozialistischen Jugendorganisation, 1912 der SPD. Während des Weltkrieges gehörte er zunächst in Dresden, dann in Bremen zu den führenden Köpfen der Bremer Linksradikalen. Deswegen 1917 verhaftet, erst durch den Ausbruch der Novemberrevolution wieder frei. Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates Dresden, Delegierter der Internationalen Kommunisten Deutschlands auf dem Gründungsparteitag der KPD. 1919 Funktionär der KPD, Mitglied des »Bremer 21er Ausschusses«. Bei der Spaltung 1919 zunächst beim linken Flügel, Anhänger der Allgemeinen-Arbeiter-Union. Im März 1920 Abkehr von der Opposition, wurde er 1921 führend in der Hamburger KPD und Chefredakteur der »Hamburger Volkszeitung«. Auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 als einer der Jüngsten zum Mitglied der Zentrale gewählt, sogar ins Polbüro berufen, mußte nach dem Parteiverbot 1923 – steckbrieflich gesucht – untertauchen. Vorübergehend in Schlesien und bis zum IX. Parteitag (1924) wieder Chefredakteur der »Hamburger Volkszeitung«. In den Auseinandersetzungen nach 1923 gehörte er zu den Rechten ( Heinrich Brandler, August Thalheimer, Jacob Walcher). Er lebte einige Zeit in Moskau, schloß sich nach seiner Rückkehr im Jahre 1925 eng an die Gruppe um Ernst Meyer an und gelangte mit dieser Gruppe 1926 wieder in leitende Positionen. Becker arbeitete in der Gewerkschaftsabteilung des ZK, war von 1927 bis Anfang 1928 Chefredakteur der KPD-Gewerkschaftszeitung »Kampf«. Vom XI. Parteitag 1927 wieder als Mitglied ins ZK gewählt, 1928 zum KPD-Abgeordneten des Preußischen Landtags. Bei den innerparteilichen Auseinandersetzungen 1928 einer der Wortführer der Versöhnler und mit diesen aus allen wichtigen Funktionen verdrängt, 1929 kam er nicht mehr ins ZK. Becker kapitulierte und betätigte sich in Nebenorganisationen der KPD (Rote Hilfe, Kampfbund gegen den Faschismus). Von 1931 bis 1933 in Berlin Landessekretär des Bundes der Freunde der Sowjetunion. 1933 ging Becker in die Illegalität, emigrierte im Oktober 1934 zunächst nach Prag, dann nach Amsterdam. Er arbeitete später für die KPD in Frankreich, übernahm 1937 beim Weltkomitee der Freunde der Sowjetunion in Paris eine führende Funktion. Am 18. Juni 1941 wurde Becker gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin seit 1932, Elsa Arnold, in Paris verhaftet, das Vichy-Regime hat beide an Deutschland ausgeliefert. Am 4. September 1942 wurde Karl Albin Becker vom VGH zum Tode verurteilt und am 1. Dezember 1942 in Plötzensee hingerichtet. Im letzten Brief an Elsa Arnold schrieb er: »Ich sterbe aufrecht, wie ich gelebt habe, wie ein Soldat für mein Ideal.« Elsa Arnold, geborene Sens (* 9. 10. 1903 in Hamburg), arbeitete als Stenotypistin und Übersetzerin. Seit 1919 Mitglied der SAJ, gehörte sie 1924 der Monistischen Jugend und ab 1925 der KPD an. Mit ihrem ersten Mann, Dr. jur. Arthur Arnold, einem Mitarbeiter der sowjetischen Handelsvertretung, lebte sie von 1926 bis 1930 in Paris, war dort bei der französischen Gewerkschaft C.G.T.U. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland Angestellte der RGO, der IAH und beim Weltkomitee der Freunde der Sowjetunion, wo sie zuletzt der Reichsleitung angehörte. 1933 emigrierte sie nach Amsterdam, Zusammenarbeit mit August Creutzburg, ab 1936 in Paris enge Mitarbeiterin von Paul Bertz. Mit Karl Albin Becker im Weltkomitee der Freunde der Sowjetunion tätig. Elsa Arnold wurde gemeinsam mit Becker angeklagt und im Prozeß vor dem VGH im September 1942 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1945 aus dem Zuchthaus Waldheim befreit, wurde sie 1946 Sekretärin der KPD/SED-KL Berlin-Spandau, ab 1950 Instrukteurin im ZK der SED. 1953 wegen »kleinbürgerlichen Verhaltens« in die Filmfabrik nach Wolfen versetzt, wurde sie 1954 Abteilungsleiterin der SED-BL Halle, war zuletzt bei der Deutschen Notenbank. Elsa Arnold starb am 16. Mai 1986 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Becker, Achim

* 21.11.1931

Geb. in Hamburg; Vater Milchhändler, Mutter Reinigungskraft; Grund- u. bis 1947 OS; 1943 Evakuierung nach Mecklenb. 1947 – 49 in Grevesmühlen Ausbildung zum Kfm., Getreidekfm.; 1949/50 kfm. Angest. im VEAB Krs.-Kontor; 1950 KPS; 1950/51 Sachbearb. beim Krs.-Jugendamt; 1950/51 FS für Rundfunk Berlin-Grünau; VDJ; 1951 Rundfunkjournalist, Hilfsred. im Funkhaus Grünau, Red. »Pol. Wort«; 1951 – 53 Red. im Berliner Rundfunk u. im Dtl.-Sender, dort in der Red. »Hier spricht die KPD« u. »Wir sprechen für Westdtl.«; Febr. 1952 SED; 1953/54 Schüler der Zentralschule der SED in Schwerin; Jan. 1954 – Juli 1956 Red.-Ltr. der Berlin-Red. im Dtl.-Sender von »Aus Dtl. Hauptstadt«, Mitgl. der ZPL beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1954 – 62 Fernstudium PHS, Abschl. als Dipl.-Ges.-Wiss.; Aug. 1956 – 62 offiz. als kfm. Ltr. im VEB Kraftverkehr Berlin-Lichtenberg, tatsächl. Mitarb. am Dt. Freiheitssender 904; 1962 – 64 Red., 1964 – 66 Ltr. der Red. »Aus dem Arbeiterleben« des Dtl.-Senders; 1966 Abschl. der FS für Journalistik, Ltr. der Red. Gewerkschaft im Dtl.-Sender; 1969 – 72 Chefred. von Stimme der DDR im Staatl. Komitee für Rundfunk beim Min.-Rat; 1967 VDJ; im Aug. 1968 nach der Okkupation der ČSSR einige Wochen Sonderkorrespondent in Prag; 1970 Gerhart-Eisler-Plakette; 1972 – 76 1. Sekr. der SED-BPO im Staatl. Komitee für Rundfunk, Mitgl. der SED-KL Berlin-Köpenick; 1975 Oblt. der Reserve; 1976 – Okt. 1980 hauptamtl. Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED, verantw. für publ. Fragen der Außenpol. u. internat. Beziehungen der SED; Nov.1980 – 89 Vors. des Staatl. Komitees für Rundfunk (Nachf. von  Rudolf Singer); 1981 – 86 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1982 Verdienstmedaille der Organe des MdI; 1982 – 89 Mitgl. des ZV des VDJ; 1985 VVO; 1985 – 87 Vors. des Verw.-Rats der Internat. Rundfunk u. Fernsehorg. OIRT; Oberst-Ltn. der Reserve der NVA. 1990 Rentner, Mitgl. der PDS; lebt in Berlin.Bernd-Rainer Barth